verplempern
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 973, Z. 69
substantivischer infinitiv des vorigen: so ein verplempern vorher thut nicht gut, die männer können das nicht leiden. Wildermuth heimath der frau 176.
verplempern verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 973, Z. 5
1)
verschütten, vergeuden, vgl. hiezu plampern 7, 1882, freihängend sich bewegen; vielleicht ist verplempern durch unvorsichtige bewegung verderben: er hat viel wasser verplämpert. Adelung versuch 4, 1491; in übertragener bedeutung: das lang acquirirte durch verzögerung verplempern. interim 313, die sache ist verplempert. 39. dann besonders vom verliebt sein: sein herz verplempern (verlieben). Jahn werke 505; aber auch in unehelichen umgang bringen: auf der brücke zu Wattweil redete mich ein alter bekannter an, ... dessen erstes wort war: je gelt! deine Anne ist auch verplempert; dein vetter Michel war so glückselig, und sie hat schon ein kind. der arme mann im Tockenb. 160; bleibt sie (die sängerin) so und wird nicht verplempert, so kann was ordentliches werden. Zelter in Zelter-Göthe briefwechsel 4, 439.
2)
reflexiv, heute fast nur gebräuchlich und auch schon in alter zeit das bei weitem gebräuchlichste, sich verplempern, sich verlieben (doch mit spöttischer nebenbedeutung) mit jemand: nu hab ich mich verblembert mit der jungfer. engl. kom. 2, 92ᵇ; das loseste stücklein aber, das er dem Julio thät, war dieses, dasz er sich mit einer dame von ehrlichem geschlecht verplemperte, folgends selbige seinem herren kuppelte und demselben über drey viertel jahr den jungen balg zuschrieben, den er ihr doch selbst angehengt hatte. Simpl. 2, 162, 12 Kurz; derowegen erkundigten sie die beschaffenheit meiner person gar eigentlich und trugen grosze sorgen für ihren sohn, dasz er sich vielleicht mit einer verplempern und hangen bleiben möchte an einer, davon ihr hohes haus wenig ehr haben konnte. 3, 65, 29; absonderlich war ihm diesz zuwider, dasz er seine liebste so lange verlassen müste, mit welcher er sich, nach der gewonheit aller reichen erben, verplempert hatte. Weise erzn. 8 neudruck; ich halte, wann er sich nicht verplämpert hatte, so sagte er ja, ehe die sonne untergienge. Chr. Weise überfl. gedanken 2, 508; der hat ein jung mädchen bestellt und ich dencke, wo sie ja spricht, so verplempern sie sich mit einander. liebesalliance 96; und wenn sich die jungfern mit ihnen verplempert haben, so wollen wir zur revange gute gelegenheit finden. comöd. 315; es mochte sich der herr etwa einmahl beim truncke wo anders verplempern. maulaffe 75; hatte sich dieselbe albereits mit einem jungen menschen verplempert. Felsenb. 1, 364; wie das gemurmel im hause geht, so hat sich die gute fräulein verplempert, wie man zu sagen pflegt, sie hat sich in einen jungen menschen vergafft, dem mein herr aus barmherzigkeit das liebe brod gegeben hatte. Sturz 2, 208; eine frau habe ich noch nicht, aber bittet gott, dasz ich mich nicht ernsthaft verplempere. Schiller an Körner 1, 258; da hätt ich mich bald mit einer bettlerin verplempert. Kotzebue theat. 1, 207 (1840); mein söhnlein, verplempere dich nicht oder reiseabentheuer eines jungen künstlers (namen einer erzählung von Kotzebue). Kotzebue neue kl. schriften 7, 1 (Königsberg 1811); als ihn endlich der tod den armen seiner kinder und enkel entrisz, da folgte die liebliche frau dem zum meister gereiften gatten in sein vaterland .. wo madam Spinne, durch Ninas anblick entwaffnet, zum letzten male .. sprach: ey, ey, mein söhnlein, hast du dich doch verplempert? 61; weil er auf jedem suppenbröcklein zu verstehen gibt, er verplämpere sich nicht. Gotthelf 22, 58 (1861). das wort weitverbreitet noch heute in den deutschen mundarten: Stalder (Schweiz) 1, 179. Tobler (Appenzell) 180, mit der bedeutung 'unnötig ausgeben, vergeuden' Schmeller (Baiern) 1, 457 Frommann. Schmid (Schwaben) 75, nd. Danneil (Altmark) 156. Woeste (Westfalen) 294. Schmidt (Westerwald) 289; sich verplembern, verlieben Hügel (Wien) 160. Schambach (Hannover) 264. 265. Woeste (Westfalen) u. ähnl. Hügel führt noch aus Wien die bedeutung auf 'zu viel bier trinken' 160.
Zitationshilfe
„verplempern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/verplempern>, abgerufen am 20.10.2019.

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