zustand m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1933), Bd. XVI (1954), Sp. 840, Z. 53
mhd. noch nicht belegt, beginnt erst im 15. jh. wie es auch im späten mittelalter mnl. auftaucht: toestant Verwijs - Verdam 7, 480, Kilian 401ᵃ, so wird es im mnd. vorgekommen sein, wenn es auch bei Schiller-Lübben nicht belegt ist. es ist in den frühen belegen verbalsubst. zu zustehen in gelegentlichen bedeutungen, die denen des frühen zustehen entsprechen. wie zustehen adsistere dabeistehen 4: solle ein schultheis zu Zinxhem demselbigen amtmann sambt seinen dienern und zuestand kost und drank verschaffen weisth. 2, 682 (Aachen), wo zustand gebraucht ist wie das häufigere umstand. hierher gehört auch das aus Österreich angegebene z. für sonstiges beistand: wenn wir eins würden, könnte der herr von A. gleich einen zustand (zeugen bei der vermählung) abgeben Hafner ges. lustsp. 2, 168. abgaben, die einem zustehen, erbtheil: suppeditatio erschlieszung, zuͦfal, zustand, zuͦschub Frisius 1474ᵃ; und nam der armen wittib und ihren ärmen waysen zwey gute rosz, die ein grosz gelt wehrt, und ihr bester väterlicher zustand waren Rätel Curäi chron. des herzogt. Schlesien (1607) 250; das ein jeder der geistlichkeit iren gebürlichen zustande nach höchstem vermögen geben und entrichten sol 438. vgl. 4 f. schlieszlich auch wie das unpersönliche es steht zu: wiewol wir nu eur liebe gutvermogen, gesuntheit und glucklichen zustant durch glaubwirdige ankomen vernomen haben Steinhausen privatbr. 1, 96; di frayndtschafft macht auch di glücklichen zuͦstände scheinbarlicher Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 68ᵇ, womit bes. die verwendung des inf. als subst. zu vergleichen ist, zustehen 10 u. 12. so bildet sich das subst. zustand neben dem allgemein üblichen verb zustehen, wo sich der bedarf nach einem verbalsubst. einstellt, ohne dasz man von einem allgemein eingeführten wort zustand reden dürfte. dieses tritt erst im 17. jh. mehr und mehr hervor und zwar an der stelle des älteren stat (staat) und stand, welches letztere sich für stat durchgesetzt hatte. das zeigt sich in den nunmehr geltenden bedeutungen von zustand, welche die älteren von stat und stand z. th. ersetzt, z. th. ins mundartliche und umgangssprachliche verdrängt haben. während staat ein lehnwort der älteren kanzleisprache nach dem lat. status war, hat von dessen franz. ersatz état das deutsche staat seine herschenden bedeutungen im 18. jh. übernommen. état ist dann erst in der politischen sprache des 19. jh. üblich geworden. dieser etwas verwickelte gang, welcher der allgemeinen geschichte entspricht, läszt sich aus den belegen zu den artikeln staat und stand entnehmen, th. 10, 2, 270 ff. und 10, 2, 683 ff. einzeln vorkommendes zustand tritt also im 17. jh. mehr und mehr an die stelle von stand, sozusagen in einem freien verhältnis zu zustehen. noch einige belege dieser verwendung aus dem ende des 16. und dem anfang des 17. jh.: was ... für ein zustandt dieser örter von alters gewesen M. C. Schütz hist. rer. pruss. (1592) 1, b 3ᵃ, vgl.stand 5 c; es ist dieses königreich vor zeiten in gutem flore und zustandt gewesen P. Uffenbach atlas minor (1609) 107, s.stand 5 f; dispositione, stato del corpo ... zustandt, gelegenheit des leibs Hulsius (1618) 2, 129; das ... eine ehvertraute ires mannes unfäll durch mitleiden empfinde und tragen helfe, und hinwider der man noch vil mehr des zustands seines weibs Fischart ehzuchtbüchl. 142 H.; das gesetz aber wird status oder zustandt des rechtens genandt A. Wagner decretum (1599) 9ᵇ; das ich ... mich mehrentheils darumb zurückgemacht und meinen zuestandt in ungewiszheit gesetzet Opitz v. d. teutschen poeterey 5 ndr. vgl.stand 6 c, d, e. die bedeutung von z. hat sich von der sachlichen des äuszeren status oder standes der dinge, den man beobachten und feststellen kann, zu der einheitlichen alles dessen entwickelt, was das dasein des menschen für sein gefühl bestimmt. die immer weiter vordringende ausbreitung des wortes hängt mit dem bestreben zusammen, die menge der vielfachen vorgänge begrifflich sich zum gegenstand zu machen, ist also ein zeichen veränderter sprachlicher anschauung.
