voraus m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1934), Bd. XII,II (1951), Sp. 831, Z. 8
s. voraus, adv. 5.
voraus adv.
Fundstelle: Lfg. 6 (1934), Bd. XII,II (1951), Sp. 831, Z. 9

Unterbegriffe in diesem Artikel

vorauslein · vorausahnen · vorausarbeiten · vorausbedenken · vorausbedingen · vorausbegaben · vorausbegehren · vorausbehalten · vorausbekennen · vorausbemerken · vorausberathen · vorausberechnen · vorausbereden · vorausbestellen · vorausbestimmen · vorausbeten · vorausbezahlen · vorausbiegen · vorausbleiben · vorausblicken · vorausbrechen · vorausbringen · vorausdenken · vorausdeuten · vorausdingen · vorausdrängen · vorausdringen · vorauseilen · vorausempfangen · vorausempfinden · vorauserblicken · vorauserfahren · vorausergreifen · vorauserhalten · vorauserheben · vorauserkennen · vorauserkühnen · vorauserstatten · vorauserwählen · vorauserwarten · vorauserzählen · vorausfahren · vorausfinden · vorausfliegen · vorausfliehen · vorausflüchten · vorausfreuen · vorausfühlen · vorausführen · vorausgeben · vorausgedenken · vorausgehen · vorausgenieszen · vorausgestalten · vorausgestehen · vorausgreifen · voraushaben · voraushalten · voraushauen · vorausheben · voraushetzen · voraushoffen · vorausholen · voraushüpfen · vorausjagen · vorauskennen · vorauskeuchen · vorauskiesen · vorausklettern · vorauskommen · vorauslassen · vorauslaufen · vorausleben · vorauslesen · vorausleuchten · vorausliegen · vorausliefern · vorauslocken · vorausmachen · vorausmarschieren · vorausmelden · vorausmerken · vorausnehmen · vorausordnen · vorausprophezeien · vorausrechnen · vorausreichen · vorausreisen · vorausreiten · vorausrennen · vorausrichten · vorausrücken · voraussagen · vorausschaffen · vorausschätzen · vorausschauen · vorausschicken · vorausschieben · vorausschieszen · vorausschiffen · vorausschlendern · vorausschlieszen · vorausschlürfen · vorausschreiben · vorausschreiten · vorausschwimmen · voraussegeln · voraussehen · voraussein · voraussenden · voraussetzen · voraussinnen · vorausspannen · vorausspazieren · vorausspeisen · voraussprechen · voraussprengen · vorausspringen · vorausspüren · vorausstehen · vorausstellen · voraussterben · vorausstoszen · vorausstrecken · voraustraben · voraustragen · voraustreiben · voraustreten · vorausthun · vorausverkünden · vorausverkündigen · vorausvermachen · vorauswalten · vorauswerfen · vorauswissen · vorauswittern · vorauszahlen · vorauszeigen · vorausziehen · vorausahnung · vorausbedingung · vorausblick · vorausdeutung · vorausempfindung · vorauserfordernis · vorausgang · vorausfart · vorausgefühl · vorausgeständnis · voraushin · vorausklage · vorausklagung · vorauslage · vorauslein · vorausleistung · vorausmasz · vorausnahme · vorausnehmung · vorauspferd · voraussage · voraussagung · voraussatz · vorausschickung · vorausschlieszlich · voraussehung · voraussendung · voraussetzlich · voraussetzung · voraussetzungsweise · voraussicht · voraussichtig · voraussichtlich · voraussprecher · vorausströmung · voraustretung · voraustritt · vorausurtheil · vorausverkündigung · vorausvermächtnis · vorausversprecher · vorauszahler · vorauszahlung · vorausgehen · vorauslage · vorausspüren · vorausstehen
mit dem ton auf der zweiten silbe, substantiviert aber auf der ersten betont (im vóraus); vor ûz mhd. wb. 3, 195ᵇ; Lexer 3, 483; vorausz Maaler 474ᶜ; Stieler 69; Steinbach 1, 50; Frisch 2, 407ᵃ; Adelung; Campe; in älterer sprache füraus, s. dieses th. 4, 1, 1, sp. 656; vgl. Schmeller-Frommann 1, 847; Lexer kärnt. wb. 12; Fischer schwäb. wb. 2, 1642; schweiz. idiot. 1, 556; Martin-Lienhart 1, 79ᵃ; nd. forut, nld. vooruit; nach dem deutschen dän. forud, schwed. förut.
1)
die zusammensetzung des wortes zeigt, dasz die grundbedeutung gewesen sein musz: heraus, vor anderem nach vorn, wobei zu beachten ist, dasz die ältesten belege aus mhd. zeit schon die übertragene bedeutung des vorzuges zeigen, während die rein räumliche bedeutung, wie es scheint, nicht bezeugt ist.die räumliche bedeutung hat sich in neuerer sprache gegen die von voran insofern abgesondert als bei voraus die vorstellung des führens, des beispiels und der folge vor der betonung des gewonnenen vorsprungs, des abstandes zurücktreten kann; das zeigt sich besonders in der verbindung mit maszbezeichnungen, wo wir voraus durchweg vorziehen: um eine pferdelänge v.; im nu waren sie uns um einige hundert palmen v. Gaudy w. (1844) 13, 22; er war ... eine gute strecke v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 365; sie liefen sich dicht auf den fersen, doch war der Bayer v. um eine spanne G. Keller w. (1892) 4, 262;
denn geht es zu des bösen haus,
das weib hat tausend schritt voraus
Göthe Faust 3981;
die reuterei ist, die du kommandierst,
auf eine stunde schon im marsch voraus
H. v. Kleist prinz v. Homburg 1, 4.
natürlich kann aber anderseits voraus eben so wie voran mit beziehung auf das nachfolgen, zurückbleiben gebraucht oder ein nacheinander, hinter einander gebraucht werden: wie er dem trompeter v., den husaren hinterdrein, die fahrstrasze hinabgeritten Göthe w. 33, 27 W.; der esel v. und die kuh hinterdrein, wenn ein grobian sich den vortritt anmaszt schweiz. idiot. 1, 556; Diotima und ich gerieten v. (vor den andern) Hölderlin dicht. 2, 110 Litzmann.mit dem dat.: Leontin ritt ein unbändiges pferd allen v. Eichendorff w. (1864) 2, 40; v. ist er mir nicht; ich hätte sonst längst ihn hören und sehen müssen Barth Kalkalpen (1874) 41; mit vor:
ganz vor den andern voraus den Troern entgegen zu kämpfen
(οἶος πρόσθ' ἄλλων μεμάτω Τρώεσσι μάχεσθαι Δ 304)
Bürger w. 216ᵇ B.
freier:
den bart voraus,
den fitschepfeil im nacken
Rückert w. (1867 ff.) 1, 64.
an der spitze: dann kam ein trupp hirschkälber und hirschkühe, zwei oder drei hochgeweihte hirsche v. Moltke schr. (1892) 6, 284; v., zuruf an den leithund beim ausziehen Kehrein weidm. spr. (1871) 312;
wer mit der ehrenbinde
bewegt sich stolz voraus?
Göthe w. 1, 115 W.;
voraus erschien ein herold
Schiller Maria Stuart 2, 1.
verbunden mit dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wobei ein verbum der bewegung ergänzt wird.die richtung nach vorn bezeichnend:
vermeint, er trieb menschen vor ausz (vor ihm her)
Dähnhardt griech. dramen 2, 66;
über das
voraus sich dehnende gestade hin
Bürger w. 150ᵇ B.;
auch ist mir recht behaglich dieser platz:
voraus (vor uns) der Rhein in warmer sonne hell
Fouqué held d. nordens (1808) 69.
v. wohnen, nach vorn, im vordergebäude wohnen luxemb. wb. 469ᵇ. — besonders in diesem sinne in zahlreichen wendungen der seemannssprache: wenn man mit denselben cours aus der see kömmt, kriegt man eine klippe v. Mansons seebuch 8; (es) kamen steuerbord v. 7 rauchwolken in sicht zeitungsnotiz von 1915; schiff, land v., auch für vorwärts: volldampf, äuszerste kraft v. und ähnliche zurufe, s. Kluge seemannsspr. 812. — die bedeutung 'nach vorn, vorwärts' tritt auch in der zusammensetzung mit verben hervor, s. unter 7 vorausbiegen, -bringen, -reichen, -richten, -schreiten, -setzen, -werfen.
2)
die übertragung auf die zeit, die bei voran (s. dieses unter 4) veraltet ist, wird bei voraus besonders in vielgebrauchten verbindungen mit verben deutlich, s. unten 7; dabei wird gewöhnlich die vorstellung festgehalten, dasz etwas vor der eigentlich zu erwartenden zeit geschieht, oder aber, bevor etwas eintritt; ferner kann gemeint sein, dasz jemand früher als andere etwas tut oder an sich erfährt: (nach dem tode der erblasser) söllend dem ... vorusz drüthusend guldin und alle lehen volgen Riederer spiegel d. rhet. (1493) t 6ᵃ; (dasz) der älteste, im kriegerstande lebende sohn sich ein pferd v. wählen durfte Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 252; der mit v. bezeichnete zeitpunkt kann in der vergangenheit, gegenwart oder auch zukunft liegen; abstandsbezeichnungen können hinzutreten: auf ein ganzes jahr v. Gellert w. (1839) 4, 268; monate lang v. Göthe w. 17, 3 W.; wenige tage v. br. 41, 75; einige zeit v. Brentano schr. (1852 ff.) 6, 428;
deine zölle
sind auf drei jahre schon voraus verpfändet
Schiller jungfrau v. Orleans 1, 2.
zu beachten ist, dasz der gebrauch des einfachen v. allmählich durch im voraus, zum v. eingeschränkt wird: die sach selbs zeigts vorausz an, das er eins andern gemüts gegen uns seie Boltz Terenz deutsch (1539) 93ᵃ; (gulden an sold,) die gemeinlich vorausz verthan waren Lehman floril. pol. (1662) 4, 14; ich musz ihnen ... v. sagen (von vorn herein, vor allem andern) Gerstenberg schlesw. litbr. 207 lit.-dkm.; alles was hier geschehen könnte ennüyirt mich schon v. Göthe br. 8, 109 W.;
inzwischen freuet euch, ihr gäste, schon voraus
König ged. (1745) 506;
hatten frühe schon
töchterchen und sohn
braut und bräutigam voraus genannt
Göthe w. 1, 219 W.;
sie freut sich und wird voraus bleich,
so spielt sie mit dem geisterreich
Tieck schr. (1828) 4, 138.
veraltet ist v. in der bedeutung von zuvor u. ä.: ehe dann ich e. g. meine gebürliche antwort geben werd, muͦsz ich mich ainer groben ungeschickligkeit vorausz entschuldigen Nas d. antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 1, 80ᵃ;
vergisz deines volcks voraus
und vergisz auch deins vatters hausz
H. Sachs w. 6, 257 K.;
alsz er merckt, was irthumb vorausz
er het begangen in dem hausz
Dähnhardt griech. dramen 2, 80;
ach mit was für schönen dingen ...
hoffen wir die liebe zeit
(da es gott wil) zu zubringen,
wann vorausz der frost erliegt
Königsb. dichterkr. 137 ndr.
mit voran verbunden:
so musz er doch vorusz und an
sin recht daselbst verloren han
H. R. Manuel weinspiel 3790 ndr.
eigentümlich bei Herder im sinne von früher: zu dieser (wahrheit) zu gelangen sind unstreitig jetzo viel weniger mittel als v. w. 8, 25 S.von der zeit, aber mit festhaltung der vorstellung der bewegung nach vorwärts: an jahren wenig mir v. Göthe w. 25, 43; dennoch hatte sie etwas, was ihnter ihren jahren zurück war und plötzlich wieder etwas, was ihnen weit v. schien Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 3, 418.
