kurzweg, kurz weg
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2855, Z. 71
wie kurzab, schlechtweg, betont meist kurzwég, doch auch kúrzweg, was den sinn sogar schärfer hervorhebt (vgl. unter keineswegs).
1)
verzeichnet ist es zuerst bei Adelung, musz aber viel älter sein: einem kurz weg antworten, „ohne umschweife, selbst ohne die durch den wohlstand eingeführte umschweife“ 2, 1846; wünschte er einmalhunderttausend millionen bairischer thaler kurz weg. Hebel 2, 13, kurz entschlossen, ohne weiteres; einen kurzweg abweisen, aber auch sich kurzweg entschlieszen, und allein vorausgestellt (s.kurzum 2, c) z. b. kurzweg, daraus wird nichts, aber eben so gut daraus wird kurzweg nichts.
2)
auch verstärkt z. b. kurz weg und ab Hebel 3, 401, kurz und rund weg Gutzkow ritter vom geiste 7, 231, vergl.kurzab, kurzrund, ↗rundweg.
3)
man braucht es auch adjectivisch: er ist immer so kurz weg, kurz angebunden, formlos in thun und reden, wie er ist so schlecht weg, he is of no formalities Ludwig 2406.
4)
in Tirol heiszt es vielmehr, wol auch anderwärts, 'kurzewêg, kurzer wege', ohne förmlichkeit Fromm. 6, 433, Schöpf 354; das ist gekürzt aus den kurzen weg (Schm. 4, 45), wie bair. einweg, eineweg aus einen weg, d. i. auf jeden fall (das.), und wie weg! selber aus den weg, landschaftlich noch eweg; vgl. unter keineswegs 1.
weg m
Fundstelle: Lfg. 17,18 (1921,1922), Bd. XIII (1922), Sp. 2852, Z. 40
zum verkehr hergerichtete strecke, strecke die man durchmiszt um zu einem ziel zu gelangen, durchmessung einer strecke, reise, richtung, mittel etwas zu erreichen, art und weise usw.
I.
herkunft und form.
1)
ein gemeingerm. wort: mhd. wec, gen. weges, ahd. weg, via, trames, callis Graff 1, 668, dazu asächs. weg, mnd. wech (auch 'art und weise, mittel') Schiller-Lübben 5, 619, ndl. weg, afries. wei, wi Richthofen 1131, wfries. wei Dijkstra 3, 417ᵇ, nfries. wāi Schmidt-Petersen 156ᵇ, ags. weg (auch 'art und weise, verfahren, verhalten') Bosworth - Toller 1183ᵃ, engl. way, anord. vegr (auch 'fahrt, reise, ausweg, verfahren, art und weise, richtung, seite, strecke') Fritzner 3, 891, schwed. väg, dän. vei, got. wigs ὁδός. es geht aus von der wurzel, die auch bewegen (s.wegen) und wägen zu grunde liegt, aber in der bed. 'sich bewegen, fahren', wie sie auch in wagen und asächs. wigg, pferd (als 'das zum fahren taugliche') hervortritt Fick 3⁴, 382 f. von bildungen in den verwandten sprachen steht am nächsten lit. vėżė f. wagengeleise, osk. ueia 'plaustrum' Walde 653, sowie lat. via, dessen zugehörigkeit zu der wurzel von vehere aber bestritten ist.
2)
die verhärtung des ausl. consonanten tritt schon im spätmhd. zurück, im 15. jahrh. kommt die schreibung wek (weisth. 5, 601) oder weck (Mentels bibel, 1. Mos. 3, 24. fastnachtsp. 617, 28. Tucher baumeisterb. 204, 22. Diefenbach gl. 617ᵃ) noch vor, ganz überwiegend ist weg. die vermittelnde schreibung wegk zeigt sich bei einzelnen noch bis ende des 16. jahrh.: Straszb. zunftordn. 398. Rothe dür. chr. 134. Stolle chronik 511. Alsfelder passionsp. 480. 6309. Luther 9, 608, 8 Weim. ausg. Hutten 4, 10. Strausz christl. unterr. B 1ᵃ. Hayneccius 1435. Froschmeuseler B 2ᵃ. weck hat noch H. J. v. Braunschweig 312 Holland. ein gesprochenes wĕck ergibt sich bei manchen dichtern (bes. norddeutschen) aus dem reim (noch bei Gottsched ged. 635 weg: zweck); verbreiteter ist die kürze beim adv. weg (s. d.). der offene e-laut wird bei Alemannen im 16. jahrh. (noch 1616 bei Guler Raetia 26ᵇ) sehr gewöhnlich durch ä bezeichnet, auch Frisius und Maaler schreiben wäg. die bezeichnung der länge durch ee kommt in der ganzen nhd. zeit vor (in wörterbüchern aber nur bei Steinbach und Frisch), besonders in südd. quellen (österr. weisth., Albertinus, Grimmelshausen, Abr. a S. Clara, Hohberg u. a.), noch Schiller 2, 36 in den räubern und häufig Göthe in seinen briefen schreiben weeg.
3)
das wort geht überall nach der a-decl., nur im nord. werden auch formen nach der u - decl. gebildet und auch auf die i-decl. weist hier eine spur hin. im ahd. wird vereinzeltes wig (diotwig in der Würzburger grenzbeschreibung) kaum als alte i- oder u-form erklärt werden können. im 15. und 16. jahrh. kommt erweiterung zu wege vor, worin keine gesprochene form zu sehen ist: H. v. Bühel Dyocl. 8821. weisth. 1, 459. Mentels bibel, 1. Mos. 19, 2. Decamerone 61, 1 u. ö. Sebiz feldbau 448. wäge N. v. Wyle transl. 44, 12. merkwürdig ist ein gen. pl. wegen, der sich in allerwegen 'überall' erhalten hat. auch früher kommt wegen, wegene nur in verbindung mit pronominalen adj. oder zahlwörtern vor, wobei weg meist als 'ort, seite' erscheint; die formen treten aber nur in quellen aus dem nördlichen md. gebiet auf: allir wegine Athis B 152 (s. auch II C 5), andirre wegene 'an andren orten' Leyser pred. 73, 36, beider wegen 'auf beiden seiten' livl. reimchr. 4052, manchir wegin 'an manchen orten' N. v. Jeroschin 25176. 25898, aber auch manger wegene 'auf mancherlei weise' Sachsensp. 2, 48, 8, zweier wegene (nd. tweier wegene) 'auf zweierlei weise' 1, 2, 71. im mnd. wird wegen, wegene in solchen verbindungen häufig gebraucht Schiller - Lübben 5, 650: allerwegen, anderwegen, beider, menger wegene usw., twier wegen 'an zwei stellen', aber auch twiger weghene 'zweimal'. dem entspricht afries. a twira wegena 'zweifach' Richthofen 1132, anord. tveggja vegna 'auf zwei seiten, in zwei richtungen' Fritzner 3, 890; die bildung ist auch sonst im west- und ostnordischen (Rydqvist 2, 240) häufig, an entlehnung aus mnd. wegene darf kaum (mit Falk-Torp 2, 433) gedacht werden, sie erweist sich mithin als gemeingerm. eine sichere erklärung der form ist noch nicht gegeben, vermutlich ist auf ein sonst verschwundenes schw. masc. ahd. *wego zurückzugehen (neben weg, etwa wie -tago in abstracten bildungen neben tag steht). aus diesem gen. pl. wegene ist im mnd. ein fem. sg. wegene hervorgegangen, der auch bei dem sich der md. sprache bedienenden H. v. Hesler als 'art und weise' erscheint: in der wegene apokalypse 1399. 15846. auf andre weise hat sich in jetzigen md. mundarten ein fem. wege entwickelt, besonders in der redensart aus der wege gehen; so im hessischen, thüringischen, obersächsischen: Kehrein 440. Crecelius 898. Vilmar 443. Regel 281. Hertel 255. Liesenberg 216. Jecht 121. Albrecht 234; auch in einigen nd. mundarten Leihener 132. Bauer-Collitz 113ᵇ. Schambach 291. aus der ist hier aus auszer umgedeutet; schon in der erlösung 907 steht: daʒ ich iht ûʒ der wege var, statt ûʒer wege. dieselben mundarten haben auch in der wege, was nachbildung der älteren wendung ist (kaum aus inner wege entstanden). ähnlich ist älteres after wege (da after hier unverständlich wurde) zu auf der wege umgedeutet worden; schon in der Wiener hs. der kindheit Jesu 69, 44. 80, 48. 81, 76 Hahn ufter weg, 87, 50 aufter wege; belege für uff der wege aus dem 16. jahrh. geben Diefenbach-Wülcker 896 und Vilmar 443; auff der weg Heberger aegyptiaca servitus 71; noch jetzt hess. auf der wege sein. ein f. wege auch bei Lauremberg sat. ged. 11, 76 (s. 151) Lappenberg.
II.
bedeutung und gebrauch. weg tritt in den germ. sprachen im wesentlichen in denselben bedeutungen auf und auch lat. via (das für die anwendung des deutschen wortes sicher oft bestimmend war) deckt sich damit im groszen und ganzen, nur in einzelnen fällen nichts entsprechendes bietend. während die bedeutungen selbst sich ohne schwierigkeit erklären, ist es zweifelhaft, in welcher folge sie sich entwickelt haben und was als grundbedeutung anzusehen ist. man könnte daran denken (mit Paul deutsches wb. 641ᵇ) von 'gang, reise' auszugehen, besonders da schon frühzeitig abgeleitete abstracte bedeutungen (die besonders im nordischen und englischen reich entwickelt sind) vorhanden gewesen sein müssen. allgemeine erwägungen scheinen aber der auffassung den vorzug zu geben, nach der weg zunächst als concretum gebraucht worden ist und zwar ist es das wahrscheinlichste, dasz das augenfälligste, der hergerichtete weg, die grundlage bildet, woraus erst die allgemeinere bedeutung 'strecke die einem ziele entgegen durchmessen wird' und schlieszlich weg als vorgang des sichbewegens nach einer richtung hervorgegangen sein wird.
A.
die ursprünglichen bedeutungen.
1)
weg als ein längsstreifen der erdoberfläche, der für den menschlichen verkehr hergerichtet ist (oder dazu regelmäszig benutzt wird). weg ist der allgemeinste ausdruck, dem sich strasze, gasse, pfad, steig, steg unterordnen. gewohnheitsmäszig wird aber weg so gebraucht, dasz es sich einerseits von strasze (gasse), andrerseits von pfad, steig, steg abhebt, ohne dasz strenge unterschiede gemacht werden.
a)
mit dem entlehnten wort strasze bezeichnete man zunächst die von den Römern auf steingrund kunstvoll hergestellten wegverbindungen, dann auch andere von ähnlicher anlage, deren unterhaltung ursprünglich sache des reiches war (via publica, regia), während weg jede mit einem fuhrwerk oder pferd oder auch nur von fuszgängern passirbare weganlage sein kann. von der königsstrasze wird in den alten volksrechten und den weisthümern auch eine gröszere breite (meist die doppelte) verlangt als von den gewöhnlichen wegen (Alberus dict. g 4ᵃ unterscheidet zwischen weg, via und breyter weg, strasz, landstrasz). so steht weg neben strasze, um wegverbindungen verschiedener art zu bezeichnen:
wold im der herzog Heinrich
wege unde strâʒen
zetal durch Beiern lâʒen.
Ottokar reimchr. 13653 Seemüller;
der narren orden ist so grosz,
das er fült all weg und strosz.
Murner narrenbeschw. 1, 20 neudr.;
sicher sind alle weg und strasz.
H. Sachs 9, 165, 17 Keller;
ich uf umbe gie die stat unde die wege unde straʒe (vicos et plateas) hohelied 38, 1 Haupt; wo landstrauszen zwischen gütern hingand, da söllen die anstöszer die weg und strauszen an enandern helfen machen weisth. 5, 162 (1468); damit dasz landt, straisz und wegk, in frid und wesen gehalten werd Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 668 (1502). beide worte in grammatischer verbindung:
er îlte zuo der strâʒe wege
als ein getürstic houbetman.
K. v. Würzburg troj. krieg 30074;
und (sie) was doch daher kumen e
bi eines tages maʒe
die lange weges straʒe.
väterbuch 35692 Reiszenberger;
s. u.wegstrasze. weg als der allgemeinere ausdruck kann aber auch für strasze eintreten:
faramês sô thie ginôʒa   ouh andara strâʒa,
then weg, ther unsih wente   zi eiginemo lante.
Otfrid 1, 18, 34;
auch wenn der narr an der straszen get,
so wänt er, wer an dem wege stet,
das si all narren sein als er.
Vintler pluemen d. tugent 2827 Zingerle;
swo zwen geladen wægen gen einander varent auf der straʒʒ und entgegent auf ainem engen weg kayser Ludwigs rechtsbuch § 345 Freyberg; wo aber grosz schlipfinen in die straszen komend, da soll ein gmeind die weg helffen machen zeitschr. f. schweiz. rechtsquellen 2, 67 (1469). besonders ist in verbindungen weg auch für strasze üblich geblieben: neben königsstrasze steht königsweg (kuningesweg cod. dipl. Fuldensis 336 von 980, koningsweg Schiller-Lübben 3, 524, vgl. th. 5, 1717), neben heerstrasze steht heerweg (N. v. Jeroschin, weisth. 1, 459 von 1527, vgl. th. 4, II, 762), neben hohe strasze steht hoher weg (städtechr. 5, 147, 4. weisth. 5, 603), westfäl. ist hel- helle- hilewech als 'heerstrasze' häufig Schiller-Lübben 2, 236, verbreitet ist dietweg 'landstrasze' (diotweg in der Würzburger grenzbeschreibung, später obd. dietweg Schmeller 1, 553. Fischer 2, 202, mnd. dêtwech urkundenbuch der st. Hannover 1, 324). doch erscheint weg auch im engeren sinn als der dem wagenverkehr dienende theil der strasze: unde sol och der wec der bercgassen also wît sîn, das ein egide vollen wît han muge us und in ze varende Schilter cod. jur. alem. feud. 368ᵇ (1320); der nochrichter soll ouch verbunden sin, wo ime fromme, ersame lúte in den stroszen und gassen begegenen, denen sol er harabe in den wegk entwichen und sie lossen ob ime hingän, als sich gebürt Straszburger zunftordnungen 398 Brucker; es ... wasen umb und umb hültzin stapfen über die gassen und grosz fürschlacht vor den heusern und tief kotig weg in der strausz, dasz kam ain wagen dem andern geweichen mocht in ainer weiten gassen Zinks Augsburger chr., städtechr. 5, 147, 2; auff der Laubnischen straszen abir ist der wege so bosz gewest, das alle furleute dorubir geschryeren script. rer. Lusat. n. f. 4, 294 (Görlitzer rathsannalen). in den städten hat strasze, das ursprünglich nur die durchlaufenden landstraszen bezeichnete, dann aber weitere ausdehnung gewinnt (Kretschmer wortgeographie 491 ff.), gasse und weg zurückgedrängt; letzteres findet sich häufig noch in steinweg, was eigentlich die gepflasterte hauptstrasze eines ortes ist; ferner bei straszen, die erst später ins stadtgebiet hineingezogen worden sind, so hat z. b. Darmstadt einen herdweg, auf dem früher die viehherde des benachbarten Bessungen ausgetrieben wurde; auch werden jetzt villenstraszen, an denen keine geschlossenen häuserreihen liegen, öfter als wege bezeichnet.
b)
auf dem lande ist der ausdruck weg durchaus in anwendung geblieben, nur die hauptwege eines dorfes oder einer gemarkung werden auch als straszen bezeichnet, landstraszen (was aber auch im sinne von 'heerstrasze' vorkommt), sonst gilt weg (via vicinalis): dasz der weg über den Eyspensand ... ein weg und kein landstrasz were weisth. 1, 474. gasse kommt hier daneben nur in der engeren bed. 'weg zwischen gartenmauern, zäunen' oder 'bergwänden' (hohle gasse) vor, vgl. Kretschmer 496. es pflegten zwei hauptwege im dorfe zu sein, die sich kreuzten, daher formelhaft von einem, der freiheit hat auszuziehen: ihme die vier wegh und straszen zeigen luxemb. weisth. 461 (1590) Hardt; wiest man inen vier weg zum dorff hinaus 608; Würzburger bannformel bei Haltaus 2045: sage die verclagten also fridlos ... und ich weise sie die vier wege inn die land. viele arten von wegen wurden unterschieden, neben feld- wald- holzweg sind früher noch viele andre bezeichnungen üblich, über die breite dieser wege werden in den rechtsquellen angaben gemacht. alle diese wege sind als fahrbar anzusehen, daher wagenweg, neben dem der karrenweg von etwas geringerer breite. ein allgemeinerer ausdruck ist notweg, gesetzlich zulässiger weg bes. über ein fremdes grundstück (ahd. auch 'canalis', wol die dachtraufe, die auch über ein fremdes grundstück gehen konnte); ferner bair. gesuch- oder besuchweg. die bezeichnungen gehen sonst z. th. auf die - beschaffenheit der wege, so hohlweg, sackweg, hainweg (von einem lebendigen zaun eingefaszt), schleif- oder schlittweg (verbindungen von zwei hauptwegen, die quer über die gewanne gehen); z. th. auf die art der benutzung oder die bestimmung: so kirchweg (neben dem mancher orts noch ein leichenweg vorkommt), bauweg, brachweg, dungweg, jochweg, heuweg, triebweg nd. drefwech, weidweg u. a. vom mühlweg wird verlangt, dasz man ihn mit pferd oder esel passiren kann.bei waldwegen wird in md. gegenden (Hessen, Thüringen) die in gerader linie durchgehauene schneise vom weg, der auch mit krümmungen geführt werden kann, unterschieden.
c)
dem weg wird in den volksrechten meist der pfad (semita) gegenübergestellt, dem eine weit geringere breite zukommt (gewöhnlich 3 fusz), er ist also nicht fahrbar:
vart jenen pfat (êst niht ein wec)
dort über jenen hôhen stec
in jenen boumgarten.
W. v. Eschenbach Parzival 511, 21;
alsô gânt zwêne wege zem himelrîche, ein pfat und ein wagenwec Berthold v. Regensburg 2, 155, 11. dasz die scheidung aber keine strenge ist, ergibt sich daraus, dasz im ahd. weg auch für callis, trames, semita (Notker ps. 26, 11) steht, ebenso in frühnhd. glossaren für callis Diefenbach gl. 91ᵃ. nov. gl. 67ᵃ, semita gl. 526ᵃ, trames gl. 592ᵇ. nov. gl. 370ᵃ. bei Otfrid 1, 18, 44 wird pad des vorhergehenden verses mit weg aufgenommen, wie in der bibel (th. 7, 1583) pfad mit weg wechselt. die bildung fuszweg tritt schon 1387 auf. jetzt pflegen angelegte wege, auch wenn sie schmal sind, gewöhnlich nicht als pfade bezeichnet zu werden, dieser ausdruck haftet an wegverbindungen, die nur durch eintreten entstanden sind oder die wenigstens die anlage nicht deutlich erkennen lassen. so spricht man auch von wegen (nicht pfaden) im garten: es waren schöne wege und anmutige gänge in dem garten, bellissime strade Krämer 1215; in welchem (kleinen garten) er sich kaum herumdrehen konnte; so eng waren die wege, und so reichlich war alles bepflanzt Göthe 23, 42 Weim. ausg.; in den gärten ... war jetzt ein reges leben. man hackte den boden um, man zog wege Auerbach 17, 176; die ... beetchen, die so scharf von dem gelben kies der wege abstachen O. Ludwig 1, 142. wege in den wiesen: damit ihm derselbe, wenn sein heu und grummet annoch auf dem stengel stünde, dadurch vorhero einen weg hauen könnte Klingner dorfrechte 1, 740. ähnlich wie pfad stehen jetzt steig und steg dem weg gegenüber, doch ist hier von andern grundbedeutungen auszugehen. steig ist wol ursprünglich ein weg, der seine richtung gleich über die höhen nimmt (th. 10, ii, 1378), weniger gut und steiler als die im thale führende fahrstrasze, aber kürzer und darum von fuszgängern bevorzugt. bei Berthold v. Regensburg 2, 155, 7 steht stîc als synonym von pfat, später kommt vuoʒstîc, gancstîc vor. in mhd. wendungen bildet es schon oft einen gegensatz zu strâʒe, wie mit diesem wird es auch mit wec verbunden, um verschiedene wegarten zusammenzufassen:
jâ leider desn mac niht gesîn,
daʒ guot und weltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen.
Walther 8, 23;
dîne stîge und dîne stege
und alle dîne rûhe wege,
swie tief sie sint und enge,
ich envorchte dehein ir strenge.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 1963 Weinhold;
die hohen wilden leyten
must er abe reyten
ane steig und ane weg,
ane pfad und ane steg.
H. v. Neustadt Apollonius 8147 Singer;
sollen alle unrecht weeg und steig verpotten sein zue und von denn weingärten österr. weisth. 7, 197, 28 (16. jahrh.). auch Luther liebt (im anschlusz an die ältere biblische sprache) die zusammenstellung von weg und steig s. II C 1. viel häufiger als weg und steig ist weg und steg (s. die reichhaltigen nachweise th. 10, ii, 1381 ff.), wo steg aber zunächst 'brücke' ist; unter dem einflusz der beliebten reimverbindung, vielleicht auch von steig, wird es immer mehr zu einem weg verwandten begriff (so deutlich schon im Tristan 37 hei, tugent, wie smal sint dîne stege), wird aber von diesem als verschieden empfunden:
ge ane wek
den smalen stek,
so kumstu an der wueste spor.
minnesinger 3, 468ᵉᵉ Hagen.
meist verstärkt steg das vorausgehende (seltener nachfolgende) weg nur, indem mit weg und steg die gesamtheit aller wegverbindungen bezeichnet wird: inwendig und auswendig der stadt, in den gaszen und uffn straszen, in wegen und stegen stadtrecht der st. Eisenach 8, 13 (1283); wege und stege sol die gemein halten weisth. 1, 481; ain güʒʒ diu was als groʒ, daʒ si all prugg, weg und steg hinfürt städtechr. 4, 7 (Augsburg 1385); dem sol vor der munsterung wilkürlich steg und wege frey stehen Reutter v. Speir kriegsordnung 11; darumb wird es (das kraut) nahe an den wegen und stegen gefunden Sebiz feldbau 251; genius in pilgertracht eröffnet den zug weg und stege zu segnen Göthe 16, 235 (maskenzug prol.) Weim. ausg.;
und die grünen ufer springen,
und sich heitern weg und steg.
v. Birken forts. d. Pegnitz-schäferey 37;
alle weg' und stege sind verwachsen.
Uhland ged.² 175.
von bauten der thiere: reite ... werden auch genannt die gänge, wege und stege, so die bieber ... haben Harsdörffer t. secretarius 1, Kkk 4ᵇ.
d)
weg kann auch die bedeutung 'das recht wo zu fahren' annehmen: das bergwisli hätt weg durch das genswisli uff, und sunst keinen me weisth. 1, 119. weg und steg: dasz ein landmann dem andern ... auf das seinig zu fahren, weg und steg zu geben schuldig seyn soll rechtsquellen des kantons Bern 2, i, 1, 140, 9 (1645). bergmännisch 'das recht über der grundherren grund und boden zu fusz zu gehen, und mit dem laufkarren ... zu fahren' Jacobsson 4, 620ᵃ.
e)
weg mit adjectiven.
α)
gemeiner, offener, freier weg: wo einer ein weg für, da nüt ein gmeiner weg zefarend weri, das mag einer einem wol weren weisth. 1, 125 (1472); (sie verkaufen die) prantstat, darauf ain haus gestanden ist, ... der stat zu Wienn zu ainem gemainem weg quellen z. gesch. d. stadt Wien 2, ii, 388 (1456); auf die gassen oder gemeinen wege (nella via pubblica) geworfen Decamerone 48, 12 Keller; wie die gesworn inen (den heckern) verboten haben gemeyn wege zu graszen quelle bei Bücher berufe d. st. Frankfurt 56ᵃ; die vischer sond ouch haben einen offnen weg an dem bach nider bis an schiffstelli ... und sol inen denselbigen weg denn nieman speren noch weren weisth. 5, 95; die offene wege und landstraszen, wie auch brücken und stege, sollen jeden orts in gutem esse gehalten werden Wigand provinzialrechte der fürstenth. Paderborn u. Corvey 3, 212 (1655); durch Winterthur gieng offner weg Tschudi chron. helv. 2, 28; ein öffentlicher weeg, via publica Steinbach 2, 953; die junckern haben einen freyen weg aus ihrem prühel mit ihrem haw zu fahren weisth. 1, 594 (1553); der Balthauser paur hat ein freien weeg hinden ausz und ein und mag ihms niemants wehren österr. weisth. 7, 134, 1 (1630); ainen freien offen weeg 323, 30 (1540); freyer und offener weg, die öffentliche heer- und landstrasze Zedler 53, 854. verbotener weg u. dgl.: swer unrehten weg vert uber gebuwen lant, da sol ie daʒ rat einen phenning geben Schwabenspiegel landrecht 195 Laszberg (s. 91); welcher verbotten oder unbefugte weeg bedritt auf wieszen, garten, weinberg oberrhein. stadtrechte I, 8, 1026 (1697); verbannter weg, welchen insgemein zu befahren verboten ist Zedler 47, 120.
β)
gangbarer, gebahnter, ebener weg: ein gänger weeg, via trita Frisch 2, 428ᵃ; aus mangel an gangbaren wegen Wölser landwege (1827) 5; wolgebanter weg, callis, iter Dasypodius 453ᵃ; ein gebahnter weg, via trita, planata Henisch 179, 59; ebner wäg in dem väld, iter campestre Maaler 480ᵇ; rauher weg, via aspera Nieremberger; bildlich: meine zarte (kinder) musten gehen auff rauhem wege, sie sind weggefurt, wie ein herd, von den feinden geraubet Bar. 4, 26; wann sie (die der hexerei beschuldigte) gesehen, das es den rauhen weg hinauszgehen sollen, bald genad begert Bodin daemonomania übers. v. Fischart (1581) 4. steiler weg u. dgl.: salebra, wachser weg Diefenbach gl. 508ᵃ; trames acclivis, ein stotziger weg Frisius 19ᵇ;
es donnern die höhen, es zittert der steg,
nicht grauet dem schützen auf schwindlichtem weg.
Schiller 14, 272 (Tell 1, 1);
sonst hätt' ich mich gefürchtet, als so steil
pfadlosen weg betrat des thieres fusz.
v. Droste-Hülshoff 2, 234 Kreiten.
krummer weg (übertragen s.C 1 b β): krummer oder schälber weg, flexus aditus Maaler 480ᵇ; krumber wäg, der vil renck hat, iter flexuosum 254ᶜ; Isidorus spricht, daʒ der fuhs selten rehte weg lauf, er lauf beseits und krumme weg K. v. Megenberg 164, 4;
krumbe wege die gênt bî (neben) allen strâʒen.
Walther 113, 25;
limes, zwercher weg Diefenbach gl. 330ᵃ (1516); winkelichter weg, via latebrosa Stieler 2453.
γ)
grasiger, steiniger, sandiger, staubiger, schlüpferiger, kotiger weg:
der grasege wec ungebert
der truoc sî verre in einen wert.
Hartm. v. Aue Gregorius 3237 Paul;
den grasigen weg (weg zum friedhof) gehen 'sterben' Birlinger aus Schwaben 1, 324. Wander 4, 1854; swer ain herten oder ain stainigen weg sol gan St. Georgener prediger 45, 19 Rieder; ein wesschafftig weib ist einem stillen man, wie ein sandiger weg hin auff, einem alten man Sir. 25, 26; heiszer oder staubachtiger weg, aestuosa et pulverulenta via Maaler 480ᵇ; ir (Davids verfolger) weg müsse finster und schlipfferig werden, und der engel des herrn verfolge sie ps. 35, 6; die rosz habend von wägen desz schlipfferechtigen wägs nienen hin mögen kommen Frisius 36ᵃ; darumb ist ir weg, wie ein glater weg im finstern, darauff sie gleiten und fallen Jer. 23, 12. gepflasterter weg: gepflestert weg, stratum Dasypodius 453ᵃ; darnach werd gemacht auszerhalb des grabens (beim schlosz) ein gepflasterter weg Dürer etl. underricht z. bef. d. stett D 2ᵃ; geschlagener weg 'weg mit festem steingrund' v. Hoyer u. Kreuter⁵ 1, 839ᵃ.
δ)
hohler weg: wann er nun in einem walde oder holen wege dem feind aufpasset Gruber kriegspolitica (1699) 180; wenn ... der schnee in hohlen wegen ... die passage verhindert codex Augusteus 2. forts. 675 (1781). in bildlicher wendung: das man ynn des nicht mercke, wie sie hie ym holen wege gedrenget werden Luther 23, 121, 21 Weim. ausg.; die in gefahr seynd, pflegen zu sagen, wir stecken im hohlen weg Lehman (1662) 1, 268; wer sich läst in holen weg treiben, der hat kein kehr 2, 573.
ε)
enger, schmaler, breiter weg: sint si aber in einem engen wege, oder uf einer brugge Schwabenspiegel landrecht 221 (s. 103) Laszberg; angustus callis, ein enge straasz oder enger wäg Frisius 176ᵃ; schmaler weg, semita Dasypodius 453ᵃ. in einem weit verbreiteten biblischen bild: gehet ein durch die enge pforten, denn die pforte ist weit, und der weg ist breit, der zur verdamnis abfüret, und die pforte ist enge und der weg ist schmalh, der zum leben füret Matth. 7, 13. 14;
der weg (der hölle) statt offen, nacht und tag,
und ist gar breyt, glatt, wolgebant ...
aber der weg der selikeit ...
der ist gar eng, schmal, hart und hoch.
Brant narrenschiff 47, 14;
der tugent weg ist schmahl.
Zinkgref auserl. ged. 34 neudr.;
wo viel freiheit, ist viel irrthum,
doch sicher ist der schmale weg der pflicht.
Schiller 12, 328 (Wallenst. tod 4, 2);
wer dem hauffen folgt, der kompt auff den breiten weg Lehman (1662) 2, 520.
ζ)
guter, böser weg: träffenlicher böser wäg, deterrima via Maaler 480ᵇ; böser, schlimmer weg, strada cattiva, rotta Krämer 1215; vom centner zwen gulden, welches auf und abgehet, nachdem die wege guet und böesz sein zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 12, 137 (1551); böses wegs und loser pferdt halber solte einer zu füesz bälder ... fort khomen H. U. Krafft reisen 12 Haszler;
die wege sind noch nicht practicabel.
Schiller 12, 18 (Wallenst. lager 4).
tiefer (ausgefahrener), grundloser weg:
der wec (im walde) wart vinster unde tief.
Hartm. v. Aue Iwein 5791;
an Hailigcreutzgassen ... was es ungemachsam und ungestalt und gar tief weg städtechr. 5, 147, 2 (Augsburg 1468); tieffer oder grundloser weg Pomai 338; die wege sind jetzt tief von dem vielen regen, the roads are now very dirty Ludwig 2403;
mit der dämmernden fackel
leuchtest du ihm
durch die furten bei nacht,
über grundlose wege
auf öden gefilden.
Göthe 2, 63 Weim. ausg.;
die letzten (couriere) hatten ... die hindernisse grundloser wege gemeldet 33, 4.
η)
im festungsbau ist ein bedeckter weg ein gang, der rings um den graben gegen das feld zu führt, mit brücke und brustwehr (glacis), damit die soldaten darin verdeckt gehen können Ludwig 2404. Zedler 3, 885. Mothes baulex.³ 4, 353ᵇ: das bataillon, welches in der dritten parallel stand, detachirte sofort ein peloton, welches den feind wieder in den bedeckten weg jagte Lessing³ 18, 450.
f)
weg in andern verbindungen.
α)
der weg nach der stadt; früher auch gegen:
wer machen well den peutel ring ...
der frag den weg gen Überling.
O. v. Wolkenstein 60, 3 Schatz;
der weg nach dem bahnhofe; der weg am flusz entlang; der weg ins holz, auch übertragen wie holzweg: aber das weisz ich auch, dasz der verstand hier einen weg ins holz finden kann Göthe briefe 27, 150 Weim. ausg.; das ist der weg ins holz bei mir, meine theuerste Bettina fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 119.
β)
nur als ich stand und rings her um mich sah,
meint' einer, es sei schlechte sitte, so
in weges mitte stehn und andre stören.
Grillparzer 5, 162 (Medea 2);
ich hörte, wie, von seinem huf geregt,
des weges steine langsam rollten.
v. Droste-Hülshoff 2, 234 Kreiten.
γ)
die bildstöck, helgenhäuslein und creutz an den wegen Simpl. schr. 3, 305, 12 (vog. 1, 3) Kurz;
lasz mich jede blum' am wege brechen.
Becker Mildheimer liederb. 7;
die geste des nahtes lâgen
zeime castelle bîme wege.
K. Fleck Flore u. Blancheflur 3493;
diesz kleine volk ist uns ein stein im weg.
Schiller 14, 396 (Tell 4, 3);
der (marktmeister) hat ... mist uff der strasze zu vorbieten und kammern ubir den weg Stolle chronik 405 Thiele.
δ)
sie ... achten sein (goldes und silbers) nit so vil, das sie es am wege auffhuͤben, vil weniger das sie so tieff in die berg darnach gruͤben S. Franck teutscher nat. chron. (1539) 6ᵇ (vgl. henneb. das hebt man nicht im weg auf, so schlecht ist's Spiesz 277);
geh', bettle, hung're, stirb am wege! (die i' the streets).
Shakespeare Rom. u. J. 3, 5;
und meine renner sanken tot am wege,
eh ich Olympias türme noch erschaut.
Grillparzer 4, 147 (Sappho 1, 3);
die erst und recht wild salbey wachszt auff den wegen Bock kreutterbuch 20. auf allen wegen:
dô sich die von in schieden,   die ir dâ solden phlegen,
diu Etzelen hêrschaft   si vridete ûf allen wegen.
Nibel. 1434, 2;
dieweil er willig
dem stern, der ostenher
wahrhaft erschienen,
auf allen wegen war
bereit zu dienen.
Göthe 2, 157 Weim. ausg.
ebenso verallgemeinernd auf wegen und stegen s. th. 10, ii, 1383:
und überall all überall,
auf wegen und auf stegen,
zog alt und jung dem jubelschall
der kommenden entgegen.
Bürger 13ᵃ (Lenore);
die hohe gabe preisen wir,
die grausem unheil steuert,
auf weg und stegen blumenzier
dem holden freund erneuert.
Göthe 4, 146;
also ist es gewisz, dasz er auff allen wegen und stegen durch unzehlich viel wündsche ... wird begleitet werden Weise pol. redner 212; die gestalt dieses mädchens verfolgte mich von dem augenblick an auf allen wegen und stegen Göthe 26, 267; einem auf weg und steg nachgehen Martin-Lienhart 2, 799ᵃ. Brendicke 192;
häuser und bäume
tanzten vorüber des weges entlang!
Müllner dram. werke 1, 44 (29. februar 6);
auch wächst die lügen über nacht, und leugt man übern weg Kirchhof wendunmuth 4, 39 Österley; einem nicht über den weg trauen (auch über die gasse) d. h. nur soweit man ihn direkt vor augen hat (oder eig. nicht trauen ihm über den weg zu gehen? vgl. schles. ich weldem nich quâr îber a wæk gîn Frommann 3, 414, 545): geh nur, ich traue dir nicht über den weg Gotter 3, 131; seit des junkers konfirmation hatte sie dem pfarrer nicht über den weg getrauet J. G. Müller Siegfried v. Lindenberg⁵ 64; alle gesetze, die den juden ärger als vieh achten, ihm nicht über den weg trauen ..., sie zeigen die fortwährende barbarei des staats Herder 24, 71 Suphan; er aber hat zwei augen gerade wie der fuchs des försters ... ich traue ihm nicht über den weg Freytag 5, 63. von dem wege 'abseits des weges':
dô hôrter eine stimme
jæmerlîchen grimme
von dem wege wüefen.
Hartm. v. Aue Erec 5298.
zu wege 'am weg': welcher zu weg bawt, musz red lassen für oren gahn Wickram 4, 98 randnote. 'auf dem weg': man soll ouch die gedinge sieben tagen vorhin verkünden zer kilchen oder ze weg weisth. 5, 82 (Aargau 1415). zu weg und steg s. th. 10, ii, 1384, vgl. auch: kämest du heute oder morgen wieder zu mir, es sei gleich bei wein oder bier, zu wege oder zu stege, zu wasser oder zu lande Niederlausitzer mittheilungen 7, 348 (Pförtener sattler-gesellen handwerk-gewohnheit 1762). ohne weg:
des endes huop sich Erec
durch rûhen walt âne wec
unerbûwen strâʒe.
Hartm. v. Aue Erec 5313.
ε)
formelhafte verbindung mit andern subst. bei übergabe eines besitztums: in feldin, in dorffirn, in wyngarten, in weyn und in unweyn urkundenb. d. st. Erfurt 1, 262 (1289); den egenanten hoff mit aller seiner zugehorung ... ze holcz, ze veld, ze dorf, ze wysmad, ze wasser und ze weg urkundenb. des landes ob der Enns 9, 623 (1379); mit waiden, fischwaiden, mit wiltpaan, mit weeg und wiltnusz, mit auszgang und eingang österr. weisth. 6, 52, 40 (Steiermark 16. jahrh.); mit aller nutzbarkeit dero dingen mit alpen, wälden ... wägen und unwegsammen Tschudi chron. helv. 1, 53. sonstige allitterirende verbindungen:
daʒ in (den hunden) wolf noh wulpa
za scedin werdan ne megi,
sô hwara se gehloufan
weges ode waldes
ode heido.
Wiener hundesegen 9 Müllenhoff;
der fuor waʒʒer unde wege
unz wider in des grâles pflege.
W. v. Eschenbach Parzival 826, 23;
'Jêsus von himilrîche'
sprach er, 'müeʒ unser aller pflegen
beide ûf waʒʒer unde ûf wegen'.
Mai und Beaflor 203, 2;
verhinderung aus unsicherheit der wege oder des wassers König practica u. procesz (1550) 99ᵈ; weg und wetters ungelegenheit reichstagsakten j. r. 4, 51, 2 (1523); bis ich nun endlich so weit bin, dasz, trotz weg und wetter, dennoch in ein paar tagen abreisen musz und will Lessing 12, 439; er liesz mich die unbilden bedenken, welche die Preuszen von wetter und weg über Coblenz und Trier erlitten Göthe 33, 12 Weim. ausg.; es war im november, wetter und weg so schlecht wie möglich Ranke 2, 193; weder weg noch wind scheuen Wander 4, 1856.
2)
weg kann dann überhaupt eine strecke sein, auf dem sich etwas einem ziele zu fortbewegt, ohne dasz es auf die beschaffenheit dieser strecke ankommt. die strecke kann über mehrere gebahnte straszen hinweggehen (z. b. der weg nach Rom), sie kann aber auch ungebahnt sein (z. b. der weg durch die wüste), überall kommt es darauf an, dasz eine bestimmte richtung nach einem ziele zu verfolgt wird.
a)
so steht im folgenden weg in der allgemeineren bedeutung (strasze mit umfassend):
gesegenet sî dir der wec
über strâʒe und über stec,
dâ vor unde dâ hinden.
Tobiassegen 35;
dô bereite sich diu magt
nâch im ûf die strâʒe,
rehte nâch der mâʒe
dâ ir der wec gezeiget wart.
Hartm. v. Aue Iwein 5871.
der weg kann auch durch das wasser, die luft, die erde, durch einen körper hindurch genommen werden und zwar nicht nur von menschen, sondern auch von thieren, von bewegten gegenständen, von flüssigkeiten, dünsten usw.:
der wech (durch das meer) was in truchen.
Exodus 162, 18 Diemer;
bald ûf des wilden wâges wege
kam er hin zuo gefloʒʒen
und als ein pfîl geschoʒʒen
mit sînen kielen an daʒ lant.
K. v. Würzburg troj. krieg 25774;
floug er (der engel) sunnûn pad,   sterrôno strâʒa,
wegâ wolkôno   zi theru itis frôno.
Otfrid 1, 5, 6;
der wolcken weg.
Weckherlin 1, 111 Fischer;
der wolcken, lufft und winden
gibt wege, lauf und bahn,
der wird auch wege finden,
da dein fusz gehen kan.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 435, 1;
drey sind mir zu wünderlich, und das vierde weis ich nicht, des adelers weg im himel, der schlangen weg auff eim felsen, des schiffes weg mitten im meer, und eins mans weg an einer magd spr. Sal. 30, 19; gleich wie du nicht weiszt den weg des winds pred. Sal. 11, 5; es ist alles dahin gefaren, ... wie ein vogel der durch die lufft fleuget, da man seines weges keine spüre finden kan weish. Sal. 5, 11;
(die jungfern-wange) drauff offt Cupido stund
und sich um einen weg für seinen pfeil umsahe.
Logau 2, 3, 57 (s. 280 Eitner);
nirgends weiter eine wunde
als der kugel weg durch's herz!
Müllner dram. werke 2, 77 (die schuld 2, 5);
der weg eines himmelskörpers am himmel Adelung. im körper nennt man wege 'organische theile, durch welche hindurch stoffe oder feuchtigkeiten von einem ort zu einem andern gelangen' z. b. die gallen- thränen- samen- harnwege Pierer med. realwb., anatomie 8, 640. Meiszner encycl. d. med. wiss. 13, 52; man unterscheidet erste wege 'die reihenfolge der hohlen organe der verdauung' (weil man bei jeder krankheit zuerst auf ihre heilung sehen musz) und zweite wege 'die gesammtheit der lymphatischen gefäsze und selbst der blutgefäsze' Meiszner a. a. o.: es ist üble verdauung in den ersten wegen, aus der in allen übrigen gefäszen nichts gutes kommen kann Herder 10, 29 Suphan; nothwendig musz das (diese speise) die ersten wege verleimen und verstopfen, besonders bei den kindern und frauen Göthe 30, 55 Weim. ausg.; aderlassen wollt' nicht helfen; ich fing an, treflich in den ersten wegen aufzuräumen — 's blieb wie's war Musäus physiogn. reisen 1, 6; umsonst suchte er durch häufiges trinken die hinabführenden wege geschmeidiger zu machen; der schreck erhielt seine kehle in trocknisz Immermann Münchh.² 3, 55; (die hoden) mit holen wegen, dareyn sie das reinest blut und feuchtin von dem gantzen leib empfahen Wirsung artzneybuch 313ᵃ; (das alpdrücken) welches die brust dermaszen ängstige und klemme den weg des athems Prätorius anthropod. plutonicus 1, 19. auf geistigem gebiet (vgl.C): weg, den der mensch im leben verfolgt, weg des handelns, weg, den die gedanken nehmen, weg einer untersuchung oder auseinandersetzung, weg, den etwas in seiner entwicklung oder gestaltung nimmt: auf dem langen wege, aus dem auge durch den arm in den pinsel, wie viel geht da verloren! Lessing 2, 119 (Emilia Gal. 1, 4).
b)
weg mit adjectiven.
α)
ein langer, groszer, weiter, ferner weg:
ros und liute wâren   müede von den langen wegen.
Nibel. 782, 4;
und (einen hengst) der lange wege wol loufe.
meier Helmbrecht 238;
stant uf und is! des volge mir!
ein langen weg hastu vor dir!
R. v. Ems weltchronik 34720 Ehrismann;
ein langen wäg gon, ein lange oder weyte reysz thuͦn, agere longum iter Maaler 480ᵇ; der engel des herrn ... sprach (zu Elia): stehe auff und isz, denn du hast einen groszen weg fur dir 1. kön. 19, 7; einen groszen weg hinder sich legen, longum iter emetiri Stieler 2454;
seid mir willkommen, sir, in England.
ihr habt den groszen weg (le grand tour) gemacht, habt Frankreich
bereist und Rom und auch zu Rheims verweilt.
Schiller 12, 460 (M. Stuart 2, 4);
ein weyten wäg herkommen, venire viam multorum dierum Maaler 480ᵇ; diese zogen gen Rom einen weiten weg 1. Macc. 8, 19;
spät kommt ihr — doch ihr kommt! der weite weg,
graf Isolan, entschuldigt euer säumen.
Schiller 12, 63 (Piccol. 1, 1);
übertragen: von worten zu wercken ist ein weiter weg Lehman (1662) 1, 153; wenn dir ein groszer herr etwas zusagt, so halt es für gnädige complementen, und dencke, dasz von diesen worten bisz zu den wercken noch ein weiter weg sey Schupp freund in der not 12 neudr.; ideen, denen eine versammlung ihren beifall gegeben, zu deren vollziehung aber noch ein weiter weg ist Ranke 1, 78; bistu nit komen von eim ferren wege (de via) Mentels bibel, 2. kön. 11, 10; ward ym gesagt, wie es noch ain verrer weg wär Fortunatus 120 neudr.; das mir kein weg zuͦ ferr, kein arbeit zuͦ schwer sein soll Wickram 1, 288, 19 Bolte (s. auch B 2 a α); wir haben noch einen ziemlichen weg dahin, oder vor uns Ludwig 2405. kleiner, kurzer, naher weg: mancher hat noch ein kleinen weg zum todt Lehman (1662) 1, 277; noher oder kurtzer weg, compendium Dasypodius 453ᵃ; kurtzer weg, via brevis Maaler 480ᵇ; der nächst und kürtzest weg, via compendiaria ebenda; du kämest dann auf dem kürzesten weg zum ziele Fichte 2, 282; von dannen ziehen sie den nächsten weg, wie die huren ins bad, auff die Hussiten inn Behem Garg. 534 Alsleben;
mach auch ein umbschweiff, und sey träg (beim abtragen der speisen),
so du wol giengst den nechsten weg.
Scheit Grobianus 571 neudr.;
vgl. auch th. 7, 279.
β)
rechter, stracker, gerader weg (übertragen s.C 1 b β): das ist nicht der rechte weg Krämer 1215; der herr zoch fur inen her, ... das er sie den rechten weg füret 2. Mos. 13, 21; in diesen gedancken und rew, reisete er one ferneren verzug den stracken weg in Franckreich Amadis 25 Keller; das ist der geradeste weg ins land, rectum iter Steinbach 2, 954. auf dem geraden wege: aber ich schweife aus. dieses ist ... mir gar zu leicht, wenn wir auf dem geraden wege immer fehler finden Dusch verm. schriften 66; das ohne hindernisz und rückhalt, auf dem geraden wege thun ..., was man für recht und schicklich hält Göthe 22, 346 Weim. ausg. gelegentlich begegnet auf dem schiefen wege:
aber gottgesandte wechselwinde treiben
seitwärts ihn der vorgesteckten fahrt ab,
und er scheint sich ihnen hinzugeben,
strebet leise sie zu überlisten,
treu dem zweck auch auf dem schiefen wege.
Göthe 2, 73 Weim. ausg.
verschlungene wege, übertragen: die geschicklichkeit Neckers das geldwesen auf seinen verschlungenen wegen zu behandeln Dahlmann gesch. d. franz. rev. 84; dasz er (Stein) in den verschlungenen wegen der auswärtigen politik sich nicht zurecht fand Treitschke d. gesch.³ 1, 274.
γ)
halber weg, zunächst rein örtlich aufgefaszt (vgl. auch halbes wegs e γ):
ich wil im guot geleite tuon:
Beâkurs mîner swester suon
nimt in dort an halbem wege.
W. v. Eschenbach Parzival 720, 17, vgl. 721, 22;
di sullen in heiʒen schrien zu rechte zume ersten male vor dem stocke, zume anderen male zu halbem wege unde zum dritten male vor dem dinchuse urkundenbuch d. st. Freiberg 3, 75, 23 (stadtrecht 20, 2) Ermisch; seind ... grosze fusten oder schiff vol volcks nach unsern schiffen zu gefahren, da sie aber ungefehr halben weg gewesen, haben sie sich zertheilt Hulsius 1. schiffahrt 45; als er nahe den halben weg bisz dahin hinter sich gelegt v. Lohenstein Arminius 1, 34ᵇ; ich gebe ihnen pferde bis auf halben weg, dann nehmen sie post Göthe 23, 148 Weim. ausg. auf halbem weg: führe ein gewaltigen oberstich gegen des mans gesicht, und wann du auff halbem weg gewahr wirst, das er ubersich fehrt ... Joach. Meyer kunst des fechtens 3, 55ᵃ; schon auf dem halben wege nach Erfurt Bahrdt gesch. s. lebens 2, 3;
als sie auff halbem wege warn,
vermeint, dem unglück sein entgangen,
do ward sie von meer-raubern gfangen.
H. Sachs 8, 680, 1 Keller;
da Titans göldnes rund
noch nicht zu meinem jahr auff halbem wege stund.
Logau 1, 8, 97 (s. 182 Eitner).
auf halbem wege begegnen, entgegenkommen, umkehren, stehen, liegen bleiben, gern übertragen gebraucht: als ich ... meine schmachtenden lippen deinen holdseligen lippen entgegen brachte, du mir begegnet auf halbem wege Fr. Müller 1, 90; ich will ihrer schüchternheit auf dem halben wege entgegenkommen Rabener 3, 304;
mir bleibt der einzige genusz
dein holdes bild mir ewig zu erneuern,
und fühltest du den wunsch nach diesem segen,
du kämest mir auf halbem weg entgegen.
Göthe 3, 29 Weim. ausg.;
geh
gefällig ihm den halben weg entgegen.
10, 9 (Iphigenie 1, 2);
ob er nicht wisse, dasz der sturmwind, der in den Olymp dringen wolle, auf halbem wege zurückbrausen müsse? Lessing 7, 289; wenn man vor einem ziele, das man kühn zu erreichen beschlosz, auf halbem wege stehn bleibt Gerstenberg rezensionen 78 neudr.;
ist nicht das jünglingsalter kühn
und bleibt nicht gern auf halbem wege stehn,
vor allem, wo verbotnes lockt?
Grillparzer 7, 66 (d. meeres u. d. liebe wellen 4);
ein warmes mitleid für den mann, der stets im leben auf halbem wege liegen geblieben war R. Herzog der graf von Gleichen 20; nun glauben wir, dasz gott blosz zu seinem vergnügen erschaffen, und nichts so jämmerlich auf halben wegen habe liegen lassen, dasz es zu seinen wesentlichen verrichtungen eines andern, nehmlich ihm fremden, bedürfte Oken (1839) 2, 71. im folgenden tritt der gedanke an die zurücklegung eines wegs zurück: diʒ ist di histôrje wol zu halbeme wege von dem heiligen krûze mystiker 1, 129, 3 (Herm. v. Fritslar); nimm grünen habern, den schneide ab zu halben wege über der erden fischbüchlein 35; dy manne trugen ... zu halbe wegk (bis zur hälfte des beins) lange hoszen Stolle chronik 470 Thiele; man musz schon auf dem halben wege ein ehrlicher mann seyn, um sich von jenen empfindungen eine vorstellung machen zu können Kant 4, 141. so besonders in den adverbiellen wendungen halben weg s. th. 4, ii, 218, halbweg(e) 4, ii, 219, beides seit dem 15. jahrh. nd. und md. auch in stundenbezeichnungen z. b. szo die glocke halben wege zu sibenen ist quellen z. gesch. Leipzigs 2, 143, in denselben mundarten sehr verbreitet als 'ziemlich, einigermaszen', halbwegs 4, ii, 220.
c)
weg von andern subst. abhängig.
α)
was aber eüch da von entzogen hab, weisz ich nit, ich gedenck aber, ferre des wägs sy auch ein grosze ursach Eberlin v. Günzburg 1, 90 neudr.; wir fanden mitte wegs wellen und reisig eines abgeschlagenen birkenhölzchens Göthe 33, 50 Weim. ausg.;
doch ach! schon auf des weges mitte
verloren die begleiter sich.
Schiller 11, 25 (die ideale);
und da ich hier bin, ist mir's als wenn ich schon die hälfte des weges zurückgelegt hätte Göthe 40, 15.
β)
wol ain mil wegs verr von Costentz U. v. Richental Constanzer conzil 136; geloben, solichen verboten saffran hie in der stat noch in fünff meil wegs umb dise stat nit zuverkauffen Nürnberger polizeiordn. 137; wenn wir die augen auffthun, so ist unser gesichte ynn eym augenblick uber funff odder sechs meyle wegs Luther 26, 330, 14 Weim. ausg.; mit obgemelter meiner gesellschaft raiste ich zwölff meil wegs Albertinus Gusman v. Alfarche 46; so kunte man sie (die blume) ... auf eine gantze meil wegs riechen Reuter Schelmuffsky 47 neudr.; eine stunde weges von der stadt, auf holländischem gebiete G. Forster ansichten vom Niederrhein 1, 296; als ... wir etwan eine viertel stunde wegs vom gestad an durch die büsche geschloffen Simpl. 2, 222, 28 Kurz; so sihet man noch ungeferlich ein gros viertel wegs in der sehe grosze steine Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 35 Gäbel; die lenge (des versunkenen Wineta) macht wol ein klein virteil wegs 36; ein solch stuck wasser ... wenn es nur ein viertel weges lang ist fischbüchlein 137; sie waren kaum ein viertel weges aus der stadt med. maulaffe 64; als er nun ein ackerleng wegsz gefaren was, da gieng der wagen von ein ander Eulenspiegel 100 neudr.; sein bruder erbot sich ihn eine strecke wegs zu begleiten Klinger 3, 228; ein klein stuck wegs Stumpf Schwytzerchr. 141ᵃ; ein gut stück wegs Rädlein 1036; ich will ein stück weges mit euch gehen Ludwig 2403; als sie ein stück weges gefahren waren Grimm märchen (1843) 1, 65.
d)
weg in präpositionellen wendungen (solche mit engerem anschlusz an ein verbum s.B 4).
α)
das subst. ohne artikel.
1))
bei wege 'im vorbeigehen, nebenher, beiläufig', bei einigen nordd. schriftstellern, bes. L. v. François: ich ... nahm anderen tages bei wege die beliebten seitentouren mit ausgew. nov. 2, 323; man wirft aber bei wege wieder einmal gern einen blick auf die Sixtina briefe an C. F. Meyer 92; er ... kam schlieszlich auch auf den beschlagnahmten rehbock, wobei er so bei wege meinte, man könne auch zu scharfe augen haben Löns die häuser von Glanhof 5. zu grunde liegt ein nd. bi wege lang (auch nfries. bi wâi laang Johansen 71), längs des weges (in der ersten oder zweiten bedeutung), den weg entlang: de weckeden ore partiebroder up, de de by wege langk wonden städtechr. 16, 374, 23 (Braunschweig 1488); se ... nemen by weghe lank wat se konden 30, 227, 13 (Lübeck 1457); dat krut steit by wege lang Richey idiot. Hamburg. 336; wenn ich (der freier) dir nicht mehr so bei wegelang aufzulauern brauche v. Dincklage deutscher novellenschatz III, 4, 213; dann 'im vorbeigehen, beiläufig, nebenher' brem. wb. 5, 218. Mi 105. dazu thür. nicht bei wege 'nicht im geringsten' Hertel 255 (Vogtei), jemand nicht bei wege ansehen, gar nicht achten, vgl.: nun, nach diesem grünen eselorden verlangte ich heftig, denn man war in Dunkelblasenheim kaum noch beim wege angesehen, wenn man nicht zu den eseln gehörte Immermann Münchh.² 1, 106.
2))
zu weg 'auf dem weg', vgl. 1 f δ:
wie er wolt ziehen ausz dem landt,
legt er dasselb (geld) zu trewer handt,
das ims zu weg kein feindt mocht rauben,
bey seinem wiert auff guten glauben.
Waldis Esopus 1, 406 (3, 96, 7) Kurz.
3))
zwischen wegen (inter vias) neben unter wegen (s.unterwegs) nur vereinzelt: die wijne ... die man tusschen wegen drynckt pilgerfart des ritters v. Harff 58. auch (mit adv. -es) zwischen weges (wie schon im 16. jahrh. unter weges, aus älterem unter weg H. Sachs 8, 351, 18 Keller): derselbige von dem andern kremer zwischen weges ermordet wart Heyden Plinius 197.
β)
das subst. mit dem artikel.
1))
an dem wege:
swenne er (der mensch) urlobes ger,
daʒ eʒ im an dem wege niht enwerre.
Spervogel minnesangs frühling 30, 5;
ob er an dem wege iht schaden nimet statuten des deutschen ordens 58, 6 Perlbach; und er fragt sein jungern an dem wege (in via, Luther: auff dem wege) Mentels bibel, Marc. 8, 27.
2))
auf dem wege:
nû was der leu so starke wunt
daʒ er michel arbeit
ûf dem wege mit ime leit.
Hartm. v. Aue Iwein 5566;
also nun auf dem weg (al loro cammin) mit einander von mancherley sagten Decamerone 60, 35 Keller; wenn im (Benjamin) ein unfal auff dem wege begegnete 1. Mos. 42, 38; das volck ward verdrossen auff dem wege 4. Mos. 21, 4; sie (die jünger) hatten mit einander auff dem wege gehandelt, welcher der gröszest were Marc. 9, 34; es war aber under anderen der freiherr von Sternberg auch mit in dem curs gewesen, und auff der weg kranck worden Heberer aegyptiaca servitus (1610) 71; du redest von der sachen wie ein lapp, aber auffm weg gehets wol hin Albertinus Gusman v. Alfarche 179; die kuhe stirbt offt auff dem weg, ehe man sie in stall bringt Lehman (1662) 3, 41; einmal auf dem wege, hielt man einen sinnigen flurzug um und durch das ganze Göthe 24, 141 Weim. ausg.;
dieses mädchen, das auf seinem wege
unwissend eine blume niedertritt.
11, 295 (Erw. u. Elm. 184);
segne du die müden waller
auf dem wege hin zum grab.
Schubart ged. (1825) 1, 24;
grad' auf dem weg' nach Regenspurg zum Schweden
ergriffen ihn des Gallas abgeschickte.
Schiller 12, 210 (Wallenst. tod 1, 2).
übertragen: auf dem wege des umsturzes werden die besseren elemente sehr bald überholt durch die schlechteren Moltke 7, 77; vgl. auch C 3 a β.
3))
durch den weg (via): auch hab ich dir ein gedicht gemacht, das du durch den weg des Tiefurter journals sollst zu sehen kriegen Göthe briefe 5, 199 Weim. ausg.; wegen Scherers adresse wüszte ich nur zu rathen einen brief durch den weg des burgemeister Dorner an ihn gelangen zu lassen 12, 290.
4))
in den weg: es bebet so schier in den weg (richtung zum ziel) als ausz dem weg (sprechen die alten schützen) Petri 2, Z 4ᵇ.
5))
neben dem weg, übertragen: so bald ein gouch hört, das man etwas undöglichs oder neben dem weg von syner geuchin redt, das wider ir ere ... ist Murner gäuchmatt 45 Uhl; mit einer diernen hette ein kauffmann zu Lübeck (dann er sonsten mit seinem eheweib keine erben hatte) eine junge tochter neben dem weg her gezeuget Kirchhof wendunmuth 1, 392 Österley.
e)
der adverbiale gen. weges.
α)
im ahd. werden verba der bewegung mit gen. von sind, fart, gang (z. b. gang ouh thînes sindes) verbunden (Wilmanns 3 § 254, 3) und entsprechend kommt auch ein gen. weges einmal vor:
ih (der blinde) io mit stabu nôti   giang weges greifônti
zi mannolîches wenti   io brôtes betolônti.
Otfrid 3, 20, 38.
im mhd. ist ein solcher gen. selten:
die cristen die dar des weges nu
durch daʒ teilen quamen geriten.
Ludwigs kreuzfahrt 3445.
auch aus dem 15. jahrh. fehlen belege, erst durch Luther ist dieser gen. wieder in aufnahme gekommen. er verwendet ihn oft in der bibel (die ältere übersetzung kennt ihn nicht) und entnahm ihn ohne zweifel der volkssprache, wo namentlich die wendung seiner wege gehen, geh deiner wege sehr verbreitet ist Hunziker 290. Martin-Lienhart 2, 799ᵃ. wb. d. luxemb. mda. 479. Regel 281. Hertel 255. Albrecht 234. Jecht 121. Müller-Fraureuth 2, 648ᵃ. Kisch Nösner wörter 171. Bauer-Collitz 113ᵇ. Brendicke 192. im bair. entwickelt sich der wege ganz zu einem adv. 'bei seite, fort, weg' Schmeller 2, 875 (schluif gschwink də'wé, versteck dich). Lexer 252. die neuere dichtersprache (bis ins 17. jahrh. sind die belege noch spärlich) macht von des (seines) weges und ähnlichen wendungen gebrauch; meist erscheint dabei der gen. als eine blosze ergänzung des verbums der bewegung 'auf dem zurückzulegenden wege' (auch mit näherem anschlusz an weg 1), 'den weg entlang', dann auch 'auf der fahrt': ich will des weges mit euch gehn, I'll go along with you Ludwig 2403;
Stauffachers haus verbirgt sich nicht. zu äuserst
am ofnen heerweg steht's, ein wirthlich dach
für alle wandrer, die des weges fahren.
Schiller 14, 287 (Tell 1, 2);
schön Astrid sasz im grün und spann,
da ritt des weges ein rittersmann.
Strachwitz ged. 68;
wenn dann das pferd des wegs fortlief,
so sasz der held darauf und schlief.
Rückert werke 1, 95;
du aber, wandrer, weiszt es nicht,
schweifst dort und da des wegs.
Grillparzer 1, 175;
ein landmann, Simon, wil zur stadt des weges reisen.
S. Dach 250 Österley;
des weges kam er.
Schiller 14, 280 (Tell 1, 1);
des weges kam ein schwarzer zug
vermummter rittersleute.
Uhland ged. (1898) 1, 249;
als sie des wegs näher kam Fr. Müller 1, 303; ein hübsches mädchen, die des weges daherkommt Immermann Münchh.² 1, 221; da kam der könig Etzel des wegs geritten und sah die malerei lang an und lachte Scheffel Ekkeh. 157. auch des weges sein: da gingen sie miteinand durchs dichte gehölz ... niemand war des weges, nur ein alter fuchs stand lauernd auf einem rain Scheffel Ekkehard 111. bei Luther kommt des weges auch mit näherer bestimmung vor, was in der späteren sprache nicht häufig ist: sihe, da kam ein gewesser des weges von Edom 2. kön. 3, 20; da das Ahasja der könig Juda sahe, flohe er des wegs zum hause des garten 9, 27; aber die bestimpten jar sind komen, und ich gehe hin des weges, den ich nicht wider komen werde Hiob 16, 22; er sol ... des weges, des er komen ist, wider keren Jes. 37, 34; wenn du einmal des weges in unsere stadt bist, so besuche uns Stifter 3, 24;
am eingang steht ein knecht, dem gieb den brief,
und kehr' des weges heim, von wo du kamst.
H. v. Kleist 2, 253 (Käth. v. H. 3, 6) E. Schmidt;
ebenso weges mit pron. (mit poss. s. β): wenn der fürst hinein gehet, sol er durch die halle des thors hin ein gehen, und desselben wegs wider her aus gehen Hes. 46, 8; ich möchte dieses weges so bald nicht wieder kommen Lessing 7, 333;
wes weges sollen wir gehn und fechten?
Herder 25, 237 Suphan;
und aber nach fünfhundert jahren
kam ich desselbigen wegs gefahren.
Rückert werke 3, 14.
zuweilen nimmt das adverbielle weges im satze eine selbstständigere stellung ein:
ich geh von stund an; geh. ihr habt es schon
gehört, wohin; und wiszt den weg. — habt ihr
des wegs was zu bestellen ...
Lessing 2, 256 (Nathan 2, 9);
tief eingewurzelt wohnt in beiden alter hasz,
dasz, wo sie immer irgend auch des weges sich
begegnen, jede der gegnerin den rücken kehrt.
Göthe 15, 186 (Faust 2, 8758) Weim. ausg.
es kann sich näher an ein fragepronomen anschlieszen und das verbum der bewegung kann dann fehlen: fragten Ulenspiegeln, was weges er daher kem Eulenspiegel 25 neudr.;
wenn du nicht weiszt, woher des wegs ich wandre.
H. v. Kleist 2, 419 (Hermannsschl. 5, 4);
ei, Hans, woher des wegs? Hauff 1, 71; Ekkehard wollte vorwärts gehen. halt an! ... wohin des wegs? Scheffel Ekkeh. 152.
β)
seines weges, seiner wege gehen usw. kann sein 'weitergehen, im gehen fortfahren': ich gieng meines weges und sagte kein wort Ludwig 2403;
der wackre Schwabe forcht sich nit,
gieng seines weges schritt vor schritt.
Uhland ged. (1898) 1, 255;
still überlegt' ich auf und nieder
und ging so meiner wege fort.
Mörike 1, 41;
übertragen: bist du (im leben) nicht still deiner wege gegangen wie ein wandelndes steinbild? Heyse nov. 1, 60; man schütze sich vor ihm (dem wahn) und lasse ihn seines weges wandern Herder 17, 232 Suphan; durch falsche nachrichten sicher gemacht, fuhren die galeonen ruhig ihres weges daher Ranke 17, 163;
als ich nun meines weges die neue strasze hinanfuhr.
Göthe 50, 199 (Herm. u. Dor. 2, 21);
Pervonte, den das alles wenig scherte,
trabt ruhig seines weges fort.
Wieland 18, 131;
so sind wir nicht am rechten ort
und ziehen unseres weges weiter fort.
Göthe 1, 150;
so knapste ich nach denselben (fensterscheiben) und lief hernach immer meiner wege wieder fort Reuter Schelmuffsky 11 neudr.; ritte stillschweigend immer seiner wege fort Schlampampe 106 (2, 2);
hier (auf der bühne), wo sich jeder seines weges treibt.
Göthe 16, 136.
vereinzelt auch in andrer verbindung, um die fortsetzung einer thätigkeit zu bezeichnen: das (musik-)stücke gieng an und Caraffa spielte seiner wege fort Kuhnau music. quacksalber 13 neudr. meist zeigt sich die bedeutung 'einen ort verlassen, weggehen': recipere se, recedere, abstinere, retrahere se Stieler 2454; geht eurer wege, allez vous en, passez votre chemin Rädlein 1036; der prophet Jeremia gieng seines weges Jer. 28, 11; als er sich gesättiget und wieder seines wegs gieng Simpl. schr. 3, 386, 23 Kurz; Götz. in die kirch sollt ihr jetzt. Sickingen. gern — und darnach? Götz. darnach sollt' ihr eurer wege gehn Göthe 8, 104 (Götz 3); nun ist der freund seiner wege gegangen; seit einem jahre sieht er sie nicht mehr 22, 81;
und da er eine gunst von ihm sich bitten sollte,
ihn bat: so gut zu sein und seines wegs zu gehn.
Wieland 9, 223 (d. leben e. traum 7);
der Europäer, von der furcht
entlastet, ging auch seines weges.
Herder 23, 248 Suphan;
jezt gehe jeder seines weges still
zu seiner freundschaft und genoszsame.
Schiller 14, 336 (Tell 2, 2);
mit der hand nur
winkt' er mir schweigend, meines wegs zu gehn.
14, 342 (3, 1);
das gescheiteste, zum schlusz zu kommen,
ist, dasz ich meiner wege geh! — leb' wohl!
H. v. Kleist 1, 220 (Amph. 1, 3) E. Schmidt;
darauf fuhr sie (frau Holle) ihres weges Grimm d. sagen 1, 6; setzete sich aber bald wieder auf und ritte seines weges Happel akad. roman 4; die fuhrleute, anspanner aus dem dorfe, spannten aus und ritten ihrer wege Göthe 21, 254 Weim. ausg.;
dasz sie einmal sich laben,
dann schnell aufsitzen, ihres wegs zu reiten.
Rückert werke 1, 23;
so bleibt mit gott, ich ziehe meines wegs.
Grillparzer 6, 173 (Libussa 2);
jeder zog nun seines weges nach hause Göthe 33, 244; Lupolt ... sich bald wider seins wegs zuruckkeret Wickram 1, 150, 12 Bolte; sie ... machten sich ihrer wege davon Fr. Müller 1, 296;
sachte, sachte schlich ich meiner wege.
Göthe 2, 102;
packt euch alle zusammen eurer wege, ihr schurken! J. E. Schlegel 3, 576 (pracht zu Landheim 3, 7); (der geldmakler) wurde abgewiesen ... und muszte sich ... seiner wege trollen Wieland Lucian 3, 374; Heunisch, macht, dasz ihr euch eurer wege schert! Gutzkow ritter vom geiste² 5, 55. mit unterdrückung eines verbums der bewegung: meine zeit geht zu ende. und ich will meines wegs Göthe 39, 161 (Gottfr. v. Berl. 5);
doch käm' der tag, ich wünscht' ihn seiner wege,
damit ich bey des doktors schreiber läge.
Shakespeare kaufm. v. Ven. 5, 1.
so auch seines weges sein: die Amalekiter (die eingefallen waren) ... waren da hin irs weges 1. Sam. 30, 2;
sagt das der fürstin als den letzten grusz
am morgen, wenn ich fern schon meiner wege.
Grillparzer 6, 209 (Libussa 4).
γ)
verbindung mit adjectiven. allgemein ist gerades (geraden) weges (th. 4, i, 3548), wofür früher strackes, schlechtes, richtiges weges 'ohne einen umweg zu machen, direct, unverzüglich': und die küe giengen stracks weges zu Beth Semes zu 1. Sam. 6, 12; also lieff Ahimaaz stracks wegs, und kam Cusi vor 2. Sam. 18, 23; ich will das er stracks wegs allen handel nach ordnung erzeele Boltz Terenz deutsch 78ᵃ; warum hat sie nicht befohlen, ich solle stracks wegs zu ihr kommen? Simpl. 1, 364, 20 Kurz;
dasz sich der wein nicht schwel darvor,
sondern stracks wegs ohn allen fehl
vortlauffen möcht bisz in die kehl.
zeitschrift des ver. f. volkskunde 15, 37 (1617);
lasz uns ... gestracks wegs geen zuͦ ... Nestoreus Schaidenraiszer Odyssea (1537) 9ᵇ; also reit Florens schlechts wegs zu St. German von der Matten buch d. liebe 8ᶜ; jedoch sind sie richtigs wägs uber das Apenninisch gebirg in Tuscanaland gezogen Stumpf Schwytzerchronik 151ᵃ; gerades weges zurückgehen, ritornar direttamente Rädlein 1036; ein löwe ... lieff gerades weges auff den keyser zu Ch. Weise 3 klügsten leute (1675) 41; so eilet er geraden weges auf das ziel zu discourse der mahlern 2, 76; ich wurde allenthalben wie ein engel, der geraden weges vom himmel käme, aufgenommen Wieland 28, 30;
mit euerm buche, bruder, trotz' ich allen;
und gehe graden wegs damit zum sultan.
