verwundbar adj.
Fundstelle: Lfg. 14 (1954), Bd. XII,I (1956), Sp. 2358, Z. 66
verletzlich; erst seit der 2. hälfte des 18. jhs. belegt: auch götter gegen götter sind verwundbar Herder 3, 112 anm. S.;
lasz dein eisen
auf schädel fallen, die verwundbar sind
Schiller 13, 157 G.;
bey einem hoͤchst verwundbaren und so verwundeten herzen A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 2, 313; hat sich dieser grundsatz erst geordnet, so ist sie (die beamtenwelt) weder im einzelnen, noch im allgemeinen mehr verwundbar Pückler tutti-frutti (1834) 5, 80. gewöhnlich in dem sinne, dasz person oder sache nur oder am leichtesten von einer seite, an einer stelle verwundet werden können: wer offen befehden will, musz nicht so viele schlechte verwundbare seiten blos geben Göthe IV 29, 160 W.; diese nordseite (des kastells) scheint, als die ... verwundbarste seite, mit doppelt vorgezogenen mauern versehen worden zu sein Ritter erdk. (1822) teil 17, 927; noch waren es vorschnelle hoffnungen, die durch den tag von Eylau die macht des imperators tief erschüttert sahen; aber die verwundbare seite war doch aufgedeckt Häusser dt. gesch. (1854) 3, 91; das ist die stelle, wo ich verwundbar bin, das ist mein stolz Pückler briefw. (1873) 1, 385; dann hatten sie den vortheil, ... den angriff plötzlich auf die verwundbarste stelle ausführen zu können Ranke s. w. (1867) 3, 259; ein verteidigungsheer ohne festungen hat hundert verwundbare stellen, es ist ein körper ohne harnisch Clausewitz vom kriege (1912) 388; auf sagengestalten wie Achilles und Siegfried bezogen: wie Achill mit der verwundbaren ferse Schopenhauer w. 2, 200 Gr.;
hast du's vergessen, oder weiszt du nicht,
was doch in liedern schon gesungen wird,
dasz er an einem fleck verwundbar ist?
Hebbel w. 4, 126 Werner (Nibelungen);
der nur an einer stelle verwundbare held Scherer kl schr. (1893) 1, 527. übertragen: es giebt nur einen punkt, wo ich bis zur vernichtung verwundbar bin; meine Achillesferse ist das herz Holtei erz. schr. (1861) 26, 181; Italien mag des groszen (österreichischen) ländercomplexes verwundbare ferse sein Gutzkow ges. w. (1872) 11, 185. — dazu die substantivbildung: verwundbarkeit, f.: vulnerabilitas Krünitz öcon. encycl. 219 (1854) 357. übertragen, auch im sinne von 'empfindlichkeit': je stärker sich die austauschwirtschaft eines volkes entfaltet, desto mehr wächst auch seine volkswirtschaftliche verwundbarkeit Alten hdb. (1909) 4, 690; die zartheit und verwundbarkeit seiner seele Herman Grimm Michelangelo (1890) 2, 148; seiner (des edlen) ... gesteigerten verwundbarkeit entspricht die innere unberührtheit, an der das gemeine scheitert Nic. Hartmann ethik (1935) 363.
Zitationshilfe
„verwundbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/verwundbar>, abgerufen am 22.09.2019.

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