wortarm adj
Fundstelle: Lfg. 10 (1951), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1544, Z. 74
1) zur kennzeichnung einer sprache, die über einen nur geringen wortschatz verfügt, im gegensatz zu wortreich (s. d. 3): es lauft aber mit dem lateinischen darhinaus, dasz die anfangs wortarme sprache durch fleis, untersuchung und werthaltung der embsigen Römer gnugsam bereichert, und der treflich wertreichen grichischen sprache artige nachsprecherin worden Schottel haubtspr. (1663) 13; auch eine wortarme sprache kann eine menge von begriffen und ideenreihen ... ausdrücken W. v. Humboldt ges. schr. 5, 435 akad. von hier aus auf den wortschatz einer sprechenden persönlichkeit übertragen: war gott so ideen- und wortarm, dasz er zu dergleichen verwirrendem wortgebrauch seine zuflucht nehmen muszte? Herder 5, 71 S. viele neuere schriftsteller z. b. Schiller (nicht Goethe, auch Lessing nicht) erscheinen mir in gewissem betracht ... wortarm und unsrer sprache nicht recht mächtig (1838) Jac. Grimm an Lachmann in: briefw. 2, 688 Leitzmann. 2) jünger als bezeichnung einer menschlichen eigenschaft oder eines bestimmten rednerischen verhaltens, 'schweigsam, kurz angebunden, wortkarg': wie bist du denn so wortarm geworden? fragte mich einmal Alabanda mit lächeln Hölderlin s. w. 2, 119 v. Hellingr.; der monarch, sonst äuszerst liebenswürdig, war diesmals wortarm, trocken Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 19, 77; und man sieht, wo gröszere äcker sind, immer die gleichen leute langsam und wortarm hindurchgehen Federer berge u. menschen (1911) 24. nicht selten auch neben abstrakten begriffen: der stille wortarme und gründliche werth unsers prinzen Schiller 4, 273 G.; bei diesem mann der wortarmen entschiedenheit gab es nichts dekoratives, nichts halbes H. Stehr drei nächte (1909) 165. —
Zitationshilfe
„wortarm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/wortarm>, abgerufen am 19.06.2019.

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