einsehen

GrammatikVerb · sieht ein, sah ein, hat eingesehen
Aussprache
Worttrennungein-se-hen (computergeneriert)
Wortzerlegungein-sehen
Wortbildung mit ›einsehen‹ als Erstglied: ↗einsehbar  ·  mit ›einsehen‹ als Grundform: ↗Einsehen · ↗Einsicht  ·  formal verwandt mit: ↗uneinsichtig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
in ein Gelände hineinsehen
Beispiele:
in unseren Garten kann man von der Straße aus einsehen
hier kann keiner einsehen, kann nicht eingesehen werden
dieses Gelände, unseren Abschnitt konnte man gut einsehen
der Ort war fast gar nicht einzusehen
veraltet jmdn. einsehenjmdn. sehen
Beispiele:
der Beobachtungsposten war so gut getarnt, dass er von der gegenüberliegenden Seite nicht eingesehen werden konnte
daß Männer zu Pferde leichter eingesehen werden können als Männer zu Fuß [Bergengr.Rittmeisterin214]
2.
einen prüfenden Blick in etw. werfen
Beispiele:
der Sachverständige, Rechtsanwalt sah die Akten ein
Urkunden, die Unterlagen, Geschäftsbücher, Briefe einsehen
er wollte die neueste Literatur für sein Fachgebiet einsehen
haben Sie schon die Wählerliste eingesehen?
Sie können ihn [den Koffer] ausnahmsweise heute nach Einschluß einsehen (= seinen Inhalt prüfen) [FalladaBlechnapf86]
3.
etw. begreifen, verstehen
Beispiele:
die Schüler sehen die neue Anordnung ein
ich sehe nicht ein, warum gerade ich weggehen soll
ich kann das nicht einsehen
nach langem Warten sah er ein, dass ...
es ist leicht einzusehen, dass ...
es ist schwer, kaum einzusehen, warum ...
4.
einen Irrtum erkennen
Beispiele:
er hat seinen Fehler, das Unrecht eingesehen
er will es eben nicht einsehen, dass er falsch gehandelt hat
hat er es endlich eingesehen?
du wirst es erst einsehen, wenn es zu spät ist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

einsehen · Einsicht · einsichtig
einsehen Vb. ‘in etw. (hinein)sehen, Einblick nehmen, erkennen, verstehen’, mhd. īnsehen (um 1300) ist Übersetzung von lat. īnspicere; bei Eckhart und Tauler substantiviert, im geistlichen Sinne ‘in etw. (Verborgenes) hineinschauen’. Seit dem 18. Jh. allgemein für ‘erkennen (und zugeben)’, insbesondere seine Fehler, seinen Irrtum einsehen. Frühnhd. verbreitet ist die Verwendung ‘einschreiten, strafen’, vgl. (bei Aufruhr gebührt) welltlicher oberkeyt eynzusehen (Luther 1525); auch die Wendungen ein Einsehen tun, haben werden vom 16. bis 18. Jh. in diesem Sinne gebraucht. Einsicht f. ‘das Einsehen, Einblick, Erkenntnis, Vernunft’, Ableitung von einsehen. Seit Anfang des 18. Jhs. gebräuchlich Einsicht in ein Buch, in einen Zusammenhang; Plural Einsichten (‘Erkenntnisse’) gewinnen. einsichtig Adj. ‘verständnisvoll, leicht einzusehen, verständlich’; vor Adelung (1774), der es als umgangssprachlich bezeichnet, nur vereinzelt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) überzeugen lassen · ↗akzeptieren · ↗annehmen · einsehen · ↗erkennen · ↗verstehen  ●  ↗kapieren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Blick hineinwerfen · Einblick nehmen · einsehen · ↗hineinblicken · ↗hineinschauen  ●  ↗hineinsehen  Hauptform · (einen) Blick reinwerfen  ugs. · reingucken  ugs., regional · reinsehen  ugs., regional

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akte Archiv Aussichtslosigkeit Datum Dokument Ermittlungsakte Fehler Grundbuch Internet Irrtum Lesesaal Notwendigkeit Sinnlosigkeit Stasi-Akte Unrecht Unterlage allmählich bald endlich ich inzwischen irgendwann jederzeit leicht nicht recht schließlich sehen sofort wohl

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einsehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er habe früh eingesehen, dass man Geld brauche, um die Welt zu verändern, schob er hinterher.
Die Zeit, 04.05.2012 (online)
Er kann nicht einsehen, warum ausgerechnet er an diesem besonderen Tag alleine ist.
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2004
Und wenn man es hinter sich hat, beginnt man plötzlich einzusehen, was man eigentlich schon lange hätte tun können.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 28
Am Ende dieses Jahres würde auch die Welt dies einsehen.
o. A.: Sechzehnter Tag. Montag, 10. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 24780
Dann sehen sie ein, daß sie den Mund doch zu voll nahmen und daß sie mehr behaupteten, als sie verantworten können.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 15594
Zitationshilfe
„einsehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/einsehen>, abgerufen am 21.05.2019.

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