adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 14 (1931), Bd. XI,III (1936), Sp. 2103, Z. 47
nicht verständlich (s. d.). ahd. unfarstantlicho insensibiliter, ahd. gl. 2, 165, 30; mhd. unverstentlich (vgl. unverstandenlich); mnl. onverstandelijc, -like; nl. onverstandelijk. a) activ (vgl. verständlich 2) vernunftlos: die unverstentlichen ding A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) R 7ᵃ; thiere Albertinus th. 12, 1, 1588, 2ᵃ. ohne geistliches verständnis: die also unverstentlich und fleischlich seind Keisersberg postilla 2, 41ᵇ. der sinne nicht mächtig (von zornigen) pilgerfahrt d. tr. mönchs 1543 B. unverständig: sein unverstendlich volk Luther 18, 371 W.; min unverstendlich red F. Faber pilgerbüchlein 357; hoffart machet auch, dasz der mensch ... in der frölichkeit ubermütig, in der traurigkeit u. (fassungslos?) ... ist Albertinus Lucifers königreich 30 L. veraltet. b) passiv, gs. zu verständlich 3. α) von gehörseindrücken: so man ynen (d. meerkälbern) mit irem namen ruͦfft, antworten sye mit irem unverstendtlichen blörren Eppendorf Plinius (1543) 108; klang und hall, töne, gewäsch, der sprachen unverständliches gemisch, bitte, zärtlichkeiten Zesen rosenmând (1651) 6; J. G. Forster 1, 303; Mozart bei O. Jahn 2, 525; Schiller 13, 181 G.; Tieck (1828 ff.) 8, 253; Storm (1899) 7, 164. die dialecte ... sind mir fast ganz u. G. Freytag 4, 314. adv. (sie) beschrieb u. murmelnd einen ... kreis Eichendorf 2, 446. β) verständlich 3 b entsprechend. Luthers undeutlich wird im Basler glossar (1523) durch u. erklärt; Kluge v. Luther bis Lessing 90. syn. kauderwelsch, rotwelsch, messingisch Weigand 3, 905; seltzam und u. Grimmelshausen Simpl. 55 Kögel; befremdlich und u. Göthe gespr. 8, 315 B.; weniger u., aber doch geheimniszvoll ist ein wandbild 30, 203 W. unverständliche wort, sprache, rätzel, redensart, sitten, unsinn, terminologie, grundsätze, wirrwarr, laune, händel Tauler serm. (1508) 136ᵃ; Grimmelshausen Simpl. 19 Kögel; Lohenstein Arm. 2, 154ᵃ; vern. tadlerinnen (1725) 1, 16; Lessing 10, 193 M.; Knigge roman m. lebens 2, 52; allg. d. bibl. anh. 53/86, 2015; Herder 16, 23 S.; Klinger 3, 85; G. Keller 4, 46; Ranke s. w. 3, 203; die wunderlichsten und unverständlichsten stellen Göthe 41, 1, 183 W.; eine ihm unverständliche religion Gottsched d. neueste 8, 249. unverständliche maschinen (deren bestimmung und beschaffenheit nicht zu verstehen) G. Freytag verl. handschrift 2, 135; gemäuer L. Steub wanderungen im b. gebirge 59. du hast heute wieder deinen albernen, unverständlichen tag, an dem man dich nicht versteht Raabe hungerpastor 1, 127. das unverständlichste ... das ehrwürdigste allg. d. bibl. 88, 237; im unverständlichen liegt der wahre verstand H. Beck chamäleon (1803) 12; Rückert 8, 494. nit geachtet, ob dem schlechten ... man das unverstentlich sin werd oder nit N. v. Wyle transl. 8, 22 K.; da sol die red ... nit ... unverstentlich sin Riederer rhetoric (1493) C 4ᶜ; die antwurt des senats was u. und verwickelt Carbach Livius 380ᵇ; u. vorkommen Moscherosch ges. (1650) 2, 1; Herder 22, 325 S.; in einer beynahe u. werdenden sprache Göthe IV 36, 60 W.; u. bleiben Bismarck polit. reden 3, 20 K. adv.: was der poet vor gesagt still und u., das sagt er hie luter und clarer Terenz (1499) 159ᵇ; u. schreiben, sich ausdrücken Chr. Weise erznarren 208 ndr.; Just. Möser 2, 325; das ... spiel des u. krummgewundnen lebens Schiller 14, 97 G. γ) von personen (vgl. verständlich 3 c):
denn ich steure mit meinen genossen
über das dunkle meer zu unverständlichen völkern
J. H. Vosz Odyssee (1781) 1, 184;
später: zu anders redenden; vgl. 3, 301; anstatt dieser ... figuren kann kein künstler andre brauchen, ohne dadurch dunkel und u. zu werden Gottsched d. neueste 8, 669; sich u. machen Kant 3, 245 ak. ausg.: ich musz befürchten, den meisten leserinnen u. zu seyn Heinse 3, 419 Sch.; Fr. Schlegel im Athenäum 1, 2, 7; von motiven des handelns: sie sind mir völlig u. Holtei erz. schr. 9, 101. dazu unverständlichkeit, f., mangel an verständlichkeit und ihr gs. mhd. unverstentlîcheit. unverständlich a entsprechend: das is sone u. unter der hiesigen armen bevölkerungsklasse G. Hauptmann weber 49; nicht schriftsprachlich, doch vgl.: galimatias, unsinn, u., verwirrtes geschwätz Kinderling (1795) 132. unverständlich b α entsprechend: u. beim vortrage schr. d. Götheges. 6, 185; so sprach sie ... ein kauderwelsch, das mit dem des alten Litauers um den preis der u. streiten konnte Fontane I 6, 199. unverständlich b β entsprechend: so würde Ph. ... überclassisch seyn, wie einige neuere durch eine gelehrte u. classisch werden Gottsched d. neueste 2, 378; dunkelheit, zweydeutigkeit und u. (der schreibart) Eschenburg entwurf z. e. theorie (1783) 221; Kant 3, 265 ak. ausg.; u. der terminologie, der lehrer, eines gegenstandes Bahrdt gesch. s. lebens 2, 59; Göthe 41, 1, 184 W.; F. Schlegel 3, 61; da der gedruckte text bis zur u. fehlerhaft ist Savigny gesch. d. röm. rechts 5, 19; Lotze mikrokosmus 1, 9; Rückert 7, 60; unverständlichkeiten Caroline 1, 175 W.
Zitationshilfe
„unverständlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/unverst%C3%A4ndlich>, abgerufen am 18.07.2019.

Weitere Informationen …