zeit-
Fundstelle: Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 550, Z. 33

Unterbegriffe in diesem Artikel

in substantivischen zusammensetzungen:
zeitablauf m.
das verstreichen, ablaufen der zeit: dasz sie des z-s gar nicht gedachte K. Braun Wisbyfahrt 165; Luschin v. Ebengreuth münzkde 221; erst ausgangs des 19. jahrh.s in aufnahme gekommen.
zeitabmessung f.
dasz sie (die ewigkeit) unter keine zeitabmaͤssung zu rechnen sei A. v. Sandrart iconologia deorum (1680) 11ᵃ. —
zeitabschnitt m.
epoche, ein zeitraum von längerer oder kürzerer dauer; erstzeugnis: (ich habe den stoff) nach gewissen hauptvorgängen in zehn periodos oder z-e getheilt D. Cranz brüderhistorie (1771) a 4ᵃ; von den klassikern gemieden und auch noch von Heynatz antibarb. 2, 661 abgelehnt, von Campe wb. 5, 832ᵇ und Voigt hdwb. 1, 260 verzeichnet und sodann in anwendung bei Jean Paul 7/10, 231 H., Schleiermacher II 4, 101, W. v. Humboldt ges. schr. 5, 200 ak. ausg.; später:
er nannte mich
des jetzigen zeitabschnittes ersten tragiker
Platen w. 2, 403 R.;
es ist seit 1780 wirklich ein neuer z. in die weltgeschichte eingetreten E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Dtsch. 3, 200; in vorweltlichen z-en L. Büchner kraft u. stoff 67; z-e von drei jahren v. Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 134; (er sah) in geregelten z-en ... nach uns (aus) Immermann w. 2, 98 B.
zeitabtheilung f.
1) eintheilung der zeit in zeitabschnitte: seit einigen jahren hat sie eine andere z. beliebt J. A. Eberhard Amyntor (1782) 106; Herder 6, 379 S.; Tieck schr. 4, 60; z. nach gröszern perioden Uhland schr. z. gesch. d. dichtung 2, 201; 2) zeitabschnitt: das ... jahr ..., in dessen z-en sich alle umlaͤufe aller ... sterne ... aufloͤsen Jung-Stilling w. 3, 450; bürgerliche z-en und feste Fr. Creuzer symb. u. myth. 1, 108; von den klassikern gemieden und jetzt auszer gebrauch.
zeitalter n.
1) ein bildungszeitraum des menschengeschlechtes, d. h. ein zeitabschnitt mit einheitlichen eigenschaften: a) aus dem galanten z. Christian Weisens Lessing 8, 31 M.; Ramler einl. 2, 368; S. Geszner schr. 2, 168; häufig durch adjective gekennzeichnet: das heroische z. Gottsched anm. gel. 8, 355; vgl. ferner herrlich: Göthe III 1, 199 W.; episches, lyrisches und dramatisches z. in der geschichte der griechischen poesie Novalis 3, 11 Min.; weichlich: Kretschmann s. w. 1, 26; elend: A. v. Arnim w. 7, 162; finster: Grabbe w. 2, 232; in unserem barbarischen z. Schubart br. 1, 95; mythisch: J. H. Vosz antisymb. 2, 8; industriell: fürst Pückler briefw. 2, 352; u. a.; sehr beliebt der ovidianische ausdruck: goldenes z., zunächst für das unschuldszeitalter der menschheit: Nicolai Seb. Nothanker 3, 132; glücklich wie die menschen im goldenen z. Miller Siegwart 3, 748; v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 43; das auch erst erhofft wird: sich auf das morgenrot des goldenen z-s ... freuen J. P. Hebel w. 2, 400 B.; sodann von der blütezeit eines zustandes: (das) golden-silberne z. ländlichen wesens und treibens Göthe 49, 306 W.; das