weile f
Fundstelle: Lfg. 5,6 (1922,1925), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 789, Z. 58
ein idg. verbalstamm qᵘĭ 'ruhen' erscheint in aind. cirás 'langdauernd', cirayati 'zögern' Fröhde in Bezz. beitr. 1 (1877) 199, lat. quies, quiescere, quietus Walde ²634, aslav. počiti 'ruhen', pokojĭ 'ruhe', ačech. číla 'eine zeitlang', čech. čilý 'frisch' Fick vgl. wb. ⁴3, 117. gemeingerm. wird dieser stamm mit l-suffix (vgl. lat. tranquillus ˂ trans - qilnos) erweitert zum fem. ô-stamm germ. *hwîlô, dessen ô in goth. (ni)ƕeilôhun '(auch nicht) eine stunde lang' Braune got. gramm. § 97. 163. 165 zu tage tritt: goth. ƕeila Feist 151 f., ahd. asächs. (h)uuîl(a) Graff 4, 1224 f.; Schade 439ᵇ, mhd. wîle mhd. wb. 3, 668ᵇ; Lexer 3, 886 f., ags. hwîl Bosworth-Toller 575, mengl. hwîle Stratman 360, anord. hvíla 'bett', hvíld 'ruhe' Fritzner 2, 139, schwed. hvila, dän. hvile Falk - Torp 440, mnd. wîle Schiller - Lübben 5, 715, engl. while Kluge - Lutz 226ᵃ, afries. (h)wîle Richthofen 836ᵇ, mnl. wîle Verdam 693ᵇ, nnl. wijl Franck-v. Wijk 794 f. die ableitung ist ihrer bildung nach isoliert und von früh an undurchsichtig, keine germ. sprache bietet den einfachen stamm, die bildungsweise kehrt nur bei goth. saiwala (ahd. sêula, sêla) wider: Wilmanns wortbild. ²s. 268.
form. ahd. (h)wîla als nom. sg. ist eine dem acc. sg. nachgebildete analogieform. die echte nom.-form (h)wîl steht adverbial oder in formeln für alle casus: Braune ahd. gramm. ³§ 207 anm. 2. weiterhin ist zweisilbigkeit kennzeichen des subst. gegenüber der conj.: zu unterscheiden sind weil 'qvoniam', (die) weile 'mora' Bellin hd. rechtschr. (1657) 138, doch wird die obd. apokope der endung gelegentlich auch literarisch: dasz mir dabei die weil verzweifelt lang ward Bräker a. mann im Tockenburg 9 Wilbrandt; Steinbach 2 (1734) 962 setzt weil an und bevorzugt die einsilb. form in 13 beispielen von 16. schwache sing.-formen begegnen bei Mitteldeutschen von 1536 bis 1657: gen. der weilen Rebhun dramen 2, 323. 5, 155 Palm; rhaums und weilen gnuͦg Sleidan reden 147 Böhmer; entspr. 251; jeder weilen Heberer ägypt. servit. (Heidelb. 1610) 348; jederweilen Grob dicht. vers. (1678) 24; dat. an seiner weylen Rebhun 2, 282; mit der guͦten langsamen weylen Frey gartenges. 28, 9 Bolte; vor kurtzer weilen Neumark fortg. mus.-poet. lustw. 2 (Jena 1657) 43. schwache acc.-formen fehlen, denn ein weillen Sachs 2, 31 Keller; fastn. 59, 175 neudr. ist mit seinem ll vielmehr demin. (s. weillein). das vorkommen des plurals wird gelegentlich bestritten: weile & weil ... plur. car. Stieler 2475; le pluriel n'est pas en usage Schwan 3 (1787) 1022ᵃ; zu wîl gibt es keinen plur. Brun ma. von Obersaxen (1918) 155. gleichwol begegnet er von Otfrid (io thên uuîlôn 3, 19, 24; sâr thên uuîlôn 5, 25, 62 '(gleich) auf der stelle' bis ins 19. jahrh.: in den weilen jagte herzog Heinrich Grimm d. sagen 2 (1891) 100. die starke form ist selten erkennbar:
swie die wîle (horae) sint gemeʒʒen
Mariengrüsse hg. von Pfeiffer, zs. f. d. a. 8, 286;
etlich mal, in etlich weil oder weg Henisch 951, 30. seit ende des 11. jahrh. steht plur. vorwiegend in dat.-formeln: ze kurzen wîlen Friedr. v. Hausen minn. fr. 50, 10; under den selben wîlen Ulrichs leben von Albertus 546 Schmeller; underwîlen Tauler pred. 38, 16 u. o. Vetter; entspr. Knebel chron. v. Kaisheim 46. 183; Barletius Scanderbeg (1533) 10ᵇ; Dreytwein Essl. chron. 40 Diehl; in den wîlen pass. 406, 84 Köpke; entspr. städtechron. 5, 86, 21. 167, 6; Steinhöwel Äsop 39. 253 Österley; Xylander Polybius (1574) 33; in allen weilen Endinger judensp. 40 Amira; in kurzen weilen Fleming d. ged. 1, 83 Lappenberg; bî den wîlen Konr. v. Würzburg Otte 402; Troj. 25 238; bî wîlen Tauler pred. 254, 19 Vetter; bey weylenn Luther v. d. guten werken 64 neudr.; Eberlin 3, 124 neudr.; Franck chron. zeytb. (1531) 20ᵇ; weltb. (1542) 200ᵇ; Rotmann rest. 21 neudr.; Gretler ep. Pauli an d. Römer (1566) 814; Stumpf Schwytzerchron. 483ᵇ; vor langen weilen Fischart Garg. (1575) titelblatt; vor weilen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1297ᶜ.
verbreitung. weile ist im ges. sprachgebiet stets gleich häufig. der alte freie gebrauch, der bei zeit lebendig geblieben ist, hat bei weile zu festen formeln geführt, in denen sich seit jahrhunderten die gesch. des worts vollzieht. daher stellt Teller vollst. darst. d. d. sprache in Luthers bibelübers. 1 (1794) 94 weile unter die wörter, die 'nach der beygefügten bed. in der guten schreibart nicht mehr üblich sind'. in mundarten hat sich w. vielfach bei frischem leben erhalten: Mankel Münstert. (1883) 171; Fischer schwäb. 6, 600; Schmeller bair. 2, 888; Schöpf tirol. 808; Bacher Lusern 221; Schmeller cimbr. 170; Petters Nordböhm. (1865) 9; Gerbet vogtl. § 239, 275; Liesenberg Stiege (1899) 220; Crecelius oberhess. 901; Heilig Taubergrund § 78; Klein prov.-wb. 2, 229; Hönig Köln 201ᵇ; Tonnar-Evers Eupen 229; Danneil altmärk. 247.
bedeutung und gebrauch. wie das sinnverwandte zeit umfaszt weile neben der gangbaren bed. 'zeitraum' auch die seltenere 'zeitpunkt', freilich nur bis etwa 1300: (ich beichte) aller dere sunton, die ich ie gefrumeto uone anegenge mînes lîbis unz an dise wîle kl. ahd. sprachdenkm. 336, 9; entspr. 337, 43. 347, 54. 359, 91; obe sie die wîle firsûndin 'den augenblick versäumten' Zürcher pred. des 12. jahrh. bei Wackernagel leseb. 131, 26; die guͦten ... sterbint unde erstânt an einer wîle 'zu gleicher zeit' lucidarius 67 Heidlauf; swâ si wellint sîn, dâ sint si in einer wîle 'im gleichen augenblick' das. 72, 24. in aller regel bezeichnet aber weile die 'zeitstrecke'.
I.
selten ist es die mit der uhr gemessene zeitstrecke. von anfang des 12. bis ende des 14. jahrh. steht es bei obd. theologen im wechsel mit stunde für lat. hora (canonica):
des tages an der triten wîle
dô trôster die sîne
Ava leben Jesu 2143 Piper;
er lac eine halbe wîle an dem gebet st. Ulrichs leben von Albertus 1312 Schmeller; dô kom unser herre an der vierdon wîle alder an der vierdon stunde der naht zuͦ in. wan uns scrîbent die maister, daʒ der tach zwelf stunde alder zwelf wîle hab d. pred. 2, 35 Grieshaber; in der dritten wîle wart unserme herren die durnîne crône ûf gesezzet ... unde an der selben stunden com der heilige geist uber die zwelfboten lucid. 37, 21 Heidlauf; entspr. 37, 27. 32;
von der sehsten wîle   unz an die vesperzît
Wernher Mar. 4.
im 12./13. jahrh. dringt der gebrauch aus der geistlichen dichtung in die weltliche:
(dasz er) dehain wîle gelebete 'auch nur eine stunde'
Konrad Rolandsl. 303, 4 Grimm;
lieb und alleʒ guot
wünsche ich ir, die ich da meine,
unde nîge aldar
einer wîle tûsentstunt
Konrad schenk v. Landegg minnesinger 1, 358ᵃ v. d. Hagen.
II.
weiterhin ist weile stets die ungemessene zeitspanne. die begriffsbestimmungen halten sich in vorsichtiger allgemeinheit: ein jeder unbestimmter zwischenraum der zeit, ein jeder zeitraum, er sey gegenwärtig, vergangen oder künftig Adelung 4 (1801) 1455; von da Täubel buchdruckerk. (1805) anh. 19; Heinsius 4 (1822) 1566ᵇ. die erstreckung in der zeit wird gern der im raum parallel gesetzt: (gott, der der sonne ihren lauf vorschreibt) gibt rawm und weil dazu Luther 24, 41 Weim.; jeder sinn hat seinen grad von schärfe und feinheit, seine weite und weile 'räumlichen und zeitlichen bereich' Herbart 5, 55 Hartenstein.
A.
freier gebrauch dieses weile ist in alter sprache gangbar, in neuer zurückgedrängt.
