wuseln vb.
Fundstelle: Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2402, Z. 25
'sich wimmelnd bewegen'. bewegungsnachahmendes verb, wie verschiedene gleichbedeutende wörter ähnlicher lautgestalt, z. b. wutzeln (s. u.), ¹wudeln (sp. 1734), wurlen und wurren 2 (sp. 2225 und 2294), ³wispeln und wispern 3 (sp. 738 und 741), wuspeln (Vilmar Kurhess. 462, vgl.wöspelen wb. d. luxemb. ma. 492ᵃ), wuschpern (Knothe Nordböhm. 547; Anton Oberlausitz 6, 7); vgl. auch wieseln teil 14, 1, 2, sp. 1598 und gewusel, gewutzel 'gewimmel' teil 4, 1, 4, sp. 6872 u. 6873. die in der literatur gewöhnlichere form des wortes ist wuseln. wusseln findet sich bei Weckherlin (s. u.), Starklof (s. u., daneben wieseln, s. d.), Paul Ernst frühe geschichten (1931) 11 (daneben wuseln, s. u.). mundartlich ist wuseln und (oder) das zugehörige adj. wuselig (s. d.) für das ostfränk. (Rappenau), schwäb., bair., steir., kärnt. und für das nordwestliche mitteldeutsche (Aachen, Eifel, Trier, moselfränk.-siebenbürg.) verzeichnet. wusseln und (oder) wusselig herrscht im elsäss., lothring., pfälz., oberhess. und thüringischen; schwanken zwischen -s- und -ss- zeigt sich u. a. im kurhess. (vorwiegend -ss-) und obersächs. (vorw. -s-). ferner begegnet wûzeln Schmeller-Fr. 2, 1064; Autenrieth pfälz. 153; Weinhold schles. 106ᵇ sowie wusern in Tirol (Schatz 715) und im Allgäu (Reiser sagen 2, 745). — mundartliche verwendungen von wuseln für 'wachsen, gedeihen' (Schmeller-Fr. 2, 1039; Klein provinzialwb. [1792] 2, 239 [Augsburg]) stimmen mit ²wudeln, sp. 1735, überein und hängen vielleicht mit bildungen gleichen anlauts, wie schweiz. wüed 'üppig', wühlen 'wuchern' und bair.-schwäb. wüch 'üppig' (s. d. sp. 1689), zusammen.das wort verbindet sich sehr leicht mit präpositionaladverbien oder bildet mit ihnen komposita, z. b. hin und her- (s. u. Göthe), durcheinander- (s. u. Starklof), herumwuseln (s. u. Grimmelshausen); vgl. ferner 2 a.
1)
wimmeln, sich flink durcheinander bewegen, von einer vielheit (kleiner) lebewesen. lexikalisch nur ganz vereinzelt gebucht: wuselen serpere, ut pediculi solent Aler dict. (1727) 2, 2221ᵃ (nicht bei Stieler, Kramer, Adelung u. Campe).
a)
am frühesten in unpersönlicher oder kollektivischer fassung es oder alles wuselt (von etwas):
auch wuszlet alles voll von käfern und häwschrecken
Weckherlin ged. 2, 160 Fischer;
da trippelt ein die kleine schaar (der gnomen)
...
im moosigen kleid mit lämplein hell
bewegt sich's durcheinander schnell
...
und wuselt emsig hin und her,
beschäftigt in die kreuz und quer
Göthe I 15, 1, 53 W.;
und alles springt und wuselt froh belebt
Paul Ernst kaiserbuch 2, 2 (1927) 202.
auch eine bezeichnung des ortes, wo es wimmelt, kann als subjekt stehen: ertönte eine stimme aus dem wuselnden innern (eines überfüllten omnibusses) J. Scherr gröszenwahn (1876) 59; hätte der sturm die hütte abgedeckt, dasz man gar von oben ins wuselnde kindernest hineinsehe Rosegger wildlinge (1906) 133; unkraut wächst, steine stecken in den beeten, der boden wuselt von ungeziefer Carossa eine kindheit (1922) 48.
b)
mit persönlichem subjekt: diese (junge hündlein) wuselten behend in der zelt hin und wieder herumb (1669) Grimmelshausen Simpl. 161 Scholte; ich sahe ... sehr viel kleine kinderlein wuseln türckischer vagant (1683) 138; es kostete einige mühe, bis von den vielen kellnerinnen, die im hause durch einander wusselten, eine uns stand hielt Starklof vierzehn tage im gebirge (1837) 389; und die ferkels wuselten quietschend hinter ihr drein Viebig die vor d. toren (1955) 48. hierzu auch: wo der Franzose (Rabelais) einen narren in ein wort sperrt, sperrt Fischart ein ganzes narrenhaus in einen satz, dasz dem leser vor diesem wirbelnden wuseln der gedanken und vorstellungen schwindelt Goedeke elf bücher deutscher dichtung (1849) 1, 159.
2)
seltener von einzelnen lebewesen 'sich wimmelig, lebhaft aber etwas konfus bewegen'.
a)
allgemein: bald hier, bald da wuselt eins der jungen über die ledrigen laichkrautblätter Löns aus forst u. flur (o. j.) 113; aus einer hütten wusselt ein kleines maidlein herauf und lief auf uns zu Kolbenheyer meister Pausewang (1910) 263; hinterdrein wuselt frau Powenz mit der petroleumlampe Penzoldt Powenzbande (1949) 40. auch: einmal fuhr die dampfbahn vor und lud post aus. dann wuselte sie nach ihrer art eilig weiter Schaffner Konrad Pilater (³1910) 457. — hierzu komposita des sinnes 'sich wuselnd aus etwas herausarbeiten': und ich freue mich über jede kleine schote, die aus ihrem weiszen westerhemdchen hervorwuselt Wieland in: br. an Merck 2, 148 Wagner; die menschheit musz sich ganz allmählich selbst herauswuseln. die menschen wollen nur durch schaden klug werden Otto Ernst in der jugend (1898) 106ᶜ.
b)
sich in dieser weise zu schaffen machen; besonders auch 'sehr geschäftig thun ohne besonderen erfolg' Schmid schwäb. wb. 540: das kleine männchen ... putzte und rückte immer fort an den uhren, zog sie auf, und sorgte und wuselte immer fort Brentano ges. schr. (1852) 5, 361; auf dem hof gab es nur den fremden mann und den alten knochen, ... den schnapstrinker, grosz im trinken und im geschäftigen wuseln Erhard Wittek bewährung d. herzen (1937) 101; so auch: nur ein artiges mädchen wuselte mit dem staubtuch an den ... gläserbrettern herum Muellenbach silberdistel (1903) 28.
Zitationshilfe
„wuseln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/wuseln>, abgerufen am 16.10.2019.

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