entgeistert

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungent-geis-tert
formal verwandt mitGeist1
eWDG, 1967

Bedeutung

starr vor Erstaunen
Beispiele:
jmdn. entgeistert ansehen, anblicken, anstarren
jmdm. entgeistert nachschauen
alle starrten (wie) entgeistert auf ihn
er starrte entgeistert vor sich hin
der Blick war entgeistert auf mich gerichtet
sie fragte entgeistert, was sie jetzt tun solle
ich sah in ein völlig entgeistertes Gesicht
mit entgeisterter Miene berichtete sie das Unfassliche
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geist · geistern · geistig · durchgeistigt · geistlich · Geistlicher · Geistlichkeit · geisterhaft · geistesabwesend · Geistesabwesenheit · Geistesgegenwart · geistesgegenwärtig · geisteskrank · Geisteswissenschaften · geistlos · geistreich · entgeistern · entgeistert
Geist m. ‘Hauch, Atem, menschliches Denk- und Erkenntnisvermögen, Esprit, idealistisches schöpferisches Prinzip, Gespenst’, ahd. geist (8. Jh.; nur in der Übersetzung für lat. spīritus), mhd. geist, asächs. mnd. gēst, mnl. gheest, nl. geest, afries. gāst, aengl. gāst, engl. ghost (westgerm. *gaista-) sind Bildungen mit Dentalsuffix zu einer s-Erweiterung ie. *g̑heis- ‘aufgebracht, bestürzt, erschreckt (sein)’. Germ. Verwandte sind aengl. gǣstan ‘in Schrecken versetzen’, engl. ghastly ‘gräßlich, entsetzlich, furchtbar’ und (ohne Dentalsuffix) got. usgeisnan ‘erschrecken’ (intransitiv), usgaisjan ‘erschrecken’ (transitiv) sowie vielleicht anord. geiskafullr ‘voll Schrecken’, geiski ‘Schrecken’; außergerm. sind aind. hīḍ- ‘zürnen’, hḗḍa-, hḗḍas- ‘(Götter)zorn’ und (ohne Dental) awest. zaēša- ‘schauderhaft’ vergleichbar. Im Germ. bedeutet Geist danach ursprünglich soviel wie ‘Ekstase’ und (wenn auch nur noch aengl., nicht aber ahd. und asächs. bezeugt) ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (in dieser Verwendung erst wieder mhd.). Als Übersetzung von lat. spīritus ‘Hauch, Atem, Geist, Seele’, das seinerseits von griech. pné͞uma (πνεῦμα) ‘Hauch, Atem, Leben, Geist’ beeinflußt ist, wird ahd. geist mit christlichen Vorstellungen erfüllt und durch die angelsächsische Mission von Fulda aus in der dt. Kirchensprache verbreitet, vgl. aengl. sē hālga gāst (engl. the Holy Ghost), danach ahd. (frk.) ther heilago geist (9. Jh.), nhd. der Heilige Geist, für lat. spīritus sānctus, griech. hágion pné͞uma (ἅγιον πνεῦμα) der Kirchensprache. Die auf obd. Gebiet durch die gotische Mission entstandene Übersetzung ahd. ther wīho ātum vermag sich nicht durchzusetzen. Erst im 18. Jh. wird Geist unter dem Einfluß von frz. esprit zum Ausdruck einer besonderen Fähigkeit, der Gewandtheit, Leichtigkeit des Denkens, des Scharfsinns, des Einfallsreichtums und bezeichnet schließlich das denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen. Nach dem Vorbild von lat. spīritus und frz. esprit wird Geist auch im Sinne von ‘flüchtige Essenz, Alkohol’ gebraucht (18. Jh.). geistern Vb. ‘als Geist, wie ein Geist herumgehen, spuken’ (19. Jh.), älter ‘begeistern’ (17. Jh.). geistig Adj. ‘auf das Denkvermögen, die Verstandeskräfte bezogen, Verstand besitzend, klug’. Vereinzeltes spätmhd. geistec ‘von Geist beseelt’ wird bald von geistlich (s. unten) verdrängt. Erst im 17. Jh. ist geistig wieder bezeugt im Sinne von ‘witzig, erfinderisch, geistreich’, steht dann im Gegensatz zu körperlich, stofflich und nimmt im 18. Jh. die oben genannte Bedeutung an; daneben auch ‘alkoholisch’ (ebenfalls 18. Jh.). durchgeistigt Part.adj. ‘geistvoll, von Geist durchdrungen’ (19. Jh.). geistlich Adj. ‘religiöse Dinge betreffend’, ahd. geistlīh, Übersetzung von lat. spīrituālis (8. Jh.), mhd. geistlich, auch ‘fromm’, asächs. gēstlīk, nl. geestelijk, aengl. gāstlic, engl. ghostly (auch ‘geisterhaft’). Ursprünglich vereint dieses Adjektiv sowohl die Bedeutung des erst im 18. Jh. geläufigen geistig (s. oben) ‘den Geist betreffend, immateriell’ (im Gegensatz zu natürlich, körperlich, stofflich) als auch die des heutigen