untern m. (f., n.),
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1691, Z. 29

Unterbegriffe in diesem Artikel

zwischenzeit, zwischenmahlzeit (¹unter III B 1 b ζ), ein uraltes wort, das die heutige nhd. schriftspr., soweit sie nicht alterthümelt oder aus der mundart schöpft, kaum mehr kennt und nur in ortsnamen (s. unten 3), eigennamen (wie Unnerstall) und im sprichwort (s.unternbrot) fortführt. auf idg. *n̥tərno beruhend, urg. *undurni, m. Falk-Torp 1332; Fick-Torp 3, 30; got. undaúrni-mats ἄριστον; an. undorn, undurn, undarn, dän. dial. unden, unnen, norweg. dial. undonn, ondaan, undaal, schwed. dial. undarn, undun; ags. engl. undern (formen bei Murray 10, 1, 140ᵃ f.); altfries. unden, ond, nfries. undern, unnerne, ünjern, onnern, önner; as. undorn, undern; mnd. undern; mnl. onderen, ondern, onder, nl. dial. onder. ahd. untorn, untarn, untern, undorn, undere (ahd. gl. 4, 216, 32); mhd. undern, undarn, untern, untarn, under; nhd. untern, undern, unter. aus heutigen mundarten ist die wortsippe bis jetzt, theilweise als veraltet, verzeichnet fürs elsässische, schwäbische, bairisch-österreichische, tirolische, kärntische, steirische, für die Pfalz, den Rheingau, Westerwald, die Eifel, die Rheinprovinz, Luxemburg, Nassau, die Wetterau, Oberhessen, das Grabfeld, Böhmen, für Westfalen, Waldeck, das ostfriesische, das ditmarsische; vielleicht steckt es im westpr. untermittag Frischbier 2, 424ᵃ. es fehlt im isländischen, schweizerischen, im eigentlichen Thüringen, in Obersachsen, Schlesien, wohl auch im niedersächsischen und ostniederdeutschen (untertrunk kennt die preuszische cammerordnung 1648 § 96 bei Frisch [1741] 392ᶜ). das schlieszende n geht oft verloren (ahd. undere; mhd. undere, untere Lexer 2, 1792; unter Fischer schwäb. wb. 6, 240; unter, önner Spiesz henneberg. 264; Reinwald 2, 131; under Crecelius 841; unner Autenrieth 144; onner Gangler 317; unger Schmitz Eifel 232ᵃ; under rhein. wb. 1, 49; onder Kilian [1777] 444ᵇ), bes. in zusammensetzungen. von mundartlichen fortbildungen seien erwähnt: unting, untam, nundung, zunting, zunti Fischer 6, 241; zuntern ebda 241; tachterunder rhein. wb. 1, 49; de halven tronger ebda; vanörnern nd. correspondenzbl. 24, 63; enöhrchen zs. f. d. unterr. 15, 359; 16, 173. unmal für untermal (Salzburg, Unterinnthal) Frommanns d. mundarten 3, 338. das f., im mhd. wb. 3, 189ᵇ irrig als mhd. angesetzt, bes. in der bed. 'mittagsruhe des viehes und deren ort', ist in mundarten verbreitet (els. wb. 1, 54ᵇ; Autenrieth 144; Schmitz Eifel 1, 232ᵃ; Crecelius 841; 842; Ad. Bach die alten namen der gemarkungen von b. Ems u. Kemmenau [1925] 72; vgl. zunting, f., Fischer 6, 241). als n. setzten es Vilmar 423 und Campe 5, 192ᵃ an. plur.: weisth. 5, 449; Fischer 6, 241 (bed. 2).
