unter adv
Fundstelle: Lfg. 10 (1926), Bd. XI,III (1936), Sp. 1452, Z. 72
und präposition. schon im urgerm. sind idg. ŋdhér ˃ lat. infra (vgl. ai. adhás 'unten', ádhara 'der untere') und idg. n̥ter, ai. antár ˃ lat. inter zusammengefallen. im got. und an. findet sich 'inter' nur in der bezeichnung der zwischenmahlzeit (undaúrni-mats, undorn), in den westgerm. entsprechungen auch als adv. und präposition. got. undar ὑπό, präpos. m. acc., undarô ὑποκάτω, adv. u. präpos. m. dat. (in zusammensetzungen uf, kein undar). an. undir, dän. schwed. under. ags. engl. fries. under. as. undar. mnd. under, mnl. nl. onder. ahd. untar, undari adv.; mhd. under, unde. vgl.unten. das synonyme nieder (th. 7, 748) erscheint selten als adv. u. präposition.
formen.
1)
wie unten stellenweise in das gebiet von unter eingreift, reicht anderseits unter gelegentlich selbst in der n. schriftspr. an unten (von den gebieten, in denen die bildung unten [s. d.] ganz fehlt, ist abgesehen; die bed. 'inter' kommt hier nicht in betracht). meist handelt es sich um nachwirkung älteren oder mundartlichen sprachstandes: mhd. under 'unten' mhd. wb. 3, 187ᵃ; Lexer 2, 1778; Lamprecht Alex. 5910; 6414 K.; halt ... unter geschribene lehren M. Stifel coss Christoph Rudolfs 61; vor ... mir underbenandten notarien J. Ayrer hist. proc. juris (1600) 541; under an die Bojos haben sich die Lingones geschmuckt Stumpf Schwytzerchron. 150ᵇ; nach seinem heimathlichen dialect sagt Kramer (1702) 2, 1201ᵇ: unter herum bedrecket seyn; mundarten scheiden vielfach nicht, z. b. da unger, grad unger dra Staub-Tobler 1, 326, underne 327, iner Follmann 520ᵃ, underus Staub-Tobler 1, 555 (vgl. umgangssprachliches unterausrutschen), unge und unger Hönig Köln (1877) 158ᵃ. ebenso bei hinten und hinter. auch bei herunter, hinunter (vgl. dahinter, hinterlader), unterwärts, untersuchen (s. d.) ist von unter in der alten function für 'unten, nach unten, in die tiefe' auszugehen. bei unterdurch (s. d. und unten III 1 b) hat sich nd. = nl. lautstand erhalten. vgl. mhd. underbat, -tiefe, -vege, nhd. untergrund.
2)
der dental.: i. a. s.unten I 2. ahd. erscheint untar (Graff 1, 380 ff.) sehr oft; mhd. steht unter selten allein, öfter in compositis; in der ersten d. bibel findet sich, neben häufigerem under, unter z. b. 1, 10, 43; 51, 49; 134, 12; 158, 52; 172, 15; 191, 32; 197, 1; 199, 37; 207, 18; 253, 33; 356, 41; vereinzelt in Arigos decam., regelmäszig in Luthers bibel. under setzt sich, immer seltener werdend, schriftsprachlich bis ins 18. jh. fort, z. b. Luther 8, 526 W.; 12, 476; 506; 517 W.; Weckherlin 1, 54; Opitz poemata 34 ndr.; Grimmelshausen 2, 19, 24; 2, 35, 15; 38, 19 Keller; Moscherosch insomnis cura 5; 85; 93; 95; 97; 107 ndr.; das publicum ... mit der profondesten logiq zu underrichten J. J. Schwabe tintenfässl [1745] 32). mundartlich ist -d- weit verbreitet. Stieler 1387 setzt under mit ableitung von dän. schwed. ond an, Kramer (1702) 2, 1201ᶜ under neben unter. schriftsprachlich ist unter wie unten fest durchgedrungen. zwischenformen: undter A. v. Eyb d. schr. 1, 11, 24; Hutten 2, 182, 26 B.; J. Agricola sprichw. (1534) G 8ᵃ; H. Sachs 2, 11, 22 K. u. o.; Heyden Plin. 3ᵇ; unnder privatbriefe 1, 253 St.; untter passionsspiele 27 Wackernell; acta publ. 1, 48 P.; unther Jobst Buchamer newe unbekanthe landte (Nürnberg 1508) nd. jahrb. 34, 137; Diefenbach-Wülcker 915; Luther 10, 3, 355, 31 W.
3)
umlaut ist nhd. nicht schriftsprachlich, aber sonst (aus d. adv. undir) vielfach entwickelt: ahd. intar Graff ahd. präpositionen 174; ünter Schmeller mundarten Bayerns 75, 368; Lexer Kärnten 248; ingr, engr els. wb. 1, 52; inder Fischer 6, 224; inger, enger, inner Follmann 520ᵃ; inger, ingern obers. wb. 2, 601ᵃ; innig (üntig) Wetterau; önner Gangler luxemb. 317; Spiesz henneberg. 264; önger Regel Ruhla 76; enger Hertel Thüring. 250; binger ebda; ünderboden Schambach 242ᵃ; ünderhose, ünderkolrabich (Eilsdorf) nd. jahrb. 34, 99ᵃ. unter einwirkung des folgenden sich entstand ingerschi els. wb. 2, 785ᵃ, ünnerschi Ruckert 187.
4)
dreisilbige formen, scheinbar ahd. untari, untiri, undere, mhd. undere, mnl. ondere entsprechend, finden sich in mundarten (z. b. Staub-Tobler 2, 1338; Fischer 6, 229), sind aber durch zusammensetzung (z. b. mit hin, unterhin) entstanden.
5)
einsilbige, nicht als ursprünglich angesehene formen (vgl.unten I 4, hint ˃ hinter) stammen aus mhd. unde: s. Wickram und Paracelsus in den sp. 406, 3 angeführten stellen; und den tachtropfen (1651) öst. weisth. 10, 148, 24.
6)
mit n (ana)- suffix ergab sich undern (underne, undern infra Diefenbach gl. 297ᶜ; Staub-Tobler 1, 327; ingern obers. wb. 2, 601ᵃ; nl. onderen nt. wb. 10, 1297; De Bo 1070ᵇ; undern Doornkaat-Koolman 3, 468ᵃ): lig wir undern J. Ayrer unter ob 2 a, th. 7, 1111; und soll die (gebärmutter) undern ... mit ... wein gewaschen werden Gäbelkover arzneib. (1595) 2, 67.
7)
wie in beneden (engl. beneath), behinden (engl. behind) betont vorgefügtes bi im gs. zum woher (ana) das wo (Murray 1, 2, 799ᵇ): bunder = bi under Schambach 36; binger, drbinger Hertel Thüring. 250. nicht schriftsprachlich. vgl. von zusammensetzungen auch ags. underneoþan, engl. underneath, ä. dän. underneden; untermang obers. wb. 2, 203ᵇ; mangunter Holtei bei Sanders erg. wb. 586ᵃ; unterkönge Train chochemer loschen (1832) 239ᵃ; unterkenntlich Grolman wb. d. spitzbubenspr. (1822) 73ᵃ; Fischer schwäb. wb. 6, 237.
8)
als verkürzung für mitunter: 'unter wird in einigen gegenden unrichtig als nebenwort für mit unter gebraucht. ein wenig unter rasen' Heynatz antibarb. 2, 530. vgl.unter für unterhalb II A 3.
9)
zusammenziehung mit artikelformen (th. 2, 975 ff.), dem mhd. gebrauche entsprechend (mhd. wb. 3, 187 ff.), wurde von Adelung pedantisch auf verwendung im gemeinen leben und in vertraulicher schreibart eingeengt; thatsächlich sind unterm, unters ziemlich allgemein üblich, untern etwas seltener, untert veraltet und mundartlich: mitten underm todt Luther 12, 460 W.; unterm hertzen A. Gryphius lustsp. 277 P.; Göthe Faust 2028; 4868; Schiller 12, 243; unterm nachtwächter Gutzkow zauberer (1858) 2, 324; untern (= unterm) p- Brendicke 187ᵃ; untern ollen Fritzen ebda. untern (dat. plur.) füssen H. Sachs 10, 18, 17 K., händen Königsberger dichterkr. 29 ndr., palmen Lessing 3, 8, 110 M., dragonern Göthe 16, 61 W., waffen Müllner 3, 62; als acc. sing. untern scheffel Göthe 6, 14 W., kopf Lenz 1, 70 Tieck, arm Gutzkow (1872) 5, 58. unters gesicht Rinckhart christl. ritter 32 ndr., maul Harsdörfer gesprechsp. 1, L 1ᵃ, volk Lessing 3, 8, 107 M., laub Göthe Faust 4677, militair Holtei erz. schr. 1, 30. untert (unter die, acc. sing.) handt H. Sachs 9, 517, 14 K.); als acc. plur. zum folgenden gezogen under dfüsz R. Manuel weinspiel 1822; mundartlich untert = unter das, u. dem Brendicke 187ᵃ. vereinzelt erscheint undern = unter ihnen (in, en, vgl. th. 4, 2, 2049, 1 ende, obers. wb. 1, 555ᵇ) Scheit Grobianus 326 ndr.
10)
unter im zusammenfall oder wettbewerb mit andern wörtern.
a)
mit hinter (vgl. Pott etym. forsch. 1², 79), bes. bair.-österreichisch: du bist gebenedeit hinter den weibern; hinter die leut gehen; hinter der kirche; hinter einem gulden; herhinter; hinterbleiben, -stehen u. a. Schmeller 1, 1136; under sein erb komen Aventin 5, 245, 23 verglichen mit hinter II 2 c, i; hinter und unter die bank werfen th. 1, 1107; unterm kopf hingehen Mathesius Sarepta (1571) 133ᵃ = hinter th. 5, 1751 γ; unter das licht führen th. 6, 868; dän. sla en under oret einen hinter die ohren schlagen; hinterlassen = unterlassen anz. f. d. altert. 25, 260 (s. hinterlassen 2); vgl. hintersasse und untersasse, hinterkorn und unterkorn, hintergedanken u. untergedanken (E. M. Arndt [1845] 3, 327), mnd. underlist u. nhd. hinterlist, mnd. hinderbackes, mhd. hinder rucke und ags. underbæc, as. under bak Heliand 4853, ags. undergân decipere und mhd. hindergân, nhd. hintergehen, hinterschlagen und unterschlagen, hintertreiben u. untertreiben, mhd. underziehen und nhd. hinterziehen, mhd. under schilde u. hinder den schilt Sperber bedeutungsentwicklung der präpos. über 64 ff. s. hinter II 1 i, 2 i, II 2 a, 1 b; so auch Luther: inspice ergo Sathanam, qui unterm berg helt 28, 58 W.; th. 4, 2, 1488; th. 1, 1507, 7; hinten und unten können die nordseite bezeichnen (Staub-Tobler 2, 1411; Schmeller 1, 1137); Unterseen und Hindersewen Staub-Tobler 2, 1418.
b)
mit ohne (inwieweit äuszerlicher zusammenfall einerseits, selbständige bedeutungsentwicklung anderseits gegeneinander abzugrenzen sind, ist nicht allgemein zu entscheiden; vgl. une und ûne Lenz Handschuhsheim. [1888] 52ᵇ, mhd. under danc, Murray 10, 1, 121 under II 9 c, Richthofen 1101ᵃ, mnl. wb. 5, 313; auch hier spielt hinter hinein, s. d. II 1 f, II 2 f, Haltaus 910; rechnungen hinter dem wirt machen Staub-Tobler 2, 1414): daz ich uch under mazin gern sege privatbriefe 1, 11 Steinhausen; klein unter alle maszen Spee trutznachtigall (1649) 142; pisz mancher ... sterben must u. seinen dank (1504) histor. volkslieder 248, 44 L.; wir könnens machen unter dich els. wb. 1, 52ᵇ. veraltet und nicht schriftsprachlich.
c)
mundartlich wird unteresse aus interesse Schmeller 1, 115; unterform aus uniform sp. 1074; unter stammt aus wunder in underchleine Notker 1, 765, 20 P., -selten, -siech, -got Staub-Tobler 7, 871; 2, 510. vgl. das mhd. underniuwe und unerklärtes unterdeine, -meine Fischer 6, 225.
11)
ableitungen sind für die schriftspr. im wesentlichen unfruchtbar geblieben (vgl. untig, unnig, unten I 8): unterig unten befindlich Schmeller 1, 115; 1, 87; untrisch Schranka Wiener dial. lex. (1905) 177 ('unterirdisch'); unterkeit, f. indiv. bildung Fischer 6, 236; unterlich, adv. adj. (entsprechend dem mnd. underlank, -lange, -langes, -lankliken; mnl. onderlinge, -linc; nl. onderling): sich u. (wechselseitig, einander) küssen Chr. v. Ryssel vom seelenfrieden (1685) 519; ohne unterliches (wechselseitiges, gegenseitiges) geben und empfangen 615; 707; 727. unterling, m. (engl. underling, nl. onderling), untergebener: Sanders 2, 1413ᶜ; vgl. hinterling th. 4, 2, 1511; Staub-Tobler 2, 1420. ünderlen, verb., herabwürdigen Staub-Tobler 1, 327. untern urinare Höfler 764ᵃ; mhd. undern erniedrigen Lexer 2, 1792.
bedeutung und gebrauch. die beiden hauptbedeutungen der in unter zusammengefallenen wörter ('infra' und 'inter') zu sondern, ist nicht immer möglich. Wilmanns gramm. 3, 519; nl. wb. 10, 1234, 22. im sprachbewusztsein ist der unterschied oft nicht lebendig. wir machen eigentlich keinen unterschied, wenn wir sagen: unter Gustav Adolf dienen und unter den Schweden dienen: es bleiben uns zunächst viele ausdrücke unklar wie unter dem fenster liegen, unter den arm nehmen, die katze kommt mir u. die beine, unter den Linden, unter den händen des chirurgen sterben; untergehen ('inter' und 'in die tiefe'); u. der feder des übersetzers Lessing 8, 6, 7 M.; die seelen knarrten unter ihren (der teufel) zähnen Klinger 3, 27; eine u. nachtviolen verversteckte rosenknospe E. Th. A. Hoffmann 10, 25 G. es hat nicht an versuchen gefehlt, die eine bed. aus der andern abzuleiten (J. Grimm gramm. 3, 260; W. Grimm th. 2, 804, 4; Graff ahd. präpos. 177: Pott etym. forsch. 1², 101; Doornkaat-Koolman 3, 468ᵇ), wodurch jedoch der wortgeschichtliche thatbestand nur verdunkelt, nicht aufgehellt wurde.
I.
adverbium. ὑποκάτω, subter, subtus; inter (s. unten 5, 6, 7) kommt schriftsprachlich kaum in betracht. Gabelentz-Löbe 2, 1, 141ᵃ; Cleasby-Vigfusson 653ᵃ; Murray 10, 1, 124ᵃ; Graff 1, 380 (untari, untiri, undera); mhd. wb. 3, 187ᵃ; Lexer 2, 1178; Lübben-Walther 430ᵇ; mnl. wb. 5, 313; nl. wb. 10, 1211. Staub-Tobler 1, 326; Fischer 6, 224. vgl.unten I 1, III 3. in nhd. schriftspr. ist die bed. 'von unten' dem mit suffix ana gebildeten unten vorbehalten. vgl. formen 6.
1)
auf und unter, auf und ab, auf und nieder (th. 1, 605), hin und wieder, hier u. da, überall:
hörner munter drein erschallen
auf und unter durch das grüne
Eichendorf 1, 683.
laub ober, laub under von betten, bei denen nicht nur der bettsack, sondern auch die decke mit laub gefüllt ist Staub-Tobler 3, 955.
2)
substantiviert in der mundartlichen allitterierenden formel unter und über zur bezeichnung des lebensbedarfs, zunächst an kleidung (unter- und oberkleid; engl. unders unterkleider), dann auch vom lager (unterbett u. decke) u. allgemeiner u. unbestimmter von hausrath u. wohnung. u. und über (genug) haben Staub-Tobler 1, 59. 326; vgl.um und an, über und über. s. auch zur substantivierung nl. ten onder mnl. wb. 5, 314; nl. wb. 10, 1215.
3)
'nach unten, hinab' in den zusammensetzungen bergunter, stromunter. th. 1, 1519; obers. wb. 2, 601ᵃ; 1, 87ᵃ: Faber thesaurus (1587) 641ᵃ; einen finstern auszgehauenen gang, der gieng immer berg unter Chr. Weise 3 hauptverderber (1673) 43; hastig im bergunterrennen Fr. W. Weber Dreizehnlinden ¹³⁶2; auch in erweitertem sinne, so dasz der begriff berg in der richtungsbezeichnung untergeht: ich bot ihr die hand bergunter (beim hinabsteigen vom thurme) Fr. Kind im obers. wb. 2, 601ᵃ; die zähren haben ... bergunter ihren lauf Picander ebda. wann nun die fische diese körnung in den reusen mercken, wie er dann solches den strom unter weit hinab mercken kan fischbüchlein 24; landunter titel eines werkes von Wilhelm Lobsien; selten. der präpos. stehen nahe: meerunter 'unters meer' th. 6, 1861; Sanders 2, 1413ᵇ; tischunter 'unter den tisch' ebda; bauchunter 'unter den bauch' Lenau 331 B. vgl.bergüber, ↗meerüber Paul wb.³ 557ᵃ.
4)
kopfunter bedeutet 'so, dasz der kopf unten ist' (kopfuntersich, kopfunterst) th. 5, 1781; nl. wb. 10, 1212, 32 a. ebenso wagt Göthe in der unter jählings th. 4, 2, 2228 angeführten stelle: pferd über, mann unter 25, 296, 18 W.
