wäde f
Fundstelle: Lfg. 2 (1902), Bd. XIII (1922), Sp. 241, Z. 27
bei Oken eine pflanzenart, die drosseläpfler, pomariae tracheales.
wade f
Fundstelle: Lfg. 2 (1902), Bd. XIII (1922), Sp. 239, Z. 37
sura.
I.
formen und herkunft. wade kommt in der älteren sprache nur als masc. vor, ahd. wado Graff 1, 769, and. watha Steinmeyer-Sievers gl. 2, 716, 43. auszerhalb des deutschen entspricht anord. vödvi m. Fritzner 3, 983, norw. vodve Aasen 941 muskelfleisch, dickes fleisch. dies ist jedenfalls die ursprüngliche bedeutung, die im deutschen auf 'dickes fleisch am schienbein' eingeschränkt erscheint. ahd. wado musz lautlich aus *wadwo entstanden sein. mhd. wade läszt sich auch nur als masc. nachweisen. im älteren nhd. findet sich das wort auch zu wad verkürzt (sura, wade, wad Diefenbach gl. 568ᶜ) oder zu waden erweitert; das masc. ist durchaus das gewöhnliche, s. nachher die belege aus der Zimmerschen chronik, Dürer, Paracelsus, Thurneisser, Würtz. von den wörterbüchern hat Dasypodius 237ᶜ auffallender weise schon das f.: sura, die wade am schenckel, dagegen Maaler 480ᵃ der waden am schenckel, Junius 28ᵇ wadem (für waden), auch Emmelius 1590 (nach Diefenbach gl. 568ᶜ) waden m. im 17. jahrh. hat Schottel 1439 noch wade m. die meisten wörterbücher haben damals nur die pluralform, so Henisch 515, Schönsleder Kk 3ᵈ, Krämer 1203 (schon als f.), Dentzler 2, 340, Rädlein 1024, Frisch d.-franz. wb. 415. offenbar ist bei diesem nur selten im sing. gebrauchten wort vom plur. aus das fem. genus durchgedrungen. Stieler 2448 hat schon wade f., ebenso Ludwig und die späteren. das m., das Adelung als wad aus dem obd. kennt, kommt aber noch bei Bodmer vor (s. u.), auch in der onomatologia medica hrsg. v. Haller (1756) 1282 heiszt es sura, der waden. auch in jetzigen obd. mundarten findet es sich vgl. Straszburger studien 2, 280, Seiler 307, Schmeller² 2, 849 (waden), Lexer 249, auch südfränkisch Lenz vgl. wb. 75. im bair.-öst. ist aber wadel m. die gewöhnliche form Schmeller² 2, 849 (auch umgelautet wädel), Schöpf 793, Höfer 3, 264, Loritza 140, Hügel 184, Lexer 249. Schmeller belegt wadel auch aus der älteren sprache, so aus voc. von 1419 und 1445 und einer Münchener hs.: wen ainem ain wadel wurd abgeslagen, so mach es (euforbium) news flaisch und ainen ganczen wadel und ain gut hosenpain; in einem handschriftlichen glossar bei Diefenbach gl. 568ᶜ sura, wadl.
II.
gebrauch:
nider halb des chnieraden   an deme beine stant die waden:
so sich daʒ bein recche,   daʒ iʒ niene stet sam ein stecche.
genesis, fundgr. 2, 15, 2;
die waden an dem beine
von dem vuoʒ unz ûf die büege.
H. v. d. Türlin krone 24176;
der herr wird dich schlahen mit einer bösen drüs an den knien und waden. 5 Mos. 28, 35; bey end des innern wadens. Dürer menschl. proportion A 5ᵃ; am hinteren theil desz wadens. Thurneisser von probierung der harnen (1576) 80; der fusz soll .. höher ligen dann der waden, und der waden höher dann das knie. Würtz practica der wundartznei (1612) 229; die adern im waden. Paracelsus chirurg. schriften (1618) 120 B;
als sie die seide von dem kleinen fusze
und weiszen waden umgewendet zogen.
Bodmer bei Pyra u. Lange 158 neudr.;
Fyleus sohn, den Amfiklos, der wild anrannte, bemerkend,
zuckt' ihm entgegen die lanz in das obere bein, wo am dicksten
strozt die wade des menschen von fleisch; es zerrisz ihm die sehnen
rings das durchbohrende erz.
Voss Ilias 16, 315.
wohlgebildete, volle waden werden an einem schönen manne gerühmt und gelten als ein zeichen von kraft:
dar zuo was er über al
wol geslihtet als ein zein.
er hâte ritterlîchiu bein
unde wolstânde waden,
niht ze cranc noch überladen,
und daʒ sie heiʒent holn fuoʒ.
K. Fleck Flore 6855;
dazu gehören stärkre waden,
das gute glücke wiegt gar schwer.
Stoppe Parnasz im Sättler 223;
stracks schielten ihro gnaden,
als sie den schönen jüngling sahn,
nach seinen vollen waden.