1)
zwischenzeit. a) zwischen dem steigen und sinken der sonne, mittagszeit. got. undaúrnimats ἄριστον, zur mittagszeit eingenommen (Kretschmer wortgeographie 550); Murray 10, 1, 140, 2; Graff 1, 385; Lexer 2, 1792; Ch. Schmidt els. wb. 375ᵃ; mnd. wb. 5, 31ᵇ; mnl. wb. 5, 342: so dürfen wir (mönche) zu untern mit einander nit reden (1525) Schade satiren 3, 107, 38; Crecelius 841 f. vgl. 3. b) die dritte tagesstunde, 9 uhr morgens, die kirchliche terz und mit naheliegender erweiterung der vormittag: Cleasby-Vigfusson 653ᵇ I 2; Murray 10, 1, 140ᵇ, 1; Richthofen 1101ᵃ; Heliand 3419; 3465; üanern, undarn vormittag (Gütersloh) nd. correspondenzbl. 24, 63; mnl. wb. 5, 342 f.; Doornkaat-Koolman 3, 467ᵇ; Fischer schwäb. wb. 6, 240; unteressen, nundung neunuhrbrot 240; 241; Schmeller 1, 116; frühstück (Prachatitz) Petters stoffsammlung 24. mnl. eronderen, nordfries. ihrunnern vormittag mnl. wb. 5, 343. vgl. vormittagsvesper th. 12, 2, 9; vorjausen Kretschmer 552. c) nachmittagspause, zeit der kirchlichen none, vesperzeit; mid-afternoon Cleasby-Vigfusson 653ᵇ I 1; nachmittagspause, nachjausen Kretschmer 552. wie die vesper zwischen 2 uhr und dem abend liegen kann (th. 12, 2, 15), ist auch der zeitpunkt des unterns, bes. in älterer zeit verschieden, wobei die verschiebung der essenszeit (Bilfinger die mittelalterlichen horen u. die modernen stunden 94 ff.) maszgebend war: untarn ist gewonlich reden ze Salzburg und bedeutt, sô man iʒʒet nâch mittem tag ain stund oder zwô Hoffmann v. Fallersleben fundgruben 1, 333; in der hofordnung des grafen Ludwig v. Stolberg-Königstein und Wertheim (1547—1574) wird der untertrunk auf 1 uhr festgesetzt (Bilfinger 95); merend, abendtessen, das abentbrot, der untern, jausn, ist ein speysung, die zwischen zweyer maltzeit geschicht, ein stund oder zwo vor dem nachtmal Roth dict. (1572) K 6ᵃ; Heupold (1620) 269; 3 uhr Schmeller 1, 116; 4 uhrzeit Schmidt westerw. 128; 4 bis 5 uhr Crecelius 841: die gesellschaft darnach zuͦ untern (passata la nona) auf gestanden, ir gesichte und hende mit dem külen wasser erfrischet Arigo decam. 164, 34 K.; auch nachmittag zuͦ dem under ... hat ‹man› aufftragen (1509) städtechron. 23, 122, 20; ze undern essen u. dgl., um zunter, zunterz um vesperzeit Fischer 6, 241; Schmeller 1, 116. zwischen mittag und untern ist an einigen orten ein halbunter, hallonnern eingelegt (Crecelius 841) wie im mnl. halfonderen wb. 5, 342 (vgl. achteronder rhein. wb. 1, 49). vesper (s. d. 2) entsprechend kann u. auch den nachmittag bezeichnen; vgl.unter 1 b für den vormittag: Murray 10, 1, 140, 3; ich kam auch einmal uff ein sontag zu undern zu ihr, do gingen wir uffs gaden und lagen den ganzen undern under der pferkrippen bei einander (1593, Vogelsberg) zeitschr. f. hess. gesch. 6, 216; es wehre aber nachmittag gewesen, als sie zu unnern in die schule gangen (1682, Betziesdorf) Marburger hexenproceszacten bei Vilmar 423; ditz unnern heute nachmittag ebda; vanörnern (Gütersloh) nd. correspondenzbl. 24, 63; desse onnern dasselbe Crecelius 841; zonnern nachmittags, morn zonnern morgen n., necht z. gestern n. ebda;
bann der freidig gut wetter well han,
fängts de donnersdak onnern schon an
sprichwörtliche wetterregel a. a. o.; ebenda zss. wie onnernkerch, -kaffi u. s. w.; den onnern komm ich Schmidt Westerwald 128. im engl. bedeutet under auch den abend (Murray 10, 1, 140ᵇ, 3). d) zwischenzeit überhaupt: gen u. (giunter) essen auszer der gewöhnlichen zeit Fischer 6, 241.