goldene z. der roͤmischen litteratur Fr. Schlegel im Athenäum 1, 2, 37; u. a.; gern auch mit kennzeichnenden genitiven: im z. der minnesinger Bürger w. 1, 178 Bohtz; z. der entdeckungen Peschel völkerkde 44; oder bestimmenden ausdrücken: der genius des z-s Gotter ged. 3, 25; der geschmack des z-s Schubart leb. 2, 112; ähnlich: dafuͤr ist das z. noch nicht reif Schleiermacher im Athenäum 1, 2, 94; b) als blosze zeitangabe: schriftsteller des mittlern z-s (des mittelalters) allg. d. bibl. 1, 1 (1765) 210; M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. 2, 17; Nicolai reise 2, 344; danach auszer gebrauch; gern: das z. Augusts 41, 1, 362 W.; z. der reformation W. H. Riehl d. arb. 26; das homerische z. Platen w. 3, 218 R.; schlieszlich: manche schriften unseres z-s Herder 13, 10 S.; (die) barbarei seines z-s Bürger w. 1, 322ᵃ Bohtz; u. v. a.; 2) lebensalter: in jedem z. meines lebens J. J. Chr. Bode Montaigne 6, 26; bis ins dritte und vierte z. ihrer (der frauen) gefuͤhle Schleiermacher im Athenäum 1, 2, 110; vgl. Göthe IV 12, 378 W.; 3) plur. (zu 1 b): in allen z-n Gerstenberg schlesw. litbr. 16 lit.-dkm. 29, 127; den geist der z. und der nazionen Fr. Schlegel im Athenäum 2, 13; Herder 27, 23 S.; G. Keller ges. w. 5, 40. —
zeitänderung f.
1) änderung der zeitrechnung: von der anno 1582 vorgenommenen ... zeitenderung E. Weigel zeitspiegel (1664) 64; 2) witterungsumschlag: von der witterung oder zeitänderung E. Francisci luftkreis (1680) 377; 3) revolutio temporis Stieler 303; 4) zeitverlauf: der han hat das rechte uhrwerck und zeitenderung in seinem leibe G. Treuer Däd. 1, 809; 5) änderung der grammatischen zeit eines verbums: Herder 2, 193 S.
zeitanfang m.
weltbeginn: Noel Chomel 3, 1019; Herder 6, 77 S.; die nahen felsen stehen still seit z. H. Federer berge u. menschen (1911) 31. —
zeitangabe f.
angabe der zeit: z-n allg. d. bibl. anh. 53/86, 802; ausdrückliche z. Jac. Grimm kl. schr. 3, 37; die zeit- und ortsangabe für datum Campe wb. z. verdeutschg 283ᵇ; die z. und die unterschrift war in allen drei urkunden dieselbe A. Stifter s. w. 5, 1, 136. —
zeitanschauung f.
1) Kants zeitbegriff: die nothwendigkeit einer z. a priori Herder 21, 60 S.; J. G. Fichte s. w. 2, 573; 2) die zu einer zeit herschende anschauung: allgemeine z-en D. Fr. Strausz ges. w. 8, 432; nach unserer z. W. Windelband gesch. d. neuer. philos.⁴ 2, 158. —
zeitansicht f.
wie -anschauung 2: H. Pestalozzi s. schr. 6, 60; zeit- und volksansichten Solger vorles. üb. ästh. 107; hinterpommersche welt- und z-en Gutzkow zaub. 2, 5. —
zeitanspielung f.
anspielung, hinweis auf die zeitverhältnisse: Jean Paul w. 49/51, 133. 213 H.; das ... gedicht ist ... mit z-en überhäuft, zu politisch Herder 18, 133 S.; Grabbe w. 4, 178 Bl.
zeitanwendung f.
verwendung, gebrauch der zeit: Kant 3, 19 ak. ausg.; allg. d. bibl. 64, 528. —
zeitarbeit f.
die in einem zeitabschnitt geleistete arbeit: hdwb. d. staatsw.² 6, 449. —
zeitarbeitstag m.
stundendauer der tagesarbeit: ebda 5, 987; 6, 449. —
zeitarmut f.
zeitmangel: Lavater br. 2, 202. —
zeitart f.
