eigen

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungei-gen
Wortbildung mit ›eigen‹ als Erstglied: ↗Eigenaktivität · ↗Eigenanbau · ↗Eigenanteil · ↗Eigenantrieb · ↗Eigenarbeit · ↗Eigenaroma · ↗Eigenart · ↗Eigenaufkommen · ↗Eigenbau · ↗Eigenbedarf · ↗Eigenbeitrag · ↗Eigenbelastung · ↗Eigenbemühung · ↗Eigenbericht · ↗Eigenbesitz · ↗Eigenbesitzer · ↗Eigenbespiegelung · ↗Eigenbestäubung · ↗Eigenbeteiligung · ↗Eigenbetrieb · ↗Eigenbewegung · ↗Eigenbewusstsein · ↗Eigenblut · ↗Eigenbrötler · ↗Eigendressur · ↗Eigendruck · ↗Eigendynamik · ↗Eigendünkel · ↗Eigenentwicklung · ↗Eigenerwärmung · ↗Eigenexistenz · ↗Eigenfabrikat · ↗Eigenfertigung · ↗Eigenfinanzierung · ↗Eigenfrequenz · ↗Eigenfunktion · ↗Eigengebrauch · ↗Eigengeld · ↗Eigengeschwindigkeit · ↗Eigengesetzlichkeit · ↗Eigengewicht · ↗Eigengewächs · ↗Eigengruppe · ↗Eigenhaar · ↗Eigenhandel · ↗Eigenheim · ↗Eigenheit · ↗Eigenhilfe · ↗Eigeninitiative · ↗Eigeninserent · ↗Eigeninszenierung · ↗Eigeninteresse · ↗Eigenkapital · ↗Eigenkirche · ↗Eigenkomposition · ↗Eigenkredit · ↗Eigenleben · ↗Eigenlehner · ↗Eigenleistung · ↗Eigenliebe · ↗Eigenlob · ↗Eigenlogik · ↗Eigenmarke · ↗Eigenmietwert · ↗Eigenmittel · ↗Eigenname · ↗Eigennutz · ↗Eigennutzung · ↗Eigenproduktion · ↗Eigenreflex · ↗Eigenregie · ↗Eigenschaft · ↗Eigenschwingung · ↗Eigensinn · ↗Eigenspannung · ↗Eigenstaatlichkeit · ↗Eigenstrahlung · ↗Eigensucht · ↗Eigentor · ↗Eigentätigkeit · ↗Eigenurin · ↗Eigenverantwortlichkeit · ↗Eigenverantwortung · ↗Eigenverbrauch · ↗Eigenverlag · ↗Eigenversicherung · ↗Eigenversorgung · ↗Eigenvorsorge · ↗Eigenwechsel · ↗Eigenwerbung · ↗Eigenwert · ↗Eigenwille · ↗Eigenwillen · ↗Eigenwirtschaft · ↗Eigenwärme · ↗Eigenzeit · ↗eigengenutzt · ↗eigengesetzlich · ↗eigenhändig · ↗eigenmächtig · ↗eigenschöpferisch · ↗eigenstaatlich · ↗eigenständig · ↗eigensüchtig · ↗eigenverantwortlich · ↗eigenwillig
 ·  mit ›eigen‹ als Letztglied: ↗allereigenst · ↗höchsteigen · ↗ureigen
 ·  mit ›eigen‹ als Grundform: ↗-eigen · ↗Eigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ohne Komparativ oft mit Poss.pron.
jmdm. selbst gehörend
Beispiele:
die eigene, seine eigene Mutter hätte ihn so nicht wieder erkannt
er hat das eigene Kind, sein eigenes Kind verleugnet
gehoben mein eigen, eigenes Fleisch und Blut (= mein Kind, meine Kinder)
ein Kind als eigen annehmen
das eigene Nest beschmutzen
ist das Ihr eigenes Haus?
