wunsch m
Fundstelle: Lfg. 13 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2014, Z. 57

Unterbegriffe in diesem Artikel

zur idg. wurzel *u̯en- 'streben, wünschen, lieben'. da das idg. inchoativsuffix -sk(e/o)- praesentia bildet, bestehen für die herleitung der germ. substantiva anord. ōsk, f., ags. wȳsc, ahd. wunsc, m. zwei möglichkeiten. es wäre einmal vom verbum *wunskjan (s.wünschen) auszugehen, das dann gegenüber aind. vāñchati 'wünscht' eine ähnliche j-erweiterung zeigte wie got. wahsjan (gegenüber ahd. wahsan, vgl. gr. ἀέξω) oder lat. misceo (vgl. gr. μίσγω, falls aus *migskō). wunsch (mit seinen germ. entsprechungen) wäre dann als postverbale anzusehen. andernfalls wäre das substantiv zu einem verlorenen praesens, das aind. vāñchati entspräche, gebildet, und wunskjan wäre ein denominativum. für die erste möglichkeit könnte zweierlei sprechen, erstens die verschiedenheit der bildung von anord. ōsk ˂ *wunskō-, f. und ags. wȳsc, ahd. wunsc ˂ *wunski-, m. (ags. nur einmal für filioli belegtes wūscbearn [Lind. G., Joh. 13, 33] nach anord. ōskbarn gebildet?), zweitens der umstand, dasz wȳsc im ags. nur einmal und anord. ōsk und ahd. wunsc sehr viel seltener als die verben belegt sind. jüngere neubildungen zum verb sind die substantive dän. ønske, norw. ynskje, schwed. önskan, mnl. wensc, nnl. wens(ch), engl. wish. durch zugehörigkeit zur gleichen idg. wurzel sind verwandt wahn, wohnen, gewöhnen, wonne, winnen, gewinnen, winster (s. überall dort), ahd. wini 'freund' und ihre germ. entsprechungen, ferner die auszergerm. bildungen aind. vánati, vanṓti 'wünscht, liebt, erlangt, gewinnt, siegt', vanas, n. 'lust', vaní-ḥ, f. 'verlangen, wunsch'; lat. venus 'liebe, liebesgenusz, anmut, liebreiz', venerari 'mit religiöser scheu verehren, huldigen, demütig bitten' usw.; air. fine (*venjā) 'verwandtschaft, stamm, familie'. vgl. Walde-Pokorny 1, 258 ff., Pokorny 1147 f., Kluge-Mitzka et. wb. d. dt. spr. ¹⁷871ᵇ, Hellquist svensk et. ordb. ³2, 1461ᵇ, Falk-Torp norw.-dän. et. wb. 2, 1420, Skeat et. dict. of the engl. lang. ⁴718ᵇ. wunsch hat im dt. die normale flexion eines i-stammes.besonderheiten im vokalismus: uuinsc (gl. K., schreibfehler für uunsc Ra.; R.) ahd. gl. 1, 221, 38 St.-S.; wnischis (gen. sg.) entechrist in: fundgruben 2, 107 Hoffmann. im konsonantismus: einschub eines d, wundsch, seltener eines t, wuntsch, im 15. und sehr häufig im 16./17. jh., wundsch noch Olearius pers. reisebeschr. (1696) 60. wunsch ist ein gewichtiges wort der schriftsprache, aber es ist auch den mundarten nicht unbekannt, wenngleich hier in seinem gebrauch eingeschränkter als das zugehörige verb wünschen. zu herkommen und bedeutung des wortes in den germ. sprachen vgl. Hans Joachim Thiele d. wortstamm wunsch im ahd., aengl. u. anord. (masch.) diss. Berlin (1955).
I.
der mittelalterliche gebrauch des wortes wunsch ist durch die vorrangstellung der objektiven bedeutung A gekennzeichnet, unter deren einflusz auch die abgeleitete, ein subjektives verhalten betreffende bedeutung B steht.
A.
wunsch bezeichnet den inbegriff alles vollkommenen und auszerordentlichen als eine objektive gegebenheit, die dadurch an den irdischen dingen wirksam wird, dasz sie den charakter einer objektiven form im sinne des mittelalterlichen ordo-gedankens hat. kaum im plural gebräuchlich.
1)
in den meisten der wenigen ahd. belege ist (abgesehen von den Notker-belegen unter 2) die wortbedeutung nicht mit sicherheit zu bestimmen.
a)
das gilt besonders für die glossenbelege. aus dem abrogans: obtio uuinsc (gl. K.), optio uunsc (Ra.; R.) ahd. gl. 1, 221, 38 St.-S. ferner mehrere Arator-glossen des 10./11. jhs., von denen einige, vor allem die erste, vielleicht im sinne von 2 zu deuten sind: uoto vunske (Arator 1, 783; 10./11. jh.) ahd. gl. 2, 772, 15 St.-S.; vota uuunsca (Arator 2, 103; 11. jh.) ebda 2, 36, 46; uotum uunsc (Arator 2, 1113; 11. jh.) ebda 2, 33, 12; (uotum) optionem uunsc (Arator 1, 965; 11. jh.) ebda 2, 29, 53.
b)
die schon früh bezeugte lehnübersetzung zu 'adoptio' ze uunske bezieht sich der sache nach auf die aufnahme in das kindschaftsverhältnis zu gott: entfiangut atum ze uunske chindo in demo haremees faterlih fater (accepistis spiritum adoptionis filiorum in quo clamamus abba pater Röm. 8, 15) Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachdenkm. 198, 7 Steinmeyer. später prägnant ohne präposition: ioh uuir selben aller erist keist inphangin habinte siuftogen tiefo ininhalb muotis uuunscis peitonte. ih meino irlosedo des lichamen fone selo (in nobismet ipsis ingemiscimvs adoptionem expectantes redemptionem corporis nostri; zu ps. 31, 7, nach Röm. 8, 23) Notker 2, 104, 27 P.; do div uolle des zîtis chom, do sante got sinen sun, geborn uon einem wibe untir der ê, daz er die erlôste, die untir der ê wârn, daz ǒch wir den wnsch siner kinde enphiengin (adoptionem filiorum) (Gal. 4, 5) speculum eccl. 15, 11 Mellbourn.
2)
die objektive form des wunsches wird dadurch gewährleistet und seine wirksamkeit somit erhofft, dasz jemand den wunsch derjenigen person, der er gilt, zuspricht oder ihn sonst im hinblick auf sie ausspricht oder nennt, bis ins frühmhd. hinein dabei hinsichtlich zukünftigen geschehens mit dem nebensinn des vorhersehens. meist positiv und dann oft etwa im sinne von 'fürbitte, segen', nur gelegentlich als 'fluch': (die gottlosen) dimiserunt reliquias suas paruulis suis vnde liêzen iro chinden, daz siê lêibton. vuaz ist daz? âne der fluôh unde der uunsch (ps. 16, 14) Notker 2, 46, 19 P.; vuieo sie des sulin ingeltin des chumet nu prophetia (gloss. foresaga) nals optatio (gloss. uuunsc) (zu ps. 108, 5) Notker 2, 469, 20 P.;
dô nam er urloup von in dâ ...
vil manic guot wunsch âne zal
wart im gegeben an der stat
Wirnt von Gravenberc Wigalois 6209 K.;
wand in (Abraham) hat an solhe stat
des hohsten gotis gwalt gesat
das man mit wunsche im zallir zit
alle gloubigen selen irgit
Rudolf v. Ems weltchron. 5340 Ehrismann;
dô er schiet von dan,
guotlich wart im nâch getân
manic wunsch unde segen,
daz in got ûf den wegen
vor allem übel behuote
Ottokar österr. reimchron. 21 286 S.;
din (Esaus) bruder (Jakob) ist dieplich komen und hett den segen von mir empfangen und het mynen wúnsch bestetiget dt. historienbibeln 664 Merzdorf. so schon früh in der später recht häufigen verbindung wunsches gewalt (vgl. 3 b β; 4; B 3 b):
mit wnischis gewalte
segniti sie (die söhne) der alte (Jakob):
er chunt in zware
was in chumftic were
entechrist in: fundgruben 2, 107 Hoffmann.
im spätmittelalter bahnt sich in diesem anwendungsbereich von B her eine umdeutung in eine persönliche wunschäuszerung an, die für einen andern gutes erhofft. so vor allem, wenn auch nicht ausschlieszlich, in der nd. schriftsprache und besonders in der salutatio-formel: vnsen vrundliken denst mit wunsche alles guden (1429) urkundenb. d. st. Lübeck 7, 298; ebda 439; und danck euch eurs glücklichen wunschs zum neuen jare (Braunschweig 1474) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 116. sonst seltener:
so sey mein wüntsch wo er hin pfleg des wanders
das im glückh nachuolge
Püterich v. Reicherzhausen ehrenbrief 88 in: zeitschr. f. dt. altert. 6, 48.
3)
der wunsch ist, unabhängig von einer persönlichen wunschäuszerung, objektive form etwa im sinne des inbegriffs und urbildes alles vollkommenen mit der kraft, eine gestaltende mächtigkeit über personen und dinge auszuüben und vollkommenes und auszerordentliches an ihnen zu wirken. vorwiegend in der sprache der höfischen dichtung.
a)
in allgemeinem gebrauch, manchmal nahezu im sinne des schöpferischen wortes gottes:
vor hetet ir ein swachez leben,
nû hat iu got den wunsch gegeben
Hartmann v. Aue Erec 6487 L.;
diech mit gesange hie prîse unde krône,
an die hât got sînen wunsch wol geleit
Heinrich v. Morungen in: minnesangs frühling 141, 9;
wen moht dâ (am hof der königin Larie) erlangen
dâ der wunsch geordent was?
