wind adj.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 267, Z. 35
'übel, bange, unruhig, ungemütlich'; vielleicht zu winde f. 'schmerz', s. d. unten; oder erstarrung eines vorauszusetzenden ahd. winnado m. 'schmerz' (vgl. Wilmanns gram. ² 2, 349). näheres über die ableitung und verwandtschaft oben th. 14ᴵ, 45; nur prädicativ, mit sein, werden, seltener mit geschehen, machen, und in verbindung mit weh, bange u. ä.
1)
wind und weh; im süden und südwesten heimische und noch jetzt gebräuchliche formel, belegt im steir., bair., pfälz., schwäb., elsäss., schweiz. und jüd.-dt., s. oben a. a. o.; auszerdem im Aargau (Hunziker 297) und in Frankfurt (Askenasy 162); zu den a. a. o. angeführten belegen aus K. v. Würzburg, der Hätzlerin, Keisersberg, Hebel, Reinhold und Mörike mögen noch erwähnt werden:
von dir so ist mir wind und we,
bei dir wär ich gern vil und me
Hätzlerin 61;
gar wind und weh im da geschah,
da er sein gsellen sah krank zu beth
Montanus wegkürzer (1565), vorr. 7, 16 Bolte (in der var.);
und ward dem vogt so wind und wee
schweiz. schausp. 3, 110 v. 1396;
na, mit eurer reichsarmee —
da wird's einem wind und weh!
Ditfurth volksl. d. pr. heeres 53;
ferner Hauff werke 3, 129; Auerbach schr. 13, 208; Scheffel gaudeamus ³⁷ 65; C. F. Meyer novellen 1, 237; seltener im sinne von 'sehnlich erwünscht', mit infinitiv: es war ihm so wind und weh, da wegzukommen Gotthelf schr. 13, 289 volksausg.; in vielfachen nebenformen und umgestaltungen wie willeweh, windelweh (hierzu als scherzhafte weiterbildung windelwohl Martin-Lienhart 2, 817), winn un weh, winnen un we (dieses auch mit zertrennung au winnen, au weh! Moscherosch gesichte 1, 572), wi und we, wunn und we, wund und weh, sämmtlich oben a. a. o.; ferner els. willenweh und wimpelweh (s. oben wimpel adj.) Martin-Lienhart 2, 776.
2)
wind und bange wurde mir Gotthelf 1, 191 volksausg.; mit anderem sinn, wie oben: ihm ward wind und bange, mich fortzuschaffen 1, 372.
3)
so ist im wind und ant (mhd. ande)
geschehen
Hätzlerin 242.
wind m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 230, Z. 34
'die bewegte luft', ein gemeindeutsches und gemeingermanisches wort: mhd. wint m., ahd. wind, wint; got. winds m., altn. vindr m.; altsächs., niederl., altfries., ags., engl. wind, schwed. dän. vind; auch auszerhalb des germanischen vorhanden in lat. ventus m., kymr. gwynt, bret. guent, tocharisch wändh, mit ablaut in altind. vāta- m., wind; offenbar verwandt mit wehen.
I.
form. wind war im ahd. noch i-stamm und lautete in der mehrzahl darum winti, daneben auch, wie die a-stämme, winta (Graff 1, 623 f., Braune ahd. gr. ³ § 216 anm. 3); der gen. sing. heiszt meistens windes (immer auf den flügeln des windes), seltener winds (W. Xylander); der dativ seltener wind als winde: eine im wind flatternde fahne Ludwig schr. 2, 311;
die fahnen flattern hoch im wind
Böhme volksthüml. lieder der Deutschen im 18. und 19. jh. 3;
die langen mähnen flatterten im winde Heine 3, 38 Elster; die gardine ... flatterte lustig im winde Fontane I 4, 235; doch sagen unsere schriftsteller nicht mehr mit H. Sachs den mantel nach dem wind hängen (sp. 242), sondern nach dem winde, auszer wo der vers das verbietet:
wer klug ist, ...
hängt nach dem wind den mantel
Pocci komödienbüchlein 4 (1871), 253;
die mehrzahl lautet jetzt winde; der genetiv dazu in älterer zeit natürlich auch winden: zweyer winden wuht Weckherlin 1, 358 Fischer. ableitungen: windchen, -lein n., winden schw. v., winder m., windig adj., windin f.
II.
bedeutung.
A.
wind als 'wehende luft'.
1)
im eigentlichen sinn 'die durch ungleichheiten der luftdruckvertheilung hervorgerufene freie bewegung der atmosphärischen luft im unbeschränkten raum'.
a)
allgemeines.
α)
wind bezeichnet seiner wahrscheinlichen herkunft getreu zunächst die 'wehende luft', und zwar sowohl im gesamten als stoffliche masse, als auch im einzelnen als bestimmter luftzug, weshalb das wort auch häufig im plural erscheint: wann die raben gleich schluckend kräen, .. verkündigen sie wind Nigrinus von zäuberern, hexen 135; in Spanien die pferd von dem wind trächtig werden sollen Harsdörffer frauenzimmer-gesprechspiele 1, E viᵃ; wie kömpt dieser tag zum winde? Prätorius bericht vom Katzenveite J 7ᵃ; den maien voll wind begehrt das baurengesind allgem. haushaltlexicon 1, c 3ᵃ; wie er einst neun tage und neun nächte allen wind untergeschluckt maler Müller werke 1, 129; die federn sausen nach dem wind! 1, 162; die erde aber trocknen sie mehr an dem winde, als an der sonne M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 33;
dreu dink sollen von dir werden gemelt,
das uppigst in der welt.
ein armer pub auf einem rosz
und ein hur auf eim schlosz
und ein laus in eim grint
und ein feder in einem wint
fastnachtspiele 557, 19;
in der mehrzahl:
ich wele zu minem vatter swinde
uff faren uber alle winde
in das frone himmelrich
Alsfelder passionsspiel 249 v. 7877;
aber sie werden gwisz verschwinden
gleich wie heuschrecken vor den winden
Fischart nachtrab 84 v. 3204 Kurz;
ist es nicht der sinn des 104. ps., dasz gott die engel zu winden mache allg. deutsche bibliothek 2ᴵᴵ, 108; Karl ... gab den winden und monaten deutsche namen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 512; die winde der nacht saugten begierig den hauch auf Göthe 21, 111 Weim.;
dann nur kannst du flieger sein
mit dem adler über winden
Arndt werke 5, 167;
die schaar, die deine seele seltsam fürchtet,
entfloh rings vor dir her, wie spreu vor winden
H. v. Kleist 1, 199 (Penthes. 5);
wo sich zwischen die felsengeklüfte des Bacchus laub
drängt, und stolz sich erhebt in die winde der palmenschaft
Platen 120;
wie du in vollem zug mit allen guten winden fährst Mörike ges. schr. 3, 49 volksausg.; in diesem sinn ist denn auch stehend der ausdruck im winde: wo zittert im winde dein haar? maler Müller werke 1, 264;
flohene freuden,
ach! säuseln im winde
Göthe 5, 13 Weim.;
im winde wehn
v. Salis gedichte 3;
die laden der dachfenster schlagen im winde nachlässig auf und zu A. v. Arnim werke 7, 5.
β)
allmählich wird das wort wind aber auch von allen anderen windstärken gebraucht, vom leisen säuseln bis zum heulenden sturm, sodasz es in übersetzungen und wörterbüchern den verschiedensten ausdrücken fremder völker entspricht, wie es denn auch schon im ahd. neben ventus sowohl lat. aura, flatus, flamen übersetzt, wie turbo und tempestas, und zephyrus ebenso wie boreas (Graff 1, 623); dabeistehende adjective oder verba verdeutlichen da manchmal den sinn; wie es ahd. heiszt wint lindêr, lîhtes windes, daneben starch wint (Graff a. a. o.) u. mhd. alle winde sûsent, so auch im nhd.:
Favonius, der zarte wind,
sich wider auf die felder findt
Opitz teutsche poemata 51 ndr.;
ein sanfter wind vom blauen himmel weht
Göthe 21, 233 Weim.;
es trieben die säuselnden winde
die bewegliche fluth von allen seiten an's ufer
4, 322 Weim.;
ein leichter wind, der durch die grashalmen fährt Bettine briefe 2, 83; ein leiser wind tönte nur oben in den alten wipfeln Novalis schriften 4, 92; bei mäszigem wind Lichtenberg briefe 2, 48;
sie fuhren mit frischen winden
Uhland ged. ² 263 (traum);
ach! dasz jahre voll vergnügen
schnellen winden gleich verfliegen!
Kästner schriften 2, 270;
wann nun darkompt ein starker wind
Spreng Ilias 62ᵃ;
da hebt sich bald ein groszer wind
Krüger spiel v. d. bäur. richtern 62;
halte die stürmischen winde zurück
Giseke poet. werke 110;
dann als wir kamen den Achsen für (Axenstein),
kam ein wind ganz ungehür
schweiz. schauspiele des 16. jhs. 3, 33;
wenn sich ein ungestümmer wind
zum kleinen schiflein Petri findt
Ringwaldt die lauter warheit v. 47;
heulender wind und grobe flocken Bismarck briefe a. s. braut u. gattin 14;
es pfiff ein wüster wind
Göthe 33, 61 Weim.;
es macht' einen so erschrecklichen wind Lenz ges. schr. 1, 74 (hofmeister 5, 10); scharfer wind im rücken Göthe III 1, 104 Weim.; durch einen sehr bissigen wind Bismarck br. a. s. br. nr. 302;
was vor ein harter wind durch meine geister gieng
Hoffmannswaldau heldenbr. 68;
ein kleiner wind, ein hauch kann ihn wieder herabstürzen Lessing 2, 81 (freigeist 3, 1); es weht ein groszer wind, mein herr! E. Th. A. Hoffmann werke 10, 20;
und ungezämbt die winde sausen
S. Dach 172 Österley.
γ)
neben der stärke ist namentlich der grad der wärme gern ein zufälliges merkmal des begriffes (ahd. der warmo wint Notker, wint lindêr Graff 1, 623): der erste laue wind im jahr Grimm Michelangelo 1, 1; es geht ein warmer wind Göthe IV 8, 50 Weim.;
wann schwüler wind sich fürchterlich erhebt
Bürger 168 v. 1086;
seht, wie der kühle wind die volle wolken häuft
Pietsch schriften 58;
ein kalter wind der bringt nichts guts
A. v. Arnim werke 5, 39;
die rosen sind gebrochen
von einem rauhen wind
Schenkendorf gedichte 107.
δ)
andere merkmale sind seltener: breite, gesunden winden, dem ost und nord, offene straszen Niebuhr röm. geschichte 2, 291; kein hohler warmer wind Görres briefe 3, 11;
ein untergrabner wind wirft ganze länder ein
Hafner lustspiele 1, 119;
bildlich: diese vielheit von königreichen (im mittelalter) .. alle .. von einem heiligen winde, dem päbstlichen ansehen, ... getrieben und beweget Herder 5, 529; der giftige wind des hofes Schiller 3, 390.
ε)
manches ist für unser empfinden eigenartig und veraltet (schlecht, sauer):
disz schiff ...
loszt sich mit slechtem (schwachem) wind benügen
Brant narrenschiff 1, 16;
(ebenso H. Sachs 6, 47 Keller; Albertinus hirnschl. [Cöllen 1664] 60); weltfreude .. vergehet und verschwindet, wenn sie nur ein saurer wind anbleset Luther 28, 157 Weim.; (ähnlich ebd. 419, 12); wie mancher saurer wind schlägt ihm (einem sämann) unter die augen Müller evangel. schluszkette (1672) 1, 183; ich habe mancher pfütz die augen ausgetretten, und manchen sauren wind mir unter die nase wehen lassen Ettner unwürd. doctor 440; ferner Schweinichen 257 Österley; Wackernagel kirchenl. 5, 487, 5; zeitschr. des harzvereins 35, 15; Drechsler Wencel Scherffer 272; Weinhold schles. wb. 105.
ζ)
naheliegend ist, dasz der wind häufig recht dinglich, ja sogar als greifbar gedacht wird: du sollt lernen .. auf dem winde reiten Luther 34ᴵᴵ, 137 Weim.; gott .. hat den wind in seiner faust 88;
als er ...
die winde wog
Cramer gedichte 1, 53;
ähnlich Herder 12, 187; man wird eher den wind drehen oder aufhalten, als die gesinnungen des menschen heften können Lichtenberg schriften 1, 145.
η)
ja sogar als belebtes, handelndes wesen denkt oder dachte man den wind, obwohl keine eigentliche verpersönlichung im neueren sinne vorliegt; es wirkt darin aber wohl der glaube an die alten windgeister mit fort (J. Grimm myth. ⁴ 1, 524 ff., 3, 179, Mogk in Paul's grundrisz ² 2, 307 § 47); so heiszt es seemännisch von der windstille: die winde halten rathe Jacobsson techn. wb. 8, 205ᵃ, und darum sagen wir ja alltäglich: der wind geht, erhebt sich, legt sich, dreht sich, und noch anschaulicher unter den mundarten das göttingisch-grubenhagische (Schambach 298ᵇ) der wind nümt sek up (erhebt sich), mâket sek up, slöpt (schläft, es ist windstill), wâket up (fängt an zu wehen), meint et êrlich (weht heftig); so und ähnlich, nur mannigfaltiger, drückt sich zunächst das schrifttum älterer und neuerer zeit aus;
αα)
intransitiv und reflexiv:
seht, es heben sich die winde
Stephanie d. j. singspiele 119;
ein wind erhebt sich H. v. Kleist 1, 186;
wenn nicht der wind sich bald wird drehen
Rückert werke 2, 422;
der wind macht sich auf Tieck schriften 1, 132; ein starker, grausamer wind aufstund Arigo 74; (auf entstuͦnd Carbach Livius 178ᵇ); Jäger weltbeschauung (1666) 25; wie wenn der wind, der jene ungestümen feuerflocken angezündet hat, wieder erwachete Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 86;
weszhalb zaudert er heute so lang? die lagune verflacht sich
schon, und es legt sich der wind
Platen 124;
der wind ruhte auf der see B. v. Arnim Günderode 1, 25;
der wind sitzt in dem nacken eures segels
A. W. Schlegel Shakespeare 3, 166 (Hamlet 1, 3);
die nähe der fabrik, wenn der wind ungünstig stand, hatte freilich auch allerlei miszliches im geleite Fontane frau Jenny Treibel 20; da nu ein platzregen fiel, und ein gewesser kam, und webeten die winde, und stieszen an das haus, fiel es doch nicht Matth. 7, 25;
ich bin ja weder stahl noch stein;
wie balde geht ein wind herein,
so fall ich hin und sterbe
Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 390ᵃ;
in die flammen, als wie in segel, stöszt der wind Göthe 49, 82 Weim.;
die sonne war geneigt im untergang,
nur leise strich der wind, kein vogel sang
Lenau ged. (1857) 1, 232;
wann so der wint stürmet und die venster und die thür klöppern, so mage man nit wol gehören Tauler sermones (1508) 42ᵃ b; da wind und wetter einfiel Bräker schr. 1, 9; in bildlichen redensarten: allerlei winde waren ihm um die nase gegangen Holtei erz. schr. 1, 5; so kann einer denn gleich sehen, dasz er niemals vor die stubenthüre gekommen ist, geschweige, dasz er fremden und garstigen wind sich sollte haben lassen unter die nase gehen Chr. Reuter Schelmuffsky 5 ndr.; mit weniger anschaulichem zeitwort: da lieszestu deinen wind blasen, und das meer bedecket sie (die Ägypter) 2. Mos. 15, 10; jeder wind würde mir von den väterlichen küsten verwünschungen nachbrausen Lessing 2, 278;
winde hauchen hier so leise
Lenau ged. (1857) 1, 87;
er gab seinem pferde die sporen .. und ritt, dasz der frische wind an seinem hute pfiff Eichendorff (1908) 3, 9; ich .. lasse den wind fein schnurren, woher und wohin es ihm beliebt maler Müller werke 1, 314;
hör auf, du wind, durchs laub zu sausen
Schiller 1, 29 (jugendgedichte u. anthologie);
während drauszen der wind in zwei hohen tannenbäumen auf- und niederrauschte Fouqué gefühle, bilder 1, 24;
den wind man höret, wann er sumpt
Eyering proverb. 1, 423;
ähnlich mit einem verwandten abstracten substantiv: der winde matter hauch Gerstenberg recensionen 129;
töne, töne denn, mein banger sterbgesang,
der winde gewinsel im todtenkranze
Schubart gedichte 2, 287;
ich stürzte in windes heulen Körner werke 2, 18; weniger achtet er der winde pfeifen maler Müller werke 1, 352; dagegen wieder mit deutlicherem, beinahe eine persönliche vorstellung voraussetzendem bild:
es schweigt der wind, es flieht der stern
Göthe 14, 201 Weim.;
wo wir die winde zusammen flüstern hörten B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz 3; leidenschaftlichen gefühlvollen menschen! ihnen seufzet der wind; ihnen ächzt das lüftchen Herder 22, 63 (Kalligone 1); der wind in der nacht weint um dich an den fenstern Eichendorff werke (1864) 3, 316; die mangelhaften stücke eines zerrissenen briefes, mit welchen der wind spielet Lessing 13, 77, 23;
was menschen bauten, wird des windes spiel
Geibel 2, 88 (juniusl.);
winde haben auf ihrer (der erde) oberfläche getobet Herder 13, 21.
ββ)
ganz so auch bei transitiven: der wind, der do anwehet die heiligen apostel am pfingstag Keisersberg bilgersch. 11ᵃ; du must dich den wind anhauchen lassen Luther 11, 124, 5 Weim.;
weil alle winde mich anbellen,
und alles wetter an mich setzt
S. Dach 538 Österley;
winde der nacht umflattern sie maler Müller werke 1, 264; denn er will kein rhor sein, das der wind webt Luther 18, 210 Weim.; in Preuszen sollten nur 6000 mann bleiben, mit den übrigen wollte er (der grosze kurfürst) selbst agieren und sehen, wo 'der wind ihn ans land bringen werde' Prutz pr. gesch. 2, 19;
ein wind kann mich fällen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 300;
lasz dich nit ein ieglichen wind
füren ein frembden weg darvon
H. Sachs 19, 21 Götze;
wann der wind einen durch diese stadt jagt, so kommt er zu mir B. Schupp freund in der not 24, 19 neudr.;
da schüttelten die winde
mein altes haupt im sturm
Rückert werke 1, 142;
(gebäude,) die ein leichter wind ... plötzlich umstürzen kann Kästner schriften 1, 4;
blättchen, das im losen spiel
winde durch die lüfte tragen
Mörike ges. schr. (1905) 1, 169 volksausg.;
so fest und unbeweglich, als das ror im ried, das ein jeder wind umtreibet Fischart binenkorb 191ᵃ;
wir saszen (beim wein) tief bis in die nacht hinein,
wie uns der wind zusammen hier getrieben
Freiligrath 1, 395;
item hat der merker recht zue dem holz, das der wind uber erden aberwirft Grimm weisthümer 4, 540; mich wiegten sanfte winde zur ruhe maler Müller werke 1, 95; in älterer zeit besonders häufig: was winds (welcher wind) bringt, trägt, treibt, weht euch her: was winds bringt euch her? Aimon (1535) i 6ᵇ; o herr pfarrer, was winds wehet euch daher? seit mir gottwillkommen Lindener rastbüchlein 47 lit. ver.;
doch ist min bitt, das mir yetz ir
berichtung gäbind und bescheid
doch, welcher wind üch har hab treit,
von welchem land ir sygind kommen
schweiz. schauspiele des 16. jh. 3, 73 Bächtold;
ebenso Spreng Äneis 51 b; welch ein wind hat dich hergeblasen, Pistol? A. W. Schlegel Shakespeare 1, 322 (Heinrich IV. II, 5, 3); ebenso, heute kaum mehr gebräuchlich: darumb wil ich nit von euch auf ein solchen sand und wanken getrieben sein, das ich heut etwas bekenn, morgen vorleugne und mich alszo einen wind hin, den andern her schlahe lasse Luther 7, 292 Weim.; und do die kock (ein schiff, s. theil 5, 1565) auf das mer cham, ... do cham ein wint und schlug die kocken hinter sich wol auf achthundert welisch meil Schiltberger reisebuch 45, 5 lit. ver.; an diese letzten fälle erinnert noch unser verschlagen: also hette sie der wind verschlagen, dasz sie weren allhie ankommen buch der liebe 148ᵃ; auch mit wind als object: oftmals ein kleiner regen einen groszen wind, sturm und prauszen stillet Barth weiberspiegel j viᵃ; ein kleiner regen kan ein groszen wind legen Fischart von S. Dominici artl. leben 131.
