adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2293, Z. 71
nicht zertrennlich. vgl. unzertrennig, -trennbar, unabtrennlich. für inseparabel Kinderling, Campe. unzertrentlich Frisius 197ᵇ; unzertrennlichen adjectivisch gebraucht bei Rivius Vitruv (1575) 134. a) eigentlich: ein einig, unzurtrenlich wort Luther 20, 469 W., hauf H. Müller türk. historien (1563) 27ᵇ, maur Guarinonius greuel (1610) 638, kette 135, fels Scheffler ecclesiologia 1, 362ᵃ, feuersäule A. v. Haller Usong 295, glied Sulzer theorie d. sch. künste 1, 9; wie untheilbar 1 e: eine unzertrennliche republik Laukhard leben 4, 225; Kerner bilderb. 90; ähnlich: diesem reich, dem u. ewig einigen Schiller 13, 243 G.; volk F. Schlegel d. museum 1, 20. also brachte A. ... seine ... phalanx, welche man für u. hielt, auf den gipfel des berges Lohenstein Arm. 2, 33ᵇ; Göthe II 5, 1, 62 W. b) grammatisch: das unzertrennliche vorwörtchen ver Breitinger crit. dichtkunst 2, 115; beywörter, die von ihren hauptwörtern u. sind Eschenburg entwurf einer theorie 48; einige (silben) vereinigen sich damit so genau, dasz sie denselben (verben) ganz u. anhangen Gottsched sprachk. 233; u. mit einander zusammenhängende wörter W. v. Humboldt ges. schr. 4, 258. c) von gott und göttlichem wesen: gott als eine ewige, unzurtrenliche person Luther 26, 501 W., trinitet Goltwurm geistl. bedeutung des 1. b. Moysi (1552) 25ᵇ, wesen F. Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 13ᵃ, gottheit J. Ayrer processus (1600) 364, einheit Franckenberg nosce te ipsum (1676) 16; wir Christi gottheit und seine menschheit u. betrachten Harsdörfer secret. 2, 88; gottes gerechtigkeit und allmacht sind u. Bode Montaigne 2, 393. d) von menschen und menschlich gedachtem: dasz Venus die grazien zu ihren vertrautesten und unzertrennlichsten begleiterinnen gemacht habe Wieland 10, 91 Gr.; 10, 208 Gr.; Schleiermacher leben 1, 183; der in der Nibelunge noth von Hagen unzertrennliche Volker von Alzeije fehlt durchaus W. Grimm d. heldensage 130; für immer unzertrennliche wandnachbaren Dahlmann franz. revolution 4, hüter E. Gerhard ak. abh. 1, 21, genossen W. Raabe hungerpastor 1, 33. einiger, unzertrennlicher! Schiller 2, 198 G.;
o säh ich hier sie immer unzertrennlich,
wie sie im leben fest verbunden waren!
Göthe Tasso 547;
dich ..., von dem ich u. war 19, 5 W.; 25, 45 W.; ein treues, stilles menschenkind und bald mir u. Scheffel (1907) 3, 26; die söhne der unzertrennlichen Göthe 42, 2, 75 W.; der beiden unzertrennlichen Auerbach 16, 23; der orden der unzertrennlichen, eine sprachgesellschaft dtsche literaturzeitung 33, 1548. im bilde: wenn aber die weisen ... sich mit dem ersten gedanken als einem unzertrennlichen ehweibe vermählen ... Lohenstein Arm. 2, 266ᵃ; bücher waren seine unzertrennliche gefährten 1, 3; recht und wahrheit ..., ein unzertrennlich paar J. Chr. Günther 145; Zschokke 2, 15. e) von thieren: männchen und weibchen (der bartrohrmeise) scheinen u. Naumann vögel 4, 109; den in der fabel vom fuchs unzertrennlichen wolf Jac. Grimm Reinhart fuchs CCLI; substantiviert: unzertrennliche (inséparables, sittige), die unzertrennlichen Oken naturgesch. 