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 10 612 K.;
sus wart vür Artûsen brâht
an dem (Parzival) got wunsches hete erdâht
Wolfram v. Eschenbach Parzival 148, 30;
da stunt vor geordent mit gewalt
sin (gottes) wunsch an allen sachen,
als her sie wolde machen,
unde stuent in der gesichte gotes
sines gewaldigen gebotes
ein ieslich dinc an siner art
geschaffen als iz doch sider wart
Heinrich v. Hesler apokalypse 535 Helm.
b)
im hinblick auf die gestaltende, vollkommenes wirkende kraft des wunsches.
α)
personifiziert:
der wunsch het in gemeistert so ...
daz nie man sô vollekomen
ans künec Artûses hof bekam
Hartmann v. Aue Erec 2741 L.;
Ênîte was des wunsches kint,
der an ir nihtes vergaz
ebda 8935;
der wunsch der hete an si geleit
mê flîzes denne ûf alliu wîp
Konrad v. Würzburg troj. krieg 19 739 K.;
der wunsch und diu natur
gewuͤrket hant so meisterlich
sin werdes bilde
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 602 R.
β)
wunsches gewalt, mächtigkeit und wirksamkeit des wunsches bezeichnend; vgl. schon unter 2 und anders unter 4 und B 3 b:
wand sî nie gesâhen ...
zwêne rîter gestalt
sô gar in wunsches gewalt
an dem lîbe und an den siten
Hartmann v. Aue Iwein 6916;
wer möht ein alsô wol getâne
mit lobe volle krœnen,
die man niht künde baz beschœnen
mit wunsches gewalte?
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 6927 Sommer;
do kam ein edel junger man,
dem was sin schoͤner lib gestalt
nach dez wunsches gewalt
liedersaal 1, 539 Laszberg.
γ)
als genitivattribut neben andern substantiven, das durch diese bezeichnete auszeichnend und in dem sinne charakterisierend, dasz es nur durch die wirksamkeit des wunsches seine vollkommenheit erreichen konnte:
swaz einem manne mac gegeben
ze der werlte ein wunneclîchez leben,
des hât er gar des wunsches wal
Hartmann v. Aue Gregorius 2261 Paul;
daz was ein dinc, daz hiez der grâl.
erden wunsches überwal
Wolfram v. Eschenbach Parzival 235, 24;
ire ors, nâch wunsches siten,
wol nâch lust sie beriten
vor Akers uf der plânje da
d. kreuzfahrt d. landgr. Ludwig 2671 Naumann;
vnnd khaufft den wunsches füessen
zway zogkhln (schuhe) fein ich main die in geleichen
Püterich v. Reicherzhausen ehrenbrief 89 in: zeitschr. f. dt. altertum 6, 48.
c)
mehr im hinblick auf den inbegriff des vollkommenen.
α)
etwa im sinne des idealen modells, des besten und vollkommensten:
man saget daz nie kint gewan
einen lîp sô gar dem wunsche gelîch (wie Enite)
Hartmann v. Aue Erec 332 L.;
ditz ist ir erbe und ir lant:
daz stuont ê in mîner hant,
daz mir des wunsches niht gebrast:
des bin ich alles worden gast
ders., Iwein 3391;
der wunsch der lac dar under (im schatz), von golde ein rüetelîn.
der daz het erkunnet, der möhte meister sîn
wol in aller werlde über ietslîchen man
der Nibelunge nót 1124, 1 B. (wohl hierher und nicht prägnant gegenständlich im sinne von 'zauberstab, wünschelrute', wie Lexer 3, 996 sagt);
owe, min (Marias) wunsch, mins herszen gir (Christus),
alles liep het ich von dir
Schweizer Wernher Marienleben 10 441 P.-H.;
darnach kam ein fraw dem wunsch vast wol geleich von gestalt, reicheit, kleinat, vnd kleider mit namen Laneyt Wigoleys (1493) c 6ᵃ.
β)
in verbindung mit substantivischem attribut kennzeichnet wunsch das höchste ausmasz, die beste qualität, das exemplarische dessen, was das attribut bezeichnet:
er (Siegfried) het den wunsch der êren
der Nibelunge nôt 723, 1 B.;
daz sô stæte und sô ganz
der tugende wunsch an im lac
Heinrich v. d. Türlin diu crône 20 971 Scholl;
im hæte got den wunsch gegeben ûz erwelter dinge
Konrad v. Würzburg Alexius 142 Gereke.
entsprechend:
hie (in der kemenate) sâhen si inne sitzen
den wunsch von den wîben
Hartmann v. Aue Erec 8222 L.;
ûf einem grüenen achmardî
truoc si den wunsch von pardîs, ...
daz was ein dinc, daz hiez der grâl
Wolfram v. Eschenbach Parzival 235, 21.
archaisierend: da sach er vil liecht und ain wunder schönes pett, dar an sach er ligen den wunsch von diser wellt. er chust si zu hant Ulrich Füetrer Lanzelot 81 Peter.
4)
im ausgehenden mittelalter wird die herrschende bedeutung dahingehend versachlicht, dasz wunsch nun unmittelbar die vollkommenheit einer sache, die fülle des auszerordentlichen bezeichnet: also bleib Nestor in der kamern bisz im der herre urlob gab, und hett darinn recht den wuͦnsch an allen dem das er bedorfft Lancelot 1, 399 Kluge; so hatt doch Jörgen den bris und das lob alein; wan er ist komen uff daz glückrad und hatt den wunsch an im und gebrist im nütt dan guecz dt. volksbücher 262, 11 Bachmann-S. so gern in der 3 d gegenüber umgedeuteten verbindung wunsches gewalt: hie (im himmel) wunsches gewalt, hie lieb ane leid in iemer werender sicherheit Seuse dt. schr. 242, 14 Bihlm. der komposition nahe:
sie ist alles wandels fri,
alle seld wont ir bi,
sie hat an ir wunsch gewalt
mit grozer tugent ungezalt
meister Altswert 98 Holland-Keller.
5)
speziell der einem menschen von einem überirdischen wesen übertragene wirklichkeitsmächtige wunsch:
des (des zweiten zauberhandschuhs) wil iu (Artus) wol gunnen
sælde, diu in iu bî mir
dâ her ûf sante, daz ir
in mit disem behieltet
und dâ mit wunsches wieltet
Heinrich v. d. Türlin diu crône 24 817 Scholl;
habe drîer wunsche gewalt:
swie dîn wunsche sîn gestalt,
die ersten drî die werdent wâr
der Stricker mären 3 Rosenhagen;
up dat he lete lopen bolde
den (gefangenen) dwerch, he (der zwerg) gaf em wünsche wolde
drier hande, wo dat he
jümmer wolde nömen de
Gerhard v. Minden fabeln 162 Leitzmann.
6)
präpositionale verbindungen kennzeichnen die voll kommenheit einer person, einer sache oder eines vorgangs ze wunsche ist zunächst am häufigsten:
zu wunsche stênt dir diniu dinc
Hartmann v. Aue Gregorius 1286;
si (Medea) kunde wol gebâren
und was ze wunsche wol gestalt
Konrad v. Würzburg troj. krieg 7555 K.;
die burc stûnt zû wunsche wol
livländ. reimchron. 10 141 Meyer.
im spätmittelalter nur noch selten:
wart wip uff erden yͤ wandels blosz,
dez muͦz ich sie bezihen,
daz an ir konde gedihen
zu wuͦnsche waz wiplich hiez
mhd. minnereden 1, 92 Matthaei;
Hestor prufet das die burg zu wunsche gelegen was in alle wise Lancelot 1, 373 Kluge. zunächst seltener, im spätmittelalter fast ausschlieszlich, nâch wunsche, nâch allem wunsche:
sîn (Flores) nase was im alsam
nâch wunsche eben unde sleht
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 6833 Sommer;
wie gar nâch wunsche ritterlich
sie zusamme trâten
d. kreuzfahrt d. landgr. Ludwig 5170 Naumann;
were ein geweltiger keiser, des alle die schetze, herschaft, richeit, schoͤnheit, kunst und alle genuͤge aller menschen und aller creaturen were, nach allem wunsche und in aller wisen daz kein hertze erdencken mag Tauler pred. 124, 17 Vetter;
als wer es (die gegend) das irdisch paradisz,
so was es näch wunsch wol geschickt
mhd. minnereden 1, 12 Matthaei;
mit köstlichem gemäle gezirt nach allem wunsche (ragguardevole) Arigo decameron 13 Keller. vereinzelt von wunsch: (Pontus) was grosz vnnd wolgeschickt von brust vnnd rucken, klein von bauch, sein arm vnd beyn waren von wunsch wol gemachet Pontus u. Sidonia (1498) b 2ᵇ; von wundsch noch im wiederabdruck im buch d. liebe (1587) 318ᵃ.
B.
von verschiedenen weisen des persönlichen strebens und begehrens, das als blasse nachahmung des objektiven, die wirklichkeit formenden wunsches unter A erscheint und diesem gegenüber durch formlosigkeit und unmächtigkeit gekennzeichnet ist. auch im plural gebraucht.
