weich m
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 474, Z. 7
besondere siedelung ahd. wîh Graff 1, 721, mhd. wîch mhd. wb. 3, 614; Lexer 3, 816, asächs. mnd. nd. wîk Schiller-Lübben 5, 710, mnl. wîk Verdam 692, nnl. wijk Franck (1912) 794, afries. wîk f. Richthofen 1149, ags. mengl. wíc Bosworth-Toller 1212 f.; Stratmann 681, engl. -wich in ortsnamen wie Ips-, Green-, Norwich. westgerm. entlehnung aus lat. vîcus, mit dem got. weihs n. Feist 312 urverwandt ist. früh wider ausgestorben, gelegentlich neu erschlossen aus zusammensetzungen wie weichbild: weich vicus, civitas Hayme jur. lex. 1319; Haltaus gloss. 2050, und ortsnamen wie Bardowiek, Osterwick, -wieck, Braunschweig:
Bruno ...
bawt dich und nent dich Braunschweig,
zu sein sein sitz, hausz oder weich
zs. des Harzvereins 35, 74 (1606).
weich adj
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 455, Z. 7
aus der in weichen (s. d.) enthaltenen wurzel germ. wī͏̆q 'nachgeben' ist das adj. als a-stamm mit hochstufe des vocals gebildet wie bleich zu *blik 'heller schein' in bleichen, los zu *lus 'lose sein' in verlieren Kluge nomin. stammbild.² § 172. die etymologie richtig schon brem. wb. 5 (1771) 221. dem got. und fries. fehlt die bildung, den übrigen westgerm. sprachen ist sie mit dem nordgerm. gemein: ahd. weih Graff 1, 710, mhd. weich mhd. wb. 3, 616; Lexer 3, 736; asächs. mnd. wêk Schiller-Lübben 5, 656; mnl. weec Verdam 685; nnl. week Franck (1912) 781; ags. mengl. wâc Bosworth-Toller 1147; Stratman 661; anord. veikr (von da mengl. waik, engl. weak) Fritzner 3, 896, schwed. vek, dän. veg, norw. veik Falk-Torp 2 (1911) 1360. im deutschen ist weich zu allen zeiten häufig, doch bleibt nach kräftigem anstieg im 16. jahrh. das 17. merklich zurück und auf einen neuen, stärkeren anstieg in der classischen zeit bringt erst das 19. jahrh. die masse der belege, fast 2⁄3 der gesammtzahl. der überblick über die verbreitung in den mundarten wird dadurch erschwert, dasz die idiotika das wort als selbstverständlich vorhanden vielfach übergehen, z. b. bucht Hentrich eichsf. 78 mûlwaiΧ, aber nicht das simplex. bezeugt ist bo(a)ch Schmeller cimbr. 174; wǫach (bǫach) Bacher lusern. 232; waəch Schmeller bair. 2, 833; wâx Heilig taubergr. § 105; wâiΧ Meisinger rapp. 224; Lenz handsch. 52; Martin-Lienhart els. 2, 782; wâëch Crecelius oberhess. 900; wêΧ Gerbet vogtl. § 133, 2; weik Schambach gött. 292; Bauer-Collitz wald. 112; wîek Leihener cronenb. 134; wêk Buchrucker elberf. 173; Danneil altmärk. 246; Dähnert plattd. 543; brem. wb. 5, 221; Frischbier preusz. 2, 461; wö͏̂kh Fischer saml. 117; wok Siebs helgol. 304. im alem. ist weich nahezu verdrängt Hunziker aarg. 290, die bedeutungsentfaltung von (ge)lind schweiz. id. 3, 1315 f. deckt sein ganzes gebiet. dagegen hat wêk altes fries. gebiet mit dem vordringen des nd. in allen bed. erobert Doornkaat Koolman ostfries. 3, 530. die formen des adj. bieten keine schwierigkeiten und sind mit dem gesagten erschöpft. attr. und präd. gebrauch halten sich bis mitte des 17. jahrh. die wage. seitdem hat der attr. gebrauch immer stärker das übergewicht, im 19, jahrh. ist er etwa dreimal so häufig wie der präd. subst. und adv. gebrauch (hierfür in älterer zeit neben weich(e) auch weichlich, s. d.) sind, wie die steigerungsformen, seit ahd. zeit belegt (Graff 1, 711), bleiben aber selten und ohne eigene entwicklung, wie denn die bedeutungsentwicklung durch die grammatischen kategorien nirgends sichtbar bestimmt wird.
bedeutung. aus der etymologie folgt als grundbed. 'weichend, nachgiebig' im gegensatz zu hart, spröd, trocken, stark, fest, männlich: so hatt nit mögen gesein ... waiches on hertes A. v. Eyb sp. d. sitten (1474) A 1ᵃ; hart und weych gehört zuͦsamen Franck sprüchw. (1541) 2, 24ᵃ; ein weich und kein hert noch spör wachs Riederer sp. d. rhet. (1493) l 5ᵇ; mit aller holting, wegk, hart und droge, so idt de wind roret Kamptz die familie v. Kamptz, urk. 40 (1514); sie hatte geweint, und wenn weiche personen dadurch meist an anmuth verlieren, so gewinnen diejenigen dadurch unendlich, die wir gewöhnlich als stark und gefaszt kennen Göthe I 20, 131 Weim.; eine andächtige umarmung verknüpfte den weichen sohn und den festen greis Jean Paul 6, 14 Hempel;
sehnsucht nach den antiken errege der weiche Canova,
doch dein männlicher ernst trifft, o Donato, das herz
Platen 1, 288 Redlich.
die wichtigkeit des adj. im haushalt unserer sprache deutet schon die damit nicht erschöpfte fülle der gegenworte an. es wird um so häufiger gebraucht, als sich keines der synonyma (lind, kraftlos, lasz, maszleidig, mürbe, feucht, zäh, geschmeidig, zärtlich, mild, zart) vollkommen damit deckt, sondern jedes zur abrundung des begriffs gelegentlich weich neben sich nehmen musz:
lind unde weich reht als ein wachs
K. v. Würzburg Pant. 1992;
menschlichem geist, der ... noch waich und kraftlos ist Berth. v. Chiemsee t. theol. 432; weich und lasz oder maszleidig werden Frisius dict. (1556) 1139ᵇ; die Sachsen ... bisweilen wenn sie so gar weich und mürbe gemacht ... zugesagt von jhren teuffels diensten ... abzustehen Spangenberg mansf. chron. (1572) 69ᵃ; kracht es (das pulver) aber nicht, so ist es weich und feucht Fronsperger kriegsb. 1 (1578) Z 5ᵃ; lentus ... weich, zähe Garth lex. (1657) 449ᵇ; doux zart, weich, geschmeidig Chomel ökon. lex. 3, 446; dieser sklave scheint auszerordentlich weich und zärtlich Lenz sic. vesper 23 Weinhold; der öffentliche (charakter) starr, unbeugsam, schroff, der privatcharakter milde, weich Jhering geist d. röm. rechts 2 i 206; weich und zart lag es (das tüchlein) in seiner festen, braunen hand Zahn die da kommen und gehen (1909) 135.
I.
sinnlicher gebrauch wiegt zu allen zeiten vor.
A.
die eigenschaft weich wird in der masse der fälle durch den tastsinn festgestellt. gelegentlich wird das ausdrücklich gesagt: fluxi sunt, tactu prope carnulenter sie sind weich anzugreifen Kirsch cornucop. (1739) s. v. carnulentus; ist ... manches so lieblich nicht anzusehen, und so weich und fleischicht nicht anzufühlen Hippel ehe (1792) 149. die drei dimensionen im reiche des tastsinns treten bei Comenius gut hervor: ob etwas warm oder kalt sey, wirstu mit anrühren, ob es nasz oder trocken, mit greiffen, ob es hart oder weich, mit zusammendrucken ... erfahren janua aurea (1643) nr. 321. organ des tastsinns ist die haut, wobei es sprachlich ohne belang ist, dasz thatsächlich jede empfindung im centralorgan wahrgenommen und erst von diesem aus wider localisiert wird. bei ihrer wechselnden innervation ist die auszenhaut mit ihren verschiedenen stellen an den tastempfindungen sehr ungleich betheiligt und das macht sich im wortgebrauch von weich stark geltend.
1)
am feinsten tastet die zunge, sie stellt unter mitwirkung des gaumens die eigenschaft der weichheit an speisen fest: do bleib im neiswas in dem munde als ein vil kleines weiches knölleli Suso 50 Bihlmeyer; ich mus mich weicher speise fleiszen Eyering prov. 3, 59; die weecken kese gern yt Schueren teuth. 172 Verdam; schüttet die äpfel hinein, lasset sie ein wenig weich sieden Hohberg georg. cur. 3 (1715) 155ᵃ; es sy waz brotz daz ist, es sy weiche oder herte Straszb. zunftordn. 87 Brucker; das weich vom brod, die brosam Pomey indiculus 134; einem jungen kinde ... mus (man) weyche waysene müser einstreichen Agricola musica instr. 2;
eins dages ich zu gaste was,
da man frisch waiche ayer as
Sachs fab. 1, 226 neudr.;
weych gesotten eyer Frischlin nomencl. 173ᵃ; weiche, weichgekochte eier Schwan n. dict. 3 (1787) 1018ᵃ; ihr fleisch aber weich und lind zu machen, paitzen sie solchs in dem wasser der bittern mandeln Stranitzky ollap. 173 neudr.; graue haare, wegschleichen der zähne und lob der zeiten, wo das fleisch noch weicher gekocht wurde Lichtenberg verm. schriften 2, 448; (der geschmack) richtet sich nach denen speisen, an die er gewöhnet wird, und er wird weich und schwach, oder hart und stark, nachdem es dieselben sind discourse der mahlern 2, 140. übertragungen, die von hier ausgehen, bleiben stets in der sinnlichen welt: weiche speisen, welche leicht zu verdauen sind Adelung 4, 1443; ein streich macht den stockfisch nicht weich Eyering prov. 1 (1601) 662; 'n harten kerl up'n weken kese Kern u. Wilms Ostfriesl. 87; aus der Eifel: hat man einem die wahrheit gesagt, so heiszt es ... dem han ich ken weech eier geschä̂elt rhein. geschichtsbl. 6, 39; wenn sie (die muttersöhne) dann in fremdes land geführt werden ... da sind sie wie weiche eier, die durch die finger flieszen Freytag 20, 58.
2)
wichtigster träger des tastsinns, fast so fein wie die zunge und weit beweglicher, ist die hand. dasz mit ihrer hilfe die eigenschaft weich festgestellt wird, findet sich wider gern ausgesprochen:
gieb mir die hand — wie weich! wie warm!
Ramler lyr. ged. (1772) 299.
a)
mit der hand wird weich befunden vor allem organische substanz.