γγ)
die gleiche wirkung haben adjective und adverbien:
ein fauler wind kan keinen hals zerbrechen
J. Rachel satyr. gedichte 98 ndr.;
der geschäftige wind, das fliegende insect, welches den blüthenstaub von den männlichen zu den weiblichen blumen trägt Börne schriften 1, 46;
ergrimmte winde brechen los
H. v. Kleist 4, 17;
das in qualvollen tagen schwer erworbene besitztum, das oft ein böser launischer wind verweht wie spreu E. Th. A. Hoffmann werke 4, 30;
dann such ein schönes kind ...,
dem noch kein geiler wind die blüthe weggerafft
Neukirch gedichte (1744) 129;
indem ein verliebter wind die segel meiner sinnen auf das unbeschiffte meer ihrer marmelbrust hintreibt Ziegler asiatische Banise 581;
pfey dich, alter, du schnöder wind
Wickram 5, 26 lit. ver.;
es ist kalt, es geht ein unfreundlicher wind Göthe 17, 133 Weim.;
ich klage luft und meer, den tauben winden
Tieck schriften 1, 72;
wie der wind so traurig fuhr
durch den strauch, als ob er weine
Lenau ged. (1857) 1, 105;
δδ)
oft wird der wind auch als herrscher eingeführt: ich geloub das selb land underwürfig sin dem wind Borree N. von Wyle translationen 28; weshalb wir noch jetzt allgemein von herrschenden winden reden: über die strömungen in ihrer abhängigkeit von den herrschenden winden A. v. Humboldt kosmos 1, 75; aber auch als unterthan:
Boreas, ein fürst der winde,
lag im grünen voller lust
Lichtwer äsopische fabeln 19;
die diener des himmels, die winde,
sie haben im stillen die mauern geschichtet
Rückert werke 1, 166;
sonst tritt er als kämpfer oder in einer ähnlichen menschlichen verrichtung auf: er schlug sich tapfer mit dem winde herum Keller 2, 109; wozu lebt der mensch? ob, sich mit dem wind zu schlagen? Alexis Roland v. Berlin 2, 292;
kein sturm und wilde fluth, auch keiner winde streit
Hoffmannswaldau u. anderer Deutschen auserl. gedichte 2, 84;
wind ist der welle
lieblicher buhler
Göthe 2, 57 Weim.;
ähnlich:
dasz mein gegebnes wort den wind
zum vater hat
Stoppe Parnasz 341.
eindringlich wirkt oft auch ein sonst nur bei personenbezeichnungen üblicher zusatz: um mich her flatterte eine schaar muntrer winde H. v. Kleist 2, 153;
an die schlecht verschlossne thür
der wind mit leisem finger pocht
A. v. Droste-Hülshoff werke 2, 44;
diese ausdrücke gemahnen an das bild des 'himmlischen kindes' (th. 5, 725), das allerdings schon in der altindischen erzählung von Nala u. Damayanti vorkommt (Nala, her. von Bopp ² 180) und bei uns bis in die rede des volkes heruntergestiegen ist, wie das els. wörterb. aus Buchs berichtet: der wind, das himmlischi kind (2, 836).
εε)
gang und gäbe ist auch die erwähnung der flügel des windes, wobei der wind nicht immer im anschlusz an alte deutsche darstellungen als engel oder ähnlich gedacht zu sein braucht; am allerwenigsten in den fällen, wo man auf ihm reitet, wie Faust; vielleicht wird er vielmehr als vogel gedacht (Grimm rechtsalterth. 39, anm. 2):
uff des windes flügel er schwebet
H. Sachs 18, 84 Keller-Götze;
uͦnd schwuͦng sich schnell uͦf den flüglen der wind
Schede psalmen 60 neudr.;
wie laue winde dann mit leichtem flügel
die rosenglut am strauch lebendig fachen
Lenau ged. (1857) 1, 70;
auf dem fittig des windes
hoch emporgetragen
Giseke poet. werke 18;
sie setzten sich beide auf den schnellen wind und segelten zum lande hinaus Klinger werke 3, 143 (Fausts leben); Francesco schien .. auf dem rücken des windes davon zu reiten Gerstenberg Ugolino 234, 26; da hätten wir auf dem winde reiten müssen Babo schauspiele 15; entsprechend schon mhd.: der ûf der winde federn saʒ Lexer; vgl. auch 2. Sam. 22, 11 und Grimm myth. ⁴ 1, 526.
b)
besonderes. im besonderen weisz die sprache noch manches von dem winde oder den winden zu erzählen; sie unterscheidet an ihm mehrere arten, je nach der richtung, aus der er kommt; sie schreibt ihm herkömmlicherweise manchemeist nachtheiligeeigenschaften zu und legt ihm verschiedene zwecke und wirkungen unter.
α)
arten des windes (wind als himmelsrichtung).
aa)
dem allgemeinen begriff wind stellt sich heute nur noch der sturm zur seite, im munde des seemanns die frische brise und der mit fremdem namen benannte orkan, beim gewöhnlichen menschen das lüftchen, beim Schweizer und Kölner noch die bise (ahd. bîsa, nordwind, wirbelwind; sonst vgl. Wehrle z. f. dt. wf. 9, 163); alle anderen allgemeinen benennungen der art, die die ältere sprache oder die verwandten mundarten kennen (ahd. unst sturm, zessa wetter, an. hríđ f., sturm, byr m. günstiger wind) und andere von J. Grimm gram. 3, 390 f. gesammelten ausdrücke sind untergegangen. eigene namen für die winde verschiedener richtung, wie sie in dem griech. νότος, βορέας u. dgl. und dem lateinischen favonius, auster u. s. w. vorliegen, gab es wohl überhaupt nie. dennoch ist diese unterscheidung schon sehr alt, wie die erwähnung bei Einhard im leben Karls d. gr. (cap. 29) beweist; hier werden nämlich nicht nur die hauptwinde ôstrôni, westrôni, sundrôni und nordrôni genannt, sondern auch die verschiedenen zwischenwinde ôst-sundrôni und sund-ôstr-ôni (Grimm gram. 2, 180 f.). wir erhalten demnach schon für diese alte zeit 4 hauptwinde und 8 nebenwinde, im ganzen also zwölf; vgl. auch Graff 1, 624 f. 627f. diese zahlen gehen durch bis heute: wie es ahd. heiszt fona feor wintun sowie gagen zuelf winden (Graff 1, 623), und wie im mhd. K. von Megenberg einmal sagt der wind sint vier und ein andermal zwelf winde, Korner im mnd. na den veer wynden, so auch das nhd.: je nachdem sie (d. wolken) die vier winde trieben maler Müller werke 1, 77;
wer weisz, wo nun es die vier winde haben
Göthe 14, 147 Weim. (Faust I v. 2980);
so liszt man, das Carolus .. den 21 (statt 12) monaten sampt den 12 winden teutschen namen geben Franck chronicon Germaniae 75ᵃ; in manchen fällen wird aber die bedeutung zweifelhafter und nähert sich dem sinne von 'windrichtung': es wird in alle vier winde zerstreut werden Schubart briefe 1, 117 Strausz;
so sing' ich meinen jubelgesang
hinaus in alle vier winde
Wilh. Müller 1, 120;
der eingewurzelte begriff von der nothwendigen ungleichheit der stände ist in den paar tagen so locker bei mir geworden, dasz nicht viel fehlt, so fliegt er in alle winde Thümmel reise 2, 171;
und der ganze frühlingstraum ...
weg in alle winde!
Arndt werke 5, 152.
bb)
daraus entwickelt sich schon früh die allgemeine bedeutung von 'windrichtung' und 'richtung' überhaupt: dise meerrosen oder seecompasz haben die Niderländer auch .. in 32 theil oder wind, so von den 4 hauptwinden genent sein, am ersten abgetheilt Hulsius 3. schiffahrt 2ᵃ; aus dem munde der groszen dieser sich sonst unter allen zwei und dreiszig winden mit so viel eigenliebe belobposaunenden nazion Pezzl Faustin 138; es werden aber diese herde ganz artlich nach den zwölf winden gerichtet Aitinger jagd- u. weidb. a iii a; und er sent sein engel mit horen, und mit ein micheln stim, und si sament sein derwelten von den 4 winden codex teplensis 1, 35; erst sein (des gottes) zuͦkunft das zerstreuet wahrhaftig Israel von den vier winden und winkeln der welt einsamlen wirt S. Franck weltbuch (1542) vorrede;
in der nacht nach allen winden
die verräther thun verschwinden
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 5, 150;
seelen aus allen völkern, aus allen winden der erde
warens
Klopstock Mess. xx v. 150;
schweifen in alle vier winde! Göthe IV 2, 275 Weim.; von allen vier winden her lockten die schalmeien Brentano schr. 4, 130; die vier winde wird darum in Straszburg auch zum wirtshausschild (els. wb. 2, 837ᵃ); ferner ein tanz Böhme gesch. d. tanzes 209. ausnahmsweise erscheint einmal die achtzahl in diesem zusammenhange:
mit hieben in alle acht winde
besiegelt's das satansgesinde
Arndt ged. 423;
cc)
bezeichnet werden diese verschiedenen winde, da ihnen kurze eigennamen fehlen. meist in der schon bei Einhard begegnenden weise durch zusammensetzung mit dem namen der himmelsrichtung:
erfleh dir, liebster,
den wind, den nordwind
Herder 25, 145;
dasz von einem nordwestlichen winde die rede sei Niebuhr röm. geschichte 1, 28; dabei verwendete die ältere zeit jetzt einige abgekommene ausdrücke wie aufgang (der sonne), niedergang, mitternacht: gleich widderumb der wind von abend her feucht und fruchtbar ist; der wind von mittage bringt wetter; der wind von mitternacht machts schön Luther 19, 371 Weim.;
auf weitem feld all augenblick
der starke wind vom nidergang
anwehet mit gewalt und zwank
Spreng Ilias 16ᵃ;
der Bayer behilft sich dafür mit mehr oder minder rein örtlichen benennungen wie der vordere wind, ost, der hintere wind, west, der untere, nord, birgwind, süd Schmeller wb. 2, 950; unter umständen bezeichnet wind allein eine himmelsrichtung, nämlich die, woher der wind meist weht: gegen mittag (lies mitternacht?) hat er Troglodytas, .. gegen nidergang wont ein könig Manicongorum ..., gegen wind, süden adder austro, seind die langkharigen moren .., gegen aufgang der sonnen wont ein könig Barmgasiorum bottschafft des konigs David .., den man gemeinlich nennet priester Johann, an babst Klemens den siebenten (1533) a 2ᵃ.
β)
der wind mit rücksicht auf einige seiner eigenschaften. man hat dabei bald seine flüchtigkeit im auge, bald seine veränderlichkeit, manchmal auch seine ungebundenheit oder seine schnelligkeit.
aa)
seine flüchtigkeit. die natur des windes bringt es mit, dasz er rasch vorüberzieht und, was ihm anvertraut wird, in die weite führt und zerstreut, sodasz es unfaszbar und unkörperlich wird wie der wind selbst. so zunächst als object von unnützem thun: den wind schlagen Franck weltbuch (1542) 23ᵃ; den wind aufsperren sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 144ᵃ; den wind in ein truhen sperren Eyering proverb. 1, 422; ferner meist als subject in intransitiver auffassung:
die lust vergeht, die freude musz gleich winden
fliehn und verschwinden
Neukirch gedichte 71;
ihre (der buhler) lieb' entsteht geschwinde,
und verwehet mit dem winde
Stranitzky ollapatr. 205, 2 neudr.;
er winkt, dasz im winde das heulen verweht
Rückert werke 1, 163;
die wie im winde verwehende klage Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 285;
was ich alldar empfand, bringt mir kein monath wieder
es ist verrauschte fluth, und längst verrauchter wind
Hoffmannswaldau heldenbr. 158;
die (worte) verhallen aber mit dem nächsten winde briefe von und an Herwegh 66;
aber ihre wort, lieb und treu,
seind zu mal in dem wind verloren
Weckherlin gedichte 1, 162;
was ich gesammelt, ist im wind zerstoben
Grillparzer 4, 146 (könig Ottokar V);
.. die qual, die seufzend nun im wind zerrinnt
Platen 81 (gas. 96);
seine (des barons) johannitergrillen zerstreueten sich wie spreu vor dem winde Hippel kreuz- und querzüge 1, 119;
der gute vorsatz geht im wind:
ich soll im staube liegen
Günther gedichte 322;
mit etwas anderer fügung (in den wind):
wohl geredte wort zerfahren in den wind
Zinkgref ged. 58 neudr.;
was uns körperlich an ihnen (den hexen) schien, zerflosz wie athem in den wind H. L. Wagner theaterstücke 16 (Macbeth 1, 5);
so fleucht
die warnung ungesehen in den wind
Fouqué held des nordens 2, 57;
nichtig verhallt doch in die winde sein wort
Körner werke 2, 61;
besonders in den wind gehen, sein:
die straich all giengen in den wind
Spreng Äneis 49 a (in den lären wind 260 a);
o was hoffnung geht in wind!
Günther ged. 119;
Salomo! wo ist dein thron hingegangen? in den wind
Rückert werke 5, 275;
die zeit ist in den wind
Opitz 2, 119 (poet. wäld.);
dasz alle diese süszen worte in den wind sein sollen Bode Tristram Schandi 7, 25. noch häufiger transitiv: des gottlosen hoffnung ist wie ein staub vom winde verstreuet weish. Salom. 5, 15;
drümb auch der herr unnöthig schätzt,
dasz er sein wort dargegen setzt,
läszts durch den wind zerwehen
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 303;
wohl! so besiegelt den erneuten bund
mit einem brüderlichen kusz, und mögen
die winde das gesprochene verwehen
Schiller 13, 231;
sie besetzten ein gericht über Zwingli, viertheilten seinen leib, verbrannten denselben und lieszen die asche vom winde verwehen Ranke werke 3, 262; was ich von meiner tochter angelobet, das hat der wind verweht Scheffel Ekkeh. 325;
seiner klagen reim', in sand geschrieben,
sind vom winde gleich verjagt
Göthe 6, 35 Weim. (westöstl. divan);
dazu vgl.:
der gram soll heute,
bei goldnem wein,
des windes beute
wie gestern sein!
Matthisson ged. 159;
darum heiszt es auch dem wind befehlen, übergeben u. dgl.: und zu vermeiden viel wort, las ich faren, und befelh dem lieben wind ... die ubrigen vorgeben wort (des gegners), wie die pappenblumen und dorren bletter Luther 1, 383 Weim.; die sprüwren dem wind empfelhen Kück Judas Nazarei 3; wann ihr solcher güter angedenken zugleich den winden übergeben wolt Harsdörffer teutsche secretarius 1, f f viiiᵇ;
und gab mein lob
dem winde
Denis lieder Sineds 207, 5;
will ich den gram den winden geben
Matthisson ged. 2;
ebenso wieder in den wind blasen, hauchen, streuen u. ä.: welches alles sie in wind blies und hönisch heraus fuͦhr: auwe nicht! Lindener katzipori 83 lit. ver.;
in des führers arme sinkt er,
haucht sein leben in die winde
Uhland ged. ² 289;
liebling, mir zum leide,
läszt von alter liebe,
hat sie gehaucht in wind hinaus
Fouqué held des nordens 1, 107;
all traurigkeit nur schütt in wind
Spee trutzn. 126;
vieljähr'ge arbeit in den wind zu streuen
A. v. Arnim werke 8, 358;
lasse alles hinter dir zurück und streue die erinnerung in die winde Stifter werke 2, 100; gott ist nicht ein unnützer wescher, dasz er sein wort in wind werfe und rede, wo es nicht not ist Luther 24, 493 Weim.; der es nicht verstehet, lerne ein ding verstehen, nicht aus verachtung in wind werfen Paracelsus chirurg. bücher u. schriften 189ᵇ;
in die winde alle sorgen,
alle thränen von den wangen!
Wilh. Müller 1, 93;
ähnlich: (die versöhnung) in den wynt laten varen Rotmann restitution 34 neudr. hierhin gehören hauptsächlich die beiden redensarten in den wind reden und in den wind schlagen.
αα)
in (den) wind reden u. dgl. (Diefenbach gloss. 611ᵃ); älter reden in luften erste dt. bibel 2, 97: so ir nicht eine deutliche rede gebet, wie kan man wissen, was geredt ist? denn ir werdet in den wind reden 1. Cor. 14, 9; die alten haben gewisz nicht in den wind geredet, wenn sie sagten, dasz die wiederholung die mutter des studierens sei Moritz Anton Reiser 136 neudr.; dise wort hat Origenes in wind geredt, dann es nimpt sich ir iezunt niemant an Schade satiren 2, 9; (der doctor) redete aus lauter humor in nichts lieber, als in den wind J. Paul (1826) uns. loge 1, 15; ich habe ihm immer zugeredet, sich seiner einbildungskraft nicht zu überlassen, allein es war in den wind geredet G. Forster schriften 9, 63; wir wissen .. sehr wohl, dasz alles, was man den Franzosen darüber sagt, in den wind geredet ist Moltke ges. schriften u. denkwürdigkeiten 2, 224; kein redner in den wind (ins blaue hinein) Dahlmann dän. gesch. 1, 4; auch lothringisch Follmann 543ᵃ; ich spreche in den wind A. v. Arnim werke 18, 3;
wie viel vergebne worte das nun sind,
du sprichst sie alle, Golo, in den wind
Tieck schriften 2, 98;
lasz dein wort nicht in wind gesprochen sein Lessing 4, 103; alle diese wahrheiten waren damals in den wind gesagt 10, 147; das half ihm so viel, als hätt ers in den wind gesagt Grimm märchen 2, 57; wie mich dünkt, war's in wind, um was zu reden Göthe IV, 3, 52 Weim.;
du ... schwatzest
all dein geschwätz in den wind!
