weibsbild n
Fundstelle: Lfg. 3 (1914), Bd. XIV,I,I (1955), Sp. 441, Z. 76
neben weiblich, weibisch bild (s. weiblich I C 2, weibisch I) steht schon mhd. wîbes bilde mhd. wb. 1, 120. 3, 717; Lexer 1, 273. 3, 923.
1)
die entspr. form, in zwei worten und mit dem zweisilbigen gen. als erstem bestandtheil noch bei Ortolf v. Bayrland arzn. (1477) 9ᵃ und Arigo dec. 36 Keller. die dreisilbige form kennt ostmd. mundart bis heute: weiwesbild Jecht mansf. 123, entspr. weibesbild bei Md. seit dem 16. jahrh.: Luther 20, 344 Weim.; Mathesius Syr. 176ᵃ; Sachs 2, 243. 7, 424 Keller; Ayrer dram. 1, 432 Keller; Nigrinus v. zäuberern 185, kaum je bei Obd.: Moscherosch sprachverd. 35 Riegel, um so öfter bei den schles. dichtern des 17. jahrh.: Opitz t. poem. 74 neudr.; Tscherning d. ged. früling 342; Hoffmannswaldau getr. schäfer 31. 208; Butschky Pathm. 296; Lohenstein Arm. 1, 1291. 2, 1468, von da bei Nd. in prosa und versen: Dach 436 Österley; Schottel friedens sieg 26 neudr.; Rist friedej. Teutschl. 3; Rachel sat. 112 neudr.; Bucholtz Herk. 14; A. U. v. Braunschweig Oct. 4 ii 479; Weichmann 1 (1721) 145, noch länger bei den theoretikern: Harsdörffer poet. trichter 3 (1653) 231; Zesen verm. Helikon 1, 265; Bellin rechtschr. 35; Treuer Dädalus 1, 328; Steinbach 1, 105; Hempel sprachl. (1754) 178, lit. zuletzt bei Löwen 3, 182; Bahrdt gesch. s. lebens 1, 68; Laukhard leben 1 (1791) 372. die siegreiche form weibsbild (vgl. das nebeneinander von mannes- und mannsbild[nis] th. 6, 1578) zuerst bei Stainhöwel cl. mul. 322; Schernberg fr. Jutta v. 994. weyberbild (männerbild unbelegt) Luther 12, 98; Butschky Pathm. 143. weibpild Luther 15, 478; Zimm. chr. 1, 327. wîbebild schweiz. id. aus Graubünden, sonst setzen die mundarten weibsbild voraus: Schweiz Hunziker aarg. 295; Seiler basl. 314; Elsass Martin-Lienhart 2, 38; Rappenau Meisinger 225; Handschuhsheim Lenz 76; Grabfeld Spiess 278; Wien Loritza 142; Leipzig Albrecht 89. 234; Berlin G. Hauptmann ratten 144; Schlesien Rose Bernd 43; Eifel Cl. Viebig weiberd. 23; Preussen Frischbier 2, 461. mit lautgesetzl. ausfall des stammausl. b vor s der endung waisbil(d) im Taubergrund Heilig § 206 ff.; nach mündl. angabe in Würzburg; aus Dirlewang Bayerns mundarten 1, 50; vgl. Schmeller 2, 831. — der verhältnismäszig seltene plural wird jetzt allg. auf -er gebildet, auch in den mundarten: Holtei 40 jahre 1, 325; volksschausp. in Bayern 263 Hartmann; Anzengruber 3, 236; schweiz. id. 4, 1198. diese form gilt seit Sachs, Kirchhof, Fischart, ein letzter acc. plur. weibesbild im reim aus Corners gesangb. (1631) bei Bäumker kath. kirchenl. 2, 88, die ersten plur. auf -er Augsb. confession art. 27; Agricola sprichw. (1534) L 8ᵃ; Ryff anatomi F 6ᵇ, schwanken bei Luther 30 iii 208 gegen 18, 152; 30 iii 303; Schaidenreiszer Od. 112. 181 gegen 7, 49 Weidling. vorher nom. weibsbild hist. volksl. 3, 578 Liliencron; weybsbilde Arnoldi (1533) theol. stud. u. krit. 1912, 138, gen. weibsbild Schwarzenberg trostspr. v. 978 neudr., dat. wîbes bilden gesamtabent. 2, 443; weibs bilden Dasypodius 198ᵃ, acc. weybszpild Schwarzenberg b. v. zutrinken 24 neudr.