1)
allgemein begierde, begehren, verlangen: ich bin sculdig ... in girigkeite in sunthaften meitôn, in sunthaften sôrgon, in sunthaften wûnscen Bamberger glauben u. beichte in: kl. ahd. sprachdenkmäler 146, 4 Steinmeyer;
dâ (auf das feld) vielen ûf die werden man (im kampfe),
den diu êre en teil was getân.
mîn gir kan sölher wünsche doln,
daz et ich besæze ûf dem voln
Wolfram v. Eschenbach Parzival 75, 21;
daz fúnfte gevengnisse ist des eigenen willen ... wer daz got in dez menschen willen sesse und in sinem wunsche, das er aller siner gebresten lidig werden moͤchte und alle tugende und vollekommenheit gewinnen moͤchte, das schine ein torheit obe ich des nút enwolte oder enneme. aber ich han mich bas beroten obe ich den willen und den wunsch mit gotte moͤhte haben, so wolte ich sprechen: nein, herre, nút mine gnoden oder goben oder wille, sunder, herre, wie du wilt, herre, so nim ich es Tauler pred. 78, 32 Vetter;
das freulin dacht in lieber acht: ...
ich traut deins (der sonne) scheines wol empern,
mir wär vil lieb, der uns kündet den abentstern,
den säch ich gern; möcht mir der wunsch geraten
Oswald v. Wolkenstein ged. 7, 47 Schatz.
2)
speziell das minnebegehren:
dô was ouch sô gezieret der küneginne lîp,
daz dâ hôher wünsce vil maneger wart verlorn
der Nibelunge nôt 300, 3 B.;
hei waz lieber dinge
bringent mir von ir die wünsche min! sol iemen vrô
von wunsche sîn, sô stât ouch von wunsche mîn gemüete hô
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 400, 2 L.;
so mir dein heubtlin naiget, saiget,
zaiget willikliches grüessen,
süessen wunsch ich da empfach;
nach meines herzen lust beschech es dicke
Oswald v. Wolkenstein ged. 28, 49 Schatz.
3)
die bedeutung des persönlichen begehrens greift, besonders in der sprache der mystik, auf feste verbindungen über, die in der bedeutung A ausgebildet wurden und die in dieser gleichzeitig noch weiter bestehen.
a)
nâch wunsche, zuerst mit personalpronomen:
die (heiligen drei) kunige urlǒp namen (von Herodes);
do sie do wider kamen
an ir wech uz der stete,
nah ir wnske vnd ir bete
ruchete sie got gewerne
sins geleites an dem sterne
priester Wernher Maria D 4604 Wesle;
und chomen da bi in ein tal,
da nach ir wunsch und nach ir wal
in daz beste wart erkant
da si wrden in gesant
(hs. P., erste hälfte d. 14. jhs.) Rudolf v. Ems weltchron. 13 573 Ehrismann.
dann in der gleichen form wie unter A 6: ligent got vor sinen fuͤssen, untze daz sine guͤte úberwunden werde ... lant úch nút wundern, ob es úch alles sament nút eines tages nach wúnsche zuͦ handen gat Seuse dt. schr. 424, 12 Bihlm.; so lobent mich (gott) etlich wol, so es in nach wunsch gat, aber wenne es inen úbel beginnet gan, so verget daz lob ebda 306, 23.
b)
wunsches gewalt: swer dich (gott) hât der hât aller wünsche gewalt. sie vreunt sich des, daz sie dich nâch allem ir willen haben suln, daz sie wider dînen willen nimmer mêr getuon mugen David v. Augsburg in: dt. mystiker 1, 373, 13 Pfeiffer; drie sunder gaben wil ich in geben, die sind als wirdig, daz sú nieman kan geschezzen. einú ist: ich wil in geben wúnsches gewalt in himeln und in ertrich, daz alles, daz sú iemer gewúnschent, daz daz geschiht Seuse dt. schr. 93, 15 Bihlm.
II.
der nhd. wortgebrauch ist durch die vorrangstellung der subjektiven, psychische aktionen und vorstellungen betreffenden bedeutung A gekennzeichnet, die im gegensatz zu der sachlich in etwa entsprechenden älteren bedeutung I B selbständig ist und frei vom einflusz der in vornhd. zeit herrschenden objektiven bedeutung I A. die nhd. subjektive bedeutung entwickelt von anfang an eine neue objektive bedeutung B, die das ziel und den gegenstand des wunsches betrifft. im zuge der ausbildung dieser unter dem ständigen einflusz von A stehenden bedeutung werden die am ende des 15. jhs. noch vorhandenen reste der älteren objektiven bedeutung I A dem neuen sinn gemäsz umgedeutet.
A.
wunsch bezeichnet in subjektiver bedeutung das begehren, verlangen, die vorstellung des begehrten, und zwar in dem sinne, dasz die befriedigung des verlangens nicht von dem bemühen dessen abhängt, der es empfindet oder äuszert. zu vergleichen sind zahlreiche ältere lexikographische buchungen wie: optatio wahl, wunsch, auszerkiesung Dasypodius dict. (1537) Z 8ᵃ; optio ein wünsch Er. Alberus dict. (1540) Tt 3ᵃ; appetitio ein begird oder wunsch Frisius dict. (1556) 106ᵇ; desyderium lust, wunsch, begird, verlangen ebda 401ᵇ; desyderatio begird, verlangen, wunsch ebda 402ᵃ; wunsch, begaͤr, auszerlaͤsung optatio, appetitio, desyderium, desyderatio, votum Maaler teutsch spraach (1561) 508ᵃ; wunsch (neben wünschung und wünschen, n.) optio, optatio, optatum, votum, desiderium Stieler stammb. (1691) 2498.
1)
das begehren oder verlangen ist auf die erfüllung persönlicher hoffnungen, die befriedigung persönlicher interessen gerichtet in dem sinne, dasz der besitz einer sache oder die verwirklichung einer durch den wunsch bezeichneten situation, eines solchen zustandes u. dgl. begehrt oder gern gesehen wird.
a)
das auf erfüllung hoffende und wartende begehren, meist in einer dem gebet oder der bitte angenäherten form und in dieser hinsicht von 2 a kaum geschieden: wolt gott, das alle mönch und nonnen diesen verstand hetten und lieffen alle aus den klöstern ..., das were mein wundsch und mein hertzlichs begeren (1522) Luther 10, 3, 23 W.; darumb werd mein wunsch, das die hausmuͤtter, reichthuͤmer nit so genaw suchten vnd samleten J. Barth weiberspiegel (1565) g 3ᵇ; nun ist endtlich einmal die helffte meines hertzlichen wuͤndsch erhoͤret, weiln ich dich, meine hertzliebe tochter gefunden theatrum amoris (1626) 61;
nun, herr und vater aller güt,
hör unsern wundsch: geusz ins gemüt
vns allen diese gabe
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 346ᵇ.
später seltener und schon b genähert:
ein heiliges gebet, das nach dem geitz nicht schmekket,
sticht hundert ochsen ausz: du traͤgest unverdekket
den wundsch des hertzen an: bringst alles deutlich vor
Rachel satyr. ged. 55 ndr.;
so schuͤtt ich wunsch und flehen,
mein schoͤpfer! vor dir aus
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 264;
Selinde sieht ihn gehn, und sieht ihm weinend nach,
und schickt voll todesangst viel wünsche zu den sternen
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 116.
b)
das affektbestimmte und deutlich zielgerichtete verlangen, meist mit dem aspekt der erwartung, ohne rücksicht auf eine bestimmte form der wunschäuszerung. im 16. jh. nur erst vereinzelt: wann der dieb vnd vbel thaͤter wunsch war wurd, so kündt kain richter, oder jre diener platz haben Joh. Nas antipap. eins vnd hundert (1567) 2, G 1ᵃ. mit dem zweiten drittel des 17. jhs. voll einsetzend:
weil er begierig war die böse that zu rechen,
so zielt er, wie er mög jhm seine brust durchbrechen,
das werck sich seinem wundsch auch ungleich nicht erwiesz
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 47;
(man beschuldigte die Deutschen,) dasz ihre versammlungen allzu langsam geschehen, und ihre rathschlaͤge allzu zwistig waͤren, das verhaͤngnuͤsz haͤtte ihnen einen groͤssern sieg verliehen, als iemahls ihr wuntsch gewest waͤre; bey ihnen stuͤnde es nun sich desselbten zu ihrem vortheil zu gebrauchen Lohenstein Arminius (1689) 1, 194ᵇ;
so bald der völker wunsch und wohlfahrt dich (den fürsten) begehren,
musz eine stadt dich froh, ein andre traurig sehn
Heräus ged. (1721) 58;
die wunder deiner tapfferkeit,
die wunsch und glauben uͤbersteigen
Pietsch geb. schr. (1740) 47.
geradezu 'befürchtung':
wenn nun ein solcher fall (dasz gott den wunsch betrüge!)
durch deine todes-post mir hertz und ohren schlüge
J. Chr. Günther ged. (1735) 1045.
c)
nach der mitte des 18. jhs. wird der affektgehalt des wortes abgeschwächt. wunsch bezeichnet seither die blosze vorstellung von etwas ersehntem oder erhofftem, der die möglichkeit oder unmöglichkeit einer verwirklichung des nur vorgestellten gleichgültig ist. auch im plural gebräuchlich.