1) metrisch: die z. und tactgrösze Gottsched anm. gel. 5, 310; 2) grammatisch: ebda 1, 144. —
zeitasch m.
völlig ausgewachsener asch, salmo thymallus Unger-Kh. 646ᵇ; weil der lachs und die groszen z-en um diese zeit steigen und streichen Mathesius hist. Christi (1579) 2, 80ᵇ; -äsch Schmeller-Fr. 2, 1161. —
zeitatom n.
kleinster zeittheil: Schelling w. I 2, 210; L. Boltzmann pop. schr. 146. —
zeitaufgabe f.
obliegenheit eines zeitalters: Hebbel tageb. 3, 188 W.
zeitaufnahme f.
photographische aufnahme von bestimmter zeitdauer: Muspratt chemie 7, 142 St.-K.
zeitaufwand m.
zeitverbrauch: alles übrige wird ... weder viel mühe noch groszen z. kosten Wieland Luc. 5, 84; Göthe II 7, 212; IV 16, 87 W.; und so seitdem sehr häufig; zeit- und geldaufwand Göthe IV 28, 64 W.; zeit- und kraftaufwand J. G. Fichte s. w. 7, 163; mit dem geringsten kosten- und zeitaufwande Bernhardt waldeig. 2, 365. —
zeitaugenblick m.
zeitmoment: das leben des thaͤtigsten, unternehmendesten menschen ist nur ein z. Schubart leb. d. frhrn. v. Ibstadt (1776) 63; Herder 25, 112 S.; Göthe III 13, 175 W.; Fouqué gefühle 1, 252. —
zeitausdruck m.
1) zeitmasz der rede, sprechtempo: Klopstock üb. sprache u. dichtkunst 1, 136; 2) benennung einer zeitperiode: allg. d. bibl. 66, 339; Peschel völkerkde 46; 3) charakter, gepräge einer epoche: H. Wölfflin grundbegriffe 10. —
zeitausfüllung f.
schr. d. Götheges. 13, 168; D. Fr. Strausz ges. w. 5, 63.
zeit-
Fundstelle: Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 583, Z. 41

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findet sich in zss. mit participien 1) präsentis, die z. th. wenig gebräuchlich sind, wie -berechnend, chronologisch: Herder 3, 384 S., Campe wb. z. verdeutschg 225ᵇ; -beseelend: Jean Paul 55/58, 33 H.; -besiegend: raum- und z-e verkehrsmittel Rosegger schr. II 2, 436; -dauernd, dauernd: Qu. Kuhlmann widerlegte Brecklingsworte (1682) A 6ᵇ; -eingreifend: Göthe III 11, 179 W.; während andere allgemein verbreitet waren oder noch sind:
zeitbestimmend
instrumente A. v. Humboldt kosm. 1, 173; worte: allg. d. bibl. 10, 26. —
zeitfressend
kräftig für zeitverbrauchend: die raͤuberische, z-e ... buhlschaft Treuer Däd. 1, 240; die controversien und andere solche z-e sachen Zinzendorf ein u. zwanzig discurse (1748) 325; z-e liebhabereien Herder 31, 777 S.; Klin ger theat. 2, 169; Campe 5, 833ᵇ; Görres ges. br. 1, 434; veraltet.
zeitkürzend
kurzweilig, unterhaltsam: Amaranthes frauenz.-lex. 1298; eine z-e marionette Gottsched anm. gel. 4, 40; eine z-e lektuͤre allg. d. bibl. 40, 492; eine z-e erzählung Herder 15, 558; 18, 97 S., öft.; Kretschmann s. w. 2, 25; Campe 5, 834ᵇ; veraltet.
zeitraubend
zeitkostend, -verbrauchend; an die stelle von -spielig, -fressend u. a. seit etwa 1820 getretenes, sehr beliebtes und zum reinen adj. gewordenes wort: was (eine bestimmte arbeit) ... sehr z. ... ist Ritter erdkde 3, 1033; das z-e und mühevolle bei der spracherlernung W. v. Humboldt 4, 252 ak.; z-er widerstand Niebuhr röm. gesch. 3, 586; Droysen Alex. 267; an dem z-en soldatenspiele Treitschke dtsche gesch. 4, 279; damenbesuch ..., keinen der rede werthen, aber um desto z-eren A. v. Droste-H. an L. Schücking 284; die z-ste arbeit v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 499. —
zeitsparend
alle ... zeitspahrende ... tabellenkuͤnste allg. d. bibl. 27 (1775) 75; auf eine z-e und bequeme art Ritter erdkde 1 (1822) xvii; Gutzkow ges. w. 9, 79; auch sonst gelegentlich.