1)
der ursprünglichen auffassung am nächsten kommt z. in bezug auf die ordnungen der menschlichen gemeinschaft, volk, staat, heer, kirche usw.: also müssen auch nicht alleine die doctores ... sich umb den z. der kirchen bekümmern Ringwaldt lauter warheit a 5ᵃ; von dem jetzigen unträglichen ... zustand im müntzwesen jedermanns jammerklage (1621) d 1ᵃ; man durchsinne nicht allein den lauf der alten geschichte, sondern vornehmlich den heutigen euszerlichen z. der welt Schottel friedenssieg 8 ndr.; als ich gestern von dem elenden z. unsers lieben vatterlands meinen gedanken nachhienge Harsdörfer gesprächsp. 1, h 8ᵇ; nebst einschickung des protocolls über den z. des regiments Fleming vollk. teutsche sold. (1726) 207; es musz ein feldherr fürnehmlich den z. seiner armee wohl betrachten 268.
2)
auf einzelne personen bezogen
a)
von krankhaften erscheinungen: ein gut pulver für allerley schmertzen und zuständ der zän O. Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 132; es waren die zustände so viel und gefährlich, dasz der artzt an der hülff ... verzweiflen wolte Moscherosch ges. (1650) 143; einen z. an der brust, an dem haupt haben; zu diesem z. schlug ein fieber Kramer 2, 543ᵃ; sie sturben dahin ohne fieber und ohne einigen andern z. 2, 945ᵃ; (so musz man) den z. (die wunde stelle) morgens und abends damit wohl schmieren Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 160; einen z. in füszen, ... im knie, ... auf der brust, ... im magen haben zschr. f. dtsche wortf. 8, 300. jetzt nur mundartl. Martin-Lienhart 2, 603. im plur., vgl. u. wie zufälle nur von nervösen erscheinungen bes. der frauen: die königin Eilegia war so entsetzt, dasz sie unter glucksen und schluchsen in nerven-, zu- und umstände ... sank Brentano 5, 144; geisteskrankheit, geistesschwäche, trunkenheit oder ähnlichen zuständen Schweizer zgb. art. 16; ich glaub, ich krieg meine zustände H. Seidel Leberecht Hühnchen 288; 'er (der nervenarzt St.) versteht sich auch auf männliche zuständ'. 'soll ich in keinem z. sein, wenn ich seh, wie man dich ruiniert?' Kolbenheyer lächeln d. penaten 121; bleiche farb bedeutet einen bösen z. Kramer; in solchem bettlägerigen z. Ziegler as. Banise (1689) 44. vgl. zufall.
b)
vom jeweiligen z. des leibes, die heute vorwiegende bed.: die seele des menschen ist ein ... geist, der mit seinen wirkungen sehr an den z. seines körpers gebunden ist J. J. Schwabe belustig. 1, 300; es war gerade nach tisch, als einige sich im erhöhten, andere im erniedrigten zustand befanden. die einen lagen und schliefen ihren rausch aus; die andern hätten ihn gern auf irgend eine muthwillige weise ausgelassen Göthe 25, 170 W.; das kind empfängt ... alle seine kräfte durch die erzeugung und bringt sie mit, wann es sich seinem pflanzenähnlichen zustande entwindet und in das thierreich übergeht Salzmann ameisenbüchl. 81; dasz die schwester in gänzlich bewusztlosem zustande darniederliege H. v. Kleist 3, 379 E. Schm.; angegriffener, bedenklicher, elender, ernster z.
c)
von frauen, schwangerschaft: dasz ihr mir von Amelisse z. sprecht Elis. Charl. v. Orleans br. 2, 203 H.; (frau M.) hat gar keine art noch geschick, ... ihren z. zu verbergen Göthe 22, 4 W.; den engel, welcher der ... jungfrau ihren gesegneten z. verkündet H. Heine 3, 399 E.