1)
weile ist hier mit zeit vertauschbar, das in seinem gebrauch die alte freiheit wahrt:
ain burch haiʒet Spîre:
daʒ enstuont niht lange wîle ('stand nicht lange an'),
unze si der chunich Liuther besaʒ
kaiserchron. 17060 Schröder;
si hetenʒ niht geahtet einer hende wîle,
ob er solte singen daʒ einer möhte rîten tûsent mîle
Gudrun 384;
vgl.: als lange als ein hant mac umbe gekêret werden Berthold v. Reg. 30, 34 Pfeiffer; Petters beitr. z. dial.-forsch. in Nordböhmen (1865) 9;
die frouwen dûhte diu wîle unlanc
Wirnt Wig. 245 Benecke; entspr. 10609;
unde schuf des wortes (lies: wirtes) stimme
und sîn zorniger stôʒ,
daʒ sie der wîle gar verdrôʒ
kl. mhd. erzähl. 208, 118 Rosenhagen;
des rümens ist uff erd so vil,
das es zuͦ zälen näm grosz wîle
Brant narrensch. 76, 93 Zarncke;
die klain weyl würdet vertzogen in die lennge A. v. Eyb spiegel (1511) 48ᵇ; gehet darzu weniger müh und weil auff jhre reynigung Fischart ehzuchtb. 241 Hauffen;
ein scharrenden vogel brate mit eyl:
eim schwimmenden aber lasz die weil
Lehman flor. 3 (1662) 74.
neuere jahrh.e lieben diesen gebrauch in nachbildung lat. rede: was ein yeder derglychen darzuͦ kan erdencken, nimpt lange wil (longum est, omnia enumerare) Seb. Meyer ernstl. ermanung (1522) 55 Schottenloher;
freiheit, welche ... zuletzt nach daurender weile sich einfand
(longo post tempore) Voss Virgil. 1, 12;
während das weib, durch gesang der arbeit weile sich lindernd,
ämsig mit rasselndem kamm die gewechselten faden durchwebet
(longum cantu solata laborem) das. 1, 145;
vier sind die pausen nächtiger weile
Göthe (Faust v. 4626) I 15, 3 Weim.
davon abgesehen wirkt er heute ungewöhnlich: wenn man älter wird, lernt man die dinge und weile, welche auch noch immer kürzer wird, erst recht schätzen Stifter 3, 271. nur in österr. mundart ist er noch am leben:
ja, as wird iehm hald d' weil
um sein däubing so lang
Stelzhamer ausgew. dicht. 1, 11 Rosegger;
lasz nur weil: i trau mi schon, es wird all's werd'n Schönherr glaube u. heimat 28.
2)
gröszeren raum nimmt im freien gebrauch die bed. 'musze' ein, von den theoretikern durch synonyma gesichert: tantumne ab re tua est otij tibi? hast du deiner geschäfften halb so vil weyl oder muͦsz? Frisius dict. (1556) 1ᵇ; entspr. 12ᵇ. 937ᵃ/ᵇ; Maaler 491ᵇ; weil, musz f. loisir Ravellus (1616) 402ᵇ; entspr. Hulsius 1 (1618) 275ᵃ; musze ... die zeit und weile, daher müszig sein, nichts zu thun haben Gueintz d. rechtschr. (1666) 104. so auch in der literatur: hatt yhm musz und weyl datzu nommen Luther 8, 354 Weim.; das er nicht müszig oder weil hett Kirchhof wendunm. 2, 31; sie hatten der musz und weil nit Fischart bienenk. (1588) 191ᵃ; wann er bey guter musz und weile sich befinden würde B. v. d. Sohle don Kichote 25; dasz sie mit musze und weile arbeiten können Wieland suppl. 6 (1798) 236. danach ist die bed. 'musze' auch ohne solche stützen sicher: was wöllen wir anfahen, das uns auch die weil weycht? Lindener katzip. 139 Bolte; wir wollen denen gefangenen unterdessen ihre ... sorgenvolle weile lassen Weise kl. leute (1675) 130;
doch deucht mir daneben, euch plage viel weile:
ihr dankt mir's wohl, wenn ich euch arbeit ertheile
Bürger 66ᵃ;
so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge
dieser weile, die mich von der geliebten getrennt
Göthe I 1, 254 Weim.;
Haslau's gründe, felsensteile,
vielbesucht und vielgenannt.
seit der forscher thätige weile
uns den egeran genannt
das. I 4, 304.
3)
eine bed. 'verzug, aufschub' begegnet seit beginn des 15. jahrh.:
nu füdert euch, man isst im dorffe,
nempt kain weil
Oswald v. Wolkenstein 43, 32 Schatz.
auch sie wird durch die theoretiker gesichert, die z. b. in hd./nd. voc. des 15. jahrh. lat. mora ganz gewöhnlich mit wile, weil(e) widergeben: Diefenbach gloss. 367ᵇ; conta (von cunctari) eyn wyle nov. gloss. 110ᵇ; entspr. Dentzler (1716) 345ᵇ;
die weile wir auch sonst verzug zu nennen pflegen
Seume kl. t. lex. 275.
dichter halten sie bis ins 19. jahrh. fest:
von stunden an war da die kro,
und nam das fleisch, macht nicht lang weil,
und floh davon mit groszer eil
Alberus fab. 28, 31 neudr.;
(in der schlacht) gebrauch weil, list, betrug,
falsche flucht, angrif und aufzug
Weckherlin ged. 1, 240 Fischer;
wir kommen selbst mit unserm angebinde
durch weile und verdreusz, durch regen und durch winde
Fleming d. ged. 1, 155 Lappenberg;
nur so lang sols haben weil,
bisz er widerum sey heil
Rein. fuchs (1650) 406;
dasz es uns (freiern) mit witz, geduld und weil'
bey strengen tugenden am sichersten gelinget
Wieland 17 (1796) 59;
wir lieben nicht weile!
fahret uns schleunig
in sprühender eile
Grabbe 4, 85 Blumenthal.
4)
wie rast und weide (Much Herrigs arch. 106, 360; Meringer idg. forsch. 18, 236) neigt auch weile zur bed. 'verweilen': mit vleysz und mit weyl ansehen heyst schawen Luther 8, 203 Weim.; entspr. 6, 457; so vil hundert menschen an einer predig sitzen und kum das drit wort behalten, solt denen teütsche bücher verbotten sin zuͦ läsen, dar inn sy mit der wyl möchten betrachten, was inen guͦt wer zuͦ der seel säligkeit? gestr. Schwizer bur (1521) hg. v. Voss, mod. philol. 7, 491, 34;
zum welsen braucht man nicht lang weil,
er will gesotten sein mit eil
Alberus fab. 19, 65 neudr.;
die sach ist aber so gethan:
sie mus ein wenig weile han,
nim zeit dazu, so kanstus fassen
Dedekind christl. ritter (1590) D 4ᵇ;
ich schreibe sinn-getichte, die dürffen nicht viel weile
Logau 595; entspr. 540 lit. ver.;
meine seufzer finden keine weile,
eine zähre drängt die andre fort
Bürger 96ᵃ;
aber er gönnte sich weile Storm 5, 132. als gegenwort stellt sich schon hier eile ein: anordnung, abwechslung, eile oder weile der scenen Herder 5, 362 Suphan. weiterhin wird die bed. durch die seelische nähe des zeitworts weilen (s. u.) gestützt:
nun grünt ein wäldchen dicht empor,
des wandrers lust und weile
Voss sämtl. ged. 5, 289;
das moosbett winkt zu mittäglicher weile
Wh. Müller 1, 384;
die lust des glücklichen kennt keine weile
Chamisso ged. 443.
mit leichtem übergang grenzt 'verweilen' an 'zeitaufwand': ein kleines vögelein bawet mit fleisz unnd weil sein nestlein Lehman flor. polit. 3 (1662) 55.
5)
von 'verweilen' gelangt das 17. jahrh. dazu, gute weile als wunsch zu verwenden, wie sonst gute ruhe, gute nacht:
drum gieng er in sich selbst und gab bei guhter zeit
dem hoffe guhte weil
Rist Parnass 174;
nun schwester, ich musz dir auch guhte weile geben
das. 377.
mit gute unterhaltung ist zu umschreiben:
dasz wir nicht erleben,
dasz wir der jungferzunft nicht gute weile geben
Fleming d. ged. 1, 151 Lappenberg.
6)
'gelegenheit' bedeutet weile mehrfach im 16. jahrh.: do mit ein jetlicher verstendiger die weil hab zuͦ urtheilen Eberlin 1, 84 neudr.; dann die zeit gab jr kein weil, das es het künden verhälinget werden Boltz Terenz (1539) 120ᵇ; alsbald sy der weyl und komligkeit gehabt habend Frisius dict. (1556) 1028ᵃ; hat auch ... Innocentius, mit nachkommener weil, das berürte land ... an sich gezogen Fischart bienenk. (1581) 127ᵇ. in übersetzungen tritt diese bed. auch später noch auf:
wir wollen es bey beszrer weile lesen
(we'll read it at more advantage)
Shakespeare 6, 92.
7)
ihr nahe ist 'reihe des handelns': als nu Othonis weil kam, verhört er alle sach S. Franck chron. Germ. (1538) 91ᵃ, die sich verdichtet zu 'arbeitszeit, schicht': szo der küchenmeister die weyle ('jour') hot, sal er auch zu zeytten mit zusehen Michelsen Mainzer hof (1853) 45; es hat aber solcher plutarchischen tractat etliche ... Fischart ... neben seiner weil für lust und übung zu verteutschen angefangen Jobin vorr. zum ehzuchtb. 118 Hauffen. so ist nam. bergmännisch weile zu 'feierschicht' geworden (s. o. weilarbeit): berg-schicht, wenn ... die arbeiter bey der weile die berge uff kästen in die grube setzen Schönberg ausf. berg-inf. 2 (1693) 14; wann bey der weil (nach der ordinari-schicht) der berg ... auffgereumet wird Berward phras. met. (1702) 19; man sagt alsdenn, dasz die arbeit in der weile getrieben worden Jacobsson techn. wb. 4 (1784) 622ᵃ; entspr. Adelung 5 (1785) 136; Campe 5 (1811) 644ᵇ; Heinsius 4 (1822) 1566f. Mathesius setzt diese bed. schon 1571 voraus: hab ich ... bey meiner weil ... die sprüche ... meinen scheflein auszlegen wöllen Sar. vorr. 2ᵇ. selten ist sie bei andern handwerken: weile (zinngieszer) ist eben von bedeutung wie weilarbeit Jacobsson 8 (1795) 168ᵇ.
8)
feste sachliche sonderungen entwickeln sich von 'ruhezeit' aus im 19. jahrh.: 'sprachliche pause, senkung': wenn aber an eine betonte silbe eine andre, ohne dazwischen eintretende weile, gehängt wird W. Humboldt 4, 315; 'tierischer winterschlaf' Unger-Khull steir. 626ᵃ.
B.
seit langem herrscht formelhaft gebundener gebrauch weitaus vor.