sie hat bereits eine eigene Wohnung, ein eigenes Zimmer
er besaß, erwarb eigenen Grund und Boden, ein eigenes Geschäft, einen eigenen Wagen
das eigene, mein eigenes Ich
darüber, darin habe ich meine eigenen Gedanken
er hat hier seine eigene Ansicht, Meinung
ein Mensch mit eigenem Urteil, Denken
er geht seine eigenen Wege, hat seinen eigenen Wirkungskreis
umgangssprachlich Angst vor der eigenen Courage
es ist dein eigener Nutzen, Vorteil, deine eigenste Angelegenheit
dieses Werk war ihre eigenste Schöpfung
er hat keinen eigenen Willen
er hat seinen eigenen Kopf (= ist dickköpfig)
er ist sein eigener Herr (= ist unabhängig)
sprichwörtlich eigener Herd ist Goldes wert
sprichwörtlich der Prophet gilt nichts im eigenen Lande
Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb [SchillerBraut v. MessinaI 1]
verstärkt häufig nur das folgende Substantiv
Beispiele:
nur den eigenen, seinen eigenen Augen trauen
ich habe es mit (meinen) eigenen Ohren (= habe es selbst) gehört
einen Brief zu jmds. eigenen Händen (= ihm persönlich) übergeben
er riskiert seinen eigenen Kopf
seine eigene Haut retten
etw. am eigenen Leibe erfahren müssen
das waren seine eigenen Worte
sie hat ihn mit seinen, mit den eigenen Worten widerlegt, mit seinen, mit den eigenen Waffen geschlagen
ich konnte vor Lärm mein, das eigene Wort nicht verstehen
mit Präposition
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
auf meine, deine eigene Verantwortung
auf eigene Rechnung, Kosten, Gefahr, eigenes Risiko
umgangssprachlich etw. auf eigene Faust (= von sich aus) unternehmen
auf eigenen Füßen stehen (= selbständig sein)
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
aus eigener Machtvollkommenheit handeln
aus eigenem Antrieb
etw. aus eigenem Erleben, aus eigenster Erfahrung kennen
etw. aus der eigenen Tasche bezahlen
in Verbindung mit »in«, »ins«
Beispiele:
in eigener Person erscheinen (= persönlich, selbst erscheinen)
in eigener Sache reden
man kann nicht in eigener Sache richten
etw. in eigene Regie nehmen
sein Geschick in die eigenen Hände nehmen
sich ins eigene Fleisch schneiden
in Verbindung mit »zu«
zu Eigen
Beispiele:
gehoben jmdm. etw. zu eigen geben
dichterisch ich gebe mich dir zu eigen
gehoben sich [Dativ] etw. zu eigen machen (= sich etw. aneignen, etw. erwerben, erlernen)
gehoben etw. zu eigen erhalten, bekommen
gehoben etw. zu eigen haben
Beispiele:
gehoben das ist mein eigen (= gehört mir)
gehoben mir, ihm eigen sein, bleiben
gehoben etw. sein eigen nennen
gehoben Wer mir den Becher kann wieder zeigen, / Er mag ihn behalten, er ist sein eigen [SchillerTaucher]
historisch unfrei
Beispiel:
Kein eigner Mann kann Richter sein in Schwyz [SchillerTellII 2]
2.
ohne Steigerung selten mit Poss.pron.; oft mit Dat.
jmdm. allein gehörend, für jmdn. charakteristisch
Beispiele:
man erkennt ihn sofort an der ihm eigenen Ausdrucksweise, an der ihm eigenen Haltung, an einer nur ihm eigenen Gebärde
der ihr eigene Charme
er hat einen eigenen Stil, eine eigene Note
mit der ihm eigenen Großmut, Liebenswürdigkeit
mit einer der Jugend eigenen Sorglosigkeit
eigenen Gesetzen gehorchen
3.
selten mit Poss.pron.
seltsam, merkwürdig, eigenartig
Beispiele:
es ist ein eigenes Ding, eine eigene Sache um Jugendfreundschaften
erstmalig ein Flugzeug zu besteigen, ist ein eigenes Gefühl
mir wurde so eigen, ganz eigen zumute
er ist ein eigener (= sonderbarer) Mensch
im Alter wurde er immer eigener
der eigene Zauber dieser Steppenlandschaft
sie hat so eine eigene Art, jmdn. anzublicken, auszufragen
er hat einen eigenen Blick
eigene Umstände spielen dabei mit
mit diesem Zwischenfall hatte es seine eigene Bewandtnis
das ist eine ganz eigene Geschichte
4.