α)
zunächst der menschenleib und seine theile, die beiden kategorien nicht immer sicher zu trennen: (der abt) nicht auf ir weiches leiblein steyge, sunder sy auf den seinen Arigo dec. 38 Keller; macht er ein pantzerfleck auf die hirszhäutin arszbacken, meint das hertz steck daselbs, da der leib am weichsten, dicksten und geschwollensten ... wer Garg. 400 neudr. seit K. v. Würzburg troj. 19998 Keller gern von der haut als ganzem: een week fell 'eine zarte haut' Dähnert plattd. 543. wo hände und finger weich genannt werden, wird seit Gottfried Tristan v. 3549 zugleich an das unter der haut liegende fett- und muskelpolster gedacht:
ein seit die man berürt
mit negeln, wird heller gespürt
dann eine mit fingern weich
Agricola mus. instr. 204;
sie seufzt, und reicht zum unterpfand
die weisze, weiche, warme hand
Hagedorn poet. werke 2, 149;
nie hat dich, du rauhe rechte,
weiche frauenhand gedrückt
Uhland 1, 186 Schmidt;
eine hand weich wie welkende malvenblätter Keyserling Beate (1903) 116. während hier die weiche hand zum traditionellen lob der frauenschönheit gehört, wird sie beim mann zum vorwurf: er prangte mit seinen — weichen händen Moscherosch ges. 1, 148; ganzen ständen ward es schon zum fluch, dasz das volk an den weichen, reinen händen der berufsgenossen solche schwielen nicht entdecken konnte Riehl d. arbeit 214. leib und bauch heiszen weich in doppeltem sinn: sô in ein mensch iʒt, sô macht er im den leib vertig und waich K. v. Megenberg 349 Pfeiffer, und daran anschlieszend ein glimpfname für leichten durchfall: laxus waych in dem bauch Brack (1483) a 7ᵃ; ein weicher, der den durchlauff ein wenig hat Frisius dict. (1556) 79ᵃ. anderseits ist der bauch als ungeschützte körpergegend vom sprichwort verwerthet: nachpar nostri habent etiam weiche beuch et eque zu wagen Luther 25, 452 Weim.; der bauch ist jhm so weich als mir Bas. Faber thes. (1587) 228ᵃ, daran angelehnt: er hett gleich so ein weichen halsz, als graff Albrecht Franck chron. (1538) 85ᵃ. aus weycke rybbe Schueren teuth. 316 Verdam; hypochondria das weich der seiten Frischlin nomencl. 73ᵇ ist das subst. die weiche entwickelt, s. d. weich von menschenhaar ist stets anerkennung:
Cheruska, fass mich wohl, du heimat jener locken,
wie gold so hell und weich wie seide
H. v. Kleist 2, 410;
seinen goldnen abendschein
gosz er (der frühling) dir aufs weiche haar
Lenau 72 Barthel;
dein weich haar so dicht und so weich B. v. Arnim Brentanos frühl. 47. seltener heiszen tastbare organe unter der körperoberfläche weich:
sich racte sîner aderen zuht
von grôʒeme zorne der in twanc:
si wurden weich unde slanc
von der hitze manichvalt
passional 274, 22 Hahn;
die weichen glieder wurden fest und eisern
Strachwitz ged. XIII;
wenn ihre rippen weich geworden sind Glassbrenner Berlin 1, 8. tieferliegendes wird nur bei anatomen oder von naturwissenschaftlichem interesse aus benannt: die nervi so do gon von dem vorderen teyl des hirns, die seint die weichesten und besten Gersdorff feldb. d. wundarznei 2, 1ᵃ; wan ... verwundt würdt die weyche muͦter, das ist die nechste haut an dem hirn, die in latein würt genant pia mater Braunschweig chir. 3ᵃ; die weichen därm, durch welche die speysz falt Frisius dict. (1556) 749ᵇ; der pulsz ist weich, klein, grob und unordenlich Ruoff hebammenb. 194; (das knochengerüst) steht mit allen übrigen theilen, den halbharten und weichen, in verbindung Göthe II 8, 33 Weim.; das blut wird ungehemmt ... durch die weichen kanäle flieszen Schiller 1, 159; weiches gehirnmark 2, 140; weicher gaumen Sömmering bau d. körpers 5, 22; weiche gaumendecke Pierer realwb. 8 (1829) 643.
β)
vom thierleib wird weich seltener und minder mannigfach gebraucht: ein weicher wurm zernaget ein hart holz Franck sprüchw. 1 (1541) 130ᵃ; fisch ... so man die weychen oder zarten nennet Eppendorf Plinius 9, 116; (die elefanten haben) ein harte haut uff dem rucken, und weyche beüch 8, 47; zerreyszt er im den bauch, da das pfärd am weichsten ist Gesner thierb. (1563) 16;
sein Hinz, der liebling junger katzen,
so glatt von fell, so weich von tatzen
Hagedorn poet. werke 2, 121.
reich entwickelt ist der gebrauch von haar, haut und federkleid der thiere: wie weiche har hat das ketzlein Luther 2, 120 Weim.; wann alle thier, welche weiche haar haben, verzagt ... seyn Harsdörffer frauenz.-gespr. 1, G 6ᵇ; hasenfelle ... deren haar hier weichgebeizt wurde Moritz A. Reiser 62 neudr.; wilde ochsen ... mit dem weichsten seidenhaar Ritter erdkunde 2, 179; händtschuͦh, ausz waichem corduwan leder gemacht Frey gartenges. 9 Bolte; linde und weiche fell, zart leder Calepinus XI ling. 74ᵃ;
die weiche brust der schwanen
Spee trutzn. 5.
ein bes. fall ist zum sprichwort entwickelt: jung vögel haben weych schnebel Franck sprüchw. 1 (1545) 81ᵇ, und so noch Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 301.
γ)
von pflanzlicher substanz wird alt allein das holz weich genannt, zunächst in freiem gebrauch: des paums stam ist sänft und waich K. v. Megenberg 328 Pfeiffer; iclicher merker mag einen weichen busch uszroden Grimm rechtsalt.⁴ 1, 128 (Wetterau 1385); nach den waychen ruͤtlin Salomonis die bluͦtigen scorpion Roboams U. Regius leibeigensch. C 4ᵃ; der jungen weichen schosz von wachholderstauden Gäbelkover arzneib. 2, 31; man flochte auch wohl von denen weichen wurtzeln der bäume schilde Fleming vollk. t. soldat vorb. 3 § 4; ihre glieder waren, wie wenn über einen weichen jungen wald leichter wind hinrauscht Frenssen Hilligenlei 237. vom jungen baumstamm her bildlich: des meydlein weiche alter Arigo dec. 38 Keller;
bist ein jünglich, noch weich an jahren
Sachs 15, 46 Keller;
Boyen stand in dem weichsten, eindrucksfähigsten lebensalter Meinecke Boyen 1, 32. in gewerblicher sprache ist der gegensatz von weichen und harten hölzern fest geworden: das so genannte weiche holz, als fichten, tannen, kiefern Darjes cameralwiss. (1756) 596; week holt: darunter verstehet man ellern, birken, haseln Dähnert plattd. 543; sodann überlegen, ob man sie (die thür) von weichem oder hartem holz mache Göthe IV 34, 225 Weim.; die harten holzarten sind fester und dichter und haben daher ein gröszeres spezifisches gewicht als die weichen, indem ihre fasern näher an einander liegen Prechtl techn. enz. 3 (1831) 87; das gewicht der kohlen bei gleichem umfange ist verschieden, je nachdem sie aus harten oder weichen holzarten gewonnen werden, daher man sie auch in harte oder weiche kohlen eintheilt 94; ein stuhl aus weichem holz Hauptmann biberpelz 5, oder verkürzt: ein weicher, unangestrichener tisch Stifter 5 i 75. widerum bildlich:
bedenkt, ihr habet weiches holz zu spalten
Göthe i 14, 12 Weim.
sonst von pflanzlicher substanz jung und vereinzelt, nur bei dichtern und gelehrten:
für mich trägt dieser baum so weiche süsze blätter
Ramler fabellese 1, 256;
mit weichern kränzen zieret uns
dichtern Apollo das haar
Herder 27, 32;
weiche samenbehälter Göthe II 6, 67 Weim.; weiche cassia ... weiches basilienkraut (blätter weichhaarig) Dietrich 2, 619. 6, 398; eine kartoffel in die erde gelegt wird weich Stöckhardt chemische feldpredigten 1, 5.
b)
anorganische masse heiszt weich,
α)
wenn sie in ihrer art durch lockere structur auffällt: darzuͦ hett der regen die ... riemen, damit die geschosz und spiesz gebunden waren, weych gemacht Carbach Livius (1551) 369ᵇ. gewerbe und wissenschaft verwenden das wort gern, sobald eine härtere unterart des gleichen stoffs im bewusztsein lebt: das sy ain fuͦder waichs salz geben süllen und mügen üm siben pfenning Wienner Lori bair. bergrecht 16 XIX; weiche seide ... wird die durch das kochen ... von ihrem gummösen wesen befreyete rohe seide genannt Jacobsson techn. wb. 4 (1784) 621; dafür lindi und rûchi sîde schweiz. id. 3, 1316; es tritt daher hier zunächst der unterschied in der herstellung harter ... und weicher kammgarne für thibet, merino, musselin etc. aus feineren und gekräuselten wollen auf Prechtl techn. enz. 23, 610; weich getraid oder weich korn, ist avena, im gegensatz hart getraid, triticum, siligo, hordeum Frisch 2, 430ᶜ; weiche seife Jacobsson 8, 166ᵇ; weichen, in lange fäden ziehbaren schwefel Liebig chem. br. 132; lange bevor das ächte chinesische porzellan in Europa erzeugt werden konnte, hat man eine gattung feiner thonwaare ... fabriziert, das man als surrogat des ächten porzellans betrachtete und darum auch weiches porzellan nannte Prechtl 18, 416. so können selbst metalle weich genannt werden, blei von H. v. Türlin krone 13601 bis jetzt: blei ist als münzstoff zu weich Luschin v. Ebengreuth münzkunde 35, namentlich im bilde:
weich alsô daʒ blî und geslaht
Rothe rittersp. 100 Bartsch,
die andern später und seltener: weich gold, das sich gern biegen laszt Frisius dict. (1556) 145ᵇ; (dagegen weiches 'das gold' Puchmayer gramm. d. zigeunerspr. 1821 ist verderbnis aus steiches Kluge rotwelsch 1, 354); wolt auch wohl an die orth kommen seyn, da das weich geld und cronen wohlfeil waren G. v. Berlichingen lebensbeschr. 55 Bieling;
jetzt, gesellen, frisch!
prüft mir das gemisch,
ob das spröde mit dem weichen
sich vereint zum guten zeichen
Schiller glocke v. 86;
die so genannte weiche bronze, woraus zuweilen bildsäulen gegossen werden, ist reines, oder mit zinn ... legiertes blei Prechtl 3, 156; der stahl ... ist im natürlichen zustande (nach dem glühen langsam erkaltet) fast so weich als schmiedeisen 5, 9; weiches silber, eine art schlaglothes, aus 8/9 probesilber und 1/9 zink Liechtenstern sachwb. 10, 290. von geschmolzenem metall: weiche schlacken (hüttenwerk) flüszige schlacken von der bleiarbeit Jacobsson 4, 621ᵃ;
(das sprichwort) heist das eysen schmieden fein,
dieweils noch heisz und weich thut sein
Eyering prov. 1, 17;
auch stahl wird weich gemacht
Lohenstein Ibrahim 10, 189;
trieb dann die nägel, welche es (das hufeisen) in seiner weichen dehnbarkeit noch immer leicht hindurchliesz, an ihre plätze Immermann 1, 123. bildlich: dieser jüngere sohn Friedrich Wilhelms I. war von weicherem und zerbrechlicherem metall, als die übrigen spröszlinge Häusser d. gesch. 1, 255. hyperbolisch:
eure glänzend zarten blicke
machen stahl und eisen weich
Arnim 21, 139.
stein wird weich genannt seit dem 17. jahrh.: weicher stein lapis tractabilis Stieler 2471; marmor med. maulaffe 9; kalkstein Göthe III 2, 191 Weim.; seifenstein G. Forster 2, 297; schleifstein Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 194; tuff Moltke 1, 176; kreide W. Müller ged. 274 Hatfield; G. Keller 1, 60; alabaster 1, 224, doch bleibt der innere widerspruch bewuszt: als er nun hieb, gab der stein nach, als ob er ganz weich wäre Grimm sagen 1, 106.