2)
zwischenmahlzeit (vgl. die zwischen Schmeller 1, 116; 2, 1184, unterlege 1, 1457 und bes. ²untern, v.); antecenia Diefenbach gl. 37ᵃ; Murray 10, 1, 140ᶜ, 4; Cleasby-Vigfusson 654ᵃ; Lexer 2, 1792. in ä. spr. auch mittagsmahlzeit: maister, sentt uns ze untern (a marenda), eʒ ist zeit (1424) Bayerns mundarten 2, 395; underimbiz cibus, qui meridie sumitur, merenda glosse bei Schmeller 1, 116. sonst 'ein essen, welches zwischen den gewöhnlichen mahlzeiten, z. b. um 9 uhr früh oder um 3 uhr nachmittags eingenommen wird, hauptsächlich aber letzteres, das abendbrot, vesperbrot' Schmeller ebda; Fischer 6, 240; Kretschmer 548 ff.: gaben inen (den schützen) ain under mit pfeffer und braten und wein, kess und brots genuͦg (1509) städtechron. 23, 124; 1559 hat ein ersamer rat widerumb von neuem ausruͦfen und verbieten lassen, dasz kain wirt oder gastgeb zuͦ morgens vor dem morgenmal noch zuͤ dem under oder schlaftrunk niemant zuͤ essen auftragen soll, dann allain kess und brot städtechron. 32, 361; beide stellen aus Augsburg; ähnlich Schmeller 1, 116; auff solche vier personen und pferd sollen beide partheien ... auff tag und nacht für zerung ie auff ain pferd ain halb pfunt pfenning geben und weiter ainich mal, zech, undtern oder schlaftrunck für sie zu bezalen nit schuldig sein bair. landordnung 23ᵇ; ganz dieselbe (kost) wird als vesperbrot um 3 uhr als unter, namentlich zur erntezeit, den schnittern ... gegeben Bavaria 1, 440; u. aus käse, milch und weiszbrot im Allgäu Fischer 6, 241; zwischen Martini und Josephi fallen die u. weg ebda; das unter vesperbrot Campe 5, 192ᵃ ('schriftsprachlich zu verwerfen'). im an. auch mahl überhaupt, frasz für wilde thiere Cleasby-Vigfusson 654ᵃ.
