zelter m.
Fundstelle: Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 623, Z. 1
s. ¹zeltner, m., sp. 619.
zelter m.
Fundstelle: Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 623, Z. 2
ein pferd, das den zelt (²zelt) geht, paszgänger; zur sprachgeschichte vgl. ²zelt; ahd. gloss.: ambulator celtari 3, 448²⁷, celtare 201¹⁹, zeltir 442⁵⁴, celtere 78⁴³, celdere, celtar, celter⁴⁴, equus trutinans celter 4, 57 ³³ f.; öft.; telderi 2, 716²³; mhd. gloss.: ambulator Diefenbach gl. 29ᵇ, asturco 57ᵃ, cespitator 116ᵃ, dextrarius 178ᶜ, gradarius 268ᵃ, palefredus 406ᵇ, tolutarius 587ᵃ; auch n. gl. 39ᵇ, 133ᵃ, 366ᵇ mit den formen zelter, -der, telder, zeltner, teldener; mhd. wb. 3, 870ᵃ, Lexer 3, 1056, Schiller-L. 4, 521ᵇ; nhd. wbb.: tolutarius, asturco ein z., ein pferd, daz sanffte und schnell gehet Alberus 67ᵇ; sonipes Frisius 1225ᵇ; B. Faber 872ᵇ; Calepinus XI ling. 1470ᵃ, manni zaͤltner 865ᵃ; Hulsius (1618) 282ᵃ, -n- 281ᵇ; Orsäus 199; glippidiglap gehen ut sonipes ein z. Schottel haubtspr. 779; Stieler 2622 usw. bis Adelung ² 4, 1682 und Campe 5, 838ᵇ. die form zeltner scheint auszer vom schwach bezeugten verbum zeltnen noch durch ner-muster wie zeichner, rechner bestimmt zu sein; häufig im mnld. und westmnd. bereich, begegnet sie auch im alem.-bair. gebiet, s. die glossenbelege ob., ferner: zeltner kl. mhd. erz. 150 Euling; tellener Kilian 667 Hasselt; teldener v. d. Schueren Teuth. 394ᵇ Verdam; telner Diefenbach gl. 587ᵃ, n. gl. 366ᵇ, tellener 133ᵃ; gemma gemm. C 3ᵇ; l 5ᵇ; Herold-Forer Geszners thierb. 133; zaͤltner Frisius 608ᵇ; 1314ᵇ; Nicolai Nicolai schiffart in d. Turckhei (1572) 3ᵇ; Keisersberg narrensch. 23ᵃ; H. Sachs 12, 261 K.; Kirchhof wendunm. 2, 316 Ö.; B. Faber 363ᵃ; Uhland hoch- u. niederd. volksl. 102; -ll- reichlich nld.-nd., wofür die gebrachten belege sprechen, vereinzelt md. in der form zeller (Diefenbach gl. 268ᵃ, Alberus Y y 3ᵇ), durchgedrungen auch hier in dem volksläufig gewordenen verbum zeltern (s. d.);
1)
den gang beschreiben:
ein zelter schœne und genge
hiez der künic ziehen dar.
er hâte alsô senften ganc,
daz ein man dem sô wol gelanc,
daz er dar ûffe gesaz,
nie gerouwet ê baz
von der senfte die er hâte.
er gienc ebene unde drâte
Konrad Fleck Flore 2734;
ein zeltner oder der im stapf gat Frisius 131ᵇ;
damit (mit hohen pantoffeln) gehn sie (die jungen maidlein)
wie ein zelter seinen trap klip und klap,
newe zeitungen 1600 bei Adrian mitteilungen 371;
die abrichtung: man soll das fuͤllen ... niderlegen und einer soll die vordern, der andere die hintern fuͤsze beede zusammennehmen und also eine viertel stund morgens und abends halten ... soll ein trefflicher ... z. daraus werden v. Hohberg georg. 2, 151; den platz, weil die frau auf dem z. rechts neben dem manne ritt und deren pferd wol auch von diesem mit der rechten hand am zügel geführt wurde: dextrarius est equus in dextra parte ein czelder Diefenbach-W. 96; den gebrauch in vornehmen kreisen lehrt die beschränkung auf die höfische dichtung des mhd., vgl. die belegstellen im mhd. wb. 3, 870ᵃ und bei Lexer 3, 1056; einzige ausnahme:
mœre, zelter unde marc
Gudrun 65, 1;
sonstige belege:
die zeldere inde die ros
Rother 4579;
ritterpherde oder ors und zeldere und runczîte, den ist chein weregelt gesaczt Sachsensp. 3, 51, 2 W.; z. heiszt auch das maulthier:
ir zelter was ein mûl blanc
Heinrich v. d. Türlin krone 12657;
die nhd. zeit läszt das gleiche bild erkennen, die verwendung für die vornehme dame, den schmuck, die vorliebe für eigenartige färbung: unsern roten czelder handelsrechn. d. deutsch. ord. 192 Sattler; etliche weisze zaͤltner ..., mit verguͤldten saͤttlen bedeckt H. Halverius warh. beschreib. (1570) 114; wolten sie jagen, so saszen die frawen auff ihre z. Fischart Garg. 453 ndr.; ein koͤstlich gezierten, schoͤnen, weiszen z. binenkorb 145ᵃ; privatbr. d. ma.s 1, 91 Steinh.; dise königin ryt auff einem schönen neapolitanischen z. V. Schumann nachtb. 316 B.; gelegentlich für einen kranken mann: Niclas v. Wyle transl. 68 K.; sehr geläufig als reitpferd für geistliche und im bes. als abgabe an klosterherren und den papst: der Reichenauer abt sasz auf seinem zelter V. v. Scheffel ges. w. 1, 254; weisth. 4, 127; (er) wisse ..., dasz der koͤnig in Spanien dem pabst wegen des koͤnigreichs Neapolis jaͤhrlich einen weiszen z. uͤberreichen muͤszte Chr. Weise klügst. leute 34; Ranke s. w. 40/41, 66; der kaiser führte ihm (dem papste) noch immer den z. 37, 25
und blutig ist die andre thräne, ...