β)
wenn sie knetbar ist. gleich beim frühesten auftreten dieses gebrauchs, vom schleim H. v. Neustadt gottes zuk. 2538, mit dem nebensinn des ekelhaften, und so seit 1414 (Diefenbach gloss. 330ᶜ) ganz gewöhnlich vom koth: foria siecher oder weicher koth Frischlin nomencl. 75ᵃ; wenn ihr sie (die nesseln) auf stroh leget, so werden sie weich als dreck Hertzog schiltwache Bᵇ, darum in euphemismen geradezu für diesen:
ich glaub, dasz einer under euch
mit einem fusz hie stand zu weich
Fischart Eulensp. 6096 Hauffen;
weiche materie Weise erzn. 51 neudr.; mit der nase ins weiche gefallen Lessing 1, 357. noch häufiger: ein weiches wachs erste d. bibel 7, 42 Kurrelmeyer; in weich wachsz kan man drucken was man wil Lehman floril. 1, 147, am liebsten im bilde: da ward das eysen weich als ein wachs heiligenleben, sommerth. 48ᵇ, das oft in seelisches übergreift: unsern gott fur eyn weych wachs haben Luther 12, 240 Weim.; ihre entschlüsse sind weich wie wachs Bauernfeld 1, 32. verwandte vergleiche: wenn er wie weiches schmeer zur sommerzeit besteht Reinhold reime dich a 5; so wêk as bott'r Danneil altm. 246; wîsz sin si (die meerschaumpfeifen) wie chlabaster und weich wie anke Hebel 1, 3 Behaghel. spärlicher und jünger ist weich 'knetbar' in freiem gebrauch: ein töpfer, der den weichen thon mit mühe erbeitet weish. 15, 7; entspr. Herder 13, 30; Göthe I 23, 251 Weim.; salb Alberus dict. 13ᵇ; bech Herr feldbau 191ᵃ; pflaster Ludwig (1716) 2420; masse Oken naturgesch. 1, 143; teig Grimm Michelangelo 1, 131.
c)
hier grenzt weich an ausgesprochener technische nachbarbegriffe und wird durch sie eingeschränkt.
α)
körper die auf druck nachgeben, aber danach in ihre lage zurückkehren, heiszen seit anfang des 18. jahrh. elastisch, vorher wird der begriff durch weich mit gedeckt: dies steht für lat. lentum K. v. Megenberg 328, 24 Pfeiffer, vitilis Frisius dict. (1556) 1392ᵃ; Dentzler (1697) 2, 345ᵃ, die grenze zieht Liechtenstern sachwb. 10, 290: weich ist nicht nur dem harten dadurch, dasz es dem eindrucke, ohne doch nothwendig den zusammenhang zu verlieren, leicht nachgiebt, sondern auch dem elastischen dadurch entgegengesetzt, dasz es die spur des eindrucks behält. elastische körper, die nur in einer dimension entwickelt sind und mhd. (selten) biegelich, etwa seit Stielers zeiten biegsam heiszen, werden in älterer sprache gleichfalls weich genannt: weiche ding sein gutt zu piegen A. v. Eyb d. schr. 1, 10. porös ist nicht vor 1716 zu belegen, vorher: voll löcheren, lucke, weich wie schwümm Frisius dict. (1556) 1117ᵃ.
β)
flüssigem kommt die bez. weich nur zu, wo der gegensatz des festen bewuszt ist. so übersetzt die erste d. bibel libamina der vulgata: die waichen opfer 4. kön. 16, 13 (Luther: tranckopfer — speiseopfer), quecksilber heiszt Mathesius Sar. vorr. 3ᵇ weich silber, Lenau 93 Barthel nennt das meer weich im gegensatz zum festland, Stifter 3, 312 die fluth im gegensatz zum ufer. meist tritt der gegensatz auch im ausdruck zu tage: ein weicher tropf hölet auch die stein ausz Franck sprüchw. 1, 130ᵃ;
wie? kommet das lastige wasser aus stein?
das weiche beginnet in kiesigter härten
Harsdörffer frauenz.-gespr. 7, 243;
das schwert ...
hieb harten stahl wie weiche milch entzwei
Gries Ariosts Rol. 3, 47;
die poesie fährt nicht auf brausender eisenbahn, sondern strömt in weichen wellen durch die länder J. Grimm kl. schr. 7, 565. 'flüssig' braucht andere bezeichnungen, zur abrundung des begriffs steht weich daneben Humboldt kosmos 1, 171, neben wesserig (von wolken) Luther 16, 323 Weim., neben glatt und sanft (vom Tokaier) Brockes 4, 293. im gegensatz zu hartem ist weiches wasser solches, das wenig kalk und erdige theile gelöst enthält: eins säwrlet, das ander gesaltzen, das dritt spör, das vierdt weych, das fünfft nach mosz ... schmeckt Guarinonius grewel d. verw. 613; sonst ist weiches wasser vorwiegend md./nd.: Adelung 4, 1443; Dähnert 543; Frischbier 2, 461. die benennung geht aus von dem hautgefühl zunächst der hand.
γ)
weich vom wein ist 'zäh, dickflüssig, verdorben', von anfang des 15. jahrh. (Diefenbach gloss. 422ᵇ. 620ᶜ) bis in lebende mundart (Martin-Lienhart 2, 782): ist ein wein waich und so zehe, dasz man ihn aufhaspeln könde Grimmelshausen 3, 53 Keller. die fäden des essigpilzes bilden in solchem wein eine masse, die sich wie gallerte anfühlt.
3)
nächst zunge und fingerspitze tastet die rote haut der lippen am feinsten. im wortgebrauch von weich wird das deutlich am kusz:
vergebens ob ich schon den weichen mund geküsst
Neukirch in Hoffmannswaldaus u. a. ged. 2, 69;
er umschlang sie und küsste den weichen mund des errötenden mädchens Novalis 4, 169 Minor. als verwandte zärtlichkeit greift die mit brust und arm gefühlte umarmung auch sprachlich zu gleichen ausdrucksformen: ein morgenländischer bassa in den weichen armen einer ... Circasserin Wieland Agathon 1, 4;
die jahre der jugend
lebt' er im schosze der zärtlichen mutter in weicher umarmung
Klopstock Messias 2 (1780) 529;
weich in vaterarmen liegend
Grillparzer 5, 169.
gern im poetischen bild:
ich sehe dich im schosz der freude,
im weichen arm des glükes schon
Schubart briefe 1, 129 Strausz;
aus des frühlings warmen, weichen armen
risz das schnelle unglück ohn erbarmen
ihn hinunter in das tiefe meer
Lenau 97 Barthel.
4)
die unverhüllte haut des gesichts empfindet
a)
luft, nebel und winde als weich:
hier weht gar eine weiche luft,
es grunelt so und mir behagt der duft
Göthe I 15 i 166 Weim.;
die weiche heitre luft durchdrang ihn Novalis 4, 218 Minor; die nachtluft empfing die herren, die aus dem hause traten, dunkel und weich Heyse 4 (1872) 185; du glaubst nicht, wie gut der nebel thut, wie sanft, wie weich er sich einem anschmiegt B. v. Arnim Günderode 1, 139; jetzt, abends 10 uhr, eine weiche kühle mit lauem winde Bismarck br. an s. gattin no. 361; weicher sturm, der breit durch die straszen fährt Böhlau altweim. gesch. 36. im vergleich des heiligen geistes mit einem sanften wind schon Ringwaldt evang. F 2ᵇ, anderseits mit modernem übergang zu den seelischen folgeerscheinungen des milden klimas: in dem weichen, süditalischen hafen Brundisium Fouqué alts. bilders. 4, 11;
der weiche süden und der frische norden
verliehn ihr (der kunst) willig reiche, goldne gabe
Platen 1, 644 Redlich.
b)
der ausdruck greift über auf die zeiten, zu denen solche luft weht: meine absicht dich einmal zu überraschen, ist durch die weichen regnenden tage bis jetzt verhindert worden Göthe IV 34, 40 Weim.; du wirst ... den weichen sommer in Frankreich nicht mehr erleben Laube 4, 51; weich und lau umflosz die blaue nacht die entzückte erde Jean Paul 15/18, 523; es war inzwischen so recht weiche, dunkle nacht geworden Frenssen Jörn Uhl 462. fest geworden ist die formel weicher winter, zuerst Nic. v. Jeroschin 12 892 Strehlke, auch weiterhin bei Ostpreuszen: Henneberger landt. 10; Dach 342 Österley, bei Nd.: städtechr. 7, 38 (Magdeburg) 14, 859 (Köln); Joh. Schulte briefe an s. sohn 64 (Hamburg), und Md.: Nigrinus inquisition (1582) 291; Rädlein 1, 1065ᵃ.
c)
die luft ist das bestimmende bei der sprachlichen einschätzung von klima: das köstliche nichtsthun der Italiener ... deren weiches clima ... ersatz ist für alles Zimmermann eins. 4, 42, und wetter: auch soll man nicht hetzen bey weichem wetter Fleming vollk. t. jäger (1719) 309; wo das weiche wetter bleibet (werde ich) ende fever jagen Friedrich Wilhelm I. an Leopold v. Dessau 26. jan. 1733 no. 618 Krauske; er hat wohl gethan bey diesem weichen wetter keinen caviar zu schicken Göthe IV 11, 29 Weim. vorwiegend wider bei Nd.: Schütz hist. pruss. 1 H 1ᵃ; Neocorus 2, 383 Dahlmann; Dach bei Fischer-Tümpel 3, 85 und dort mundartl. fest: brem. wb. 5, 221; Dähnert 543; Bernd pos. 347; Danneil 246; Schambach 292; Frischbier 1, 403. 2, 461, doch auch sonst als 'thauwetter': wo jehling ein leunen oder weichs wetter an vielle Tucher baumeisterb. 253 Lexer; bey weichem und dauwetter Chemnitz schwed. krieg 1, 39; weil er solche eisbildende regen kannte, dasz ihnen gewöhnlich weiches wetter zu folgen pflegt Stifter 2, 249.
d)
übertragungen schlieszen sich an: Othakers folck durch weiche gute tage ... verartet was Kantzow pomm. chron. 1, 25 Gäbel; nur in dieser weicheren luft konnte der heldengesang sittlich emporwachsen Scherer lit.-gesch. 27; die Wiener luft ... legt sich dir weicher ums herz Fontane I 4, 211; sie hat die weiche anmut eines frühlingsabends Schnitzler Anatol (1901) 57.
