entblöden

GrammatikVerb · reflexiventblödete sich, hat sich entblödet
Aussprache
Worttrennungent-blö-den
Grundformblöd
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend sich nicht entblöden, etw. zu tunsich nicht scheuen, etw. zu tun (obwohl es dumm, unklug ist)
Beispiele:
er entblödete sich nicht, eine Dummheit nach der anderen zu begehen, seinen Irrtum noch öffentlich zu verteidigen
er entblödete sich nicht ... eine Vorstellung zu geben, in der er die Art der Base aufs komischste nachäffte [RaabeHungerpastorI 1,208]
Er hätte sich dort nicht entblödet, vor die Versammlung gerade die Gedankengänge zu bringen, vor denen man ihn vorher gewarnt hätte [SeghersDie Toten6,387]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blöd · blöde · blödeln · entblöden · verblöden · blödsinnig · Blödsinn
blöd blöde Adj. ‘dumm, schwachsinnig’ (16. Jh.), ahd. blōdi ‘träge, furchtsam, körperlich schwach’ (9. Jh.), mhd. blœde ‘gebrechlich, zart, zaghaft’, asächs. blōð(i) ‘zaghaft, furchtsam’, mnd. blȫde ‘schwach, furchtsam, verzagt’, mnl. blōde, bloot, nl. blood ‘schüchtern, feige’, aengl. blēaþ ‘schwach’, anord. blauðr ‘schwach, zaghaft’ sowie got. blauþjan Vb. ‘abschaffen’, eigentlich ‘schwach machen’, werden mit griech. phlá͞uros (φλαῦρος) ‘schlecht, geringfügig’ auf eine Wurzelform ie. *bhləu- ‘schwach, elend’ zurückgeführt. Ablautendes ie. *bhlēu, *bhlū- findet sich in ahd. blūgo Adv., mhd. blūc, bliuc ‘zaghaft, schüchtern’, schwed. blyg ‘schüchtern, scheu, befangen’. Zur Verwandtschaft s. auch ↗bloß. Eine weiterreichende Hypothese sieht in der Wurzel ie. *bhlēu- eine Parallele zu der vielleicht für das Verbum ↗bleuen (s. d.) vorauszusetzenden Wurzelform ie. *bhleu- ‘schlagen’. Die Bedeutung ‘schwach, elend’ wäre danach aus ‘geschlagen’ hervorgegangen. blödeln Vb. ‘(bewußt) Unsinn reden’ (19. Jh.). entblöden Vb. reflexiv ‘die Scheu ablegen’ (17. Jh.), heute gewöhnlich als Verstärkung doppelt verneint sich nicht entblöden ‘sich nicht schämen, sich erkühnen’ (17. Jh.). verblöden Vb. ‘blöd(e) werden’, mhd. verblœden ‘einschüchtern’; blödsinnig Adj. ‘schwachsinnig, sinnlos’ (Anfang 17. Jh.); davon rückgebildet Blödsinn m. (Mitte 18. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Leben entblödet sich nicht, unsere ältesten Vorurteile wahr zu machen.
Süddeutsche Zeitung, 12.01.1995
Buck hatte sich nicht entblödet, sie zu seinem Plädoyer einzuladen!
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 209
Der Autor dieser Zeilen entblödet sich übrigens nicht, zuzugeben, dass er versucht, am Sonntagmorgen zumindest den Start mitzubekommen.
Die Welt, 03.03.2001
Anstatt sich über meine Einladung zu freuen, haben sich die Volltrottel nicht entblödet, mich mit einer uralten Gasrechnung zu belästigen.
Bild, 14.11.2000
Die vielen Schülerselbstmorde werden zumeist von sogenannten Pädagogen verschuldet, die sich nicht entblöden, erwachsene Schüler höherer Unterrichtsanstalten, selbst Obersekundaner, zu prügeln.
Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 28423
Zitationshilfe
„entblöden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/entblöden>, abgerufen am 15.10.2019.

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