3)
übertragene anwendung kann sich aus der räumlichen bedeutung entwickeln, insofern sowohl die stellung, bewegung vor anderem, aussonderung zur spitze, zum vortritt u. s. w. wie auch das zeitliche vorhergehen oder vorwegnehmen mit der vorstellung eines vorzugs verbunden sein kann; so nimmt v. den sinn von vor allem, vor andern an:
daz si zer besten ist vorûz gezalt
minnes. 1, 19ᵃ H.;
Hester, nun schenck ich dir vorausz
Hamon, der Juden feindes, hausz
H. Sachs w. 1, 128 K.;
das berümt herlich zeughaus,
ein klainot diser stat voraus
Fischart glückh. schiff 890 ndr.;
und was man liebt voraus,
das musz um so viel eh aus unsrer welt hinaus
Fleming ged. 1, 52 L.;
weil vorausz (vor allen andern) ich noch bey dir
trewlich halte für und für
Königsb. dichterkr. 54 ndr.;
verflucht voraus die hohe meinung,
womit der geist sich selbst umfängt
Göthe Faust 1591;
(man soll) den willen des gemütes vorusz (potissimum) ansehen Steinhöwel Äsop 49 lit. ver.; nun ist disz vorausz ein grosze sünd (iam id peccatum primum magnum Adelphi 687) Boltz Terenz (1539) 102ᵃ; deren sprache ist v. die ärmste, die älteste, die ursprünglichste gewesen Herder w. 5, 72 S.; v. war es nötig, an ort und stelle ... nachzugehen G. Keller w. 6, 91. — so entwickelt sich die allgemeine bedeutung von besonders: vorausz, praesertim Maaler 474ᶜ; vorausz, vorab, fürnemlich, praesertim Calepinus dict. XI ling. (1598) 1140ᵃ; Stieler 69; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1642; schweiz. idiot. 1, 556; Lexer kärnt. wb. 12; vor dem adj. und adv.: (wenn jemand) den obersten etwas schmachait oder unrechts zuofüget vorusz ungefarlich Steinhöwel Äsop 102 lit. ver.; die ee ist ein fürus kostbarlich ding Zwingli d. schr. (1828 ff.) 1, 46;
das du vorus wol wüssen sott,
so er doch din statthalter ist
N. Manuel 87, 1491 Bächtold;
weil ihr, o edler Rist, vorausz beflissen seid
zu retten durch die kunst der sprachen zierligkeit
Rist d. friedew. Teutschland (1648) 39;
wenn mir die freude ja einmal den kopf verrückt,
ist ihr geburtstag wohl voraus darzu geschickt
J. E. Schlegel w. 3, 529.
vor dem subst.: etlich burger fiengent gemelich an ze bawen und vorausz die edeln d. städtechron. 3, 88 (Nürnberg); darnach schenden sie die andern metallen gar hefftig und lästerlich, vorausz aber das eysen Agricola bergw.-buch (1621) 8; weil dieses gestirne ... die thiere und v. den menschen tiefsinnig machet Lohenstein Arminius 1 (1689), 570ᵃ; die ältesten (lieder) darunter sind es (von einem verfasser), v. die mit geschichtlichen anspielungen J. Grimm kl. schr. 3, 44;
vorûz der nahtegalen sanc
minnes. 1, 26ᵃ H.;
dasz die weiber sind alle wunderlich,
vorausz die alten weiber sunderlich
H. Sachs w. 21, 24 G.;
bist zeuge meines thuns, vor aus der edlen kunst,
die mir zuerste hat erworben deine gunst
Fleming ged. 1, 179 L.;
voraus das jubeljahr
soll ursach han gegeben
zu unfriedlichen leben
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 48.
vor verbindungen mit präpositionen: das reisen ist beschwerlich, v. in der sommerhitze Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1217ᵇ; s. auch bevoraus th. 1, sp. 1760; v. und vorab verbunden:
vorusz und ab mit der wyszheit
Bächtold schweiz. schauspiele d. 16. jh. 3, 124.
besonders oft vor einem abhängigen satz: v., wenn Albrecht Leipz. ma. 232ᵃ; ich glaub disem galgentrager nichtz, vorusz so er sich bekennt dynen knecht Terenz deutsch (1499) 75ᵇ; v. wo es die not erfoddert Luther w. 15, 133 W.; vorausz da kalte flüsz innen sind Gäbelkower artzneyb. (1595) 386; ja! v. wenn es krieg ist Stephanie d. j. lustspiele (1771) 41;
vorausz wo man raiszt uber feldt
H. Sachs w. 6, 366 K.;
voraus, weil der sehr übel steht,
dem alles nur nach wunsch ergeht
Königsb. dichterkr. 221 ndr.
voraus wer seinen stein musz stets am golde streichen
Besser schr. (1732) 1, 64;
der gebrauch im sinne von besonders wird von Adelung als veraltet bezeichnet.mit zu verbunden (s. auch unter 4): fürtreffende und zuͦvorausz geistliche schätz Nas d. antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 5, 119ᵃ;
die jugendt zuvorausz taug unter beyder (Venus und Mars) fahn
Opitz poemata 70 ndr.
voraus getrennt, wobei dann vor mit einem dativ verbunden wird: muszt ich mich vor allen aus beeifern Pestalozzi in zeitschr. f. d. wortf. 12, 64;
er hat vielleicht den ort vor andern aus geehrt
Grob dicht. versuchgabe (1678) 43;
ebenso für aus:
du bist für andern aus ein teutschgesinntes blut
85;
für mit accus.: ein besonderes urtheil für andere ausz, praerogativa Calepinus dict. XI ling. (1598) 1138ᵇ.
4)
substantiviert in den wendungen im, zum v., wobei jetzt der ton durchaus auf der ersten silbe liegt, früher auch mit dem ton auf der zweiten:
sie überlegen zum voraus
die lange reih der frohen stunden
Stoppe Parnasz (1735) 362;
o freuet euch doch zum voraus
Gottsched ged. 1 (1751) 103;
ich liebte dich, und fühle zum vorausz
mein herz bewegt
Schiller Phädra 4, 3;
ablasz im voraus
für alle (schulden), die wir noch begehen werden
Maria Stuart 3, 6;
wisz im voraus, dasz ich dir mehr verhehle
Müllner könig Yngurd 1, 3.
die beiden verbindungen werden in zeitlichem sinne gebraucht, meist mit der betonung einer vorwegnahme; sie stehen neben verbalverbindungen mit voraus, aber nicht immer in gleicher bedeutung (zum v. sagen, voraussagen): zum v., per avanzo Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1217ᵃ; als was ihm (an einkommen) ... zum vorausz mag gedeyen Moscherosch ges. 2 (1650), 81; hr. Scheinklug hat sich aber zum v. bedungen Gottsched d. schaub. 5, 318; betrauerte in ihm zum v. sein eignes schicksal Herder w. 22, 78 S.; des schon zum v. verurtheilten Lysias Wieland Agathon 1 (1766), 336; welches ich zum voraus alles genehmige Göthe br. 8, 15 W.; (für uns ungewöhnlich statt voraussehen:) und doch sehe ich zum v., dasz ich wünschen werde anzukommen, wenn ich weggehe 8, 48; einen freundlichen grus und alles liebes und gutes zum v. Hippel lebensl. (1778 ff.) 2, 277; frasz derweil des hasen herz und leber zum v. auf Brentano schr. (1852 ff.) 5, 460;
(weiber,) die wir Achaier aus jeder
überwundenen stadt dir immer zum voraus verehren
(ἅς τοι Ἀχαιοὶ πρωτίστω δίδομεν B 228)
Bürger w. 197ᵃ B.
s. voraus haben, setzen. — in älterer sprache auch zu voraus in diesem zeitlichen sinne:
wer willkom komen will zuͦ hausz,
kauf seim weib disz buͦch zuͦ vorausz
Fischart flöhhatz, titel, ndr.
im v.: ich bin seiner umkehr so gewisz, dasz ich ihn schon im v. darum liebe Lessing w. 2, 69 M.; er (ein sterbender) freut sich, befreiet zu werden, fühlt seinen erlöser im v. Herder w. 16, 189 S.; (gewinnsüchtige) berechnen schon im v. die summe des reinen erwerbs Göthe w. 25, 233 W.; leiden im v. zu ahnen Bettine die Günderode (1840) 1, 137; wenn ich sie anrede, weisz ich schon im v., was sie mir antworten werden Eichendorff w. (1864) 2, 80; er hatte dieselbe (die ausstattung), als kühn entworfenen lebensrahmen, im v. angeschafft G. Keller w. 5, 66;
(ich bereite dir) im voraus, mit bedacht, schon einen eignen thron
König ged. (1746) 163;
macht der süsze nam Hesperien
euch im voraus trunken all?
Rückert w. (1867 ff.) 1, 182.
vereinzeltes: dein brief scheint mich in v. zu wiederlegen Caroline 1, 15 Waitz; s. Campe unter vorausbedenken.
5)
besondere substantivische anwendungen.
a)
voraus, m., antheil, den jemand vor andern erhält, in verschiedener anwendung; bei der löhnung von arbeitern Lexer 3, 483; besonders aber bei der theilung des erbes: den v. bekommen, praelegatum percipere, prioritatem habere, primas ferre Stieler 69; Adelung; Campe; bei Campe als veraltet; als m. wird das wort im bürgerlichen gesetzbuche verwendet; neben dieser eingeschränkten bedeutung eines aus der erbmasse vorweg genommenen erbtheils kann der v. natürlich auch in freierem sinne gebraucht werden, vgl. noch Schmeller-Frommann 1, 847; Fischer schwäb. wb. 2, 1642; schweiz. idiot. 1, 556; er wolt ir all darzuͦ gestifteten dörfer zuͦ einem vorausz inhendig machen S. Franck chron. Germ. (1538) 97ᵇ; disz stück ackers ... machet der altvater Jacob seinem ... son im testament zum vorausz Mathesius Sarepta (1571) 170ᵃ; nur dasz du ihren mütterlichen v. nicht herausgeben dörftest Grimmelshausen 3, 364 Keller; bei der berechnung des pflichtteils der eltern des erblassers bleibt der dem überlebenden ehegatten gebührende v. auszer ansatz bürg. gesetzb. § 2311; es musz als falsch bezeichnet werden, wenn in diesem sinne das wort als n. gebraucht wird: das v. des grunderben beträgt 15 oder 40% des schuldenfreien wertes der stelle handwb. d. staatswiss. ² 4, 1222; ein gewisses v. (dem überlebenden manne) rechtsaltert.⁴ 2, 111. — beuteverteilung:
ihre waffen nemen hin
zu deinem vorausz und gewin
Spreng Ilias (1610) 146ᵇ.
anderseits auch von einer vorweg zu bezahlenden steuer: das dy ganz gemaine geistlikait soll bürgerliche pürde alle mitleiden, sonderlig den foraus, steuer, ungelt gemainer stat tragen helfen d. städtechron. 15, 63 (Regensburg), vgl. Schmeller-Frommann a. a. o.
b)
andere verwendungen des m.; vorsprung: wiewol der fürst im nachrennet, hatte er doch den vorausz und mocht ihn niemandt ereilen Kirchhof milit. disc. (1620) 220; im sinne von vorzug, vortritt u. ä. öfters bei Geiler v. Keisersberg; Schmidt hist. w. d. elsässischen ma. 409ᵃ; das gebet hat ain vorausz und übertreffen über alle andern werck Geiler v. Keisersberg pater noster c 3;
beim nechsten tantz (vermerck mich eben)
da wirt man dir eyn vorausz (oder n.?) geben
mit deiner auszerwelten zart
Wickram w. 4, 56 B.;
im schwäbischen wird der weibliche busen der v. genannt Fischer 2, 1643; mütterlicher v., pudenda muliebria ibid.
6)
besondere wendungen mit dem n. in übertragenem sinne: ein theil Deutschlandes hatte sich vor dem andern mit unleugbaren vorschritten ein groszes v. gegeben; der andre theil eifert ihm nach Herder w. 17, 25 S.; sich ein v. nehmen, sich einen vorzug anmaszen Campe.
vorauslein n.
eine speise, die vornehme gäste vor den andern voraushaben, s. Schmidt a. a. o.