Klopstock oden 1, 229, 40.
mit anderen ausdrücken des sagens: wilche aber so hin schreien und beten in den wind, es treffe odder treffe nicht, das ist nichts und schafft auch nichts Luther 19, 224 Weim.;
schmiert's ihm der lehrer nicht in's maul:
so lehrt' er in den wind
Becker mild. liederb. 75;
so in den wind zu lügen
Voss Odyssee 14, 365;
ich aber predige in den wind
Geibel werke 1, 18;
weil alles in den wind geschworen war
Immermann Cardenio u. Celinde 1, 2;
und sängt ihr, mit Amphions feuer,
erhabne weisheit in die leier,
ihr sänget in den wind
Gotter 1, 359;
allein wie Priams kind,
Cassandra, weissagt sie nur immer in den wind
Pfeffel poet. versuche 1, 108;
kann ... mein vater ... die bestimmteste zusage bei dem verlöbnis seines sohns ... für einen discurs in den wind ausgeben? Göthe 38, 267 Weim.;
dasz du, herzlieb, sobald dein reden
in den wind hast faren lassen
Ambraser liederbuch 79, 15;
doch sein gewohntes gift, sein oft schon falsches schmähn
liesz dieszmal in den wind auch wahre worte gehn
Gottsched deutsche schaubühne 4, 41;
auch elsässisch (els. wb. 2, 836). aus solchen zusammenhängen heraus heiszt in den wind in verbindung mit thätigkeitsbegriffen soviel als 'vergeblich, nutzlos, falsch':
der in wind gelebt,
alln bösen händeln nachgestrebt
Ringwald christl. warnung (1590) M 2ᵇ;
es ist auszer allem zweifel, dasz einer, der (beim philosophiren) nicht in den wind arbeiten will, bei dem leichtesten und gewissesten den anfang machen müsse discourse d. mahlern 1, 65 Vetter; man glaubt oft noch, wie gescheid man es anstelle, wenn man ihnen (den kindern) oft und viel zuruft, o das und das ist gott im himmel zuwider, aber das kunststück ist meistens arbeit in wind Pestalozzi 12, 270;
o sterblicher, was sorgest du,
und wünschest in den wind?
Uz 182 neudr.;
(ähnlich Becker mild. liederb. 70); hier vergleichen, heiszt in den wind vergleichen! Herder 3, 402; so halb und miszverstanden, und in den wind, als der wunsch Cicero's, die tugend in körperlicher schönheit seinem sohne zuzuführen Göthe 37, 212 Weim.;
soll ich ewig harren, streben,
hoffen und vertraun in wind?
Lenz gedichte 202.
ββ)
in den wind schlagen (Frisius 242ᵃ). diese redensart, die schon mnd. belegt ist (in den wint slân), musz ursprünglich bedeutet haben 'etwas zugedachtes nicht auffangen, annehmen, sondern geringschätzig von sich weisen', oder, um ein ähnliches bild zu brauchen, 'abschlagen'. diese auffassung schimmert noch am ehesten durch in stellen wie: ob wir dise angebotten gnad wöllen annemen oder in den wind schlagen S. Franck chron. 451ᵇ; hab ich irgent ain beschwerlichs wort wider dich geredet, das soltu in wind schlahen und vergessen Schaidenreiszer Odyssea 33ᵇ; dann ist noch anschaulich der sinn 'preis geben, drangeben': die reuter .. warfen .. sack und pack von sich, schlugen also ihre ganze beute in wind Grimmelshausen Simplicissimus 37 neudr.; was gedenkest du doch, mein lieber vater, dasz du mich zum erstenmal so weit von dir schicken und einem solchen kalten land wilt vertrauen! fürwar wann du die blödigkeit meines leibs ein wenig basz bedächtest, so würdest mich nit so genzlichen in den wind schlagen Wickram 2, 197, 33; der geistlichen güter halben ist ein groszer krieg entstanden, aber durch einen schlechten frieden alles in wind geschlagen worden hundtägige erquickstund (1651) 50; die bürgermeister wurden zurück geschickt, die sechs hundert zur geiszel gelassene römische edelleute in wind geschlagen Lohenstein Arminius 1, 766ᵃ; mit der zeit aber drängt sich der sinn vor 'gering achten', allerdings wohl nur von undinglichem, wie einer lehre, warnung; mnd. lat my dyt exempel nicht vorgeten unde in den wint slan Schiller-Lübben: woltistu mir die heilige schrift also in den wind schlahen und die doctores nit durch sie richten lassen? Luther 6, 586 Weim.; aller fürsten tyranei in wind schlagen 16, 108, 33;
die (teutsche) sprache, für der vor viel feind' erschrocken sind,
vergaszen wir mit fleisz und schlugen sie in wind
Opitz poem. 25 neudr.;
seine eigene ehre in wind schlagen, heist zugleich die wurzeln der tugend in sich ausrotten Lohenstein Arminius 1, 20ᵃ; verstandesehre geht über alle ehre, ist aller andern ehre grund, also nicht in den wind zu schlagen Herder 17, 210;
schlagt nicht eur eigen glück so ruchlos in den wind
A. Gryphius trauersp. 247 lit. ver.;
wir ... sehen uns genöthigt, uns an ihn (den begriff eines unbedingt nothwendigen wesens) zu halten, weil wir die existenz eines nothwendigen wesens nicht in den wind schlagen durften Kant (1867) 3, 402; im heutigen sinn mit beschränkung auf worte, reden u. ä.:
es hilft kein straf; was ich thu sagen,
er thut es als in den wind schlagen
H. Sachs 1, 79 Keller;
darum bitte ich euch umbstehende alle, dasz ihr ... diese rede darum nicht .. in den wind schlagen wollet Moscherosch gesichte 1, 40; ich schlug nachher die warnung in den wind Immermann 1, 113;
er schlug der weisheit lehren in den wind
Chamisso werke 4, 12;
wobei du natürlich nicht in den wind schlagen darfst, dasz du für deine person ihr viel verdankst Holtei erz. schr. 15, 110; auch verschiedentlich mundartlich:
a mensch, der má zwieder is,
den sag is gschwind,
und á ding, das má mucken
macht, schlag i in wind
Stelzhamer ausgew. dichtungen 1, 320, 4;
ähnlich elsässisch (els. wb. 2, 836) und lothring. (Follmann 543ᵃ), aber auch göttingisch-grubenhagisch in de wind slân, das jedoch auch noch objectlos heiszt 'in die luft schlagen, nichts treffen' (sp. 254). erweitert lautet diese redensart bei Spee in wind und luft schlagen:
o treuer gott! hab dein gebott
in wind und luft geschlagen
trutzn. 84, str. 4, 6;
auffällig ist bei H. Sachs die anscheinende pluralform in winde:
wo aber einer wer verstockt,
schlüg die guͦt lehr in winde
fab. 4, nr. 517, 21 neudr.;
ganz abweichend heiszt es dagegen mit einem anderen bilde aus dem wind schlagen, aus seinem bereich vertreiben: weil er alle gute vermahnung .. oft aus dem wind geschlagen Grimmelshausen 1, 595 Keller.
bb)
auf seine veränderlichkeit.
αα)
dasz der wind sich leicht dreht, wird öfter ausdrücklich ausgesprochen; zuerst im eigentlichen sinn (siehe auch oben sp. 233): der wind in dem kessel selbst ist zweifelhaft und veränderlich Göthe II 12, 117 Weim.;
wie der wechselnde wind nach allen seiten die hohen
saaten im weichen schwung niedergebogen durchwühlt
Mörike werke 1, 92;
dann aber auch übertragen:
disz (das lob) hat die gegenwart; weist einer dan den rüken,
so kehret sich der wind
Grob dichter. versuchg. 41 (nr. 107);
du, hüte dich wohl, herr ritter!
leicht mag sich drehn der wind!
wer weisz, was hinter'm gitter
der scheinfreund arges sinnt!
Freiligrath ges. dicht.⁵ (1886) 2, 174;
so erklärt sich wohl auch der sinn 'durcheinander, in buntem wechsel' bei H. Sachs:
spielten mit ainander im pret
und fluechten sam der wint her wet
fab. 2, 406 neudr.
darum wird auch auf die unbeständigkeit des windes zuweilen wörtlich bezug genommen:
wie der wind
alle ding unbestendig sind
N. Manuel 20 (todtentanz str. 90) Bächtold;
unbeständ'ger als der wind Gotter Gött. musenalmanach (1770) 53, 73 neudr.; veränderlich wie der wind Mozart bei O. Jahn 3, 154 anm. 35; es ist daher kein verlasz auf den wind:
nit würd verfiert von nerrschen schelken,
die dir nüt dann die oren melken,
und gloub durch gott nit yedem wind
Murner narrenbeschwörung 269 v. 36 neudr.;
ähnlich: wol denen, .. die nicht werden gleuben, wo ein yeder wind her kömpt, sondern das sie gelernet haben, in dem selben bestendiglichen bleiben Luther 17ᴵ, 356 Weim.; aus diesem gedankenkreis heraus heiszt es auch mhd.:
mîn stæte muot gelîchet niht dem winde
minnesinger 1, 126ᵃ v. d. Hagen;
und nhd.: diese jungen männer sind flatterhaft und jedem winde preisgegeben Gutzkow ritter vom geiste 3, 96; ich schwebte schon wieder einmal zwischen mehreren winden Laube schr. 1, 135.
ββ)
das giebt anlasz, die flatterhaftigkeit mit dem begriff des windes zu umschreiben in redensarten wie sich nach dem winde richten (wie die wetterfahne), allem winde segel geben, sich von jedem winde treiben lassen (wie ein vogel, ein schiff):
(das ewige leben) gott allein denen würdt geben,
die stark und vest im glauben sind,
an im bleiben, auch alle wind
sich nicht von im abwenden lassen
Wickram werke 6, 80 v. 2204 lit. ver.;
ich dagegen will fest an dem halten, was ich gesagt und versprochen habe, und mich nicht von jedem winde bald dahin, bald dorthin treiben lassen Raumer gesch. d. Hohenst. 4, 212; war ein listiger wolweiser mann, der sich nach dem wind, wie man spricht, wuszt zurichten Stumpf Schwytzerchronik 23ᵇ; wer seine sinnesart nicht richtet nach jedem winde, der eben durch die stadt bläst Zimmermann über die einsamkeit 1, 72;
man sieht oft heimliche gesellen,
die sich nur nach dem winde drehn
Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 164;
(dasz man) seine nase nach jedem winde drehen musz Stephanie d. j. singspiele 136;
sie wenden nach dem wind die köpfe
Grillparzer 6, 277;
und schwingt euch stets nach dem wind (wie der vogel)
Reinicke Fuchs 395;
allem winde segel geben, ...
wer sich dessen wil befleiszen,
kan politisch heuer heiszen
Logau sinngedichte 200 (1. taus. 9. hd. 71) lit. ver.;
vgl. dazu unten sp. 246 unter γγ. am beliebtesten ist das bild des mantels, mit dem man sich abwechselnd hauptsächlich an der seite schützt, von der der wind herkommt, wie noch Stainhöwel eigentlich meint: verschopp die oͮren und stell dich vestenglich wider die sturmgüsen der schmaichenden buͦler und ker den mantel gegen dem wind Bocc. 151, 8; darum heiszt es in älterer zeit den mantel nach dem winde kehren (richten), in neuerer zeit vornehmlich hängen: den mantel henken, wo der wind dahär weyet Frisius 19ᵇ, 225ᵃ; als der wind gee, also kere er den mantel Eyb d. schr. 2, 34;
und wen die armut drucken sei.
der ker den mantel nach dem wind
H. Sachs 9, 10, 27 Keller;
dein mantel nach dem wind du (tue) wenden
7, 180, 27;
die ... den mantel nach dem winde keren und wenden können Mathesius Sarepta cliiᵇ; der kan den mantel nach winde richten Luther 34ᴵ, 396 Weim.; vgl. auch Schottel 1114; den mantel nach dem winde drehen Steinbach 2, 25; den mantel nach dem winde tragen können Butschky Pathm. 446; dem neueren gebrauch entsprechend:
dasz sie (die schmeichler) sich können meisterlich
nach eines jeden reden lenken
und nach dem wind den mantel henken
Alberus fabel 23, 153 neudr.;
er henkt den mantel nach dem wind
H. Sachs 21, 224, 29 Götze;
also schiene es rathsamer zu sein, dasz man noch eine weile den mantel nach dem winde hienge Lohenstein Arminius 1, 23ᵇ; er ist der einzige, der bei der umtriebsuntersuchung den mantel nach dem winde hängt Pückler briefwechsel u. tageb. 5, 256; in etwas anderer umschreibender form: den mantel henken, darnach der wind hergeht S. Franck sprichwörter 1, 84ᵃ; da hängt man den mantel, wie der wind kommt H. v. Kleist 5, 119; dagegen bedeutet einfach den mantel hängen lassen gerade das gegentheil:
wer da wil sein ein biderman,
der sol den mantel hangen lan,
nicht keren nach dem winde
Soltau volksl. 1, 103 (urspr. ndd.);
gegenüber dem männlichen mantel musz bei frauen der hut herhalten zu dem entsprechenden bilde:
frauen haben kurzen muͦt
und wenden dick den huͦt
nach dem wind her und dar
Hätzlerin liederbuch 209 nr. 45;
ebenso: den hut kehrn nach dem wind Ringwaldt evang. (1646) B viiᵃ; kehrn hut und mantel nach dem wind K viᵃ.
cc)
seine schnelligkeit.
αα)
die grundlage zu vergleichen bilden fälle, wo ein zeitwort der bewegung vorliegt, das mit den ausdrücken mit dem wind oder wie der wind (in älterer zeit als der wind) verbunden wird:
es sind die worte mit den winden
geflohen zu des meeres gründen
[K. Stieler] geharnschte Venus 39 neudr.;
vom felsen stürzt die gemse dort,
enteilet mit den winden
Lenau ged. (1857) 1, 15;
die burger fluhen als ein wind.
sie liefen swinde als die hasen
Liliencron volkslieder 1. 169;
ir glerten oder verkerten haben uns leien alle ding mit dem latein verschlagen, wie die gaukler thuͦnd 'verschwind als der wind, dasz keiner wider find' Schadf satiren 3, 174;
dasz es (d. schiff) hinrennen thet in eil.
vil schneller dann ein vogel pfeil,
und schnurret auf dem meer geschwind.
hinweg nit anderst als der wind
Spreng Äneis 89ᵃ;
als ein wind 212ᵇ; wie der wind 118ᵇ; darumb denn selbiges ... darvon lief, wie der wind Amadis 1, 134 lit. ver.;
und wer mit katzen ackern will.
der spanne die mäus' voraus,
da geht es alles wie der wind
Göthe 5, 126 Weim.;
aber gieb acht! das ging wie der wind,
es ging dem büblein gar zu geschwind
Rückert werke 3. 4;
wo sind seine freunde? weg wie der wind, weil's mit dem reichthum aus ist Alexis Roland v. Berlin 2, 339; oder fälle mit einem ähnlichen adjectiv: geschwind als der wind S. Franck sprichw. 2, 83ᵃ; schnäller dann der wind Frisius 221ᵇ; dasz ... dies pferd schneller als der wind gewesen sei Archenholz England u. Italien 1ᴵᴵ, 539;
als der Pelid' und sie auf seiner ferse
den winden gleich an mir vorüberrauschten
H. v. Kleist 1, 212 (Penthes. 7);
der spiesz gieng eilends wie der wind,
auf seiner linken achsel hin
Spreng Ilias 51ᵇ;
Italien und Mailand
liefen geschwind wie wind
Opel-Cohn 30 jähr. krieg 78, 36;
die diener sind geschwind wie der wind Lessing 7, 11, 13; àft lâf i haͦlt so schnell aͦls wia dă wind Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österr. 168, 597; manchmal wird gleichzeitig der begriff der flüchtigkeit (sp. 237) des windes in betracht gezogen:
din gwin verschwindt glich wie der wind
N. Manuel 15 (todtentanz str. 70) Bächtold;
wann sich dasselbig (das glück) kehrt zurück (weg),
so wenden sie (die freunde) sich wie der wind,
dasz sich darnach kein freund mehr findt
Alberus fabel 27, 71 neudr.;
do ists (das königreich) zergangen wie der wind
schweiz. schauspiele des 16. jhs. 3, 61;
alle anschläg dawider (gegen die reformation) vernichtet und verschwunden sind wie der wind Sleidanus reden 160 lit. ver.
ββ)
in all diesen verbindungen, dazu besonders in der redensart das geht wie der wind, die auch im volke lebendig ist (lothringisch bei Follmann 543ᵃ, pfälzisch), löst sich der ausdruck wie der wind ab und wird selbständig im sinne von 'rasch, schnell' (tir. u. cimbrisch afn wint Schöpf 817, wohl eigentlich auf dem wind, nämlich kommen, laufen); darum heiszt es denn: der bursch hat beine wie der wind Müllner dram. werke 5, 242; er ... ritt wie der wind das treppengeländer hinab Storm werke 3, 14; denn suchte er wieder einen stosz bald oben und unten hinein zu werfen, und war wie der wind zurück, wenn Gustavus stoszen wolte Menantes der europäischen höfe liebes- u. heldengeschichte 717; kaum hatte man ihm gesagt, was er zu thun habe, war er wie der wind wieder da und sagte 'ich bin fertig' Auerbach 18, 188 (schatzk. II); ich war aber dicht hinter ihnen drein, mit hand und fusz, und wie der wind gab ich sieben von den eilfen ihr theil (with a thought seven of the eleven J paid) A. W. Schlegel Shakesp. 1, 186 (Heinrich IV. 1. th. 2, 4); damit man, wenn etwas aufgestoszen kommt, wie der wind anschlagen, das korn und das flüchtige zusammen fassen kan Stahl gewehrgerecht. jäger 177; an die verbindung geschwind wie der wind (auch els. wb. 2, 836) knüpfen wieder wendungen an wie fertig wie der wind:
er sprang durch feld und wisen
frisch fertig wie der wind
Spee trutznacht. 48;
alles das war bereit wie der wind
Rückert werke 2, 174.
dd)
auf seine leichtigkeit, auf die leichtbeweglichkeit der luft und ihre leichtigkeit überhaupt wird nur selten angespielt, und noch seltener wird die luft deswegen zum vergleich herangezogen (der so leichte wind Rachel satyr. gedichte 134 ndr.):
ir sind vil lichter, dann der wind
schweiz. schauspiele des 16. jhs. 1, 155 v. 1241;
dreimal entflohe das bild mir
leicht wie der wind, wie die luft
Herder 23, 143;
da hüpft aus dem kreise, so leicht wie der wind,
ein mageres wesen
Heine werke 1, 24.
ee)
auf seine freiheit. noch spärlicher ist die bezugnahme auf die ungebundenheit und freiheit des windes; die vorliegenden zeugnisse stellen die sprachliche entwicklung auch noch scheinbar auf den kopf, da die ursprüngliche verwendung gerade am spätesten belegt ist, die freieste am frühesten: auch an mich darfst du dich nicht binden, du sollst frei sein, wie der wind! Keller 2, 88;
frei, wie der wind auf offnem blachfeld, sind
die fraun, die solche heldentat vollbracht
H. v. Kleist 2, 112 (Penth. 15. auftr.);
gedanken aber, wie der wind
in allen landen zollfrei sind
Alberus fabel 7, 33 neudr.
ff)
auf seine rauhheit, feindseligkeit u. ä., nur übertragen: der wind hat ihm die freud entführt Eyering 1, 603; auch wie viel böses windes er sich hierüber hab müssen beiszen lassen Werner chron. v. Magdeburg 11; die frumen menschen demütigen sich hie uff erden gegen dem wind der straf Pauli schimpf. u. ernst 120 lit. ver.; es werde kein einziger wind der versuchung so gewaltig sein Spee tugendb. 205; es kommt der wind der trübsäligkeit Reinicke Fuchs 196.