2)
blüthezeit des wortes ist das 16. jahrh., im 17. und 18. sinkt es langsam in niedrigere schichten der lit., im 19. wird es je länger je mehr auf die mundarten zurückgedrängt, in denen es allgemein gilt.
3)
das natürliche geschlecht setzt sich bei weibsbild, wie bei weib und seinen demin. oder bei fräulein insofern durch, als es im folgenden satz gern mit fem. pron. aufgenommen wird, zumal im 16. jahrh. am stärksten ist daran der nom. des pers. pron. betheiligt:
Fuxstainer einem weibspild
darumb dasz si furs kamergericht gedingt het,
ausztragen liesz leilach, polster und pett
hist. volksl. 2 nr. 163 v. 602 Liliencron;
doch auch gen. und dat. nehmen theil:
ein weibsbild schrey gantz jämmerlich,
dasz man doch jr erbarmet sich
Scheit fröl. heimf. O 1ᵃ;
indem es ja doch immer ein weibsbild war, und ich ihr nicht ernstlich wehe thun mochte Fouqué alts. bilders. 3, 18, ebenso demonstr.: thet aber eyn solche miszthat eyn weibszbild, die soll man erdrencken Carolina art. 130;
dann das auch ein weibsbild drauff was,
dieselb auff einem lewen sasz
Wickram 4, 255 Bolte,
seltener possess. und num.: wenn ein weibsbilde dem herrn ein gelübde thut ... so gilt alle ir gelübde 4. Mos. 30, 4; ob die andere weibsbilder auch also seyen, oder ob nur die unserige zwo also geartet Moscherosch ges. 2, 310, häufig relat.: man sagt auch von eim weibsbild, welche dem ... exempel ... nachgefolgt hat Hedio chron. Germ. L 1ᵃ; dasz ... mir das meinig durch ein weibsbild entfrembdet worden, als die mich unsichtbarlicher weise bestohlen Grimmelshausen vogeln. 524 Keller; Narcissus liebet ein weibsbild, die er selbst nicht vor schöne hält C. v. Wolff ged. v. d. menschen thun 264. das refl. kann selbst im gleichen satz fem. sein:
das sey die aller peste huͤt,
die ain weibspild ir selber thuͤt
Sachs fabeln 197, 136 neudr.;
ebenso gelegentlich das possess.: so ein weybsbild ir reinigung zuͦ vil hette Gesner thierbuch 52ᵃ Herold. daneben ist die correcte aufnahme durch neutrum fast die ausnahme: manches weibsbild sollte nur wissen, woraus es trinkt Hippel lebensl. 3 i 36, und nur beim relat. häufiger:
es war ein schönes weibesbild
das sich allda liesz finden
Uhlands volksl. nr. 105;
die geduld ist in der that ein schönes weibesbild, welches nur diejenigen glücklich machet, die ihrer liebe guthwillig genieszen Warnecke poet. vers. 252.
bedeutung.
