urheber m.
Fundstelle: Lfg. 16 (1935), Bd. XI,III (1936), Sp. 2435, Z. 1
im anfang des 15. jhs. aus älterm urhab (s. d. 5) unter einflusz des lat. auctor umgebildet; später hat auch franz. auteur eingewirkt. Wilmanns gramm. 2, § 224, 2. vgl.orthabe(r), dän. ophavsmand, schwed. upphofsman. ausnahmsweise erscheint ein schw. nom. plur. urhebern im beleg von 1432 unten B 3, und ein schw. acc. sing.: und wird für dieses buchs urhebern gehalten Albertus Magnus Albertus Magnus von den geheimnissen derer weiber (1678) a 3ᵇ; F. A. v. Brandis ehrenkränzel 9. im ältern nhd. wechseln die formen urhaber, -häber, -höber, -hebel; Frisius bietet urhaber, -häber, -heber neben einander; urhaber Schwartzenbach 10ᵇ; Hulsius (1618) 271ᵇ; schatzbehalter (1491) 6ᵃ; Zwingli d. schr. 1, 257; S. Franck zeytb. (1531) 305ᵃ u. ö.; Wickram 4, 128, 24 B.; Zolleckhofer vilvaltig beschreibung 112; Falckner franz. chron. 1, 131; b. d. liebe 212ᵈ; Feyerabendt ungar. chron. 53ᵇ; Thurneyszer m. alchymia 83; Meichel kreuzschuel (1630) 621. urhäber Henricpetri niderlend. kriegen ursprung (1575) p 4ᵃ; Peccenstein theatrum saxon. 3, 115; Prätorius philosophia colus 87; Fr. A. v. Brandis ehrenkränzel 9. uhrhöber Zesen rosenmând 18; Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch 59. urhebel Lacius bei Fronsperger kriegsb. 3, 278ᵃ. vgl. mit-, selbst-, welturheber.
A.
wie lat. auctor zunächst mit bezug auf mehr oder weniger concrete vorstellungen. vgl. Zwingli unter 3, der noch das lat. wort hinzusetzt.
1)
gott als u. der welt: der das haupt und der urhaber aller himlischen und irdischen ding ist schatzbehalter (1491) 6ᵃ; gott, von dem als rechtem urhaber alles herkombt J. Meichel kreuzschuel (1630) 621; der geschöpfe werkmeister, töpfer, stifter, urhaber, brunnquell Treuer Dädalus 1, 698; u. der welt und natur Chr. Wolff von gott (1720) 488, der sonne Klinger 4, 188, des lebens Göthe 41, 2, 96 W.; von einem vernünftigen u. des weltganzen F. A. Lange materialismus 274, einer vollendeten gehirnkonstruktion 159. so haben denn die natürlichen und künstlichen werke einerley absichten, sie haben beyde gott zum u. J. J. Schwabe belustigungen 1, 77; vielleicht hat sie (d. welt) viele u.? Wieland Agathon 2, 63; ... dasz wir nach dem ebenbild unsers urhebers geschaffen seyn S. v. Laroche frl. v. Sternheim 2, 24; Rückert 11, 399. welturheber Kant.
2)
u. als stammvater, erzeuger: sein sun Mannus sei ein urhaber desz volks S. Franck chron. Germ. (1538) 1ᵇ; Griechen von Deucalione ihrem urhaber entsprossen b. d. liebe (1587) 212ᵈ; die urhaber ihres geschlechts 223ᵇ; ich sehe den armen junkern in einem glüenden ofen ligen mit allen des adels urhebern und stiftern Moscherosch gesichte (1650) 409; ... eine creatur nicht ihrem unglücke zu überlassen, die über lang oder kurz dem urheber ihrer tage (franz. les auteurs de nos jours unsre eltern) fluchen würde J. Fr. Löwen 4, 130; (Noah) der zweyte u. der menschen A. v. Haller Usong 172; der mannesstamm ihres (der familie) urhebers Mommsen röm. gesch. 1, 57. angelehnt an diese bed. erscheint einmal bei W. H. Riehl naturgesch. des volkes 3, 118 urheberrecht: die vergangenen geschlechter stehen zu den gegenwärtigen im verhältnisz der autorität, des urheberrechtes, wie der vater zum sohn.
3)
erfinder, gründer, wer etwas zuerst eingeführt, hergestellt, verfertigt hat. auctor eines dinges ein urhäber Frisius 141ᵇ; proauctor der erst urheber 1060ᵇ; parens urbis 946ᵇ; author ein ursächer, der etwas zum ersten gemacht oder erfunden hat, erster anrichter oder anfenger, urhaber und erfinder eines dings 147ᵇ; primae ratis molitor 832ᵃ; fabricator Reyher (1686) o 3ᵇ: so nun Christus ein urhaber (autor) und ufsetzer dises heiligen dings ist Zwingli d. schr. 1, 257; diser ist der erst urhaber und erfinder desz notwendigen gebrauchs der gloggen Zolleckhofer vilvaltig beschreibung 112; den ersten urhaber des goldes Thurneiszer m. alchymia 83; dem uhrhöber oder erfünder aller dieser nahmen Zesen rosenmând 18; der alexandriner, reime A. Buchner anleitung z. d. poeterei (1665) 130; Morhof unterricht 1, 592; des schieszpulvers Abr. a s. Clara etwas f. alle 1, 82, von münzen Herder 3, 423 S.; Luschin v. Ebengreuth münzkunde 132, festungen v. Fleming soldat (1726) 385, verschanzungslinien Ritter erdk. 3, 303, des kanals Moltke 1, 179 u. s. w.