Lessing 2, 336 (Nathan 5, 4);
eine stimmung, welche nothwendig alles vertrauen raubt und gerades wegs ins verderben führt Ranke 38, 100. ähnlich nächsten weges:
die schurkerey des patriarchen, die
so ähnlich immer sich erhält, hat mich
des nächsten weges wieder zu mir selbst gebracht.
Lessing 2, 340 (Nathan 5, 5).
ferner, z. th. als selbstständigere bestimmung: sie kam meinem verlangen, mehr als halbes weges, entgegen 2, 147 (Emilia Galotti 3, 1); zum glück kam ein postillon halben weges ... retour gefahren Immermann Münchh.² 2, 62;
uns
risz, verschiedenen weg's, aber zu einem ziel,
unser könig, der tod hinweg.
Herder 27, 85 Suphan;
leg ab, leg ab die last,
die du (Walthari) so weiten weges bis heut getragen hast.
Scheffel Ekkehard 410.
f)
ein adverbialer acc. weg steht nach verben der bewegung, s.B 2 a. er findet sich im mhd. im anschlusz an wendungen wie seinen weg gehen 'fortgehen' (B 2 a β) als 'hinweg': giengen unse hern van danne bis an dat raithuis, und scheiden dae van ein mallich sinen wech städtechron. 12, 376 (Köln 1463);
den ritter wol bescheiden,
der ie was biderb unde quec,
fuort er gevangen sînen wec.
K. v. Würzburg troj. krieg 31466;
he sulle ... sweren ... daʒ daʒselbe, waʒ iʒ ist, sin were, e iʒ im abegestoln wurde ... gestet he also, so treit he iʒ mit im sinen wec, wo he hin wil urkundenbuch d. st. Freiberg 3, 55, 22 (stadtrecht 11); also daʒ her sie (der zimmermann seine werkzeuge) keynen andirn weg trage danne gerichte an sine herberge rathsgesetzgebung von Mühlhausen 77. später kommt bei Obd. ein modaler acc. weg in verbindung mit adj. vor: Dulcitius ... wird durch eyffriges gebet deroselben (der jungfrauen) von gott also wunderlich verblendt, dasz er den geraden weg der kuchel zugeeylt Abr. a S. Clara reimb dich (1693) 238. übertragen: wo man uns aber von menschen und unsern nachbarn redet, und uns auch recht und den geraden weg sagt, wie sie sind Pestalozzi 12, 388; die kinder wurden seer wol erzogen ... nit wie die Greci, mitt vil verschrenckten weitleüffigen fragstucken, ... sunder den ebnen weg, on alle disputation oder schuͦlgezänck S. Franck weltb. (1542) 141ᵃ; wiewol aber nun die wältbeschreiber in untertheilung der landschafften nit grad (wie man sagt) der schnuͦr und rächten wahren marchen nachfahren, sondern die sachen etwan den gröberen wäg obenhin verzeichnen Guler von Weineck Raetia (1616) 26ᵇ. vgl. auch die adv. acc. in der bed. von 'richtung' (C 6), 'strecke' (C 7) und 'art und weise' (C 3).
3)
das unter 2 besprochene weg kann in vielen fällen auch abstract genommen werden. so kann ein weiter weg eine ausgedehnte strecke oder auch eine lange reise sein, ein gerader weg eine strecke in gerader linie oder eine in gerader richtung fortgesetzte fahrt; unterwegs, auf dem wege kann als 'auf der reise' aufgefaszt werden; namentlich liegt auch bei dem adverbialen weges (besonders seines weges) die auffassung 'fahrt, reise' oft nahe. von verbindungen vgl. noch einen weg gehen usw. (B 2 a), seinen weg wohin nehmen, richten (B 2 b), einen weg machen (B 2 e), sich auf den weg machen (B 4 b δ), etwas mit auf den weg geben, nehmen (B 4 b δ), auf dem wege sein (B 4 b ε), aus dem wege gehen, kommen (B 4 b ζ), in den weg kommen, laufen, treten (B 4 b η); abstracte auffassung ergibt sich hier nicht selten, doch darf meist von der localen ausgegangen werden. zweifellos ist dies bei einen weg betreten, einschlagen, verfolgen, zurücklegen (B 2 d), einen weg bahnen 'zugang' (B 2 f), weg machen, geben 'durchgang, raum' (B 2 g), weg suchen, finden 'zugang' (B 2 k), weg vertreten, verlegen 'weitergehen' (B 2 l), wo überall die abstracte bedeutung sich erst später entwickelt hat, was selbst für bei wege sein 'in thätigkeit, bei gesundheit' (B 4 a ε), zu wege sein 'in bereitschaft, im stande' (B 4 a λ), anzunehmen ist.
a)
doch ist schon seit dem ahd. weg auch als 'fahrt, reise' deutlich ausgeprägt:
sus in wege (als Christus durch das land fuhr) quam ein wîb.
Otfrid 3, 10, 1;
ward druhtîn in dô lindo   thes weges samansindo.
5, 9, 9;
vil der soumschrîne   man schihte zuo den wegen.
Nibel. 722, 1;
'nu wol mich solher friunde',   sprach Gîselher der degen,
'die wir hân gewunnen   nu ûf disen wegen!'
2109, 2;
zuͦ deme koninge gieng
Peleus der jungeling,
weges muͦde unde sorgen.
A. v. Halberstadt 250 bei Wickram 8, 104;
und (sie) retten (dort unde hî),
unz die zît hin gî,
alleʒ von dem gotes wege (kreuzfahrt).
der Wiener meerfahrt 265 Lambel;
ich habe mich nu genzlich bereit uff den gotes weg den ich mit siner hulfe meine zu wandirne leben des heil. Ludwig 55, 34 (hier doch mehr local, vgl. pilgrim der auf dem gotzweg ist [1332] Schmeller 2, 959); nu sint fúnf ding die man spulget den bruͦdern ze tuͤnde, so si von dem wege koment St. Georgener prediger 40, 5 Rieder; hastu meynen weg gefertiget (später: hastu gnad zu meiner reise gegeben), daher ich gereiset bin 1. Mos. 24, 42; das er inen nachjaget ... und ward des weges noch nie müde Jes. 41, 3; Christus schicke unsern weg zu euch 1. Thess. 3, 11; dasz man inen fri, sicher glait in zwen weg geben J. v. Watt d. hist. schriften 1, 529, 6 (hin und zurück, vgl. hin-, her-, rückweg);
drey mal sind ietzund gleich sechs jahre weg verlohren,
dasz die durch gütigkeit des himmels ward gebohren.
Opitz 2, 153;
bisz endlich ein Samaritan, weeg halbers (auf der reise), dahin getretten, welcher ... ihme seine wunden verbunden Abr. a S. Clara Judas 2, 51; er ... zog so nach Bagdad zurück. je weniger er während des weges von der mutter ... erfahren konnte ... Klinger 5, 347;
kaum ersah der cadi dieses schreiben,
als er seine Suaten alle sammelt,
und zum wege nach der braut sich rüstet.
Göthe 2, 51 Weim. ausg.;
da ich nur seine ankunft erfuhr, bin ich zu ihm geeilt, wenn ich ihn nicht traf, hab ich mir einen zweyten weg nicht reuen lassen briefe 8, 335; der weg dahin ist eine beschwerliche und gefahrvolle reise Schiller 6, 11; lassen sie es sich gefallen, mir noch einige schritte weiter zu folgen, so wird ein desto freyerer gesichtskreis sich aufthun, und eine muntre aussicht die mühe des wegs vielleicht lohnen 10, 323; unter den reden waren wir zur brücke gekommen ... von da an sollte mein weg allein gehen Anzengruber³ 3, 101 (dorfgänge 1); wenn herr von Gockel irgendwo eintrat, so war sein erster weg nach dem grusze zum spiegel Brunner erzähl. u. schriften 1, 227. der letzte weg: madame Roland, auf dem blutgerüste, verlangte schreibzeug, um die ganz besondern gedanken aufzuschreiben, die ihr auf dem letzten wege vorgeschwebt Göthe 42, ii, 141;
ernst begleiten ihre (der glocke) trauerschläge
einen wandrer auf dem letzten wege.
Schiller 11, 313.
b)
glück auf den weg, sit iter prosperum Stieler 2454; sie wünschte mir alles glück auf den weg J. M. Miller briefw. 1, 5; (Moor zu Spiegelberg). glück auf den weeg! steig du auf schandsäulen zum gipfel des ruhms Schiller 2, 36 (räuber 1, 2 schausp.);
Burgund. wir gehn in unser land zurück.
Lionel. glück auf den weg!
13, 228 (jungfr. v. Orl. 2, 1);
Libussa (zum pagen).
geh nur voran! ihr folgt! glück auf den weg!
Grillparzer 6, 168 (Libussa 4);
ein schlükchen auf den weg vom heiszen traubensohn.
Schiller 1, 130.
guten weg! abschiedsgrusz an einen der weggeht: nun adje und guten weg! E. Höfer erz. schriften 1, 177; man warf mir, für mein schönes goldgelbes bier — die schmutzige kupferne münze nur so vor die nase hin — ohne guten tag und guten weg Iffland dram. werke bd. 13, die kokarden 28 (2, 1); wie konnte der prinz abreisen, ohne guten tag, guten weg zu sagen? Freytag handschrift 3, 93; das hab ich als 'n kerl gehalten, dasz ich kein gebenedeietes wörtchen wieder mit ihr gesprochen habe, als guten tag und guten weg J. H. Müller die herren v. Waldheim 3, 113; ich sag: guten tag, guten weg und damit fertig Müller-Fraureuth 2, 646ᵇ; ick holl mî nich wîrer mit em up as goden dag un goden weg Frommann 2, 36 (Mecklenburg).
c)
wir haben éinen weg sagt man zu jemand, der demselben ziel zustrebt: wir sind zu einer komödie geladen. so haben wir einen weg Schiller 3, 112 (Fiesko 4, 5); 'weisz 's denn der vater schon?' fragte sie. 'grad will ich zu ihm.' 'er erfährt's jetzt gleich. wir haben einen weg' Herm. Kurz der sonnenwirth 2, 80;
darzuͦ wir auch eins weges sindt.
Wickram 4, 234 (pilger 3394) Bolte;
die burger súln ouch der stete baner nachvolgen ainen weg und swer anders vert, der ist der ainunge schuldig stadtrecht v. Villingen 6 (1294) Roder. ein weg um mehreres auszuführen: was man auff einen weg verrichten kan, da sol man nicht zwey mal nach gehen Petri 2, Y y 8ᵇ; es god i em weg 'es geht mit einer mühe' Tobler 442ᵇ. so entwickelt sich die bed. 'zugleich': wägert er sich aber der pues, ist er der herrschaft 12 β zur straf verfallen und ain weg der kierchen ihr straf zu bezalen schuldig österr. weisth. 6, 170, 28 (Steiermark 1680). häufiger im obd. eines wegs 'sogleich': derepente, eins wegs, von stundan, fluchs, gählingen Calepinus 402ᵇ (bei Frisius 456ᵃ dafür einslichen wägs, e vestigio). Stalder 2, 439. Hunziker 290. Martin - Lienhart 2, 799ᵃ, vgl. das gleichbedeutende alem.-schwäb. eis gangs schweiz. id. 2, 338 (auch bei Hebel). Martin-Lienhart 1, 222ᵇ. Fischer 2, 581, bair. ains gêns Schmeller 1, 87; er hett in nit gedürst bitten, das er in eins wegs in den hymel het gelassen Keisersberg bilg. 30ᶜ; wan etlicher so frisch was, der imm darin redt, den liesz er eyszwegs tödten Morgant 93, 38 Bachmann;
louff koch, richt uns dspysz einswegs an
und luͦg, lasz uns kein mangel han,
gang hie nit lang umbher gaffen.
schweiz. schausp. 1, 18, 45;
so ich d'red ghört hab, indenck bin,
eins wägs mir thuͦt grad fallen in,
das ...
3, 184, 1164;
ob ich auch eins wegs zu deinem ahnherrn Laerte soll laufen Schaidenraiszer Odyssea 67ᵇ. in einen (oder einem) weg 'ununterbrochen' (weg wird hier z. th. als adv. empfunden, auch in einem fort, ursprünglich aber ist es wol subst., vgl. in einer tour): thür. in en wak Hertel 254 (in ans wak Frommann 2, 287, 67); obersächs. in eine weg Müller-Fraureuth 2, 646ᵃ (in eines wäk Jecht 120); welcher ... in einen weg schnarchte Schelmuffsky 24 neudr.; als ich vier gantzer tage wieder in einen weg gespyen 36; hä raüpet in enem weg Woeste 318; 't geid all in enen weg ten Doornkaat-Koolman 3, 526ᵃ.
d)
weg nimmt in der nordd. umgangssprache die bed. 'ausgang zu einem bestimmten zweck, besorgung, einkauf' u. dgl. an Müller-Fraureuth a. a. o.: (ich gab ihr geld) weil sie ... sich heute meinetwegen so viel wege gemacht hätte Schnabel Felsenburg (1744) 1, 41; erwarte nicht, dasz sie, oder ihre domestiken, noch wege gehn, um diese dinge abzuholen Knigge umgang mit menschen 1, 54; mit erwachsenern kindern ... repetirten sie den religionsunterricht, liefen dann wieder den mäklern und kaufleuten einige wege Göthe 26, 264 Weim. ausg.; sie sind zu jeder stunde willkommen, wenn gleich der wirth noch einige wege zu machen hat briefe 18, 118; ich hab überhaupt noch heut mehrere wege in der stadt zu machen G Hauptmann einsame menschen 27 (akt 1).
B.
feste verbindungen mit verben, die auch in übertragenem gebrauch vorkommen.
1)
weg als subject. weg erscheint hier in der ersten, daneben in der zweiten bedeutung, zuweilen kann es in der dritten genommen werden.
a)
ein weg geht wo oder wohin:
in himelrîche ein hûs stât:
ein guldîn wec dar in gât.
Spervogel minnesangs frühling 28, 28;
hüet iuch: dâ gent unkunde wege.
W. v. Eschenbach Parzival 226, 6;
nu gienc ein wec bî ime eneben,
der in von sîn gesellen truoc.
H. v. d. Türlin crone 13940;
in einem tieffen grunde und getrüche, da durch ir wege ginge Decamerone 61, 1 Keller; gleich wie jhener fragt: wo gehet der weg hinaus? Luther 26, 376, 8 Weim. ausg.; drauszen, wo der weg ins dorf geht H. v. Kleist 3, 142 E. Schmidt;
am Skäerthor, wodurch sein weg
zu felde ging.
Bürger 173ᵇ;
dahin! dahin
geht unser weg! o vater, lasz uns ziehn!
Göthe 1, 161 Weim. ausg.
in redensarten: hier geet de weg her, so muszt du es machen Dähnert 543; dahinaus geht der weg nicht: was hast du hier zu suchen? Schiller 4, 74; Miller (mit der einen hand den major, mit der andern Louisen fassend). geduld herr! der weg aus meinem hause geht nur über diese da 3, 412 (kab. u. l. 2, 5).
b)
der weg trägt, führt usw. wohin:
sus leit er arbeit genuoc,
unz daʒ in der wec truoc
dâ er eine burc sach.
Hartm. v. Aue Iwein 5576;
mit dem boumgart ich meine
dirre werlde schœnheit,
dâdurch ein wec ze helle treit.
Lamprecht v. Regensburg St. Francisken leben 235 Weinhold;
wo mich dann der weg hintregt, will ich mein narung und wonung suͦchen Wickram 1, 336, 20 Bolte; wann in der weg dar truͦg, so reit oder gieng er nüt destminder durch das land Eulenspiegel 36 neudr.; damit triebe er fort und truge ihn der weg auf den bekanten baumplatz v. Birken forts. d. Pegnitz-schäferey 1; sein weg trug ihn durch einen heiligen hain Lessing 1, 153;
nû kom mîn her Îwein dar,
als in der wec lêrte.
Hartm. v. Aue Iwein 4371;
zu einer zit lief ein hunt,
do in leite der weck,
daʒ er kom auf einen steck.
kleinere mhd. erzählungen 3, 90, 5 Rosenhagen;
es führte mich
der weg durch länder, wo der krieg nicht hin gekommen.
Schiller 12, 87 (Piccolomini 1, 4);
heut ist das grosze jagen,
an Fotheringhay führt der weg vorbei.
12, 485 (M. Stuart 2, 9);
als mich in später dämmrung einst
der weg an diesem baum vorüberführte.
13, 175 (jungf. v. Orl., prolog 2);
durch diese hohle gasse musz er kommen,
es führt kein andrer weg nach Küsznacht.
14, 389 (Tell 4, 3).
übertragen: wie denn auch wirklich dieser weg uns sehr weit zu führen geeignet ist Göthe naturw. schriften 6, 8 Weim. ausg.; hatte er (Napoleon) sich längst den weg vorgezeichnet, der zur vernichtung des deutschen namens führen sollte Treitschke d. gesch.³ 1, 176;
mein anspruch
stöszt fürchterlich auf meines vaters rechte,
ich fühl's und dennoch lieb' ich. dieser weg
führt nur zum wahnsinn oder blutgerüste.
Schiller 5, ii, 155 (Don Karlos 1, 2).
c)
der weg ist (steht) offen: dem kloster ... sönd die wege offen sin, wenne sú des bedörfent zeitschr f. gesch. d. Oberrheins 21, 462 (15. jahrh.); er verliert die schlacht, sein lager, das heer; der weg nach Italien steht den Germanen offen, in Rom herrscht groszer schrecken Freytag 17, 42 (übertragen C 2 a).
d)
der weg steigt, fällt, zieht sich, schlängelt sich, verliert sich: ebenso (war fertig) der weg an der kirche vorbei, wo er eine zeitlang in dem von Charlotten angelegten pfade fortlief, sich dann die felsen hinaufwärts schlang, die mooshütte links über sich, dann nach einer völligen wendung links unter sich liesz und so allmälich auf die höhe gelangte Göthe 20, 95 Weim. ausg.; eine weile steigt der weg über matten, dann windet er sich rauh den berg hinauf briefe 4, 83;
bergab gleitet der weg.
werke 2, 65;
Arnolt reit hin der straszen noch,
wuszt doch nit, wo der weg hin zoch.
Wickram 4, 221 (pilger 2972) Bolte;
dann zieht sich der weg über Onolzbach ...
nach Dresden sodann.
Platen 271 (verh. gabel 4);
wo im sande der weg verzogen fortschleicht.
Klopstock 1, 113 Muncker;
in jene ferne verliert sich unser weg.
Novalis 4, 169 Minor;
dieser weg gehet um Ludwig 2404; da hört der weg auf 'da stehen die ochsen am berge' Wander 4, 1853;
der weg läuft anfangs grad, dann theilt er sich.
Grillparzer 7, 76 (weh dem, der lügt! 3).
die wege kreuzen, scheiden sich, gern übertragen: seitdem begannen sich wieder die wege zu scheiden zwischen römischer weise und deutscher weise Freytag 17, 253;
um miszverständnisse, ihr freunde, zu vermeiden,
verständigt euch nur, wo sich eure wege scheiden.
soweit ihr einig denkt, sucht ganz euch zu verstehn,
und wo die grenz' angeht, da laszt einander gehn.
Rückert werke 8, 301 (weish. des brahm. 6, 212);
gestatte mir dich aufmerksam zu machen, dasz unsere wege hier sich trennen v. Holtei erzähl. schriften 3, 205; unsere wege gehen auseinander C. Fr. Mylius aus volkes mund 173.
2)
weg als accusativisches object, meist in der zweiten bedeutung.
a)
den weg fahren, gehen, ziehen u. ä.:
α)
in droume sie in zelitun   then weg, sie faran scoltun.
Otfrid 1, 17, 74;
welhe wege si füeren   ze Rîne durch diu lant,
des kan ich niht bescheiden.
Nibel. 1369, 1;
sus samneten wir (die könige) uff ain weg.
sid fuͤren wir weg und steg
nǎch des sternen pflichte.
Mone schausp. d. ma. 1, 166 (kindheit Jesu 643);
gang thesan weg, ih sagên dir ein   er gileitit thih heim.
Otfrid 1, 18, 44;
'Tristan, nû gâ von mir hin,
hin wider ze dîme gesinde ...
nu ganc den wec' sprach Isot.
U. v. Türheim Tristan 2407 Hagen;
ir seid den weg vor hin nicht gegangen Jos. 3, 4;
und (er) bat daʒ ich des geruochte,
swenn ich den wec dâ wider rite,
daʒ ich in danne niht vermite.
Hartm. v. Aue Iwein 379;
Lupolt ... den nächsten hin unbekandt weg durch Schottland reiten thet Wickram 1, 150, 23 Bolte; so wollent sy eyn jare wasser und brot essen, ader eynen weg lauffen (eine wallfahrt machen) H. Seuse 517, 4 Bihlmeyer; und dieselbe (sonne) gehet her aus, wie ein breutigam aus seiner kamer, und frewet sich, wie ein helt zu lauffen den weg ps. 19, 6;
nach dem der flusz Euphrates grosz
mitten durch dise statt auszflosz,
groszmechtig starck, samb grundlosz tieff,
ein starcken (l. stracken) weg schwind dardurch lieff.
H. Sachs 16, 251, 40 Götze;
mein kind, wandel den weg nicht mit inen (bösen buben), were deinen fus fur irem pfad spr. Sal. 1, 15; zween (sind) mit einander in groszer hitze einen fernen wegk gewandert Froschmeuseler B 2ᵃ; mich wundert, was dich ursacht, einen solchen ferren weg zuͦ reyszen Wickram 1, 151, 33 Bolte;
die sele ist langes hene enwegk ...
sie ist ein ander wegk gezogen.
Alsfelder passionsspiel 6309;
der man ist nicht da heime, er ist einen fernen weg gezogen spr. Sal. 7, 19;
taumellos endlich, schlichen sie
kürzeren, längeren weg, aber hinab!
Klopstock oden 1, 181 Muncker.
übertragen (s. auch C 1): in criminalsachen ... dörffe man nicht den ordentlichen weg der anklage gehn Nigrinus von zäuberern 286; in solchen sachen ists immer am besten, man gehe den sichersten weg Wieland 11, 199; wenn du mein hertz tröstest, so lauffe ich den weg deiner gebot ps. 119, 32;
und was ich auch für wege geloffen,
auf'm neidpfad habt ihr mich nie betroffen.
Göthe 1, 241 Weim. ausg.;
(sie haben berichtet) was auch zu iederzeit
durch solch männer ist miszhandelt,
dasz den weg niemand mehr wandelt,
der nit so viel ehr brecht als schanden.
Kirchhof wendunmuth 2, 23 Österley;
deutschheit ... find ich auf dem wege, den ich wandle (bei der übertragung Homers) Bürger 180ᵇ; du hast niemals einen solchen scharpfen weg gewandert hertzemaner 106ᵃ. etwas geht einen weg 'entwickelt sich in einer richtung':
die ewig ordnung musz bestehn
und den geraden weg fortgehn.
Spreng Aeneis 197ᵃ;
eine gattin ..., deren geschäftigkeit sich nach allen seiten verbreitet, wenn die seinige (des mannes) nur einen geraden weg fortgehen darf Göthe 23, 78; früher mochten noch mehrere gedenksachen allgemach den weg der zerstörung und vergessenheit gegangen sein Stifter 2, 134;
wie soll euch nun der reim erhöhn?
soll er den weg der schmäuchler gehn?
Gottsched ged. 280.
'gelangt wohin': weil die frau kanzlerin erinnerte, die butter habe ihrem herrn so wohl geschmeckt ..., muszte ich wieder ein paar tonnen nebst einem malter hafer ... denselben weg gehn lassen Freytag 20, 324 (bilder 3, 9).
β)
seinen weg gehen usw.:
1))
damit ich gen müge meinen weg hin den ich her komen pin Decamerone 85, 13 Keller; da ... machten sich auff alle die bey Adonia geladen waren, und giengen hin, ein jglicher seinen weg 1. Röm. 1, 49; darumb sollen die jäger ... sambt iren jaghunden zu ruck weichen und eyn anderen pfad ire weg laufen Sebiz feldbau 586; (die Ost- und Westgoten) theilten sich nachher selbst von einander ab; jeder stamm wanderte seine eigenen wege Grimm d. sagen 2, 12; Jacob aber zoch seinen weg und es begegneten im die engel gottes 1. Mos. 32, 1;
geschmückt zu einem feste, keineswegs
zum krieg bereit, du siehst es, zogen wir
in frieden unsern weg, nichts arges denkend.
Schiller 14, 83 (braut v. M. 3, 2);
wind und ströme,
donner und hagel
rauschen ihren weg.
Göthe 2, 83;
(die stunden) schleppen sich behaglich träge,
schleichen gähnend ihre wege.
Heine 1, 30 Elster;
mit welcher beute ich meinen weg wieder rückwärts glitschen wollte Göthe 21, 22.
2))
die wendungen gehen häufig in die bedeutungen 'fortgehen, sich auf den weg machen' über: ein koufman fur sînen weg und bevalch sîne vrowen Kosme und Damiâno mystiker 1, 207, 1 (Herm. v. Fritslar); ist aber, daʒ der man uʒenwendic den benken stet ..., he geht wol sinen wec ane buʒe urkundenbuch d. st. Freiberg 3, 116, 19 (stadtrecht 31, 11) Ermisch; in ... pat, das er im urlab gebe und seinen weg gen liesze (via il lasciasse andare) Decamerone 59, 4 Keller;
her wolde der vrouwen warten nâ.
du begonde si irn wec gâ.
Bartsch md. gedichte 4, 73;
gee hin deinen wek!
fastnachtsp. 617, 28;
geh deinen weg! lasz mich mit frid!
H. Sachs 2, 7, 11 Keller;
ich bin der freundschaft nun in allen gliedern satt,
und wollte, weil sie sich doch nichts zu sagen wissen,
sie ging nun ihren weg, und liesze mir das küssen!
Göthe 9, 73 (mitsch. 2, 4);
geht euren weg doch nur.
H. v. Kleist 1, 412 (zerbr. krug 11) E. Schmidt;
Henne ... lieff zu stund sinen weg, daʒ man nit do enfant Bücher berufe der st. Frankf. 24ᵇ;
mein nachbeurin, was thet er jehen?
nichts, sonder sein weg darvon loff.
H. Sachs 17, 44, 24 Götze;
der prôbist sînen wec reit.
Bartsch md. ged. 4, 374.
während das spätere nhd. seines weges gehen bevorzugt, ist im mhd. die beliebtheit der verbindung mit dem acc. durch zahlreiche umschreibungen für 'fortgehen' bezeugt:
si konde nicht mê an ir gehabin:
du begonde si irn wec drabin.
Bartsch md. ged. 4, 254;
im ze sehenne eʒ in sluoc
und hieʒ in strîchen sînen wec.
Hartm. v. Aue Erec 5488 (vgl. 4196);
diu vohe dar zuo slaich,
daʒ herze si im enzucte,
ir wec si dâ mit ructe.
kaiserchronik 6905 Schröder;
dar zuo sint die nahtegal
alle ir wec gevlogen.
Neidhart v. Reuenthal 38, 11.
seinen weg gehen, auch von dingen 'sich loslösen': goldt und silber zuscheyden im fewer, dasz das silber sein weg geht, und das goldt im tigel bleibt probierbüchlein auff goldt (Frankf. 1580) 54ᵃ.
3))
übertragen, seinen (eigenen) weg gehen usw. (vgl. auch C 1 a):
kenn' ich doch
die welt von jugend auf, wie sie so leicht
und hülflos, einsam läszt, und ihren weg
wie sonn' und mond und andre götter geht.
Göthe 10, 202 (Tasso 4, 2) Weim. ausg.;
die kunst bleibt ein sonderbares ding; sie scheint ganz ihren weg für sich zu gehn Heinse 4, 267 Schüddekopf; wenn wir in früherer zeit leidenschaftlich unsern eigenen weg gehen, und, um nicht irre zu werden, die anforderungen anderer ungeduldig ablehnen Göthe 26, 5; wenn die augen die nadel nicht überwachen, so geht diese ihre eigenen boshaften wege Immermann Münchh.² 3, 21; laufft ein jder sein aignen wegk und sein ertichte andacht ist sein christenlicher stetter glaub Jac. Strausz christenl. unterricht (1523) B 1ᵃ; der (lebendige gott) in vergangen zeiten hat lassen alle heiden wandeln ire eigen wege ap. - gesch. 14, 16; Jacobi, indem er seinen eigenen weg wandelte, nahm doch kenntnis von allem bedeutenden (in der französischen literatur) Göthe 33, 193. eine sache, eine veranstaltung geht ihren weg (ihre wege) 'macht fortschritte, entwickelt sich weiter': mein bittgesuch, so langsam es sich auch förderte, ging doch seinen weg, ich hatte alle gänge, die dafür zu machen waren, gemacht Stifter 4, i, 93; das carnaval geht nun seine wege, es ist abgeschmackter spas, besonders da innre fröhlichkeit den menschen fehlt Göthe briefe 8, 183 Weim. ausg.; nun ging das gespräch in buntem wechsel von deutsch und italienisch seine munteren wege Heyse nov. 1, 148. bei Luther die wendung das gehe seinen weg (seine wege), das lasse ich so sein wie es ist: obs Adam nicht also zugericht hat, das gehe seinen weg 24, 58, 13, vgl. 24, 65, 21. 34, i, 1, 19. 34, ii, 140, 6.
b)
den weg nehmen, meist mit angabe des ziels: (sie) den wege gegen dem nidergange der sunnen nam Decamerone 163, 13 Keller; er gieng durch stedte und merckte und lerete, und nam seinen weg gen Jerusalem Luc. 13, 22; dasz sich ... die fuhrleute unterstehen, ... ihren weg von Plauen auf Schlaitz zu nehmen codex Augusteus 2, 1164 (1564); die bischöffe, die gen Rom abgefertiget ... warend und durch Etschland iren weg genommen Tschudi chron. helv. 1, 47; wir nahmen den weg auf einen flecken, welcher in einer entzückenden gegend lag Heinse 2, 45 Schüddekopf; ich freue mich ..., dasz die kugel keinen gefährlichen weg genommen hat Göthe 23, 18; man möchte die Mark einem strome vergleichen, der seinen weg durch seeen genommen (hat) Ranke 25, 145;
und also auff und ab (Angelika zu rosz) den weg im walde nahm,
so lange, bisz dasz sie zu einem flusse kam.
D. v. d. Werder ras. Roland 6;
und sonntags fand es (das kind) stets ein wie,
den weg in's feld zu nehmen.
Göthe 1, 204;
auf! durch die luft den weg genommen.
Schiller 13, 6 (Macbeth 1, 1);
dasz den weg ein vogel nähme,
meinem aug ein holder fund!
Lenau ged. (1857) 1, 267.
übertragen: sie wissen am besten, theuerster, was für wege ich genommen, wonach ich eigentlich gezielt Fr. Müller 2, 8; das volk hat keine stimme und kein urtheil in ansehung des weges, den es zum himmel zu nehmen hat Kant 10, 224; meine erzählung soll den kürzesten weg nehmen Wieland Lucian 4, 67; scheint es nicht mit manchen neuern (sprachen) schon denselben weg nehmen zu wollen? Lenz 2, 921 Tieck; wär ich selbst ... dabei zugegen gewesen, dann hätte das alles einen ganz anderen weg nehmen müssen Leo meine jugendzeit 17.
c)
sinnlich anschaulicher den weg vor sich nehmen, zu handen nehmen (übertragen s.C 2 b α), unter die füsze, beine nehmen:
den wec er vaste vür sich nam,
wan er der rede niht vernam,
die im Keiî nâch tete.
H. v. d. Türlin crone 3745;
Lupolt ... den nächsten weg gon Vannes überland für sich nam Wickram 1, 150, 27 Bolte; übertragen: einen wäg für sich nemmen etwas zethuͦn, insistere viam agendi aliquid Maaler 481ᵃ; darumb nym ich (in der darstellung) wider den selben weg fur mich Dürer underweisung der messung (1525) B 1ᵃ; iter moliri, seinen wäg zehanden nemmen, ein fart oder reisz underston Frisius 831ᵇ; demnach so will ich meinen weg ... zu hand nemmen Amadis 70 Keller; ingredi iter pedibus, den wäg under die fuͤsz nemmen, zefuͦsz gon Frisius 698ᵃ; (der knecht) mit groszen seüffczen den wege under die füsz nam Decamerone 404, 4 Keller;
ich wil den weg nän under dfuͦsz,
das ich in nit bezalen muͤsz!
H R. Manuel weinspiel 1246 neudr.;
nam ich ... den weg unter die füsze, der mich in ein klein stätlein trug Simpl. 1, 382, 5 Kurz; ich zoch meine schuh wieder an, den weg unter die füsze zu nemmen 3, 328, 29 (vog. 1, 6); samstag abends ward's abgeredt, den weg in gottes namen unter die füsze zu nehmen Bräker 1, 81; so nahm ich alsbald meinen ranzen auf den rücken und den weg unter die füsze, um desto früher ins nächste dorf zu kommen E. Höfer deutsche herzen 47; die wendung noch jetzt in alem.-schwäb. gegenden Hunziker 289. Frommann 6, 256 (Vorarlberg). Martin-Lienhart 2, 799ᵃ. Fischer 2, 1894 (vgl. lothr. de wä unner de fiesz hole 'sich beeilen' Follmann 534 und: den geben sihe kes und brodt und gelt in seckel, den wegh under die fuesz und schicken in gehn Metz weisth. 2, 263); der alte verschnaufte und nahm auch diesen weg noch unter die beine E. Zahn Lukas Hochstraszer 94; jetzt will ich den weg zwischen die beine nehmen Heine 3, 25 Elster.
d)
von sinnlicher anschauung ist auch auszugehen bei den weg betreten oder antreten, gern übertragen gebraucht:
ther nist in alawârî,   ther êr thia strâʒa fuari,
ther êr io thaʒ gidâti,   then selbon weg gidrâti
(wie Jesus bei der himmelfahrt).
Otfrid 5, 17, 18;
der jude, so auf geld bedacht,
gefahrenvollen weg betrat.
v. Droste-Hülshoff 2, 123 Kreiten;
mit voller sicherheit betrat er den weg der revolution Mommsen röm. gesch. 2, 104; der ursach halber sie (die ordensmänner) gar wol und recht den engen und strengen weg angetretten Abr. a S. Clara mercks Wien 39; freudig tritt sie ihren weg an Herder 23, 4 Suphan; es galt, jenen weg in die weite welt anzutreten, nach welcher so viele tausend jünglinge täglich ausfahren, von denen so mancher nie mehr wiederkommt G. Keller 2, 93. daran reiht sich weiter den weg anfangen (mhd. vâhen), ergreifen (das ursprünglich auch auf die füsze geht, th. 3, 828 unten), einschlagen, verfolgen, fortsetzen, zurücklegen, vollbringen, wendungen, die alle auch übertragen gebraucht werden:
der ritter sînen wec do vienc,
die reine gotes werde
furte er ûf dem pferde
biʒ zu der gelobeten stat.
Marienlieder 20, 182 Pfeiffer;
wir fingen beide unsern weg zugleich an Schiller 14, 212 (parasit 2, 4);
den wec greife er zuͦ hant an
und suhte in untz daʒ er in vant.
väterbuch 5226 Reiszenberger;
denn in allen dingen ist ein ding ehe zu bessern denn im krieg, denn so es den weg ergreifft (nimmt), folgt gemeiniglich die straff Fronsperger kriegsb. 1, 71ᵇ (1573); ich weisz nicht, welchen weg ich ergreifen soll Rondeau; mann von gehaltnem charakter (Winckelmann), der ... obgleich die äuszern umstände seiner einbildungskraft so mancherlei wählbares vorlegen, doch meistens den besten weg ergreift Göthe 46, 12 Weim. ausg.; welchen weg musz ich einschlagen nach London? Ludwig 2403; die freunde schlugen den weg ein, der zu Valerinens wohnort führte Göthe 24, 207; wenn du den graden weg nach hause einschlügst ... und mich ... diese verdrieszliche seitentour allein abmachen lieszest Immermann epigonen² 1, 40; er wil den gütlichen weg einschlagen Haltaus 300; ob der welt durch grosze genies im ganzen sonderlich gedient sei, weil sie doch oft neue wege einschlagen und neue aussichten eröffnen Kant 10, 243;
wohl darf der mann, den deine gunst vor allen
auszeichnet, einen eignen kühnen weg
einschlagen, seine pflicht zu thun.
Schiller 12, 528 (M. Stuart 4, 6);
Amphitryon. gut! weiter. während du den weg verfolgtest —?
Sosias. setzt' ich den fusz stets einen vor den andern.
H. v. Kleist 1, 231 (Amph. 2, 1) E. Schmidt;
ich ... war ein eiverer umb gott ... und hab diesen weg verfolget bis an den tod ap.-gesch. 22, 4; diejenigen, ... die sich genug geübt hatten, um, mit einer gewissen fröhlichkeit und leichtigkeit, ihren weg zu verfolgen Göthe 23, 213; das wesentliche besteht darin, dasz durch die oper (Figaro) hindurch, fast unausgesetzt das orchester seinen eigenen weg verfolgt O. Jahn Mozart 4, 260; den weeg fortsetzen Steinbach 2, 954; der jüngere ... deutete ihm die richtung an, in welcher er nun seinen weg fortsetzen müsse Immermann Münchh.² 1, 160; den weeg zurücklegen, iter conficere Steinbach 2, 954; wir müssen den weg zurücklegen, wie er sich eben bietet fürst Pückler briefw. 3, 256; obgleich Thiel den weg in seine waldeinsamkeit mit möglichster eile zurücklegte G. Hauptmann bahnwärter Thiel 22; so hättest du vielleicht den weg durchlaufen, den er nicht vollenden konnte Klinger 5, 45; viam persequi, einen wäg oder fart vollbringen Frisius 990ᵇ; wir haben nun den wegk vollebracht Hutten 4, 10 Böcking. den weg halten 'auf der ordentlichen strasze bleiben' Zedler 53, 1917; denn ich setze meinen fusz auff seiner ban, und halte seinen weg und weiche nicht ab Hiob 23, 11;
ich wander alles durch, wovon ich nur kann singen,
und halte keinen weg: an statt den kiel zu zwingen.
Neukirch ged. 159.
übertragen 'eine richtung verfolgen': in betrachtung man sich etwas zu sehr übereilete, und dem weg nicht hielt, den der hochseligste könig gut befunden v. Chemnitz schwed. krieg 2, 6; diese unordnung, da ein jedes von diesen zwey stücken (mund und geist) seinen eigenen weg hält, macht zwar die vergehungen einer solchen person weniger strafbar Lessing 1, 434 (freygeist 4, 3). den weg wohin richten u. ä.: conferre iter aliquo, sein wäg gstracks etwan hin richten Frisius 738ᵃ; er richtete seinen weg auf beide zu Göthe 23, 11 Weim. ausg.; (Wilhelm) erkundigte sich, ... ob man nicht wisse, wohin dieser reisende seinen weg gerichtet habe 24, 39;
o möchte sie, nach der sich alles sehnet,
hierher den weg, froh wiederkehrend, lenken.
16, 316;
er ... unter allen groszen welt-strömen allein gegen morgen seinen weg wendet S. v. Birken d. vermehrte Donau-strand 1.
e)
den weg machen ist erst in der neueren sprache häufiger (vgl. auch A 3 d): do er macht (Zainer gieng) den weg Mentels bibel, ap.-gesch. 9, 3 (vulg. cum iter faceret); ich war nüchtern, hatte schon viel weg gemacht, war warm und trank in groszen zügen Seume 97;
oft hab' ich diesen weg gemacht,
wann goldner sonnenschein gelacht.
Uhland ged. (1898) 1, 48;
dann sag' ich euch auch, in wie wenig tagen
den weg man macht.
Rückert werke 1, 21.
übertragen: welchen weiten weg muszte nicht die menschheit machen, bis sie dahin gelangte, ... gegen unmenschliche menschlich zu sein! Göthe 24, 66 Weim. ausg.; da er schon einen so groszen weg gemacht, so viel von glück erlangt hat, so setzt er seinen wünschen keine gränzen mehr 40, 37. seinen weg machen: her machte sînen wec (vulg. iter faciebat) durch di stete und castelle Math. v. Beheim Luc. 8, 1. jetzt 'im leben vorwärts kommen':
nun das ist wahr! dem ganzen corps gereicht's
zum sporn, zum beispiel, macht einmal ein alter
verdienter kriegsmann seinen weg.
Schiller 12, 65 (Piccol. 1, 1);
ich sehe nicht auf die zufälligen vorzüge der geburt, hab ich nicht selbst meinen weg von unten auf gemacht? 14, 200 (parasit 1, 3); und manch andere, die sich geschickt in weltliche dinge zu mischen wuszten, wenn es der vorteil der kirche wollte, haben auch ihren weg gemacht Anzengruber³ 6, 40 (pfarrer v. Kirchfeld 1, 6). etwas macht seinen weg 'verbreitet sich': was Nicolai mitgetheilt, hat nun auch seinen weg weiter gemacht Ranke 30, 4; die ideen Lessings hatten doch in der stille ihren weg gemacht; so grausam wie einst Fichte wollte jetzt kein Deutscher mehr über die juden schreiben Treitschke d. gesch.² 2, 419.
f)
einen weg machen ist auch 'herrichten, herstellen': den weg machen, munire viam Dasypodius 453ᵇ; weg machen, viam sternere, iter pandere, aperire Stieler 2454; ein iegelich man sol wege machen vor siner túr unde vor sinem guͦte siben schuͦhe, daʒ ander teil sol diu gemeinde machen Schwabenspiegel landrecht 181 Laszberg; ain ietzlicher sol weg machen und pössern vor seinen kaufguet oder grunt österr. weisth. 7, 39, 30 (16. jahrh.); übertragen: wer der erste ist der die pan bricht und den weg macht Luther 20, 427, 10 Weim. ausg. einen weg bauen: wo unsern rentcammern die wege zu bauen oblieget codex Augusteus 2. forts. 680 (1781); bildlich: ehe wir den text anfahen, mus ich vor den weg bawen und einen gemeinen eingang machen Luther 19, 350, 8. einen weg schlagen: swer so unrechten wek slêt uber gewunnen lant Sachsenspiegel 2, 27, 4 Weiske; ob einr einen newen weg sluge ubir deinen gearen acker blume des Magdeb. rechts, beigabe zum richtsteig landrechts 351 Homeyer; einen weg durch den forst schlagen Heinze taschenwb. d. artilleriewiss. 628. den weg besseren, munire viam Dasypodius 453ᵇ; der die lücken verzeunet und die wege bessert, das man da wonen müge Jes. 58, 12; dasz ein ieglicher schuldig ist vor seinen weingarth die weeg zu raumen und beszern österr. weisth. 7, 116. 19 (18. jahrh.). den weg bereiten ist aus der biblischen sprache gekommen und steht meist übertragen: es ist eine stimme eines predigers in der wüsten, bereitet dem herrn den weg, und machet richtig seine steige Matth. 3, 3 (schon M. v. Beheim: bereitet den wec des herren, machit gerecht sîne stîge);
godes son de ware Crist:
dem sal ich (Johannes) den wegk bereiden.
Alsfelder passionsspiel 480;
hat got geschickt zwen sunder uszerwelt kün und erleüchte botten zuͦ beraiten deinen wäg in das regiment Eberlin v. Günzburg 1, 4 neudr.; es war nicht (Lucians) schuld, wenn seine schriften nicht einer von allem dämonismus ... gereinigten religion den weg bereiteten Wieland Lucian 1, XXXIX. weg und steg: es hatte aber hochgemelter keiser Maximilian diesem seinem vetter Carl weg und steg zu der keiserl. kronen ... bereit E. v. Meteren histor. beschreibung des niderl. krieges (1614) 21ᵇ. den weg führen, leiten, wohin legen: dieser heutige weg, den sie langsam und nicht ohne beschwerlichkeit gemacht, möchte dergestalt geführt und eingerichtet werden, dasz man ihn gesellig, schlendernd und mit behaglichkeit zurücklegen könnte Göthe 20, 85 Weim. ausg.;
durch berg und thäler ist der weg geleitet.
16, 171;
eine neue straszenanlage ... bedrohte sie mit dem verluste einiger kleinen wiesenstücke, über welche der weg nothwendig zu legen war Immermann Münchh.² 1, 145. den weg pflastern s. th. 7, 1727; dafür früher steinen: eyn guten werckman, der wege steynen kan (1427) Bücher berufe d. st. Frankfurt 131; den wäg besetzen, sternere viam lapide Maaler 480ᵇ. den weg ebenen:
er (gott) ging den schiffen gnadenvoll vorauf,
und ebnete des meeres rauhe wege.
Grabbe 1, 30 (herz. v. Gothland 1, 1) Blumenthal.
übertragen, mit dat.: wer es verstünde, dem tod diesen ungebahnten weg in das schlosz des lebens zu ebenen? — den körper vom geist aus zu verderben? Schiller 2, 58 (räuber 2, 1 schausp.); da ... wir uns nur der gröszten bereitwilligkeit zu rühmen hatten, mit welcher der treffliche Henzen und der jüngere Brunn ... uns in Rom die wege ebneten Heyse jugenderinnerungen 137; ganz abgesehn davon, dasz die verlängerung des krieges der französischen einmischung die wege ebnen würde Bismarck ged. u. erinn. 2, 45. den weg bahnen (früher auch bähnen th. 2, 1079), bereiten, namentlich durch wegräumung von hindernissen, sehr häufig übertragen gebraucht (jetzt gewöhnlicher als bereiten); meist mit angabe des ziels (s. auch C 2 a):
Christus hab selb den weg gebant
durch leiden zu dem vatterland.
H. Sachs 6, 206, 22 Keller;
er gab die ... unantastbarkeit des französischen bodens auf und bahnte damit den weg zur verständigung Treitschke d. gesch.³ 1, 783. mit dativ: das wird ihm den weg bahnen, that will make way for him Ludwig 2405;
der bettler vermag, so ergraut und entblöszt,
euch herrliche wege zu bahnen.
Göthe 3, 6;
wer bahnte euch den weg in dieses reich,
reicht' euch die treue freundeshand, als ihr
an diese feindlich fremde küste stieget?
Schiller 13, 227 (jungf. v. Orl. 1);
diese eroberung bahnte ihm auch den weg nach Böhmen M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 21; Hutten bahnte ... Luthern unwissend den weg Herder 16, 282 Suphan. reflexiv: bahnten sich dadurch ... den geraden sichern weg in ihrer schüler herz Schubart leben u. gesinn. 1, 48. seltener in eigentlichem sinn:
tränen bahnen sich wege auf ihre trostlose wangen.
Lenz ged. 27 Weinhold.
auch gern als 'sich platz machen' durch eine andrängende menge, durch die feinde (älter weg machen s. u.):
der mohr zieht seinen säbel,
bahnet weg sich hin durch alle.
Herder 25, 163 Suphan;
sich den weg zum rückzuge über die erlegten feinde zu bahnen Haller Usong 12; er zeigt eine pistole ..., er will sich mit macht einen weg durchs gedränge bahnen Schiller 4, 84;
wenn wir zu diesem, mit dem schwert,
uns kämpfend einen weg gebahnt.
H. v. Kleist 2, 434 (Hermannsschl. 5, 14) E. Schmidt.
g)
den weg räumen, frei machen:
er (der engel) walzta thana sâr then stein,   sô er nan êrist birein.
ni thaʒ er tharagiîltî,   thaʒ er then weg girûmtî,
suntar man irknâtî   thio seltsâno dâti.
Otfrid 5, 4, 27;
und swâ die künegîn hin gienc,
dâ gienc der tôre alles mite ...
Isôten rûmete er den wec.
H. v. Freiberg Tristan 5471 Bernt;
wo er die wege nit raumet, also das er den mist ... auszfuret oberrhein. stadtrechte 1, 251 (Walldürn 1492); machet ban, machet ban, reumet den weg Jes. 57, 14; ich versuchte, ob ich mir den weg mit einiger gewalt frey machen könnte: aber alles vergebens Rabener 4 (1755) 370. auch nur einen weg (oder blosz weg) machen, zugang, durchgang verschaffen (daneben eine gasse machen); meist mit dat.: daʒ waʒʒer ist daʒ pest ze trinken, daʒ durch velse fleuʒt ... und entsleuʒt den leip und macht dem harmwaʒʒer weg K. v. Megenberg 104, 2; petersilge ... machet dem sweiʒe wec Breslauer arzneibuch 12; avertere sanguinem, das bluͦt anderszwo hin ziehen, dem bluͦt ein anderen wäg machen Frisius 139ᵇ; gottes des almechtigen segen von uns abwenden und seinem unweglichen zorn uber uns wege und gasse machen schriften für schlesw.-holst. kirchengesch. 2, 2, 213 (1608). durch eine andrängende menge:
da des hauffens schar (der Griechen)
zusamen dick gestecket war,
mocht Hector tringen nit hindurch,
kein weg da machen oder furch.
Spreng Ilias 213ᵇ;
die mit den fackeln bewaffneten machten sich mit ihren dolchen einen weg Klinger 3, 263. verdeutlicht einen weg schlagen, hauen:
das schwert nam er in die hant:
er slug umb sich solche slege,
weyte strasze und wege
slug er durch die Wulger do.
H. v. Neustadt Apollonius 7580 Singer;
weil es (das wild) in das gebüsch geflohen war, das den hohlen baum umschlosz, stieg er ab, risz es von einander, und hieb sich mit seinem schwerte einen weg Grimm märchen (1843) 1, 14. dem weg machen steht weg geben als 'platz machen' gegenüber: Ruollandt macht, das im die heyden weg geben muosztend, als die schǎf den wölffen Morgant 224, 27 Bachmann. ähnlich: den weg auffthuͦn, facere viam Dasypodius 453ᵇ; den wäg auffthuͦn, ein zuͦgang machen, patefacere aditum rerum Maaler 480ᵇ; den weg öffnen, viam aperire Stieler 2454; der junge held öffnete sich den weg mit dem säbel Haller Usong (1783) 11. übertragen (s. auch C 2 a): seine kenntnisse und sein betragen öffneten ihm den weg in eine geschlossene gesellschaft der würdigsten männer Göthe 22, 270 Weim. ausg.; mehr durch vertrag ... als durch gewalt der waffen eröffneten sie sich den weg auf das linke Rheinufer Mommsen röm. gesch. 2, 75;
warum verschmähte sie's ... den weg
aus diesem kerker schnell sich aufzuthun
mit einem federstrich?
Schiller 12, 404 (M. Stuart 1, 1).
h)
den weg wissen, viae gnarum esse Stieler 2454: und Tobias sprach zu im, weistu den weg ins land Meden? Tob. 5, 8; die heerden (der nomaden) wissen auf solchen zügen den weg Herder 12, 128 Suphan. gern verstärkt weg und steg s. th. 10, ii, 1382: der was aus dem land zuͦ Osterreich, wuszte weg und steg Frey gartenges. 136, 11 Bolte; Ulenspiegel het da zuͦ Nürnberg weg und steg wol gelernt Eulenspiegel 49 neudr. den weg kennen: von dannen fuhren wir gen Altenburg 6 stund lang, dann der fuhrmann kundte den weg nit und ward ihre Dürer tagebuch 92. weg und steg:
ihr kennt noch weg und steg.
Gryphius (1698) 1, 634 (Piastus);
list hat in der welt so viel erreicht — du kennest wege und stege, kennst das alte schlosz. es ist nichts unmöglich, gib mir einen anschlag Göthe 8, 279 (Egmont 5).
i)
den weg zeigen (s.A 2 a Hartm. v. Aue): do sprach der esel: nun lasz uns gan, wann du wilt. der wolff sprach: so zaig du den weg Steinhöwel Äsop 204 Österley; cippi, ein kreütz oder hand oder hauffenstein auff den straszen, die den wäg zeigend Frisius 223ᵃ; als ein strich, der den lesenden gleichsam den weg zeuget Zesen rosenmând 123. übertragen (s. auch C 2): (die regeln) sollen (der einbildungskraft) nur von ferne den weg zeigen Mendelssohn philos. schriften 1 (1777) 21;
drumb folg ir (der natur) nach, und thuͦ nach ir,
sie wirt den weg wol zeigen dir.
Scheit Grobianus 4658 neudr.;
o du mein meister ...
zeige die wege mir
die du da gingst.
Klopstock oden 1, 97 Muncker;
immer hab' ich doch den rechten
klaren weg im lied gezeigt.
Göthe 3, 164.
weg und steg:
vier söhn' hab' ich dahin (in den himmel), doch nur vorangeschicket! ...
sie zeigen weg und steg, und brechen mir die bahn.
Gryphius (1698) 1, 531;
vor ietzo aber zeiget mir verirrten printzen weg und steg, wie ich aus dieser mörder-grube meinen fusz ziehen ... möge Ziegler asiat. Banise 12. alem. kommt eim dr weg zeige auch für 'zurechtweisen' vor Hunziker 289. Martin-Lienhart 2, 799ᵃ. vgl.:
und will er in's haus, so schlag' ihm — höre!
schlag' ihm die thür vor der nase zu! ...
da zeig' ihm den weg zur pforte.
Kotzebue dram. spiele 2, 266.
den weg (die wege) weisen:
der künec begunde vrâgen   'wer sol uns durch diu lant
die rehten wege wîsen,   daʒ wir niht irre varn?'
Nibel. 1526, 3;
mag auch ein blinder einem blinden den weg weisen? Luc. 6, 39. übertragen:
und vielen durch den heilgen geist
den rechten weg zum himmel weist.
Ringwald christliche warnung D 1ᵃ;
als den Quintil die wahrheit lehren hiesz,
den ehrenmann, der, ohne zu verleiten,
dem römschen witz die rechten wege wies.
Hagedorn 2, 57.
weg und steg u. ä. weisen: und hatte ihnen in dem allen der verrähter Vincentius ... allerhand anleitung gegeben, stege und wege gewiesen Schütz Preuszen 65ᵇ;
ich weysz euch weg und stege.
lied v. hürn. Seyfrid 49 neudr.;
Amor greifft selber mit wacker an,
weiszet mir füeglichen weg und bahn,
in hertzens-plahn.
Venusgärtlein 16 neudr.;
herwandeln wo sein glück ihm weg und straszen weist.
polit. stockf. 359.
einem den weg (häufiger die wege) weisen, ironisch ihn entfernen, fortjagen: fugare, expellere, amovere aliquem Stieler 2454; soll ich dir den weg weisen, veux-tu t'en aller Rondeau; wo sie sich nicht packen und fortziehen würden, so wollten ifg. numehro auch ihrem kopfe folgen und ihnen den weg weisen v. Schweinichen 1, 117; wenn wir dismahl den Römern nicht den weg wieder über den Rhein weisen v. Lohenstein Arminius 1, 27ᵃ; es komme mir nur einer wieder, ich will ihm wol die wege weisen Schoch studenten-leben 36, 17 neudr.; er kam, ich habe ihm aber gleich die wege gewiesen Göthe 17, 274 (bürgergen. 7); dasz solche schwächlinge, die hier sittenprediger sein wollten, sich aus der gesellschaft freier künstler entfernen möchten, oder man werde ihnen die wege weisen Heyse nov. 1, 167. mundartlich findet sich die wege weisen auch für 'bescheid sagen' Woeste 318 und 'zurechtweisen' Müller - Fraureuth 2, 646ᵃ. für 'entfernen' kommt auch weg geben vor: aber ich sol (will) sölcher pösen untugent iren weg geben Decamerone 47, 20 Keller.
k)
den weg suchen, finden, häufig übertragen (s. auch C 2):
und (er) suochte dâ zehant
den næhsten wec den er vant.
Hartm. v. Aue Iwein 3826;
das wasser sucht einen weg durch die felsen; meine gröszte sorge soll nun seyn, einen weg in sein herz zu suchen Pfeffel pros. versuche 1, 6;
der streich, der meinem könig gilt, musz erst
den weg durch mich und Christus kirche suchen.
Schiller 5, i, 56 (dom Karlos 2, 6);
mit solchen blicken suchte Klytemnestra
sich einen weg nach ihres sohnes herzen.
Göthe 10, 53 (Iphigenie 3, 1) Weim. ausg.;
damit er (gott) hat anzeigen wollen, das er uns helffen könne, ... das er auch wisse wege und raum zu finden, da gar kein weg oder raum ist Luther 16, 265, 22 Weim. ausg.; jener grosze mann ... wuszte, wie rege und helle bedachtsamkeit sich selbst die wege zu finden vermöge Niebuhr kl. schr. 1, 22;
ach, zu dem entfernten strande
baut sich keiner brücke steg,
und kein fahrzeug stöszt vom ufer,
doch die liebe fand den weg.
Schiller 11, 338 (Hero u. Leander);
(die hunde) fanden bald den weg zur hinterthüre herein Göthe 21, 139;
ein dringt der gott auch zu verschlosznen thoren,
zu Perseus thurm hat er den weg gefunden.
Schiller 14, 54 (braut v. M. 2, 1);
dem ich niemals ohne furcht
genaht, der wilde tiger ist gebändigt,
Aricia fand den weg zu seinem herzen.
15, 1, 67 (Phädra 4, 6);
kaum konnte der mann, der eben im auslande eine gesetzliche militärtyrannis geführt hatte, von da den weg wieder zurück in die bürgerliche gemeinschaft finden Mommsen röm. gesch.⁷ 1, 806. den weg finden kann auch nur umschreibung für 'wohin gelangen' sein: auf eine mir jetzt noch unbegreifliche art hatte es (das gedicht) den weg zu ihr gefunden Grillparzer 10, 36; gleich ... fanden die neuerungen, welche Luther in Deutschland predigte, den weg in die französischen provinzen Schiller 9, 295; ein mit den einzelnen belegen versehener ausweis ... hat auch den weg in die öffentlichen blätter gefunden Stifter 14, 104; ich bedauere daher aufrichtig, dasz eine solche nachricht ihren weg in die zeitungen gefunden hat Bismarck ged. u. erinn. 2, 44. weg und steg finden (s. auch th. 10, ii, 1382): wenn wir nicht ... darauf sännen, recht tief darauf sännen, weg und steg zu finden, auf dem wir bei unserm groszen ziele ankommen können Klopstock 12, 407.
l)
einem den weg wehren, mhd. irren, hemmen, vertreten, verlegen, verhauen, versperren, verschlieszen:
daʒ getwerc werete ir den wec.
Hartm. v. Aue Erec 52;
niemant sein wirt der euch den weg were Decamerone 55, 35 Keller; denn da jtzt die todten mit hauffen ubernander fielen, stund er im mittel und steuret dem zorn, und weret im den weg zu den lebendigen weish. Sal. 18, 23;
er sprach (zu Parzival, der im wege lag): wer irret uns den wec?
W. v. Eschenbach Parz. 121, 28;
weil eures oheims strenge wachsamkeit
mir jeden weg zu ihm gehemmt
Schiller 12, 428 (M. Stuart 1, 6);
ich mag weder ... under türa noch über gassen gen, daʒ er sich mir zuͦ hant nicht under augen stelle und mir den wege verdrätte Decamerone 177, 35 Keller; er vertrat mir den weg und fieng an auszupacken Rabener schriften 4 (1755) 370; wie ich hinausgehen wollte, vertrat er mir den weg und rief: 'seht den schelm' G. Keller 1, 154; iter praecludere, den wäg verschlieszen oder versperren oder verlegen, das niemand wandlen mag Frisius 1036ᵃ; ich (gott) habe bedacht was Amalek Israel thet, und wie er ihm den weg verlegt, da er aus Egypten zoch 1. Sam. 15, 2; wann sie dann mit der beut wider der statt zu begeren, sollen sie abermals gute fürsichtigkeit brauchen, dasz ihnen die feindt nicht den weg verlegen Fronsperger kriegsb. 2, 95ᵃ; sogleich war von ihm beschlossen worden, dem bedienten bei der heimkehr ... den weg zu verlegen Immermann Münchh.² 3, 120; der wäg ist im verspert, die straasz ist im verlegt oder underlauffen, obstructus aditus alicui ad aliquid Maaler 480ᵇ; der tugend ist kein weg versperrt, invia virtuti nulla est via Dentzler 1, 863; warum steht ihr stille? versperrt uns den weg nicht! Göthe 24, 5 Weim. ausg.; hätte schwarzes klumpigtes blut der leidenden natur den weg zum herzen gesperret Schiller 3, 82 (Fiesko 3, 1); den weg verhauen, concaedibus itinera munire, deinde viam intercludere, obstruere, transitum intercidere Stieler 2454; darin (in der leidigen stunde) ist zu meines heiles vernewenden jungbrunnen mir der weg verhawen Ackermann aus Böhmen 5, 16 Bernt u. Burdach; da ihm der eine von hintenzu nachsäzte, und der andere von fornen den weg verhieb Zesen Sofonisbe 208; ich will ihm (meinem stück) den weg nicht selbst verhauen, endlich doch einmal aufs theater zu kommen Lessing 12, 514 (s. auch th. 12, 540); wenn itzt benannte wege verschlossen, oder mit schlagbäumen verwahret codex Augusteus 2, 1051 (1713);
Karl. wir sind begriffen auf dem weg nach Rheims.
Johanna. lasz uns nicht still stehn, denn geschäftig sind die feinde rings, den weg dir zu verschlieszen.
Schiller 13, 267 (jungf. v. Orl. 3, 4);
tröste dich alter, du wirst ihn nimmer an diese brust drücken, der weg dazu ist ihm (Karl) verrammelt, wie der himmel der hölle Schiller 2, 24 (räuber 1, 1 schausp.); er (gott) hat meinen weg verzeunet, das ich nicht kan hinüber gehen Hiob 19, 8.
m)
einem den weg verrennen, abrennen, abjagen, verlaufen, abschneiden: sich haben aber die obgemelten reuter an sie (die fliehenden) gehenckt und inen den weg vor dem stättlin fürrennet quellen z. gesch. des bauernkrieges in Oberschwaben 727; nicht der natur durch einen queerstreich den weg verrannt, sondern sie in ihrem eigenen gange befördert Schiller 2, 57 (räuber 2, 1 schausp.); ich weisz, wie jeder kühnheit, jeder list die wege verrennt sind Göthe 8, 298 (Egmont 5);
tat ihm sogleich den weg verrennen.
Mörike 1, 197;
so hat ihm Gutenberg den weg fast abgerennt,
der schier so bald als er die trukkerey follendt.
Rompler v. Löwenhalt reimget. 59;
sie ... suchten zwar sich hin und her widerumb beliebt zu machen ..., stürmeten aber nur in die lähre wind ..., maszen der falsche politicus ihnen überal den weeg so diebisch abgerennet, dasz sie vil zu spath kämen Laurentius von Schnüffis wald - schallmey 25; (sie haben) die pawren angriffen und in sye gesetzt und in den weg abgejagt bey dem stainen creutz quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 621 Baumann; (sie) in nackent nach dem reyter lauffen sachen, palde im den weg fürluffen Decamerone 561, 4 Keller; hertzog Bugslaff ... zog gleichwol gein Wormbs (zum reichstage) und wolte sich des beklagen. do verlieff ime der marggraff alle wege, das er nicht khonte gehort werden Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 386 Gäbel; es hat sie offte das ungewitter zu rück gehalten, und ihn die wege verlauffen (interclusit) Faber thesaurus (1587) 184ᵃ; einem den weg verlauffen, aditum alicui praecludere Steinbach 2, 954; den weg abschneiden, aditum avertere, progressum inhibere Stieler 2454; Herrmann befiehlet: dasz Jubil ... dem feinde den weg abschneiden solte v. Lohenstein Arminius 1, 2; dasz sie sehr ungerecht handeln, wenn sie dem unverständigen frauenzimmer, durch ihr geschwätze, den weg zu ihrer selbsterkenntnisz abschneiden Gottsched vern. tadlerinnen (1738) 1, 94; helft euch auf obgesagte weise! dadurch schneidet ihr mir den weg nicht ab, wenn ich ihn noch betreten kann Göthe briefe 29, 49 Weim. ausg.;
wir ... wünschten, dasz kein ungemach
dir weg und fahrt durchkreuzen sollte.
Stoppe Parnasz 2;
dasz der schwächere darauf verzichten müsse, dem stärkeren die wege kreuzen zu wollen Fontane 5, 162.
3)
weg als genetivisches object.
a)
des weges fehlen: er lesst mich des weges feilen, er hat mich zerstücket und zu nicht gemacht Luther klagel. Jer. 3, 11; feilet des wegs, ghet den yhrrweg werke 34, i, 265, 15 Weim. ausg.; du gehest nit recht, fählst des wegs Franck sprichw. 1, 1ᵃ; einer, der des weges fehlte, wird ohne zurückkehrung nimmermehr zu rechte kommen v. Lohenstein Arminius 2, 278ᵃ; ich habe des rechten weges verfehlt Ludwig 2403; ihre wut war damals so gerecht ... nur verfehlte der warme vatereifer des weges Schiller 3, 456 (Fiesko 4, 5). ebenso kommt nach verwandten begriffen früher der gen. vor: irren des wegs, errare. voc. inc. teut. R 7ᵃ; ain priester der göttin Ysidis, der des wegs in die stat verirret was (qui abrepta in urbem via erraverat) Steinhöwel Äsop 40; sie des weges irre gingen Decamerone 328, 28 Keller. doch setzt die gewöhnliche sprache jetzt den acc.: bald bemerkte er indesz, dasz er in gedanken den rechten weg verfehlt v. Eichendorff 3, 123. schon früher den weg verlieren, vermeiden u. ä.: über dem singen und den vergnügten gesprächen aber hatte Rüpel unvermerkt den rechten weg verloren v. Eichendorff 3, 452;
ich waisz nit, wǎ ich bin,
den weg hab ich verloren,
der mir vor kündig was.
Hätzlerin liederbuch 99, 5 (s. 76);
streu furchtbar strahlen um dich her,
schwert in des kaisers hand,
dasz alles tödtliche geschosz
den weg vorübergeh!
Klopstock oden 1, 78 Muncker.
b)
des weges fahren, gehen, wandeln usw. s.A 2.
4)
weg in präpositionellen wendungen.
a)
das subst. ohne artikel.
α)
ab weg (daneben ab dem weg) 'vom wege' verschmilzt frühzeitig zu adverbiellem abweg s. th. 1, 149 (mit adv. -s abwegs) und erhält sich als solches in verbindungen bei Obd. bis ins 17. jahrh.: daʒ siê mih aba wege neleîten Notker ps. 26, 11;
nu vart ab wege eʒ ist zît.
Moriz v. Craon 1085 Schröder;
da di herren geaszen genug
und man di tisch ab weg trug.
H. v. Neustadt Apollonius 20105 Singer;
fliecht ir abwek, ab es euch gereut.
Liliencron hist. volksl. 1, 237 (50, 511, v. j. 1414—18);
ab wäg gon, ab dem wäg weychen, decedere de via Maaler 480ᵇ. ab weg thun: removere de medio, etwas verschleicken und ab wäg thuͦn Frisius 1140ᵇ; das die sachen nutzmal abweg getǎn (erledigt) und guͦter masz bericht syent dokumente z. gesch. des (Zürcher) bürgermeisters Hans Waldmann 2, 386 (1489); auch in der bed. 'umbringen' Frisius 1314ᵃ: könig Sigwert ... verliesz ... ein sohn ..., den understuͦnd der hauszmeyer Grimmwald ab weg zuthuͦn Stumpf Schwytzerchronik 315ᵃ; wie er nun die überbringerin abweg gebracht (entfernt) von seinen leuten Simpl. schriften 4, 48, 21 Kurz. ab weg sein: devius, das ab weg ist Dentzler 1, 863; von worten 'aus dem weg liegend, unangebracht' (s. th. 1, 149 Philander): die weil wir der Römer zuͦ gedencken kommen, ist nit ab weg, was ire gelerten von gott gehalten, zuͦ sagen Joh. Herold heydenweldt (1554) b 1ᵇ. bair. a' wég 'bei seite, weg, hinab' Schmeller 2, 875. Lexer 252.
β)
after wege oder wegen, mit verben der bewegung 'den weg entlang, auf dem wege' erhält sich nur bis ins 15. jahrh. (vgl. I, 3):
biginnet anascouwôn   thio frônisgon bluomon,
thâr liuti after wege gênt,   thio in themo akare stênt.
Otfrid 2, 22, 14;
recto tramite carpere callem, unde after rehtemo wege vadôn Notker 1, 50, 14 (Boethius 1, 31) Piper;
al eine reit er after wegen.
Eilhart v. Oberge Tristrant I, 18 Lichtenstein;
es gang ein merklich red affter wegen von des selben geltz wegen dokumente z. gesch. des (Zürcher) bürgermeisters Hans Waldmann 1, 301 (1487). meist hat sich mhd. die bed. 'hinweg' entwickelt:
nû vuoren after wegen
die noch gesunt wâren   ûf dem Wülpensande.
Kudrun 918, 2;
damite furens after wege
in die luft zu himile ho.
H. v. Hesler ev. Nicodemi 3778 Helm;
Flôre reit after wege
mit sêre und mit leide
sîne tageweide.
K. Fleck Flore u. Blanscheflur 1366;
dô nam ich zuo mir hundert degen
und huop mich dâ mit after wegen.
Dietrichs flucht 5554 Martin.
γ)
an weg legen s.an den weg.
δ)
aus weg gehen s.aus dem weg.
ε)
bei wege sein eig. unterwegs sein, dann auf den beinen, bei der hand, anwesend sein, praesentem esse, copiam sui facere Stieler 2454. die wendung ist in Thüringen üblich Regel 282, aber auch schon früh auf nd. boden bezeugt: nachdem (weil) das land jemerlich verheret und verwüstet was, fand er weinig folck bei wege. doch die er fand, unterrichtete er und tawffte sie Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 61 Gäbel. jetzt in Berlin Brendicke 192. litterarisch vorzugsweise von Berlinern (aber auch von Schlesiern) verwendet (weiter verbreitet ist das gleichbed. zu wege λ 4))): guten morgen, Catesby! ihr seyd früh bei wege Shakespeare 9, 204 (Richard III. 3, 2); sie ist schon früh um 4 uhr bei wege 'in thätigkeit' Regel; vater is nich bei wege 'ist nicht da' Brendicke; indem er ... das heute, der noch nicht 'bei wege' befindlichen wirthin wegen, nöthige eigne sieden des wassers zum kaffee sich allein aneignete Gutzkow zauberer von Rom³ 3, 6. dann auch 'bei guter gesundheit, wohlauf': da ich wuszte, dasz er nicht bey wege war, so liesz ich grusz ... melden und fand den patienten auf dem sofa liegend Zelter an Göthe 4, 432 (1827); 'kurfürstliche durchlaucht sind nicht bei wege', hiesz es gegen die fürnehmsten diener ... 'seine durchlaucht sind unpasz', sagte der doctor Alexis Dorothe (1856) 1, 208; jetzt bin ich schon wieder bei wege v. Holtei erzähl. schriften 1, 145; dasz der brave Haller, wiewohl ein urgreis dazumal, doch noch so weit bei wege war, um sich des geschäftlichen anzunehmen L. v. François ausgew. nov. 2, 24; sobald ich einigermaszen wieder bei wege bin, komme ich Fontane Effi Briest 167. gut bei wege 'in guter verfassung': wie befinden sich heute ihre vögel, herr revisor? ... die süszen thierchen sind gut bei wege v. Holtei gesch. v. menschen u. thieren 1, 169; guten tag, mutterchen. hoffentlich gut bei weg' Fontane I, 5, 136; er ... lächelte immer so gut bei wege vor sich hin Stinde familie Buchholz¹⁰ 184. im Mansfeldischen sagt man auch bei wǟje hann 'in bereitschaft haben', bei wǟje hōlen 'bereit halten' Jecht 120.