5)
schon der weiche winter und das weiche wetter werden auch mit dem fusz gespürt: weiches wetter, regnichtes, bei welchem der boden weich, kothig ist Campe 5, 634ᵇ.
a)
in stehenden ausdrücken heiszt der boden selbst weich, wie hier: ein wol gedöuwet ertrich, daʒ weich ist Tauler pred. 63, 31 Vetter; das schwere (erdreich) trägt mehr als das leichte, das harte mehr als das weiche allg. haush.-lex. 1, 32ᵃ; was noch von weicher erden darunter ist, beist es (das quecksilber) zu schlamm Ercker min. erz. 47ᵇ; ein leymgruben oder weichen grund Sebiz feldbau 11; dazu bildlich:
die Schwaben stuͦndend uff weichem grund (waren im nachtheil)
Uhlands volksl. 337;
es sind viele jäger in der irrigen meynung, man könte abmercken, wenn ein tragbares thier auf weichem boden gienge, was es trage Göchhausen not. ven. 19; (er) schlug schwer auf einen boden nieder, der nicht weich war Zahn die da kommen 182. daneben allg. ausdrücke in freiem wechsel: du trenkest seine furchen, und feuchtest sein gepflügtes, mit regen machstu es weich psalm 65, 11, gleichfalls vom ackerboden: hü̂t gêts guət, s is waiΧ Martin-Lienhart 2, 782; vom ufer Eppendorf Plinius 9, 120; platz Josephus jüd. kr. (1569) 149ᵇ; land Lenau 594 Barthel. dazu übertragen: mancher schwere kampf mag meiner hier warten, aber die weicheren wege habe ich all mein leben lang nicht gesucht Dahlmann im briefw. mit Grimm u. Gervinus 2, 270.
b)
die mit dem fusz getretene, natürliche bedeckung des bodens heiszt weich: schnee Maximilian Teuerd. 90; Müllner dram. 3, 10; staub Sachs 1, 23 Keller; Storm 5, 165; rosen Ziegler Banise 236; Lohenstein Arm. 1, 65ᵃ; blumen Bodmer abh. v. wunderbaren 389, ernte Schiller 2, 26; moos Rollenhagen froschm. C 6ᵃ; Göthe I 2, 75 Weim.; Lenau 28 Barthel; gras Ramler fabellese 1, 143; O. Ludwig 2, 121; rasen Novalis 4, 55 Minor; matte Zahn die da kommen 227; sand Fouqué held d. nordens 1, 17; schlamm Allmers marschenb. 1/2, 76. neuerdings schlieszt sich die künstliche bedeckung des bodens hier an: ungehört auf den weichen teppichen des kleinen zimmers war Erikson ... eingetreten Keller 2, 225; entspr. flaum Rückert 3, 108; purpursammt Hebbel I 6, 187. zum folgenden können adv. wendungen überleiten wie:
kommst du (glück), und ich ruhe gleich,
o so tritt den boden weich
Lessing 1, 92.
c)
die tretende sohle ist weich bekleidet oder der schritt durch die gangweise des schreitenden weich: in weichen pantoffeln schlürfende (tritte) Holtei 3, 41;
es tappt die diel' entlang, es stampft wie männertritt auf weichen sohlen
Droste-Hülshoff 2, 20 Cotta;
und behend entgegen mir
den breiten sandweg, weichen trittes, schreitet er
Mörike 1, 187.
6)
die sitzfläche wird, obwol minder empfindlich, von je durch weiche unterlagen verwöhnt: es sitzt sich auf dem pferde fein weich Reinicke Fuchs (1650) 343; die patres im paterstüblein auf weychen pfulstern sitzen Agricola sprichw. (1534) q 4ᵃ;
lasz unsre fürsten schlummern in weichem stuhl
Klopstock oden 1, 161;
entspr. sessel Storm 1, 165; sopha Herder 5, 168; kissen Storm 1, 151 und auch hier wider gras Gellert 1, 142; rasen Götz 48, 2 neudr.; moos Brentano 5, 165. adverbial:
hart arbeiter die macht ich arm,
die feyrer setzt ich weich und warm
Sachs 22, 218 Keller-Götze;
sieh, da hat er dir seine jacke hingelegt, dasz du weicher sitzen sollst Heyse 4 (1872) 4. übertragen heiszt weich sitzen 'behaglich leben' Dähnert plattd. 543; Raabe Horacker 58. schon weiter greift: er mag gern weich liegen und sitzen Ludwig (1716) 2421.
7)
am genusz des weichen lagers sind auszer rücken und seiten meist auch die empfindlichen wangen betheiligt, entspr. ist es früh (seit H. v. Neustadt Apoll. 6206) und gut ausgebildet. das weiche bett (in dieser attr. fügung von Schumann nachtb. 279 Bolte bis Göthe I 45, 57 Weim. am häufigsten) wird erweitert zum weichen federbett W. Spangenberg gansk. 2, 174; Weise pol. näscher 47, wollustbett Neumark fortg. mus. lustw. ehr. 16, gesteigert zum weichen wolzuͦgerichteten bett Kirchhof wendunm. 1, 76 und zum weichesten bett Moscherosch ges. 2, 456, vom sprichwort verwertet: alte leut sollen jre stercke suͦchen in der kanten, in weychen betten und hinder dem ofen sprichw. klugreden (1548) 120ᵃ; mancher könt daheim aufm weichen guten bett ligen, und ligt doch anderswo lieber aufm strosack Lehman flor. pol. 1, 435, von witzchen umspielt: habe ein so groses und weiches bette, dasz man beynah ohne böse gedancken sich nicht hineinwerfen kan Lichtenberg briefe 1, 16. auch das vogelnest wird darunter begriffen:
weil die vögel nester machen,
kinderbettlein zart und weich
Spee trutzn. (1649) 101.
das weiche lager, von erwachsenen Schönaich Heinrich d. vogler 8, kindern Steffens was ich erlebte 5, 229, kranken Göthe I 1, 300 Weim., wird zu contrastwirkungen benutzt:
und todesangst wälzt sie auf ihren weichen lagern
Hölderlin 1, 35 Litzmann;
das harte lager eines jünglings auf rosen — -knospen sollte man weich aufblättern Jean Paul 49/51, 371, und steht auch bildlich: müh und arbeit war ihm ein weiches lager Herder 23, 412. das cultivierte lager wird in allen seinen theilen weich genannt: windeln Frey gartenges. 134 Bolte; hövetküssen Lauremberg scherzged. 185 Schröder; purpur Lohenstein Agripp. 3; federn Besser 2, 806; decken Voss Od. (1781) 46; flaum Blumauer ged. 34; pfühl Göthe I 1, 88 Weim.; kissen Schiller 2, 49; teppich H. v. Kleist 2, 62; polster Droste-Hülshoff Walther 206; backenlehnen Langbein 31, 123. bildlicher gebrauch schlieszt wider an: liebhabereien sind wie weiche pfühle, die man sich auf einem harten lager unterschiebt Göthe IV 24, 104 Weim.; auf dem weichen friedenspfühle schlummern Arndt 1, 146; und dann kommt dein sohn, der dir für dein alter ein weiches kopfkissen stopfen sollte, und überhäuft dich mit schande Hebbel Maria Magd. 2, 1. von naturlagern ist das weichste das moos:
auf weichem mose liegen wir,
und blumenkränze wind ich dir
I. M. Miller ged. (1783) 60,
daneben werden gerühmt klee Jacobi 1, 161; blumenschoosz Matthisson 1, 53; gras Tieck 1, 394; ziegenfell S. Gessner 1, 101. adverbial: übrigens lag das kindlein weich in baumwolle gebettet Immermann 1, 65 Hempel;
die heimath hätte weicher sie begraben
Lenau 81 Barthel.
übertragen: in der that kann der leser nicht weich genug gehalten werden, und wir müssen ihn ... auf den händen tragen mit unsern schreibfingern Jean Paul 49/51, 332.
8)
mit der körperhaut ringsum werden kleider gespürt, dahin leitet vom vorigen über: es haben auch etlich mehr antzeigt zu vormeyden, als weich lager und kleyder Luther 6, 269 Weim. hier wird Matth. 11, 8 wichtig: sihe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige heuser, citiert von Tauler pred. 328, 24 Vetter bis Moscherosch ins. cura 117 neudr. zur weichen kleidung Mathesius Sar. 10ᵃ treten die sonderungen weych hembd Alberus dict. o 4ᵇ; leibrock Bürger 150 Bohtz; wolle Arndt 1, 181; toga Stägemann kriegsges. 6; hauskleid Raupach ernste dram. 5, 61; binde G. Keller 6, 68;
weich in des raubthiers köstliche hülle geschmiegt
Gaudy 2, 7.
9)
schläge werden mit dem rücken gespürt, der davon weich wird:
ich mein, du lostist gern streich.
sol ich dir machen din hut weich?
schausp. d. mittelalt. 2, 346 Mone.
in grober drohung: der rück sol dir so weich wern als der bauch Eyering prov. 1, 536, sonst stets mit acc. des resultats:
schlag sie dann weich, so hat sie rhuͦ
Scheidt grob. 4030 neudr.;
man musz jhn auf die stockfisch mühl schicken und weich klopffen Lehman flor. pol. 1, 373; eine weich schlô Hunziker aarg. 290, der bei umsetzung ins pass. zum nomin. wird: wir werden vom schicksal hart oder weich geklopft, es kommt auf das material an Ebner-Eschenbach 1, 72.
B.
manches könnte mit dem tastsinn weich befunden werden, während man sich doch meist begnügen wird, die feststellung mit dem auge vorzunehmen: weiche krause haarlocken vorn auf der stirnen Corvinus fons (1646) 60; das wundergrüne, zartliche, weiche ... wollichte laub der bäume Treuer Dädalus 1, 204; ich öffnete sein hofthor, einen ländlichen überbau mit gedroschenem stroh gefüllt, und schob ihn sanft in dessen weich gewölbte bauschung hinein Arndt schr. an s. l. Deutschen 3, 136. gelegentlich bestätigt das verb diese vermuthung: wenn wir die hände betrachten, finden wir weiche lange finger Göthe IV 17, 223 Weim.; man sieht ... bald weiche hügel B. v. Arnim Göthes briefw. m. e. kinde 3, 166. in weiteren fällen würde der tastsinn ein anderes lehren: durch sanfte, langweilige meiszelschläge den athmenden stein mit einer weichen menschenhaut zu umgeben Sturz 1, 48; wer hat den starren widerstrebenden stein in so weiche, so geschmeidige fleischmassen hingegossen? Schiller 3, 578; ein gott ... in weichem marmor festgehalten Heinse 4, 258 Schüddekopf. demgemäsz steht weich bei neueren gern von schönheitsformen.