zeitsplitternd
wie -raubend: eine z-e liebesbegebenheit Leipz. avanturieur (1756) 1, 147; sich die ... z-e ... muͤhe (geben) allg. d. bibl. 69, 462; kunst: J. K. E. v. Nachersberg giftkocher (1798) 40. —
zeittötend
wie -fressend: eine unnuͤtze zeit- und geisttoͤtende plackerey Nicolai bei Campe wb. 2, 283ᵃ; z-e gesellschaften Zimmermann eins. 3, 515; in z-en zerstreuungen Holtei erz. schr. 7, 169; J. B. Diel Cl. Brentano (1877) 1, 383. —
zeittrotzend
der zeit trotzend: die z-en denkmaͤler Sonnenfels ges. schr. 9, 220; J. v. Müller s. w. 18, 26; felsen: H. Arent mod. dichterchar. 215. —
zeitverderbend
wie -raubend: eine z-e unternehmung Herder 30, 150 S.; Göthe III 1, 94 W.; ein ... z-es spielwerk Tieck schr. 16, 287. —
zeitverkürzend
gleich -kürzend: z-e sachen F. L. v. Breszler merkw. d. natur (1708) 52; z-e spiele J. A. Ebert Youngs nachtged. 2, 183; alle eitele, nur z-e und schädliche beschäftigungen Lessing 8, 20 M.; z. ist immer die nähe der geliebten Göthe 28, 12 W.; z-er gesellschaft (bedürfen) Grabbe w. 1, 450 Bl.; veraltet.
zeitverschwendend
zeitvergeudend; als zs. von Adelung lehrg. 2, 17 noch abgelehnt, auch von Campe wb. noch nicht verzeichnet, doch jetzt durchaus geläufig; vgl.: die anschauung eines so ... mühsamen, z-en ... treibens W. Scherer kl. schr. 1, 73. —
zeitversplitternd
wie -splitternd: z-e arbeit Lessing 18, 252 M.; eine z-e ... spielerei Zschokke s. schr. 5, 315; J. G. Forster 8, 240; abgekommen.
zeitvertreibend
kurzweilig, unterhaltsam: lauter lustige und z-e sachen Chr. Weise erzn. 3 ndr.; es liest sich auch gar zu z. n. büchers. d. schön. wiss. 9, 315; wuͤrde wol mein brief dadurch z-er werden Th. Abbt verm. w. 6, 77; Jean Paul 49/51, 58 H.; Böhme tanz 225; noch gebräuchlich.
zeitwährend
gleich während (s. zeit II B 2 a γ αα): zeitwehrender solcher auferbauung Grimmelshausen 4, 902 K.; z-er gefaͤngnis Anton Ulrich v. Braunschweig Oct. 1, 926; zeitwaͤrenden ungewitters Chr. v. Ryssel v. d. seelenfrieden 319; so häufig: Hohberg georg. 3, 15ᵃ; z-er unserer kranckheit Schnabel ins. Fels. 249 U.; z-en abdrucks allg. d. bibl. anh. 25/36, 3403; seltener in freier verwendung: so machen die bergleut zeitwaͤrende probierofen Ph. Bech Agricolas bergwerkbuch 185; was man in rerum natura zeitliches, z-es oder zeit nennen kan oder mag Schottel sonderb. vorstellung (1675) 153; z. er ... mit den Gothen beschaͤftiget gewesen Mascov gesch. d. Teutschen 1, 302. — 2) perfecti:
zeitbewuszt
verein der z-en R. H. Bartsch zwölf aus d. Steiermark 77; z-e thaten A. Stifter br. 1, 66. —
zeitverwandt adj
und subst., im 18. und anfang des 19. jahrh.s im sinne von -genössisch, -genosse: Gottsched crit. hist. 8, 152; Hugo von Trimberg ... und seine z-en Freydank und Frauenlob J. J. Schwabe belust. 3, 458; z-e schriftsteller Gottsched anm. gel. 1, 253; die sprache des Opitz und der besten seiner z-en Lessing 7, 352; 18, 111 M., öft.; Ramler lyr. ged. 52; Heinse s. w. 4, 27 Sch.; Jean Paul 27/29, 32 H.; von diesem edlen geist- und zeitverwandten Göthe 41, 2, 59 W.; z. mit H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 4; J. H. Vosz krit. blätt. 1, 271; -in, f.: E. v. d. Recke tageb. einer reise 2, 192; -schaft, f.: Gerstenberg rec. 369 lit.-dkm.; des Pythagoras z. mit Myron H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 79.