1)
der grundbed. von bild entspr. ist weibsbild zunächst 'weibliches gebilde, frauengestalt, erscheinung einer frau'. einfaches bild ist im gleichen sinne möglich: als nun der jäger näher kam, erblickte er das mädchen und sprach ... ich will einmal ausruhen ... eigentlich aber war die ursache, dasz er ein auge auf das schöne bild geworfen hatte Grimm märchen nr. 122; in Leipzig auch alleinstehendes bild verächtlich für 'mädchen, frau'; bes.das grosze bild, das dumme bild Albrecht 89, s. th. 2, 10. andere zus.-setzungen halten die bed. lebendig: fräuleinsbild Fouqué zauberr. 2, 35, völkerbild G. Keller 6, 287. das wort wird demgemäsz angewendet, wo die anatomische bildung der frau im vordergrund des bewusztseins steht: diese contrafactur und erklärung der geburtsglieder eines jeden weibsbilds, wie solche innerlich gestalt und gelegen seyen Ruoff hebammenb. 28; darümb haben sie (die männer) auch mehr gehirn ... denn die weibsbilder Prätorius Blocksb. 132; man solle ihr die kleider herunterreiszen, so werde man sehen, dasz es ein weibsbild sei Keller 2, 237. kunst und mythologie, soweit sie den blick auf die äuszere erscheinung lenken, bevorzugen das wort: ein weibsbild mit pfeil und bogen (bedeutet) Venerem Paracelsus 2, 304 B Huser; caryatides weibsbilder under die balcken Calepinus XI ling. 206ᵃ; eine abgöttin der Ascoloniter in Syrien war obenausz ein weibsbild, undenausz ein fisch 48ᵇ; entspr. Gottsched beytr. zur crit. hist. 1, 94; die stunden, von den alten horen geheiszen und als junge weibsbilder umhertanzend Holtei 3, 106. auch bei überirdischen erscheinungen, träumen und verzauberungen ist es beliebt: Günther ged. 205; Stranitzky Fuchsm. 225 neudr.; Grimm d. sagen 1, 78. in menschlichen verhältnissen bleibt nam. bei betonung der schönheit der blick auf die erscheinung der frau gelenkt:
waʒ mag eʒ mainen
daʒ ir an dirre wilde
ditz schœne wîbes bilde
wellet henken sô verholn?
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Östr. 4704 Regel;
Helenam als derozeit das schönste weibspild Schaidenreiszer Od. 41 Weidling; ine gedaucht, er doch sein lebtag kein schöner weibszbildt gesehen habe Montanus schw. 16 Bolte; das er alle seine tag subtiller, zertlicher und lieblicher weibs pilt nie gesehen Wilwolt v. Schaumburg 88 Keller; er hat jederzeit schöne rothe junge weibsbilder zur haushaltung bey sich gehabt pol. maulaffe 96; hingegen waren weibsbilder, die hatten ihre eigne schönheit vor ihren gott auffgeworffen Simpl. 68 neudr.; ein weibesbild von unvergleichlicher schönheit Zend. a Zendoris t. wintern. 27. aber auch in diesem bereich ist die bed. 'frauengestalt' früh vergessen: (Minerva) nam an sich die gestalt aines schönen weibszbilds Schaidenreiszer Od. 156 Weidling; es war ein sehr herrlich gestalt eins weibsbilds Faustb. (1587) 94 neudr.
2)
von der erscheinung der frau untrennbar ist ihre persönlichkeit. indem weibsbild in diese bed. übergeht, tritt es in einen kreis naher bed.-verwandter: welche sprache ist reicher, das weib nach lebensaltern und lebensverhältnissen zu bezeichnen? ... zur allgemeinen bezeichnung: frauenzimmer, weibsbild, weib, schöne Jahn volksth. 260.
a)
in diesem kreis hält weibsbild zunächst ohne lob und tadel die neutrale mitte:
gegen dem morgen
suͦsse ein wahter lute sank ...