7, 364; agapornis Brehm thierl. (1890 ff.) 5, 324. von abstractis: lieb B. v. Chiemsee 263 R., zusammenfügung Barth weiberspiegel (1565) k 8ᵇ, ehestand Grimmelshausen vogelnest 2, 491 Keller, freundschaft 2, 345 Keller, treue Harsdörfer gesprächspiele 1, m 1ᵇ, bemühungen Schottel friedenssieg 21 ndr., band Lohenstein rosen 32, verbündnüsz Chr. Weise polit. redner (1677) 470, folge Lessing 10, 238 M., verbindung Wieland Agathon 2, 82, verknüpfung Möser 2, 62, fülle Herder 13, 14 S., symptom Bremser 267, bezug Göthe 48, 181 W., gemeinschaft F. Schlegel 4, 28, wechselleben Brentano an S. Mereau 2, 61, zusammenhang W. v. Humboldt ges. schr. 4, 48 ak. ausg., eigenschaft Büchner kraft u. stoff 1; ein unzertrennliches ganze Herder 9, 283 S.; Göthe 46, 25 W.; Justi Winckelmann 1, 67. aber auch unzertrennliche gegensätze F. Schlegel 5, 111. insbesondere von wesenbestimmender, logischer zugehörigkeit: dasz wahre freyheit und glück u. sind K. Fr. Cramer Neseggab 2, 47; dann ist der sittliche charakter von der wissenschaftlichen wirkung ganz u. Göthe IV 13, 64 W.; die freiheit der person ist ... ein von der bestimmung des menschen unzertrennliches ... gut J. G. Forster 3, 11; mythologie und poesie ... sind eins und u. F. Schlegel Athenäum 3, 96; ein fehler ..., der von der idee des processes u. ist Jhering geist d. r. rechts 3, 1, 124; rechtlich: deichpflicht ist von dem lande, worauf sie haftet, u. Allmers marschenb. 1, 2, 29. das unzertrennliche in einem wesen bestimmt seine individualität F. H. Jacobi 2, 209. aber auch oft nur von enger verbindung: sie sehen und bewundern, ist u. Wieland 3, 3 ak. ausg.; luxus und üppigkeit, diese von den schönen künsten unzertrennlichen übel Göthe gespräche 1, 151 B.; sie (d. geschwister Fröhlich) sind von Schuberts andenken u. jahrb. d. Grillparzerges. 5, 228; die von der ausführung dieses systems unzertrennlichen schwierigkeiten Bismarck polit. reden 4, 42; aber auch unter den zahlreichen koseliedchen sind viele von rhythmischen bewegungen u. Bücher arbeit u. rhythmus 341⁴. g) adv.: nicht desto weniger hangen alle artikel ... u. aneinander F. Staphylus vom letzten u. groszen abfall (1565) 94ᵃ; Fischart Garg. 93 ndr.; und sind also zwei naturen ... u. vereiniget Schweinichen denkwürdigkeiten 1 Ö.; sollen wir billich unsere regeln oder tabulatur u. ... halten und behalten Puschmann meistergesang 6 ndr.; u. verknüpft Chemnitz schwed. krieg 1, vorr. 3; Angelus Silesius seelenlust 105 ndr.; durch sie (d. tugend) hatten wir uns u. lieb Besser 2, 377 K.; u. verbunden Scheibe crit. musicus 413; wie viel fester und unzertrennlicher wird sie an ihr hangen, wenn ... J. M. Miller briefw. 1, 580; Schiller 6, 50 G.; u. zusammenhängen Fichte 1, 61;
todte sümpfe,
dampfende octobernebel
verweben ihre ausflüsse
hier unzertrennlich
Göthe 4, 184 W.;
vgl. unzertrennlicher weise, auf unzertrennliche weise Pomarius gr. postilla 1, 421ᵃ; Justi Winckelmann 2, 1, 315. dazu unzertrennlichkeit, f. wie unzertrennlich a: u. des reichs J. G. Forster 8, 238, des dänischen staates Treitschke d. gesch. 5, 571. wie b: die innere u. der elemente (des wortes) W. v. Humboldt ges. schr. 4, 258 ak. ausg. wie c: gottes u. Lohenstein Arm. 2, 535ᵃ, der drei personen Benner (1747) 2, 179. wie d:
die unzertrennlichkeit in unserm ganzen leben
will, dasz wir ungetrennt, auch in der freude seyn
Besser 2, 755 K.;
ihre herzen schwuren ... u. in glück und unglück Klinger 4, 145; die wonne der u. Göthe 46, 27 W.; Holtei erz. schr. 18, 6. unzertrennlich f entsprechend: u. der ehen allg. d. bibl. anh. 25/86, 2899, eines dinges Sulzer theorie der sch. künste 2, 15, aller tugenden Heinse 3, 160 Sch., der meister- und minnesänger Jac. Grimm an Benecke 18 M. sonnenklare u. der religion und der moral allg. d. bibl. 109, 352; Schelling I 2, 498; D. Fr. Strausz 2, 130; dasz undurchdringlichkeit und schwere ... zusammenhängen, bezeugt ... ihre empirische u. Schopenhauer 2, 63 Gr.;
vom bier die unzertrennlichkeit
bleibt vorrecht der studenten
Fulda n. gedichte (1900) 249.
Zitationshilfe
„unzertrennlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/unzertrennlich>, abgerufen am 22.09.2019.

Weitere Informationen …