verlaub m
Fundstelle: Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 737, Z. 31
1)
erlaubnis, im hd. im ganzen selten, mhd. nicht nachgewiesen, häufiger das mnd. vorlôf Schiller-Lübben 5, 398; nl. verlof, nd. verlöv (verlöv geven, up verlöv denen u. s. w.) brem. wb. 1, 579 und Frisch 1, 584 hat wol nicht unrecht, wenn er sagt: verlaub ist bei einigen aus dem holl. verlof, aber nicht sonderlich gangbar. vgl. Woeste (Westf.) 293. Stürenburg (Ostfriesland) 313. Danneil (Altmark) 238; verlab, verlaf Kehrein (Nassau-Rheingau) 1, 427; Schmidt (Westerwald). nhd. besonders im 16. und 17. jahrh. eigentlich 'erlaubnis': wer ungehorsam ist in der centh und auszen bleibet ohne wissen, wann ein gebott das centhgericht zu halten vom centbüttel gethan ist und nicht verlaub vom centhgrafen hat, derselbe ... ist verfallen in die höchste buesz. weisth. 1, 484. hierzu die noch bis heute übliche, formelhafte redensart 'mit verlaub', besonders als einführung einer möglicher weise anstöszigen sache und rede: welche ich mit ihrem verlaub durch beygeslossenes gedichte zu begrüszen nicht verabseumen soll. Butschky kanz. 606; mit verlaub, entgegnete der stelzfusz. Musäus 3, 119; Genov. ich dachte, ich wäre eure herrschaft .. bin ichs denn nicht? wächter. mit verlaub, nein. ihr seid jetzt arrestantin. Fr. Müller 3, 193; mit verlaub, nein, Siegfried hat keine esel im sold; sieht er, herr, haben unsre gesunde nasen, mit verlaub, und ohren wie andre. 3, 104; mit verlaub, ich mache den punsch, die mischung musz nach dem zustande des patienten eingerichtet werden. Freytag soll u. haben 1, 455. besonders gern beim entschuldigen eines unpassenden, anstöszigen wortes: die liliengasse, welche andere mit verlaub aus hasz und neid die dreck-gasse nennen. A. Gryphius 1, 729 (1698); die tagediebe, die söffel, die faulenzer mit e. gn. verlaub die stänkern aus langerweile. Göthe 8, 207. mit verlaub sagen, reden u. s. w.: mit verlaub zu reden, pace tua dictum Stieler 1080; mit verlaub zu melden. Hippel lebensl. 4, 208; weil Röschen, mit verlaub zu reden, gelogen hat. Kotzebue 3, 218.
2)
urlaub, erlaubnis, den dienst, ort zeitweilig zu verlassen: anschlag, wie ich verlaub bekommen möchte von Prag; dessen werde ich bericht und klage gleich sehr über Heilungen als er über mich und weil ich um ihn nit sein könnte, so bät ich um endlichen urlaub. Schweinichen 2, 133; nun dankt ich gott, dasz ich nun verlaub bekam. 2, 134;
drumb gebt, frau mutter, verlaub mir.
Jac. Ayrer trag. v. stifft Bamberg 115ᵃ;
als sie nun alles werck für Ruggier fertig hatten,
nahm höfflich er verlaub von dieser weisen Faten.
D. v. d. Werder Ariost 10, 82, 2.
Zitationshilfe
„verlaub“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/verlaub>, abgerufen am 23.08.2019.

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