3)
je mehr das wort ein rein gedachtes geworden, um so freier steht es den einzelnen beziehungen gegenüber, die es von stand her geerbt hat. es bezeichnet fortan von personen und dingen die art ihres seins im gegensatz zu den zuständen anderer oder zu anderen eigenen zuständen. man bemühlt sich seinen begriff zu bestimmen und zu unterscheiden Eisler wb. d. philos. 3, 675: die art der einschränkung ist dasjenige, welches wir den zustand eines dinges nennen Chr. Wolf vern. ged. v. gott (1720) 51; stand deutet auf dauerhafte bestimmungen, zustand und lage auf veränderlichere Eberhard synon. 5, 10; im gegenstand erkennt man die eigenschaften, das zustand haben, im zustand die eigenschaften des gegenstandseienden Novalis 1, 131 M. vgl. auch Schillers gegenüberstellung von gegenstand u. zustand in der abh. 'über die nothwendigen grenzen' 10, 388 G. doch treffen solche begriffliche unterscheidungen mehr was der einzelne im einzelnen falle sagen will, als den allgemeinen gebrauch und sinn, und Göthe schüttelt das wort unwillig von sich ab, das er doch nicht entbehren kann: z. ist ein albernes wort, weil nichts steht und alles beweglich ist IV 23, 164 W. es wird in dem worte z. das, was die dinge und ihr sein bestimmt, ihnen gegenüber selbständig gedacht, und so wird die immer weiter greifende verwendung ein zeichen einer anderen denkweise.
a)
für einen z. im gegensatz zu einem andern: die unendliche weisheit hat ohne zweifel auch in die natur der seelen vorbereitungen auf den z. der engel gelegt A. G. Kästner verm. schr. (1772) 2, 73;
wann böser zustand ist, da nimmt man gottes wahr,
wo gutes glücke wohnt, raucht selten ein altar
Opitz opera (1690) 1, 35;
wie selten ist der mensch mit dem zustande zufrieden, in dem er sich befindet Göthe 21, 78 W.; ich kann es (das lustspiel) mit geringer mühe in den z. versetzen, wie ich es erhalten habe IV 28, 75 W.; alle poesie unterbricht den gewöhnlichen z., das gemeine leben, um uns zu erneuern Novalis 3, 8 M.; die alten sagten, im traum habe jeder seine eigene welt, aber der wache z. unterscheide sich dadurch, dasz alle in einer gemeinsamen welt lebten Schleiermacher w. III 7, 82; der lang und tief verwilderte mensch haszt in jedem verhältnisse den, der ihn aus einem zustande herausziehen will Pestalozzi Lienhart u. Gertrud (1790) 1, 9.
b)
üblen und guten z. unterscheidend: ich kunte aber seinen erbärmlichen z. nicht länger mit ansehen Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst.) 9 ndr.; berichte in, das es mit mir und meinen kindern noch in gutem zustande sey Heinr. Jul. v. Braunschweig schausp. 55 H.; dasz die glückseligkeit sey ein z. beständiger freude Leibnitz dtsche schr. 2, 36; der menschliche z. ist so hoch in leiden und freuden gesetzt, dasz gar nicht berechnet werden kann, was ein paar gatten einander schuldig werden Göthe 20, 107 W.; schöne güter, ..., die er in dem besten zustande seinem neffen zu übergeben hoffte 22, 340 W.
c)
von gegenwärtigen und sich verändernden oder entwickelnden zuständen der dinge: der welt kräffte veralten, und die allgemeine natur und derer z. zerfellet J. B. Schupp schr. 776; vielleicht seh ich dich noch einmal ... die felder verheeren, die ihren blühenden z. dir jetzo danken Göthe 8, 63 W.; ich nehme eine bohne noch, ehe sie keimt, in ihrem ganz eingewickelten zustande II 6, 12 W.; in getrocknetem zustande wird das olivengrün zu grünschwarz Naumann naturgesch. d. vögel 8, 258; er war jetzt hinaufgegangen, um den z. der reben zu untersuchen G. Keller 5, 149; die erkundigungen über den z. des Sperrbachtobels ... ergaben kein sonderlich günstiges resultat v. Barth Kalkalpen 232. besonders von den physikalischen zuständen: die körper erscheinen in dreierlei zuständen als feste, flüssige und luftförmige körper Liebig hdb. d. chemie 1, 8; dasz im glühenden und flüchtigen zustande ... jeder körper nur ganz bestimmtes ... licht aussendet L. Boltzmann popul. schriften 61.
d)
nach dem frz. état unterscheidet man bei kupferstichen und holzschnitten die grade der verschiedenen abdrücke, wie künstlerdruck, druck von der schrift, als zustände Bucher kunstgewerbe 455ᵇ.