7)
v. bildet mit verben eine unerschöpfliche fülle von lösbaren verbindungen, aus der hier nur eine auswahl gegeben werden kann, vgl. die zusammenstellung bei Campe, besonders unter vorausgehen. der räumliche oder zeitliche sinn von v. ist in den meisten fällen deutlich und die bedeutung der zusammensetzung ergiebt sich ohne weiteres aus der verbindung der beiden wörter; bei einigen zusammensetzungen aber entstehen durch fortbildung neue bedeutungen. v. im räumlichen sinne kann wie voran mit zahllosen verben, die ein element der bewegung enthalten, sich verbinden, auf den unterschied der beiden adv., der hierbei hervortritt, ist bereits unter 1 hingewiesen.
vorausahnen
vieles ahnete er v. Herder w. 23, 482 S.; man kann eigentlich nicht sagen, warum man unglück v. ahndet Tieck schr. (1828) 5, 44; dies vorausgeahnte benehmen G. Keller w. 1, 143. —
vorausarbeiten
gewöhnlicher vorarbeiten: (ich hätte gewünscht,) ein genialer tonkünstler möchte mir v. arbeiten Tieck schr. (1828) 4, 18. —
vorausbedenken
ihre alles vorausbedenkende gesetzgeberische weisheit Treitschke d. gesch. 1, 78; vorausbedacht (d. h. wenn vorher überlegt ist), dasz die wirkung des kernes schon eine harmonische, poetische sein musz O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 262; in anderem sinne von bedenken: ihn in voraus bedenken, ihm voraus etwas vermachen Campe.
vorausbedingen
praefinire Stieler 320; preconditionare Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 232ᵇ; bei dem gegen vorausbedungene gage arbeitenden schauspieler Grabbe w. 4, 189 Bl.; sich dies und jenes v. Campe.
vorausbegaben
so musz der reich und fürnemest mit befelch und ampt vorausz (vor andern) begabet werden Fronsperger kriegsb. (1573 ff.) 1, 168ᵃ. —
vorausbegehren
geld v., chiedere danari ... per avanzo Kramer teutschital. dict. 1 (1700), 71ᵃ. —
vorausbehalten
(stets beflissen,) in eroberung gewaltiger stät inen die könstlichst gemalte tafeln zu ainer ausbeut vorauszubehalten Fischart dicht. 2, 281 Kurz;
und deine zunge pries ihr lob so meisterlich,
so edel, so belebt, dasz jener schmuck der alten,
der Römer Plinius, nicht viel voraus behalten
Gottsched ged. (1751) 1, 385.
vorausbekennen
doch bekenne ich v., dasz der ausdruck ... sehr auffallend ist Ayrenhoff w. (1814) 5, 130. —
vorausbemerken
im sinne des erwähnens: wie schon oben vorausbemerkt D. Fr. Strausz schr. 6, 61; erkennen:
recht selten läszt der titel vor den werken
des inhalts barbarey voraus bemerken
Ayrenhoff w. (1814) 5, 105.
vorausberathen
doch zum vorausberathen taug ich nicht
Eichendorff w. (1864) 4, 332.
vorausberechnen
die erste vorausberechnete wiederkehr des Bielaschen cometen Humboldt kosmos (1845) 3, 584. —
vorausbereden
auf längerem vorausbereden, mein verehrter freund, ruht kein segen Göthe br. 37, 228 W.
vorausbestellen
in den verschiedenen bedeutungen des verbums: da alles durch laufzettel bis auf die minute vorausbestellt war Eichendorff w. (1864) 3, 45. —
vorausbestimmen
in den verschiedenen bedeutungen des verbums: dasz sie den entfernten todestag mit zimlicher zuverlässigkeit v. bestimmen konnte Schiller räuber 2, 1;
ihm (dem menschen) ist der gang der planeten und ihrer trabanten nicht fremde,
er bestimmt ihn voraus und irrt nicht
Giseke poet. w. (1767) 41;
ja ich bin
voraus bestimmt zum laster
Lenz ged. 141 Weinhold.
festsetzung: (wenn) an vorausbestimmter stelle richtig eingeschwenkt wurde Fontane w. I 1, 284. —
vorausbeten vb.
ach gott, gedenck einmahl der noth,
vor die ich als ein knabe
vorausgebethet habe
Günther werke 2, 175 Krämer.
vorausbezahlen
er hatte auf mehr als ein jahr vorausbezahlt Lessing w. 2, 282 M.; ja! ja! ich bin vorausbezahlt, ich habe gelebt Hölderlin dicht. 2, 119 L.; vorausbezahlt ist übel bedient Fischer schwäb. wb. 2, 1642. —
vorausbiegen
dasz der mann sich auf das vorausgebogene rechte bein stütze Möser w. (1842 ff.) 5, 34; v. hier im sinne von nach vorn, s. unter 1. —
vorausbleiben
abstand gegen nachfolgende halten: und sie blieben ihm immer eine strecke v. Eichendorff w. (1864) 2, 129. —
vorausblicken
in die zukunft sehen Campe; vgl. vorausblick. —
vorausbrechen
(kerl,) der zu pferde ... vorausgebrochen (durchgegangen, geflüchtet) war Jean Paul w. 7/10, 239 H.
vorausbringen
das v. und das von hinten anfassen der pique Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 250; v. im sinne von nach vorn, s. unter 1. —
vorausdenken
absolut: der vorausdenkende staatsmann Ranke s. w. 7, 40;
warum dacht ich nicht
auf diesen fall voraus
Göthe w. 10, 69 W.;
mit dem accus.: vieles (musz) erst vorausgedacht werden, ehe man soweit gelangen kann Abbt w. (1768 ff.) 1, 25; so hatte ich die eigenheit, niemals weder eine nächst zu erwartende person, noch eine irgend zu betretende stelle vorauszudenken Göthe w. 33, 186 W.; mit einem zu v. gehörenden dativ, in gedanken eins vor das andere setzen: jedem zustande einen anderen zustand, jedem sein ein anderes sein vorauszudenken Fichte w. (1845 ff.) 2, 174. —
vorausdeuten
zwey namen, die vorausdeuten, was man zu erwarten hat allg. d. bibl. 56, 121. —
vorausdingen
vorher ausmachen: vorauszdingen, vorgehalten, praefinire Maaler 474ᶜ; preconditionare Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 232ᵇ; Fischer schwäb. wb. 2, 1642 (unter voraus); vgl. -bedingen. —
vorausdrängen refl.
beflügelt drängt sich phantasie voraus
Göthe w. 10, 291 W.
vorausdringen
allein nachteilige gerüchte ... wären schon vorausgedrungen G. Keller w. 2, 251. —
vorauseilen
in eigentlicher und in neuerer zeit besonders oft in freier und übertragener anwendung: ich war zu weit v. geeilt; ich ward verwundet, und — gefangen Lessing w. 2, 358 M.; sie eilte v., und ich folgte ihr langsam Göthe w. 25, 241 W.; die seele war vorausgeeilt und hatte die irdischen glieder verlassen Hölderlin dicht. 2, 125 L; von dem schon ein lamentabler brief vorausgeeilt war Kerner bilderb. (1849) 100; ich eile ... schon mit den gedanken v., und dann ist es schlecht, briefe zu schreiben Moltke ges. schr. (1892) 4, 239; in der form vorauseilender ahnung Vischer ästhetik (1846 ff.) 1, 175;
du bist so weit
vorausgeeilt, dasz dich der schnellste flug
der dankbarkeit nicht mehr erreichen kann
(thou art so far before)
Schiller Macbeth 1, 8.
mit dem dat.: der von Sax aber eilte ... der schar v. G. Keller w. 6, 140; er ist seiner zeit weit vorausgeeilt (an denkart, auffassung, anders unten); sein schlechter ruf eilte ihm v. u. ä.; ja wahrlich, mehr wie ich dir sagen kann, eilt meine freude schon der zeit v. Caroline 2, 50 W.; weibergedanken eilen immer ihren handlungen v. (a woman's thought runs before her actions) Shakespeare wie es euch gefällt 4, 1; (männer,) deren geist dem glauben und den vorurtheilen ihrer zeiten vorausgeeilt ist Hegel w. 19, 1, 20; die empfindung des volkes, wie so oft, war den entschlüssen seiner machthaber weit vorausgeeilt Fontane w. I 1, 488;
schnell, wie die schwünge des blitzes, indem er dem auge vorauseilt
Klopstock Messias 13, 836;
vorausgeeilt schon war uns sein befehl
Schiller Turandot 1, 1.
vorausempfangen
ursache, warum das publikum die tragödie dom Karlos in bruchstücken v. empfängt Schiller schr. 5, 1, 1 G.
vorausempfinden
ahnen (die zukunft dunkel vorausempfinden) Herder w. 16, 378 S.; insofern sie das entsetzliche vorausempfand O. Ludwig schr. (1891 ff.) 3, 245;
freuden, in denen des grabes
erbe die künftige wonne vorausempfindet
Klopstock Messias 17, 203.
vorauserblicken
vorauserblickend alles was man wünscht und hofft
Göthe w. 13, 1, 35 W.
vorauserfahren
muszt du ... v. erfahren, dasz du auf ätolischem grund und boden seiest Göthe w. 49, 1, 117 W.
vorausergreifen
leidenschaftliches v. Göthe w. 27, 276 W.
vorauserhalten
den gehalt auf ein vierteljahr v. Campe.
vorauserheben
v. der gelder Göthe w. 20, 51 W.
vorauserkennen
die erfahrung hat aber gelehrt, die windstösze v. zu erkennen Ritter erdk. (1817 ff.) 3, 93. —
vorauserkühnen
sich, prae aliis plurima sibi permittere in aliquem Stieler 1047. —
vorauserstatten
den preis v. —
vorauserwählen
vorusz irwelen, preeligere Diefenbach gloss. 453ᵇ. —
vorauserwarten
wer konnte das nicht v. (lieber jetzt im v.) erwarten Heyne lobschrift auf Winckelmann (1778) 14. —
vorauserzählen
habe ich diese geschichte nicht v. erzählt? Göthe w. 8, 186 W.
vorausfahren
ich will v., io voglio passar avanti Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 324ᶜ; der wagen fuhr langsam über das feld v. Freytag w. (1886 ff.) 5, 29; in einiger entfernung fuhr ein zweiter wagen mit einer musik v. G. Keller w. (1889 ff.) 6, 246; freier:
da, fahr voraus zur hölle!
Eichendorff w. (1864) 4, 438.
vorausfinden
nach den vorausgefundenen leitfäden Herder w. 32, 84 S.
vorausfliegen
die schwalben kamen vorausgeflogen Bettine d. Günderode (1840) 1, 288; die kühle, der morgenröthe vorausfliegende luft Eichendorff w. (1864) 2, 9; schneller als sein schiff flog seine phantasie der zeit v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 274; gewagt: Johannas augen waren es, die heiter, glänzend, freudig vorausflogen, um die schönheit des tages vorweg zu genieszen Stifter w. (1901 ff.) 1, 235. —
vorausfliehen, vorausflüchten
Campe:
aber ich flohe voraus
Voss Od. 3, 165 Bernays;
der wahn war dem leben vorausgeflüchtet François d. letzte Reckenburgerin (1871) 2, 211. —
vorausfreuen sich
da er sich nicht mehr vorauszufreuen vermochte Jean Paul w. 1, 381 H.
vorausfühlen
das unglück, welches sie über diese unschuldige gebracht hatten, vorauszufühlen Lessing w. 13, 425 M.;
fühlt er alles voraus,
was ihm für seligkeit
entgegen keimte
Göthe w. 4, 189 W.
vorausführen
ihn (den fahnenwagen) in den schlachten vorauszuführen rechtsalterthümer⁴ 1, 366; dichtergefühl, mit kritischem scharfsinn vereinigt, müszte ihn weit vor andern v. Voss antisymb. 2, 45;
doch unbesonnen hatte sie der muth
vorausgeführt den andern
Schiller Wallensteins tod 4, 10.
vorausgeben
anticipando dare Stieler 653; einem das geld v. Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 467ᵃ;
wenn man dreyer monden sold,
ihnen voraus geben wolt
Reinicke fuchs (1650) 172;
in freierer und übertragener anwendung: lieber gott, wenn man sich die materie einmal vorausgiebt (von vornherein als gegeben annimmt), so hat man ein leichtes spiel Caroline 2, 20 Waitz; jemandem nichts v., ihm keinen vorzug zugestehen: (sie) wolten den weltlichen (regenten) in keinem dinge etwas v. geben Arnold unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1699) 165ᵃ; seltener positiv: ferner was längere erfahrung ihr wirklich vorausgiebt Caroline 1, 342 W.; diese wendung stammt wohl von dem gebrauch beim spiel, wo allerdings jetzt vorgeben verwendet wird: 'z. b. beim balltafelspiel (billard) ... eine gewisse anzahl treffer gleich zu anfange des spieles gewonnen geben' Campe.