4)
verfasser, schöpfer literarischer, musikalischer, bildnerischer werke; classici authores ... urheber der bücheren Frisius 233ᵇ. 'besser der verfasser' Campe: es spricht der u. dises buͦchs Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 69; desz Titi Livii der römischen historien urhabers Feyerabendt ungar. chron. 53ᵇ; eines traktats Leibnitz d. schr. 2, 443, briefes vern. tadlerinnen 1, 346, einer recension Liscow vorr. 7, astronomischer tafeln A. v. Humboldt kosmos 2, 209, vieler schmähschriften Ranke s. w. 1, 297; die u. unserer bibel Ratzel völkerk. 2, 90. derer bücher sollte man mit dem nassen schwamm, die u. aber mit peitschen vertilgen und auslöschen Schupp schr. (1663) 776;
urheber trockner folianten,
ihr schreibet, schmieret, eselt hier
Lichtwer fabeln (1748) 77;
er war der meynung, die Iliade könnte gar wohl von verschiedenen urhebern seyn allg. d. bibl. 1, 2, 3; Göthe 47, 314 W. die ersten u. der mahlerey Harsdörfer trichter 3, 11, der statuen Winckelmann 7, 52, dieses bildes ärchäol. zeitg. von Gerhard 1, 89, dieser lustörter (villen) Justi Winckelmann 2, 1, 72, jener baureste Peschel völkerk. 455; Göthe 47, 233 W. den u. und componisten (der oper) weisz ich nicht Gottsched schaubühne 2, 107. vgl. miturheber.
5)
verursacher: die u. des lieblichen getöns G. Hauptmann bahnwärter Thiel 42, des geräusches, lärmes u. s. f.
B.
mit bezug auf abstracte begriffe.
1)
anfänger, beginner, begründer einer wissenschaft, kunst, secte, religion, verfassung, handlung, thätigkeit, ansicht u. dgl.: denselbigen anfengern und urhabern (der astronomie) Wickram 4, 128 B.; derjenigen republic, derer urheber und anfänger Homerus gewesen Schupp schr. (1663) 540; 781; die tugend ist an einem zu loben, derer u. er selbsten, nicht die, die er ererbet 552; eines spiels Harsdörfer gesprächsp. 1, d 4ᵇ, Luther u. der deutschen kirchlichen literaturspr. Gueintz rechtschreibung (1666) 5, der teutschen poeterey Harsdörfer trichter 1, x 7ᵇ, der fruchtbringenden gesellschaft Neumark palmbaum 5, secte A. Olearius persian. reisebeschr. 355, buchdruckerkunst Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch 59, dieser einwürfe Bodmer v. d. wunderbaren 59, des einsiedlerlebens Zimmermann einsamkeit 1, 165, der meinungen A. v. Haller tageb. (1787) 1, 100, des christenthums Herder 15, 481 S., der pflanzung J. v. Müller 1, 43, that Göthe 37, 334 W., deutschheit A. W. Schlegel Athenäum i, 7, neuerungen Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 308, dieses systems Ranke sämtl. w. 30, 21, der neuen richtung Herm. Grimm Michelangelo 1, 35, des spelzbaus Hoops waldbäume 435 u. s. f.
2)
wer etwas veranlaszt, das verdienst um etwas hat, an etwas schuldig, dafür verantwortlich ist: gott ein u. der sünden Schupp schr. (1663) 405; darnach werden wir uns selbst als die u. unsers unglücks ansehen Wolff von der menschen thun u. lassen 64; G. Keller 4, 90; du u. meiner glückseligkeit Wieland 3, 75 ak. ausg.; jeder ist seines glückes u. Düringsfeld sprichw. 1, 438ᵃ; der u. der parlamentsproceduren Archenholz England u. Italien 1, 1, 83, des geistes der gründlichkeit Kant 3, 22 ak. ausg., der wiedergeburt Niebuhr röm. gesch. 2, 335, meiner bildung Schiller br. 1, 66 J., der religionsläuterung J. H. Vosz antisymbolik 1, 113, der freude Gaudy 23, 111, freundschaft Holtei 40 jahre 3, 284, ihrer unabhängigkeit Gervinus gesch. d. 19. jhs. 3, 51, seiner pläne Nitzsch d. studien 145; das auge ist der u. und erhalter oder vernichter der liebe G. Keller 2, 242; man würde Friedrich mit unrecht als den ersten u. einer ... gebietserweiterung auf kosten Polens betrachten Ranke sämtl. w. 31/32, 12; u. der neuen ordnung, politik Bismarck gedanken u. erinn. 1, 50; 2, 30 volksausg.; man weisz nicht, wer der geistige (vgl. intellectuelle) u. dieses befehls ist Meinecke Boyen 1, 396. von seinen gesinnungen könnte man übrigens aus dem friedfertigen betragen des stadthalters von Mailand urtheilen, dessen u. er sich zu nennen stolz wäre Schiller 4, 145 G.; Schlegels Europa 2, 76; Häuszer d. gesch. 1, 265; O. Ludwig 1, 206; so lebte er (Philipp II.) in vollkommener einsamkeit, ... aber dabei u. von bewegungen, welche die welt umfaszten Ranke sämtl. w. 35, 103; von dem bestreben, für jede erscheinung und begebenheit eine ursache oder einen u. zu erspähen Peschel völkerk. 255.