1)
meist von schönen linien des menschenleibs:
weder schönes maasz, noch jenes weiche fehlet,
das alter Griechen leichte hand,
von grazien geführt, mit hartem stein verband
Uz 363 neudr.;
seine züge sind weich, oft äuszerst lieblich Droste-Hülshoff 2, 368 Cotta; ihr weich niedergehendes profil Jean Paul 15/18, 176. vorwiegend attr. von frauen-angesicht das. 310; wangen Hölderlin 2, 149 Litzmann; stirn Beer s. werke 144; gesichtsschnitt Gutzkow 11, 48; umrisz Storm 1, 48; leidenszug 208; ausdruck Hirschfeld mütter 2; mund Frenssen Sandgräfin 125; augen 244; formen der glieder Zahn die da kommen 187. vereinzelt steigerungsformen: der dünne bart hat sich ... zu einer weichern, rundern gestalt klimatisieret Herder 13, 218 und anwendung auf gesichtsfarbe: ihre wange färbte das weichste roth, welches das feine gefühl des herzens nur darauf hauchen kann Klinger 5, 226.
2)
bewegungen des menschenleibs heiszen weich schon seit der renaissancezeit: weibisch und weich geber Hutten 4, 7;
von weicher anmuth fern, auf unbeflogner spur,
entzieht ihr (meiner muse) kühner schwung sich kriechender natur
Uz 302 neudr.;
(jungfrauen) denen zu dem weichen busenwallen
heldenstärke die natur verliehn
Schiller 1, 227;
er affektire einen gewissen schwankenden weichen gang vornehmer wollüstlinge Jean Paul 7/10, 109; eine so edle und reine, wiewohl oft zu weiche und spielende eleganz Solger nachgel. schr. 1, 6; das kam von ihren weichen bewegungen her B. v. Arnim Göthes briefw. m. e. kinde 1, 77. in einem fall braucht auch die sprache des gewerbes weich von einer menschlichen bewegung, die gazeweberei: der erste oder weiche tritt, französisch pas doux (so genannt, weil er leichter zu treten ist), zur bildung des offenen faches; der zweite oder harte tritt, pas dur (welcher mehr kraftanstrengung erfordert ...) zur hervorbringung des kreuzfaches Prechtl techn. enz. 20 (1855) 392. die bewegungen von thieren werden nur in seltener ehrung ihrer schönheit weich genannt:
wie so sanft, gelenk und weich liegt ihr (der leopardin) cörper ausgestreckt
Brockes 6 (1739) 225;
der (schwan) biegsam auf den weichen flügeln
mit hingeflochtnem halse ruht
J. A. Schlegel verm. ged. 1, 71;
weich schwimmt er (der vogel) in lauen lüften
Grillparzer 5, 159.
von da lenkt über zur schönheit der unbeseelten natur:
mit weichen flügeln senkt der sommerabend
sich hold ermattet auf die stille flur
2, 197.
3)
von naturformen werden, jedoch erst im 19. jahrh., zweige und saaten weich genannt: wie im windesrauschen die weichen zweige hin- und herwogen B. v. Arnim tageb. 95; noch weicher erscheint die trauerweide mit den überhängenden zweigen Vischer ästh. 2, 87;
die weid' am ufer steht, die weichen äste ringend
Lenau 90 Barthel;
wie der wechselnde wind nach allen seiten die hohen
saaten im weichen schwung niedergebogen durchwühlt
Mörike 1, 92 Göschen;
noch jünger vom gesammtbild der landschaft: man sieht ... bald weiche hügel B. v. Arnim Göthes briefw. m. e. kinde 3, 166; jene (gebirgsformation) ist wild zerklüftet, diese weich geschwungen und rund in ihren umrissen Vischer ästh. 2, 18; grün und weich und ruhig lag die ganze Fichtau Stifter 2, 55; südwärts lief der hügel in weicher rasensenkung hinab Laube 3, 160; den flusz Adur ... begränzt dieses b moll der haide, welches mir in seiner weicheren idealisierung einer nördlichen landschaft das heimweh schärfte Bismarck briefe an s. gattin nr. 364. von da ins sociale leben übertragen: (sie fühlten) wie sanft ihnen dieses niedersteigen von den bunten, spitzen hofgletschern in die weichen thäler der mittlern stände that Jean Paul 7/10, 348.
4)
vom blick des menschen und menschlich gedachter wesen: Laurens schatten, sieh mich nicht so weich an, bet nicht für mich Klinger Otto 82, 19 Seuffert;
doch will ich mich ihm entziehen,
trifft sein blick mich weich und warm
Grillparzer 2, 66;
er (der junge tag) sieht so weich und mild nicht drein, als er
H. v. Kleist 2, 105.
5)
die schlagschatten verlieren in der dämmerung ihre scharfen umrisse, hier zuerst erscheint weich von lichtwirkungen: bisz der tag kül werde und der schatten weich Heyden Plinius 276. nachmals poetisch gehoben:
weiche nebel trinken
rings die thürmende ferne
Göthe I 1, 78 Weim.;
wenn der sterne schein ...
wolken löschen, fällt das licht
weich, in flockigem gewimmel
nieder
Müllner dram. 2, 18;
der weiche mondenstrahl, der goldnen birken duft, dringen da nicht ein B. v. Arnim Göthes briefw. m. e. kinde 2, 69; eine gegend, die keine andere poesie aufzuweisen hat, als die ... einer weichen, traumhaften beleuchtung Droste-Hülshoff 2, 343; der harte himmel löste sich und flosz in weiche schleier ineinander Stifter 2, 112; drauszen hatte indesz die mondnacht den garten in ihren weichen duft gehüllt Storm 1, 259; wie weich und mondscheinhaft der schein der kerze in den ringen ihres schwarzen haares spielte Heyse 4 (1872) 22. junge wissenschaft greift zur gleichen metapher: die harten β-strahlen gehen durch dicke metallplatten hindurch, während die weichen β-strahlen hierbei völlig zurückgehalten werden Chabachpaschew beh. d. gynäk. tumoren (1913) 7.
6)
in der kunst spielt das fürs auge weiche eine rolle: worin liegt sie (die schönheit) denn nun? nicht darin, dasz uns das weiche und runde überall zum anschlieszen einladet? Solger Erwin 1, 23, zu festem gebrauch ausgebildet ist es in der malerei, und hier liegt möglicherweise der technische ausgangspunkt: ein bild der heiligen Veronica ... mit niederländischem weichem heitern pinsel gemahlt, wird gerühmt Göthe I 49, 16 Weim. weich malen, weiche malweise, manier bez. wie franz. tendre(ment) ein malen mit verschmolzenen farben und umrissen Jacobsson techn. wb. 4 (1784) 620f.; Adelung 4, 1444; F. Schlegel Europa 2, 98; Justi Winckelmann 2 ii 357. vereinzelt in zeichnung, plastik und architektur: man kann ... auch nur die umriszlinien der lippen zeichnen, und man wird finden, dasz man ordentlich von der weichsten, schönsten linie zu steifern ... verzognern kommt Lavater phys. fragm. 1, 61; Kalon und Hegesias haben härter ... gearbeitet, Kalamis weniger streng, noch weicher Myron Göthe I 46, 44 Weim.; der styl des tempels ... hat in der ausführung der ornamente weniger graciöses und weiches Ritter erdk. 1, 728. gern von lit. darstellung: (Homers) darstellung vereinigt ... die schärfste bestimmtheit mit der weichsten zartheit der umrisse F. Schlegel pros. jugendschr. 1, 127; diese scenen haben etwas weiches, schmelzendes Schiller schr. d. Götheges. 9, 155.
C.
dem gefühl liegt das gehör nahe, Herder 5, 63 spricht es aus und fügt hinzu: seine (des gehörsinns) bezeichnungen z. e. hart, rauh, weich, wolligt ... tönen alle, als ob mans fühlte. historisch ist weich aus dem gebrauch beim tastsinn in den des gehörs gelangt, erst neuerdings in der anwendung auf schälle in freier natur: helle, wunderbar weiche töne gingen und kamen über das wasser, als atmete und lebte die dunkle fläche Keyserling Beate (1903) 21; gleich darauf stiesz sein fusz an liegendes stroh. er merkte an dem weichen, vollen rauschen, dasz es hafergarben waren Frenssen Jörn Uhl 292, viel älter und verbreiteter von musik und sprechstimme.
1)
mit dem begriff weich arbeitet die gesammtcharakteristik der musik bei Klopstock: die unlehrbare bildung der töne begreift besonders das in sich, was das sanfte oder starke, das weiche oder rauhe, das langsame und langsamere, oder das schnelle und schnellere dazu beytragen, dasz die töne völlig zu solchen gedankenzeichen werden, als sie seyn sollen gelehrtenrep. 137. entspr. in der charakteristik einzelner musikwerke: der. süsze trost, der im trio weicher und zarter als im andante sich vernehmen läszt Jahn Mozart 4, 133; guitarren und tausend weiche gesänge zogen durch die nacht Eichendorff 2, 313, ihrer elemente:
es windet sich der liebe geist um deiner glieder ebenmasz
wie um die worte des gesangs die weiche melodie herum
Platen 1, 134 Redlich,
der vortragsweise: sie werden gar fein linde, sanft, lieblich und weich gesungen Agricola mus. chor. (1533) A 5ᵇ;
sternhell glänzet die nacht, sie klingt von weichen gesängen
Göthe I 1, 242 Weim.,
einzelner stimmen: weich frawen stimm Apherdianus meth. disc. (1601) 52; die weiche kehle eines kastraten Ayrenhoff 6, 119; wenn er ihre weiche stimme mit dem flügel begleitete Moltke 1, 83; ein so weiches organ Bauernfeld 6, 57, und töne: in hochgefärbten tönen, wo die stimm im klagenden weichen f erstirbt Schubart ged. 2, X. die vogelstimme wird sprachlich gleich behandelt:
singt, nachtigallen
im weichsten laut
Voss 5, 226.
nach der mitte des 18. jahrh. setzt die charakteristik von instrumentalmusik im gleichen sinn ein: wurde der menuet ... in diese weiche form gegossen Schubart ästh. d. tonkunst 266; wohl lauschte er gern den weichen melodien der italienischen meister Moltke 1, 255. von einzelnen instrumenten wird nam. die flöte weich genannt:
drauszen sang des hirten weiche flöte
Lenau 106 Barthel,
demnächst die orgel Göthe I 34 i 63 Weim.; geige Lenau 99 Barthel; Scherer lit.-gesch. 120; der flügel Arent u. a. mod. dichtercharaktere 275. viel früher bereitet sich weich als bezeichnung der molltonart vor (moll ist noch älter, s. th. 6, 2480; Riemann musiklex. (1909) 354. 933): ist ein unvolkomene secunda, welche einen weichen laut von sich gibt Agricola mus. chor. C 3ᵇ, die zuerst von J. Mattheson generalbasschule (1735) 118. 132, vollk. capellm. (1739) 14. 358 entschlossen gebracht wird; weiche tonart P. E. Bach clavier 1, 27; Heinse 6, 32 Schüddekopf; Göthe I 41 ii 137 Weim.; Jacobsson 6, 580; tonleiter Adelung 4, 1443; weicher dreiklang Heinse 5, 59; Jacobsson 5, 411.