3)
ruhezeit und deren ort; meist als f.; zeit des ruhens und nichtsthuns überhaupt Crecelius 842; mittagsschläfchen (niederrhein.) Schmeller 1, 116; ein enöhrchen machen zeitschr. f. d. d. unterr. 15, 359; 16, 173. besonders mittagsruhe der schäfer, hirten und herden: els. wb. 1, 54ᵃ; Autenrieth 144; Schmitz Eifel 1, 232ᵃ; Spiesz Henneberg 264; Crecelius 842; wb. d. luxemb. ma. (1906) 317ᵃ; auch weisen die märker vor ein alt herkommen recht: wäre es sach, dasz ein fremd mann quäme gefaren mit seinem vieh und geschirr, dasz ihne die nacht in der mark überfiele, der möchte sein nachtruhe da nehmen und sein vieh die nacht auf die gemeine weide treiben, desgl. in den untern Altenstatter weisth. bei Jac. Grimm rechtsalterth. 1⁴, 553. dann ort, wo hirt und herde zu untern pflegen: unger, f., lagerplatz für vieh, säuunger schweinehutplatz els. wb. 1, 54; sau-, gensunner Autenrieth 144; küh-, maulbeer-, schaf-, viehunter, alte unger, ungertal, kühunterhald, ungersberg, unterstatt, unterstätterberg, vielfach als ortsnamen, Der Pfälzerwald, zeitschr. des Pf.-vereins 11, 27; 'lager' allgemein in Schwedisch-Unger Schwedenlager bei Annweiler; undernstatt Vilmar 423; Crecelius 842; die unner als flurname im Rheingau; die alte Unner Bach die alten namen der gemarkungen von bad Ems 72; 'onner, m., der küh-, schafunter, ein schattiger ort, wo man die kühe, schafe u. s. w. auf die weide während der gröszten hitze hintreibt, damit sie ein wenig ausruhen' Gangler luxemb. (1847) 317; der onnern, 'der ort, wo das vieh sein lager gehabt hat und gewöhnlich um diese zeit (um 4 uhr) hat' Schmidt Westerwald 128; auch auf nd. gebiete in understätte (wo die kuhherde am mittag ruht) aus einem recesz von 1810 Bauer-Collitz 178. endlich bedeutet die unner, onner den dünger, den die unternden thiere zurücklassen Autenrieth 144; Crecelius 842.
zusammensetzungen:
unterbrot unternbrot n.
merenda Diefenbach gl. 357ᵃ; ahd. underenbrot Graff 3, 292; mhd. underbrôt (Fischer 6, 241); mnd. underenbrôt; underbrot Frischlin (1591) 292; Vilmar 423; Crecelius 841; zunternbrot Fischer a. a. o., Meisinger 213ᵇ; aus heutiger umgangsspr. (Augsburg) Kretschmer 550 mit den syn. vesper, vesperbrot, vieruhrsbrot, halberabend, jause, marend u. a.: wenn ... derer von Stuttgart schützen zum underbrot kamen (1481) urkb. d. st. Stuttgart 390; winters zeiten sol kein under- oder abendbrot zuͦ geben gestattet sein Fronsperger bei Fischer 6, 241; und sollen sie ..., so sie morgen- und underbrodt essen, nhur ein halbe stunde ausbleiben (1579) Frankfurter zunfturk. 2, 128; das die armen nicht die hauptmaltzeiten, sondern etwa das underbrot geben urk. 1605 zu Battenberg a. d. Eder, wo noch heute unnernbrot; zum unternbrod (1641) Crecelius 1, XVII;
dort und da steht an aichan ...,
inta dö sö da schnida
zun undanbraod lait
Fr. Stelzhamer ausgew. dicht. 2, 115 Rosegger;
morgenrot gibt ein nasses undernbrod Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 2ᵃ; oberhessisch Vilmar 423; intabrod Sanders erg. wb. 585ᶜ; Lorenz nimmt den ehehalten das zunternbrot mit Fischer 6, 241. —
unteressen unternessen n.