γ)
der wehende wind nach seinen zwecken. dasz der wehende, bewegte wind für das leben und die tätigkeit des menschen groszen werth hat, spiegelt auch die sprache wieder.
aa)
seine bedeutung für die schiffahrt.
αα)
allgemein und bildlich:
der (tischgast) ist ein schiffman, sagt von winden,
und wie man thuͦ vil inseln finden
Scheit grobianus 2175 neudr.;
den 29. war uns der wind entgegen Hulsius 3. schifffahrt 45; auszer dasz ein wind .. unsre reise ungewöhnlich verlängerte Wieland Agathon 1, 22;
ist euch schon der wind nicht günstig,
zu den rudern greifet brünstig!
Göthe 2, 39 Weim.;
der wind nahm zu, und bald saszen wir zwei meilen unterhalb Wiens ganz fest Moltke ges. schriften 1, 106; weil der strom hier .. sich etwas zur rechten krümmt, welches die schiffe aufhält und sie nöthigt, den wind zu verändern Schiller 9, 35; besonders gern übertragen:
ein kluger staatsmann spannt des schiffes segel,
nachdem der wind zu seiner fahrt ihm dient
Fouqué altsächsischer bildersaal 1, 275;
es war also natürlich, dasz er bei seiner ersten reise des tags wohl zehnmal durch den raschen wind seiner lebensgeister in fremdes tauwerk verwickelt wurde Bode Yoricks empfinds. reise 1, xvi; ob der wind des schicksals noch einmal mein lebensschiff nach Dresden treiben wird? H. v. Kleist 5, 238; er .. kam mit vollem winde der eitelkeit auf mich losgefahren Eichendorff werke (1864) 2, 176; regierungen sind segel, das volk ist wind, der staat ist schiff, die zeit ist see Börne schriften 6, 33;
ββ)
diesen werth bezeichnen verschiedene beiwörter als vortheilhaft oder nachtheilig, die übrigens mit der zeit etwas gewechselt haben und in dieser zeitlichen reihenfolge vorgeführt werden; zunächst die lobenden: und ward die sinnrich frou ... mit glücklichem wind gen Egipten gefüret Stainhöwel de claris mulieribus 47 lit. ver.; als er vermeint glücklichen wind zu haben Amadis 1, 351 lit. v.; nun hatten sie so glückseligen wind 1, 30; dieselben haben auch als den guten wind auf erden, und, wie mans nennet, glück und sieg Luther 51, 207, 24 Weim.;
in dem stund auf ein guter wind
H. Sachs 3, 258, 28 Keller;
auch ein guter wind
war ihm hold gesinnt
Rückert werke 3, 8;
auch übertragen: wann sie (die alten väter) die guten werk und heiligkeit des lebens .. fordern .., alsdann hat sie (die kirche) guten wind, alsdann ist den alten vättern zu folgen Fischart binenkorb 35ᵃ;
.. ich mich sol vor dem gericht
in keinen zank einlassen nicht,
da ich nicht habe guten wind,
und richter mir zuwider sind
Hayneccius Hans Pfriem 37, 971 ndr.;
der esel merkte, dasz kein guter wind wehte, lief fort und machte sich auf den weg nach Bremen Grimm märchen (1843) 1, 172; auch in der redensart: bei gutem winde ist gut sigelen Schottel 1113; vgl. auch Eyering 1, 192; als er .. auf bequeme wind .. wartete Zinkgref apophth. (1628) 104; allwo wir .. von einem favorablen winde fort getrieben wurden Schnabel insel Felsenbg. 21; die günstigsten winde schwellten die segel Wieland Agathon 2, 53;
lange tag' und nächte stand mein schiff befrachtet;
günst'ger winde harrend, sasz mit treuen freunden ..
ich im hafen
Göthe 2, 72 Weim.;
.. was wir erde nennen,
ein immer stürmisch meer! wird schwerlich menschen sehn,
in deren segel stets die winde günstig wehn
Uz 227 ndr.;
ordentliche winde seehafen (forts. 1715) 49; daran reihen sich die tadelnden, die besonders häufig übertragen vorkommen: die wind sind mir contrair gewesen Apinus glossar. novum 157; es geschah wohl, dasz durch conträren wind, der lange anhielt, mehrere hundert schiffe sich anhäuften Steffens was ich erlebte 1, 66; nichts desto minder schicket er .. seinen official ... gen Rom ...: schiffet und säglet also von zweien widerwertigen winden (treibt doppeltes spiel) Stumpf Schwytzerchronik 712ᵇ; die mit festem vorsatz gegen widrige winde steuern Strausz Schubarts leben in seinen briefen 1, 4; auf die stadt Africa .. hätte er sogleich einen angriff unternommen, wäre er nicht durch widrige winde abgehalten worden Ranke werke 4, 14; die flotte bleibt wegen ungünstigen windes liegen Göthe 22, 161 Weim.;
unglückliche reise!
unseliger wind!
2, 44, 113;
.. wie der umgesetzte wind (a. shifted wind) ein segel,
so kehrt es der gedanken richtung um
A. W. Schlegel Shakespeare 1, 48 (kön. Johann 4, 2);
besonders stehen die fachausdrücke halber wind, senkrecht von der seite auf das schiff auftreffender wind, breiter wind, an der steuerbord- oder an der backbordseite 4 kompaszstriche von der linie vor dem winde entfernt Beil 1, 657, Stenzel 464ᵃ, Kluge seemannsspr. 836ᵃ: mit halbem winde segeln Luther 6 (1557), 285ᵃ; dieser Tales hat zum ersten mal erdacht, wie man mit widerwertigem und halben wind segeln könne Albertinus fürstlicher lustgarten 1, 137; weil der heftige westwind den deutschen gerade in die augen gestrichen hätte ..., lenkte der feldherr südwerts ab, womit er zugleich den halben wind gewinne Lohenstein Arminius 1, 54ᵃ; umsonst lavirte er von einer seite zur andern, wie ein schiff, das mit halbem winde fährt Arnim kronenw. 1, 193; auch in übertragener bedeutung: das rede ich darumb, dasz man sehe, wie sich solche geister (so allenthalben der schrift meister sein wollen) so fein versteigen, und mit halben winde segeln Luther 6, (1561), 266ᵇ Jena;
der hab acht auf ein trunken man,
wie er mit halbem wind hersegel
H. Sachs 4, 236 Keller;
gleichsam mit halben winde, obliquatis velis, dahin zu gelangen, wozu man recto cursu, mit vollen segeln, auf öffentlichem reichstag nicht kommen kann Leibnitz deutsche schriften 1, 160; dazu handelte es sich ja nur darum, zeit zu gewinnen und unterdessen mit halbem winde zu segeln Ruge briefw. ²2, 116. der gegensatz voller wind ist seltener:
denn von nordosten kam, ..
indesz der Türk, wie ein gejagter habicht,
nach süden fortschosz, eine englische
fregatt' heran mit vollem wind
Geibel 4, 76;
vgl. auch vorher mit vollen segeln; schwerer wind starkwehender w. Jacobsson techn. wb. 4, 659ᵇ; kleiner wind reisb. d. hlg. landes (1584) 372ᵇ; Decker diurnal (1629) 2; schlapper wind Andersen orient. reiseb. (1669) 93; instehender wind Jäger weltbeschauung (1666) 362, Neitzschitz weltbeschauung (1686) 301. weiteres bei Weber Elbschiff (1871) 139; Kluge seemannsspr. 837.
γγ)
ebenso sind hier auch einige besondere verba bemerkenswert wie fassen (prender il vento Rädlein 1, 1063ᵇ), gewinnen, haben, verstehen: nachdem ich den wind aufs schärfste gefaszt, und die segel so voll stechen lassen, als sichs nur geschickt Robinson Crusoe (Hamburg 1731) 1, 45; könig Bojorich, welcher ihm vorgesätzt hatte zu sterben, oder den wind noch einmal zu gewinnen, drang durch drei römische haufen wie ein blitz Lohenstein Arminius 1, 919ᵇ;
mag doch kein schiffer heiszen,
der keinen wind versteht
Rachel satyr. gedichte 121 neudr.;
wind haben (Güntzel 880) oder seinen wind haben endlich heiszt so viel wie 'günstigen wind haben': narren und abenteurer genug glaubten, ihren wind zu haben und setzten ihrem narrenschiffe alle segel bei Arndt erinnerungen³ 340; sonst vgl. noch die segel dem winde geben: dannoch ware noch sulch ungewiter, das wir nicht dorften den segel dem winte geben Ruchamer neue weldte (1508) e 4ᵇ und dazu oben sp. 242; dem wind folgen (d. h. wider willen) Jacobsson techn. wb. 8, 206ᵃ; den wind abschneiden Smidt mitt. aus d. tageb. 129; dagegen bildlich wind von vorn bekommen 'einen verweis bekommen' Höcker unsere flotte 1 (1890), 176; endlich mit wind als subject: der wind bläst die segel auf, treibt die segel u. ä.; der w. springt Adelung; steht auf (in) ein segel Gerstäcker reise um d. welt (1847) einl. i. xvi.
δδ)
präpositionale ausdrücke. das verhältnis zur windrichtung drücken die verschiedensten präpositionen aus: an den wind legen, den lauf des schiffes näher an den strich des kompasses, wohin der wind bläst, bringen Kluge seemannsspr. 836ᵃ; an den wind kommen, steuern Jacobsson techn. wb. 648ᵃ: legt das schiff hart an den wind! setzt zwei segel auf! A. W. Schlegel Shakespeare 3, 10 (sturm 1, 1); er hatte eben erst seine drei jahre abgedient und konnte sich noch einige jahre an den wind halten Sohnrey im grünen klee 293; auf dem wind liegen, ihn gerade vorn haben Kluge seemannsspr. 836ᵃ: das feuer brannte ongefehr bei der fockemast durch das deck, lief, weiln eben ein harter lewant wehete und das schiff auf den wind lag, die mast hinauf traurige ztg. a. Cadix 1683 (Freytag 20, 380); es gibt gegenden, wo der unterhalt (der deiche) wenig oder nichts kostet, wenn solche auf guten wind liegen und vorland da ist Arends phys. gesch. d. nordseeküste 1, 159; bei dem w. liegen, mit dem schiff so liegen, dasz der strich, den man steuert, mit dem windstrich einen mehr oder weniger scharfen winkel macht Kluge, Jacobsson a. a. o.; das schiff läuft durch den wind (wenn es sich wider willen des steuermanns umdreht) Adelung; gegen den (dem) wind liegen, schiffen u. ä. von der dem wind völlig entgegengesetzten richtung: umb den abend hat das jagschiff sich gegen dem wind gelegt, die andern schiff zu warten Hulsius 2. schifffahrt³ (1615) 27; das herrliche mächtige land Frankreich, so gleichsam ein meer ist, da man pflanzet und akkert, und ein land, darauf man gegen allen winden schiffen kann, hat daszmahl fünf und zwanzig millionen gewogen Schottel friedens sieg 4 neudr.; vgl. auch Rädlein 1, 1063ᵇ;
es schifft ein schiffmann auf trucknem land,
er hat sein segel gegen wind gespannt
Uhland volksl. 631;
kleine schiffe, die khonnen gegen und mit dem winde segeln Kantzow chronik v. Pommern 411 Gäbel; ähnlich in den wind: dann ich schaffte alles völlig an, mit einem kleinen staag, und darzu gehörigem segel, wann wir etwa allzu scharf in den wind stechen müsten (if we should turn to windward) Robinson Crusoe (1731) 1, 313; in den wind schiezen flotte 1908, 56; schieszen lassen Hamb. korresp. 25. 6. 1909 morgenbl.; besonders häufig mit dem wind: sie lieszen das boot mit dem winde langsam treiben Klinger werke 4, 184; man segelt stärker etwas neben, als ganz mit dem winde Kant (1867) 8, 308; übertragen mit allen winden fahren, segeln:
wer eins hie lügt, das ander dört,
der selb mit allen winden fört
Murner schelmenzunft 53, 8 neudr.;
wer seglen kan mit allem wind
und lusen oben hin im grind,
den man entpfahen, wie er ist:
der ist von sunderlichem list
53, 4;
vgl. auch Franck sprichw. 1, 6ᵇ; nach dem wind:
die schiff sie butzten sauber aus,
zohen die ruder auf geschwind,
heimwarts zu fahren nach dem wind
Spreng Ilias 16ᵃ;
vgl. mhd. nâch dem winde segeln Lexer; übertragen:
den mantel auf beid seiten henke,
sein schiff nach allen winden lenke
Kirchhof wendunmuth 3, 42 lit. ver.;
der geistliche war ausgewandert gewesen .., war aber mit vieler klugheit zu rechter zeit zurückgekommen und hatte seitdem nach dem winde lavirt Seume (1835) 175 Wagner (spazierg.); neben dem wind: Dampier reise um d. welt (1703) 2, 615; oberhalb winds Fürer reise (1645) 316; Alem. 6, 102; über dem wind, in luv (vento secundo Apinus gloss. nov. [1728] 333); Kotzebue reise in d. süds. (1821) 1, 122; unter dem wind, in lee Kluge a. a. o.: unter wind sein (liegen) Decker diurnal (1629) 3; Baldäus ostind. kusten (1672) 251ᵇ; Jacobsson 4, 660ᵇ; unter wind verfallen ebd.; ihre zärtlichkeiten und übrigen liebkosungen waren recht grosz, und hatte man einmal das unglück, ihr so nahe unter den wind zu kommen, so that man am klügsten, sich nur sogleich auf gut glück zu ergeben erzähler des 18. jhs. 164 Fürst; eben diese beiden fragen, die polnische und die belgische, nahmen im laufe des juli 1831 eine wendung, mit der die politik des Wiener cabinets endlich in ihr fahrwasser kam, die preuszische unter den wind gerieth Droysen abhandl. z. neueren gesch. 96;
wo unter'm wind das ufer schutz uns gab
Chamisso werke 4, 153;
unterhalb windes Dampier reise nach Neuholl. (1707) 3, 403; vor dem wind Jacobsson 4, 650ᵃ: item 5 scot vor crude eynem herren, der wedir in dy Wysel quam vor dem winde Joachim Marienb. treszlerb. (1399—1409) 432; ein schiff wol geladen, erleidet vor dem wind mindern schaden geschichtklitterung 59 neudr.; ihr wollt, .. dasz ich vor dem winde fahren soll Wieland Lucian 2, 167; ich sasz auf eine nacht zur zeit meiner jugend, und da noch alles vor den wind gieng, bei andern jungen burschen Olearius pers. baumgarten 9, 2; zwei jahrhunderte lang .. treiben die elemente ohne klares bewusztsein vor allen winden Ruge briefw.² 2, 2; noch mehr (als in den äuszeren) liesz man in den inneren angelegenheiten das schiff vor dem winde treiben Mommsen röm. geschichte 2, 70; mundartlich ist das göttingischgrubenhagensche wind af gân, beim gehen den wind im rücken haben Schambach 298ᵇ.
bb)
seine bedeutung für die windmühle tritt gegenüber der schiffahrt stark zurück: eine windmühle .., der es .. zuweilen an wind fehlte Grimm dt. sagen 1, 136; wo er seine mühlen hat, und wo er seinen wind herkriegt, was geht's uns an, wenn seine säcke nur voll sind Alexis Rol. v. Berlin 2, 79; bildlich: wenn die mühle erst wieder geht, is auch wieder wind da Fontane werke I 5, 113; hierher die redensart der wind gehört der herrschaft Wander 5, 249.
δ)
der wehende wind nach seinen unbeabsichtigten, sich von selbst ergebenden wirkungen.
aa)
seine wirkung auf das wetter.
αα)
im eigentlichen sinne: das wetter kennt man bei dem wind Seb. Franck sprichwörter 1, 8ᵃ; nach wind kompt regen, wann es regnet, ists nasz, glaubst du das? Fischart praktik 4 neudr.; früh- und spatregen, der wind von dieser oder jener seite her entschied alles Herder 12, 116; auch mundartlich: elsäss. d sunn ziegt wind, als vorzeichen guten wetters am folgenden tage, elsäss. wb. 2, 836; in Lothringen: wind scheppt ränge, bringt regen Follmann 543ᵃ; in der Pfalz: wenn der wind sich legt, kriche mer rege. von hexen als wettermacherinnen gilt die bairische redensart: da ist eine, wo der wind herausgeht Leoprechting aus dem Lechrain 296; vgl. auch Schmeller 2, 950. von ländern und gegenden heiszt es, dasz sie unter oder auf einem winde liegen: England liegt unter veränderlichen winden F. L. Jahn werke 1, 439; ein deich liegt auf gutem wind Benzler lex. der beim deichbau vork. kunstw. 2, 280.
ββ)
übertragen im sinne von 'zeitströmung, stimmung': solte derhalben vom kriegen bisz auf ein ander jahr sich enthalten, alsdann würd im villeicht der wind besser under augen wehen Fronsperger kriegsb. 3, 182ᵇ; bin also diesen tag wiederum heimgeritten, weil der wind bei ifg. meinem herrn übel stund Schweinichen 46 Österley; hier wehte ein anderer wind, hier klang ein anderer ton als zu hause Göthe 26, 71/72 Weim. (aus meinem leben 2); was giebt's bursch? bläst der wind aus der ecke? (is the wind in that door) A. W. Schlegel Shakespeare 1, 209 (Heinr. IV. 1. th. 3, 3); bläst aus dém loch der wind! Alexis Rol. v. Berlin 2, 43;
als aber bald darauf
der bann, die ächtung Ernsts verlautet war,
da wechselte der wind
Uhland Ernst v. Schw. v. 585 (2, 1);
in Ebersbach aber war der wind gänzlich umgeschlagen H. Kurz sonnenwirth 2, 169; wenn man dich so hört, so sollte man glauben, du könntest alles haben, wenn sich blosz der wind ein biszchen drehen wollte Fontane die Poggenpuhls 41; so auch mundartlich: tir. es ziecht (geht) an andrer wint, es ist ein glückswechsel eingetreten Schöpf 817; elsäss. pfift der wind do here? (Straszb.) els. wb. 2, 836; westf. he wêt ümmer, bà de wind herküəmt Woeste 325ᵃ; noch deutlicher macht ein zusatz die übertragung in folgenden fällen:
vielleicht, dasz sie gesendet sind,
um auszuwittern des hofes wind
Kind ged. (1808) 55;
der betriebsame Raupach in Berlin, der immer genau wuszte, woher der wind im publikum wehte Treitschke dt. gesch.² 3, 695; eine probe der besondern natur desjenigen windes, welcher vom Horaz aura popularis genennet wird Wieland Agathon 1, 330; es ist leicht für einen staatsmann, ..., mit dem populären winde in die kriegstrompete zu stoszen Bismarck polit. reden 1, 265; dann sprang plötzlich der politische wind um Ruge briefw.² 2, 206.
bb)
seine wirkung auf den menschlichen leib und des sen gesundheit: disz seind nun alle, die so Frankreich guts oder böses thun: disz sein die guten und bösen wind, die es anwehen Fischart discours e iᵃ; hab sin acht und hüte sie wol vor dem wind Keisersberg bilgersch. 15ᵈ;
es ist fürwar ein fin gestalt,
das einer dem ein den wind uff halt (vor dem winde schützt)
Murner narrenbeschwörung 188 neudr.;
wer wärmet uns in kält und frost?
wer schützt uns für dem wind?