α)
gewöhnlich sind vorstellungsakt und -inhalt nicht geschieden: da ich glücklich war ..., wenn mein befriedigtes herz in den armen der liebe, aller bedürfnisse, aller wünsche vergasz Wieland Agathon (1766) 1, 33;
alles, was
von dir mir kömmt, — sey was es will — das lag
als wunsch in meiner seele
Lessing 3, 123 L.-M.;
nimmer ruht der wünsche streit
Schiller 11, 33 G.;
zwischen zween ungewissen wegen denjenigen zu wählen, der den wünschen und bedürfnissen des rechtschaffenen die meiste befriedigung verspricht Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 27; das viehsterben fing in den hundstagen an, ohne jedoch den hunden zu schaden, was gerade im allgemeinen wunsch gelegen hätte Gutzkow ges. w. (1872) 5, 127; schon nach einigen jahren vermochte ich dies landhaus zu erstehen und unsern einfachen wünschen gemäsz einzurichten Th. Storm s. w. (1899) 1, 45;
leid zu lindern, leid zu tragen
und der wünsche gier zu dämpfen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 60;
trotz ihrer siebzehn, verstand sie es, seine wünsche im zügel zu halten Polenz Büttnerbauer (1895) 312.
β)
bei schärferer profilierung des vorstellungsaktes und in verbindung mit irgendeiner form der kundgabe nahezu in der bedeutung 'bitte, forderung, befehl', aber anders als unter a und dieses keinesfalls direkt fortsetzend:
das kürzste wird wohl seyn, dasz ich dem herrn
ganz grade zu des patriarchen wunsch
eröffne ... er hätte durch den herrn
ein briefchen gern bestellt
Lessing 3, 30 L.-M.;
ich erwarte von e. e. eine beschleunigte antwort, und werde, im fall sie meinen wünschen gemäsz ist, auf der stelle meine maszregeln nehmen Schiller 3, 535 G.; nach kurzer zeit, mein guter, tret ich wieder vor und zwar dieszmal mit wunsch und ansinnen Göthe IV 38, 73 W.; man sieht, wie wenig die lage der dinge den wünschen der Deutschen entgegenkam Ranke s. w. (1867) 1, 329; nun aber bildete er die kunst, dem riesen alles an den augen abzusehen und seinen wünschen lautlos zuvorzukommen, vollends aus Ina Seidel labyrinth (1922) 32; doch werden wir (die angestellten des hotels) keine anstrengung scheuen, den wünschen der damen aufs beste zu genügen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 11. so in der präpositionalen verbindung auf jemandes wunsch:
auf euren wunsch wird der dechant des orts —
Schiller 12, 407 G.;
dasz man auf wunsch des im heldenhaften kampf gefallenen darauf verzichtet habe, trauerkleidung anzulegen Klemperer l. t. i. (1949) 130. auch nach, gegen jemandes wunsch (anders unter d α): eigentlich bekannte er sich nach dem wunsche seiner angehörigen zum theologen Göthe I 46, 87 W.; dasz das wollen der seele gott veranlasse, den körper jedesmal nach wunsch der seele zu bewegen du Bois-Reymond üb. d. grenzen d. naturerk. 3 (1873) 22; kaiser Heinrich II. erzwang hier gegen den wunsch des Würzburger bischofs eine neue diözese Pinder d. Bamberger dom (1927) 14.
γ)
in jüngster sprache meint das wort mehr den vorstellungsinhalt, der in gewissem sinne materialisiert wird: oh, der einfache ist reich mit seinen wünschen, denn erfüllung macht ärmer Steguweit d. tör. jungfrau (1937) 28; ich glaube an die illusion. auch das, was nirgends vorkommt auf der welt ..., auch das, was nur als wunsch vorkommt, als sehnsucht, als ziel über alles vorhandene hinaus: auch das hat seine macht über die völker Max Frisch nun singen sie wieder (1946) 30.
d)
sehr häufig in der präpositionalen verbindung nach (jemandes) wunsch. die gleiche verbindung im mhd. unter I A 6; I B 3 a.
α)
der zunächst überwiegende gebrauch dieser verbindung mit possessivpronomen nimmt bis zur gegenwart hin ständig ab. das zielgerichtete begehren, verlangen, wobei eine äuszerungsform als bitte oder forderung im gegensatz zu dem gleichzeitigen gebrauch unter a und 2 a nur selten mitgegeben zu sein scheint: vnd sie (die schiffer auf dem stürmischen meer) fro worden, das stille worden war, vnd er (gott) sie zu land brachte nach jrem wundsch psalm 107, 30; als sich nun die zwey liebhabenden menschen nach irem wunsch und willen erspracht hatten Wickram w. 1, 47 lit. ver.; gefragt, wann einer sich am meisten der wanckelbarlichkeit desz glücks zu befoͤrchten? hat er geantwortet: wann es einem am allermeisten nach seinem wunsch gehe Zinkgref apophthegmata (1628) 81; wie man dann ... weisz, dasz viele ... sich ... an statt des wünschhütleins, der böck oder vielmehr des teufels selbst gebrauchen, der einen und anderen ihrem wunsch nach von einem ort zum andern trägt Grimmelshausen 2, 329 Keller. das moment der erwartung betonend; vgl. b:
soll ich denn alle tag
immer lauter plag,
die welt im gegentheil
nur immer lauter heyl
nach jhrem wundsche haben?
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 378ᵇ;
erkiese dir ... eine andere gemahlin, welche, wenn sie nach meinem wuntsche waͤre, dich so sehr als mich diese einsamkeit (in einem abgelegenen tempel) vergnuͤgen werde Lohenstein Arminius (1689) 2, 58ᵇ;
kaum sah man, dasz dein ehestand;
nach eurer beyder wunsch gelungen
Gottsched ged. (1751) 1, 166.
in der c entsprechenden bedeutung 'wunschvorstellung'; auch im plural: es geht ja alles nach seinem wunsche; er findet ja in ihnen den gefälligen mann, dessen er so sehr bedarf Klinger w. 9 (1809) 185; hofrath Hirt ist hier, der in Berlin eine existenz ganz nach seinen wünschen hat Göthe IV 12, 189 W.; durch fortgesetzte aufmerksamkeit ... gelang es ihm nach und nach, eine ... anzahl von bisthümern nach seinem wunsche besetzt zu sehen Ranke s. w. (1867) 1, 102; und auszerdem rührte sich's jetzt wieder politisch sehr nach seinem wunsch O. M. Graf unruhe (1948) 275.
β)
nach wunsch, mit den gleichen bedeutungsverschiebungen wie unter α. diese verbindung ohne possessivpronomen ist im 16. jh. noch selten bezeugt und für diese zeit in der zuordnung zur subjektiven bedeutung nicht gesichert, vgl. unter B 1: wöllen wir nun ... euch fürstellen ein feldgut, an solchem ort gelegen, wie es vngefaͤr anzutreffen, vnd nicht nach wunsch wol zu woͤlen were, vnd daselbs on überflüssigen vnkosten, ein solchen meyerhof ... aufrichten Sebiz feldbau (1579) 2; wie jhm dann auch der anschlag (gegen den feind) nach wundsch geriethe Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 2, 54. seit dem zweiten drittel des 17. jhs. im gegensatz zu α in ständig zunehmendem gebrauch:
wann wir nur fromm sind, wird sich gott
schon wieder zu uns wenden,
den krieg und alle andre noth
nach wundsch und also enden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 380ᵃ;
wann uns ... alles nach wunsch ergehet; so ist es hohe zeit, sich in acht zu nehmen Butschky Pathmos (1677) 45; allwo wir ... von einem favorablen winde nach wunsche fort getrieben wurden Schnabel insel Felsenburg 21 Ullr.;
wenn nur nicht jede, die mir wohl gefällt,
hier oben (auf der erde) mich nach wunsch regierte
Göthe I 5, 1, 43 W.;
sie wollte die ungewiszheit oder vielmehr die furcht nicht länger ertragen, dasz es nicht nach wunsch und hoffnung mit mir stehe G. Keller ges. w. (1889) 3, 46; gewisse beamte des gouverneurs ... hatten bereits nach wunsch gestanden Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 205. vereinzelt wohl auch so nach allem wunsch, anders als unter B 1:
was ist den nun dein todt? nichts anders als gesprungen
ausz dieser suͤnden bahn hinauff in gottes reich,
dir ist's, o theurer fuͤrst, nach allem wunsch gelungen,
du stundest, warest tod und lebendig zugleich
Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 452;
solche gnaden ... hast du hinfüran ... von dem neuerwählten schutzherren Josef nach allem wunsch zu gewarten Abraham a s. Clara w. 1, 89 Strigl.
2)
als wunsch für eine andere person. in bestimmten formen der wunschäuszerung, ausgehend von formen, die dem gebet und der fürbitte nahestehen, dann vor allem im sinne des zuwunsches und des glückwunsches.
a)
das auf erfüllung hoffende begehren in einer dem gebet oder der bitte für andere genäherten form. hinsichtlich der äuszerungsform kaum von 1 a geschieden: lieben bruͤder, meines hertzen wundsch ist, vnd flehe auch gott fur Israel, das sie selig werden Römer 10, 1; ach gott hosiana, ach gott gib gluck ... diszen versz haben sie auff Christum tzogen, und ist ein wundsch, gleych wie man auff deutsch eynem newen herrn wundscht gluck und heyl (1522) Luther 10, 1, 2, 61 W.; hab ich alle dieselben bergkherrn ... mit dieser meiner Sarepta ... zu diesem seligen newen jare verehren woͤllen, mit hertzlichem wunsch vnd flehen, vnser lieber gott vnd vatter ... der woͤlle vnsern aller gnedigsten herrn ... gnedigklich segnen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4ᵃ;
nun ist mein wunsch von hertzen grund,
das euch ein gott zu diser stund
genaͤdigklich thu wohnen bey
Spreng Ilias (1610) 168ᵇ.
hierher wohl: zu Coͤln ist gut handelen, da kan man vmb ein wundsch so viel kauffen, als zu Nuͤrnberg vmb drey last Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Uuu 8ᵃ; es gehen viel red vnd anschleg, auch viel bitte vnd wuͤndsch in einen wollsack ebda Z 6ᵇ. als segen: eer deinen vatter ... das dir ein guͦter wunsch von jm werde (Jes. Sir. 3, 9f.) Zürcher bibel (1531) 271ᵃ. sprichwörtlich: der jungen that, der mitlen rath, vnnd der alten wunsch (vota senum) seind selten vmbsonst ... die drei stuck seind vorteyl guͦt, der jung in thaten, der mittel in raͤthen, vnd die alten im gebet Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 87ᵃ; der eltern gebet, wuͤnsch vnd weissagen, kleben gern vnd werden gemeiniglich war Petri d. Teutschen weiszh. (1605) N 6ᵃ.
b)
der einem andern zugesprochene glück- oder segenswunsch, auch in gruszformeln.