1)
die älteste und häufigste formel, in der weile auftritt, ist der acc. der zeit: Grimm gramm. 3, 140 f. vor die entstehung des absoluten gebrauchs zurück weisen fälle, in denen die formel durch trans. verba in den satz gefügt erscheint: byt ain wyl (mane pauxillulum) Steinhöwel Äsop 9 und 41 Österley; wart eine weil, harre eine weil Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1297ᵇ;
ach meister, lieber meister mein,
lasz mir ein kleine weile!
ein kleine weile lasz ich dir nicht
Uhlands volksl. 301;
indesz wir hier eine weile auf der jagd zubrachten J. G. Forster 2 (1843) 92. — weitaus vorherrschend ist absoluter gebrauch.
a)
die formel eine weile macht ihr glück durch ihre unbestimmtheit. über die dauer der gemeinten zeitspanne soll nichts ausgesagt werden: da wolt er ein weil wenen, es wär ein tier sommerteil der heil. leben (1472) 5ᶜ; itzt bleibt sie eine weile stehen Ramler einl. in d. sch. wiss. 1 (1758) 314; dann sieht er ihn eine weile mit groszen, starren augen an Schiller 5 ii 401; damit hätten sie eine weile etwas bestimmtes zu thun Göthe IV 8, 244 Weim. daher ihre eignung für eine weiche, müde prosa: sie stand eine weile an der einen zimmerwand ... (die arbeit) nahm sie bald so in anspruch, dasz sie eine weile des Moses vergaszen ... eine weile lag sie ohnmächtig am weg E. Zahn die da kommen (1909) 289. 298. 325. aus ihrer umgebung im satz kann die formel ganz verschiedene färbung erhalten, je nachdem bedeutet sie 'einmal': ein weil nam er im für (gab er vor), er were nicht zu lant städtechron. 2, 128, 'auch nur für kurze zeit':
Petre, mochtestu nit ...
ain weyl wachen mit mir?
passionssp. a. Tirol 49 Wackernell,
'so lange':
fleucht sie, so lauff jr nach mit eil,
umbfangs und halt sie dann ein weil,
dasz sie dir nicht entpfliehen kan
Scheit Grob. 1127 neudr.,
'ein wenig':
Hieronimus, nachdem er sich eine weile
bedacht, sprach
Kortum Jobs. 1 (1799) 90,
'manchmal': darumb so greifft er den menschen ein weil zur rechten an Dedekind chr. ritter (1590) A 2ᵇ. — aus dem satzzusammenhang sind auch die gewohnheitsmäszig auftretenden färbungen bestimmt:
α)
'eine zeitlang': die sel in dem lyb mit küssen und früntlichem halsen ain wyl zebehalten Steinhöwel cl. mul. 56 Drescher; da hatte er einen guten freund gehabt, der hat ihn ein weil aufgehalten Aurifaber Luthers tischr. 1, 394 Weim.; dann ich sie eine weile nit hindern wil schausp. der engl. com. 294 Creizenach; wenn er sich eine weile durch das ... bürgerliche leben hindurch gearbeitet hat Thibaut notwend. e. bürg. rechts (1814) 465. so nam. gern bei Göthe: I 19, 219. 24, 28. 25, 257. 31, 104. III 1, 96 Weim. im klang ist die unbestimmte wendung edler als eine zeitlang:
er wird zwar eine weile
mit seinem trost verziehn
P. Gerhardt (1653) bei Fischer-Tümpel 3, 373ᵇ;
und nimmt an seine brust den kleinen.
so eine weile sitzen sie
Droste-Hülshoff 2, 39 Cotta;
in diesem heimlichen spielwerk (Händels) bemerkte man die neigung, eine weile still in sich zu beharren Chrysander Händel 1 (1858) 16; sie vergessen dabei (ein fehler, in den jeder fällt, der eine weile von hier fort ist) die persönlichkeiten, welche doch das entscheidende sind Bismarck ged. u. erinn. 1, 127.
β)
'gemessene zeit' ist die gegebene umschreibung in einer fülle von sätzen ausgeprägt prosaischen klangs: fleuch zu meinem bruder Laban in Haran, und bleib eine weile bei ihm 1. Mos. 27, 44; daran ich mich unter einen baum legte, desz willens, ein weil zu schlaffen Grimmelshausen 2, 366 Keller; man sagt, dasz Newton immer, wenn er den namen gottes ausgesprochen, eine weile innegehalten und nachgedacht habe Kant 10 (1839) 446; er sieht den grafen eine weile an und winkt ihn zu sich Iffland 1 (1827) 59. dieser klang bleibt auch wenn die formel in versen steht:
dan ir (der Limmat) war ungwont solch schnell schiffen
und het sie gern ein weil ergriffen
Fischart glückh. schiff 236;
als sie sich eine weil' hett also rumbgeübet,
drauff ihr zu fusze nun zu fechten auch beliebet
D. v. d. Werder Rol. 4, 21;
erst sitzt er eine weile
die stirn von wolken frei
Göthe I 4, 159 Weim.
wechselnde gegenworte heben diesen sinn heraus: so sie ein weil still gebrummet haben, behend dar uff fahen sy an, schryen als weren sy unsinnig Eberlin 1, 59 neudr.; nachdem die geschichte den stätigen fortgang der entwickelung eine weile begleitet hat, findet sie sich plötzlich in der mitte einer allgemeinen bewegung Ranke 4, 3.
γ)
für unser gefühl zu leicht erscheint das wort für den einschnitt am ende eines langen buchs: hie wollen wyr eyn weyle stillhalten, das nit werde das buch tzu grosz und ubirdrussig tzu leszen Luther 10 i 1, 728 Weim. aber ältere und mundartnahe sprache brauchen die formel gern mit dem blick auf die erstreckung: man solle einen einsperren ... und sin ein wile vergessen G. L. Kriegk d. bürgertum, n. f. 37 f.; ey ne ihr müst noch eine weile fasten engl. comed. (1624) Z 8ᵃ; ich fühle mich gesund, und hoffe, dass es eine weile damit dauern soll Lessing 17, 423; hab mir was untergestopft, da kann man's (die hiebe) schon 'ne weile aushalten Alexis hosen 1 (1846) 305. im klang kommt sie hier unserm soldatischen nicht zu knapp am nächsten:
fur unser rachn ein gut gericht
uns abermals ist wordn zu teil,
doran wir uns (hoff ich) ein weil
erlüsten wölln
Schades satiren 1, 100, 18;
herr Brecht war es sich schuldig, auch wenn er unbeschäftigt war, eine weile warten zu lassen Mann Buddenbr. 2 (1914) 372. sie ist dementsprechend beliebt in derber und komischer rede:
auch wiltu vor junckfrawen brangen,
so lasz (beim anziehen) ein weil die hosen hangen
bisz auff die schwartzen knie hinab
Scheit Grob. 144 neudr.;
da hetten dann die lieben gfattern
ein weil vom kindlin viel zuschnattern
Fischart Eulensp. 31 v. 72 Hauffen;
ich hab meinem gesellen eines angemacht bey der herrschafft, er wird eine weyle daran zu schlucken haben Moscherosch ges. 1 (1650) 446; ich richtet ihr ars und schenckel dermaszen zu, dasz sie wol eine weil an das käse-beseigen gedencken wird Grimmelshausen 2, 367 Keller; denn an Werther ... haben sie eine weile zu drucken Göthe IV 8, 35 Weim.; as he eer so ne wile anseen had, so sed he: ach fru, wat lett dat schön, wenn du könig bist Grimm märchen 1 (1812) 73; wie ich eine weile im wirtshaus nicht gezahlt hab' ... so ist der barometer seiner dienstfertigkeit auf's hinauswerfen g'stiegen Raimund 1, 7 Glossy. in ernster prosa ist 'geraume zeit' die sachgemäsze umschreibung: küszt ihre hand lange wieder und sieht sie eine weile stumm an Lenz 1, 29 Tieck; der lärm war grosz und dauerte eine weile fort Göthe I 43, 107 Weim.; nachdem dieselbe (die belagerung) eine weile gewährt hatte Mommsen röm. gesch. 1, 336; nachdem der könig eine weile schweigend dagestanden hatte ... wandte er sich gegen Gerlach Bismarck ged. u. erinn. 1, 67. je nach dem satzzusammenhang können aber auch andere umschreibungen passender erscheinen: 'solange du willst': die leuth zu unseren zeiten seynd weit anderst beschaffen, als Josue; warum? frag ein weil, darum, darum A. a S. Clara Judas 1 (1687) 322, 'über erwarten lange': sollte es sich treffen, dasz sie eine weile keinen brief von mir erhielten, so rechnen sie es der jetzigen unordnung der posten zu Grillparzer (1813) jb. d. Grillp.-ges. 1, 8.
δ)
'(für) kurze zeit' als bed. der formel ist alt: daʒ plei ... drükt und senftigt etleich smerzen ain weil. wenn man eʒ zeflœʒt, sô scheint eʒ ein weil, aber über ain klain stunt sô wirt ez dunkel Konrad v. Megenberg b. d. nat. 481 Pfeiffer, und hält sich zäh: (der drechsler) musterte es eine weile und sprach dann mit gönnermiene: recht nett Ebner-Eschenbach 1 (1893) 142, wird aber nie häufig, auch bei den theoretikern nicht: paulisper / ein weil, ein wenig tzeyt / ὀλίγον χρόνον Garth lex. (1657) 571ᵇ. am liebsten hat sie ihre stelle in der aufforderung: heb still eine weyle Boltz Terenz (1539) 90ᵇ;
nun schweigt ein weyl und habet rhu
H. Sachs 2, 40 Keller;
gebt mir nur ewren doldrian in die hand ein weyl Schumann nachtb. 15 Bolte; jetzmals hab ein weil gedult Amadis 1 (1569) 49 Keller;
ruh eine weile, o wind
Göthe I 37, 68 Weim.