ζ)
in weg fallen, kommen, legen, setzen, stellen, treten, werfen s. in den weg. s. auch weg (adv.).
η)
in wege sein mhd. 'auf der fahrt sein':
ich pin alleʒan in wege,
witwen unde waisen
wil ich lôsen von ir fraisen.
kaiserchronik 5900 Schröder;
ich wil in kurzen zîten
in beteverte rîten
und bin vil lîhte lange in wege.
G. v. Straszburg Tristan 13691;
in wege laufen s.weg (adv.).
θ)
über weg gehen, laufen 'den weg entlang, des weges' nach dem nd. (mnd. over wech riden, wanderen Schiller-Lübben 5, 620) bei J. Möser: uns bleibt nichts übrig, als mit dem strome über weg zu gehen und uns zu bemühen demselben nur seine fernere ausdehnung zu verhindern patr. phant. 2, 62; unsre vorfahren, die immer, ohne viel zu speculiren, mit dem faden der erfahrung, über weg gingen, ... suchten ihre söhne bei hofe ... anzubringen werke 4, 21; ihre (der Germanen) schwere infanterie, denn sie hatten auch eine leichte, die wie bekannt, mit der leichten reuterey über weg lief über die deutsche sprache 28 Schüddekopf. über weg und steg sprengen u. dgl. ist allgemeiner verbreitet s. th. 10, ii, 1382. 83.
ι)
von wege gehen 'bei seite', vereinzelt in ält. sprache:
(ich) gieng von weg ain guͦte leng
in dem wald bisz an ain end eng.
mhd. minnereden 1, 3, 43 Matthäi.
von wege legen: ain kammer, darein man holcz und alle notdurft der reichen von weg leget städtechr. 2, 313, 2 (Nürnberg 1449).
κ)
unterwegen lassen, bleiben, sein s. unterwegen.
λ)
zu wege (meist jetzt zusammengeschrieben, doch schwankt der gebrauch noch) bringen steht in der neueren schriftsprache isolirt (Adelung führt noch zuwege richten an, das Heynatz 2, 683 verwirft), die ältere sprache und die mundartliche ausdrucksweise kennt noch eine reihe von wendungen mit zu wege. am reichhaltigsten sind sie im obd. entwickelt.
1))
zunächst zeigt sich noch engerer anschlusz an weg. zu wege (wegen) gehen: (der löwe) schrei in der borg, daʒ niemant ze wege torfte gen leben des h. Ludwig 18, 31; namentlich in der nd. Schiller-Lübben 5, 619 und md. rechtsprache: also gebürt auch dem obersten richter allein ... den partheyen für zu gebieten ... were er aber nicht innheimisch, oder dasz er sonst leibs schwachheit halben nicht zu weg gehen kündte, so mag er solchs einem andern richter an seine statt befehlen Frankf. reform. (1611) th. 1, tit. 7, § 4. weg wird so gern mit verwandten subst. verbunden: sie hat mit uns zw strosze gegangen in der stad, zu wegin und zu kirchen Magdeburger fragen 229 Behrend; besonders zu weg und steg (s. auch th. 10, ii, 1384): also als er selber zu dinge, zu ringe, zu kirchen, zu wegen unde zu stegen gehen mag ane menliche hulffe sächs. weichbildrecht glosse 269, 46 Daniels u. Gruben; daher sihet man, das vil leut ... ire testament, weil sie noch zu weg und stege gehen, mit guter vernunfft machen Mathesius Sarepta 208ᵃ; der patiente sich sehr wohl befand, dasz er den achten tag nach seiner verwundung wiederumb zu wege und stege gehen konnte polit. stockf. 290; vor seinem tode konnte er noch zu wege und zu stege gehen quelle von 1796 bei Müller-Fraureuth 2, 646ᵃ. zu wege in ähnlichen wendungen der alten sprache:
daʒ her huͦp sich ze wege.
Rolandslied 243, 34 Grimm;
ich kam ir ze wege   dâ sî gar eine gie.
Hadlaub 6, 1 (s. 5) Ettmüller.
weg als 'der richtige weg':
ih (Johannes) bin selbes boto sîn, fora imo ist botoscaf ouh mîn,
thaʒ ih fon niwihte   then liut zi wege rihte.
Otfrid 2, 13, 8;
Gâwein neigte ir und gie
wider ze sînem orse dan
dâ er eʒ vor hâte gelân,
und kêrte danne wider ze wege.
H. v. d. Türlin crone 15927;
die stîge sint mir abe getreten
di mich dâ leiten hin an dich.
mirn hülfe niemen wider ze wege,
ern hete mîn dienest unde ouch mich.
minnesangs frühling 182, 12 (Reinmar);
ich wil zo weghe widher (in der erzählung).
braunschw. reimchronik 2468.
mnd. to wege leyden Schiller - Lübben a. a. o. els. zweg gê 'gelingen' Martin-Lienhart 2, 802ᵇ.
2))
aus 'auf den rechten weg' oder überhaupt 'auf den weg' (wo etwas zur verfügung steht) entwickelt sich weiter die bedeutung 'zurecht, bereit, fertig, in stand'. so in zu wege legen, richten, rüsten, sammeln, schicken, suchen, tragen:
(die frau) legt im zu weg hosen und schu,
butzt, kehrt im ausz sein rock dazu.
H. Sachs 9, 455, 16 Keller;
darnach sind sie eylens gangen, haben ... ire bantzerhemder und bucklier zuͦ weg gelegt, damit sie gegen abent sich nit lang dörfften rüsten Wickram 2, 157, 19 Bolte; diese (stange) legte ich mir desz abends unvermerckt also zu wege, dasz ich sie, nach meinem belieben, unter dem thore, zum hofe hinausz ziehen kunte Happel Wittukind 1, 258; noch wurd er heüt nimmer zewegen richten, das er wider geschlagen werd Boltz Terenz deutsch 88ᵃ; die rustent sich angends mit iren panern und venlinen zuͦ wegen und besatzten ir leger nach aller notdurft Schilling Berner chronik 181;
ob dann schon ietzt der ketzer hand
viel übel zu weg gerüstet.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 234;
wird ihnen ausz keiner andern ursachen die kirche und regierung anvertrauet, als dasz sie ein wenig latein zu wege samlen können Schupp schriften 537; haben sie dar nach alszbald angehaben und die klag zuͦ weg geschickt und die sach für getragen Micyllus Tacitus 124ᵃ; darumb ... thuet (Moses) so merckliche predigten ..., suchet zu weg allerley wort und argument Luther 28, 565, 18 Weim. ausg.;
die strayffling und die hohen schuch
mir itzund bald zu wege such.
Rebhun Susanna 1, 206 Palm;
er ists: sucht nur das gelt zu weg.
Ayrer 2592, 30 Keller;
di rittirliche frolichkeid
mit loufin und mit springin
manig höbischis spel zu wege treid
mit schiʒin, werfin und ringin.
Rothe ritterspiegel 3443.
alem. kommt auszer zweg lege, zweg richte, zweg trage (zeitschr. f. d. mda. 1907, 316) auch noch vor zweg hâ 'bereit haben', zweg helfe 'beispringen, fördern', zweg mache 'zurüsten' (Gotthelf 19, 17), zweg stelle 'bereit stellen' Stalder 2, 484. Hunziker 290. Seiler 307. Martin-Lienhart 2, 802. 3. ironisch einen zweg nê 'hart mitnehmen', zweg lege 'hämisch beurtheilen' Stalder, 'vorrücken' Gotthelf 6, 193.
3))
zu wege kommen ist an der bekannten Tristanstelle wol 'auf den richtigen weg kommen':
Marke der zwîvelære
der was dâ wider ze wege komen.
sîn gesellîn diu hete ime benomen
beidiu zwîvel unde wân.
G. v. Straszburg Tristan 14015.
noch jetzt ist es im bair. herbei-, herzukommen Schmeller 2, 876. Schöpf 806 (s. o. 'begegnen' bei Hadlaub), so auch im folg.:
fein trieb ein bawr ein ledig pferdt
und einen esel sehr beschwerdt,
mit secken uberladen gar:
damit kam er zu wege dar.
Waldis Esopus 1, 88 (1, 52, 4) Kurz;
wir kommn auch wol wider zu wegn,
wir müssen itzund also fort.
Dedekind papista conv. B 3ᵃ (1, 2).
im alem. ist es 'aufkommen, sich erholen, gesund werden' Hunziker 290. Seiler 307. Martin-Lienhart 2, 802ᵇ, schweiz. auch 'fortkommen' Stalder 2, 484. allgemeiner verbreitet ist die bed. 'zu stande kommen', von personen 'womit fertig werden':
den rat er widerachte,
den mit falsche uf lachte
di gar ungetruwe liet.
er liʒ zu wege kǒmen niet
ir felslichen rede.
heil. Elisabeth 1382 Rieger;
(der vogt) mak erlauben wem er wil einen morgen zu leiszen uszer dem ban, daʒ die leser zu wege mogen kommen weisth. 5, 601 (Limburg 15. jahrh.); kam er dann zu weg, so fielen sie im drein, sagten, es weren wort, geschwätz, auszfluchten Huber gründliche antwort (1592) 231. von neueren hat es O. Ludwig: es kommen dadurch wunderliche miszverständnisse zuwege 5, 184; und statt der darstellung eines ungeduldigen eine trockne darstellung zuwege kommt 5, 434. er kann gar nicht zu wege kommen, heiszt es mehrfach in der umgangssprache: wie sollten doch solche (langsame) leute zweg kommen in der welt Gotthelf 19, 50.
4))
zu wege sein kommt als 'unterwegs sein' noch im österr. vor (vgl.A 2 d α 2))): es stellte sich jetzt heraus, dasz die beiden (wanderer) zu wege waren auf der brautsuche Rosegger schelm a. d. Alpen 2, 57. häufiger ist die bed. 'bei der hand, zugegen sein' (wie bei wege), die auch noch landschaftlich vorkommt: obvius, am wäg, wol zuͦ hand, oder zewäg Frisius 902ᵃ; also sy wulden zu tissche geen, do was dy liebe sente Elsebete nicht do zu wege. wanne sy warte der armen luthe mit oren almosen Stolle thür. chr. 84 Thiele; also giengen wir drein (in die moschee), wenn die heiden nicht zu wege waren Fabri eigendliche beschreibung (1557) 39ᵇ; die sanitätsbeamten waren nicht zu wege Moltke 1, 130. wie bei wege ist es dann 'gesund, munter', das kommt sowohl im alem. als im md. und nd. vor, namentlich gut zu wege: se is nog good to wege Dähnert 543. brem. wb. 6, 400; ich bin gutt zu wege jetzt wieder, mir fählt nischt! G. Hauptmann Rose Bernd 13 (akt 5). gegensatz elsäss. nit guet zweg si 'gefährlich krank sein'; ihr seid wohl selber jetzt schlimm zuweg, base? E. Zahn helden des alltags 14; übel z'weg Rütte zu Gotthelf 102. übertragen 'in gutem stand, verhältnis': von Berlin erfahre ich nichts, ich weisz nicht, ob wir mit Ruszland oder mit Österreich, mit Frankreich oder England gut oder schlecht zu wege sind L. v. Gerlach an Bismarck briefw. 323. schweiz. wol z'weg ist auch 'wohlhabend' (Gotthelf 21, 358). von dingen ist zu wege 'zur stelle':
eʒ weren stro, pailen, gras,
oder waʒ futers tzu wege was.
Ludwigs kreuzfahrt 3847;
schweiz. die sach ist mir zweg 'gelegen' Stalder; 'fertig': wenn dann das kaffee zweg sei, solle man ihn rufen Gotthelf 19, 189.
5))
zu wege bringen steht anfangs neben zu wegen bringen. im 15. und 16. jahrh. überwiegt durchaus zu wegen, das gilt auch für Luther (zu wege werke 10, iii, 285, 7, zu weg briefe 3, 121), Alberus, H. Sachs, Mathesius, Fischart (zu weg flöhhatz 86 neudr.); zuͦweg steht z. b. Boltz Terenz 89ᵃ, zu wege Rebhun Susanna 1, 206. es kommt auch noch ze wegen vor Decamerone 537, 12. Neidhart eunuchus 133. Steinhöwel Äsop 70. Berthold v. Chiemsee 478, ze wägen Gesners tierbuch durch Herold u. Forer 29. Frisius 26ᵃ u. ö. (neben zu wegen); daraus erklärt sich die in versen mitunter gesetzte form zwegen H. Sachs 17, 125, 5. Wickram 4, 207 (pilger 2478). 8, 164, 208, zwägen schweiz. schausp. 3, 187, 1242 (zwäg 3, 187, 1232). im 17. jahrh. herrscht zu wegen noch bei den Süddeutschen, so bei Spreng, Weckherlin, Albertinus, Harsdörffer, Rompler, Moscherosch, Grimmelshausen, auch bei dem Rheinländer Spee und dem Hessen Schupp (dieser hat auch zu wege), auch bei Norddeutschen kommt es vor z. b. A. U. v. Braunschweig Oct. 1, 96. Rist friedej. Deutschl. D 3ᵇ; die Schlesier (schon H. v. Schweinichen) und Sachsen dagegen entscheiden sich für zu wege, das um 1700 vollständig zur herrschaft gelangt ist; von wörterbüchern hat noch Dentzler zu wegen, sonst steht seit Kramer und Stieler zu wege. im 18. jahrh. erscheint zu wegen als alterthümliche (nicht mundartliche) form noch bei Schweizern: Bodmer v. wunderbaren vorr. 4. Haller Alfred 32, auch bei Wieland Agathon (1766) 3, 334. bewahrt ist die form noch jetzt im bair.-österr. dialekt Schmeller 2, 876 (zwegn, daneben zweg). Lexer 252. Unger-Khull 857ᵇ und tritt darum gelegentlich auch bei österreichischen autoren auf Hafner lustsp. 1, 76. Nestroy 3, 50. — entsprechend ndl. te weeg brengen; dän. bringe til veie, schwed. bringa till väga ist dem deutschen nachgebildet.
a))
im ältesten beleg zeigt sich die bed. 'auf den rechten weg bringen':
gab druhtîn antwurti   mit suaʒlîcheru miltî,
wolta thes biginnan,   thaʒ muat zi wege bringan.
Otfrid 3, 18, 58.
vgl.durch den neünden zun zuo wegen bringen Wackernagel altd. handwb. 398. aus 'auf den weg bringen' ist dann zunächst die bed. 'zur stelle bringen, aufbringen, zusammenbringen, sich verschaffen' hervorgegangen:
du solt bald vollenden,
nach deinen landsherrn senden
und zuͦ wegen pringen ain hör.
Friedrich v. Schwaben 5291;
dann David zwegen bracht ein heer.
Wickram 4, 207 (pilger 2478) Bolte;
das man das volk so ylend nit zuwege bringen moge Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 560 (1492); Salomo samlet im wagen und reuter, das er zu wegen bracht tausent und vier hundert wagen, und zwelff tausent reuter 2. chron. 1, 14; der künig mocht kaum dreihundert pferd und 13000 zuͦ fuͦsz zuͦwegen bringen S. Franck chron. Germaniae 136ᵃ; mit der grösten macht, so sie zuͦwegen bringen mocht Kirchhof wendunmuth 1, 13 Österley; also in eil zweyhundert schiff zuͦ wegen bracht Xylander Polybius 26; aber der von Baysen wolte nicht, bracht die ritterbanck zuwegen (berief sie ein) und gewan den see Hennenberger preusz. landtaffel 52;
ich hab sy (die köche) kaum zuͦ wegen bracht,
im gantzen land mit aller macht.
Th. Gart Joseph 912 Schmidt.
auch von einzelnen 'gewinnen': du woltest gern ain verschnitten haben ... ich bracht in zewegen (repperire) Neidhart eunuchus 133 Fischer; wie brächt ich zuͦwegen einen frummen und getrewen botten, zuͦ welchem ich mein vertrewen setzen möcht? Wickram 1, 143, 16 Bolte; einen falschen zeugen heimlich bestellen, und zuwegen bringen, subornare falsum testem Henisch 514, 54;
wann wer gott förcht, dem wird gelingen,
ein trewen freund zu wegen bringen.
H. Sachs 19, 24 24 Götze;
gute freund ... müssen durch treu und guten willen zu wege gebracht werden Schupp schriften 399. gern von frauen (s. auch b))): diern und frawen zu wegen pringen 'verführen' quelle des 15. jahrh. bei Schmeller 2, 876; derwegen gedacht ich auf alle mittel und weg, sie und ihr gelt zu wegen zu bringen Albertinus Gusman v. Alfarche 399. von thieren 'einfangen, erlegen': und schuf mit in, das sie fier jung der groszen adler zewegen brächten (capere curarent) Steinhöwel Äsop 70; die andern (elephanten) hetten sich in Siciliam hyn und her vergangen, die liesz er samlen und zuͦ wegen pringen, bisz er hundert und vier hett Schöferlin Livius (Mainz 1514) 96ᵃ;
ir ritter und knecht, merckt eben recht,
ob ich ein hirsch zu wegen brecht.
Forster fr. teutsche liedlein 92 (XXXI, 1).
von geld und habe: ob ein beschedigter sein hab, die ime unzweifelich zustunde, und durch diebstall oder raub entwent worden were, mit güte und unbenotter ding von dem thater widerumb zu wegen brechte (recuperaret) Carolina 214 Kohler-Scheel; Jacob hat alle unsers vaters gut zu sich gebracht. und von unsers vaters gut hat er solche reichthum zu wegen gebracht 1. Mos. 31, 1; du brachtest so viel gold zu wegen, als zihn Sir. 47, 20; 1549 ... ist die stadt Eimbeck ausgebrandt, hat man alhier 20 fl. erbeten und zu wegen bracht chronicon Islebiense 19 Gröszler; er (Melanchthon) wolle ihme (Luther) tausend gülden bey einem groszen herrn, deme ers (das buch) zuschreiben solle, darfür zu wegen bringen Schupp schriften 829; du armer schelm, so must du auch lange genug sammlen, ehe du zu einem kleide dreyer zu wege bringest Reuter Schlampampe 137 neudr.;
das man das lant aussawg und schecz,
darmit sie gelt zw wegen pringen.
H. Sachs 23, 56, 8 Götze;
der gfangen wolf (Spanier) merkt fleiszig auf,
denkt, wie er mit dem feind mach kauf
und zu wegn bring die ranzion (lösegeld),
dann sehr angst ist sein corason (herz).
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 407;
hett er nitt klainat, so wiszt er sy doch zu überkommen. aber ainen sollichen huͦt, den wiszt er nit zuwegen bringen Fortunatus 87 neudr.; das meiste almusen war brot ... deszgleichen brachte ich hin und wider vil alte kleider zu wegen Albertinus Gusman v. Alfarche 100; wie bringen wir aber die löwenhaut zu wege? Gryphius lustsp. 13 Palm (P. Squenz 1. a.); ich bitt, mir eilens ein schribzeüg zuͦwegen bringen wöllest und papir Wickram 1, 145, 7 Bolte; und mochte wohl leiden, dasz erfahren konnt werden, wie dasselbig buchlin erlangt und zuweg bracht und abgeschrieben ist worden Luther briefe 3, 121; ist daselbst ... gefunden worden ain ganz kupferen gegossen pild mit ainer schrift, die ich bisher nit zuwegn hab mögn bringen Aventin bayer. chr. 1, 723, 17 Lexer. von speise und trank: ey, schem dich solcher nichtigen speisz, sprach der weihe; sich vil mehr auff mich, wie ich guͦte junge hünlin und vögelin zuͦwegen bringe, und meinen hunger damit stille Kirchhof wendunmuth 1, 106 Österley; haben die gemeine schiffknechte sich unterstanden, auch ein becherlein aracka in der nacht zu wegen zubringen, ... aber es ward ihnen abgeschlagen Hulsius 2. schiffahrt³ 113. auch ein land udgl. zu wege bringen 'gewinnen':
mit gutem rath, witz und bedacht,
hat man Troja zu wegen bracht.
Ayrer 740, 5 Keller;
dan ja dein volck das land gar nicht durch eine schlacht
zu wegen bracht,
vil weniger durch sterck darinnen sich erhalten.
Weckherlin 1, 334 (ps. 44, 3) Fischer;
er solte ... was dan für güter dem reich von andern nationen entzogen worden, zum fürderlichsten wider zu wegen bringen Quadt von Kinckelbach teutscher nation herligkeitt (1609) 39; (Cleopatra) begehrte, er (Antonius) solte ihr das jüdische und arabische königreich überantworten; maszen zum teil auch geschehen, und er sehr vil provinzien und städte davon zu wege bracht v. Butschky Pathmos 268. von jemand etwas zu wege bringen: was wöllen ir mir schencken, das ich das pferd zuͦ wegen bring von dem pfaffen? Eulenspiegel 59 neudr.; eine geliebte von ihrem vater zu wegen bringen Aventin bei Schmeller; was hette er (Joseph) nicht von yhr (Potiphars weib) künnen zuwegen bringen und erwerben, das sie yhm heymlich geschenckt hette Luther 24, 635, 7 Weim. ausg.; dieweil ohne grosz blutvergieszen das buch von den jüden nicht könne zu wegen gebracht werden Ayrer processus 2, 10. die bed. 'sich verschaffen' lebt noch im obd. Schmeller 2, 876: sie hatten nämlich des guten zu viel gethan und so viel ware zuweg gebracht, dasz ein teil davon liegen blieb G. Keller 4, 239.
b))
einem etwas zu wege bringen 'verschaffen'. in der älteren sprache auch von personen:
zu deme redten sie (die juden) alsus,
er solt in ain kind zu wegen pringen.
Liliencron hist. volksl. 2, 14 (128, 29 v. j. 1475);
er würde meiner hertzogin sunder zweiffel einen kämpffer zuͦwegen bracht haben Wickram 1, 158, 25 Bolte; der mir ... einen ehrlichen trucker und vorleger zu wegen gebracht Sandrub hist. u. poet. kurzweil 8 neudr.; doch wir zweifeln nicht, dasz der beyfall einer so vernünftigen person uns nicht bald mehrere leser zuwege bringen werde die vernünft. tadlerinnen 2, 10;
durch meinen son Cupidinem
wil ich dir (dem Paris) sie (die Helena) zu wegen bringen
und sie zu deiner lieb bezwingen.
H. Sachs 7, 58, 12 Keller;
die eltern ... sprachen, er wol zu muͦt were; sie wolten sehen, wie sie im die jungfraw zu wegen brechten Montanus 16, 23 Bolte; ich setz, es wer ein ehe, die wer freundtlich und lieb an einander, und es wer ein hex da, dieselbig wölt den mann einer andern huren zuwegen bringen Paracelsus (1590) 258. von geld und habe: er (der teufel) wölle ... ihnen zuwegen bringen güter, reichthumb, wollüste, on ihre arbeit und zuthun Nigrinus von zäuberern 17; könnet ihr mir nicht auff diesen ring etwas zuwege bringen? Gryphius lustsp. 141 Palm (Horribilicr. 4. a.); dasz sie ihn bat, dasz er ihr gift zu wäge bringen solte, damit sie nicht in ein solches übel geraten müste Zesen Sofonisbe 52; weswegen er mit einem schneider practiciret, das derselbe ihm ein baurenkleid und sack zu wege gebracht v. Chemnitz schwed. krieg 2, 54. bair. sagt man noch z. b. da bringts mər ə n brandwei zwegng Schmeller; sie boshafte katz', sie hätt' mir heut bald schläg' zuwegen gebracht von der frau mutter Nestroy 3, 50. üblich geblieben ist die anreihung eines abstractums (wobei die bed. 'zu stande bringen' mit einwirkt):
und der von bösen raubern gar
hingrissen war,
dem bringstu hülff zu wegen.
Waldis psalter 56ᵇ (ps. 35);
ewers buhlen bart, vom eisen krausz gemacht,
der ihm jungfrawen lieb zuwegen hat gebracht.
Zinkgref auserl. ged. 52 neudr.;
der du nunmehr solch ding verübet,
das alle welt und see durchdringt
und dir solch lob zu wege bringt,
das man nicht bloszen menschen giebet!
S. Dach 532 Österley;
die bluhmen brachten dir ja vieler gunst zu wegen.
Roberthin Königsberger dichterkreis 9 neudr.;
und dir einen unsterblichen namen zuwege bringen wir! Liscov sat. schr. 417; so brachte mir dieses gesichte eine schlaflose nacht zu wege Schnabel Felsenburg 4 (1743) 312; ist die wahrheitsliebe alsdann keine pflicht mehr, wenn sie mir hasz zuwege bringt? Gellert 6, 87; eine lange reihe von wichtigen und einträglichen geschäfften haben ihm eine gewisse erfahrung und dreistigkeit zu wege gebracht Rabener 6, 9; einige stunden, in denen ich dem zug ausgesetzt war, brachten mir ein fluszfieber zuwege Göthe briefe 10, 256; brachte er mir einen rechtschaffenen dienst bey einer herrschaft zuwegen Hafner lustsp. 1, 76; mir brachte die sorgsame behand lung des fräuleins ... grosze gunst in den ... familien zu wege Immermann epigonen² 1, 95; gleichwol scheinen seine verdienste ihm höheren rang in der kirche und selbst die bischofswürde zuwege gebracht zu haben J. Grimm kl. schr. 3, 179. reflexiv:
Mäv bringt sich durch sein lehrgedicht
unsterblichkeit zuwege.
Pfeffel poet. versuche 1, 133;
vermittels ihrer andern geschicklicheit, die sie durch lernen guter künste ihnen zu wege gebracht Buchner anleitung z. d. poeterey 2; ein besonderer ehrgeitz flammte ihn (Philipp v. Macedonien) ie mehr und mehr an, sich durch grosze thaten ruhm zuwege zu bringen v. Fleming d. vollk. t. soldat vorber. 7; der ruf meines vaters, den er sich als ein geschickter sterndeuter zuwege brachte Novalis 4, 236 Minor; und so brachte sich Sixtus so viel neue einkünfte zu wege, dass er in den Monti eine anleihe von drittehalb millionen scudi gold ... aufnehmen ... konnte Ranke 37, 306.
c))
dann ist es 'zu stande bringen, fertig bringen'. früher auch von concreten 'herstellen', was jetzt nur selten vorkommt: wie es (das wagebälklein) dann nicht alle schmiedt ... von einem stück zu wegen bringen Ercker beschr. aller mineral. ertzt 36ᵇ; ich doch nicht genugsamb bin, ein tröpfflein bech zu wegen zu bringen Harsdörffer gesprechsp. 2, 69; unsere herren abodecker, mit einem glasz voll trüben wassers ... können das beste gemüntzte ungarisch gold zuwegen bringen Philander 1, 452; es kann der saft von den ringelblumen auf gleiche weis zuwegen gebracht werden, wie der wermutsaft Tabernaemontanus (1664) 713; dasz dieser wald durch kunst zuwege gebracht wäre J. E. Schlegel 3, 78; (schneiden) in die haut und legen alsdann ein besonderes kraut drauf, welches die eigenschaft hat, beim heilen eine erhabne narbe zuwege zu bringen G. Forster 2, 213; wo wir ... uns zusammen ein abendessen bereiteten, und du dich einmahl so herzlich freutest ein gericht zwetschen glücklich zu weg gebracht zu haben Caroline 1, 5 Waitz; wenn er wollte, könnte er auch einen kunstschreiner vorstellen und würde einen richtigen schrank zuwegebringen Immermann 1, 124 Hempel. so noch gewöhnlich im schweiz.: der weidgang bringt einen gar langen misthaufen, aber keinen breiten und hohen zuwege Gotthelf 1, 345. von abstracten ist es auch jetzt allgemein üblich als 'bewirken', obgleich zu stande bringen (das den erfolg der handlung deutlicher hervorhebt) vorgezogen wird:
daʒ ich mit dutisker rede   daʒ buch bræchte her ze wege.
Wernher Maria, fundgruben 2, 148, 41;
dann welch (frau) wol wil, die duͦt selb recht,
welch ubel wil, die macht bald schlecht,
wie sie zuͦ wegen bring all tag
ir bösz fürnemen und anschlag.
Brant narrenschiff 32, 5;
darzuͦ ich mich hab so bedacht,
wie diser anschlag zwäg werd bracht.
schweiz. schausp. 3, 187, 1232;
es ist ein groser gottessägen ...
wan jemand seinen aignen hert (hausstand)
bringt ohne bösen list zuwegen.
Rompler v. Löwenhalt reimgetichte 38;
o herr! erbarme dich mein,
und bracht' ich böses zuwege,
mein sei die busz' allein.
v. Droste-Hülshoff 2, 435 Kreiten;
du ... habest durch deine klugheit und verstand solche macht zu wegen bracht, und schetze von gold und silber gesamlet Hesek. 28, 4; der oberheubtmann antwortet, ich habe dis bürgerrecht mit groszer summa zu wegen gebracht. Paulus aber sprach, ich bin auch römisch geborn ap.-gesch. 22, 28; gesegeten einander mit den huptschsten worten, die si zu wegen bringen mochten Wilwolt v. Schaumburg 63; weil nicht allein die tugend, sondern auch das glück durch die arbeit zu wegen gebracht wird Lehman (1662) 4, 42; man kan mit vermahnung und guter erinnerung keine ehre einlegen oder einige freundschafft zuwege bringen Olearius poet. baumgarten 4, 24; wie wir denn insbesondere anmercken können, dasz unser poet ... die erhabenheit viele mahle in solchen stücken zuwegengebracht hat Bodmer v. d. wunderbaren vorr. 4; besitzest du ... einen zaubertrank von der art derjenigen, womit die Medeen und Circen der dichter so wunderbare verwandlungen zuwege bringen? Wieland 1, 84; Milton ... brachte tagelang oft nur wenige verse zuwege Herder 24, 287 Suphan; dieser entschlusz brachte in der stadt eine menge fröhlicher schmäuse zuwege Bürger 253ᵃ; der violette saum indessen bringt, verbunden mit dem gelbrothen des bildes, eine pfirsichblüthfarbe zu wege Göthe naturw. schr. 1, 111 Weim. ausg.; nach einem mehr als vierzigjährigen kampfe bedurfte es der arbeit von drei jahren, um nicht einen frieden, sondern nur einen ... waffenstillstand zu wege zu bringen Moltke 2, 25. anschlusz eines dasz - satzes kommt häufig vor: Gannellon brăcht sovil zewägen mit siner zentzlery, daʒ er wyder berüeft ward Morgan 142, 15 Bachmann; künd ers zu wegen bringen, das er das feyne liecht der warheyt ... zu schanden mache Luther 18, 110, 1 Weim. ausg.; zu Soltwedel hats ein solcher bösewicht bey einem eheweibe zu wege bracht, das sie ihn lieb gewonnen Pape bettel- u. garteteufel L 3ᵇ; das ist ein weiser fürst, der zu wegen kan bringen, dasz ihne sein unterthanen lieben und ehren Lehman (1662) 1, 20; das schlimme wetter, ihr anhaltendes bitten und vielleicht auch ihre gute miene brachte zu wege, dasz sie eingelassen wurden Wieland 3, 220;
dasz ich itzt richter bin, ...
das hat ein gläsgen wein und geld zu wege bracht.
Neukirch ged. 148.
anschlusz eines inf. mit zu ist selten:
doch fleisz, gedult und zeit hat stets zu wege bracht,
den lorber-reichen krantz der tugend auffzusetzen.
v. Lohenstein 1, Ibrahim sultan 36.
sprichwörtlich:
gott preisen soll jederman,
wers nur zuwegen bringen kan.
Henisch 514, 52;
hart anhalten, wirt zuletzt etwas zu wege bringen 514, 53.
b)
das subst. mit artikel.
α)
ab dem weg (daneben ab weg sp. 2882) gehen, treten, kommen, nur bei Oberdeutschen (zuletzt bei Dentzler angeführt): aberrare, ab dem rechten wäg gon Frisius 5ᵃ; er ab dem wege in ein altes gemeüer ginge Decamerone 86, 22 Keller; darumb mit hilffe des werckmaisters aller ding, so gang nit ab dem weg Braunschweig chirurgia 40ᵇ; ist er von stund an ab dem weg getretten, hat sich seins glücks ubernommen Xylander Polybius 230; excutimur cursu, wir sind ab dem rechten lauff kommen oder ab unserem wäg Frisius 358ᵃ;
als bald die katz kumbt ab dem weg,
so wellen wir dapffer mausen.
Forster fr. teutsche liedlein 31 (XLV, 2) neudr.
ab dem weg thun: hausgerät, das in verstoln oder ab dem weg getan wär von den ehalten rechtsbuch bei Schmeller 2, 875; so muͦsz ich vorhin ein künftige zuͦfallige lesterung ab dem weg thon Eberlin v. Günzburg 3, 259 neudr. auch 'vernichten, umbringen': da er nun ... den unrüwigen auffrürischen theil des heers ab dem weg gethon Xylander Polybius 6; also nennet der den leuten vergibt das gifft ein guͦt gifft, das den leuten bald ab dem wege hilfft Petrarche trostbücher 181ᵃ.
β)
an den weg gehen, treten, früher für 'sich aufmachen': wast ewer fúsz und fruͦ get an ewern wege (vulg. in viam) Mentels bibel, 1. Mos. 19, 2;
so muʒ ich an den wec treten
unde kumen hin zu dir.
väterbuch 11888 Reiszenberger;
vgl.: rihte mih an den rehten weg (dirige me in semita recta) Notker ps. 26, 11. dagegen zu weg in engerem sinn: da gieng der prophet hin, und trat zum könige an den weg, und verstellet sein angesieht mit asschen 1. kön. 20, 38;
er (Mahomet) kommt
mit Ali, Pharon, Ammon; alles volk
stürzt, ihn zu sehn, an seinen weg.
Göthe 9, 297 (Mahomet 2, 2) Weim. ausg.
an den weg setzen (um von allen gesehen zu werden): daʒ sie ire junkfrǒwen seczten an den weg und porten des meres Steinhöwel de claris mul. 44 Drescher; er solt in frawen an den weg setzen, die abgötter anbeteten, und so die kinder Israel für zugen, so würden sy mit in kosen, und dann fallen in sünd aus begir Keisersberg ausgang der juden 1510 L 3ᵃ. entsprechend an den weg legen (wo man es findet): drumb hat got den schatz nit ann weg gelegt, sonder in acker verborgen S. Franck sprichw. 1, 113ᵇ;
tugend ist desz neides mutter; um der lieben mutter wegen,
sie zu haben, lasse keiner ihm das kind an weg was legen.
Logau 3, 4, 58 (s. 501 Eitner).
dagegen im folg. wie in den weg legen: das kynde ist eyn ergerlich bylde, ein klocz an den weg gelegt, daran sich alle klugen uberwerffen sollen Luther 34, ii, 324, 24 Weim. ausg.;
ich streich im (dem feinde) an seyn hossen dreck
und leit im heimlich steyn an wegk.
Murner schelmenzunft 9, 20 neudr.
an den weg fallen: und in dem er seet, fiel etlichs an den weg, da kamen die vögel und fraszens auff Matth. 13, 4.
γ)
am wege (zu weg 1) liegen, sitzen, stehen:
ûf des waʒʒers stade lac
an dem wege ein capelle.
H. v. Freiberg Tristan 3163 Bernt;
am wege liegen, viam tangere Nieremberger; wenn edelleute am wege liegen (wegelagern) Alexis hosen⁸ 99; wo ist die hure, die auszen am wege sas? 1. Mos. 38, 21; zween blinden saszen am wege Matth. 20, 30; (die begleiter einer leiche) musten ouch flee und dy lich lossen an deme wege steen Stolle thür. chronik 243 Thiele;
wenn ... das reh am wege
steht und traulich um sich schaut.
v. Salis ged. 43.
am wege liegen 'nicht weit ab liegen': doch nach dieser kleinen abschweifung, die aber hart an unserm wege lag, ein wort zur erklärung der oben erwähnten erscheinung Arndt schriften 2, 227; wie sollte ich es nennen? ... am wege lag die bezeichnung 'praktisches denken' H. Maier psychol. des emotionalen denkens III; er hatte gröszere reisen gemacht, hatte einiges erlebt, vieles gesehen und allerlei gelesen, auch was nicht gerade am wege liegt Freytag handschrift 2, 125. am wege liegen, stehen kommt aber auch im sinne von im wege liegen, stehen, hinderlich sein, vor: es liegt ein berg am wege, impendet itineri Steinbach 2, 954; nach leyt yhn viel am wege, das Joannes und Christus gnug zu thuen haben Luther 29, 626, 26 Weim. ausg.; der tütschen erberkeit, fryheit und gnuͦgsame understat Ulrich von Hutten mügliche fürderung zuͦ thuͦn, aber die curtisanen ligen im am wäg Eberlin v. Günzburg 1, 7 neudr.; denn doctor Martin Luther, und etliche getrewe seyne helffer, haben das gröste und schwereste abgehawen, das am wege lag 3, 225; solte mir aber kron und zepter am wege stehen oder unfähig machen, könte ich mich noch wol überwinden, dasz ich mich ihrer enteuserte v. Lohenstein Arminius 1, 156ᵇ; so standen ihm doch Inguiomer und andere anverwandte ... am wege 2, 1096ᵇ. am wege sein 'auf dem wege', nur in der älteren sprache: dâ sî des nahtes an dem wege sîn statuten des d. ordens 50, 10 Perlbach; do fúrlief der hund der do entzampt was gewesen an dem wege (in via) Mentels bibel, Tob. 11, 9; es was wol etwas sorg am abend, wie das etwas am weg were, wusset aber niemet, wa ausz quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 32 Baumann. schweiz. kommt am wäg sy auch für 'im wege stehen' vor zeitschr. f. d. mda. 1907, 313 (Habkern bei Interlaken).
δ)
auf den weg erscheint in zahlreichen verbindungen.
1))
an weg im engeren sinn schlieszt sich auf den weg fallen (nach Matth. 13, 4, bei Luther an den weg):
dasz bald ein korn, des zufalls leichtes spiel,
hier auf den weg, dort zwischen dornen fiel.
Göthe 2, 147 Weim. ausg.;
diese feine anspielung auf professor Schleiermacher ... fiel natürlich bei uns ganz auf den weg Gutzkow zauberer v. Rom 5, 270. auf den weg legen u. dgl.: aber viel volcks breitet die kleider auff den weg; die andern hieben zweige von den bewmen, und streweten sie auff den weg Matth. 21, 8;
dannoch ist der wegewerender mêre:
nît unde haʒ die hânt sich ûf den wec geleit.
Walther 26, 20;
eim uf de weg sten 'auflauern' Martin-Lienhart 2, 799ᵃ; einem auf den weg lauren, ihm hinterlistig aufpassen, to way-lay one Ludwig 2406.
2))
zu weg im allgemeineren sinne gehört sich auf den weg begeben, machen u. dgl.:
darnach do er geʒʒen hete
unde sich uf sinen wec irhub.
väterbuch 18683 Reiszenberger;
Joseph sich uf den wec bot
unde dachte wanderen anderswar.
passional 36, 55 Hahn;
der abt mit seiner schönen gesellschaft sich wider auf den wege füget (rientrò in cammino) Decamerone 70, 36 Keller; gegen den angesetzten rechtstag gen Lubeck gab sich mein vatter auf den weg, nam mich mit Sastrow 1, 93; er begab sich auf den weg nach Frankreich Göthe 46, 27 Weim. ausg.; ich begab mich daher auf den weg, und zwar allein Grillparzer 10, 155;
Gâwein sich ûf den wec lie,
der in ze næhest an gie.
H. v. d. Türlin crone 14568;
sich auff den wäg lassen, committere se viae Maaler 480ᵇ; iter corripio ... ich wil davon, wil mich uff den weg machen Alberus dict. V 3ᵇ;
ich wil die reysz antreten,
mich machen auf den weg.
Reinicke fuchs (1650) 369;
so aber musz ich mich noch heute wieder auf den weg machen Lessing 1, 307 (die juden 2); damit sie desto eiliger sich auf den weg machen Göthe 25, 80; ich mache mich auf die wege, und habe nicht länger zu passen 12, 26 (Jery u. Bätely). auf den weg kommen:
sî was ûf den wec komen:
êhaftiu nôt hât irʒ benomen,
wan sî leider ûf der vart
von der reise siech wart.
Hartm. v. Aue Iwein 6041;
den andern tag um 10 uhr fuhr ich fort, um früher auf den weg zu kommen als der regen J. Paul briefwechsel 39 Nerrlich. übertragen (auf guten, rechten weg): mir ein klein müe wer durch eüer lere ... auf den wege ze komen ... der uns zuͦ der ewigen freüde und selikeit fürt Decamerone 217, 27 Keller; aber wir müssen endlich von diesem umbschweiff wieder auff den rechten weg kommen Morhof unterricht v. d. deutschen sprache 1, 79; Rousseau und andre sind hier halb auf den weg gekommen, indem sie die prosodie ... vom geschrei der empfindung herleiten Herder 5, 58 Suphan; ich ... hoffe ... wieder auf den guten weeg zu kommen Göthe briefe 5, 83;
so wissen wir, gewitzigt, helles volk,
mit krümmungen und mit verstecktem angriff
durch einen umweg auf den weg zu kommen
(by indirections find directions out).
Shakespeare, Hamlet 2, 1;
sein (Rousseau's) höheres intellectuelles streben ist aber nie zu einer wahren entwicklung und auf den rechten weg gelangt F. v. Schlegel 2, 137.
3))
auf einen weg führen, richten, leiten, weisen, stellen, bringen: einen auff den wäg fuͤren, den wäg zeigen oder weysen, inducere in iter Maaler 480ᵇ;
was hat ... für ein stern regiert,
als er, o Damon, dich auf meinen weg geführt?
Neukirch ged. 132.
übertragen (auf guten, rechten weg): in kurtzer zeyt er und Reinhart das gantz hoffgesind auff einen andren weg richten theten Wickram 1, 206, 17 Bolte; und ward endlich die sache gütlich zwischen den brüdern vertragen, und auff die wege gerichtet Cyr. Spangenberg mansfeldische chronica 1, 92ᵇ; ich ir zuͦ lieb har brocht hab einen geystlichen und andächtigen vatter (mönch), der sye sunder zweiffel auff ein säligen weg leiten und weisen würt Wickram 1, 164, 6 Bolte; wan sich die natur nicht selbst auf einen bässeren weg wil leiten lassen Zesen Helikon 1, 96; Cöln muszte von österreichischer seite gewarnt werden, es möge sich nicht auf unrechte wege leiten lassen Ranke 1, 244;
Leicester. ihr überlegt nicht, hört nicht, werdet alles
mit heftig blindem ungestüm zerstören,
was auf so guten weg geleitet war.
Mortimer. wohl auf den guten weg, den ihr gebahnt?
Schiller 12, 479 (M. Stuart 2, 8);
so wiset es hie den menschen ... uf den rechten weg Seuse d. schr. 4, 14 Bihlmeyer; in deutscher sprache wird er (Horaz) also vielen verständlicher seyn, und auch anfänger auf einen guten weg weisen Gottsched crit. dichtkunst 7; wenn ich nicht irre, so wollte er uns blosz durch einen fingerzeig auf den rechten weg weisen Göthe 21, 270 Weim. ausg.; dasz jeder nachdenkende, der dieses werk nicht blos als einen kindischen zeitvertreib betrachten und lesen will, ... wenigstens auf den weg gestellt sein wird, dasz er nun selbst weiter gehen ... kann Lavater physiogn. fragmente 1, 270; wenn er sieget, wolt er sein sun wol uff ein weg bringen S. Franck chron. Germaniae 127ᵃ;
das volck hangt im (Jesu) gar hefftig an.
ausz kundtschafftt würdt man wol verstahn
sein ubel faltsch räth und anschläg,
damit ers brecht uff seine wäg (auf seine seite).
Freiburger passionsspiele 127 Martin;
desz himmels götter manigfaltig
seyen jetzt eins und nit zwyspaltig,
Juno die göttin wol bedacht
hab sie auff ihren weg gebracht.
Spreng Ilias 13ᵇ;
deine neuen freunde sollen gepriesen sein, da sie dich auf den rechten weg gebracht haben Göthe 23, 136. einem (früher auch einen) auf den weg helfen: die namen der völcker selbst sind bey den alten sehr verderbet. ich habe mich aber bemühet alle, auch die geringsten spuren, die den leser auf den weg helffen können, zu bemercken Mascov gesch. der Teutschen (1726) vorrede 4ᵃ; enen up'n weg helfen 'beförderlich, seyn, dasz man fortkommt' Dähnert 543.
4))
etwas (mit) auf den weg geben, nehmen:
wir geben ...
euch den wunsch auf den weg.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 217;
Joseph thet befelh, das man ... ir (der brüder) geld wider gebe, dazu auch zehrung auff den weg 1. Mos. 42, 25; ich musz dir doch noch eine dachtel mit auf den weg geben (will sie wieder schlagen) kunst über alle künste, ein bös weib gut zu machen (1672) 50 Köhler; sie wolte mir schon ein stück geld mit auf den weg geben Reuter Schelmuffsky 12 neudr.; dasz sie derselben viele gute lehren mit auf den weg gegeben haben müsse Rabener 1, 191; (er) betrachtet die ärmlichen pfennige, die ihm das mitleid auf den weg gab Hölderlin 2, 69 Litzmann; als ... alles sich dem sarge zudrängte, um der todten noch eine kleine gabe ... mit auf den letzten weg zu geben Stahr ein jahr in Italien² 1, 33; Jesus ... sprach zu inen, ir solt nichts mit euch nemen auff den weg, weder stab noch tasschen Luc. 9, 3; der rittmeister ... entliesz den bedrohten gefangenen mit einigen hieben, die der kerl so eilig mit auf den weg nahm, dasz man ihm seinen hut mit groszem lustgeschrei nachwarf Göthe 33, 24 Weim. ausg.;
(Brunhild zu Siegfried)
geh', geh'! dein täubchen girrt.   was zögerst du?
doch dies nimm auf den weg: ich hasse dich.
Geibel 6, 58 (Brunhild 3, 4).
ε)
etwas liegt auf dem wege, übertragen: es lag auf meinem wege, die nachtheilige richtung des zeitcharakters ... aufzudecken Schiller 10, 292; das würde eine eigne abhandlung erfordern, die jetzt nicht auf unserm wege liegt F. v. Schlegel 6, 149. auf dem wege gehen, wandeln (vgl.C 1 c): wenn du in deinem hause sitzest, oder auff dem wege gehest 5. Mos. 6, 7;
gib, dasz wir heute
herr, durch dein geleite
auf unsern wegen unverhindert gehen.
P. Gerhardt Fischer - Tümpels kirchenl. 3, 323;
alsdann wandelt die kunst auf dem rechten wege zum ziel Göthe 48, 13 Weim. ausg. auf dem wege bleiben: ein yetlicher bleibe auff seinem wäg Frisius 709ᵃ; sy beleyben auch nit lang auf ainem wege, sonder sy erdichten täglich etwas newes Berthold v. Chiemsee t. theologey 115; ich liesz mich nicht irre machen und blieb auf meinem wege (bei meinen studien) Th. v. Bernhardi jugenderinn. 139. in reicher entwicklung auf dem wege sein; zunächst 'unterwegs':
der bott der ist schon uff dem weg.
Brant narrenschiff s. 3, 82 Zarncke;
die aber noch uf dem wege sint ze der himelschen Jerusalem St. Georgener prediger 308, 27 Rieder; sey wilfertig deinem widersacher bald, die weil du noch bey im auff dem wege bist Matth. 5, 25; er wollte nicht kommen, und wir wuszten doch, er war auf dem wege Göthe 8, 23 (Götz 1) Weim. ausg.; ein zu grund gegangener barometermacher ... welcher schiffbruch gelitten und auf dem wege ist, sein glück zu suchen Raimund 1, 5 Glossy u. Sauer;
doch keine schenke sehn sie prangen,
sie sind auf gradem weg nach haus.
Uhland ged. (1898) 1, 245.
auch auf dem wege begriffen sein: wenn einer auf dem weg oder rückweg von dem herzog begriffen war und miszhandelt wurde M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 368;
wir sind begriffen auf dem weg nach Rheims.
Schiller 13, 267 (jungf. v. Orl. 3, 4).
übertragen 'in der entwicklung zu etwas sein': wenn Deutschland so fortmacht, wie es bereits auf dem wege ist, ... so kann mit der zeit auch noch aus Deutschland was gutes kommen Schiller 2, 82 (räuber 2, 3 schausp.); dasz ... die verhältnisse ... auf dem wege zum besseren seien Mommsen röm. gesch. 2, 42. mit angeschlossenem gen.: der patient (war) bald auf dem wege der besserung Göthe 22, 57; meine behauptung geht dahin, dasz die musik ... in Deutschland auf dem wege der verschlechterung sei Grillparzer 9, 91. auf dem rechten, guten wege sein:
vil meynen syn uff rechtem weg
die doch verirren an dem stäg
der zuͦ dem rechten leben fuͤrt.
Brant narrensch. 107, 9
im gegentheil, wir sind auf rechtem wege!
Göthe 2, 16 Weim. ausg.;
die sach ist auff guͦten wägen, res est in vado Maaler 481ᵃ; ich glaube, unsre sache ist auf einem sehr gutem wege Lessing 1, 350 (misogyn 1, 4); wir sind auf einem guten wege, sagte Serlo einst, und wenn wir so fortfahren, wird das publikum auch bald auf dem rechten seyn Göthe 22, 232; sie sind glücklich, ... ihre häuslichen angelegenheiten sind in guter ordnung, auf gutem weege briefe 8, 12; ich höre zu meiner beruhigung, dasz der kleine wieder auf gutem wege ist 12, 298;
alles war
auf gutem weg — sie (die Pappenheimer) waren halb gewonnen.
Schiller 12, 304 (Wallenst. tod 3, 16);
sie sehen, er ist auf dem besten wege Lessing 1, 283 (d. junge gelehrte 8, 9). mit angeschlossenem inf.-satz mit zu, 'in gutem zuge, im begriff sein': auf dem weg seyn etwas zu thun, esser' in tratto a far qualche cosa Krämer 1215; du bist nun auf dem wege dein glück zu machen Klinger 6, 301; da sie einmal auf dem wege sind mir wohlzuthun Göthe 24, 205; allgemeine begriffe und groszer dünkel sind immer auf dem wege, entsetzliches unglück anzurichten 42, ii, 169; reden sie nicht aus mein herr. sie sind auf dem wege sich etwas entsetzliches zu wünschen Schiller 3, 447 (kab. u. l. 3, 6); er müsse ihm inzwischen versichern, dasz sie bereits auf dem wege sei, eine andere wahl zu treffen H. v. Kleist 3, 279 E. Schmidt; als die väter (die Jesuiten) zuerst nach Deutschland hinüberstiegen, war das ganze deutsche volk auf dem wege protestantisch zu werden Freytag 20, 6; er ... war auf dem besten wege, eine glänzende juristische carrière zu machen Laube 8, 63; im innersten ergriffen, schmückte ich denjenigen (sarg) meines gottbegnadeten jüngers, der auf dem besten wege gewesen. mein meister zu werden v. Ebner-Eschenbach 4, 258. ironisch: mein fräulein, lassen sie mir noch heute meinen gesunden verstand, ... sie sind auf dem besten wege, mich darum zu bringen Lessing 1, 579 (Minna v. Barnh. 4, 6); ja, freund, ich bin auf dem besten wege, in untersuchung gezogen zu werden Gutzkow ritter vom geiste² 3, 157. etwas ist auf dem wege, im anzug, sein eintreffen steht bevor: entdecken sie mir auf ihr gewissen, wie es mit meiner armen frau werden wird. der doctor spricht, es könnte der friesel auf dem wege seyn Gellert 3, 397 (kranke frau 6); wie ich diesen abend bey dem minister ausgespäht habe, so ist etwas auf dem wege, das dich anschaulich von seinem werthe überzeugen wird Klinger 3, 127; dasz ihr zuletzt kein zweifel übrig blieb, hier sey eine leidenschaft nicht auf dem wege, sondern wirklich angelangt Göthe 20, 120; es ist eine böse sache um den ärger, wenn er einmal auf dem wege ist 25, 147; Karl. als für Klaras weiszes kleid gespart wurde, da kam monate lang nichts leckeres auf den tisch. ich drückte die augen zu, aber ich wuszte recht gut, dasz ein neuer kopfputz oder ein anderes fahnenstück auf dem wege war Hebbel 2, 12 (M. Magdalena 1, 2). sprichwörtlich: wat up'n wege is, dat blift nich ute, was vom schicksal bestimmt ist, musz sich erfüllen Schambach 291.
ζ)
aus dem wege in zahlreichen verbindungen.
1))
aus dem wege gehen, treten, weichen (im schweiz. auch ohne artikel us wäg go Seiler 307. Hunziker 289, auch oberhess. kommt aus wêg gên vor Crecelius 898, dazu das adverbielle auʒweges K. v. Megenberg 154, 25):
kannst dem schicksal widerstehen,
aber manchmal gibt es schläge;
will's nicht aus dem wege gehen,
ei! so geh du aus dem wege!
Göthe 2, 283 Weim. ausg.;
der fantast, der sich gläsern bedunckt und die leut aus dem weg gehn his Fischart podagr. trostb. 31 Hauffen; geht aus dem wege! machet platz oder raum! make way! Ludwig 2403; auch mit weglassung von gehen: ausz dem weeg, was geringe leuth sind Henisch 1518, 37;
aus dem wege, wurm! ich schlage dir die kniee sonst entzwei!
Platen 290 (Oedip. 3);
(Simson) trat aus dem wege, das er das asz des lewens besehe richter 14, 8; die eselin weich aus dem wege 4. Mos. 22, 23;
dô die von Beier lande   wichen ûʒ dem wege,
dô hôrt man nâch hellen   die freislîchen slege.
Nibel. 1556, 1;
und usz dem weg ein wenig wychen,
das keiner nit den andern tret.
Murner narrenbeschw. 60, 43.
'vom rechten weg abweichen': bittende mir ze vergeben, wa ich in lychtfertikait ze wyt wäre usz dem weg gegangen Steinhöwel Äsop 343 Österley; aber in disen unsern zeyten gedunckt mich in ander weg zuͦ procediern sey, doch dardurch nit aus dem weg der alten zuͦ gen Serlius reglen der architectur (Antwerpen 1542) a 2ᵃ;
daʒ ich iht uʒ der wege var.
erlösung 907 Bartsch;
ich vürhte daʒ man noch sehe
und hœre, daʒ er spottes pflege;
diu schult ich ûf in selben lege,
tritet er iergent ûʒ dem wege.
H. v. d. Türlin crone 29908;
denn ich weis, das irs nach meinem tode verderben werdet, und aus dem wege tretten, den ich euch geboten habe 5. Mos. 31, 29; Alcibiades ... liesz sich auch wohl an, solange ihn Sokrates regierte, hernach trat er aus dem weg Brucker kurtze fragen a. d. philos. historia 1 (Ulm 1731) 480 (getadelt von Heynatz 2, 618); wer in (den herrn) aber veracht, der weicht aus seinem wege spr. Sal. 14, 2. einem (auch einer sache) aus dem wege gehen u. s. w.: eim truncken man sol auch ein fudder haw aus dem wege gehen Luther 19, 418, 1 Weim. ausg. (vgl. Follmann 534); ist einer unschuldig gefangen oder getödt, (sagen die liebedienerischen höflinge) ist er dem gächzornigen herrn nicht ausz dem weg gangen Kirchhof wendunmuth 1, 64 Österley; geh mir aus dem wege, ich bin nicht in der besten laune Platen 183 (gläs. pant. 3); ich bin immer den gelehrten aus dem wege gegangen Heyse nov. 1, 90; ausz dem weg gehen dem unglück, declinare mala, a malis Dentzler 2, 344; wer allen bekanntschaften aus dem wege geht v. Holtei erzähl. schriften 2, 14; weil die mutter selbst mit groszem ernste allem aus dem wege ging, was sich nicht schickte Stifter 5, 1, 353; so ging jetzt die ... diplomatische welt allen den unfertigen neuen ideen der zeit ängstlich aus dem wege Treitschke d. gesch.³ 1, 598;
artigen leutseligkeiten
gehe schweigend aus den wegen.
Storm (1872) 1, 117;
die welt hatte von bösen liebschaften und von noch schlimmerem umher geschwatzt, welchem damals gewisz kein jüngling tapferer aus dem wege lief als grade ich Arndt 1, 65; 'er und die übrige welt müsten ... ihren tugenden aus dem wege treten v. Lohenstein Arminius 1, 433ᵃ; reich oder voller schulden, er (der adlige) fährt in einer carosse, der emsige kaufmann musz ihm aus dem weg treten C. F. v. Moser beherzigungen (1763) 67; jetzt erscheinst du wie ein wassersturz, dem ich erschrocken aus dem wege trete Tieck 6, 254; einen bauern, so im (dem Faustus) nicht wolte ausz dem wege weichen Nigrinus von zäuberern 28; des Galba einzug in Rom darauf erfolget, deme ich nicht dorfte aus dem wege ziehen A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 302; die leut schleichen der arbeit gern auszm weg Lehman (1662) 1, 46; es giebt augenblicke ... welche ... geschminkte wangen plötzlich bleichen. aber solchen augenblicken musz man aus dem wege eilen A. W. v. Schlegel 2, 289;
sie stunden im do ausz den wegen,
ir keiner dorst in do nit fregen.
pfarrer v. Kalenberg 5, 89 neudr.;
schon ist der berge purpurglut verglommen,
und zitternd flieht des tages letzter strahl
der nacht schon aus dem wege.
Lenau ged. (1857) 1, 125.
bair.-öst. einem schuldner aus dem weg halten, ihn nicht drängen wegen bezahlung Schmeller 2, 875: es were dann, dasz ainer je das gelt nit hette, umb etlich wenig tag verzug und gedult bäte. dem solle alsdann acht tag ausz dem weeg gehalten werden, aber lenger nit ordnungen u. urkunden z. gesch. d. buchgewerbes 18 (München 1596) Bücher; ob ain paumann ... ain oder zwai jar den zins in gelt oder traid nit geben kunte und darumb verpirger wurde, alsdann (soll) ime unzt auf das drite jar durch die herrschaft geporgt, aus dem weeg gehalten (werden) österr. weisth. 3, 62, 45 (Oberinnthal hs. v. 1644).
2))
aus dem wege kommen: ich bin aus dem weg gekommen, ich habe des rechten weges verfehlt Ludwig 2403. meist übertragen:
ir habt mir mîne sinne
gâr verkêret unde benomen,
ich bin ûʒer (var. ûʒ den) wege komen
sô starke und alsô sêre:
ich erhol mich niemer mêre.
G. v. Straszburg Tristan 12024;
ausz ursach, dasz die (astronomie) gar zerrissen ist und ausz dem rechten grund und weg kommen Paracelsus (1616) 2, 484. aus dem wege geraten, fallen: es were meines erachtens nit aus dem wege geraten (verkehrt gewesen), wenn ire k. mt. den bischoven aus Ungern ... hette schreiben lassen erzbischof Anton Brus briefe 25 Steinherz; doch ich gerathe aus meinem wege Lessing 6, 383; wer die gebahnte landstrasz' hält, wie'n fuhrmann, kann freylich nicht aus dem weg fallen Musäus physiogn. reisen 2, 67. einer sache aus dem wege kommen 'ausweichen': der schornstein musz ... seitwärts gezogen werden, damit er in der folgenden etage dem kamin aus dem wege kömmt F. Ch. Schmidt der bürgerl. baumeister 1 (1790) 284; dasz ich meiner gesundheit nie weiter aus dem wege gekommen sey, als in der zeit, da ich sie suchte v. Thümmel reise 7, 134 (1800);
wer zeitig stirbt, hat minder noht,
kan vielem unfall durch den todt
fein aus dem wege kommen.
S. Dach 157 Österley.
3))
etwas liegt aus (auszer) dem wege 'abseits': doch dieses liegt auszer meinem wege Lessing 6, 468; daher wage ich es ..., einen versuch von dieser art hier einzuschalten, der zwar etwas auszer meinem wege liegt Kant 3, 66; viele leute sind sehr sicher, keine Spinozisten zu werden, für andre liegts nicht so weit aus dem wege Claudius 5, 119; mein vater war ... sehr für mannhaft tapfere leute, mithin lag ihm der soldatenstand nicht aus dem wege v. Hippel 1, 71; fertigkeiten. wenn sie auch ganz auszer meinem wege lagen Wackenroder herzensergiesz. 75. etwas ist aus (auszer) dem wege: als er widder zu rugge kham, hette er lust, die stat Stargard zu besehen, und zog darhin, wiewol es ime aus dem wege war Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 348 Gäbel; wie geräthst du denn hieher? das ist ja ganz aus dem wege Immermann epigonen² 1, 71;
swenso got dazu sende,
der scribe daʒ ob er mege,   eʒ ist harte uʒ mînem wege.
Wernher Maria, fundgruben 2, 180, 20.
namentlich 'es ist unangebracht, nicht am platz' (meist negativ): non alienum esse videtur, es dunckt mich nit ungeschickt oder ausz dem wäg seyn Frisius 73ᵇ; aber klagen ist zumal weit aus dem wege Wicelius annotationes (1536) 64ᵃ; ehe ich aber zum vorhaben schreite, will nit aus dem weg sein, zuvor was wenigs von khaiser Friderico vorlauffen zu lassen v. Brandis gesch. der landeshauptleute von Tirol 16; ich glaube, dasz es nicht auszer dem wege seyn werde, wenn ich hier den tour beyrücke, welchen ... Locke in der compagnie vornehmer spielern ... angebracht hat discourse der mahlern 1, 74 (Breitinger) Vetter. vielfach in mundartlicher redeweise: els. s is nix auszerm wech 'es läszt sich nichts dagegen sagen' Martin - Lienhart 2, 799ᵇ, schweiz. es ist nit gar us em wäg, sat bene dictum, sat commode factum est Frommann 4, 148 (Bern). idiot. 1, 550, nd. dat is nog nig ut dem wege 'das ist noch so unbillig nicht' brem. wb. 5, 401. jemand ist aus (auszer) dem weg: ich ... war auszer allem weg und steg. weinend schrie ich in den wald hinein ... Brentano 5, 165. übertragen: mit solcher meinung seyd ihr weit aus dem wege Ludwig 2404; welcher nit stracks in den worten und sententzen der biblien bleibt, der irret und ist aus dem weg Carlstadt sendbrieff (1521) A 1ᵇ; ich bekenne gern, dasz dies Winkelmanns hauptwerk nicht ist: er war in ihm ziemlich auszer seinem wege Herder 15, 47 Suphan.
4))
einen aus dem wege 'bei seite, fort' haben wollen: aus dem wege wollen sie mich haben Göthe 8, 34 (Götz 3) Weim. ausg.; leute ... die man aber gern eine zeitlang aus dem wege haben möchte Archenholz reise nach England u. Italien 1, ii, 472. einen aus dem wege führen, rücken, stoszen u. ä.: und er begreiff die hand des blinden und er fuͦrt in aus dem weg Mentels bibel, Marc. 8, 23; Rollart und Ramler, dem man warlich die geyszen hat ausz dem weg führen müssen Garg. 60 Alsleben; es würde mich hier zu weit auszer dem wege führen, wenn ich der noch fortdauernden harmonie der schönen künste und wissenschaften unter sich selbst ... folgen wollte Kretschmann 2, 5; eine solche antike natur (Winckelmann) ..., dasz sie durch dreiszig jahre niedrigkeit, unbehagen und kummer nicht gebändigt, nicht aus dem (eingeschlagenen) wege gerückt, nicht abgestumpft werden konnte Göthe 46, 24 (vgl. auch briefe 12, 219); es schien ihm, als würde ihm froh und leicht sein, wenn nur dieses einzige wesen aus seinem wege gerückt werden könnte Tieck 4, 164; wenn ein kind einem anderen ärmeren kinde begegnet und es dieses stolz aus dem wege oder von sich stöszt Kant 10, 439; wenn er sich meinem braven alten schwiegervater vordrängen wollte — so würde ich ihn aus dem wege werfen Iffland der spieler 116; einige, die gesehn, dasz ... bengel mit kolben um sich herum kröten und frösche aus dem weg schlagen Fr. Müller 2, 20. bei aus dem wege thun, schaffen, bringen, heben, setzen, (mnd. ut dem wege setten) entwickelt sich die bed. 'bei seite schaffen, beseitigen, umbringen': wann icht in der statt, in den gaszen und auch in der vorstat lit, es si mist, holtz, oder was das si, das dan not ist zu gebieten usz dem weg zu thun oberrhein. stadtrechte 1, 244 (Walldürn 1447); sein befehl würde von mir als ein starckes gesetze angenommen werden, wenn der unwillen meiner fr. mutter ... aus dem wege gethan wäre Ch. Weise polit. redner 426; wann wir ausz dem weg gethan würden, so würde der fluch abgethan Schupp schriften 596; damit das (neugeborene) kind nicht aus dem wege geschafft werden möge Thomasius ged. u. erinn. 1, 4; dein jetziges weib wollen wir dann aus dem wege schaffen Bürger 258ᵃ; darümb sie darnach trachteten, wie sie denselben aus dem wege brächten Schütz hist. rer. pruss. 1, G 4; schwierigkeiten ... welche der könig bey lebszeiten durch seine auctoritet ohne sondere mühe aus dem wege hette heben können v. Chemnitz schwed. krieg 2, 6;
da sie trugen gros verlangen
einem andren herrn sich zu untergeben
und den könig Klotz aus dem weg zu heben.
Reinicke fuchs (1650) 162;
solchs sollen wir nu mit allem vleis treiben ... den glauben zu erwecken und stercken, nicht also wie bisher aus dem wege setzen odder eine weile unter die banck legen Luther 28, 98, 27 Weim. ausg.;
begab mich endlich gar
hinaus nach solchen plätzen,
da man belauren kan
und aus dem wege setzen
die güter, rosz und mann
Francisci Fischer-Tümpels kirchenlied 5, 253ᵇ.
am häufigsten jetzt räumen: zween schürgen oder büttel musten den cörper aus dem weg raumen Simpl. schr. 3, 372, 17 (vog. 1, 12) Kurz; durch diese Lotharingische cession von 879 wurde freylich ein gewaltiger stein des anstoszes aus dem wege geräumet Hahn teutsche staats- reichs- u. kayserhist. 1, 253; der held (des dramas) ... räumt und rückt die hindernisse aus dem wege Göthe 22, 178 Weim. ausg. seit dem 16. jahrh. 'beseitigen, umbringen':
bald man mit groszem gelt und gut,
die widersacher stürtzen thut,
und die reumbt aus dem weg mit gifft,
und zeugen wider sie anstifft.
Lobwasser calumnia B 5;
da er auch freud drüber hat, das er unschuldige leut ausz dem weg gereumet Mathesius Sarepta (1571) 11ᵃ; es haben ihn ... wol 85 mann angesprenget ihn aus dem wege zu räumen Micraelius altes Pommerland 2, 241; seynd ... also die störche gleichsam der welt ... allgemeine häscher, so die schlangen und das schädliche ungeziefer ausm wege räumen Prätorius winterflucht d. sommervögel 382; er hatte seine brüder und seine neffen ... bald nach seiner thronbesteigung unter verschiedenem vorwande aus dem wege geräumt Wieland 7, 100; was für kabalen habt ihr angezettelt, mich aus dem weg zu räumen? nicht wahr? mich im schlaf zu erdrosseln? Schiller 2, 135 (räuber 4, 2 schausp.);
Tiresias. ihn aus dem wege räume schnell!
Jocaste. nur keine schlechte todesart!
Platen 285 (Oedip. 2).
η)
die verbindungen mit in den weg (auch nur in s. u., das aber bei einigen wie Fr. Müller, O. Ludwig, Scheffel auf in den zurückgehen wird) bilden meist den gegensatz zu denen mit aus dem weg.
1))
einem in den weg kommen 'entgegentreten':
und dô dî kirche was gewît
und daʒ volk kegn hûse zouch,
dâ wârn in dî Prûʒin ouch
in den wec dâ kumin ...
und irslûgin gar dî man.
N. v. Jeroschin 17703 Strehlke.
jetzt meist von zufälliger begegnung: es ist gut, dasz ihr mir in weg komt, denn ich habe längstens gewünscht mit euch zu reden Reuter Schlampampe 124 neudr.; ich hörte fragen, warum man von den todten so unbewunden gutes sage, von den lebenden immer mit einer gewissen vorsicht. es wurde geantwortet: weil wir von jenen nichts zu befürchten haben, und diese uns noch irgendwo in den weg kommen könnten Göthe 20, 207 Weim. ausg.; der offizier ging in das haus, er frug einen hausknecht, den wirth, alle hausgenossen, welche ihm in den weg kamen Freytag 4, 460; sobald er nach Pommern heimkehrt, schenkt er das sündengeld dem ersten preuszischen invaliden, der ihm in den weg kommt Treitschke d. gesch.³ 1, 62. etwas kommt einem in den weg: eben da er (Hutten) in Italien den rechten oblag, kam ihm ein umstand ganz andrer art in den weg, ihn als den, der er war, zu zeigen und zu üben Herder 16, 277 Suphan. meist in dem sinn 'es stöszt einem ein hindernis zu' Martin-Lienhart 2, 799ᵃ, schweiz. i wäg cho Frommann 4, 148 (Bern). so auch früher in den (in) weg fallen (schweiz. i wäg falle 'in den weg treten' idiot. 1, 750): uber solchem leren ist mir das bapstum ynn weg gefallen, und hat mirs wollen weren Luther 30, iii, 387, 1 Weim. ausg.; nu fiel ihm aber noch eine andere hinderung in den weg Cyr. Spangenberg mansfeldische chronica 1, 67ᵃ; nun weisz ich nicht, was des edelmanns advocaten mochte in weg gefallen seyn, dasz er in etlichen tagen nicht nach ihm nachfragen konte Kuhnau music. quack-salber 129, 23. einem in den weg laufen 'zufällig begegnen': sonst sind mir einige verzerrte originale in den weg gelaufen Göthe 19, 14; dasz ich dem schwätzer in den weg laufen muszte! Schiller 14, 231 (d. parasit 3, 5); vielleicht, dasz mir die Heiterethei in weg läuft O. Ludwig 2, 328;
das mädchen heiratet aus ärger
den ersten besten mann,
der ihr in den weg gelaufen.