vorausgedenken
du formtest frauen, keineswegs verführerisch
... den mann vorausgedenkend, sie zur dienerin
Göthe w. 50, 325 W.
vorausgehen
vgl.fürausgehen, -gohn th. 4, 1, 1, sp. 656; im eigentlichen sinne, räumlich: eine jede bataillon hat alsdenn seine grenadiers, welche v. gehen v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 167; ich ging v., und die zwei glasmaler folgten G. Keller ges. w. 2, 239;
der herr geht immer voraus vor allen
Göthe w. 16, 118 W.;
ihr geht
voraus, und eh ich komme, seid ihr da
Hölderlin dicht. 2, 283 Litzmann.
gehen in freierer anwendung: die vorausgegangene generals griefen bey ihrer ankunft die Gothen hitzig an M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 1, 134; das geschütz vorausgehen zu lassen Ranke s. w. (1867 ff.) 3, 82; es waren kisten und kasten unseres weges vorausgegangen Stifter w. (1901 ff.) 2, 149. — von der räumlichen anschauung ausgehend in reicher übertragener anwendung, zeitliche vorstellung kann sich damit verbinden, oder auch für sich allein betont werden: Medusa gehe v. (in der behandlung) Herder w. 3, 57 S.; als Hume in Paris erwartet wurde, ging ihm sein name v. Sturz schr. (1779 ff.) 1, 115; Cöln war vorausgegangen (mit einem diplomatischen schritte) Göthe br. 8, 138 W.; Deutschland geht einen langsamen aber sicheren gang vor den übrigen europäischen ländern v. Novalis schr. 2, 38 Minor; der kleine Otto in der Schuld ist hier mit seinem beispiele vorausgegangen Börne schr. (1829 ff.) 2, 154 (jetzt: vorangehen); es wäre ihm wohl lieber, wenn ich v. ginge (den anfang mit einer erzählung mache) Steub wand. im bayer. gebirge (1862) 17;
denn überall vorausgeht die erfahrung,
und die erklärung immer hinterdrein
Rückert w. (1867 ff.) 10, 319.
im schriftthum zurückweisend: die einleitung, welche der übersetzer seiner arbeit v. läszt Göthe w. 41, 2, 345 W.; jene erkundigung, auf die im vorausgehenden nicht einmal angespielt wurde J. Grimm Reinhart fuchs lxv; kommen die vorschriften der vorausgegangenen titel zur anwendung handelsgesetzgb. § 294. — die zeitliche anschauung schärfer hervortretend: dieser theil der geschichte, der aller überlieferung vorausgeht Humboldt br. an Welcker 47; nach allem was vorausgegangen Ranke w. (1867 ff.) 1, 167; dem reichstage gingen die versammlungen in den ... landtagen sechs wochen v. Moltke schr. (1892) 2, 73; wie in der vorausgegangenen epoche Wimmer gesch. d. deutschen bodens (1905) 56. — der sterbende geht den lebenden v., das wort kann dabei prägnant gebraucht werden: doch ihr armen, ich gehe nicht lange v. Gerstenberg Ugolino 258 d. nat. lit.; den vorausgegangenen erlösten näher Lavater verm. schr. (1774 ff.) 2, 164; so dasz ihm sogar sein liebes weiblein ... in die ewigkeit vorausging Stifter w. (1901 ff.) 3, 119;
sie ist die müdeste, sie geht voraus,
wir kommen nach in unsers vaters haus
Tieck schr. (1828 ff.) 2, 261.
s. vor-ausgehen unter 9. —
vorausgenieszen
anticipare Frisch 2, 407ᵃ; vorausgenossene seligkeit Herder w. 9, 215 S.; alle belohnungen im geiste vorausgenieszen Klinger w. (1809 ff.) 3, 72. —
vorausgestalten
organisierend und vorausgestaltend Fichte w. (1845 ff.) 7, xx.
vorausgestehen
ich wills dem leser nur aufrichtig v. Jean Paul w. 1, 262 H.
vorausgreifen
ein bloszes wahngebilde der vorausgreifenden furcht O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 39. —
voraushaben
bezeichnet Campe als 'ein niedriges, aber deshalb noch nicht verwerfliches' wort.
lânt mich daz ros vorûz hân (aus der beute)
Ulrich v. Zatzikhoven Lanzel. 2898;
er will das geld v. haben, vor der eigentlichen zeit; er hat zehn monate v., ist um so viel älter; auf das räumliche bezogen: er hat schon eine tagereise vor ihnen v. Campe; sie machten ihn alle schritt zurückmessen, die er v. hatte Lenz schr. 3, 95 Tieck; der domherr, welcher immer einige schritte vorausgehabt hatte, stand plötzlich still Immermann w. 6, 29 B.; leicht stellt sich dabei die vorstellung des vortheils ein, so besonders beim spiel: er hat fünfzehn bälle voraus (beim billard); anders, zur bezeichnung des gewinnes: dasz Laertes in zwölf stöszen von beiden seiten nicht über drey vor euch voraushaben soll (he shall not exceed you three hits) Shakespeare Hamlet 5, 2. — am häufigsten mit bestimmtem oder unbestimmtem object zur bezeichnung, dasz jemand einen vortheil oder vorzug hat, der andern mangelt: er will etwas voraushaben Campe; kein feind hätte den Deutschen noch was abgejagt, wenn sie nicht ihre zwytracht zum vortheil v. gehabt Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2, 415ᵇ; du (gott) hast vor allen das v., dasz du die sehnsucht nach dir in mir selbst erschaffen hast Herder w. 15, 319 S.; was hätte er dann noch für seinem mädchen v.? Schiller kab. u. liebe 1, 3; unser stolz auf den reicheren grund von phantasie und geist, den wir v. haben Laube schr. (1875 ff.) 4, 162;
die für wâr bî mîner zît
an prîse vor ûz hânt den strît
Wolfram v. Eschenbach Parz. 645, 26;
wer ist der edlere mann in jedem stande? der stets sich
neiget zum gleichgewicht, was er auch habe voraus
Göthe w. 1, 355 W.;
das regiment hat was voraus
Schiller Wallenst. lager 11;
das hat der alte voraus vor dem jungen,
dasz er im heut zugleich das gestern lebt
Geibel w. 3, 194 Cotta.
auch von unpersönlichem: so viel die ode vor der elegie an schwunge v. hat Herder w. 20, 352 S.; das hat die eislust vor allen andern körperlichen bewegungen v., dasz die anstrengung nicht erhitzt und die dauer nicht ermüdet Göthe w. 24, 331 W.; die zwerg- und hühnensagen haben einen gewissen heidnischen anstrich v. J. Grimm kl. schr. 8, 15. — ungewöhnlich ohne object: in diesen gesichtspuncten hat unsere sprache vor der französischen v. Herder w. 1, 197 S.in älterer sprache auch zum v. statt v.: was hätten denn diejenigen, mit denen ich am vertrautesten umgehe, zum v. Schwabe belust. 1, 29; das ... hat ein taglöhner vor mir zum v. Hippel lebensl. (1778 ff.) 1, 171. —
voraushalten
bei schnell sich bewegenden zielen etwas vor dem ziel halten und abkommen.
voraushauen
doch liesz er ... den bohten mit dem königlichen schreiben v. hauen, damit er auf oft gewechselten pferden geschwinde zu Ekbatassa anlangen möchte Bucholtz Herkuliskus (1665) 347; dieser gebrauch stammt vom einhauen der sporen, s.hauen 13 th. 4, 2, sp. 580. —
vorausheben
dann hub sich der adler im langsamen feierlichen zuge v. Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 2, 244. —
voraushetzen
vergeblich suchte er und der junge schneider den vorausgehetzten seelenhirten zu erlangen Jean Paul w. 7/10, 389 H.
voraushoffen
da ich v. konnte, dasz Göthe br. 22, 257 W.
vorausholen
hat also das nichts, das vor der schöpfung war, schon als etwas vorgestellet und damit die schöpfung vor der schöpfung vorausgehohlet Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 165. —
voraushüpfen
mit kindschem jubel hüpft
Askan voraus
Schiller schr. 6, 391 G.
vorausjagen
gewöhnlich intransitiv: der ist schon eine halbe stunde v. gejagt maler Müller w. (1811) 3, 8; liesz den herzog mit seiner gemahlin vorausjagen Heinse w. 6, 109 Sch.
vorauskennen
(der fuchs) kennet schon viele kunstgriffe v., und sucht ihnen zu entweichen Herder w. 5, 97 S.; ich taugte schlecht zum mönche und hatte den wuchs meiner natur ... nicht vorausgekannt C. F. Meyer d. heilige (1891) 20. —
vorauskeuchen
Campe.
vorauskiesen
preeligere v. kysen vgl.erwelen Diefenbach gloss. 453ᵇ. —
vorausklettern
kletterte munter v. Eichendorff w. (1864) 3, 271. —
vorauskommen
vorsprung gewinnen: so kämen sie ihnen noch vor tagesanbruch ein gut stück v. Eichendorff a. a. o. 3, 393. —
vorauslassen
im eigentlichen sinne, wobei ein verbum der bewegung hinzuzudenken ist Campe; übertragen, jetzt ungewöhnlich, einen vortheil, vorzug einräumen: jenen närrischen stolz ..., der kaisern, königen, herzogen und fürsten nichts vorauslassen wollte J. G. Müller Siegfried v. Lindenberg (1784) 48;
drum ist er auch des andern spiegel,
und dieser läszt ihm nichts voraus
Kretschmann w. (1784 ff.) 2, 253.
vorauslaufen
vgl.fürauslaufen th. 4, 1, 1, sp. 657; vorauslauffen, praecursu exire Schottel haubtspr. (1663) 165; Stieler 1087; im eigentlichen sinne: (ich) lief ... ungeduldig der langsam schreitenden gesellschaft v. Göthe w. 25, 47; seht ihr jene vorausgelaufenen Franzosenhunde? Grabbe w. 3, 165 Bl.;
mir schien, es lief
uns Tyche schon, die schnelle, leicht voraus
Göthe w. 10, 99 W.
in freier anwendung: man findet die erwartung getäuscht, mit welcher man der rede vorauslief Engel schr. (1801 ff.) 8, 233; wie es (das volk) gehorchte, ja wie es dem königlichen befehl vorauslief Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 335;
verliebte laufen stets der uhr voraus
(ever run before the clock)
Shakespeare kaufm. v. Venedig 2, 6;
ein uns vorausgelaufener,
uns an den jahren übern kopf gewachsener
Rückert w. (1867 ff.) 9, 396.
von sachen, die befördert werden: können sie noch einen brief ihrer ankunft vorauslaufen lassen Göthe br. 28, 232 W.von unpersönlichem, frei: die natur dachte man sich vorauslaufend, in allen ihren werken grosz und unerreichbar Adam Müller verm. schr. (1812) 2, 111. — im schriftthum, vgl.vorausgehen: eine vorauslaufende, ausführlichere biographie Gentz schr. 1, xlix Schlesier; mehr bildlich: wenn es (das motto) gleichsam vorausläuft, und den lesern zuruft, da hinten kommt ein herr, der will euch etwas erzählen Börne schr. (1829 ff.) 4, 31. —
vorausleben
ein vorgenusz, ein v. der höchsten art Nietzsche w. 1, 559; in anderem sinne fürausleben th. 4, 1, 1, sp. 657. —
vorauslesen
sie konnte ... ihre ganze bekehrungsgeschichte wie ein wohlgeschriebenes gedicht, vers vor vers, inwendig vorauslesen Eichendorff w. (1864) 2, 217. —
vorausleuchten
es leuchten uns sonnen v. Jean Paul w. 7/10, 194 H.
vorausliegen
häufig in neuerer sprache in zeitlichem sinne: reste uralter novellenpoesie, welche selbst der mythenbildung vorausliegt Scherer kl. schr. 1, 38. —
vorausliefern
vor der bestimmten oder gewöhnlichen zeit Campe.
vorauslocken
Campe; wir kehren zurück von diesen ufern, wohin eine anziehende frauengestalt uns vorausgelockt hat D. Fr. Strausz w. 11, 24. —
vorausmachen
er hatte für alle fälle eine predigt vorausgemacht; refl. in der umgangssprache, vorausgehen, -reisen u. ä.: er hatte sich heimlich vorausgemacht; bei Maaler für v. vermachen: ein erb vorauszmachen, prœlegare 474ᶜ. —
vorausmarschieren
marciar avanti Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 28ᵇ; alles ... das lag in diesem einen vorausmarschierenden mann Fontane w. I 1, 419. —
vorausmelden
ich schreibe dir dieses, um dir v. zu melden, dasz Lessing w. 18, 127 M.