landschaftlich peinlich genau
Beispiele:
er ist sehr eigen in, mit seinen Sachen, in, bei der Arbeit
sie ist eine eigene Hausfrau
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

eigen · Eigen · eigens · eigentlich · Eigenheit · Eigenschaft · Eigenschaftswort · Eigentum · Eigentümer · eigentümlich · Eigenbrötler · Eigenname · eigensinnig · Eigensinn
eigen Adj. ‘jmdm. (als Besitz) gehörend’, dann ‘einer Person oder Sache ausschließlich zukommend, für sie charakteristisch’ und daher auch ‘von besonderer Art, seltsam’, ahd. eigan (8. Jh.), mhd. eigen, asächs. ēgan, mnd. ēgen, mnl. eighen, eighijn, nl. eigen, afries. ēgen, ēin, aengl. āgen, engl. own, anord. eiginn, schwed. egen (got. nur aigin n. ‘Eigentum’, s. unten Eigen), ursprünglich Part. Prät. eines gemeingerm. Präteritopräsens mit der Bedeutung ‘haben, besitzen’, ahd. eigan, mhd. (vereinzelt) eigen, asächs. ēgan, aengl. āgan, engl. to own, anord. eiga, schwed. äga, got. *aigan (1. Pers. Sing. aih mit gammatischem Wechsel). Diesem Verb zugrundeliegendes germ. *aig-, *aih- (s. auch ↗Fracht) steht im Ablautverhältnis zu aind. ī́śē (wohl einem ursprünglich reduplizierenden Perfekt *i-iś-ai) ‘hat zu eigen, besitzt, beherrscht’ und läßt sich mit diesem sowie awest. aēšā- ‘Vermögen, Können, Habe, Eigentum’, toch. B aik- ‘kennen, wissen’ auf eine Wurzel ie. *ēik̑- oder *eik̑- ‘zu eigen haben, vermögen’ zurückführen. Absolute Verwendung des partizipialen Adjektivs ‘in Besitz befindlich’ findet sich (in bezug auf Personen) noch in mhd. eigen ‘unfrei’ (wozu leibeigen, s. ↗Leib). Eigen n. ‘Eigentum, Grundbesitz’, ahd. eigan (9. Jh.), mhd. eigen. Die gemeingerm. Substantivierung der neutralen Form des Adjektivs ist auch erhalten in Wendungen wie zu eigen haben, sich zu eigen machen, sein eigen nennen, etw. ist sein eigen, wo eigen jetzt adjektivisch aufgefaßt wird. eigens Adv. ‘besonders, ausdrücklich’ (17. Jh.), zum Adjektiv eigen mit adverbialem -s gebildet (bis Mitte 19. Jh. auch eigends mit dentalem Gleitlaut). eigentlich Adj. ‘ursprünglich, wirklich’, als Adverb ‘in Wirklichkeit, genaugenommen’ und häufig partikelhaft ‘denn, überhaupt’, mhd. eigenlich Adj. ‘eigentümlich, eigen, leibeigen, ausdrücklich’, eigenlīche Adv. ‘als Eigentum, ausdrücklich, bestimmt’; Einfügung des Gleitlauts -t- (wie z. B. in ↗öffentlich, ↗ordentlich, s. d.) vereinzelt schon mhd. und allgemein im Frühnhd. Eigenheit f. ‘auffällige Besonderheit’, mhd. eigenheit ‘Eigenschaft, Eigentümlichkeit’, frühnhd. selten, in pietistischen Schriften des 17./18. Jhs. als ‘Ichbezogenheit, auf die eigene Person gerichteter Sinn’ abgelehnt, seit Ende des 18. Jhs. verbreiteter, besonders im Sinne von ‘Originalität’. Eigenschaft f. ‘charakteristisches Merkmal, Wesenszug’, ahd. eiganscaft (Hs. 12. Jh.), mhd. eigenschaft ‘Eigentum, Eigentümlichkeit’, mhd. auch ‘Leibeigenschaft’; alle diese Bedeutungen noch frühnhd., daneben entsteht aus ‘Eigentümlichkeit’ vom Mhd. an der heutige Sinn; dazu Eigenschaftswort n. als Verdeutschung für ↗Adjektiv (s. d.) von Adelung (1781) eingeführt (statt Beiwort, Gueintz 1641, Gottsched 1730). Eigentum n. ‘was jmdm. gehört’, juristisch (im Unterschied