2)
zur sprechdichtung kann überleiten: je sanfter, je weicher, ja gar je schwächer die poesi ist ... je besser schickt sie sich zur music Ramler einl. in d. schönen wiss. 3, 28. die anwendung auf den inhalt der poesie ist aber nicht die regel:
(der du) meinen vers nicht achten wiltst,
weil ich ihn habe weich geschrieben
Stieler geh. Venus 16 neudr.;
Clemens ... singt so feurig und weich seine liebe B. v. Arnim Cl. Brentanos frühl. 61. um so beliebter ist die auf metrische kunstform: wiewol es nun nicht allzeit ziert ... dasz der vers zart und weich sey Buchner anl. z. poeterei 26; die weich oder hart klingenden sylben Petrasch lustsp. 1, 297; das weiche sapphische sylbenmaasz Gerstenberg lit.-denkm. 128, 207; die weiche elegie Klopstock briefe 2 Lappenberg;
geblieben ist mir nur, was glutenwild
ich einst gegossen hab in weiche reime
Heine 1, 13 Elster.
3)
in der anwendung auf das gesprochene wort richtet sich weich seit alter zeit oft auf den inhalt:
Valerius der guote man
vil weiche antwurte im dô bôt
passional 120, 93 Köpke;
ein weich red ... in vil schmeichlerey verwickelt Terenz (1499) 27ᵇ; was nutzt disz weiche klagen? Gryphius trauersp. 20 Palm;
was ein entflohner prinz mit weichem munde sagt,
heiszt dir ein götterspruch
Gottsched d. schaub. 5, 221;
so sollen wir, auf eignem grund und boden,
weich wort nur senden, uns verbindlich machen
... auf kriegeseinbruch?
Shakespeare k. Johann 5, 1;
eu'r herz zu spalten und den risz zugleich
zu heilen durch ein weich gewähltes wort
Hebbel I 1, 202.
wo der inhalt der rede neben der charakteristik durch weich angegeben ist, geht diese schon mehr auf das akustische: ihr könnt mich ... nicht miszverstehn, sagte er im weichen ton Tieck 19, 205; hege ich denn nicht alles, sprach der alte herr mit weicherer stimme ... mit der vollsten liebe? E. Th. A. Hoffmann 3, 262 Grisebach;
nun sie wieder müssen eilen
in das öde schattenreich
rufest du so dringend weich
ihnen nach, sie möchten weilen
Lenau 71 Barthel.
so in scen. bem. neuerer dramen: Hauptmann Rose Bernd 82; Schnitzler Anatol 157. seit den classikern scheint die anwendung auf klang und gefühlston der stimme regel: die reinigkeit und das weiche der aussprache Wieland Agathon 2, 47;
sie öffnet ihren mund, und lieblich flieszt
der weiche ton, der sich um s herz ergieszt
Göthe I 16, 140 Weim.;
an deiner stimme hing ich fest, an deiner lippe weichem ton
Platen 1, 126 Redlich;
die Walliserin aber sagte mit einer weichen stimme Arnim 2, 282; der komödiant hatte jenen weichen bürgerlichen biedermannston Immermann 5, 61; sie sprach es mit ihrer weichsten stimme Ebner-Eschenbach 3, 107; die worte kamen weich und wohllautend von den lippen Frenssen Sandgr. 208. soweit die neuere prosa der sprache der wissenschaft nahe steht, kann sie weich zur gesammtcharakteristik eines idioms benutzen: wenn die französische (sprache) so weich und zärtlich wäre Gottsched vern. tadl. 1, 12; der rauhe Spartaner spricht (in Ciceros übersetzung) sogleich weicher Herder 15, 350; die weichen klänge der Berliner mundart Gutzkow 11, 46; das weichere schwäbisch Keller 5, 78. von einzelnen lauten nur gelehrt: durch eine weichere aussprache war schon frühe glossa nicht selten in glosa verwandelt Savigny gesch. d. röm. rechtes 3, 521; die serbische sprache vertauscht das e im männlichen participium mit einem weicheren vocal J. Grimm kl. schr. 4, 104; widrige begriffe mit sanft und weichen lauten gepaart W. v. Humboldt 5, 417. im phonetischen sinn fest geworden ist weich als bezeichnung der media im deutschen text älter als dieses (1698: zs. f. d. wortf. 15, 25) und als das gegenpaar tenuis — harter laut (1753: th. 4 ii 500), wol als lehnübersetzung von lenis zu beurtheilen: das harte mit harten, das linde und weiche mit weichen buchstaben geschrieben wird, als dapfer, drucken, nicht tapfer, trucken Harsdörffer t. secr. 1 Nnn 1ᵇ; dasz man nicht mehr den unterschied eines b und p, d oder t vergessen, und fragen dürfe, ob ein d weich oder hart seye Heräus ged. 269; be wie das lat. b, d. i. weicher als p, und härter als w Gottsched d. sprachkunst 19; weiche buchstaben in der grammatik, welche zu ihrer aussprache weniger anstrengung erfordern, als ihre ähnlichen harten. so sind b, d und g die weichen buchstaben von den harten p, t und k Adelung 4, 1443; denke dir Bösenbergs obersächsische aussprache hinzu, die so gern das weiche hart und das harte weich macht Seume 2, 8; wir schlenterten (oder schreibt man's mit einem weichen d?) Jean Paul 1, 330.
II.
von der musik führt die brücke zum übersinnlichen gebrauch:
es lebt bei anderm menschenvolk die kunst
des sanges, welche weich die seele löst
Freytag 3, 125.
A.
im übergang stehen
1)
fälle in denen theile des menschenleibs körperlich genannt, seelisch gemeint sind, am häufigsten das herz, präd. seit dem 12. jahrh.:
iʒ machit ein hardeʒ herze weich,
dat sich wider got hât gisat
d. wilde mann, v. d. girheit 6 Köhn;
von desir rede, alsô ich las,
wart ir herze weicher sam ein was
Brun v. Schonebeck 8241 Fischer.
bei Luther durch alle gebrauchsweisen zu verfolgen: ewr hertz möcht sonst weich werden und verzagen Jer. 51, 46; durch yhre weyche und verzagende hertzen an got 18, 481 Weim.; ein menschlich hertz ist eitel eisern ... wenns gottlos ist, widerümb wenn es erschrickt ... ist nichts weichers, furchtsamersnoch blöders 28, 591; sie griffen das volk am aller weychesten an, am herczen 34 ii 531. er bildet damit aus, was im kern schon die mystiker haben: sin dürre, steinin, stehelin herze muʒ warm, weich, fürig und göttelich werden Tauler pred. 123, 25 Vetter. weiterhin bieten innerhalb des präd. gebrauchs nur die acc. fügungen besonderheiten: man musz nicht sowohl das herz der kinder weich machen ... als vielmehr wacker Kant 10, 440;
(die natur) schuf das weiche herz der schönen
zur liebe nur so weich
Wieland 1, 324;
ein schauer faszt mich, thräne folgt den thränen,
das strenge herz es fühlt sich mild und weich
Göthe I 14, 6 Weim.;
ich habe, liebste eltern, euer und mein herz gestern so weich gefunden J. v. Müller 4, 210. die nomin. fügungen sind im ganzen häufiger und älter:
mensch, wenn dein hertz für gott wie wachs ist weich und rein:
so druckt der heilge geist dasz bildnüsz Jesu drein
Scheffler 5, 264;
doch seinen freunden bleibt sein herze weich und milde
Gottsched d. schaub. 1, 235;
sein hertz ward ihm für freuden weich
Lichtwer fab. 74;
weich geboren, hat mein verstand sich nach und nach ausgedehnt und unvermerkt das herz aus seinen besitzungen verdrängt Novalis 1, LXIII Minor. die zu allen zeiten häufigste attr. fügung weiches herz wird mannigfach gewandelt: obgleich ihr herz aus sehr weichem zeuge gemacht war J. E. Schlegel 3, 412; mein damals gewisz auch für das gute weiches und empfängliches herz Bräker 1, 47;
mein herz ist weiches wachs in ihrer hand
Schiller 13, 261;
Johannes hat doch ein zu gutes herz, fast zu weich Hauptmann eins. menschen 39. die verwerthung anderer organe zum ausdruck des seelischen ist minder ergiebig: thränen werden weich genannt von Arigo dec. 82, 11. 256, 30 bis R. Wagner 1, 73 stets in attr. fügung, gelegentlich mit umstellung:
schon lag er still und bleich,
doch in seiner augen höhlung
war eine thräne weich
Lenau 111 Barthel.
auf empfindlichkeit und offenes verständnis beziehen sich: zu unsern zeyten seyn unser oren so gar zart und weych worden durch die mennige der schedlichen schmeychler Luther 7, 4 Weim.; sag mirs jhm bad, do sind mir die ohren weich Eyering prov. 3, 291, auf verstocktheit: gott ... unser harte köpfe eyn mal wird weich machen Luther 18, 293, auf standhaften muth und empfänglichen sinn:
doch deine felsenbrust wird nicht durch thränen weich
Neukirch anfangsgr. z. t. poesie 150;
im blut'gen feld der schlacht musz ich ihn suchen,
den jüngling, den mein herz sich auserkor,
und ihn mit ehrnen armen mir ergreifen,
den diese weiche brust empfangen soll
H. v. Kleist 2, 110;
wenn auch die feuerwerke seines witzes für weiche augen blendend waren bis zum verletzenden Justi Winckelmann 2 i 201, auf zärtlichkeit:
sehr gerne heilige ich hände,
die sich so weich und innig, wie die eurigen
verknüpfen
Grabbe 1, 352 Blumenthal.
einem eine weiche seite abgehen, ablaufen heiszt 'ihm beikommen, wo er empfindlich ist' Bödiker grunds. 256; Rondeau 709; Schwan n. dict. 3, 1018. das sprichwort geht von nd. mundart aus: Dähnert 543. ein halbmundartliches da gab er weich Hauff mann im monde 45 Krausz; ich wuszte wohl, dasz du weich geben würdest Scherr Nemesis 1, 97 könnte etwa contaminationsbildung aus weich werden und nachgeben sein.
2)
körperliches geräth steht als träger seelischer leistungen: ein feder ist zu weich für gewalt, ein gewetzt schwerd kan mehr thun Lehman flor. pol. 1, 364; durch seine (W. Grimms) weichere feder erhielten auch die hausmärchen ihre liebliche form Treitschke d. gesch. 2, 70; (die erwartung) ist das weiche, lockere band, das ... unsre empfindungen ... bindet Herder 15, 343;
von einem lande,
wo Friederich den weichen zepter führt
Lessing 1, 136.