Heine 1, 80 Elster.
einem in den weg treten (aufhaltend, hindernd): der engel des herrn trat (Bileam) in den weg, das er im widerstünde 4. Mos. 22, 22; eines abends durchstrich ich ... den park ..., als mir auf einmal Valerine in den weg trat Göthe 24, 199 Weim. ausg.; der schwarze ritter will abgehen, sie tritt ihm in den weg Schiller 13, 277 (jungfr. v. Orl. 3, 9 bühnenanw.);
noch hab ich selber ihm nicht danken können:
so oft ich auch ihm in den weg getreten.
Lessing 2, 252 (Nathan 2, 7);
glaubt, fürwahr es ist kein scherz,
dem da in den weg zu treten.
Grillparzer 4, 73 (ahnfrau 3);
ich sah selband uns reiten und jagen im geheg,
da trat ein groszer bär dir, hoher herr, in weg.
Scheffel Ekkeh. 405.
übertragen: es geht mir nahe, der gnade meines fürsten in den weg zu treten Lessing 2, 181 (Emilia Galotti 5, 5); der muth genug hat. alles nieder zu werfen, was ihm in weg tritt und ihn verhindern will Fr. Müller 2, 6; der lieben natur zu folgen, ihr nicht in den weg zu treten, sondern sie blos zu begleiten v. Hippel lebensläufe III, 1, 102.
2))
sich einem in den (in) weg stellen, setzen, legen: ich habe mich noch nie umsonst den waghälsen in den weg gestellt, welche die geheimnisse des Harzes haben erforschen wollen Zachariä schriften 2, 208; jetzt gleich auf und grad gegen Jaxthausen zu, eh er sich wieder erholt und sich uns wieder in weg stellt Göthe 8, 105 (Götz 3) Weim. ausg.; das deutsche heer ... stellte sich ihm bei Troja in den weg, und wünschte es zu einer feldschlacht zu bringen Ranke 3, 17; übertragen 'hindernisse bereiten': wenn wir sahen, was sich alles dem festeren zusammenschlieszen des fürstenbundes ... in den weg stellte 31/32. 287;
warum uns gott so wohl gefällt?
weil er sich uns nie in den weg stellt.
Göthe 2, 243;
es setzten sich aber die Pannonier und zehntausend Dacier bey Animascia uns in weg v. Lohenstein Arminius 1, 493ᵇ;
wie legst dich so recht hie in weg?
Hollonius somnium vitae humanae 20 neudr.;
Alkibiades legt sich als spielender knabe wagen und ochsen in den weg Heinse 4, 59 Schüddekopf; übertragen: das sich der teufel allenthalben ynn wege legt Luther 32, 424, 26 Weim. ausg.; es sey ihm unmöglich die schwierigkeiten zu überwinden, die sich ihm in weg legen Thomasius vernünft. gedanken v. gott 260; ein unerwartetes hindernisz legte sich in den weg Göthe 21, 278. etwas in den (in) weg stellen, setzen, legen:
dann offt hett man in weg gesetzt
ein ding, das er nit het geschetzt,
darüber fiel und strauchelt er.
Scheit Grobianus 2391 neudr.
einem etwas in den weeg legen, praepedimentum alicui objicere Steinbach 2, 954. hindernisse u. dgl.: witfraw ..., deren mocht ein nachbaur leicht ettwas überzwerchs in weg legen Wickram 2, 126, 31 Bolte; die schwierigkeiten ..., die ihm seine schüchternheit in den weg legte Wieland 1, 76; ich (will) deinem auswandern kein hindernisz in den weg legen, vielmehr es befördern Göthe 25, 257; diesem maszvollen betragen verdankte es Friedrich, dasz Frankreich dem fortgang des fürstenbundes kein hindernisz in den weg legte Ranke 31/32, 182; was würde es mir helfen, fortzufahren, ohne das, was sie mir in den weg gelegt haben, so weit wenigstens bey seite zu schaffen, als ich kann? Lichtenberg verm. schr. 3, 529. ohne bildlichen ausdruck: einem etwas in weg legen, eines vorhaben hindern, to belay one's way Ludwig 2404;
warum hat man die frist der rach in weg gelegt?
Gryphius trauersp. 162 Palm (Leo Arm. 3, 4);
hat er (der wirt) dem major was in den weg gelegt? Lessing 1, 525 (Minna v. Barnh. 1, 12); sie werden dem glück eines sohnes nichts in den weg legen Göthe 24, 285.
3))
in den (in) weg werfen: es soll auch niemant kein stain in die weeg werfen österr. weisth. 7, 883, 17 (1665); da leute fur uber giengen, sahen sie den leichnam in den weg geworffen 1. kön. 13, 25;
es warf ihr ganzes fürstliches gefolge
sich in den weg ihr (um sie zurückzuhalten).
H. v. Kleist 2, 67 (Penthes. 7) E. Schmidt.
hindernisse u. dgl.: umb dem könige beym churfürsten zu Brandenburg abermahl eine hinderung in den weg zu werffen v. Chemnitz schwed. krieg 1, 188; denn so viel leute auf der welt sind, welche ihm (dem fürsten) eine verhindernisz in weg werffen, so viel herren hat er gleichsam Ch. Weise kl. leute (1675) 234; dem könige Bogorich ward nichts minder von den Marsen ein stein in den weg geworffen v. Lohenstein Arminius 1, 907ᵇ (in weg werffen 2, 1375ᵇ); wenn sich uns sogleich grosze unglücksfälle in den weg werfen Tieck 7, 298;
sie werden handgemein, die degen blitzen!
ihr himmelsmächte haltet ihn zurück!
werft euch in seinen weg ihr hindernisse!
Schiller 14, 82 (braut v. M. 3, 2).
'einwerfen': dasz man ein anders in weg wirft und widerhält Luther tischreden 1, 304, 26 Weim. ausg.; dieser satz ward den orthodoxisten ... in den weg geworfen, welche in dem glauben an die reine offenbarungslehre ... die art setzten, gott wohlgefällig zu werden Kant 1, 254.
4))
etwas in die wege (auch gute, rechte wege, vereinzelt den weg) bringen, richten, weisen, leiten kommt nur übertragen vor; die wendungen dürften alle der kanzleisprache entstammen; Heynatz 2, 689 verwirft in die wege richten; jetzt ist namentlich noch in die wege leiten als 'die ausführung einleiten, vorbereiten' gebräuchlich: alle arge dinge eynem erbarn christlichen leben ... zu widder eingerissen, ynn besserung, gutte ban und wege widderumb zu brengen Kuchenbecker analecta hassiaca 8, 331 (1527); doch nur geduld, ich will das ding schon wieder in seine wege bringen Lessing 1, 460 (freigeist 5, 6); eigentlich will das schicksal meinen eigenen wunsch, meinen eigenen vorsatz, gegen die ich unbedachtsam gehandelt, wieder in den weg bringen Göthe 20, 367 Weim. ausg.; so wuste doch gott ... alles zum besten zu wenden, auch in die wege zu richten Dedekind papista conversus () 5ᵃ (vgl.δ 3)) auf die wege richten bei Cyr. Spangenberg); wer lange auf einer universität lebte, ... musz auf unangenehme betrachtungen gerathen, wenn er bemerkt, wie selten die vorzüglichsten köpfe dadurch in die rechten wege gewiesen wurden Göthe 46, 90; die frage, ganz ohne irgend einen übergang von zollerleichterung das Elsasz sofort in die neuen wege mit seinem handel zu weisen, hat auch vorgeschwebt v. Bismarck reden 6, 14 Böhm; ich habe in rücksicht auf ihr zeugnisz ... die frauenzimmer freundlich aufgenommen, und sie in die wege geleitet, auf denen sie auch wie mir scheint ihren zweck erreicht haben Göthe briefe 12, 23; Albrecht schickte zugleich einige bothen voraus, die das geschäfte einstweilen in gute wege leiten, und alles vorbereiten sollten M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 501; wir können ja hier nicht durch abstimmung ... eine einrichtung feststellen, die nur auf dem wege der verhandlung ... in die wege zu leiten ist Moltke 7, 43; was er (der staat) als abwehr in die wege leitete, war eine gefährdung der herrschsucht, auch für erstere (die kirche) Bennigsen die nationallib. partei 73.
θ)
im wege liegen, stehen, sein.
1))
etwas liegt im wege: objacere, etwar vor ligen, im wäg ligen Frisius 891ᵃ; sorgen macht worgen und macht euch also unleidlich, dasz ir an ein jeden treck stoset, der im weg ligt Garg. 75 Alsleben; Grimm (stöszt an die leiche). halt! was liegt hier im weeg? Schiller 2, 190 (räuber 5, 2 schausp.). mit dativ: die blutige leiche lag dem wagen der Tullia im wege, als sie hinfuhr Niebuhr röm. gesch. 1, 29;
berge lagen mir im wege,
ströme hemmten meinen fusz.
Schiller 11, 381 (der pilgrim);
wo ich mir eine freude, eine hoffnung
gepflanzt, da liegt die höllenschlange (M. Stuart) mir im wege.
12, 540 (M. Stuart 4, 10).
im älteren nhd. häufig 'ist mir hinderlich' (später durch die folgende wendung verdrängt): ligt dir dein vatter im weg, spricht Hieronymus, so gehe über ihn hin und tritt auff ihn S. Franck sprichw. 2, 4ᵃ; ich musz aber doch zuvorahn das jenige, was euch die warheit zuerkennen im wege liegt, hinweg raumen eselkönig 82. ohne bildlichen ausdruck:
es ist ein junger gsell vorhandt,
der hatt mitt mir gmacht ein verstandt.
nun weisz ich nit, wie ich im thät;
myn man, der lytt mir in dem wäg!
schweiz. schausp. 2, 283, 4310;
nu aber yhm das gesetz mit drewen und verheyszen ym wege ligt, enthelt er sich des bossen und thut gut Luther 10, i, 1, 360, 72 Weim. ausg.; weyl denn nu die wort Christi ... szo hell und stracks ym wege ligen und solchem verstand starck widderstehen, ist solcher meynung ynn keynen weg tzu folgen 11, 438, 21; nuͦn hette die erst meynung ... ein glaubhafftigs ansehen, wenn nit etwas wychtigers im weg lege H. v. Eppendorff Plinius 11, 183; weil es sehr unbekwehm ist solcher gestalt zu schreiben ... indem die hand einem im wege lieget Zesen rosenmând 78; nun lag ihm im weg die incapacität, unfähigkeit und trägheit seiner Hebreern Dannhawer catechismusmilch 1, 4.
2))
im wege (selten in wege) stehen: obstare, etwar vor ston, im wäg ston, gegen etwas vorüberhin seyn Frisius 898ᵇ; ich (Bileam) habs nicht gewust, das du (engel des herrn) mir entgegen stundest im wege 4. Mos. 22, 34; da überrannt' er wie ein junger stier alles, was ihm im weg stand Fr. Müller 1, 220; es war mir wie einem, der sich an der sonne wärmen will, und dem etwas im wege steht, das schatten macht Göthe 22, 288 Weim. ausg.; in der nordwestlichen ecke des gartens ... von wo aus der weitesten aussicht nichts im wege steht Storm (1899) 3, 203;
denn si weichen aus verträglich,
wo sie mir im wege stehn.
Rückert ges. ged. 5, 12.
übertragen 'hinderlich sein': im wäg ston, verhinderen, obstare Maaler 480ᵇ;
reisz aus, was uns im wege steht
und freventlich verwirret
die schwachen in dem glauben.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 347ᵇ;
die freude dieses tags musz künftigem vergnügen
nicht selbst im wege stehn: der thor kauft theuer ein,
kauft einer stunde lust mit jahren voller pein.
Uz werke 244 (97, ii, 211) neudr.;
sein mir doch ander gedancken ym wege gestanden Hutten op. 2, 189; wenn die zehen gebot, und sonderlich das siebende ... einem im wege stehet Mathesius Sarepta (1571) 40ᵇ; oft steht uns die unmöglichkeit, oft die eigenliebe im wege, wenn wir auf den grund unserer siechen tage zurückegehen wollen Gellert 5, 25; sie konnten nicht anders als den Agathon für denjenigen ansehen, der allen ihren absichten und entwürfen im wege stuhnd Wieland Agathon (1766) 2, 214; und bald mischten sich die leidenschaften dazwischen, die gewöhnlich jeder guten einrichtung im wege stehen Göthe 22, 236 Weim. ausg.; wie oft musz er (Karl) den vater unter die erde wünschen — wie oft den bruder — die ihm im lauf seiner excesse so unbarmhertzig im weeg stehen Schiller 2, 21 (räuber 1, 1 sch.). anschlusz eines dasz- oder inf.-satzes: nichts steht im wege, dasz sie mich auf der stelle verlassen Heyse nov. 1, 194. bair. im gleichen sinn einem im weg umgehen Schmeller 2, 874: ja, würden wenigstens die herren ... geschwind weg ketzer ..., und also giengens uns nicht im weg um A. v. Bucher werke 6, 439 v. Klessing.
3))
allgemein ist einem im wege sein Stieler 2454: als einem ... des keysers soldaten ... zurufften, dasz er dem keyser weichen solte, sagt (er): des keysers naasz ist mir im weg Weidner apophth. 3, 64. von personen, auch ohne nähere anknüpfung an weg 'lästig sein': Philine war ihm nur zu sehr im wege, die ihm als zuhörerin oft schon unbequem gewesen war Göthe 21, 266; ich konnte nicht viel helfen und war den leuten eher im wege G. Keller 2, 10; auch ohne dat.:
(ich) bin nirgends angenehm und überall im wege.
Günther ged. 14;
ihr werdet herumgestoszen werden in allen winkeln, weil ihr allenthalben nicht recht, und im wege seyd Fichte reden an die deutsche nation 461. übertragen 'hinderlich sein': es ist aber der leydige unglaub altzeit im wege, das got solch werck nit in unsz wircken mag Luther 7, 593, 7 Weim. ausg.;
wer wil in eigner sach' ihm selbst im wege seyn?
Gryphius (1698) 1, 297 (Stuardus 1663);
itzt da ihren wünschen nicht das mindeste im wege war Gerstenberg rezensionen 225 neudr.; es ist nichts im wege sie dem latinischen stamm beizuzählen Mommsen röm. geschichte 1, 23.
ι)
neben den weg treten, gehen, übertragen 'vom richtigen weg abweichen': ob si nit sorgeten, das ... die guͦten frewlin etwan von des langen ausbleibens wegen blöd und beredt würden und neben den weg dretten möchten Frey gartenges. 55, 26 Bolte; die alte patriarchen giengen offt neben den weg, wiewol sie offentlich ihre beyschläfferinnen oder kebsweiber hielten, und wurde doch deszwegen ihrer keiner verdammt Simpl. schr. 3, 331, 25 (vog. 1, 7) Kurz. ebenso neben dem weg fahren: so bald wir uff unser menschlichen wyszheit blyben und derselbigen vertrawen, so faren wir neben dem weg wie vorhin H. v. Cronberg schriften 31 Kück.
κ)
über den weg gehen, laufen u. dgl. (zu weg 1): gestern zeigte mir der bote, wie ein hirsch über den weg gegangen sei Göthe 24, 4 Weim. ausg.; über den weg springen, saltu viam superare Maaler 480ᵇ; es ist nicht gut, wenn einem ein haasz übern weg läufft Prätorius philosophia colus 23; wann der haasz läufft über den weg, so ist unglück schon auf dem weg Pistorius jurist. sprüchwörterschatz 5, 71;
mîn heil mir über den wec schreit
gelîch einem hunde.
Hartm. v. Aue büchlein 1, 1671.
einem über den weg laufen 'zufällig begegnen': mich reut, dasz ich in dieses haus gezogen bin; es ist doch nicht zu vermeiden, dasz der bursch einem hier über den weg läuft Heyse nov. 1, 149; hat s' ihn 'mal aufgabelt? dö hat ihm's eh' g'schworen, wann er ihr 'mal über'n weg lauft, sie laszt 'n nit aus! Anzengruber³ 6, 210 (kreuzelschreiber 1, 1). auch von ereignissen, casu venire, subito atque improviso contingere Stieler 2454. namentlich von unangenehmen ereignissen (vom schlechten angang hergenommen s. o.): schweiz. es ist em öpis über e wëg g'louffe Hunziker 289, ähnlich Frommann 4, 148 (Bern). Seiler 307 (übere wäg 'gange). Martin-Lienhart 2, 799ᵃ (über dr wëg gluffe); was ist diar über de weg g'sprunge? Wander 4, 1856 (in Bietigheim);
wo nur der pfarrer bleiben kann?
ach, sicher ist dem guten mann
was übern weg gefahren!
v. Droste-Hülshoff 3, 273 Kreiten;
aber curios! dasz einem zu einer andern zeit auch alles queer über den weg kommen kann, ohne dasz es ihn so sehr angreift Bräker 2, 85 (vgl. th. 7, 2356 o. die stelle aus den räubern). einem über den weg (ähnlich: über den zaun) helfen: die gnad ..., welche unsern verdiensten ... biszweilen über den weg hilffet Fischart binenkorb (1581) 202ᵃ; seines amtes ... solle es nur sein, dem zuge der natur ein wenig übern weg zu helfen Sohnrey im grünen klee 282. einem nicht über den weg trauen s.A 1 f δ.
λ)
um die wege gehen, laufen: wer umb die weg des morgens gangen were (chi fosse attorno andato) Decamerone 7, 14 Keller; Napels wer nicht ein stat desz nachts umb die wege ze gen 83, 27; so lauffen auch ander libell umb die weg, die auch new auszgeben Paracelsus (1616) 1, 627 A. sprengen (springen machen): wann er sich understehet seinen gläubigern die schuld abzulaugnen und ihne umb die weg zu sprengen Albertinus zeitkürtzer 70. etwas liegt um die wege 'bei der hand': du wirst jetzund an ein weidlichen dienst kumen, in welchem vil zuͦ versehen ist, silber, gold und edelgestein täglich um die weg ligt Wickram 2, 229 Bolte. um die wege (den weg) sein, zugegen, in der nähe, vorhanden, im anzug sein, im obd. verbreitet Hunziker 289. Seiler 307. Martin-Lienhart 2, 799ᵇ. Schmeller 2, 875. Schöpf 806:
so soll er umb die weg nit sein,
sich andrer gschefften nemmen an.
Wickram 3, 220 (pilger 2933) Bolte;
sol allen unsern beambten befohlen sein, nicht allein da schaden geschicht, oder böse leut wissentlich umb die weeg sein, sondern auch sonsten alle müglichste kundtschafft auff die ubelthäter zu bestellen bayrisches landrecht (1616) 712; wenn der herzog um den weg ist, so packe nicht weiter ab Lavater schriften der Götheges. 16, 155; merkte aber doch, dasz etwas krummes um den weg war Pestalozzi 2, 49; ohne darauf rücksicht nehmen zu können, wer etwa um den weg sey, der sich daran (an dem benehmen) stoszen möchte 12, 72; sie hat es zu machen gewuszt, dasz zu dieser zeit alle knechte vom thor entfernt sind und nur der alte burgwart ... um den weg ist Hauff Lichtenstein 2, 35 Hempel; keine Französin um den weg, die uns mädchen jede freie bewegung mit stechenden blicken verwies Mörike 3, 31; Isidor sei ins dorf gegangen, wo er geschäfte habe und zuweilen einen frühschoppen nehme, besonders, wenn etwas politisches um den weg sei G. Keller 8, 214; ich kenne niemand, dem ich stimmen könnte, es ist niemand um den weg, es geht ja nichts vor nachgel. schr. 285; dich hab' ich derwart', Kreuzweghofbauer, du muszt doch überall dabei sein, wo ein unheil für mich um die weg' ist Anzengruber³ 6, 121 (meineidbauer 1, 4); von tagesanbruch bis in die späte nacht, so lang irgend ein mensch um den weg ist, denkt das objekt auf unarten, auf tücke Vischer auch einer (1879) 1, 32; der Batz schlich voran ... es war niemand um den weg, denn beim sternbräu war das tor geschlossen L. Thoma kleinstadtgeschichten 59; wenn die freundin um den weg war E. Strausz freund Hein 79.
μ)
unter dem weg liegen, vereinzelt für 'am wege auflauern': der schalckhafft marschalck ist listig, er würdt mir underston, mit allem fleisz under dem weg zuͦ ligen, damit er mein frummen hinderstellig machen müg Wickram 1, 143, 19 Bolte.
ν)
vom wege gehen, kommen, weichen u. ä., gern übertragen:
dô hieʒen kamerære   die liute von den wegen stân.
Nibel. 606, 4;
man hieʒ dô allenthalben   wîchen von den wegen
der schœnen Kriemhilde.
298, 1;
er vert vaste von dem wege,
der küssens reht anders gît.
H. v. d. Türlin crone 26461;
und swenne eʒ (zweifel) welle in bestên,
sô sol er von dem wege gên (ausweichen).
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3005 Weinhold;
nu muͦʒ ich eyn teyl von wege treten (abschweifen).
braunschw. reimchr. 1087;
er ... riet im, daʒ er sich von dem weg macht, ê daʒ sin daʒ gesinde innen wurde sächs. weltchronik, 1. bair. forts. 335, 1 Weiland; sie sind schnel von dem wege getretten, den ich inen geboten habe 2. Mos. 32, 8; (die juden) hureten andern göttern nach und betten sie an, und wichen bald von dem wege, da ire veter auffgegangen waren richter 2, 17; wer glück hat zum himmel, der kan den im wein nit versauffen, er turckel denn vom weg Lehman (1662) 2, 799; vom rechten weg kommen Krämer 1215; sündigen ..., ausz der bahn weichen, vom wege abtreten Bödiker grundsätze der deutschen sprachen (1690) 265; mit der gerechtigkeit ist es eine besondere sache ...; wer mitleidig ist, weicht vom wege ab Hippel 1, 325 (lebensl. 1); sie sind weit vom rechten wege abgekommen fürst Pückler briefw. 1, 336. vom wege bringen, führen, leiten: daʒ he iʒ (das schädliche thier) von dem wege brenge oder abetu urkundenbuch d. st. Freiberg 3, 150, 8 (stadtrecht 49, 16). übertragen: das führt zu weit vom wege v. Voss gesch. m. milit. laufbahn 261; man hatte die absicht, die edle, liebenswürdige dame vom rechten wege abzuleiten Göthe 22, 243 Weim. ausg. von dem wege sein 'irrthümlich, verkehrt' (vgl.aus dem weg sein sp. 2897): eʒ was auch verr von dem weg, daʒ si sprâchen, der sterb werte als lang, als lang der stern anplik wert K. v. Megenberg 111, 28.
C.
sonstiger übertragener gebrauch des subst.
1)
einige verwendungen sind hauptsächlich von der bibelsprache ausgegangen. hebräische wörter mit der ursprünglichen bedeutung 'weg, pfad', besonders derek, dann oraḥ u. a., werden, ebenso wie ὁδός im neuen testament, auf das leben und die lebensführung des menschen, namentlich sein verhältnis zu gott, bezogen; die ausdrucksweise bleibt dabei z. th. eine bildliche, z. th. heben sich die neuen bedeutungen schärfer ab. die vulgata läszt durchgängig via und die deutsche bibel weg für die worte eintreten, was dann auch die allgemeine sprache bestimmt hat. daneben kommen auch klass.-lat. einflüsse in betracht.
a)
weg oder pl. wege für den lebenslauf des menschen, sein thun und lassen auf erden: befelh dem herrn deine wege, und hoffe auff in, er wirds wol machen ps. 37, 5; wie wird ein jüngling seinen weg unstrefflich gehen? wenn er sich helt nach deinen worten 119, 9; dein wort ist meines fuszes leuchte, und ein liecht auff meinem wege 119, 105; ich gehe oder lige, so bistu umb mich, und sihest alle meine wege 139, 3; deine augen stehen offen uber alle wege der menschen kinder, das du einem jglichen gebest nach seinem wandel Jer. 32, 19; ein zweiveler ist unbestendig in allen seinen wegen Jac. 1, 8; ich ... sol dein huͤten in allen deinen wegen und wercken und weysz der heiligen leben winterteil (1471) 58ᵃ; nit das du muszig soltist gehen, sondern deyne wege, werck, wort und wandel, den befelh gott, richt dich selb nit Luther 8, 216, 6 Weim. ausg.; gott wird üwre weg wol schicken ... er wirts wol schicken Zwingli d. schriften 1, 341;
sich, gottes engel huten din
in allen wegen von der noit.
Alsfelder passionsspiel 1164;
ym (dem gottlosen) seine weg' alle zeit glụkhaft seint.
Melissus psalmen 39 (ps. 10, 5) neudr.;
sprich deinen milden segen
zu allen unsern wegen.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 333ᵇ;
befiehl du deine wege
und was dein hertze kränckt,
der allertreusten pflege
desz, der den himmel lenckt.
3, 372ᵃ;
ich spühr und merk' auf allen wegen
den hertzgewünschten himmelssegen.
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. 1, 173;
gott bewahre dich mein sohn ... auf allen deinen wegen Bräker 1, 113; wenn man nur auf seinem wege gegen sich und gegen andere wahr bleibt! Göthe 47, 10 Weim. ausg.; ich frage nicht nach ihren wegen und wie es ihnen darauf ergeht briefe 8, 178; gott wird deine wege schon segnen, die du gehst Stifter 3, 299;
du giltst dem hause viel, sie haben dich
stets ihren freund genannt, so solltest du
wohl unterrichtet sein von ihren wegen.
H. v. Kleist 1, 16 (fam. Schroff. 1, 1) E. Schmidt.
weg des lebens (vitae via):
uͦf das ær nicht erzụrn mit uͦngestụm:
auch dàs yr nicht vons lebens weg ablendet
(prosa: das er nit zürne uͦnt yr ümkommet auf dem wege) Melissus psalmen 14 (ps. 2, 12) neudr.;
ihr strauchelt des lebens weg
verarmt.
Klopstock oden 2, 157, 18 Muncker;
hier ist, Irmgard, meine hand
auf den ganzen weg des lebens!
Kretschmann 1, 53;
dasz du frei
den schönen weg des lebens wandeln mögest.
Göthe 10, 205 (Tasso 4, 2);
aber zerrüttet die noth die gewöhnlichen wege des lebens.
50, 230 (Herm. u. Dor. 5, 204);
er war froh, auf dem wege des lebens sich bei zeiten ... gewarnt zu sehen 21, 124.
b)
die bibel spricht oft von verschiedenen wegen, auf denen der mensch im leben wandeln kann; am anschaulichsten im gleichnis vom breiten weg, der zur hölle und vom schmalen, der ins himmelreich führt. auch sonst sind vergleiche des menschlichen wandels mit dem gehen auf wegen beliebt. so nimmt das wort (wenn auch nur selten vom bildlichen ausdruck ganz losgelöst) die bedeutung 'art der lebensführung' an: stelle inen rechte und gesetze, das du sie lerest den weg darin sie wandeln, und die werck die sie thun sollen 2. Mos. 18, 20.
α)
mit gen.: sie wil ee dem pösen weg der welt nachvolgen dann den weg zuͦ got suchen Decamerone 24, 23 Keller; denn der herr kennet den weg der gerechten, aber der gottlosen weg vergehet ps. 1, 6; wol dem der nicht wandelt im rat der gottlosen, noch tritt auff den weg der sünder, noch sitzt da die spötter sitzen ps. 1, 1; so wird dich guter rat bewaren, das du nicht geratest auff den weg der bösen spr. Sal. 2, 13;
dan weg uͦnt steg der gerechten alhi
gott wais uͦnt kent.
Melissus psalmen 12 (ps. 1, 6) neudr.;
denn ihre (der kinder) weg die sind verdampt
und müssen untergehen.
Ringwald handbüchlein A 4ᵇ;
der grosze gott ...
seiner erwöhlten weeg und wandel
erkennend.
Weckherlin 1, 300 Fischer;
der gottlosen weg ist glücklich und wolfertig, aber sehr schlipfferig und finster, und hat viel gruben und anstösze Petri d. Teutschen weiszheit 1, A 8ᵇ; betrachtet nur in wenig die wegen dessen, den ich (der mammon) gantz besitze Simpl. 2, 140, 23 Kurz; durch ihre leidenschaften verblendet, glauben sie in die fuszstapfen der gröszten söhne Roms zu treten und gehen den weg gewöhnlicher banditen Kerner bilderbuch 72.
β)
mehr in die allgemeine sprache eingedrungen ist weg mit adjectiven, was aber nicht immer auf die lebensführung im ganzen geht, sondern jetzt z. th. zu 'art des vorgehens in einer bestimmten lebenslage' abgeschwächt ist. mit engerem anschlusz an weg im eigentlichen sinn krummer weg eig. neben der rechten strasze herführender fuszweg, schleichweg (vgl. th. 5, 2448 Walther): herr thu wol den guten und fromen hertzen. die aber abweichen auff ire krumme wege, wird der herr wegtreiben mit den ubelthetern ps. 125, 5; ob ir es bruͤfen wellent oder ir den rechten oder den krumben weg gont Tauler predigten 168, 7 Vetter;
ich (der teufel) lernen dy leut krump weg und steg.
altd. passionsspiele a. Tirol 260 Wackernell;
weil er ein falsches herz hatte, so bediente er sich auch krummer wege und suchte bey gemeinen unterredungen den fürsten zu übertäuben F. C. v. Moser moral. u. polit. schriften 1, 43;
doch mit den Sachsen willst du ehrlicher
verfahren? sie verlieren die geduld,
weil du so krumme wege machst.
Schiller 12, 106 (Piccolomini 2, 5);
wozu die krummen wege, herr minister?
gerad heraus! den kaiser drückt das pactum
mit mir.
12, 124 (2, 7);
Metternich sah diesmal weiter als sein kaiser ... aber noch hatte er einen festen entschlusz nicht gefaszt, seine angeborene vorliebe für krumme wege noch nicht überwunden Treitschke d. gesch.³ 1, 465; selbst die ehrlichen Italiener ... lieben krumme wege, und listige übervortheilung ist ihnen ... ein genusz Stahr ein jahr in Italien² 1, 77; dasz sie den Bieber (ihren liebhaber) wohl ein dutzend mal auf krummen wegen ertappt Ompteda drohnen 155. rechter weg: ein ungerechter man ist dem gerechten ein grewel, und wer rechts wegs ist, der ist des gottlosen grewel spr. Sal. 29, 27; Johannes kam zu euch und leret euch den rechten weg Matth. 21, 32;
daʒ wir daʒ lieht han,   daʒ wir die rehten wege da mite schulen gan.
d. sprachdenkmale des 12. jahrh. 30, 23 Karajan;
daʒ ir vil lutzel wartet
an got und an die rehten wege.
H. v. Hesler evang. Nicodemi 5231 Helm;
wer dann will freihn redlich und from,
der ruff mit ernst gott erstlich an ...
so wirdt er in rechten wegen wandln.
Gilhusius grammatica 89 (4, 1);
so das he dicke unde vile usz den rechten wegin erre ginck W. Gerstenberg chronik 321 Diemar; wie er einen ... menschen, bey dem das laster fast zu einem habitu worden, wieder auf den rechten weg bringen solle Thomasius kl. teutsche schriften (1707) 249;
ein guter mensch in seinem dunklen drange
ist sich des rechten weges wohl bewuszt.
Göthe 14, 22 (Faust 1, 329) Weim. ausg.
gerader weg: seinen geraden weg gehen, cheminer droit, agir rondement Rondeau; dem minister ist nicht beyzukommen ... diese leute, die ihren geraden weg gehen, brauchen niemand Schiller 14, 255 (parasit 4, 9);
mein weg musz gerad sein.
ich kann nicht wahr sein mit der zunge, mit
dem herzen falsch.
12, 196 (Piccol. 5, 3).
schlüpfriger, finsterer weg (s.α Petri): war dies nicht der schlüpfrige weg, auf welchen du dich verloren hast vom wege der pflicht und ehre? Laube 2, 120; die da verlassen die rechte bahn, und gehen finstere wege spr. Sal. 2, 13;
auf düstern wegen wirkt ihr tückisch fort.
Göthe 10, 285 (natürl. tochter 2, 1).
falscher, böser, schlimmer, schlechter weg: dein wort macht mich klug, darumb hasse ich alle falsche wege ps. 119, 104; auf einen falschen weg gerathen Adelung; keret umb von ewren bösen wegen, und haltet meine gebot und rechte 2. kön. 17, 13; ich were meinem fus alle böse wege, das ich dein wort halte ps. 119, 101; bekeret euch, ein jglicher von seinem bösen wege, und von ewrem bösen wesen Jer. 25, 5; er geht auf bösen wegen, he takes bad courses of life Ludwig 2404;
mit leisen tritten schlich er (Wallenstein) seinen bösen weg.
Schiller 12, 189 (Piccolomini 5, 1);
auf schlimmem weg verfolgtet ihr diesz ziel.
12, 434 (M. Stuart 1, 7);
er fürchtete sicher, Franziska Heunisch möchte wirklich auf schlimmen wegen sein Gutzkow ritter vom geiste² 1, 249; lieber möge er tod, als in hände gekommen sein, die ihn auf schlechte wege geleitet haben! graf Pocci komödienbüchlein 108. ganz losgelöst von beziehung zu weg im eig. sinn schnöder, gottloser usw. weg:
ich will seinen schnöden wegen
mich mit ernst zu wider legen.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 311;
wenn er sich nicht bekehret von seinem gottlosen wesen und wege Dannhawer catechismusmilch 3, 80; der soll alle jahre zehn pro cent von demjenigen abgeben, was er durch bevortheilung und dergleichen ungerechte wege erbeutet Rabener 4, 271; desto mehr miszvergnügen wurde ihm durch verborgene und schleichende wege gemacht Wieland 3, 110; was geht es dich an? heiszt es, wenn einer den andern auf liederlichen wegen antrifft J. Möser 3, 70; ein mensch, der auf leichtfertigen wegen sein glück sucht Hebel 2, 8 Behaghel. ebenso: auf seine vorige wege treten, reprendre ses anciennes habitudes Rondeau;
wenn der pfarrer sie im guten
nicht auf andre wege bringt.
Erlach volksl. 3, 169;
das ist der fluch von unserm edeln haus:
auf halben wegen und zu halber that
mit halben mitteln zauderhaft zu streben.
Grillparzer 9, 49 (bruderzwist in Habsburg 2).
c)
ein genetiv bei weg kann auch auf die norm hinweisen, durch die der mensch sich bei der lebensführung leiten läszt, das vorbild, das sein handeln bestimmt. so namentlich weg (wege) gottes, des herrn, wo sich weg der bed. 'gesetz, gebot' nähert: so halt nu die gebot des herrn deines gottes, das du in seinen wegen wandelst und fürchtest in 5. Mos. 8, 6; weise mir herr deinen weg, das ich wandele in deiner warheit ps. 86, 11; so gehorcht mir nu meine kinder. wol denen, die meine wege behalten spr. Sal. 8, 32; wolan, der arme hauffe ist unverstendig, weis nichts umb des herrn weg, und umb ires gottes recht Jer. 5, 4; meister, wir wissen, das du warhafftig bist und lerest den weg gottes recht Matth. 22, 16; vermaledictet ist der mensch der irre gat in gottes wege Tauler predigten 242, 35 Vetter; darumb dur dich selber nit, dich zuͦ uͦben im gottes weg Keisersberg bilgersch. C 1ᶜ; desz halb auch der teüffel nit leyden mag ewer fridlichen haylsamen fürgang im weg des herren Eberlin v. Günzburg 2, 138; wer auff gottes wegen nicht wandelt, der gehet irre Petri d. Teutschen weiszheit 1, H 2ᵃ;
an dem gelouben vaste stant unt wirb mit allen liden ümbe gotes hulde.
ganc und wal uf gotes wege.
Meiszner minnesinger 3, 106ᵃ Hagen;
wol dem, der yn gottes furcht steht
und der auff seynem wege geht!
Luther Wackernagels kirchenlied 3, 8;
ir fürchtend in (gott) nit, ir gond nit uf sim weg,
sonder, wo ein fule münchsatzung läg,
link neben us.
N. Manuel 154 (Barbali 580);
dasz er ein diener sey in seines herrn reich'
und in anfechtung nie von seinen wegen weich'.
Neumark neuspr. t. palmbaum 65;
wer gottes wege geht, nur der hat groszen frieden.
Gellert 2, 98;
üb' immer treu und redlichkeit
bis an dein kühles grab,
und weiche keinen finger breit
von gottes wegen ab.
Hölty (1869) 186 Halm;
wenn ich kennte den weg des herrn,
ich ging ihn wahrhaftig gar zu gern;
führte man mich in der wahrheit haus,
bei gott! ich ging nicht wieder heraus.
Göthe 3, 261.
ferner weg der wahrheit, weisheit, tugend, des rechtes usw.: ich habe den weg der warheit erwelet, deine rechte hab ich fur mich gestellet ps. 119, 30; ich wil dich den weg der weisheit füren, ich wil dich auff rechter bahn leiten spr. Sal. 4, 11; verlasset das alber wesen, so werdet ir leben, und gehet auff dem wege des verstandes 9, 6; der gottlose nimpt heimlich gern geschencke, zu beugen den weg des rechts 17, 23; auff das er erscheine, denen, die da sitzen im finsternis und schatten des todes, und richte unsere füsze auff den weg des friedes Luc. 1, 79; diese menschen sind knechte gottes des allerhöhesten, die euch den weg der seligkeit verkündigen ap.-gesch. 16, 17; in iren wegen ist eitel unfal und hertzleid, und den weg des friedens wissen sie nicht Röm. 3, 17. dies wirkt schon auf die mhd. dichtung ein (einem andern vorstellungskreis entstammt der sælden wege W. v. Eschenbach Parz. 8, 16. R. v. Ems Barlaam 286, 25):
hei, tugent, wie smal sint dîne stege,
wie kumberlîch sint dîne wege,
die dîne stege, die dîne wege,
wol ime, der sî wege und stege.
G. v. Straszburg Tristan 38.
später zunächst in der geistlichen litteratur, dann allgemeiner verbreitet: si ensint nút durch den weg der tugende gegangen Tauler predigten 167, 13 Vetter; von dem weg gie sie us sunderlichen weg, der vor ir niegangen wart. daʒ waʒ der weg der rainkait, der kúnschlichen maͤgetkait St. Georgener prediger 158, 25 Rieder; daʒ ... die craft des lebenes unde wec der gerehtekeit unde hûte der zuht hanget ... an eines ordenes houbete statuten des d. ordens 93, 33 Perlbach; yeweyter verfüeren sy das volckh vom wege der warhait in unchristenliche irrung Berthold v. Chiemsee t. theologey 22; Paulus straffte Petrum, dasz er nit recht ging in dem weg des ewangeliums Murner an den adel 28 neudr.; leert er (Jesus) uns nicht den weg der gerechtigkeit und der warheit? Zwingli d. schriften 1, 34; disz ist der weg der ruhe, des friedes und desz lebens Moscherosch ins. cura par. 33 neudr.; auch die übrigen bürger dieser unmäszig reichen stadt ... hatten den weg der tugend verlassen Grimm d. sagen 1, 165;
der weiszheit weg und steg.
Rompler v. Löwenhalt reimget. 49;
wer geht wohl stets den weg der tugend?
Günther ged. 66;
der weg der ordnung, ging er auch durch krümmen,
er ist kein umweg.
Schiller 12, 86 (Piccolomini 1, 4).
freier schlieszen sich die folg. verbindungen an, wo das im gen. stehende subst. nur das ziel, das erreicht werden soll oder erreicht ist, angibt:
das lobet jedermann, insonderheit die greisen,
die jugend auf den weg des reichtums anzuweisen.
Rachel sat. ged. 44 neudr.;
den weg des siegs bezeichne du dem heer,
die fahne trag' uns vor in reiner hand.
Schiller 13, 237 (jungf. v. Orl. 2, 4);
ich selbst
will euch voran gehn auf dem weg des ruhms,
und in dem angesicht der krönungsstadt
die krone mir erfechten.
270 (3, 5);
du schwangst sie (die fahne) im gefechte, trage sie
zur zierde nun auf diesem weg der freude (im krönungszuge).
291 (4, 3);
euch sucht' ich einzig auf dem weg des ruhms.
14, 346 (Tell 3, 2).
d)
gottes wege können auch seine fügungen, führungen sein; daran schlieszen sich einige andere verbindungen: er hat seine wege Mose wissen lassen, die kinder Israel sein thun ps. 103, 7; denn meine gedancken sind nicht ewr gedancken, und ewer wege sind nicht meine wege, spricht der herr Jer. 55, 8; o welch ein tieffe des reichthums, beide der weisheit und erkentnis gottes, wie gar unbegreifflich sind seine gerichte, und unerforschlich seine wege Röm. 11, 33; das sú gotte in sinen verborgenen wegen muͤszent volgen Tauler predigten 41, 29 Vetter;
kein mensch auff erden versteht nicht
der götter weg, glück und gericht.
Ayrer 163, 27 Keller;
sperre dich, so viel du willst!
des himmels wege sind des himmels wege.
Lessing 2, 261 (Nathan 3, 1);
die wege der göttlichen vorsehung sind unerforschlich Ludwig 2405; himmlische vorsicht ... deine wege sind sonderbar Schiller 3, 92 (Fiesko 3, 4); wir finden die wege der vorsehung allemal weise und anbetungswürdig in denen stücken, wo wir sie einigermaszen einsehen können Kant 10, 464. auch vom liebesgott:
die ihr schon Amors wege kennt
und schon ein biszchen lichter brennt,
ihr macht mir bange.
Göthe 4, 93 Weim. ausg.
e)
angeschlossen seien umschreibungen für tod und sterben, die nur z. th. auf die bibelsprache zurückgehen: wir muͤszend den wäg desz tods all gon, calcanda omnibus via lethi Maaler 480ᵇ; als nu die zeit er bey kam, das Dauid sterben solt, gebot er seinem son Salomo, und sprach, ich gehe hin den weg aller welt 1. kön. 2, 2;
des altirs tagemenege in twanck,
das er von dirre welte schiet
und den gemeinin wec geriet.
R. v. Ems weltbeschreibung 3315;
der wise, selden riche
sprach zin: nu mag ich nit bewarn,
ich súlle unde muͤsze varn
den weg der al der menscheit
ist ze varende uf geleit.
17198;
in diesem jahre muste auch der tartarische könig ... den weg aller welt gehen Olearius reisebeschr. anhang 12; und fürchte ich, dasz ehe der wackere mann dieses wichtige werck nur kleinsten theils in gang bringen werde, ehe werde er den weg aller welt gehen müssen Thomasius kl. t. schrifften (1707) 198; alsz nu der hailig vater Urbanus den weg der väter wasz gangen Knebel chronik v. Kaisheim 35; sie sind hin den weg alles fleisches (nach 1. Mos. 6, 12) S. Franck sprichw. 1, 94ᵃ; er ist den weg alles fleisches gegangen, er ist gestorben Ludwig 2404:
und müsztest du auch gleich den weg des fleisches gehn.
Neukirch anfangsgründe z. t. poesie 294;
so werde er morgen ... den weg alles fleisches gehen müssen Schiller 2, 91 (räuber 2, 3 schausp.); hat es der himmel beschlossen, dasz ich den weg aller wege gehen soll Plesse 3, 58; är hot an weiten wäg ongeträten 'ist soeben gestorben' Müller-Fraureuth 2, 646ᵇ (östl. Erzgebirge).
2)
aus 'zugang, möglichkeit wohin zu gelangen' ist die bed. 'möglichkeit (gelegenheit, aussicht) etwas zu erreichen' hervorgegangen, die uns namentlich in mittel und wege geläufig ist: wäg mittel, anleitung, via Maaler 480ᵇ; weg etiam multoties pro medio, remedio, et facultate ponitur Stieler 2454.
a)
sie ist durch bildliche wendungen vorbereitet worden (s. auch B 2 i k):
ein edeles gemüht, durch tugendlust gerühret,
hat einen harten weg, der hin zur ehre führet.
Zesen helikon. rosentahl 70;
man steigt der wahren ehr entgegen,
nur stufenweis, auf steilen wegen.
Haller ged. 17 Hirzel;
steil wohl ist er, der weg zur wahrheit.
Schiller 11, 104.
ein weg zu etwas steht offen 'es bietet sich eine möglichkeit etwas auszuführen oder zu erreichen':
nu er (der pfeil) dich hat getroffen,
steht dir der weg zun Musen offen.
geharnschte Venus 6 neudr.;
damit allen beliebenden ehrlichen und vornehmen männern ... der weg zur gesellschaft ... offen stehen möchte Neumark neuspr. t. palmbaum 174; es stünden dem Anton auszer diesem (zweikampf) viel andere wege zum tode offen v. Lohenstein 2, Cleopatra anm. 130; jedem unter euch soll der weg zu einem ehren-amt offen stehn Schiller 2, 105 (räuber 2, 3 schausp.); noch bemercke ich, dasz ich rem integerrimam zu erhalten gesucht habe ... damit jeder weg offen bleibe den man erwählen möchte Göthe briefe 9, 192 Weim. ausg.; der weg zu der gottheit, wenn man einen weg nennen kann, was niemals zum ziele führt, ist ihm aufgethan in den sinnen Schiller 10, 310. einen weg zu etwas öffnen, bereiten, bahnen, zeigen u. ä.: solcher gestalt zu einem allgemeinen gedeylichen frieden der weg geöffnet würde v. Chemnitz schwed. krieg 2. 222; um ihm dadurch einen glänzenden weg zu ruhm und ehre zu öffnen Klinger 3, 70; die brüder Josephs wolten ihn zum todt richten, so bereiten sie ihm den weg zu höchsten ehren Lehman (1662) 1, 40; allen diesen lastern bereiteten eben jene tugenden den weg zur herrschaft Niebuhr röm. gesch. 1, 13;
die zur unsterblichkeit den schönsten weg dir bahnen.
König ged. 83;
herr G. hat sich einen ganz neuen weg zu seinem glücke gebahnt Rabener schriften 1 (1751) vorr. 51; ruͦfest in nit an, dasz er dir den weg zeige zuͦ der seligheit Zwingli d. schriften 1, 74; ich kan mir nicht einbilden, dasz sich in dieser welt ein besserer weg zur geruhigen glückseligkeit finden ... lässet Ch. Weise polit. redner 25;
da ich weder hie noch da
eingen weg zur rettung sah,
hatt ich seine hülfe nah.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 356ᵃ.
auch sonst weg zu etwas, das man erreichen, gewinnen kann: der nächst wäg und das nächst mittel zuͦ eeren, via ad gloriam proxima Maaler 481ᵃ; sihe, ich lege euch fur den weg zum leben, und den weg zum tode Jer. 21, 8; dennoch ist keiner solcher örden ein weg zur seligkeit, sondern bleibt der einige weg uber diese alle, nemlich der glaube an Jhesum Christum Luther 26, 505, 16 Weim. ausg.; demütige erkäntniss sein selbst ist ein gewisser weg zu gott Joh. Arnd nachf. Christi 6; in seiner lage schienen ihm der kürzeste und bequemste weg zum glück und ruhm die wissenschaften zu seyn Klinger 3, 4; wenn selbstkenntnisz der weg zur tugend ist, so ist tugend noch mehr der weg zur selbstkenntnisz J. Paul Hesp. 1, 235; haben wir mehr wege zur seele als empfindung und reflexion? Hippel 1, 138 (lebensl. 1); ihr gedanke, einen versuch mit einem kurzen oratorio zu machen, ist vortrefflich ... es ist ein neuer weg zum herzen Zelter an Göthe 28;
der könig wisse den betrug — der könig?
(nach einigem besinnen)
ja, recht — das ist ein weg zu seinem ohre.
Schiller 5, II, 244 (don Karlos 2, 8).
b)
auch in fällen, wo die bildlichkeit des ausdrucks schon mehr verwischt ist, tritt weg als 'gelegenheit, möglichkeit, mittel', auch 'ausweg', auf. im älteren nhd. (besonders in der kanzleisprache) ist es so recht häufig (von der bed. 'verfahren' sich nicht immer scharf abhebend). nicht alle hierher gehörigen wendungen sind später üblich geblieben.
α)
die bed. erscheint in einen weg suchen, finden, treffen, an, vor die hand nehmen u. ä.: eyn weg erfinden, inire rationem aut viam Dasypodius 453ᵃ; den wäg versuͦchen, nachkommligkeit und gelägenheit stellen, tentare aditum Maaler 480ᵇ; ein wäg oder mittel versuͦchen, tentare viam 487ᵃ; einen stattlichen weg finden, medium e re nata comminisci Stieler 2455; so müssen wir gedencken weg (modo) ze finden und in sölicher masze unser ordnung machen Decamerone 12, 2 Keller; (sie) keinen wege sache, durch den man im möcht zuͦ hilffe komen 111, 24; das sie alle wege ersuͦchet, durch die sie mainet synen gunst und gnad ze erwerben Steinhöwel de claris mul. 69 Drescher; Traso war traurig und ruͤfft Gnato an weg ze suͦchen. der selb Gnato verricht in mit Phedria und Cherea Neidhart eunuchus 197 Fischer; so must sein maj. nach wegen gedencken, wie seiner maj. hilf beschehe Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 490 (1487); durch welichen jamer menschlich blödikeit einen weg (var. ausweg) suͦcht, man sich in die wildnus tet v. Watt d. hist. schriften 1, 4, 8; andre weg zu underhalten fridens und rechtens furnemen reichstagsakten j. r. 4, 233, 15 (1524); muste ir maj. je sehen, das andre weg an die hand genomen 233, 22; wie Friderich der hertzogin zwen weg anzeyget, und welchen sye an dhand nimpt Wickram 1, 143, 22 Bolte; möcht man noch wol weg finden, damit wir beyde on argwon bei dem könig wonen möchten 1, 288, 8; die newe reformation hat andere wege troffen zur erhebung des bergkwercks Mathesius Sarepta 65ᵃ; versucht der Belial mitler zeyt seine alte wege, die er wider Christum inn der wüsteney, doch vergebens, für die hand nam historie d. Luthers 201. 29 Lösche; da das in güte nicht geschehen würde, müste er die wege für die hand nemen, das es keyser Carl mit schaden thun müste Cyr. Spangenberg mansfeldische chronica 1, 83ᵃ; so wolle man die sachen in bedencken nemen, und die wege treffen, das weitleuffigkeit verbleiben möchte 1, 175ᵃ;
bliesz ein horn
und liesz ruͤffen, man wolte morn (beim angriff)
ein andern weg nemmen für dhandt.
Fischart flöhhaz 461 neudr.;
wer kan stets also verfahren,
dasz er tret den rechten weg?
Reinicke fuchs (1650) 255.
auch einen weg geben (s. auch β Anshelm), machen: laust du mich mit dir eszen, so gib ich ain weg (viam), das uns kain übel daur umb begegnet Steinhöwel Äsop 38 Österley; und wurden do der von Bern botten angewent, etwas wegs ze geben, dadurch die sach ubertragen werden möcht Justinger Berner chronik 274 Studer; also her ... eynen wegk, also her wol wuste (verstand), mit den forsten unde reten konigk Diterichs gemacht hatte Rothe dür. chr. 134 Liliencron; dergleichen klayder aber werden inen ... verehret, ihnen also zu fürderung ihrer sachen ein besseren weg zu machen Rauwolf raisz (1582) 43. einen weg haben (s. auch β weisth.): lasse dich eins andern fall nit fellen noch undertrucken, sondern hat es wege, so lege den rucken darhinder, und sperre deine breyte schultern daran, ob du es möchtest erhalten Petrarche trostbücher 168ᵇ; dasz ir meynet den ritter also zu bestettigen, wird keinen weg haben, dieweil ir so viel mit ihm versucht habt buch d. liebe 252ᵇ; wiewol er (gott) tausenderley wege hierzu hatte (mich zu einem christen zu machen), wolte er sich ... nur deszjenigen bedienen ... Simpl. 1, 20, 25 Kurz; sie hat dieser tage einen guten weg (zur heirat) für sich gehabt, hat ihn aber auszgeschlagen briefe des Hamburg. bürgermeisters J. Schulte an s. sohn 169;
weg hast du allerwegen,
an mitteln fehlts dir nicht.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 373ᵃ.
etwas ist ein weg:
gnediger herr, das wer ein weg,
das all schand end nemb und blib still.
H. Sachs 2, 33, 26 Keller;
ja das ist ie der einig weg (dem tode zu entgehen).
8, 385, 13;
der ander weg (ihn zu verderben) wer, das man zuͦ nachts ... auff in warten solt Wickram 1, 86, 18 Bolte.
β)
häufig und noch jetzt üblich ist der anschlusz eines infinitivsatzes (nur im älteren nhd. zuweilen ohne zu):
gewinnen guͦt suͦch zimmlich weg.
J. v. Schwarzenberg t. Cicero 144;
welher rosz zuo gemaind stelt, der sol weg hon die ze tailen, wenn er wil, im höwat und im augsten weisth. 5, 190 (S. Gallen 15. jahrh.); sie enwiszt kainen wege inen ze entrinnen Steinhöwel de claris mul. 139 Drescher; suͦchen sie weg mich zu vervolgen v. Hutten op. 1, 415 Böcking; wie nun zuͦ diser zit ... die uneinikeit der kristenhöptern dem Türken hat weg geben, die kristenheit ... zeschwächen Anshelm Berner chronik 5, 180; in disem jar ... hat graf Igel widerumb weg gesucht an mich zu komen Schertlin leben 128; nun will ich eüch anzeigen ein nahen nützlichen wäg ewerem ampt gnuͦg ze thuͦn Eberlin v. Günzburg 1, 46 neudr.; gleichwie die arzet bittere arzeneien mit süsen säfften vermischen und also eynen weg erfunden haben, durch angeneme erlustigung zugleich die wirckliche nuzbarkeyt fortzusetzen Fischart ehezuchtb. 312, 26 Hauffen;
gedacht, wie ich weg möcht errhaten
zu gnisen des erschmackten praten.
flöhhaz 967 Kurz;
zu der weiszheit zukommen seynd zweyerley weg Lehman (1662) 1, 205; gleichwol zeigte ihnen gott und das verhängnüs einen weg die römischen fessel von ihren gliedern zu schleudern v. Lohenstein Arminius 1, 24ᵃ; es ist kein weg darzu zu gelangen, omnis mihi praerepta est occasio ad hanc rem Stieler 2455; kurtz, ihr habet die sinne theils selbst perfectionirt, theils andern den weg gebahnet, sie zu perfectioniren discourse der mahlern 3, 35; er hofte zugleich die wilden krieger durch die bande der religion zur beobachtung ihrer versprechen zu halten, und auch ihnen den weg zu öfnen, einer unseligen ewigkeit zu entgehn Haller Alfred 31; unter andern wuszten die bischöfe wege genug, ihnen das ihrige wieder mit guter manier abzunehmen M. J. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 336;
niemand liebst du, und mich, Philarchos, liebst du so heftig.
ist denn kein anderer weg, mich zu bezwingen, als der?
Göthe 1, 322 (venet. epigr. 64);
und kaum war ein anderer weg zu gunst und gnade zu gelangen 46, 31; gewisz würden sie auf wege sinnen, dieselben (die freunde) in unglück zu stürzen Schiller 1, 17; nie war eine sache so verzweifelt, dasz sein fruchtbarer kopf nicht immer noch wege gefunden hätte, zu entkommen 11, 192; dasz die nachahmung der Griechen der einzige weg für uns neuere sei grosz ... zu werden Justi Winckelmann 2, i, 82.
γ)
ebenso ist der anschlusz eines mit wie eingeleiteten nebensatzes üblich geblieben:
ir was di maʒe ummere,
wan daʒ si wege funde,
wi si gevenjen kunde
alle wege unde alle zit.
heil. Elisabeth 743 Rieger;
(die Züricher) han ein bessern weg gefunden,
wie die flüsz werden uberwunden.
Fischart glückhaft schiff 61;
ob diser fürst mit klugen sinnen (Nestor)
möcht weisen einen weg, wie man
der Griechen sach solt greiffen an.
Spreng Ilias 125ᵃ;
enbot sy Euriolo, das er ... wol zaigen möcht ainen wäge, wie sy zuͦ samen komen möchten N. v. Wyle translat. 44, 12 Keller: im fürsatz wäg zusuͦchen, wie er Othonem ... verrahten ... möchte Stumpf Schwytzerchronik 74ᵃ; dasz er (Noe) uns hat den weg gezaigt, wie man den wein pflantzen und zuberaiten, auch trincken soll Albertinus de conviviis 29ᵃ.
c)
weg wird in dieser bed. zur verdeutlichung gern mit bedeutungsverwandten subst. verbunden.
α)
an weg im eigentlichen sinn schlieszt sich weg und steg, das früher auch als 'gelegenheit, möglichkeit, mittel' vorkommt, s. th. 10, ii, 1384: rationem dare, ein mittel oder ursach etwas zethuͦn geben, stäg und wäg anzeigen, was ... Frisius 440ᵃ; inclusis aperire fugam, inen die flucht aufthuͦn, stäg und wäg geben ze fliehen 590ᵇ; da ain oder aine zawbri treibent, das kumber geb oder fraw oder man steg oder weg geb, das eeleit dick wider ir er die ee brechent reformation k. Sigmunds 216 Böhm; nu hat uns gott mancherley weise, weg und stege furgestellt, (da)durch wir die gnade ... ergreiffen Luther 32, 424, 26 Weim. ausg.; will ich mich den nächsten zuͦ meins gnädigen fürsten und herren von München secretarien verfuͤgen, der selbig wirt mir wol weg und steg anzeigen, da mit ich zalt werd Uhland volksl. 621; die vier ort ... suchtend stäg und weg, wie si den krieg vertrucken möchtind Tschudi chron. helv. 2, 119; sie (die eltern) schauen auff alle weg und steg, wie sie den leib der kinder ... versorgen Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 122. ebenso vereinzelte andere verbindungen: omnes vias pecuniae norunt ... Graeci, die Griechen wissen alle schliche und wege, dem gelde nachzustehen Faber thesaurus 364ᵃ;
ob sich kampf erneut', vergliche,
ob sich roh gebirgsvolk raufe,
sucht der klüg're weg' und schliche,
wie er nur sein haus erlaufe.
v. Eichendorff 1, 380;
wiewol ir suchet weg und lucken,
die bekantnusz under zutrucken,
noch steht sie wider gewalt und list.
Fischart nachtrab 1883 Kurz;
ward ... k. Maximilian ledig, und ym deszhalb wäg und zugang geben nach dem fräuwlin von Britanien zuwerben Stumpf Schwytzerchronik 265ᵇ; ein ringer wäg, mittel, und zuͦgang zuͦn eeren, iter pronum ad honores Maaler 480ᵇ.
β)
die abstracte bedeutung tritt schärfer hervor in den verbindungen gelegenheit und weg, weg und rat, weg und masz, kunst und weg, weg und sinn (sinn und weg), die alle nur dem älteren nhd. angehören: ich wollt zwar gern, dasz ich gelegenheit und weg gehabt, solchs euch mit mehrer ehr und herrligkeit zuzustellen Amadis 57 Keller (wege und gelegenheit 18);
den armen adel fressen sye (die päpstlichen)
undt süchen teglich weg und rath,
das ye bei freiheit bleib keyn stadt.
U. v. Hutten 3, 529 Böcking;
das die fursten von Pomern die lenge wege und masz funden, das sie inen bey hertzog Heinriche ... erpaten, das er all sein land widderkreig Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 99 Gäbel; das ist ein feines exempel die halsstarrigkeit der weiber mit mancherlei kunst und weg (variis artibus) zu brechen Bebel facetiae (1589) 187ᵇ;
lasz du nur gott des krieges walten!
den sieg wird er dir wol erhalten
durch wunderberlich weg und sin.
H. Sachs 1, 219, 23 Keller;
anhube und (l. zu) bedencken, wie er syn und wege finden möcht seinen pösen willen ze verpringen Decamerone 235, 6 Keller; (der jüngling) synn und weg bedacht, das er die jungkfrawen zuͦ seinem willen geschickt wüszt Lindener rastbüchlein 38 neudr.;
darnach such mittel, weg und sin,
solch tyranney zu legen hin!
H. Sachs 1, 219, 15 Keller.
weisung und weg: das dem hertzog Josue der engel gottes erschyn und der gab im weisung und weg, wie er die stat Jericho solt zerstören Keisersberg ausgang der Juden M 1ᵃ. ähnlich: weg und anzeigen ze geben, wie und welher gestalt inen in söllichem hilff zu thuͦn sey Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 651 (1500).
γ)
weg und weise oder weise und weg, häufig als 'art des verfahrens' (3), kommt auch als 'möglichkeit, gelegenheit' im älteren nhd. vor: czum vierden, zu solcher vergebung der schult, und das hertz zustillen vor den sunden, seynd mancherley weg und weysz Luther 2, 714, 30 Weim. ausg.; wo ich vielleicht nicht andern bequemern weg und weisz hette mich euch zu offenbaren Amadis 111 Keller; jedoch will ich noch kein krieg wagen, ich hab dann zuvor alle weg und weisz zu einem friden versuchet Garg. 331 Alsleben; kühnlich und hertzhafftig streiten ist der beste weg und weisz zu überwinden Lehman (1662) 3, 169;
hat er gedacht auf weg und weis,
wie er im dienen mocht mit fleisz.
Schade satiren 1, 121, 385;
du kannst nicht ohne gaben seyn,
hast tausend weg und weisen,
dein arme heerd
auf dieser erd
zu nehren und zu speisen.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 358ᵃ;
also thuen auch, die im unglawben ligen, folgen nur der vornunfft und wollen selber weysz und wegk suchen, dardurch sie der anfechtung losz werden Luther 9, 608, 8 Weim. ausg.;
kein weysz noch weg ist mir zu ferr (den auftrag auszurichten),
kein list noch ranck spar ich auch nicht.
H. Sachs 2, 6, 10 Keller;
derhalben dacht er weisz und weg,
wie er solch schand von im ableg.
Fischart nachtrab 2725 Kurz;
doch weisz ich nicht weisz oder weg,
dardurch er uns noch unterleg.
Ayrer 1551 Keller;
wer, wie er werde reich, wil weis' und weg betrachten,
der lerne geld und gut bald viel, bald wenig achten.
Logau 1, 2, 26 (s. 38 Eitner).
verbindung mit mittel: dare viam, mittel, weysz und wäg geben Frisius 441ᵇ; kein andern weg, weise noch mittel dazu Luther 28, 97, 13 Weim. ausg.;
gebrauch all mittel, weg und weis.
Lobwasser calumnia F 2.
δ)
am häufigsten ist das seit dem 15. jahrh. (zunächst in der kanzleisprache) auftretende weg und mittel, in der neueren sprache ganz überwiegend mit nachstellung von weg, mittel und weg (s. auch th. 6, 2387):
1))
durch was weg und mittel söllicher frid aller beständtlichost gehandhabt und behaubtet werden möchte Janssen Frankfurts reichscorr. 2, 330 (1474); uns verrer helffen weeg und mittel fürnemen und beslieszen 2, 573 (1493); deszgleichen (gehöret zur demut), das wir nicht unordentliche wege und mittel für die hand nehmen, uns selbs zu erheben F. Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 62ᵃ;
wann gott der thut sein werck volziehen
zu seiner verordneten zeyt
durch weg und mittel vor bereyt.
H. Sachs 2, 132, 17 Keller;
wer willkomm kommen will zuͦ hausz,
kauff seim weib disz buͦch zuͦ vorausz,
dann hierinn find sie weg und mittel,
wie sie die flöh ausz beltzen schüttel.
Fischart flöhhaz s. 1 neudr.;
derhalben seid nach ewrer macht
auff weg und mittel selbst bedacht,
wie man den hauffen speise.
Ringwald evangelia M 3ᵇ;
Aeneas kurtzumb haben wolt,
das man ihm hilff erzeygen solt
auff weg und mittel wie man sich
darzu möcht schicken fürderlich.
Spreng Aeneis 252ᵃ;
dann ich weisz mit keim weg noch mittel
den Römern etwas anzugwinnen.
Ayrer 425 Keller;
wenn nun die liebste selbst auf weg und mittel sinnet,
wie sie gelegenheit, bey euch zu seyn, gewinnet.
Picander 2, 258;
die wege und mittel der letztern (der art der kriegsführung) werden immer davon abhängig sein, ob man das schlieszlich gewonnene resultat oder mehr oder weniger hat erreichen wollen v. Bismarck ged. u. erinn. 2, 118 volksausg.
2))
mittel uͦnt weg zù foͤrchten got
euch wiel ich lẹren fein.
Melissus psalmen 124 (ps. 34, 12) neudr.;
damit das menschliche geschlecht
allzeit geleitet würde recht
durch mancherley mittel und weg.
W. Spangenberg Hecuba argum. 27 bei Dähnhardt griech. dramen 1, 267;
das ... ain gleicher und zimlicher anschlag gemacht oder durch ander mittl und weg ... ain ansehliche summa gelts aufpracht ... werde altbaier. freibriefe 134 v. Lerchenfeld; welcher ... zuͦvor zimliche mittel und weg ... suͦcht Schaidenraiszer Odyssea vorr. 2; die selbigen (haben) ... zweyerley verursachung, mittel oder weg vorhanden gehabt Ryff spiegel u. regiment d. gesundheit a a 2ᵃ; hett man doch wol künden andere mittel und wege finden, darmit der fürst were bey leben bliben Schumann nachtbüchl. 185 Bolte; derselbe bedachte mittel und wege, wie er sein volck dem orden möchte überlieffern Schütz hist. rer. pruss. 2, K 2ᵃ; wüste er ihnen wol mittel und wäg solche ... bürde abzuladen Stumpf Schwytzerchronik 167ᵇ; wenn mir denn mittel und wege dieses ... zu erwiedern mangeln Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 438; dann siehet ein fürst oder herr, dasz er hintergangen ... worden, so suchet er mittel und weg, wie er sich fernerer assistentz enthalte Böckler neue kriegs-schule 871; hoffe nicht, dasz ich dir hier mittel und wege werde weisen können reich zu werden Prätorius d. abentheuerl. glückstopf vorr. 2; ich sann nunmehr auff mittel und wege meinen grimm an ihm auszuüben v. Lohenstein Arminius 1, 488ᵃ; in ansehen das reich der pedanterey und heucheley alle ersinnliche mittel und wege zusammen gesucht, wie sie mich ... von meiner guten intention abwendig machen ... möchten Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 235; (der christl. fürst) gebraucht ... die mittel und wege, welche die vernunft und eine wahre staatsklugheit darbieten C. F. v. Moser beherzigungen (1763) 210; durch welche mittel und wege hat er selbst sein bestes erlangt? Herder 5, 583 Suphan; zu dem, was die natur macht, findet sie überall stoff, mittel und wege 22, 127; er besprach sich oft über mittel und wege sich hier loszuwinden Göthe 25, 250 Weim. ausg.; irdische mittel und wege bringen mich schwerlich nach Berlin briefe 29, 27.
3)
da man sich eines weges bedient, um ein ziel zu erreichen, und oft mehrere wege zum ziel führen, erscheint weg in der bedeutung 'verfahren, art des verfahrens, art und weise': ratio, weg Diefenbach gl. 485ᵃ; guisa, forma, modo, maniera, weisz, weg, manier Hulsius 2, 186ᵇ. die verbindung mit weise (vor- oder nachgestellt) ist sehr häufig; seltener die mit andern subst: solichs ... nach auszweisung der geschriben recht und notturfft der sach in allem besten form, masz, weg und gestalt, wie es sein soll Knebel chronik v. Kaisheim 255; masz und weg s. auch b α Gäbelkover; weg und gestalt s. b β Fischart; art und weg s. b β Reinicke fuchs.
a)
bildliche ausdrucksweise zeigt sich noch in der verbindungen einen weg gehen (B 2 a), nehmen (B 2 b), betreten, ergreifen, einschlagen, verfolgen (B 2 d), beschreiten, weniger in einen weg erwählen, sich eines weges bedienen u. dgl. (vgl. auch 2 b einen weg finden, treffen, an die hand nehmen usw., wo weg oft auch als 'verfahren' genommen werden kann): so ich mich ein menschlich pildnus zu machen understee, geprauch ich mich dises wegs Dürer von menschl. proportion A 3ᵃ; um in seinem vorhaben ... desto glücklicher zu seyn, erwählt Ford den weg der verkleidung und der verfälschung seines namens Gerstenberg rezensionen 144 neudr.; indessen war mein widerwille, mich selbst abzuschreiben, ... so grosz, dasz ich (bei der abhandlung) diesen weg vorzog Schopenhauer 1, 11 Grisebach. die abgeblaszte bed. 'art und weise' ist im älteren nhd. sehr häufig, doch besonders in bestimmten adverbiellen wendungen (b), die z. th. bis ins mhd. hinaufreichen.
α)
auch sonst kennt das ältere nhd. weg als 'verfahren' noch in gröszerem umfang als jetzt: das hat die vorhte von irs adels wegen, daʒ sú behuͤtet ... vor den wegen und wisen und werken do der mensche sinen geistlichen friden verlieren mag Tauler predigten 106, 15 Vetter; wir ... wuszten ouch nit komlichern weg, denn daʒ wir alle die unsern anruͤftin rechtsquellen des kantons Bern 2, i, 1, 33, 32 (1449) v. Tscharner; so mag der richter dem krieger oder gleuber das pfand einthun ... aber diser weg ist dem kleger nicht dienstlich König practica u. procesz (1550) 82ᵈ; die drei weg und weisen zu philosophirn auf logicisch Garg. 24 Alsleben; zwen weg seind dardurch die menschen gebessert mögen werden Xylander Polybius 25; sihe das ist also der ... sicherste wege, durch welche man pflegt ... das öle zu extrahiren Sebiz feldbau 448. allgemein auf lebenshaltung und lebensanschauungen bezogen:
Alexandern ich doch gesaget han,
der weis den wege siner gesundheit.
