zone f.
Fundstelle: Lfg. 1 (1914), Bd. XVI (1954), Sp. 73, Z. 21
aus lat. zona, gr. ζώνη, 'gürtel' ist ursprünglich ein ausdruck der mathematischen geographie und bezeichnet die durch die polar- und wendekreise begrenzten querstreifen auf der himmels- und erdkugel, wird 1716 noch in lateinischer form angeführt in Wolffs mathemat. lexikon (nach zeitschr. f. d. wortf. beih. 3, 79) und erklärt: zona ein streiffen .., zona sphaerae ein kugelstreiffen. andere verdeutschungen sind himmels-, welt-, erdgürtel Campe wb. zur erklärung 610ᵇ, weltgurte Chomel 8, 2428. keine von diesen hat sich eingebürgert, vielmehr, als man im zeitalter der aufklärung nach frz. zone das deutsche zone einführte (wann?), drang es, begünstigt durch die lautform und reimfähigkeit, aus dem wissenschaftlichen bereich schnell in den allgemeinen gebrauch hinüber, schon in dieser geltung zuerst verzeichnet von Adelung, literarisch aber früher belegt, s. unten. dem freien gebrauch liegt durchweg die anschauung der erdzonen zu grunde, seltener die der himmelszonen, s. 3 c. von diesen das formelhafte unter (vgl. klima): der unter den gemäszigten zonen lebenden Gallier Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 26. unter jeder zone. je mehr sich das wort von der mathematischen genauigkeit entfernt, um so beliebter wird der plural. in der freieren verwendung bezeichnet zone
1)
den unterschied der gegenden auf der erde
a)
nach dem klima, als kalt, heisz oder gemäszigt, unsere zone ist die gemäszigte:
willkommen aus des nordpols kalten zonen
Becker mildheim. liederb. 10;
dort wo in der heiszen zonen
der tage glut verbrannte felder drückt
Pyra 75 neudr.;
dort schwitzt der mohr in dürren zonen
Gottsched das neueste 6, 275;
aber matt auf unsre zonen
fällt der sonne schräges licht
Schiller 11, 388.
dann auch der mehr abstracte unterschied zwischen nord- und süd: durchschneide wie jene kühnen weltumsegler die zonen bis gegen den nordpol hin A. W. Schlegel Athenäum 1, 22.
b)
überhaupt verschiedene gegenden:
den nahen gegenstand von unterschiednen zonen
trennt nur ein enges thal
Haller ged. (1882) 35 (Alpen);
es (das land der Sachsen und Friesen) umfaszte drei zonen Wimmer gesch. d. deutsch. bodens 46; ein schöner kreis neuer rüstiger freunde, die .. aus verschiedenen deutschen zonen sich nach und nach hier zusammengefunden hatten Eichendorff 2, 191.
c)
es wird auch auf nicht räumliches übertragen: die komödie trennt die zwei zonen des sittlichen so von einander ab Hegel 1, 390; leute, die sich vergeblich durch die fünf zonen der akte durchgeholfen haben Jean Paul 6, 40; der mensch hat gleichsam gewisse zonen des körpers. sein leib ist die nächste, was ihn zunächst umgibt die zweite, seine stadt und provinz die dritte, so geht's fort bis zur sonne und ihrem system Novalis 3, 68 Minor.
2)
das klima als lebensbedingung
a)
für thier und pflanze: die heimat des esels war gleich der des rosses ein wärmeres clima, in dem er besser gedeiht als in kälterer zone J. Grimm kl. schr. 5, 450; auch die struktur gewisser wasserinsekten und fische begünstigt ihren aufenthalt in der beeisten zone Forster 4, 160;
dir fliesze wein, gereift in glüh'nder zone
Chamisso 3, 248.
b)
für charakter und gesittung der menschen: daher der contrast der moral der glühenden zonen mit der moral der kalten länder Wieland Agathon 1, 117; unser Haydn ist ein sohn unserer zone und wirkt ohne hitze, was er wirkt Göthe II 41, 2, 384 Weim.
c)
die lebensverhältnisse überhaupt: in dieser stürmischen zone des throns verdorrt das zarte pflänzchen der liebe Schiller 3, 131.