da verborgen
wibes bilde zuͦ zim drank
H. v. Vrouwenberg gr. Heid. liederhs. 172, 8 Pfaff;
ist ein grosz wunder, das ein weibsbild also viel machen soll Dürer tageb. 85; weibsbilder, so uff keiner universitet erzogen statuten d. univ. Heidelberg 89 Thorbecke; wir besorgen uns, es möchte ein heydnisches weibesbild (durch heirath) in die familie kommen Chr. Weise kom. 65; Amazoninnen waren gewisse streitbare weibesbilder in Scythien Amaranthes frauenz.-lex. 58;
es findet sich ein redliches gemüthe,
diesz weibsbild hier verlanget dich zum mann
Gellert 1, 200 Klee;
ein weibsbild wars und wenn gleich nicht meine tochter, doch auch ein unglücklich weibsbild Lenz 1, 53 Tieck; da sah ich ein junges weibsbild mit einer alten ... vorübergehn Immermann 7, 182. sonderentwicklungen sind früh möglich, ethisch zu 'weiblicher charakter': dieweil nit alle weibsbilder solchs handels halben so gutig, wie unsere gnädige frau die landgräfin sich freundlich und geduldig erzeigt Luther bei Kolde analecta 362; welchen stolz bezeigt ein weibsbild hier! Gottsched d. schaubühne 2, 183, volkswirthschaftlich zu 'weibliche (arbeits)kraft': all weibszpilder vor zeiten zuͦ veld zogen Schmeltzl David 15ᵇ; die weibsbilder zoge er zum seiden- und wollenwerck Kirchhof wendunm. 2, 53. neutralen sinn kann weibsbild neben s. gegenbildung mannsbild bewahren: das seyne (Adams) eynige person zu gleych eyn mans und weybs bilde were Luther 18, 147 Weim.; ich nehme an, dasz meine leser klare begriffe haben, was wir durch die wörter mannsbild und weibsbild andeuten Schwabe belust. 4, 423; d mannsbilder gand im summer z alp und d weibsbilder werhend ds güetli schweiz. id. 4, 1198, so nam. in gesetzesbest.: 3. Mos. 27, 4; Münster kosmogr. 419. weibsbild wird gesetzt, wo man im ausdruck wechseln will:
ein schuft, der orthographisch
mein mädchen küszt, betrügt sich selbst, das weibsbild
und mich auch
Grabbe 2, 19 Blumenthal.
es wird weib vorgezogen, wo dieses 'ehefrau' bedeuten würde, während die umfassendere bed. verlangt wird: was ist einem manne nothwendiger als ein weibsbild? Chr. Weise pol. redner 296. nachdem weib zur bez. der verheiratheten geworden ist (s. weib III B l), ist weibsbild gut am platze, wo keine entscheidung zwischen frau und jungfrau getroffen werden soll. in umfassender aussage bedeutet der sing. 'frau oder mädchen':
lieb unde lust die hânt gesworn beide
ze stricke, swar si wîbes bilde hetzet
H. v. Meissen minneleich 21, 4;
starck gewachszen weibsbild virago Dasypodius 454ᵇ; drey ding ... tragen, was man ihnen auflade: eins weibsbildts kopff, eines esels ruck, eines münchs gewissen Zinkgref apophth. 225; (wir) sahen ein weibesbild also verdecket für uns hergehen Olearius pers. rosenth. 8, 56 anm. der unbestimmte ausdruck ist nöthig, wo von künftigem erleben gesprochen wird: ich würde nach wenig tagen ein weibsbild ansichtig werden Guarinonius grewel d. verw. 54. 'nicht mädchen, nicht frau' bed. weibsbild in der anwendung auf die jungfräuliche mutter gottes und auf nonnen, die für erhaben über den irdischen unterschied gelten: es sol das newe testament sein, da ein weibsbilde ein newe seltzam mutter ist Luther randbem. zu Jer. 31, 22; ein habit von etlich religiosen oder geweyheten weibsbildern theatr. amoris 155. der plur. dieser unbest. anwendungsform bed. 