ε)
seit dem 12. jahrh. fällt der ton oft auf das vorübergehende des mit eine weile gekennzeichneten thuns:
dô bat der bischof minneclîchen
die juden eine wîle entwîchen
jüdel 134, 14 Hahn;
sie wolde daʒ blüende blüemelîn
ir blüenden magetuomes wern,
eine wîle vor Tristande nern
Hnr. v. Freiberg Trist. 704 Bernt;
nun heb uff frölich dein antlitz, vergisz ein weille deines leidens der ewigen weish. betb. (1518) 28ᵃ; war doct. Fausti beger, das er morgen umb 13 uhr zu nacht jhm erscheinen solt in seiner behausung, des sich der teuffel eine weile wegerte Faustb. (1589) 12 Fritz; wir sollten ihnen an der arbeit helfen, und so thaten wir eine weile Göthe I 43, 283 Weim.; eine weile sagte weder sie noch Schinnagel ein wort Handel-Mazzetti Jesse 1 (1911) 39. diese bed. kann erzwungen werden durch die art des vorgangs; (die kranke) soll sich allwegen nach dem schwitzen ein weil niderlegen, bisz sie wider erkült Gäbelkover arzneib. 2 (1595) 5; im october ... musz man ... die zarten welschen bäume unter das dach bringen, vorher in einer galeria ein weil stehen lassen, damit sie allgemach von der lufft sich entwehnen Hohberg georg. cur. 1 (1682) 427; wesen, die sämmtlich nur dadurch eine weile bestehen, dasz eins das andre auffriszt D. Fr. Strausz 6, 147; die verliebtheit dauerte dabei fort, aber wie das blühen der pflanzen, das in eingetretener frühlingskühle eine weile unentschieden bei halbgeöffneten kelchen anhält G. Keller 3, 200; mein atem setzte eine weile aus B. Kellermann Ingeborg (1911) 13, oder durch eine zeitbestimmung: wenn gleich got ein weil wird zu sehen, wird er doch zu letst darein schmeissen Luther 19, 302 Weim.; der Jacobinerclub, dessen präsident Mirabeau letzten winter eine weile gewesen war Dahlmann gesch. d. fr. rev. (1845) 360; die ... gesellschaft hatte ihn eine weile gehätschelt und dann, des spieles müde, das spielzeug fallen lassen Treitschke hist. u. polit. aufs. 1 (1886) 318. die zeitbestimmung tritt in gegensatz zu eine weile und rückt den blick auf den nachfolgenden vorgang: (er) blib alda ein weil, zoch demnach fürwert Tschudi chron. helv. 1, 49; der graff ... verzohe ein weil, gieng darnach zu den herren Rätel Curäi schles. chron. (1607) 159; worauff sie eine weile geblieben, hernach wieder nauf gangen Thomasius ged. u. erinn. 1 (1720) 10; frau Wolff horcht eine weile, öffnet dann leise die thür G. Hauptmann biberp. (1893) 22; eine weile mag es gehen, aber mit einemmal hebt die katze die pfote, und der hund packt zu Fontane I 6, 64. diese einstellung des blicks bleibt dann, auch wenn der ausdruck fehlt: Louise sieht ihn eine weile stumm und bedeutend an Schiller 3, 370; das kind war eine weile still Auerbach 15, 3.
b)
wie der alte instr. weiland (s. o.), so tritt auch der acc. der zeit in reciproker formel auf und zwar vom 13. bis 17. jahrh.:
eine wîle jagete er'n hin, eine wîle her
rosengarten d 452, 2 Holz;
man gab den geraising auch albeg zaichen ... daz warn pinten, ein weil rot, ein weil weisz, ein weil ploe, nicht ain weil von varben als die andern städtechron. 2, 259 (Nürnberg 1449); also mag freyer will ... hie auf erd guͦt oder poͤs sein, ain weil dits wellen, ander weil das oder gar nichts wellen, yetzund wol wellen, darnach ubel wellen Berthold v. Chiemsee t. theol. 258; Bucerus ist ain weil kalt, ain weil warm Nas antipap. eins und hund. 1 (1567) 7ᵇ;
und er hat umb ein andre gworben ...
ein weil mit drohen, ein weil mit bitt
Ayrer 3, 1927 Keller.
c)
durch hinzutretende adverbien wird die formel bestimmter gestaltet.
α)
voraus gestellt erscheinen mehrfach schon und nur: ich hab' es (das pferd) schon eine weile Göthe I 8, 271 Weim.; wir haben hier schon eine weile gehalten Tieck 1 (1828) 118;
ist doch, was du nennest dein,
dein nur eine weile
Rückert ges. ged. 6 (1838) 320;
dasz ich auch möchte ruhn einmal,
und wär's nur eine weile,
Geibel 1 (1888) 56,
weit häufiger und längst vorher noch: zuerst in Thüringen 1523: ich hab tzwar ... auch eyn offenbarung gehabt, wil es aber noch eynn weyll bey mir behalten flugschr. d. ref. 1, 142 Clemen, danach gern in md. lit.-prosa: so ists ein anzeigen, das er noch wol eine weil eines schulmeisters bedarff Luther 26, 356 Weim.; entspr. 19, 655; das die welt noch ein weil stehen sol Musculus hosent. 8 neudr.; ich ... schwätzte noch eine weile mit dem pfarrer, und ging dem gubernator auffzuwarten Grimmelshausen Simpl. 75 neudr.; dasz man noch eine weile den mantel nach dem winde hienge Lohenstein Arm. 1 (1689) 23ᵇ. die handlung weist hier immer in die zukunft, doch wird die formel früh auch in die erzählung übertragen: nach vollendter malzeit blieben ... noch eine weile bey dem könig A. U. v. Braunschweig Octavia 1 (1677) 9; noch eine weile harrten sie aus angst H. P. Sturz 2, 294, in beiden arten bei Göthe I 3, 326; II 1, 8. IV 8, 91. im klang bleibt die formel nüchtern, auch wo sie einmal in versen steht:
solange nicht die menschen lernen fliegen,
was hoffentlich noch ansteht eine weile
Rückert 3, 132.
recht am ort ist sie in ernster prosa: seine nächsten collegen ... die ihm noch eine weile widerstand geleistet, bekannten sich endlich ... bezwungen Ranke 1, 202; gehn wir ihm (Oesterreich) zu weit, so wird es scheinbar noch eine weile mitgehn, namentlich mitschreiben Bismarck ged. u. erinn. 2, 19. möglich ist sie auch in der mundart: der alt steht auf und brummt no a wei K. Stieler 1, 50 Reclam.
β)
nach gestellte zeitadverbien sind lang: (man soll den schwachen) zcu lassenn, das sie ettlichen werckenn eyn weyllang umb yrs gewissens willenn noch an hangen Luther v. d. guten werken 18 neudr.; entspr. das. 101; während er eine weile lang mit ihr sprach Zahn die da kommen (1909) 186, zuvor und vorher:
magst, ob du wilt, ein weil zuvor
lan sehen dein kolschwartzes har
Scheit Grob. 1072 neudr.;
wann ungewitter vorhanden, dasz dann der vogel ein weile vorhero übrige speise suche Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 209, hernach und nachher: kurze weil' hernach kam Chryses Bürger Ilias 1, 523; eine weile nachher der page der königin Schiller 5, i 99, am häufigsten darauf: (man läszt salpeter) verbrennen, und ein weil darauff im flusz stehen Ercker beschr. aller min.-erzt (1580) 12ᵇ; eine weile drauf jagst du hinterher Schiller 2, 3; entspr. 3, 551. 4, 202; um eine gute weile darauf wieder zu erscheinen G. Keller 4, 75.
d)
seit ahd. zeit treten wechselnde attribute zum acc. der zeit, um ihn eindeutig zu gestalten:
uuizît nû ...
theih bin mit iu ... luzila uuîla
Otfrid 4, 13, 4.
dabei wechselt artikellosigkeit mit best. und unbest. artikel:
war umb lât man mich
kain wîl leben ân dich?
Wernher Marienl. 10 792 Päpke;
der pleib da heimen und schon seins leibs
und hüt die selben weil seins weibs
fastn. 767, 5 Keller;
schawt, als ich in dem himel klar
ein eben weil gewesen war
Ringwaldt christl. warn. (1588) E 5ᵇ;
sein fürstliche hofhaltung hielt er zu zeiten auf Tirol, die merer weil aber auf dem schlosz Zenonberg Brandis gesch. d. landeshauptl. 28;
unser auge war licht, sah zu der göttin auf!
wenig weile, da war
sie verschwunden
Klopstock oden 2, 53;
wir muszten's fühlen eine feine weile,
wie du kannst zücht'gen
Rückert 1 (1867) 35.
einige dieser bestimmungen der dauer werden stehend.
α)
lang seit mitte des 13. jahrh.s: daʒ kint lebet als lange wîle, daʒ eʒ diu ougen ûf tuͦt und sihet die vier wende des hûses Schwabensp. landr. ² 275 Gengler, artikellos auch:
daʒ uns iht moge letzen
keine alzû lange wîle
Elisabeth 10 479 Rieger;
mîn herzeliebeʒ schäfelîn,
daʒ lanc irric ist gesîn
unt lange wîle was verlorn
schausp. d. mittelalters 1, 232 Mone,
seither mit unbest. artikel:
sy vachten also swynde
des dages eyne lange wyle
Karlmeinet 178, 24 Keller;
ich stunde eine lange weile und sahe mich fast krum Prätorius glückst. (1669) 120; die Griechen blieben eine lange weile bey dieser alten art zu schreiben Gottsched d. sprachk. (1748) 56. der gemeinte zeitraum kann bis zu jahren anwachsen: als ich von einem glaubwürdigen manne für gewiss verstanden habe, der ... sich eine lange weil beym fischhandel an erwehnten nordischen ortern auffgehalten Prätorius saturn. (1663) 18; da sie eine lange weile um die priorität mit groszen kosten certiret hatten pol. maulaffe (1679) 70; der ein lange weyll bey enck und im Pummerland umerkugelt ist Schwabe tintenf. (1745) 51, braucht aber auch nur viertelstunden zu umfassen: eine lange weile zählte ich in jeder sekunde mehrere blitze Moltke 6, 347; sie ... schwieg gebeugten hauptes eine lange weile Holtei erz. schr. 7, 75. gelegentl. erscheint die formel gesteigert oder erweitert: eine lange, lange weile Fontane I 5, 198; ein gute lange weil Gäbelkover arzneib. 1 (1595) 8; eine lange traurige weile Möser patr. phant. 2, 34.