zeit-
Fundstelle: Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 580, Z. 66

Unterbegriffe in diesem Artikel

in adjectivischen und adverbialen zusammensetzungen (die zss. mit participien s. hinten):
zeitarm
arm an zeit: Lavater verm. schr. 2, 104; Jean Paul 42/43, 45 H.
zeitbedürftig
egens temporis Steinbach 1, 311; Kramer 1, 257ᵇ; -bedürfig: Stieler 280. —
zeitbürtig
zeitgenössisch: mit meinen z-en verehrern hat es mir niemals recht glücken wollen Göthe 24, 119 W.; sogar: z-e aktenstücke Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 647. —
zeitfern
zeitlich fern: z-e begebenheiten Jean Paul herbstblumine 3, 60; w. 44, 33 H.
zeitgeistig
s. -geist. —
zeitgemäsz
den zeitbedürfnissen angemessen: die gestaltung der umgebung ... z. zu bilden (verstehen) Göthe 41, 2, 125; z-es, würdiges betragen eines fürsten III 12, 298 W., oft; A. Ruge br. 2, 216 N.; Campe 5, 833ᵇ; Grabbe w. 4, 467 Bl.; z-e erscheinungen Hebbel I 12, 79 W.; gelegentlich ironisch: die sogenannten 'zeitgemäszen' liberalen phrasen Louis Schneider leb. (1879) 2, 7; u. a.; compariert: eine neue sach- und zeitgemäszere eintheilung Göthe IV 38, 149 W.; das wichtigste und z-este fürst Pückler br. 6, 617; substant.: nur das z-e dauert Platen 3, 220 R.; u. a.; -ig mischform mit -mäszig: Sintenis Gottl. Denker 285; abweichend zeitlich: in z-er folge H. Heine 3, 375 E.; zeitig: die z-e gerste M. Meyr erz. aus d. Ries 1, 268; dazu -heit, f.: die z. des unternehmens Uhland br. 3, 172; Grabbe w. 4, 465 Bl.; Bismarck pol. red. 4, 141. —
zeitgenosse
s. sp. 559. —
zeitgenossenschaftlich
s. sp. 559. —
zeitgenössisch adj
zu -genosse; zuerst 1832 bezeugt bei Heine (von z-en kritiken 5, 209 E.) und Platen (von ... z-en geschichtschreibern w. 3, 4 R.); (die) z-en österreichischen dichter Gervinus gesch. d. dtschen dichtg 1, 212; streitfragen der z-en literatur Gutzkow ges. w. 1, 226; die jüngere z-e generation Bismarck ged. u. erinn. 1, 248 volksausg.
zeitgerecht
dem zeitgeschmack entsprechend: zeitgerecht-polizeilische ansichten G. A. v. Maltitz pfefferkörner 3 (1833) 200; Gervinus gesch. d. dtschen dicht. 2, 370; v. Roon denkw. 2, 193. —
zeitgeschichtlich
s. unter -geschichte. —
zeitgläubig
s. unter -glaube. —
zeitgleich
gleichzeitig: z. coaevus Schottel haubtspr. (1663) 475; beleg von 1675 aus einem Basler wb. bei Campe wb. 5, 834ᵃ; z-e berichte Ritter erdkde 17, 724; Gödeke in einl. zu Brants narrensch. (1872) xiii. —
zeitheilig
die euserlichen speiszheiligen, kleyderheiligen, z-en, stetheiligen Luther 7, 802 W.; -thum, n.: Herder 6, 459 S.
zeither adv.
