weibsstück n
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 453, Z. 72
dafür weibesstück bei Md. von ende des 16. bis 18. jahrh.: wohlgepl. priester 59; Hondorff salzw. 77; polit. maulaffe 229; allgem. d. biblioth. 1 ii 36; Lichtenberg Hog. kupferstiche 4, 246. weibsstück verdeutlicht ostmd./nd. stück als wegwerfende bez. weiblicher wesen. im 18. jahrh. daneben das nicht viel höflichere frauenstück, mundartl. auch bildungen wie stuckschelm Schmeller 2, 731. die bildung kann etwa auch veranschaulicht werden an: befiel ihn plötzlich der wunsch, nicht nur diese, sondern auch noch drei oder vier weitere stück schöner wesen bei sich zu versammeln Keller 6 (1910) 153. der böse sinn wohnt dem worte von vornherein inne: die starcken schelmen, die nicht erbeiten wöllen, sondern lust und liebe haben mit jungen weibesstücken, gemeinen huren und garstigen säcken sich zu schleppen Pape im theatr. diab. (1587) 167ᵇ; wie also ein weibesstück (junfern seyn sie nicht zu schelten, bey so unzüchtigem und leichtfertigen gemüth) ihren freyer oder löffelknecht an einem ort auff dem bock holen lassen Mengering gewissensrecht 292, und wird von den theoretikern, die das wort offenbar als zu niedrig lange übergehen (nicht vor Ludwig 1906), in den schärfsten ausdrücken betont: das wort weibsstück anbetreffend: so pfleget man durch dasselbe gemeiniglich eine weibsperson von dem allerschlechtesten stande, oder vielmehr eine solche auszudrücken, die sich durch ihre aufführung verächtlich und niederträchtig gemacht hat Gottsched beobacht. (1758) 425, dem Dornblüth observationen 336 den gebrauch des worts verwiesen hatte; Adelung 5, 124 nennt es noch niedriger als weibsbild, weibsen, weibsperson; von hess. mundart aus urtheilt Scherr: er gebrauchte, wenn er von den frauen sprechen muszte, statt des in unserer gegend heimischen ländlichen ausdrucks 'weibesbilder' den ausdruck 'weibesstücker', und er sprach das wort nur mit unsäglicher verachtung aus Michel 1, 55. daneben erscheint noch 1686 frauenzimmer als ehrende anrede: die blosze brüste seyn ein grosz gerüste viel böser lüste, wird dem züchtigen frauen-zimmer zu ehren und den unverschämten weibs - stükken zur schande erwiesen Schultz alltagsl. 51. attribute verstärken den sittlichen tadel: lose Werder Roland 121; trunken Olearius verm. reisebeschr. 11; elend schausp. engl. kom. 221; Novalis 2, 276 Minor; geil Grimmelshausen vogeln. 2, 699 Keller; Leipz. aventurier 2, 134; leichtfertig Weise kl. leute 147; lüderlich Felsenb. 4, 208; Lessing 9, 334; Grillparzer 17, 78; gemein Gottsched sprachk. 167; Wieland Lucian 4, 45; verflucht Nicolai lit.-briefe 9, 141; ungezogen t. Merkur 1784 ii 141; verrufen Wieland Lucian 4, 375; leichtsinnig Holtei erz. 10, 91. möglich ist auch jeder andere vorwurf: falsch, herrschsüchtig und boshaft Wieland Agathon b. 12 k. 7; stolz und hart Holtei erz. 4, 92; häszlich 13, 164; dumm 35, 5; toll Keller 5, 163. seinem niedrigen klang entsprechend bleibt weibsstück auf quellen beschränkt, die der umgangssprache nahe stehen. kaum je in versen:
wenn dein alter kindskopf
von einem listgen weibsstük oder einem schalk
von freygelasznen guverniert wird
Wieland Horazens sat. 2 (1794) 166,
nur einmal in einem gesetz: preusz. verfügung v. 18. juni 1701 betr. die eigenmächtige verheirathung von unteroffizieren: so soll ... der mann mit einjähriger vestungs-arbeit, das weibstück aber mit dem spinnhause auf ein jahr abgestraffet werden Fleming vollk. t. soldat 103/104 § 2. um so weiter ist das wort in den mundarten verbreitet: weibsstuck Anzengruber 1, 242; wîwesštikə Hentrich eichsf. 8; aus Berlin Glasbrenner 6 ii 25; Hauptmann ratten 193; aus Ostpreuszen wiefstöck Frischbier 2, 461. in mundartlich bestimmter lit. ist auch am ehesten eine milderung des bösen sinnes zu beobachten: das weibsstück hat recht, und gefällt mir nicht übel Stranitzky ollap. 17 Werner; solte ... am ende das arme weibstück gar unschuldig sein? Meiszner d. erz. 75 Fürst; ein tüchtiges weibsstück Holtei erz. 6, 153; es ist keine leichtigkeit, ein weibstück wohl unterzubringen G. Keller 4, 300.
Zitationshilfe
„weibsstück“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/weibsst%C3%BCck>, abgerufen am 20.08.2019.

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