5)
in verbindung mit da und wo, statt darunter, worunter. zur trennung s. th. 2, 654; Paul wb.³ 99ᵃ: do entschlieff ich under Forster fr. t. liedlein 89 ndr.; da ist ein schalckheit under Eulenspiegel 103 ndr.; rein wachs, da nichts anders under ist O. Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 271; so noch volkssprachlich allgemein: da liegt ein brett unter; da mische ich mich nicht unter; wo soll ich das unter finden? das versteck, wo der schlüssel unter liegt u. dgl.; Fischer 6, 24. selten: welchem lett under ist Österreicher Columella 1, 322. heute schriftsprachlich gemieden. nl. onder darunter.
6)
in verbindung mit verben: die sonne, der mond, der abendstern ist schon unter Kramer (1702) 2, 797ᶜ; A. v. Eyb d. schr. 2, 61; Heinse 5, 194 Sch.; Schiller 12, 344; an. sol er undir, dagr er undir Cleasby-Vigfusson 653ᵃ; Murray 10, 1, 124ᵇ; nl. wb. 10, 1213; auch vom glücke: wann das glücke aufgeht, so schneiet es freunde, wenn es aber unter ist, hagelt es feinde P. Winckler 2000 gute gedancken (1685) E 3ᵃ. vgl.untermachen zu bett gehen Staub-Tobler 4, 44. 'hinunter, darunter': unterschlucken (hausdeutsch); ein gefäsz unter halten Adelung; Staub-Tobler 1, 326; daʒ gewant, daʒ diu maget under hete Schwabenspiegel 143 Gengler; eine weste unter haben. mit der bed. des bezwingens, überwindens: die schwermer meinen wol, wenn sie den Luther unter hetten, so furen sie auff eitel wolcken Luther 23, 37 W.; noch halbsinnlich: die hunde müssen dich (den wolf) nicht oft unter gehabt haben Lessing 1, 227, 8 M. auch jemanden unter kriegen, halten (vgl. engl. keep, knock under). viel haben gros drauff verwettet, die lutherischen solten umb Michaelis alle unter sein Luther 30, 3, 452 W.; von sachen 'nichtig, werthlos' u. dgl. mhd. wb. 3, 187ᵃ; Cleasby-Vigfusson 653ᵃ; Murray 10, 1, 124ᵇ. mnd. underbeholden im besitz behalten; dasz der hof mit seinem gewehre, den der leibeigne unter hat, die lohnung des staats ist J. Möser 3, 276; die nase unter haben (unter dem rasen, gestorben sein) Staub-Tobler 4, 795; mit unter verstandenem (sousentendu) ἐχοντα Lessing 11, 17, 31 M. nach II A 2 d: er ist u. (untergebracht) Campe. in verbindung mit verben mit denen auch zusammensetzungen vorliegen: so woll eur gnad den briff unter thun (vgl. unterschlagen) privatbr. 1, 65 St.; und ward ein grosses gerühel und lag der pfaff mit der kellerin under (sie bekamen prügel) Eulenspiegel 19 ndr.; H. ... schlug ihre augen ... under Spreng Ilias (1610) 38ᵃ; th. 9, 378; ich schnallte die stahlschuhe unter Storm (1899) 2, 102; mit dativ: den ... füszen ... band er ... die sohlen unter Bürger 1, 150 B.; und stützet sich die hand unter G. Stephanie lustsp. (1771) 113; fasse u. Campe 5, 195ᵇ; sofort faszten mich zwei unter Hoffmann v. Fallersleben leben 5, 216; kriech unter, die welt ist dir gram Reinwald henneberg. 1, 114 anhang; irrtümer laufen vielfach u.; man steckt die entlassenen anderswo u. u. dgl. s. die einzelnen zusammensetzungen und J. Grimms bemerkungen über unvollendete composition gramm. 2, 893.
7)
unter ist in der verbindung mitunter (th. 6, 2428) noch von Adelung wb. 4, 1280 als selbständig adverbial aufgefaszt (mit beispielen wie es musz mit unter gehen, mit unter laufen, mit unter regnete es): wirfft je zu zeiten ein italienisch oder spanisch wort mit under Moscherosch gesichte (1650) 1, 60; schlaget zuweilen ein trillo mit unter! Stoppe Parnasz 70; zeitlich Tiedge 4, 173. unter für mitunter s. formen 8. mnl. onder — ende 'sowohlals auch' mnl. wb. 5, 318 ff.
8)
unter über, unter und über (drüber), unterst oberst (vgl. ² unter III 2). Staub-Tobler 1, 60: so kehrt er das schiff under uber Forer fischb. 113ᵇ; vgl. unter über sich kehren th. 11, 2, 102; schweiz. z' underoben; Heyden Plinius (1565) 367; dasz alles unter und uber fühle Guarinonius 307; die götter ... kehren alles unterüber literaturbriefe (1765), 21, 22; jene philosophie, die unter-über mischt Herder 5, 513. unter und überkehren Guarinonius 83; dasz alles under und uber gienge Dreyfelder histor. d. hauses Est (1580) 28ᵇ; so wollen sie ... ober und unter (promiscue, inordinate, rabiate) zu gott schreien J. Schmidt göttliche friedenscondition (1641) 19; der krieg wirft alles unter und drüber Kramer (1702) 2, 1202ᵇ. vgl.unterst oberst Spiesz henneberg. 264; th. 5, 424; 7, 1077 f.
II.
präposition.
A.
infra, sub.; i. a. gth. v. über. aber auch andere präpositionen erscheinen im gs., z. b. das über verwandte ob Arigo decam. 38, 28 K.; auf Lehmann florileg. 1, 90; wir ... in der sonnen, die infernalischen ... under der sonnen Parac. 2, 477 H.; unter und neben allen sachen Lohenstein Arm. 1, 8ᵇ; unter und umb ire kessel Mathesius Sarepta (1571) 1ᵇ; wer nicht mit und aus uns ist, der ist unter uns! Herder 5, 130; synonym hinter: er ... fühlte alles hinter und unter sich Göthe 21, 60, 17 W. in dem unterscheiden der verbindung mit dem dativ und mit dem acc. folgt das nhd. unter zunächst der allgemeinen regel; s.über B, th. 11, 2, 12; 77. doch ist in über die accusativische bewegungs- und zielvorstellung stärker, bei unter die dativconstruction etwas reicher entwickelt und älter als bei über; noch heute sagt man: über die bäume fliegen, aber unter den bäumen hergehen; über ein jahr, aber unter einer woche; über mein erwarten, aber unter meiner erwartung. auf die geschichtlich wechselnde, im an., ags., as. von der unsrigen abweichende raumvorstellung wird hier nicht eingegangen. fälle eines von heutiger norm verschiedenen casusgebrauchs sind frühnhd. nicht selten; es kommt darauf an, ob beim sprechenden die vorstellung der ruhe oder die der bewegung überwog. wenn im betbüchlein d. ewigen wiszheit (1518) 70ᵇ acc. u. dativ verbunden werden (gehorsam gelassenheit mynes eygen willen under dich und under allen creaturen), hat im ersten falle sich lassen unter als bewegungs- und bewirkungsvorstellung den ausschlag gegeben, im zweiten die vorstellung der gelassenheit als zustandes der ruhe. man sagte wohl: varn under einer banc J. Grimm gramm. 4, 808; so die sonn under der erden geht Parac. 2, 547 H.; aus unter (den) augen stammt der dat. bei: lassen sich nicht unterm angesicht sehen Olearius pers. reisebeschr. (1696) 309 (vgl.das keyn man sy recht under iren ougen nie gesach d. ew. wiszheit betbüchlin 179ᵇ); umgekehrt: o gott, nun hastu mit menschengesezen nie kein volck also gröszlich beschwehret als uns arme under den römischen stuhl (u. mit acc. hier ausdruck der unterwürfigkeit als ergebnis der handlung) Dürer tagebuch (1884) 83; ... verhielt (s. verhalten 7) sie solches under ihr beth Amadis 28 Keller; ich sah meine geliebte Psyche unter ihre (der götter) flügel gesichert Wieland 2 (1794) 69; unter die linde soll sich nicht versammelt werden (versammeln i. ä. spr. oft m. acc.) Bettine dies buch geh. d. könig 1, 109. hostes suffodiunt cuniculos graben under die statt Alberus dict. (1540) 2ᵃ; mein unter die presse hafftendes wercklein (vermischung mit transitivem heften, s.haften 7) Harsdörfer secretarius 1, 16. nach dem lat. sub peccato (gegen gr. ὑπὸ τὴν ἁμαρτίαν, unter die sünd Zwingli d. schr. 1, 308; Mathesius Sarepta 180ᵇ): verkauft under der súnde erste d. bib. 2, 32, 31.
1)
mit dativ.
a)
gs. zu über II B 1 (vgl. Sperber bedeutungsentwicklung der präp. über 15), unter dem scheitelpunkt oder der horizontalfläche bei fehlen der berührung (man stellt sich vielfach den oberen gegenstand punkt- oder strichartig vor, er braucht es nicht zu sein).
α)
bisweilen werden masze des zwischenraumes angegeben: das quecksilber steht 6 grad unter dem gefrierpunkte; in Innsbruck fand ich bereits 14 grad unter dem gefrierpunkt vor Pückler briefwechsel 4, 119; eine handbreit unter der öffnung, stirn, dem auge, ohr, rande, deckel u. s. w.; 4 meter u. der spitze des turmes, berges; die erdoberfläche wird als meszpunkt genommen:
acht klaffter unter der erden
was die thür verporgen schon
lied v. hürn. Seyfried 32 ndr.
β)
ohne solche zahl- und maszbestimmungen mit beziehung auf himmelskörper, himmel, klima u. dgl. (an nichtberührung oder zwischenraum wird nicht mehr gedacht): unter der sonne th. 10, 1, 1615; Staub-Tobler 7, 1093; Murray 10, 1, 120, 1; mnl. wb. 5, 309; ganz allgemein wie sub sole nüt ist under der sonnen das neuwe sey Tauler serm. (1508) 247ᵃ; pred. Sal. 1, 10; der aller verschupfftist und verlasznist mensch, der under der sonnen ist Frisius 497ᵃ; was an mir geschehen ist, bleibt unerhört unter der sonne Gutzkow ges. w. 4, 55; unter dem monde th. 6, 2501; vor allen städten u. sonn und mond Bürger 156 B.; unter der erde mhd. wb. 2, 2, 743ᵇ; wann der mon new oder unter der erden ist Sebiz feldbau 49; mit bezug auf die erdoberfläche, wie überall in der a. spr.: ich wolte, das du so tieffe (vgl.α) under der erden werest, als du hohe dar oben bist Tappius adag. (1545) G g 1ᵃ; u. der erde liegen, ruhen tot sein; formelhaft ohne artikel: mit aller zuͦgehorung ob erd und under erd Knebel chron. v. Kaisheim 314 lit. ver.; unter der linie (Chr. Reuter Schelmuffsky 32 ndr.), dem äquator, breitengrade, klima, himmelsstriche, unter der heiszen zone (Göthe IV 42, 72 W.), u. jedem himmel th. 4, 2, 1336, unterm süden A. v. Haller ged. (1882) 12, u. dem norden wohnen Micrälius Pommerland 1, 3 (wo aber auch sub 'in der nähe von' einflieszt; s. ε); unter himile Graff präpos. 174; unter dem himmel th. 4, 2, 1334; Staub-Tobler 2, 1290; unter (gottes) freiem himmel 'ohne sonstige überdachung': hypaethrus ein gebeuw, das under dem himmel ist und nit gedeckt, unbedeckt geng, so under blossem himmel sind Frisius 638ᵇ; sub divo underm heyteren himmel 1251ᵇ; die vögel unter dem himmel, volatilia coeli, 1. Mos. 1, 26; Göthe 21, 9, 27 W.; danach auch unter des himmels luft Rückert 1, 72; underm lufte Wolfram Parz. 470, 17; under luften Rother 3533; unter tage th. 11, 1, 38.
γ)
mit beziehung auf lebende wesen: u. mir ziehen gewitter um den berg; anthropomorphisch:
unter ihm (Jehova) neigt sich der bogen des friedens
Klopstock oden 1, 137, 108 M.-P.;
underm schopf Scheit Grobianus 468 ndr.; ein kind unter dem herzen tragen 2. Makkab. 7, 48; th. 4, 2, 1208; nl. wb. 10, 1198; G. Hauptmann weber 28; überall nennt man unten, was man u. den füszen hat J. P. Hebel 2, 3, 30 B.
δ)
formelhaft, terminologisch und redensartlich: dem faulen wechst das sein under der stauden (überall) S. Franck sprichw. (1541) 2, 132ᵃ; u. dem eisen arbeiten, im bergbau, von oben nach unten gerade vorwärts das gestein losschlagen Mothes baulex. (1882) 4, 394; unter der banck beliegen (unvollendet) bleiben Rollenhagen froschmeuseler (1595) A 7ᵃ; unter dach th. 2, 661; lasz nur regen, gelobt sey got, daz wir under dem dach sein (1424) Bayerns ma. 2, 443; Göthe 3, 341 W.; übertragen unterm dach (im kopfe) th. 2, 660, unter dem hut Duez nomencl. (1652) 98, unter der mütze th. 6, 2840; man soll die füsz nicht lang unterm tisch stehen lassen (als gast weilen) Lehmann florileg. 1, 212; th. 11, 1, 508; nicht ohne einwirkung des lat.: abzug u. dem joch Mommsen röm. gesch. 2, 25; veraltet: untersich (nach unten) Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 412, am boden Hohberg georg. 1, 349ᵇ. in ä. zeit sagte man noch anschaulich: ich swer under mîner krône Stricker Karl 9622; die kirch, under (heute 'in') welcher die predig sin Eberlin v. Günzburg 1, 110 ndr. (so schon ahd. untar themo temple Graff präpos. 175); ein stück vieh, das unter der metzig gehet Lehmann florileg. 1, 479 (th. 6, 2155); das ros u. dem schwantz zeumen Luther 30, 2, 634 W.; wein u. dem zapfen ausschenken Guarinonius 846; grind underm antlitz Alberus dict. 59ᵃ; die bäume stehen under dem laub Fischart practik 18 ndr.; unter segel (sein, stehen, sich halten th. 10, 1, 87; Murray 10, 1, 121ᶜ, 5 c; Lübben-Walther 341ᶜ; nl. wb. 10, 1199) ursprünglich örtlich: þæt scip wæs yrnende under segle Bosworth-Toller 1199; dann 'auf der fahrt begriffen': als wir ein wenig u. segel gewesen v. Mandelslo morgenl. reiseb. (1696) 99; das schiff war u. s. Shakespeare 4, 63; darnach u. dampf sein, liegen, gehalten werden Sanders erg. wb. 133ᶜ; nl. wb. 1199; Murray 10, 1, 122ᶜ. unter deutscher flagge fahren.
ε)
besonderheiten bei ortsangaben: unter den toren in foribus erste d. bibel 3, 96, 35; under irer haustüre d'avanti la sua porta Arigo decam. 51, 20 K.; unter der thür ante aedes B. Faber thesaurus (1587) 204ᵃ; unter der hausthüre spukt ein kerl des ministers Schiller 3, 408; wer ist denn der bursche unterm hause? (s.haus 3 hausflur) Waiblinger Britten in Rom 114 Z.; underem hus 'kann in wirklich verticalem sinne verstanden sein, kann aber auch bedeuten vor dem h. mit beziehung auf die höher liegende wohnstube oder spec. auf derjenigen seite des h., deren terrain niedriger liegt' Staub-Tobler 1, 324; er wohnt u. mir ein stockwerk tiefer; unter dem rathaus im erdgeschosz des rathhauses H. Sachs 22, 209, 8 G.; mnl. wb. 5, 309; die burg Sucusa ... unter dem Palatin (am fusze, sub) Mommsen röm. gesch. 1, 89; unter den mauern (der stadt) beider städte 3, 14; u. den augen unsrer schulfenster E. M. Arndt (1892) 1, 46; unter den fenstern schlug eine nachtigall Storm 1, 32 (1899); arm. Heinrich 325; unmittelbar (nahe) bei nl. wb. 10, 1205, 18; mnd. 'auf der höhe von' im seewesen Lübben-Walther 430ᵃ. auch bei der th. 1, 791 (mhd. wb. 2, 1, 451ᵇ; 3, 187; Lexer 2, 184; Staub-Tobler 1, 133) behandelten verbindung unter augen ist in der mehrzahl der fälle für unter von dieser bed. 'dicht vor, unmittelbar bei' auszugehen (berufssprachlich von der vorderseite eines gebäudes: dise heuser sol man ietlichs fünfftzig schuͦch lang machen und under augen dreyszig schuͦch preyt Dürer underr. z. befest. d. stett [1527] E 3ᵃ; Staub-Tobler 1, 133; under augen [a fronte] angreifen [gs. a tergo] Xylander Polyb. 127; S. Franck weltb. 96ᵇ; völcker, wie under augen [in der äuszeren beschaffenheit] also auch mit sitten underscheiden ebda 151ᵃ; u. a. kennen [genau] passionsspiele 60 Wackernell; H. Sachs 6, 376, 11 K.; vgl. under angesicht Bech Agricolas bergwerkb. 25; sub oculis, sous le regard, under the eye; vgl. e: der u. meinen augen aufgewachsenen lieben gattin meines sohnes Göthe 4, 78 W.; II 2, 2 W.; Fontane I 1, 37. unter den augen des legaten [so dasz er es hörte] bezeichnen sie den papst als den antichrist Ranke 2, 96. jemand immer u. den augen behalten Heynatz antibarb. 2, 530, der für wo er den tod zum erstenmal u. den augen sah verbessert: vor augen). dem groszen Ingelheim under (stromabwärts von) Maintz Füetrer bayer. chron. 85; Aventin 1, 262, 11; so auch: hab ich (lamm) doch under dir (wolf) gestanden Kirchhof wendunmuth 1, 66; alles was die Baiern under (gs. ob) der Ems hetten Aventin 1, 289, 13; unter (unterhalb) Ofen Birken Donaustrand (1684) 66; u. (südlich von) Wittenberg Schwan; gleych under dem auszgang des sees im Rheyn ligt ein insel Stumpf Schwytzerchron. 410ᵃ; unter der kuppe des berges; mhd. wb. 3, 187ᵇ.