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenl. 3, 353ᵃ;
hergegen sind andere, welche, ob sie wohl reich und von groszem vermögen, keinen mangel leiden, und allezeit vor (gegen) den wind haben, gleichwohl jederzeit so unlustig, unfreundlich und verdrieszlich A. Gryphius lustsp. 517 lit. ver.; die küstenstämme ..., welche im sommer ein paar zweige in die erde stecken als schutz vor dem winde Ratzel völkerkunde 2, 49; mundartlich im Aargau: er ist in e böse wind chô, wenn einer einen geschwollenen kopf davongetragen hat (durch den einflusz der im wind daherfahrenden hexen) Hunziker 298.
cc)
seine wirkung auf die geruchsempfindung im sinne von 'witterung durch den geruch'.
αα)
da der wind den geruch mit fortträgt, wird er wichtig für die geruchsempfindung und die nase. daher heben thiere gern die nase in den wind: er geht stets die nase gegen den wind J. Grimm Reinhart Fuchs xxi; auf der flucht behält er immer die nase im wind xxiii; die hirsche ... vernehmen bald durch den wind, wo die thiere vorhanden sind Döbel jäger-pract.² 1, 4ᵃ;
denn trat er (der hirsch) aus dem holz zu feld,
hat er sich stäts in wind gestellt,
und bracht' ihm der die fernsten laute
Immermann Tristan 56;
daher auch von menschen: das ist mein tod, wenn ich nasen seh, die in den wind steigen, und meinen, sie röchen alles allein maler Müller 2, 123; thiere sollen daher in der richtung des windes fliehen, um sich vor ihren verfolgern zu sichern: wenn er (der hirsch) aber die hund bellen höret, fleucht er solcher maszen, dasz ihm der wind nachgange, und sein spuͦr zuͦgleich mit ihm verschwinde Heyden Plinius 172.
ββ)
darum haben sich auch gewisse stehende verbindungen mit präpositionen herausgebildet, im winde, gegen den wind oder unter dem wind, sowie vor dem wind und hinter dem wind, die denselben gedanken nur von verschiedenem standpunkte ausdrücken und den gegensatz zu über dem wind: der wolf ist auch so schlau, dasz, so er was im winde vom wildpret krieget, er ganz sachte hinan schleicht Döbel jäger-pract.² 1, 35ᵇ; mit einem leithunde, so im winde, und mit einem hünerhunde, der tief zu boden sucht, wird mit allen beiden nicht viel zu thun sein 98ᵇ; wenn ein rehe .. schleunig was vernimmt .., so fängt es stark an zu schmehlen (schreien) .., solte ihm auch ein mensch vorkommen oder kriegt es ohngefähr kurz im winde, und hat es nicht erst recht gesehen, was es ist 28ᵇ; hierbei aber ist mit anzumerken, dasz, so man ein feld absuchen will, es unter oder gegen den wind geschehe. dieses geschicht auch allezeit, so man etwas wieder niederfallen sieht, damit der hund den wind desto eher haben kan. stöszt der hund was auf, so er über wind kommt, kan man ihn nicht allemal unrecht geben 111ᵃ; im sommer wendet er (der hase) das gesicht nach norden, im winter nach süden, bei stürmischem wetter aber so, dasz er unter dem winde sitzt Brehm thierl.³ 2, 624; wo der jäger .. sich unterm wind und etwas verstekt mit seinem pürschrohr oder flinte anstellet Stahl gewehr-gerecht. jäger 187, 25 (daher bildlich: das haus Vitzewitz [werde] auch wieder 'bergan' ziehen und nicht immer 'geduckt unterm winde' stehen Fontane I 1, 15); durchforscht der alte mörder (der wolf) .. gegen den wind das dickicht des hochwaldes Tschudi thierleben der Alpenwelt 399; man wird gar wohl gewahr werden, dasz der hund nicht auf der fehrte fortsuchen will, sondern sich allemal unter wind wenden wird Döbel jäger-pract.² 1, 93ᵃ; so viel als möglich ist zu sehen, dasz der hirsch den hunden unter wind liege 100ᵃ; die hauptsache ist immer und immer die, dasz er das wild vor dem winde behält Tschudi thierleben der Alpenwelt 355; der knabe hatte die thiere hinter dem winde umgangen 364; (daher wohl pfälz. ich bin hinner wind 'auszer gefahr'); diese anschauung wird auch übertragen im sinne von 'merken' (mnd. unter den wind komen, merken): etwas kam ich wohl unter deme wind, konnte aber nicht erfahren, wie oder was Schweinichen (1820) 2, 96; ob ich wol alle mittel und wege versucht, auch auf sie gelauret, wie ich möchte hinter den wind kommen, habe ich doch bis daher nichts erfaren H. J. v. Braunschweig 403 Holland; vielleicht gehört hierher auch der ausdruck nach dem winde gehen, wenn er nicht ähnlich gedacht ist wie der gleichbedeutende den mantel nach dem winde hängen (oben sp. 242):
seine hände heben ..
zu dem, der lieber uns will sonder glauben wissen,
als dasz man seine furcht ausz furchten ein soll schlieszen
und nach dem winde gehn
Opitz ged. (1690) 1, 6.
γγ)
dahin gehören denn auch eine reihe weiterer redensarten, von denen wind bekommen (kriegen) im sinn von 'merken' die bekannteste ist: einen hall oder wind bekommen Riemer polit. hasenkopf 85; sobald sie aber wind bekamen, dasz der zaar mich im land zu behalten entschlossen Simpl. 2, 793, 15 Keller; den ersten augenblick aber, da ich von der deutschen wider die römische dienstbarkeit rühmlichgefaszten entschlüszung nur wenig wind bekommen, habe ich vorsätzlich das ewige feuer ausgelescht Lohenstein Arminius 1, 72ᵃ; diese hatten von der ... schlacht vor Dresden wind bekommen Arndt werke 1, 190; weil aber die Römer gleichwol hiervon wind kriegten, oder zum minsten argwohn schöpften Lohenstein Arminius 1, 808ᵇ;
weil ihm herr und frau so sehr gewogen sind,
so kriegt er ganz gewisz von allen sachen wind
Gottsched deutsche schaubühne 6, 437;
man kann nicht wissen, wie's verschwätzt wird, wie er wind kriegt Göthe 11, 107 Weim.; wir hatten den tag vorher durch unsre spionen wind gekriegt, der Roller liege tüchtig im salz Schiller 2, 91 (räuber 2, 3); der kommandeur kriegt wind, dasz ich bei Westfal gejeut hätte Ompteda drohnen 195; vgl. auch tirol. Schöpf 817, els. wb. 2, 836 (wind bekommen); lothr. Follmann 543ᵃ (wind grijə von ebbs); früher hiesz es auch wind vernehmen:
da sie nu vernahmen den wind
von des Tilly crabaten
Opel-Cohn 30 jähr. krieg 248, 8;
so sie (die fischotter) wind von denen menschen vernehmen Fleming vollkomm. teutsch. jäger 113; sonst vgl. wind spüren Peter Schlesien 2, 68; wind holen 'gegen den wind heraufsuchen', wind suchen 'die nase hochtragen' Kehrein waidmannspr. 328; einer sache unter wind kommen Chemnitz schwed. krieg 2, 391; etwas in wind bekommen Hohberg georg. 3ᴵᴵ, 343ᵇ. dem zusammengesetzten perfect dieser ausdrücke entspricht häufig das einfache wind haben: ferner so haben sie (d. bären) eine gute nase, dasz sie leichtlich von ferne den wind von etwas haben können Täntzer Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 1, 67; (kranichen ist) mit dem schusz sehr übel beizukommen, indem sie fleiszig wacht halten, und sobald sie einen Europäer mit schieszgewehr merken oder wind davon haben, fortgehen Vogel ostind. reiseb. 56; weil mein herr von meiner einfalt wind hatte Simpl. 1, 154, 6 Keller;
weil sie (die jungfern) aber meistens doch lieber jung als alte nehmen,
fehlt es nicht, sie haben wind, was dabei sei für bequemen
Logau 336 (2 taus. 6. hd. 39) lit. ver.;
aber er musz wind gehabt haben. denn er war nicht so ganz unbereitet Lessing 2, 413 (Emilia Galotti 3, 2); und konnte folglich keinen andern schlusz aus allem ziehen, als dasz man wind von ihm habe J. Paul (1826) komet 3, 89; kann wohl sein, dasz er wind davon hat, wie er auf die welt gekommen ist Heyse nov. 2, 382;
die jagd war kurz, doch gut:
mein riecher hatte gleich den rechten wind!
Gött mauserung 35 (2, 2);
vgl. auch tirol. Schöpf 817. veraltet ist die verbindung wind geben, 'geheime nachricht geben': ich wollte es .. überlegen, wie es anzufangen wäre, und ihr ehister tage wind davon geben Chr. Reuter Schelmuffsky 1, 60 ndr.; diesem nach bestellte sie den Lepidus ... in den servilischen garten; gab dem Antonius aber wind und schlüssel Lohenstein Arminius 1, 1227ᵇ. den wind abgewinnen, sich in der richtung des windes heranpürschen: du muszt ihm (dem hirsch) den wind abgewinnen O. Ludwig 3, 21; endlich sieht er von ferne das stattliche thier, .. jetzt den wind abgewonnen, stundenlang auf umwegen über eis und klüfte und gräthe geklettert! Tschudi thierleben der Alpen welt 510. der gaunersprache gehören an: einem sonne und wind abgewinnen (beim zweikampf) Avé-Lallemand gaunerthum 2, 381, wind wissen, bescheid wissen (Hallscher lattcherschmus) Kluge rotwelsch 1, 493 und wind halten, acht haben (Luzerner turmbücher 1583) Kluge ebd. 1, 126: Lenninger, halt wind, .. das ist, soldat hab acht Kluge ebd. 135 (Schwenters steganologia [um 1620]).
δδ)
daher heiszt wind schlieszlich soviel wie 'geruch': der kolkrabe ... hat einen sehr starken wind; dasz gewisz zu glauben, dasz derselbe auf eine stunde weit vom aase oder luder wind hat Döbel jäger-practica ² 1, 82ᵃ; und darum sagt Luther bösen wind haben, wie wir sagen, 'in bösem geruch stehen': das weisz aber ich wol, dasz ich bei den herrn und pauren bösen wind gehabt, die geistlich herrn jagten mich als wilpredt (von Karlstad) 18, 445 Weim.
c)
bildlich. mit zahlreichen abstracten begriffen verbunden bezeichnet wind soviel wie 'wirkung, einflusz'. zwar schwebt dabei das bild des wehenden windes bald mehr von der seite seiner schädlichkeit vor, bald mehr von der seite seiner flüchtigkeit oder nichtigkeit; da aber eine trennung nach diesen gesichtspuncten einen groszen rest liesze, soll für die beispiele in der hauptsache die zeitliche reihenfolge maszgebend werden, die auch ihre vortheile hat: laszt uns wachsen und stark werden in Christo, dasz wir nicht, wie kinder, mit allerlei wind der lehre uns wehen lassen Luther 51, 225, 7 Weim.;
die winde falscher lehr
manch haupt im reich umgehen
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 44;
früh mir selbst überlassen, ohne führer dem wind allerlei lehre .. preis gegeben Haller restaur. d. staatswiss. 1, v; ich ... gemeinet het, dasz der ungeheuer prinnent wint der untugent des neides niemant bekümern noch berüren möchte Arigo 241; die er bisz in den tod bestendig und im treu achtet, die fielen in dem ersten wind der not ab S. Franck chronicon Germaniae 113ᵇ; darumb man so vil findt, di jetz schwanken, jetz gar abfallen, jetz zufallen etc., wie si der wind ihr unstettickeit treibt Eberlin v. Günzburg 3, 18 neudr.;
denn du, mein gott und herr, erhebtest mich dein kind,
dasz mich nicht letzen kan des hasses scharfer wind
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 2, 4;
sie wuste auch meisterlich ihn mit dem winde dieser eitelkeit zu speisen Lohenstein Arminius 1, 401ᵇ; ihre (der liebe) glut wird nicht ausgelöscht, es mögen auch die winde der sterbenden zufälle rasen, wie sie immer wollen Ziegler asiatische Banise 130; nicht blosz der wind der zufälle bewegt mich nach seiner richtung Bode Montaignes ged. u. mein. 3, 12;
für denen beug dich nicht, die von den stolzen winden
der groben dünkelei sich strotz- und trotzig finden
Logau 562 (3. taus. 8. hd. nr. 4) lit. ver.;
unsere sprache ... würde von den winden der mode und des leichtsinns nichts zu befürchten haben Lenz ges. schr. 2, 322; wo etwan der wind des glücks, welches uns bisz anhero so sehr zuwider gewesen, zu unserm vortheil und besten sich wendete junker Harnisch 151;
wie schnell hat sich der wind des autorglücks gedrehet!
Uz 390 ndr.;
über dies weisz ich auch sehr gut, wie leicht einem der wind der laune und mode .. beifall entgegen wehen ... könne Bürger 323ᵇ Bohtz;
der durch verdienst sich auf den thron geschwungen,
den stürzt der wind der meinung nicht so schnell
Schiller 15 ii, 464;
wir folgen den neigungen unsrer begierden, links, rechts, bergauf, bergunter, wie der wind der gelegenheit eben bläset Bode Montaignes ged. u. mein. 3, 6; wie viele ehrliche männer haben nicht ihr gewisses einkommen an den nagel gehängt .., um den wind der gunst des königs oder des glücks zu suchen? 2, 248; in diesem erzwindbeutel hat gott der herr einmal alle winde des zeitalters .. einfangen wollen Immermann werke 1, 161;
das ist der wind der reaction
mit mehltau, reif und alledem!
Freiligrath dichtungen (1870) 3, 170;
trüber aussicht unheilsterne,
frost'ger zeitung böse winde,
unzufriedne nah und ferne
sind, was ich begreiflich finde
Rückert werke 2, 525;
wenn das feuer der Berliner straszenpolitik durch den wind der placatenpresse und der clubs angefacht wurde, so gab es auftritte, die zu den schmachvollsten in der preuszischen geschichte gehören Bismarck reden 1, 71; so war ich denn allein, ausgestoszen in die weite welt ... und dem wind des schicksals völlig preisgegeben Rebmann Hans Kiekindiewelt ² 27.
2)
wind in übertragenem sinn als 'luft in absichtlich hervorgerufener bewegung im beschränkten raum'.
a)
die in der windbüchse zusammengepreszte luft: man siehet auch heut zu tag eine art von büchsen, welche man ohne alles pulver nur mit wind zu laden pfleget Abr. a St. Clara etwas für alle 2, 125; vgl. auch windbüchse.
b)
der wind, der durch den blasebalg feuer anfacht: wan ir haben eisin und kolen und wind in den balg holen, so künden ir wol schmiden Eulenspiegel 67 neudr.;
sie (die blasebälge) machten all ein groszen wind
Spreng Ilias 263ᵇ;
der luftzug eines gebläses überhaupt Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 849; besonders der strom des gebläses in schmelzöfen; daher eine masse in den wind bringen, sie der wirkung des gebläses aussetzen Lampadius handwb. der hüttenk. 218.
c)
die zugluft eines ofens: deszgleichen sol .. spacium hinden im ofen sein, damit der wind dardurch in ofen hinauf gehen, und das feuwer treiben kann Ercker beschr. aller mineral. ertzt 6ᵇ; s. windofen.
d)
der luftdruck einer pumpe: die pompen, die das wasser durch den wind gezogen Agricola bergwerkb. (1621) 139.
e)
dann der wind, der die orgel zum tönen bringt (vgl. auch Alberus nov. dict. genus 59ᵇ): das erste geschlecht der musicalischen instrument, welche alleine durch den wind .. lautend gemacht .. werden Agricola musica instrumentalis 8; oder (die musica) wird .. geübt durch blasen und künstlich gemachten wind, alls in pfeifen, orglen C. Spangenberg v. d. musica 34 lit. ver.;
ich bin mit winde (für die orgel) schlecht versehn
Stoppe Parnasz 30;
auch im bild: so, wie's die kehlen gaben, oder wie's der wind der leidenschaften stärker oder schwächer in die dünnern oder dickern pfeifen blies Bode gesch. des Thomas Jones 2, 83; s. auch windkasten, -lade, sowie windeinführung.
f)
die menschliche mundluft bei der trompete, flöte u. ä.; vgl.windinstrument:
wenn er beim hochzeitfest
aus vollen backen wind in die trompete bläst
Dusch werke 329;
so musz man die grosze klappe dazu aufmachen und den wind mäszigen Quantz anweis. 37.
g)
die atemluft, der atem überhaupt; oft mit einem verdeutlichenden zusatz: es ist ein brodem und wind aus dem maule Luther 27, 536 Weim.; ein blast, luft oder wind (spiraculum) Zwingli dt. schr. 1, 59; die den wind oder athem verkaufen, glatte wort schleifen S. Franck sprichwörter 1, 6ᵇ; zum andern macht es (das farzen) luft umb das herz, das man wind und athem haben kan Lindener katzipori 161 lit. ver.;
wenn mir, liebste, nur beginnt
umb die lippen her zu wehen
deines mundes süszer wind
Königsb. dichterkreis 87 ndr.;
schonen uns auch fremde glossen,
geben gar die hausgenossen
unsern feinden zung und wind
Günther ged. 81;
soll mir etwa eine nusz in dem schlunde stecken bleiben
oder etwan eingemacht wind' und leben von mir treiben?
(Schönaich) gnissel 40;
spar' den wind
in deiner müden lunge
Müllner werke 3, 72;
aber auch ohne erläuternden zusatz:
richtet mich doch ein wenig auft,
ich lig sehr nidrig mit dem haupt.
gottlob, nu hab ich wider wind
Stricker schlemmer (1584) m 1ᵃ;
aber blase ich hier vergebens den wind in die welt kunst über alle künste ein bös weib gut zu machen 135 Köhler; der sasz, wie er sich voll gefressen und gesoffen het, und blies und blies, wolt im der athem zuͦ kurz werden, im fahl dasz (obwohl) er windes genugsam het Lindener katzipori 87 lit. ver.; sodann preszt er mit verwendetem halse den andächtigen wind hervor, mit welchem er gott loben und seinen nächsten erbauen will Rabener werke 6, 21; im sinne von 'rede, klage, seufzer':
ach, herr, ach! lasz mein leid, stim und geheul geschwind
auch dein treuweiches herz, ohr, antlitz nu bewögen,
bald meines munds, augs, muhts, klag, zeherflusz und wind
zu stillen, drücknen, lögen!
Weckherlin 2, 101 Fischer;
wegen der bildlichen verwendung von wind als 'prahlerei, flausen, hohle worte', die wohl auch in der verwendung von wind als 'schnauben, blasen' einen ausgangspunct gehabt haben kann, s. unten B, sp. 256.
h)
'blähungen' s. unten C.
B.
wind als 'luft' überhaupt. gewöhnlich wird bei dem ausdruck wind also auf die stärke der bewegung wert gelegt, auf das wehen, im gegensatz zu luft, das eher den stoff des windes bezeichnet; daher konnten auch beide wörter als windesluft mit einander verbunden werden:
wie unser leib sei gefüget ...
usz den vier elementen:
usz truckner erd, usz wassers tuft,
usz haiszem feur, usz windes luft
Hätzlerin liederbuch 267, nr. 68;
vgl. mnd. dat alle ere schone waerde (worte) und schrivent (schreiben) wynt in de lucht geslagen sy und nachher luft und wind (sp. 260). da aber die luft für den gewöhnlichen menschen auch nur durch ihre bewegung bemerklich wird, nähern sich die beiden begriffe einander, zumal in der alltagssprache, und wind kann geradezu im sinne von luft gebraucht werden.