bisher, seither; aus der wendung eine zeit her, hero (s. zeit V A 3 c α δδ) abgeleitete und seit anfang des 17. jahrh.s bis in die gegenwart verbreitete und beliebte form: ich (war) ... zeithaͤhr keines maͤnschen ansichtig worden Zesen adr. Rosem. 41 ndr.; Neumark fortgepfl. lustw. 2, 161; Chr. Thomasius kl. dtsche schr. 189; Lessing 2, 124 M.; Herder 5, 205 S.; Göthe 22, 231; 37, 313 W.; was ich z. als lohn erhalten hatte O. Ludwig ges. schr. 2, 519; G. Keller ges. w. 9, 40; A. Stifter s. w. 3, 294; in dem wettbewerb mit seither, das Adelung wb.² 4, 1677 noch als die vermutlich unrichtigere form bezeichnet (doch s. die geschlossene überlieferung von seither th. 10, 1, 373), scheint dieses wort in der jüngsten zeit den vorrang zu gewinnen, während früher nach den angaben unter zeit V A 3 c β zeit in seiner verwendung als präposition auf kosten von seit eroberungen gemacht hat. z. hält sich auch noch in mdaa.: Seiler Basl. mda. 324ᵇ; H. Fischer 6, 1110; Martin-L. 2, 379ᵇ. 920ᵃ; Askenasy Frankf. mda. 196; Müller-Fr. 2, 511ᵇ. zeithero: Ph. Heilbrunner v. d. augsp. confession censur (1598) 1; v. Chemnitz schwed. kr. 2, 227; Lohenstein Arm. 1, 17ᵇ; mediz. maulaffe 26; Hippel lebensl. 1, 168; da ich mir nun zeithero alle muͤhe gegeben habe K. Fr. Cramer Neseggab 8, 175. —
zeitherig adj
zu -her, seit-, bisherig: unser z-er buͤrger A. Beier de collegiis opificum (1688) 485; seine z-e lebensart Leipz. avanturieur 1, 64; Lessing 17, 394 M.; Bürger 1, 376ᵇ Bohtz; Wieland s. w. (1794) 3, 378; alle z-en anträge Göthe IV 40, 182 W.; Adelung wb. ² 4, 1677 zieht z. der form seitherig vor; aber Meusel verm. nachr. u. bem. 174 musz seitherig als in mode kommend bezeichnen, und da uns nach 1874 (die z-en einrichtungen Roszmäszler leb. 114) kein beleg für z. mehr vorliegt, musz es als ausgestorben gelten; vgl. auch seitherig (th. 10, 1, 401). —
zeitkarg
wie -arm: H. Laube ges. schr. 4, 188; Mozin 3, 219ᵃ; Campe 5, 834ᵇ; -heit, f.: Göthe IV 28, 313 W.
zeitklug
weltklug: allen wetterwendischen, z-en, an nichts hängenden, verkäuflichen, ungewissen, mattherzigen menschen W. Fr. Meyern Dya Na Sore 1 (1787) 158; 4, 216; gelehrte, welt- und zeitkluge prediger J. A. Feszler rückblicke 416; -heit, f.: die politische z. Dannhawer cat. 1, 515: W. Fr. Meyern regentschaft 9. —
zeitkundig adj
Campe 5, 834ᵇ, ebda und in der regel subst. 'chronolog': (die) z-en Gottsched anm. gel. 3, 283, le chronologiste Schwan n. dict. 2, 1095ᵇ. —
zeitläufig
die z-en früchte (d. h. obst der jahreszeit) B. Auerbach schatzk. 1, 184. —
zeitlieb subst.
flatterhafte geliebte, 'flatterschöne':
soll ichs, zeitlieb, dir entdekken
Stieler geh. Venus 41 ndr.