vorausmerken
wir elfenfrauen merken bisweilen v., was sich ereignen wird Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 3, 98. —
vorausnehmen
'vor der bestimmten oder gehörigen zeit, oder ehe die reihe daran kömmt' Campe; mit gegenständlichem object: ich habe meinen gehalt auf jahr und tag v. müssen Lessing w. 18, 121 M.; so nimm deinen dank v. (wirft ihm einen wechsel zu) Schiller Fiesko 1, 2;
so nimm voraus, was dich vergnügen kann,
von diesen uhren, diesen dosen
Göthe w. 10, 298 W.
in freierer anwendung: ein thörichtes v. der zukunft Herder w. 16, 379 S.; (sie muszten) das leidenschaftliche ende v. mit der hingabe des lebens G. Keller w. (1889 ff.) 4, 138. — ohne beweis hinstellen: presupponere, vorausznehmen Diefenbach gloss. 458ᵃ; doch ich nehme vielleicht schon vieles v., was ich erst beweisen sollte Dusch verm. schr. (1758) 64. — in der musik: durch rückungen wird die gewöhnliche harmonie entweder vorausgenommen oder aufgehalten Ph. E. Bach art d. clavier zu spielen 2, 219. — in älterer sprache:
he sik voruth nemen dorste,
yfft he were eyn körforste (wie sich etwas heraus nehmen)
d. städtechron. 16, 121 (Braunschweig).
vorausordnen
gott habe alle bewegungen und würckungen solcher sterne vorausgeordnet Wieland w. 3, 430 ak. ausg.
vorausprophezeien
(unnötige verdeutlichung:) er, der in so vielen weiszagungen des a. t. vorausprophezeit wurde Herder w. 32, 452 S.; so dasz man freylich keine vakanz in kurzem gewisz vorausprophezeyen konnte Nicolai Seb. Nothanker (1773 ff.) 1, 158. —
vorausrechnen
hat man doch ... die natur durch experimente gezwungen, ihre schranken anzugeben, dasz man nunmehr des herzens schläge jahr lang vorausrechnet (bis zu ihrem aufhören) Schiller räuber 2, 1. —
vorausreichen
(er) reichte mir eine löhnung v. Göthe w. 43, 102 W.ungewöhnlich in räumlichem sinne, nach vorn reichen: ich reichte den bergstock v. H. v. Barth Kalkalpen (1874) 626. —
vorausreisen
viaggiare innanzi Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 317ᵇ; von einem brief: ich und mein brief sind noch hier; aber heute reist er auf vier tage vor mir v. Jean Paul w. 7/10, 189 H.
vorausreiten
cavalcare avanti Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 329ᵇ; denn des herrn doctors praeceptor war ... vorausgeritten Weise d. drey klügsten leute (1675) 113; herr Western, der eine strecke vorausgeritten war Bode gesch. d. Thomas Jones (1786 ff.) 2, 153; der weiter vorausgerittene Halfdan Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 2, 518;
und wie ich reite, so reiten
mir die gedanken voraus
Heine w. 1, 88 E.
vorausrennen
getroffen! jauchzte der förster und rannte mir v. Ebner-Eschenbach schr. (1893 ff.) 4, 417; frei, übertragen: die rede (bei Shakespeare) bellt den moment von allen seiten an, rennt v., kommt zurück, bellt wieder an O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 143;
des weibes unverstand
rennt immer vor des mannes weisem rath
voraus
Schiller Turandot 3, 6.
vorausrichten
nach vorn richten (jetzt ungewöhnlich): dasz der anschlag vorausgerichtet sey und der lauff oberwerts liege v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 245. —
vorausrücken
von einer menge, besonders von truppen: der vortrab rückte frühzeitig v. Campe.
voraussagen
wie im v., von vornherein sagen: ich sage dir jetzt v. ò vorher, damit ich dirs darnach nit sagen dörfe Kramer teutschital. dict. 2 (1702), 415ᵃ; ich will mit deinem vater reden, Julie, — aber ich sage dir v. ... ich kann dir nicht recht geben Sturm schr. (1779 ff.) 2, 192; ein buch, von dem ich ihnen aber, damit sie gegen fremde vorsichtig sind, voraussagen musz, dasz Fr. Schlegel w. (1846) 5, 216; ich will es gleich voraussagen, was ich später erfahren habe Steub drei sommer in Tirol 1, 183; dies vorausgesagt, wird für uns vor allem die frage von interesse sein kirchenmusik (1869) 25, 20; mit dem acc., im v. angeben: ich aber habe es mit dem Freyer im Raabener gemein, dasz ich meine fehler v. sage Göthe br. 1, 2 W.gewöhnlich in dem sinne, dasz die aussage etwas noch ungewisses, das in der zukunft liegt, betrifft; gelegentlich auch mit der ersten bedeutung verbunden: ob ich ihnen gleich voraussagen musz, dasz sie einander ohne zweifel lange nicht wiedersehen werden Lessing Sara Sampson 4, 6;
ich sag es dir voraus, du wirst mich nicht betrügen
Schiller Turandot 4, 10.
aussage über künftiges: nichts ist kindischer, als der laute selbstruhm: 'habe ich dies nicht vorausgesagt?' Herder w. 23, 490 S.; ich will allemal v. sagen, welches buch in Berlin gelobt oder verdammt werden wird Miller briefw. dreier ak. freunde (1778) 1, 49; sagt ichs nicht v.? noch vor acht tagen ... sagt ich, es würde schwere händel geben Göthe w. 8, 202 W.; keiner vermag mit sicherheit vorauszusagen, was er am abend seines lebens glauben werde G. Keller w. (1889 ff.) 3, 188. — mit dem acc. des objects: auf diesen winter ist wieder groszer schnee vorauszusagen Göthe w. III 12, 316 W.; der von der groszmutter vorausgesagte wind Stifter w. (1901 ff.) 5, 1, 226. — in besonderer wendung: von dem berge kam ich auf die kleine haide hinaus, welche Hieronymus vorausgesagt hatte Stifter w. 4, 1, 128. — eingeengt auf ungewöhnliches ahnungsvermögen, prophetische begabung: traurig wäre es, wenn uns Christus nicht gelten sollte, falls er nichts vorausgesagt hätte Herder w. 19, 234 S.; (priester,) die aus ihrem wiehern das künftige voraussagten M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 7; sie hatte voraussagende träume Kerner bilderb. (1849) 121. —
vorausschaffen
'sorgen, dasz etwas voraus, d. h. vor den andern an einen ort komme' Campe; Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 454ᵃ. —
vorausschätzen
wenn er den höchsten gewinn des künftig verbesserten gutes
schätzte voraus
Voss ged. (1802) 2, 58.
vorausschauen
von Campe als dichterisch ohne beleg verzeichnet; sinnlicher als -sehen; vom äuszeren sehen, nach vorn, vorwärts sehen: das bedeutsame zeichen des vorsichtigen, vorausschauenden steuermanns, das auge der prora Welcker denkmäler (1849 ff.) 3, 249. — inneres sehen: wie du vor dreiszig jahren diese dinge vorausgeschaut, angedeutet und geweissagt hast Göthe br. 23, 235 W.; schon waren von der stets weit vorausschauenden baronin zwei zimmer (für ihn) ... eingerichtet Spielhagen w. (1877 ff.) 1, 149. —
vorausschicken
praemandare Stieler 1776; Frisch 2, 407ᵇ; die zween herrn, die sie vorausgeschickt hatten Schütz hist. rer. pruss. (1592) n 2ᵇ; schickte die nacht aber alle pagage mit des Bieland regiment nach Meschede v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 266; einer von den kundschaftern, die Josua in das gelobte land vorausgeschickt maler Müller w. (1811) 1, 298; diese löffelgarde ... schickte ... einen aus ihrer mitte v. Fontane w. I 1, 418;
er schickt mich, dasz er kommt, voraus dir anzudeuten
Ayrenhoff w. (1814) 2, 172.
sachen: er hatte einen sehr verständigen brief vorausgeschickt Göthe w. 20, 28 W.freier: der sturm soll seine sturmvögel vorausschicken Vischer ästhetik (1846 ff.) 3, 1, 38;
der pfiff ist garnicht übel:
die einfalt vor der schurkerey voraus
zu schicken
Lessing Nathan 5, 5;
der frühling, eh er sonst ist eingetroffen,
pflegt seine boten doch voraus zu schicken
Rückert w. (1867 ff.) 1, 117;
(hinter der scene:) halt! ... das war vermuthlich der herr oberst — er hat seine stimme vorausgeschickt Bauernfeld schr. (1871) 5, 106, vgl.:
ich glaubt, ihr hättet eure stimme nur
vorausgeschickt
Lessing Nathan 1, 2.
besonders oft übertragen auf rede oder schriftliche darstellung bezogen: dasz ich, wenn ich eine dramatische dichtung schreiben wollte, weitläuftige abhandlungen vom mitleid und lachen vorausschicken würde Lessing w. 17, 67 M.; erlauben sie, dasz ich ihren gründen einen von meiner façon vorausschicke Kretschmann w. (1784 ff.) 3, 127; wir haben für nöthig erachtet, diese anzeige vorauszuschicken Göthe w. 41, 1, 89 W.; nachdem er einen angemessenen grusz vorausgeschickt, liesz der gesandte sich also vernehmen Moltke schr. (1892) 1, 59. — das part. prät. absolut: diesz vorausgeschickt, habe ich ihnen nun weiter nichts zu sagen Lavater verm. schr. (1774 ff.) 2, 152; diesz vorausgeschickt, fährt er fort, kann ich den ausdruck meiner besorgnisz nicht unterdrücken Bismarck ged. u. erinn. 2, 122 volksausgabe.
vorausschieben
weil die leute ... gewöhnlich ihr ich vorausschieben Klinger w. (1809 ff.) 12, 163; man sollte überhaupt die unmäszigen immer vorausschieben Hebbel w. 1, 29 W.
vorausschieszen intrans
in schneller bewegung zuvorkommen, überholen, voraneilen: eine gesellschaft von delphinen begleitete das schiff an beiden seiten des vordertheils und schossen immer v. Göthe w. 31, 35; einzelne möwen schossen wie leuchtende funken dem neblichten duft v. Gaudy w. (1844) 14, 57; der spitz, welcher von der gartenpforte an gegen das haus vorausgeschossen war Stifter w. (1901 ff.) 3, 389. von schiffen, vgl. to shoot ahead: einem andern schiff im segeln vorbeikommen Bobrik seewb. 711ᵇ. freier: die wir unsere blicke zügeln und sie nicht vor unsern gedanken vorausschieszen lassen Gutzkow w. (1872 ff.) 9, 231. — in besonderer anwendung, scharf heraustreten vor etwas: wenn man die sandreff, so v. schieszen, zu meiden weisz Olearius pers. reisebeschr. 36ᵇ. — nach Campe trans. in techn. sprache: 'das v. des vorstevens, im schiffsbaue, soviel als das ausschieszen des vorstevens'. — in älterer sprache fürausschieszen, intrans.: also dasz das wasser nit gestracks mocht furauszschieszen Knebel chronik von Kaisheim 354. —
vorausschiffen
praenavigare Stieler 1792. —
vorausschlendern
(er) schlenderte v. auf den dunklen nassen wegen G. Keller w. (1889 ff.) 1, 104. —
vorausschlieszen
vorausgeschlossene meinung Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 583ᶜ; erkenntnis a priori nannte man danach die aus der kenntnis der ursachen auf das eintreten der wirkung vorausschlieszende Windelband gesch. d. neueren philos. (1907) 1, 472. —
vorausschlürfen
die vorausschlürfende alte Spielhagen w. (1877 ff.) 15, 178. —
vorausschreiben
scrivere innanzi Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 662ᵃ; ich wollte anfangs zu ihrer apologie eine taugliche rechtfertigung des einfachen ehebruchs v. Jean Paul w. 48, 455 H.; drum will ich für morgen einige worte v. Göthe w. IV 18, 79 W.
vorausschreiten
ein tüchtiger lockhammel schreitet seiner heerde recht gravitätisch v. Vischer ästhetik (1846 ff.) 2, 147; die priorin schritt eilig ins kloster v. Eichendorff w. (1864) 3, 300;
ich bin vorausgeschritten, dasz
du zum empfange dich bereiten möchtest
Schiller Iphigenie in Aulis 2, 3.