merenda Diefenbach n. gl. 251ᵇ; ahd. mhd. undereʒʒen Schmeller 1, 116; Lexer 2, 1784; underessen oder jausen Pinicianus (1516) D 2ᵇ; zundernessen Diefenbach gl. 357ᶜ; sondernessen Fischer 6, 241; zunderessen Schöpper (1550) d 4ᵇ; die aber, so mit weltgeschäfften und zeitlicher nahrung beladen, sollen frid und ruh haben, auff dasz, so sie mitler zeit ihre sach verordnet und verwalten, zur abendpredig als zu einem frölichen underessen, von allen sorgen entledigt, widerkehren mögen Schweickhart zu Helfenstein Basilius (1591) 28; undernessen (1658) Vilmar 423; bei den handwerkstaglohn ... sollen sie kein u. haben (1769) quelle bei Fischer 6, 241. neunuhrbrot ebda 240. vgl. noch mhd. undertrahte. —
unterimbisz
(merenda ahd. gl. 3, 153, 3; 213, 24; Schmeller 1, 116; Lexer 2, 1787; vgl. zwischenimbisz G. Keller),
untermahl
(engl. undermeal Murray 10, 1, 138ᶜ; mhd. undermâl Lexer 2, 1791; Diefenbach gl. 37ᵇ antecenia; zwischenmahl Jelinek 755 aus Iglau; unmal s. o.; ünnermeel K. Groth [1893] 3, 35, mittagsruhe Müllenhoff zum quickborn⁷ 317ᵃ; nd. correspondenzbl. 34, 2; 76; 5, 39; vgl. auch mnl. ondermet merenda wb. 5, 343, westf. unnermet nd. correspondenzbl. 12, 42, zu ¹masz, mettwurst gehörig),
untermittag
(zeit der mittagsarbeitspause Frischbier 2, 424ᵃ; vgl.untern 3),
unterplatz
(schutzstätte, wo die schafe am mittage unter bäumen ruhen Bauer-Collitz 107ᵇ, mit einmischung von ¹unter III B a δ; undernplatz Vilmar 423),
unterruhe
(mittagsschlaf, Simrock mythologie² 161. vgl. ahd. untarnslâf, mhd. undernslâf, mnl. onderslaep),
unterschenke
(Fischer 6, 242),
unterstunde
(als aber der kaiser O. solich ir understund erfuer, besamlet er ain zumal grosz her Füetrer bair. chron. 14; denn um die unterstunde, wenn die sonne auf der haide liegt und kein halm sich regt, summt frau Sage H. Löns haidbilder 33; unnerstunne, mittagsfreistunde der dienstboten und arbeiter H. Köppen idiotismen aus Dortmund (1877) 62; Woeste westf. 281ᵇ; understündchen, mittagsschläfchen Bauer-Collitz 107ᵇ. mnl. onderenstont vormittagszeit).
untersuppe
(Fischer 6, 242). —
untertrunk unterntrunk m.
trunk zum untern: schlafftrünck, undertrünck (1495); mit morgensuppen und undertrincken (1498) Fischer schwäb. wb. 6, 242; bald die morgensupp, die wert bisz auff das mittagmal, darnach die zech und undertrunck, das abentmal darauff S. Franck trunkenheit (1531) D 2ᵇ; einen zimblichen undertrunk mit zucht und beschaidenheit tun Augsburger hochzeitordnung 1540 bei Birlinger schwäb. - augsb. wb. (1864) 420ᵇ;
es was gleich umb das abentbrot,
der gerber mich beredt mit nodt,
ein undertrunck ich mit im thet
Wickram 4, 197, 2112 B.;
schwenck, die man mage offt lesen ... bey guter gesellschaft zum undertrunck V. Schumann nachtbüchlein 171, 17 B.; am freitag truncken wir mit den kauffleuten ein undertrunck St. v. Gumpenberg wahrh. beschreibung der meerfart (1561) 48ᵃ; hanauische hofordnungen 2, 100 Kern; Altenstadter markbuch michaelis 1567; zu einer uhren winthers- und sommerszeit soll man das glöcklin in Hans Otten kammer leuten, soll es alsdan mit dem untertrunk wie bissher gehalten werden hofordnung des grafen L. v. Stolberg-Königstein bei Bilfinger die mittelalterlichen horen 95; H. Pantaleon moscovitische chron. (1576) 109ᵇ; wa ist ... das ermeyen in der kreutzwoch ... unsere burgerzechen, nachzechen, abendzeren, undertrunck Fischart Garg. 74 ndr.; 64 ndr.; marcipan zum untertrunck 81 ndr.; mit den scalis vini, die zu dem untertrunck mundten 61 ndr.; mit sambt den unter- und schlaftrüncken J. A. Fr. v. Brandis bei Schöpf 762; Fischer 6, 242; Frisch (1741), 2, 392ᶜ. —
untertrunkszeit f.
