unterjochen untrennbares v
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1630, Z. 62
(ausnahmsweise trennbar: er hat uns untergejocht Klinger theater [1786] 4, 128), aus lat. subjugare übersetzt (untariauhta ahd. gl. 1, 290, 58; von mhd. underjochelich, mnl. onderjockelijc wird auf *underjochen, onderjocken geschlossen; nl. onderjukken theilweise als germanismus betrachtet. unterjochnen J. V. Andreä bei Fischer schwäb. wb. 6, 234), bleibt bis ins 18. jahrh. selten, ein literaturwort, das weder die sinnliche bed. entwickelt noch in echte mundart dringt (schweizerisches underjochen heiszt eine brücke mit jochen versehen, stützen Staub-Tobler 3, 8); erst in der 2. hälfte des 18. jahrh.s wird es der allgemeinen schriftsp. einverleibt. vgl.jochen undüberjochen 1.
1)
belasten, bezwingen, knechten u. dgl.: seitenmal si mit irdischen dingen also underjochet waren, das der einig got in allen dingen inen gerümbt warde C. Hedio 4 bücher v. d. christ. leer (1532) 27ᵇ; dasz sie sich von einer so geringen sache so leichte unterjochnen lasse J. V. Andreä reise 76 (Fischer 6, 234);
das laster triumphirt! es hat in allen ländern
die sitten unterjocht
J. Fr. Löwen (1765) 1, 18;
auch gelang es ihm (Voltaire), die geister zu u. Göthe 28, 62 W.; 6, 99 W.; ein mensch, durch das schicksal unterjocht 40, 209 W.; Lenau 397 B.; gewählter: die freude meines herzens unterjochte eiligst das erstaunen H. Laube 8, 113; dichterisch:
saure beeren unerfreulich zu essen;
sind sie aber verständig gekocht,
mit mächtigem zucker unterjocht,
da können sie wohl schmackhaft heiszen
Göthe 4, 255 W.;
weh denen, die liegen
vom schlaf unterjocht
Geibel 3, 171.
2)
insbesondere von politischer oder kriegerischer unterwerfung; lat. sub jugum mittere wirkt mit ein: diese stadt wurde kurz nachher von den Spartanern ... unterjochet Winckelmann 7, 193; völker, die er sich unterjochet hatte A. G. Meiszner skizzen 2, 112; die provinzen ... unbedingt zu u. Göthe 8, 265 W.: 9, 363 W.; 17, 107 W.; wer Genua unterjocht, kann doch wohl ein mädchen bezwingen? Schiller 3, 36 G.; auf diese weise haben sie ... sich von dem tyrannen nicht u. lassen E. M. Arndt (1845) 1, 238. dazu unterjochbar (ein schwaches, leicht unterjochbares land Zschokke 3, 113). part. praes.: die allegorie eines unterjochenden, drückenden reiches Herder 12, 29 S.; ein alles unterjochender despotismus C. G. v. Brinckmann filosofische ansichten (1806) 283. part. praet.: gewöhnlich bedaure ich nicht die unterjochten völker G. Forster 3, 227; Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 26; uneigentlich (vgl. 1) seinem (des berges) unterjochten haupte H. v. Barth Kalkalpen 510. substantiviert:
dem unterjochten, der du ein feldherr bist,
lasz joch und ochsen
Herder 27, 110 S.;
von der gröszten bedeutung war die frage, wie sich die eroberer ... zu den unterjochten verhalten würden v. Alten handb. f. heer u. flotte 3, 372. —
Zitationshilfe
„unterjochen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/unterjochen>, abgerufen am 18.06.2019.

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