werkhaus n
Fundstelle: Lfg. 3 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 371, Z. 1
1)
'werkstätte' (vgl.werkgadem sowie mnd. werkhus Lüb. urk.-b., reg. und mndl. werchuus Verwijs-V. 9, 2, 2278 f.), im älteren nhd. auch 'zeughaus': ergasterium vverchus (anf. 12. jh.) ahd. gl. 3, 317, 5 St.-S. (s. auch Diefenbach gloss. s. v. ergasterium sowie artificina, laboratorium, meritorium, officina); wenn man ze werk lut, so gieng sy bald in das werk hus (des nonnenklosters) und span denn flisklich (um 1336) Elsbet Stagel d. leben d. schwestern z. Tösz 26, 32 Vetter; nun hab ich ein schliffstein auf der Peünt (stadtbauhof) im werckhaus lassen zu richten (um 1470) Tucher baumeisterbuch 113, 4 lit. ver.; by der rosstrenck ist ein pfisterilin (kleine mühle) der vorhin über ist ein werckhuss (apud ipsum lacum est pistrilla et exaduorsum fabrica) Terenz deutsch (1499) 112ᵃ (eine tischlerwerkstatt, vgl. hierzu: werckhausz desz zimbermanns oder tischmachers werckstatt materiaria fabrica Maaler teutsch spraach [1561] 489ᵇ); item die herrschafft sant Johans (die Johanniter) ein zeug oder werg haus, dorinnen die galehen naven (von) Gristen unndt Türcken gemacht werden (1521) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 374; zu Venedig im werckhaus, arsinal genannt ... kam ein feuwer in das puluer Adam Reiszner (1572) 7ᵃ; es hat auch daselbsten ein werckhausz, in welchem ohne unterlasz kriegsschiffe und andre darzu gehoͤrige ruͤstungen gemachet und auszgeruͤstet werden J. Boterus allg. weltbeschr. (1596) 1, 55; im neueren dt. nur noch vereinzelt gebraucht (s. auch Campe 5 [1811] 685): so haͤtten wir noch zeit genug einige hof-laboratoria oder werck-haͤuser zu besichtigen Lindenborn Diogenes (1742) 2, 806; in dem werkhause befindet sich eine dampfmaschine mit der kraft von 13 pferden F. Ernst bem. auf einer reise (1820) 13; es müszte ein schönes kunst- und werkhaus werden, wenn man die geräthe und waffen, die modelle von häusern und kleidern, früchten und nahrungsmitteln, nebst allem wie sich dabei der menschliche verstand zu helfen gesucht hat, philosophisch sammlen könnte Herder 14, 599 S.; man läszt sie (die kunstgeschichte) gelten wie einen zierrat am giebel des werkhauses Dehio kunsthist. aufsätze (1914) 242.
2)
'arbeits-, armen-, zuchthaus' (vgl. engl. workhouse): ergastulum werchus (13./14. jh., obd. mit nd. anklängen) Diefenbach gloss. 207ᶜ; werckhausze oder kercker ergastulum voc. theut. (Nürnberg 1482) nn 7ᵇ; darumb dann sonderlichen in grossen volckreichen stetten sehr nohtwendig, das man nach dem uͤblichen exempel etlicher in Niderland gelegener stette, werckheusser, zucht und spinnheusser anrichte J. Ruremund Mammona (1623) 117; von den zucht-, werck-, rasp- und spinhaͤusern J. Döpler theatrum poenarum (1693) 703 (kapitelüberschrift); viele verbrechen einheimischer leute ..., welche mit einigen monaten oder jahren im werkhause gebuͤszet werden koͤnnen (1778) J. Möser s. w. 4 (1842) 139 Abeken; um ... nach einem werk- oder zuchthause geschickt zu werden Bode Thomas Jones (1786) 1, 52; er wohnt im werk- und arbeitshaus Liliencron s. w. (1896) 2, 4. s. auch Mensing schlesw.-holst. 5, 529 und Schumann Lübeck 23.
3)
sonderanwendungen: so viel sieht man ..., dass die blosse eintheilung der begriffe in klare, deutliche und vollstaͤndige ja nicht einmal die entdeckten werkhaͤuser derselben, empfindung, absonderung ... uns sehr weit in dieser materie leiten werden Th. Abbt verm. w. (1768) 4, 63; bis endlich eine ... hoͤhle sich ihm zeigt, ... das werkhaus der natur allg. dt. bibl. (1765) 53, 395; einer aber, der selber ein pfarrhaus zu seinem werk- und gebärhaus verlangt, weisz den inwohner zu schätzen Jean Paul w. 3, 64 Hempel.
Zitationshilfe
„werkhaus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/werkhaus>, abgerufen am 23.05.2019.

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