β)
gut im sinn von 'reichlich' steht, wie neben andern maszangaben (meile, strecke, stück, teil, pfund, stunde), auch vor weile, zuerst 1305: ein lehen, da ich und der probst ... guet weil umb chriegt haben monum. boica 9, 602, danach bei übersetzern (Arigo dec. 46. 603 Keller) und reformatoren (Zwingli d. schr. 1, 124 Schuler), vor allem aber in romanen seit 1583: Amadis 1, 141. 345 Keller; b. d. liebe 331ᵇ; Zesen Rosenmând 30; Zigler Banise 299; Lohenstein Armin. 2, 1114ᵃ; Happel akad. roman 504; Laroche Sternheim 1 (1771) 21; O. Ludwig 2, 14; Raabe kinder v. Finkenrode ⁴36; G. Keller 5, 46; Ebner-Eschenbach 4, 105. die handlung gehört hier überall der vergangenheit an, ebenso in den seltenen lex. und dichterischen zeugnissen:
da sasz er ein guͦte weyle
lied v. hürn. Seyfried 30 neudr.;
es hat eine gute weil gewähret Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1297ᵇ. vereinzelt steht die formel von gegenwärtiger und künftiger handlung: so könnet ihr eine gute weile ... euch vor dem durst präserviren Fleming t. soldat (1726) 365ᵃ; meine hoffnung, dasz du vernünftig werden würdest ... ist nun wieder eine gute weile hinaus geschoben Göthe I 23, 246 Weim.; so kann denn das ... schweigesystem noch eine gute weile vorhalten Schopenhauer 1, 27 Grisebach; es wird noch eine gute weile dauern, bis die Preuszen in Schwaben als Deutsche gelten Treitschke briefe 2, 408. auch ziemlich vor weile ist von vornherein quantitätsbest.: nach diesem macht er ... zeichen und murmelt eine zimliche weile Gryphius trauersp. 96 Palm; diese scene ... dauerte eine ziemliche weile Wieland Agathon 1 (1766) 255; wir neckten einander eine ziemliche weile herum Göthe I 27, 169 Weim. höchstens in höfischer umwelt mag der alte wortsinn von ziemlich noch mitklingen: redet mit i. f. g. eine ziemliche weile Schweinichen denkw. 156 Österley.
γ)
klein ist lit. wenig später bezeugt als gut: er wirt gar snell kalt und bedäut die läut, die ain klain weil gelaubent und zehant wider vallent Konrad v. Megenberg b. d. nat. 220 Pfeiffer, lex. weit früher: paulisper / chlain weil Diefenbach n. gloss. 283ᵇ aus e. Inntaler voc. von 1429. an der starken verbreitung der formel ist die bibelübers. betheiligt: ich bin noch ein kleine wyl bey euch Zürcher bibel (1531) Joh. 13, 33 (eine kleine weile Luther); verzeuch eine kleine weile Luther 2. Makk. 7, 17. oft in aufforderungen:
ein klein wile sollet er hie beidden
Alsfelder pass. 2656 Grein;
beiten ein cleine weil Eulensp. 24 neudr.;
verziehend nun ein kleine wyl
H. R. Manuel weinsp. 204 neudr.;
wolan, verzeuch ein kleine weil
Spreng Ilias 77ᵃ;
setz dich es ein' kleine weil nieder
Herder 25, 146 Suphan.
beziehung auf die zukunft wird durch zusatz von noch verdeutlicht: ewer gnade wol noch ein clein wil gedult han privatbr. d. mittelalt. 1, 58 Steinhausen; entspr. Pietsch (1740) 328; Wieland Lucian 1 (1788) 95; G. Keller 6, 104.
δ)
kurz ist seltener aber alt: wolde ein mensche eine kurze wîle mit flîʒe erbeidin gegin deme fleische, he queme schîre zu grôʒir rûwe parad. anime 80 Strauch. der art. kann fehlen: di sêle ist wol heilic ... aber kurze wîle das. 137;
auf des lebens bahn dahin
fleugt der mensch mit sturmeseile,
dann in treuer freunde sinn
dauert er noch kurze weile
Uhland ged. 1, 5;
Richard besann sich kurze weile,
er schlug das haupt ihm in zwei theile
1, 324.
in der regel steht er: or etzliche lebeden eyne korcze wiele Erfurter hs. von 1447 hg. v. Bartsch, Germ. 30, 201; eine kurze weile, dann wandte er sich ab Storm 1 (1899) 36. widerum kann noch vortreten: so giengs noch eine kurze weile fort Bräker 1 (1789) 83; nun ... wollte Siegbert noch eine kurze weile bleiben Gutzkow ritter v. geist 1, 31.
ε)
geraum tritt schon 1645 vor weile: wir (hatten) eine geräume weil gestritten Birken fortges. Pegn.-schäf. 32, doch gewinnt die formel erst im 19. jahrh. rechten boden: obgleich ich schon eine geraume weile vor ihm stand Pückler briefw. 2, 150; eine geraume weile bemühte man sich Bennigsen nat.-lib. partei (1892) 101; nachdem der gottesdienst vorüber, stand man noch eine geraume weile vor der kirchenthür Polenz Büttnerbauer 1 (1895) 5. hier ist vom acc. der zeit die rückkehr zum nom. gewonnen: eine geraume weile verging, eh' ich mich zu dem ersten strich entschlieszen konnte G. Keller 1, 201.
ζ)
ganz ist beliebt beim spätern Göthe I 22, 49. 43, 248; II 2, 165; IV 26, 287 Weim., selten bei anderen: solche ... stellungen ... halten sie manchmal eine ganze weile auf das unnatürlichste aus Solger nachgel. schr. 1 (1826) 56; es steht jemand dahinter, der eine ganze weile schon kein auge von ihnen läszt Mörike 3, 42 Göschen.
e)
acc. der zeit mit bestimmtem artikel ist alt:
thô uuard sâr thia uuîla   mihil erdbiba
Otfrid 5, 4, 21;
mir was die wîle als ich   enmitten in dem meien wære
Walther 118, 35;
wand daʒ er dar umbe digete
die wîle er lebete
Adelbreht Joh. baptista 154 Kraus;
die wîle unz ich daz leben hân,
sô bist du mir vil liep
Kürenberg minn. frühl. 9, 25;
al die wîle bûde Ênêas
sîne borch Albâne
Hnr. v. Veldeke Eneit 4534,
und führt zur entwicklung der adv. und conj. (all)dieweil und weil, die th. 1, 216. 232. 242; 2, 1146 ff. und o. sp. 762 ff. dargestellt sind.
2)
a)
auch der absolute gen. mit best. artikel führt zu adv. und conj., s. derweil(en) th. 2, 1026f. und Grimm gramm. 3, 134. mittlerweile als adv., präp. und conj. ist th. 6, 2391 u. 2425 behandelt. vereinzelt bleibt neulicher weile: dieweil Burkhart G ... neulicher weil beim vorigen regiment umb 10 fl., dasz er sich bessern sollt, gestraft ... wurde mitteil. d. geschichtsver. Eisenberg 16, 11 (1563), dagegen spielt nächtlicher weile seit beginn des 17. jahrh. eine rolle:
als er schlieff
nächtlicher weyl verborgen tieff
Spreng Ilias 13ᵃ;
ein heil. Nicolaus ... hat nächtlicher weil drey armen töchtern ein heyrath-guth eingelegt A. a S. Clara Judas 1 (1687) 277; einmal nächtlicher weile überraschte N. ein paar mädchen im roggenfelde Arndt schr. f. s. l. Deutschen 4, 395; ich ... zog nächtlicher weile die Ramsauer landstrasze dahin H. v. Barth Kalkalpen (1874) 21. jetzt nur in alterthümelndem oder getragenem stil: (das psalterbuch) hatte der neidische Sindolt nächtlicher weile zerschnitten Scheffel Ekkeh. 49; in seiner unergründlichen tiefe kann man nächtlicher weile zauberspuk sehn Laistner nebelsagen 89. vom gen. geht das seltene adv. dickweilen 'oft' aus, neben dem dickweils steht: Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1297ᶜ.
b)
gen. sind ursp. auch wendungen gemeint wie: mord! zum erschlagen hat's noch weile Schiller 3, 140; mit ihr hat's immer noch weile Tiedge 4 (1823) 157, wie es in älterer zeit sichtbar wird: wenn ich mehr zeits, weilen bekommen habe Apherdianus meth. dic. (1601) 294. weile wird aber hier (wie zeit in entspr. fügung) seit langem als acc. gefaszt: mit dem tödten hat es nun gute weile Klinger 6, 177; sie sehen, lieber Bamberg, dasz es mit meiner heimreise gute weile hat Hebbel II 3, 257.
c)
im 13./14. jahrh. ist freier gebrauch von weile möglich im sinn des heutigen im lauf der zeit:
in der selben wîle zil
gie der gotis wîgant
Moyses und tet zehant
gotis gebot
Rudolf v. Ems weltchron. 10 209 Ehrismann;
das in kurczer wîle vart
sîn dürriu ruot grüene wart
Wernher Marienl. 1731 Päpke;
offenbar von hier aus haben sich formeln entwickelt, in denen vom stoffbegriff weile der gen. zeit abhängig gemacht wird:
hertzlieb ich muesz mich scheiden,
und dich ein weil zeit meiden
Glanner t. liedl. 1 (1578) nr. 20;
diese seelecken ... sollen im fegfewr ein weile zeits gebraten, gesotten oder geröstet werden Fischart bienenk. (1588) 119ᵃ. hier wird nnl. en wijl tijds nachgebildet, das in Aachener ma. als en will zitts bis heute 'eine zeitlang' bedeutet: Müller-Weitz 262. als maasz eines in den gen. part. gestellten stoffs erscheint weile auch md.: sie (die hoffnung) verschertzt gott und das himmelreich umb einer kleinen weile augen-lust J. Böhme 5 (1620) 72.
3)
der formelhaft gebrauchte instrumental hat die unter weiland dargestellte entwicklung genommen. mit ihm zus.-gesetzt sind bisweilen th. 2, 48 und einstweilen th. 3, 317f.