zu ↗Besitz, s. d.) ‘was jmds. rechtlicher Verfügungsgewalt unterliegt’, mhd. eigentuom ‘Eigentum, Besitz’; dazu Eigentümer m. ‘wer rechtmäßig über etw. verfügen kann’ (15. Jh.) und eigentümlich Adj. ‘für eine Person oder Sache charakteristisch’, auch ‘seltsam, merkwürdig’ (16. Jh., zuvor, seit 15. Jh.) ‘jmdm. als Besitz gehörend’. Eigenbrötler m. auch Eigenbrödler ‘Sonderling, Einzelgänger’, literatursprachlich seit dem ersten Viertel des 19. Jhs., zuvor im Alem. ‘einen selbständigen Haushalt führender Junggeselle’ (ursprünglich ‘wer selbst sein Brot bäckt’, vgl. mhd. eigen brōt ‘eigenes Hauswesen’ und frühnhd. einbrodig ‘sein eigenes Brot, seinen eigenen Herd habend’, 15. Jh.). Eigenname m. Benennung eines Individuums, besonders ‘Personenname’; als Kompositum zuerst im 16. Jh. bezeugt (für lat. nōmen proprium, s. auch ↗Name). eigensinnig Adj. ‘auf der eigenen Meinung beharrend, starrköpfig’, spätmhd. eigensinnec ‘aus eigenem Entschluß, freiwillig’; wohl daraus rückgebildet ist Eigensinn m. ‘Starrköpfigkeit’ (vereinzelt vom 16. Jh. an neben der Fügung eigen Sinn, verbreitet seit Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgefallen · ↗besonders · eigen · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗idiosynkratisch · ↗originell  ●  ↗spezifisch  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
bestimmt · ↗charakteristisch · eigen · ↗eindeutig · ↗spezifisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(mein) eigen Fleisch und Blut · biologisch verwandt · eigen · ↗leiblich · ↗verwandt  ●  ↗blutsverwandt  Hauptform · genetisch verwandt  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
  • eigen
Synonymgruppe
eigen (in etwas) · ↗speziell
Synonymgruppe
bezeichnend · charakterisiert (durch) · ↗charakteristisch (für) · gekennzeichnet (durch) · ↗kennzeichnend · ↗spezifisch (für) · ↗symptomatisch (für) · ↗typisch (für)  ●  (jemandem/einer Sache) eigen  geh. · ↗(jemandem/einer Sache) eigentümlich  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktie Angabe Aussage Bekunden Bericht Erfahrung Geschichte Haus Identität Interesse Kraft Körper Lager Land Leben Leib Mittel Partei Rechnung Regie Reihe Sache Tasche Volk Vorstellung Wand Weg Wohnung Wort Wunsch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›eigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Also lassen sie sich die Freiheit, zwei eigene Beine zu haben.
Wondratschek, Wolf: Mozarts Friseur, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 127
Die Analysten verwalten kein eigenes Geld, sie verfügen nur über Argumente.
Die Zeit, 22.04.1999, Nr. 17
Es ging jetzt weniger ums Geld als um die Demonstration eigener Stärke.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 105
Niemand redet mir drein, also kann ich auch behutsam versuchen, eigene Ideen zu verwirklichen.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 36
Der Beamte in dieser Lage hat ein eigenes Besitzrecht am Amt.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 1016
Zitationshilfe
„eigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/eigen>, abgerufen am 22.04.2019.

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