zweierlei, zweierlei adv., adj.subst
Fundstelle: Lfg. 7 (1938), Bd. XVI (1954), Sp. 991, Z. 44
von, auf zwei arten, zwei verschiedene. vom 13. jh. ab bezeugt durch zusammenrückung der genetive zweier und leie gebildet. die schreibung in zwei wörtern ist später nur noch vereinzelt überliefert: zweier lei buͤch (obd. 14. jh.) Diefenbach n. gl. 53ᵇ; twier leye luͤde (nd. 1417) ebda 53ᵃ. zweierlei ist jünger als zweierhand, es ersetzt dieses gelegentlich in jüngeren ausgaben, s. Hugo v. Trimberg renner 19028 Ehrism. zweier hande, für das der Frankfurter druck zweierlei einsetzt, s. Warlies Frankf. druck d. renner 64. im 16. jh. verdrängt zweierlei das ältere zweierhand gänzlich.
1)
attributiv, frühzeitig adjektivisch empfunden, wie vereinzelt auftretende flexion zeigt:
und ein mensche gewart
von der zweierleien art
des vleischs und ouch der gotheit
H. Hesler apokal. 13012 Helm;
wir schicken dir hiemit zweyerlei müntz privatbr. des mittelalters 1, 129 Steinhausen; hie soltu mercken, das zwayerlay volkomenhait ist Keisersberg granatapfel (1510) f 4ᵃ; nicht zwei oder dreyerley getreide, sondern allerley C. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 1; ider mensch hat zweyerley gestalt: eine euszerliche und innerliche Butschky Pathmos (1677) 44; zweyerley frömmigkeit und zweyerley tugend entstand ... in Egypten Zimmermann über d. einsamkeit 1, 150; die hat zweierlei gesichter, eins für sich und eins für die andern leut O. Ludwig ges. schr. 2, 353. vom abendmahl: das sacrament in zwayerley gestaltt reform. flugschr. 1, 67 O. Clemen;
... man den leyen geben sol
also dein heilig abendmal
in zweyerley gestalt
B. Krüger aktion v. anfang u. ende d. welt (1580) j 2ᵇ.
zweierlei tuch vom rock des soldaten: darum soll ich zweierlei tuch tragen und zur fahnen schwören Holtei erz. schr. 7, 107; sie will nur liebhaber von zwarala tuch Hügel Wien 200. von den beiden geschlechtern: der mensch ist von zweyen stücken ... geschaffen und hat zweyerley eltern R. Lorichius paedag. principum (1595) 206; wenn einer in sein zwanzigstes geht, darf er schon ahnden, es gebe zweyerley leuthe U. Bräker s. schr. (1789) 1, 60. schon früh gerät die bedeutung von -lei in vergessenheit, weise, weg, art wird zu zweierlei hinzugefügt: nu dise mirr wirt an gesehen in zweyerlay weiss Tauler sermones (1508) 10ᵃ; solches aber ist auff zweierley weisz warzunemen C. Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 77ᵃ; von dieser frag ... welche in zweyerley weg verstanden wirdt Ph. Bech Agricolas bergw.-buch (1621) 2; sie können auf zweierlei weise wohnen H. Grimm volk ohne raum 1, 256.
2)
prädikativ: der aufgank und der underval der himelzaichen ist zwaierlay Konrad v. Megenberg sphaera 27 Matth.; videtur, quasi sint zweyerley, sed puto unum esse Luther 34, 1, 236 W.; die tonart ist wie bekannt zweyerley, die harte und die weiche J. Quantz anweisung d. flöte zu spielen (1789) 53; tod und leben sind nicht so zweierlei, als man sich einbildet Fouqué alts. bildersaal (1818) 3, 125; wir vergessen in Deutschland gern, dasz forschung und darstellung zweierlei ist W. Scherer kl. schr. 1, 455. beliebte form der sentenz, um auszudrücken, dasz zwei dinge, zustände, handlungen weit voneinander entfernt sind, wenn sie auch zusammenzugehören scheinen, vgl. zwei 5 b: lieb und freundschaft ist zweierlei Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 10ᵃ; gereden und halten ist zweierlei schöne weise klugreden (1548) 134ᵃ; ampt und person seynd zweyerley Lehman flor. polit. (1662) 1, 19; künstler sein und genie sein — ist zweyerley Lavater physiogn. fragm. (1775) 3, 95; freund! demonstrieren und empfinden sind zweierlei G. Forster s. schr. (1843) 7, 181.
3)
subst. als subj. und obj., seit dem frühnhd. bezeugt: deren ich zweyerley befind Stumpf Schweizerchron. (1606) 431ᵃ;
zweyerley bitt ich von dir,
zweyerley trag ich dir für
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 313;
es musz mir der könig von A. ... zweierlei versprechen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 175; denn dazu hat mich zweierlei bewogen J. Riemer polit. maulaffe (1679) widm.; wie schön ist die aufgabe des zweierlei (ohne abgötterei und heuchelei und weder in armuth noch in reichtum zu leben) im leben gewandt Herder 12, 188 S.; zweierlei wird man uns lassen müssen: leidenschaft und phantasie Fontane ges. w. I 1, 272. mit präp.: war seine (Friedr. d. gr.) absicht auf zweierlei gerichtet Ranke s. w. 28, 390.
4)
im älteren nhd. selten als adverb: got schowt man zwayerley Luther 10, 3, 406 W.; wir mögen disz wort zweierley gebrauchen schöne, weise klugreden (1568) 54ᵃ. —
Zitationshilfe
„zweierlei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/zweierlei>, abgerufen am 18.10.2019.

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