vorgeblich adj.
Fundstelle: Lfg. 7 (1935), Bd. XII,II (1951), Sp. 1079, Z. 1
ein glossar von 1420 übersetzt praestabilis mit vorgebelich, entsprechend vorgeben in seiner eigentlichen bedeutung Diefenbach nov. gl. 302ᵃ. ein anderes adj. vorgeblich, immer im sinne von angeblich (vgl. vorgeben 11-12) wird im 18. jh. häufig, aber von den lexikographen des nhd. verzeichnet erst Campe das wort. es folgt also stets dem ungünstigen sinne des verbums, in der sprache der gegenwart scheint es vor angeblich zurückzuweichen.
1)
in attributiver stellung (prädicativ kaum gebräuchlich) mit unpersönlichem verbunden: das vorgebliche verhör, das Heinrich mit seiner eigenen hand geschrieben haben soll Lessing 18, 287 M.; seine vorgebliche freundschaft für Agathon Wieland (1794) 2, 177; vorgeben! o Sternheim wenn es vorgebliche gesinnungen wären S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 314; sein vorgeblicher marsch auf Paris bestätigt sich nicht G. Forster (1843) 8, 202; sein vorgeblicher oder wirklicher kryptokatholicismus Voss antisymb. 2 (1826) 316; damit hob T. den vorgeblichen Odinswagen auf Fontane ges. romane u. novellen (1890) 7, 26.
2)
auf personen bezogen: die vorgebliche herzoginn von Irton Lessing 9, 284 M.; unter allen den vorgeblichen weisen, welche sich damals an diesem hofe befanden Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 165; weisz meine tante, dasz ihr vorgeblicher mann nur ihr neffe war? Schiller neffe als onkel 2, 1; die abneigung des Pilatus, den vorgeblichen judenkönig zu verurtheilen D. Fr. Strausz (1876) 4, 323; die physiognomien und gebärden der oft nur vorgeblichen kunden zu studieren O. Ludwig (1891) 2, 459; kann ich so viele vorgeblichen freunde haben als ich will Weigand d. ewige scholle (1927) 237.
3)
als adv.: die v. guten absichten des väterlichen despotismus Schubart br. 2, 8 Strausz; sie, die nur v. krank war A. v. Arnim 11, 73 Gr.; das scherzen über ihre v. freie stellung zum dritten gebot Fontane I 1, 53. — einen nebensatz einleitend: v., um anzufragen ebda 247. — statt des adv. umständlich: (dasz man) dieses sogar vorgeblicher maszen durch einen grundsatz des verstandes a priori behaupte Kant 3, 157 akad. ausg.
Zitationshilfe
„vorgeblich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/vorgeblich>, abgerufen am 18.08.2019.

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