übertragen: so schritt er auch hier der gesetzgebung aller anderen groszmächte entschlossen v. Treitschke d. gesch. 1, 43. — in älterer sprache, nach vorn schreiten (s. voran 1): schreitet darauf ohne stillhalten mit dem lincken fusz wieder einen schritt v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 251. —
vorausschwimmen
übertragen: mit vorausschwimmenden farbenflocken (vor den geblendeten augen) Jean Paul w. (1826 ff.) 7, 165. —
voraussegeln
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 734ᶜ; scherzhaft für voraus gehen: geh, alter, segle v. Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 3, 165. —
voraussehen
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 754ᵃ. das wort wird ausschlieszlich von innerem sehen, sehen im geiste gebraucht: ein v. dessen, was noch nicht ist und erst werden soll Görres schr. (1854 ff.) 1, 232. — die kühnsten voraussehenden irren sich Herder w. 18, 379 S.; (er) ist voraussehend, fein beobachtend Knigge roman meines lebens (1781) 4, 77; das werk eines mir gleichfühlenden und voraussehenden geistes G. Keller w. (1889 ff.) 1, 317;
thränen, die jetzo
weint, wer voraussieht; einst, wen das gesehene trift
Klopstock oden 2, 84 M.-P.
mit dem acc. des objects: in den verschiedenen perioden der menschheit, die ihr schöpfer voraussah Herder w. 13, 50 S.; ich sehe mein ganzes elend v. Göthe w. 8, 156 W.; ich sehe in euch schon was groszes v. Tieck schr. (1828) 3, 61; ich hätte diesen erfolg genau v. können G. Keller w. (1889 ff.) 3, 11;
wer dieses grab des lange vergötterten
Heinrichs voraussah, mag auch das künftige
des volks weissagen
Klopstock oden 2, 139 M.-P.
in dichterischem bilde: sie wich zurück vor Ullins gesang, wie der mond im westen, wenn er den regen voraussieht Göthe w. 37, 70 W.bezogen auf einen abhängigen satz oder eine wortgruppe: ich sahe es v., dasz mich die leute verleumden würden Lessing w. 2, 136 M.; wenn wir gleich nicht voraussehen, die nöthige arbeit selbst vollenden zu können Göthe w. 47, 13 W.; ich konnte es voraussehen, wie der brief dich schmerzen würde Caroline 1, 9 W.;
drum seh ich schon voraus, er wird den undank büszen
König ged. (1745) 15.
häufige wendungen; voraussehen lassen, sich v. lassen: aber ein ende und ziel liesz sich nicht v. Immermann w. 3, 47 H.; (eifersucht,) welche in kurzem den krieg v. liesz Ranke w.² 14, 109. — ist vorauszusehen: schwierigkeit, die unmöglich v. zusehen war Lessing w. 2, 119 M.; es ist leicht vorauszusehen, was für vögel aus einer solchen hecke fliegen werden Gleim briefw. 1, 314 Körte; so oft ich dieses gedicht vorlas, ereignete sich, was vorauszusehen war Göthe w. 49, 361 W. — dasz der künftige gemahl der königin ... ihn leicht unterdrücken würde, schien vorauszusehn Platen w. 3, 22 R.häufig ist wie vorauszusehen: diese ablehnung, wie vorauszusehen, war umsonst Fontane w. I 1, 131;
auf unsre linke, wie vorauszusehn,
stürzt ihre rechte
Göthe Faust 10537.
hierzu voraussehung, f.: er lebte nämlich in einer beständigen v. des todes Alverdes Reinhold (1931) 32. —
voraussein
von Campe 'als ein niedriges, aber deshalb noch nicht verwerfliches wort' bezeichnet; oft in übertragenem sinne: ihre gedanken waren ihrer feder weit v. Storm w. (1899) 1, 128; zur bezeichnung eines vorsprunges, eines besseren standes in der entwicklung, eines vorranges, vorzuges: wie es (ein mädchen) den kindern in körperlicher fertigkeit und gewandtheit v. war Stifter w. (1901) 5, 1, 338. — dagegen tadelnd: (leute,) die am schnellsten mit dem munde v. waren Gutzkow ritter v. geist (1850 ff.) 1, 156. —
voraussenden
praemittere Stieler 2009; bey dem anmarsch der compagnie ... wird der commandir-corporal v. ... gesandt v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 219; niemanden sendet er v., gleich kommt er selbst Immermann w. 2, 16 H.; was ist ein gespenst anders als ein vorausgesandter bote dieser verklärten welt? Fontane w. I 1, 306;
es sendet mich mein herr mit viel geschenken
an seinen sohn voraus
Göthe w. 11, 35 W.
sachen:
ihr habt den brief erhalten, den ich euch
durch einen eilenden vorausgesendet?
Schiller Wall. tod 4, 2.
freiere anwendung, besonders auch auf mündliche oder schriftliche mittheilung und darstellung bezogen, wo allerdings vorausschicken üblicher ist: Ulf. löst das part. προορίσας gleich der Vulg. auf, aber nicht nach ihr, die noch ein relativum qui voraussendet J. Grimm kl. schr. 5, 219; den blick vorauszusenden, den schmalen pfad entlang Holtei erz. schr. 20, 96:
des jüngsten tags vorausgesandte flammen (the premised flames of the last day)
Shakespeare könig Heinrich VI. II 5, 2;
nur eine bitte send ich dir voraus,
eh du dein herz vertrauend mir eröffnest
Jos. v. Collin Regulus (1802) 4, 8;
und was du gutes hast vorausgesandt mit beten,
tritt dir entgegen dort
Rückert w. (1867 ff.) 8, 624.
nun aber gibt er in vorausgesendeter einleitung nachricht Göthe w. 49, 251; dies im allgemeinen vorausgesandt hoffe ich J. Grimm kl. schr. 1, 147; die einleitung zu einem situationsbilde auszuweiten und als besonderes vorspiel dem drama vorauszusenden Freytag ges. w. 14, 103. —
voraussetzen
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788ᵃ; Steinbach 1, 50; Frisch 2, 407ᵃ; Adelung (unter voraus); Campe.
a)
im eigentlichen sinne. nur in älterer sprache, voraus in der bedeutung von nach vorn, vorwärts: das erste glied setzt den rechten (fusz), die übrigen drey den lincken v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 240. — wie vorausschicken, -senden, aber weit seltener als diese, von der räumlichen vorstellung eines voran gehenden und nachfolgenden übertragen auf rede und schrift: (Lessing) war nicht geschaffen, ein -ist zu seyn, welche buchstaben man auch dieser endung voraussetzen möge Herder w. 16, 494 S.; erlauben sie mir, dasz, eher ich mein billiges ansuchen zu dero füszen ausschütte, ich die benennung meiner person voraussetze Petrasch lustspiele (1765) 2, 391; unter den tiernamen, die dem wörterbuch des heiligen Gallus vorausgesetzt sind Scheffel w. (1907) 2, 217, 58. — überleitend zu der im folgenden behandelten anwendung: ich musz allem etwas absolutes vorausdenken, voraussetzen Novalis schr. 2, 180 Minor.
b)
übertragen auf ein gedachtes nacheinander, einen gedachten zusammenhang: voraus-setzen, presupporre Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 788ᵃ; praesupponere Steinbach 1, 50; präsuppositum, das vorausgesetzte Kinderling reinigk. d. d. sprache (1795) 317. — etwas voraussetzen, 'es als wahr, als möglich oder wirklich annehmen' Adelung; wie viele zeit nur (hätte dazu gehört), einen menschlichen kopf einem andern so getreu nachzumahlen, als hier vorausgesetzt wird Schiller schr. 4, 253 G.; da kam das buch in der elegantesten form von der welt, statt eines abgeschabten rockes, wie der verfasser voraussezen liesz Caroline 1, 94 W.; sie haben, wie ich v. darf, einigen sinn für die allegorie E. Th. A. Hoffmann w. 1, 62 Gr.häufige wendungen sind als bekannt v., stillschweigend v.
α)
eine falsche meinung als wahr v. Kramer teutschital. dict. 2 (1702), 788ᵃ; nichts v., sondern alles streng erweisen Campe; das wort kann sich dem sinne von annehmen, vermuten nähern, doch liegt meistens die vorstellung zu grunde, dasz das angenommene für etwas anderes von bedeutung ist, es erklärt, verständlich macht; schärfere ausbildung in dieser richtung s. unten unter β. das subject ist zunächst ein denkendes wesen oder eine kraft seines geistes: dasz dieses nicht die sache beweisen, sondern eine sache als schon bewiesen v. heiszt J. E. Schlegel w. 3, 447; doch hierüber darf ich die vertheidigung des verfassers selbst als bekannt voraus setzen Herder w. 3, 105 S.; lassen sie mich nah und fern ihren antheil immer v. Göthe IV 28, 46 W.; da man es dort schon als etwas ausgemachtes voraussetzt 27, 219; trotz ehrlicher absichten, welche ich doch bei ihnen v. musz Immermann w. 5, 207 B.; eine lateinische abfassung jenes buchs vorauszusetzen, sehe ich aber keinen grund W. Grimm heldensage (1867) 51; so setzte sein schuldbewusztsein den hasz als wirklich v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 199. — sinnliches object: diese benennungen lassen eine enge felspforte v. Moltke schr. 1, 129. — persönliches object: so bedenke man wenigstens, was er dabey für richter v. setzte Lessing w. 8, 20 M.; er gibt den stimmen viel zu arbeiten und setzt gemeiniglich meister v. Schubart ästhetik d. tonkunst 209. — eine falsche vorausgesetzte meinung Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788ᵃ; vorausgesetzter maszen Campe; vorausgesetzterweise Schopenhauer w. 4, 342 Gr. — eine blos vorausgesetzte, erdichtete eifersucht Lessing w. 10, 58 M.; der glaube an das ewige ... ist das erste vorausgesetzte in jeder ... vernunft d. museum (1812 ff.) 4, 226; auf eine person bezogen: das auge des vorausgesetzten zuschauers Vischer ästhetik (1846 ff.) 3, 1, 15. — mit abhängigem satz: er setzt v., der mensch tauge von haus aus nichts Göthe w. 42, 1, 18 W.;
was dier ziemt
zu thun, ziemt mir, erst zu vernehmen, nicht
vorauszusetzen
Lessing Nathan 4, 4;
setzet immer voraus, dasz der mensch im ganzen das beste
will, im einzelnen nur rechnet mir niemals darauf
Schiller schr. 11, 183 G.
β)
die notwendigkeit des zusammenhanges zwischen dem vorausgesetzten und einem wirklichen oder erwiesenen wird schärfer bezeichnet; 'nach einer noch weiteren figur wird etwas vorausgesetzt, wenn es dazu erforderlich ist' Adelung; vgl. unten voraussetzung: (wie) alle nachahmung ein gewisses urbild und muster voraussetzt Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 63; jedes recht setzt eine pflicht v. F. H. Jacobi w. (1812 ff.) 6, 365; gebet und gottesdienst setzen ruhe v. H. W. Riehl d. deutsche arbeit 35; nebelwetter, das doch sicherlich windstille voraussetzt Laistner nebelsagen 9.
γ)
das part. prät. wird oft, allein oder verbunden absolut gebraucht: nun diese warheiten als bekannt v. gesetzt, last uns weiter gehen Kramer teutsch-ital. dict. (1702), 788ᵃ; die gleichheit v. gesetzt, könntest du es freylich mit einigem rechte verlangen Lessing w. 2, 45 M.; den glücksfall vorausgesetzt, den die schlichten worte zu verkünden schienen, war ich doch in der lage, ihn fürchten zu müssen G. Keller w. (1889 ff.) 3, 261. — besonders häufig vorausgesetzt, dasz: vorausgesetzt, dasz diese zwey personen einander leiden können Lessing w. 2, 105 M.; vorausgesetzt, dasz der künstler fähig ist, sich zu ideen zu erheben Göthe w. 47, 14 W.; vorausgesetzt, dasz ihnen ihr fusz ein umhersteigen gestattet Fontane w. I 4, 340.
