verleumden verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1893), Bd. XII,I (1956), Sp. 783, Z. 47
in (bösen) ruf bringen. mhd. verliumunden, verliumden, verliumen. die angeführte längere form im md. mehrfach vorkömmlich: dô der lûmunt von diszen zwên ûszbrach, dô entpôt sie das ir mûter kegen Gotha unde clagete ir, dasz sie umb hasz alsô unschuldiglîchen verlûmunt worde. Rothe dür. chron. cap. 659; u. ä. vgl. die formen der übergangszeit: verlumenden, verlumuͦten, diffamare Dief. 180ᶜ; im nhd. nur verkürzte form nachgewiesen, die auch mhd. und mnd. vorkömmlich. sie schlieszt sich an die verkürzung der form leumund an (s. th. 6, 835). mhd. verlomden, verlomdet diffamare, diffamatus Dief. 180ᵇ, verlymden diffamare verlymt. 181ᵃ. wovon nhd. verleumden abgeleitet. daneben mit gänzlichem abfalle des dentalen: verlumen infamare 296ᵃ; verleumen diffamare 181ᵃ; hieran schlieszen sich die nhd. formen verleimen (Schm. 1, 1473 Frommann), mnd. vorlumen Schiller-Lübben 5, 400ᵇ, während Maaler 424ᶜ die unverbreiterte form verlümbden geläufig ist. die bedeutung verleumden ist ursprünglich keine schlimme 'zur kenntnis bringen'. mehrfach haben sich spuren dieser bedeutung erhalten, besonders im part. prät.: do wart Chorintus die reiche stat, vorlumet obir alle werlt von den Romern gewunnen unde vorstoret. Rothe dür. chron. 59 u. ähnl. verlumder insignis Dief. 301ᵃ; ebenso mnd. to predigene unde vorluͦmende de rede, praedicare et diffamare bei Schiller-Lübben 5, 400ᵇ; aber schon früh zeigt sich die bedeutung 'in schlimmen ruf bringen'. nhd.
1)
ohne object. verlümbden, verschreyen, etwas böses von einem auszgäben, diffamare, conquinare, dedecorare, attingere aliquem infamia u. s. w. Maaler 424ᵈ; verleumden traducere, calumniari, criminari aliquem invidiose, u. ähnl. Stieler 1151. Frisch 1, 609ᵇ; sey nicht ein ohrenbläser und verleumde nicht mit deiner zungen. Sirach 5, 16; verleumde nur lustig drauf, man glaubt schon was davon, calumniare audacter, semper aliquid haeret. Stieler 1151; zanken ist etwas so unmanierliches geworden, dasz man sich weit weniger schämen darf, zu hassen und zu verleumden, als zu zanken. Lessing 8, 211.
2)
mit persönlichem objecte: den bösen leide ich nicht, der seinen nehesten heimlich verleumbdet, den vertilge ich. psalm 191, 5; nachdem Baltazar Pose berurthenn Joseph von Landwustenn vorlembdt unnd sonst inen auch mit vorletzlichen worten angegriffen. Weim. staatsarchiv (Königsberg i. Pr.) 1539; das frauenzimmer hat ihn so lang bey dem könig verleumbdet, bis der könig eine ungnad auf ihn geworffen. Schuppius 43; denn das achte gebot erfordert, dasz man nicht allein seinen nechsten nicht verleumbden, oder ihm unwahrheit nachtragen sol, sondern man sol auch seinem nechsten, wann er verleumbdet .. entschuldigen und alles gutes von ihm reden. 205; ich müszte meine guten Kechenäer gröblich verläumden, wenn ich nicht bekennte, dasz ... Wieland 33, 109; wahrscheinlich verleumdete er mich aus dank für die wohlthaten, die ich ihm erzeigt hatte. Göthe 34, 255; da war nichts so täglich, wie in der stadt ein armes mädchen zu verläumden. 15, 104; .. haben es möglich gemacht, vielen leuten einzureden, dasz ich in meinem buche Lutetia ganz Paris verleumde und durch boshafte spöttereien die geachtetsten personen und dinge in Frankreich herabwürdige. H. Heine 9, 6;
oho, was fragen ich darnach,
ob schon min brueder schryt mord, rach,
und mich vor aller welt verlümbt (: zimpt).
trag. Joh. g⁵;
bildlich: wenn ihr spiegel mich nicht verleumdet, so ist in der that etwas mit mir vorgegangen, das ich nicht begreife. Wieland 19, 243.