ζ)
auch bei bewegungsvorstellungen kann ein punkt der ruhe festgehalten werden: der erwachende Lazarus antwarp (warf sich hin und her) undar themu giwâdie Heliand 4102; wasser, das unter ... paumen sinen lauff hett Arigo dec. 53, 31 K.; unter dem sich ausbreitenden nebel bewegte sich der zug vorwärts; die arbeit am stollen schritt unter der erde fort; sich u. dem banner der freiheit schaaren, sammeln. des steinwerffens ... seyn vilerley manier ... u. und ober hand Guarinonius 1214. mit ortsadverbien: domit aller wuͦst und unflat under dem erdtrich hinweg flösz Carbach Livius 12ᵃ; so blank, als wären sie (die strümpfe) eben u. dem glättstein hervorgegangen Göthe 24, 174, 12 W.; unter dem regen hinlaufen Adelung lehrgeb. 2, 175; wie wettersaus gings ... gerade unter meinem standpunkte vorüber H. v. Barth Kalkalpen 273; mir so u. der nase hin ein wild wegzuknallen Fontane I 6, 34; während ein rosenstrauch ... sein ... gezweig u. dem strohdach hin ausspannte I 6, 38.
b)
über II B 2 entsprechend, mit eintritt der berührungsvorstellung in das bewusztsein. die berührung kann ohne oder mit annahme einer ursächlichkeit als gegeben betrachtet werden (b), sie kann druck, bedrückung, last, bürde werden (c), oder bedeckung, schutz, betrug (d), oder sie kann zur vorstellung der unterordnung, abhängigkeit, gewalt, einwirkung führen (e) oder zur vorstellung des zurückbleibens hinter jemandem (etwas), der minderung an werth, würde, eigenschaften, menge, zahl, zeit, preis (f).
α)
das verhältnis von ursache und wirkung (die absicht) tritt zunächst in den hintergrund: das holz under der rinden mhd. wb. 3, 187ᵇ; unter dem wasser schwimmen Frisius 1413ᵃ; th. 13, 2310; unter wasser stehen Kramer (1702) 2, 1201ᶜ; mnl. wb. 5, 309; he mot lyslik gan, de eier heft under den voten Tunnicius sprichw. 649 Hoffmann; die eiskruste brach unter den füszen der armen kleinen thiere Moltke 1, 137; das pferd wurde ihm u. dem leibe erschossen; ein pferd ... wird ... u. dir ein Bucephalus v. König gedichte (1745) 35; vielleicht auch brannte ihr das hiesige steinpflaster unter den füszen Holtei erz. schr. 1, 87; th. 2, 368; merkwürdig ist es jedoch, dasz dieses widerspenstige feuer schon funfzig jahre unter poetischer asche (vgl. d) fortglimmt Göthe IV 33, 28 W.; in ausdrücken der berufssprache: unter dem winde (vom entgegenwehenden winde berührt, bestrichen) seyn heiszt bei der schiffahrt den wind wider sich haben Voigt geschäftsführung (1807) 2, 527; th. 14, 2, 247; Murray 10, 1, 121ᵇ, 7; mnl. wb. 5, 310; nl. wb. 10, 1199; wir segelten nordwärts, die insel Juan Fernandes unter dem winde, d. i. im westen lassend Chamisso 1, 110; in der jägerspr.: wenn er (d. hirsch) unter wind ist (vgl.er suchet u. wind zu kommen) Heppe jagdlust (1783) 1, 149; unter wind und schauer seyn Döbel jägerpractica (1751) 1, 30; man beschleicht sie (seehunde) ... unter dem winde Allmers marschenbuch⁵ 330; übertragen: dasz das haus V. auch wieder bergan ziehen und nicht immer geduckt unterm winde stehen werde Fontane I 1, 15; ähnlich unter see liegen 'vor topp und takel beiliegen, bei starkem winde ohne alle segel das schiff treiben lassen' Krünitz 200, 62; Murray 10, 1, 122ᵃ, 12; nl. wb. 10, 1199.
β)
das mit präpositionsbestimmung bezeichnete verhältnis wird deutlicher als ergebnis einer (gewollten oder gemiedenen) einwirkung vorgestellt: sin uuinstra ist unter minemo hoibete (mit der absicht der stützung) Graff ahd. präpos. 175; damit brach die grundlage seiner machthaberschaft unter ihm zusammen Mommsen röm. gesch. 2, 121; vgl. 2, 211; unsern verbündeten ... den boden u. den füszen wegziehen Bismarck gedanken u. erinn. 2, 21 v.; th. 4, 1, 1, 988; under einer übelen troufe Walther v. d. Vogelweide 33, 10; ein mohr schwärzt den andern nicht, sagt eine nonn unter desz münchs kutten Lehmann florileg. 1, 350; die leiche lag unter der seines gegners; u. dem schwerte (mnd. wb. 5, 25ᵃ), dem messer des chirurgen sterben; hiernebenst war ein defensionswerck ... u. der schmiede Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 107ᵇ; generale, den hut unterm arm, folgten dem zuge Gutzkow zauberer 1, V; th. 1, 552 f.; unter den stücken (kanonen) stehen Kramer (1702) 2, 1201ᶜ; Brentano 5, 8; wo sein haupt unter dem beil des scharfrichters fiel H. v. Kleist 3, 248 E. Schm.; u. den pfeilen der Spartaner fallen Klinger neues theater 1, 12; das stück kunst und alterthum, jetzt u. der presse, schicke ich nächstens Göthe IV 36, 235 W.; blumen ... entsprangen u. seinen fuszsolen Wieland Agathon 1, 9; Göthe 2, 55 W.;
ist mir doch als dröhnt die erde
schallend unter eiligem pferde
Faust 7320;
u. dem finger erseufzt die saite th. 5, 930; Müllner 2, 5; an das causalverhältnisz (s. e) reichend: die gedanken sprühen ihm hervor wie u. dem hammerschlag die funken Ranke 1, 210; 1, 53; Schiller 15, 1, 10; die linden frühlingslüfte, unter denen drauszen die braunen knospen springen Pückler briefw. 1, 373.
c)
die berührung macht sich als druck, bedrückung, last, bürde, zwang, drohung u. dgl. fühlbar (Murray 10, 1, 122ᵇ, 15): wie ein grosz crütz legst du uff din kind, under dem es vylicht ewiglich versinckt Eberlin v. Günzburg 1, 27 ndr.; under dem schweren joch desz blutdurstigen Türcken H. Sachs 1, 221, 3 K.; es erstickt keyn mausz ... unter eym hewschober Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. J. Hussen 35 ndr.; da bogen sich orangenbäume u. dem gewichte ihrer früchte J. Kerner bilderb. 4; reisende, die ... u. der last von begriffen, die auf sie zudrangen, gleichsam erlagen Göthe IV 8, 169; die seelischen vorgänge eines unter schwerer last ringenden menschen G. Freytag 14, 53; unter sklavenketten, beschwerde, gefahr, bedrängnis, gewalt, angriffen u. s. w. erliegen sammlung v. schausp. (1764) 1, 4; A. v. Haller Fabius u. Cato 6; Göthe 19, 8; 24, 120 W.; Eichhorn staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 69; der cristenlichen warheyt, die u. so vil vortruckern not leydt Hutten 1, 410 B.; machet, dasz ich nicht drunter leide oder zu kurtz komme Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; th. 6, 660; nl. wb. 10, 1208; u. dem adelshasse zu leiden haben Bismarck gedanken u. erinn. 1, 32 volksausg.; u. solchem forterbenden fluche litt das häuschen nicht O. Ludwig 2, 305; th. 10, 2, 1620; die güte meines herzens ist unterm druck des leidens ganz erstickt Klinger neues theater 1, 128; die sich desz tages nagen, liegen desz nachts unter plagen Lehmann florileg. 3, 42; u. dem zwange leben Adelung; u. dem druck der verhältnisse; u. drohungen etwas tun. die hände unterm fasz (gebundne hände) haben Staub-Tobler 1, 324.
d)
die berührung bedeckt oder verdeckt, bietet schutz, sichert verborgenheit, heimlichkeit, list, betrug.
α)
mit beziehung auf kleidung u. ausstattung: auch hatte die mutter.,.. u. dem blauen mantel ein röthliches zartgefärbtes unterkleid Göthe 24, 7, 2 W.; u. dem mantel bergen 3, 3 W.; wer sollte sie u. dieser kleidung suchen? G. Stephanie lustsp. (1771) 65; under kreuze, krône mhd. wb. 3, 187ᵇ; ein altes gesicht unter einem jugendlich verwegenen hute.
β)
besonders schützen rüstung und waffe: under helme Bosworth-Toller 1096ᵃ; Lexer 1, 1240; unterm helme fechten Göthe 6, 53 W.; alterthümelnd: u. helme gehen Weber Dreizehnlinden¹³⁶ 132; unter schilde Sperber bedeutungsentwicklung d. präp. über 63—67;
du wirst dein friedensamt, groszmächtigster, verwalten
allein mit deinem schwerdt und unter dem gewehr
J. v. Besser schriften (1732) 1, 23;
Schiller 9, 18; binnen einem halben jahre standen ... 400 000 Engländer u. waffen E. M. Arndt (1845) 1, 292; u. waffen sein, bleiben u. dgl. th. 13, 273 f.; 10, 2, 16, 18 f., ähnlich under herefona 'bei aufgepflanzter fahne' Richthofen 1101ᵃ; u. den fahnen jemandes dienen, sich sammeln Göthe 22, 103 W.; Archenholz England u. Italien 1, 1, 22; under dem creutz widder die Turcken fechten Eberlin v. Günzburg 1, 172 ndr.; mit geschwächter schutzvorstellung: damit er ... u. unserm geleit in seiner väter gefilde ... komme J. H. Voss Odyssee 122 B. aber auch vieles andere kann deckend schützen oder so gedacht werden: u. der decke liegen u. dgl. th. 2, 885; 882 ff.; sie liegen unter einer decke (sind einig) Lehmann florileg. 1, 186; dasz die mit dem prinzen u. der decke liegen würden A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 645;
das kommt nun unter einer decke (zusammen)
dem guten leser in die hand
Göthe 1, 11 W.;
unter zelten leben 1, 65 W.; entwelen unter seim schaten erste d. bibel 1, 134, 12; unter flocken eingeschneit sein Rückert 1, 11; wie stark gelegentlich die ortsvorstellung von der schutzvorstellung zurückgedrängt ist, zeigt unter glas und rahmen (Stifter 14, 104), wobei unter zu rahmen nur theilweise oder gar nicht paszt. ursprünglich der sicherung diente auch das siegel: gegebin undir mime ingesygil privatbriefe 1, 10 St.; Hutten 1, 418 B.; die unter seinem (des kaisers) siegel solches thun Luther w. Hans Worst 45 ndr.; darnach unter eygenhändiger unterschrifft Grimmelshausen 4, 504 Keller; übertragen unter dem siegel der verschwiegenheit Klinger 3, 80; th. 10, 1, 901; Göthe 22, 122 W.; u. dem fürstlichen secret produciret acta publ. 1, 72 Palm; th. 10, 1, 404; unter schlosz u. riegel liegen, halten; unter verschlusz halten Gutzkow zauberer 4, 4; unter kreuzband Herwegh briefe (1896) 284.
γ)
halbsinnlich: u. dem schirme einer weiten buche Droste - Hülshoff 2, 273; Luther 6, 26ᵃ Jen.; th. 4, 2, 996; gott ... welcher ... die gest under seinem schirm und schutz helt Schaidenreiszer Od. 56ᶜ; lasse sie ihre zuversicht haben unter seinen flügeln Schupp schr. (1663) 2; bildlich: unter dem flügel, der hülle der nacht Klopstock oden 1, 202, 1 M.-P.; Göthe 21, 96 W.; u. den flügeln seiner liebe 21, 45 W.; allgemein: u. dem schutze der nacht, der hauptstadt, der konsuln Tieck 4, 327; Mommsen röm. gesch. 2, 31; Moltke 1, 139. unsinnlich, verblassend undir bedechedo sub velamento, gleichniszweise (s. g) Notker ps. 89, 17; er ... verbarg seine klugheit unter einem artigen ... unverstande Chr. Weise polit. redner 53; systeme, welche im wurm noch u. der allgemeinen hülle verborgen lagen Göthe II 8, 14 W., was u. solcher milde lauert Fouqué held d. nordens 2 A; transsubstantiiert (s. g): das under dem brot sey der warhafftige leib Luther 12, 476, 11 W.
δ)
heimlichkeit, list und betrug werden möglich; mnl. wb. 5, 311: die decke zu lüpfen, unter welcher autor und publicum bedrängt und betrogen sind Göthe IV 41, 129 W.; u. fremder, falscher flagge segeln (in übertragener bed.); unter dem hütlein spielen, stechen, es geht u. dem hütlein zu th. 4, 2, 1991; ähnlich wie in der tasche:
dann habt ihr sie all unterm hut
Göthe Faust 2028;
unter der kappe lachen Gerstenberg recens. 67, 21 lit. denkm.; der hat etwas u. der kappe Fischer 6, 225; unter der hand als gs. zu auf der hand th. 4, 2, 328; etwas u. der hand thun Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; u. de hand im stillen Brendicke 187ᵃ; successive Sperander (1727) 700ᵃ; vgl. dän. unterhaanden, schwed. under hand, nl. onder de hand, engl. under-hand (heimlich, gelegentlich, nach u. nach); ich gebe ihnen diese nachricht u. der hand Lessing 17, 26 M.; es giebt menschen, denen u. der hand alles, was sie als mittel behandeln, zum zweck wird Schleiermacher Athenäum 1, 2, 136; überdies ging u. der hand das gerede ... G. Keller 1, 132. an g rührend: hie ist heimlich berürung siner bitt für sin leben under den worten Riederer rhetoric (1493) b 2ᵃ; in modale bed. übergehend: die sünden gesellen sich den menschen under ainer füchsen haudt A. v. Eybe spiegel d. sitten (1511) A 3ᵃ; die warheyt hatt lange genug unter der lügen gelegen Luther 11, 356 W.; sie weren yhr leben lang juden unter dem christenmantel blieben 11, 315 W.; unterm mantel unversehens Lehmann florileg. 2, 610; th. 6, 1609; unter dem deckmantel der armuht Grimmelshausen 2, 348, 8 Keller; th. 2, 893; der religion Kramer (1702) 2, 25ᵇ; wir ... sind ... unter der maske so aufrichtig, als wir wollen Göthe 21, 187, 5 W.; u. der larve der freundschaft hintergehen Adelung lehrgeb. 2, 175; er erkannte sich nur u. dem bilde des durch einen dritten zu vollendenden ganzen Göthe 46, 17 W.; unter dem firnisz der höflichkeit Archenholz England u. Italien 1, 1, 50.
e)
an c schlieszt sich die entwicklung, die zu den vorstellungen der unterordnung, abhängigkeit, unterthänigkeit, gewalt, einwirkung führt (Murray 10, 1, 121ᵇ, II; vgl. th. 10, 2, 1619 f.).
α)
der ausgang von der sinnlichen vorstellung ist dabei noch oft deutlich; z. b. ein schôn schip wart mi under de vote gedân 'meiner führung anvertraut' mnd. wb. 5, 25ᵃ; unter dem zaume halten, unter der rute (als rechtssymbol), u. dem pantoffel stehen, sein, halten u. dgl. Keisersberg bilgersch. 102ᵇ; th. 8, 1561; th. 7, 1426; unterm schwert leben Hebbel 2, 232; etwas u. dem schlüssel haben Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 17; dich u. meiner hand zu wissen Gerstenberg Ugolino (nat. lit. 48) 225, 34; Deutschland liege ihm ganz u. den füszen E. M. Arndt schr. (1845) 1, 237.
β)
von unterordnung im verhältnis zu gott: alle ... creatur ist u. gott P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 387ᵇ; dem newen priesterthum u. Christo Luther 8, 493 W.
γ)
von rechtlicher unterthänigkeit und verpflichtung: D. Sefeldt undir dem herren bischove zu Sameland dedit 20 m. Marienburger treszlerb. 3, 16 J.; u. tyrannen denkt der bürger nur an sich Klinger neues theater 1, 8; u. des soldan herschaft und gewalt Arigo decam. 149, 18 K.; unterm krummstab wohnen th. 5, 2466; ietliche stat soll obgemelter vogtien zehen under ir haben Eberlin v. Günzburg 1, 122 ndr.; zum zeychen, dasz sie (d. braut) under dem mann were Alberus dict. 70ᵇ; 1. Mos. 16, 6; Römer 7, 2; unterm joch des stammesherrn stehen Rückert 1, 112; ein vormund, u. dem ich stehe Gellert 4, 300; u. vormundschaft stehen (Raumer Hohenstaufen 4, 4; bgb. § 1409), sein, sich befinden; alle ding seind under deiner ee erste d. bibel 7, 42, 6; dienen under dem zinsz 5, 159, 33; u. dem gesetze leben Adelung lehrgeb. 2, 175; Römer 3, 19; under eines gericht und gebieten seyn Frisius 744ᵃ; diesz wollen wir under dem urtheil der historienschreiber stehn lassen Fischart bienenk. 236ᵇ (vgl. sub judice); u. jemandes botmäszigkeit leben Kramer (1702) 2, 54ᵇ; derjenigen herrn, u. deren jurisdiction selbige gelegen Grimmelshausen 2, 348, 11 Keller; u. dem gebote der schlechtesten menschen erniedrigt Göthe 22, 87, 16 W.; u. der tyrannei einer stiefmutter O. Ludwig 2, 11; auch an keinem, so under seinem muͦsz und brot sein wöllend Wickram 2, 129, 33 B.
δ)
vom verfügungsrecht über sachen, vom besitz u. gewahrsam (Lexer 2, 1777): etwas u. händen, u. sich haben Frisius, Adelung; städtechron. 6, 25, 15; mnd. wb. 5, 25ᵇ; Staub-Tobler 2, 1390; u. händen lassen th. 4, 2, 530; mein kleinet untern juden stehnt H. Sachs 12, 440, 28 K.
ε)
hierarchisch: u. dem papste stehen, u. dem papsttum sein, leben Luther 10, 2, 137; 26, 147; 23, 322 W.