'frauen und jungfrauen': weil inn etlichen conventen brauch ist, das, so ungeordnirte ... weibsbilder hinein gehn, man denselben die spur nachfegt Fischart Garg. 436 neudr.; es scheinet auch dasz solches mit den gefangenen weibsbildern beschehen Harsdörffer t. secr. 1 Aa 7ᵃ; diese kindsblattern richteten mich dergestalt zu, dasz ich hinfüro vor den weibsbildern gute ruhe hatte Simpl. 310 neudr.; es wissens die weibs-bilder gar wol, dasz desz Adams stammen-haus die laimbgruben Abr. a S. Clara mercks Wien 49. auch dirnen und witwen kann der ausdruck einbegreifen: sind die weibsbilder und die liebe das hauptsächlichste, was auf den schaubühnen gebessert werden musz n. büchersaal 1 (1745) 270; wittwen und anderer unverheyrateter weibsbilder M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 344. der unbestimmte ausdruck ist gut am platz im negativen satz:
der ander kain weibspild auf erden
wil bitten, sonder betten werden
fastnachtsp. 286 Keller;
angesehen dasz weibsbilder nicht in solcher meinung ... gestrafft werden sollen Amadis 1, 35 Keller; es stand ihm aber im wege, dasz in Armenien noch kein weibsbild den reichsapffel in händen gehabt hätte Lohenstein Arm. 1, 229ᵃ; Apollo könne kein weibsbild leiden Lessing 1, 243, entspr. im verbot: ihr sollt kein weibsbildt auff den gassn anschawen Hollonius somn. 51 neudr. auch der positive befehl will alle treffen und braucht darum den umfassenden ausdruck: das sölt ir sonderlich erzaigen aim weibsbild Luther 10 iii 240 Weim.;
secht, ir weibsbilder, dise lehren
auch in ein haushaltung gehören
Fischart ehzuchtb. 164 Hauffen;
dasz der eingefangene sich verpflichten müsse, sich mit einer von dreien weibsbildern ehelich zu verbinden Hippel kreuz- u. querz. 2, 111. des unbestimmten ausdrucks bedarf die frage:
ist euch nit etwan komen zu
oder begegnet ein weibsbild?
Spreng Äneis 9ᵇ,
die aussage nam. dann, wenn sie die nähere best. erst später bringt: dieses weibesbild ist die königin ausz Morenland schausp. d. engl. kom. 20, 33 Creizenach; wann ein alter mann ein junges weibsbild zur wittib machte Grimmelshausen vogeln. 372 Keller; den intriguen eines weibes-bildes, nemlich der printzessin Hildegardis Hahn einl. zur t. staatshist. 1, 275. endlich bleibt in der verkleidung ungewisz, ob man frauen oder mädchen vor sich hat: der stadtschreyber ... nicht anderst meynet, dann es ein weybesbild wäre Lindener rastb. 30 Bolte; ihr solltet weibsbilder seyn, machten eure bärte mich nicht irre Bürger 289 Bohtz.
b)
bis ins 17. jahrh. ist weibsbild ein durchaus edler ausdruck: es ist eyn weybsbild naturlich tzur liebe und gunst geneygt, mehr denn eyn mannsbild Luther 10 i 1, 297 Weim.;
das (das haushalten) zirt ein weibsbild adeleich
Sachs fab. 368, 94 neudr.;
manche feine heldin und hurtigs weibsbild Pape bettelteufel L 2ᵇ; die weibsbilder sind seltzam und vorsichtig in ihren anschlägen Simpl. 301 neudr. Penelope, kön. Esther, Maria heiszen so: ob man gleich wol dein muͦter derohalben als ain vernünfftigs, gescheids, witzigs weibsbild lobet Schaidenreiszer Od. 22, 20 Weidling;
wie gnedig gott sein volck erret,
das schon den todt vor augen het,
durch ein weibsbild
Sachs 1, 133 Keller;
welche ist under den wibsbildern je durchlüchtiger gewesen dann Maria die heilig magdt? Tschudi chron. helv. 1, 102. frauen nennen sich ohne anstosz selber so: warum werden die weibsbilder nicht klug? S. v. Laroche frl. v. Sternheim 1, 360, noch öfter lassen männliche dichter sie sich so nennen:
sît daʒ mir fröide ist worden wilde,
so êre an mir wîbes bilde
J. v. Warte gr. Heidelb. liederhs. 119, 31;
marschalk: frau, unser edler herr der pitt ...
die ersten urteil hie zu fellen.