3)
selten mit sächlichem objecte: sunder dasz sy mit dem argwönigen schmutz das evangelion verlümdetind. Zwingli 1, 188 Münch; es giebt ungelerte faulenzer, welche den fleisz, den sie bei sich nicht finden, beneiden, verläumden und lästern. Reiske Thucyd. vorrede.
4)
partic. präs.: 'Popens gedicht ist aber doch entzückend schön'. desto schlimmer, wenn es ohne wissen, aber mit unauslöschlicher wirkung ein verläumdend gedicht ist, da Pope als ein katholischer christ sich um den charakter seiner religionsverwandten etwas mehr hätte bekümmern können. Herder lit. u. kunst 12, 104 (1821); part. präter.:
ausz dem elendt berüfft er sehr
das verleumdt weib Agripinam
sie er zu einer gemahel nam.
H. Sachs 2, 3, 117 (8, 409 Keller);
gewinnt meist adjective bedeutung 'in übelm rufe stehend, schlecht beleumundet, gemein, niedrig, ehrlos': dicze kochenmayt hat Jorge Snydern zu dryen maln eyn verluneten man geschulden. buszreg. der grafsch. Büdingen (1472—85); das selbig (das gesind und dienstvolk) ist gemeiniglich von lautern buben, gassentretern, ruffianern .. oder aber von leuten die sunst übel gesittet und einem vorlaumdten, befleckten haufen. Hutten 5, 255 Münch; dan sy sent verlaympt, maynaydig, auszgelaffen, abtringig minch, verlegnet cristen, wie die Malucken (Mamelucken). Baumann bauernkrieg 1, 182; die werck zu erkennen, die mein vatterland hexerey heiszt: auf das der gemeine mann in diesen verlümbden wercken sich selbst nicht verführe. Paracelsus 2, 252ᵇ (1606); .. mich als ein verleumbdte ehebrecherin meynt zu finden. Galmy 234; ich hoff auch dem nachrichter, als einer verleumdter person, nicht geglaubt werden sol. 275; auch die person, die ehrlosz seind als meineydigen, und dergleichen offenbarlich verlaümpte person. statutenb. bl. Xᵇ (1564); dasz derselbe ein geschwinder unwarhaffter und verleumbder geist sei. Ayrer proc. 1, 13; die zeugen sollen unverleumte leute und nicht unter 20 jahren alt, auch nicht weibsbilder seyn. corp. constit. Brandenb.-Culmb. 2, 2, 32;
der sechst der ligt in kargheit zwanck,
der sibend in dem zoren brind,
der acht in bulerey erblind,
der neund ist wund in klafferey,
der zehend verleymbt in verreterey.
H. Sachs 1, 241 (3, 106, 34 Keller);
nennet den obersten unsers christlichen glaubens priester .. mit verleumbden und schendlichen worten. Luther 2, 427; von wannen kommen solche verleumbde wort? buch d. liebe 253, 3. heute im schriftdeutsch in dieser bedeutung erloschen, auch habe ich nichts in den lebenden mundarten gefunden.
verleumden n
Fundstelle: Lfg. 5 (1893), Bd. XII,I (1956), Sp. 784, Z. 74
subst. infin. zum vorigen: in der that haben meine verleumder und verfolger es dahin gebracht, dasz viele .. den schlusz gefasset, meine schriften selbst zu lesen, nachdem gott meine feinde in verkehrten sinn gegeben, dasz sie im verleumden und verfolgen, alle maasse überschritten. Chr. Wolff vernünft. ged. 2, 9.
Zitationshilfe
„verleumden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/verleumden>, abgerufen am 26.04.2019.

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