3)
körper und seele des menschen sind in der erscheinung ungetrennt. wenn darum weich als umfassende bez. des ganzen menschen steht, so kann auch das zu übersinnlichem gebrauch hinleiten. weich bed. dabei zunächst 'körperlich hinfällig':
langeʒ bat tuot den siechen weich
Reinhart Fuchs 2025 Grimm,
und ist durch den satzzusammenhang näher bestimmt, entweder negativ 'ohne rechte kraft, gesundheit': so were doch muglich, das ein grausam weib einen weichen man zu einer nodtwer dringen mocht Carolina 1, 76 Kohler-Scheel;
er war aber sunst ein weycher man
an dem ich stets gepulvert hat
Sachs 14, 326 Keller;
alsô was unser vrouwe sente Maria krank und weich an dem lîchnamen d. pred. d. 14. jahrh. 46, 39 Leyser; weich 'kraftlos' z. b. wenn man von einer schweren krankheit zu genesen anfängt Stalder 2, 441, oder positiv 'verweichlicht': noch di gemain unkeuscher noch di diener der aptgoter ... noch di waichen (molles) cod. Tepl. 1. Kor. 6, 9; wir sind solche zertlinge und so weiche marterer, wenn uns nur ein bein wehe thut ... so künnen wir himel und erden vol schreien Luther 5, 45ᵃ Jen.; dann sonst kein zart weich volck, in ebnen und warmen landen erzogen, da gewohnen ... möchte Stumpf Schwytzerchr. 601ᵃ; der weiche Indier badet Herder 13, 223 gerade innerhalb dieser bed., in der jetzt weichlich (s. d.) stark concurriert, stellt sich in unmerklichem übergang der gedanke an sittliche laxheit, schwelgende phantastik und verzärtelnde geistescultur ein: dasz dergleichen wollüstiges leben nur weiche leuth mache Stranitzky reisbeschr. 13 neudr.; der weiche orientale bepolstert sein paradies um wohlgeschmückte tische Göthe I 37, 256 Weim.; der Grieche zur zeit des Theodosius ... war ein weicher, unkriegerischer, immer noch feinfühlender mann Freytag 17, 105. endlich werden ganze wesen weich im seelischen sinn genannt, während die umgebung im satze die erinnerung an den körperlichen sinn des wortes wachhält: also ergreyf ich den got, wo er am waychsten ist Luther 10 iii 155 Weim.; ich will ... Robert ... besuchen: er wird mir schon weich zwischen dem finger und daumen und bald will ich mit ihm siegeln Schlegels Shakespeare 6, 324; welchen knirschenden bisz in sein weichstes leben that jetzt ein böser genius! Jean Paul 15/18, 310; der ward in dr erste brü waiΧ 'mit s. hochmuth ists aus, sobald man ihn kräftig anfaszt' Martin-Lienhart els. 2, 782.
B.
in übersinnlicher verwendung ist weich meist ohne tadel.
1)
so stets in der dem vorigen zunächststehenden formel weiche seele: das sein die weichen, hertzlichen selen, dorinnen got sein wolgefallen tregt Staupitz 1, 61 Knaake; die weiche seele Leonardos Wackenroder herzenserg. 65;
nicht die zarte jungfrau wähle,
nicht der hirtin weiche seele
Schiller 13, 286.
die formel steht nicht über jede wandlung fest: (der geist von Hamlets vater) tritt geharnischt auf; aber, wie mir scheint, ist nur seine hülle gepanzert, seine innere seele aber ist weich und blos Börne 2, 183; die menschliche seele ist ein eigen ding. namentlich sind die weichern für die eindrücke des entgegengesetzten empfänglich M. Meyr erzähl. aus dem Ries 1, 45.
2)
desgleichen steht weich ohne vorwurf von stimmungen, affecten, gefühlen.
a)
im allgemeinen:
weich am gefühl
Bodmer Noah 10;
das hörte die tochter mit weichem gefühl
Schiller 11, 225;
Wlasta, kannst du fühlen weich?
Grillparzer 6, 217;
es hofft der feind
den frieden sich von dieser weichen stimmung
Collin Regulus 54;
die (farben) von der minusseite stimmen unruhig, weich, sehnend Göthe II 5 ii 196 Weim.; und läszt unentschieden ihr geschöpf in einem unentschiedenen weichen ... zustande II 6, 27; weicher sinn beschlieszt uns eng Arnim 22, 69; bei der weichen und alles hintenher, wenn auch nicht vorher erwägenden manier J. Grimm briefw. m. Dahlmann 1, 34.
b)
im einzelnen: vol mit müterlicher weicher liebe Arigo dec. 102 Keller;
mein mund, in qualen nach und nach ermattet,
wird nie mehr betteln gehn um weiche liebe
Platen 1, 69 Redlich;
das weiche mitgefühl mit den schwächen unsres geschlechts Herder 17, 152; eine weiche heiterkeit glänzte von ihrem gesichte Göthe I 21, 229 Weim.; seine weiche trauer 22, 176;
jede kraft in meinem busen
lösen sie in weichem sehnen
Schiller 13, 284;
mit weicher beschämung ... sah ich rückwärts briefe 1, 249; sie kamen verändert zurück, voll weichen mitleids Jean Paul 15/18, 234; nichts unangenehmeres als zwei gatten, die einander mit weichen nachgiebigkeiten quälen Immermann 4, 107; die höchste weichste milde im vergeben Droste-Hülshoff br. an Schücking 210; das ist immer so, dasz aus dem harten steine zorn der weiche funken wehmuth kommt Stifter 2, 161; weiches, süszes heimathgefühl Frenssen Sandgräfin 245;
die gute meinung, die ich für euch trage,
wär wol die mutter einer weichern neigung
Gött mauserung 105.
3)
von einzelwesen steht weich unter umständen als lob, so bei jugendlichen menschen: von jugend uf, dieweyl man noch weych und zart ist Frisius dict. (1556) 1ᵃ, und völkern: der missionar nannte sie (die Griqua) weich, empfänglich, unbedachtsam, leicht vergessend Ritter erdk. 1, 393, ferner stets in religiösem zusammenhang:
wir neigen uns dir, herre ...
prüeve nôt und bis weich
buch Daniel 6403 Hübner;
es ist ein zertlich weich ding umb ein gewissen Luther 23, 562 Weim.; wir seynd weych, willig und begirig gottes warheyt anzuͦnemen Karlstadt bei Luther 18, 455 Weim.; so ward ich doch gott ergebener und weicher Hippel lebensl. 1, 274, vom seelenzustand nach schmerzlichem erleben: jetzt, da ... tausend leiden mich weich und meine kraft ermattet haben Bahrdt gesch. s. lebens 1, 151; die krankheit, welche den mann weicher stimmte Stifter 5 i 104, von der offenheit gegen ästhetische eindrücke:
und wem nit alles diss das harte herze bricht,
den wird, ich weisz gewisz, die schönheit weicher machen
Birken ostl. lorbeerh. 71;
was sucht ihr mächtig und gelind,
ihr himmelstöne, mich am staube?
klingt dort umher, wo weiche menschen sind
Göthe I 14, 42 Weim.;
eine weiche musikalische natur IV 29, 220; einer ihrer weichen redner Gutzkow dram. 12, 19. doch schlägt hier der wortgebrauch schon zur kritik um, in bitterer parodie auf die philanthropen: ich war von der natur weich organisiert, einer flammenden einbildungskraft antworten leis antönende nerven J. v. Voss liebe im zuchth. (1807) 45;
der weiche poet, welcher den kränzen erliegt
(von Göthes Tasso)
Hebbel I 6, 451,
wider einwandfrei, wenn der charakterzug durch entgegengesetztes ergänzt wird: so grosz und so schlicht, so streng und so weich, eine herrliche fürstengestalt Treitschke hist. aufs. 1, 109. sonst steht weich von männern ohne tadel nur, wenn die stimmung vorübergehend ist: in den augenblicken, da mein herz ... weich, ganz weich war Göthe I 17, 166 Weim.; meine einsamkeit hat was weiches und wohlthuendes für mich Knebel (1784) von und an Herder 3, 15; weine nicht, alter freund — du machst mich sehr weich Iffland 1, 66; er wurde sichtlich weich und sprach Hoffmann 6, 156 Grisebach; freilich hat Schiller auf mich gewirkt, denn er hat dich zärtlich und weich gestimmt B. v. Arnim Göthes briefw. m. e. kinde 1, 273; wenn ein Coriolan vorübergehend zärtlich und weich wird O. Ludwig 5, 142. um so ausgiebiger von der frau: (die macht der liebe hat) ofte die starcken man, ich will geschweigen der weichen freülein, überwunden Arigo dec. 128 Keller; wann sie ist in der lieb neu und waich Eyb ehzuchtb. 48, 29 Herrmann; das weibliche geschlecht ist ... weich Nigrinus v. zauberern 163; ihr (frauen) seid ein weiches völkchen G. Freytag 6, 303;
weich und schamhaft fährt's durch ihre sinnen
Droste-Hülshoff Walther 2, 229;
wittwe Bolte, mild und weich,
sprach: sieh da, ich dacht es gleich
W. Busch Max u. Moritz 53.
4)
eine besondere bedeutung 'gütig' reicht nur vereinzelt in neuerer sprache, zufrühst im subst. neutrum:
beide weich unde hart
muste man in (den Kuren) legen vor,
biʒ daʒ sie vielen uf die kor,
daʒ sie den touf entpfiengen
livl. reimchr. 2444 Meyer;
von Swarzburg bischof Gerhart
der hielt sine burger zart
senftmuͦtig unde weich
hist. volkslieder 1, 177 Liliencron;
zerschmettrest und machst waich
der gotlosen zorn beiszig
Schede psalmen 17 neudr.;
wenn er (Göthe) von werken ... fast mittelmäsziger art durch eine weiche geräumige unbestimmtheit das beste zu sagen ... sucht Jean Paul 52/53, 3.
5)
ansätze zu tadelnder bed. sind schon im vorigen mehrfach enthalten. stets steht zwischen lob und tadel die formel zu weich: sie will tadeln, bedarf aber dazu einer modification des adj. gern vom herrscher, seelsorger, erzieher, stilisten und von frauen: (der bischof) nachdem er zum regiment zu weich was und ime die stiftsgenossen deshalben weinig gehorsams erzeigten Kantzow chr. v. Pommern 1, 364 Gäbel; den wolffen kannstu nit zu hart seyn, den schwachen schaffen kanstu nit zu weych seyn Luther 8, 687 Weim.; wer aber seinem kinde zu weich ist, der klaget seine striemen Sir. 30, 7;
allein, wie könnt' ein jüngling, weich erzogen,
vielleicht zu weich, in solcher noth sich helfen?
Grillparzer 6, 21;
dasz sie ihr sanftes, ihr Gellertsches temperament dem stile zuweilen aufopfern, und ihn etwas zu weich und zu zärtlich machen Schubart 8, 53; es war zeit, dasz der gnädige herr hereintrat, sonst wäre die gnädige frau gar zu weich geworden Möser 3, 51. erst modern von der eigenen person: ich bin zu weich, um mein eigner herr zu sein Forster 7, 164; meine zu weiche seele Jean Paul 7/10, 269.
C.
zum vorwurf wird weich, wenn es an stellen verwendet wird, an denen man energie, widerstand gegen gefühle, strenge sitte erwartet.
1)
als tadel des willens, charakters und temperaments bedeutet weich 'energielos':
wie weiʒ er mich sô weichen,
daʒ er sus ûf mich broget?