Fischer a. a. o.
unterzeche f.
merenda, underzech, jausen Frischlin (1586) 171ᵇ: ein unterzech tun (1561) Fischer 6, 242; hierauff mögen irs (das buch) neben ewern geschefften zu verlornen, miessigen erquickstunden, spacierzeiten, spielen, festen, reisen, underzechen, schlafftrüncken und zu tisch gebrauchen, betrachten und belachen Fischart Garg. 13 ndr.; beruffte er disz frawenzimmer und junckern zu ime in sein behausung zu einer underzech volksb. v. Faust (1587) 103 ndr. Br.; die unterzechen sommerszeiten über 5 uhr ... nicht gestatten (1621) Fischer a. a. o. Fischart bildete ein v. unterzechen: wann sie dann bancketierten und underzechten Garg. 304 ndr.; heidbör unterzechen 231 ndr.
unterzecherin f.
übertragen:
er hats loch gar balt getroffen,
zumal mit der ehebrecherin,
mit seiner underzecherin
Frischlin Susanna (1589) 293. —
unterzehrung Fischer 6, 242,
unterzeit
(underzeit zeit der mittagsruhe Bauer - Collitz 107ᵇ; es war gerade in der underzeit G. Kinkel bei Sanders erg. wb. 585ᶜ. engl. underntide, -time).
untern v.
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1695, Z. 11
s. sp. 1455: a) den mist unterackern Vilmar 425; vgl. ²untern c. b) mhd. undern erniedrigen Lexer 2, 1792; ünderlen herabwürdigen, von oben herab behandeln Staub-Tobler 1, 327. c) unter sich machen (¹unter II 2 a β, sp. 1468), nach unten etwas entleeren; im gs. zu sich übern (Höfler 764ᵃ: er habe in das bett geundert und andere unzucht getan Ulmer protocoll (1537) bei Schmidt schwäb. wb. 525; von Fischer 6, 133 zu undär (oben sp. 435) gezogen.
untern v.
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1695, Z. 20
zu untern, m.; mnl. onderen. die von Jac. Grimm rechtsalt. 1⁴, 52 gebrauchte form undernen ist theoretisch hergestellt; in wirklichkeit war zur entstehungszeit des verbums die abgeschliffene form unter gewöhnlich, so dasz von dieser bei der bildung ausgegangen wurde. a) nach untern, m., 2: mittagsmahl halten mnl. wb. 5, 343; vespern: in einem grenzstreite sagen 1574 alte leute aus, dasz sie daselbst auf dem rein undt anwandt geundert und ir kesebrot gessen (Wetterau) zeit schr. f. hess. gesch. 6, 216; das vieruhrbrot nehmen J. G. Estor oberhess. wb. 1421; Crecelius 842; Schmidt Westerwald 128; in jenem (hause) untern eben die leute Noé bei Sanders erg. wb. 585ᶜ. b) zu untern, m., 3: mittagsruhe halten; mnl. wb. 5, 343; Schmeller 1, 116; ruhen überhaupt, insbesondere von dem schäfer und den schafen Crecelius 842; Schmitz Eifel 232; Gangler Luxemb. 317; Vilmar 423; ungern unterstündchen halten Woeste westf. 281ᵃ; underen um die mittagszeit gegen die sonne geschützt ruhen Bauer-Collitz 107ᵇ; die urkundlichen namen Kuhruhe und Weilruhe ... sind von der mittagsrast des weidenden viehes, wann die hirten undernen Jac. Grimm rechtsalt. 1⁴, 52; während die hüter underten, ihren mittagsschlaf hielten E. H. Meyer d. volkskunde 137. c) nach untern, m., 3 ende: mit dem miste, den die schafe während ihrer mittagsruhe zurücklassen, düngen Crecelius 842; ein feld, einen acker mit den pferchen düngen Gangler 317.
Zitationshilfe
„untern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/untern>, abgerufen am 20.07.2019.

Weitere Informationen …