1)
die vorstellung der bewegung ist noch vorhanden.
a)
so bezeichnet wind zunächst noch mäszig bewegte luft: er soll ihn führen zu einem grünen baum und anknüpfen an seinem besten hals, dasz der wind unter und über ihm zusammenschlägt (alte formel) Freytag 20, 46 (bilder 3, 1); so schlägt denn doch endlich die flamme in einem winde übers ganze zusammen Göthe III 1, 109 Weim.;
wenn flammen grimmig wallen,
sich wind erzeugend, glühn von eignen winden
I 6, 40;
vgl. mhd. des viures wint, der viuwerrôte wint Lexer; scherzhaft gemeint ist darum auch zunächst die westf. redensart an'n wind setten, den mieter auf die strasze setzen; sie ist hergenommen von dingen, die man zur ausdünstung, abkühlung u. dgl. an die luft setzt. der wind der nase, der beim schnauben erzeugt wird, gibt gelegenheit zu der älteren redensart viel winds in der nasen haben, herrisch, übermütig auftreten: und war bemelter aff so voll (betrunken) und het viel winds in der nasen Berlichingen lebensbeschrbg. 25;
du bist ein fremdling und auslender
herkommen auch in unser stat,
der vil winds in der nasen hat,
und woltst uns gern all regiern
H. Sachs 10, 30, 8 Keller;
in übertragener verwendung: es muͦsz des winds vol sein, der übermütig sich des winds überhebt S. Franck sprichwörter 1, 133ᵃ;
b)
ferner wird es nicht selten mit bezug auf 'worte' gebraucht:
dine wort sind luft und wind
Mone schausp. d. mittelalt. 2, 336 v. 3767
in worten ist nicht dann loser wind Petrarcha trostbücher 196ᵇ; aber alle sein rede sich in wind bekeret Arigo 403ᵃ;
dein alter hat nur wort und wind
Venusgärtlein 188 neudr.;
sie nur umb slichten wint und wort gekriegt haben Kantzow chronik v. Pommern 297 Gäbel; ich kan mich auch nunmehr allen wind und klapperei so nicht lassen einnehmen H. J. v. Braunschweig 294 Holland; die übrige (reputation) bestünde in wind und worten Chemnitz schwed. krieg 1, 169; den wind von complimenten J. E. Schlegel sammlg. v. schausp. (Wien 1764/69) 2, 8; das ist ein wind und gewäsch, dasz eine schand ist Göthe IV 2, 105 Weim.;
verweht in schöner worte wind
Fouqué held des nordens 2, 167;
deshalb kann man die redensart wind vormachen noch ganz wörtlich auffassen im sinne von 'leere worte vorreden': ich weisz nicht, was er seinen eltern unt befreunden noch mehr vor wind vorgemacht irrgarten (1763) 552; weil er vielleicht seine ursachen mag gehabt haben, seinem bruder in Elstra solchen wind vorzumachen Lessing 17, 22; sie haben mir doch wind vorgemacht! Lenz 1, 224; sodasz der meister wohl zuletzt glauben muszte, ich mache ihm eitel wind vor, während ich doch nur die reine wahrheit sprach Gaudy werke 2, 116. hierhin kann auch gehören das einfache wind im sinne von 'gerede': mit einem deutschen nationaltheater ist es lauter wind Lessing 18, 245; dasz sie (die klinge) aus einem einzigen demant geschliffen sein sollte ..., ist nicht wahrscheinlich; pfiff, unmöglich, wind, bloszer dunst maler Müller werke 3, 35; 'Euripides ... läszt den Dionysos schon nach Indien wandern'. — nach Indien? wind! nicht weiter, als nach Medien und Baktra Voss antisymb. 1, 86; wie wird es denn mit dem enkel? war es wind? Bismarck br. a. s. br. nr. 492; dagegen bedeutet wind in die ohren jagen 'einen schmeichlerisch loben':
man tanzt respekte vors gesicht
und jägt wind in die ohren
Herder 1, 11;
ich ging daher täglich in sein bilderkabinet, und ich und ein junger maler wir lieszen jedesmal so viel unschuldigen wind (lob) in die ohren des ungeheuers nachlässig fahren, als zwei menschen machen können J. Paul werke (1826) 15, 37 (aus des teufels pap. 1, 37);
c)
dann gilt wind auch vom 'geist' (spiritus), besonders auch vom 'hlg. geist': und der wind gottes schwebet auf dem wasser Luther 24, 24 Weim. (1. Mos. 1, 2); vgl.: in der ebreischen sprache ist wind und geist gleich ein name; .. wenn es ein wind heist, so ists das, dasz die luft untereinander her wehet auf der tiefe 27; ein geist oder ein wint erste dt. bibel 3, 65; ebenso Zwingli dt. schr. 1, 58.
2)
man sieht aber von der bewegung auch völlig ab und hat höchstens die bewegbarkeit im auge, sodasz wind
a)
genau unserem luft entspricht:
(Apollo) liesz geschwind
ein scharpfen pfeil gehn in den wind
Spreng Ilias 2ᵇ;
sichs (die trutz-nachtigall) hebt in wind hinein,
den lären luft zertreibet
mit schwanken federlein
Spee trutzn. 4 str. 10;
vgl. darum auch im göttingisch-grubenhagischen in den wind slân, in die luft schlagen, nichts treffen Schambach 298ᵇ.
b)
dann bezeichnet es ohne weiteres den leichten stoff, der einen hohlraum füllt: ich hab biszher nichts davon gehabt, als einen mund voll wind Schupp freund in der not 29 neudr.; der adel, da kein tugend und freundlichkeit an ist, der ist wie eine blase voller wind, die sonst nirgend zu nützet Moscherosch gesichte 2, 356; es war dieser kerl eine geraume zeit auf universitäten gewesen, alda er aber an statt der tugend .. sich einen leeren kopf voll wind gefangen pol. colica 14;
.. wenn er hochmuthsvoll mit winde schwanger geht
Günther ged. 416;
er vermied die stolzen grillen,
die so manchem Ikarus
seinen kopf mit winde füllen
Neukirch gedichte 20;
staatsleute voller wind Zachariä schr. 1, 82; sein beutel ist voller wind K. G. Lessing mätresse 49, 16 neudr.;
die eitelkeit, gefüllt mit wind
Arndt werke 5, 194;
im Elsasz sagt man darum auch übertragen der hat wind im leib, er ist leichtsinnig (els. wb. 2, 836).
c)
als gegensatz zu etwas festem. daneben wird wind anschaulich den festen speisen entgegengesetzt und schon mhd. gesagt des windes leben, von der luft leben; entsprechend heiszt es auch mehrfach im nhd. so: vom winde hätten sich ifg. auch nicht ernähren können Schweinichen 190 Österley;
was aber speis ich mich mit schatten, dunst und winde
und baue mir ein schlosz hoch in die weite luft
Hoffmannswaldau heldenbr. (1696) 109;
er bekennte, dasz die Römer ihn zeither freilich mit winde gespeiset .. hätten Lohenstein Arminius 1, 1283ᵃ;
ein langes warten
speist die hoffnung oft mit wind
Günther 262;
auf reisen lebt man nicht vom winde
150;
jetzt nun aber brauch ich geld — denn niemand lebt vom winde Göthe IV 3, 14 Weim.; vom winde leben ist so eine stehende redensart geworden sowohl in früherer zeit (des winds leben Faber thesaur. 697ᵇ; er lebt allein vom wind Eyering 2, 390; Schottel 1115), als auch mundartlich, z. b. in der Eifel (de lêeft vam wenk Gierlichs sprichwörter aus der Eifel, rhein. geschichtsblätter 5, 130). so führt alles darauf hin, dasz wind mehr und mehr den sinn des 'unfesten, unbedeutenden' bekommt. so redet man anschaulich auch vom bauen in den wind: was lob und ere auf menschliche macht .. gepaut, das ist auf sande und in wind gepaut Berth. v. Chiemsee teutsche theologei 615; wie vil thürn hab ich im wind gebauet, wie vil eitele gedanken hab ich gehabt Albertinus verachtung desz hoflebens 135ᵃ; oder von dem fassen des windes:
so nah mir auch dein flüchtig haar
in D — — und in B — — war,
so schamroth kriegt ich wind zu fassen
Günther 201;
der eitle
hasche den leeren wind, der nur die leeren beglückt
Herder 26, 23;
das hofften wir, und griffen — in wind Göthe 37, 222 Weim. daher stammt auch die ältere redeweise den wind schlagen im sinn 'etwas vergebliches thun': wer zu schweigens zeiten redt, der schlegt den wind und predigt eim tauben S. Franck sprichwörter 1, 115ᵃ; vgl. auch Schottel 1141 und Schellhorn 110. noch anschaulicher klingt:
wie wenig saat (satt) macht küssen!
es heist in wind gebissen
Logau sinngedichte 409 nr. 4 lit. ver.
d)
so wird wind schon früh so viel als 'nichts, nichtigkeit'.
α)
schon mhd. heiszt es:
ir schœne dunket mich ein wint
troj.-kr. v. 8305;
u. mnd. dat is my recht so ein wint. reichlichere belege liefert erst das nhd.: (alle dinge) werden also auszgewischet und gemindert, wie ein groszer wald, der zu wenigen äschen wird, und dieselbigen äschen zu wenigem vitrum, und dasselbige vitrum zu einem kleinen berillen, und die berillen zu eim wind Paracelsus opera 2, 7ᵃ; also auch die irdischen sinn und gedanken, kräft und gemüt faulen müssen und zu einem wind werden 2, 384;
ein dichter und chymist sind beides gleiche thoren,
der suchet gold durch gold, und jener durch verstand;
zuletzt hat dieser wind, der kohlen in der hand
Neukirch gedichte 147;
ich seh, dasz Lucide hier nichts als wind gewinnt
A. Gryphius lustsp. 371 v. 120 lit. ver.;
weil sie .. ihnen nach versprechung güldener berge das maul aufgesperret, aber nichts als wind geliefert hatten Lohenstein Arminius 1, 931ᵇ; zumalen wenn sich in solchen schriften .. elender wind .. antreffen lassen Schnabel ins. Felsenbg., vorrede 4; schwulst aber deckt .. wind oder eine wunde Herder 22, 278;
der kalten brust fehlt kraft und lust
und ihre that wird wind
Arndt ged. (1860) 271;
die scheinbare botanische kenntnis dieser Kalmükken .. löste sich bald in wind auf Ritter erdkunde 2, 965; daher auch das sprichwort vom verkaufen des windes: den wind verkaufen S. Franck sprichw. 2, 11ᵇ; wind und wort verkaufen Eyering 2, 57;
wind wil ich euch nicht verkaufen,
den schatz sollt ihr haben bald
Reinicke Fuchs 181;
betrug verkauft den wind Lehmann blumeng. 107; wer ... mit guter art weder zu betrügen, noch der welt wind zu verkaufen weis, erscheint sehr selten in einer glänzenden gestalt Uz 343 neudr.
β)
so berührt sich wind schlieszlich innig mit ausdrücken wie dunst, rauch, schatten, mit denen es öfter zusammensteht: was sint wir anders dann ain schatt und winde Nikl. v. Wyle translat. 125, 9; die hochheit aber, so nichts als ein pur eiteler blasdunst, wind, ja kaum so viel ist Guarinonius greuel der verwüstung 282;
denn diesz (das zeitliche) ist schatten, rauch und wind
und lässet sich wie staub verwehen
S. Dach 335 Österley;
ehr' und würd' ist nur ein schatten,
ein gespenst, ein wind, ein rauch
Brockes 1, 226;
es ist wind und federn Bödiker grundsätze der deutschen sprachen 286; wind und dunst Gottsched ged. 1, 423; rauch und wind Eichendorff werke (1864) 3, 403; lügen und wind Kortum Jobs. 1, 96; spreu und wind Triller poet. betracht. 3, 430; schall und wind Hoffmann v. Fallersleben schr. 4, 169.
γ)
in dieser bedeutung 'nichtigkeit' erscheint wind auch in redensarten wie wind sein, für wind achten u. s. w.:
was ich von hübschen lüten
ye gesach, ist als ain wind
Hätzlerin liederbuch 264;
dein (des kläffers) liegen acht ich als den wind
48;
ir vechten ist gen uns als ain wint
fastnachtsp. 589, 29;
aber alle seine hoffnung wind was Arigo 498, 22;
dese gote di sint alle ein wint,
wan su steinin und hulzin sint
Katharinenspiel 131, 62;
mein schäfer, der vor mich sie (die nebenbuhlerin) schätzt vor wind und spreu,
besitzt auch sonder falsch mein herz und meine treu
A. Gryphius lustsp. 373 v. 171 lit. ver.;
in kurzer zeit habe ich grosze dinge gelernt, dagegen sind alle schulen ein wind J. u. W. Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 285;
männern weisz ich wohl zu trotzen, und das schicksal acht' ich wind
Rückert werke 5, 284;
mein freund, an mich kannst dich verknusen nach belieben, das ist mir wind Rosegger weltgift 337. vereinzelt auch von einer person: wo der direktor ein dummkopf und .. der unternehmer ein wind ist neue schauspiele (1771ff.) 7, 85.
e)
aus diesen verwendungen ergiebt sich für wind nach und nach ein übler nebensinn;
α)
so ist es gleichbedeutend mit 'blendwerk, prahlerei, flausen, lügen', zunächst noch mit anspielung auf die bewegung des wirklichen windes, nach und nach aber auch unabhängiger: also leret und thut, mein liebsten, und last euch keinen andern wind der lere bewegen, er wehe von Rom odder von Jerusalem Luther 12, 149 Weim. (vgl. auch oben sp. 251); auf dasz wir uns nicht von allerlei wind der lehre wegen und wiegen lassen, wie Paulus warnet kirchenordnung f. Braunschweig (1569) 16; als do sein etlich verzweifelt pfaffen und verlaugent münich, .. si sein wolken on wasser götlicher gnaden und schweben umb im wind ires hochmuoets Berthold v. Chiemsee teutsche theologei 93; wofern aber je leut vorhanden weren, die dich gern loben, erhöhen und dir den wind des hochmuts anblasen wolten Albertinus der welt thurnierplatz 22;
die Griechen sein zue wind und eitelkeit geneiget
Opitz teutsche poemata 205 neudr.;
in warheit diese ist wichtiger als der eitele wind aller verzweifelten liebhaber Lohenstein Arminius 1, 405ᵃ;
man sucht des höchsten lehre
zu dämpfen durch den tand! und für den wind der zeit
zu rauben den besitz der heil'gen ewigkeit
A. Gryphius trauersp. 220 v. 159 lit. ver.;
der eine theil von uns strebt nach der ehre wind;
der andre läuft und rennt: was sucht er? nichts als geld
Brockes 4, 143;
wenn ihm eine stelle in der rede des Cicero nicht gefällt, so spricht er gerade weg: das ist ein windstreich, ein luftstreich, oratorischer wind Liscow sat. u. ernsth. schr. 771; wie oft bedauertest du die mädchen, die sich durch das blendwerk und die winde dieser jungen stutzer verführen lieszen? Petrasch lustspiele 2, 330;
dasz viele kluge darben müssen,
blosz weil sie mehr, als andre, wissen,
und zu betrug und list zu blind,
zu grosz zu pralerei und wind,
nicht knechtisch gnug zu schmeichlern sind
Gellert schr. (1769) 1, 216;
in dieser gesellschaft wird die deutsche sprache, in jener die deutsche ehrlichkeit, in dieser der französische wind, in jener die französische sprache wechselweise lächerlich und beschämend, oder anständig Herder 3, 291; den leeren wind der projectmacher und enthusiasten hat kaum jemand wie er erfaszt und geschildert 23, 181; die befestigung und erhaltung einer würdigen konstitution blieb dem gallischen glück überlassen, das immer viel wind geführt hat E. M. Arndt geist der zeit 343; wenn die wilde herausfordernde weise (des Dessauer marsches) jetzt auf friedlichen exercirplätzen erklang, so lachten die Deutschen über den 'preuszischen wind' Treitschke deutsche gesch.³ 1, 48; eitel wind Holtei vierzig jahre 2, 384; leerer wind Hebbel briefe 7, 257; im plur. sich mit winden brüsten Knittel poet. sinnenfrüchte 117;
falschheit, wind
Hoffmannswaldau heldenbr. (1696) 77;
verzehre ich nicht geld genug im lande, oder ersetze diesen mangel nicht durch wind und ränke Knigge roman meines lebens 3, 11; 's sind gewisz diebe, und das nachlaufen nach einer frau ist nur vorgeben und wind Bode gesch. des Thomas Jones 4, 37; was erzählte die Hülsmeyer? — ach gar nichts, lügen, wind! Droste-Hülshoff werke 2, 285; mundartlich: das sind lauter wind (lügen) Leoprechting aus dem Lechrain 296; vgl. auch Schmeller 2, 950 f.
β)
hierhin stellt sich sachlich jedenfalls die redensart wind machen 'flausen machen, groszthun, prahlen', die auch mundartlich belegt ist (Schöpf 817; elsäss. wb. 2, 836); s. auch unten windmacher: wenn man von seiner gelehrsamkeit einen staat oder wind machen will die vernünft. tadlerinnen 1, 182; er kann sich nicht überwinden, seine medicamente mit einer etwas zuversichtlichen miene anzupreisen; .. mit einem worte, er macht nicht wind genug Rabener werke 2, 213;
elender wurm! machst du so groszen wind,
und weiszt noch nicht, dasz bäume sind
Ramler fabellese 2, 294;
über materien, worüber man sonst nur brauset und wind macht, .. spricht sie (Mendelssohns stimme) mit philosophischen gründen Herder 15, 129; Krüger, der ehemals in Weimar (als schauspieler) engagirt war, ist mit ihm associirt; sie machen erschrecklichen wind, scheinen aber doch viel geld einzunehmen Schiller an Göthe 463; der Normann macht gern wind, er lügt und prahlt gern Arndt christliches u. türkisches (1828) 195;
einfältig, still und rein und klar,
wie kleine kinder sind,
steht's fest in noth und todesfahr
und macht nicht lauten wind
Arndt ged. (1860) 319;
viel, so stets im neste sind,
machen von der stille wind
Lichtwer äsopische fabeln 168;
es macht sein haus von auszen wind,
und drinnen hungern gesind' und kind
Bauernfeld ges. schr. 3, 24.
der refrain ach! mache wind! (Schönaich oden [1761] 130f.) musz wohl im 18. jh. eine ironisch ablehnende redensart der umgangssprache gewesen sein mit der bedeutung: 'ach, geh mir doch, du flunkerst mir ja was vor'. als quelle der wendung kann aber auch die sitte der taschenspieler in betracht kommen, über die von ihnen verwendeten gegenstände hinwegzublasen (sp. 243); darauf weist die stelle: man musz nach taschenspielers art ein wenig geschwind sein und brav wind machen, damit nicht die zuschauer merken, dasz es ganz natürlich damit zugehe Stahl gewehrgerecht. jäger 220, 26. erst nachträglich ist die verbindung auch im wortspiel an andere ursprüngliche bedeutungen von wind angelehnt worden:
fechel, wind zu machen:
mehr noch solche sachen
sind bei hof im haufen
Logau sinngedichte 347, nr. 5, 10 lit. ver.;
der Blocksberg ist der lange herr philister,
er macht nur wind wie der
M. Claudius im studentenlied: bekränzt mit laub;
der apotheker muszte sich bekanntlich seines leiblichen bruders schämen, weil er ein bloszer balgtreter war, und keinen andern wind machte als musikalischen J. Paul (1826/8) 2ᴵⱽ, 7 (Hesp. 3, 7); doch vgl. auch:
weil ihm wind machen (farzen) zu gemein,
weil sein mund plaudern wolt allein,
must ihm das grimmen tödlich sein
Weckherlin ged. 2, 443 Fischer;
f)
nur ausnahmsweise entbehrt wind dieses tadelnden beigeschmacks fast ganz und ist so viel wie 'aufsehen': er macht einen wind, welcher seines gleichen nicht hat .. er hat eine neue entdeckung gemacht, welche die ganze physiologie, chymie, naturgeschichte in neue formen wirft Forster briefe 120; so noch wienerisch Hügel 190.