geistlich ‘die Religion betreffend’ (Gegensatz zu weltlich); vgl. geistliche und weltliche Lieder, geistlicher Stand ‘Priesterschaft’ (15. Jh.) sowie Geistlicher m. ‘Kleriker, Priester’ (15. Jh.), mhd. meist noch geistlīche liute. Eine deutliche Scheidung zwischen beiden Wörtern vollzieht sich erst nach dem 18. Jh. Geistlichkeit f. ‘Klerus, Priesterschaft’ (15. Jh.), spätmhd. geistlīcheit ‘die Immaterialität mystischen Versenkens’, auch Gegensatz zu Weltlichkeit; in den Vokabularen des 15. Jhs. Übersetzungswort für lat. religio. geisterhaft Adj. ‘gespenstisch’ (18. Jh.). geistesabwesend Part.adj. ‘zerstreut, mit den Gedanken nicht bei der Sache’ (19. Jh.), Rückbildung aus dem Substantiv Geistesabwesenheit f. ‘Zerstreutheit’ (19. Jh.), Übersetzung von frz. absence d’esprit; Gegensatz Geistesgegenwart f. ‘schnelle Reaktionsfähigkeit, Schlagfertigkeit’ (18. Jh.), nach frz. présence d’esprit; geistesgegenwärtig Adj. (19. Jh.). geisteskrank Adj. ‘geistigseelisch krank, verwirrt’ (19. Jh.). Geisteswissenschaften Plur. sich mit Kultur und dem geistigen Leben befassende Wissenschaften (19. Jh.). geistlos Adj. ‘geistig anspruchslos, dumm’ (18. Jh.); vgl. mhd. geist(e)lōs ‘leblos’. geistreich Adj. ‘gescheit, spritzig, niveauvoll’ (16. Jh.), spätmhd. geist(e)rīch (14. Jh., Mystiker) ‘vom heiligen Geist erfüllt’ (noch bei Luther). Der heutige Gebrauch verbreitet sich seit dem 17. Jh. unter Einfluß von frz. spirituel. entgeistern Vb. ‘des Lebens berauben’ (17. Jh.), meist entgeistert Part.adj. ‘fassungslos, überrascht’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
durcheinander · entgeistert · ↗fassungslos · ↗konfus · neben sich stehen · ↗umnachtet · ↗verstört · verwirrt  ●  derangiert  geh., franz. · neben der Rolle sein  ugs. · ↗tüdelig  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
Assoziationen
  • außer Fassung · entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges (humor. altertümelnd)  geh. · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (geistig) weggetreten · (in Gedanken) versunken · ↗abwesend · ↗gedankenverloren · ↗geistesabwesend · geistig abwesend · in den Wolken · nicht alle (seine) fünf Sinne beisammen haben · nicht ganz bei sich · ↗selbstvergessen  ●  Absencen haben  geh. · ↗entrückt  geh. · ↗erdenfern  geh. · in Gedanken  ugs. · nicht ganz da  ugs. · völlig daneben (sein)  ugs. · weit weg  ugs.
  • dement · findet sich nicht mehr zurecht · geistig verwirrt · hochgradig senil · kommt alleine nicht mehr klar · nicht mehr Herr seiner Sinne · ↗senil · verwirrt · ↗zerstreut  ●  verkalkt  veraltet · ↗deliriös  fachspr., lat. · geistig umnachtet  geh.
  • (total) von der Rolle · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · geistig umnachtet · ↗psychotisch · unter Wahnvorstellungen leidend · ↗unzurechnungsfähig · ↗verrückt (geworden) · ↗wahnsinnig  ●  ↗(total) durchgeknallt  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · durch den Wind  ugs. · durchgedreht  ugs. · ↗gaga  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗irrsinnig  ugs. · ↗jeck  ugs., kölsch · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · von Sinnen  geh., veraltet, literarisch
  • (innerlich) in Aufruhr · (innerlich) zerrissen · aufgewühlt · ↗verstört
Synonymgruppe
außer Fassung · entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges (humor. altertümelnd)  geh. · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
Assoziationen
  • durcheinander · entgeistert · ↗fassungslos · ↗konfus · neben sich stehen · ↗umnachtet · ↗verstört · verwirrt  ●  derangiert  geh., franz. · neben der Rolle sein  ugs. · ↗tüdelig  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • erstaunen · ↗frappieren · für Überraschung sorgen (journal.) · in Erstaunen setzen · ↗verblüffen · ↗verdutzen · ↗verwundern · ↗überraschen  ●  ↗(jemanden) wundern  ugs.
  • (sich) nicht sicher · ↗ratlos · ↗unentschieden · ↗unentschlossen · ↗unschlüssig  ●  (auch) nicht wissen, wie es weitergeht  ugs.