α)
unter betonung der wunschäuszerung, die einer säkularisierten fürbitte entspricht: viel frommer hertzen insonderheit, solche jhre innerliche frewde (über die gesundung eines predigers) mit worten vnd wuͤndschen etwas mehr herfuͤr gethan vnd erklaͤret Moscherosch insomnis cura par. 4 ndr.; diesen unterthaͤnigen wunsch wolle der grosze gott an euer fuͤrstl. gn. in gnaden erfuͤllen und bekleiben lassen! Neumark neuspr. teutscher palmb. (1668) 301; sie befuͤrchten, ... ich duͤrfte ... die zeit, so bestimmet ist, den hn. prof. Philippi zu loben, mit blossen wuͤnschen fuͤr das wohlseyn eines so vortrefflichen mannes zubringen Liscow slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 137;
auch deines dieners treue brust
ergoͤtzet sich bey solcher lust,
und will dich, groszer mann, durch diesen wunsch bedienen
Gottsched ged. (1751) 173.
β)
nach der mitte des 18. jhs., 1 c entsprechend, das vorgestellte und einem andern zugewünschte gut: die guten wünsche, ... die sie einander deswegen thaten Wieland w. 15, 36 Hempel; ich trat ins melancholische zimmer, wo sie kränkelnd beim nähpulte sasz, und wünsche für meine wohlfahrt träumte Schubart leben 2 (1793) 70; ew. königliche hoheit halten sich überzeugt, dasz in jeder entfernung höchstdenenselben ich mit treustem wunsch und antheil nahe bleibe Göthe IV 29, 33 W.; das jahr 98 fängt selig an für sie, und ich habe diesen treuen wunsch: seine tage möchten ihre holde einsamkeit achten und auf den zehen, reiche geschenke an die schwelle legend, an ihrem hause vorübergehen (1898) Rilke br. (1950) 1, 4; möge euch gott alle die guten wünsche vergelten, die ihr für mich hegt! Sperl söhne d. herrn Budiwoj (1927) 480. formelhaft: mit den aufrichtigsten wünschen mich unterzeichnend Göthe IV 41, 8 W.; nun leb wohl ... empfange die besten wünsche für ein gutes gelingen von deinem Ernst (1891) Ernst Barlach leben u. werk in s. br. 29 Drosz; mit allen guten wünschen und grüszen, herzlichst ihr ergebener H. B. (1950) H. Broch br. (1957) 401.
c)
verwünschung, nur im älteren nhd. und überhaupt selten. im 16. jh. prägnant, dann nur noch mit kennzeichnendem attribut oder ironisch von a oder b her: teglich schmehen mich meyne feynde ... und die mich spotten, ... schweren bey myr. das ist, sie machen mich zum exempel, schwur, fluch, und wunsch, wie man spricht: es muͦsse dir gott thun wie dissem und ihenem (zu ps. 102, 9) Luther 18, 511 W.; da er nun den schwur vnnd wuͤnsch offt widerholte, sich dem teuffel zu verwuͤndschen Nigrinus von zäuberern (1592) 7; ein vbeler wundsch, das dich der haan hack auff eim strosack Moscherosch gesichte (1650) 2, 24; wie viel ... mit unzehlichen fluchen und argen wuͤnschen hinein gehen Hartmann fluchspiegel (1672) 6; dasz dich der hagel erschlag! wie? sprach Simplicius ..., schämestu du dich nicht, ... deinen alten cammerathen mit einem solchen wunsch zu bewillkommen? Grimmelshausen Springinsfeld 14 Scholte;
(wärterin:) zu schanden werde Romeo!
(Julia:) die zunge
erkranke dir für einen solchen wunsch!
Shakespeare 1 (1797) 98.
3)
speziell bitte, wunschäuszerung, deren erfüllung von einem höheren wesen vor der äuszerung zugesichert wird; vgl. einen sachlich entsprechenden gebrauch unter andern voraussetzungen unter I A 5: ein fabel von eim landsknecht, dem sanct Peter drey wünsch erlaubet (1559) Schumann nachtbüchlein 280 Bolte;
vnd wel dich dreyer wündsch geweren,
vnd was du darzu thust begehren,
dasz sol dir endlich werden wahr
Albr. Dietrich bawrenknecht (1618) A 5ᵇ;
verpsrachen die götter dem fürsten noch die gewährung der drei ersten wünsche, die er zu ihnen emporsenden werde M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 125.
4)
in syntaktischen verbindungen und fügungen, die für das wort in seiner subjektiven bedeutung charakteristisch sind.
a)
mit kennzeichnendem adjektivischem attribut:
α)
recht häufig guter wunsch: wer einen guten wunsch thun will, wünsche sich dass er bey gott sey Prätorius d. abentheuerl. glückstopf (1669) 43. besonders bei wunsch in der bedeutung 'glückwunsch, segenswunsch', s. ε.
β)
mit gefühlsbetonten attributen oder solchen, die auf die intensität des wunsches deuten: ein solches system ist ... unsern innersten wünschen und wesentlichsten trieben zu angemessen Wieland Agathon (1766) 1, 264; sie ist der glückliche hafen aller meiner stürmischen wünsche Heinse s. w. 4, 368 Sch.; (ich) wage den kühnen wunsch einen abgusz davon zu besitzen (von der maske der Medusa) Göthe IV 40, 256 W.; er ... machte sich abhängig von ihren leisesten wünschen Holtei erz. schr. (1861) 5, 46; jeder heisze wunsch zur hilfsbereitschaft Friedr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 98.
γ)
im hinblick auf die unwirklichkeit, verschwiegenheit und nichtigkeit des wunsches. geheim, still u. ä.: dasz geheime wünsche in ihrem herzen verborgen lagen Musäus volksmärchen 1, 11 Hempel; lockte ihre verborgenen wünsche aus ihnen heraus Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 13; des herzens stiller wunsch Denis lieder Sineds (1772) 87;
und die stillen wünsche sollen
die scheidewand zu überspringen meiden
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 307.
eitel, leer u. ä.: dasz man ... eitele wünsche thut anmuth. gelehrsamk. 1, 360 Gottsched; schwere vorsätze glücklich und unermüdet durchzusetzen ist ein nur wenigen beschiedenes theil ... es fehlen ... die genugsam brauchbare und redliche männer, ohne welche es todte wünsche bleiben Moser d. herr u. d. diener (1759) 84; so zeichnet die zeit mit leeren wünschen und mit eitlen klagen brandmarkend schmerzlich ihre sklaven Schleiermacher s. w. (1834) III 1, 354; jener übergangszeit ..., in welcher die zerfallende tradition des alten und die schwachen wünsche eines neuen sich durchkreuzten Justi Winckelmann (1866) 1, 351. ähnlich frommer wunsch unter ζ.
δ)
letzter wunsch eines zum tode verurteilten, wohl nach letzter wille (s. wille II B 11):
ihr geister, die die rach ihr hat zu dienst erkiest,
wofern durch letzten wundsch was zu erhalten ist,
wo einer, der itzt stirbt, so fern euch kan bewegen
Gryphius trauersp. 69 lit. ver.;
als man den jüngsten der verurteilten nach seinem letzten wunsch fragte Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 305.
ε)
spezielle attribute kommen wunsch in der bedeutung 'glück- und segenswunsch' (2 a, b) zu. gelegentlich schon im mhd. in der vergleichbaren anwendung unter I A 2, z. b. guot wunsch Wirnt von Gravenberc Wigalois 6209 K.: das da durch alle christen ... ein härtzlichen wunsch zuͦ got thuͦnd vmb hylff disem todten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 70 ndr.; viel tausend guter wuͤndsch die sollen dir verbleiben Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 71; unter den eifrigen wünschen für hochderselben hohes wohlergehen Lichtenberg br. (1901) 1, 4; meine besten wünsche Tieck schr. (1828) 1, 417; alle die guten wünsche ..., die ihr für mich hegt Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 480.
ζ)
frommer wunsch. im gewichtigen sinne:
treuer zärtlichkeit voll ...
that ich schweigend den frommen wunsch:
wäret ihr auch bey uns, die ihr mich ferne liebt
Klopstock oden (1889) 1, 85;
mit königlichen gütern segne dich
die göttin! sie gewähre sieg und ruhm ...
und jedes frommen wunsches fülle dir!