e)
von den einrichtungen und ordnungen des gesellschaftlichen lebens in staat, volk, kirche usw., vgl. o. 1:
wo der zustand knechtisch ist, wil die zunge herrisch seyn
Logau 407 E.;
man unterrichtet die groszen herren sehr selten von dem wahren zustande ihrer unterthanen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 122; W. war nun in Rom, und wer konnte würdiger sein, die wirkung zu fühlen, die jener grosze z. auf eine wahrhaft empfängliche natur hervorzubringen im stande ist Göthe 46, 36 W.; einen gerüsteten, auf die defensive berechneten z. kann kein staat aushalten 42, 2, 235 W.; das gefühl der unsicherheit des öffentlichen zustandes brauste in den wildesten gewaltsamkeiten auf Ranke s. w. 1, 141; um eine sprache aus dem zustande gänzlicher verwilderung herauszureiszen, sind strenge, kunstreiche, auch fremde formen heilsam Fr. Schlegel s. w. 2, 191; bey dem damaligen zustande der naturwissenschaften W. Schlegel Athenäum 2, 103.
f)
vom zustand des einzelnen menschen, vgl. o. 2.
α)
allgemein: im übrigen wird der bote meinen ganzen z. mündlich berichten Chr. Reuter Schelmuffsky 128 ndr. (vollst.); euer ... gnaden haben durch den cavalier von meinem z. fragen lassen J. B. Schupp s. schr. (1663) 810;
der frauen zustand ist beklagenswerth
Göthe 10, 4 W. (Iphig. 24).
β)
der äuszere z. des vermögens, der wohlhabenheit: unterdessen danke ich dem himmel, dasz es noch leute gibt, welche den menschen nicht nach seinem zustande von auszen, sondern nach seinem herzen zu beurteilen wissen Schubart br. 1, 46 Str.; glauben sie, dasz ich dagegen, was in meinen kräften steht, gewisz thun werde, um die enge ihres häuslichen zustandes auszuweiten Göthe IV 8, 340 W.; seine verlassenschaft befand sich im zustande des vollen umschwunges und erforderte weitläufige verhandlungen, um sie ins reine zu bringen G. Keller 1, 30.
g)
vor allem wurde es mehr und mehr auf das innere, auf die art, wie sich der mensch in seinem dasein fühlt, bezogen, wie schon gelegentlich stand: es wird der stand der gemüter also beschaffen seyn, dasz wenig ein so gefährliche that werden wagen Schupp schr. 718. sodann z.: aber in mir selbst bin ich ... höchst zufrieden, welchen z. ich mit keinem menschen vertauschen wollte Winckelmann 10, 11; wie oft wünsche ich, mit eins in meinen alten z. zurückzutreten; nichts zu sein als was der gegenwärtige augenblick mit sich bringt Lessing 18, 284 M.; ich bin in einem zustande, in dem jene unglücklichen gewesen sein müssen, von denen man glaubte, sie würden von einem bösen geiste umhergetrieben Göthe 19, 150 W.; mit jedem tage scheint die gesundheit des leibes und der seele zu wachsen, und ich habe bald nichts als die dauer meines zustandes zu wünschen IV 8, 237 W.; als ich mich, nach einem zerstückelten z. von vierzehn tagen, endlich wieder zusammengefunden habe IV 29, 218 W.; von ihm (Napoleon) könnte man wohl sagen, dasz er sich in dem zustande einer fortwährenden erleuchtung befunden Eckermann 3, 227; ein verlangen, sich in einem leidenschaftlichen z. zu fühlen Schiller 3, 512 G.; in einem unklaren z. von trauer und ingrimm Storm 1, 248; weil das geschehne ein unvermutetes licht über den inneren z. dieser ehe aufgesteckt habe G. Keller 5, 141.