ζ)
von regierung u. regierungszeit (oft blosz 'bei lebzeiten' u. ä. Staub-Tobler 1, 325): under Sorobabel erste d. bibel 5, 1, 19; under und bey regierung des ... keysers Caroli Fronsperger kriegsbuch 1, titel.; unter der vorigen regierung O. Ludwig 2, 362; liebe für das vaterland auch unter monarchien Abbt 6, 2, 20; unter seinem scepter vereinigen.
η)
von constellation: Parac. 2, 374 H.; welche u. dem zill diser monde geboren werden Heyden Plinius (1565) 16; u. sonderbaren aspecten Göthe IV 11, 98 W.; under dem blöden Jupiter Fischart praktik 9 ndr.; Schiller 12, 28.
θ)
militärisch: ich habe unter mir kriegsknechte Math. 8, 9; musquedirer u. den Schweden Grimmelshausen 2, 7, 17 Keller; u. den Deutschen dienen Göthe 23, 263, 19 W.; herr capitain v. U. u. ihro kgl. majestät regiment zu fusz Casseler zeitg. 1731, 15; gegen die ... flotte u. Preuszens führung Moltke 1, 26; u. dem commando Brentano 5, 13; unterordnung u. zugehörigkeit auf grund rein örtlichen verweilens bezeichnend: gerichtsweybel, der da wissen sol, unter welchem fendlin die gerichtsleut ligen Fronsperger kriegsb. 1, 3ᵃ.
ι)
von aufsicht, controlle, fürsorge: Petrus, do er sach alle christgloubige menschen under im als schefflin, die im entpfollen worent als einem hirten Keisersberg bilgersch. 2ᵃ; die selben nunnen söllen für hin sein under der visitation ires pfarrers Eberlin v. Günzburg 1, 136 ndr.; unterm aug des artzts Schiller 5, 80; u. controlle, sequester, quarantaine, beobachtung, censur, ärztlicher behandlung; u. der pflege und sorge gütiger, schöner wesen Klinger 4, 15; u. dem vorsitz eines lords Archenholz England u. It. 1, 1, 13.
κ)
von erziehung, bildung, unterweisung: eyn knabe, der unter seynem zuchtmeyster ist Luther 10, 1, 1, 450 W.; zeichnungen u. seiner aufsicht Göthe IV 8, 45 W.; er hat eine grosze anzahl von künstlern u. sich 17, 20, 11 W.; die oberhofmeisterin, u. der meine schwester sich zu bilden das glück hatte 22, 303, 10 W.
λ)
von freierer abhängigkeit und bloszer einwirkung: hie sichstu klarlich alle ding under den menschen oder zuͦ dienst dem menschen, nit zuͦ einer beschwaͤrd den menschen verordnet sin Zwingli freiheit d. speisen 13 ndr.; die vernunft äuszert sich u. (vgl. d) seiner (des kindes) sinnlichkeit schon so würklich, dasz ... Herder 5, 32; dasz ich u. bacchischen eindrücken eines frühstücks gesprochen hätte Bismarck gedanken u. er. 2, 25 volksausg.; u. dem eindruck des gehörten; L. wuszte nicht, wie sie unter den eindrücken, die ihr inneres bestürmten, in dem wirtshause des ortes ankam Gutzkow zauberer 2, 55; u. verdacht, u. einem gefühle, einer regel u. dgl. stehen th. 10, 2, 1620; dadurch werden ... ewere gedancken ... geleutert werden, damit sie under der losen eytelkeit nicht verderben Moscherosch insomnis cura 97 ndr.; dasz diese sachen u. der plumpheit seiner ausdrücke verächtlich werden J. E. Schlegel 3, 220; dasz unter denselben (den regeln unsrer d. grammatiker) der styl hinkt und ermattet Zimmermann einsamkeit 1, XVII; die zeichnungen sind von der besten art, u. dem einflusz des edelsten geistes hervorgetreten Göthe IV 42, 231 W.; die handlung stieg u. seiner einwirkung schnell Brentano 5, 288; Ranke 14, 4; fast causal: u. diesem gefühl der unendlichkeit des raums komme einem die hauptstadt der welt wie ein übelplaciertes kloster vor Justi Winckelmann 2, 1, 170;
aufs neu der ton herüber treibt,
doch schwach nur unterm winde bleibt
Droste-Hülshoff 2, 52;
u. hitzestrahlung, u. chloroformnarkose.
μ)
vieles steht auf der grenze von ¹unter II B; z. b. der witz des geschichtsschreibers ... verläszt die wahrheit u. der anmuth des vortrages A. v. Haller tageb. s. beobachtungen 1, 8; glorie, die u. jeder beschreibung verliert Schubart ästhet. d. tonkunst 44; schreiben u. dictat Bismarck gedanken u. er. 1, 24 volksausg.
f)
mit dem begriff der unterordnung (e) verbindet sich oft der eines zurückbleibens hinter einem oder etwas an werth, würde, eigenschaften, preis, menge, zeit, alter. Murray 10, 1, 123ᵇ.
α)
auch hier ist der sinnliche ausgangspunkt sichtbar: der ratsherr hat u. dem doctor zu sitzen (geht u. dem doctor 'zur linken hand' Adelung); u. der stufe der menschheit Schiller 1, 14; u. dem masze eines mannes O. Ludwig 2, 310; unterm strich (schlecht) sein Staub-Tobler 1, 324; Fischer 6, 225; 5, 1862; Sanders erg. wb. 534ᶜ. der gs. zu über (ober) wird hier oft so lebhaft gefühlt, dasz die präposition einen ungewöhnlich starken satzton erhält und die folg. bestimmung fast tonlos bleibt.
β)
infra unter, minder Aventin 1, 457, 5; Murray 10, 1, 123ᶜ; under mazin s. formen 10 b und unten 2 f; ich waisz, dasz mein hauszfraw P. mit schöne und kundigkait ferrn under dir ist Schaidenreiszer Odyssea (1537) 21ᵃ; hypodidascalus ... der under dem schuͦlmeister ist Frisius 638ᵇ; er ist noch weit u. ihm Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; wie dann ein jedes wesen oder corpus u. dem geiste ist J. Böhme 2, 29; u. einem (etwas) stehen th. 10, 2, 1570; nicht ohne einflusz des franz. audessous de qn: er sprach von seinen werken, als von kleinigkeiten, die u. ihm wären Gerstenberg recens. 140, 6 lit. denkm.; etwas u. sich (seiner würde) finden Jean Paul 15, 28, halten J. H. Voss georgica (1789) XI; Müllner 4, 186; steht denn mein herr ... nicht tief u. dem elephanten? Immermann 2, 99; wer nicht mit und aus uns ist, der ist u. uns! der fremdling ist schlechter als wir, ist barbar Herder 5, 130; leider geht er (Fichte) auch nur meist mit jungen leuten um, die zu sehr u. ihm sind Göthe IV 10, 233, 12 W.; er ... fühlte alles hinter und u. sich, er hatte sich von allem los gemacht 21, 60, 17 W.; unter der (aller) kritik (audessous de la, toute critique) sein th. 5, 2335 f.; Herder 3, 259; Sturz 2, 26; ebenso u. der (aller) kanone (kanallje) obers. wb. 2, 13ᵃ; Brendicke 64ᵇ; unterm hund Staub-Tobler 1, 324; Fischer 5, 225; u. allen (-m) affen obers. wb. 1, 11ᵃ; u. dem (reitenden) nachtwächter th. 7, 222 obers. wb. 2, 269ᵃ; Sachs-Villatte 1842ᵇ; merkwürdig ... bei ihnen ist immer alles gleich supra oder unterm nachtwächter Gutzkow zauberer 2, 324; das ist u. dem kredit obers. wb. 2, 103ᵇ; untern p — Brendicke 187ᵃ; u. der natur, dem muster, der aufgabe sein, bleiben Lessing 9, 7 M.; Kretschmann 5, 396; Lessing 8, 74 M.; (Schiller 10, 532;) so lange man u. sich (inter se) selbst ist, ist man um so viel mehr auch u. seiner zeit 11, 273 M.; von handelshäusern u. sich sein in unterbilanz gerathen Sanders erg. wb. 585ᶜ; etwas, das noch u. der vollkommenheit ist J. E. Schlegel 1, 411; einwürfe u. einer widerlegung Herder 3, 32; ich ... finde es (Darwins buch) wirklich u. meiner erwartung Göthe IV 13, 39 W.; Dalbergs und meine ideen ... sind sehr u. unserm wunsche aufgenommen Schiller briefe 1, 189 J.; um nicht u. meinem glauben an ihre güte zu sein Brentano 8, 212; ihr seyd u. meiner rache Klinger 2, 88; Tieck 17, 8; u. der würde des weisen Sturz 1, 199; das ist u. meiner (aller) würde; sie lieben unterm stand Müllner 6, 129; unter einem millionär tut ers nicht.
γ)
vom preis (Murray 10, 1, 123ᶜ, 22 c): etwas u. dem preise lassen th. 7, 2089, u. preis verkaufen; sehr viele (sind) höchst billig und der gröszte theil noch u. unsern gewöhnlichen preisen Göthe IV 29, 108, 27 W.; unnedäm (wohlfeiler, geringer) kann ekt nich verköpen Danneil 231ᵇ.
δ)
von zahl u. menge: welcher burger under hundert guldin wärt hat, darff nicht geben Eberlin v. Günzburg 1, 131 ndr.; Grimmelshausen 2, 415, 24 Keller; u. 5 gulden thue er es keinenfalls H. v. Barth Kalkalpen 531; deren ... waren nit under achtzehen tusent histor. volksl. 204, 9 L.; mein zal ist under 20 Stifel die coss Rudolffs gebessert (1553) 424ᵃ; (er) speiste nicht gern u. sechs schüsseln Immermann 1, 54; ein rehbock unter 70 pfund K. Stieler gedichte 3, 24.
ε)
von zeitangaben (mnd. wb. 5, 25ᵇ; Murray 22 d; Staub-Tobler 1, 325; Fischer 6, 225; Schambach 242ᵃ): 'vor ablauf von' under driu tagin Müllenhoff u. Scherer denkm.³ 37, 6, 14; ob uns nit kumpt die hilff under fúnf tagen erste d. bibel 7, 58, 40; under jars frist öst. weisth. 6, 224, 30; wo aber ein empfangnes meidlin u. 3 monaten auszfert Wirsung arzneib. (1588) 547ᶜ; u. 10 jahren werde ich ... schwerlich wiederkommen Chr. Reuter Schlamp. krankheit u. tod 102 ndr.; Göthe IV 27, 141 W.; ich bin nicht imstande, u. den ersten 8 tagen an einen brief zu denken 47, 182 W.; so dasz ich das ganze geschäft u. vierzehen tagen nicht los werde IV 16, 370 W.; nd. under korten 'vor kurzem u. in der nächsten zeit' Schambach a. a. o.
ζ)
vom alter: die jüngest u. 18 jaren Arigo decam. 8, 35 K.; Göthe 23, 162 W.; ihr (der zuchtstuten) alter soll nicht u. dreien und nicht uber zehen jar sein M. Herr feldbau (1551) 184ᵇ; eigenschaften, die zu ihrer reife gewisse jahre erfordern, weit u. welchen er starb Lessing 9, 211 M.; alles, was auch der beste kopf in dieser gattung u. dem dreyszigsten jahre leisten kann, sind versuche 6, 212 L.; under de jare nicht confirmiert Staub-Tobler 1, 324; unter seinen (den) jahren Fischer 6, 225; engl. under age, years; mhd. under sînen tagen (minderjährig) sîn Lexer 2, 1385; th. 11, 1, 60; mnl. wb. 5, 313, 8.
g)
lat. verbindungen (sub poena, jurejurando, obtentu, praetextu, conditione, circumstantia, specie, voce, rosa, uno), bes. aus urkunden- und geschäftsspr., scheinen vielfach eingewirkt zu haben (zs. f. d. wortf. 4, 131); beziehungen zu eigensprachlicher entwicklung fehlen freilich nicht immer. manches reicht an B 1 f. dem gemeingermanischen wie den mundarten gehen diese ausdrücke i. a. ab (doch vgl. z. b. Bosworth-Toller 1096ᵇ; Wullen der synt. gebrauch der präp. fram, under u. s. w. in d. ags. poesie 1, 35): unter strafe des bannes Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; u. strafe des todes gebot das edikt Klinger 4, 151; u. androhung schwerer strafe; Murray 15 b; s. bei 7; vgl. oben c, e; oft nur zur bezeichnung des begleitenden umstandes (vgl.über c, th. 11, 2, 97): untar kankanuuirdu sub presentibus ahd. gl. 1, 250, 27; sub attestatione jurisjurandi under der bezeugung des aides erste d. bibel 3, 192, 37; unter eid (mnd. wb. 5, 25ᵇ; mnl. wb. 5, 312) aussagen, vernommen werden u. dgl.; sub praetextu under der fürwort (s. d. 5, 6) Xylander Polyb. (1574) 374; underm vorwand Grimmelshausen 2, 38, 14 Keller; u. keinem vorwande Lessing 8, 3, 12 M.; u. vorbehalt halbjähriger kündigung; u. beziehung auf das frühere schreiben; u. der hinsicht auf Göthe II 8, 31 W.; u. vermittlung, beihülfe jemandes etwas durchsetzen; u. der aufforderung, dem versprechen H. v. Kleist 3, 229 E. Schm.; Tieck 4, 388; u. verzicht auf H. v. Barth Kalkalpen 168; u. zulassung der Römer Mommsen röm. gesch. 2, 52; u. beschuldigung (anklage) des mordes vor gericht stehen; u. gefahr, weniger gelehrt zu werden Göthe 46, 91 W.; under danger Murray 15 c; obschon ... das zwanzigste flämmchen u. einem winkel von kaum sechs linien gesehen wird Christian Hügens weltbeschauer a. d. lat. übersetzt (1767) 194; u. einem winkel von 71° niederhängen Brentano 5, 357; underm guten glauben der freuntschafft (vgl.δ, under trust Murray 19 b); B. Waldis Esopus 1, 296 K.; wir ... sind also u. der hoffnung einer gütigen genehmhaltung bewogen worden Menantes neue briefe (1723) 279; damit sie zeigten, u. welcher zuversicht sie auszögen E. M. Arndt schr. (1845) 1, 238. under solicher gestalt (vgl.auf andere g., durch diese g., mit der g. th. 4, 1, 2, 4181, quae cum ita essent) hat man in vil oͤrden und kloͤstern verbotten den Luther zuͦ läsen by hoher pein Eberlin v. Günzburg 1, 95 ndr.; ich glaube u. gewissen fällen das gegentheil Herder 5, 15 ('besser in gewissen fällen' Adelung); dein opticismus wäre mir ... u. deiner lage ... ein zu feiner ableiter Knebel an Göthe nr. 109; u. allen verhältnissen Göthe 7, 161 W.; u. künstlerischen beziehungen betrachten 46, 77, 20 W. (ausdrücke wie u. ungünstigem lichte werden im nl. wb. 10, 1210 mit voraussetzung einer von oben einfallenden beleuchtung erklärt; unter diesem gesichtspunkte giebt franz. sous ce point de vue wieder); die hiebevor unter gewisser condition zum nachlasz bewilligten 30 000 thl. acta publ. 1, 42 P.; u. dieser bedingung Göthe 22, 122 W.; die umstände, unter welchen sie diese arbeit von mir verlangen, machen sie mir zu einem vergnügen Lessing 8, 5, 1 M.; u. welchen umständen bist du erzogen? Göthe 21, 30 W.; u. diesen, den gegebenen, vorwaltenden, gleichen, gewissen, allen u. dgl. umständen 46, 94 W.; IV 29, 2 W.; IV 41, 15 W.; Droste-Hülshoff 2, 262; Mommsen röm. gesch. 2, 59; u. umständen; verkaufft also mein new testament unter seinem namen (der name steht oben darauf) Luther 30, 2, 634 W.; mein schlechtes schauspiel u. dem namen des friedewünschenden Teutschlands J. Rist friedew. Teutschland (1648) 11; u. fremdem namen Grimmelshausen 2, 30, 7 Keller; u. den buchstaben, dem titel (th. 11, 1, 524), der adresse, devise Gottsched crit. dichtkunst 5; Eberlin v. Günzburg 1, 82 ndr.; Göthe 22, 172 W.; Gutzkow zauberer 1, 308; Fontane I 5, 153; sub specie (s.name 12, Murray 16 d, 20): fürnemlich wirt under dem nammen und person Ulyssis die auszpündigst contrafactur aines weisen manns fürgespiegelt Schaidenreiszer Odyssea vorrede 2; ich reise u. dem karakter eines partikuliers Gaudy 2, 45; unter dem schein der warheit Luther 30, 2, 126 W.; vgl. th. 8, 2429; Fischer 5, 749; Murray 16; under guͦtem schein Eberlin v. Günzburg 1, 52 ndr.; u. dem schalten der gerechtigkeit Klinger 3, 25; u. geleichnuͦsz einer lautern peichte Arigo decam. 176, 1 K.; u. der gestalt ains jünglings Schaidenreiszer Odyssea 56ᵇ; vgl.unter bei ausdrücken der transsubstantiationslehre; unter wie mancherlei formen, u. einem andern äuszern Göthe II 6, 9 W.; I 24, 85, 24 W. was uszerhalb (des klosterlebens) ist, sy alles von Christo under dem wort wält verworffen Eberlin v. Günzburg 1, 90 ndr.; u. etwas verstehen th. 12, 1, 1687 f.; Lessing 8, 11, 9 M.; mehrere unter einem allgemeinen namen verbundene völker M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 95; u. sich begreifen Adelung lehrgeb. 2, 5 (acc.?); die ... vereinbarkeit zweier ... naturgesetze u. einem sie beide befassenden princip Kant 7, 27 H.; die ... organe ... lassen sich u. diesem begriff vereinigen Göthe II 6, 51 W.; was u. einem begriff enthalten ist Kant 3, 333; 1, 425; daher die moralischen eigenschaften der gottheit u. den vorstellungen des zorns u. dgl. vorgestellt werden 3, 72; eine andere art der anschauung ... u. der ein solcher gegenstand gegeben werden könnte 2, 248; das ... u. andern worten nochmals vorzubringen Schopenhauer 1, 11 Gr. also singen sie ... under dem gefälschten 7. psalm Nas antip. eins u. hundert 4, 233ᵃ; unter einer melodie singen Neumark lustwald (1657) 57; unter seiner eignen hand und unterschrift Adelung; beim datum: u. dem dato des 18. septembris acta publ. 1, 61 Palm; unter dem 11. juli Bismarck gedanken u. erinn. 1, 98 v.; u. dem jahr 1747 führt er ... an Lessing 8, 40, 25 M.; also zeuget ... Augustinus unterm newen testament. Mathesius Sarepta 75ᵇ; schlaget unterm kalbfleisch solches nach Amaranthes frauenz. lex. 1122; sub uno unter einem Graff präpos. 177 (vgl. Murray 17 c, nl. ondereen); unter einem zug neun stund schlaffen Guarinonius 1299; nicht alte gewohnheit unter einmal, sonder fein nach und nach lernen zu rechtem weg zubringen 987; unter 2 malen auf 2 male vertheilt, unter zweien malen 2 male bald nach einander, under zwiret in 2 malen Staub-Tobler 1, 325; vgl. engl. all under one alle auf einmal. gelehrter herkunft scheint auch unter der rose th. 8, 1179; individuell:
bös leumund aber und affterkosn,
sey uber oder unter der rosn (öffentlich oder heimlich),
das acht er ihm vor keinen rhum
M. Hayneccius Hans Pfriem 15, 128 ndr.
kirschenbäume müssen scharf unterm messer (sub cultro esse, relinquere) gehalten werden ... das ist, ihnen wenig äste zu lassen Ehrhart pflanzenhistorie (1753) 1, 250. auch bei ausdrücken wie unter den mauern der stadt, u. dem joche, u. den augen war mit lat. einwirkung zu rechnen.