Sibilla: ach, tut seinen genaden erzelen,
es zim furwar keinem weibspild nicht
fastnachtsp. 181, 7 Keller;
Maria Magd.; du wellest mir sünderin gnedig sein,
verzeih mir armen weibsbild jung
Freiburger passionssp. v. 1421 Martin;
wir armen weibesbilder lassen uns die leichtgläubigkeit offt übel belohnen Weise erzn. 212 neudr. auch bei neueren kann das wort im günstigen sinn verwendet werden, entweder unter dem einflusz der mundart: es kommt mir nämlich ein feines weibsbild im schleier ... entgegen Hauff 1, 71; kranke augen sind zu stärken ... durch fleisziges anschauen schöner weibsbilder Keller 7, 43; ich halte nämlich sehr viel von der Wolffen. das weibsbild arbeitet wie vier männer Hauptmann biberp. 53, oder in alterthümelnder rede: ein jedes weibsbild soll unsträflich seyn eines mannes weib Hippel ehe (1774) 73; was war denn das für ein sauber weibsbild? Storm 2, 247.
c)
von alters her wird auch ungünstiges über die frauen ausgesagt, s. weib VII A. dazu wird seit beginn des 16. jahrh. mit vorliebe auch unser wort benutzt, das damit in das schicksal des wortes weib und seiner zusammensetzungen einbezogen erscheint. die vorwürfe wechseln:
ein wybsbild ist nit alzyt stet
Murner narrenbeschw. 10, 51;
wa mansnam oder weibsbild sei,
die im ebruch wöllen leben
geschichtl. lieder Württembergs 77, 96 Steiff;
wenn die weibsbilder all gemein
können wol falsch und freundlich sein
Sachs 1, 259 Keller;
auch weibszbilder sauffen, es möchten pintzen in ihnen wachsen Albertinus de conv. 87ᵇ; die ... in kleidungen ihnen nachäffende weibsbilder vielmals der schamhafftigkeit ... ermangeln Harsdörffer frauenz.-gespr. 1 F 5ᵇ. am häufigsten ist der vorwurf weiblicher schwäche: junge blöde weibs bild Eberlin 3, 78 neudr.; die alten beginen oder sonst gebrechliche weibsbilder Mathesius 4, 239 Lösche, daher die formel nur ein weibsbild O. Ludwig 2, 21, deren gedanken schon 1533 Bullinger seiner Lucretia in den mund legt:
was kundt ich thuͦn, dann truren das,
das ich nüt dann ein wybs bild was
schweiz. schausp. 1, 119 Bächtold.
als allgemeine geschlechtsbez. steht weibsbild social niedriger als frau: wann Fortunatus mir wol gefeltt, und sähe lieber er hett ain edlen gemahel, dann ain peürin und wurd mich verdrieszen, söltte ain ungebornes weibsz bild den palast besitzen Fortunatus (1509) J 2ᵇ; Sara aber heiszet domina, ein frawe, nicht ynn gemeyn ein weibsbilde Luther 24, 322 Weim.; mägde oder weibs - bilder Hohberg georg. cur. 3, 269ᵃ. bei den neueren ist weibsbild der social gesunkene ausdruck: im munde des bedienten Holtei 8, 246, in lässiger umgangssprache Raabe Horacker 159, bei den bauern Martin - Lienhart 2, 38. die entwicklung zum bösen sinn wird ferner begünstigt durch die häufige sexuelle verwendung, dadurch ermöglicht, dasz weibsbild stets die erwachsene bez. (gegen Stosch 3, 177). es steht oft, wo mutterschaft, geburt, nothzucht, ehe, ehebruch erörtert werden: solt sie ein mutter gottis sein, must sie ein weybssbild sein Luther 7, 573 Weim.; (Nero) wolt kurtzumb, seine medici solten ihn in ein weibsbild verändern, dasz er möcht kinder gebehren Lehman flor. pol. 1, 42; wie dan diese teuffelskinder im brauch haben, wan ihnen ein weibsbild dergestalt übergeben wird Simpl. 171 neudr.;