Hölty 4 Halm;
sey lang von wuchs, beblecht, und voll von wade:
das gibt verdienst!
Goekingk 2, 207;
Haman. nur die vernunft, die soll uns führen,
ihr himmlisch klares angesicht.
Ahasverus. hat auch dafür keine waden nicht.
Göthe 57, 255 (2 ältere scenen a. d. jahrmarktsfest zu Plundersweilern);
die volle wade strotzte von rüstigkeit und mannskraft. Musäus volksmährchen 1 (1804), 124; er hat dünne waden, he has little thighs. Ludwig 2363; lummerige wadel, schlottriges, weiches, schlaffes wadenfleisch. Höfler krankheitsn. 773ᵃ;
von faulkeit han ich groszen schaden,
ein prochens bein, geschwollen waden.
fastnachtsp. 565, 10.
in der volkssprache heiszt es von einem, der dünne waden hat: er hat waden wie ein verheirateter sperling (in der parungszeit). Wander 4, 1723 (gegentheil: er hat waden wie ein gemästeter hahn u. dgl.). falsche waden: den mangel recht formirter waden ersetze mit einem futter in den strümpfen! Simpl. 2, 311, 29 Kurz;
und ob er gleich sehr viel von hochzeit spricht ...
den kopf, der wie ein espenwipfel zittert,
dreimal des tags in kaltes wasser taucht
und weitre hosen trägt und seine waden füttert.
Wieland 21, 224 (Clelia 3. 172);
darum bedien' ich mich, wie mancher junge mann,
seit vielen jahren falscher waden.
Göthe 12, 127 (Faust 1).
einen auf die waden klopfen, to clap one's thigh. Ludwig 2363;
ich wölt das aller buoben waden
verkeret wæren für sich:
sich stosset mancher jæmerlich,
das im die schinbain pluoten.
liedersaal 3, 480, 116;
dô wâren mê dan zweinzic schar
der gense, die dâ giengen
und in (den wolf) alsamet viengen
in bûch, in sîten und in waden.
thierfabel bei Grimm Reinhart Fuchs 318, 745;
ohne geferdt schnapt es (das hündlein) umbher und zwickt graf Jacoben in den ainen waden. Zimmersche chr. 4, 278, 32;
der Pommer (hund) fuhr dem kleinen wicht
voll edeln grimmes an die waden.
Pfeffel poetische versuche 2, 138;
wie zukten ihre waden
vor dieses bullen zahn!
es schnalzten seine gnaden,
und Joli pakte an.
Schiller 1, 208;
verstand wie ein pudel die ohren spitzt,
wenn's herz an festlicher tafel sitzt.
gieb ihm nur ein knöchlein zu benagen,
so wird er höflich sich betragen.
doch willst du auch das knöchlein sparen,
wird er dir in die waden fahren.
Heyse 1, 63.
bis an die waden, auf die waden, über die waden u. dgl. wird gern als bestimmung gegeben, wie weit etwas reicht:
die kristen gunden wîten phaden:
si wuoten unz an die waden
in dem bluotigen sê.
Servatius 2114;
sie stond im bluͦt bis an die waden.
N. Manuel vom pabst 919 Bächtold;
ein rock der gantz über die waden herunter hängt. Ludwig 2363;
einin wâpinroc er vuorte,
der an die wadin ruorte.
Athis B 40;
daʒ sîn schære habe undanc,
diu dâ verre reichet dan und sleht ûf einen waden.
Haupt Neidhart v. Reuenthal 239, 80;
der mantel hat gar vil krumer falten,
er get euch nit gar in di waden.
fastnachtsp. 671, 13;
dasz der gemeyn bawerszmann und arbeyteleut ... die röck nit anders dann zuͦm halben waden machen lassen sollen. des heyl. römischen reichs ordenungen (Worms 1536) 186ᵇ; die schuch (der jäger) sollen etwas über die waden gehn, auff die art der bundschuch. Sebiz feldbau (1580) 564. bildlich:
sie knirscht, zerbeiszt die hand, zeigt rachgier über schaden,
und richtet, wer nur kommt, vom kopffe bis zur waden.
Günther 482;
königstreu bis in die waden. P. Wigand der menschliche körper im munde des deutschen volkes 110. nassauisch ist wade auch eine kurze hose, die bis an die wade reicht. Kehrein 436. beim schuhmacher ist die wade der die wade bedeckende theil des stiefelschaftes. Jacobsson 4, 296. auch ein theil des bienenbeines heiszt wade: ein jedes dieser beine hat 5 gelenke ... 4. die waden (oder bürsten am mittelsten paare). Overbeck bienenwb. 11.
wäde
Fundstelle: Lfg. 2 (1902), Bd. XIII (1922), Sp. 241, Z. 29
'schneehaufe', s.wehde.
wade
Fundstelle: Lfg. 2 (1902), Bd. XIII (1922), Sp. 241, Z. 26
'netz', s.wate.
Zitationshilfe
„wäde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/w%C3%A4de>, abgerufen am 20.09.2019.

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