C.
weitere sonderverwendungen.
1)
im sinne von 'wind im leibe, blähung', wie schon im mhd. bei Megenberg; Nemnich lex. nosol. 17ᵉ: wer vil windes in dem leib hat, der macht das er trunzlen laszt und bösen thon gibt Keisersberg brösamlin 2, 51ᵇ; auch so macht vil brosam des brots wind im bauch Dryander d. ganzen arzenei gemeiner inhalt 30ᵃ; (das brot im magen) zu einem teig .. wird, den ganzen leib mit wind und blast anfüllet Guarinonius greuel der verwüstung 741; angeblich aus der in den speisen eingeschlossenen luft entstehend: solcher dampf aber nimbt fast sein ursprung aus den speisen, so in sich vil wind schlieszen 889; in verbindungen wie: einen wind lassen Faber thesaur. 600ᵃ; einen faulen wind faren liesz Luther 30ᴵᴵ, 383 Weim.; einen w. streichen lassen C. Weise erznarren 200; mit dem hindern ein wind machen S. Franck chron. u. beschr. d. Türkei F iii; ein w. entweicht dt. volksbücher 1, 15 Simrock; ein zurückgehaltener wind Heinse 2, 93; verschlagene winde Salzmann C. Kiefer 29; verschlossene, verschossene, versetzte winde u. dgl. Höfler krankheitsnamenb. 806ᵇ. vereinzelt 'rülpsen, niesen' und 'schnupfen', letzteres als wind der lunge: wir bringen dreierlei art winde hervor; derjenige, welcher unten abgehet, ist zu schmutzig; derjenige, welcher aus dem munde aufsteigt, hat das tadelhafte, dasz man ihn der gefräszigkeit zuschreibt; die dritte art ist das niesen Bode Montaignes ged. u. mein. 5, 288; der magen ist mehrmal sehr übel content, und seind dessen aufsteigende wind und grellpitzer nichts anderst als lauter klagreden wider den tyrannischen koch Abr. a St. Clara etwas für alle 1, 609; die unsterblichkeit eines autors gründet sich daher bald auf die gesundheit, bald auf die kränklichkeit eines kritikers, und sehr oft tadeln die winde des unterleibs, was die winde der lunge (die schnupfen) loben J. Paul (1826/28) 5 (1ⱽ), 55. gewöhnlich aber von den 'absteigenden winden': die ader bei den dumen geschlagen ist gut ... wider alle bösen wind des leibs Gersdorff wundtarznei xv 1ᵇ; nesselbletter .. erweichen den harten bauch, zertheilen die winde Bock kreuterbuch 2; gewisz es ist nicht ein klein theil der gesundheit, wann die wind ihren gang haben geschichtklitterung 82 neudr.;
da that er (der arzt) im pesehen
sein prunen und thet jehen:
sag mir nun, hat
dise person auch winde?
H. Sachs fab. 4, 556;
dasz unter den acht unfällen, jamer und widerwärtigkeiten .. schädlicher speis auch ungestümme wind .. begriffen sind Sebiz feldbau 4; wind und bläst im leib Gäbelkover arzneib. 1, 223; bösze, reiszende wind und aufblähung 2, 25; den winden und blähungen Hohberg georg. 3, 135ᵇ; sie verpallisadiren sich ins bauchfell eines tyrannen, hofiren der laune seines magens, und lassen sich klemmen von seinen winden Schiller 2, 30; natürlich auch weit verbreitet in der mundart: bair. genauer hinterwind Schmeller 2, 950; in Köln verfange wind, schmerzende blähungen Hönig 202ᵃ; im Elsasz böse wind in der ripp haben von einer boshaften person, els. wb. 2, 836; wienerisch Hügel 190. auch in der ndd. redensart: den bueren de winne afdrîwen, bei den bauern schmarotzen (von den städtern gesagt) Schambach 298ᵇ; im sprichwort: ein wind ist besser in der weiten welt, als im engen bauche Olearius pers. rosenthal 2, 25. auch eine daher rührende krankheit, die windkolik:
meine mutter liegt am bösen keuch,
mein kind am wind und schwerer seuch'
Göthe 3, 184 Weim.;
pflaster kneten für den bösen wind Hebel 2, 100; dann überhaupt jedes gählinge miszbehagen des körpers, jede nicht zu erklärende krankheit Stalder 2, 452; schlieszlich auch manchmal soviel wie 'schmerz', wohl infolge zusammenfalls des plur. winde mit dem subst. ²winde f. (s. d. sp. 277); vgl. blasen-, haar-, harm-, harnwinde Höfler krankheitsnamenb. 807ᵃ. für sich steht noch winde des gehirns im sinne von 'schlechter laune, zorn'; vgl. franz. vapeurs:
es fröhnt ein blinder zorn der stillen weisheit nicht,
so oft ein Timon lermt, wo man ihm widerspricht,
so oft er zischend knirscht, und ihm, bei spott und schrauben,
die winde des gehirns aus seiner nasen schnauben
Hagedorn nebenstunden 55 (8, 136) neudr.
2)
in der grammatik bezeichnete wind auch die vocale:
fünf wind darunder ich wil weisn,
A E I O V vokales heiszn
Gilhusius grammatica 61.
3)
bei den bergleuten im sinne von 'wetter' Minerophilus bergw.-lex. 719; Herttwig bergb. (1734) 425ᵃ.
4)
in der sprache der alchymie 'gas' überhaupt: niter oder salpeter .., welche giftige wind verursachen Sebiz feldbau 16.
5)
in der electrotechnik heiszt electrischer wind der wind, den der an einer metallspitze austretende electrische strom verursacht (franz. vent électrique, engl. electric wind Blaschke wb. d. elektrotechnik [1901] 14); vgl. mhd. der stehelîne wint, luftzug vom fechten Lexer.
6)
mit weiterer entwicklung der bedeutung 'witterung', auch geruch überhaupt:
von dem gestank (der leichen) ir vil verdurben
und fielen hin, wenn sie der schelmig wind anblies
H. Sachs in Wackernagel, kirchenl. 3, 72;
ferner geruchssinn bei wildlebenden thieren, belege oben sp. 251.
III.
gebrauch.
1)
der plural findet sich hauptsächlich in den bedeutungen a) 'windarten' oder '-richtungen' (sp. 236), b) 'blähungen', 'gase', 'vokale' (sp. 258), c) 'leere worte' (sp. 257).
2)
feste verbindungen
a)
mit adjectiven, attributiv: linder, leichter, starker, zarter, sanfter w. sp. 231; säuselnder, leiser, mäsziger, frischer, schneller, stürmischer, ungestümer, heulender w. sp. 231f.; wüster, scharfer, bissiger, harter, kleiner, groszer w. sp. 232; warmer, linder, lauer, schwüler, kühler, kalter, rauher w. sp. 232; schlechter, saurer w. sp. 232; fauler w. sp. 235; böser, unfreundlicher w. sp. 235; die vier winde sp. 236; der vordere, untere, hintere w. sp. 237; glücklicher, guter, günstiger w. sp. 244; böser ebd.; widriger, conträrer, ungünstiger w. sp. 245; halber, breiter, voller w. sp. 245; veränderlicher w. sp. 241; steifer w. Nettelbeck lebensgesch. (1910) 28; eitler, französischer, preuszischer w. sp. 257; verfangener, electrischer w. sp. 259; stiller w. Wander 5, 248. ähnlich prädicativ: der wind ist günstig, ungünstig u. ä.; da der wind südlich war Nettelbeck a. a. o. 64.
b)
mit verben
α)
als subject: der w. geht, erhebt sich, legt sich, dreht sich, macht sich auf, schläft sp. 233; wacht auf, steht auf, ruht, sitzt im nacken, steht günstig oder ungünstig sp. 233; erstirbt Nettelbeck a. a. o. 62; setzt sich um, in nordwesten 42; steht entgegen ebd.; weht, stöszt, streicht, stürmt, bläst, braust, haucht, pfeift, saust, rauscht sp. 233; schweigt, flüstert, seufzt, spielt mit etwas, tobt sp. 234; beiszt sp. 244; mit transitiven verben: der wind weht, haucht, bellt an, umflattert, weht um, jagt, schüttelt, stürzt, treibt, trägt, wiegt, bringt, bläst her, weht her, verschlägt sp. 234; ver- oder zerweht sp. 238.
β)
als object: den w. schlucken sp. 231; legen, stillen sp. 235; verändern sp. 244; fassen, gewinnen, haben sp. 246; abfangen maler Müller 3, 55; bekommen, kriegen, vernehmen sp. 250; geben, abgewinnen, wissen, halten sp. 250 f.; holen sp. 250; machen, vormachen sp. 254. 257; verkaufen sp. 252. 256.
c)
mit präpositionen: im winde sp. 237; vor dem wind, in den wind sp. 238f.; nach dem w. sp. 247; an dem (den) w., auf, bei dem w., durch, gegen den w., in den w., neben, mit dem w., über, unter (-halb), vor dem w. sp. 246; ähnlich weidmännisch sp. 249.
d)
mit sinnverwandten substantiven.
α)
zweigliedrige wortreihen: wind und athem sp. 252; wind und blast sp. 258; wind und dunst: Gottsched ged. (1751) 1, 423; umgekehrt vol dünst und w. sprichwörter, schöne weise klugreden 171ᵇ; wind und flut:
was schicksal auflegt, musz der mensch ertragen,
es hilft nicht, gegen wind und flut sich schlagen
A. W. Schlegel Shakespeare 8, 304 (Heinrich VI., th. III 4, 3);
wind und gewässer:
was gott pflanzt, das bleibt für wind und gewesser
Luther 18, 463 Weim.;
wind und licht: wind und licht in der luft Oken allg. naturgesch. 1, 14;
halbpart des windes und des lichts!
Müllner dram. werke 4, 65;
wind und luft: quando lux incenditur vel ignis, sols fort komen, oportet wind und luft Luther 29, 67 Weim.;
es bringn ihn (den tod) feuer, wasser, erde,
es bring ihn endlich wind und luft,
so ist's ein tod und eine gruft
Lichtwer äsopische fabeln 15;
mit umkehrung: in einen gemach, da in weder luft noch wind ergreifen mag Murner bei U. v. Hutten opera 5, 420;
nun hett der könig ein gwohnheit,
dasz er oft gieng spazieren weit
allein ohn alles hofgesind,
zu schöpfen guten luft und wind
H. Sachs 8, 559, 26 Keller;
dasz er niemands hett, der ihm luft oder wind vor dem tisch machte J. Frey gartengesellschaft 93 lit. ver.; vgl. auch oben sp. 253; wind und meer: denn wind und meer sind ihm gehorsam Marc. 4, 41; und stand auf und bedrohete den wind und das meer Math. 8, 26; (er) von dem wint und mere her und dar geworfen Arigo 76;
blau und golden ist der himmel,
still und ruhig wind und meer
Becker mild. liederb. 16;
umgekehrt:
dem meer und wind
gehorsam sind
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 328ᵃ;
wind und ränke sp. 257; wind und regen:
lig sicher drinn vor wind und regen
H. Sachs 17, 11 Götze;
dasz mir doch sicher legen (lägen)
vor wind und auch vor kalten regen
Endinger judenspiel 35 neudr.;
der das wetter vertheilt in das jahr, der läszt wechseln wind und regen maler Müller werke 1, 26; die untere seite (der wand) durchstach er, ... verstopfte sie gegen wind und regen fest mit moos 1, 57; gewöhnlicher umgekehrt, oft mit weniger gutem tonfall: aber kompt ein regen oder wind in die bluthe, so fallen sie mit haufen ab Luther 33, 648 Weim.;
dann der allmächtig, ewig gott ..
lasz sein sonn scheinen, gibt regen und wind
uber gut, bös, und wer sie sind
Fischart die gelehrten d. verkehrt. 367, v. 1389 Kurz;
in hitz, in kelt, in regn und wind
ir uns allmal ganz willig find
H. Sachs 21, 4, 2 Götze;
doch wächs't in dem arme das liebliche kind, ..
geschützt in dem mantel vor regen und wind
Göthe 3, 4 Weim.;
was die zeit nicht
tat mit regen und wind, zerstört' und raubte der mutwill
Mörike ges. schr. 1, 257 volksausg.;
in freierer form:
wol sicher stee ich (der pfarrer) in dem kor
vor regen und darzu vor wind
pfarrer v. Kalenberg 15, 289 neudr.;
er stiesz sie hinaus in der finstersten nacht
bei einigem regen und winden
Bürger 61ᵇ (des pfarrers tochter zu Taubenhain);
ging auf die jagd, setzte mich dem regen und dem winde aus Göthe 43, 166 Weim.; er jagte über stock und stein, durch wind und regengüsse Holtei erzähl. schr. 3, 146; wind und sonne: als man wind und sonne ihnen gleich ausgeteilet hatte (für den zweikampf), winkete Festus mit dem speer Bucholtz Herkuliskus 9; hochstämmige bäume ragen über junges dichtes gebüsch; man ist vor wind und sonne geschützt Göthe 24, 73 Weim.; damit .. wind und sonne in's haus kommen konnte Schröder dram. werke 1, 20; sonst umgekehrt, wobei der dichter durch abstoszung des end-e von sonne dem bedürfnis des tonfalls rechnung trägt: sie theileten sonne und wind gleich aus, und turnirten ein jeder mit gleichem muth Happel Toroan² (1689) 100; unser ehrgeiz geht für jetzt nur dahin, dasz in den noch unbesetzten strichen der erde sonne und wind zwischen den kulturvölkern ehrlich vertheilt werde Treitschke deutsche kämpfe n. f. 352;
theilt sonn und wind, wir schlagen uns, herr Sigrid
Grillparzer 5, 5;
wind und spreu vgl. sp. 256; wind und sturm:
wie die jungen tannen stehn,
wenn sich wind und sturm erheben
Neukirch gedichte 49;
er weis in winden und in stürmen ..
das schif des staates zu beschirmen.
Götz gedichte 6 (2, 31) neudr.;
wie ein blühender baum (Friedrich der grosze) .. von giftigen winden und stürmen einer herrschsüchtigen politik .. zerknickt wird Herder 17, 45; wind und wasser: wind und wasser, als ihres und eures schöpfers befehlhabere, seinen willen ausrichten Harsdörffer teutsche secretarius 1, F f 8ᵇ; sie von wind und wasser nit hetten leben können acta publ. 1, 183;
was warf das böse meer für freche wellen auf,
als wind und wasser uns bestürmeten zu hauf'!
Fleming poem. (1651) 70;
und liesze mich dahin bringen, wohin mich wind und wasser zu treiben beliebten Hafner lustspiele 1, 15;
wie horn aus dem horne lockte süszen schall,
begannen wind und wasser zu ruhn und zu rasten all
Rückert werke 12, 338;
etwas anders: der selbig .. mag vor den winden und den wasserfluten ganz nit besteen Cronberg schriften 45 neudr.; wind und wehen:
ein trieb, der nichts gebiert als wind und wehen
Lohenstein Ibrahim sultan 115;
wind und wellen. die älteste verbindung dieses sinnes ist das mnd. wind unde wage, wind und woge: dar dreef de scuthe vor wynde und vor waghe (1358) urk. im Schwer. arch.; were dat en schip vor winde und vor wage dreve an unser lant (1384) Dithm. urk. 29; to gaen vor wynt, vor wagen lieder aus d. Münst. 30, 4ᵇ (Schiller-Lübben unter wage und unter wind); so heiszt es auch: da stand er auf und bedrohete den wind und die woge des wassers Luc. 8, 24. doch tritt unsere jetzige verbindung gleich zu anfang des 16. jhs. in Oberdeutschland auf und ist seitdem üblich geblieben: so mügen ihm die winde oder die wellen nicht geschaden Tauler sermones c xiᵇ a; das schiff auf dem mör, das die wind und wellen jetz dahin, jetz dort hinaus stoszen geschichtklitterung 337 neudr.;
und bestund gar gros gfahr zu meer
von wind und wasserwellen sehr
Fischart von s. Dominici artl. leben 178 v. 1796;
(ein fels) wellicher sich nit laszt bewegen
durch wind und wellen zu dem fal
Spreng Ilias 213 b;
ihr werdet in Indien .. mit den winden und wellen .. zu handlen haben Harsdörffer teutsche secretarius 2, 84;
was fragt ein fels im meer nach winden und nach wellen?
