ehrlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungehr-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›ehrlich‹ als Erstglied: ↗Ehrlichkeit · ↗ehrlicherweise  ·  mit ›ehrlich‹ als Letztglied: ↗bierehrlich · ↗goldehrlich · ↗grundehrlich · ↗kreuzehrlich · ↗unehrlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
absolut zuverlässig in Geldangelegenheiten
Gegenwort zu betrügerisch
Beispiele:
ein ehrlicher Angestellter
der ehrliche Finder gab das Armband dem Besitzer zurück
die Kassiererin hat sich immer ehrlich gezeigt
ehrlich abrechnen, spielen, bleiben, sein
sie hat sich das Geld ehrlich verdient
er hat alles ehrlich bezahlt
sprichwörtlich ehrlich währt am längsten
2.
ohne Falsch, aufrichtig, redlich
Beispiele:
er meint es ehrlich mit dir
ich will dir ehrlich meine Meinung sagen, dir ehrlich antworten
er war ihr ehrlich zugetan
sie hat sich ehrlich (= sehr) angestrengt, (ab)gemüht
ich bedaure den Zwischenfall ehrlich
sie war ehrlich entrüstet, erstaunt, verwundert, verzweifelt, empört
du bist nicht ehrlich gegen dich selbst
er kam in ehrlicher Absicht, sprach in ehrlichem Vertrauen, voll ehrlicher Bewunderung, Anerkennung, Betrübtheit, Sorge, aus ehrlichem Herzen heraus
umgangssprachlich er hat ehrliche Absichten auf sie (= will sie heiraten)
sein ehrliches Wollen
ehrliche Anstrengungen, Bemühungen
ein ehrlicher Freund, Berater
salopp eine alte ehrliche Haut
Ich kann ihm [dem Kaiser] nicht mehr ehrlich dienen [SchillerWallenst. TodI 5]
3.
ohne Schandfleck, anständig
Beispiele:
mein ehrlicher Name
ein ehrliches Gewerbe, Handwerk
sie muss erst einmal ehrliche Arbeit kennenlernen
veraltet ein ehrliches (= schickliches) Begräbnis
4.
salopp
Beispiel:
sie redet, schwatzt, erzählt, faselt etw. Ehrliches (= viel) zusammen, durcheinander
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ehre · ehren · ehrlich · ehrbar · ehrsam · ehrfürchtig · Ehrfurcht · ehrwürdig · Ehrwürden · Ehrenmann · Ehrenpreis · ehrenrührig · Ehrenwort
Ehre f. ‘äußeres Ansehen, Wertschätzung durch andere Menschen, Selbstachtung’, ahd. ēra ‘Ansehen, Wertschätzung, Berühmtheit, Würde, Zierde, Ehrfurcht, Verehrung’ (8. Jh.), mhd. ēre ‘Ehrerbietung, Zierde, Ansehen, Ruhm, Sieg, Herrschaft, Ehrgefühl, ehrenhaftes Benehmen’, asächs. ēra, mnd. mnl. ēre, nl. eer, afries. ēre, aengl. ār ‘Ehre, Würde, Ruhm, Achtung, Verehrung, Gnade, Mitleid, Besitz, Einkommen’, anord. eir ‘Gnade, Milde, Hilfe’ (germ. *aizō) werden auf eine Wurzel ie. *ais- ‘ehrfürchtig sein, verehren’ zurückgeführt, deren Erweiterung, mit einem ursprünglich wohl präsensbildenden d ie. *aizd-, *izd-, in aind. ī́ṭṭē ‘verehrt, preist’, got. aistan ‘sich scheuen, achten’ (sofern dies nicht mit ie. t-Suffix gebildet ist) und wohl auch in griech. á͞idesthai, aidé͞isthai (αἴδεσθαι, αἰδεῖσθαι) ‘scheuen, verehren’, aidṓs (αἰδώς) ‘Ehrfurcht, Scheu, Scham’ vorliegt. Mittelalterliche Auffassung verbindet mit Ehre vornehmlich das äußere Ansehen in Gestalt von ‘Ruhm, Anerkennung’ (daher mhd. oft im Plural wie noch heute in den Wendungen mit Ehren, zu Ehren, ehrenhalber); später entwickelt sich Ehre zum sittlichen Begriff, wird oft als ‘Selbstachtung’ verstanden; vereinzelt begegnet es in diesem Sinne bereits im Ahd. (Notker, um 1000). ehren Vb. ‘Ehre erweisen, achten, anerkennen’, ahd. ērēn (8. Jh.), mhd. ēren. ehrlich