3)
im üblen sinne anstifter, rädelsführer u. dgl.: als itz und zum nechsten die geburschaft ... von eigner frevelicher gewalt ... vor Worms gezogen sin, da ist man ... eins geworden, dasz man dieselben, die derjene heuptlute, urhebern und raitgeber gewesen sin ..., straffen ... solte urk. Bingen 1432 bei Schaab gesch. d. gr. rhein. städtebundes 2, 405; da ward der leichnam Hermanni, diser ketzerey ein urhaber ..., widerumb auszgraben Seb. Franck zeytb. (1531) 305ᵃ; der aufruhr urhebel mit der axt richten Lacius bei Fronsperger kriegsb. 3, 278ᵃ; u. diser empörungen Henricpetri niderl. kriegen ursprung p 4ᵃ, solcher verrähterey Birken Donaustrand 202, des krieges Lohenstein Arminius 1, 23ᵃ, der raserey 2, 48ᵃ, dieses betrugs Happel akad. roman 262, des streites Göthe 43, 15 W., alles bösen Jung - Stilling 2, 133, der verkehrtheit Ranke 14², 53, des schloszbrandes G. Keller 7, 238, u. von sturm und ungewitter Laistner nebelsagen 13;
unfried in Teutschland wird entstehen,
die urhäber verlieren land, leute und lehen
Prätorius philosophia colus 87;
eine lustige geschichte, an der sich besonders die schalkischen u. bis an ihr lebensende ergetzten Göthe 26, 14 W. anstifter und u. Weigand syn. 3, 736. Eberhard syn. 1, 102 macht den etwas zu engen unterschied: 'der anstifter einer schlägerey ist derjenige, der die parteyen dazu anreizt oder aufhetzt; der u. derjenige, der den ersten schlag thut'.
4)
wie lat. autor, franz. auteur der gewährsmann, aber theilweise mit 2 sich mischend: es wird sogar gut seyn, wenn sie es wissen, damit sie, wenn ihnen nachtheilige dinge von mir zu ohren kommen sollten, den u. kennen Lessing 2, 109 M.; ich werde mich eines ihrer glücklichen gedanken dabei erfreuen, jedoch nicht ohne den u. zu nennen Göthe IV 31, 120 W.; dieser F. ... wird uns nun als der u. der in dem vorliegenden buche mitgetheilten nachrichten bezeichnet Ranke sämtl. w. 2, 346.
C.
nichtpersönliches als u.: als wäre die sonne selbs ein u. und ursach solcher härtigkeit Dannhauer catechismusmilch 1, 105; den himmlischen einflusz als uhrhäbern diser gnaden F. A. v. Brandis ehrenkränzel 9; ein andrer ... setzte sich in den kopf, den krieg zum u. aller dinge zu machen Wieland Lucian 1, 208; vom hunde dem u. dieses plötzlichen angriffes H. Seidel Hühnchen 122.
D.
als rechtssprachlicher t. t. a) autor, architectus legis ein urhaber der gsatzten Frisius 114ᵃ: er ward als der u. des römischen cäremonialgesetzes verehrt Niebuhr röm. gesch. 1, 166; die u. der rogation 2, 51; die gesetze schienen sich nur unter dem schutz ihrer u. befestigen zu können 2, 158; die stimmen fielen auf den u. des gesetzes Mommsen röm. gesch. 2, 90. ähnlich die u. dieses antrags Göthe IV 40, 290 W. b) im sinne des neuzeitlichen urheberrechts: das recht, ein gewerbliches muster oder modell ganz oder teilweise nachzubilden, steht dem u. desselben ausschlieszlich zu ges. betreffend das urheberrecht an mustern und modellen v. 11. jan. 1876 § 1; ein vom u. abgeleitetes untersagungsrecht hwb. d. staatswiss. 5², 440. vgl. miturheber. c) strafrechtlich spricht man von einem physischen und einem intellectuellen u. (anstifter) Meyers convers.-lex. 16⁵, 733ᵃ; 17, 120ᵃ und unterscheidet den urheber des verbrechens (auctor delicti) von dem gehilfen (socius delicti) ebda. vgl. miturheber. —
Zitationshilfe
„urheber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/urheber>, abgerufen am 23.05.2019.

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