δ)
im 18. jh. wird statt voraussetzen auch zum voraus setzen gebraucht: (Homer) setzte zum v., dasz seine leser den ursprung des trojanischen krieges ... schon wissen würden Gottsched versuch einer krit. dichtk. (1751) 27, 69; (bekehrung,) die wunder der ersten kirche zum v. zu setzen scheinet Kästner schr. (1755) 1, 233. —
voraussinnen
o warum sann ich nicht auf diesen fall voraus?
Göthe w. 39, 479 W.
vorausspannen
räumlich:
und wer mit katzen ackern will,
der spanne die mäus voraus
Göthe w. 5, 126 W.
vorausspazieren
freier: hast du die vordere wackelfalte des verkürzten rocks gesehen, die immer v. spaziert, wenn sie sich bewegt Göthe w. 22, 4 W.
vorausspeisen
früher als andere, vor der üblichen zeit; übertragen:
der jude wird mich nicht verschonen,
der schafft antizipationen,
die speisen jahr um jahr voraus
Göthe Faust 4872.
voraussprechen
vorhersagen:
wie man den spricht voraus:
zwen narren in eim haus
thunt in die leng kain guet
H. Sachs w. 22, 464 G.
voraussprengen
ein eilbot sprengte
in vollem lauf voraus
Schiller Macbeth 1, 10.
vorausspringen
denn, wie ich mich geben wolte
wieder auf die hausereys,
und er voraus springen solte
Reinicke fuchs (1650) 118;
ich springe v., bring euch kundschafft Göthe w. 13, 2, 264 W.; übertragen: (hypothese, die) ihrem jahrtausend vorausspringen kann Ritter erdkunde 1, 24. —
vorausspüren
einen wetterumschlag v., doch vgl. auch vor-ausspüren unter 9. —
vorausstehen
Campe; selten; im übertragenen sinne: unserer weiblichen zeit steht sie (Angela) zu weit v. Stifter w. (1901 ff.) 1, 121; vor-ausstehen s. unter 9. —
vorausstellen
(fehlt bei Campe); freier, in bezug auf rede oder schrift: (schriftsteller,) die wir mit Hagedorn vorausstellen Gervinus gesch. d. d. dichtung (1853) 4, 23. — bei Kramer im übertragenen sinne von voraussetzen: eine warheit als bekant vorausstellen teutsch - ital. dict. 2 (1702), 962ᵃ; wurden diese grundsätze oder hypothesen als wahr angenommen, mithin ein irriges faktum vorausgestellt K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816 ff.) 1, 21. —
voraussterben
dem verwandte und freunde vorausgestorben sind J. Grimm kl. schr. 1, 195. —
vorausstoszen
eine quelle, welche zuerst trübes und nicht ganz helles (vor anderem) vorausstöszt Schwabe belustigungen (1741 ff.) 5, 238; (der) den zeiger v.- oder zurückstöszt, je nachdem er eine stunde früher oder später begehrt Jean Paul w. 7/10, 88 H.
vorausstrecken
(vgl.fürausstrecken th. 4, 1, 1, sp. 657), nach vorn, von sich weg vorwärts strecken: pretendere voruszstrecken Diefenbach gloss. 458ᵃ; er musz den kopf nicht v. strecken Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 475; die rechte schulter etwas vorausstreckend Laube schr. (1875 ff.) 1, 75. —
voraustraben
liesz hiemit einen vortrab reiterey gegen die Deutsche v. traben Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, 54ᵇ. —
voraustragen
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1113ᵃ; liesz Guntrams hinterlassenes söhnlein in der wiege voraustragen br. Grimm d. sagen (1891) 2, 56. —
voraustreiben
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1129ᶜ; der wind trieb ihr langes goldenes haar weit vor ihr v. Göthe w. 13, 2, 286 W.
voraustreten
vor-tretten, voraus-tretten, passare avanti ò innanzi Kramer a. a. o. 2, 1138ᵃ; die voraustretenden gedrängten ... schaaren ordnungsgemäsz auf einander folgen zu lassen Göthe w. 49, 1, 285 W.; es war gebrauch des alterthumes, dasz in öffentlichem, feierlichen gang die frauen voraustraten, die männer nachfolgten rechtsalt.⁴ 1, 565. — ungewöhnlich, übertragen: da ich mit der erklärung voraustreten musz, dasz unser handel ... unmöglich bestehen kann Thümmel reise (1791 ff.) 4, 8. —
vorausthun
einem geld vorausthun, avanzare danari ad uno Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1084ᵇ; in allgemeiner anwendung, vor der zu erwartenden zeit, vor andern thun: ich habe so mancherlei schon v. gethan u. ä. da wäre es eine sache, wenn der provocant seine drei kreutzhiebe auf gut schweitzerisch dürffte vorausz thun Chr. Weise erznarren 22 ndr.wie es einem zuvorthun: an würde thut es ihm aber Thorwaldsen sehr v. J. Grimm im briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann 1, 455. —
vorausverkünden
unser wollen ist ein v. dessen, was wir unter allen umständen thun werden Göthe 28, 50 W.
vorausverkündigen
aus hoffnung vorausverkündigter glücklicher zeiten Herder w. 20, 8 S.
vorausvermachen
praelegare etwas v. vermachen nomencl. lat. germ. (1634) 571; und wenn ich sterbe, so wil ich ihm vor andern allen was v. vermachen Chr. Reuter Schlamp. krankh. u. tod 103 ndr., s.vorausvermächtnis. —
vorauswalten
dasz ein casus, dessen bedingung erst in dem nachfolgenden relativsatz liegt, schon v. walte J. Grimm kl. schr. 3, 323. —
vorauswerfen
nach vorn werfen: das starke v. und strecken des ganzen leibes ist hier durchaus notwendig Fr. L. Jahn w. 2, 35 E.; gewöhnlich aber in dem sinne, dasz dem vorausgeworfenen etwas nachfolgt: sie wagt den sprung ins uferröhricht, nachdem sie ihr schweres bündel schon vorausgeworfen Gutzkow zauberer v. Rom (1858 ff.) 3, 378. — in freier übertragung: dasz er so manchen erleuchteten blick in die kommenden dinge vorausgeworfen hat Gervinus gesch. d. 19. jh. 4, 4. —
vorauswissen
wenn sie mir liebkost, weisz ich v., sie will mich zahm machen Göthe w. 39, 154 W.;
gütig hüllt in finsternissen
gott die zukunft ein:
deutlich sie voraus zu wissen
würde strafe seyn
Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 41.
vorauswittern
praesentiscere, conjectura antecapere Stieler 2492;
(ich) mag nicht näher wissen,
was in mir vorgeht; mag voraus nicht wittern,
was vorgehn wird
Lessing Nathan 3, 8;
der jeden wechsel der volksstimmung vorauswitterte Treitschke d. gesch. 4, 27. —
vorauszahlen
pagar innanzi tratto, il termine Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1417ᵇ; wer sein werck wil übel gemacht haben, der zahle (gleich bezahle) es v. Winckler 2000 gutte gedancken (1685) h 3ᵛ; für ein buch vor dem erscheinen: im frühjahr 1779 ward die Odyssee ... für zwei thaler den vorauszahlenden angeboten J. H. Voss antisymb. (1824 ff.) 2, 6. —
vorauszeigen
immer den endpunkt vorauszuzeigen, zu dem alles, was vorgeht, vorbereitung ist O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 370;
denn schlacht und sturm ist euch vorausgezeigt
Uhland ged. (1898) 1, 301.
vorausziehen
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1460ᶜ; gewöhnlich intransitiv: ein theil des heeres zog v., der andere folgte tages darauf nach Campe;
wie sie mit den klapperblechen
selbst voraus im tacte ziehn
Göthe w. 2, 28 W.;
zieh dem deutschen heer voraus,
altes Hohenstaufen haus
Schenkendorf ged. (1815) 17;
von einem einzelnen: der schwarze zog v. und spielte auf seiner geige G. Keller w. (1889 ff.) 1, 153; freier: rühre sie (die saiten) kraftvoll, dasz der klang uns weit vorausziehe Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 2, 502.
8)
voraus als erstes glied anderer, untrennbarer composita, angeschlossen sind die schon unter 7 behandelten deverbativa; auch hier sind nur ausgewählte beispiele gegeben:
vorausahnung f.
in schmerzlicher v. Fontane w. I 1, 353. —
vorausbedingung f.
das mögen die unerläszlichen vorausbedingungen sein Gutzkow w. (1872 ff.) 8, 218. —
vorausblick m.
bei Campe als gebilligte neubildung, blick in die zukunft, erkenntnisz des kommenden: als die göttinn des schicksals eines nachmittags einen v. in die groszen begebenheiten der künftigen zeiten that Bode Tristram Schandi 6, 89; insbesondere, insofern er für das verhalten maszgebend ist: (in jenen stunden) fehlte uns der v. in die allgemeine lage François d. letzte Reckenburgerin (1871) 2, 128; vgl. voraussicht. —
vorausdeutung f.
v. ihres (der Maria Stuart) schicksals in England O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 402. —
vorausempfindung f
Grillparzer w. 16, 43 Cotta.
vorauserfordernis f.
die allen andern vorgeht: eine unumgängliche v. Engel schr. (1801 ff.) 11, 339. —
vorausgang m.
vorhergehendes ereignis, vorausgehender zustand: in dem früheren vorausgange, in der natürlichen lage der dinge Fr. Schlegel w. (1846) 14, 228; in engerem sinne das vorausgehen in die ewigkeit: (sie) ertrug diesen v. ihres geliebten reisegefährten auf dem mühseligen lebenswege mit wahrem christlichen heldenmuthe Jung Stilling schr. (1835 ff.) 2, 249. —
vorausfart f
Campe.
vorausgefühl n.
statt des üblichen vorgefühl: das blosze v. von dem character seines herrn Zinzendorf Londoner reden (1748) 69. —
vorausgeständnis n.
so entschuldigt nichts so sehr einen ... fehltritt als das ... v. Lichtenberg erkl. d. hogarthischen kupferstiche (1794 ff.) 2, 290. —
voraushin adv.
nach vorwärts, voraus (s. füraushin th. 4, 1, 1, sp. 657): nun ritt der zwerg vorauszhin Amadis 249 K.; hat er Arianum und Bolidem vorauszhin geschickt Xylander Polybius (1574) 372; die sollen dann, so man leutet, in den amthof kommen und mit einem pfeifer v. pfeifen lassen rechtsalterthümer⁴ 1, 545; substantiviert: da haben die frummen frauwen kein voruszhin (keinen vorzug vor den schlechten) Geiler v. Keisersberg bei Schmidt hist. wb. d. els. spr. 409ᵃ (vgl. voraus 5 b). — s. unten vorauszen. —
vorausklage f.
klage die einer andern vorgeht oder vorgehen soll: der bürge kann die befriedigung des gläubigers verweigern, solange nicht der gläubiger eine zwangsvollstreckung gegen den hauptschuldner ohne erfolg versucht hat (einrede der v.) bürg. gesetzb. § 771. —
vorausklagung f.
im rechtswesen, die frühere ausklagung des hauptschuldners als des bürgen Krünitz öcon. encycl. 231, 351. —
vorauslage f.
s. unter 9. —
vorauslein n.
s. voraus 6. —
vorausleistung f.
durch eine v. für spätere zeit wird der vater nicht befreit bürgerl. gesetzb. § 1710. —
vorausmasz n.
im bauwesen, überschlag, vorläufige berechnung Mothes baulex. (1882) 1, 280. —
vorausnahme f.
im sinne des verbums: inzwischen kann auf die nothwendige v. der einleitung hier verwiesen werden Vischer ästhetik (1846) 1, 85. — in der musikalischen compositionslehre: wenn ein oder mehrere töne durch v. oder verzögerung früher oder später, als sie sollten, eintreten Sulzer theorie d. schönen künste 4, 654. —
vorausnehmung f.
wie das vorhergehende wort: eine v. aus dem erfolg Herder w. 19, 183 S.; die v. einer note ist: wenn sie im nächsten intervallo drunter oder drüber eher eintritt ..., als es eigentlich der ordinaire satz sonsten thut Walther musikal. lex. (1732) 38. —
vorauspferd n.
ein pferd, das den deichselpferden vorgespannt ist (z. b. beim geschütz Alten handb. f. heer u. flotte 4, 170). vorauszegaul Fischer schwäb. wb. 2, 1643. —
voraussage f.