zeitlos
1) zeitlich unbegrenzt, ewig: gott ist formlosz, namlosz, personlosz, willosz, zeitlosz und statlosz S. Franck parad. (1539) 2ᵃ; (1558) 44ᵃ; keines zeitlichen, sondern zeit- und ziellosen todes wuͤrdig E. Francisci weh d. ewigkeit (1686) 786; die z-e cron Weckherlin ged. 2, 277 F.; sie (die kinder) leben wie götter in einer z-en ewigkeit Jean Paul 45/47, 127 H.;
aber zeitlos ist der nacht herrschaft,
ewig die dauer des schlafs
Novalis 1, 12 M.;
in der sprache der philosophie: J. G. Fichte s. w. 2, 513; z-e gegenwart, d. i. ewigkeit Hegel w. 1, 225; sonst: das dunkle, unermeszliche, raum- und z-e nichts W. Raabe schüdderump 1, 211; das ewige und z-e Solger Erwin 1, 108; 2) an keine bestimmte zeit gebunden, ohne ein bestimmtes zeitcolorit, zeitgepräge; gegensatz -nah, -gebunden: das märchen ist z., ortlos W. Scherer kl. schr. 1, 38; schon Herder: ein so z-es wort 22, 10 S.; bald tadelnd, bald lobend: ein unbedeutendes, z-es lied Uhland br. 1, 370; (Mörike) ein z-er dichter Treitschke deutsche gesch. 4, 444; z-e epoche Fr. v. Heyden ged. 284; grobe, z-e ware Hiller v. Gärtringen Thera 2, 78; Emma, die wieder alles z. thut, d. h. wie es eben der augenblick bringt A. Stifter s. w. 1, 96; vgl.: die lieben z-en (frauen, die der zeit achtlos sind) Tieck schr. 4, 60; 3) gesteigert für -arm: gott sei dank, dasz ihr wohl seid, ich auch, aber z., mehr als je Bismarck br. an s. braut 536; 4) zur ungewöhnlichen zeit, zur unzeit entsprieszend: s. -lose, f., sp. 566; zu -los 1
zeitlosigkeit f.
mancher in der hoͤllenglut sitzend, ... mit zetter und mordio sein z. beklagen thue Dannhawer cat. 1, 218; M. Mendelssohn ges. schr. 2, 239; Jean Paul 48, 103 H.; die absolute z. Hegel 7, 1, 55; G. Hauptmann griech. frühl. 143; zu -los 2: armer dichter der deutschen z.! A. Ruge s. w. 1, 44. —
zeitmäszig
von Herder und J. H. Vosz -gemäsz vorgezogene zs.: das mehr z-e Herder 2, 182; 3, 311; 5, 352; 12, 176 S. u. öft.; seine, nicht blosz z-en recensionen J. H. Vosz antisymb. 2, 100; krit. blätt. 1, 419 u. öft.; sonst adv.: dasz sie ... unsre wiesen z. hegen K. G. Anton gesch. d. landw. (1799) 1, 208; s. -gemäszig; -igkeit, f.: Herder 7, 189 S.; Gervinus deutsche dicht. 5, 100. —
zeitmelk
zur richtigen oder gewöhnlichen zeit im frühjahr melk werdend oder kalbend: Doornkaat-K. ostfries. wb. 3, 409ᵃ; irrig verhochdeutscht -milch ostfries. courier 1913, nr. 13. —
zeitreich
reich an zeit: dieser z-e gott Jean Paul 48, 124 H.; A. v. Villers br. ein. unbekannten 1, 60. —
zeitrichtig
1) die melodie ist eine geschickte, z-e ... veraͤnderung der toͤne Scheibe crit. mus. (1745) 196; 199; 2) gleich -gemäsz: z-es abbild F. W. Gubitz erleb. 1, 95. —
zeitschriftlich
wie eine -schrift (s. d.): z. wirken A. Ruge brfw. 2, 402 N.; z-e angriffe (angriffe in einer -schrift) F. W. Gubitz erleb. 1, 45. —
zeitspielig
zeitraubend: kost- und z. Böttiger an Göschen (1802) 140; z-e correspondenzen Uhland br. (1814) 1, 392; Schleiermacher I 5, 408; Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 391; veraltet.
