eigensinnig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungei-gen-sin-nig
WortzerlegungEigensinn-ig
Wortbildung mit ›eigensinnig‹ als Erstglied: ↗Eigensinnigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

hartnäckig, starrköpfig
Beispiele:
eigensinnig auf seiner Ansicht, Meinung bestehen
das Kind wurde immer eigensinniger
eigensinnig wie ein störrisches Pferd [ViebigDie vor d. Toren144]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

eigen · Eigen · eigens · eigentlich · Eigenheit · Eigenschaft · Eigenschaftswort · Eigentum · Eigentümer · eigentümlich · Eigenbrötler · Eigenname · eigensinnig · Eigensinn
eigen Adj. ‘jmdm. (als Besitz) gehörend’, dann ‘einer Person oder Sache ausschließlich zukommend, für sie charakteristisch’ und daher auch ‘von besonderer Art, seltsam’, ahd. eigan (8. Jh.), mhd. eigen, asächs. ēgan, mnd. ēgen, mnl. eighen, eighijn, nl. eigen, afries. ēgen, ēin, aengl. āgen, engl. own, anord. eiginn, schwed. egen (got. nur aigin n. ‘Eigentum’, s. unten Eigen), ursprünglich Part. Prät. eines gemeingerm. Präteritopräsens mit der Bedeutung ‘haben, besitzen’, ahd. eigan, mhd. (vereinzelt) eigen, asächs. ēgan, aengl. āgan, engl. to own, anord. eiga, schwed. äga, got. *aigan (1. Pers. Sing. aih mit gammatischem Wechsel). Diesem Verb zugrundeliegendes germ. *aig-, *aih- (s. auch ↗Fracht) steht im Ablautverhältnis zu aind. ī́śē (wohl einem ursprünglich reduplizierenden Perfekt *i-iś-ai) ‘hat zu eigen, besitzt, beherrscht’ und läßt sich mit diesem sowie awest. aēšā- ‘Vermögen, Können, Habe, Eigentum’, toch. B aik- ‘kennen, wissen’ auf eine Wurzel ie. *ēik̑- oder *eik̑- ‘zu eigen haben, vermögen’ zurückführen. Absolute Verwendung des partizipialen Adjektivs ‘in Besitz befindlich’ findet sich (in bezug auf Personen) noch in mhd. eigen ‘unfrei’ (wozu leibeigen, s. ↗Leib). Eigen n. ‘Eigentum, Grundbesitz’, ahd. eigan (9. Jh.), mhd. eigen. Die gemeingerm. Substantivierung der neutralen Form des Adjektivs ist auch erhalten in Wendungen wie zu eigen haben, sich zu eigen machen, sein eigen nennen, etw. ist sein eigen, wo eigen jetzt adjektivisch aufgefaßt wird. eigens Adv. ‘besonders, ausdrücklich’ (17. Jh.), zum Adjektiv eigen mit adverbialem -s gebildet (bis Mitte 19. Jh. auch eigends mit dentalem Gleitlaut). eigentlich Adj. ‘ursprünglich, wirklich’, als Adverb ‘in Wirklichkeit, genaugenommen’ und häufig partikelhaft ‘denn, überhaupt’, mhd. eigenlich Adj. ‘eigentümlich, eigen, leibeigen, ausdrücklich’, eigenlīche Adv. ‘als Eigentum, ausdrücklich, bestimmt’; Einfügung des Gleitlauts -t- (wie z. B. in ↗öffentlich, ↗ordentlich, s. d.) vereinzelt schon mhd. und allgemein im Frühnhd. Eigenheit f. ‘auffällige Besonderheit’, mhd. eigenheit ‘Eigenschaft, Eigentümlichkeit’, frühnhd. selten, in pietistischen Schriften des 17./18. Jhs. als ‘Ichbezogenheit, auf die eigene Person gerichteter Sinn’ abgelehnt, seit Ende des 18. Jhs. verbreiteter, besonders im Sinne von ‘Originalität’. Eigenschaft f. ‘charakteristisches Merkmal, Wesenszug’, ahd. eiganscaft (Hs. 12. Jh.), mhd. eigenschaft ‘Eigentum, Eigentümlichkeit’, mhd. auch ‘Leibeigenschaft’; alle diese Bedeutungen noch frühnhd., daneben entsteht aus ‘Eigentümlichkeit’ vom Mhd. an der heutige Sinn; dazu Eigenschaftswort n. als Verdeutschung für ↗Adjektiv (s. d.) von Adelung (1781) eingeführt (statt Beiwort, Gueintz 1641, Gottsched 1730). Eigentum n. ‘was jmdm. gehört’, juristisch (im Unterschied zu ↗Besitz, s. d.) ‘was jmds. rechtlicher Verfügungsgewalt unterliegt’, mhd. eigentuom ‘Eigentum, Besitz’; dazu Eigentümer m. ‘wer rechtmäßig über etw. verfügen kann’ (15. Jh.) und eigentümlich Adj. ‘für eine Person