2)
mit accusativ. die accusativverbindungen bewegen sich i. a. in denselben vorstellungskreisen wie die dativverbindungen (1 ag), nur stellt der acc. den gesichtspunkt der richtung, des zieles, eines herbeigeführten verhältnisses voran. 'die fügung des acc. ist lebhafter, dem passiv ziemt mehr der dativ' meinte J. Grimm th. 1, 1304 bei unterscheidung der acc.- u. dativconstruction des verbums begraben. in die ursprünglich dativische verbindung u. segel gehen (s. oben 1 a δ) trägt das neuere sprachgefühl aus der richtungsbestimmung etwas accusativisches hinein (ginge O. ... u. segel A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 310; nach Westindien u. s. zu gehen Pfeffel pros. vers. 4, 5; th. 10, 1, 87; Adelung und Heyne faszten segel als acc. auf). unerkennbar bleibt der casus in der verb. unter schutt begraben (Bürger 165 B.), zweifelhaft ich lob under augen 'in faciem' Alberus dict. 15ᵇ (vgl. in u. a. murren Bugenhagen Braunschw. kirchenordnung X 3ᵃ), unter sich (auf der aasseite) krispeln (gerberei) Krünitz 200, 63, den schweren u. sich brennen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 133, u. sich gehen, stehen von fehlern des pferdes Krünitz 200, 63 (vgl. unterständig, -keit) u. a.
a)
A 1 a entsprechend,
α)
das quecksilber sank 6° unter den gefrierpunkt; der bergsteiger muszte sich 100 m u. die felsenspitze hinablassen; wie ... der mon u. die erde gehet Sebiz feldbau 9; mit einschlag von d einen u. die erde bringen W. Spangenberg ausgew. dicht. (1887) 148; O. Ludwig 2, 308; u. die erde wünschen Schiller 2, 21, vergraben Füetrer bayer. chron. 88 Sp., verbergen Göthe 23, 104 W.; die sonne verschwindet u. den horizont; sich ... vor dy stad under dy widen ... schicken Stolle thüring. chron. 1; setze es (das gefäsz) under freien himmel Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 18; so sieht man sich ... u. den reinen, schönen himmel Italiens gezaubert und kann sich u. keinen anderen himmelsstrich hindenken Solger nachgel. schr. 1, 6; u. das pferd stechen, u. die rosse fallen Eulenspiegel 36 ndr.; Schweinichen denkw. (1878) 53; u. den tisch werfen Scheit Grobian. 3535 ndr.; fremden leuten die füsze u. den tisch strecken; u. den tisch leuchten Amaranthes frauenz. lex. 1153; untern tisch mit dieser classischen kleinelei Bürger 179 B.; gäste u. den tisch saufen Rabener 3, 44; sich u. das thor setzen, u. die thür gehen, treten Schaidenreiszer Odyssea 39ᵃ; Göthe 24, 31, 12 W.; sich u. einen baum hinwerfen Wieland Agathon 1, 3; die träne unters mikroskop (Herder 5, 8), etwas unter die lupe bringen, nehmen (auch uneigentlich wie: nym sy [gottes lehre] under dyne ougen betbüchlein [1518] 56ᵃ; ihnen dieses phänomen u. die augen zu bringen Göthe IV 11, 153 W.); die anmerkung u. den text setzen Wieland Agathon (1766) vorbericht; alles u. einen hut bringen; das heer unters joch schicken; einen strich (s. d.) u. etwas machen u. s. w. von erstreckung: u. die ganze bergkette hin zog sich der nebel; Thusnelden stieg nun allererst die schamröthe u. die augen Lohenstein Arm. 1, 80ᵃ; bis u. den höhenrücken; bis u. die kanzel studieren, theologie studieren, aber das staatsexamen nicht machen Staub-Tobler 1, 324; u. dgl. losgelöst vom verbum: item 1 m. vor lynwot under die ricke Marienb. treszlerb. 361, 32; ein teppich u. den tisch; sonst es paszt kein teppich u. diesen tisch; 2. Mos. 37, 27. mnd. 'auf die höhe von', nautisch Lübben-Walther 430ᵃ. an. und isl. in zeitbestimmungen ('close to, hard upon') Cleasby-Vigfusson 653ᵃ.
β)
unter sich legen sog. Wolfenbüttler priamelhs. 48; H. Sachs 2, 11, 22 K., werfen, treten Staub-Tobler 7, 161; mit handschuhen fasse ich diese münze an, mit ekel trete ich sie u. mich Nietzsche 8, 376; alles u. sich gehen lassen (s.gehen II 11 m. untern urinare Höfler 764ᵃ) die natürlichen bedürfnisse nicht halten können Staub-Tobler 7, 161; els. wb. 1, 52ᵇ; obers. wb. 2, 601ᵃ; Danneil 231ᵇ; Brendicke 119; Göthe 45, 92, 20 W.; alles u. sich machen Brendicke 187ᵃ; under sük don Doornkaat Koolman 3, 468ᵃ; es geht u. sich der kranke leidet an durchfall els. wb. 2, 322ᵃ; vgl.u. sich und über sich laxieren Staub-Tobler 7, 159; 3, 1546; Fischer 6, 251; 6, 63. unter sich, oft in einem wort geschrieben, adverbial u. substantiviert gebraucht, festgeworden auch für die 1. u. 2. pers.: Paul prinzipien⁴ 236; th. 10, 1, 710, 4; J. Grimm gramm. 4, 319; Staub-Tobler 7, 160; els. wb. 2, 322; Fischer 6, 250; Schmeller 2, 213; cimbr. wb. 180; Lexer Kärnten 248; Unger-Khull 609ᵃ ('in gerader richtung nach unten'); Schöpf 672; 783; Spiesz henneberg. 264; Ruckert 187; Lenz Handsschuhsheim (1888) 52ᵇ; scheint nicht nd.; heute veraltet u. mundartlich; vgl. nidsich th. 7, 741 und über sich th. 11, 2, 102;
mein schilt und helm hangt under sich
Hätzlerin 278, 210;
das macht die grosze schwere, die allweg under sich zücht Keisersberg bilger 54ᶜ; Luther 26, 132 W.; sein (des papstes) gwalt gang auch under sich zun toten und ins himelrich Schade satiren 2, 222, 959; die kinder aber, wann sie nun erwachsen seind, gehen mit ihrer liebe undersich (auf die enkel) nit übersich (den vater) klugreden (1548) 79ᵃ; u. sich springen, stürzen, sich lassen b. d. liebe 278ᶜ; 278ᵈ; 279ᵃ; lucus in viam devexus ein wald, der unter sich auf eine straszen leufft Bas. Faber thes. (1587) 204ᵃ; die sprache wird müde ... zeucht u. sich 966ᵇ; Fleming d. gedichte 1, 5 L.; die sonne brennt und wirft die stralen u. s. Rabener 2, 136; u. s. wurzeln, wachsen Maaler 458ᵇ; haushalt.-lex. (1749) 1, 3ᵇ; th. 13, 87; Fischer 6, 319; volkssprachlich: im alter wächst man u. s.; vgl. hinter sich wachsen th. 13, 100; unter sich gewachsen wie ein kuhschwanz Binder 200; Staub-Tobler 7, 160; Fischer 6, 319; els. wb. 2, 785ᵃ; gs. überwachsen Höfler 771ᵇ; u. s. gebuckt pandus Dentzler (1716) 2, 331ᵇ; u. s. schauen, sehen, blicken, die augen schlagen u. ä. th. 10, 1, 136; ihr angesicht war u. s. gekehrt J. N. Götz ged. 33 lit. denkm.
voran drei Schlegelkönge, zu fusz, demüthiglich,
mit unbedecktem haupte, die augen untersich
Uhland (1898) 1, 283;
finster u. sich blickend maler Müller 1, 74; dieses untersichschauen Auerbach (1892 ff.) 13, 61; untersichkucker heimtücker Lenz Handschuhsheim (1888) 52ᵇ; die untersicherübe Spiesz henneberg. 176; 264; in verbindung mit über (ober) sich: darnach zeuch zwo parallel ausz peden puncten p q ubersich und undersich Dürer underweysung der messung (1525) L 2ᵃ; Grimmelshausen traumgesichte 12; fischbüchlein 18; ober und unter sich gehen maler Müller 3, 64; unterübersich (unterobsich) kehren Frisius 985ᵃ; Staub-Tobler 7, 157; 159; L. Rabus historien der martyrer (1571) 162ᵃ; undersich übersich kehren Weckherlin 1, 55; den besen untersüberse an die wand lehnen Reiser sagen des Allgäus 2, 426. unterubersich inversus ordo Schönsleder (1647) L l l 4ᵇ. in der formel aufgegangen ist u.: die piemarckt und die perckwerck ... die sullen fürbas untersich, übersich und nebensich (in jeder beziehung) ein ewige gang gen Lori bergrecht 4 (1308).
γ)
stärker als die dativverbindung (vgl. oben) ist die acc.-verb. bei unter augen entwickelt: u. a. sehen th. 1, 791; sie ... schauet ihm mit wohlwollenden blicken unter die leuchtenden augen maler Müller 1, 64; in ä. zeit auch: als ich dir under dein schönes, wolgestaltes angesicht sach Fortunatus (1509) 117 ndr.; A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 883. einem u. (die) augen gehen (Seuse d. schr. 72, 15 B), sich stellen (Arigo decam. 177, 35 K.), stehen (Spreng Ilias 115ᵇ), reiten (Marienburger treszlerb. 598, 2 J.; Teuerdank 32, 44 G.), ziehen (Reutter v. Speir kriegsordnung 2), treten (D. F. Strausz 1, 21; übertragen J. Böhme 2, 208), kommen (H. Sachs 9, 248, 23 K.; du sollst mir nicht mehr u. die a. kommen Göthe 43, 43, 22 W.), springen (Scheit Grobian. 582 ndr.); auch unters gesicht rücken (Stumpf chron. 274ᵃ; C. rückt ihnen unerschrocken u. das gesicht M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 86; veraltet), kommen (Fischart Eulensp. 484 H.; sie erkannte ihn ... hütete sich aber, ihm u. das gesicht zu kommen, und eben so sehr, ihn aus dem gesicht zu verlieren G. Keller 6, 404), treten (A. Gryphius [1698] 1, 108). bringt mir die jungkfraw u. a. H. Sachs 11, 346, 8 K.; weil ihnen die warheit des evangelii u. die ougen leuchtete Micrälius Pommerland 3, 520; ungewöhnlich: min lichnam sol bestattet werden under die ougen der ganzen pfaffheit (mit dem ziel, dasz alle es sehen sollen) N. Manuel testament d. messe 233, 5 B. festgeworden, so dasz kein bezug aufs sehvermögen mehr stattfindet: da stancke im der treck under augen Eulenspiegel 22; 118 ndr.; under ougen sagen Richental chron. 114 lit. ver.; was ich den leuten zu sagen habe, sage ich ihnen unter die augen (geradeheraus) Lessing 5, 225 M.; Gellert 4, 21. veraltet: einen u. die augen (heuchlerisch) loben Wille sittenlehre 148. vgl. b.
b)
1 b entsprechend: unter die rinde dringen; u. wind kommen (s. 1 b α und vgl.über den wind th. 11, 2, 82); das hölzerne keilchen, welches u. die spiegel geschoben wird Göthe IV 28, 32 W.; er legte ihr ... seinen mantel u. das haupt zusammen Tieck 4, 332; feuer u. den topf machen Brentano 5, 22; etwas u. den arm aufs blosze fleisch binden Bahrdt leben (1790) 1, 196; etwas u. den arm schlagen th. 9, 375 l; den teppich unter den arm nehmen Göthe 21, 184 W.; mit der vorstellung des stützens: einem u. die arme greifen th. 4, 1, 6, 43 (mit geld Grimmelshausen 2, 373, 4 Keller; Gaudy 2, 67; ähnlich Brentano 5, 392; unterdiearmgreifer Nestroy zeitschr. f. d. wortf. 12, 247); under alle elenbogen ein küszlin machen S. Franck sprichw. (1545) 1, 6ᵇ; unter die füsze fallen Heliand 2565; den weg u. die füsze nehmen u. ä. th. 4, 1, 1, 988 f.; übertragen: u. seinen fusz treten Königsberg. dichterkreis 84 ndr.; noch ehe ich eingeschlafen war, da hatte ich schon die ganze prüfungskommission mit samt dem bürgermeister u. meine füsze gelegt K. Fischer denkw. u. erinn. eines arbeiters (1903) 117 Göhre; sich die sohlen u. die füsze binden J. H. Voss Odyssee 18 B.; schöne weiber binden die hauszsorg unters knie Lehmann florileg. 1, 170; sein haupt unter das beil bringen Ranke 3, 7; u. die presse fordern, bringen, geben, schicken J. Prätorius saturnalia 25; Rabener 1, 147; L. Mozart bei O. Jahn 1, 13; Göthe IV 14, 71 W.; u. den hammer bringen (eigentlich) Göthe II 1, 19 W.; u. den hammer kommen (sub hastam) Polenz Grabenhäger 2, 256; u. die räder, pferde, das messer des chirurgen (Göthe 25, 84 W.), die kanonen kommen Kramer (1702) 2, 201ᵃ; Jacobsson 8, 57ᵃ; ruderer führten uns schnell den strom hinab unter die festung (an den eingang zur f.) Moltke 1, 127; bis unters dach Göthe 16, 134 W.; bis dicht u. die thorsperre Gutzkow zauberer 1, 231; wann ich nicht wäre bisz u. die arme in den dreck gefallen Chr. Reuter Schlampampes krankh. u. tod 2, 1, 105 ndr.; es ist mir eine schöne gelegenheit u. die hand kommen Kramer (1700) 1, 616ᵃ (veraltet; jemandem u. die hände geraten s. inter); einem etwas u. die nase stoszen, reiben, sprechen, sagen Luther 8, 526 W.; Kramer (1702) 2, 108ᶜ; Luther 18, 89, 16 W.; 34, 1, 490, 1 W.; sags ihm rund u. die nase maler Müller 1, 253; s.nase I 5 h.; ähnlich (vgl. a) unter das maul, unters gesicht sagen Parac. 2, 302 B H.; Rädlein (1711) 999ᵇ; under gesicht sagen Moscherosch gesichte 2 (1650), 2; einem etwas u. die nase halten Fr. Wilhelm sprichw. reg. f 2ᵇ ; man wirt euch under die nasen faren Eberlin v. Günzburg 1, 64 ndr.; dem feinde u. die nase ziehen Stumpf chron. 16ᵇ, stehen H. R. Manuel weinspiel 1082 ndr.; sich wind u. die nase gehen lassen Chr. Reuter ehrl. frau 34 ndr.; den feynden unders angesicht gieng Stumpf chron. 187ᵃ; u. das gesicht werfen Micrälius Pommerland 2, 174; u. augen speien Notker 1, 104, 31 P.; man schutt in heisz wasser under die augen Uhland volksl. 1, 507; unter die augen stieben, blasen, schlagen Parac. chirurg. 383 A H.; L. Fries würzb. chron. 95ᵃ; Lexer Kärnten 12. in den mhd. u. frühnhd. ausdrücken u. (die) augen gehen, schlagen, stoszen hat sich bei abstractem subject die berührungsvorstellung (vgl. Konrad v. Würzburg Part. 17385; troj. 14 812) in die des unmittelbaren erlebens verwandelt: gehet einem solche angst u. die augen Luther 24, 94, 25 W.; darff mir auch die süsze liebligkeit des anmutigen schlaffs unter augen stoszen? engl. com. 216, 26 Creizenach; am frühesten bezeugt: ellende im under ougen sluog Kistener jacobsbrüder 378; erz. a. ad. hss. 374, 15 Keller; th. 3, 408; vgl. 9, 405; 375; Staub-Tobler 1, 133; Terenz (1499) 143ᵇ.