H. v. Bühel Dyocletianus 8821;
nach diesem wege (ὁδός), den sie eine secten heiszen, diene ich also dem gott meiner veter ap.-gesch. 24, 14, vgl. 9, 2; hier setzte man sich den theologen von dem alten und von dem neuen wege, den nominalisten und den realisten ... entgegen Ranke 1, 203; methodus, recht weg, gerechter weg Diefenbach gl. 359ᶜ. vorschrift wie zu verfahren ist: wie nun die ... krummen mauren ... in den oberen grund eingeteylt sollen werden, das suͦch man durch disen nachfolgenden weg, der künstlich ist Dürer etl. underricht z. bef. d. stett A 4ᵃ.
β)
noch jetzt ist weg als 'verfahren' in der rechtssprache üblich, was in ältere zeit hinaufreicht: so ist ihme doch der weg des rechtens einen andern zu beklagen ... benommen Teuber instruction des gerichtl. processes (1613) 21ᵇ; nach dem ... der weg der beweisung nicht gehindert werden solle 70ᵇ; damit einer dieses weges der beruffung nicht gebraucht v. Rotschitz processus juris (1614) 84ᵇ; wo aber der kläger nit den weg des einsatzes, ... sonder den anderen weg, nemblich die aufftragung einer geltstraff, begert landrecht der fürstenth. Obern u. Nidern Bayern (1616) 13ᵃ; weg der anklage s.B 2 a α Nigrinus; weg der hülffe, via executionis Zedler 53, 1518. andrerseits weg der güte, weg der gnade. ebenso mit adj.: und alle gütliche wege, die selbst der monarch dabey einleiten will, sind fruchtlos Lessing 7, 253; so dasz der beleidigte theil gar oft sich lieber die genugthuung nach willkühr verschaffen, als solche erst durch gerichtliche wege suchen wollte M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 308. in der chemie versteht man unter nassem weg (via humida) die behandlung von flüssigkeiten oder starren körpern in gelöstem zustande, trockener weg (via sicca) ist die zersetzung starrer körper durch schmelzen Jacobsson 4, 619ᵃ. Fehling handwb. d. chemie 9 (1864) 602: zu dem bewunderungswürdigen verfahren der gewinnung des silbers auf einer art von nassem weg Liebig induction und deduction 15.
γ)
allgemein üblich (nicht nur in der juristischen und wissenschaftlichen sprache) ist die wendung auf dem wege (mit adj. oder abhängigem gen.), wobei zuweilen noch die ursprüngliche bed. von weg stärker hervortritt (vgl.A 2 d β 2)) ): vom gröszten bis zum kleinsten (advocaten) sagten sie mir, auf dem wege rechtens erhielt ich nichts, als geld, wär' auch alles so, wie ich gesagt K. G. Lessing die mätresse 59, 2 (3, 7) neudr.; selbst was wir überliefern von glaubens- und sittenbekenntnisz, wird auf dem wege des gesanges mitgetheilt Göthe 24, 235 Weim. ausg.; wenn wir einen körper auf dem anatomischen wege zerlegen naturwiss. schriften 6, 10; die materie der thätigkeit also ... musz der mensch erst empfangen, und zwar empfängt er dieselbe ... auf dem wege der wahrnehmung Schiller 10, 309;
er (Mortimer) war's, durch den
Maria unterhandlung mit mir pflog,
den ich auf diesem wege kennen lernte.
12, 530 (M. Stuart 4, 6);
er selbst (Wallenstein) vertraute mir — was ich zwar längst
auf anderm weg schon in erfahrung brachte:
dasz er zum Schweden wolle übergehn.
12, 186 (Piccol. 5, 1);
ich will auf kürzerm weg mir licht verschaffen.
12, 196 (Piccol. 5, 3);
auch wenn sie ihn (den gürtel), wie sich vermuten läszt,
auf einem allgemeinen weg erhielt,
und zum verkauf er ihr geboten wurde,
so helf' uns der verkäufer auf den dieb!
Platen 209 (schatz d. Rhamps. 4);
unsere untersuchung ist geschlossen, wenn wir auf dem wege der ableitung wieder zur vorstellung unserer sinnlichen wirksamkeit zurückkommen Fichte sittenlehre (1798) VI; Staufen sei ihr von dem grafen vom Strahl, auf dem wege freundlicher vermittlung, abgetreten H. v. Kleist 2, 247 (Käth. v. H. 3, 2) E. Schmidt; das in ihren augen unangenehme ereignisz ist auf ganz natürlichem wege herbeigeführt worden Immermann 2, 113 Hempel; diese frage ist auf geschichtlichem wege nicht zu beantworten v. Savigny beruf unsrer zeit zur gesetzg. 8; den letzten versuch auf dem wege verständiger überredung hatte er in jener neujahrsnacht gemacht Mörike 3, 68; dies wird zunächst auf künstlerischem wege durch die selbstständige behandlung der beiden partien erreicht O. Jahn Mozart 4, 35; durch vergoldung auf chemischem weg Liebig induction u. deduction 18; dazu war ... auf dem wege der güte nicht zu gelangen Mommsen röm. gesch.⁷ 2, 225.
δ)
dagegen ist im wege nur wenig über die rechts- und kanzleisprache hinaus vorgedrungen:
kurz, Vastola beweist,
sie habe recht, mit so viel witz und geist,
dasz, sich mit ihr herum zu fechten,
Pervonten wenig edel däucht,
und sie mit ihrem haberechten ...
was sie gesucht, im wege rechts erreicht.
Wieland 18, 164;
so viel konnte man voraussehen, dasz die feindseligkeiten nicht im wege der güte ausgeglichen werden würden Ranke 1, 226; Joseph II. meinte eine umgestaltung ... im wege der verordnung durchzuführen 31/32, 42; eine allmähliche unterwerfung der einzelnen landschaften entweder im wege des vertrages oder mit gewalt der waffen 38, 66; dasz man damit anfängt, sei es im wege der zollpolitik, sei es im wege der steuerpolitik, die taschen der steuerzahler in viel höherer weise als früher in anspruch zu nehmen Bamberger bei Flathe deutsche reden 2, 467; dasz ich die unentbehrliche einheit des dienstes durch discussion im wege des schriftwechsels herstelle v. Bismarck ged. u. erinn. 2, 23 volksausg.; wird ein schuldanerkenntnis oder schuldversprechen ... im wege des vergleichs erteilt bürgerl. gesetzb. § 782; das gleiche gilt für den erwerb von grundstücken im wege der zwangsversteigerung handelsgesetzb. § 207, 5.
ε)
bei durch den weg bleibt es öfter zweifelhaft, ob weg als 'art und weise' oder 'mittel' zu nehmen ist (andre fälle s. u. b): wo im aber nit so were als ir gesprochen habt, so tet ir unrecht mir sy durch sölche wege ze nemen Decamerone 157, 24 Keller; man kan etwa den feynden mit list mer abbrechen, dann durch ander weg Dürer underricht z. befest. d. stett C 2ᵇ; er hoffet leicht durch solche weg keyser zu werden S. Franck chron. Germaniae 71ᵇ; amplificatio erleutert die gegebene ursache durch ... zeugnüsse, und endlich durch viel andere wege Ch. Weise polit. redner 25; es geschehe auch durch rechtmäszige oder durch unrechtmäszige wege Ludwig 2404; es kan demselben (dem wachs) die glätte des fleisches, die es im poussiren nicht ohne grosze mühe annehmen will, durch einen andern weg gegeben werden Winckelmann ged. üb. die nachahm. d. griech. werke 30, 27 neudr.; sie können sich dagegen bemühen, durch andere wege, als durch ihre gestalt zu gefallen J. E. Schlegel 5, 195; ich fordre, dasz er (der dichter) auch auf die zuschauer rücksicht nehme, und genau wisse durch welche wege man sich ihres herzens meister macht Wieland 19, 80;
allein, durch welchen weg bist du dem tod entgangen?
v. Cronegk 1, 78 (Codrus 1, 5).
ähnlich mit im älteren nhd.: seine ... feindt (haben) mit verreterlichen wegen inen und seine brüder umbzubringen vorgehabt Aymon (1535) Q 2ᵃ; ach du neydisch glück ... mit was manchen unerdencklichen wegen verspottest du unser geschichten buch d. liebe 113ᵈ.
b)
sehr häufig erscheint im älteren nhd. weg als 'art und weise' (oft mit weise verbunden), auch 'hinsicht, beziehung' (namentlich mit ein, kein, viel, all), in adverbiellen wendungen, so dasz weg entweder von in, auf (mit dem acc., seltener dat.), zuweilen durch, mit, abhängig ist oder in erstarrten casusformen (acc. oder gen.) steht. die neuere schriftsprache kennt von diesen bildungen nur noch keineswegs und das archaistische in allewege, alleweg u. ä. mit weg sind pronomina oder zahlbegriffe ausdrückende adj. verbunden, selten andre adj. (vgl. auch 6 am ende): das der storm und krieg mochte ein weinig anstands haben; so wolten sie sich bereden, das sie sich auff leidliche wege ergeben mochten Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 109 Gäbel; nun glaubst du, das wir in unzimlich weg verspottet seien H. Neidhart eunuchus 126 Fischer; (den vorrat) verprauchen, verthun, abtragen, oder inn sonst unnütze weg verwenden und verschwenden Fischart ehezuchtb. 209 Hauffen. die wendungen mit den pron. haben sich im jetzigen obd. erhalten, dem sich hier das engl. (that way, which way usw.) an die seite stellt. auch im nordischen sind die adverbiellen bildungen (þann veg, hvern veg, alla vega oder á alla vega usw.) reich entwickelt.
α)
im älteren md. kommt in der wegene 'in der weise' vor (s. I 3):
sie sazten vor uns, die alten,
gerecht tichtene in der wegene
daʒ kein buchstab begegene
der vumfer (der vokale) an deme worte,
daʒ einer an dem borte,
der ander an dem ende ste.
H. v. Hesler Apokalypse 1399 Helm.
nhd. auf, in den (diesen) weg: Galenus sagt, er habe vil weyberen geholffen ... auff disen weg. er liesz inen ein ader ... sprengen Gesners thierbuch v. Herold u. Forer 27; solches wirstu auff die wege können enden, wann du sagen wirst, wie wir uns rüsten Barth weiberspiegel G 8ᵇ; etliche machens (die arznei) auff den weg Gäbelkover artzneybuch 2, 191; nach dem so ist weiter zuerkennen des teuffel reich, in den weg. wo solche göttliche influentz hinfellet, da schlecht sich der teuffel auch hin, und macht auch ein schein dahin Paracelsus (1590) 9, 155. auch durch den weg, mit dem weg (s. a ε):
(die hebammen zu Pharao, weshalb sie die knäblein nicht
töten können):
wann die ebreischen weiber
... gebären, eh das wir kommen ...
durch den weg kündt wir deim gebot
nit nachkommen in disem fall.
H. Sachs 10, 82, 8 Keller;
was wolt ihr wann gott uns durch diesen weg säubert und zugleich probiert? Schupp schriften 692; mit dem weg brachte es Dydo dar zuͦ, dasz sie sich all ir zuͦ dienst erboten Schöferlin Livius (Mainz 1514) 92ᵇ. am gewöhnlichsten nur acc. den (diesen) weg: als aber Lucrecia vermarckt ir ufsetz und anschlege enteckt sin, sprach sy, es haͮt sich nit gelücket disen wege, darumb gangen wir ainen andern N. v. Wyle translat. 44, 6 Keller;
wolt ich on urlaub dannen faren,
urlaub nemmen hinder der thür.
doch ists den weg vil lieber mir,
das ich mit guͦtem willen scheid.
Wickram 4, 235 (pilger 3450) Bolte;
das wer den maidlin zu begeren,
das alle flöh ovidisch wären,
so würden sie nicht so gepfetzt,
wie man sie sonst den weg verlezt.
Fischart ursach der flöhschlacht 18 Kurz;
den weg, also, sie Dentzler 2, 344; wir solten uns gehalten haben, dasz man nichts böses von uns argwöhnen können, diesen weg aber würden wir den einmal gefassten verdacht niemand benehmen Simpl. 1, 337, 17 Kurz; dieses must du also nehmen, das anderst. ich will es diesen weg haben discourse der mahlern 1, 68 Vetter (Bodmer). noch jetzt im alem.-schwäb. Stalder 2, 439. Hunziker 290 (dë wëg auf diese, dise wëg auf die andre weise). zeitschr. f. d. mda. 1907, 313 (Interlaken). Seiler 307ᵃ. Martin-Lienhart 2, 800. Fischer 2, 157. 229.
β)
auf, in welchen weg, auch nur welchen weg, welches wegs: wie oder welichs wegs inn dasz gut ankommen ist weisth. 4, 271 (k. Zürich 1435); ist eim ein arm herausz, ... so luͦg zum ersten, wie oder wellichen weg er herausz ist Gersdorff wundartzney 40ᵇ;
weisz mich, uff welche weg und gstalt
man ruhm erhol und auch erhalt.
Fischart ritter v. Stauff. 107 Hauffen.
verallgemeinernd: daʒ uns ieman ... darumb bekümmern wolt in welhen weg daʒ were städtechr. 4, 158, 37 (Augsb. 1363); ich wil, so bald ich immer in Portugal komme, euch entbieten, wie es umb mich stehe, es sey doch in welchen weg es wöll buch d. liebe 256, 1. so noch jetzt obd. welchen weg Frommann 4, 148 aus Bern (welr weg du wit, pro lubitu tuo); meist in der bed. 'jedenfalls, trotzdem' Martin-Lienhart 2, 801. Schmeller 2, 875. bis ins 18. jahrh. auch auf, in, durch was weg: wurden sie emsiglichen suͦchen, durch was weg sie doch etwann mit ein ander reden möchten Steinhöwel de claris mul. 55 Drescher; hör durch was weg oder weise (qua ratione) das geschehen möge Dasypodius 204ᵈ; (mag) ermessen, auff was weisz und weg ... keyser Constantinus (alles auf den feldbau bezügliche) zusammengetragen und beschriben hat Herr feldbau 86; so ist uns ... erstlich zuwissen, in was wege ausz der philosophey der grundt der artzney mög genommen werden Paracelsus (1616) 1, 205 A;
derhalben hört mir zu mit fleisz,
auff was verzweiffelt weg und weisz
ich seidher in meim langen leyd
gedacht hab, mich zurechen heut.
Fischart jesuiterhütlein 116 Hauffen;
ich gab aber ihr auch dabey anschläge,
und gar guten rath, auf was art und wege
sie es machen müst und solt.
Reinicke fuchs (1650) 378;
auf was weisz und weg Nürnberger banco-ordnung v. 1721, art. 3. verallgemeinernd: wann ein mensch wund würdt, in was masz oder weg das ist, es sey durch stechen, schlagen, fallen oder schieszen Gäbelkover artzneybuch 2, 217; es beschehe in was weg es immer wolle österr. weisth. 3, 84, 22 (Oberinnthal, hs. v. 1618); das sy mit was wegen sy kunden (quibus rebus possint) die macht der puntnus sterckend D. v. Pleningen Sallust (1515) E 1ᵃ; damit sie auff weisz und weg, wie es ihnen gefällig, ... sich mögen verzuckt machen Bodin daemonomania, übers. v. Fischart (1581) 233. vgl. auch: wie und wasserley weisz, mittel und weg gott dem teuffel ... wehre und steuwre theatr. diabol. 158ᵇ.
γ)
auf, in einen, einigen weg: das guͦt hat alweg sein belonung auff im, und tregt das bösz sein straff auff dem rücken, ob das in eynen weg nit geschicht, so geschicht es doch inn andern Livius v. Carbach (1530) 19ᵇ; schwäb. auf einᵉⁿ weg 'in einer beziehung' Fischer 2, 598; ob etwer diser unser geschrifft in einichen weg freventlich ze wider handlen wurde Tschudi chron. helv. 1, 11; so müssen wir allerhand mittel ergreifen, wodurch solche mängel in einige wege möchten ersätzet ... werden Butschky Pathmos 603. auch nur einigen weg, einiges weges: disz helig erst gebot ... sollt billig ghein creatur nie understanden haben einigen weg ze ändern Zwingli d. schriften 2, 21; dasz sie auch derhalben keiner weibspersonen ... einigs weg wolten gestatten diesem orth zu nahen Kirchhof wendunmuth 1, 198; wider aller menigklich ..., der uns ainiges weegs daran bekommern ... wolt v. Brandis tirol. adler (1678) 135. auf, in einerlei, einigerlei weg: alles das, das sich in des menschen leibe und seel in einerlei weisz und wege wider das gepott gottes regen und wegen mag Hermann (erzbischof von Cöln) reformation (1545) 40ᵃ; sag mir, hab ich dich erzürnet in aincherlay weg? Fortunatus 5 neudr.; hab er wider sein göttlichen willen ye gethon in eincherley weysz oder weg manuale curatorum (1516) 81ᵃ; ich befleisz mich auch, das sie wider zuͦ eüch komme, so ich das in einigerley weg (ullo modo) verschaffen und zewegen bringen kan Boltz Terenz deutsch 117ᵃ; (wenn) der mensch auff einigerley weisz und weg mit dem satan heimliche correspondentz und verstand hält Dannhawer catechismusmilch 1, 185.
δ)
in keinen weg ist im 15. und 16. jahrh. sehr häufig, s. th. 5, 494. ein beleg noch bei Ayrer:
so muszt ... darzu auch verschreiben dich
bey königlicher treü und ehr
wider uns zu thun nimmermehr
weder durch dich noch ander leut,
inn kein weisz, weg, in ewigkeit.
1476 Keller.
viel seltener ist auf keinen weg: es hat der teuffel auff kein andern weg und weise aus der delphischen warsagerin zu reden gepflegt Nigrinus von zäuberern 34. schweiz. uf kei wäg Frommann 4, 149 (Bern). Seiler 307. auch in (zuweilen auf) mit dem dativ ist hier gebräuchlich: das ich ir in keinem wege hette solche schande vergünnen wollen Decamerone 37, 18 Keller; (dies) in keinem (var. keinen) wegk zu gestaten Stolle thür. chron. 511 Thiele; der kan szonst ynn keynem weg frum werden Luther 10, iii, 284, 30 Weim. ausg.; aber solches ime der kauffmann in keinem wege vergonnen oder zuͦlassen wolte Lindener rastbüchlein 15;
herr könig, diese feinde sindt
warlich in keim weg zu verachten.
H. Sachs 13, 494, 1 Götze;
das ich aber mein harnisch wol
von mir thun und ablegen sol,
geschicht in keinem wege nicht.
Bresnicer christl. ritterschaft D 5ᵇ;
und last mich ir (der falschen lehrer) spitzfindigkeit
in keinem weg beschleichen.
Ringwald evangelia b 5ᵃ;
drum wolt diese that
mir in keinem weg behagen.
Reinicke fuchs (1650) 162;
einem gewaltigen beredten manne kan ein armer unvormüglicher auff keinem wege wilfaren Fr. Wilhelm sprichw.-register 645. in keinem weg kommt jetzt noch als archaistische form vor (s. th. 5, 494 aus E. M. Arndt): da sehet den Florian Geyer an, der schonet des seinen in keinem weg G. Hauptmann Flor. Geyer 55 (akt 1). die acc.-form ohne präp. ist selten:
wend wir ein guͦt maal richten zuͦ,
kein wysz noch wäg nitt haben ruͦw,
bisz kochet ist, als zuͦ geruist.
schweiz. schausp. 3, 204, 1656.
jetzt els. u. schwäb. keinen weg Martin-Lienhart 2, 801. Fischer 4, 133. dagegen tritt keineswegs seit dem 15. jahrh. auf (s. a. a. o.), die wörterbücher führen es seit Maaler an. auch pluralformen kommen vor (th. 5, 495):
ein solcher ehren-mann wird auch in keine wegen
so groben bauren-schertz im schein der freundschaft pflegen.
Rachel sat. ged. 91 neudr.;
dasz ihre majestät in das künfftige in keine wege gestatten wollen ... Schupp schriften 570; aber alles dieses rechtfertigt ihn in keine wege Rabener werke 1, 81; ich ergab mich völlig dem hallischen bekehrungssystem, und mein ganzes wesen wollte auf keine wege hineinpassen Göthe 22, 306 Weim. ausg.; auf keine wege Müller-Fraureuth 2, 646ᵇ (ältere quelle). in der formel in keine weisz noch weg (Ayrer hist. proc. juris), auff keine weisz noch weg (theatrum amoris 33. Harsdörffer gesprechsp. 2, 180) ist keine wol nur zu weise zu ziehen. in keinerlei wege (th. 5, 493 aus Luther belegt) ist auch noch im 17. jahrh. üblich; Stieler und Ludwig führen auf keinerley wege neben keines weges an: strags danach zu leben und mit nichten das wider zu thain in kainerlai weisz noch weeg österr. weisth. 6, 117, 18 (Steiermark 1603); dieselbe (verträge) fest und unverbrüchlich zu halten und darwieder in keinerley wege oder weise zu kommen v. Chemnitz schwed. krieg 1, 72; mich bey dem gemeinen volck auff keinerley wege zu verunglimpffen Thomasius kleine teutsche schrifften (1707) 343; als aber der ritter den flammen der liebe durch keynerley weg auszlöschen mocht Wickram 1, 4, 21 Bolte. auch als bloszer acc. oder gen.: der knab den ritter bat, dasz er ihn keinerley weg vermelden wolt buch d. liebe 155, 2; an dem feirabent solt sich niemants uber die zeit ... in keinem velt, weil die frücht zu felt steen, kainerlai wegs finden lassen österr. weisth. 6, 157, 44 (Steiermark 1570).
ε)
auf, häufiger in andere wege (weg) kommt bis ins 17. jahrh. oft vor: uff das nun mein ampt nit allein mit predigen, sonder auch auff andere wege, vilen dienstlich were Ambach vom zusauffen A 2ᵇ; ettliche (creaturen) auch auff vil andere weg und weisen sich mehren und vermischen Heyden Plinius 303; zu versingen, verspringen, verdantzen, verpfeiffen, verspielen, und auff andere weg zu verkurtzweilen Fischart Eulenspiegel 15 Hauffen; der teuffel ... es auff viel andere wege vornimpt die menschen zu betriegen Krüger v. d. anfang u. ende d. welt A 5ᵇ;
er (Virginius) sprach: ich lasse dich mein kind nicht untertretten
und kan ich dich denn nicht auff andre weg erretten,
wolan so nimm diesz hin —
Rist poet. lustgarte G 2ᵃ;
er fünde allda kain pfärd, weder umb lon noch in ander weg (nec pretio nec alia ratione) Steinhöwel Äsop 41; (sie sollen die fische) niemant verkaufen, noch in ander weg zuestellen österr. weisth. 5, 8, 35 (schlosz Tirol 1505); der bücher, so von mir gemacht, und durch meine miszgünstigen, oder in andere weg, nit verkehret noch zu nachtheil verändert Luther briefe 1, 595; es findt sich, dasz der ander (beschenkte) im etwa mit seinen gaben in ander weg dient Franck sprichw. 2, 44ᵇ; er solt von solchem fürnemen abston und sich mit seinem gegenteyl inn ander weg vertragen Wickram 3, 76, 1 Bolte; beide der verloffnen sach frölich und wol zuͦ muͦth waren und hinfür in andere weg mit dem jungen schönen mägdlein eins wurden Lindener rastbüchlein 41; welche aber balgens halben, ob dem spiel oder in ander weg, verwundt werden Fronsperger kriegsbuch 1, 40ᵃ; weyl nun die belägerten ... weder mit stürmen, noch in ander weg zur auffgebung mochten gebracht werden Stumpf Schwytzerchr. 46ᵃ; trawe gott, und ob er dich schon jetzund betrübet hat, so kan er dich in andere wege wol wider erfrewen Heinr. Jul. v. Braunschweig 386 (ungerat. sohn 6, 3) Holland; und ihr euch hinfort in andere weg mit ein ander vergleichet Zinkgref apophth. 14; das si nicht etwa durch ein messer, oder mit gift, oder in andere wege, hingerichtet werden Butschky kanzlei 815;
ja, wann ich dich gleich wolte gar verlassen
und mich umb lieb in ander weg bewerben.
liederbuch a. d. 16. jahrh. 16 (9, 5) Gödeke;
inn ander weg und masz.
Rebhun hochzeit zu Cana 3, 351 Palm.
zuweilen durch: auch durch andere weg (in altre guise) Decamerone 3, 17 Keller;
gedacht mit fleys,
wie er durch ander weg und weis
den helden mocht bringen in not.
Teuerdank 36, 86.
seltener singularisch auf, in andern weg: etwas auff ein andern wäg und sinn verston dann es geredt ist Frisius 18ᵇ; welcher den anderen mit der hand oder funst schlecht frävenlich oder in anderen weg miszhandlet weisth. 5, 127 (Thurgau 1467); ich besorg, das Phedria das schwerer hab auffgenommen oder es in ein andern weg (aliorsum) verstanden habe, dann ichs gethon hab Boltz Terenz deutsch 1, 32ᵇ; darumb theile man nottürftigen leuten gern sein almosen mit und wisse, das es gott ihnen in andern wege reichlich ... wieder erstatten werde Pape bettel- u. garteteuffel H 4ᵇ. nur vereinzelt als bloszer acc. (vgl. th. 1, 314 anderwege bei Hoffmannswaldau) oder gen.: dise vorgemachte lini ist noch eins andern wegs zuͦ endern, nemlich, durch ein sölche meynung Dürer underweysung d. messung C 1ᵇ; das die kuhe ... weder ... sich stosze oder ... steche und anderer wege beschädige Sebiz feldbau 97. jetzt elsäss. und in Basel der anderwäg 'auf die andre weise' Martin-Lienhart 2, 800. Seiler 307ᵇ.
ζ)
auf, in zwei wege: solche hat man uff zwen weg geneydet. erstlich das sy von David her waren, zuͦm andern das sy Christo verwant Hedio chronica der christl. kirchen (1530) 18ᵇ; dupliciter, auff zwen weg Calepinus XI ling. 455ᵃ; wir sünden in zwen weg Keisersberg bilgersch. D 2ᵃ; ergernis oder verbösrung, griechisch scandalon, wirt in zwen weg verstanden Zwingli v. freiheit d. speisen 21 neudr.; die wunt weiter auff zu schneiden ... geschicht in zwen weg Braunschweig chirurgia 19ᵃ; die zeichen aber der gebrechen ... werden erkannt in zwen wege Ruoff hebammenbuch 125. genetivisch: îclich wîb erbet zweier wegene (nd. twier wegene): ir gerâde an ir niftelen ... und daʒ erbe an den nêhsten Sachsenspiegel 1, 27, 1; quam clage an daʒ lantgerihte ... fon den lantluden, daʒ man sie lude zweier wege umme ir lantreht cod. dipl. Moenofrancofurtanus 1, 422 (1303). auf, in zweierlei wege: schertz aus einem wort, das auff zweierley wege zu deuten Fr. Wilhelm sprichw.-register 163; will aber ... mein anfang von dieser frag ... nemmen, welche in zweyerley weg verstanden wirdt Agricola bergwerckb. durch Bech 2.
η)
den hebraischen text ..., der da sagt, das er auff seinem bett oder stab leynende (dann man mag es auff beid weg nemmen) gott anruffte Fischart binenkorb 175; utrumque, beder wegen (nd.) Diefenbach gl. 631ᶜ.
θ)
auf, in drei wege: dreyfaltigklich, auff drey wäg oder wysz Frisius 1331ᵃ; dann das geblüt wird als dann auff drey wege auszgetheilt Wirsung artzneybuch 541ᵇ; ein geschicht in drey wäg anzeigen oder erzellen Frisius 458ᵇ; du solt sye (die schulden) bezalen in dreyerley weg Keisersberg bilgersch. B 2ᶜ.
ι)
auf, in etliche wege: ist ihr balg wol zuͦ brauchen und auff ettliche wege fürstendig Heyden Plinius 190; aliquo modo, etlicher wysz und gestalt, in etlich wäg Frisius 72ᵃ; die mir nit allein in etliche weg darzu hülff gethan Fronsperger kriegsbuch 1, 92ᵇ. genetivisch:
si wend sich an ainr pfrond nit lan benügen.
ettlicher weg tuond si es fügen,
das ainr zwo oder dri hab.
des teufels netz 4236.
κ)
in manchen weg:
diu vrouwe weinende saʒ,
ir dinc in manigen wec sie maʒ
und gedâht ...
gesammtabenteuer 3, 375 (68, 678);
die zwene ... wurdent gepineget in manigen weg Closener städtechr. 8, 46, 11;
dann uns ouch uff dem land gar vyl
der küng inn manch wäg geplaaget hatt.
schweiz. schausp. 1, 127, 484.
auch in mit dat.: dasz ich in demselben gottshusz, die so allda gott dienend, in mengem weg verletzt hab Tschudi chron. helv. 1, 61. oder bloszer acc.: als Trebetta manig weg suecht zu widerstan und nichts enhalf U. Füetrer bayer. chronik 30, 12 Spiller; der ... manchen weg versuͦcht dem hausz Österreych ... die drey waldstett ... anzuhencken Stumpf Schwytzerchr. 342ᵇ. im md. Sachsenspiegel der gen. manger wegene (ebenso nd.): man gibt ouch manger wegene bescheidene schok zu zehenden von der hûven 2, 48, 8. auf, in, durch mancherlei wege: (der diamant) mag aber ohne bocksblut auff mancherley wege gebrochen werden Thurneyszer magna alchymia 4; sie wurden ... gefangen und an mehr orten in mancherley wäg gericht Stumpf Schwytzerchr. 112ᵇ; nun ligen die künst in mancherley weg auszgetheilt Paracelsus (1616) 2, 318;
viel kriegsleut ...
durch manicherley weg umbkommen.
erzh. Ferdinand II. v. Tirol spec. vitae humanae 80, 6 neudr.
λ)
in viel wege kommt bis gegen 1700 häufig vor: von ungehorsamkait wegen, die si wider der statt bott und gesatzte in vil wege getaun hätten städtechr. 5, 377, 35 (Augsb. 1438); daʒ brief und insigill ... in vil weg miszbraucht worden sein österr. weisth. 6, 226, 14 (Steiermark 1494); wie zuͦ unseren zyten klosterstand in vyl wäg widerig ist christlichem wesen Eberlin v. Günzburg 1, 134; da essen sy reisz inn vil weg gekocht Franck weltbuch (1542) CCᵃ; welchen er auch in viel wege ruhmwirdig gedienet und sie gefürderet hatt Kirchhof wendunmuth 1, 148 Österley; also auch unser vernunfft mit solchen gebresten in viel weg beladen Paracelsus (1616) 2, 330; welche nicht allein in ihren lehrschrifften sich in viel weg solcher gleichnussen gebraucht Spangenberg anm. weiszheit lustg., vorr.; wurden also die irrungen ... in viel wege gestärcket und vermehret v. Chemnitz schwed. krieg 1, 11; ob schon andere christen viel und theils ein mehreres möchten erlitten haben, jedoch ... nicht in so viel wege als ich Moscherosch ins. cura parentum 7 neudr.; dasz sie der gedächtnüsz des hochseligen Nehrenden ... in viel wege verpflichtet weren Neumark neuspr. t. palmbaum 323; weil er in viel wege wider die alte gewohnheit diese würde bekommen hatte v. Lohenstein Arminius 2, 519ᵃ; nachdem die erfahrung bezeuget, dasz die pfändungen in viel weege miszbrauchet werden v. Hohberg Georgica 3, 25ᵇ. zuweilen mit dem dat.: die gerechtikait beschiecht in vil wegen und manigerlay weis Berthold v. Chiemsee t. theologey 40; in vielen wegen, in molti modi Krämer 1215. auf viel wege kommt nur in verbindung mit weise vor: du solchs auff viel weis und wege thun könntest Barth weiberspiegel Y 5ᵃ; unser schwaches gesicht kan auff viel weisz und weg vernachtheilt und betrogen werden Harsdörffer gesprechsp. 2, 94. zuweilen bloszer acc.: da das ein rat erfuͦr, gedacht er vil weg, wie man syn unbillich fürnemen temmen möcht Schöferlin Livius (Mainz 1514) 60ᵃ; ich (habe) inn meinen vorigen büchern viel weis und wege gezeiget ... Barth weiberspiegel B 1ᵃ. auf, in vielerley wege: es mag einer wol vielerley freunde auff vielerley wege haben Fr. Wilhelm sprichw.-register 511; solche leut ... miszbrauchen in ihrem zauberischen beschweren und segensprechen auf vielerley weis und weg den heiligen namen gottes Widmann Fausts leben 41 Keller; was solches vor mänigfaltige kräfften hat die menschen auff vielerley weis und weg zu verführen Simpl. schriften 4, 160, 25 (vog. 2, 21) Kurz; wir werden in vilerley weg gefangen und erwürget Franck sprichw. 1, 108ᵇ; aber yetzt tregt es sich in vilerley weg anders zuͦ v. Eppendorff Plinius 7, 11.
μ)
auf, häufiger in alle wege 'in jeder beziehung, durchaus' kommt vom 15. jahrh. an und als archaistischer ausdruck bis in die gegenwart vor:
sintemal je ein artzet soll
krancken auff all weg rahten wol,
und sonderlich das gmuͤt frisch halten.
Garg. 2 Alsleben;
grab ain gruͦb uff all weg vier schuͦch von dem ölbaum Österreicher Columella 1, 157; ist die bus uf alle weg wie zu Pfloxbach weisth. 6, 60 (1537); wir haben auff alle wege mit disem gehandelt ... von seiner meszigkeit aber nit mögen abwegen Ambach vom zusauffen F 1ᵃ; der herr solle auf alle weise und wege sich losz zu würcken bedacht seyn Harsdörffer t. secretarius 1, H h 6ᵇ; denn sie trachten auff alle weis und wege ihren stand ansehlich zu machen Arnold offen thür (1663) 99; ich ihn zu retten auf alle weis und wege bedacht war A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 469; Paris ist woll ein verdrieszlicher ort auff alle weisz undt wege Elisabeth Charlotte v. Orleans briefe (1716—18) 19; Heinrich ... war ... so redlich, dasz er den grafen mit seinem könig auf alle wege auszusöhnen trachtete M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 23;
ich hab geret mit unserm findt ...,
was doch zuͦ letst sein meinung sei
in alle weg erfaren in,
ob er das schlosz wöl geben hin.
Murner vom luther. narren 3627 Kurz;
das wurd in alle wis und weg ein spil.
N. Manuel 120 (ablaszkrämer 223);
an die grosze gehorsame gelossenheit die er hette in alle wege, in alle wise, in alle die stetten do ime der vatter in rief Tauler predigten 70, 21 Vetter; dan er wer den sachen zu jung und zu unweise in all wege städtechr. 5, 405, 22 (Augsb. 1450); alszdenn werde er sælig in all wege unangesehen sein sünd Berthold v. Chiemsee t. theologey 22; curtisanen, deren an allen orten vil seind ... und on zweifel in alle weg dem bapst dienen werden Hutten op. 1, 409 Böcking; sollen sie auch sonst die kinder nicht mit viel büchern beschweren, sondern ynn alle weg manigfeltickeit fliehen Luther 26, 237, 2 Weim. ausg.; dasz sich unsere söhn in alle wege für krieg wollen hüten Philipp der groszm. bei Schupp 391; er befalh, das sie in alle weg der burger verschonen Franck chron. Germaniae 86ᵃ; omnibus numeris absolutus, in all weysz und wäg rächt wol gemacht Frisius 885ᵃ; dann ye frawen und junckfrawen alle ehr, zucht und ehrbarkeit in alle weg zuͦ erbieten ist Frey gartengesellschaft 16, 29 Boltz; dieselbig distinction soll auch hie gehalten werden in allweg Paracelsus (1616) 2, 445; so wil es sich in alle wege geziemen und gebüren Schupp schriften 522; das laster bleibet in alle wege eine unentbehrliche last v. Butschky Pathmos 741; deroselben himmel-fliegendes lob je und in alle wege vermehren Mühlpfort ged. 13; wie soll ich begreiffen, dasz die unersättligkeit ... einen überflusz nach sich ziehen solle? in alle wege, versetzte Malovend v. Lohenstein Arminius 1, 107ᵇ; jedoch sey in alle weege zu wissen, dasz ... v. Hohberg Georgica 3, 11ᵇ; welches wider die historische wahrheit und an sich selbst in alle wege ungereimt ist Wieland 20, 236; da waren nun die normännischen eroberer wohl bedacht, dieses angelsächsische institut in alle wege festzuhalten Dahlmann kleine schriften 367; inquisit kann, wenn er eines verdachtes angeklagt ist, in alle wege verlangen, dasz ihm die gründe des verdachtes genannt werden Hauff (1890) 2, 56; männern geziemt es in alle wege, überlebtes hinter sich zu lassen und die neu geöffnete bahn dem gröszeren ziele getrost entgegenzugehen Ribbeck reden und vorträge 19. vereinzelt kommt in allen weg oder mit dem dat. in allem weg, in allen wegen vor: das er ... desselben bistumbs ... landt stetten und lewten ... besitzen sall in allen weg unangeschen lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 295 (a. d. j. 1524); überflüszige lieb und getreüe der eeleüte ist nit in allem weg zuloben Eyb eheb. 9, 20 Herrmann; in allem weg ist es recht und billig Guarinonius grewel d. verwüstung 1149;
wir muͤszend ir mit synne pflegen
etwan in allen wegen.
mhd. minnereden 1, 13, 282 Matthaei;
gib nur in allen wegen,
o Jupiter, ein hertz das dir zu dienste sey.
Rachel sat. ged. 55 neudr.
auch als bloszer acc. allewege 'in jeder hinsicht, durchaus', was aber von dem folg. allewege 'in jedem fall, immer' meist nicht mehr geschieden werden kann:
auf mein aid
sag: ich ways, ein gepyrg ist mar
und die stein brechen allweg gar.
Teuerdank 69, 17;
de kortisanen hedden to interdictum to holdene bynnen Brunswik neymende gherequirert, sunder dat interdictum uthghesproken alleweghe (allgemein) städtechr. 16, 23, 4 (Braunschweig 1418). dafür allewegen: als geriedten die kinder nach denen der milch sie saugen, das auch zum teyl war ist, wiewol nicht allewegen Agricola sprichw. (1529) 2, 122ᵇ. mundartlich tritt die bed. noch hervor; so ist schweiz. állwäg 'jedenfalls', all wä́g 'auf jede mögliche art' Seiler 9. Hunziker 7, schwäb. ęlwęeg 'unter allen umständen, jedenfalls' Fischer 1, 145, els. allweg, auch alleⁿweg 'auf jeden fall, natürlich, gewisz' (bes. in antworten), auch 'vermutlich, nahezu' (vor zahlbegriffen) u. a. älterer schweiz. beleg:
ich ... mach mich allwäg ouch darzuͦ.
schweiz. schausp. 1, 21, 207.
die genetivische form allerwege kommt als 'in jeder weise, durchaus' auch in der neueren schriftsprache vor:
du blondinchen bist so zierlich,
aller weis' und weg' so nette.
Göthe 6, 165 Weim. ausg.;
so pflichtergeben, aufmerksam und fleiszig,
so allerwege treu, so weiblich pflegsam.
Shakespeare, Cymbeline 5, 5;
es sahn am thum zu Mainz die adelichen herrn
den Willegis zum bischof nicht allerwege gern.
Kopisch 3, 117;
ich hatte am anderen morgen meinen gesellen aller wege satt Leo meine jugendzeit 97. gleichbedeutend auch allerwegen:
bey uns da magstu aller wegen
viel sicherer dann dorten sein.
Fischart flöhhaz 150 neudr.;
als Roland höret, dasz sie also spricht,
entdeckt er ihr sein ganzes herze nicht,
doch allerwegen gut er sie beschied.
Uhland ged. (1898) 1, 338.
auf, in allerlei wege: dasz sie mögen unsere warheit auff allerlei weisz und weg auffheben und vernichtigen Pantaleon warhafftige bestätigung (1571) 115; darumb mus man (es) auff allerley weise und wege versuchen Dedekind papista conversus 7ᵇ; den patronen fleiszig auffwarten, diese auff allerley weg ihme gönstig machen Schupp schriften 549; ewiger got, dein name wærde mitten uͦnter uͦns in allerlai wege gepreiset Melissus psalmen 122 neudr.
4)
alle wege 'in allen fällen, immer' kann zwar z. th. aus dem vorausgehenden in alle wege 'in jeder hinsicht' abgeleitet werden, hat aber offenbar noch einen andern ursprung, da es schon seit dem 12. jahrh. sehr häufig ist; es ist als adverbiell gebrauchter acc. von weg 'fahrt' anzusehen und vergleicht sich dem ital. tuttavia 'immer', dem ags. ealne weg noch näher steht. mhd. in den formen alle wege, alwege, allewec, alwec (diese beiden kaum mit Pfeiffer Germania 2, 487 aus dem acc. sg. abzuleiten), mit dem adverbialen -en erweitert allewegen, alwegen usw. mhd. wb. 3, 637. mnd. allewege, alwege, auch alwegen Schiller-Lübben 1, 56. über den gebrauch im nhd. s. th. 1, 232 allewege, 1, 241 allweg, 1, 242 allwegen. durch vermischung mit allerwegen 'überall' auch in dieser form: wan wir nu allerwegen ain besunder guͦt getrawen zuͦ dir gehabt und noch haben städtechr. 5, 96 anm. (Augsburg 15. jahrh.);
er trieb sich allerwegen
gebirg und wald entlang.
Uhland ged. (1898) 1, 290.
während es in der schriftsprache nur noch als alterthümlicher ausdruck vorkommt, ist es in den mundarten sehr verbreitet in zahlreichen formen schweiz. id. 1, 208. Martin-Lienhart 1, 299ᵇ. Fischer 1, 145. Schmeller 2, 875. Schöpf 10. Unger - Khull 15; aus dem md. wird es aber nur fürs Hennebergische angegeben Spiesz 6. Adelung bezeichnet allewege als im hd. veraltet, in Oberdeutschland aber noch völlig üblich. im jetzigen nd. kommt allewege, allweg auch concessiv als 'allerdings, einigermaszen' vor Woeste 5. Schambach 7. Danneil 4. ebenfalls auf die bed. 'fall' ist zurückzugehen in der wendung einen weg als (wie) den andern, die im 16. und 17. jahrh. häufig ist: einen weg als den andern, utroque casu, quicquid acciderit, in omnem eventum Stieler 2454. die bed. ist meist 'fortgesetzt, anhaltend': thuͦn alles guͦt eben in ein weg als in ein andren Keisersberg bilgersch. 26ᶜ; es schweig aber der pfaff, noch wie fur, einen weg als den andern! Alberus widder Jörg Witzeln Mammeluken G 3ᵇ; es pleibt doch eynen weg wie den andern disz allezeit fest, dasz Petrus 25 jar lang zu Rom gesessen Fischart binenkorb (1581) 119ᵇ; mit erbieten, dasz sie ein weg als den anderen dem k(eyser) getrew, underthänig und gehorsamm sich erzeygen wöllen Stumpf Schwytzerchr. 45ᵃ; wil ich ... ein weg als den andern hiemit protestiert haben Guarinonius grewel d. verwüstung 972; hatte er kein schewen, sich mit derselben zu verheyraten, und behielt sein voriges weib einen weg als den andern Albertinus fürstl. lustgarten (1619) 1, 82; mein bauch murrete ... ich blieb aber einen weg als den andern ligen, bisz die liebe sonne wieder leuchtete Simpl. 1, 74, 4 Kurz; gleichwoll entzeucht er (gott) uns nicht unser täglich brodt, sondern gibt uns einen weg wie den andern unsern unterhalt Olearius pers. rosenthal 1, 20 (s. 15ᵃ); wiewol ein köstlicher rubin, bey denen, die ihn nicht erkennen, unwehrt ist; so bleibt er doch einen weg als den andern ein köstlicher stein Barthrouherri sprüche 105 (II, 2, 1); wann er vom fürsten wenig gelibt ... wird, mus er sich doch gegen ihme nichts vermerken lassen, sondern einen weg als den andern treufleiszig dienen Butschky Pathmos 301; hiermit suchte ich alle freundligkeit hervor und war einen weg wie den andern der liebste sohn im hause Ch. Weise pol. näscher 161; er musz sie (die frau) doch einen weg wie den andern umb sich leiden erznarren 24 (1673); so bleibet ihr einen weg einfältig wie den andern Fuchsmundi 350 neudr. ähnlich: er sang aber seine mesz einen weg wie zuvor, dem alten sprichwort nach, wie die nunnen den psalter Heberer aegyptiaca servitus (1610) 345. vgl. auch die belege bei Fischer 2, 598 (seit 1364). noch jetzt in Basel ai wäg wie der ander 'so wie so, jedenfalls' Seiler 307. daraus erklärt sich aber auch ein elliptisches ainewäg 'dennoch, trotzdem, gleichwohl' a. a. o. Hunziker 2907, els. eineⁿ weg Martin - Lienhart 2, 800 (auch von Hebel gebraucht), schwäb. eineⁿ weg Fischer 2, 598, bair.-öst. eineweg Schmeller 2, 875, aͦnawegs Schöpf 806, anawögs Lexer 252, auch in Aachen engeweig Müller-Weitz 42. die bed. ist wol schon für folg. stelle anzunehmen:
die cron, so ich thet begehren,
thet man mich auch alszbaldt gewehren
und mir mit triumph auffsetzen.
die thet dermaszen mein haupt verletzen ...
ein weg thets mich trucken,
das ich mich möcht gehn boden bucken.
Wolkau lieder auf den winterkönig 251, 71.
5)
allerwegen 'überall' ist im nhd. vielfach mit allewege zusammengeworfen worden, ursprünglich aber davon völlig verschieden. wegen ist ein alter gen. pl. zu weg in der bed. von 'seite' (von der auch für von — wegen auszugehen ist s. wegen); er erscheint in verbindung mit zahlwörtern und pronominaladj. im mnd. und in einigen älteren md. quellen s.I 3; so auch mnd. allerweghene, alderweghene, alrewegen, alderwegen Schiller-Lübben 1, 56. 5, 650. Diefenbach gl. 608ᵃ ubique. noch jetzt ist allerwegen überall im nd. verbreitet; auch ndl.-fries. allerwegen, dän. allevegne aus anord. allra vegna. im mhd. kommt es nur bei den in Preuszen entstandenen dichtungen des N. v. Jeroschin und H. v. Hesler, im schlesischen gedicht von Ludwigs kreuzfahrt (5069) und in dem thüringischen von Athis vor. in Thüringen und Sachsen ist das wort heimisch Hertel 59 (allerwaens, alwend, allerwend), Müller - Fraureuth 1, 15ᵃ (allewend), darum auch bei Stieler 2457 allerwegens 'ubique'. sonst tritt allerwegen im nhd. anfangs nur selten auf, th. 1, 229 wird ein beleg aus Olearius gegeben (s. auch 3 μ allerwegen 'in jeder hinsicht' bei Fischart), zur verbreitung des wortes hat jedenfalls P. Gerhardt beigetragen, dem es geläufig war:
weg hast du allerwegen,
an mitteln fehlts dir nicht.
Fischer - Tümpels kirchenlied 3, 373ᵃ.
die wörterbücher des 16. und 17. jahrh. haben es aber nicht (auszer Stieler), erst Ludwig 73 führt aller wegen neben aller orten an und Frisch 1, 18ᵇ, dieser bezeichnet es als vulgär. noch für Adelung ist es ein niedersächsisches wort, er bemerkt aber, dasz es von einigen Hochdeutschen gebraucht werde. im 18. jahrh. bürgerte es sich thatsächlich in der litteratursprache ein, ohne im hd. geläufig zu werden. Göthe im Faust hat es auch als allerwegs, was auf die erweiterte form allerwegens (s. oben Stieler, Mi 2 aller- allertwegs) zurückgeht. eine mischform ist allerwege. noch näher ist der anschlusz an allewege bei allewegen s. th. 1, 242 allwegen, wo an mehreren stellen die bed. 'überall' anzunehmen ist, vgl. auch mit näherer anlehnung an weg:
war sicher aller wegen zu reisen hin und her.
Treuer d. Dädalus 1, 571
(wo wegen groszgeschrieben ist); zuletzt lieb' und heirathen aller orten und wegen Stifter werke 1, 90. allewege tritt schon in alter md. quelle als 'überall' auf: meister aller meister; allein vater aller schepfunge; alle wege (var. allwegend) und allen enden gegenwurtiger zuseher Ackermann aus Böhmen 34, 28 Bernt u. Burdach. dies -wegen tritt auch spurweise im nhd. in anderwegen 'anderswo' (mnd. anderwegen Schiller-Lübben 5, 651ᵃ, in älterer md. quelle andirre wegene — also weg noch als subst. empfundenLeyser pred. 73, 36) auf:
und eine liebesgluth, die solcher orte glimmt,
ist dieser vorzuziehn, so anderwegen brennet.
A. Scultetus (aus Schlesien) bei Lessing 8, 308.
6)
mit der bedeutung 'seite' berührt sich die von 'richtung'. sie kann in vielen der behandelten verbalen verbindungen hervortreten, überall da, wo weniger das zurücklegen eines weges, als die erstrebte erreichung eines zieles betont wird, z. b. den weg wohin nehmen, wissen, zeigen. in selbstständigem gebrauch ist die bed. im deutschen weniger entwickelt als im englischen und nordischen. folg. fälle können hierher gezogen werden: wenn er (der schwan) swimt mit ainem fuoʒ, sô meistert er sich mit dem andern an den weg den er wil, sam ain schefman K. v. Megenberg 174, 25; von dannen 6 meil gegen orient, im weg als man zum Jordan geet, ist das land Taffne Franck weltbuch (1542) 171ᵃ; als er nun neben dem berge hin wolt, stundt ein grosz kriegszvolck im harnisch, so auff in dar wolte, da wandte er sich auff einen andern weg, bald sahe er gleichsfalls viel reysiger pferde, derhalben er sich abermals auff ein ander seyten begeben muste volksbuch von Faust 104 neudr.; von dem polieren und gletten solcher gedünchten mawren mit dem marbel ist in sonderheit warzunemmen, das man nit alle zeit auff einen weg schleiff oder die politz für, sonder jetzund nach der leng, dann uberzwerch Rivius Vitruv (1575) 494. schweiz. chär di dä wäg, huc te converte Frommann 4, 148 (Bern). westf. hald et den weg, halte die richtung ein; en annern weg kiken, in eine andre richtung sehen Woeste 318. Bauer-Collitz 113ᵇ. übertragen: o freund, wenn ein sach den weg nit hinausz will, so musz man widersins anfahen Meisterlin städtechr. 3, 97, 29; als die romisch kuniklich majestat und herzog Philips verstunden, das der von Sachsen des wegs aus wolt, wart sich mit im vertragen Wilwolt v. Schaumburg 162 Keller; es müste doch den weg hinaus, und könte nach gestalt der sachen nicht geändert werden, und müsse man die sache richten, wie man sie finde Dreyhaupt Saalcreys 1, 238; weliche aber meinung ein andren weg denn sy gemeint uszgeschlagen ist Zwingli von freiheit d. speisen 4 neudr.; (das geld) das du zuͦ sölichem muͦtwillen gegeben hast, keer einen bessern weg! gib es den dürftigen d. schriften 7, 318;
drumb, vatter, ich lang gnuͦg bin gsin
under dinr ruͦten, zucht und pfläg,
min gmuͤt reytzt mich ein andren wäg.
schweiz. schausp. 1, 191, 176;
in bonam, mitiorem partem accipere, interpretari, den guten, besseren weg deuten, auffnemmen, in malam, sinistram partem accipere, den bösen weg auffnemmen, für ungut auffnemmen Dentzler 1, 552. häufig sind die adverbiellen wendungen den langen, breiten weg, der länge, breite nach: etwann so wirt einer geschlagen mit einem kolben oder stein ... das ... nit allein das fleisch sunder auch das gebein überzwerch entzwey bricht oder den langen weg Braunschweig chirurgie (1497) 18ᵇ; findt er einen uff dem herdt in der kuchen den langen weg bey seiner frawen sitzen Frey gartengesellschaft 83 Bolte; dasz er ihm die ring und visier zerbrach und auff dem platz den langen weg auszgestreckt danider stiesse Amadis 208 Keller; ist es bequemer, das solche schlachtordnungen nicht der vierung gerad durchausz, sonder sich mehr den breiten weder den langen weg nach erstrecken umb des angreiffens willen Fronsperger kriegsb. (1573) 1, 64ᵇ; und behalt verordnete leut darzu, so fewr zu dir geworffen wirt, dasz dieselben mit den heuten zulauffen und den breiten weg darüber werffen, dasz sie das gantz feuerwerck bedecken und ersticken 2, 186ᵃ; so er aber irgends eynen hagen oder eyne umbzäunung betrifft, so gehet er so lang den langen weg am zaune weg, bis das er findet, das er seinen freien auszgang uberkomme Sebiz feldbau 586; doch hat er (der fisch) vil linien oder strich durch den bauch entwerch und den langen wäg durch ein anderen Forer fischbuch 11ᵃ; sintemahl gott ... mich in der hohen creutzschule durch alle classes der drey haubtstraffen ... in dem jetzo verderbten land creutzweisz und den langen weg durch geführet Moscherosch ins. cura par. 6 neudr.; gab ich ihm eine solche dichte maulschell ..., dasz ihm vier zähn darvon auswurtzelten, er selbst aber den langen weg rücklings zu boden fiel Simpl. schr. 3, 316, 15 (vog. 1, 4) Kurz; er (der Hunne) kann nicht sitzen beim essen wie ein vernünftiger mensch. er liegt immer den langen weg auf dem boden, wenn's ihm schmecken soll Scheffel Ekkeh. 243. jetzt schriftsprachlich wenig üblich, aber in den mundarten sehr verbreitet Hunziker 290. Seiler 307ᵇ. Martin-Lienhart 2, 800ᵇ. Fischer 4, 977. Schmeller 2, 875. Hönig² 198ᵃ. den hohen weg, dem hohen weg nach: und wird all obgemeldtes (gewände) dem hohen weg, der rundung und weite nach gemessen würtemb. revid. bawordnung (1654) 139; die balken können auch wohl 12 zoll breit, und 9 zoll dick gehauen werden; sie müssen aber den hohen weg zu stehen kommen, damit sie im fall der noth besser tragen können Joh. Vogel (baumeister in Ulm) die moderne baukunst (1805) a 1ᵇ. den letzen weg 'der verkehrten richtung nach', dann überhaupt 'verkehrt' alem.-schwäb. schweiz. id. 3, 1549 f. Martin-Lienhart 2, 800ᵇ. Fischer 4, 1193:
dir (ihr) guete lüt, iez het's ech gfehlt.
heit (habt) das hoor der letz weg gstrählt.
schweiz. volksl. 1, 73 Tobler.
gegensatz den rechten weg schweiz. id. 6, 199. Fischer 5, 206 z. b. nach der zeichnung (bei stoffen), nach dem verlauf der fasern (bei holz), dann überhaupt 'wie sichs gehört' und 'gehörig, tüchtig' (den schlag ich den rechten weg Wander 4, 1853). den graden weg schweiz. id. 6, 499 'aufrecht oder wagrecht einer hauptfläche nach', dann überhaupt 'gerade'. vgl.A 2 f den geraden weg und A 2 e γ gerades wegs, wo sich auch schon die bed. 'richtung' anbahnt.
7)
bei weg mit adj., die eine ausdehnung bezeichnen (A 2 b α), wird oft blosz an die entfernung von dem ausgangspunkt gedacht, so dasz es dann schlechtweg eine strecke von einem bestimmten umfang bezeichnet. so namentlich adverbiell einen guten, weiten, kurzen, kleinen usw. weg:
Lûnete,
diu ime geselleschaft tete
einen guoten wec hin.
Hartm. v. Aue Iwein 5553;
als ein züg reisiger und fuͦsknecht einen guͦten weg vorm läger harusz in ebnem veld hielt Anshelm Berner chronik 4, 516; do sie nun einen guͦten weg von dann waren Decamerone 331, 31 Keller; sie lieszen auch ihre küw ... nicht im kloster, sondern einen guten weg davon schlachten generalchronicen (Frankfurt 1576) 48ᵇ; der klosterfrawen wirt abgeschlagen ir vatter und muͦter zuͦ sehen, so die münch alle nüwe fürwitzige ding uber ein weiten wäg suͦchen Eberlin v. Günzburg 1, 32 neudr.; die waren nun einen zimlichen weeg vom dorff entfernet Simpl. 2, 298, 13 Kurz;
er fuorte den helt unverzagt
in ein minre gezelt
kurzen wec überʒ velt.
W. v. Eschenbach Parzival 725, 22;
der eine blieb einen kleinen weg von meinem bruder stehen buch der liebe 160ᵈ; ein kleinen wäg ob dem eynflusz desz Rheyns in den see Stumpf Schwytzerchronik 393ᵇ. auch in eine meile wegs u. dgl. (A 2 c β) kann weg nur 'entfernung' sein.
8)
in bestimmten wendungen tritt bei weg die bed. 'fortgang, weitergang' auf.
a)
etwas hat seinen weg 'es hat seinen fortgang, man musz es passiren lassen, man kann nichts dagegen thun, es bleibt dabei, mag sein, sei dahingestellt' (vgl. auch C 2 b α weg haben): und mugen ihr ettliche zur reue und busze kommen sein, aber das habe seinen weg Luther 33, 239, 25 Weim. ausg.; was von natur einem widerfert, das hat sein wege; wann mann sich aber wol versehen und verwaren kan, soll mans nit underlassen und sich in ein rühiges, sichers, stilles wesen und leben begeben Petrarche trostbücher 205ᵇ; was ehrn ime daraus entstunde, het auch sein weg Wiltwolt v. Schaumburg 110 Keller; ob nu ire krieg billich oder unbillich sein gewest, hat seinen weg, gleichwol sind sie dadurch in die regierung komen W. Waldner von ankunfft des römischen keyserthumbs an die Deutschen (1567) 49; Gall. ihr werdet euch aber an des narren rede nicht kehren. Adr. das hat seine wege Heinr. Jul. v. Braunschweig 420 (ehebrecherin 3, 2) Holland; wann ain mair in der gmain Graun grunt und poden hat, wenig oder vill, derselb soll sich auch einkaufen, hat aber der mair kain grunt und poden, so hats sein weg österr. weisth. 3, 333, 28 (1617); wan niemand klagt, hat es sein weg Birlinger 428ᵃ (1647); wofern sie dann gemeiniglich mit einander bawen wöllen, so hat es sein richtigen weg würtemb. bawordnung (1654) 29.
b)
das hat seine geweiszte wege, das hat schon seine richtigkeit, das versteht sich, cela est une affaire réglée, cela s'en va sans dire Rädlein 1036; das hat seinen geweisten weg, das folget von sich selbst Ludwig 2404; das hat seinen geweisten weg Chr. Fischer auslegung des psalters (1590) 534, 12 nach Wander 4, 1853; wenn euch iemand um eure nahrung brächte ... würdet ihr denn dazu stille schweigen? ey, das hat seine geweiste wege causenmacher 99; denn solche gewiesene wege hat es nicht minder mit der schönen und kostbahren perle beym Oppianus Prätorius winterflucht d. sommervögel vortrab A 2ᵃ; mit'n terno had's an g'weist'n weg Hügel 187; e gewisene wé, etwas selbstverständliches wb. d. luxemb. mda. 479. bei Schottel 116 entstellt: es hat seine gewisse wege.
c)
es hat gute wege (zunächst in Obersachsen auftretend), ursprünglich 'es hat seinen guten fortgang, die sache steht gut, es ist nichts zu befürchten': Fidele. man kan manchmal nicht wissen, wie so ein tyrannischer kerl, als wie Schelmuffsky aussieht, einem eins kan anhängen. Edward. deszwegen hats nun wol gute wege Reuter Schlampampe 100 neudr.; Julchen. wer weis auch, ob ich ihm gefalle? Cleon. wenn du darüber unruhig bist: so hat es gute wege ... wenn du ihm nicht gefielst: so würde er sich nicht so viel mühe um dich geben Gellert 3, 36 (die zärtl. schwestern 2, 1); mit dem sohn zwar (der gewonnen werden soll) hat es gute wege; den überlassen sie nur mir Lessing 1, 239 (d. junge gelehrte 2, 1);
wenn sonst
nur niemand um die sache weisz: so hat
es gute wege.
2, 322 (Nathan 4, 7);
so lange sich mein mädgen nicht über die verunzierung dieses gesichts (Göthe ist vom pferde gestürzt) beschweert, so lang hats gute weege Göthe briefe 1, 126 Weim. ausg.; es kann auch wohl seyn, dasz es nicht ohne alle dichtung abgegangen ist ... aber wegen der hauptsachen hat es gute wege, die lassen sich nicht erdichten Claudius 7, 52; ein lieber, lieber jung ... es hat gute wege mit ihm, fähigkeiten seltener art v. Hippel lebensläufe 2, iii, 562. schon frühzeitig entwickelt sich bei ironischem gebrauch ein nebensinn: es hat (damit) gute wege, es hat keine eile damit, das ist schon gut, il n'y a rien qui presse, cela va bien Rädlein 1036; wenn der vogel aus dem gebauer ist, so hats mit der wache gute wege Ch. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 222 neudr.; Desportes. wir werden auch noch eine rechnung mit einander haben. Wesener. o das hat gute wege, es ist ja nicht das erstemal Lenz 1, 262. 'das wird nicht so bald eintreten':
was er (der förster) droht, hat gute wege!
Voss 5, 32;
fürs leben gern möchte er den löwen spielen, ebenso furchtbar, so mächtig, so groszmüthig seyn. doch das hat gute wege! er bleibt dennoch nur ein nachahmer Kretschmann 6, 49; 'da kann man jetzt gleich den verspruch mit der jungfer Hirschbäuerin folgen lassen'. 'das hat gute weg'' Herm. Kurz der sonnenwirth 2, 15; ich habe den Levi auf ihren nächsten händedruck vertröstet ... er meinte, es hat gute wege Gutzkow ritter vom geiste² 1, 120; wir sind froh, wenn wir im skat gewinnen. aber auch damit hat's gute wege Fontane die Poggenpuhls 55; noch hat es gute wege, dasz das christenthum erfüllt wäre! seine erfüllung beginnt vielmehr nach bald zwei jahrtausenden kaum die ersten keime zu treiben Stahr ein jahr in Italien² 1, 269; mit seiner umschaffung der Germania zu einer gierigen chauvinistin wird es also gute, d. h. keine wege haben Scherr hammerschläge 88. es kommt auch zu umbildungen der redensart: das glücklichste wäre, wenn meine methode ... zur aufhebung der universitäten führte ... (antwort) mit deinem systeme hat es noch weite wege ... desto kürzer ist das meinige auszuführen Immermann epigonen² 1, 201; sie müssen jemand an der seite haben, der es ehrlich meint. — ich wies auf sie. — ehrlich bin ich, sagte sie ... aber mit mir hat's eigene wege. unser geschäft wirft wenig ab ... da ist denn kein platz für mich Grillparzer 8, 83.
D.
sprichwörtliches (soweit noch nicht angeführt):
ich zimbere, sô man saget, bî wege,
des muͦʒ ich mangen meyster hân.
Sachsenspiegel vorr. 1 Weiske;
de by dem wege timmert, de heft vele meisters Tunnicius sprichw. 402; wer bey dem wege bawet, der hat viel meister Agricola sprichw. (1530) 82ᵇ; es heist: wer am wege bawet, der hat viel meister Luther 30, ii, 633, 32 Weim. ausg.; der an weg baut, hat vile meyster Franck sprichw. 1, 85ᵃ;
wer offentlich am weg wil bawen,
da jederman mag frey zu schawen,
der musz sichs lan verdrieszen nicht,
das jederman darüber richt.
Waldis Esopus 4, 95, 297 Kurz;
dann welcher sein baw an weg stelt,
musz alle red willig vertragen,
ein jeden lassn sein urtheil sagen.
Wickram 4, 98 Bolte (pilger v. 4);
wer bauwt an weg und straszen,
der muͦsz vil red für ohren lassen.
Guler von Weineck Raetia (1616) vorrede 5ᵇ;
kein' eh' hat doch gekunt
der bösen leute mund
und ihren fürwitz meiden.
nur fest auff gott getraut,
wer an dem wege baut
musz aller urtheil leiden.
S. Dach 873 Österley.
nihil homini amico est opportuno amicius, freünd seind guͦt bei dem wege Tappius (1545) 59ᵃ; freund seynd allenthalben gut bey dem wege Lehman (1662) 3, 97. — alte wege und alte freunde sol man in wirden halten Fr. Wilhelm sprichw.-reg. Aa nr. 7; alte wege und alte freunde sol man in ehren halten Petri 2, J 3ᵇ. — Schickelmann wonet bei dem wege sprichw. (1548) 118ᵇ s. th. 10, 2644. — guͦte freund findt mann nit am weg sprichw. (1548) 159ᵃ. — das gold ligt in bergen, der koth am wege Petri 2, m 3ᵃ; golt ligt in bergen, dreck in wegen Lehman (1662) 3, 134. — der zu viel fürsichtig ist, stöst sich an allen dreck, der im weg ligt 1, 82. — was man am weg findt, macht keinem das er brinnt Franck sprichw. 2, 6ᵇ. — ein ieder kere vor seiner eygen thür, so werden alle wege rein sprichw. (1548) 57ᵇ. Lehman (1662) 3, 70. — es seyn viel weg gen Rom und gen Nürnberg Lehman (1662) 2, 624; alle wege gehen nach Rom Rondeau; alle wege führen nach Rom Simrock 8497. — zum todt ist allenthalben einerley weg Lehman (1662) 3, 333; jeder weg führt auf den kirchhof Wander 4, 1849. — der weg gehet für der thür über Petri 2, P 3ᵃ. — dat is so liek (gerade), as de weg nach Bremen Kern u. Willms Ostfriesland 3. — den gemeinen wech enkan einem nummant vorbeden Tunnicius sprichw. 143; gemeinen weg kann einem niemand verbieten Körte 6547. — halt den gemeinen weg! Henisch 1486, 46. — wer alle wege wüszt', ging' keinen irr Schleicher volkstüml. a. Sonneberg 85. — alte fuhrleute kennen den weg rhein. geschichtsblätter 6, 64 (Eifel). — wer gar zu oft nach dem weg fragt, findet selten den nächsten v. Petrasch lustsp. 1, 567. — wenn der weg gebant ist, ist gut reisen Henisch 180, 31. — ein alt open wech bedrücht nummande Tunnicius 650; ein alter offener weg betreugt nicht Schottel 1144. — dä weg hed der tüfel g'messe und derbi den schwanz nid vergesse Wander 4, 1843 (Luzern); den wag hat dr fuchs gmaszn und hatn schwanz drei ̃ gabn Frommann 6, 326, 413 (Franken), von zu kurz angegebenen entfernungen (th. 4, i, 335). —
ein guter weg umb
hat kein krum.
K. Hofmann d. sprichw. 38;
gut weg üm, ist kein krüm Schottel 1132. sprichw. (1548) 198. Danneil 207; en guəden weg ümme mâket kaine krümme Woeste 318; guter weg ist nichts umb Dentzler 2, 344. Martin-Lienhart 2, 799ᵃ. — da es, wie man zu sagen pflegt, viele wege ins holz giebt Göthe briefe 14, 170 Weim. ausg.; inzwischen geht mehr als ein weg ins holz Musäus physiogn. reisen 3, 93; es führt mehr als ein weg ins holz Binder 1836; es gehen mehr wege in den wald als einer Kern sprichw. 22. — dasz vil unrecht gehen, macht darumb den weg nit recht sprichw. (1548) 8ᵃ. — de ut dem wege is, de were dâr gêrne wedder inne Tunnicius sprichw. 285; wer aus dem weg' ist, wär' gern wieder drinne Körte 6548. — der irret nit, der auff einem bösen weg widerkeret sprichw. (1548) 198. — wenn man in bösen weg kompt, so musz man fürspann suchen Lehman (1662) 1, 408. — auf einem bösen wege musz man sich fördern Hoffmann polit. Jesus Sirach 65. — das ist kein ehr, wann einer im bösen weg vorn gehen soll Lehman (1662) 1, 175. — mancher ist darzu gut, dasz er im bösen weg vorher geht 2, 573. — wer auf schlechtem wege geht, kommt nur mit noth wieder heraus Körte 6542. — auff halbem wege ist gut umbkehren, wenn man irre geht Henisch 1434, 67; der irret nicht, der uff halbem weg umbkeret Eyering 1, 492; wer auf halbem wege umkehrt, irrt nur zur hälfte Körte 6544. — wer irr gangen ist, der kan andern desto besser den weg zeigen Lehman (1662) 1, 438. — der weg zur hölle ist mit guten vorsätzen gepflastert (nach Jes. Sirach 21, 11) Simrock 11062. — geradezu ist der nächste weg teutsche sprichw. (1790) 113; der gerade weg ist der beste Simrock 11255; man musz immer den geraden weg gehen Wander 4, 1849. — der gelindeste weg ist der sicherste weg Pistorius jurist. sprichwörterschatz 4, 83. — man soll auff ebenem weg keine hügel suchen Lehman (1662) 2, 950. — auf ebenem weg ist leicht kutschiren Binder 3956. — weider wegh, weider loin weisth. 2, 687 (Eifel 1593). Graf u. Dietherr 266, 242;
ie weiter ist der weg, je reicher ist der lohn.
Zinkgref auserles. ged. 4 neudr.
wer sich zum thor heraus gemacht,
der hat den lengsten weg verbracht.
Eyering 3, 537;
ähnlich Lehman (1662) 1, 24. — gemiedet pferd und eigene sporen machet den weg kurtz Schottel 1132. — da es doch ein kleiner weg ist, da es wol schmecket theatrum diabolorum (1587) 2, 164ᶜ; es ist ein geringer weg, da es wol schmeckt Petri 2, A a 5ᵇ. — ein mensch thut nur eins menschen werck oder arbeit, und gehet nur einen weg 2, H 7ᵃ. — hetten wir alle einen sinn, wir lieffen alle einen weg Schottel 1133. —
swer zwêne wege welle gân,
der muoʒ lange schenkel hân.
Freidank 123, 23;
wer zwen weg wil gan,
der muͦs zwai langi bain han.