4)
fügung mit präpositionen neigt gleichfalls früh zu formelhaftem gebrauch. unter fast 250 fällen ist nur eine gen.-rection: während einer ganzen weile Fontane I 6, 3. aus dem rahmen fällt ferner die junge fügung seit einer kurzen weile Zahn die da kommen 60. reciprok gebraucht wird von weile zu weile spec. eccl. 49 Kelle; städtechr. 5, 53; Franck chron. Germ. 70ᵇ; Knebel chr. v. Kaisheim 107. auch postposition findet sich: die weil' über Lenz 1, 53 Tieck. alt und zahlreich sind formeln ohne artikel, solche mit best. art. bleiben seltener als die mit unbestimmtem. nach ihrem alter geordnet bieten sich die folgenden formeln:
a)
in thia wîla ist schon im 9. jahrh. erstarrt zur bed. 'für jene zeit, inzwischen':
ni hilfit iuih thiu îla   thanne in thia uuîla
Otfrid 4, 13, 6;
uuaʒ hilfit nu then muadon man ...
thaʒ sint imo untar henti   ellu uuoroltenti,
oba er in thia uuîla   firliusit sîna sêla
3, 13, 33.
weiterhin nur mit dat.:
zuͦ den selben stunden
driu holcz dar an begunden
grüenen und gâbent este ...
in der wîle mit genucht
Wernher Marienl. 3030 Päpke.
vom 14. bis 17. jahrh. steht in der weil 'zu gleicher zeit' bei dichtern (Arigo dec. 94; Füeterer Lanz. 46 Peter; Sachs 1, 216 Keller) und historikern (städtechr. 1, 42. 15, 304; zimm. chr. 1, 38; Xylander Polybius 6), hier auch einmal relativ: ist demnach mit fleisz durch den kot ... gegangen ..., in der weile die anderen noch stunden und zuckten und gingen leisse, das sie ire kleider nicht unrein machten Kantzow chr. v. Pommern 1, 264 Gäbel. in waldeckischer ma. lebt in dr wîl 'unterdessen' Bauer-Collitz 112ᵇ. ohne art. nur: in weyl und läben seines nachgelasznen sohns Stumpf Schwytzerchr. 330ᵇ;
(pfeile) die hin und wieder fliegend, würkend zischen,
gehetzt in eile, bogenhaft in weile
Göthe I 5, 119 Weim.
in einer wyl zuerst 1616 Endinger judensp. 25 neudr., danach erst wider Stifter 3, 202 f. an attributen sind häufig kurz von Wirnt Wig. 4954 bis Brentano 2, 185, klein von Arigo dec. 4 bis Arnim 13, 40, vereinzelt schnell Paracelsus 2, 494 Huser, gut Fortunatus 60 neudr., still Waiblinger ged. 2, 94 Grisebach, müszig Mörike 1, 167 Göschen und nächtlich Mommsen röm. gesch. 1, 574.
b)
am häufigsten ist die gleichfalls schon ahd. fügung bei:
thô uuard bî theru uuîlu   thiu dohter sâr io heilu
Otfrid 3, 10, 45.
bestimmter artikel findet sich bis ins 16. jahrh.: Konrad v. Würzburg Pant. 2107; welsch gattung (Str. 1513) 2129, dabei entwickeln sich sonderbed.: ie pî der wîl 'von zeit zu zeit' städtechr. 4, 103; by der wyl 'vorzeitig' Kolrosz (1532) schweiz. schausp. 1, 59 Bächtold. vergleichbar: bei ainer weil 'jeweils' städtechr. 5, 103. aus artikelloser fügung mit sg. oder plur. (s. o.) entwickelt sich das th. 1, 1407 behandelte adv. beiweilen. von attr. begegnen vereinzelt gut (Schlegel Shakespeares Cäsar 3, 1) und nächtig (Göthe I 1, 212 Weim.), oft nächtlich: bey nechtlicher weyl 'zur nachtzeit' zuerst 1463 privatbr. d. d. mittelalt. 1, 65, weiterhin gern in gesetzen: Knebel chr. v. Kaisheim 477; Heidelb. stat. (1558) 141; österr. weist. 1, 5935; Jhering geist d. röm. rechts 268, kriegsberichten: Carbach Livius 345ᵃ; verhandl. d. schles. stände 2, 5; Micrälius a. Pommerl. 2 (1640) 283; Chemnitz schwed. kr. 1, 84. 2, 203; J. v. Müller 1, 132; Mommsen röm. gesch. 2, 100, romanen: Wickram 2, 160 Bolte; Zigler Banise 656; Schnabel Felsenb. 12, 9 neudr.; B. v. Arnim Günderode 1, 150. ein leichtes veralten scheint Heynatz gespürt zu haben, der 1797 den ausdruck verurtheilt, welcher in guten schriftstellern so leicht nicht angetroffen wird antibarb. 2, 620, doch verwendet ihn auszer in der angef. Agathonstelle Wieland auch 11 (1772) 141 und Lucian 1 (1788) 224; Göthe I 41 i 370 Weim. und gespr. 8, 230 Biedermann. zu nächtlich tritt still Stumpf Schwytzerchr. 417ᵇ; Schiller 12, 308; Eichendorff 2 (1864) 14.
c)
zu findet sich, abgesehen vom plur. (s. o.), seit etwa 1150 in formeln: sâ ze der wîle gab der starche wîgant unsir hêrri den guͦtin gewalt ze himeli ze varn spec. eccl. 68 Kelle; zuo der wîle Ottokar öst. reimchr. 30 718 Seemüller; zuo iegelîcher wîle Zürcher pred. d. 12. jahrh. bei Wackernagel leseb. 194, 12; zu rechter weil Lori bair. bergr. 133 § 1 (1509); zu keiner weil — zu dieser weil Spee trutzn. (1649) 63. die weitere entwicklung s. u. zuweilen.
d)
unter. die entwicklung des adv. unterweilen (s. d.) beginnt im 12. jahrh.:
ein man sol haben êre,
und sol iedoch der sêle
under wîlen wesen guot
Spervogel minn. fr. 30, 1.
selten wird die formel mit pron. belastet:
ihr vil seind under diser weil
umbkommen durch der feinde pfeyl
Spreng Ilias 151ᵃ.
auch der artikel bleibt ihr schriftsprachlich fern: dem vater ward unter der weile angst Grimm märchen 1 (1843) 163; unger der weile 'mittlerweile' Jecht mansf. 123ᵃ.
e)
an der wîle 'zu der zeit' bleibt selten: Albers Tnugd. 647 Wagner; Wirnt Wig. 4948. 6745. eigen:
du sprichest dir tû der hunger wê,
unde eʒʒe an dirre wîle ê ('und hast doch eben erst gegessen')
kl. mhd. erz. 209, 184 Rosenhagen;
wann es nun wär an seiner weil ('ihm gelegen, à son aise'),
so wolten sie reiten darvon
Maximilian Teuerd. 70, 30 Gödeke.
damit sind die formeln mhd. alters erschöpft.
f)
über seit 15. jahrh.: über ein weyl 'nach einiger zeit' Gersdorff wundarzn. 79ᵃ und so oft bis ins 19. jahrh.: ohne erlaubnüsz gehe nicht hinaus, uber eine weile komm wieder Comenius jan. ling. vestib. (1650) 65; wenn ihr nun ... über eine weile höret: den alten jäger haben sie auch begraben Laszberg bei Scherer kl. schr. 1, 61. dem maler Fr. Müller eignet die formel in der bed. 'etwa gar, am ende gar': das wird doch über'n-weil gar der kerl nicht seyn, der uns heut aufstiesz? Fausts leben 1, 76 neudr., dafür später bei dems. über die weil(e gar) werke (1811) 1, 343; 2, 122. 3, 66. sonst bed. über die weile 'länger als nöthig' Klinger 2, 255. ohne art. nur Luther 6, 47 Weim., uber etlich weil Amadis 1, 86 Keller; über kurze weile Geibel 1, 222. öfter steht attr. nach unbest. art.:
begabs sich uber ein ebne weil
Waldis Esopus 1, 375 Kurz.
vom 15. bis 19. jahrh. über ein kleine weyle: Arigo dec. 89 Keller; Zürcher bibel (1531) hohes lied 3, 4; Luther Hebr. 10, 37; Mt. 26, 73; zimm. chr. 1, 64; Agricola bergw.-b. (1621) 80; Mörike 1, 62.
g)
auf zuerst 1542 in einer übersetzung: er müste solcher hitzigen begirdt bisz auff sein weil statt geben (ardori cedere in tempore 'für einige zeit') Tacius bei Fronsperger 3, 242ᵇ, seit etwa der gleichen zeit in der formel auf ein weil 'vorübergehend': Scheit fr. heimf. P 2ᵇ; Rompler v. Löwenhalt 1 (1647) 91; Gerstenberg schl. lit.-br. 271, 22 neudr.; Zimmermann eins. 1, 90; Göthe I 47, 188. IV 29, 77 Weim.; Mommsen röm. gesch. 2, 196; Ranke 15, 70. erweiterung durch attr. ist spät und selten:
willst du auf eine kleine weile
dein pferd zur probe mir vertraun?
Schiller 11, 22;
ich lasz' auf kurze weile
beim kessel dich allein
W. Müller ged. 62 Hatfield.
h)
mit der weile tritt seit 16. jahrh. in versch. bed. auf, die alle davon ausgehen, dasz die vorgänge als begleiter der zeit aufgefaszt werden: 'nach und nach' Luther weish. Sal. 12, 8, 'bei lebzeiten': er sölte beiden vettern mit der weyl seines lebėns wol verziehen Stumpf Schwyzerchr. 212ᵃ, 'bei zeiten':
(es) schicket sich als mit der weil,
was werden wil zu einer eul
Fischart Eulensp. 29, 13 Hauffen,
'nachgerade':
also bedörfft man mit der weil
zum jagen weder garn noch seil
flöhaz 2017 neudr.,
'schlieszlich': mit der weil, hoff ich, werden sie auch türkische baschas machen bienenk. (1581) 133ᵃ. weiterhin hat die bed. 'allmählich' gesiegt. auf weile 'verweilen' beruht:
dan vil ding thut man mit der weil,
welchs man nicht thun kann inn der eil
Fischart ehzuchtb. 130, 7 Hauffen,
ebenso die artikellose formel:
nimm hin, und küsz mir recht mit weile
Rückert ges. ged. 3, 71 (1837).
nur zwei attr. behaupten sich: mit langer weile 'auf die länge': Fischart ehzuchtb. 145 Hauffen; Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1297ᵇ, mit guter weile 'in allem behagen': Albertinus Lucif. kgr. 73 Liliencron; verh. der schles. fürsten 6, 131; Moscherosch ins. cura 135 neudr., entspr. mit seiner guten weile Kramer 1297ᵃ, mit eurer guten weile Rädlein 1, 1041.
i)
vor einer weile zuerst 1613: Fröreisen bei Dähnhardt griech. dramen 2, 237, dabei die attr. gut: B. Faber thes. (1587) 398ᵇ; Calepinus XI ling. 668ᵃ, und klein: Kramer 1297ᵃ; Rädlein 1, 1041; Kotzebue 18 (1828) 26.