Göthe I 10, 12 W.;
die neueren philosophen und theologen wollen es abstreiten, dasz fromme wünsche und gebete etwas mehr bewirken können, wie das heil der eignen seele (1814) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 13 Schulte-K. 'bloszer, leerer, unerfüllbarer wunsch', vgl.γ; im ersten beleg im spiel mit der gewichtigen bedeutung: wie es ... in der welt, die wir die moralische nennen, hergehen sollte, habe ich nicht unterlassen anzuzeigen, und meine frommen wünsche darüber liegen so klar zu tage, wie die jedes andern gutmeinenden; auch werden sie wohl das schicksal aller frommen wünsche haben Klinger w. 3 (1815) VI; und auf dem höchsten gebiete der kunst ... sinken vollends die bestrebungen eines provinzial-kunstvereines zum frommen wunsche herab, wenn er aus sich selbst die mittel beschaffen soll Stifter s. w. 14 (1901) 197.
b)
in syntaktischen fügungen zur kennzeichnung von richtung, inhalt oder gegenstand des wunsches. in diesen fügungen steht wunsch im mhd. noch nicht, aber vgl. unt. γ zum mnd.
α)
die richtung des wunsches wird durch entsprechende verben und angabe des zieles (meist als präpositionalen ausdrucks) gekennzeichnet: (ärzte, die ihren eigenen vorteil suchen, sind) nichts bessers als jhne juristen, deren sinn, muht, begierd vnd wunsch, nur nach krummen haͤndlen steht Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 109;
sie richtet ihren wunsch stets nach dem alten ziel
Gryphius trauersp. 292 Palm;
die wolken, maus! sind weit über mich. erhebe deine wünsche zu ihnen; so wirst du glücklicher seyn Lessing 8, 55 L.-M.; an das gold hing sich also zuerst der wunsch der Germanen G. Freytag ges. w. 17 (1888) 184.
β)
ziel oder gegenstand des wunsches stehen in einem präpositionalen ausdruck attributiv bei wunsch: das ... alle christen ... ein härtzlichen wunsch zuͦ got thuͦnd vmb hylff disem todten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 70 ndr.; Edelred ... liesz das reich in einem solchen zustande, der alle wuͤnsche zum throne niederschlagen muste Haller Alfred (1773) 14; (der psalmist,) der wegen hohen alters die erfüllung seiner wünsche über Jerusalem ... nicht zu erleben glaubet Herder 12, 79 S. meist wunsch nach:
der du so viel wünsche thust
nach der eitlen lebenslust
Königsberger dichterkreis 44 ndr.;
schon bald nach beginn des 19. jahrhunderts war der sehnliche wunsch nach einer einheitlichen bundespost aufgetreten A. Wolcke postrecht (1909) 8. wunsch für nur im sinne von 2 b: mit blossen wünschen für das wohlseyn eines so vortrefflichen mannes zubringen Liscow slg. satir. u. ernsth. schr. (1739) 137;
mögen wünsche für dein glück
tausendfach erscheinen
Göthe I 2, 163 W.
γ)
inhalt oder gegenstand des wunsches stehen in der form eines genitivattributes. so schon im nd. des 15. jhs.: mit wunsche alles guden unter I A 2. sonst im nhd. nicht zu häufig: neben hertzlichem wunsch aller ersprieszlichen wohlfahrt Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 424; weil er selber den wunsch einer möglichst feierlichen einführung hätte Fontane ges. w. (1905) I 2, 8.
δ)
ein nebensatz bringt inhalt oder gegenstand des wunsches zum ausdruck. ein konjunktionalsatz: lieben bruͤder, meines hertzen wundsch ist, vnd flehe auch gott fur Israel, das sie selig werden Römer 10, 1; schon längst war mein wunsch, dasz du zu irgend einer wanderung möchtest aufgefordert werden Göthe IV 38, 277 W.; die regierung sr. majestät begrüszt sie mit dem lebhaften wunsche, dasz es in dieser sitzungsperiode des landtages gelingen möge, über die im vorigen jahre ungelöst gebliebenen fragen eine dauernde verständigung herbeizuführen Bismarck polit. reden 2, 64 Kohl. ein infinitivsatz oder, seltener, bloszer infinitiv mit zu. im älteren nhd. nur spärlich bezeugt; seit der mitte des 18. jhs. die am häufigsten genutzte möglichkeit, den inhalt des wunsches zu kennzeichnen: ihr einiger wunsch wahr seine wohlfahrt zu wuͤssen Zesen adriat. Rosemund 14 ndr.; dem göttlichen Diagoras gleich zu werden, war der höchste wunsch der jugend Winckelmann s. w. (1825) 1, 11; ihr wohlgefallen an ihm steigerte sich zum leidenschaftlichen wunsch, ihn zu erobern M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 126; glühend sei sein ... wunsch, seinen römischen freunden dienlich zu sein Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 90. ein konjunktivischer begehrssatz: mit hertzlichem wunsch vnd flehen, vnser lieber gott vnd vatter, der woͤlle vnsern aller gnedigsten herrn ... segnen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4ᵃ; als ich den wunsch äuszerte, er möge zu haus anfragen Bismarck ged. u. erinn. 2, 73 volksausg.
c)
in verbalen verbindungen, die die seinsweise des wunsches umschreiben.
α)
als gegenstand eines geistigen vorgangs bzw. des verhaltens oder tuns einer person. seit dem 16. jh. durchgehend in unpersönlichen wendungen wie es ist mein wunsch: meines hertzen wundsch ist ..., das ... Römer 10, 1. entsprechende, aber nur vereinzelt bezeugte ältere fügungen: er hat ... iederzeit diesen andächtigen wunsch in seinem hertzen geführet Lohenstein Arminius (1689) 1, d 2ᵇ;
ists wunder, wann das hertz in heisse wünsche bricht?
Neukirch anfangsgründe (1724) 467.
seit dem ende des 18. jhs. in wendungen, denen die vorstellung zugrunde liegt, dasz jemand einen wunsch hat: wer hat sich je an den strahlen der sonne erwärmt, ... ohne den wunsch zu fühlen, dieses räthselhafte wesen näher kennen zu lernen Schubert verm. schr. (1823) 3, 3; dasz ich den feurigen, stolzen wunsch häge ... Bürger s. w. 183ᵇ Bohtz. den wunsch haben (anders schon in der mystik, s. oben unter I B 1): so hab ich denn auch noch den wunsch, dasz ... Göthe IV 27, 222 W. einen wunsch äuszern u. ä.:
der du so viel wünsche thust
nach der eitlen lebenslust
Königsberger dichterkreis 44 ndr.;
(Mäcenas) äuszerte einen wunsch, den jeder vernünftige mensch beynahe für rasend halten musz M. Mendelssohn philos. schr. 1 (1777) 183; dasz der könig den wunsch bezeigte, mich kennen zu lernen Göthe I 43, 127 W.; dasz der könig ... bestimmten beamten ... den wunsch der priester nach einem opfer kundgab Ratzel völkerkunde (1885) 2, 124; hierzu gehört, dasz ich mir erlaube den wunsch auszusprechen, ihnen einen besuch zu machen (1949) G. Benn ausgew. br. 151 Rychner. einen wunsch erregen u. ä.: unsere ... erziehung ... erregt wünsche statt triebe zu beleben Göthe I 23, 167 W.; damals haben sie selbst nicht so bescheidene wünsche in ihm angeregt Hirschfeld die mütter (1896) 14. einen wunsch ersticken u. ä.: unsere besten wünsche sind wir für ihn (den freund) aufzuopfern schuldig Göthe I 23, 33 W.; allmählich aber war dieser wunsch erstickt in grimmiger resignation Feuchtwanger Simone (1950) 111.
β)
der wunsch wird selbst als sich verhaltende, sich bewegende oder handelnde psychische gegebenheit vorgestellt. in umschreibungen für das vorhandensein oder entstehen des wunsches:
und hörst du (das bett der geliebten) keinen wunsch aus ihrem hertzen steigen?
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 21 Neukirch;
wie pfeile fliegen unsere wünsche, jetzt
voran, vorüber, wieder im rücken uns
Herder 27, 49 S.;
in deinem herzen musz eben der wunsch keimen Göthe I 21, 97 W.; dasz sich in gar manchem unfreiwilligen klosterbruder ... der wunsch regte, sich seiner fesseln zu entledigen Ranke s. w. (1867) 1, 308; aber ich preszte diesen wunsch in die tiefe zurück, daraus er gestiegen war Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 44. für das vergehen des wunsches:
und könnten auch wünsche verstummen
Mastalier ged. (1774) 63;
augenblicke ..., in denen alle meine wünsche schwiegen vor dem einen, ihrer würdig ... zu bleiben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 91.
d)
in wendungen und verbindungen, die befriedigung und erfüllung des wunsches umschreiben.
α)
älter ein wunsch wird wahr, gerät, gelingt, geschieht u. ä.; gelegentlich so schon im ausgehenden mittelalter in der bedeutung von I B 1 (s. d. Oswald v. Wolkenstein): der gerechten wundsch mus doch wol geraten, vnd der gottlosen hoffen wird vngluͤck sprüche 11, 23;
wil der wunsch mir nicht gelingen,
nimmermehr verliebt zu sein?
Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 649;
wenn sie (die erzählungen) darin dem publikum wohlgefallen, so ist ihm (dem verfasser) ein schöner wunsch gelungen Hebel w. 2, VII Behaghel; wann der dieb vnd vbel thäter wunsch war wurd, so kündt kain richter, oder jre diener platz haben J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, G 1ᵃ;
drei wünsche nenn ich euch (den sternen):
macht mir sie wahr
Körner s. w. 136 Streckfusz;
spare keinen fleisz, noch müh,
biss mein will und wunsch gescheh
Gryphius lustsp. 221 Palm;
doch leichter wird der Rhein verbrennen,
als ihr (der poeten) verwünschter wunsch geschehn
Triller poet. betracht. (1750) 2, 26.
