einfallen

GrammatikVerb · fällt ein, fiel ein, ist eingefallen
Aussprache
Worttrennungein-fal-len
Wortzerlegungein-fallen
Wortbildung mit ›einfallen‹ als Erstglied: ↗Einfallstraße  ·  mit ›einfallen‹ als Grundform: ↗Einfall · ↗eingefallen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
zusammenfallen, einstürzen
Beispiele:
die Ruine, ein altes Gemäuer fällt ein
dieser Zaun wird bald einfallen
der Kachelofen wollte einfallen, drohte einzufallen
eingefallene Gräber
etw. fällt ein wie ein Kartenhaus
bildlich ich glaubte, der Himmel fiele ein
Da ist Tünche nötig, frische Tünche nötig! / Wenn der Saustall einfällt, ist's zu spät [BrechtGedichte224]
2.
gewaltsam eindringen, sich unter Gewaltanwendung Eintritt verschaffen, einbrechen
Gegenwort zu ausfallen
Beispiele:
feindliche Horden, Truppenverbände fielen in das Land ein
von Süden her einfallen
3.
Jägersprache vom Federwild   sich niederlassen
Beispiele:
Rebhühner fielen auf den Baum, auf ein Feld ein
Enten, Reiher sind auf das Wasser eingefallen
4.
Licht fällt einLicht kommt herein, dringt herein
Beispiele:
aus dem Nebenzimmer fiel Licht ein
ein Strahlenbündel fällt ein
die einfallende Sonnenstrahlung
seitwärts, schräg, steil einfallendes Licht
5.
Bergmannssprache sich in einer Richtung abdachen, senken
Beispiele:
die Lagerstätte fällt mit etwa zwei Grad nach Westen ein
die Erzgänge fallen steil, flach ein
einfallende Gesteinsschichten
6.
in etw. einstimmen
Beispiele:
nach dem Solo des Tenors fielen alle Singstimmen jubelnd ein
der Chor, die Orgel fiel bei der zweiten Strophe ein
die Geigen fielen mit dem Hauptmotiv ein
mit voller Stimme, leise einfallen
nur zögernd fallen sie in die Gebete ein [BöllWort32]
bildlich
Beispiele:
er fiel in ihre Klagen ein (= klagte mit)
in die Hochrufe einfallen
7.
etw. fällt jmdm. ein
a)
etw. kommt jmdm. plötzlich in den Sinn, ein plötzlicher Gedanke kommt jmdm.
Beispiele:
jmdm. fällt nichts Neues mehr ein
mir fällt nichts Besseres ein, als ...
sie handelt immer so, wie es ihr gerade einfällt
es ist mir nie eingefallen zu glauben, er würde antworten
umgangssprachlich sich [Dativ] etw. einfallen lassen (= eine gute Idee haben)
umgangssprachlich was fällt dir ein? (= was erlaubst du dir?)
umgangssprachlich lass dir ja nicht etwa einfallen, ...!
Was fällt da im Boskettgesträuch / Dem fremden Hunde ein? [BuschSumma summarum48]
salopp drückt eine Warnung, Drohung aus
Beispiele:
mir würde es nicht im Traume einfallen hinzugehen
das sollte mir gerade einfallen! (= das werde ich keinesfalls tun!)
fällt mir gar nicht ein! (= das tue ich keinesfalls!)
b)
jmd. besinnt sich plötzlich auf etw.
Beispiele:
sein Name fällt mir im Augenblick nicht ein
ihre Adresse, das Fremdwort wird mir schon wieder einfallen
der Vers, das Sprichwort will mir nicht einfallen
dabei fällt mir ein, dass ich dich anrufen sollte
mir ist eingefallen, dass du ja früher hier gewohnt hast
ihm waren alle seine Versäumnisse (wieder) eingefallen
ihr Traum fiel ihr (wieder) ein
8.