hat Jupiter doch selbst gefehlt,
und als ein gott ein weibsbild sich vermählt
Neukirch in Hoffmannswaldaus u. a. ged. 4, 137;
er entzieht sich deinen armen, und bringt die meiste zeit bey andern weibsbildern zu Rabener werke 1, 202, mehr vereinzelt von verlockung Sachs 3, 5 Keller, schwangerschaft Faustb. (1587) 85 neudr., menstruation Gäbelkover arzneib. 2, 8, prostitution Simpl. 307 neudr., verlust jungfr. ehre Möser 2, 166. zahlreiche euphemismen wie: er were impotens und köndte mit keinem weibsbilde nichts schaffen Hertzog schiltwache B 4 bestärken den eindruck, dasz sich weibsbild in dieser sphäre im bösen sinn gefestigt hat. er wird durch attribute gestützt, die sittlichen tadel enthalten: unzüchtig Abr. a S. Clara etw. f. alle 1, 111; verdächtig Amaranthes frauenz.-lex. 285; lasterhaft Scheibe crit. musicus 337; zweideutig Jung-Stilling 3, 270; elend, nichtswürdig herz. Amalia schr. d. Götheges. 7, 158; schlecht Ritter erdk. 1, 335; Hebbel I 9, 277; böse Fouqué jahresz. 1, 111; frech Arnim 7, 110; verlaufen Heine 3, 59 Elster; gemein Castelli 10, 316, und das häufigste von allen, liederlich Nicolai reise 3, 62; J. G. Forster 1, 223; Raumer gesch. d. Hohenst. 6, 574; Holtei 10, 24. attribute, die den verstand des weibsbilds bezweifeln sind jünger und bleiben seltener: unsinnig Lessing 2, 31; unverständig Beck verirrung 103; dumm Grillparzer 10, 98; albern Raabe hungerp. 1, 119; wahnwitzig Hauptmann G. Schilling 39. inzwischen ist seit dem 18. jahrh. der böse sinn soweit gefestigt, dasz er auch ohne verdeutlichung besteht:
ein weib, das ihrem manne fluchet,
wenn er gesellschaft, spiel und wein,
wie heimlich sie liebhaber, suchet,
das musz — — ein weibsbild seyn
Lessing 1, 117;
ein weibsbild für das schätzbarste auf der welt zu halten? ein weibsbild! 2, 5; ein weibsbild ist ein weibsbild H. L. Wagner Evchen Humbrecht 41; Falstaff: geht mir, ihr seyd ein weibsbild, geht. wirthin: wer? ich? das untersteh dich. so hat mich noch niemand in meinem hause geheiszen (you are a woman) Schlegels Shakespeare 6, 119; die weibsbilder aus dem zuchthause Görres 2, 58; erkennen sie den unterschied zwischen einem solchen weibsbild und ihrer getreuen dienerin Ayrenhoff 3, 311; schämst du dich nicht, weibsbild? Immermann 16, 149 Hempel; ein weibsbild, das dort sein horizontales handwerk treibt Heine 3, 19 Elster; es ist halt ein weibsbild Auerbach 14, 202; was will das weibsbild da von mir, herr wirt? Hofmannsthal rosenkav. 111. von theoretikern bemerkt den verächtlichen klang zuerst Stosch 3 (1773) 177 f., durch Adelung 5, 124 wird die beobachtung gemeingut.
3)
collectiver sinn bleibt selten: das weibsbild in diesem landt ist wunsam und frölich Franck weltb. 216ᵇ; non tantum in sexus honorem nit allein dem weybs bild zuͦ eeren Frisius (1556) 879ᵃ, besteht aber in Zürich fort: schweiz. id. 4, 1198.
Zitationshilfe
„weibsbild“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/weibsbild>, abgerufen am 24.09.2019.

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