c)
1 c entsprechend: under die burde ston onus subire dorso Maaler 455ᵈ; sich stehen (stellen) u. etwas um es zu ergreifen, zu heben, zu nehmen, sich vermessen th. 10, 2, 1631; sich u. die bürde, last, fügen, beugen; u. den druck der sorge, u. die bedrückung des tyrannen geraten; das die heidenchristen ... nit wurden von den judenchristen under die beschwärd des gsatzes zogen Zwingli freiheit d. speis. 33 ndr.; wirst du dich einmal disen bawrenson under sein joch bringen lassen Wickram 2, 15, 24 B.; unter das joch zwingen Tschudi chron. 1, 4; sich unter das joch geben Königsberg. dichterkr. 54 ndr.; ich mögte ihr zartes haupt u. das joch des verses beugen Göthe IV 8, 32 W.; Treitschke d. gesch. 1, 254. nach dem lat.: unters joch schicken, bringen Lohenstein Arm. 1, 24ᵇ u. o.
d)
wie bei 1 d treten die vorstellungen der bedeckung, verdeckung (gs. über A 3), des schutzes, der heimlichkeit, des betruges hervor: ibai lukarn qimiþ duþe ei uf melan satjaidau aiþþau undar ligr? Marc. 4, 21; erste d. bibel 1, 17, 29; ich bin nicht werth, dasz du u. mein dach gehest Marc. 8, 8; Lucas 7, 6; u. (das) dach kommen, gelangen Barth Kalkalpen 371 (uneigentlich Göthe IV 8, 134 W.), sich stellen, stehen Fischart Dominic. 135, 63 K.; das land u. wasser setzen Kramer (1702) 2, 1201ᶜ; Stifter 5, 1, 90; in eben diesem bade zog unsern bruder F. ein zuckender krampf unters wasser bis zur tiefe Gerstenberg Ugolino (d. nat.-lit. 48) 231, 26; unters eis geraten E. M. Arndt (1892) 1, 16; sich unter einen baum setzen, legen Grimmelshausen 2, 35, 15; 366, 18 Keller; unter die bank stecken Luther 26, 197 W.; mit der warheit u. die banck 19, 326 W.; th. 1, 1107; es kompt wol alles an tag, was man under den schnee verbirgt klugreden (1548) 63ᵃ; nachdem der wahre mond am himmel sich u. dicke wolcken verkrochen polit. maulaffe vorrede; ein reiner zeug dienet nicht zu futtern unter groben zeug Lehmann florileg. 1, 349; elliptisch eyn futer deme meister undir eynen rock treszlerbuch 74, 15 J.; hende under die gürteln stecken Arigo decam. 154, 30 K.; Röschens hand schlüpft u. meinen schlafrock Schubart ged. (1825) 2, 240; den seckel unders küsse legen Maaler 457ᶜ; viele köpfe unter einen hut bringen th. 4, 2, 1981; haar u. das häubchen stecken Lenz 1, 73 Tieck; u. die haube bringen, kommen th. 4, 2, 564; sich u. einen erdenklosz schmiegen Pfeffel poet. vers. 5, 178; wie eine henne versamlet ire küchlein u. ire flügel Matth. 23, 37; Brentano 5, 53; nym mich under deinen schirm d. ew. wiszheit betbüchlein (1518) 39ᵃ; sich u. den schutz gottes stellen Ranke 14, 42; vertraue der vorsicht, sie wird ... dich u. ihre pflege nehmen Pfeffel pros. vers. 5, 179; Spreng Ilias 14ᵇ; u. schlosz und riegel bringen, u. siegel legen Görres briefe 3, 90; ra., 1 d δ entsprechend, untern kelch stürtzen H. Sachs 9, 4, 10 K.; s. th. 5, 505; der gwandfal, den im der baur under den härd geflöchnet Stumpf chron. 372ᵃ. mit der vorstellung des bloszen ersatzes: italiänische worte u. die stücke einer partitur legen Göthe IV 8, 284 W.; vgl.unterlegen, -schieben und III 2 b δ.
e)
1 e entsprechend, gth. von über A 6. mit erkennbarem sinnlichen ausgangspunkt: die hend under die füsz legen, sich underdienstig machen Frisius 708ᵇ; 'ausdruck einer liebreichen unterwerfung' Reinwald 2, 165; demütige dich unter ire hand 1. Mos. 16, 9; er duckte trotzig sein haupt u. meine hand maler Müller 1, 22. wesentlich unsinnlich: eine u. die hand (in obhut) nehmen H. Sachs 15, 98, 9 K.; eine grosze bibliothek u. die hände zu bekommen Justi winckelmann 1, 136; do im S. ... groszes gelt unter seine hende gabe Arigo dec. 151, 1 K.; man sal das geld legen undir den roth handelsrechn. d. d. ordens 311, 5 S.; das irs (das haus) nicht schier alle stund den tachdecken müszt u. die hand lassen Sebiz feldbau 30; was mir u. die finger kam Brentano 5, 191; er wird die völker unter uns zwingen und die leute u. unsere füsze psalm 47, 4; der geytzig reiszet undersich was er kan G. Mayr sprichw. (1567) D 6ᵇ; sye solten sich under den könig von S. ergeben Keisersberg bilger 26ᵈ; da nu diszer erste frembdling ... das regiment u. sich bracht Luther 10, 1, 1, 558 W.; Christus ... sich habe u. das gsetz geworffen 34, 1, 147, 5 W.; der ... wirfft die gewissen u. sich 18, 140 W.; G. ... warff ein grosz theil Meckelenburg u. sich (heute unterwarf sich) Micrälius Pommerland 2, 164;
wer knechtisch ist gesinnt, musz under herren kommen
J. W. Zinkgref auserl. ged. 64 ndr.;
u. vormundschaft, aufsicht, beobachtung, controlle u. s. w. stellen, gestellt werden u. ä.; doch würd ich mich under keines gewalt lassen zwingen Zwingli freih. d. speisen 6 ndr.; seinen fürsatz, die gantz christenheit under sein verderblich ketzerey zu bringen Nas antip. eins u. hundert 1, 4ᵃ; an dem jüngsten zwang J. die fürsten under sein herschaft Füetrer bayer. chron. 10 Sp.; u. seine botmäszigkeit bringen; u. die botmäszigkeit jedes irrwahns gegeben Immermann 1, 8; du schmiegst dich u. vasallen? Göthe 8, 30, 28 W.; alle fürsten und herren, so under den künig von C. gehorten Fortunatus (1509) 142 ndr.; u. das gesetz gehören Luther 11, 251 W. (vgl. unten B 2 c β); da lauffe ein iglicher frisch und frölich u. sein panier, da er u. geschworen ist 30, 2, 115 W.; auf ... u. ihre fahnen! Rückert 1, 13; u. die fahnen sich sammeln Ranke 1, 10, drängen Mommsen röm. gesch. 2, 277; u. die waffen rufen 2, 195; die masse stellte sich u. die befehle Sullas 2, 302, u. hauptmann W. ... Rückert 1, 69; in abhängigkeit von subst.: diemütikait under got Tauler serm. (1508) A 8ᵇ; unterwürfigkeit der geistlichen u. das kaiserthum Ranke 1, 18. freier: ob wir ... an und under dise und jene zyt gebunden syen Zwingli freiheit d. sp. 11 ndr.; sprache und vers u. sich zu bändigen Bürger 182 B.; Göthe 2, 88, 39 W.; u. portugiesischen einflusz zu stehen kommen Ritter erdk. 1, 261; so gab er seine zweifel u. den wortlaut gefangen Ranke 3, 58; 2. Corinth. 10, 5.
f)
1 a f entsprechend; gth. über A 6, 13: u. alle maszen s. I 10 b begrifflich mit über alle maszen (über A 13 e β, δ) zusammenfallend; undersich gon Keisersberg th. 11, 2, 103, 12;
secht undersich, nicht secht so verr
S. Birck Beel C 4ᵃ;
die thorheit, dasz wir nicht u. uns, sondern über uns sehen Chr. Weise testament (1684) 81;
Tugenand will itzund unter sich
Hoffmannswaldau heldenbr. (nat.-lit. 36) 66, 13;
wenn er (Shakespeare) irgendwo u. sich selbst falle, so sey es in scenen ohne leidenschaft Gerstenberg recens. 126, 22 lit. denkm.; dasz ihn der mönch so tief u. den teufel setzte Klinger 3, 174; wer immer under die banck tracht, den läst man billich darunder ligen Lehmann florileg. 1, 55 (zu armuth); unter alle kritiken erniedriget briefe d. neueste lit. betr. 11, 150; wie ... das baukünstliche bey uns u. das gemeinste handwerk hinunter gesunken ist Göthe IV 29, 184 W.; das gehört u. den strich; wenn das schicksal sie u. ihre sphäre erniedrigt Pfeffel pros. vers. 5, 196; die groszen heiligthümer eines edlen menschen, volk und vaterland, stellten sie tief u. das prunkende ding, das sie soldatenehre nannten E. M. Arndt (1845) 1, 273; nicht viel under zehen tausent Xylander Polyb. (1574) 48; beim verkauf nicht u. einen bestimmten preis heruntergehen. abhängig v. subst.: der stand des menschen war durch die schöpfung u. die engel Claudius 7, 115 (ungewöhnlich); das sinken unter seinen stand, u. bestimmten preis u. dgl.
g)
wie bei A 1 g kommt fremde einwirkung in frage; die acc.-verb. wird bisweilen erst aus der dativverbindung gewonnen: etwas u. strafe stellen; die begebenheit unter ein bestimmtes datum einreihen; unter die mauern der stadt vorrücken; das heer unters joch schicken; das Christus ... sich ... under die gestalt des brotz verwandeln lasz Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) 27ᵇ; auff berührtem reichstag wurden ... die Niderland under einen kreiss begriffen, der burgundische kreiss genannt Stumpf chron. (1606) 119ᵃ; vieles u. einen sehepunkt bringen Gerstenberg litbr. 121, 9 lit. denkm. wenn sie (eine hypothese) viele phänomene u. einen begriff versammelt Göthe IV 10, 287 W.; 9, 316 W.; u. wenige hauptpunkte bringen A. W. Schlegel Athenäum 1, 34; von York her ist C. aufgebrochen, um den osten und westen desselben noch einmal unter eine verwaltung zu vereinigen Ranke 14, 9; u. die sinne fallen (sub sensus cadere) J. H. Lambert organon (1764) 2, 85; Heynatz antibarb. 2, 530.
3)
mit genitiv (wie ober 2) für unterhalb (vgl.B 3): unter des wasservall (15. jh.) öst. weisth. 1, 296, 15; ober oder unter des markts 6, 137, 40; vgl. 5, 2, 939ᵇ; 6, 657ᵃ; unter des weiten himmel ist nichts ärgers Luther briefe 1, 510 De Wette; mnd. under dakes, under waters Lübben-Walther 430ᵇ; westf. unnerdâks unter dach, in sicherheit; lux. önnerdâchs; unter wassers Kramer (1702) 2, 1201ᶜ. nicht schriftsprachlich und veraltet. vgl. nl. onderdeks, onderduims, onder(s)hends; mnl. ondercoops.
B.
inter. Delbrück vgl. syntax (1893) 1, 672; 766; Brugmann kl. vgl. gramm. (1904) 466; Murray 10, 1, 124ᵃ, 24; 25; Richthofen 1101ᵇ; Wadstein as. sprachdenkmäler 234ᵃ; Behaghel syntax d. Heliand 151 f.; mnd. wb. 5, 25ᵇ f.; mnl. wb. 5, 316 ff.; nl. wb. 10, 1222 ff.; Graff ahd. präpositionen 178 ff.; mhd. wb. 3, 188ᵃ ff. nicht nur in den zusammensetzungen hat das durchschnittssprachbewusztsein gegenüber dieser bedeutung oft versagt, sondern auch z. b. in der merkwürdigen tatsache, dasz im 18. jh. die bed. 'inter' völlig geleugnet und der ä. spr. abgesprochen wurde; Adelung und Graff bekämpfen das noch. die bedd. A und B können ohne anstosz nebeneinander stehen: die Argonauten, Odysseen und Lusiaden unter wehendem segel, unter rasselndem steuer Herder 5, 169; mich nur unter lauter wohlgezogenen knaben und unter der aufsicht des ... lehrerpersonales wähnend G. Keller 1, 131; im wortspiel: so lange man noch u. sich selbst ist, ist man um so viel mehr auch unter seiner zeit Lessing 11, 273 M.; übergänge von A zu B finden statt; z. b. jeder hat sein eigen glück u. den händen (inter manus, aber auch in seiner gewalt, sub), wie der künstler eine rohe materie, die er zu einer gestalt umbilden will Göthe 21, 109 W.; R. Hildebrand sprachunterricht 23¹⁰; was er eigentlich meinte mit, unter und hinter den vorgetragenen gedanken ebda 47¹⁰. in der casusverbindung treten idg. der accusativ, der locativ, der genitiv und der instrumentalis auf, im nhd. der dativ, acc. und genitiv. während der gen. sich auf wenige verbindungen beschränkt, folgen dat. und acc. der gewöhnlichen, auch bei A wirksamen casusunterscheidung. abweichungen, in der ä. spr. nicht selten, sind in der n. spr. fast nur individuell; z. b. das man dich zelt under denen (sonst der acc.; th. 15, 54, 6 b; s. 2 c β), die gewonheit halten Eberlin v. Günzburg 1, 75 ndr.; Parac. 2, 317 H.; so könten sie mit guten fug unter fürstlichen damen gerechnet werden Chr. Reuter ehrl. frau 8 ndr. (th. 8, 352 acc.); daz ewangelium muͦsz ... werden geprediget unter (als richtungsbezeichnung gefaszt, vulg. in omnes gentes Marc. 13, 10) alle leut erste d. bibel 1, 172, 15; ebenso der acc. bei Luther, s. Franke schriftspr. Luthers 3², 182; Römer 1, 5; Kolosser 1, 23; 12, 506, 13 W.; Mathesius Sarepta (1571) 4ᵇ; Luther 14, 35, 18 W.; mehr bei Adelung 4, 1286; aus sie für sich (th. 10, 1, 761 d) erklärt sich der acc. bei Liscow 421: sie haben dich biszher noch u. sie geduldet. individuell: eine vollständige designation aller u. benannte beyde regimenter noch befindlichen angesessenen cantonisten Lessing 18, 481 M.
1)
mit dativ.
a)
zwischen, vom befinden zwischen zwei wirklichen oder angenommenen endpunkten, zwei gegenständen (personen) oder gruppen. der begriff der zweiheit hat sich in dem jungen zwischen, der ableitung gemäsz, besser erhalten als bei dem ursprünglich nur das 'darinnen' bezeichnenden unter (Brugmann 466). zum verhältnisz von unter, zwischen, mang s. Adelung 4, 1183; Weigand syn. 3, 882; Eberhard-Lyon¹⁶ 720. vgl. unterzwischen.
α)
zwischen zwei punkten (ausgangs- und endpunkt, wirklichen oder gedachten) oder linien: aer inter caelum et terram suep untar himile anti erdu ahd. gl. 1, 32, 32; een rechthoek onder twee lijnen nl. wb. 10, 1227; unter dem fenster (zwischen den beiden fensterpfosten, fensterflügeln) liegen Staub-Tobler 1, 325; der meister hatte lachend u. dem fenster gelegen G. Keller 4, 263; ob ainer ain agker oder wisen unter andern ligent het öst. weisth. 6, 486, 24; in ortsnamen wie Underschächen (am zusammenflusz zweier bäche gelegen), Underseen (Interlaken), -bächen, -wasser, -walden Staub-Tobler 1, 325; zwischen ausgangs- und endpunkt mit dem begriff der unterbrechung und hinderung (vgl. 2 und die zusammensetzungen III A 2 β, B 1 b β): under dem weg zuͦ ligen Wickram 1, 143, 19 B.; s. th. 13, 2864; onder beiden bald so, bald anders; es onder beiden han bald besser, bald schlimmer sich befinden Staub-Tobler 4, 1018; vgl. thiz selba was imo untar zuein er war darüber zweifelhaft Otfried 4, 15, 25. heute fast ganz durch zwischen verdrängt.
β)
zwischen zwei nur in zweizahl vorhandenen gegenständen (reihen, gruppen, begriffen), besonders zwischen zwei in zweizahl vorhandenen gliedern des körpers: das pferd fest u. den sporen haben, halten (vgl.u. die sporen fassen, nehmen, s. 2); undar thên kaflun Heliand 3205; u. den zähnen haben u. dgl. th. 15, 141; Scheit Grobian. 4397 ndr.; under den beinen blekchen mhd. wb. 3, 188ᵃ; ein muͦter ir sugendez kindli hat under den armen uf der schosse stende Seuse d. schr. 15, 10 B.; deszhalb er under den armen siner junger gefuͤrt ward Keisersberg pred. (1508) 109ᵃ; der reiche gehet von hier unter den armen der freunden Schupp schr. 699; 746; mhd. wb. 3, 188ᵃ; veraltet, vgl. 2. die vorstellung der zweiheit verflüchtigt sich: dem bricht es (das rohr) under den henden Keisersberg bilger 24ᶜ; in übertragung: din hoffnung zerbricht dir under den henden 35ᶜ; u. den händen schwinden, sterben, wachsen th. 4, 2, 350 g; so scheuszt das gold uber ... und wird im unter sein henden zu wasser Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ; Herder 5, 163; L. Steub wanderungen im bayr. gebirge (1862) 12; an A d reichend H. v. Kleist 3, 175 E. Schm.; ohne artikel formelhaft unter händen th. 4, 2, 325; Kramer (1700) 1, 616ᵃ; Wille sittenlehre 200; von thieren: das buch, das ich ... u. den klauen habe E. Th. A. Hoffmann 10, 32 Gr. undirsceidento undir ubele unde guote Notker ps. 98, 4; Graff präpos. 178; kein underscheid ist under der hell und dem fegfüer Keisersberg bilgersch. (1512) 3ᶜ; Hutten 1, 448, 9 B.; Trebellius polit. narrenkappe (1683) 55; sie machet einen unterscheid unter natur und kunst Liscow (1739) 534; 541; 618; disse tzwytracht unter der schrifft und menschen lere konnen wyr nicht eynes machen Luther 10, 2, 91 W.; wie man ... eine proportion u. credit und debet anstellen solle J. B. Schupp schr. 29. heute ist zwischen das übliche. die zweizahl wird nicht festgehalten: ain underschid ist under schweren, fluchen und schelten Eberlin v. Günzburg 1, 198 ndr.