oder Sache charakteristisch’, auch ‘seltsam, merkwürdig’ (16. Jh., zuvor, seit 15. Jh.) ‘jmdm. als Besitz gehörend’. Eigenbrötler m. auch Eigenbrödler ‘Sonderling, Einzelgänger’, literatursprachlich seit dem ersten Viertel des 19. Jhs., zuvor im Alem. ‘einen selbständigen Haushalt führender Junggeselle’ (ursprünglich ‘wer selbst sein Brot bäckt’, vgl. mhd. eigen brōt ‘eigenes Hauswesen’ und frühnhd. einbrodig ‘sein eigenes Brot, seinen eigenen Herd habend’, 15. Jh.). Eigenname m. Benennung eines Individuums, besonders ‘Personenname’; als Kompositum zuerst im 16. Jh. bezeugt (für lat. nōmen proprium, s. auch ↗Name). eigensinnig Adj. ‘auf der eigenen Meinung beharrend, starrköpfig’, spätmhd. eigensinnec ‘aus eigenem Entschluß, freiwillig’; wohl daraus rückgebildet ist Eigensinn m. ‘Starrköpfigkeit’ (vereinzelt vom 16. Jh. an neben der Fügung eigen Sinn, verbreitet seit Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufmüpfig · ↗aufsässig · ↗dickköpfig · eigensinnig · ↗renitent · ↗respektlos · ↗trotzig · ↗unartig · ↗unbotmäßig · ↗ungehorsam · ↗widersetzlich  ●  ↗zickig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aufrührerisch · ↗aufständisch · eigensinnig · ↗meuterisch · ↗rebellisch · ↗tumultuarisch · ↗widersetzlich  ●  ↗sperrig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
eigensinnig · ↗eigenwillig · ↗individuell
Assoziationen
  • Eigenbrötler  ●  ↗Krauter  ugs. · Krauterer  ugs. · alter Kauz  ugs. · komischer Kauz  ugs.
  • ich für meinen Teil · ich meinerseits · ich persönlich · soweit es mich angeht · soweit es mich betrifft · was mich anbetrifft · was mich betrifft  ●  was mich angeht  Hauptform · (ich,) der ich (...)  geh. · meinereiner  ugs. · von mir aus  ugs. · wenn du mich fragst (Floskel)  ugs.
Synonymgruppe
eigensinnig · ↗formalistisch · ↗hartnäckig · ↗starrköpfig · ↗starrsinnig · ↗unnachgiebig · ↗widerstandsfähig  ●  ↗obstinat  lat. · ↗refraktär  fachspr. · ↗verbohrt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bockig · eigensinnig · ↗halsstarrig · ↗hartnäckig · ↗rechthaberisch · ↗renitent · ↗starrköpfig · ↗starrsinnig · ↗störrisch · ↗unbelehrbar · ↗unbeugsam · ↗uneinsichtig · ↗unnachgiebig · ↗unverbesserlich · ↗widerspenstig  ●  ↗stur  Hauptform · ↗beratungsresistent  ugs. · ↗dickköpfig  ugs. · ↗nickelig  ugs. · stur wie ein Panzer  ugs. · sturköpfig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Außenseiter Beharren Charakter Denker Einzelgänger Humor Individualist Prosa Spielweise Zähigkeit agieren beharren bisweilen derart ehrgeizig eigenwillig einsam höchst intelligent launisch rechthaberisch selbstbewußt sprunghaft stolz stur unberechenbar unbeugsam widerspenstig zäh überaus

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›eigensinnig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war doch eine recht eigensinnige Person, die die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt war.
Bild, 28.12.2005
Von sich selbst sagt er, er sei eigensinnig, doch das ist noch untertrieben.
Der Tagesspiegel, 15.12.2004
An deren längst blattlosen Zweigen rüttelte immer noch eigensinnig der Wind.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 165
In der Verfolgung seiner Ideen ist er meist hartnäckig, eigensinnig und unbeeinflußbar.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 417
In eigensinnigem Schweigen hatte sie sein zärtliches verstecktes und doch so deutliches Werben hingenommen.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3376
Zitationshilfe
„eigensinnig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/eigensinnig>, abgerufen am 18.04.2019.

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