gehoben etw. Dunkles, Schweres fällt einetw. Dunkles, Schweres kommt, beginnt plötzlich
Beispiele:
der Winter, Nebel, die Kälte fällt ein
Wind fiel mit Ungestüm ein
die früh einfallende Dämmerung
ein plötzlich einfallendes Tief
die eingefallene Regenzeit, Nacht
vor dem Einfallen des Winters
der Herbst fiel ein [Th. MannKrull8,323]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fallen · fällig · auffallen · auffallend · auffällig · ausfallen · ausfallend · ausfällig · ausgefallen · einfallen · Einfall · Fall · Fallbeil · Fallreep · Gefälle · Falle
fallen Vb. ‘sich nach unten bewegen (durch die eigene Schwere), stürzen, sinken, (im Kampf als Soldat) sterben’, ahd. fallan ‘(herab)stürzen, zu Fall kommen, einstürzen, sinken, zuteil werden, umfallen, verfallen’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. vallen, asächs. fallan, aengl. feallan, fallan, engl. to fall, anord. schwed. falla. Mit dem ehemals ein präsensbildendes n aufweisenden Verb (ll aus ln) sind höchstens vergleichbar armen. p‛ul ‘Einsturz’, p‛lamin ‘ich falle ein’ und (dehnstufig) lit. pùlti ‘fallen’, vielleicht (als Variante mit anlautendem s-) auch griech. sphállein (σφάλλειν) ‘zu Fall bringen, zugrunde richten, täuschen’, so daß von einer Wurzel ie. *phō̌l- bzw. *pō̌l- ‘fallen’ (d. h. ‘sich nach dem Gesetz der Schwerkraft abwärts bewegen’) ausgegangen werden kann. fällig Adj. ‘für einen bestimmten Termin vorgesehen, zur Zahlung anstehend’ (15. Jh.), mhd. (rechtssprachlich) vellic ‘der Zahlung, der Buße, der Strafe verfallen, verurteilt’, wohl abgeleitet vom Verb mhd. fallen im Sinne von ‘fällig sein, werden’. Vgl. ahd. fellīg ‘fallend, stürzend, baufällig, eingestürzt’ (10. Jh.), mhd. vellec, vellic ‘zu Fall kommend, fallend (besonders im Kampf), vor Gericht überwunden’; häufig suffixartig als zweites Glied in Komposita wie bau-, hin-, rückfällig. auffallen Vb. ‘hervorstechen, ins Auge springen’ (18. Jh.), älter ‘(sich) fallend öffnen’ (um 1700), ‘auf etw. fallen’ (16. Jh.); auffallend Part.adj. ‘hervorstechend, in die Augen springend, die Aufmerksamkeit auf sich lenkend’ (18. Jh.); damit gleichbed. auffällig Adj. (Anfang 19. Jh.). ausfallen Vb. ‘herausfallen, angreifen, enden, unterbleiben’, mhd. ūʒvallen ‘ausrenken’ (den Fuß); ausfallend Part.adj. ‘herausfordernd, beleidigend’ (18. Jh.), aus älterem ‘einen militärischen Ausbruch, Angriff unternehmend’ (16. Jh.); gleichbed. jüngeres ausfällig Adj. ‘beschimpfend, beleidigend’ (19. Jh.), zuvor (bei Zahlungen) ‘seinen Verpflichtungen nicht nachkommend’ (16. Jh.); ausgefallen Part.adj. ‘nicht alltäglich’ (um 1900). einfallen Vb. ‘zusammenstürzen, eindringen, in den Sinn kommen’, ahd. infallan ‘aus etw. auf etw. fallen, Eingang finden’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īnvallen ‘Eingang finden, eindringen, als Besitz zufallen, in den Sinn kommen, beginnen’; Einfall m. ‘das Einbrechen, feindliches Eindringen, plötzlicher Gedanke’, mhd. īn-, inval ‘das Einfallen, Einbruch, Eingriff in jmds. Recht, Zwischenfall, zufälliger Gedanke, Einrede’. Fall m. ‘Sturz, Untergang, Ereignis, (Rechts)angelegenheit’, auch (seit 17. Jh.) ‘grammatischer Kasus’ (s. ↗Kasus), ahd. fal ‘(Ein)sturz, Ärgernis, Kränkung’ (8. Jh.), mhd. val (Genitiv valles) ‘das Fallen der Würfel, des Wassers, der Töne, Sturz, Niederlage, Straffall, Abgabe bei Todesfall an den Lehnsherrn’ (germ. *falla-). Die Verwendungsweisen sind beeinflußt vom Bild der gefallenen Würfel, von lat. cāsus ‘das Fallen, Sturz, Vorfall, Zufall, Gelegenheit, Unfall, grammatischer Kasus’, das bereits in ahd. Zeit durch fal übersetzt wird, und von frz. cas ‘Fall’, vgl. Wendungen wie setzen wir den Fall (frz. posons le cas), auf alle Fälle (frz. en tout cas), das ist ganz mein Fall (frz. c’est là mon cas). Fallbeil n. ‘Hinrichtungsmaschine’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. neben Guillotine. Fallreep n. ‘Treppe (Strickleiter), die an der Schiffswand heruntergelassen wird’ (18. Jh.), aus nd. Valreep, vgl. nd. Reep ‘Tau, Seil, mit dessen Hilfe man sich vom Schiffsbord schwingend ins Boot fallen läßt’, s. ↗Reif. Gefälle n. ‘Höhenunterschied, Bodenneigung’, ahd. gifelli ‘Einsturz, Unfall, Verfall’ (um 1000), mhd. gevelle ‘Sturz, Ein-, Absturz, abschüssiges tiefes Tal, guter Würfelfall, Glück, Schicksal, das Gefallen’, kollektive ja-Ableitung zu ahd. fal. Falle f. ‘Tierfanggerät, Hinterhalt’, ahd. falla ‘Falle, Fallstrick’ (8. Jh.), mhd. valle ‘Falle, Türklinke’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) neigen · ↗(sich) senken · ↗abfallen · einfallen · ↗entgleiten · ↗herabfallen · ↗herunterfallen · ↗herunterstürzen · ↗sinken · ↗stürzen · ↗verringern  ●  ↗bröckeln  ugs.