Stricker Karl 8982 Bartsch;
die frawen ... von natur alle wanckel, unstät und weyche seyn Arigo dec. 579 Keller; Müller ist weich in weltlichen verhältnissen Forster 8, 138; die frische luft fehlt dem kreis, in dem wir leben, wir alle sind weich und stubenkrank Freytag 7, 175; auszerdem war er eine weiche natur, ohne die zur leitung eines so groszen ressorts nöthige energie Bismarck gedanken 1, 327; das kernige volk der Deutschen wagte sich also an den ungeheuren urwald, den der weichere Slave nicht angetastet hatte Wimmer gesch. d. d. bodens 111. weicher mut ist in älterer sprache geradezu 'energielosigkeit':
eya bisz frisch und unverzagt:
nie weicher muͦt kein eer bejagt
der ew. weisheit betbüchl. (1518) 99ᵃ;
sein krigsvolck ruͦ und wollust pflag,
gewuͤnnen sy so waychen muͦt
Schwarzenberg Cicero 153ᵇ.
andere färbungen des sinnes liegen nahe, so 'nachlässig': sol man drumb nicht weych werden noch ablassen Luther 19, 556 Weim. weich erscheint geradezu als hüllwort für das unhöflichere hinlässig: ich besorge, es werde gegen gott ubel verantwurtlich sin, das mine herren von Momingen, die dem frommen man sin leben redten möchtind, alls sumig und waich sind A. Blarer briefw. 1, 189. weich im blick auf künftige gefahr wird zu 'furchtsam, verzagt':
die herten, niht die weichen
Parz. 382, 14;
sît niht weicher dan ein wîp
pass. 276, 13 Hahn;
es ist ein weiche riter, der von überkraft des heres einest hinder sich gewichet Suso d. schr. 365, 15 Bihlmeyer; da die Franzosen den ernstlichen ... willen des hauptmans ... ersahen, wurden sie waich und verzagt W. v. Schaumburg 133 Keller; et qui weich, die wollen fur yhm fliehen Luther 34 i 315 Weim.; der war ... den seinen gantz hart, gegen die feinde weich und feig, zu streiten gar verzaget Hennenberger landt. 56; er damit den Moysen erschrecken und weichmachen möchte Ayrer proc. 238;
noch frech wagen,
noch weich zagen
hat iemals gar viel nutz getragen
Logau 1, 4, 86 Eitner.
im blick auf lebensweise und denkart kann es 'schlapp' bedeuten: weich land, milter himel, weyche gemüt Franck Germ. chron. vorrede aa 6ᵇ; eure majestät wissen, dasz ich nicht weich und milde bin Laube 2, 52. von herrschern, ärzten, erziehern ist es 'allzu nachsichtig': dem man hat nichts gefeylet, denn das er zu weiche fursten gehabt hat Luther 18, 91 Weim; unter der weichen herrschaft der ängstlichen Wettiner Treitschke d. gesch. 1, 265; weiche ärtzt machen stinckend wunden Waldis Esopus 1, 327 Kurz; von da Liscov 334; viel under ihnen, die in ihrem leben zärtlich und weich auferzogen ... ruffeten ihren lackayen Moscherosch ges. 1, 292; um so weicher ward es von Margot, der amme ... behandelt Laube 2, 129. in neuerer sprache stellt sich die bed. 'inconsequent' ein:
der hat gar keinen muth, der weisz gar nicht zu hoffen,
und dieser wird zu leicht in seinem schlusse weich
Besser 1, 71 König.
weich von thieren tadelt willensschwäche und schlappheit: so ist diu murên waichs willen und læʒt sich piegen zuo der unkäusch K. v. Megenberg 166, 8 Pfeiffer; (die rothschimmel) sind weiche und matte pferde Hohberg georg. cur. 3, 98ᵇ; ein weicher hund ist, der wind und wetter nicht wol vertragen ... kann Heppe lehrpr. 303.
2)
als tadel des gefühlslebens bed. weich 'schwach': in der kirche ward ich vollends bis zum weinen weich Bräker 2, 141; indessen ist sie doch weicher als billig Caroline 1, 235 Waitz; wo͡a werden 'gerührt werden' Schöpf tirol. 807; entspr. Hunziker aarg. 290. der begriff schattet sich hier ab, je nachdem leib oder seele von leid, schmerz, stimmungen, träumen, liebe, ästhetischen eindrücken oder worten afficiert werden: das nicht jemand weich würde in diesen trübsaln 1. Thess. 3, 3; ich könnte noch auf dise mainung, die überwindung des schmerzens betreffend, noch vil hundert exempel fortragen ... welchs billich die waiche unleidliche menschen erschamroten solt Fischart pod. trostb. 62 Hauffen; schwermuth und traurigkeit machen die seele ... schlaf und eröfnen sie allen weichen und zärtlichen regungen Wieland Agathon 1, 252; das würckliche kann ich so ziemlich meist tragen; träume können mich weich machen Göthe IV 3, 48 Weim.;
wohl ist es keiner von den weichen thoren,
die eine falsche weiberthräne schmelzt
Schiller 12, 411;
um den süszen, sanftgeschwellten mund
zieht sich ein weiches dämmerndes verlangen
Droste-Hülshoff Walther 213;
der Deutsche ist weich und sentimental. er will die poesie ins leben ziehen Grillparzer 9, 139; er war weich und gegen beredtsamkeit nicht gepanzert Bismarck gedanken 2, 166.
3)
weich von sitte und sittlichkeit ist 'üppig, lax, wollüstig': weich in worten? weich in sitten und geberden? weich am hertzen. was ist weicher dann jener leib, der keine andere, dann eitel weiche geberden hat? Moscherosch ges. 2, 95; die tugend will durch seine weiche lehre begriffen seyn Lohenstein Arm. 1, 109ᵃ; ein weicher kerl, einer der sich auf die weiche, oder wollüstige seite legt Ludwig 2420. die übertragung aus der sinnenwelt ist mehrfach noch deutlich:
sîn blic tæt entblecken
an êren die weichen
von vorhten erbleichen
U. v. Liechtenstein 404, 22 Lachmann;
ach, schmolz der väter tugendkraft so weich!
F. Schlegel Athenäum 3, 165.
die bed. schattet sich ab, je nachdem personen oder thaten weich genannt werden. im ersten fall geht sie aus von negativen färbungen wie 'lässig im guten':
der lîp ist zuo geistlichen sachen
weich unde ungehaldich
ged. d. 12. jahrh., litanei v. 9 Maszmann;
'unfähig zum guten': sie mainen, der mensch werde weich und faul durch den wein, arbeit zu leiden Quadt v. Kinkelbach t. nation herrl. 103; 'unsittlich': werden gottlos und weich, bereit zur lasterfahrt Opel - Cohn 30 jähr. krieg 416; 'ohne mark': es ist wieder ein weicher wollüstiger dichter aufgestanden Boie bei Weinhold 224. in positiver färbung kann sie sich steigern bis zu 'verbrecherisch': er fand gar weich leut darin, die schmackten und stunken vor groszen sünden der heil. leben (1471) winterth. 59ᵃ; (dasz der fromme arme gegen glück unempfindlich ist) das ketzert und martert den weychen reichen über die masz sprichw. klugr. 67ᵇ; weiche leute hieszen ehemals auch verbrecher Campe 5, 635. meist bleibt sie jedoch bei 'verweichlicht' stehen:
ein weibisch volck, ein weyche schar,
on hertz, on muͦt, on tugent gar
Hutten clag u. vormanung v. 1174 Balke;
so veracht Maximus Balbinum als einen weychen, wollüstigen müszigganger Franck Germ. chron. 31ᵇ; die Longobarden waren durch lange ruhe weich geworden Klopstock gelehrtenrep. 300. von einem thun irgendwelcher art ausgesagt ist weich in freiem gebrauch alt:
du bist worden zornbleich,
ze dînem bruodir ist dîn triwe weich
genesis 24, 18 Diemer,
und mannigfaltig: 'sittlich minderwerthig': daʒ vierd werch ist, daʒ der heilig gaist unsriu waichiu krankiu werch und unsern kurzen fürsatz sterkt und lengt K. v. Megenberg 69, 31 Pfeiffer; 'überfeinert':
grobheit ist den männern lieber als die weiche sittenart
Grob dicht. vers. 70;
'läppisch': wie der papillon ... das leben in der weichen jagd nach einem zweiten papillon verspielen Jean Paul 39, 34. häufig ist es in den formeln weiches leben, in der es von Murner badenf. 10, 61 bis F. Schlegel Europa 2, 127 'verwöhnt' bedeutet, und weiche sitte, die von Gottsched d. schaub. 4, 3 bis Schubart ged. 2, 282 'verzärtelung' bezeichnet. hier auch der comp.: luft und sitten sind weicher J. v. Müller 1, 28. sprachlich gleichwerthig ist weich bei bezeichnung eines nichtsthuns, es bedeutet hier, stets in attr. gebrauch, 'bequem': des weichen, rüwigen und weibischen müsziggangs achte dich nicht Albertinus weckuhr 75ᵇ; eine weiche trägheit Ramler einl. in d. schönen wiss. 3, 20;
jedoch, der weichen ruhe überdrüssig,
ersann der tauber eine reise sich
H. v. Kleist 4, 16;
der weiche gepriesene schlaf
Arndt 6, 40 Rösch.
III.
zusammensetzungen: bapp-, blei-, brei-, butter-, dotter-, dreck-, durch-, ehren-, ekel-, erd-, feder-, fest-, feucht-, flaumen-, flöten-, forellen-, gefühls-, glied-, hand-, härmlein-, herz-, kissen-, kummer-, leder-, liebe(s)-, lied, lutt-, maien-, mark-, matsch-, maul-, pfirsich-, pflaumen-, sammet-, sattel-, scharling-, schleier-, schwanen-, seiden-, sohlen-, thränen-, über-, un(g)lied-, verzeihungs-, wachs-, wehmuth-, windel-, winter-, wollen-, wollust-, zorn-, zugweich.
weich adj
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 473, Z. 70
'heilig', got. weihs Feist 312, ahd. wîh Graff 1, 721, mhd. wîch mhd. wb. 3, 613; Lexer 3, 816. Pott etym. forsch. ² 3, 288 und Osthoff idg. forsch. 6, 39 stellen germ. *wîch-a-z als pass. part. zur wurzel wī͏̆q (s. weichen), so dasz es zunächst das opferthier bezeichnet hätte, das von der herde abgesondert wird, vgl. lat. victima und dessen sippe (Walde ² 833). schriftsprachlich schon im 16. jahrh. erstarrt: Costenz an dem heiligen weichen phintztag 1474 'gründonnerstag' Grotefend zeitr. 1, 204; Schmeller bair. 2, 881, mundartlich noch im 19. jahrh. lebendig: baig 'geweiht, selig', dar baige pfinztag, 'z baige bazzar, dar baige prunno, stoan Schmeller cimbr. 170. sonst wie ahd. frôno durch das spec. christliche heilig zurückgedrängt und nur in zusammensetzungen, auch ortsnamen, erhalten.
Zitationshilfe
„weich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/weich>, abgerufen am 18.09.2019.

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