β)
in wendungen aus dem bereich des biologischen und vitalen; vor allem im 18./19. jh.:
ach! schaffe, dass sein wunsch gedeihe,
und bring bald einen held herfür
Neukirch ged. (1744) 9;
ein hertz von wünschen heisz, die nicht gesättigt sind
Wieland ges. schr. I 1, 298 akad.;
des frommen vaters wunsch ward bald darauf gestillet
Gottsched neueste ged. (1750) 2;
die arbeit seiner hände war gesegnet und jeder wunsch seines herzens gestillt Aurbacher volksbüchlein (1835) 48. ähnlich, bis an die gegenwart heranreichend: wodurch zugleich euer wunsch befriedigt würde Göthe I 43, 17 W.; so schien es mir geboten, von der befriedigung solcher wünsche abzusehen Nic. Hartmann ethik (1935) VIII.
γ)
am häufigsten einen wunsch erfüllen, älter dafür erstatten: deszhalben, ... dasz disz gut glück, das vnser beider (zweier liebender) beger und wundsch erstattet, mir jetzunder grosse traurigkeit vnd angst dräuwet, so durch e. l. abwesen ich empfahen würde Amadis 1, 24 lit. ver.;
ach dasz zum heyl der frommen
du meinen wundsch und willen
noch möchtest heut erfüllen!
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 404ᵇ;
ihr wunsch soll erfüllt werden Schiller 4, 212 G.; so einem erzherzog wird doch von kindheit auf jeder wunsch erfüllt Renn adel im untergang (1947) 17.
δ)
verschiedenes: deine freunde ... wünschen dich um sich und wagen es doch nicht, diesen wunsch zu vollenden Abbt verm. w. (1768) 2, 44; mit wonne sah ich dem tag entgegen, der alle meine wünsche krönen sollte Klinger neues theater (1790) 1, 56; es ist mir um so unangenehmer ihren wünschen nicht entsprechen zu können Göthe IV 28, 2 W.; hier haben sie meine hand darauf; an mir solls nicht liegen, wenn sie ihres herzens wunsch nicht durchsetzen W. Raabe s. w. I 6, 281; ich sagte dem pfarrer, dasz ich mit freuden in seinen wunsch eingehe Stifter s. w. 5, 1 (1908) 128; sie wuszte genau, dasz das nicht madames wünschen entsprach Feuchtwanger Simone (1950) 180.
ε)
ziel der wünsche, das ziel der wünsche erreichen u. ä.: sie haben das ziel ihrer wünschen erreichet discourse d. mahlern 1, A 2ᵇ; ruhe (war) das einzige ziel seiner wünsche Schiller 8, 255 G.; jetzt schien sie am ziele ihrer wünsche Treitschke dt. gesch. ³1, 130.
e)
unter den verbindungen mit andern substantiven wie begehr, begierde, flehen, bitte, seit dem 17. jh. hoffen, hoffnung, verlangen, seit dem späten 18. jh. traum, sehnen, forderung erlangt allein wunsch und willen eine gewisse festigkeit und dauer (gelegentlich schon mhd. in der sprache der mystik, s. oben unter I B 1): als sich nun die zwey liebhabenden menschen nach irem wunsch und willen erspracht hatten Wickram w. 1, 47 lit. ver.; damit ich ... wunsch und willen beweise, eurer freundlichen einladung genug zu thun Göthe I 24, 8 W.; die groszen kämpfe der neueren zeit sind gegen wunsch und willen der regierenden entbrannt Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 3, 1.
B.
in objektiver bedeutung, inhalt, ziel, gegenstand des wunsches.
1)
zunächst am häufigsten in präpositionalen verbindungen. vereinzelt: ubi habet gloriam deus, crescit pax, ... omnes sunt amici et obedientes, do gehets myt wunsch zw Luther 32, 283 W. sonst vor allem nach allem wunsch, formal die gleiche wendung unter I A 6 fortsetzend, jetzt umgedeutet zu 'ganz und gar dem entsprechend, was jemand begehrt oder erbittet':
die vögel die in demselben land fliegen,
die sind geleych nach allem wunsch gepraten
d. lied v. d. Schlaraffenland abs. 3 Clemen;
darnach kam eine frauw, nach allem wundsch, an gestalt, reichthum̄, kleinot vnd kleydern, Lameyt genannt Wigalois in: buch d. liebe (1587) 391ᵈ (druck von 1493, c 6ᵃ: dem wunsch fast wol geleich, in der objektiven bedeutung von I A 3 c α); ein kind, dasz geboren wird oder empfangen in den besten planeten vnnd sternen, vnd in den tugendtreichsten, nach allem wunsch Paracelsus opera 1, 6 Huser. wohl ebenfalls in diesem sinne gelegentlich nach wunsch:
o muͤsame muse ...!
die taͤglich schawen, dasz si di kuͤnstlichait bawen.
die kein muͤh nimmermeh schewen zufoͤrderen diese.
sonderen die muͤhlichait rechenen fuͤr muͤsigang suͤse,
wann jhr dieselwige nach wunsch nur fruchtwarlich endet;
drumb bitt ich jnniglich dasz jr mir foͤrdernusz sendet
Fischart Garg. 55 ndr.
anders unter A 1 d β.
2)
in prägnanter anwendung auszerhalb fester fügungen, im 19. jh. ungebräuchlich werdend: sihe, ich wil mein heiligthum, ewrn hoͤchsten trost, die lust ewr augen, vnd ewrs hertzen wuͤndsch, entheiligen Hes. 24, 21; was ist diesz vor ein gluͤckseliger tag, sagte er, da sein (eines bisher betrübten) angesicht unserm wunsche aͤhnlich wird Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 21; wie ihm ein groszer haufe nach neuen wohnsitzen, vieler Phryger wunsch, folge Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 128. so vielleicht noch: kauf dir, was du an wünschen hast (1915) Ernst Barlach leben u. werk in s. br. 81 Drosz. von personen vor allem im 17./18. jh.:
mein lieb gedenket weg (will verreisen), was wündsch ich ihr vor glücke?
sie meines glückes wundsch, mein glücke selbst zeucht hin
Fleming dt. ged. 489 lit. ver.;
da koͤmt der eltern wundsch und freude (die tochter)
Zesen rosenmând (1651) 2;
in diesen mauern (war) der einzige wunsch seines herzens (die geliebte) eingeschlossen Göthe I 24, 155 W.;
du, o freundin, nur allein,
sollst mein wunsch und alles sein
A. v. Arnim s. w. (1853) 21, 124.
3)
bis in die gegenwart hält sich die fügung etwas, seltener jemand ist jemandes wunsch: (im alter gibt es) so vil kranckheyten, angst, sorg, das man den todt so offt anruͤfft, das schyer kein gemeyner wunsch ist, dann der selbig Eppendorff Plinius (1543) 31; deine wolfart ist mein hoͤchster wunsch Stieler stammb. (1691) 2498;
Sophie dich nie geliebt! Alcest, das darfst du sagen?
du warst mein einzger wunsch, du warst mein höchstes glück
Göthe I 9, 54 W.;
ich gestand aber offen, dasz ein modernes grabgebäude einst auch der wunsch meiner mutter für sich und den vater gewesen sei Carossa d. tag d. jungen arztes (1955) 234.
4)
in verbalen wendungen.
a)
die gewährung des gewünschten umschreibend; vgl. einen seines wunsches gewähren aliquem voti compotem facere Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1049; du gibst jm seines hertzen wundsch, vnd wegerst nicht was sein mund bittet psalm 21, 3. vor allem:
seins hærtzen wunsch uͦnt willekur ...
willig hast ym gewæret
(ps. 21, 3) Schede psalmen 74 ndr.;
ich freute mich in vermuthung, dasz mir mein alter wunsch gespenster zu sehen, dürfte gewährt werden Abbt verm. w. (1768) 1, 54; jetzt da sie ihres bescheidenen menschlichen wunsches gewährt war C. F. Meyer nov. (1900) 1, 265.
b)
die erreichung des gewünschten umschreibend; vgl. votum ... ein erlangter wunsch Frisius dict. (1556) 1407ᵇ; seinen wunsch erlangt, seiner bitt gewaͤrt compos uoti Maaler teutsch spr. (1561) 508ᵇ; seines wunsches theilhaftig werden, seinen wunsch erlangen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1404ᵇ; den wunsch erhalten optatum impetrare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1049: so weisz er (Midas) nichts anders zu wuͤnschen, denn das alles zu gold werde, was er angriffe. er bekompt den wunsch, vnnd Bacchus geweret jm die bitt Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ;
hast spat und früh
viel sorg und müh,
an deinen wunsch zu kommen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 315;
(ich) mich dergestalt thumlen werde, deinen (Luzifers) willen und wunsch zu erlangen Grimmelshausen continuatio 12 Scholte; so will ich meine wünsche ertrotzen mit herrischer gewalt Schiller 2, 216 G.; er sah sich plötzlich in einer äuszern lage, welche seine früheren wünsche in dieser beziehung bei weitem übertraf Th. Storm s. w. (1900) 1, 306.
c)
verzicht auf das gewünschte umschreibend:
und hätte gleich ein lächelnd glück
mir keinen wunsch versagt
Becker mildh. liederbuch (1799) 70;
dies wäre nun mein einziges verlangen:
warum musz ich des wunsches mich entschlagen?
Göthe I 16, 176 W.;
in welcher sie ... gezwungen sind, ihren besten wünschen zu entsagen ebda I 21, 12.