k)
für eine weile 'vorübergehend' von 1648:
(sie) müssen für ein weil gedultiglich erleyden
was ein tyran nur will
Weckherlin 2, 166 Fischer,
bis 1856: (andere kehren) zu den zuständen zurück, von denen sie für eine weile sich entfernt haben Lotze mikrok. 1, 82, gern bei Dahlmann (gesch. v. Dänem. 3, 195; gesch. d. franz. rev. 42). für die nächste weile Laube 2, 13.
l)
'ohne verzug' wird in gehobener sprache des 18./19. jahrh. mit unserm wort gegeben, ohne weile seit Wieland 21, 109 (Gandalin 6, 376), sonder weile seit Gries Ariosts ras. Rol. 2, 233. beide formeln bewähren sich zumal in versen:
mich hielt kein ring, mich hielt kein ort
es trieb mich ohne weile fort
Platen 1, 340 Redlich;
indes ich ohne weile
unschlüssig, satt und dürstig, weiter eile
Mörike 1, 46 Göschen;
schwebet, schwebet,
meine vögel, sonder weile
Arndt 4, 152 Rösch;
und schlag auf schlag, und sonder weil'
summt sie ein lied und schwingt das beil
Heine 1, 15 Elster.
m)
nach einer weile ist jung (kaum vor Hippel lebensl. 1 [1778] 24), aber häufig von klassikern (Schiller 13, 239) und romantikern (Brentano 5, 30; Fouqué gefühle 1, 9; E. Th. A. Hoffmann 10, 51 Grisebach) bis in neue unterhaltungslit. (Fontane I 4, 11. 5, 125; E. Zahn die da kommen 38. 70. 86). älter sind fügungen mit attr.: nach einer klainen weyl seit 1475: d. bibel, Luk. 22, 58; nach einer kurzen w. Gottsched ged. 1 (1751) 189, dazu neuerdings: nach einer guten weil Handel-Mazzetti Jesse 1, 108; nach geraumer w. Zahn die da kommen 130; nach einiger weile Hesse Gertrud 161.
5)
zum wortpaar wird die formel, wenn sich weile zu wechselnden synonymen fügt.
a)
so seit mitte des 12. jahrh.:
wîle unde stunde
walzent al umbe
kaiserchron. 3641 Schröder;
entspr. das. 17 033, dieselbe formel weiterhin in der Schweiz: Manuel papst u. s. priest. 778 Bächtold; Bräker 2, 195. vereinzelt: deheine frist noch wîle Ottokar öst. reimchr. 16 395 Seemüller; sy gab im nit die weyle noch die ruͦe erste d. bibel 4, 402 Kurrelmeyer.
b)
weitaus am häufigsten ist das wortpaar zeit und weile, zuerst wider um mitte des 12 jahrh.: eʒ ist iwers gewaltes niht, ze wiʒʒenne die cît oder die wîle, die mîn vater in sîner gewalt hât spec. eccl. 143 Kelle, fortlaufend seit 15. jahrh.: Diefenbach gloss. 280ᵇ; Arigo dec. 113. 115 Keller; N. v. Wyle transl. 51 Keller, nun in gedankenloser häufung bis tief ins 18. jahrh.: Bodmer abh. v. wunderb. (1740) 4; Leipz. aventurier 1 (1756) 118, selten bei klassikern:
mit solchem streit verliert man zeit und weile,
und führt doch nur geduldig volk am seile
Göthe I 15, 148 Weim.,
vereinzelt bis heute: es wird schon werden. alles musz doch zeit und weile haben Fontane i 5, 49. die deutschen landschaften sind gleichmäszig betheiligt. besonderheiten finden sich nur in älterer zeit, so der gen. partit.: so mir etwan der zeithe und weyle würde Ruchamer newe weldte (1508) i 5ᵇ, zutritt von attributen:
es näm vil zeit und lange weil,
wann du die krebs nach ordnung woltst
anathomieren, wie du soltst
Scheit Grob. 4268 neudr.,
oder von weiteren synonymen: haben zeit, weil, platz und instrument gnug darzu Paracelsus op. (1616) 1, 314: da doch alle ding ihre zeit und weil, und ihre rast und ruhe haben wollen fischb. 123.
c)
schon die umgekehrte formel weile und zeit bleibt merklich zurück, gilt aber doch zehnmal von 1460 (Arigo dec. 69 Keller) bis 1675 (Treuer d. Dädalus 1, 722). auch hier treten weitere synonyma hinzu:
stunt, weil und zeitt, baid nacht und tag
mag ich doch nit vergessen dein
Hätzlerin liederb. 57ᵇ,
ebenso wechselnde attribute: in kurzer weil und zeit Thym Thedel v. Walmoden 941 neudr.; bei rechter weil und zeit Reutter v. Speir kriegsordn. 45.
d)
vollends vereinzelt sind reimende formeln:
mich hat die lust, mich hat die list
um heil und weil betrogen
Brentano 2, 376.
6)
mehrfach ist schon hier die bed. 'musze' erreicht, die wesentlich auf formelhaften gebrauch beschränkt bleibt.
a)
in negativen formeln begegnet sie seit dem 12. jahrh.:
si forhte daʒ ir gebrâche
der stade und der wîle
Hnr. v. Veldeke Eneit 48, 11 Ettmüller.
frühnhd. ist das partit. verhältnisz nicht mehr deutlich: im nit weil werden mocht, sein allerliebste Amelia zuͦ gesegnen Wickram 2, 209 Bolte;
sie sprach: mir ist nit so vil weil,
dann nach Oceano ich eyl
Spreng Ilias 321ᵃ.
seit dem 17. jahrh. weicht der alte gen. in den nom. aus:
wilstu fremde fehler zählen, heb an deinen an zu zählen,
ist mir recht, dir wird die weile zu den fremden fehlern fehlen
Logau 249 Eitner.
b)
weile 'unausgefüllte, leere Zeit' begegnet als subject in festen formeln;
mir ist die weil so langk
Hätzlerin liederb. 7 Haltaus;
o, wie wird mir mein weyl so lang!
H. Sachs 17, 194 K.-G.;
da mir dann die weil bey meiner krankheit auch nit sehr kurz geworden Götz v. Berlichingen 32 neudr. mit leichter umschaltung wird w. zu object: las dyr die weyle nicht lang seyn Luther 18, 125 Weim.; nicht lang werden Melch. Meyr erz. a. d. Ries 3 (1868) 34.
c)
die verwendung als object ist von vornherein häufiger.
α)
prädicat ist dann eins der verba vertreiben:
mit der kurzewîle dingen
den frouwen man die wîle vertreip
Ulr. v. d. Türlin Willeh. 285, 25 Singer;
also vertreibend die herren ir wil Richental chron. d. Konst. konz. 84 lit. ver.; schwänke, damit man die zeit und weyl zuͦ vertreiben pfleget Lindener Katz. 61;
schaff dasz ich die weil   nicht lüderlich vertreibe
Rompler v. Löwenhalt 1, 60;
mir wöllen die weil mit singen vertreiben volksschausp. 17 Hartmann, kürzen:
auch den gesten ir weil zu kürzen
H. Sachs 6, 146 K.;
angegebene proportiones ... lasz ich einen jeden, der lust hat die weil zu kürtzen, selber auszforschen Kepler 5, 610 Frisch;
niemand kürtzt ihm (dem ehelosen) zeit und weil
Voigtlander oden (1642) 107, 4;
blosze übungen der feder,
des kerkers traur'ge weile zu verkürzen
Schiller 12, 400 G.,
seltner verzehren:
die weile zu verzehren,
hört mancher, was ihr sagt
Logau 286 Eitner,
oder gewinnen, 'nutzbar machen':
wie man die müde sinnen
mit nutz ergetzen möcht'; und wie doch zu gewinnen
die lang-verdroszne weil
Schottel bei Neumark fortg. mus.-poet. lustw. 1 vorw.
β)
persönliches dat.-obj. ist wesentlich bei fügung mit lassen: do warde im nicht so vil weyl gelassen, das er sich hette entreden müssen Arigo dec. 561 K.; so will ich dir dest mer weil lassen mit ym zu reden Fortunatus (1509) 106 neudr; ihm selbs wol weil lassen / placide ... agere Dentzler (1716) 346ᵃ, nehmen: nun musz ich weil nhemen, disse schrifft zuhandeln Carlstadt v. gelübden (1521) C 1ᵃ; wo ich mir einmal so viel weil nehmen kann Luther briefe 2, 249 de Wette;
wenn ich ein wo gehen soll, bin ich still, nehm mir die weile
Neukirch bei Hoffmannswaldau, auserl. ged. 2, 332;
entfiel ein aug' ihm in der groszen eile,
es aufzuheben nähm' er sich nicht weile
Uhland ged. ² 442,
verschaffen:
und hat ihm noch gut weil verschafft,
dasz er sein bündlein zsamenrafft
Fischart ritter v. Stauff. v. 729 Hauffen.
γ)
subject ist eine person in der seit dem 15. jahrh. häufigen fügung mit haben: darnach die furleut weil haben Tucher baumeisterb. 86, 12 Lexer; si facultas erit ... wenn ich weyl und kommligkeit oder gelägenheit hab Frisius dict. (1556) 539ᵃ; wann es nur wermer wirt und ich die weil habe, innen zu besuechen erzb. Anton Brus br. 25 Steinherz; er hatte weile ... zechend zu rasten L. v. François Reckenb. 1 (1871) 51;
setzet euch her und trinkt! wir haben noch weile zu plaudern
Mörike 1, 249 Göschen.
relative maszbestimmungen wechseln im ausdruck: szo man allczeyt weyle gnug hat Luther 34 i 199 Weim.;
bisz auff ein basz gelegnen tag,
dasz ich die weil basz haben mag
Scheit Grob. 3361 neudr.;
friede soll an krieg gedencken, Lusignanus dencket dran:
hat er nur ein wenig weile, mustert er die leuse-fahn
Logau 391 Eitner;
dasz vor der erfindung des geschützes man in dem streit mehr weile hatte Breitinger krit. dichtk. 1 (1740) 497. häufig sind wider negat. formeln: das sy nit wyl hattend zuͦ essen Zürcher bibel, Mark. 3, 20 (Luther: raum);
wir müssen mit der sichel dran,
wir haben nun nicht lenger weil
Alberus fab. 18, 57 neudr.;
dasz Amadis kümmerlich weil hatt, zu rosz zu sitzen Amadis 1, 144 lit. ver.; ich habe keine weile mährgen anzuhören Petrasch lustsp. 1 (1765) 107. attributiv treten vor weile: müszig (Lessing 1, 268) und gut (Gerstenberg Ugolino 252 Hamel). selten ist ein vorgang subject: disz wil lenger wyl haben Zwingli freih. d. speisen 20 neudr.; noch hats mussen weil haben Luther tischr. 2, 223 Weim.
