verwöhnung f.
Fundstelle: Lfg. 14 (1954), Bd. XII,I (1956), Sp. 2335, Z. 27
das verwöhnen, der zustand des verwöhntseins; verbalabstraktum zu verwöhnen.
1)
'gewöhnung, gewohnheit', z. t. mit abwertendem nebensinn, vgl. verwenung corruptio, depravatio, corruptela Stieler stammb. (1691) 2495. eine nähere bestimmung kann in form einer präpositionalen verbindung oder eines infinitivs angeschlossen sein: dieses zehnte jahr unsers ehestandes soll der anfang sein einer so dauerhaften, unendlichen verwöhnung, nicht nur uns selbst in der gnade auf den grund zu versenken, sondern auch andere zu diesem seligen wesen in dem herrn recht einfältig und unermüdet zu bereden (1731) Zinzendorf in: zs. f. brüdergesch. 8, 151; doch vielleicht gründet sich dieser zweifel auch nur auf die verwöhnung der seele an den begrif der zufälligen existenz allg. dt. bibl. (1765) 1, 1, 146; verwöhnung an betäubende ergetzungen Adelung umständl. lehrgeb. (1782) 2, 573; von ihrem kopf, ich will sagen von ihrer unseligen verwönung der einbildungskraft erwarte ich ... noch alles Hermes f. töchter edler herkunft (1789) 1, 33; in der rechtschreibung des deutschen, die aus verwöhnung langsam zur vernunft fortschreitet Voss antisymb. (1824) 2, 12; dasz der einzelne nach verwöhnung oder eigendünkel die buchstaben übel handhabt J. Grimm kl. schr. (1879) 1, 349; mit den verwöhnungen, alles in den viereckigen kasten der sogenannten kategorien ... hineinzukünsteln Herbart w. (1850) 5, 143; in ihren jahren haben sich gewohnheiten und verwöhnungen so festgesetzt, dasz ein zweites, freies und selbständiges wesen nicht mehr in diesen bann sich finden kann Immermann w. 6, 22 Hempel; nehmen wir den erstaunlichen griff Hegel's, der damit durch alle logischen gewohnheiten und verwöhnungen durchgriff Nietzsche w. I 5, 300.
2)
zu verwöhnen B 2: der knab wuchs also in solcher verwönung auf ... und ward ihm das geschleck als je lenger je mehr lieben Wickram w. 2, 107 Bolte; die vberschwenckliche grosse verwehnung der wollüstigen zartlinge Heyden Plinius (1565) 433; von der grossen verwöhnung der dienstboten Möser s. w. (1842) 2, 256; weichlichkeit, verwöhnung und albernheit der menge Tieck schr. (1828) 5, 455; ich bin aufgewachsen in überflusz und verwöhnung Holtei erz. schr. (1861) 20, 104.
Zitationshilfe
„verwöhnung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/verw%C3%B6hnung>, abgerufen am 24.05.2019.

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