Diutiska 1, 325;
wer sich zwaier weg wil fleiszen,
der musz die pruch oder arsloch zureiszen.
fastnachtsp. 528, 13;
ähnlich Lehman (1662) 3, 489. — dem faulen ist der weg voller dornen 1, 217. — er wird ihm den weg über den bach weisen Wander 4, 1855. — es ist übel gethan, der katze den weg zum butterfasz zu weisen Binder 2049. — wer eylet, der fehlet des rechten wegs Lehman (1662) 1, 182. — wer irret, der ist ... vom rechten weg kommen 1, 441. — wer recht hat, musz den rechten weg gehen 2, 647. — wer ordentliche weg rechtens braucht, der thut weder sünd noch unrecht 2, 647. — unrecht leiden und noch dazu dancken, ist ein guter weg lang zu hoff zu bleiben Petri 2, V v 3ᵇ. — lieb weisz viel verborgene weg Lehman (1662) 1, 501. — einen loben ist der weg, dardurch einer ehr und freundschafft erlangen kan 1, 504. — armut sucht wege Fr. Wilhelm sprichw.-register A a, nr. 31. — noth sucht wege Petri 2, Q q 6ᵃ. — die not würt einen weg finden sprichw. (1548) 62ᵇ. — gott hat tausent wege uns zu schaden, aber viel mehr hat er uns zu helffen Petri 1, C 7ᵃ. — der pfennig hat hundert wege 2, O 7ᵇ.
III.
in zusammensetzungen erscheint bei alten und ihnen nachgeschaffenen jüngeren bildungen die stammform, ahd. wega-, mhd. wege-, spätmhd. auch schon oft gekürzt weg-. in der nhd. zeit begegnet wege- und weg-, ersteres vorzugsweise bei Ostmitteldeutschen (doch hat Luther wegfahrt, wegfertig, wegscheide), auszerdem bei Niederdeutschen, während Süd- und Westdeutsche meist die kürzere form gebrauchen. von wörterbüchern setzen Dasypodius, Maaler, Krämer und die meisten andern die composita mit weg-, aber der Thüringer Stieler und der Schlesier Steinbach mit wege- an, auch Adelung (nach ihm Campe) hat überall wege- mit einziger ausnahme von wegweiser. schriftsprachlich ist neben wege- (Göthe z. b. hat wegeknecht, wegezehrung, wegeziel) auch weg- bei voller geltung und letztere form kommt mehr und mehr zum durchbruch. es zeigt sich das darin, dasz ältere bildungen zwar oft noch die volle form aufweisen, z. b. wegebreit, wegedorn, wegegeld, wegekost, wegesäule, wegestein, wegewarte, wegezeichen, dasz aber jüngere die kürzere zu grunde zu legen pflegen, z. b. weggraben, wegrand, wegstrecke, wegstunde (doch kommt unter dem einflusz der älteren bildungen hier auch wege- vor, z. b. wegekraut, wegemüde, wegerichtung, wegestaub). fast nur die kürzere form ist üblich, wenn eine unbetonte silbe folgt, z. b. weggefährte, weggenosse und besonders, wenn weg als acc. zu nehmen ist, z. b. wegbahnen, wegbereiten, wegmachen, wegweisen, wegzeigen, darnach auch gewöhnlich wegbahner, wegbereiter, wegmacher, wegweiser, wegzeiger, vgl. auch wegbeschreibung, wegführer, wegleitung. am meisten hat wege- boden, wenn es pluralisch genommen werden kann (darum ist auch in den eben erwähnten fällen wege- möglich), z. b. wegeaufseher, wegebau, wegebesserung, wegekreuzung, wegemasz, wegenetz, wegeordnung, wegepolizei, obgleich auch hier die kürzeren formen (namentlich bei Süddeutschen) vorkommen. im folgenden sind bei aufzählung der composita durchgängig die worte zunächst mit weg- angesetzt, mit ausnahme von wegelagern (und zugehörigen bildungen), das dem ostmd. entstammt und wo die kürzung wenig eingang gefunden hat, und von dem nicht mehr als zusammensetzung empfundenen wegerich. — zusammensetzungen mit der genetivischen form weges- kommen erst seit dem 18. jahrh. häufiger vor (das ältere nhd. hat einige bildungen mit wegs-, z. b. wegsbereiter, wegsleiter). sie gehören in der hauptsache der dichterischen sprache an und haben meist zusammensetzungen mit der stammform neben sich.
weg adv
Fundstelle: Lfg. 18 (1922), Bd. XIII (1922), Sp. 2931, Z. 48

Unterbegriffe in diesem Artikel

wegackern · wegandächteln · wegangeln · wegängstigen · wegarbeiten · wegärgern · wegatmen · wegätzen · wegbaden · wegbalbieren · wegbannen · wegbäumen · wegbeben · wegbegeben · wegbegebung · wegbegleiten · wegbehalten · wegbeiszen · wegbeizen · wegbekommen · wegbellen · wegbeordern · wegberufen · wegbetrügen · wegbeugen · wegbewegen · wegbeweisen · wegbiegen · wegbilden · wegbinden · wegbirschen · wegbitten · wegbixen · wegblasen · wegblassen · wegbleichen · wegblenden · wegblicken · wegblinzen · wegblitzen · wegblühen · wegbluten · wegborgen · wegbrauchen · wegbrausen · wegbrennen · wegbrennung · wegbringen · wegbringung · wegbrühen · wegbrüllen · wegbüchsen · wegbücken · wegbugsiren · wegbürschen · wegbürsten · wegdämmen · wegdämmern · wegdampfen · wegdecken · wegdemonstriren · wegdenken · wegdenkung · wegdeuten · wegdeutung · wegdieben · wegdonnern · wegdrängung · wegdürfen · wegebben · wegeile · wegeilen · wegekeln · wegempfinden · wegentfernen · wegerklärung · wegerläutern · wegernten · wegescamotiren · wegessen · wegfächeln · wegfahren · wegfahrt · wegfall · wegfallen · wegfang · wegfangen · wegfetzen · wegfeuern · wegfiedeln · wegfieren · wegfinden · wegflattern · wegflieszung · wegflöszen · wegfluchen · wegflüchtig · wegflüchtigen · wegflüchtigkeit · wegfluten · wegfördern · wegfreien · wegfretzen · wegfüchseln · wegfühlen · wegführe · wegführen · wegführung · weggabe · weggabeln · weggang · weggaukeln · weggaunern · weggeben · weggebung · weggedenken · weggeheien · weggehen · weggeiszeln · weggenieszen · weggeraten · weggestalten · weggestatten · weggewältigen · weggewöhnen · weggleiten · wegglimmen · wegglühen · weggrapsen · weggrapschen · weggraulen · weggrübeln · weggucken · weggusz · weghaben · weghacken · weghalten · weghängen · weghaschen · weghaspeln · weghauchen · weghauen · wegheben · weghebung · wegheiraten · wegheiszen · weghetzen · wegheulen · weghexen · weghinken · weghobeln · weghöhnen · wegholen · weghudeln · weghüpfen · weghuschen · weghusten · weghüten · wegjagung · wegjucken · wegkämmen · wegkatzen · wegkaufen · wegkehren · wegkessern · wegklauben · wegklimpern · wegklügeln · wegknallen · wegknappen · wegknappern · wegknipsen · wegkommen · wegkommung · wegkönnen · wegkosen · wegkramen · wegkratzen · wegkriechen · wegkriegen · wegkrümmen · wegkunft · wegkünsteln · wegkuriren · wegküssen · wegkutschen · weglächeln · weglangen · weglassen · weglassung · weglästern · weglasz · weglaufen · wegläufer · weglaufung · wegläutern · wegleben · weglecken · weglegen · weglegerin · weglegung · wegleihen · weglenken · weglesen · wegleuchten · wegleugnen · wegleugnung · wegliegen · weglocken · weglöschen · weglösen · weglösung · wegluchsen · weglugen · weglügen · wegmachen · wegmähen · wegmarschiren · wegmeiszeln · wegmessen · wegnahme · wegnaschen · wegnehmen · wegnehmung · wegpacken · wegpaschen · wegpeitschen · wegpfeifen · wegphilosophiren · wegpicken · wegpinseln · wegplappern · wegplatzen · wegplaudern · wegpracticiren · wegprallen · wegpredigen · wegprellen · wegpreschen · wegprügeln · wegpusten · wegputzen · wegquälen · wegradiren · wegraffeln · wegräsonniren · wegraspeln · wegrauchen · wegräuchern · wegraufen · wegräumen · wegrauschen · wegrechnen · wegreden · wegreiben · wegreisen · wegreiszen · wegreiten · wegrichten · wegringen · wegrosten · wegrücken · wegrudern · wegrufen · wegrüsten · wegrutschen · wegsäbeln · wegsacken · wegsagen · wegsägen · wegsaufen · wegsaugen · wegschaben · wegschaffen · wegschaffung · wegschätzen · wegschauen · wegschauern · wegscheiden · wegscheidung · wegschenken · wegscheren · wegschergen · wegscherzen · wegscheuern · wegschicken · wegschieben · wegschieszen · wegschiffen · wegschinden · wegschlafen · wegschlägeln · wegschlagen · wegschleichen · wegschleifen · wegschlenkern · wegschleppen · wegschleppung · wegschleudern · wegschliefen · wegschlieszen · wegschlingen · wegschlürfen · wegschmachten · wegschmeicheln · wegschmeiszen · wegschmelzen · wegschnappen · wegschnarchen · wegschneiden · wegschneidung · wegschnitt · wegschrappen · wegschraufen · wegschrecken · wegschreiben · wegschreien · wegschreiten · wegschüchtern · wegschummeln · wegschuppen · wegschüppen · wegschürgen · wegschütteln · wegschütten · wegschwärmen · wegschwatzen · wegschwätzen · wegschweben · wegschwelgen · wegschwenken · wegschwiemen · wegschwinden · wegschwitzen · wegschwören · wegsegeln · wegsehen · wegsehnen · wegsein · wegsendung · wegsengen · wegsetzen · wegsicheln · wegsingen · wegsinken · wegspazieren · wegspeien · wegspicken · wegspielen · wegspinnen · wegspötteln · wegspotten · wegsprechen · wegsprengen · wegspringen · wegsprudeln · wegsprühen · wegsprung · wegspülen · wegstarren · wegstäuben · wegstäubern · wegstauen · wegstäupen · wegstechen · wegstecken · wegstehen · wegstehlen · wegstellen · wegstemmen · wegstöbern · wegstolpern · wegstören · wegstoszen · wegstreben · wegstrecken · wegstreicheln · wegstreichen · wegstreifen · wegstreiten · wegströmen · wegstudiren · wegstufen · wegstürmen · wegstürzen · wegstutzen · wegsündigen · wegtändeln · wegtanzen · wegtauchen · wegtaumeln · wegtäuschen · wegthauen · wegthun · wegthuung · wegtilgen · wegtöten · wegtraben · wegtragen · wegträumen · wegtreiben · wegtreibung · wegtreten · wegtrinken · wegtrippeln · wegtrocknen · wegtrollen · wegtröpfeln · wegtropfen · wegtrösten · wegverachten · wegverehren · wegverehrung · wegverjagen · wegverkaufen · wegverlangen · wegverschaffen · wegverstehlen · wegwallen · wegwälzen · wegwandeln · wegwandern · wegwaschen · wegwedeln · wegwehen · wegwehren · wegweichen · wegweihen · wegweinen · wegweisen · wegwelken · wegwenden · wegwendung · wegwerfen · wegwerferisch · wegwerfung · wegwerfungszeichen · wegwiegen · wegwinken · wegwirbeln · wegwischen · wegwitzeln · wegwollen · wegwurf · wegwürgen · wegwuschen · wegzaubern · wegzehren · wegzerren · wegziehen · wegziehung · wegzittern · wegzucken · wegzug · wegzünden · wegzupfen · wegzürnen · wegzwacken · wegzweifeln · wegzwingen · wegzwitschern
von einem ort entfernt oder sich entfernend. eine abzweigung von dem vorhergehenden subst.
I.
herkunft und form.
1)
weg geht auf das mhd., seit der mitte des 12. jahrh. vorkommende enwec (vom rechte 344 Waag enwech) zurück, d. i. in wec 'auf den weg' (mit abschwächung des in zu en wie in enlant, enzwei, enzîte usw.), das zunächst in verbindung mit verben der bewegung steht; ähnlich ags. onweg faran usw. Bosworth - Toller 761, engl. away, Muspilli 2: sô sich diu sêla in den sind arhevit 'auf den weg macht', an den sint varn, rîten, sich heven in dichtungen des 12. jahrh. mhd. wb. 3, 294ᵇ; in weg hat sich daneben erhalten:
sie woldin alle in wech gân.
könig Rother 3274;
später besonders in md. und nd. quellen: M. v. Beheim, Matth. 9, 7 ginc in wec in sîn hûs (vgl. 8, 32), 11, 7 dô jene in wec quâmen, Diefenbach gl. 3ᵃ abigere, in weg leyden, 178ᵃ devehere, in weg furen; noch im 16. jahrh.: das ims hirn in weg spritzte Boltz Terenz deutsch 92ᵇ, in weg lauffen Mathesius Sarepta 107ᵇ, stürtzen 223ᵇ. enweg (neben dem seit dem 14. jahrh. weg steht) kommt bis zum beginn der nhd. zeit vor: städtechr. 5, 377, 29 (1438). 12, 367, 27 (1442). Huge Scheppel 6ᵃ. Stolle thür. chr. 441 Thiele (enwegk). U. Füeterer Lanzelot 5. Keisersberg bilg. 32ᵃ. Luther hat 2. Thessal. 2, 7 mus enweg gethan werden in den ausgaben des N. T. bis 1525 (eine ausg. von 1524 eynweg, später hinweg). in den frühnhd. glossaren steht noch enweg in verbindung mit verben, so häufig im voc. theut. von 1482. einweck-, einwech- bei Diefenbach gl. 456ᵇ recedere, 523ᵃ secedere (auch im voc. theut. nn 4ᵇ) soll wahrscheinlich auch gesprochenes enweg wiedergeben (vgl. mnd. eyn wege Schiller-Lübben 1, 710). die einsilbige form könnte sich durch einmischung des adverbialen acc. von weg (s. d. subst. B 2 a und A 2 f) nach verben der bewegung (z. b. sînen wec gân) erklären, doch wird eher an lautliche entstehung zu denken sein. da n von enweg konnte zunächst in der unbetonten silbe vor w (wie in der 1. pl., lebe wir aus leben wir) verloren gehen, diese mittelform eweg ist im 15. jahrh. mehrfach belegt: eweich städtechr. 12, 363, 16 (Köln 1415), ewech Kölner zunfturkunden 2, 574, 13 (1487), eweg d. volksbücher 340, 35 Bachmann - Singer, eweck furen Diefenbach gl. 178ᵃ defluere, ewech gan 523ᵃ secedere, ewech legen 528ᵃ seponere; auch aweg 178ᵃ und 486ᵇ in einem glossar aus der Moselgegend, was wol auf anweg führt, das auch im mnd. vorkommt (we an wegh vloghe quelle von 1362 bei Schiller-Lübben 1, 710). noch jetzt steht im obd., sowie im rhein- und mittelfränk., eweg neben weg Martin - Lienhart 2, 801ᵇ. Stalder 1, 347. Seiler 307. Hunziker 290. Fischer 2, 745. Schmeller 2, 875. Frommann 5, 509, iii, 5 (Niederösterreich). 6, 108, ii, 11 (Siebenbürgen). Meisinger 21. Autenrieth 42. Crecelius 898. Follmann 533. Hönig² 45. Leihener 31ᵇ; auch im Vogtland und im Erzgebirge Müller-Fraureuth 1, 307. das e im unbetonten anlaut konnte dann wegfallen, wie in neben aus eneben. auch im nd. entstand wech (daneben wege, s. 3) aus älterem enwech Schiller-Lübben 5, 620. dies wech ist als lehnwort auch ins nfries. gedrungen Möller 294ᵃ. Schmidt-Petersen 158. wfries. wei (auch häufig in comp.) Dijkstra 3, 418ᵇ scheint unter einflusz des ndl. zu stehen, das wie das deutsche weg (mndl. enwech, ewech) entwickelt hat.
2)
von dem subst. unterscheidet sich das adv. weg durch die erhaltung der kürze und (nach der vorherrschenden aussprache) das bleiben der mhd. auslautverhärtung, was sich aus der begrifflichen trennung der worte erklärt. dehnung tritt mundartlich nur selten ein, z. b. in Glarus ewǣg neben ewæk Streiff 93, in Österreich und Siebenbürgen ewēg, s. o. Frommann, im Egerland wēg Schiepek 457. vereinzelte reime (bis ins 18. jahrh.) wie weg: steg Waldis Esopus i, 267. Harsdörffer sonntagsandachten 1, 151. P. Gerhardt bei Fischer - Tümpel 3, 400ᵃ. Haller ged.⁸ 32. Brockes 7, 204 sind kaum für die dehnung beweisend; die meisten dichter, die weg im reime haben (viele vermeiden es hier), binden es mit kürze. der auslaut. consonant ist im obd. meist die fortis (z. th. mit aspiration Bohnenberger mda. der deutschen Walliser 184), seltener ist die lenis eingeführt; im md. kommt wĕk und wĕch vor. letztere form ist mehr der städtischen aussprache eigen, doch ist bemerkenswert, dasz vielfach da, wo sonst ausl. g (mit angleichung an den inlaut) als spirant gesprochen wird, gerade im adv. weg sich der verschluszlaut erhält, z. b. in Nürnberg Gebhardt § 121, 4, im Egerland Schiepek 458, in Zwickau Philipp 24. der ältere schreib- und reimgebrauch weist ganz überwiegend auf wĕk. im 15. jahrh. wird oft wegk und weck geschrieben, in den glossaren auch nicht selten wech, doch meist in nd. quellen. Luther hat in seinen älteren schriften häufig wegk und weck, führt aber in der bibel weg durch, was dann die gewöhnliche form wird. doch kommen die älteren schreibungen bis ins 17. jahrh. vor, wegk z. b. H. Sachs 4, 65, 37. sprichw. (1548) 114ᵃ. Lindener Katzipori 79. Mathesius Sarepta 192ᵃ. Fischart flöhhaz 176 u. ö. Hayneccius Hans Pfriem 2357. Froschmeuseler N 1ᵇ u. ö. Ayrer 2001 u. ö. Eyering 3, 154. Opitz poem. 116 neudr. Spee trutznacht. 65. Micraelius Pommern 1, 53. P. Gerhardt bei Fischer - Tümpel 3, 299; weck H. Sachs 14, 270, 4 u. ö. Franck chron. Germ. 177ᵃ. Aventin 4, 183, 31. Rebhun Susanna 5, 149. Krüger Clawerts werckl. hist. 67. Balde Agathyrsus 105, 1. Abr. a. S. Clara Judas 2, 11 u. ö. österr. weisth. 5, 123, 43 u. ö. cod. austr. 1, 672 (1656). wegg ist selten: Angelus Silesius cher. wandersmann 2, 43 neudr. Beier handlungslex. (1722) 471ᵇ. die reime weisen im 16. und 17. jahrh. bei Ober- und Mitteldeutschen sehr häufig auf wĕk (auf wĕch nur ganz vereinzelt: bäch': weg Harsdörffer sonntagsandachten 1, 275). so steht weck : speck H. Sachs 14, 223, 14. keck : hinweg Waldis Esopus 1, 96. wegk: geck Fischart Eulenspiegel 7789. schleck : wegck flöhhaz 276. wegk : dreck Froschmeuseler Bb 2ᵇ. schneck: wegk Eyering 3, 154. wegk : keck Ayrer 1536. Spee trutznacht. 65. zweck : hinweg Fleming 52 Lappenberg. zweck : wek Harsdörffer gesprechsp. 3, 466. weg : fleck Lohenstein Sophonisbe 67. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 33 neudr. geck : weg Morhof ged. 374. im 18. und 19. jahrh. werden die reime seltener: geck : hinweg Gleim lieder (1749) 37. weg : dreck Blumauer Aeneis 79. weg : keck Schiller 11, 221. 12, 58. säck : weg J. Paul leben Fibels 244. geck : weg Heine 1, 307. geneck : weg Kopisch 1, 131. weg : speck Strachwitz neue ged. 158. diese reime stehen im einklang mit Adelung, nach dem in weg 'ein gelindes k' gesprochen wird. viele, z. b. Wieland, Göthe. Uhland, Rückert vermeiden aber weg im reim, da sie wol wěk nicht als der schriftsprache gemäsz ansehen. Brentano 2, 24 läszt einen Tiroler singen:
französische nägel
sind weich wie a dreck.
kaum trifft sie der schlegel,
so ist der kopf wegk.
hier ist schon durch die schreibung angedeutet, dasz die aussprache mit verschluszlaut dem dichter nicht eigen war. doch ist wĕk nicht nur im süden, sondern auch im norden (vgl. z. b. bei W. Busch Max u. Moritz 19 den reim meck : weg), die gewöhnliche form und auch die bühnensprache hat sich dafür entschieden Siebs bühnenaussprache 77. Vietor aussprache des schriftd. 109ᵇ.
3)
im mhd. kommt in wege sîn 'auf der fahrt sein' vor, s. o. sp. 2883. später steht auch in verbindung mit sein, bleiben und andern verben der ruhe enwec, wec; vereinzeltes wege in hd. quellen (Decamerone 46 u. ö.) zeigt eine willkürliche erweiterung. dagegen bewahrt das mnd. den unterschied, wo es enwege (auch enwegen) oder wege wesen, bliven usw. heiszt Schiller-Lübben 1, 710. 5, 648, dagegen enwech oder wech gan usw. im mndl. steht wey (aus wege, enwege) neben wech Verdam 686ᵇ. noch in späteren mundarten wird zwischen wege bei verben der ruhe und weg bei verben der bewegung unterschieden brem. wb. 6, 401; sprichwörtlich heiszt es: warumme sluͤst du den stal, als de page (pferd) is enwege? Tunnicius sprichw. 1328 Hoffmann; wer nich komen wil, der blift wege Schambach 291. doch kommt auch wege bei verben der bewegung vor (wege-, wegengân Schambach a. a. o.). bei Mathesius erscheint in wege in verbindung mit laufen: was hierinn gut ist (in der fabel), das halt aus, das böse laufft in wege, und hütet euch darfür Sarepta 26ᵇ; solche taube schlacken pfleget man in wege zu lauffen, wie die taube halle 107ᵇ. da bei weg sein kaum an lautlichen abfall des e, z. b. im dialekt Luthers, zu denken ist, hat es sich wol unter einflusz von weg gegangen, gekommen usw. sein entwickelt (vgl. auch mnd. do was Reynke al wech syne strate Reynke Vos 1162).
II.
bedeutung und gebrauch. es müssen auch die zusammensetzungen von weg mit verben und nominibus mitherangezogen werden, in denen sich die bedeutung besonders reich entwickelt hat. die nomina schlieszen sich dabei durchweg an die verba an und treten später als diese auf. bei den verben geht nur im eingeleiteten abhängigen satz und überall beim inf. und part. weg voraus und es ist dann zusammenschreibung mit dem folg. wort üblich, doch schwankt der gebrauch bis in die neueste zeit sehr und wird weg auch oft getrennt geschrieben. es können sogar andre wörter zwischen dem adv. und verbum stehen, was aber (abgesehen von dem zu beim inf.) nur in der poetischen sprache vorkommt:
wenn du mich vom plan weg wolst heiszen.
Ayrer 1397;
da man ihn nit bald weg wird streichen.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs 109, 77;
nicht die, die kummen sollen, nur die, die weg sich funden.
Logau 3, 7, 13;
lasz nicht ...
dich verführen, weg vom ufer zu gehn.
Klopstock oden 1, 174, 54;
und die troischen weiber ...
weg in schiffen zu führen zum lieben lande der väter.
Voss Ilias 16, 830;
und durften sie nicht knicken,
und weg sie jucken nicht.
Göthe 14, i, 111;
dasz uns keine gewalt noch list
von dem Friedländer weg soll treiben.
Schiller 12, 56;
der die ochsen mir ...
weg wollte treiben auf des vogts geheisz.
14, 294.
enwec, weg ist eigentlich 'auf den weg, auf die fahrt'. es bezeichnet so die entfernung von einem ort durch die thätigkeit, zugleich aber auch die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung. es ist dann in seiner anwendung nach verschiedenen seiten hin weiter ausgebildet worden. es berührt sich dabei mit andern adverbien, die auch mit verben der bewegung verbunden werden. ganz wie weg wird früher dannen gebraucht, das bis zur mitte des 12. jahrh. weg vertritt, im mhd. neben diesem steht und in fester verbindung mit verben im 16. jahrh. erlischt (s. th. 2, 746), doch erhält sich von dannen. vielfach steht ab. neben weg, das aber zunächst nicht die entfernung von etwas, sondern die trennung oder loslösung von etwas bezeichnet (vgl.abfahren, ↗ablegen, im verhältnis zu wegfahren, weglegen), daher sich in seiner anwendung zwar mit weg berührt, aber gewisse gebrauchsweisen nicht entwickelt und nicht für die erstreckung der thätigkeit in einer bestimmten richtung steht. diese drückt hin aus, das aber auch die erreichung eines zieles bezeichnen kann und jetzt vorwiegend bezeichnet. seit dem 14. jahrh. (s. th. 4, ii, 1535) verbindet sichzunächst im md. — hin mit weg und zusammensetzungen mit hinweg stehen dann neben solchen mit weg, doch tritt bei hinweg die örtliche grundvorstellung noch deutlicher hervor. am meisten macht das aus dem nd. und md. vordringende fort (für älteres fürbasz) dem weg concurrenz, es bezeichnet zwar zunächst das fortschreiten der thätigkeit, schon bei Luther aber auch das ausgehen von einem orte, so dasz jetzt vielfach zusammensetzungen mit fort gleichbedeutend neben solchen mit weg stehen; doch drückt fort nicht in dem grade wie weg die beseitigung aus, sowie nicht das zuendebringen.
1)
in verbindung mit verben haben sich bei weg folgende bedeutungen entwickelt.
a)
bei transitiven verben bezeichnet es vor allem die entfernung von einem orte durch die thätigkeit (darum pflegen sich bestimmungen mit von, aus anzuschlieszen), so in wegblasen, wegdrängen, wegdrücken, wegführen, wegheben, wegräumen, wegreiszen, wegrücken, wegscharren, wegschleppen, wegschleudern, wegschnellen, wegstoszen, wegtragen, wegtreiben, wegwälzen, wegzucken. die zusammensetzung kann zugleich die bewegung nach einem andern orte hin durch die thätigkeit bezeichnen. bisweilen handelt es sich nicht um eine entfernung, sondern nur um eine wendung zur seite, so in wegbiegen, wegdrehen, wegkrümmen, wegstrecken. liegt kein verbum der bewegung zu grunde, so drückt die zusammensetzung aus, dasz der durch die thätigkeit betroffene sich entfernt oder vertrieben wird, so in wegbannen, wegbeiszen, weglocken, wegprügeln, wegrufen, wegschelten, wegschmeicheln, wegschrecken, wegstechen, wegwinken, wegzaubern. hie und da findet die entfernung vom subjecte statt, so in wegbrechen 'vomere', weglegen 'von sich legen', wegwerfen 'von sich werfen', wegschwitzen, namentlich bei mittheilung an andere, wie in weggeben, wegleihen, wegschenken. zuweilen wird ausgedrückt, dasz ein gegenstand nicht durch die thätigkeit selbst entfernt, sondern anders wohin gethan und dann durch die thätigkeit betroffen wird, so in wegbinden 'anderswo anbinden', wegpacken, wegschlieszen, wegstecken, auch 'ins gefängnis stecken'. intransitive verba drücken aus, dasz man sich durch die thätigkeit von einem orte entfernt (dann auch einem andern zuwendet), so in wegeilen, wegfahren, wegfallen, wegfliegen, weglaufen, wegreisen, wegschleichen, wegschwimmen, wegspringen, wegstürzen, wegtreten, wegwandern, wegziehen. die neuere sprache hat das auch bei verben, die an sich keine bewegung nach vorwärts ausdrücken, so wegbrausen 'sich brausend entfernen', weghinken, wegrauschen, wegstolpern, wegtropfen, wegzittern. eine wendung zur seite bezeichnen wegblicken, wegsehen, wegstarren. eine besondere gruppe bilden wegbleiben 'fern bleiben', wegliegen, wegstehen, weghaben 'entfernt haben'; ferner weggedenken 'an den weggang denken', wegfinden 'sich zum weggang anschicken', weghelfen 'zum weggang verhelfen', wegverlangen 'verlangen wegzugehen', wegsehnen, wegwünschen; wegmüssen 'weggehen müssen', wegdürfen, wegkönnen, wegsollen.
b)
mit dem begriff der entfernung berührt sich der der entziehung. weg bei transitiven verben kann ausdrücken, dasz von einem gegenstand etwas abgelöst oder weggenommen wird, so bei wegbrechen, wegbrühen, weghauen, wegnehmen, wegscheren, wegschlagen, wegschneiden. besonders zeigt sich der begriff der entziehung bei verben mit einem persönlichen dativ: einem etwas wegangeln, wegessen, wegfangen, wegkapern, wegkaufen, wegreiszen, wegschnappen, wegstehlen, wegtragen, wegzwacken. wer einem andern etwas entzieht, pflegt aber selbst den gewinn davon zu haben, weg kann daher auch einen erwerb oder vortheil für den, der die thätigkeit ausübt, bezeichnen. so steht neben einem etwas wegangeln auch blosz wegangeln 'listig für sich gewinnen', neben einem etwas wegkaufen auch blosz wegkaufen 'für sich ankaufen'; so drückt noch aus, dasz die thätigkeit dem subject zu gut kommt wegbekommen, wegbringen 'davon bringen', wegholen, wegkriegen, wegpflücken, wegtragen 'davon tragen', wegtreiben, auch weghaben 'erlangt, verstanden haben', wegbehalten.
c)
weiter kann der begriff der entfernung in den der beseitigung übergehen. weg bei transitiven verben bringt vielfach zum ausdruck, dasz der durch die thätigkeit betroffene gegenstand nicht nur von seiner stelle gerückt, sondern ganz vernichtet wird, verschwindet (was neben der ursprünglichen bedeutung hervortreten kann). so bei wegbrennen, wegbringen (einen flecken), wegfeilen, weghängen 'an den galgen hängen', wegputzen 'aufessen', wegraffen, wegräumen (einen menschen), wegreiszen (ein haus), wegrichten 'hinrichten', wegschaffen, wegschieszen, wegschmelzen, wegstreichen, wegwischen, wegzehren. auch beseitigung durch rein geistige thätigkeit kann ausgedrückt werden, wie bei wegdeuten, wegerklären, wegstudiren. die neuere sprache verbindet in dieser weise auch verba mit weg, die sonst kein äuszeres object bei sich haben, so wegarbeiten (die not), wegfluchen (die schmerzen), weglachen, wegplaudern, wegspotten, wegstreiten, wegtändeln, wegvernünfteln, wegwitzeln. bei zeitbegriffen als object ist es 'mit der thätigkeit hinbringen', so weggaukeln, wegscherzen, wegträumen, wegweinen. mit persönlichem object kann es sein 'einen in der thätigkeit übertreffen, zu schanden machen', so einen wegarbeiten, wegsaufen, wegstechen, wegwiegen. bei intransitiven verben kann sich die bedeutung 'vernichtet, beseitigt werden' (z. th. in allmählicher entwicklung wie bei hin-) einstellen, so in wegdorren, wegdunsten, wegfallen, wegfaulen, wegschmelzen, wegschrumpfen, wegtrocknen, wegwelken, z. th. erst in neueren bildungen. nur verstärkend ist dies weg in wegscheiden, wegschwinden, wegsterben.
d)
endlich finden sich bildungen mit weg bei verben, die ein inneres object bei sich haben, wo wol auch von dem begriff der beseitigung auszugehen ist. sie treten erst in der neueren zeit auf und gehören mehr der umgangssprache an (Campe hat sie zuerst eingehender behandelt). die verba drücken zunächst aus, dasz die thätigkeit in beziehung auf das object ganz zu ende gebracht wird, so dasz dieses erledigt oder aufgearbeitet ist, z. b. eine aufgabe wegarbeiten, getreide wegbinden, ein buch weglesen, den flachs wegspinnen. häufiger wird aber nur bezeichnet, dasz die thätigkeit ihren anfang nimmt und ungehindert oder ununterbrochen weitergeht, so ein stück wegblasen 'darauf los' oder 'herunterblasen', ein lied wegpfeifen, ein gemälde wegpinseln; die verba werden dann auch oft absolut gebraucht. so noch wegessen, weggenieszen, weghauen, weghudeln, wegleben, wegliegen, wegmachen, wegmalen, wegplappern, wegpredigen, wegschaffen, wegschlafen, wegschnarchen, wegschreiben, wegsingen, wegsprechen, wegthun, wegtrinken, wegwaschen.
e)
in wendungen wie er springt über den stuhl weg, drückt das verbum meist nicht die entfernung aus (er entfernt sich, indem er über den stuhl springt), sondern die richtung, die die thätigkeit nimmt (er macht einen sprung über den stuhl hin), s. d. folg. abschnitt.
2)
weg kann sich auch als adv. in näherem anschlusz an nominale wendungen zeigen; die nähere abgrenzung dieses adv. von dem verbalpräfix ist nicht immer leicht.
a)
wenn auszer weg noch eine andere locale bestimmung neben dem verbum steht, so kann sich auch hier weg näher an das verbum anschlieszen (was namentlich bei bestimmungen mit von oder aus das gewöhnliche ist), es trägt dann, wenn ein subst. mit präp. vorhergeht, den ton:
schreck ihn durch list aus diesen mauern wég.
Schiller 13, 404;
mit jedem schlag in seine üpp'gen wellen
wäscht sich ein makel mir vom busen wég.
H. v. Kleist 2, 100;
wenn du dein labsal mir zeuchst für dem munde wég.
v. Lohenstein Agrippina 44;
wenn ich kopf fand, sah ich über die sitten wég Schubart leben 1, 98; zieht ihm doch inmittelst die leiter unter den füszen wég Winckler 2000 gutte gedancken D 8ᵇ. es kann aber auch weg mit der vorausgehenden präpositionellen wendung enger verbunden werden, es ordnet sich dann im ton dem vorausgehenden subst. unter: als wir noch eine meile von der stadt waren, fuhren wir ganz sachte an den úfer weg Ch. Reuter Schelmuffsky 37; nach dem heutigen weltlauf drückt sich das nützliche immer an den wä́nden weg Musäus moral. kinderklapper 13; nun ging es an den féldern weg Göthe 24, 145 Weim. ausg.; die wasserleitung geht nahe am theáter weg Seume 129; es (das kind) stieg auf den geländern der gä́nge weg Göthe 21, 171; das mädchen flog mit leichten füszen über die blúmen weg S. Geszner 1, 126; sie ... risz den dolch blitzgeschwind heraus, und fuhr mit spitze und schneide ihm rasch über die hánd weg Göthe 22, 132; (das genie) läuft glücklich wie ein nachtwandler über die scharfen gípfelrücken weg, von denen die wache mittelmäszigkeit ... herunterplumpst 45, 188; der ausflusz der Pegnitz lauft unter einem schwibbogen der stádt weg Nicolai Seb. Nothanker 1, 204. (geht ein pron. mit präp. voraus, so erhält weg auch in diesem fall den ton: Fink sprach über ihn wég, als wenn ein stück luft auf dem stuhle des hausherrn sitze Freytag 4, 286). tritt weg im anschlusz an eine vorausgehende präpositionelle wendung aber vor das verbum, so pflegt es mit diesem zusammengeschrieben zu werden und auch einen hauptton zu erhalten:
(den jagdzug) sah ich noch
vor wenig stunden übern markt wégführen.
Schiller 12, 306;
als der sohn, der sich unter dem fenster wéggeduckt und an die ... thür nicht angeklopft hatte, plötzlich eingetreten war J. Paul Q. Fixlein 69 (andere fälle der art sind unter den verben angeführt). nimmt man die verba als zusammengesetzt (was meistens geschieht), so musz man ihnen eine von der gewöhnlichen abweichende bedeutung anerkennen; sie bezeichnen die richtung, die etwas in seiner thätigkeit nimmt (ähnlich: über den markt hin, unter dem fenster hin).
b)
in folgenden festen verbindungen schlieszt sich weg enger an die präpositionelle wendung an, der es sich im ton unterordnet, und wird für gewöhnlich nicht mit einem folgenden verbum zusammengeschrieben (die zusammenschreibung der texte ist im folg. beibehalten worden; als zusammensetzung würde die bildung mit weg zu 1 d gehören; etwas vom herzen wegsagen u. dgl. kann auch als 'sich durch rede vom herzen schaffen' genommen werden).
α)
von der hand, von (auch vor) der faust, von der zunge, von der brust, vom herzen, von der leber weg: die currentsachen ..., die sich von der hand wegarbeiten und wobey es nur auf eine deutliche vorlegung der umstände ankommt F. C. v. Moser der herr u. der diener 179 (s. auch wegschaffen 2); wenigstens ist die gelehrsamkeit, als ein gewerbe, unter uns in noch ganz leidlichem gange ... und unsere übersetzer arbeiten noch frisch von der faust weg Lessing 6, 3; meine freunde ... heiratheten vor der faust weg, brockten sich eine suppe ein, und haben nun was auszuessen Hermes Sophiens reise 2, 14; aber thorheit ist es, von der faust weg über sachen abzusprechen, welche so vielerley seiten haben Bode Montaigne 4, 420; indem der arzt die sehr kranken, die nicht selbst kommen können, nie sieht und vor der faust weg verordnet Niebuhr nachgel. schriften 133; seyd so gut und haltet die rede, wie ich sie euch vorsagte, leicht von der zunge weg Shakespeare 3, 239 (Hamlet 3, 2); der Teutsche hat die üble gewohnheit seine meinung von der brust wegzusagen Schiller 2, 383 (nur: von der brust weg 'frei heraus' 3, 364 kab. u. liebe 1, 2); so schwatzt man doch wenigstens seinen unsinn und aberwitz frei vom herzen weg Herder 5, 373 Suphan; ein gewaltiger jäger, ders so frey vom herzen weg gesteht, dasz er keine viertelstunde sitzen könne Lavater physiogn. fragmente 1, 232; wir bemerkten einige greise, welche ... lustig und guter dinge zu sein schienen, bis wir sie offenherzig genug machten, ihr elend vom herzen wegzusagen G. Forster 2, 428; gerade vor der wichtigsten entscheidung meines lebens musz ich ihnen wieder begegnen, der einzigen, die mich wirklich kennt und der ich ... recht vom herzen weg beichten durfte Heyse nov. 1, 39; rede nur jovial vom herzen weg O. Ludwig 1, 215; o! ich mus mit dir von der leber wegreden Hermes Sophiens reise 2, 346; ich achte es für ein wahres glück, mit ihnen frei und, wie man zu sagen pflegt, von der leber weg, über alles sprechen zu können Solger nachgel. schr. 1, 292; schreiben sie also nur frisch von der leber weg v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 292; und komme ich einmal in Berlin mit ihm zusammen, so sag' ich's ihm frei von der leber weg v. Gaudy 2, 157; wie that es ihm wohl, dasz der frische zug der wahrhaftigkeit wieder durch das deutsche leben ging und jeder tapfer von der leber weg sprach Treitschke d. gesch.³ 1, 453; vgl. auch th. 6, 461. vom blatt weg: (dasz) er ... alles ohne unterschied vom blatte weg spielen soll Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 1, vorr. 2ᵇ; er singt mit unnachahmlicher fertigkeit alles vom blatt weg Schubart ästhetik d. tonkunst 136; aber sagt: könnt ihr alles vom blatt weglesen? Shakespeare 1, 24 (Romeo u. Julia 1, 2); dieses verdienst gehört in eine klasse mit der fertigkeit eines tonkünstlers, die noten frisch und rein vom blatte wegzuspielen G. Forster 3, 57. vom fleck weg: ich sah heut nacht im traum eines, stöszt mir das irgend wo auf, so nehm ichs vom fleck weg Stephanie d. j. singspiele 76. auf dem nägele weg (s. nägelein th. 7, 264): medicis, welche den Hippocrates, Galenus ... und andere, auff den nägele weg und auszwendig her sagen ... könten Philander 1, 197, vgl. 1, 591. in einem atem weg:
ein pferd von solcher art geht hurtig viele meilen
in einem athem weg, und hasset das verweilen.
König ged. 228;
alles das frage ich sie so in einem odem weg, um ihnen stoff genug zu geben, mir bald und recht viel zu antworten Rabener 6, 114.
β)
vor sich weg (vgl. vor sich hin):
sihe an die andern thier,
haben der füsz nicht mehr denn vier
und lauffen dennoch vor sich weg.
Waldis Esopus 1, 133 (1, 88, 5) Kurz;
in dem sich nichten saumpt die schneck,
in einem gang kroch für sich wegk.
Eyering 3, 154;
und lag also für sich weg als ruhet er B. Quinos sterbekunst (1586) 81; welche ... mit den händen vor sich weggriff und ihren allerliebsten suchte junker Harnisch 169; seine hände ... hielt er mehrentheils gerade vor sich weg Nicolai Seb. Nothanker 1, 44; in solchen krummen gängen und pfaden, dasz ein ehrlicher kerl kaum eine spanne vor sich wegsehen kann Sturz 1, 265; er nahm also seine zuflucht zu dem buch, schlug die augen nicht weiter auf, und las andächtig vor sich weg 1, 268.
c)
eine selbständigere stellung dem verbum gegenüber nimmt weg mit der präpositionellen bestimmung namentlich auch dann ein, wenn dies noch mit einer anderen localen bestimmung verbunden ist:
und aus den reihen verlieret
sich Psyche zwischen felsen
und sträuchen weg.
Göthe 4, 188 Weim. ausg.,
wir gingen neulich durch den wald
und an dem berge weg.
11, 299;
der überm abgrund weg das freie gras
abmähet von den schroffen felsenwänden.
Schiller 14, 397 (Tell 4, 3);
er führete uns die treppe wieder hinunter, über den schönen saal weg, und in eine grosze stube Ch. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 17 neudr.; drängt euch durch die schlucht über die hügel weg, so entkommt ihr Göthe 13, i, 342; er (der kutscher) fuhr nun seitwärts durch einen wald und über lange triften weg 23, 36; man führte uns drüber (über den weg) weg und in's graue hinein 33, 67; strichregen gingen an mir vorüber und über mich weg 41, i, 261; um ihr schrecken zu vergröszern und von unserer gewalt eine probe zu geben, ward eine kanonenkugel über sie weg und zwischen die bäume nach dem lande hin gefeuert G. Forster 2, 164; ein kreis von platanen, wo man über das felsige gestade weg ins meer hinaussah Hölderlin 2, 39 Litzmann; oft sah ich mich erschrocken um, wenn der wind über mir weg durch die bäume fuhr Tieck 4, 148; es fuhr ein licht durch die stube an der decke weg, als wenn jemand mit einer laterne nachts über den hof geht Brentano 5, 92.
d)
auch in anderen fällen steht weg im anschlusz an präpositionelle wendungen selbstständiger im satze da: ward er auffgehaben zusehens, und eine wolcke nam in auff fur iren augen weg ap.-gesch. 1, 9;
und hättest du ...
die schwere strasz entdeckt an den chinenser port,
bey Nova-Zembla weg.
S. Dach 129 Österley;
sorglos über die fläche weg,
wo vom kühnsten wager die bahn
dir nicht vorgegraben du siehst,
mache dir selber bahn!
Göthe 1, 67 Weim. ausg.;
wenn die räder rasselten
rad an rad rasch um's ziel weg.
2, 70;
und du hobest mich auf, und trugst mich herüber, durch deinen
hof weg.
50, 203 (Herm. u. Dor. 2, 143);
hier am teich weg und linker hand in den wald, so kommen wir ihnen in rücken 8, 92 (Götz 3); so sende dir ehestens ein paar bogen noch ganz nasz unter der presse weg briefe 33, 63; da schrie die dirne, dasz man's über zehn häuser weg vernahm Goekingk 3, 87; wie er die obersten stufen übersprang und über den kurzen flur weg fast gleichzeitig die klinke der stubenthür ergriff G. Keller 4, 22; der ... alte baron wurde rot über den ganzen kahlen kopf weg Fontane I, 5, 160. namentlich erscheint von — weg häufig als eine selbständige bestimmung 'von etwas entfernt oder sich entfernend':
nun wende dich, und wirf den blick,
von norden weg, zurück gen süden.
Gottsched neueste ged. 23;
ach, der sturm! verschlagen weg vom glücke!
Göthe 2, 73;
wann er (der hund) Tamiro von ferne sahe, alsbald von seinem herrn weg auf diesen zulief polit. maulaffe 5; sie solten ihre stadt abbrechen, und vom meere weg eine andere bauen v. Lohenstein Arminius 1, 885ᵇ; das auge nicht abwendend von der wolke, die vom Geierstein weg höher und höher heraufzog E. Th. A. Hoffmann 10, 27; auf geheisz der Römer siedelten sie von der küste weg im binnenland ... sich an Mommsen röm. gesch. 2, 169; in der sache ändert sich insofern nichts, als nun der vorwurf vom präsidenten weg auf Stüve fällt J. Grimm an Dahlmann briefw. 1, 173. 'direct woher kommend': und was der best rock ist und von der nadel weg O. Ludwig 2, 373; könnt ihr euch denken, wie der thurm dort auf dem Staufenberg einmal neu war, frisch von kelle und hammer weg? Auerbach 17, 183.
3)
weg findet sich auch in näherem anschlusz an ein vorausgehendes adv. (der ton ruht dann überwiegend auf weg, doch kommt auch betonung des adv. vor). es wird dann theils mit diesem adv. zusammengeschrieben, theils auch getrennt gelassen, auch kommt verbindung und zusammenschreibung des weg mit einem folg. verbum vor. (in den belegen ist die schreibung der texte beibehalten.)
a)
weg mit ortsadv.: beyweg, nebenweg, juxta, secundum Stieler 2456; der schusz gehet beyweg, ictus non tangit ebenda (jetzt veraltet); sie haben sehr weit neben weggegriffen Bode gesch. des Thomas Jones 3, 277; durchweg, ursprünglich local: er ... stach den Türken, der so auff ine drengte, durch wegk und sties ine über bort ins wasser Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 352 Gäbel; mitten durch weg auf einem wagen mit vier pferden fahren, per medium aliquid quadrigis vehi Hederich 2568; dann wie durchaus, s. th. 2, 1710; oben weg, unden weg Stieler 2456: für geld und gute worte finden sich überall leute, die das (die übersetzung) schon so grob oben weg zu machen wissen; musz es doch hernach erst poliren Fr. Müller 2, 40; ob er (der trunk) mir gleich die beine ein paar mal unten weg zog Shakespeare, Macbeth 2, 2; hinten weg, vornen weg: das müssen ihm selbst seine feinde ... nachsagen, dasz er das maul immer vorn weg hat Tieck 5, 378; nu sieh ock die lange latte, die da vorne weg geht! G. Hauptmann die weber 107 (akt 5); drunter weg, drüber weg: ich kenne dich doch auch schon an die dreiszig jahre und drüber weg E. Höfer erz. schriften 1, 6; an, nach, hinter, über einander weg: unsere familie ... streicht an einander weg wie gespenster Göthe 12, 52 (Lila 1) Weim. ausg.; acht nächte nach einander weg 18, 17 (die aufgeregten 1, 6); auch wird man sie (die elegien) hinter einander wegdrucken müssen, wie es eben trifft briefe 10, 256; ein büffet, ein sofa und ein piano, die hintereinander weg die ... längswand ... einnahmen Fontane I, 5, 19 (s. auch wegarbeiten 2, wegmachen 1); da die fäden durchaus kreuzweis übereinander wegliefen G. Forster 2, 166. zeitlich ist vorweg, praeveniens, anticipans Stieler 2456; er hat seinen lohn vorweg ebenda; vornewäk, voraus, zuvor Jecht 120. immer weg:
mach nicht viel wort, gib dich gefangen.
nur fort und immer weg gehangen.
Krüger bäur. richter 491;
s. th. 4, ii, 2078 den beleg aus Möser. in einem weg s. sp. 2870; vgl. noch: darauf haben sie über drei jahrhunderte in einem weg losgearbeitet Jahn merke 63; das mundartliche in eins weg kommt auch im Berliner roman vor: einen blonden jüngling mit piepsender stimme, der mich mit seinen blaszblauen augen in eins weg anschmachtet E. Georgy die Berliner range 4, 87.
b)
weg mit adjectiv-adv., zunächst neben einem verbum, dann auch für sich stehend. die bildungen gehören im ganzen mehr der umgangssprache an und erscheinen (abgesehen von schlechtweg) erst seit der mitte des 18. jahrh. auch litterarisch (Schiller liebt sie in seinen jugendwerken): deutschweg, dreistweg, flüchtigweg, freiweg, frischweg (s. auch wegspielen), geradeweg (s. th. 4, i, 3557), glattweg, gleichweg, kurzweg (s. th. 5, 2855), leichtweg (s.weglesen 2, wegspielen), lustigweg, raschweg (s.wegthun 2), reinweg (nach th. 8, 700 bes. nd.), rundweg (th. 8, 1516 aus Schiller), sachteweg, schlechtweg (s. th. 9, 546), schlichtweg, schnellweg, stillweg, trockenweg, voreiligweg (s. wegverachten), warmweg (in den quellen ist überwiegend weg vom adv. getrennt geschrieben; auch anschlusz an das verbum kommt vor, das als zusammensetzung genommen zu 1 d gehört): halten sie mirs zu gnaden, dasz ich so deutsch weg rede Rabener 3 (1752) 415; die meisten von der gesellschaft behaupteten dreist weg, dasz alle diese geheimen künste auf eine taschenspielerei hinausliefen Schiller 4, 208; ja, ja, das sing er nur recht dreist weg, rief darauf sogleich die dame wieder v. Eichendorff 3, 11; wer etwas, das mit fleisze gemacht werden sollte, nur flüchtig weg machet, der machet es obenhin Gottsched beobacht. 216; in Italien sey warm ... in den dreyszig sey er da gewesen, erzählte er so ganz flüchtig weg Göthe briefe 3, 7 Weim. ausg.; eben deswegen müssen wir unsere meinung frey und deutsch wegsagen litteraturbriefe 15, 39; es mag wohl nicht recht gewesen sein, gleich so frei weg zu sprechen Fontane I, 5, 132; frei — weg! (commando, wenn vorwärts marschirt werden soll, nachdem auf der stelle getreten ist); die Gretel liest ihren brief frisch weg Rabener 6 (1777) 18; ich glaube, sie hätte ihren vater so frisch weg geheirathet wie den sohn Göthe 24, 147; wie ich ... immer geneigt war, was die gegenwart heiteres anbot, frisch weg zu genieszen Steffens was ich erlebte 4, 248; indessen waren die herren von Abdera gewohnt, so glattweg und bona fide bey ihrer staatswirthschaft zu werke zu gehen Wieland 19, 277; der kerle ... begehrte gleich weg seinen abschied Ch. Weise erznarren 31 neudr.; aber lustig weg landsmann. lasz uns ausfahren, wie listige erben, die heulend hinter der bahre gehen, und desto lauter ins schnupftuch lachen Schiller 3, 23 (Fiesko 1, 7); so musz man mit mühe das lachen halten über die schrecklichen geberden, mit denen sie (in der vorlesung) alles rein weg zu papier zu bringen suchen, was von seinem (des professors) munde ausgeht Rebmann der Leipziger student 46 neudr.; und was hatte ich gethan? nichts, reinweg gar nichts Stinde familie Buchholz¹⁰ 19; da fragt man erst recht sachte weg, und der gefangene ist stolz auf seine unschuld Göthe 8, 250 (Egmont 4); so schlicht weg (gespielt) alles, so schlank hin, gar nicht einmal wie auswendig gelernt, — was ist denn darin für kunst? Tieck novellen (1854) 12, 251; zehn töne nach einander schnell weg sind leichter zu singen, als ein einziger von gewicht Heinse 5, 45 Schüddekopf; hier seht ihr, ist die königliche vollmacht, eigenhändig unterschrieben, Gottlieb (der name des königs) simpel weg Tieck 10, 102;
laszt euch still weg in lieb' und güte hängen,
und zwingt uns nicht zu harten prozeduren.
3, 152 (Fortunat I, 3, 3);
sie lebten still und finster weg; nur mit dem schulzen ... verkehrten sie zuweilen E. Höfer erzähl. schriften 5, 231; ich habe erfahren, dasz sie still weg leben Freytag verl. handschr. 1, 262; er hat es ernsthaft gesagt ... das wars eben. so trocken weg, und so weinerlich Schiller 3, 23 (Fiesko 1, 7); gearbeitet habe ich noch nichts, aber sobald ihr wieder hier seid, geht das rasch und warm weg briefe 1, 296 Jonas. die wendungen kommen auch adjectivisch vor: der mensch ist schlecht weg, non nimis exquisitus est hic homo, sine dolo, simplicis ingenii Stieler 2456; Leo hätte geantwortet, aber so frei weg er sonst war, er genierte sich doch einigermaszen Fontane die Poggenpuhls 65; es ist dumm, dasz die besten pastoraltheologien über diesen punkt so hurtig weg sind wie schnupftabak J. Paul Hesp. 3, 54 (s. th. 9, 1391).
c)
auch so weg 'ohne weiteres' begegnet (doch kann in den folg. belegen auch weg mit dem verbum verbunden werden): die jenseitigen Deutschen rupfen den teig wieder aus einander und braten ihn in butter auf. der wälsche Tyroler iszt ihn so weg Göthe 30, 55;
kleine diebe hängt man so weg (nd. de kleynen deve
hengetmen wech), es haben die groszen
starken vorsprung, mögen das land und die schlösser verwalten
50, 108 (Rein. Fuchs 8, 134);
auch die bessere seele, die sich im lesen erhohlen will, naht gefahren, wenn sie so weg lieset, was der zufall in die hände spielet Jahn volksthum 261; es geht noch immer so weg (erträglich).
4)
weg als adv. 'entfernt' kann durch weit verstärkt werden; diese verstärkung kommt auch in fällen vor, wo weg näher an das verbum angeschlossen wird (s. auch wegwerfen 6): gott wolle ... kranckheit und ander unglück weit davon weg verbannen Ch. Weise polit. redner 261; nicht nah vor der stadt, sondern gantz weit weg Lichtenberg briefe 1, 305; sie ist weit weg verheirathet Göthe 23, 73; diese (wahrsagerinnen) wollte er (der Gotenkönig) nicht länger dulden, sondern verjagte sie weit weg in die wildnisz Grimm d. sagen 2, 16; beschlosz also, zu reisen, so weitweg, wie möglich Immermann Münchh.² 1, 10; nachdem aber später die Franzosen ... ihre würfe höher richteten, und die kugeln weit von uns weg fielen Grillparzer⁵ 19, 46. sprichwörtlich:
es blitzt und schlägt mit pulver und blei,
weit weg ist besser denn dabei.
Opel u. Cohn 30jähr. krieg 435;
weit weg ist gut vorm schusz Arnim 16, 136. auch fern weg (s. 5 a): wie wir noch offtmals zu thun pflegen dem so uberfeld oder ferne wegwandert, das wir eins teils weges mit im gehen Edelman hochzeitpredigten (1583) F 7ᵃ; Schilrick scheidet von seiner geliebten Vinvela: fern weg, fern weg in Fingals kriege: er verläszt sie Herder 3, 27 Suphan. auch mit maszangaben verbunden: der pfaff ist uber ain myl weg bei dem wyn Eberlin v. Günzburg 1, 187 neudr.
5)
prädicativer gebrauch von weg kommt schon im mhd. vor; bei Luther ist er sehr gewöhnlich (in der älteren bibel wird an den betr. stellen wegsein noch nicht verwendet). weg pflegt mit sein und gewesen zusammengeschrieben zu werden, nicht aber mit den formen des verbum finitum.
a)
weg kann 'entfernt, in der ferne' sein: die wile der bobest enweg was, do zwischen schluͦg Dietrich von Bern Boetio und Simacho ... die houbter abe Closener städtechr. 8, 31, 21;
doch kommen, die Adramelech verehren,
sklavische heuchler, dahin, und beten sein luftiges unding,
wenn er da ist, gebückt, und wenn er weg ist, mit hohn an.
Klopstock Messias 2, 349;
Schnürtzgen. ach! ihr kinder! was soll denn das bedeuten, dasz du schon wieder hier bist. Lorentz. was solls bedeuten, dasz ich nicht mehr weg bin Ch. Reuter Schlampampe 106 neudr.; Theophan, soll ich sagen, dasz sie nicht lange weg seyn werden? Lessing 1, 445 (der freygeist 4, 8); schon fünf tag und nächte, dasz er weg ist Göthe 8, 20 (Götz 1) Weim. ausg.; wer sich nähert, den stoszt nicht zurück und wer sich entfernt, den haltet nicht fest, und wer wiederkommt, den nehmt auf, als wenn er nicht weg gewesen wäre briefe 21, 275; wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine vernunft in einen blick — in einen traum von dir, wenn ich weg bin Schiller 3, 371 (kab. u. l. 1, 4); meine nachbarn wissen allemal, wenn ich weg bin O. Ludwig 2, 59. weg von, aus etwas: von hause weg seyn, domo abesse Steinbach 2, 984; er ... will daran denken, wie lang er schon von den seinigen weg ist Hebel 2, 2 Behaghel;
fern! weg von mir
sei eure treu, und eure herrlichkeit!
Göthe 17, 49;
doch weg sey stets von mir dies mittel zu gefallen.
Z. Werner ged. (1789) 7;
wie es einem so einsam ist, da alles aus dem hause weg ist Ch. Reuter Schlampampe 104 (1, 9) neudr.;
weil das bild der treffligkeiten (die geliebte),
deiner fakkel wehrter zwekk,
nu ist ausz dem leben weg.
geharnschte Venus 107 neudr.
verstärkt weit weg: er ist schon weit weg von uns Stieler 2456;
wan ich vermein,
weit weg zu sein.
Spee trutznacht. 31;
hast du nicht gesehen, wie er alles anstarret ... und wie einer antwortet, dessen seele weit weg ist Leisewitz Julius v. Tarent 29 (1, 6) neudr. fern weg: du darffest im nicht nachlauffen, er ist zu fern weg Sir. 27, 22. mit maszangaben: dann wann die leute uber land reisen wolten, ..., und das pferd sich nur umbwendet, so waren sie vierzehen meilen weck Krüger Clawerts werckl. hist. 67 neudr.; reiszaus! zerrissen die haufen! davon! sechzig schritte weg werf ich die kleider ab, stürze mich in den flusz Schiller 2, 92 (räuber 2, 3 schausp.).
b)
viel häufiger ist die auch schon seit dem mhd. vorkommende bedeutung 'weggegangen'.
α)
die feint hetten sich ein weil enthalten in dem wald und waren nit weck städtechr. 2, 193, 16 (Nürnberg 1450); do man innen ward, das sy eweg was d. volksbücher 341, 32 Bachmann-Singer; das der engel Gabriel wer weg, zuͦ dem fenster ausz geflogen Decamerone 263 Keller; da sie (die verfolger) weg waren, stiegen sie aus dem brunnen 2. Sam. 17, 21; wenn der verleumbder weg ist, so höret der hadder auff spr. Sal. 26, 20; da ich meim freund auffgethan hatte, war er weg und hin gegangen hohel. 5, 6; der Mertin bericht, ich wär weg, wüszten aber nicht wohin v. Schweinichen denkw. 140; bistu dann noch nicht weg? schausp. engl. comöd. 97, 19 Creizenach; wie froh bin ich, dasz ich weg bin! Göthe 19, 5 Weim. ausg.;
gott weisz, wo er ist kommen hin.
weg ist er nicht, das weisz ich wol.
Krüger bäur. richter 304;
sie ist fort, ich bin hier,
ich bin weg, bin bei ihr.
Göthe, 3, 36;
geht, geht mit gott madame. wir fürchten uns
vor keinem teufel mehr, sobald ihr weg seid.
Schiller (jungfr. v. Orl. 2, 2).
wegsein von etwas: ob aber ainer oder mer zuvor, ehe die dorfmaister, wie gemelt, urlaub geben, von der arbait wech waren und des urlaubs nit erwarten österr. weisth. 3, 145, 37 (Oberinnthal 1598); ganz Wien weisz, dasz ich vom erzbischof weg bin, weisz warum Mozart bei Jahn Mozart 3, 28. besonders ist weg 'plötzlich verschwunden', gern mit voranstellung: weg ist er, abiit, excessit, evasit, erupit Nieremberger;
warte doch! —
dasz er mich hörte! — he Al-Hafi! hier! —
weg ist er.
Lessing 2, 212 (Nathan 1, 3);
er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging,
ich hatt' ihn noch zu sprechen, — doch — weg war er.
Schiller 12, 245 (Wallenst. tod 2, 3);
während ich die grösze des ankers ausmasz, weg waret ihr, ohne dasz ich wuszte, wo ihr hingekommen Wieland Lucian 1, 294; als ich von einem kleinen spaziergange einst heimkehrte, weg warst du samt deinem geschwister E. Th. A. Hoffmann 10, 45. ohne verbum: alsz disz die bruder horten, sie auf und wegk Grunau preusz. chron. 2, 237. er ist weg kann auch sein 'dahin, gestorben': sie ist dahin, mein frideschilt vur ungemach; enweg ist mein warsagende wunschelrute Ackermann aus Böhmen 10 (5, 3) Bernt u. Burdach; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer, und wenn du nach seiner stete sehen wirst, wird er weg sein ps. 37, 10; unser zeit ist, wie ein schatte dahin feret, und wenn wir weg sind, ist kein widerkeren weish. Sal. 2, 5; meine hütten ist zerstört ..., meine kinder sind weg, und nicht mehr fürhanden Jer. 10, 20; er ful im (um) un war weg Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ; ich werde mal weg sein wie ne mütze 'plötzlich sterben' ebenda, vgl. Wander 4, 1857.
β)
übertragung auf unbelebtes.
1))
von zeiträumen 'vergangen': wegk, einwegk, transactus oder vergangen voc. theut. (1482) nn 4ᵇ; wenn auch die zway jaur enweg und vergangen sind städtechr. 5, 377, 39 (Augsburg 1438); so der winter noch nit gantz en weg ist Keisersberg bilgersch. 32ᵃ; der winter ist vergangen, der regen ist weg und da hin hohel. 2, 11; der tag ist schon weg, the day wasts Ludwig 2406;
betrachte denn (beim jahreswechsel), mit aufmerksamen sinn,
dasjenige, was weg, vergangen, und dahin.
Brockes 4, 438.
sprichwörtlich: zeit so weg, komt nicht wieder Schottel 1136. in der Oberlausitz sagt man: neune is weg 'ist vorüber' Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ.
2))
auch sonst 'vergangen, vorüber, nicht mehr vorhanden':
wir suln in gote dan ruwen ...
alle leit sint danne weck.
H. v. Hesler apokalypse 22295 Helm;
alʒo der koning in der fursten gheinwertigkeit ist und in irem gerichte, so ist die sache weg, do er andere richtere umb gesazt hatte, und so richtet er denn billich selber weichbildrecht 217 (glosse art. 7) v. Daniels; als der taw weg war, siehe, da lags ... wie der reiffe auff dem lande 2. Mos. 16, 14; freude und wonne ist aus dem felde weg Jer. 48, 33; und wenn der tzorn (gottes) weg ist, szo sind die sund vergeben Luther 8, 519, 13 Weim. ausg.;
weil der winter ist vergangen,
schnee und eysz ist weg.
Voigtländer oden u. lieder 96:
in wenig stunden
ist alles schöne weg, ist alle pracht verschwunden.
Brockes 2, 16;
was ich mir ferner auch erstreben mag,
das schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder.
Schiller 12, 375 (Wallenst. tod 5, 3);
das wort ist weg, und der ton der empfindung tönet Herder 5, 17 Suphan; und wenn mir auch einmal so ein gedanke durch den kopf fuhr, war er gleich wieder weg Göthe 9, 128; der damm ist weg, und der strom seiner lüste kann izt freyer dahin brausen Schiller 2, 21 (räuber 1, 1 schausp.); dann war es (das land) plötzlich unter ihm weg Storm 1, 32.
3))
von eigenschaften und besitz 'verloren': dâ morne sô stirbet er ... dâ ist diu geistlîche kraft enweg mystiker 1, 265, 20 (Nic. v. Straszburg); hab ich doch nirgend kein hülffe, und mein vermügen ist weg Hiob 6, 13; böse, böse, spricht man, wenn mans hat, aber wens weg ist, so rhümet man es denn spr. Sal. 20, 14; alle seine (des reichs) herrlichkeit ist weg. es war eine königin, nu ists eine magd 1. Macc. 2, 11; wenn aber hertz und mut weg ist, so ist die manheit weg, und der man wird feyg und verzagt Luther 19, 411, 11 Weim. ausg.; es ist alles weg, was wir zuvor gehabt M. Neander sylloge locutionum 223ᵃ; das gelt ist weg, devorata pecunia est; sein guht ist weg Stieler 2456; nun ist alle hoffnung weg, now all hopes is gone Ludwig 2406; geschütz erfunden: und siehe! die alte tapferkeit der Theseus, Spartaner, Römer, ritter und riesen weg Herder 5, 533 Suphan;
bauren, wann die messer weg, stecken holtz in scheiden ein.
Logau 2, 9, 32 (s. 383 Eitner);
dasz deine freiheit weg, und dieses land ...
umb allen seinen schmuck und herrlichkeit gekommen.
Rist d. friedewünsch. Teutschland 34;
weg ist mein thun, weg stand und ehr,
weg alle meine gaben.
S. Dach 182 Österley;
allein er kam zu spät.
ihr herz war weg, weg mit dem ersten blicke.
Wieland 21, 206 (Klelia u. Sin. 2, 141);
weg ist alles, was du liebtest,
weg, warum du dich betrübtest,
weg dein fleisz und deine ruh.
Göthe 1, 70;
die furcht ist weg, der respect, die scheu.
Schiller 12, 46 (Wallenst. lager 11).
von körperlichem: meine kräfte sind weg, my strength is gone Ludwig 2406; das fleisch ist ihm alles vom leibe weg, totum corpus ad extremam tabem venit Stieler 2456;
o weh, mein nasen ist schon weg!
Krüger aktion v. d. anfang u. ende der welt F 5ᵃ;
der athem ist mir weg ... o schweres ungelück!
Gottsched ged. 681;
war ein gekos' und ein geschleck';
da ist denn auch das blümchen weg!
Göthe 14, 180 (Faust 1, 3561);
während zwei ... den ganzen feurigen schusz in's antlitz bekommen hatten. das auge müsse wenigstens weg sein, sagte die person Immermann epigonen² 1, 218. auch von krankheiten 'beseitigt': mein husten ist weg Lichtenberg briefe 1, 142.
4))
von concreten entwickelt sich weg zur bed. 'verschwunden, nicht mehr zu sehen': mein seckel mit dem golde ist gleichwol weg englische comedien u. tragedien J 6ᵇ;
abends liegt es noch im kasten,
und des morgens ist es weg.
Heine 1, 155 Elster.
5))
um das plötzliche verloren-, verschwundensein zu bezeichnen, pflegt weg vorangestellt zu werden:
weg war der (auf einmal verschwundene) schatz!
Gellert (1769) 1, 214;
ein halstuch öffnet sich, ein ärmel fällt zurücke,
und weg ist euer herz!
Wieland 9, 16 (Musarion 1);
sie kommt. auf einmal weg ist die erlog'ne ruh!
Göthe 9, 97 (mitschuld. 3, 7);
auf einmal musz eine arme Bruneschi, Emilia heiszen: — weg ist meine ruhe, und alles! Lessing 2, 115 (Emilia Galotti 1, 1); als ich erwachte, stand Adolph an meiner seite, und weg war der traum Pfeffel pros. versuche 1, 112; raunte mir mein dämon ins ohr: gestehe nur, dasz du nicht glaubst, was du singst! und weg war alle fromme andacht Heyse nov. 1, 137.
6))
sprichwörtlich: was weg ist, das lasz fahren hin Henisch 976, 62; was weg ist, beiszt (brummt) nicht mehr Wander 4, 1856; weg ist weg, fort ist fort, hin ist hin 1857.
γ)
er ist weg (verstärkt ganz weg) kommt in der umgangssprache (bes. Norddeutschlands) in übertragenen bedeutungen vor Follmann 533. Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. Bauer-Collitz 113ᵇ. Stürenburg 328ᵃ. Danneil 245. Brendicke 192. zeitschr. f. d. mda. 1910, 39 (Neumark). Frischbier 2, 460. es kann sein: eingeschlafen; besinnungslos, bewusztlos, ohnmächtig; kraftlos nach langen schreien und wüten; betrunken (Lichtenberg 3, 74. 75, neben er ist fertig, ist hin); auszer sich vor aufregung, staunen, aus dem seelischen gleichgewicht. litterarisch nicht häufig:
der zorn
der himmlischen verweigert uns die winde.
gleich bist du (Agamemnon) weg. der streich schlägt dich zu boden.
Schiller 6, 167 (Iphig. in Aulis 376);
ich bin zuweilen so weg, dasz ich mich selbst kaum mehr kenne v. Hippel briefe 14, 91; wir haben gewonnen; sobald er sich in beweisen und vernünfteln einläszt, ist er weg Klinger 1, 97 (falsche spieler 1, 1). hingerissen, entzückt: gott, wie schön (war die landschaft)! ... auf seele — ich war weg, ganz wie der burgermeister von Krähwinkel Spindler n. f. 19, 39. in Sachsen 'ganz ohr, sehr aufmerksam' Müller-Fraureuth. namentlich auch 'verliebt, verschossen': das hexen-mädel! bin ganz weg, ganz caput, alle meine wünsche und gedanken laufen ihr nach Fr. Müller 2, 148; bald floh sie vor dem tänzer, ... wiegte das gesichtchen hin und her — ich war ganz weg v. Gaudy 2, 108; ich bin über ihren anblick ganz weg Nestroy 3, 183; ich kann mich nicht entsinnen, einen menschen gesehen zu haben, der, verzeih' den ausdruck, durch einen ganzen abend hin so 'total weg' gewesen wäre wie dieser Leopold Fontane frau Jenny Treibel 83; in jemand: Emmi war wieder ganz weg in dies lange reff von sänger Stinde familie Buchholz¹⁰ 84.