zeittheilig
H. Fischer schwäb. wb. 6, 1114. —
zeitüblich
zu einer bestimmten zeit üblich: zeit- und landüblich (1769) Herder 3, 433 S.; das z-e allg. d. bibl. 18 (1772) 648; Campe wb. 5, 836ᵃ; Heynatz antib. 2, 663. —
zeitverderblich
zeitverschwendend, -vergeudend: sich fuͤr allem gewinnsuͤchtigen und z-en spiele ... huͤten A. G Spangenberg leb. Zinzendorfs (1772) 111; leere, z-e possen Knigge üb. schriftsteller (1793) 282; Lichtenberg verm. schr. 6, 469; K. L. v. Haller rest. d. staatsw. 6, 167. —
zeitvertreiberisch
z-e mode der jüngling (1768) 143. —
zeitvertreiblich
die zeit vertreibend, unterhaltsam, kurzweilig: die herrn prediger seindt ... nicht sehr z. Elis. Charl. v. Orleans 1, 97 M.; 5, 126 H.; J. Prätorius glückst. vorr. 5; Kortum Jobs. 3, 78. —
zeitweilig
1) eine weile dauernd, vorübergehend, a) adj.: einen z-en einflusz Schopenhauer w. 4, 438; wahl eines z-en stellvertreters Gutzkow ritter v. geiste 5, 498; besitz Hebbel I 11, 11 W.; ein z-er vertreter gerichtsverfassungsgesetz § 66; die herrscher kamen überein, eine wenn auch nur z-e dictatur eintreten zu lassen Mommsen röm. gesch.⁴ 3, 320; b) adv.:
zeitweilig hüt indessen du der lade,
wie ich auf diesem stuhl zeitweilig sitze
Rückert w. 9, 19;
wuszten, ob sie (die inseln) dauernd oder z. bewohnt ... seien Ratzel völkerkde 2, 130; R. werde ... z. hierbleiben B. Auerbach schr. 17, 110; 2) vorübergehend und sich wiederholend, a) adj.: auffällige spuren nicht des alters sowohl als der z-en mattheit Herder 12, 354 S.; er ... beglückt mich ... durch z-e heimsuchungen (besuche) Holtei erz. schr. 20, 80; das z-e trinken S. Brunner erz. 2, 45; u. a.; b) adv., von zeit zu zeit, zu-, bisweilen, manchmal: Castelli mda. in Österr. 269; Hügel 193ᵇ; Hönig 208ᵃ; aufmerksamkeit, die z. bis zur ungeduld stieg O. Ludwig ges. schr. 1, 340; Fontane I 2, 406; krachend löst z. sich eine felslast aus den wänden H. v. Barth Kalkalpen 397; u. a.
zeitweise subst
zu weise sapiens: chronologus Stieler 2570; Kramer teutsch-it. 2, 1302ᵃ. —
zeitweise adv.
auf eine bestimmte zeit, von zeit zu zeit, bisweilen, manchmal, hin und wieder: ob nun wol zwar ... zeitweis ... die rede und der teutsche geist entfremdet ... worden Neumark palmb. (1668) 4; ich ... hätte wenigstens z. mich nach Berlin zurückgewendet Ruge br. 2, 391 N.; gedanken, von denen sie zeitweis geplagt wird M. Meyr erz. aus d. Ries 2, 244; ich entnehme ihnen (den schlangen) z., alle drei, vier wochen, das gift E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas² 162; Fontane I 1, 173; zeitenweise: Herder 18, 339 S.; Jer. Gotthelf ges. schr. 22, 151; Seiler Basl. mda. 326ᵃ; Tobler appenz. 457ᵃ; Schmeller-Fr. 2, 1161; Martin-L. 2, 867ᵇ. 919ᵃ; H. Fischer 6, 1109; Campe 5, 837ᵇ; D. Fr. Strausz schr. 6, 111; Steub drei sommer in Tirol 1, 197; häufig als adj.: wegen seiner z-n entfremdung Hebbel II 3, 190 W.; ihre z-n versuche Moltke ges. schr. 7, 138; die z-n blitze A. Stifter s. w. 2, 314; u. a.; von Campe wb. 5, 837ᵇ ungewöhnlich und ungut genannt.
zeitwidrig
nicht zeitgemäsz: mit der z-en zumuthung L. Feuerbach bei W. Bolin 2, 157; die z-e und zwecklose landung der Engländer Fr. L. Jahn w. 1, 491 E.; z. und lächerlich Kölle aufz. ein. nachgebor. prinzen 218; -keit, f., anachronismus: Sanders wb. 3, 1599ᶜ. —
zeitwierig
1) nur eine gewisse zeit während, 2) langwierig Campe 5, 837ᵇ.
Zitationshilfe
„zeit-“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/zeit->, abgerufen am 21.07.2019.

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