nach dem sinn des verbums, als neubildung 'von zweifelhaftem werthe' bei Campe bezeichnet: die v. der groszmutter hatte sich noch immer nicht erfüllt Stifter w. (1901 ff.) 5, 1, 232; wettervoraussage. —
voraussagung f
(von Campe offenbar dem vorhergehenden worte vorgezogen): an andern orten indesz spricht er von den voraussagungen kluger männer anders Herder w. 17, 327 S.; das wort, die v. des herrn (beim abendmahl) ... regt die ganze gesellschaft urplötzlich gewaltsam auf Göthe w. 49, 1, 295 W.; wollte man die entdeckung als die erfüllung einer v. betrachten Humboldt kosmos (1845) 3, 441; die schwarzen voraussagungen des ersten herrn redners Bismarck polit. reden 4, 35; hierzu: das übersteigt jede voraussagungsgabe Grillparzer w. 14, 144 Cotta.
voraussatz m.
ungewöhnlich für voraussetzung: nach welchem voraussatze (oder praesupposito) er ferner schleust Francisci d. eröffnete lusthaus (1676) 416. —
vorausschickung f.
auf einmal rufte er, mit v. eines höchst gotteslästerlichen fluches Bode gesch. des Thomas Jones (1786 ff.) 3, 455; nach dieser v. läszt sich die richtigkeit folgender maszen erklären Bürger w. 342ᵃ Bohtz; nach v. einer sorgfältigen ... einleitung J. Grimm kl. schr. 5, 129. —
vorausschlieszlich adj.
im voraus erschlossen, angenommen: vorausschlieszliche gründe Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 583ᶜ. —
voraussehung f.
im sinne des verbums: zeit ists allein, die entwickelt, was die v. wie in einem knäuel erblickte Herder w. 18, 379 S.; keine v. einer oft nahen zukunft Engel schr. (1801 ff.) 1, 33; es übersteigt meine v. Bismarck polit. reden 4, 37 K.; hierzu voraussehungskraft, f. Herder w. 23, 490 S.
voraussendung f.
im sinne des verbums: (die vorsehung) fand die v. aller der uns empörenden ... greuel nöthig Klinger w. (1809 ff.) 11, 11; dinglich wie sendung: ew. königliche hoheit genehmigen beykommende v. Göthe IV 33, 302 W.
voraussetzlich adj.
zu voraussetzen gebildet, als wirklich, wahr angenommen; adv.: wenn ein begeisterter christ seinen v. in den himmel erhobenen meister das licht der welt nennt D. Fr. Strausz schr. 3, 255; die tochter der hebamme ist v. ohne mittel Storm w. (1899) 3, 88. —
voraussetzung f.
der gebrauch des subst. ist gegenüber dem verbum insofern etwas eingeschränkt, als beim subst. der causale oder logische zusammenhang zwischen dem vorausgesetzten und dem wirklichen oder wahren im allgemeinen schärfer betont ist, s.voraussetzen 2 b; daneben aber auch in unbestimmterem sinne, indem mehr gewicht auf den charakter einer bloszen annahme, vermutung gelegt ist als auf den zusammenhang mit einem bedingten: voraussetzung, f., presuppositione Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788ᵃ; Adelung; Campe. — das sind voraussetzungen, die man schwerlich annehmen kann Campe; blosze v. u. ä.; philosophie voll bodenloser voraussetzungen, voll verführender postulate Herder w. 22, 109 S.; man erkennt ohne mühe, was herrn R. auf alle diese unbestimmten voraussetzungen gebracht habe Gerstenberg hamb. n. zeitg. 154 d. lit.-dkm.; blinder glauben oder gewagte v. Fr. Schlegel w. (1846) 3, 135; nach menschlicher v. und allen erfahrungen gemäsz Holtei erz. schr. 5, 156. — mit schärferer betonung des bedingungsverhältnisses: der v. gemäsz, zufolge Campe: schade aber, dasz sie (eine ausführung Lessings) ganz auf unrichtige voraussetzungen gebaut ist Herder w. 3, 39 S.; deshalb unterscheidet man besonders die v., den satz selbst und seinen beweis Voigt grundlehr. d. rein. math. (1791) 16; vorkommnisse, welche ohne eine solche v. nicht zu erklären sind Göthe w. 25, 27 W.; (erwartungen,) für welche Nordamerkia keine voraussetzungen hat Gutzkow w. (1872 ff.) 8, 97;
leicht ists mit starken consequenzen
als neuer philosoph zu glänzen,
doch ists ein schwerer unterwinden,
die rechten voraussetzungen zu finden
Geibel w. (1888) 2, 118.
die voraussetzungen der zulassung zur prüfung sind u. s. w.; häufige wendungen sind in, unter der v., unter der stillschweigenden v., von einer v. ausgehen. — in der v., dasz die wenigsten schuldner geld daran zu wenden haben Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 355; in dieser v. dürfen wir den glücklichsten erfolg erwarten Thümmel reise (1791 ff.) 9, 80; wäre es auch unter irriger v. G. Forster schr. (1843) 9, 32; unter richtiger v. der einzige weg, der zum heile führt Fontane w. I 4, 17. — hierzu voraussetzungslos: voraussetzungslose wissenschaft; voraussetzungslosigkeit des denkens Lassalle ausgew. reden u. schr. 1, 64. —
voraussetzungsweise
in der art einer voraussetzung: so nennt Jesum v. der teufel in der versuchungsgeschichte D. Fr. Strausz schr. (1877) 3, 284. —
voraussicht f.
'ein neues von Hagedorn gebrauchtes wort für vorsicht oder vorhersehung, von der redensart etwas voraus sehen' Adelung.das wort ist auf die zeitliche vorstellung beschränkt und bezeichnet das vorauserkennen des in der zukunft kommenden und die gabe dieses sehens; von gott: er will von keiner andern vorherbestimmung wissen als einer solchen, welche eigentlich v. ist Ranke w. 38, 195; wie sich die göttliche v. mit der menschlichen freiheit vertrage Steub wanderungen im bayr. gebirge (1862) 200. — vom menschen: ein zoll guten glücks ist ein klafter v. werth Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 109ᵃ; müszte aber, weil diese falsch war, jede v. in die zukunft unwahr ... seyn? Herder w. 16, 372; nach menschlicher v.; andere epitheta: die allgemeine zerstörung, die er mit deutlicher v. kommen sah Ranke w. (1867 ff.) 2, 149; in richtiger v. Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 236; aller erfahrenen v. spottend H. v. Barth Kalkalpen (1874) 503. — mit bezeichnung dessen, worauf sich die erkenntnis bezicht: diese dem erlöser geliehene v. seines leidens, todes und seiner auferstehung Herder w. 19, 183 S.; in v. einer länger oder kürzer dauernden haft Mörike w. 3, 141 Göschen; in v., dasz seine leutchen ... nicht viel kostbares im hause hätten G. Keller w. (1889 ff.) 4, 24;
glaubst: in voraussicht lauter herrschergröszen
ward erbrecht eingeführt in reich und staat?
Grillparzer w. 9, 63 Cotta.
es tritt dann eine besondere wandlung in der bedeutung insofern ein, als mit der erkenntnis des kommenden, der zukünftigen verhältnisse sich eine richtige beurtheilung und eine dadurch bedingte richtige haltung oder auch eine vorsorge verbindet, vgl. die bedeutungsentwicklung von vorsicht: er vertraute blind und ohne alle v. einem übermäszigen glück Niebuhr röm. gesch. 3, 689; auch sorgte man mit bedächtiger v., dasz die kaiserliche macht nicht wieder zu überwiegender grösze erwachsen konnte Ranke w. (1867 ff.) 1, 27; seine v. hatte nicht jede schwierigkeit aus der welt schaffen können Fontane w. I 1, 456;
bist du vertraut mit deines landes schicksal,
das etwa noch voraussicht (foreknowing) wenden kann?
Shakespeare Hamlet 1, 1.
ungewöhnlich, objectiviert wie aussicht: diese v. tröstet mich in meiner bangigkeit W. Alexis Isegrimm 569. —
voraussichtig adj
(selten), mit voraussicht begabt, v. zeigend: da dankten sie innig dem voraussichtigen zwergvolk br. Grimm d. sagen (1891) 1, 114; was ... den ansichten und planen der vereinigten staatsmänner ihr groszartiges und voraussichtiges benimmt Grillparzer w. 14, 150 Cotta.
voraussichtlich adj.
das wort gehört ausschlieszlich der neueren sprache an, Adelung hat es nicht, Campe verzeichnet es nur als adv., 'nach voraussicht, wie vorauszusehen ist oder war'. — ganz ungewöhnlich im activen sinne, voraussehend: mein vater hatte diese gabe der voraussichtlichen träume von seiner mutter geerbt G. H. v. Schubert selbstbiographie (1854) 1, 152. — im passiven sinne ist das wort als adj. und adv. in der sprache der gegenwart überaus häufig: eine dieser senkungen das voraussichtliche schlachtfeld in zwei hälften teilend Fontane w. I 1, 511; die voraussichtliche dauer der reise u. ä. — (ein grund,) der v. auch noch später vorhanden sein dürfte Hoffmann v. Fallersleben schr. (1890 ff.) 8, 158; da er v. unter diesen leuten einen hervorragenden mann abgeben würde G. Keller w. (1889 ff.) 5, 79; den v. hartnäckigen widerstand der regierungspartei Mommsen röm. gesch. 2, 202. —
voraussprecher m.
ungewöhnlich: aber ich bin in keiner sache gern v. Klopstock briefe von u. an Kl. (1867) 211 L.
vorausströmung f.
in technischer sprache: bezüglich der dampfwirkung in den cylindern ... sind zu unterscheiden: volldruck, dampfdehnung und v. Lueger lex. d. ges. technik 6, 189. —
voraustretung f.
in demselben augenblick erschien — wie sich ein frühlingstag an ein seculum schlieszt — Clara, unter v. der alten Thümmel reise (1791 ff.) 3, 98. —
voraustritt m.
dasz die winzer ... unter v. ihrer musik ... vorüberzogen G. Keller w. (1889 ff.) 7, 170; in einem worte: durch solchen v. eines rollenden r J. Grimm kl. schr. 2, 412. —
vorausurtheil n.
vorgreifendes urtheil: (weil) dann schon ein v. gefällt sein würde Varnhagen v. Ense tageb. (1861 ff.) 3, 470. —
vorausverkündigung f.
sichere vorausverkündigungen, alle als aussprüche des heiligen geistes vorgetragen Herder w. 16, 302 S.; niemals v., niemals spannung der erwartung fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873 ff.) 3, 204. —
vorausvermächtnis n.
das recht der nacherben erstreckt sich im zweifel nicht auf ein dem vorerben zugewendetes v. bürgerl. gesetzb. § 2110, vgl. voraus 5 a. —
vorausversprecher m.
ich bin nicht gern v. Klopstock gelehrtenrep. (1774) 428. —
vorauszahler m.
bei Campe im besonderen sinne von pränumerant: ist dir die anzahl der v. nicht gar zu geringe Gottsched d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. 8, 239. —
vorauszahlung f
Adelung; ich habe mich herbeigelassen, eine v. von ihm anzunehmen Ebner-Eschenbach schr. (1893 ff.) 3, 91. pränumeration: weil sich nun dazu kein verleger findet, sieht sie sich genöthiget, den weg der unterschrift und einer geringen v. zu versuchen Gottsched a. a. o.
9)
die neuere sprache vermeidet zusammensetzungen, in denen aus zu dem zweiten bestandtheil gehört, hier liegt der ton auf vor;
vorausgehen verb.
früher erscheinen (von einem buche): lisz mein vorausgangne keyserchronica davon fol. 278 S. Franck chron. Germ. (1538) 155ᵃ. —
vorauslage f.
auslage, die vor andern gemacht wird: vorauslagen, douceurs, etwaige taxen und unvorhergesehene bedürfnisse Holtei erz. schriften 6, 38. —
vorausspüren verb
(oder voráusspüren?):
der all gfar hat vor-auszgespürt
H. Sachs w. 1, 336 K.
vorausstehen verb.
früher erleiden: (dasz sie sich) der vorausgestandenen schäden und gethanen groszen spesen, nothwendig in etwas erholen müsten Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 297.
Zitationshilfe
„voraus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/voraus>, abgerufen am 21.05.2019.

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