γ)
zwischen 2 personen oder personengruppen: Galater 4, 1; verachtunge und zorn unter den eheleuten engl. comedien (1624) A 6 b; es ist ein groszer unterschied u. dem könig David und einem hutmachers-gesellen Reinwald henneberg. idiot. 1, 114 anhang; Heynatz antibarb. 2, 530 e; derhalben auch s. Paulus gar einen feinen unterscheid machet unter der Sara und Hagar und den zweien söhnen Isaac und Ismael Luther tischreden (1568) 1, 75; es wurde weniger miszverstand u. autoren und lesern seyn, wenn ... Gerstenberg Schleswig. litbr. 330, 6 lit. denkm.; Tieck 4, 24; den faden ... der sich u. uns (Göthe u. Sartorius) so freundlich angeknüpft hat Göthe IV 15, 260 W.; auch wurde es u. beiden fest beschlossen Brentano 5, 113 (vgl. c γ); unter vier augen (2 personen) th. 12, 2, 260 h.; bei ausdrücken wie unter brüdern (wert), u. uns, u. einander kann auch die zweizahl verstanden sein. statt u. uns (gesagt Hoffmannswaldau-Neukirch 7, 70, gesprochen Rabener briefe 265, geredt Lichtwer äsop. fabeln 70; ich sage u. uns Lichtenberg briefe [1901] 2, 164; denn, u. uns, er hört sich gerne loben Göthe 22, 100 W.; das bleibt u. uns Rabener sämtl. w. 6, 143) werden selten die beiden einzelpersonen genannt:
drum, schwesterchen, (doch unter dir und mir)
was nützt der lärm?
Wieland 10, 136;
corripe inan untar thir inti inan einon Tatian 98, 1; vgl. mnl. onder mi ende di für onder ons beiden wb. 5, 318.
δ)
unlogisch ist es eigentlich, wenn die präposition doppelt gesetzt wird: strit, der under Boetio und under dero Fortuna ist Graff 1, 382; 383 f.; was underscheids ist under dir und under eim weltlichen menschen? Keisersberg bilger (1512) 156; Chr. Reuter Schlamp. krankheit u. tod 93 ndr.; beispiele des 18. jahrhs. bei Paul wb.³ 575ᵇ; die volksspr. kennt es noch heute.
ε)
man darf das verhältnis der zweiheit nicht pressen; da unter auch von und den partitiven genitiv vertritt (s. d), so ergeben sich verbindungen, die an sich nicht logisch ('unter der mit u. angeknüpften bezeichnung wird der gegenstand mit begriffen, der als darunter befindlich bezeichnet wird' Paul), aber üblich sind: er (der schächer) hangeta untar zuein (zu zweit, er und ein zweiter) Otfried 4, 31, 1; jedoch mus man under zweyen bösen das geringste annemen Fr. Wilhelm sprichw. reg. (1577) y 1ᵇ nr. 86; Gotfried Tristan 7323; Boner 26, 33; Kaufringer 6, 1; Wander 4, 1385; welches under disem par Scheit Grobian. 3550 ndr.; welcher ist u. den zweyen der fromm mann? Lehmann florileg. 1, 246; auf der flachen küstenterrasse findet sich u. hausthieren nur rindvieh Ritter erdkunde 1, 136; der mittleren u. den drei halbinseln Mommsen röm. gesch. 2, 4; da unter (zugleich mit, vgl. b) den beiden erhandelten stücken ein drittes, kleineres aus versehen zurückgeblieben war Mörike 3, 11.
b)
umgeben von, mitten in, gemischt mit, verbunden mit u. dgl.: under dien mitten (mitten zwischen groszen u. kleinen meeresthieren) farent ieo doh skef Notker 2, 440, 2 P.; also der lilio ist undir dornin ps. 47, 10; Luther 19, 573 W.;
so lag ich nieder unter kraut und steinen
Droste-Hülshoff 2, 112;
mitten unter den kostbaren ... denkwürdigkeiten, unter zahllosen ... archivalischen schätzen wohnt M. Gutzkow (1872) 7, 138; der meuszdreck wil alle zeit under dem pfeffer sein Tappius (1545) 41ᵇ; verbindung unter einzelnen dingen Wieland Agathon 1, 6; undeutlicher: da ich u. meinen papieren krame Göthe IV 41, 205 W.; thôh siu undar ira liđon êgi barn (vgl. ein kind u. dem herzen tragen A) Heliand 323; fieber oder das freien under de läden hebben Doornkaat-Koolman 3, 468ᵃ; unterm loch zwischen den rändern des loches Staub-Tobler 1, 325; under den tischen in macello erste d. bibel 2, 87, 21; unter den bänken Göthe 43, 13 W.; in straszennamen wie u den siebmachern, u. sechzehn häusern (Untersachsenhausen Theele-Wrede Köln als stätte der bildung [1922] 109), u. den linden (Holtei erz. schr. 1, 108).
c)
in gemeinschaft von. es wird mehr das ganze als der theil (s. d) ins auge gefaszt.
α)
zusammen mit (mnl. wb. 5, 317, 2): mitten unter th. 6, 2417; da bin ich mitten u. ihnen Matth. 18, 20; Novalis 4, 176 M.; einem kinde, das aus seines vaters land u. fremden leuthen im elend und jamer lebt Luther 2, 83 W.; der handwercksman lobet den kauffman, das er reych und unter den leutten sey 10, 1, 1, 314 W.; under der wält läben Frisius 484ᵇ; auch unter den leuten gewesen seyn Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; nicht viel unter menschen, u. den leuten sein; nl. wb. 10, 1226; ich war so vergnügt als u. meinen kindern Göthe 16, 26 W.; sie wissen, dasz ich ... drüben in Jauer war, wien verbrecher, u. lauter gesindel Fontane I 6, 11; sich als mensch u. menschen fuhlen; ich will einmal mensch u. menschen sein; die christin spielen u. christen Lessing 3, 158, 322 M.; wer u. den wölfen ist, musz mit ihnen heulen Spanutius (1720) 573; th. 4, 2, 1288; ein hasse u. den rüden Luther 18, 442 W.; wie eine eule unter den krähen; doctores ... die etwa höher denn u. den hünern gesessen haben Luther 30 3, 355 W.; Saul u. den propheten 1. Sam. 10, 11; Büchmann²⁴ 19; da ich wie herzog Ludwig zu Giengen 'unter meinem volk' sein wollte L. Steub wanderungen im b. geb. 11; bes. innerhalb einer bestimmten gesellschaftlichen grenze, eines standes, berufs, einer classe, zeitgenossenschaft u. s. w.: under sibbe Richthofen 1101ᵃ; es ist u. den gelerten ein gemeines sprichwort Arigo decam. 141, 28 K.; der ... rückzug ... beweist hinreichend, dasz auch u. den alten nicht immer thätige tapferkeit sich den rühmlichen tod errungen habe Abbt 6, 2, 34; u. einem ganz sinnlichen volke leben Göthe IV 8, 38 W.; die signora ... ging ... u. den versammelten bäckern und metzgern herum Brentano 5, 140; nicht u. dem militär gebraucht werden Justi Winckelmann 1, 42; mir is s ni schlecht gangen under a soldaten G. Hauptmann d. weber 31; u. freunden Ranke 1, 271; sich befinden u. th. 1, 1261, 5 c; wir sind u. uns mädchen 'wir sind traulich bei einander' als beliebte ra. bei Weigand syn. wb. 3, 883; wij zijn onder ons meisjes nl. wb. 10, 1232; auch von männern gesagt; indessen, da wir u. uns sind ... so kann das gespräch immer vorwärts gehen Göthe 24, 177 W.; wir sind ganz u. uns, es soll ja gar kein festessen sein Hoffmann v. Fallersleben 8, 64; die katholische kirche will ja nur bei den todten wie bei den lebenden 'unter sich' sein Gutzkow zauberer 2, 186; subst.: F. hatte die gewohnheit, beim 'unter uns' nicht die vornehme reserve zu beobachten, die ihm sonst eigen war 3, 325. im nl. ist ein onderonsje gebildet; nl. wb. 10, 1426.
β)
in gegenwart von: nuer under zweyen oder dreyen gezeugen erste d. bibel 2, 219, 21; morgen thuͦt der herre wunder unter euch (vor euren augen) 4, 258, 60; veraltet, doch ähnlich noch: ich muszte ... dinge sagen, die man unter weiblichen augen (in gegenwart eines weiblichen wesens) nur lateinisch denkt Zimmermann einsamkeit 1, XVI.
γ)
stark vertreten sind ausdrücke, die eine besondere art des verbundenseins bezeichnen wie friede, freundschaft, verkehr, verhandlung, ordnung; feindschaft, streit, krieg, hasz, zorn, wut u. dgl.; vertheilung: ahd. under einmuotigen ist ieo frido; wortherta under gelerten Notker bei Graff präpos. 179; 180; erste d. bibel 1, 158, 52; uneinikeit und kriege under guͦten freunden Arigo decam. 20, 5 K.; unnützem geschwatze uf den gassen under umstenden lüten N. v. Wyle transl. 14, 8 K.; Luther 19, 358 W.; uffruͦr aber und groszes geschrey erhebt sich unter ihnen (trinkern) Ambach zusauffen C 3ᵃ; ordnung u. dem gesind Spreng Ilias 21ᵃ; wüthen u. unserm volk Bürger 166 B.; hält man sein wort u den männern nicht besser? Gellert 3, 68; eine ausgebreitete bekanntschafft u. angenehmen leuten Göthe IV 1, 250 W.; dieses und mehreres wurde noch u. ihnen abgehandelt 21, 109 W.; die erneuerung ... welche seit monaten u. den nachbarn das gesprächsthema bildete Polenz Grabenhäger 2, 211; eigentlich ist diese sprache der natur eine völkersprache für jede gattung u. sich Herder 5, 8; Otfried 4, 10, 26; sy teilten die herde under in erste d. bibel 3, 144, 26; u. sich theilen Rachel 86 ndr.; vertheilen th. 12, 1, 1886.
δ)
ein gegenseitiges verhältnisz bezeichnend (vgl. die zusammensetzungen III A 2 b ε, III B 1 b ε): ir iuih minnot untar iu Otfried 4, 13, 8; etliche von den schreibern sprachen unter in erste d. bibel 1, 32, 36; sy halten sich under einander eintrechticlichen 3, 32, 7; disz haben ich und du under uns geredt Apherdianus methodus disc. (1601) 19; wie unterschiedlich wir menschen auf dieser welt u. einander lebten Grimmelshausen 2, 412, 16 K.; ich sah schon in gedanken gutes und schlechtes ... gefeiltes und ungefeiltes u. einander stehen J. M. Miller gedichte III; daher nun der ... widerspruch dieser werke u. und gegen einander Klinger 3, V; sie sind sich alle u. einander so ungünstig Göthe IV 8. 122 W.; die andern heiligen (auf dem bilde) ... haben kein verhältnis u. einander IV 33, 107 W.; bald stritten sie mit dem wirthe, bald u. sich selbst 21, 141 W. veraltet 'für sich': im andern (saustall) allerlei säw u. einander verschlossen seien Sebiz feldbau 35; 'durch einander': wie wunderlich das weltwesen u. einander gehet Chr. Weise polit. redner 55; th. 3, 144 p. mnd. under ander(en) wb. 5, 26ᵃ.
d)
das theilverhältnis wird deutlicher gefühlt, man faszt den gegensatz des einzelnen zum ganzen ins auge (vgl. c und a ε). oft von und dem partitiven genit. entsprechend: Notker ps. 45, 2; 85, 8; du bist gesegnet unter den weiben erste d. bibel 1, 199, 37; Luc. 1, 28; u. allen rittern er den preise trüg Arigo decam. 39, 30 K.; so wirdt man sehen, welicher under uwer lieb und mir den andern in der kunst der waydneye ubertreff privatbriefe 1, 253 Steinhausen; welches u. den dreyen Arigo decam. 35, 6 K.; kein teyl under unsz urk. z. g. d. schwäb. bundes 2; etlich under uns Zwingli freiheit d. speisen 3 ndr.; müller und becker seyn die letzten u. den handwerckern, die hungers sterben Lehmann floril g. 1, 394; alle heftigen und die heftigsten u. den heltigen, die schmerzhaften empfindungen Herder 5, 5; unter diesen wil einer hier, der andere dort hinaus Lohenstein Arm. 1, 3; es giebt noch viele unter unsern gelehrten Rabener 1, 157; der junge E. zeichnete sich u. allen seinen mitschülern ... aus Pfeffel pros. vers. 5, 178; zuerst u. allen stämmen Mommsen röm. gesch. 1, 118; se war wie eine riesin u. ihnen Brentano 5, 180; so bin ich u. tausenden erlesen Tieck 1, 72; liebes geschöpf ... du bist auch mit u. meinen schmerzen Göthe 21, 227 W.; 'gegenüber': du bist verfluͦcht under allen seligen dingen erste d. bibel 3, 53, 40;
schön ist des mondes
mildere klarheit
unter der sterne blitzendem glanz
Schiller 14, 25 (braut v. Messina 1, 261).
unter manchen, unter andern: Arigo decam. 149, 35 K.; dessen besuch mir unter ... manchen ... aufklärungen auch die gewährte, dasz ... Göthe IV 41, 41 W.; dem die künigin u. andern sunden peychtet ... das grosze ungötlich unrecht, das sie dem graffen ... zuͦ gezogen hat Arigo decam. 138, 31 K.; da sprach er u. andern wortten Luther 10, 2, 292, 28 W.; Mathesius Sarepta (1571) 2ᵇ; die frucht des glaubens synd under andern auch die zwo, frid und freud Luther 12, 517, 7 W.; aber under anderm sagt ein edelman Frey gartengesellschaft 55, 20 B.; Brentano 5, 87; unter andern aber ward ihm auch disz gegenwertige büchlein zu läsen gegeben Rollenhagen froschmeuseler (1595) A 7ᵃ; ohne rücksicht auf congruenz: da er u. andern also redet Prätorius saturnalia (1663) 17; weil V. u. andern behauptet Göthe 43, 16 W.; nl. wb. 10, 1230 f.; abgekürzt: u. a.
e)
zeitlich.
α)
zwischen: pfanhauszarbeiter ..., welche ... under iren schichten ... ihr hausnotdorf hacken öst. weisth. 10, 38, 8; under liechten, liecht, liechts zwischen tageslicht und lichtanzünden Staub-Tobler 1, 326 3, 1052; u. der zeit (zwischen, auszer den hauptmahlzeiten) essen aus d. Wetterau bei Diefenbach got. wb. 1, 115; Meisinger Rappenauer ma. 222ᵃ; volkssprachlich im nw. Deutschland; es war unterm halben abende (in der vesperpause) obers. wb. 2, 601ᵃ; vgl. untern.
β)
während eines zeitraumes oder der diesen füllenden thätigkeit (also zu unterscheiden von A 1 f ε); Graff ahd. präpos. 178; mhd. wb. 3, 188ᵃ; Lexer 2, 1777; mnd. wb. 25ᵃ; mnl. wb. 5, 321; nl. wb. 10, 1227; Staub-Tobler 1, 325; Fischer 6, 225; obers. 2, 601ᵃ; Schambach 242ᵃ; Doornkaat-Koolman 3, 468ᵃ. veraltet: unterzwischen (s. d.). unter tage(n) th. 11, 1, 31 θ.; Staub-Tobler 1, 326; Fischer a. a. o.; Cleantes ... der zu nachts auff einer bleich mit wasserschöpffen ... seine narung suchte, dasz er unter tag musz halben studiren möchte Heyden Plinius (1584) 67; u. tagszeit Guarinonius 511; unter einer nacht 1216 (engl. under night); u. abend Bruns volkswörter² 70ᵇ. under disen zeiten Füetrer bayer. chron. 10 Sp.; u. dieser zeit Gellert 4, 325; under der zeit des kirchgangs (1523) öst. weisth. 10, 12, 36; unter der zeit engl. comöd. 273, 10 Creizenach; Göthe 43, 313 W.; under diser wiel Spreng Ilias 151ᵃ; unter der zeit wann, dasz, wo, da Schupp schr. 208; Polenz Grabenhäger 2, 89; Bismarck br. a. s. frau 312; unter zeiten Rinckhart chr. ritter 87 ndr.; Opitz Zlatna 5; under stunden Seuse d. schr. 236, 8 B., quandoque Diefenbach ml. hd. böhm. wb. 229; untern jahr während, im lauf des jahrs öst. weisth. 6, 392, 1; unter wegen (s. d.); unter weilen (s. d.); unter dem wege Möser osnabr. gesch. 1, 29; unter diesem Wickram 2, 147, 18 B.; Schupp schr. 734; unter dem (für altes diu Wilmanns gramm. 2, 631) Füetrer bayer. chron. 14; Staub-Tobler 1, 325; conjunctional: Arigo decam. 214, 21 K.; unter dem das Aimon f 3ᵃ; untar zuaim interdum ahd. gl. 1 24, 9 under solichem Arigo decam. 305, 11 K. bei vorgängen, die eine bestimmte zeit in anspruch nehmen; auch in concretis steckt oft der zeitverlauf: untar tranchum Graff ahd. präp. 178; u. dem trunck Schütz hist. rer. Prussic. 3, S 4ᵈ; undir der messe Marienb. treszlerb. 81, 15 J., der predigt Moscherosch insomnis cura 107 ndr., der kirche O. Ludwig 2, 458; u. dem trojanischen kriege Stieler geh. Venus 3 ndr.; unterm schauspiel Göthe IV 35, 171 W.; u. dem druck IV 3, 61 W.; u. der arbeit 43, 116 W.; u. der operation Hufeland kunst d. m. l. zu verlängern 30; under dem singen Wilw. v. Schaumburg 9, wachsen Guarinonius 869, essen Luther 8, 507 W. (unterm mahle Grillparzer 4, 161, tische Steffens was ich erlebte 1, 37), underm gsicht während des zusehens Fischart gl. schiff 396 ndr., unterm schliffe Rückert 1, 47, kusse Hebbel 6, 80; unter den unaufhörlichen religionsstreitigkeiten Eichhorn rechtsgesch. (1821) 1, 261; under (fast 'mit', vgl. f) vil worten Endinger judensp. 97 ndr.; u. diesen worten Grimmelshausen 2, 21, 27 Keller, verhandlungen Göthe 7, 170 W., betrachtungen Fontane I 5, 157; u. dem vorhergehenden G. Hauptmann biberpelz 11; dieses alles schreibe ich u. einem bedeutenden gewitter Göthe IV 29, 221 W.; mitten u. schmerzen IV 8, 144 W.; ich weisz eine zeit, wo man ... auf den aderschlag lauerte, u. dem ich erscheinen sollte Schiller 3, 481; mit während th. 13, 805 ff.; obers. wb. 2, 635ᵃ; Heynatz antibarb. 2, 530; vgl. under de wären Doornkaat-Koolman 3, 468ᵃ; u. währendem unserm essen und trinken O. Ludwig 2, 498 (veraltet). unter (für während) meiner abwesenheit tadelt Heynatz a. a. o.; vgl. dän. under mit ophold i udlandet u. dgl.
f)
zur einführung eines begleitenden umstandes; dieselben vorgänge und zustände lassen sich bisweilen bald zeitlich, bald modal betrachten (z. b. Otfried 2, 4, 35); vgl. auch A 1 g. ursprünglich örtliche anschauung (nach unter A) kann hineinspielen: da fiel diser Otho ... das keyserthumb an und kam under den auffrhuͦrn hinder das keyserthumb S. Franck chron. Germ. (1538) 23ᵃ; die wollust schimmert unter einem so frommen glanze aus ihren augen Klinger 3, 166.