Adj. ‘zuverlässig, aufrichtig, redlich’, heute meist im Gegensatz zu betrügerisch; dagegen ahd. ērlīh (um 800), mhd. ērlich ‘ehrenvoll, ruhmreich, ansehnlich, vornehm’. ehrbar Adj. ‘achtenswert, ehrenhaft’, mhd. ērbære. ehrsam Adj. ‘ehrbar, sittsam’, ahd. (10. Jh.), mhd. ērsam. ehrfürchtig Adj. ‘Ehrfurcht, hohe Achtung empfindend’ (16. Jh.), dazu die Rückbildung Ehrfurcht f. ‘Hochachtung’ (Ende 16. Jh.). ehrwürdig Adj. ‘Ehrerbietung einflößend’, ahd. ērwirdīg (8. Jh.), mhd. ērwirdec (s. ↗würdig); dazu Ehrwürden Anrede für geistliche Personen, Angehörige katholischer Orden, frühnhd. euer Ehrwürden (2. Hälfte 15. Jh.), zu ahd. ērwirdī ‘Ehrerweisung, Ehrerbietung, Rücksicht’ (um 800), mhd. ēwirde, frühnhd. erwirde (16. Jh.). Ehrenmann m. ‘ehrenhafter Mensch’ (2. Hälfte 15. Jh.; zuerst in Schweiz. Quellen, danach im Obd.), eventuell Übersetzung von lat. vir honestus. Ehrenpreis n. m. als Heilpflanze verwendeter Rachenblütler mit kleinen blauen Blüten (15. Jh.), wegen seiner Heilkraft zu ↗preisen und zu ↗ehren (Marzell 4, 1079). ehrenrührig Adj. ‘das Ehrgefühl verletzend, beleidigend’ (15./16. Jh.); vgl. mnd. ērenrȫrich; daneben frühnhd. ehr(en)rührend (16. Jh.). Ehrenwort n. ‘feierliches Versprechen’, eigentlich gegen Verpfändung der Ehre (um 1700), zuvor ‘ehrendes Wort, Huldigung, respektvolle Anrede’ (16. Jh.), spätmhd. ērwort ‘höfliche Rede’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · ↗aufrecht · ↗aufrichtig · ↗ehrbar · ehrlich · ↗fair · ↗geradeheraus · ↗grundanständig · ↗grundehrlich · ↗grundgut · ↗kreuzbrav · ↗lauter · ↗patent · ↗rechtschaffen · ↗redlich · ↗treu · treu und brav · ↗unverstellt · ↗veritabel · ↗wahrhaft  ●  das Herz am rechten Fleck haben  sprichwörtlich, fig. · ↗honett  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
echt · ↗effektiv · ↗eigentlich · gelebt · ↗lebensecht · ↗real · so wie es sein soll · ↗tatsächlich · ↗wahrhaft · ↗wahrhaftig · ↗wirklich  ●  ehrlich  ugs. · ohne Scheiß  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicht Antwort Bemühen Bestandsaufnahme Dialog Feedback Finder Haut Makler Steuerzahler anständig antworten aufrichtig eingestehen fair fleißig gemeint geradlinig mal meinen mutig offen sauber schonungslos treu umgehen wenigstens zugeben zuverlässig Überzeugung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ehrlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wäre nicht ehrlich, wenn sie sagen würde, dass sie nicht Präsidentin werden möchte.
Die Zeit, 06.06.2013 (online)
Männer sind also ehrlich, wenn sie behaupten, es habe nichts zu bedeuten.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 201
Ich habe ehrlich versucht, mit den Regierungen zusammenzuarbeiten, die von verschiedenen politischen Lagern gebildet wurden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Unter den abgefeimten Praktikern von heute hat die Lüge längst ihre ehrliche Funktion verloren, über Reales zu täuschen.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 21
Wie weit ist er ehrlich, wie weit freut er sich, den roten Hund loszuwerden?
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1948. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1948], S. 899
Zitationshilfe
„ehrlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ehrlich>, abgerufen am 19.06.2019.

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