  • (das ist ja) (ein) dolles Ding  ugs. · (ja) ist denn das die Möglichkeit!?  ugs. · Ist nicht wahr!  ugs., salopp, Spruch · Jetzt wird (aber) der Hund in der Pfanne verrückt!  ugs., Spruch, variabel · Mich laust der Affe!  ugs., Spruch · das darf nicht wahr sein!  ugs. · das gibt's doch nicht!  ugs. · das kann doch einfach nicht wahr sein!  ugs. · das kann doch wohl nicht wahr sein!  ugs. · du glaubst es nicht!  ugs. · du kriegst die Motten!  ugs., Spruch · ich fress 'en Besen!  ugs., Spruch · ich glaub ich werd zum Elch  ugs., Spruch · ich glaub, es geht los!  ugs., Spruch · ich glaub, ich steh im Wald!  ugs., Spruch · ich glaub, mich holn'se ab!  ugs. · ich krieg die Motten!  ugs., Spruch · ich werd' verrückt!  ugs. · ich werd' zum Elch!  ugs., Spruch · ja isset denn möglich!?  ugs. · jetzt brat mir (aber) einer einen Storch!  ugs., Spruch · jetzt brat mir einer 'en Storch  ugs., veraltet · man glaubt es nicht!  ugs. · wie (...) ist das denn!?  ugs., jugendsprachlich · wie isset denn möglich?!  ugs.
  • (etwas) nicht fassen können · (etwas) nicht glauben wollen · nicht bedacht haben · nicht eingestellt (gewesen) sein auf · nicht gerechnet haben (mit) · überrascht werden (von)  ●  (völlig) überrascht (sein)  Hauptform · (für jemanden / jemandem) sehr plötzlich kommen  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · aus allen Wolken fallen  ugs., fig. · kalt erwischt werden  ugs. · mit etwas überhaupt nicht gerechnet haben  ugs. · nicht auf dem Schirm (gehabt) haben  ugs., fig.
  • die Welt nicht mehr verstehen · fragend · ↗stutzig · ↗verständnislos · verwirrt
  • (jemand) weiß nichts mehr zu sagen · (jemandem hat es) die Sprache verschlagen · (jemandem) fehlen die Worte · (jemandem) verschlägt es die Sprache · jemand sagt nichts mehr (zu) · nichts mehr einfallen (zu) · sprachlos sein · ↗verstummen  ●  (jemandem) bleibt (da) die Spucke weg  ugs., fig.
  • hilflos · ↗verloren · weiß sich nicht zu helfen  ●  ↗aufgeschmissen  ugs.
  • stehenbleiben wie angewurzelt · wie erstarrt sein  ●  zur Salzsäule erstarren  ugs.
  • (erst einmal) nichts zu sagen wissen · (sehr) erstaunt sein · ↗(sich) wundern · ↗angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · ↗bestaunen · ↗bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit offenem Mund dastehen · nicht schlecht staunen (Verstärkung) · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · ↗staunen · verwundert anstarren  ●  (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen (Verstärkung)  ugs. · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft
  • erstaunt · ↗perplex · ↗platt · ↗sprachlos · verblüfft · ↗verdattert · ↗verdutzt · verwundert  ●  ↗baff  ugs. · bass erstaunt (Verstärkung)  geh., veraltend · geplättet  ugs., fig. · platt wie 'ne Flunder (Verstärkung)  ugs. · platt wie eine Briefmarke  ugs.
  • nicht glauben können, was geschieht · nicht wissen, wie einem geschieht  ●  (jemandem) wankt der Boden unter den Füßen  fig. · (jemandem) vergeht Hören und Sehen  ugs. · nicht (mehr) wissen, ob man Männchen oder Weibchen ist  ugs. · nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist  ugs., übertreibend
  • eine unangenehme Überraschung erleben · unangenehm überrascht sein  ●  (sich) fühlen wie vor den Kopf geschlagen  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen sein  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blick Gesicht Zuschauer anblicken angucken anschauen ansehen anstarren antworten ausrufen blicken feststellen fragen gucken hinterherschauen registrieren rufen schauen schütteln starren völlig ziemlich zurückfragen zusehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entgeistert‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich schaute ihr völlig entgeistert nach, nicht fähig, etwas zu unternehmen.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Das Mädchen schaut ihn entgeistert an, dann reitet es mit gesenktem Kopf davon.
Süddeutsche Zeitung, 08.09.2003
Sie hörte sofort auf mit dem Lachen und sah mich entgeistert an.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 89
Er sah mich entgeistert an, nickte dann und rannte weiter.
Arjouni, Jakob: Happy birthday, Türke!, Zürich: Diogenes 1987 [1985], S. 141
Zitationshilfe
„entgeistert“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/entgeistert>, abgerufen am 19.10.2019.

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