entäußern

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungent-äu-ßern
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben sich einer Sache entäußerneiner Sache entsagen, auf etw. verzichten
Beispiele:
sich seiner Gewohnheiten, Wünsche, seiner Persönlichkeit, Meinung, seines Willens entäußern
und wenn sie sich auch noch des Namens Ehrenberg hätte entäußern können, wäre sie Gott dankbar gewesen [Wasserm.Junker Ernst29]
2.
gespreizt sich einer Sache entäußernetw. weggeben
Beispiel:
sich seines Vermögens, des Erbes entäußern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

äußern · Äußerung · entäußern · veräußern
äußern Vb. ‘zum Ausdruck bringen, aussprechen’, reflexiv auch ‘zum Ausdruck kommen, sich zeigen’. Im Mhd. steht neben den von den Adverbien ūʒ (s. ↗aus) und ūʒen (s. ↗außen) abgeleiteten Verben ūʒen, iuʒen, ūʒenen, iuʒenen bereits ūʒern, iuʒern, das seinerseits entweder zu ursprünglich adverbialem mhd. ūʒer (s. ↗außer) oder zu adjektivischem mhd. ūʒer (s. ↗äußer) gehört. Der Bedeutungsum-fang des Verbs ist im Mittelalter (für die hd. Form wie für mnd. ūteren) und auch in frühnhd. Zeit erheblich größer als in der Gegenwart. Das Verb enthält in vielfacher, besonders rechtlicher Hinsicht die Vorstellung ‘herausgeben’, auch ‘veräußern, bekanntgeben, ausweisen, ausschließen’. Reflexiv gebraucht meint es ‘sich entledigen, entäußern, sich fortmachen’. Einige der genannten Verwendungsweisen leben in den Verben veräußern, entäußern (s. unten) weiter. Im 18. Jh. bedeutet äußern vornehmlich ‘an sich sehen lassen, zeigen’ (eigentlich ‘nach außen treten lassen’). Diese Bedeutung ist seitdem, zumindest bei transitivem Gebrauch, ganz auf den mündlichen oder schriftlichen Ausdruck, (Gefühle und Meinungen) ‘aussprechen’, beschränkt. Äußerung f. ‘Bemerkung, sichtbares Zeichen, Ausdruck’, mhd. ūʒerunge ‘Äußerung, Rede, Entfernung, Ausweisung’. entäußern Vb. reflexiv ‘sich einer Sache begeben’, mhd. entiuʒern reflexiv, neben entiuʒen, entūʒenen (entsprechend den Nebenformen zum Simplex, s. oben). veräußern Vb. ‘Besitz verkaufen’, mhd. veriuʒern, verūʒern ‘veräußern, verkaufen’, reflexiv ‘sich nach außen kehren’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Natur freiwillig

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Österreichs Isolation ist ausgestanden, anstatt in seinem Inneren zu wühlen, kann das Land sich glücklich entäußern.
konkret, 1993
Die Menschheit brauche ein harmloses Mittel, sich ihrer selbst zu entäußern.
Die Zeit, 29.04.1954, Nr. 17
Der Mensch »entäußert« oder »entfremdet« sich (Entfremdung) in der Arbeit.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - M. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 4251
Zudem wollte die sonderbar laue Zeit mit ihrer Vorfrühlingsspannung von Mensch zu Mensch entäußert sein.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 997
Sie entäußert ihn seiner selbst, denunziert mit seiner Einheit seine Autonomie und unterwirft ihn so vollends dem Rationalisierungsmechanismus, der Anpassung.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 70
Zitationshilfe
„entäußern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/entäußern>, abgerufen am 22.10.2019.

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