3)
zone ist in der dichtersprache ein wort für die über die weite hingehende anschauung.
a)
jede zone, alle zonen ist 'die ganze erde', 'die ganze welt':
hymen bevölkert jede zone
Shakespeare 4, 306 (wie es euch gefällt 5, 4);
gräber jeder zone
Kind gedichte 2, 23;
du, der allein verdient, alle zonen der erde zu beherrschen Wieland 1, 3, 85; der mensch, das endlose geschöpf, ist gemacht, ..., zone von zone zu durchwandern, und mit seiner seele besitz zu nehmen von allem, was gut und schön ist Heinse 9, 261 Schüddekopf;
auf seinen warten ruhen aus
die winde aller zonen
Keller 10, 93;
leckerbissen aller zonen
Heine 1, 395.
auch ohne pronomen:
durch völker, zonen und jahrhunderte
Herder 24, 283;
(wir) suchen und wandern
durch die zonen der erd', o vater Äther vergebens
Hölderlin 1, 158 Litzmann.
b)
neue, ferne, fremde zonen sind gegenden, mit denen wir nichts gemein haben: erfand ihnen ein haus, worin sie ... neuen zonen entgegenschifften Schiller 1, 155; so widersinnig es ... wäre, wenn man den geschmack ferner zonen, fremder temperamente und organe wider willen der natur sich zueignen wollte Herder 22, 212; wie mit dem blumenstaube entfernter zonen, fährt zephyr mit gedanken der menschen weit umher 16, 47;
wachse, wachse blühender baum
mit der goldnen früchte krone,
den wir aus der fremden zone
pflanzten in den heimischen raum
Schiller 15, 1, 3;
und millionen hände sah er (der erlöser am kreuz) reichen,
sich angstvoll klammernd um den blut'gen stamm,
o händ' und händchen aus den fernsten zonen
Droste-Hülshoff 3, 211.
in den fernen zonen liegt das glück oder auch das schreckliche:
freunde! es giebt glücklichere zonen
als das land, worin wir leidlich wohnen
Schiller 11, 363;
sie (die ästhetische stimmung) fand sich zuerst in der glücklichen zone, wo ein leichter äther die sinne öffnet Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 392;
so wird in süszer reife
die menschheit, himmlisch schön,
erwacht vom langen schlummer
in bessre zonen gehn
Novalis 1, 191 Minor.
c)
zonen des himmels veranschaulichen die weite des raumes und bezeichnen auch diesen raum als ort eines höheren, reineren daseins:
in des weltbaus obern zonen
Pfeffel poet. versuche 2, 55;
die andre hälfte
tritt sie (die sonne) eben jetzt an, in der groszen zone des himmels
Zachariae poet. schr. 7, 167;
nun wälzten sterne sich in weiten lichten zonen
Stilling 2, 117;
begeistert reiszt euch durch die nächsten zonen
in's all und füllt es aus!
Göthe 1, 128 Weim.;
und als ein schöner engel schwinge dich
in seines lichtes freudenzone
Schiller 12, 565;
ein fremdling in der ätherischen zone irrt er einsam umher 2, 352.
4)
in wissenschaft und technik, auch in den verwaltungssprachen braucht man zone, um eine von ihrer umgebung abzuhebende fläche oder schicht zu bezeichnen: die zone, welche man die nebelregion der Jungfrau genannt hat Humboldt kosmos 3, 326; starkleuchtende zonen sind durch concentrische nebelhüllen getrennt (im kern des kometen) 1, 107; (es) bildet sich bei gegenwart von salpetersäure ... eine blaue zone an der berührungsstelle beider flüssigkeiten (milchprobe) Muspratt chemie 5, 1609. so hat man auf der erde zonen mit einheitlicher zeitrechnung (mit völliger umkehrung des eigentlichen wortsinnes), zonen im eisenbahn- und postverkehr, neutrale zonen im kriegsrecht, zonen mit verschieden abgestufter bauart im städtebau handwb. der staatswiss. 8, 904ᵃ. besonders beliebt sind dazu gehörige zusammensetzungen: bauzone Lueger lex. d. ges. technik 8, 1010; gefechts-, einflusz-, übergangs-, regen-, packeiszone, schmelzzone im hochofen u. s. w. vgl. die zusammensetzungen mit zonen-.
5)
ganz vereinzelt und nicht sofort verständlich ist zone für gürtel:
und eine goldne zone
(schmückt) den leibrock von damast
Pfeffel poet. vers. 5, 147.
Zitationshilfe
„zone“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/zone>, abgerufen am 14.10.2019.

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