δ)
über etwas wegsein (s. 3 b J. Paul) 'darüber hinausgekommen sein, etwas überwunden haben': euer gnaden sind zwar noch nicht ganz über die jugend weg, aber sie haben doch schon einen kleinen beyschmack vom alter Shakespeare 9, 206 (Heinrich IV. 2. th. 1, 2); daher dachte der erste schon über alle schwierigkeiten weg zu seyn d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 32; nunmehr bin ich über diese besorgnisz weg Rabener 3 (1777) 151; nun werden sie wohl über ihre geschäfte, die so angewachsen waren, weg seyn Leisewitz briefe 278; von turnspielen sollen alle schwache ... ausgeschlossen bleiben, auch die, so noch nicht über die vorübungen weg sind Jahn turnkunst 244. über etwas erhaben sein, nicht mehr dadurch beeinfluszt werden: über die ehrlichkeit ist man weg Gottsched d. schaubühne 3, 120; wer darf sich rühmen, jetzt den scheitel der wahrheit erreicht zu haben, der über alle dünste weg ist? Herder 9, 499 Suphan; dasz viele nicht mehr gelesen werden, kommt daher, dasz wir über viele der albern vorurtheile selbst weg sind, gegen die er kämpfte 23, 87; du lebst ... wie ein ächter philosoph, der viel entbehren kann und über alles weg ist Wieland Lucian 1, 135; kein kampf mehr zwischen tugend und laster ... über das alles sind die eisernen seelen weit weg! was kümmert sie diesz? Lavater physiogn. fragmente 1, 90; wenn die aufmerksamkeit auf die zeit nicht aufmersamkeit auf einen schmerz, über den wir wegzusein uns bestreben, sondern auf ein vergnügen wäre Kant 10, 253; das ist die gemeine façon, über die der marquis weg ist Klinger 1, 115 (falsche spieler 1, 6); wirklich aufgeklärte menschen sind darüber weg Sintenis Flemmings geschichte (1792) 3, 71;
weg ist er (Max) über wunsch und furcht, gehört
nicht mehr den trüglich wankenden planeten.
Schiller 12, 374 (Wallenst. tod 5, 3).
6)
ein elliptisches weg als ausruf kommt seit dem mhd. vor: weg! via! Krämer 1215; weg! weg! aus dem wege, cede, da locum Stieler 2456; im anheben des regens hat man gesehen feurige kaulen auf dem Hagelisberg laufen und man stimmen horte: weck, immer weck, es kompt unser helle daher Grunau preusz. chron. 2, 358.
a)
dasjenige, das weichen soll, kann angeredet werden (es ist dann gehe zu ergänzen):
du tuost mînen ougen wê;
nû balde enwec, vil tumber man!
R. v. Ems Barlaam 11, 31;
disz ist die rechte freuden-zeit.
weg, trauren, weg, weg, alles leid.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 438;
weg, weg, du dienstbarkeit, bey der nichts ist zu finden
als gut da mangel ist.
Königsberger dichterkreis 90 neudr.;
weg! wie blikst du,
auge, ganz durch mich ein!
Klopstock oden 1, 207, 25 Muncker;
weg, du traum! so gold du bist.
Göthe 1, 48 Weim. ausg.
b)
dasjenige, das weggethan werden soll, wird im acc. angeschlossen (es ist dann thu zu ergänzen): kopf weg, gare la tête Rädlein 1036;
Marcellus. Ihr dürft nicht gehn, mein prinz.
Hamlet. die hände weg!
Shakespeare, Hamlet 1, 4;
was sie befehlen, herr, wie sie belieben — nur die pistolen weg Schiller 3, 452 (kab. u. l. 4, 3);
die alte leyer weg! die pfeiffen weg hiervon!
König ged. 65;
weg tändeley und puppenspiel,
da ich kein kind mehr bin.
Ch. F. Weisze lieder für kinder 25;
weg den thracischen tollen brauch!
Herder 26, 240 Suphan;
von dieser unzahl weg den blick!
zurück, mein geist, in dich zurück.
Bürger 12ᵇ;
weg den versuch, mit schmeicheley zu blenden!
Göthe 2, 14;
weg, weg die traurigkeit,
die euch mit wahn umsponnen!
Arndt ged. (1860) 494;
weg die sorg' um erdennoth!
Rückert ges. ged. 6, 365.
ungewöhnlich ist hier ein nom.:
von dem auge weg der schleyer!
Schiller 1, 217.
c)
üblicher ist es, dasjenige, was weggethan werden soll, durch mit anzureihen (wo wieder gehe zu ergänzen ist).
α)
sie schrien aber, weg, weg mit dem, creutzige in Joh. 19, 15; da wurden sie zornig, und dachten, weg mit solchem Messia, der wird unglück anrichten Luther 8 (1580) 129ᵃ Jen. ausg.;
da euer fürstlich gnad ihn nit abschaffen,
werden wür müeszen entlaufen.
nun weck mit ihm aus disem land!
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 109, 57 (1608) Mehring;
weg mit dem kerle, apage te cum homuncione Steinbach 2, 955; weg mit dem Teutschen! er ist zu rechtlich Klinger 3, 37.
β)
weg weg mit aller gunst der drey mahl drey göttinnen.
Zinkgref auserlesene ged. 19 neudr.;
von ripp und bain sing ich allain,
weck mit der faisten wamppen!
Balde Agathyrsus 105, 1;
wegk, mein hertz, mit dem gedancken,
als ob du verstoszen wärst!
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 299;
weg mit dem allen,
was unmuth bringt!
S. Dach 712 Österley;
weg mit ehre, weg mit geld!
wenn ich selig werde.
Neukirch ged. 63;
drum weg mit diesem weichlichen mitleiden,
das einer königsbrust nicht ziemt.
Schiller 13, 206 (jungf. v. Orl. 1, 5);
weg mit verstellung! handelt öffentlich!
12, 480 (M. Stuart 2, 8);
weg! weg damit! ich kann es nicht gestatten.
13, 358 (Turandot 1, 3);
weg mit den grillen und sorgen!
färbt doch Aurora den morgen,
blüht uns das leben doch schön!
Mahlmann schriften 1, 46;
wenn mir aber was nicht lieb,
weg damit ist mein princip.
W. Busch Plisch und Plum 1.
d)
weg von jemand oder etwas (sc. gehe), weiche davon, entferne dich davon:
pakke dich feindin! weg von mir Dione!
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 420;
ich weisz nichts. weg von mir! Klinger 1, 79 (zwillinge 4, 4); weg von ihm! wag es keiner ihn anzurühren! Schiller 2, 102 (räuber 2, 3 schausp.); weg von dem widrigen menschen! E. Th. A. Hoffmann 14, 162;
weg von dem schwankenden aste!
Klopstock oden 2, 5, 14 Muncker;
doch hinweg aus dieser gegend mein vater ... weg, weg, weit weg von dem ort, wo mich so viele spuren der verlorenen seligkeit anreden! Schiller 3, 480 (kab. u. l. 5, 1); nur weg von hier! Müllner dram. werke 4, 80 (die Albaneserin 3, 1); am end ists besser für dich und das kind, weg von der welt, wo einen die leut durchaus schlecht wollen haben! O. Ludwig 2, 258; doch — weg von diesen unangenehmen betrachtungen! Wieland suppl. 5, 242; so bald etwas ganz genossen ist, weg davon! diesz ist das allgemeinste gesetz der natur Heinse 4, 235 Schüddekopf;
doch weg von dieser grämlichkeit, und laszt
zurück uns zu den blumen kehren!
Platen 197 (schatz d. Rhamps. 1).
weg aus etwas:
weg aus meinen augen,
um gotteswillen —
Schiller 5, 240 (Don Karlos 2, 8).
III.
zusammensetzungen mit verben und daran sich anschlieszende nominalzusammensetzungen. wenn die verba wie gewöhnlich die entfernung oder (bei transitiven) die beseitigung durch die thätigkeit ausdrücken, konnte die bedeutungsangabe unterlassen werden.
wegackern
durch ackern wegnehmen: wie mein papa (nicht gut zu sprechen ist) auf die Griebens, unsere nachbarn, die ihm immer die grenze wegackern Spielhagen 14, 99. auch wie abackern: ein stück von der wiese wegackern, zu acker machen Campe.
wegandächteln
durch andacht, frömmelei aus der welt schaffen: er warf ihnen (den klerikern) länderfressenden geiz, unwissenheit, faulheit, rachsucht vor, und sammelte fakta, stubborn things, die sich nicht wegandächtlen lassen Sturz 1, 81. —
wegangeln
mit der angel wegfischen. gern übertragen, listig entwenden: die lockspeise, womit ich die freiheit und mit ihr das eigenthum meiner mitbürger wegzuangeln getrachtet hätte Wieland 2, 121 (Agathon 8, 3). meist mit dat.:
wie er sie heut im betstuhl knien sah,
da sie mit einem blick sein herz ihm weggeangelt.
21, 195 (Klelia 1, 443);
der hat mir das mädchen auch schon weggeangelt Sintenis Flemmings geschiehte (1792) 3, 248. —
wegängstigen
durch erregung von angst vertreiben. bei Campe wegängsten.
wegarbeiten
1)
durch arbeit wegschaffen: man hat ein zimlich stücke vom berge abgerissen und weggearbeitet Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 65; man arbeitet, kühn genug, den felsen hinter der quelle weg, damit umher ein raum entstehe Göthe briefe 23, 10 Weim. ausg. übertragen, durch arbeit beseitigen: sie (die jünglinge) ... sind ... von einer wohlgestalt, indem sie alles überflüssige fleisch weggearbeitet ... haben Wieland Lucian 4, 354; und dann lassen sich meinungen, wo nicht offenbare widersprüche sind, und das gewisse tief verborgen steckt, nicht so leicht wegarbeiten Heinse 4, 275 Schüddekopf;
gleich der ämsigen lohnspinnerin kaum die noth
wegarbeitend.
Voss 3, 159.
bei der arbeit aufbrauchen, verarbeiten: wagmeister beim eisenhämmern soll ... fleiszige acht haben, dasz die hammermeister nicht allen vorrath wegarbeiten v. Schönberg berginformation 50.
2)
durch arbeit zu ende bringen: weil sie (die auflader) biszweilen in der früh ein stück weckarbeiten müssen Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 46; da die siebzehn assessoren (am reichskammergericht) nicht einmal im stande waren, das laufende wegzuarbeiten Göthe 28, 133 Weim. ausg.; ich habe ... kleine und gröszere abhandlungen entworfen und es kommt nur darauf an, dasz ich sie in der folge hintereinander wegarbeite briefe 9, 269; ich arbeite alles weg, was mich hindern könnte mich bald in ihrer (Schillers) nähe zu freuen und zu erbauen 10, 246. auch nur 'durch arbeit fördern, darauf los arbeiten': anfänge für die zeichnungskunst ... flüchtig auf handriszmanier, mit kecker schrafierung weggearbeitet S. Geszner 2 (1778), 192; 18 gesellen, die beständig wegarbeiten Lichtenberg briefe 1, 273; von der hand, von der faust wegarbeiten s. sp. 2936.
3)
sich wegarbeiten, mühsam fortzukommen suchen, mit richtungsbestimmungen:
ergriff' ihn gott, ihn loszureiszen; er
entrönne, von ihm sich wegarbeitend, gott.
Klopstock 9, 12 (Salomo 1, 1);
wenn ein buntes weiches wesen über die glatte fläche (der schreibtafel) sich wegarbeitete J. Paul flegelj. 3, 59.
4)
einen wegarbeiten, in der arbeit übertreffen: ich getraue mir ihn wegzuarbeiten Kramer t.-ital. 2, 29ᵃ; oder ists, weil du meinst, du bist stark und kannst ärbeten? so stark du bist, ein pferd ist noch sechsmal so stark und ärbet dich sechsmal weg O. Ludwig 2, 292 (Heiterethei).
wegärgern
durch erregung von ärger vertreiben: ich lasse mich nicht von ihm wegärgern Campe.
wegatmen
1) intrans., den atem aufgeben, sterben:
von dem ersten,
der ein sterblicher ward, bis hinab zu dem letzten von Adam,
dessen jungem leben der auferstehung posaune
wegzuathmen gebeut, sie alle wirst du (tod) versöhnen.
Klopstock Messias 8, 69.
2) trans., durch den atem wegschaffen: den staub wegatmen Campe. bildlich: ich hör sie atmen. o sie hat einen ruhigen schlaf. eine welt von sorgen, und sie atmet sie einem weg von der brust O. Ludwig 3, 112 (erbförster 5, 6). mit dem atem an sich ziehen: zwei menschengesichter — sich einander in die augen ziehend — einander die seufzer belauschend — von einander die weichen, durchsichtigen worte wegathmend J. Paul Hesp. 1, 208. atmend hinbringen: um so mehr grosz ... war ... die frömmigkeit einzelner mönche, weil sie ihr armes leben wegathmen muszten unter unzählbaren haufen von schurken Zimmermann über die einsamkeit 1, 222. —
wegätzen
es mag nun solche (anwendung von scheidewasser oder höllenstein) geschehen an dem leibe des menschen ein wildes, unnützes fleisch wegzuätzen Blancard med. wb. 169. übertragen, durch schärfe beseitigen: doch hatte alle selbstsucht ... die ... natürliche liebe zu ihrer nachkommenschaft nicht ganz wegätzen können Gotthelf 5, 28; nur viel bildungsvolk oben (auf dem Rigi)! werden die berge vollends wegätzen Vischer auch einer (1879) 1, 8. —
wegbaden
durch baden beseitigen. bildlich: und von meiner stirne die sinnenden runzeln wegzubaden, gibt es ja wohl noch ein freundlich mittel Göthe 8, 230 (Egmont 2); wie ein blutender hirsch in den strom stürzt' ich oft mitten hinein in den wirbel der freude, ... die tobenden herrlichen träume von ruhm und grösze wegzubaden Hölderlin 2, 77 Litzmann.
wegbalbieren
süddeutsch für wegbarbieren: so viel wir uns das jahr über haar unter der nase wegbalbiren lassen Fr. Müller 1, 286; jetzt geh her, bübl, setz dich da auf die butten. jetzt wird dir das schnurrbartel wegbalbiert Rosegger nixnutzig volk 218.
wegbannen
durch den bann von einem ort vertreiben, in die verbannung schicken:
dort (an höfen) wird der glücklichste, nach kurzen gnadenzeichen,
mit titeln wohl versorgt, oft plötzlich weggebannt.
Hagedorn 2, 65;
der gott der ärzt' und der poeten
und Pallas wurden einst vom himmel weggebannt.
2, 73;
mit schande wird Bellona weggebannt.
Herder 27, 250 Suphan;
ward (der herzog von) Mailand darum weggebannt von Mailand,
dasz sein geschlecht gelangt auf Napels thron?
Shakespeare 3, 125 (sturm 5, 1).
bildlich: einige augenblicke ..., da zweifel und sorge für ewig weggebannt schienen. kehren diese feinde schon zurück? Göthe 13, i, 345 (Götz schausp. 5, 13) Weim. ausg.;
wird auch die freiheit vogelfrei
hier oben wohl genannt,
da unten (im weinkeller) hat die sultanei
sie noch nicht weggebannt.
W. Müller 2, 45.
auch 'durch zauberkunst (vgl.bannen 7, th. 1, 1116) von einem ort entfernen': decantare ... mit zauberey ausz einem ort wegtreiben, wegzaubern, wegbannen Corvinus fons lat. (1646) 143; zu Tripstrille hat er (Veit) müssen ihr (der einwohner) ungezieffer wegbannen Prätorius vom Katzen- Veite H 8ᵇ; dasz kein laub oder ast den teuffel oder sein geschirr wegbannen könne Blockesberges verrichtung 497. gern in bildlicher anwendung, woran sich weiter der übertragene gebrauch anschlieszt: indem ich das einzelne jener tage und stunden in der einbildungskraft wieder hervorrief und dabey die gespenster, die sich dreyszig jahre her dazwischen bewegt, nicht wegbannen konnte Göthe briefe 36, 59 Weim. ausg.;
ich such es wegzubannen, das nachtgesicht.
v. Alexinger theater 6, 10;
musik, der's nicht an zauberkraft gebrach,
durch feierlich erhabnen klang das herz
zu rühren, wegzubannen zweifel, angst ...
Bürde Miltons verl. parad. 1, 37;
worte ja giebts und töne, die sänftigen solcherlei schmerz dir
können, und unfehlbar doch ein theil wegbannen der krankheit.
Voss antisymbolik 221;
verirrungen ..., die durch keine arznei weggebannet werden konnten Herder 12, 180 Suphan; noch immer den bösen husten, und die seit ewigkeiten her nicht wegzubannenden kopfschmerzen Mundt moderne lebenswirren 243. meist ist wegbannen nur 'dauernd entfernen' (von, aus etwas):
bannt alle farben weg, beschwärtzet leib und hausz (aus trauer).
Pietsch geb. schriften 222;
wie weit hat oft vom glühenden verlangen
das schicksal die erfüllung weggebannt!
Gotter 1, 327;
ist denn aus solcher seele
das heilige gedächtnisz
der freundschaft weggebannt?
Kretschmann 1, 299;
denkt ihr, er habe ...
den schlaf von seinem lager weggebannt,
sein edles haupt der sorge hingegeben,
nur um ein glücklich paar aus euch zu machen?
Schiller 12, 150 (Piccolomini 3, 8);
zween, drei ausdrücke wurden aus der sprache des anstandes weggebannet, und dem pöbel überlassen Herder 3, 286 Suphan; kann ein weib ihre erste einzige liebe wegbannen aus dem herzen? E. Th. A. Hoffmann 13, 31 Grisebach; er hatte sich so oft gelobt, dieses bild von seinem innern auge wegzubannen Gutzkow ritter vom geiste² 1, 53.
wegbäumen
den baum verlassen. ein weidmannswort: darzu (zum einfangen der baummarder) kan man die garne auch brauchen, und sie um den baum stellen. jedoch musz man zusehen, wo sie herunter kommen müssen, und nicht oben wegbäumen können öcon. u. phys. lex. 6, 543. vgl.abbaumen th. 1, 11, das nach Heppe wohlred. jäger 1ᵇ von bär, luchs, marder, wildkatze und eichhorn gesagt wird.
wegbeben
(von etwas):
gestalten, die der starke fliehe,
wie vom gespenste der schwache wegbebt.
Klopstock oden 2, 153, 16 Muncker;
izt schwieg die stimme, und Kain bebte schauernd vom altar weg, und gieng durch die nacht zurück S. Geszner (1762) 1, 140; man lasse ein kind ... den offenen rachen eines löwen oder tigers ... und das lächeln eines gutmütigen menschen sehen ... unfehlbar wird seine natur von dem einen wegbeben und dem andern lächelnd begegnen Lavater bei Sturz 2, 302.
wegbegeben refl
vgl. sich wohin begeben th. 1, 1280 (durch Luther allgemein geworden, mhd. nur 'in ein kloster gehen'). meist mit von, aus: aber meine nachbarn sahen es nicht gern, da sie vernommen, dasz ich mich von ihnen wegbegeben wollte v. Schweinichen denkwürd. 347; hiesze der alte den andern sich wegbegeben Simpl. schr. 3, 435, 1 (vog. 1, 20) Kurz; Pompeius hatte ... den seinigen anbefohlen, sie sollten sich in treffen nicht von ihrem orte wegbegeben v. Fleming vollk. teutsche soldat 283; er muszte einen anstosz von übelkeit vorschüzen, um sich eine zeitlang aus der gesellschaft wegzubegeben Wieland Agathon (1766) 1, 236; es fügte sich ferner, dasz, als ... Rom ... von den Franzosen besetzt wurde, viele künstler ... sich von dort wegbegaben Göthe 49, 34 Weim. ausg.; von dem offizier verlangen, dasz er sich aus den fürstlichen landen wegbegebe briefe 4, 8;
denn Föbus sich weg hat begeben,
das silberlicht, Zynthia, zeiget sich gleich.
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 360;
so rief er, und begab sich weg aus der
versammelung.
Bürger 150ᵇ (Il. 3, 114);
wirklich ist es allerliebst
auf der lieben erde:
darum schwör' ich feyerlich
und ohn' alle fährde,
dasz ich mich nicht freventlich
wegbegeben werde.
Göthe 1, 121.
von vögeln: viele kleine vögel, so nicht das geringste von der unmäszigkeit der kälte empfinden, noch daher sich wegzubegeben gedencken Prätorius winterflucht d. sommervögel 378. ungewöhnlich von dingen: die Franzosen haben für ihre zeitwörter einen gewissen angewiesenen platz, aus dem sie ... sich nicht wegbegeben dürfen Lenz 2, 327 Tieck.
wegbegebung f.
von unnöthiger und übereilter wegbegebung ... abhalten Cranz alte u. neue brüder-historie (1771) 719. —
wegbegleiten
der sieger ... wird nachher von den zuschauern triumphirend wegbegleitet Archenholz England u. Italien 1, 2, 428; ich ... sah ..., dasz der herr pfarrer zwei herren ... vom hause wegbegleitete Gotthelf 1, 193. —
wegbehalten
für sich behalten (vgl.weghaben). märkischer provincialismus: die hosen behielt er weg. es war wohl die rede, als Lippold ... endlich loskam, dasz Dietrich ihm das leder wiedergeben wollte, weil er's nur leihweise besessen ..., aber Lippold wollte es nicht haben Alexis hosen⁸ 97.
wegbeiszen
viele (mäuse) strömten gegen die pulvertonne hin und bissen die dornen und disteln rings weg Brentano 5, 193. mit dat.: der fuchs beiszt sich den schwantz weg Steinbach 1, 116; wenn du dir ihn auch lieszest näher kommen, so wärs um deine nase gewisz geschehen: er würde dir sie mit wurzel und stiel wegbeiszen Lessing 3, 56. bildlich: 'die kompagnie hört auf mein kommando'. am anderen tage, in veränderter lage, vernahm ich die gleichen worte bis auf die silben 'mando', die der tod, einem anderen kameraden, von den lippen wegbisz D. v. Liliencron krieg u. frieden 5. von scharfen mitteln (wo beiszen die nebenform von beizen ist, s. th. 1, 1401):
des rosenessigs schärfe beiszet
den unraht weg und heilt den brand.
v. Zesen helikon. rosenthal 83;
strewe kalck hinein, das beist das böse fleisch weg Walther pferde- u. viehzucht 52; (man streut) seifensiederaschen ... die den mies zimlich wegbeiszet und gut gras wachsen machet v. Hohberg Georgica 2, 258. einen wegbeiszen 'durch beiszen vertreiben' (von, aus), zunächst von thieren: der haushahn hat den welschen han weggebissen Stieler 129; die gänse beiszen die enten weg Steinbach 1, 116; von etlichen jungen störchen, so ihre alten vom neste weggebissen Prätorius winterflucht d. sommervögel 153; so beist der hamster die hamsterin ... aus seiner röhre weg Döbel jägerpract.² 1, 43. übertragen 'gewaltsam vertreiben': wie kan denn sund und gerechtickeit, tod und leben beysamen bleiben? es mus sich eins mit dem andern fressen und eins das ander wegbeiszen Luther 32, 42, 17 Weim. ausg. seit dem 18. jahrh. namentlich 'durch schlechte behandlung, anschwärzen bei andern usw. vertreiben': er schien nicht entschlossenheit genug zu haben, diejenigen, die er vor sträflich hielt, ... gesetzmäszig zu behandeln, sondern ich möchte wohl sagen: er bisz sie lieber weg v. Kaltenborn briefe (1790) 1, 35; den armen trefflichen Widmer haben die bösen buben und herren von dem lehramte und von Luzern weggebissen Görres ges. briefe 3, 420; dann könne er sehen, wie es ihm ergehe, wenn Uli alle die weggebissen hätte, die ihm im wege seien Gotthelf Uli der knecht (1850) 165; offenbar wollte er (Macdonald) York wegbeiszen, um das preuszische corps ganz in die hand zu bekommen Prutz preusz. gesch. 4, 5; sie wollen mich gern wegbeiszen ... die regierung wünscht aber, dasz ich bleibe v. Bismarck briefe an s. braut u. gattin 185. —
wegbeizen
die hühneraugen wegbeitzen Steinbach 1, 114; die unnützen haare beitzte sie mit salamanderspeichel weg v. Lohenstein Arminius 2, 85ᵇ; er (jasmin) ergieszt eine ... milch, womit man warzen wegbeitzt Oken 3, 2, 1038. bildlich: glaubten die fürsten ..., dasz die thränen eines sterbenden vaters, der nach zwanzigjährigem dienst seinen kindern kein vermögen ... verlassen kan, eine den göttlichen seegen wegbeitzende krafft haben F. C. v. Moser der herr u. d. diener 393; möchte doch eine lauge scharf genug seyn, solchen verfassern ... allen unrath aus ihrem gehirn wegzubeitzen! litteraturbriefe 19, 188; nicht das schmutzige eingedorrte krankengesicht, nicht die von fiebern weggebaizte lebensfarbe J. Paul unsichtb. loge 2, 128; ich freue mich aber nicht auszerordentlich darüber, dasz ein halbes loth schlafkörner eine ganze glühende welt im menschen wegbaizen kann Hesp. 1, 178.
wegbekommen
durch trennung von etwas bekommen: denn sie verstand allzu wohl, dasz ... kein fisch mehr an die angel anbiesze, worvon er schon den angehenckten wurm zu seiner speise wegbekommen hätte v. Lohenstein Arminius 2, 822ᵃ. meist 'für sich gewinnen, sich zu eigen machen': so kommen leute und wird also gestöret, sonsten hätt er das geld richtig wegbekommen v. Schweinichen denkwürd. 126; ist unsere armee wider auffgebrochen, und marschiret, hat unter wegs das schlosz Aimery angriffen, beschossen und bald wegbekommen Welsch warh. reise - beschreibung (1658) 384; man kann ... einem jungen menschen keinen bessern rath geben, als sich durch allerley gefälligkeiten in die gunst eines berühmten sachwalters einzuschleichen, um den so genannten schlendrian bey ihm wegzubekommen Heinse 3, 464 Schüddekopf; es war ein harmloser herr, der bis an sein ende kein wort deutsch lernen wollte, so dasz wir alle bald das französische wegbekamen Heyse nov. 1, 259;
ein rabe flog sich matt und lahm,
eh er zween käse wegbekam,
der herren raben leib-gerichte.
Lichtwer fabeln 3, 22.
auch nur 'zu etwas kommen, etwas erhalten': man sieht sich an hof, an tafel, beym spiel und die prinzen stellen da recht artige und charmante herrn vor, der minister bekommt manch compliment und schön wörtgen weg F. C. v. Moser der herr u. d. diener 33; ironisch: da er aber einmal im regimente den zunamen Prim wegbekommen hatte, so nannte ihn mein oncle Toby auch beständig dabey Bode Tristr. Schandi 2, 35; was mein grünwerden betrifft, so habe ich das von einem furchtbartragischen schicksale in der liebe wegbekommen Immermann Münchh.² 1, 116.
wegbellen
durch bellen vertreiben, fernhalten Campe: so reizen die wilden ihre hunde, die finsternisz des mondes wegzubellen J. Paul grönländ. prozesse 1, 72; der hund des alten Hans Heinrich hat uns so manchen procesz weggebellt, der wird ihnen auch keinen durchs thor lassen v. Droste-Hülshoff 4, 40 Kreiten.
wegbeordern
jemand befehlen wegzugehen: dasz man heute aber eine schildwache hingepflanzt habe, die mich nicht hinaufgelassen; gerührt ... küszt er mir die hand und verspricht mir, die schildwache wegzubeordern Bettine briefw. 2, 45. —
wegberufen
es sind 27 jahr, dasz ich von diesem orte wegberufen ward, und mein jetziges amt ist ... wenigstens dreymal so einträglich Meiszner skizzen 127. wegbeten, durch gebet entfernen: Senaherib, welcher von Jerusalem weggebetet und von seinen kindern erschlagen wird Mathesius Sarepta 82ᵇ. in manchen gegenden nennt man wegbeten das sprechen der sterbegebete bei einem kranken John sitten ... im deutschen Westböhmen 166. etwas wegbeten, durch gebet abwenden oder beseitigen: und zeiget in einem hellen spiegel, wie man nicht solle beten, und alles jerosolimitanische unglück von leib und seele wegbeten Herberger hertzpostilla (1613) 1, 619; wenn ich sehe, dasz er ... voll eifer um den seegen vor das haus ist und gerne allen fluch und unrecht wegbeten und wegweinen möchte F. C. v. Moser der herr u. d. diener 238; das heldenmädchen gelobt oft im taumel heil'ger andacht, die sünden (ihrer eltern) all wegzubethen Fr. Müller 1, 9; Anton hatte sein fieber weggebetet Moritz Anton Reiser 74 neudr.; bete die sonnenstrahlen weg, dasz ein ewiger unwürksamer winter bleibe Göthe 39, 19 (Gottfr. v. Berl. 17) Weim. ausg.; ihr habt euer sach brav gemacht und von meinen äckern das wetter ordentlich weggebetet Scheffel Ekkeh. 280. durch beten verbrauchen: die übrigen segen im büchelchen, sammt dem einband, hatte der erblasser (ein bettler) abgegriffen und weggebetet J. Paul biogr. belust. 1, 169.
wegbetrügen
ein lockerer geselle
aus Attika, der unter gottes larve
die ehre, schaam und unschuld wegbetrog.
Schiller 1, 323 (auch 1, 298). —
wegbetten, das bett an einer anderen stelle aufschlagen: ich will mir lassen wegbetten Steinbach 1, 99; wie es leider! manchem armen sklaven von manne geht, der sich von seiner gebieterin nicht wegbetten darf v. Thümmel reise 3 (1794) 74. —
wegbeugen
mit localen best.: tritt forne vor das rosz und beuge den fusz hinterwers vom leibe weg Böhme roszartzney (1618) 34; Eva beugt sich nun über ihre jüngste weg Fr. Müller 1, 66. —
wegbewegen
von seiner stelle bewegen: dasz die christliche religion ... see und land einnehmen, fest darauf stehen, und weder durch sturm noch durch erdbeben wegbewegt werden soll Jung-Stilling 3, 200. refl.:
Gurges, dein beweglich gut sah man längst sich wegbewegen.
Logau 3, 1, 77 (s. 457 Eitner).
wegbeweisen
als nicht vorhanden oder falsch beweisen:
jedoch den teufel hat, so viel ich weisz,
kein atheist noch bündig wegbewiesen.
H. v. Kleist 1, 416 (zerbroch. krug 11) E. Schmidt;
dasz diese (verpflichtungen) miszachtet waren, liesz sich nicht wegbeweisen Prutz preusz. gesch. 2, 161.
wegbiegen
1)
trans., zur seite oder zurückbiegen: es giebt leute, die den baum fein höflich wegbiegen, und leute, die ihm gerad entgegen trotzen v. Hippel lebensläufe 3, i, 315; dasz sie eine schwester, wenn sie ihr tändeleien sagen, oder sie liebkosen wollte, mit dem schlanken arme blosz ruhig wegbog Stifter 3, 226; von ihm weggebogen lag ihr erschrockenes angesicht in ihrer rechten hand J. Paul Hesp. 3, 87. refl.: flieh wie die rose flieht, wenn ein zephyr sie küszt, sie biegt sich vor ihm weg S. Geszner 1 (1777) 107; er umschlang sie und küszte den weichen mund des errötenden mädchens. nur sanft bog sie sich von ihm weg Novalis 4, 169 Minor. übertragen: jenes (wort) ward durch einen nebengesichtspunkt von der hauptsache weggebogen; hier veränderte sich mit der zeitfolge der geist des hauptbegrifs selbst Herder 5, 125 Suphan; eine reihe andrer (ausdrücke), die zum theil mit ziemlich weggebogner bedeutung jahrhunderte durch der kirchensprache geläufig worden sind 12, 209.
2)
intrans. 'sich infolge zu groszer belastung nach unten biegen' Mothes baulex.³ 4, 353ᵇ.
wegbilden
durch bildung entfernen: nur gar zu sehr habe ichs gelernt, ... wie weit Morgenländer, Römer, Franzosen, Britten, Italiener und Deutsche, wenn ich den Rousseauschen ausdruck wagen darf, unser gehirn von der griechischen denkart weggebildet haben mögen, wenn wir über die würde der menschlichen natur ... denken! Herder 3, 203 Suphan;
viel weisheit wohnt beim weiblichen geschlechte,
dafern der ahnung stimm' aus seiner brust.
nicht weggebildet ward.
Geibel 2, 238.
wegbinden
von einem orte losmachen und anderswo festbinden: die (frau) lesset den kettenhund wegbinden, gibt gegen dem knecht für, es sei des tyrannen befehl, er kündte nicht für dem hunde schlaffen Zanach erquickstunden (1613) 1, 197. durch binden wegbringen: (ein mädchen hat mannskleider angezogen) aller überflusz an den kleidungsstücken war so weggebunden, weggesteckt und weggenestelt, dasz sie knapp, wie angegossen, saszen Immermann epigonen² 1, 11. wie abbinden (th. 1, 13): ein gewächs, eine warze wegbinden Campe. mit binden zu ende bringen: alles getreide ist schon weggebunden Campe.
wegbirschen
(auch -pirschen, -bürschen, -pürschen).
1)
mit der büchse wegschieszen: die hirsche werden entweder von den jägern erschlichen und weggebürschet, ... oder sie werden gejaget das geöffnete jägerhausz (1713) 8; wo dieselben (die ricken) geheget und geschonet, die böcke aber dabey offte weggepürschet werden Döbel jäger-practica² 1, 27ᵃ; es raschelte etwas im walde, das allgemein bewaffnete jahr (1848) musz doch nicht alles wild weggepirscht haben Auerbach dorfgesch. 4, 71;
herr pathe, was für schöne kirschen!
seht aber auch das sperlingsheer!
all' diese häscher wegzubürschen,
gebricht's an pulver und gewehr.
Langbein schriften² 2, 55.
mit dat.: ich birschte einen fetten hirsch dem abt zu Tegernsee vom munde weg Pichler marksteine 224. bildlich: wenn nun die Spanier dieselbe (kleinode) aufflesen wolten, waren die Indianer hinter ihnen her, pirscheten und schossen sie mit ihren vorgiefften pfeilen wegk wie die vögel Scherdiger novae historiae (1591) 95;
aha! der listige waidmann,
der uns das niedliche reh wegbirscht, die behende Luise!
Voss 1, 96.
2)
refl. sich auf der birsch vom wilde entfernen (gegens. anbirschen): wenn man nun weisz, wo er (der gemsbock) sich niedergethan, hat man sich vom beobachtungsplatz möglichst ungesehen wegzubirschen v. Kobell wildanger 162.
wegbitten
durch bitte von wo entfernen: muszt mir's schon nicht verübeln ..., dasz ich dich von der lustbarkeit hab wegbitten lassen Rosegger 6, 233. einladen (wie ausbitten): der so oft weggebetene herr sekretär muszte nun, da er, nach dem sprachgebrauche, ein eignes haus machte, oft auch wieder bitten Meiszner skizzen 3, 15. wie wegbeten: der fromme bischof Aravatius zu Tongern wollte durch wachen und fasten den einfall der Hunnen in Gallien wegbitten Freytag 17, 235 (bilder 1, 4). —
wegbixen
s. wegbüchsen.
wegblasen
1)
in die luft blasen, durch blasen entfernen. vom atem, hauch, wind: mach das futter ein wenig nasz, das (das rosz) es nicht wegbläset Böhme roszartzney 32; hernach musz die magd den staub noch mit dem munde von den dielen wegblasen Gottsched d. schaubühne 4, 320; den taback in groszen, krausen wolken wegblasend E. Th. A. Hoffmann 15, 63 Grisebach;
herr Roland hat sich kurz bedacht,
er stiesz in's horn mit solcher macht,
dasz er beinahe über den rasen
gezelt und alles weggeblasen.
Uhland ged. (1898) 1, 439;
bläs't auch der frische wind an allen orten
die schleier weg: du hältst den deinen fest.
Hebbel 3, 261 (Gyges 1);
man musz zuweilen platzregen und sturmwinde haben, die den alten schnee wegblasen Petri d. Teutschen weiszheit 2, Oo 2ᵇ. auch ohne object (mit loc. best.): der freie ozean, über den die winde wegblasen A. v. Humboldt ansichten d. natur 1, 14. gern in bildlichen wendungen: welchem (teufel) meyne werck vil zw schwach syndt. er kan si myt eynem adem wegbloszen Luther 34, i, 366, 31 Weim. ausg.; wenn ir soltet mit im kempffen, ... so hat er euch gar bald weggeblasen, als der wind ein bawmblat hinweg wehet 34, ii, 397, 33; Hornbock duplicirte: gehe, packe dich, ehe ich dich, als eine leichte zitterfeder, in die lufft wegblase Kuhnau musikal. quacksalber 214 neudr.; du sollst mich mit allen waffen widerlegen, die du in deiner gewalt hast, aber ich blase sie weg mit dem hauch meines mundes Schiller 2, 182 (räuber 5, 1 schausp.); bevor ich deine jetzige täuschung mit dem kalten hauche der wahrheit wegblase Klinger 7, 134; (der genius der gattung) der solche menschensatzungen und bedenken wie spreu wegbläst Schopenhauer 2, 651 Grisebach. dann auch ohne bild für 'vertreiben, vernichten': pedanten ..., die die verbannung jedes vorurtheils als verlust ansehen, ... werden sich nun freylich ärgern, dasz Mitford (in seiner geschichte der Griechen) auch diese täuschung weggeblasen hat Klinger 12, 208; trompeter, blas'! und ihr (soldaten) blast ihn weg! Göthe 8, 99 (Götz 3) Weim. ausg.; der alte major ... wär ... nicht so bös, dasz er einen menschen mir nichts dir nichts wegblasen liesze, auch keinen feind nicht W. Alexis Isegrim 3, 134. der taschenspieler und wunderthäter pflegt bei seinen kunststücken gegenstände anzublasen (vgl. auch weghauchen):
er bläst die kröpfe weg und weisz den wurm zu tödten.
Triller poet. betracht. 3, 430.
daher kommt wol die wendung wie weggeblasen 'plötzlich verschwunden': ihr meint, der herzog habe 14000 Schweizer? sie sind wie weggeblasen Hauff Lichtenstein 1, 41 Hempel; wo stecktest du? du warst ja wie weggeblasen mit deinem rappen Alexis hosen⁸ 143; von der zeit an war ... alles gefühl von achtung und liebe für den konrektor wie aus seinem herzen weggeblasen Moritz Anton Reiser 138 neudr. so auch nur weggeblasen:
er schwingt sich auf, und wie er aus dem feld
zurücke schaut, verschwunden ist das zelt:
in einem wink erhob sich's aus dem rasen,
in einem wink war alles weggeblasen.
Wieland 22, 153 (Oberon 4, 18, 8);
die bunten bilder eines zertreuten lebens, die mir sonst tag und nacht vor den augen schwebten, waren auf einmal weggeblasen Göthe 22, 278 Weim. ausg. aus dem gauklerwesen erklärt sich wol auch einem etwas wegblasen 'rasch wegnehmen':
das hauptwerk ist doch wohl, dem hasen
von bräutigam das fräulein wegzublasen.
Wieland 22, 179 (Oberon 4, 63, 3).
2)
mit blasen daran geben: unterdessen bläset der postillon denjenigen teil der lunge weg, den ... der brandtwein noch übrig gelassen hat Hermes Sophiens reise 1, 5; er blies seine seele unter flüchen weg Klinger 3, 219.
3)
darauf los, ungehindert weiter, bis zu ende blasen: man hat das mundblättchen in unsern tagen zu einer solchen vollkommenheit getrieben, dasz man die ersten hoboenconcerte damit wegbläst Schubart ästhetik d. tonkunst 332. vgl.(s. ohr, th. 7, 1229 und weglügen, wegschlafen, wegschreiben, wegschwatzen): ein horn nur so vom zapfenbrett zu nehmen und dem teufel ein lustiges ohr wegzublasen Ganghofer der mann im salz 1, 168. —
wegblassen
sterben: ihre freundinnen staunen verwundernd sie an; weggeblaszt in des todes armen wähnten alle sie schon Fr. Müller 1, 61. wegbleiben, von einem orte (namentlich einem solchen, wo man erwartet wird) entfernt bleiben.
1)
von personen.
a)
remanere, wech bliven Diefenbach gl. 491ᵇ (aus gemma, Köln 1507); und wilst auch darzu so lange wegbleiben Ch. Reuter Schlampampe 102 (1, 7) neudr.; der künstler blieb weg und kam nicht wieder mediz. maulaffe 152; bleiben sie so lange weg, als sie wollen Lavater verm. schriften 1, 50; sie mögen kommen oder wegbleiben, für das alles ist gesorgt Heyne an Herder, von und an Herder 2, 192; mutter. ich sehe den Leonhard ja gar nicht mehr. wie kommt das? Klara. mag er weg bleiben! Hebbel 2, 14 (Maria Magdalena 1, 3);
Saladin.   er
blieb weg!
Sittah.   der arme bruder!
Saladin. lasz nur gut
seyn! — einmal bleiben wir doch alle weg!
Lessing 2, 306 (Nathan 4, 3).
mit dat.:
wenn sich des dorfs schulmeister beklagt, dasz die jugend ihm wegbleibt.
Voss 3, 143.
jemand nicht nahe kommen: er sprang auf und wollte auf den immer ruhig auf- und abgehenden losstürzen. der professor aber packte ihn am arm: 'bleiben sie weg, werthester!' schrie er Hauff 7, 21 Hempel; bleib er mir, herr informator, mit den possen weg Lessing 1, 220 (d. junge gelehrte 1, 2). von, aus etwas: der kayser (hat) ein herrliches mahl zubereiten lassen, von welchem er jedoch selbst mit fleisz wegbliebe Ant. Ulr. v. Braunschweig Octavia 5, 15; bleib ja nicht von unserm gastmahl weg! Bürger 298ᵃ (Macbeth 3, 2);
der ist
kein wohlgesinnter, der von diesem fest
wegbleibt und nicht mit ruft: es lebe der könig!
Schiller 13, 294 (jungf. v. Orl. 4, 4);
bleib weg von Altdorf.
14, 340 (Tell 3, 1);
es wäre unartig, wenn wir ihm (Klotz) mitten aus dem collegio wegbleiben wollten Lessing 8, 126; beinahe ein volles jahr vor dem tode ihrer tochter war ich aus ihrem hause weggeblieben Grillparzer² 8, 99. der subst. inf. ist häufig: der baron war über mein wegbleiben böse Tieck 9, 262; ich werde mich meines wegbleibens wegen schon ... zu entschuldigen wissen v. Holtei 35, 151; infolge der sorge und verwirrung, welche durch mein nächtliches wegbleiben entstanden G. Keller 1, 118.
b)
in besonderen bedeutungen: im rechtsgang von parteien, die bei der verhandlung nicht erscheinen Hayme 1318. von bewerbern um ein mädchen: sie müssen nur geschwind einen von allen freyern nehmen: so bleiben die andern von sich selbst weg Gottsched d. schaubühne 6, 180; nun ist er weggeblieben und hat das arme mädchen ins gerede gebracht Kotzebue dram. werke 18, 28 (d. deutschen kleinstädter 1, 13). in nordd. umgangssprache vom aussetzen des atems (bei schreienden kindern, bei hustenden) oder vom bewusztloswerden, selbst vom sterben nach einem anfall Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. nd. jahrb. 30, 90 (Quedlinburg). zeitschr. f. d. mda. 1910, 39 (Neumark). H. Meyer d. richtige Berliner 150ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 526ᵃ. Danneil 245. Frischbier 2, 460; jetzt brach auch der alte assistenzrath ... in ein so krampfhaftes gelächter aus, dasz uns die ... zurückkehrende schwester bereits in todesängsten vorfand, da der alte herr vom stickhusten ganz weggeblieben war Bog. Goltz ein jugendleben 1, 150.
2)
von regelmäszig wiederkehrenden erscheinungen: das röhrwasser blieb weg, daher die redensart wegbleiben wie röhrwasser, ohne jede erklärung auf einmal wegbleiben Borchardt-Wustmann nr. 986; die fieberanfälle blieben weg Campe. dann überhaupt 'nicht in die erscheinung treten, fehlen': ob es nun gleich an ... jagdbüchern nicht fehlet, mithin mein jagdwerklein wol hätte wegbleiben können v. Heppe aufr. lehrprinz 15; (das lob) soll niemals aus meinem munde und meinen nachrichten wegbleiben Abbt 5, 7; Wurm. wenn ... eifersucht hier im spiel seyn solte, so wäre sie es wenigstens nur mit den augen und nicht mit der zunge. präsident. und ich dächte, sie bliebe ganz weg Schiller 3, 375 (kab. u. l. 1, 5); er empfing uns beim aussteigen; alle façons blieben unter uns weg Schiller briefe 1, 396 Jonas. weggelassen werden in einem gröszeren ganzen: so siehet man vor sich, dasz es (die begründung) nach ertheilter confirmation von denen statutis wegbleiben mag Ch. Wolff vern. ged. v. d. gesellschafftl. leben (1725) 423; alle überflüssige buchstaben, die im reden nicht gehört werden, müssen im schreiben wegbleiben Gottschedin briefe 1, 330; mich dünkt, das verführende wort eigen könnte wegbleiben Herder an Jacobi (aus Herders nachlasz 2, 274); wenige (sonette) findet der leser durch gefälligkeit eines kunstfreundes übersetzt, andere sind weggeblieben Göthe 44, 374 Weim. ausg.;
nichts als die stelle von dem eid blieb weg,
wie deine excellenz es mir geheiszen.
Schiller 12, 159 (Piccolomini 4, 2). —
wegbleibung, f. Steinbach 1, 130, neben wegbleiben, n. nicht üblich geworden.
wegbleichen
1) intr., bleich werden und wegschwinden Campe. 2) trans., durch bleichen beseitigen: dasz sonnenstrahlen mittelst der spiegelscheiben die farbe der tapeten wegbleichten Kretschmann 6, 203. bildlich: das ist das sündenroth, das will man gerne wegbleichen und weggewischt haben v. Zinzendorf kinderreden (1750) 48. —
wegblenden
durch blenden beseitigen, bildlich: ohngeachtet einiger unwahrscheinlichkeiten, die er leicht mit dem starken glanze, den er den leidenschaften giebt, wegblendet Heinse 2, 335 Schüddekopf; ich zitterte darnach, ihr noch einmal den spiegel vorzuhalten, aus dem ihr besseres bild zurückstrahlte und alles wertlose um sie her wegblendete G. Keller 4, 65. —
wegblicken
den blick abwenden: sie wurde innen, dasz er sie angesehen, und gleich wieder wegblikkete Bohse der liebe irrgarten (1684) K 6ᵃ; mir wird bange! blick weg! deine lippen beben Schiller 3, 413 (kab. u. liebe 2, 5). von etwas: sie blickte, bald von tiefem rot übergossen, bald erbleichend, nicht vom boden weg G. Keller 6, 128. übertragen: gern blicke ich von diesen greuelauftritten weg Campe; unser priesterlicher filosof blickt nun von Homer weg über fünf jahrhunderte hinab Voss antisymbolik 303. trans. gebraucht: in Nadinens hellem auge hing eine thräne fest, die nicht wegzulächeln und wegzublicken war J. Paul Kamp. 20. —
wegblinzen
durch zudrücken der augen wegschaffen:
wenn eine thräne ja dein auge schwellt,
so blinzest du sie weg.
Pfeffel poet. versuche 5, 159.
wegblitzen
1) intrans., wie ein blitz verschwinden: da kann der gedanke blitzen und wegblitzen! das bild kommen und verschwinden Herder 5, 301 Suphan. — 2) trans. durch den blitz vertreiben: die jungen strahlen der sonne über das gebirge blitzten ihn von seinem fortepiano weg, auf dem er einige lustgriffe that Heinse 5, 5 Schüddekopf; als der befehl des herzogs — oder ... der bannstrahl des pabstes Zilling — ihn aus Ludwigsburg wegblitzte, ergriff er hastig den wanderstab Schubart briefe 1, 200 Strausz; man trift auch leute unter ihnen (den pfälzischen offizieren) an von vestem, deutschen sinne, die es nicht selten wagen, die französischen milchgesichter von sich wegzublizzen leben u. gesinn. 1, 206. —
wegblühen
verblühen und wegschwinden:
blume, du stehst verpflanzet, wo du blühest ...
werth, schnell wegzublühen, der blumen Edens
beszre gespielin!
Klopstock oden 1, 90, 3 Muncker;
reizend noch stets, noch immer liebenswürdig,
lag Clarissa, da sie uns weggeblüht war,
und noch stille röthe die hingesunkne
wange bedeckte.
1, 90, 14;
ihr götter, diese zarte blume soll doch nicht jetzt schon wegblühn? werke 8, 148 (Hermannsschl. 6); ein einzelner jüngling kann wegblühen ohne frucht; aber eine ganze junge welt in blüthe setzt früchte an und kann nicht erfrieren J. Paul 48, 140 Hempel. übertragen: seht, wie sie wegblüht die eitle, die den Fiesko heurathete Schiller 3, 86 (Fiesko 3, 3); ist eine sterbende minute, ein fliehender monat, ein wegblühendes jahr weniger zu beklagen, als der tod eines sohnes? Schubart schriften (1839) 6, 299. —
wegbluten
wie blut ausströmen: so lasz mich im gefängnisz mein leben in thränen wegbluten briefe 2, 93 Strausz;
nicht um frischre lebensfluten,
sie in thränen wegzubluten,
nicht um längres leben fleht
dich mein klagendes gebet.
ged. (1825) 1, 127. —
wegbohren, bohrend wegschaffen: drei mächtige wesen wirkten in diesen groszen zeiträumen (der weltbildung), wasser, luft, feuer; jene die absetzten, wegborten, niederschlugen, dieses das ... allenthalben, wo es nur konnte, organisch wirkte Herder 13, 422 Suphan.
wegborgen
an andere borgen: lasset uns ... den andern so haus und hoff haben, entweder umb einen zinslichen pfennig verkauffen, oder one auffsatz wegborgen Edelmann hochzeitpredigten (1580) F 4ᵃ; wiszt ihr nicht, dasz ein bankier niemals geld wegborgen darf von seinem gewinnst? E. Th. A. Hoffmann 8, 213 Grisebach.
wegbrauchen
aufbrauchen: eine einzige invalide pfeife, deren mundstück bereits bis auf den letzten knopf weggebraucht war Seidel Leb. Hühnchen 8. —
wegbrausen
mit brausen sich entfernen:
der donner verhallt, der sturm braust weg, das säuseln verweht.
Klopstock oden 1, 139, 29 Muncker;
wie sie (die fische) von mir wegbrausten, darum, dasz ihnen der mann (Adam) einen namen gab Fr. Müller 1, 43; und alle sind längst staub und asche, die jahrhunderte sind in raschem flug über die stätten weggebraust, wo ihre geschicke sich abspannen Scheffel Ekkeh. 438. wegbrechen.
1)
trans.
a)
durch brechen abtrennen: sie durfte nur die eine felsenecke ... wegbrechen, so erlangte sie eine schön geschwungene wendung zum aufstieg Göthe 20, 34 Weim. ausg.; das eiserne pfortengitter war längst weggebrochen und zu andern zwecken verwendet worden Immermann Münchh.² 1, 53; sie ... schnallte die halskette ab, sah den schaden: es war das silberblättchen weggebrochen von dem bilde Rosegger III, 4, 78. durch brechen beseitigen: zu palmen brach das eisz auf der Weichsel und gieng so starck, damit es bei Sattkaw den tam wegkbrach Grunau preusz. chron. 2, 295; aber die Venediger habens (die kapelle) wegbrechen ... lassen Megiser paradisus deliciarum (1610) 208; ferner ward ... die mauer nach dem garten zu weggebrochen Göthe briefe 32, 107 Weim. ausg.; wie man mit gebäuden thut, welche den einsturz drohen, welche man aber ... nicht wegbrechen darf Arndt christliches und türkisches (1828) 163. von strahlen: wenn die lichtstrahlen, die mein gesicht abwerfen sollen, auf zehn und hunderterlei art weggebrochen werden Herder 5, 306 Suphan; ist er (der brechende winkel) klein, so wird das sonnenbild wenig von der stelle weggebrochen Göthe naturw. schr. 4, 443. übertragen: seitdem Schultens das vorurtheil wegbrach, dasz die ebräische sprache im himmel gesprochen werde Herder 10, 13; so weggeschnitten, weggebrochen alle aussichten Göthe 9, 139.
b)
durch erbrechen von sich geben: und da sichs zutrüge, dasz der patient den ersten tag das wasser von sich wegbreche, soll der arzt fleiszig nachforschen Sommer kaiser Karls warmbad (1592) H 7ᵇ; wenn wir damit den magen überschütten, müssen wir sie wieder wegbrechen v. Lohenstein Arminius 2, 1020ᵃ;
so, du gemeiner hund, entludest du
die schlemmer-brust vom königlichen Richard;
nun möchtest du dein weggebrochnes fressen,
und heulst darnach.
Shakespeare, Heinrich IV., 2. th. 1, 3.
2)
intrans., durch brechen abgetrennt werden: wie ihr ... die letzte blüte der wange, der letzte zweig der hoffnung wegbrach J. Paul Hesp. 3, 100; wo sie nicht gehen konnten, griffen sie sich durch die mengen des schnee's hindurch, der oft dicht vor ihrem auge wegbrach und den sehr blauen streifen einer eisspalte zeigte Stifter 5, i, 249. von wellen: ryf oder rief ... eine bank ... wohl so seicht ... dasz die see darüber wegbricht G. Forster 1, 209 anm.
wegbrennen
1)
trans., durch feuer vernichten: man hatte sie zuvor underbrochen und auff holtzern trempel gesatzt, die brante man wegk städtechr. 27, 77, 8 (1552); innerhalb zwölff stunden ... ist die gantze stadt und darinnen sechs schöne, grosze pfarrkirchen ... durchaus weggebrandt und in die asche geleget worden v. Chemnitz schwed. krieg 1, 159; kan gott wegbrennen, so können wir wieder bauen (sagen die bauern) Ettner unvorsichtige hebamme 16. mit dat.: mönche wollten in Cäsarea dem kranken Chrysostomus das haus über dem kopfe wegbrennen Zimmermann über die einsamkeit 2, xxxiii; dem kapuziner (Speckbacher am berg Isel) ist der bart weggebrannt Bettine briefw. 2, 72. durch glühendes eisen beseitigen: eine warze wegbrennen Campe; als hätten die Amazonen den namen daher, dasz sie sich die rechte brust weggebrannt Heinse 9, 349 Schüddekopf. bergmännisch wie abbrennen 'durch feuersetzen, brennen gewinnen' Veith 565. bildlich: seht dieses feurige genie, wie es das öl seines lebens in sechs jährchen so rein weggebrannt hat, dasz es bei lebendigem leibe umgeht Schiller 2, 18 (räuber 1, 1 schausp.); aus mir brennt sie (die hitze) den letzten gedanken weg Hebbel tagebücher 2, 411.
2)
intrans., durch feuer verzehrt werden (im 16. jahrh. noch mit starker flexion vorkommend): den 23. juli nach mitternacht kam ein groses feur aus und ist ... umb die columna Constantini alles wegkgebrunnen Liebenau beschreibung der reisen 2, 14; ist auch die ziegelscheune weggebrandt Schütz hist. rerum pruss. 3, x 4ᵃ; meine dörfer sind der erde gleich weggebrand Hermes Sophiens reise 4, 315; steckt er ihnen ihre haide an, und ehe sie nun aus dem schlaf ... kriechen konnten, brannten zehn morgen weg Alexis hosen⁸ 65. bildlich: im grunde also, würde ein Römer und Spartaner vielleicht sagen (nach erfindung der geschütze), tugenden im innersten heerde des herzens weggebrannt, und verwelkt ein kranz militärischer ehre Herder 5, 534 Suphan; das licht der wiederauflebung der wissenschaften wäre nur eine kurze wegbrennende flamme gewesen, wenn nicht monarchien ihre lichter dran angezündet ... hätten 9, 376; man mag auch noch so gesund und starck seyn, in dem verfluchten Leipzig brennt man weg so geschwind wie ein schlechte pechfackel Göthe briefe 1, 217 Weim. ausg.
wegbrennung f.
wegbrennung der orter, so ihm zu schaden ... gereichen möchten v. Chemnitz schwed. krieg 2, 257.
wegbringen
1)
von der stelle bringen, von einem ort entfernen:
a)
sie fallen und beugen sich alle sampt, und können die last nicht wegbringen Jes. 46, 2; liegen konnen sie yhn (den stein) nicht lassen und konnen yhn doch nicht wegbringen Luther 23, 644, 31 Weim. ausg.; welcher ... zuͦ nacht sein heer heimlich ... weggebracht Xylander Polybius 16;
den karrn bringt man so schlecht nicht weg
ausz der pfützen und tieffen dreck.
Froschmeuseler Z 6ᵃ;
doch im stall Anaximanders ... war ein ochs krepirt indessen:
nach dem fallknecht schickte jener, dasz er weg den ochsen bringe.
Platen 262 (verh. gabel 3);
sie war verschwunden. in der mitternacht sey sie weggebracht worden Schiller 2, 125 (räuber 3, 2 schausp.). von etwas wegbringen: wobei er ... die augen gar nicht von einem groszen schwerte wegbrachte, das ... an der wand hing Fouqué zauberring 1, 30. übertragen: sie wollen von ihrer tatarischen unbärtigkeit auch durch eine reichere natur nicht weggebracht sein Herder 13, 219 Suphan; von dieser schrecklichen gewiszheit bringst du mich mit keiner hoffnung weg Göthe 8, 277 (Egmont 5).
b)
einen wegbringen ist auch 'bestimmen wegzugehen': einer der nicht wol wegzubringen ist wo der tisch gedeckt ist Krämer 1215; wüszt ich nur den alten mann wegzubringen, er bewacht den leichnam immerfort Fr. Müller 3, 374; sie (Bettina) ... lief den leuten in die häuser und war nicht wieder wegzubringen Th. v. Bernhardi jugenderinnerungen 37. von etwas: sie ist nicht leicht von ihrem herde wegzubringen Göthe 12, 96 (fischerin); in dem schuppen ... habe die tochter darauf ... einen warmen winkel für ihr kind zurechtgemacht und sei tag und nacht nicht von ihm wegzubringen Heyse nov. 2, 321. sprichwörtlich: er ist so leicht wegzubringen, wie ein schwein vom obstkorbe Wander 4, 1858.
2)
beseitigen, verschwinden machen: das ist nicht wegzubringen, will nicht abgehen Rondeau; läuse (bei den gänsen) wegzubringen viehbüchlein (1667) 109; es kan auch wohl gar alles beydes fehlen, weil das schlucksen nur einig durch einhaltung des athens weggebracht wird Prätorius philosophia colus 70;
ein krancker versucht alle dieng,
das er nur die kranckheit wegbring
und dardurch sein leben erhalt.
Ayrer 1889 Keller;
es will ihr nicht gelingen,
die schwarzen flecken wegzubringen.
Pfeffel poet. versuche 1, 175.
damit berührt sich die bed. 'verbrauchen (namentlich unnütz), vergeuden', wol dem nd. entstammend (so auch mndl. wechbringen Verdam 681ᵃ), jetzt veraltet: wenn die knechte ausgedienet haben, so liegen sie im luder und follheit, bisz sie alles wegkgebracht haben und verspielet bisz auf das hembde Grunau preusz. chronik 3, 300; (die krippenbeiszer) lassen viel essen aus dem maul fallen, solche hat man nicht gerne, denn sie bringen viel futter unnützlich weg Walther pferde- u. viehzucht 50; durch nachforschen in altdeutschen wörtern ...? nein! denn die langen lateinischen zeiten hatten diese denkmäler theils weggebracht, theils war die arbeit zu mühsam Herder 1, 375 Suphan;
und bring nicht weg in einem tag,
da man die woch mit reichen mag.
Ringwald lauter warheit 97.
3)
davonbringen, gewinnen, jetzt auch kaum mehr gebräuchlich:
er gab yhm alles was er vermechte,
das er alleine sein leben wegbrechte.
Agricola musica instrumentalis deutsch 60;
er schlug sein lager auff die städte wegzubringen
vergebens und umbsonst. sie waren nicht zu zwingen,
wie sehr man sie auch trieb.
Opitz 3, 304;
in jedem schäferspiel, im schieszen, rennen, ringen,
weisz er geschickt den preisz vor andern wegzubringen.
König ged. 46;
der einzige vortheil, den ich davon wegbringen werde, ist dieser, dasz ich das alte schwäbische deutsch gelernt habe Lessing 12, 116. in der rechtssprache von dem beiseiteschaffen gestohlener sachen Hayme 1318. wie wegpartiren Spanutius 346. —
wegbringung f.
eroberung von Samaria und wegbringung der zehn stämme d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 9, 14; dasz keine zeit zur wegbringung des schuttes übrig war Klopstock 12, 330. wegbröckeln, abbröckeln. refl. übertragen (wie sich verkrümeln): da ein guter teil meiner bischen habe, welche durch die zeitverhältnisse verderbende geschwister in händen haben, allmählich sich wegbröckelt Arndt an K. Th. Welcker 368. —
wegbrühen
abbrühen: dieser (löwe) ist so heiszhungrig und fewrzornig, dasz er mit seinem brennenden athem einer hennen, so ihm im zorn wird fürgeworffen, die federn wegbrühet, als wenns siedig wasser were gewesen Herberger osterschatz (1611) 24 —
wegbrüllen
1) intrans., brüllend weggehen: unter welchen (brettern) die von den felswänden zusam mengezwängte Tamina in dunkler tiefe wegbrüllt Meiners briefe über die Schweiz 3, 163. 2) trans., durch brüllen beseitigen, vergehen machen: darauf wurde wieder grosze fischerei gehalten, während welcher wir alle uns ... die langeweile wegbrüllten v. Eichendorff tagebücher 79;
gab gott dir geist, ihn stürmisch wegzubrüllen
beim eklen trinkgelag?
Schubart ged. (1825) 2, 75;
schwiege der nordwind,
der mein zärtlich geseufz wegbrüllt!
Voss 2, 139. —
wegbrummen, durch brummen vertreiben: o wie es (das windspiel) zipp und spröd war und alles von sich wegbrummte! Arndt schriften 1, 35. —
wegbüchsen
wegschieszen: welche (Tartaren) von den Polen weggebüchset werden Tröster polnisches adlernest (1666) 403; die scharfschützen büchseten die offiziere in ihren langen blauen überröcken weg Zschokke 9, 192; er hat dem herzog hier und da einen hirsch weggebüxt Herm. Kurz sonnenwirth 1, 38; ein wildwächter, der seinen eid gebrochen und einen hirsch weggebüchst hatte Grässe jägerbrevier 2, 147. ein andres wegbüchsen (bei Kehrein 440 wegbugsen als rheinisch) 'heimlich und geschwind entwenden' geht auf nd. buchs 'hose' (schwäb. in der gaunersprache Fischer 1, 1495) zurück: zwey goldne sackuhren hab ich weggebixt Schiller 2, 94 (räuber 2, 3 schausp.). —
wegbücken
zur seite bücken, refl.:
als das messer ward gezückt,
hat er sich nicht weggebückt.
Rückert werke 4, 15. —
wegbügeln: falten und knister wegbügeln Campe.
wegbugsiren
wegbringen, wegschaffen (von etwas schwierigem) Bernd d. sp. in Posen 347. ndl. wegboegseren. —
wegbürschen
s. wegbirschen. —
wegbürsten
den staub, die wolle vom kleide wegbürsten Campe.
wegdämmen
durch aufwerfen eines damms fernhalten: das wasser wegdämmen. übertragen:
dann noch mehr unsrer schwestern sein,
des menschen hertzen einzunemmen,
was uns zu wider, wegzudemmen.
S. Israel Susanna (1607) 66. —
wegdämmern
hindämmern: mit dem unaussprechlichen schwanger, wallt sein (Lavaters) sterblicher ausdruck daher, so dasz man leicht, an einem schönen abend, die schwingungen fängt und in einer andächtigen und unaussprechlich heiligen entzückung wegdämmert Lichtenberg 3, 127. —
wegdampfen
1) intrans., als dampf weggehen. bildlich: ich blieb, als ... die andern herren mit ihrem nimbus wegdampften, allein bei ihm als niederschlag sitzen J. Paul Qu. Fixlein 197. wie abdampfen, mit der eisenbahn. 2) trans., als dampf weggehen machen: wir wissen die nährenden kräfte der speisen, durch kochen, braten, quetschen in castroll und dergleichen künstlich wegzudampfen Cranz kraut und rüben 1, 102; dasz man das mineral in salzsäure löst, die überschüssige säure wegdampft Muspratt chemie 5, 1094. dampfend aufbrauchen: allen tabak wegdampfen Campe.
wegdecken
das gedeck anderswohin legen Campe.
wegdemonstriren
als nicht vorhanden beweisen: wenn ich höre, dasz ein nicht gemeiner kopf die freiheit des menschlichen willens, die hoffnung eines künftigen lebens ... wegdemonstrirt haben solle Kant 2, 566; sehe ich wohl ein, dasz es um manche hypothese besser stehen würde, wenn sich die häszlichen schwarzen gänzlich aus der Südsee wegdemonstriren lieszen G. Forster 4, 285.
wegdenken
1) in gedanken von etwas absehen (auch mit refl. dat.): wenn man von seinen übrigen aufrissen eine gewisse falsche art von verzierung wegdenkt, so liegen meist gute verhältnisse zum grunde Göthe briefe 12, 47 Weim. ausg.; er (der tempel) ... hatte, wenn man sich die häuser wegdenkt, die schönste aussicht tageb. 1, 324; man denkt sich vom menschen alles weg, was organisation heiszt Schiller 1, 150; wenn man zwischen Wien und Augsburg und Berlin und Hamburg zu beiden seiten eine breite von dreiszig meilen wegdenkt, so wird man manchen schroffen gegensatz ... entdecken Arndt pro populo germanico (1854) 142; gehe jetzt mit mir zwei jahrhunderte zurück, denke weg aus dem gemäuer die blauen glocken und die maslieben Stifter 1, 217. in philosophischer sprache wie abstrahiren: alles, von welchem ich abstrahieren, was ich wegdenken kann ..., ist nicht mein ich, und ich setze es meinem ich blosz dadurch entgegen, dasz ich es betrachte als ein solches, das ich wegdenken kann Fichte 1, 244; die abstraktion besteht im wegdenken der näheren bestimmungen Schopenhauer 1, 104 Grisebach. refl.: wer sich aus der welt wegdenken und seinen ersatzmann nennen kann, der gehört nicht mehr hinein Hebbel 1, 47 (Judith 4); sich von einem orte wegdenken Campe. 2) durch denken beseitigen: wie nur deine seele den gedanken faszt, denkt ihn schon die meine von deiner stirn weg Klinger 2, 387; um mir nicht die eszlust wegzudenken J. Paul unsichtb. loge 2, 67. —
wegdenkung f.
ich wünsche zu wissen, was nach wegdenkung alles empfindbaren als stoff zurückbleibe Fichte 2, 503. wegdeuteln, durch künstliche, gesuchte auslegung beseitigen: einem den klaren sinn der biblischen worte wegdeuteln wollen Campe; der tugend anfang ist, an tugend glauben! diesz zur abfertigung der geschichtlichen teufelssachwalte, die edelthaten wegdeuteln wollen Jahn volksthum 366; vergeblich suchte Gentz im österreichischen beobachter durch künstliche sophismen dies unbestreitbare rechtsverhältnisz (dasz Napoleon gegen den könig von Frankreich krieg führte) wegzudeuteln Treitschke d. gesch.³ 1, 716. —
wegdeuten
die gläubige auslegung hat ein recht zu der bemerkung, dasz jede das wunderbare wegdeutende erklärung ... wider die absicht des Johannes sei Strausz 4, 242. —
wegdeutung f.
willkürliche umgehung, einseitige entstellung, wegdeutung und verflüchtigung dieser thatsache V. A. Huber einige zweifel u. bemerk. (1834) 44. —
wegdieben
wegstehlen (ndl. wegdieven);
nie, seit der tod mein lieb mir weggediebt,
sei froh der liebe, wer am besten liebt.
Freiligrath 6, 229. —
wegdisputiren, durch reden abstreiten: sinnliche begierden ... lassen sich selten wegdisputiren Herder 24, 63 Suphan; da ich ihn nun für nichts als einen das ich seines nebenmenschen wegdisputirenden egoisten und idealisten nehmen konnte J. Paul 48, 460 Hempel; da ist da, das schlosz kann keiner wegdisputieren Brentano 5, 107; ich gestehe ein, dasz ich voller vorurtheile stecke, ich habe sie, wie gesagt, mit der muttermilch eingesogen, und es will mir nicht gelingen, sie wegzudisputiren Bismarck reden 1, 25 Kohl.
wegdonnern
1) intrans., donnernd sich entfernen: der wagen donnerte über die steine weg Schubart leben und gesinn. 2, 126. 2) trans., durch donnern, donnerndes reden, beseitigen:
graue sünder donnern, ihre blösze
wegzudonnern, rauh die unschuld an.
Hölderlin 1, 49 Litzmann.
wegdorren, verdorrend schwinden: indem diese untersten äste ohne disz mit der zeit wegdorren und abfallen v. Hohberg Georgica 2, 592. bildlich:
lorbeer des führers dorret nicht weg, wenn ein krieg auch
vor dem gericht der Aurele, sich zur schmach, steht.
Klopstock oden 2, 45, 81 Muncker.
auch trans. gebraucht: wenn einem verkehrten menschen das alter die maske wegdorret F. H. Jacobi 1, 96. besser wegdörren:
er, der mich ins verderben
gerissen, — meines lebens pest, — das mark,
von dem das dasein zehrt, wegdörrt'!
Immermann 15, 299 Hempel.
wegdrängen, von seiner stelle drängen: arcere, urgere, propellere Stieler 338; dieser lüderliche will jenen ehrwürdigen greis von der thüre wegdrängen, wegstoszen, wegschrecken Herder 3, 218 Suphan; ich küszte sie mit ungestüm; sie drängte mich weg Göthe 24, 291 Weim. ausg.;
sondern er stürmte vorbei, voll heiszer begier, wie er eilig
wegdrängt Argos volk, und vielen noch raubte das leben.
Voss Ilias 5, 691;
drängt weg sie von der pforte, ab vom gang!
Grillparzer⁵ 6, 233 (treuer diener 4).
übertragen: Lessing, der bibliothekar, der an keinem ort, wohin er kam ... allein reden und jeden andern wegdrängen wollte, sondern wen er wollte, ins licht zog Herder 15, 520 Suphan; immer packte mich ein wirbel von hindernissen und drängte mich von meinem vorsaze weg Schubart briefe 2, 251 Strausz; alles stöszt sich und drängt seinen nachbar weg, aus dem quell des daseyns einen tropfen eilends zu trinken Schiller 4, 287; Preuszen ward ... ganz von der Maas weggedrängt Arndt schriften 3, 82. etwas wegdrängen:
löste sie ab den riemen sogleich vom ringe der pforte,
steckte den schlüssel hinein, und schob wegdrängend die riegel.