Logau sinng. 46 (nr. 165) lit. ver.;
und manchem wird das ruder anvertraut,
dem, viel zu früh, vor wind und wellen graut
Hagedorn 1, 71;
ich .. lasse den kahn gehen, wie wind und wellen wollen Lessing 18, 284;
mit dem schiffe spielen wind und wellen;
wind und wellen nicht mit seinem herzen
Göthe 2, 73 Weim.;
ähnlich Schiller 14, 370 (Tell 4, 1); Chamisso ged. ⁸ 270; umgekehrt: unzuverlässig wie die welle und der wind Mommsen röm. geschichte 3, 33; wind und wetter. unter den zweigliedrigen verbindungen überwiegt weitaus diese paarung, deren teile so innig verwachsen sind, dasz sie beinahe als eins gefühlt werden; vgl. auch Grimm myth. ⁴ 1, 454; 2, 856. offenbar stammt sie aus dem ndd.; im ahd. u. mhd. hat man sie jedenfalls noch nicht belegt, und auch im älteren nhd. tritt sie anscheinend seltener auf. das früheste zeugnis ist mnd.: dat benam ên nôd wedders unde wyndes (1373) Schiller-Lübben 5, 645ᵇ; ein zweiter beleg aus dem jahre 1489 gehört nach Lübeck: van wegen etliker gûdere, de de schiphêr in grôter nôdt wedders und windes halven in der sêe geworpen hadde Lörsch-Schröder-Perels urkunden z. gesch. des deutschen privatrechtes³ nr. 315 (313); ein dritter jüngerer aus Norddeutschland steht im brem. gebetbuch: du hefst were unde winde gesturet (Schiller-Lübben a. a. o.); er ist aber schon jünger als die ältesten hd. belege, die auf Luther und seine zeitgenossen führen: kein wind noch wetter sich schrecken lassen Luther 18, 351 Weim.; an dem andern tage das weter und der wint sich warde aufrichten Arigo 75; in guͦt weter und winte schicket 94; ein glücklich wind und wetter zuͦ schiffen anschluͦg Wickram werke 1, 108 lit. ver.; als in regierung der schiff etlich stück im guͦten, und etlich im widerwertigen wind und wetter nutz und zuͦ gebrauchen seind Carbach Livius 259ᵃ; die folgenden jahrhunderte verbreiten die verbindung langsam, so dasz sie erst von 1750 ab häufiger wird:
von wind und wetter angerennt
Spreng Äneis 45ᵃ u. ö.;
der wind und das wetter ist gut Creizenach schausp. engl. comöd. 75, 13;
es (das schiff) streicht dahin, und gottes hand
die führt und bringt es an das land
bei gutem wind und wetter
P. Gerhardt ged. 12, 63 Gödeke;
ich bin ein schiff der liebessee,
das wind und wetter plaget
Hoffmannswaldau u. anderer Deutschen auserl. gedichte 1, 305;
die reise nach Ostindien (wurde) bei favorablen wind und wetter ... fortgesetzt Schnabel insel Felsenburg 252 neudr.; (bäume), welche den ganzen winter hindurch wind und wetter ausgesetzt gewesen allgem. haushaltlexicon 1, h 1ᵇ; dasz das leben, zumal eines ächten staatsmannes, einer schiffahrt gleicht, wo der pilot sich gefallen lassen musz, seinen lauf nach wind und wetter einzurichten Wieland Agathon 2, 198; mit dem florentinischen wetterglase, aus welchem er vormals seinen bauern wind und wetter vorhersagte Nicolai Seb. Nothanker 1, 37;
soll keinen feind, nur einen sehn,
der heiszet wind und wetter
Herder 25, 253;
zuerst kamen sie (die vorposten) überein, dasz, welchem von beiden theilen wind und wetter ins gesicht schlage, der solle das recht haben, sich umzukehren Göthe 33, 82 Weim.;
in wind und wetter
H. Heine werke 1, 58 Elster;
bei wind und wetter Treitschke dt. geschichte 2, 386; die beschaffenheit von wind und wetter handelsgesetzbuch § 520; sofern, wie der schiffer sagt, wind und wetter dient Pückler briefw. und tageb. 3, 225; bei abscheulichem wind und wetter Caroline 1, 44 Waitz; dem winde und dem wetter .. exponirt Tieck schriften 1, 73; im plural: allen widrigen winden und wettern zu trotz Dannhauer cat.-milch 5, ):( ):( ):( IVᵇ; zum schutze gegen die winde und das wetter Stifter werke 2, 193; in der verbindung wind und wetter dienend (engl. wind und weather serving) 'bei günstigem wetter' briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. s. w. 1, 100; seinem rauhen, wind- und wetterdienenden gesichte Heine 3, 101. seit Luther häufig übertragen angewendet: wie viel mehr ist itst in solchen seltzamen leuften .. keinem winde noch wetter zu trauen 30ᴵᴵᴵ, 291 Weim.; erhält man die vorzüge der ehe, ohne ... allerlei wind und wetter übernehmen zu dürfen, so wird sich jeder bedenken zu heirathen Hippel über die ehe 21; der wille ist gut, aber wind und wetter kämpfen dagegen Schiller briefe 1, 339; fräulein Marianel, sobald sie einsah, wie wind und wetter standen ... schlug sich in ihrer angeborenen pfiffigkeit zur siegreichen partei Holtei erzähl. schr. 14, 227; Wieten, der hier wind und wetter machte, hatte ihn nicht aufkommen lassen Polenz Grabenhäger 1, 179; auch im fluch: potz wind und wetter Schröder dram. werke 2, 120. in etwas abgeänderter form wind und ungewitter: als auf welchen (berg) wind und ungewitter nicht weniger stürmen als auf diesen Prätorius Blockesberges verrichtung 73; in umgekehrter reihenfolge wetter und wind Rollenhagen froschmeuseler Pp iiᵃ. wind und wogen s. oben unter w. und welle:
auf weitem meer der wind' und wogen spiel
Eichendorff werke (1864) 1, 729.
wind und wolke:
(der himmel war) ganz lauter als ein feuers flamm,
darunter wind noch wolke kam
Ringwaldt christliche warnung D 8ᵇ;
ich liesze mich daher von wind und wolken führen
Morhof unterricht v. d. dt. sprache 1, 415;
umgekehrt: und ee man zuͦsach, ward der himmel schwarz von wolken und wind Züricher bibel (1531) 3 Kön. 18 F;
und mit ihm spielen
wolken und winde
Göthe 2, 81, 20 Weim.;
ähnlich Schiller 14, 318. verbindungen mit wind als zweitem glied: hett' ich glück und guͦten wind sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 41ᵇ; Heinichen generalbass 22; Spanutius 510; lügen und wind, oben sp. 256;
wer reitet so spät durch nacht und wind?
Göthe 1, 167 Weim.;
mir war, als sei ich noch ein kind, ...
und läse märchen, wunderfeine,
derweilen drauszen nacht und wind
Heine werke 1, 51 Elster;
dis alles, das verschwindt,
gleich als der rauch und wind
Knittel poet. sinnenfr. 47;
ihr haus und alles hausgesind
ist wol verwahrt für schnee und wind
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 376ᵇ;
ei du liabs Jesukind
ligst daͦ in schnee und wind
Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österr. 294;
gegen strom und wind Göthe IV 12, 383; seine absicht sei, so gut als möglich strömung und winde benutzend, in der mitte des Niger zu fahren Ritter erdkunde 1, 427.
β)
mehrgliedrige wortreihen:
ein kriegesmann musz fort durch wind, schnee, frost und regen
Opitz teutsche poemata 71 neudr.;
wind und wetter, meer und wällen
Spee trutzn. 104, str. 1, 5;
also blasen sich auch auf meine böck mit ihrem eigen atem, wind und geist Luther 7, 638 Weim.;
blitz, donner, hagel, wind, frost, ...
die können manche lust in feld- und wäldern legen
Neumarck fortgepfl. musik.-poet. lustw., ehrenverse 12;
wie aber birgt er sich vor kälte, wind und wetter? Mörike ges. schr. 3, 100 volksausg.;
wie trotzt er regen, frost und wind
Mastalier gedichte 43, 13;
(ein ackermann), welcher ... im regen, schnee und wind den samen auswirft Moscherosch insomnis cura parentum 58 neudr.; in regen, wind und schnee Richental chronik d. Constanzer conzils 64 lit. ver.;
in deines weibes almanach steht, Stilpo, allewege
trüb, ungestüm, platzregen, sturm, wind, hagel, donnerschläge
Logau sinngedichte 617 nr. 52 lit. ver.;
grosz ungewitter, hagel, wind, ..
wird man erfahrn in dorf und stad
Ringwaldt evangelia B 2ᵇ;
die (eure thränen) sollen mit mir ziehn, durch wetter, wind und wellen
Königsberger dichterkreis 91;
der wolken, luft und winden
gibt wege, lauf und bahn
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 372ᵇ.
e)
in sprichwörtern und redensarten (soweit nicht schon oben gebracht und ohne anspruch auf vollständigkeit; näheres bei Wander sprichw.-lex. 5, 247 ff.).
1)
sprichwörter: der wind, der findet gar enge löcher Luther 26, 287 Weim.; vor dem strom und für dem winde ist gut siegeln Faber thes. 880ᵃ; sie werden wind säen und windsbraut ernten Franck sprichw. (1545) 1, 105ᵇ; das wetter kennt man bei dem wind 1, 8ᵃ; was gott günt, verweht kein wind Schottel 1143; ein hoher baum fängt viel wind 1132; vgl. auch Schellhorn sprichw. 153; es geht nicht allzeit ein wind Lehmann blumeng. 198; wer wider den wind brunzt, macht nasse hosen Kirchhofer schweizer. sprichwörter 140; was aus wind geboren wird, gehet auch im wind verloren Triller poet. betr. 6, 228; um die kirchen ist immer viel wind Laube schr. 1, 250; Berliner kind, Spandauer wind, Charlottenburger pferd, sind keinen dreier wert Gaudy werke 2, 43; mundartl. de wind waiget wol rôe backen, äwer kainen dicken nacken, wohlbeleibtheit kommt nicht vom winde, sondern vom reichlichen essen, westf. Woeste 325ᵃ, vgl. auch Schambach 298ᵇ; weiteres marinerundschau 1ᴵ, 352.
2)
bildliche redensarten; den vergleichsgrund können bilden
a)
die schnelligkeit: auf dem w. reiten sp. 232; auf des windes flügeln sp. 235; mit dem wind, den winden sp. 242; wie der wind, schneller als der wind sp. 242 f.
b)
die flüchtigkeit, das spurlose verschwinden und verwehen: in wind blasen (vergebens reden) Maaler 501ᵇ; spreuer und staub an den wind tragen Eybe spiegel der sitten (1511) b iiᵃ;
dis alles, das verschwindt
gleich als der rauch und wind
Knittel poet. sinnenfr. 47;
den gram den winden geben Matthison schr. 1, 2; dem winde predigen Alexis Roland 1, 25;
des königs brautwahl ging in luft und wind
Grillparzer werke (1892) 8, 255;
ferner vgl. oben wie spreu vor dem winde sp. 231; in den wind gehen oder sein sp. 238; das hat der w. verweht, verjagt sp. 238, dem w. befehlen, übergeben sp. 238, in den w. blasen, hauchen, streuen, werfen, fahren lassen, reden, predigen, weissagen, leben, arbeiten, wünschen, schlagen sp. 238 f. hierher auch der ausruf windle wehe! als wunsch, ein unwillkommener besuch möge wieder verschwinden Birlinger wb. z. volksth. aus Schwaben 93.
c)
die veränderlichkeit und unbeständigkeit:
ich kan nit jeder muͦtter kind
ziehen wol und jeden wind
blasen
Murner narrenbeschw. 2, 122 neudr.;
mit allen winden seglen (auf beiden achseln tragen) Franck sprichw. (1541) 2, 16ᵇ; Dentzler (1716) 353ᵇ; mit jedem winde segeln Fontane werke I 2, 142; (handeln) wie der wind weht Wander 5, 263; ferner vgl. oben unbeständig wie der wind, jedem wind glauben, sich nach dem w. richten, seine nase nach jedem w. drehen, allem w. segel geben, sich von jedem w. treiben lassen, seinen mantel nach dem w. hängen sp. 241 f.; der wind dreht sich, es zieht ein anderer wind sp. 248; allerlei wind der lehre, der w. der meinung, der gelegenheit sp. 251.
d)
der mangel an körperlichkeit, die unmöglichkeit, den wind zu fassen: den wind schlagen (vergebliche arbeit thun) Franck weltb. (1542) 23ᵃ; in den wind beiszen Logau sinnged. 409 nr. 4 lit. v.; den wind mit dem mantel fahen wollen Luther 19, 649 Weim.; den w. in ein truhen sperren Eyering prov. cop. 1, 422; den w. aufsperren (aufhalten) sprichw., schöne weise klugreden 144ᵃ; Agricola 750; teutsche sprichw. 38ᵃ; ferner vgl. oben in den wind schlagen (nicht treffen) sp. 254; in den wind bauen, wind fassen, in wind greifen sp. 255.
e)
die nichtigkeit, werthlosigkeit, scheinbare leere: wind vormachen, in die ohren jagen, ein leerer kopf voll wind, den kopf mit w. füllen, ein beutel voll w., wind im leib (leichtsinn), des winds (vom w.) leben, mit w. speisen, zu w. werden, für w. achten, das sind lauter wind, wind verkaufen, machen sp. 254—258; um den w. streiten Erlach volksl. d. Dt. 1, 219; hierher wohl auch aus der Wiener gaunersprache wind haben hungern, arch. f. krimin.-anthropol. 15, 236.
f)
die rauheit, die vom wind verursachten beschwerden: so befinde ich mich aber gar von einem schlechten wind, dasz ich fast uberwunden bin J. Arnd Th. a Kempis 92; auch wie viel böses windes er sich hierüber hab müssen beiszen lassen Werner chron. v. Magdeburg 11; manch saur wind hat ihn angewehet Schottel 1118; Henrici ged. 4, 426; dazu oben sp. 232; ähnlich lothr. d'es em schon vil wend langs d'ohren geblas Follmann 543ᵃ; den rauhen wind des lebens Dahlmann gesch. v. Dänem. 1, 41; den wind im gesichte haben (von schwierigkeiten) Wander 5, 258. ferner vgl. oben allen wind schlucken sp. 231; allerlei winde gehen einem um die nase sp. 233; sich mit dem w. schlagen sp. 235; es weht kein guter w. sp. 245; einem den w. aufhalten (ihn schützen) sp. 248; allezeit vor den wind haben ebd.; er ist in einen bösen w. gekommen sp. 249.
g)
der einflusz auf das wetter: bis er sich erkundigt hätte, wie seiner vorigen frevel wegen der wind blies Bräker schr. 1, 163; henneberg. wenn der wind nicht geht (wenn es anders ist), wollen wir spazieren gehen Spiesz 283; ferner vgl. obener weisz, wo der wind herkommt sp. 248; pfeift der wind daher? sp. 248; der wind steht übel bei einem sp. 248.
h)
die treibende kraft; daher aus der seemannssprache: im (d. h. gegen) wind schiffen (vergebene arbeit thun) Franck sprichw. 1, 27ᵃ; dem winde das segel lassen (der sache freien lauf lassen) Schütz hist. rer. Pruss. II, 0 iᵃ; sich nach dem wind richten Schupp schr. 16; segeln ohne wind (mühsame arbeit thun) Blumauer ged. 89; einem frischen wind in die segel liefern Straszburger Post vom 12. 3. 1914 mitt.-ausg. I; ähnlich oben an den wind halten, sein schiff nach allen winden lenken, nach dem w. lavieren, unter den w. gerathen, alles geht vor dem wind, vor allen winden treiben sp. 246 f.; was winds bringt (weht) euch daher? sp. 234.
i)
die bedeutung des winds für den geruchssinn der thiere; daher aus der weidmannssprache: den w. auswittern, sich in den w. stellen, ferner w. holen, in den w. steigen (von der nase), unter oder hinter den w. kommen (merken), w. bekommen, kriegen, haben, geben, den w. abgewinnen, w. wissen, halten (aufpassen), bösen w. (geruch) haben sp. 250 f.
k)
sonstiges, wie die sinnverwandtschaft mit luft, die allgegenwart, die ungebundenheit, die leichtigkeit, das eindrucksvolle: von (oder nach) allen winden sp. 237; sam der wind her weht sp. 241; frei (oder leicht) wie der wind sp. 244; an den wind setzen sp. 253; wind (aufsehen) machen sp. 258; hierher auch das schon unter e) erwähnte den wind oder athem verkaufen (glatte wort schleifen) Franck sprichw. 1, 6ᵇ; ferner: ohne dasz auch nur durch einen wind (die kleinste kleinigkeit) ein andrer sich dazwischen mische Weinhold Boie 109.
l)
die sonderverwendungen für 'athem, durch die nase ausgestoszene luft': viel winds in der nase haben (aufgeblasen sein), des winds voll sein sp. 253. für 'blähungen, gase': einem die winde abtreiben (ihm zusetzen) sp. 259.
IV.
zusammensetzungen.
a)
für die verschiedenen windarten: (nach der richtung oder örtlichkeit) nord(-ost, -west)-, ost-, süd(-ost, -west)-, west-; angel-, cardinal-; bei-, gegen-, nach-, neben-, nieder-, ober-, über-, unter-, vor-, wider-; rücken-, seiten-, strippen-; berg-, erd-, gebirgs-, gletscher-, heide-, kessel-, küsten-, land-, Rhein-, see-, steppen-, thal-, ufer-, wall-, wasser-, wüstenwind; (nach der tages- oder jahreszeit) abend-, früh-, mittags-, mitternacht-, morgen-, nacht-, tag-; frühlings-, herbst-, lenz-, mai-, märzen-, oster-, winterwind; (nach der dauer) passat-, stand-, streich-, streif-, strich-, wechsel-, zwischenwind; (nach der annehmlichkeit) heiter-, kose-, schön-, wunschwind; (nach der stärke) brause-, halb-, klein-, ruck-, sause-, schlacker-, schneide-, stosz-, sturm-, tobe-, tose-, wirbel-, wüthe-, zuckwind; (nach den wirkungen oder begleiterscheinungen) donner-, fahr-, frost-, gift-, hagel-, lachs-, lauber-, nebel-, regen-, reise-, schnee-, segel-, thau-, unglücks-, wetterwind; (nach den ursachen) druden-, hexen-; gewitter-, sonnenwind; (sonstige) backstags-, beisz-, bis-, breit-, fall-, föhn-, heim-, kusel-, raumschoots-, schroten-, scirocco-, wisper-, zug-, zwirbelwind; (übertragene verwendungen) bauch-, darm-, magen-, hosenwind; flöten-, gebläse-, orgelwind; glücks-, lebenswind; herzenwind seufzer.
b)
mutterwindallein Fontane Jenny Treibel 195.
wind st. m. und n.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 266, Z. 65
'windhund'; plur. winde, alt wind, winden; ahd. wint m., velter Graff 1, 626; mhd. wint m. neben wintbracke, -spil, -zoche; ableitungen windin f., windisch adj. Schmeller 2, 951; s. d. unten spalte 308 und spalte 309. — wohl ursprünglich ohne beziehung zu ¹wind, sondern abzuleiten von gall.-lat. vertrăgus, korn. guilter, mlat. velter und erst später an jenes angelehnt Kluge; vom 16. jh. an allmählich zurückgedrängt durch windhund und windspiel, im 18. jh. beinahe verschwunden; nicht zu verwechseln mit dem heute üblichen zierlichen luxushund, sondern ein groszer, kräftiger jagdhund: ein hunt heiʒʒet wint, der den hasen vahet oder ander wilt schwabenspiegel 337; und als under den edeln hunden ettlich clain sind als die vogelhund und die paiszhund, und ettlich gröszer als die jagdhund und laithund und ettlich noch gröszer als die wind Mynsinger von den falken 89 lit. ver.; gebucht von Alberus (1540) 61ᵃ; Frisius 180ᵇ; Faber thes. 868ᵇ; Gueintz rechtschreib. 175; Rädlein 1, 1063ᵇ; Dentzler (1716) 353ᵇ; preusz. Frischbier 2, 470: ich werde ausgesteubert, wie das wild von steubern und winden wird ausgesteubert Luther 19, 612 Weim. u. ö.;
er liesz seine winde stieben
Uhland volksl. 145;
wie mich sein (Amors) spürhund jagt und sein wind ausgehetzt
A. Gryphius gedichte 385, 11 lit. v.;
an stricken geführt, daher: ein paar strick winde loslassen Lohenstein Arminius 1, 89ᵃ; in verbindungen wie: den ungeheuren winden (entgehen) A. Gryphius trauersp. 579, 41 lit. ver.; mit schnellen winden S. Dach 787 Österley; ein frisches wind Rachel 19 neudr.; die wollgestreckte wind Warnecke poet. vers. 379; in paarungen wie:
hielt schöne gäul und gute wind
B. Ringwaldt tr. Eckart (1590) k 4ᵇ;
helt laidthund, winden, rüden und pracken
H. Sachs 2, 175 Keller;
euer winden und jaghund Schade sat. u. pasqu. 3, 140; sowohl stäuber als winde Grimmelshausen 3, 31 Keller (Springinsfeld); hund und winde Venusgärtlein (1656) 96 neudr.; manchmal auch für jagdhund überhaupt ohne genauere unterscheidung: es was ein edelmann, der het ein jaghund oder ein wind Pauli schimpf u. ernst 169 lit. ver.
Zitationshilfe
„wind“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/wind>, abgerufen am 22.05.2019.

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