empfinden

GrammatikVerb · empfand, hat empfunden
Aussprache
Worttrennungemp-fin-den (computergeneriert)
Wortbildung mit ›empfinden‹ als Erstglied: ↗Empfindler · ↗Empfindung · ↗empfindbar · ↗empfindlich · ↗empfindsam
 ·  mit ›empfinden‹ als Letztglied: ↗anempfinden · ↗mitempfinden · ↗nachempfinden
 ·  mit ›empfinden‹ als Grundform: ↗Empfindelei · ↗Empfinden · ↗Empfundenheit
 ·  formal verwandt mit: ↗tiefempfunden
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. fühlen
a)
etw. durch die Sinnesorgane wahrnehmen
Beispiele:
er empfand Hunger, die Kälte, Hitze
ich habe die Schmerzen nach der Operation kaum empfunden
einen Druck im Kopf, am Herzen empfinden
den Lärm als störend empfinden
die Stille wohltuend empfinden
b)
im Gemütszustand durch etw. bewegt werden
Beispiele:
Freude, Stolz, Dankbarkeit, Befriedigung, Genugtuung, Schadenfreude, Bitterkeit, Verachtung, Zorn, Furcht, Reue, Abscheu, Ekel empfinden
er empfand Achtung vor ihr, Freundschaft für sie
mit jmdm. empfinden
die Menschen empfinden sehr verschieden
einen Verlust tief, schmerzlich, bitter empfinden
etw. dunkel, dumpf empfinden
etw. als Bürde, Beleidigung, jmdn., sich als Fremdkörper empfinden
ein Wort als Beleidigung empfinden
nichts für jmdn. empfinden können (= jmdn. nicht lieben können)
Würde man ihm glauben, so hätte seit Anbeginn der Welt noch nie ein Mann so grenzenlos für eine Frau Liebe empfunden [St. ZweigBalzac280]
denn mußte man nicht leidenschaftlich fühlen können, wenn man die Liebe wie einen Gott empfand [FlakeSchritt80]
Ippolito empfand warm den Segen der Freundschaft [Bergengr.Heiraten181]
Er empfindet doch so national [BrechtFurcht u. Elend10]
Der Deutsche empfindet sozial [BaierlFlinz2]
daß sie mit der Annexion Bosniens durch Österreich nicht aufgehört habe, als Serbin zu empfinden [MühsamNamen224]
wie ein Stück Holz, das nichts fühlt und empfindet [RaabeIII 1,489]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfinden · empfindlich · Empfindlichkeit · empfindsam · Empfindsamkeit · Empfindung
empfinden Vb. ‘sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren’, ahd. intfindan (9. Jh.), mhd. enphinden, entvinden, Präfixbildung (s. ↗ent-) zu dem unter ↗finden (s. d.) behandelten Verb in unterschiedlichen Verwendungen für Vorgänge der sinnlichen Wahrnehmung wie für psychische Erlebensweisen. empfindlich Adj. ‘leicht erregbar, anfällig, spürbar’, ahd. intfindlīh ‘leidensfähig, leidend’ (um 1000), mhd. enphintlich ‘mitfühlend, fühlbar’, also dem Verb in unterschiedlichen Auffassungen folgend, einmal ‘fühlbar, (leicht, stark) zu empfinden’ (empfindlicher Frost), wozu sich ein adverbialer Gebrauch ‘stark, sehr’ (empfindlich kalt) stellt, dann ‘leicht empfindend, der Empfindung fähig’, was sich zu ‘anfällig’ weiterentwickelt; ein Teil dieser Verwendungen wird im 18. Jh. von empfindsam (s. unten) übernommen. Empfindlichkeit f. ‘Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Anfälligkeit’, spätmhd. enphintlīcheit ‘Wahrnehmung durch das Gefühl’. empfindsam Adj. ‘zartfühlend, gefühlvoll’, im 18. Jh. für gleichbed. engl. sentimental verwendet und zusammen mit dem folgenden Substantiv zum Modewort werdend; durchgesetzt seit Bodes Übersetzung (1768) von Sternes “A Sentimental Journey through France and Italy” (Yoricks empfindsame Reise); vgl. Feldmann in: ZfdWf. 6 (1904/5) 306 f. Empfindsamkeit f. ‘Zartgefühl, Feinfühligkeit’ (18. Jh.), insbesondere Bezeichnung für eine von England ausgehende Strömung starker Gefühlsbetonung. Empfindung f. ‘Wahrnehmung, Gemütsbewegung, Gefühl’, spätmhd. enphindunge.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · ↗fühlen · ↗spüren · ↗verspüren · ↗wahrnehmen
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • taktile Wahrnehmung
  • Fühlbarkeit · Taktilität
Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · ↗fühlen · ↗spüren · ↗verspüren · ↗wahrnehmen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affront Bedrohung Befreiung Belastung Beleidigung Bereicherung Dankbarkeit Demütigung Erleichterung Freude Genugtuung Last Mitleid Niederlage Provokation Schmerz Sympathie Verrat Zumutung als angenehm eher ich lästig nachempfinden selbst störend unangenehm ungerecht was

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›empfinden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

A. empfand sich als Teil eines Kollektivs, dem er am besten dienen wollte.
o. A.: Lexikon der Kunst - A. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 24675
Wer dann doch erwischt wird, empfindet das als ungünstiges Schicksal.
Der Spiegel, 11.01.1982
Frankreich bleibe ein solidarisches Land, aber es empfinde auch mit den Ländern der Dritten Welt Solidarität.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1981]
So habe ich ihre liebevolle Art besonders in den frühen Jahren empfunden.
Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 12
Als man daranging, eine strenge christliche Lebensweise durchzusetzen, empfanden wiederum viele das als unliebsame Einschränkung der persönlichen Freiheit.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7529
Zitationshilfe
„empfinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/empfinden>, abgerufen am 26.04.2019.

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