d)
im gen. part. erscheint weile früh bei Alemannen:
wan swer den man erkennen sol,
da gehœret langer wîle zuo
Hartman Iwein 4193;
dem künig die red versmâht
und hieʒ sagen Alexandro,
daʒ er in lieʒ der weil dô
gr. Alex. 442 Guth,
(die zweite stelle vom herausgeber verschlimmbessert). so ganz regelmäszig bei bedeutung 'musze':
zuͦm bättel losz ich mir der wile,
dann es sint leyder bättler vil
Brant narr. 63, 78 Zarncke;
wir hand noch lang der wyl
H. R. Manuel weinsp. v. 820 neudr.;
vindica te tibi ... nimm der weyl deinen geschäfften nachzesinnen Frisius dict. (1556) 1384ᵃ;
man nem ihm wol der weyl
W. Spangenberg ausgew. dicht. 102 Martin;
lieszen sie unserm herr gott das gantze jahr uber nicht so viel der weil Zincgref ap. 1, 390. Abr. a S. Clara erkennt man daran als geborenen Schwarzwälder: so gar haben etliche nit der weil genommen, dasz sie das geld auff der wechsel-banck hätten eingeschoben Judas 2 (1689) 426. in älterer zeit namentlich greift der partit. gen. über das alem. nach Schwaben: Eberlin v. Günzburg 3, 136 neudr.; Franck weltb. 216ᵃ; H. Fischer schwäb. wb. 6, 600, Bayern: Lohengrin 4483; Guarinonius grewel 1070, Ostfranken: Schwarzenberg t. Cicero 157, 2ᵃ; H. Sachs 6, 121 K.; Kramer t.-ital. dict. 2, 1297ᵃ; Grübel 2, 4. 3, 100, Tirol: Osw. v. Wolkenstein 46, 9 Schatz; Schöpf 808, Österreich: volksschausp. 152, 111 Hartmann; K. Stieler ged. 4, 67 Reclam, Obersachsen: Lindener rastb. 7 lit. ver.; V. Schumann nachtb. 17 Bolte; disc. d. kipper A 3ᵃ; Rädlein 1, 1041, Thüringen: Luther 15, 394. 18, 123. 26, 156 Weim.; Römoldt laster d. hoffart E 1ᵇ, Rheinfranken: Dietenberger miszbr. d. messe C 3ᵇ; E. Alberus fab. 29, 10 neudr.; Petrarcha trostb. 90ᵃ; Agricola sprichw. 113ᵃ. 172ᵇ; Lehman flor. pol. 3 (1662) 47; Schupp 770; Grimmelshausen Simpl. 515 neudr.; K. Ch. L. Schmidt westerw. 325.
7)
formelhaft treten vor weile die adj. kurz (th. 5, 2833 f.) und lang (th. 6, 159). sie werden so häufig, dasz sich kurzweil und lang(e)weile zu eigenen wörtern entwickelt haben, die mit ihren vorgeschichten th. 5, 2856 und 6, 173. 184 dargestellt sind.
8)
im sprichwort behauptet weile die alte beliebtheit, die im freien gebrauch an zeit übergegangen ist.
a)
das heute gangbarste dieser sprichwörter wird 1471 vorbereitet in der form:
guͤt ding muͦsz haben weile
Hätzlerin liederb. 162.
die gültig gewordene fassung 1519: guͦt ding wil wyl haben Murner geuchm. 168 Uhl, so fortan bei sammlern: S. Franck 2 (1532) 119ᵇ; Bas. Faber thes. (1587) 653ᵇ; Eyering 2, 713; Schottel 1119; Binder (1873) 36, wie bei schriftstellern: Luther 28, 711 Weim.; Prätorius sat. (1663) 395; Bucholtz Herk. 76; K. F. Cramer Neseggab 1, 137; Göthe I 24, 42 Weim.; Moltke 1, 91. gern wechselt das verb:
gut ding musz haben weil, nit eil
Forster liedl. 67 neudr.;
entspr. J. Regnart (Nürnberg 1588) bei Erlach volksl. 1, 114; Dentzler clavis (1716) 345ᵇ; Agyrtas grillenvertr. 20;
ein gutes ding könt' haben weil,
man solt' erst hören das ander theil
Rein. fuchs (Rost. 1650) 235;
gut ding hat weile Voss antisymb. 2, 33; entspr. sämtl. ged. 2, 302; gut ding braucht weil Pocci lust. kom.-b. 3, 105; gut ding braucht lange weile Fischer schwäb. wb. 6, 600. frühnhd. tritt neben weile sein synonym zeit (s. o.): gut ding wil haben zeit und weil Eyering 1, 731; entspr. sch. w. klugr. (1548) 62ᵃ. wo dichter das sprichwort in verse einbauen, ändern sie wortlaut und wortstellung:
eilen hat niemals gut gethan,
dann gut ding stets wol weil wil han
Eyering 2, 8;
(die stunde) wird schon schlagen.   schweig nur still!
du weist mehr als zu wohl, dasz gut ding weile haben will
Stoppe Parn. 89;
weil' haben will gut ding
Brentano 6, 223;
gut ding will haben weile
Heine 2, 463 Elster;
selten sind stärkere abweichungen: was guͦt, wil weil haben sch. w. klugr. (1548) 19ᵇ; je besser ding, je mehr weile Bode Th. Jones 3, 450.
b)
abgekommen ist das einst beliebte: alles dings eyn wyle gemm. gemm. (Augsb. 1512) bei Diefenbach gloss. 618ᵃ; alle ding wehren ein weile Luther 28, 400 Weim. die gültig gewordene fassung 1539:
all ding ein weil ein sprichwort ist
Forster liedl. 61 neudr.;
ebenso: Franck sprichw. 1 (1541) 94ᵃ; sch. w. klugr. 97ᵃ. 158ᵇ; Xylander Polybius 354; Neander d. sprichw. 6 Latendorf; Schottel 1128. schon im 17. jahrh. müht man sich um verdeutlichung:
alls dings ein weil ein sprichwort ist:
es geh so ubel alls es wol,
ein weil nicht immer weren sol
Eyering 1, 20;
alle ding (währen nur) eine weil Kramer t.-ital. dict. 2, 1297ᵃ. auch dieses wort leidet änderungen bei schriftstellern, die es ihren werken einfügen: es lesst sich alle ding ein weil thun, gott kompt langsam Mathesius Sar. 11ᵇ; wie nun alle dinge nur eine weile ... also wird ihme die larve ... abgezogen Butschky Pathmos 239, ebenso in mundarten: àlls si hàt saini wail Germ. 29, 86 (nösterr.); alles dinges is êne wîle holst. chron. bei Staphorst hist. eccl. Hamb. 1, 2, 125; alle dingen duren eene wijl Harrebomée 2 (1861) 460ᵇ.
c)
eile mit weile ist geflügeltes wort: Büchmann ²⁵ 439. neben festina lente bucht es 1702 Kramer t.-ital. dict. 2, 1297ᵃ. als wort des kaisers Augustus wird es seit 1720 mehrfach angeführt: die klügsten käyser haben solche wahlsprüche gehabt, als: eile mit weile Thomasius ernsth. gedanken 2, 195;
eile mit weile! das war selbst kaiser Augustus' devise
Göthe I 50, 226 Weim.;
eile mit weile, sagt der imperator F. L. Schröder dram. 3, 142. die fassung eil mit weil wird von 1545 bis 1601 nie gestört: S. Franck sprichw. 1 (1545) 49ᵇ; sch. w. klugr. 9ᵃ; Fischart Garg. 188 neudr.; Rollenhagen froschm. O o 2ᵃ (3, 1, 4); Eyering 1, 229, fortan heiszt es eile mit weile bei schriftstellern: Zesen verm. Helikon 114; rosent. 106; Prätorius glückst. 239; Iffland 2, 111; Arnim 5, 24. 15, 340 Grimm; Hebbel I 6, 168, wie bei sammlern: Rädlein 1, 1041; Spanutius 526; t. sprichw. (1790) 91; Schellhorn 135. kritik an dem wort ist selten: drum eile mit weile, es sey denn eilens-zeit J. G. Schmidt rocken-phil. 2, 162, häufiger zustimmung:
mit weile eilen nicht betrogen hat
Voigtländer oden 96, 5;
drum mercke man den schlusz:
dasz man in seinem thun mit weile eilen musz
Henrici ged. 2, 98,
und weiterbildung:
ein sprichwort ist: eyl fein mit weil
griech. dramen 1, 138 Dähnhardt;
brokken ... deren ich theils ... in den ersten lährjahren gemacht: etliches mit weill, etliches mit eill Rompler v. Löwenhalt 1 (1647) vorr.;
ihr eiletet mit weile:
nun fördert gott diesz werk, zu eurem glück, in eile
Weichmann 2, 96;
drum warte nur, gott eilt mit weile,
versäumet aber niemand nicht
Schmolcke 1 (1740) 235.
d)
eine reihe seltnerer sprichwörter ergänzt das bild: lasz dir der weil, jagt dich doch niemand S. Franck 1, 49ᵇ; von da Lehman flor. pol. 3, 208; wiltu reich werden, so muͦstu dein seel ein weil auf die oberthür ... setzen sch. w. klugr. 17ᵇ; entspr. Faustb. (1589) 10 Fritz; thu recht und eyl, doch rath mit weil Lehman flor. pol. 3, 349; von da Wille sittenl. (1781) 72; zeit und weil seynd ungleich Ph. Hafner ges. schr. 1, 193; entspr. Meisl theatr. quodl. 3, 77; lasz dir weile, zeit bringt rath W. Körte sprichw. d. Deutschen 6613; grosze eile gibt selten gute weile G. Freytag 18, 260; de lage stijlen staan lange wijlen Harrebomée 2, 460ᵇ; sta maar eene wijl, gij verliest eene mijl das.;
heirath in eile
bereut man mit weile
Binder 87.
C.
zusammensetzungen (die an ihrem ort übergangenen sind gesperrt): feier-, hands-, kälber-, kurz-, lang(e)-, schlenkel-, schuster-, sitz-, vor-, warteweile.
Zitationshilfe
„weile“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/weile>, abgerufen am 19.06.2019.

Weitere Informationen …