Synonymgruppe
(in sich) zusammenfallen wie ein Kartenhaus · ↗einbrechen · einfallen · ↗einsinken · ↗einstürzen · einstürzen wie ein Kartenhaus · in Trümmer fallen · in sich zusammenfallen · umknicken wie Streichhölzer · ↗zusammenbrechen · ↗zusammenfallen · ↗zusammensinken · ↗zusammenstürzen  ●  ↗einkrachen  ugs. · ↗zusammenkrachen  ugs. · ↗zusammensacken  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(es sich) nicht verkneifen können (zu) · (jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · ↗(jemanden) anwandeln · ↗(sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · ↗(jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · auf etwas kommen  ugs. · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
eindringen · einfallen · ↗einmarschieren · ↗einströmen · ↗invadieren
Synonymgruppe
(einen) (vorübergehenden) Blackout haben · (nicht) einfallen (wollen) · (nicht) kommen auf · ich hab's gleich  ●  (jemandem) auf der Zunge liegen  fig.
Assoziationen
  • (jemandem) im Gedächtnis sein · ↗(sich) entsinnen · ↗(sich) erinnern · ↗erinnern · im Gedächtnis haben · im Kopf haben · in Erinnerung haben · noch wissen  ●  ↗memorieren  selten · (jemandem) erinnerlich sein  geh. · (jemandem) gegenwärtig sein  geh. · (jemandem) präsent sein  geh. · (sich) gemerkt haben  ugs. · behalten haben  ugs. · nicht vergessen haben  ugs.
  • Wortfindungsstörung(en) · Wortnot
  • (gerade) nicht weiterwissen · (jemandem) nicht einfallen  ●  (den) Faden verloren haben  fig. · nicht parat haben (Information)  fig. · (einen) Hänger haben  ugs. · und da verließen sie ihn  ugs., Spruch
  • wie hieß (der) noch gleich? · wie hieß (der) noch mal? · wie war noch gleich (sein) Name?  ●  wie war noch mal (sein) Name?  variabel
  • (ein) Gesicht nicht zuordnen können · (jemandem) nicht einfallen, woher er (die andere Person) kennt  ●  (ein) Gesicht kennen, aber (nicht wissen woher)  variabel · nicht wissen, wo man jemanden hinstecken soll  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemandem) einfallen · kommen auf
Assoziationen
  • bei diesem Stichwort · bei dieser Gelegenheit · nebenbei bemerkt · ↗nebenher · nicht zu vergessen  ●  ↗übrigens  Hauptform · ach übrigens  ugs. · ↗apropos  geh. · da fällt mir (gerade) ein  ugs. · da wir gerade dabei sind  ugs. · ↗eigentlich  ugs. · nur mal so nebenbei  ugs. · was ich noch sagen wollte  ugs. · wo wir gerade dabei sind  ugs. · wo wir gerade davon sprechen  ugs. · wo wir schon mal dabei sind  ugs.
Synonymgruppe
(einfach) auf einmal da sein · einfallen · ↗hereinplatzen · ↗hineinplatzen · plötzlich auftauchen · unangemeldet auftauchen · unangemeldet erscheinen · unversehens auftauchen · überraschend auf der Bildfläche erscheinen · überraschend erscheinen · ↗überrumpeln  ●  auf einmal auf der Matte stehen  ugs. · auf einmal vor der Tür stehen  ugs. · hereingeschneit kommen  ugs. · ↗hereinschneien  ugs. · ↗hineinschneien  ugs. · ins Haus geschneit kommen  ugs. · ↗reinschneien  ugs. · ↗überfallen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antwort Ausrede Chor Name Satz Stichwort Thema Traum Trick Wort auf Anhieb da dann du es fallen gar gerade ich ihr mehr plötzlich sofort sonst spontan viel vielleicht was wieder zuerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einfallen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dieser Szene fiel mir ein, dass ich selber auch schon solches Zeug geschrieben habe.
Die Zeit, 28.10.2012, Nr. 44
Ihm fiel allerdings in der Nähe keine passende Stelle ein.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 146
Aber wenn Ihr die Tour wollt, wird Euch schon was einfallen, sie hierher zu holen.
Die Welt, 21.07.2004
Das kleine Mädchen mit den roten Schuhen fiel ihm ein.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 318
Erst als er eine volle halbe Stunde nachgedacht hatte, fiel ihm endlich der Name ein.
Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 73
Zitationshilfe
„einfallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/einfallen>, abgerufen am 20.04.2019.

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