dasz Deutschlands kaiser biegel des zelters hielt!
Klopstock od. 2, 30 M.-P.;
diese stets lebendige vorstellung von der symbolischen dienstleistung des kaisers und die anfangs noch an bildern aus dem leben des adels genährte verwendung des z-s in romandarstellungen des 17. jahrh. (vgl. Bucholtz Herkulisk. 92; Lohenstein Arm. 1, 1163ᵃ; 2, 95ᵃ), welche im 18. jahrh. zu einem romantischen requisit erstarrt, erklärt das fortleben des wortes bis in die gegenwart: Gottsched schaub. 5, 500; v. Schönaich ästhet. 323 K.; Wieland s. w. (1794) 4, 43; Herder 25, 626; 26, 200 S.; Schiller 6, 122; 14, 47; 15, 2, 470 G.;
und seine gold- und purpurtroddeln regend,
zerstampft ihr zelter unter ihr den grund
H. v. Kleist 2, 23 E. Schm.;
Cl. Brentano ges. schr. 6, 308; Platen dram. nachl. 151 P.; H. Laube ges. schr. 2, 11; Stifter s. w. 5, 1, 274; D. Fr. Strausz ges. w. 11, 62; Th. Mommsen röm. gesch. 3, 334; bes. der weisze z. literarisch beliebt:
sein rosz, ein zelter weisz wie schnee
Pfeffel poet. vers. 4, 50;
auf diesem weiszen, königlichen zelter
Tieck schr. 1, 18; 1, 408;
O. Ludwig ges. schr. 2, 474; C. F. Meyer Ang. Borgia 1; Fontane I 1, 199; Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 57; mondscheinzauber der nordischen märchennacht, wo die fee ... dahinreitet auf milchweiszem z. mit korallenroten hufen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 132; sprw.: der ein sau satlet, so wurt dannocht kein zeltner darausz Keisersberg narrensch. 23ᵃ; wer nicht taug zum z., der mag traben Petri weiszh. Hhh 7ᵛ; in den modernen mdaa. nicht mehr erhalten, nur im Elsasz wegen der eingeengten bedeutung noch am leben: z. wallach Martin-L. 2, 903ᵇ (s. ²zelten 2); s.zelte, f.dim. -lein: J. Nas antipap. 4, 214ᵇ; zelderlin Warbeck Magelone 38 B.; Bastel v. d. Sohle junk. Harnisch 104;
2)
seit der mitte des 16. jahrh. auffälligerweise für ²zelt: den z. einhertretten (als hochtrabender gang eines menschen) S. Franck sprw. (1541) 2, 33ᵇ; die pfaͤrdt habend mancherley manier und gwonheit hereynzetraͤtten ..., als der stapff, der trab, der zaͤlt, der dreyschlag, hacken und dergleychen: auf welchen der zaͤltner in seiner schnaͤlle der sanfftist gang geachtet wirt, der trab aber der reüchist und hartist Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 123; auch Fischart Garg. 203 ndr. (citiert th. 2, 1930); vielleicht entstanden aus folgender wendung: ergo auff und darvon, laszt den z. gohn ebda 53 ndr., in der z. wol noch das pferd meint; Äg. Albertinus Lucifer 263; Hulsius (1618) 2, 125ᵃ; Schwan n. dict. 2, 1097ᵃ; mit dem dreischlag (vgl. unter ²zelt) vermischt: ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fuͤsz, als gienge er den dreyschlag oder z. Lindener Katzipori 174. —
Zitationshilfe
„zelter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/zelter>, abgerufen am 22.08.2019.

Weitere Informationen …