Voss Odyssee 21, 47;
weil sie diesen (enthusiasmus) aus ihrer brust mit gewalt wegdrängte Herder 24, 151 Suphan; eine gestalt, wie diese, stehe vor deiner seele, wenn du stirbst, und dränge dein letztes gebet weg Schiller 3, 506 (kab. u. l. 5, 8). refl.: Erny, erhitzt und schwer atmend, kommt, sich unter den supplikanten wegdrängend, durch die mittelpforte Grillparzer⁵ 6, 183 (treuer diener 2 bühnenanw.). —
wegdrängung f.
expulsio Stieler 338; wegnahme der ... zufuhren; wegdrängung von den waffenplätzen Jahn volksthum 321; mit wegdrängung Preuszens von seinen gebührlichen gränzen am Niederrhein Arndt wanderungen mit Stein 247. wegdrehen, zur seite drehen:
Phöbus schämte sich, solch blut, solches würgen anzusehen,
und beflisz sich, sein gesicht von dem treffen wegzudrehen.
v. Schönaich Hermann 186;
auch werdet ihr mir gern gestehen,
es sey nicht leicht, die augen wegzudrehen,
wann, mit gewebter luft leicht flatternd angethan,
ein schönes mädchen euch erscheinet,
das baden will und unbelauscht sich meinet.
Wieland 17, 217 (Idris u. Zen. 4, 32, 5);
die fünf weiszen finger, womit sie einen blumentopf an ihrem fenster aus dem schatten eines zweiges wegdrehte J. Paul uns. loge 3, 113. refl.: Hermonda dem die stoiker ... böse gesichter machten und sich ... von ihm wegdrehten Wieland Lucian 1, 327; indem er sich seitwärts bücket, die geschmeidige Venus zu haschen, dreht sie sich lächelnd weg Fr. Müller 1, 152;
sie spreitzt sich tugendlich und dreht sich weg,
hört sie die lust nur nennen:
und doch sind iltis nicht und hitz'ge stute
so ungestüm in ihrer brunst.
Shakespeare, Lear 4, 6.
früher 'sich fortmachen' (s.drehen 2 c, th. 2, 1363); szo werde ich mich wider wegdrehen Luther 34, i, 399, 32 Weim. ausg. wegdringen, früher und noch jetzt dichterisch für wegdrängen: und du also mit wegkdringen und überlauffen an den rucken der feindt kommest Frontinus, von den guten räthen 43ᵇ;
(er hat) mit unerhörter wuth die erben weggedrungen.
d. schaubühne 4, 387 (Grimm Banise 1, 3);
überläszt sich von neuem der menge wogen, und treibt so
mit dem strome. da er itzt einem der eilenden haufen,
weggedrungen, entkommt, da sieht er auf einmahl Andreas.
Klopstock Mess. 9, 109.
refl.:
vermochten sie sich auch vom platz nicht wegzudringen.
Rückert werke 12, 228. —
wegdrommeten, durch laute musik vertreiben: sie ... haben mit stierhörnern und kupferkesseln und groszen meermuscheln eine höllenmusik gemacht, wie wenn ein hagelwetter wegzudrommeten wär' Scheffel Ekkeh. 249. wegdrücken, zur seite drücken, zurückdrängen: Ferdinand drückt einen gerichtsdiener weg, faszt Louisen mit einem arm Schiller 3, 420 (kab. u. l. 2, 7 bühnenanw.); er ... drückte Lucretia weg und stand mit erhobener axt vor Jenatsch C. F. Meyer Jürg Jenatsch 350. übertragen:
noch weich' ich nicht. noch bin ich manns genug,
den gegner wegzudrücken, der mich stört.
Uhland Ludwig d. B. 2, 2;
da diese (neuen beamten) nun so lange von der quelle, reichthümer zu sammeln, weggedrückt waren ..., so traten sie nun nieder, was ihnen vorkam Klinger 5, 78. durch drücken beseitigen: die hand der zugehüllten göttin bewegte sich mechanisch nach dem eingekerkerten auge, als wollte sie eine thräne hinter der binde wegdrücken J. Paul Hesp. 3, 37. refl. 'sich heimlich wegbegeben': bleibt! bleibt, und drückt euch nicht vor seinem namen weg, dem ihr euch sonst so froh entgegen drängtet! Göthe 8, 276 (Egmont 5); Hansli bemerkte nicht, dasz einer der gesellen nach dem andern sich weggedrückt hatte und selbst der wirt mit seinen leuten verschwunden war G. Keller 6, 395. mit localer best. (s. auch sp. 2936 Musäus): da wollt' ich in die strasze schleichen, wo sie ehemals wohnte, da wollt' ich mich an den wänden wegdrücken Kotzebue dram. werke 2, 214 (kind d. liebe 4, 1). übertragen 'sich einer arbeit entziehen': das Rochusfest 1814, von dem ich mich immer wegdrückte, ist so gut als fertig Göthe briefe 27, 138 Weim. ausg. wegdunsten, als dunst verschwinden: wenn denn die subtilsten humores (beim schwitzen) wegdunsten, so bleibet die scharffe und saure materia auff der haut vertrocknet kleben J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilosophia 1, 10; wenn die erste hitze ihrer liebe weggedunstet wäre, dann, dann würden sie in mir nicht mehr den gegenstand ihrer liebe ... sehen Meiszner skizzen 3, 154. auch wegdünsten: dasz man alsdann das quecksilber nur dürfe wegdünsten lassen, um das reine gold auf dem boden des gefäszes zu finden Claudius Sethos (1777) 1, 461; flüssigkeiten ..., die ... den körper (der pflanze) wachsend machen oder sich als überflüssige absondern und wegdünsten Bechstein forstbot.⁴ 5. dies auch trans. 'in dunst auflösen' Campe.
wegdürfen
sich entfernen dürfen: in diesem (jahr habe ich) nicht fahren können, weil ich nicht von Gleimen wegdurfte Heinse Gleims briefw. 1, 98. —
wegebben
bei der ebbe abflieszen: ist das wasser möglichst weggeebbt, so werden die türen (des schiffs) fest verschlossen Allmers marschenbuch 1/2, 280. refl. 'zur ebbe werden', übertragen:
(wo) die tartarische majestät schwerttragend einherging,
ebbt' es sich weg zu seitengedräng'.
Sonnenberg bei Campe 4, 400. —
wegebnen, durch ebnen wegschaffen: einen wiesenhobel (womit man die maulwurfshaufen auf den wiesen wegebnet) J. Paul aus des teufels pap. 2, 152; durch die länge der zeit und durch den anbau ist aber alles dergestalt weggeebnet und abgetragen worden, dasz man keine erhöhung mehr gewahr wird G. Forster 3, 251. —
wegeile f.
so kan sie, die seele, dennoch gar und gantz nicht von ihr abschütteln das gewissen, noch sich durch ihre hinfahrt, wegeile und absonderung zur ewigkeit losreisen oder befreien von den strikken des andenkens Schottelius sonderbare vorstellung (1675) 80. —
wegeilen
du eilest weg von hausz, und eilest in die welt.
König ged. 4;
darumb eilet er (mit dem heer) weg aus Judea wider ins königreich 1. Macc. 6, 57; darauf gab er seinem pferde die sporen und eilte von uns weg Göthe 43, 197 Weim. ausg. der subst. inf.: unvorbereitetes wegeilen bringe unglückliche wiederkehr 25, i, 254. übertragen (von, über): ich eile weg von ein paar groszen bildern, welche die Venus bei dem erschlagenen Adonis vorstellen sollen G. Forster 3, 346; ich ... eilte mit herz und sinn von dieser geschichte weg Göthe 22, 297; ihr wenigen edlen, eilet mit mir über ein allzutrauriges angedenken weg Sturz 2, 137; weil er über manche sündliche regungen seines herzens mit flüchtigem blikke wegeilt Schleiermacher II, 4, 119. —
wegekeln
jemand dadurch zum weggehen veranlassen, dasz man ihm unangenehmes thut oder vorbringt.
wegempfinden
empfindsam verbringen: jene heitre sommernacht, die ich in rosenlauben, da ich zum ersten mal am feurigen busen meines Damons lag, entzückend schnell wegempfand Heinse 3, 111 Schüddekopf; der im schosze der liebenswürdigsten familie sein leben wegempfindet 9, 202. —
wegentfernen refl.
sollen sie (die cavalliers) sich nicht entfernen
von ihrer (der damen) seite weg.
Logau 2, 1, 38 (s. 235 Eitner). —
wegerklären: vornemlich müste er (der übersetzer) sich vor den kommentatoren in acht nehmen, die meistens allen verstand ganz wegerklären litteraturbriefe 13, 147; als er (der versuch) ja ... zur absicht hatte, den sinn dieses wortes wegzuerklären Herder 7, 25 Suphan; die versuche, sagt er, die evangelischen wundergeschichten in den natürlichen zusammenhang von ursachen und wirkungen einzureihen, seien keineswegs bestrebungen, sie wegzuerklären Strausz 3, 19. —
wegerklärung f.
während der gröszte theil der gelehrten ... sich bemühten durch wegerklärung alles höheren geistes ihre eigene wissenschaft verächtlich zu machen Schelling I, 10, 122. —
wegerläutern
ich könnte beispiele geben, wie weit man uns mit solchem geschmacke wegerläutern, und vom tone des poeten fortleiten könne Herder 3, 352 Suphan.
wegernten
für sich ernten: was sollen wir säen, wenn andere das unsrige wegerndten? Lichtenberg nachlasz 39. —
wegescamotiren
listig (eig. durch taschenspielerkünste) bei seite schaffen: jeder gefahr ... wurde die volte geschlagen, jeder bedenklichkeit die anlehnung aus seinem innern wegescamotirt Gutzkow ritter vom geiste² 2, 253; um sie einmal ganz in wuth zu sehen, möchte ich ihnen Sabinchen wegescamotiren Töpfer ges. dram. werke 2, 116.
wegessen
1)
mit dat., essend wegnehmen: man soll nicht essen, während der geselle trinkt ... und ihm nicht seinen antheil wegessen Freytag 18, 12 (bilder 2, i, 1); dasz, wenn ich einen guten freund bey einem gerichte anträfe, das er sich bestellet hätte, ich es ihm nicht vor dem maule wegessen würde sammlung v. schauspielen (Wien 1764—69) 2 (Cronegk d. mistrauische 3).
2)
aufessen: welche (zwiebeln) sie ungekocht, und wie man sie ausz den gärten bringt, wegessen Widerhold beschreibung der sechs reisen (1681) 1, 140ᵇ; was er davon nicht frisch wegessen kann, wird gesäuert und ... aufbewahrt G. Forster 2, 83 (vgl. auch sp. 2940, 3 c Göthe). refl.: frisches brot iszt sich zu schnell weg. auch ohne obj.: frisch hintereinander wegessen Adelung.
3)
einen wegessen, durch ein abschiedsessen feiern: dann erzählte er ihr, er sei nun endgültig aus dem regimente weggegessen Sudermann das hohe lied 109.
wegfächeln
1)
trans., durch fächeln vertreiben:
er eilt, von blümchen, die ihm lächeln,
vom veilchen, das zum maienkranze blüht,
die sonnenstralen wegzufächeln.
Schiffner gedichte nach dem leben (1786) 21.
bildlich: wie glücklich wären nicht meine blätter, wenn sie von der stirne des weisen und guten ministers das gewölke der regierungsorgen auch nur für einen augenblick wegfächelten! L. Meister neue schweiz. spaziergänge (1790) vorr.
2)
intrans., über etwas: wenn da der lieb' sonn'schein über allem g'legen is und der wind so stad drüber wegg' fächelt hat Anzengruber³ 3, 150 (dorfgänge 1).
wegfahren
1)
intrans.
a)
allgemein 'sich schnell von einem ort entfernen': der teufel fur weg und ward vom engel in die wüsten angebunden Heyden Plinius 338; da kam ein windstosz und fuhr mit Kürdchens hut weg Grimm märchen 2, 23. mit best. 'sich schnell fortbewegen': ob uns auch die granaten über dem kopf wegfahren Cramer Neseggab 1, 107; wanderer ... werfen sich still auf den bauch und lassen den wilden jäger über sich wegfahren Grimm d. sagen 1, 206; wie der wind will ich ihr unter dem arme wegfahren Adelung. von raschen körperbewegungen: Stella (nach einer pause, wild wegfahrend) Göthe 11, 181 (Stella 4); wenn es (Conrädchen) ... an der mutter brust lag, ... und ich trat in die stube, und sprach — gleich fuhr er von der brust weg, sah sich nach mir um und lächelte Salzmann Conrad Kiefer 25. früher überhaupt 'sich von einem ort wegbegeben' (discedere, abire Stieler 410):
nû var enwec, vervluochtiu schar!
zuo dem helleviure dar.
R. v. Ems Barlaam 93, 37;
liesz ihnen sagen, das sy hewt
müsten faren weg von dem land.
Teuerdank 32, 37;
die groven und die soldener worent vor enweg gefaren Königshofen städtechr. 9, 660, 28. sprichwörtlich: wenn der mann wegfähret, so ist das weib herr im hause, viro absente mulier imperat Stieler 410. in der bergmannssprache 'aus der arbeit treten' Veith 565 (1616). übertragen 'entschwinden': es füre mir lieber weg fürsten und menschen gunst und bleibe mir gotts hulde Luther 19, 573, 17 Weim. ausg.;
die frewd ist bald entflogen,
bald, bald fährt alles weg.
Spee güld. tugendbuch 187.
für 'sterben' Stieler 410: er nennet es (das sterben) ein sanfft wegkfaren Luther 20, 255, 11 Weim. ausg.
b)
jetzt überwiegt die eingeschränkte bed. 'sich auf einem wagen oder schiff von einem ort entfernen': er fuhr da in einem schiff zu einer wüste besonders. und das volck sahe sie wegfaren Marc. 6, 33; darnach fuhr Jhesus weg über das meer Joh. 6, 1; mademoiselle sei heute früh mit einem jungen officier weggefahren Göthe 22, 229. mit best.: über eine klippe wegfahren Rondeau; eben kam ein fuhrmann daher und wollt' geradezu über ihn (den hund) wegfahren Grimm märchen 1, 271. auch das schiff, der wagen fährt:
das schiff fuhr weg in schneller eyl.
Spreng Ilias 10ᵇ;
ein nachen fährt soeben drunter weg.
Schiller 14, 316 (Tell 2, 2);
kutschen ..., die in endloser reihe auffahren, wegfahren, und wieder zurückkehren G. Keller 3, 41.
2)
trans. auf einem wagen (schiff) wegschaffen. eine jüngere bed. (dafür früher und noch jetzt obd. wegführen): ich sagte, dasz männer von seinen fähigkeiten bey dem baue der gelehrsamkeit unentbehrlich wären; indem sie den schutt wegfahren müssten, welcher den bauleuten hinderlich sey Rabener 2, 20; damit nachher die steine um so bequemer weggefahren werden könnten G. Keller 4, 86; alle besitzer von wagen und pferden waren ... zum wegfahren des mülls verpflichtet Raumer gesch. der Hohenstaufen 5, 213. —
wegfahrt f
abstractbildung zu wegfahren 1 (in älteren belegen zuweilen von wegfahrt 'reise' schwer zu scheiden): am sechsten tage aber nach meiner wegfahrt Scherdiger novae novi orbis historiae (1591) 185; so füttert ... der vetter ... von früh abends bis zur wegfahrt Gotthelf 20, 271. ein älterer beleg in der bed. 'tod': dairnae sach he (Anno) ein vurzeichen sinre wechfart in einre sulcher vision städtechr. 13, 496, 22 (Köln 1499).
wegfall m
junge abstractbildung zu wegfallen. vereinzelt früher als 'abfall': auf diesen flus folget ein ecke ..., welches ... sich, mit einem kleinen büschlein beume, und dem wegfalle des strandes, dem seemanne deutlich zu erkennen giebet Dapper Africa (1671) 368ᶜ. in der neueren sprache (noch nicht bei Campe angeführt) für 'das schwinden, wegbleiben' (mit gen.):
als wäre
der satz: 'auf immer quitt der königsehre'
vom wegfall eines rückfalls zu verstehn.
Müllner dram. werke 4, 40 (Albaneserin 1, 6);
der inlautenden labialis wegfall (war) ganz in der ordnung J. Grimm kl. schr. 2, 205; bei gänzlichem wegfall alles zufälligen und gestörten Lange gesch. des materialismus 66; die vortheile, welche sich aus dem wegfall eines vermächtnisses oder einer auflage ... ergeben bürgerl. gesetzbuch § 2372; so forderte er den wegfall aller fürstlichen und geistlichen zwischenmächte im reich Lamprecht d. gesch. 5, i, 113. in wegfall kommen, bringen: weil daher von selbst ... die diplomatische vertretung der einzelnen staaten in wegfall kommen wird Miquel bei Flathe deutsche reden 2, 5; dasz ... die überflüssige zwischeninstanz des handwerksausschusses in wegfall gebracht ist handwb. d. staatswiss.² 4, 436.
wegfallen
1)
abfallen, herunterfallen: das keine drauben am weinstock, und keine feigen am feigenbawm bleiben, ja auch die bletter wegfallen sollen Jer. 8, 13; kann mit bestand sagen, dasz ich etlichesmal ... in 3 beete breit vom klepper weggefallen bin v. Schweinichen denkwürd. 66; Atcoroth muste ... unter einem zelte, dessen künstliche seiten-wände bey solcher demüthigung wegfielen, fuszfällig werden v. Lohenstein Arminius 1, 112ᵃ; die haare waren weggefallen (beim aussatz) allg. d. bibliothek 102, 21; ein magischer nebel schien vor seinen erstaunten augen wegzufallen Wieland Agathon (1766) 1, 39; indesz bin ich sehr vergnügt, weil mir auf einmal wie ein vorhang vor allen statuen wegfällt Göthe briefe 8, 255 Weim. ausg. herabstürzen: die ... arbeiter jedesmal mittelst hängegurtes vor dem wegfallen zu schützen Veith 565 (1867); es ist mir weggefallen 'aus der hand gefallen' Adelung. sprichwörtlich: das fällt weg wie dem kapuziner der haarbeutel Simrock 5425. von etwas wegfallen, übertragen: denn aller hader und zanck in der kirchen kömpt daher, wenn man von der einfalt des worts wegfelt Mathesius erklerung der epistel an die Corinther 1, 27ᵃ; das ist gar weibisch, dasz sie von Christo mit gedancken wegfellet Herberger hertzpostilla (1613) 1, 299. wie abfallen, gegen etwas anderes zurücktreten: endlich erschien sie doch, und armer Tizian, wie fielst du weg! o alle kunst neige dich vor der natur! Heinse 4, 47 Schüddekopf; es ist zum verzweifeln, was dazu gehört, ein bild in seinem zimmer so zu malen, ... dasz es dann unter einer menge anderer in andern räumen nicht wegfällt A. v. Menzel briefe 10; die herstellung unserer malerei und skulptur ist von niemanden so sehr angeregt worden, wie von ihnen (den romantikern); und man musz gestehen, dasz selbst Göthe's bestrebungen ... hiergegen ganz wegfallen Gervinus gesch. d. d. dichtung⁵ 5, 283.
2)
durch fallen abnehmen: es wäre diszmal umb die Römer gethan gewesen, wenn nicht das wasser endlich so weit weggefallen wäre v. Lohenstein Arminius 1, 376ᵇ. von körperlichem, sich abzehren, schwinden: sprüde hüffe seyn, die da leichtlich brechen und wegfallen Walther pferde- u. viehzucht 82; so das ohr geschwillet (durch die wurzel), so geneset das schwein und dasselbe ohr fällt darnach gantz weg Böhme vieharzney 37; man sieht's eurer herrlichkeit auch sehr wohl an, dasz sie sich abzehren, das fleisch fällt von tag zu tag mehr weg Fr. Müller 3, 343; es war zuverwundern, dasz des guten mannes leibeskräffte fluchs im anfange so gar wegfielen briefe des Hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 143 (1683). von menschen, zu grunde gehen: die Italiäner, welche wegen frost und kälte, auch hunger und kummer, häuffig wegfielen und ins gras bissen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 255 (vgl. 2, 212). jetzt in der Oberlausitz und im Erzgebirge 'sterben' Anton 6, 4; Müller-Fraureuth 2, 645ᵇ. von abstractem, in abnahme kommen, schwinden: derwegen, weil mir alle meine anschläge wegfielen, hatte ich wiederum lust nach hause v. Schweinichen denkwürd. 117; dasselbe (das äuszere participium) fället nun mit des leibes sterben weg Jac. Böhme 4, 184; doch weil Adgandester unterschiedene lantzen ... gebrochen hatte, fiel endlich der verdacht der zauberey weg v. Lohenstein Arminius 2, 1563ᵃ; von dem landesherrn bildet man sich ein, dasz er alles ungegründete angeben höre, wodurch alles vertrauen gegen ihn auf einmahl wegfället Ch. Wolff vern. gedanken v. d. gesellschafftl. leben (1725) 434; fällt die begierde nach reichtum weg, so liegt aller handel und wandel Liscow 455;
im glücke fällt die demuth weg,
und bey den guten tagen
wird einer unter tausenden
kaum nach dem himmel fragen.
Günther ged. 28;
mein gedanke,
sie eher wieder nicht zu sehn, zu sprechen,
als bis ich sie die meine nennen dürfe,
fällt weg.
Lessing 2, 344 (Nathan 5, 5).
rechtlich von ansprüchen u. dgl. 'wenn sie weiter keine statt haben' Zedler 53, 1907: wenn die bedingung wegfället, bleibt der handel kräfftig Hayme 32;
wenn sie den eid hier vor gericht will schwören,
so fällt der mutter klage weg.
H. v. Kleist 1, 391 (zerbr. krug 9) E. Schmidt.
3)
daraus entwickelt sich dann die jetzt gewöhnliche bedeutung (auf die Adelung hinweist) 'nicht statt haben, nicht eintreten': diese (misbräuche der wörter) nämlich werden von sich selbst wegfallen, wenn man von den wörtern deutliche begriffe erlanget haben wird Gottsched beobacht. vorr. b 2ᵃ; wenn Minerva einen solchen stein gegen den Mars schleidert, von welcher statur soll die göttin seyn? soll ihre statur der grösze des steins proportionirt seyn, so fällt das wunderbare weg Lessing 6, 452; so fiel es von selbst weg, das manuscript des Berengarius darinn zu erwarten 8, 330; darauf (musz man den jüngling hinweisen), dasz er einen geringen werth setze in den genusz der ergötzlichkeiten des lebens. die kindische furcht vor dem tode wird dann wegfallen Kant 10, 450; streitigkeiten mit ihrem manne fielen weg, denn sie brauchte weder das mahl anzupreisen ... noch es herabzusetzen J. Paul leben Fibels 23; das pärchen ... wird getraut, wobey der dreymalige aufruf ... wegfällt Lichtenberg Hogarthische kupferstiche 3, 229; setzten wir uns an die stelle anderer personen, so würden eifersucht und hasz wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden Göthe 42, ii, 197; das unpassende, was das publikum sonst wohl in lieutenantsverlobungen findet, fiel hier weg, da die braut ein artiges vermögen besasz Immermann epigonen² 1, 85; die strafe der herausforderung ... fällt weg, wenn die parteien den zweikampf ... aufgegeben haben strafgesetzbuch § 204.
4)
besonders auch 'in einem gröszeren ganzen weggelassen werden': es sind manche zeilen weggefallen, die sich seine bewunderer nimmermehr würden nehmen lassen litteraturbriefe 1, 125; obgleich bei der neuen bearbeitung Hamlets manche personen weggefallen waren Göthe 22, 169; ich erlaube mir den antrag, die allgemeine einleitung wegfallen zu lassen Bismarck reden 1, 37 Kohl. auch von personen 'neben andern nicht mehr in betracht kommen': wenn im laufe des jahres ein consul wegfiel und eine neuwahl stattfand Mommsen röm. staatsrecht 1, 61; fällt ein gesetzlicher erbe vor oder nach dem erbfalle weg und erhöht sich in folge dessen der erbtheil eines anderen gesetzlichen erben bürgerl. gesetzb. § 1935.
wegfang m
junge abstractbildung zu wegfangen, zuweilen in der neueren sprache: der wegfang dieser wanderfische (müszte) zu einer völligen verarmung der wasserläufe ... führen handwb. d. staatswiss.² 3, 1062. —
wegfangen
abfangen (mit dem nebensinn 'durch fangen beseitigen' und 'für sich einfangen') z. b. thiere: wo man disz (ungeziefer) nicht wegfengt, so wird der hauffe gros und thut mechtigen schaden Pape bettel- u. garteteuffel 51ᵇ; (im juli sind) die habicht mit einer gebrämten tauben und leimruthen wegzufangen v. Hohberg Georgica 1, 125; katze, ... so von denen weibern deszwegen geheget wird, damit es die ratten und mäuse wegfänget Amaranthes frauenzimmerlex. 1034;
der vogel platea, nach andern pelican,
... jagte diesen herrn (den reihern) die fische wieder ab,
die sie im teiche weggefangen.
Lichtwer fabeln 2, 9.
ein dat. kann den bezeichnen, dem durch fang etwas weggenommen wird: einem die tauben wegfangen Adelung;
dasz ich mir feurung
sammelte, dasz ich im kohl ein naschendes häschen ihm
(dem junker) wegfing.
Voss 2, 28.
menschen wegfangen:
wer allzuweit im wald gegangen,
wird leicht von räubern weggefangen.
Triller poet. betracht. 6, 584;
wie sie einem herrn gram wurden, fingen sie ihm etwa seinen sohn und erben weg Göthe 8, 207 (Egmont 1); diesen (liebhaber) hast du mir nun auch weggefangen 27, 291; höre, wenn ich nicht schon einen mann hätte, würde ich dir den wegfangen! das ist ja ein netter kerl! G. Keller 5, 164. von dingen: er sasz ... auf der schulter seiner freundlichen gebieterin, um ihr die bissen von der gabel wegzufangen 4, 267. bildlich: dasz ich ... während ich mich zum advokaten examinieren lasse, manchen hübschen juristischen brocken weggefangen, der mir jetzo wohl bekommt J. Paul unsichtb. loge 1, 174. vortheile, worte, blicke wegfangen:
und Nerons blitzen fängt des Griechen lorbern weg.
v. Lohenstein Agrippina 1;
es kam mir noch ganz spät ein, unsern philosophen diesen preis vor dem maule wegzufangen Lessing 1, 297 (d. junge gel. 3, 15); alle die ängstlichen gebete, die dem himmel bestimmt waren, von den lippen der schönen bedrängten wegzufangen Göthe 19, 35; einem die worte vom maule wegfangen Nieremberger; Opitz, so scharf er aufpaszte, sasz doch zu weit ab, um jedes wort, das am nebentische gesprochen wurde, wegfangen zu können Fontane I, 6, 17;
ich (das mädchen) blickte seitwärts versteckt in den hut,
doch so den blick vom auge wegzufangen,
verstehn die jäger nur zu gut!
Tiedge 6, 69. —
wegfangung, f.: der schädlichen crocodile v. Ziegler asiat. Banise 737; der alten von den nestern Döbel jägerpract. 3, 121. wegfaulen, abfaulen, durch faulen zerstört werden: die ganze wurzel ist weggefaulet Adelung; dasz man sie (die toten) ... über der erde liegen läszt, bis das fleisch ganz weggefault ist G. Forster 2, 315;
grün schon
fault ihm das korn weg, ehs ihm bärtig blühte.
Herder 25, 113 Suphan.
wegfegen:
die hauszmagd war von stund bereit,
wo sich die spinn zu weben regt,
mit einem besen sies wegfegt.
Waldis Esopus 1, 209 (2, 31, 38) Kurz.
in bildlichen wendungen: die sollen die mauren zu Tyro verderben und ire thüren abbrechen, ja ich wil auch den staub fur ir wegfegen, und wil einen bloszen fels aus ir machen Hes. 26, 4; auf dem boden, wo der wind den schnee weggefegt hatte, sah man immer deutlicher die steine und halme Rosegger 12, 270;
bis uns der tod mit seinem harten besen wegfegt.
D. v. Liliencron 12, 74;
wie viel schein unserer musen-produkte wird wind und wetter noch wegfegen Bürger an Boie (Bürgers briefwechsel 1, 308 Strodtmann); ich habe heroenmuth, den alten sauerteig des jahrhunderts wegzufegen Immermann Münchh.² 1, 122; zwar wurde durch die neuwahlen ... die bisherige rechte gleichsam weggefegt Prutz preusz. gesch. 4, 344. dann übertragen 'vollständig beseitigen, so dasz keine spur übrig bleibt': sie sind wirklich märtyrer der guten studien, aber doch auch der retter, dasz sie nicht ganz von der erde weggefegt werden Heyne an J. v. Müller briefw. 94; dasz wir die deutsche macht segnen ... wollen, welche Franzosen und Engländer und Dänen einmal aus unsern gränzen wegfegt Arndt über Preuszens rheinische mark (1815) 73; wo der katholicismus noch einen boden hatte, wurden die führer der protestantischen partei weggefegt Freytag 20, 199. in die flucht jagen (vgl.fegen 14 'fortwischen, stürmen' th. 3, 1415): nach ihnen kamen gröszere banden, alle schrieen: brot! brot! und rangen die hände. wir haben ihnen einige pistolenschüsse über die köpfe gefeuert und sie weggefegt Freytag 4, 396; durch die wucht des angriffs sollte die feindliche reiterei weggefegt werden v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 835;
mit einer einz'gen salve hätten sie
uns weggefegt.
Geibel 4, 73.
wegfeilen: die spitze, das rauhe wegfeilen Campe. übertragen von geisteswerken, das unvollkommene wegschaffen: so bleibt es ... das geschäft des geschmacks und der kritik ... die unregelmäszigen auswüchse wegzufeilen litteraturbriefe 22, 53;
nun aber, dichter, schweig und lasz der welt den lauf,
und was ihr nicht behagt, vertilge, feile weg!
Platen 87 (gas. 133). —
wegfertigen, wegschicken: und wolde heut gleich die brieff wegfertigen H. v. d. Planitz berichte 261; du hast Petrum erzürnet und Rom verderbt, da du Gregoriusen weggefertiget hast Fabricius auszzug bewerter historien (1599) 179. fertig machen: ich habe mir fest vorgenommen, in den drei wochen meines exils ein gewisses stück wegzufertigen, und jetzt treib' ich's röszlein fort durch dick und dünn Lenau an Sophie Löwenthal 5 Frankl.
wegfetzen
wie wegputzen durch feuer völlig vernichten Mauszer d. soldatensprache 35. in der gaunersprache ist wegfetzen 'wegschneiden' Train 134. —
wegfeuern
durch feuer (schüsse) beseitigen: die thurmspitze ist weggefeuert Campe.
wegfiedeln
abreiben: deterere Corvinus fons lat. 887; wann sich die ochsen am leibe wund ziehen und die haut weggefiedelt, so siehet man das blosze fleisch v. Hohberg Georgica 3, 246ᵇ. die bed. 'reiben' ist aus der von 'geigen' hervorgegangen.
wegfieren
'ein tau bis zum tamp, bis aufs letzte ende, fieren' (nachlassen) Stenzel seem. wb. 460ᵃ. —
wegfinden
sich zum weggang anschicken (früher refl.):
die glock ist unser wächter und saget uns die stunden,
nicht die, die kummen sollen, nur die, die weg sich funden.
Logau 3, 7, 13 (s. 548 Eitner);
der doktor konnte noch nicht wegfinden. er hatte sich unter dem fenster auf den drehstuhl ... gesetzt und begann zu plaudern Storm 2, 186; ich konnte nicht wegfinden von diesen bildern D. v. Liliencron 3, 97. wegfischen, übertragen (mehr der umgangssprache angehörig) 'durch list in seine gewalt bringen' (vgl.wegangeln): es wurde im gegentheil und absonderlich dargethan, dasz der pabst durch die erdichtete donationem Constantini Rom weggefischet J. A. Schertzer beweis (1664) C 3ᵇ; so wil ich schon sehen, dasz ich das beste zuvor wegfische, das andere wil ich ihnen lassen Schoch studentenleben 63, 16 neudr.; Forstern hätte ich hier auch gesprochen, wenn der landgraf ihn nicht weggefischt hätte Boie an Bürger, briefw. 2 nr. 526 Strodtmann. meist mit dat., einem etwas, auf das er gerechnet hat, mit list vorweg nehmen: gleichwohl aber setzte Cöpio bald darauff an die lincke seite des Rhodans über; iedoch mehr in meinung dem bürgermeister den ruhm des sieges wegzufischen, als ihm beyzustehen v. Lohenstein Arminius 1, 904ᵇ; denn ob zwar könig Ludwig in Ungarn demselben sein fräulein, Hedwig, zur gemahlinn versprochen hatte: fischte doch der gewaltige littauische hertzog Jagello ... ihm die braut weg Valvasor die ehre des herz. Crain (1689) 3, 259; mein bruder hat sie (Amalia) dir weggefischt Schiller 2, 61 (räuber 2, 1 schausp.); noch hab ich weder die stelle noch die braut, und da ist sohn und vater, die mir auf den dienst lauren und mir jeden augenblick beides wegfischen können 14, 254 (parasit 4, 9); wenn sie (die werber) eurer tochter ihren bräutigam wegfischen Engel der dankbare sohn (1771) 11;
nun müssen wir ihm die verstärkung noch,
die er erwartet, wegzufischen suchen.
Rückert werke 10, 565 (Colombo 2, 5).
es liegt die wendung vor dem garne wegfischen zugrunde: welchen die meuchel-listige bösewigter mit dem tischtuch strangulirt hatten, weil er die braut einem andren vor dem garn weggefischet E. Francisci seelenlabende ruhstunden (1678) 1, 1137. darnach auch vor dem maule wegfischen Rondeau: (Lisette.) pfuy! schämen sie sich nicht, herr Leander! dasz sie den putzmacherinnen das brot vorm maule wegfischen? Löwen 4, 249; der sollte des barons von Altholtz fräulein ... dem herrn von Masuren ... vor dem maule wegfischen? d. schaubühne 3, 447 (Gottschedin dorfjunker 1, 1);
ich soll mich wohl noch gar mit ihnen herzlich freun,
dasz sie mir vor dem mund die nummer weggefischt.
v. Gaudy 18, 156. —
wegfischung, f.: eines buchtitels Mattheson d. vollk. capellmeister vorr. 10. wegflackern, flackernd wegbrennen Campe: solcher langsamkeit gegenüber erscheinen die längsten kriege der menschen wie das rasche wegflackern eines reisigfeuers Grimm Michelangelo 1, 52. —
wegflattern
gott Amor wollt ihr treue lehren?
ihr wollt den schmetterling bekehren,
der nur auf wechsel sinnt? ...
wegflatternd wird er euch verlachen.
Gotter 1, 359;
es buhlt mit ihr (der lilie) der bunte geck,
der schmetterling; er küszt und flattert
am end' mit ihrer unschuld weg.
Heine 1, 307 Elster;
wo ... die schöne tochter am wegflatternden kaffeefeuer blühte J. Paul kom. anhang z. Titan 2, 62; (sie) sahen noch das wegflattern des gewandes und den sprung des hundes Stifter 2, 63. von einer körperlichen bewegung: also, dasz der unterste schenckel sampt dem fusze, nicht auswerts zur seite, hinder dem dicken des obernschenckels wegflattern: sondern gerade hinder der röhre des obernbeinschenckels geführet werde G. v. Danap beschreibung eines wolabgerichteten pferdes (1614) 24. übertragen: wie auch die fladergeister, so vom wort wegfladern, die heylige stifft- und einsetzung des herrn Christi ... mit listigem und falschen schein ... anfechten Mathesius Luthers leben 400 Lösche; ich kann nicht unbillig seyn und ihnen verdenken, dasz ihre seele so schnell von gemahlten grazien wegflattert, so bald sie von einem wirklichen original derselben hört Wieland suppl. 4, 165; ihr schönen frühlingsjahre! ihr seid nun über mich weggeflattert J. Paul Hesp. 2, 34. wegfliegen: alles gevogel unter dem himel war weggeflogen Jer. 4, 25;
der (rabe) flouc enwec und kam niht wider.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2243 Weinhold;
mit briefen flog die taube weg aus deinem hof.
Platen 74 (gas. 38);
aber es was zu lang verzogen,
der vogel war schon weggeflogen (redensart).
Eyering 3, 63.
bes. vom flug nach süden und aus der gefangenschaft: der falke ist weggeflogen. sprichwörtlich: wenn der vogel kompt bisz auffs zaun, so fleugt er gar weg Petri 2, Ppp 5ᵇ; wenn die schwalb wegfleugt, so bleibt der sperling 2, Bbb 6ᵇ; es fleucht kein storch weg, der nicht dächte wieder zu kommen v. Lohenstein Arminius 2, 1556ᵃ. auf andre thiere und menschen übertragen (über, von, aus): so wie das reh ... leicht über die keimenden saaten wegfliegt Göthe 28, 16 Weim. ausg.; über das Tyroler gebirg bin ich gleichsam weggeflogen briefe 8, 37;
kein blut, kein leichnam hemmet ihren fusz;
und über ihren eignen vater fliegt sie weg.
9, 334 (Mahomet 4, 1);
von strasz' und markt ist alles weggeflogen.
Gries Ariostos ras. Roland 2, 294;
Mastors sohne Lykofron,
Ajas genossen im streit, dem Kytherier, welcher bei jenem
wohnete, seit er um mord wegflog aus der edlen Kythere,
diesem traf er ins haupt.
Voss Ilias 15, 432.
wie ausfliegen: man baut an der waisenhauskirche; dies macht mir möglich, 5 bis 6 wochen wegzufliegen Lavater an Herder (aus Herders nachlasz 2, 96). von dingen 'in die luft getragen werden': der hut, vom sturme gefaszt, flog weit weg Campe; soll ich dreinhaun, dasz dir der kopf wegfliegt graf Pocci lust. komödienbüchlein 142; das helle mondlicht und die langen schatten der baumstämme, die wechselnd über die beiden reiter wegflogen v. Eichendorff 3, 36. übertragen:
mit leichtem geiste flieg' ich über tage
und wochen weg.
Göthe 13, i, 161;
mein leben fliegt weg wie ein traum 37, 69; manche goldgeschwingte stunde flog unter so süszer beschäftigung über unser haupt weg Schubart leben u. gesinn. 1, 198;
die stunden flogen weg mit trinken und mit scherzen.
Wieland 22, 101 (Oberon 3, 12, 6);
die liebe fleugt bald weg, amores refrigerantur Stieler 2456; seine einbildungskraft, die so gern über die nähern verhältnisse wegflog Klinger 3, 117. wegfliehen: er wird sie schelten, so werden sie ferne wegfliehen, und wird sie verfolgen Jes. 17, 13; jene sind vom herrn ferne weggeflohen, aber wir haben das land innen Hes. 11, 15; die evangelischen prediger ... waren alle verjagt und weggeflohen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 212; sie (die melancholiker) fliehen ... von den menschen weg, aus abscheu Zimmermann über die einsamkeit 1, 359;
und als die Schotten er (Rinaldo) so sieht mit groszen hauffen
wegfliehen, schreyet er: ey wohin wolt ihr lauffen?
D. v. d. Werder ras. Roland 144.
übertragen:
die wolcken flohen weg.
P. Gerhardt Fischer-Tümpels kirchenlied 8, 400ᵃ;
jetzt musz
gehandelt werden, schleunig, eh' die glücksgestalt
mir wieder wegflieht über'm haupt.
Schiller 12, 209 (Wallenst. tod 1, 1);
wie sein flieszendes blut all die glühende rache meines herzens auslöscht! wie mit seinem wegfliehenden leben meine wuth verschwindet! Göthe 11, 123 (Clavigo 5). bei Md. früher auch für wegfliegen (vgl. th. 3, 1781): darumb musz die herrligkeit Ephraim, wie ein vogel, wegfliehen Hos. 9, 11. wegflieszen: als wenn der bernstein ein gummi solcher bäume wehre, so unter der erden ausz den wurtzeln weg- und herausz flösse Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 62; flieszende lava, die sich einen langen hügel hinunter macht, auf dem sie in einen canal wegflieszt Göthe tagebücher 1, 332 Weim. ausg. mit best. 'in einer richtung flieszen': die Werra, welche allernechst an der stadt wegfleust Güther beschreibung des st. Meiningen (1696) 20; bach, der unter meinem fenster wegflieszt Lichtenberg 1, 110; ich werde ... auf den weiszen kissen liegen bleiben, bis das rothe blut darüber wegflieszt Stifter 2, 111. von dem, was das wasser mit sich führt: zu Minden an der Weser ist dasz waszer so hoch ... und sein gantze häuser weggeflossen briefe des Hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 67 (1682);
an ein wasser, da war ein steg
von grösz des wassers gflossen weg.
Waldis Esopus 1, 267 (2, 87, 18) Kurz;
die see braach häuffig ein, das todte schiff ertrank,
das leichte guut floosz weg, das schweere das versank.
Fleming (1642) 82;
das kind ist mit dem bad ausgossen,
die fisch mit dem wasser weggflossen.
Eyering 1, 320.
bildlich:
wohl dir! wär' all sein groll in thränen weggeflossen.
Ayrenhoff 1, 755.
übertragen, namentlich von der zeit:
in flôʒ mit clagender arebeit
diu naht erbermeclîche enwec.
K. v. Würzburg troj. krieg 37757;
ist meiner jahren schneller lauf
mit seufzen weggeflossen.
Weckherlin 2, 113 Fischer;
und habe ... unterschiedliche male vier und fünf wochen einliegen müssen, dadurch also gemeldtes 69. jahr leichtlichen weggeflossen v. Schweinichen denkw. 31; ebenso geschwinde wird uns die zeit bisz auff den jüngsten tag im grabe wegflieszen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 837; ohne dasz er viel tat, ... flossen die tage weg Hesse nachbarn⁶ 84. auf vergleich mit den flieszenden wellen beruht: schlug er (der mond) so bescheiden, als er still über die blinde nacht wegflieszet, seine wolkenaugenlider auf J. Paul unsichtb. loge 3, 105; die sanft hintereinander wegflieszenden hügel des Wouvermann Geszner schriften 2, 175. —
wegflieszung f.
der mülen Pape bettel- und garteteuffel L 6ᵇ. wegflöhen, wegflüchten (vgl.flöhen th. 3, 1814): die überwinder ... fanden sehr wenig beute: weil die bürger ... alle ihre besten gühter bei zeiten auf Rezif weggeflöhet Dapper America (1673) 437ᵃ. —
wegflöszen
wegschwemmen: eine partey holtz wegflöszen, to let a float of wood go down the river Ludwig 240; (das holz) das die kaisrischen schwatzer und holzknecht im gepirg in den Trautnawischen welden hatten abgehackt und weggeflöszet Hüttel chronik der stadt Trautenau 217; wer in auen oder unten an bergen scheitholtz schlagen lässet, soll solches bey guter zeit in die höhe bringen, dasz es von einfallenden güssen nicht verschlämmet oder weggeflöszet werde allg. haushalt-lex. 1, M 2ᵃ; die hültzerne (brücke) hatte die Thonaw weggeflöst Heberer aegyptiaca servitus (1610) 570; die (unsauberkeiten) werden vom zu- und ablauff des mörs weggeflöszt H. Kilian res publica Venetum (1557) B 4ᵇ; da die güssen nicht allein die dung, sondern auch die gute erden ... wegflösen v. Hohberg Georgica 1, 332;
in jedem tag', in jeder nacht
wird zweymal diese segensfluth (ebbe u. fluth der Elbe),
und mit derselbigen so vieles kaufmanns-guth,
von Hamburg weggeflöszt, nach Hamburg hergebracht.
Brockes⁴ 2, 190.
bildlich: thränen flöszen die dinte weg Schubart briefe 2, 96 Strausz; hatte die springflut des zornes ihm vorhin den sitz des verstandes überschwemmt, weggeflöszt hatte sie diesen nicht M. Meyr erzähl. a. d. Ries 2, 437. nebenform wegflözen: wasser wesschet steine weg, und die tropffen flötzen (später flöszen) die erden weg Hiob 14, 19; was ... die durchgeschossenen fluthen rein ausgewaschen und weggeflötzt Görres briefe 1, 2. —
wegfluchen
durch fluchen vertreiben: wenn die schmerzen kommen, so fluche ich sie weg Sturz 1, 25; er würde seinen guten engel von seiner seite wegfluchen Eschenburg Shakespeare 12, 506;
sonst hättest du dergleichen (ungeheuer) weggeflucht,
doch jetzo scheint es dir zu frommen;
denn wo man die geliebte sucht,
sind ungeheuer selbst willkommen.
Göthe 15, i, 119 (Faust 2, 7191) Weim. ausg.
beseitigen: du hast mich unglücklich gemacht, meine ehre weggeflucht! Klinger 3, 157. frei 'fluchend über einen wegreiten':
und mancher (verwundete) hat noch einen stich versucht,
als über ihn der Baier weggeflucht!
v. Droste-Hülshoff 3, 78 Kreiten.
wegflucht, f. abstractbildung zu wegfliehen, jetzt veraltet: etliche tage vor der wegflucht des christlichen heers auf Altenburg E. Francisci traursaal (1669) 2, 501; ein einiger seitenstich erinnert uns unserer gebrächlichkeit, und dasz wir mit den blumen in gleicher wegflucht blühen oder welcken v. Butschky rosenthal (1679) 679;
die schnelle wegflucht dieser zeit.
Robertihn Königsberger dichterkreis 302 neudr.
wegflüchten. 1) trans. in sicherheit bringen: seine güter wegflüchten Steinbach 1, 464;
(dasz der kaiser) im begriffe steht, die zarten enkel
nicht vor den Schweden, vor den Lutheranern,
— nein! vor den eignen truppen wegzuflüchten.
Schiller 12, 184 (Piccolomini 5, 1).
2) intrans. sich auf die flucht begeben: (Ramler) der rechte und ächte vertreter der damaligen schule in Berlin, aus der bald genug die poesie ganz wegflüchtete in einen andern zufluchtsort Gervinus gesch. d. deutschen dicht.⁵ 4, 191. —
wegflüchtig adj.
wegfliehend (wie das subst. veraltet): nun war zu dieser zeit aus der Ober-Bettau noch wenig wegflüchtig, weil die inwohner vermeinten, wegen der ströme, womit sie umgeben waren, sicher genug zu sein französ. Simplicissimus (1683) 1, 431. 'vergänglich': das unser leben kurz und wegflüchtig sei, das es dahinrauschet wie ein wasserstrom Pape bettel- u. garteteufel Bb 6ᵃ; wir pflegen von wegflüchtigen dingen zu sagen: es wärete nur einen tantz und hochmesz Herberger trawrbinden (1612) 2, 31. —
wegflüchtigen
in sicherheit bringen: profugare, wegfluchtigen Diefenbach gl. 463ᵇ (aus voc. theut. 1482); wie die herrn eins hochw. dohmcapittels ihre reliquien und cleinodia, auch ihre gueter weggefluchtiget städtechr. 27, 155, 14 (Magdeburg 1524); später durch wegflüchten ersetzt.
wegflüchtigkeit f.
und nimpt für sich eine gemeine und nötige lehr von der unbestendigkeit, vergenglichkeit und wegflüchtigkeit aller menschlichen dinge Mathesius Syrach 1, 90ᵇ. wegflug, m. das wegfliegen: es müsten auch die zeiten zur ankunft und wegflug dieses vogels sich veränderlich erweisen Prätorius winterflucht d. sommervögel vorr. B 6ᵃ; das unstäte wandelbare glücke wird mit ihn spielen in schnellem wegflug von ihn allen Hüttel chronik d. st. Trautenau 120. —
wegfluten
1) intrans. flutend sich entfernen: das ausgetretene wasser flutete bald wieder weg Campe. übertragen: wie das alles nun so im zeitstrome so weit weggefluthet ist Carus Paris u. die Rheingegenden (1836) 2, 216. 2) trans. flutend mit sich führen: hierin (im morast) verwickeln sich die vom Missisippi weggefluteten baumstämme Zschokke 16, 219. wie ausströmen:
mädchen, kauf' mit golde, wenn es gilt,
dir ein herz, bereit, für dich zu bluten,
und das heisze leben wegzufluten,
bis der letzte tropfen von ihm quillt.
Seume 595. —
wegfolgen, verabfolgen, ausliefern: darum könten sie sie (die frauen) ohn des markgrafen vorwissen nicht wegfolgen lassen v. Schweinichen denkw. 160. —
wegfördern
gewonnene mineralmassen fortschaffen Veith 565: die stelle, wo zum gebrauch des chausseebaues die seite des hügels aufgegraben, eine grosze masse weggefördert ... worden Göthe naturw. schr. 9, 80. —
wegfreien
bald danach ist jener schöne jüngling wieder ... gekommen und hat das prächtige Mühlenhannchen ohne viele umstände weggefreit Sohnrey im grünen klee 22; einem andern seine geliebte wegfreien Campe. wegfressen, auffressen: es (ein thierlein) hat pflegen wegzufressen alles was auff den bewmen und auff dem felde wechset Luther 16, 151, 28 Weim. ausg.; (die störche) sollen wache halten, das ungeziefer ümher wegfressen Prätorius winterflucht d. sommervögel 36. mit dat. 'fressend entziehen': es thut einem jeden weh, wenn er glaubt, es gehöre ihm etwas, und wenn es ihm denn ein anderer hund vor dem maule wegfriszt Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 73; es lief aber da ein zahmer löwe herum, der gewohnt war, den knechten das brod wegzufressen Scheffel Ekkeh. 330. vom feuer (s.fressen 5 a th. 4, i, 134): unfall wird nicht von im lassen, die flamme wird seine zweige verdorren, und durch den odem ires mundes in wegfressen Hiob 15, 30; es ist ein grausamer brand gewesen, welcher alles, was innerhalb der weiszen mauer war, bisz an den strohm Neglina wegfrasz Olearius pers. reisebeschr. 132; kaltblütig zündeten manche bauern ihre pfeife an beim feuer, das hab und gut ihrer brüder wegfrasz Zschokke 2, 133. von zehrenden, scharfen oder sonst äuszerlich einwirkenden dingen: der krebs hat ihm die nase ganz weggefressen Stieler 900; wie es scharffe wasser giebt, die das eisen wegfressen Herttwig bergbuch 246ᵇ; wird dieselbe (salbe) ... im abgang des monds das überbein wegfressen v. Hohberg Georgica 3, 226ᵃ; das über die fluren gesprengte schönheitwasser des thaues, das den stiefeln die farbe wegfrisset J. Paul Qu. Fixlein 137;
den rost frist weck die krafft desz öls.
Hock blumenfeld 74 neudr.
vom wasser: da der weg ... nur auf geschiebe ruht, so mag der bach leicht die unterlage wegfressen Steub drei sommer in Tirol 1, 344. übertragen, 'verzehren, aufreiben': meine augen flieszen ... mein auge frist mir das leben weg, umb die tochter meiner stad klagel. 3, 51; wir christen wissen ... von diesem fluch, ... das er auch alle menschen wegfrist Luther 20, 341, 33 Weim. ausg.; die (gnade) frisset sunde und vorczweifflunge weg 32, 164, 30; ein untrewer rat ..., der nirgend zu dienet denn das er eins fürsten geld und gut wegfrisset 32, 438, 40; nach diesem sieg ist ein gros sterben unter des keisers kriegsvolck gekommen, welches viele trefflicher menner ... weggefressen hat Menius chronica Caronis (1564) 3, 326ᵃ; liesz ohne verschonen das schwert wegfressen alles was männlich war Pinto wunderliche reisen (1671) 343; was ist ... am leben einiger schurken gelegen, da der krieg doch ganze völkerschaften wegfriszt? Sturz 1, 233; die zeit frisset alles weg, tempus edax rerum Stieler 900; derjenigen summen, die das spiel, die jagd, der stall, die garderobe, die tafel und der keller wegfressen Kretschmann 2, 35; meine grosze übersetzung ... die friszt zeit weg Fr. Müller 1, 39; keiner der männer ist an ein sogenanntes geschäft gebunden, das ihm die allerschönsten lebensjahre wegfriszt und das herz ertödtet Stifter 1, 67;
langsam friszt der tod
in vierzig jahren deine (Moses) feinde weg.
Herder 12, 104 Suphan;
das pulver reicht, die burg ganz wegzufressen,
mit hund' und katzen, hin!
H. v. Kleist 2, 291 (Käth. v. H. 4, 8) E. Schmidt.
wegfretten, durch reiben u. dgl. wegschaffen (vgl.fretten th. 4, i, 140): hernach eine geisz ... das saltz (von den sohlen) ablecken lassen, da man gesehen, dasz die geisz alles fleisch bisz auf die gebeine weggefrettet Harsdörffer lust- u. lehrr. gesch. 2, 171. —
wegfretzen
wegfressen (wie abfretzen, während fretzen sonst 'weiden, füttern' ist th. 4, i, 141): darum wird solche der grimmige zoren des herren wegfretzen Mathesius historien von Jesu Christo 2, 110ᵇ; sie sind trawen nicht all verloren, die in groszen sterben mit hauffen weggefretzt werden handsteine 414 Lösche; Bonfinius berichtet, dasz sie (die heuschrecken) alles gewächs, laub und gras, bläter und kräuter, saat und blühe weggefretzt ... haben Valvasor ehre des herz. Crain (1689) 4, 2, 519. —
wegfüchseln
heimlich entwenden, s. th. 4, i, 342 füchseln, von fuchs (zuerst 1625 belegt): ob mir die frau was wegfüchselt, das sie versauffen kan Ch. Weise freym. redner 328; mein herr vater hat einen reverenz kriegen sollen, nun hat ihn meine schwester weggefixelt Catharine 114 (1, 6) Fulda; noch jetzt in Sachsen Müller Fraureuth 1, 363, Schlesien Weinhold 24, Posen Bernd 347. die schreibung wegfixeln erklärt sich aus anlehnung an fix 'rasch'. —
wegfühlen
seine gesichtsbildung mit dem schönen gekräuselten barte ist völlig griechisch, und aus dem täglichen umgange von einem tiefschauenden menschen weggefühlt Heinse 4, 250 Schüddekopf. wegfuhr, f. abstractbildung zu wegfahren: das rohe behauen der stämme im walde zum zwecke leichterer wegfuhr Karmarsch-Heeren³ 1, 443. früher auch wegfuhre: welchen (hunger) die Franzosen durch die wegfuhre des getreides veruhrsachet Dapper Africa (1671) 272ᵃ. —
wegführe f
veraltete abstractbildung zu wegführen: dasz ihre wegführe und beschlossene beschimpfung ihm zu hertzen ginge v. Lohenstein Arminius 2, 1109ᵃ.
wegführen
1)
von einem orte führen: Diefenbach gl. 169ᵇ deducere, 178ᵃ devehere, (en)weg-, inweg-, eweck-, awegfuren.
a)
von menschlicher thätigkeit:
α)
si fuorten in enwec zehant
und batten in rîterlîche.
W. v. Gravenberg Wigalois 22, 33;
darüber war der marschall berauscht, dasz man ihn wegführen muszte v. Schweinichen denkw. 92; bald aber erholte er sich und .. befahl auch den verwundeten alsofort aus dem treffen wegzuführen v. Lohenstein Arminius 1, 39ᵃ; er bot ihr die hand an, im sinne sie wegzuführen Göthe 23, 14 Weim. ausg. meist von einem gewaltsamen führen: hatten ouch die jungfrowen genomen und enweg wellen fuͤren Huge Scheppel 6ᵇ; sie werden gefangen weggefürt werden 5. Mos. 28, 41; meine zarte kinder musten gehen auff rauhem wege, sie sind weggefurt, wie ein herd, von feinden geraubet Baruch 4, 26; dem künig ... füerten sie auch sein tochter Hesiona weck Aventin 4, 183, 31 Lexer; Salmanasser, der die zehen geschlecht der Jüden wegfüret Mathesius Sarepta 82ᵇ; sie ... haben ein paar hundert mann- und weibespersonen weggeführet Schupp schriften 95; das mägdchen ist dort weggeführt (entführt) worden Lichtenberg Hogarth. kupferstiche 2, 205; die Franzosen hatten weit und breit das platte land wüste gelegt, .. die bauern weggeführt Ranke 4, 25;
und die troischen weiber, beraubt der heiligen freiheit,
weg in schiffen zu führen zum lieben lande der väter!
Voss Ilias 16, 830;
wags, ihn (Tell) aus unsrer mitte wegzuführen!
Schiller 14, 355 (Tell 4, 3).
ins gefängnis führen: ich sah ihn verhaftet; ich sah ihn weggeführt Shakespeare, maasz für maasz 1, 2; mäszige deine sprache, wenn ich dich nicht wegführen lassen soll! G. Keller 7, 246. in die hölle führen: das wol ein teuffel zehentausent boser bawrn und junckern wegfuren kondte Luther 34, ii, 396, 31 Weim. ausg.; der schultz (ist) leibhafftig vom teuffel weggeführet worden Krüger spiel v. d. bäur. richtern 7 neudr.; der teufel soll sie wegführen Philander 1, 643; der henker füre den weg, ders beszer macht, als er kan, diabolus auferat eum Stieler 414. übertragen von gott. dem tod: wenn ich nu meine hand ausstrecken über Egypten, und die kinder Israel von inen wegfüren werde 2. Mos. 7, 5;
führst du sie mir, die ich liebe, gott, weg!
Klopstock oden 1, 73, 64 Muncker;
ach! es ist die treue mutter,
die der schwarze fürst der schatten
wegführt aus dem arm des gatten.
Schiller 11, 313 (glocke).
β)
thiere wegführen:
Trawwol fürt weg die kuh.
wann der stall leer, so mach in zu.
Eyering 2, 666;
den jagdzug,
den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch
vor wenig stunden übern markt wegführen.
Schiller 12, 306 (Wallenst. tod 3, 17);
er stieg ... vom pferd, das er dem reitknecht wegzuführen gab Mörike 3, 8.
γ)
hab und gut wegführen; also machet sich Jacob auff ... und füret weg alle sein vieh, und alle seine habe 1. Mos. 31, 18; Judas plündert sie, und füret den raub mit sich weg 1. Macc. 7, 47; der papst hat euch in Teutschland gesand, ausz welchem ihr ein grosze summ gelt holt und wegführt Weidner apophth. 3, 87; die besten kostbarkeiten waren weggeführt Ranke 40/41, 211; auf dem platz des palastes aber stellte Karl das eherne reiterbild des groszen Ostgoten Theodorich auf, das er von Ravenna weggeführt hatte Freytag 17, 327 (bilder 1, 6);
als sie dem feind thäten die stuck
unter der nas wegführen.
v. Ditfurth volksl. d. bayer. heeres 56. —
ausführen: es wird auch viel theer gebrandt und weggeführt Olearius verm. reisebeschr. 36.
b)
als subject erscheinen auch thiere: der weyh oder stoszvogel wird uns unsere tauben alle wegführen Lehman (1662) 2, 567; einen pfennig, der so leicht ist, das in wol eine fliege möchte wegfüren Luther 28, 564, 21 Weim. ausg.; nit soviel ehrbarkeit, ehr und zucht haben, als ein mucke mag auff dem schwantze wegfüren Musculus hosenteuffel 18 neudr. wind, wasser: sie werden sein wie stoppeln fur dem winde, und wie sprew die der sturmwind wegfüret Hiob 21, 18; so hastu (kleiner) bley in sohlen, dasz dich der wind nicht wegführt Ch. Weise klügste leute 50; die groszen schwarzen schindeln der dächer (waren) mit steinen beschwert, damit sie der wind nicht wegführe Göthe 25, 110 Weim. ausg.;
wenn ein rauher wind sich rühret,
sind die blumen weggeführet.
Neukirch ged. 94;
dasz sie (die flüsse) vil steinin brucken und heüser zerrissen und weggeführt ... haben Stumpf Schwytzerchronik 128ᵇ; nun soll aber die ebbe und fluth von den küsten sand und staub und muscheln wegführen d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 2, 418. wagen, schiffe:
es flieht das schiff, das Daphnen weg
zu fernen ufern führt.
Geszner (1778) 2, 11.
abstracta:
also hat deiner wafen glantz
in schimpf den sig oft weggeführet (davongetragen).
Weckherlin 1, 142 Fischer.
von etwas: ich sehe, dasz mich diese seltsame erfindung eines dem jahrhundert des Perikles sehr unähnlichen zeitalters beynahe zu weit von Aspasien weggeführt hat Wieland 24, 308; ihre gedanken waren von der überraschten neugierde himmelweit von ihm weggeführt G. Keller 4, 22;
es freut mich, euch zu sehn. habt guten abend
im ernst, was führt euch weg von Wittenberg?
Shakespeare, Hamlet 1, 2.
2)
mit einem fuhrwerk fortschaffen (besonders noch im obd. üblich, sonst wird wegfahren vorgezogen): so khemen da die lewte mit wagen und karren bey hawffen und drengten sich umb das wegkführen (der steine) Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 228 Gäbel; wie die kauffleut thun, welche am sontag packen und auffladen lassen, was am montag oder wol gar am sontag soll weggeführet werden Schupp schriften 184; die fuhrleut beklagen sich, dasz sie offt, obwohlen sie die güter wegführen, etwas vom lohn müssen fahren lassen. Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 101; alles nun zum gebäue taugliches holtz soll man nicht aus dem lager, wo man es aufbehalten, früh morgen im thau ... wegführen v. Hohberg Georgica 1, 22; der Wennerbauer ... habe vorgestern steine aus der wiese graben und wegführen lassen Stifter 5, i, 96; dann ging er in sein magazin einen haufen farbhölzer wegführen zu lassen G. Keller 5, 108.
3)
bisweilen absolut: abliegen ... ausdruck für den vom lande ... wegführenden schiffskurs v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 30. —
wegführung f.
deportation Spanutius 219; (den einwohnern) mit gänzlicher wegführung und dem säbel gedrohet S. v. Birken d. verm. Donaustrand 199; die gewaltsame wegführung des papstes Ranke 40/41, 13; 'entführung der weibespersohnen' Zedler 53, 1909; man solle ihnen die wegführung der leichen verstatten Fr. v. Schlegel 4, 138; die versetzung und wegführung der mauergemälde Welcker alte denkm. 4, 249; abspülung des erdreichs und wegführung desselben in das meer (durch den regen) Kant 9, 55. wegfüllen, bergmännisch. 1) mittels wegfüllarbeit (gewinnungsarbeit bei unzusammenhängenden mineralmassen) gewinnen. 2) bereits gewonnene massen an einen andern ort schaffen. 3) die im grubenbau umherliegenden stücke zusammenlesen Veith 565. —
weggabe f
abstractbildung (noch nicht bei Campe) zu weggeben: da du gar nicht ahnest, die weggabe des fremden briefes sei nicht recht J. Paul Hesp. 1, 262. —
weggabeln
eig. beim essen (gemeinsames essen aus einer schüssel ist vorauszusetzen) mit der gabel wegnehmen, dann wie wegfischen gebraucht: er hat ihm seine braut vor der nase weggegabelt Adelung.
weggang m
abstractbildung (zuerst bei Campe angeführt) zu weggehen; enwegkgangk oder hingangk, secessus. voc. theut. (1482) g 5ᵇ; secessus, wechgang Diefenbach gl. 523ᵃ (gemma, Köln 1507); der selbig weckgang thut den aposteln whe Luther 29, 367, 19 Weim. ausg.; nach seinem weggange gab sie es ihrer mutter ... zu vernehmen Bucholtz Herkuliskus 1435; bei seinem weggang ward der vermeinte pilger ihnen (den jüngern zu Emmaus) känntlich Herder 19, 344 Suphan. tod: des zärtlich geliebten Giseke weggang Strausz 10, 44. —
weggaukeln
1) intrans. (über etwas) gaukelnd, spielerisch weitergehen: weist du auch, dasz du ein leichtsinniger knabe bist, und über den groszen schritt deines lebens weggaukelst wie ein unbesonnenes mädgen Schiller 2, 121 (räuber 3, 2 schausp.); es war nicht zu befürchten, dasz ich, leichtsinnig über die zukunft weggaukelnd, die wenigen mittel, die ich besasz, vergeuden würde Hebbel tageb. 1, 383. 2) trans. in spielerischer weise verbringen: in ihrer jugend soll sie schön gewesen seyn und ihr leben weggegaukelt ... haben Göthe 19, 95 Weim. ausg. durch gaukelkünste beseitigen: ehe sie (die weltlust) mit ihren heerestatzen einschlug ..., hatte sie längst durch allerlei lügenkünste die einigkeit weggegaukelt Jahn 1, 418. —
weggaunern
durch gaunerei wegnehmen:
Sosias (zu Merkur, der sich für Sosias ausgibt):
wie kommt der unerhörte einfall dir,
mir meinen namen schamlos wegzugaunern?
H. v. Kleist 1, 215 (Amph. 1, 2) E. Schmidt.
weggeben
1)
sich einer sache entäuszern und an andre geben. was man an sich hat oder besitzt:
er gap durch mich sîn harnas
enwec.
W. v. Eschenbach Parz. 27, 16;
mein gemahlring der ist mir sehr lieb,
das eingfast hertz ich nicht weggieb,
weil mirs mein juncker schencken thet.
Ayrer 2313, 13 Keller;
also können die zeitlichen gaben und güter ... wir wol weggeben Luther 17, i, 243, 17 Weim. ausg.; solt haus und hoff weckgeben 27, 303, 33; er hat unter seine freunde weggeben alles was er hat Stieler 657;
mit einem leichten wörtlein, ehe blut
geflossen ist, denkst du die beste stadt,
aus Frankreichs herzen wegzugeben?
Schiller 13, 204 (jungf. v. Orl. 1, 5).
vergeben, austheilen: nachdem die ... domänen in der hauptsache schon weggegeben waren Mommsen röm. gesch. 2, 120;
er (Sejan) theilet' ämpter ausz, er setzet' auff und ab ...
gab regimenter weg.
Rachel sat. ged. 67 neudr.
eine tochter weggeben 'verheiraten': ob auch das wegkgeben seiner tochter wieder den willen des keisers ihre sache mit der zeit mochte gar bosz machen Grunau preusz. chron. 3, 197; das rathsame, warum erst Lucinde weggegeben werden muszte, lag besonders darin, dasz sie ... etwas hoch hinaus war Gutzkow zauberer v. Rom 1, 8. ein kind weggeben, auch 'aus dem hause in anderer aufsicht geben' ( Campe). etwas weggeben, auch nur 'aus der hand geben': versprecht mir ritterlich gefängnisz und ich gebe mein schwert weg Göthe 8, 126 (Götz 4); sie gibt den pfeil und bogen weg H. v. Kleist 2, 328 (Hermannsschl. 1, 2) E. Schmidt; wenn es wirklich einmal dahin kommt, dasz ich meine ... dichtung vollende und weggebe Hesse Peter Camenzind 217. übertragen 'hingeben, auf etwas verzichten': das wyr opffern und weggeben disse uberschwenckliche gaben und freuden Luther 8, 517, 8;
o alles opfernd herz! und dieser gibt
schon mir zu lieb die goldne jugend weg.
Hölderlin 2, 226 Litzmann.
2)
weggeben kann auch ein geben an andere gegen entgelt, verkaufen, sein: die würth ... den wein mit wasser mischen und hernach für köstlich weggeben Dannhawer catechismusmilch 2, 327;
mich schmerzt es fast es (das gemälde) wegzugeben.
das viele gold das ich begehrt
erreicht noch lange nicht den werth.
Göthe 16, 158;
es stand nahe in aussicht, dasz Welckers bruder ... mein haus gekauft hätte. ich würde es auch jetzt noch weggeben, und gerne Gervinus an Dahlmann, briefw. 2, 262. um, für: dasz ich ... kurze zeit darauf das gut, welches ich für 6000 thaler erkauft hatte, um 4000 wieder weggab Freytag 20, 330 (bilder 3, 9); ich will ihn weggeben ... für ein spottgeld Engel schriften 6, 198. übertragen 'mit etwas anderm vertauschen': nicht um den ganzen himmel ... geb' ich die lust weg, die mir beschert ist, wenn der morgende tag anbricht! H. v. Kleist 2, 219 (Käth. v. H. 2, 6) E. Schmidt; man schaue einen Sokrates an, einen Plato, einen Euripides: wer wird ihre marmorbüsten für ihre lebendigen reden und gedichte nicht gleich weggeben? Heinse 4, 191 Schüddekopf. sich weggeben 'wegwerfen':
weil, mich wohlfeil wegzugeben,
hätte meinen stolz gekränkt,
lieber drum mit leib und leben
hab' der lieb' ich mich geschenkt.
Rückert werke 1, 475;
über der lieben Meline heirat sage ich nichts, es macht mir nie wohl, wenn ein so schönes kind sich weggiebt Bettina briefw. 2, 156.
3)
vereinzelt bezeichnet weggeben ein leibliches vonsichgeben: weszwegen Ada glauben muszte, seine natur wäre so gut gewesen, dasz sie selbst das gifft von sich weggegeben v. Lohenstein Arminius 2, 1626ᵃ; (das kind hat die speise) mit heszlichem gestancke stets wieder unten weggegeben Prätorius anthropod. plutonicus 1, 440. —
weggebung f.
alienatio, distributio Stieler 657; weggebung fremden gutes v. Lohenstein Arminius 1, 880ᵇ.
weggedenken
daran denken wegzugehen:
wir sind noch hier zu finden,
gedencken fast nicht weg.
Fleming 67.
weggeheien refl
(auch ohne sich) sich fortpacken, vgl. sich geheien th. 4, i, 2347 f. und frz. foutre le champ:
ir losen hudler, thut euch weggheüen!
Ayrer 2387, 19 Keller;
er fieng mich grewlich an zu schendn,
zu witern, fluchen und zu drewn,
wo ich nicht bald würd weg geheien,
und mich aus seinen augen packn,
er wold mich schlagen auf den nackn.
Pape Jonas rhythmicus (1605) Bbᵃ.
aus geheien ist keien geworden:
key weck! was wilt mich darmit kern?
key weck in aller teuffel namen!
H. Sachs 14, 270, 4 Götze;
Amor. ey, wolt ihr mir solch ding zutrauen?
nein fürwar, last mich nur hinnein!
Jan. ey, key dich wegk! es kan nicht sein.
Ayrer 2913, 25 Keller.
weggehen
1)
von einem orte gehen: Diefenbach gl. 3ᵇ abire, 167ᵇ decedere, 171ᵃ degredi, 463ᵇ proficisci, 486ᵇ recedere, 523ᵃ secedere, (en)weg-, (en)weck-, (en)wech-, eynweck-, eweck-, ewech-, aweg gan, geen; also ging Esau enweg noch dem geyegeze Königshofen städtechr. 8, 254, 12; do sprach er zu ir, daʒ si eweg ging d. volksbücher 340, 35 Bachmann-Singer; wenn du zu viel gessen hast, so stehe auff, und gehe weg, und lege dich zur ruge Sir. 31, 25. in Nassau verhüllend für 'seine notdurft verrichten' Kehrein 440.