III.
wunsch-zusammensetzungen kennt das mhd. nur in geringem umfang. die bildungen knüpfen ausnahmslos an wunsch I A an; vgl. an alphabetischer stelle wunschgewalt, wunschkind, wunschreich, adj.; ferner wunschamîe, wunschmuoter (pflegemutter), wunschspil, wunschwint bei Lexer mhd. handwb. 3, 997 ff.; wunsche gerte minnesinger 3, 354ᵇ v. d. Hagen. im nhd. nimmt die zahl der neubildungen, vor allem seit dem 17. jh., stetig zu, während das 16. jh. fast nur zum kompositionstyp 1 d neue zusammensetzungen liefert. ausgangspunkt der nhd. komposition ist wunsch II A. — der form nach überwiegt die stammkomposition bei weitem. sie ist in der regel fugenvokallos, wunsch-; fugenvokal begegnet nur vereinzelt in älteren belegen wie wunscherîch (s. wunschreich), wunschevoll (s. wunschvoll). genitivkomposition findet sich, wohl nur sprachästhetisch oder rhythmisch bedingt, in gelegentlichen bildungen wie wunschesbecher, -eile, -fülle, -heisz, -mädchen, -pfeil, -ziel (s. unter wunsch-kompositionstypen), wunschesvoll (s. wunschvoll), z. t. neben gleichen bildungen in fugenvokalloser form. komposition mit dem plural wünsche- zeigen einige bildungen wie wünschebuch (unter wunsch-kompositionstypen), wünschelos (s. wunschlos), wünschevoll (s. wunschvoll), ebenfalls z. t. neben gleichen bildungen in fugenvokalloser stammkomposition.mit den wunsch-zusammensetzungen konkurrieren gelegentlich gleichbedeutende zusammensetzungen mit wünschen, vb., vgl. wunschbar unter wünschbar 1, vor allem aber wünsch-bildungen im kompositionstyp 1 d unter wunschbeutel, -ding, -mantel, -ring u. a., ferner an alphabetischer stelle unter wunschhorn, -hut, -hütchen, -hütlein.
kompositionstypen.
1)
zu wunsch II A 1 gebildete zusammensetzungen, vorwiegend substantivischer, seltener (s.e) adjektivischer art.
a)
bezeichnungen für gegebenheiten, die wünsche enthalten oder zum ausdruck bringen oder die selbst die funktion von wünschen erfüllen:
wunschauge
Liller kriegszeitung, 4. ausl. (1916) 262,
wunschäuszerung
Rosegger schr. II 10, 23,
wunschbegier
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 350,
wunschblick
W. v. Scholz erz. (1924) 84,
wunschbuch
wünschebuch Frankl erinnerungen (1910) 279,
wunschdenken
die welt (1959) nr. 82, s. 4,
wunschgespenst
Dehmel ges. w. (1906) 1, 79,
wunschgewimmel
(17. jh.) bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 5, 153ᵃ,
wunschgier
Schottel haubtspr. (1663) 138,
wunschopfer
wuntsch-opfer Lohenstein Arminius (1689) 2, 363ᵇ,
wunschpfeil
wunsches-pfeil Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 685,
wunschseele
Bernoulli Overbeck u. Nietzsche (1908) 1, 247,
wunschwort
wundschwort Dannhawer catechism. milch (1657) 1, ):( 2ᵃ (anders unter 2),
wunschzettel
G. Freytag ges. w. 7 (1897) 310,
wunschzuwort
Schottel haubtspr. (1663) 659.
b)
eine geringere zahl von zusammensetzungen bezieht sich auf die wunscherfüllung:
wunschbefriedigung
Herder 5, 509 S.,
wunscherfüllung
Trenck s. ged. u. schr. (1786) 5, 295; Weigand d. löffelstelze (1919) 119,
wunschgewähr
Rückert ges. poet. w. (1867) 7, 383,
wunschseligkeit
wunschseeligkeit Sandrart iconologia deorum (1680) b 1ᵇ,
wunschvollzug
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 467.
c)
bezeichnungen für gegebenheiten, auf die sich ein wunsch richtet oder die ihre existenz lediglich einem wunschdenken verdanken. die neubildungen dieser gruppe liegen vor allem im 19. und 20. jh.:
wunschattribut
D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 90,
wunschbraut
(übertragen) Agnes Miegel herbstgesang (1933) 64,
wunscheile
wunscheseile M. Greif ges. w. (1895) 1, 234,
wunschform
Pinder d. Naumburger dom (1925) 26,
wunschgebilde
Dwinger Deutschland (1932) 200,
wunschgeschosz
Herder 29, 520 S.,
wunschgestalt
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 461; Werfel Bernadette (1948) 227,
wunschheimat
Waggerl Wagrainer tageb. (1936) 24,
wunschland
Reinerth haus u. hof d. Germanen (1937) 84,
wunschsohn
Uhland schr. (1865) 4, 16,
wunschvorstellung
Ponten im Wolgaland (1933) 255,
wunschwelt
Leibl zelt unterm stern (1931) 53,
wunschziel
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 473; wunschesziel Rahden wanderungen (1846) 2, 148.
d)
bezeichnungen für wunschdinge, denen die kraft eignet, wünsche zu verwirklichen. dieser typ ist im 16. jh. produktiv; vgl. an alphabetischer stelle wunschhorn, -hut, hütchen, -hütlein, -rute. er wird in wissenschaftlicher und mythologisierender sprache des 19. und 20. jhs. neu belebt:
wunschbaum
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 726,
wunschbeutel
wünschbeutel (übertragen) B. Goltz typen d. gesellsch. (o. j.) 2, 8,
wunschding
wünschding br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 188; wunschding Laistner nebelsagen (1879) 327,
wunschei
Flex ges. w. (1927) 1, 242,
wunschkuh
Bucher bilder aus d. fremde (1862) 1, 364,
wunschmantel
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 725; wünschmantel Kohl Alpenreisen (1849) 3, 232,
wunschring
wünschring br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 48; wunschring Köhler kl. schr. (1898) 1, 311,
wunschsack
ebda 111,
wunschsäckel
wunschseckel H. Sachs 12, 187 lit. ver.,
wunschtuch
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 726,
wunschwürfel
wünsch-würffel H. Sachs 9, 482 lit. ver. entsprechend
wunschvogel
Flex ges. w. (1927) 1, 244.
ähnlich in persönlicher beziehung, von walküren, anord. ôskmeyjar nachgebildet:
wunschmädchen
Jac. Grimm dt. mythologie (1875) 1, 347 (nach Jac. Grimm a. a. o., weil die walküren in Odins dienst stehen und Odin Oski 'wunsch' heiszt); von da her R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 2, 184; wunschesmädchen ebda 6, 51,
wunschmaid
ebda 6, 73.
e)
adjektivische und partizipiale bildungen verschiedener bedeutungen:
wunschgeduldig
Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 16,
wunschgemäsz
Ina Seidel Lennacker (1938) 258,
wunschgetäuscht
M. Waldau Cordula (1855) 40,
wunschheimlich
R. H. Bartsch bittersüsze liebesgesch. (1910) 155,
wunschheisz
wunschesheisz Watzlik Phönix (o. j.) 8,
wunschmäszig
Sintenis Theodors glückl. morgen 2 (1789) 88,
wunschschwanger
J. Fr. Tiede kasualreden (1777) 292,
wunschwürdig
wunschwirdig d. verteutschten text aus d. bebstl. rechten (1521) D 1ᵃ; wunschwürdig Basedow agathokrator (1771) 96.
seit dem 17. jh. bezeichnen adjektivische und partizipiale bildungen zustände verschiedener art, die die erfüllung und befriedigung von wünschen zur voraussetzung haben:
wunschbeseligt
wunsch-beseeliget Valvasor d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 3, 2, 4ᵃ,
wunscherfüllend
G. Keller ges. w. (1889) 7, 287,
wunscherfüllt
Boethius kriegshelm (1686) 1, 117,
wunschgestillt
Rückert ges. poet. w. (1867) 6, 237.
wunschselig
wuͤnsch selig Apherdianus methodus discendi (1601) 136; wunschseelig Birken ostländ. lorbeerhayn. (1657) 409,
wunschvergnügt
Valvasor d. ehre d. hertzogth. Crain (1689) 3, 2, 363ᵇ.
2)
zu wunsch II A 2 stellen sich bildungen zur bezeichnung von formen und gegebenheiten, die einen glück- oder zuwunsch zum ausdruck bringen. substantivische bildungen überwiegen weitaus:
wunschbecher
wunschesbecher Fr. L. Jahn w. 2, 992 Euler,
wunschbrief
Roon denkwürdigkeiten (1892) 2, 643,
wunschformel
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 238 Gottsched,
wunschformular
Lavater geh. tageb. (1771) 1, 19,
wunschfügung
Harsdörffer d. teutsche secretarius (1656) 1, 1, 51,
wunschgabe
Dannhawer catechism. milch (1657) 2, 342,
wunschgedanke
Carossa d. arzt Gion (1931) 187.
wunschgedicht
wunsch-getichte Morhof unterricht v. d. dt. sprache (1682) 2, 326; wunschgedicht Gottsched ged. (1751) 1, 373,
wunschgeflissen
poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 235 Weichmann,
wunschschild
Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 204,
wunschschwur
wundschschwur Dannhawer catechism. milch (1657) 1, 472,
wunschwort
Pritius proben d. beredtsamkeit (1701) 606 (anders unter 1 a).
Zitationshilfe
„wunsch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/wunsch>, abgerufen am 20.09.2019.

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