4)
der plur. zustände erscheint, wo mehrere zustände einzeln gedacht werden: die geschichte Christi trägt er in zwey abschnitten nach seinen beyden zuständen ... vor allg. dtsche bibl. anh. zu 37-52, 769; man verändert sich viel weniger, als man glaubt, und die zustände bleiben sich auch meistens sehr ähnlich Göthe 24, 107 W.; gar manche zustände dieser erdoberfläche würden nie zu erklären sein 25, 27 W.; dasz einfache substanzen in verschiedenen zuständen verschiedene eigenschaften darbieten Fr. A. Lange gesch. d. materialismus 363; eine woche später hatten die atmosphärischen zustände sich noch keineswegs gebessert H. v. Barth Kalkalpen 167. der plur. hat sich im laufe des 18. jh. neben die unter 4 behandelte verwendung vorgedrängt, indem er die dem leben und handeln des einzelnen gegenüberstehenden verhältnisse in ihrer vielheit und unbestimmtheit auffaszte. zunächst in gelegentlichen fällen: was es (mein vaterland) vor diesem für zuständt gehabt habe J. B. Schupp schr. (1663) 717; erzehle mir doch nur mit wenigem, wie es dir ergangen, dann ich sterbe fast vor begierde, deine zustände zu erfahren Zendorius a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 215; die natur wollte versuchen, welcher gewaltsamen zustände unser geschlecht fähig wäre Herder 13, 212 S. (ideen 6. b.). das wird 1780 noch als ungewöhnlich empfunden: zustände in der mehreren zahl ist noch nicht sehr gewöhnlich Kindleben 225 ndr. es hängt mit der zunehmenden betonung der irrationalen mächte zusammen, s. Unger Hamann 1, 154. dann wird es häufig in der späteren prosa Göthes: viel geschwäzzt über innre und äuszere zustände, theater pp. Göthe III 1, 59 (1778) W.; durch klugheit und list die vorteile zu erlangen, welche natur und zustände ihm versagten 26, 218 W.; auf dem gipfel der zustände erhält man sich nicht lange 29, 62 W.; die gedanken kommen wieder, die überzeugungen pflanzen sich fort, die zustände gehen unwiederbringlich vorüber 42, 2, 149 W.; wir Deutschen, die wir die zustände jener nation aus einem andern gesichtspuncte ansehen 45, 173 W.; da die eben jetzt herausgegebenen briefe über seine denkweise und zustände ein lebhafteres licht verbreiten 46, 19 W.; um mich über die zustände von 1802 aufzuklären IV 38, 10 W. besonders persönlich gemeint: (die freunde) besprachen sich ... vertraulich über ihre zustände 24, 52 W.; sie wuszte mir ihre zustände mit heiterkeit, ihre gefühle mit anmuth zu vergegenwärtigen 28, 81 W.; sowohl von Rom aus, als auf der reise werde ich fleiszig schreiben und von meinen zuständen und meiner wandrung nachricht geben IV 8, 357 W.; richte dich ein, einige tage bey mir zu verweilen, damit wir unsere zustände wechselseitig aufklären ... mögen IV 26, 239; manchmal wollte es mich betrüben, dasz er mich in gar zu schlechten zuständen antraf IV 38, 33 W. und so weiter, mit gelegentlicher einwirkung von mode und schlagwortwesen: unter dem namen zustände haben wir eine eigentümliche art erfunden, massen von lebenserfahrungen, wie sie der tag und die geschichte darbietet, in die anmuthigsten gruppen zu vertheilen Gutzkow ges. w. 5, 319; verbesserung aller zustände des volkslebens Fr. A. Lange gesch. d. mat. VII; einer jeden regierung, die auf die dauer der zustände, die hier geschaffen sind, rechnen will Bismarck polit. reden 4, 32; er sieht ... die zustände ... durch die brille eines ministers Fontane I 1, 370; wo von wirklich patriarchalischen zuständen keine rede sei Polenz Grabenhäger 1, 18.
5)
das wort z. hat eine besondere gefühlsbetonung angenommen, von der eine neuerdings üblicher gewordene bedeutung ausgegangen ist: das einer, wer den z. mit ansieht, sich des weinens unmöglich enthalten kann Chr. Reuter Schlampampens krankheit 119 ndr.; was war das vor ein z. auf der see Schelmuffsky (vollst.) 48 ndr.; ist es nicht ein z.? im neuen jahr ... sitzest du im wirthshaus! Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711), 110;
welch ein zustand!   herr, so späte
schleichst du heut aus deiner kammer
Göthe 6, 213 W.
so ist in der umgangssprache der unwillig entrüstete ausruf zustand üblich geworden, auch nd. tostand!
6)
die entwicklung des worts zeigt sich auch in bildungen wie seelenzustand Kramer; ich habe dir viel mehr über meinen seelenzustand zu schreiben Göthe IV 1, 133 W., kultur-, naturzustand.
7)
in der naturwissenschaft spricht man von zustandsbeschaffenheit, -änderung, veränderung, -gleichung, -weise, bei der darstellung durch das wort von zustandsbildern, -anschauungen, -schilderungen, -opern und -gedichten, in der sprache unterscheidet man die zustandswörter.
Zitationshilfe
„zustand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/zustand>, abgerufen am 17.07.2019.

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