verglühen verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1889), Bd. XII,I (1956), Sp. 462, Z. 68
aufhören zu glühen. aus älterer zeit nicht nachgewiesen, erst bei Adelung versuch 4, 1434; zusammensetzung mit glühen, dessen bedeutung verstärkt wird, 'fortglühen, bis zu ende glühen'.
1)
in sinnlicher bedeutung, von wirklich glühenden dingen: die kohlen verglühen, das eisen verglüht; sprichwörtlich: das eisen verglühen lassen, eigentlich zum bearbeiten des eisens zu spät kommen, daher den richtigen zeitpunkt zum handeln versäumen:
sie fühlt schon, dasz sie euch ein schmerzgeld schuldig ist.
nur laszt das eisen nicht verglühn!
wie sanft ihr auge schmilzt!
Wieland 21, 306;
von dingen, die einen glühenden schein geben, die röte allmählich verlieren:
im rosigen äther
flatterten wölkchen empor, die an ihrem verglühenden saum noch
lange den huldausstrahlenden wink der lieblichen (sonne) zeigten.
Pyrker Tunis. 3, 207;
fern in der sonne verglühn die gesegneten küsten Italiens.
Platen 126;
reiszet alle frühlingsblüthen
ihr zum sterbebett zusammen.
ihre wange schon verglühte
mit den hellen augenflammen.
Arnim schaub. 1, 240.
2)
abstract, von heftigen leidenschaften: der zorn, der hasz verglüht; mitunter von menschen gesagt, die heftigern leidenschaften verlieren, mit der nebenbedeutung 'stumpf werden, sich durch die gluth der leidenschaften verzehren': ich bitte dich, lieber mann, rede mit mir. dein stillschweigen ängstet mich. du verglühst in dir selbst. Göthe 8, 162; an einer andern hing Antons sehnendes herz, sie selbst war ihm eine fremde geblieben, die .. jetzt im wittwenschleier auf das verglühende gefühl ihrer jugend zurücksah. Freytag soll u. haben 1, 567.
3)
transitiv, durch glühen umgestalten: der kleine prologus .. wie er .. die räthsel lieblich singend aus den untiefen der ästhetik herausfischt und sie als phosphorirende Psychen der abendfackel zuflattern läszt, um sie selbst dort zu sternen zu verglühen. J. Paul freih.-büchl. 78.
Zitationshilfe
„verglühen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/vergl%C3%BChen>, abgerufen am 19.09.2019.

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