α)
von dem logischen verhältnis wird abgesehen: glaubst du mir nicht unter diesem (daneben, zugleich) Schupp schr. 701; unter diesem bedencke 702; u. solch wichtigen geschäfften ist das 1523. jahr anbrochen Frz. A. v. Brandis des tirol. adlers ehrenkränzel (1678) 196; mich unter den besten wünschen zudringlich empfehlend Göthe IV 29, 5 W.; ich muszte ... u. groszem gelächter meiner zuschauer wieder abziehen 21, 37 W.; u. einem strom von thränen 45, 119 W.; verschwinden u. donner und blitz Schiller 13, 6; 12, 29; Brentano 5, 28; u. zweideutigen blicken auf den kämmerer H. v. Kleist 3, 228 E. Schm.; u. banger erwartung Tieck 4, 328; M. führte hierauf seinen ... krieg fort u. mannigfaltigem glückswechsel Ranke 1, 130; in der glühhitze wird es (das eisen) u. gewichtsvermehrung schwarz Stöckhardt chem. feldpred. (1851) 1, 4; worauf das junge paar u. artigen verbeugungen abschied nahm Fontane I 5, 145; bis der zug unter einem einzigen, langgedehnten ton stillstand G. Hauptmann bahnwärter Thiel 57; u dem gewehr in vorschriftsmäsziger bewaffnung Posener rechtslexikon 2, 688ᵇ.
β)
an ein causalverhältnis reichend: in diser scena ist ein feine betrübnis, under welcher sie all under einander erzürnt werden Boltz Terenz (1539) 19ᵃ; ich kan aber ... nicht für billich achten ... das man ... das menschenblut distillieren lasse ... sintemal es kan unter so viel anderen herrlichen artzeneien (da es so viele ... giebt) wol unterlassen werden Sebiz feldbau 417; unter diesem quam ob rem Schupp 722; B. und B. waren unter zertrennten verlöbnüsse Adelgundens und As. in vollen freuden Lohenstein Arm. 2, 1398ᵇ; ich glaubte u seinen feurigen liebkosungen zu zerschmelzen Novalis 4, 198 M.; fälle, wo diese beschränkten menschen ... u. den fragen eines richters so über sich in unklarheit geriethen Gutzkow ritter vom geist 2, 7.
γ)
ans concessive streifend: das sie (die bosheit der welt) auch u. unser trewen vormanung immer erger wirt Musculus hosenteuffel 9 ndr.; unter der zeit indessen Menantes allern. art zu schreiben (1718) 361; auch mitten u. sturm und kriegen B. Neukirch ged. (1744) 6; dasz sich ... das ... geschlecht der Welfen als edles geschlecht u. allen stürmen in seinen herrschaften behauptete Eichhorn rechtsgesch. (1821) 1, 324; Gutzkow zauberer 2, 75; ich lachte fast u. den thränen Stifter 5, 1, 25.
g)
unter einwirkung des lat.: u. den waffen schweigen die gesetze Wander 4, 1724, 10; Herder 17, 29; u. den waffen erzogen th. 13, 274. für die lat. inter manus, vias, paucos, haec, quae entsprechenden deutschen verbindungen kommt ebenfalls lat. einwirkung in frage.
2)
mit accusativ. über schwanken des gebrauchs in der wahl des dat. und acc. s. oben B absatz 1. jemandem etwas unter vier augen sagen hat Adelung als acc. verstanden.
a)
1 a α entsprechend, zwischen hinein, hin zwischen zwei gegenstände oder punkte: unter die hausthür (thürpfosten), unters haus gehen. sich unters fenster legen Staub-Tobler 1, 325, heute gemeinsprachlich nach A umgedeutet. zwischen ausgangs- und zielpunkt sich stellen, kommen, laufen, um das erreichen des zieles zu verhindern: seine hauszfraw ... liefe Clementen unter die streich b. d. liebe (1587) 8ᵈ; vgl. unterlaufen;
ihm auszubeugen, war der streich zu schnell
gefallen; unter den zu kommen, ich
so lang und viel mich weigerte
Lessing 3, 98 (Nathan 3, 8, 602) M.;
sich nächtlicher weyle u. den weg zu stellen quelle (1716) bei Fischer 6, 225; veraltet. 1 a β entsprechend: das pferd u. die sporen fassen, nehmen th. 10, 1, 2681 c; furchtsame hund schlagen den schwantz unter die bein Lehmann florileg. 1, 254; freundlich empfing die es u. ihre beine und tränkt es maler Müller 1, 13; unnücze ding, die sich under euere füsze wickeln Arigo decam. 27, 38 K.; einem (es) gut u. die zähne (u. den zahn) geben th. 15, 141 μ; den leuten u. die zähne kommen ebda ν; etwas den leuten u. die zähne bringen; u. die hände geben livrer entre les mains Frisch (1730) 631: dem arczte under henden geben ward ein krancker Arigo decam. 300, 36 K.; u. handen kommen J. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 23; etwas u. die hand nehmen M. Stifel coss Christoph Rudolfs 7; jemand u. die arme nehmen A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1022; dafür sing. (wie unter den zahn für u. die zähne th. 15, 141; R. Hildebrand beiträge z. d. unterr. 226): jeder nähme sein mädchen u. den arm Göthe 23, 238 W.; vgl.unterfassen. 1 a γ entsprechend: u. die streitenden eheleute treten; unter die sachen reden zwischen den beiden parteien des streithandels vermitteln Staub-Tobler 1, 325; er schlug ohne unterschied u. beide parteien hinein Tieck 17, 206.
b)
wie 1 b: sie ... stach sich selbs under ir hertz hinein S. Franck chron. Germ. (1538) 39ᵇ; die andern vieln under die dörner (in spinas) erste d. bibel 1, 48, 41; Jerem. 4, 3; nl. wb. 10, 1226; sich u. die blumen setzen Wieland Agathon 1, 17; Ramler lyr. ged. (1772) 19; sich auch wieder u. diese ungeheuren naturphänomene zu begeben Göthe IV 12, 317 W.; ich hab mich under die klyen gemischt Murner die mühle 23 Albr.; th. 5, 1084; Scheit Grobian. 3041 ndr.; wasser u. den wein schütten Fischart practik 9 ndr., thun, mischen, mengen u. dgl.; under die fürgeschribne notten ire läufflein machen Scheit Grobian. 17 ndr.; gib es ihme (dem pferde) u. das futter zu essen J. Walther pferdezucht (1658) 142; hanf ... giebt gleichfalls ein gutes gespinste ab und kan u. den flachs gebrauchet werden allg. haush. lex. (1749) 1, d 2ᵇ; Logau 320 E.; die bücher u. einander schmeiszen (veraltet) Menantes n. briefe (1723) 341; regengüsse ... führten das widerwärtigste unheil u. die zelte Göthe 33, 14 W.; den knüttel u. die hunde werfen Luther 26, 304 W.; lauff hin u. die fleischbenck H. Sachs 6, 140, 13 K.; das du ... ufsteckest minen huͦt in die strasz under die linden schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 23, 200 B.
c)
mit dem ziel, ein dazwischen, eine gemeinschaft oder zugehörigkeit herzustellen; vgl. 1 c α γ; Graff ahd. präp. 180; mhd. wb. 3, 188ᵇ; mnl. wb. 5, 321; nl. wb. 10, 1225.
α)
do kam Chr. J. und stund zwischent mitten under sye Keisersberg post. 3, 10ᵃ; vermisch dich mit schieszen nit under uns Schaidenreiszer Odyssea (1537) 90ᵃ; etwas u. den umstand (die umstehenden) werfen Fischer 6, 107; unter den haufen schlagen, reden u. ä. Scheit Grobian. 3324; b. d. liebe 203ᶜ; Göthe 3, 237; 2, 84 W.; Arminius bleibt ... u. die helden aufgethrönet Lohenstein Arm. 1, b⁰; u. die leute fallen ruere in homines th. 3, 1279; u. die mörder, räuber, diebe u. dgl. fallen th. 3, 1281; Lessing 3, 106 M.; erste d. bibel 1, 253, 33; u. die frembde ziehen Schupp schr. 168; ein grosz sterbe von pestilencz under das kristenvolcke kam Arigo decam. 648, 2 K.; ich hatte ... befehl ... feuer u. sie zu geben Stoppe Parnass (1735) 531; doch bald mischte sich die Zwietracht u. die vertraulich tanzenden Klinger 3, 32; sich u. die menge verlieren F. Schlegel Athenäum 2, 36; uneinigkeit u. die gesellschaft bringen Göthe 21, 293 W.;
wer will unter die soldaten,
der musz haben ein gewehr
Ferd. Güll kinderheimat (1836) 126;
u. die soldaten gerathen Chr. Reuter Schlamp. krankheit 102 ndr.; stecken Brentano 5, 354; u. die güteragenten gehen Polenz Grabenhäger 1, 151; so auch u. die heuchler, u. die bühne (schauspieler) obers. wb. 2, 601ᵃ; u. (die) leute (menschen) kommen Ferdinand II. v. Tirol speculum vitae hum. 79 ndr.; Lichtwer äsop. fabeln (1748) 67; nl. wb. 10, 1226; etwas u. die leute bringen Kramer (1702) 2, 1202ᵃ; auf das es nicht einreisze u. das volk apostelgesch. 4, 17; ideen u. das publicum ausbreiten Gerstenberg recens. 101 lit. denkm.; haben ... die gefangnen schiff under die ihren gethon Xylander Polyb. (1574) 21; u. seine truppe aufnehmen Göthe 22, 80 W.; eine handlung u. die alten Ägypter verlegen G. Freytag 14, 50.
β)
stadt Sagan restieret, so, weiln niemandt erschienen, untter die klaren rest gesetzt worden, 3408 thl. acta publ. 1, 48 P.; Moses ... zelets (das igelfleisch) u. die unreine speisz Heyden Plinius (1565) 191; under das spielen rechnen Xylander Polyb. (1574) 2ᵃ; Grimmelshausen 2, 365, 22 Keller; Göthe 2, 235, 261 W.; bei gehören unter (meist mit acc.) wird heute an gemeinschaft oder zugehörigkeit gedacht; zum sinnlichen untergrund s. oben A 2 e; th. 4, 1, 2, 2510, 5 c γ; 2512, 6 f; 2520, 10 g; ähnlich stehen passen, taugen (th. 11, 1, 199) u. dgl. mit acc.:
wer für dem creutze weichet, taug übel unter christen
Logau 188 Eitner.
γ)
9 m. 19 scot vor 8 groe laken, dy man undir yre knechte teylete Marienb. treszlerb. 116, 24 J.; do ich brach die 5 brot unter fúnff thausent erste d. bibel 1, 151, 11; was seint dise unter als vil? 1, 356, 41; Matth. 16, 9; 10; Joh. 6, 9; 6, 7; Luther 26, 490 W.; Göthe 33, 104 W.; nachdem er u. dessen drei söhne ... das reich getheilt hatte Mommsen röm. gesch. 2, 32.
d)
in der verbindung under bede 'in beiderlei weise', es gits under bede 'beides kommt vor' (Staub-Tobler 1, 325) entsteht der acc. aus es gibt; in der verb. unter die lauten, eine weltliche weisz singen (Alberus dict. t t 4ᵃ; Fischart Garg. 5 ndr.; vgl. in die laute singen th. 10, 1, 1074 f.) ergiebt sich der acc. aus dem thätigkeitsbegriff des singens. schriftsprachlich sind solche verbb. nicht.
3)
mit genitiv: vgl. oben 2 e und über II C. organisch ist der gen. nur, wo unter für unterhalb steht (s. II A 3), nachwirkung des idg. gen. höchstens für unterdes (Brugmann 466) zu erwägen; im übrigen hat die präpositionale verbindung die form des adverbialen genitivs angenommen. Willmanns gramm. 3, 709. im wesentlichen veraltet; Heynatz antibarb. 2, 520; Adelung 4, 1284; unterdes, unterdessen (s. d.). unter tags th. 11, 1, 31 θ; Staub-Tobler 1, 325; Fischer 6, 225; obers. wb. 1, 186ᵇ; J. Grimm gramm. 3, 131 (vgl.über tags); Rauwolff beschreibung (1581) 189, 363, 368; Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 65; Hulsius (1618) 265ᵃ; Hohberg georg. 2, 125ᵃ; besuche unter tags und in der woche waren ... nicht sitte Mohl lebenserinnerungen (1902) 1, 103; Hans Grimm gang durch den sand (1916) 380; nl. onderdaags. unter lichts th. 6, 868, 8; Staub-Tobler 1, 325, 326; Fischer 6, 225, 239; vgl. zwischen lichts, abends. under singens Lexer 2, 1777; unter essens th. 3, 1168; J. Grimm gramm. 3, 130; 4, 262; zeitschr. f. d. wortf. 4, 60, 69, 326; Gabr. Rollenhagen ind. reis. 80; Joh. Peter de Memel lustige gesellschaft (1655) 20; vgl.über essens. untereins(t), unterwegs (s. d.).
III.
unter als präfix. die zusammensetzungen ergänzen mit einer fülle von sonderentwicklungen den thatbestand des präpositionalen gebrauchs nicht unwesentlich. composita mit unter- fehlen im got. ganz, sind aber sonst allen german. sprachen gemeinsam; allerdings in verschiedener vertheilung und ausbreitung. im an. finden sich überwiegend nominalcomposita, im Heliand solche gar nicht, im ags., afries. verbal- und nominalcomposita; im as., das übrigens auch einige nominalcomposita aufweist, fällt gegenüber den zahlreichen mnd. und mnl. zusammensetzungen die geringe anzahl der überlieferten bildungen auf. fürs ahd. verzeichnet Graff über 70 verbal- und über 40 nominalcomposita, fürs mhd. Lexer 186 und 246, während Campe im ganzen über 800 nhd. composita hat. erschöpfend sind natürlich diese zahlen in keinem falle. die triebkraft in der schaffung neuer bildungen ist im nhd. auch heute noch erheblich. von den decompositis, deren zahl fast unbegrenzt ist, wird abgesehen. die vermehrung der trennbaren verbalcomposita ist noch immer möglich (z. b. únterbrüllen Klinger theater 1, 190, und entsprechende verba, die neue geräusche oder arbeitsthätigkeiten bezeichnen mit dem ziele, etwas zu übertönen oder eine grundlage herzustellen); die untrennbaren treten geschlossener auf ohne nennenswerthe weitere ausbreitung. die nominalcomposita haben nicht aufgehört sich zu vermehren, wenn auch manches nicht über gelegenheitsbildungen oder termini technici hinauskommt (z. b. unterbrettl, im wortspielenden gs. zu überbrettl, grenzboten 69, 436, unterwert, -ig, unterseele, -wille Nietzsche I 7, 30). auch die unter B 2 a γ aufgeführten adj. gehören meist der n. spr. an. nach gr. ὑπό, lat. sub, contra, extra, infra ist unter in fachsprachlichen kunstausdrücken verwendet wie unterweibig hypogynisch, unterschwefliche säure hyposulfit, subsulphurosum acidum, unterschwefelsäure subsulphuricum acidum, unterchlorsauer, unterchlorig, unterchlorigsäuresalz, -phosphorsauer, -salpetersauer, -schwefelsauer, -stickstoffsauer, unterphosphorige säure u. s. f.; unterdominante, -mediante, -octave, -quinte, -terz; unterhalber ton, unterhalbnote die grosze septime, subsemitonium modi; unterbasz contrabasz der orgel, unterbaszton contraton; unteralpisch subalpinus; unterachselig subaxillaris; unterblattständig extrafoliaceus, unterwinkelständig infra-axillarius. blosze übersetzungen sind nicht selten und meist unfruchtbar geblieben, z. b. ahd. untarambahtan subministrare (vgl. mhd. underdienen, -dienest, -dienstbar, -dienstic, nhd. unterdienstlich), untarfallan intercidere, -folgen subsequi, -jauhhan subjugare (mhd. underjochelich subjugalis, vgl. ahd. untarzam), -queman intervenire (mhd. underkomen), -quemo interventor, -wurf subjectum, untarhabitha sublevatio; mhd. underkêrunge subversio, underknebel, -knäufel internodium, -lege, -legunge, -setzunge, -wurf subjectum (nl. onderwerp), underleser sublector, -liger succubus, -mâne interlunium, -mittel intermedius, -rede interlocutio, -sanc succentus, -stendunge substantia, -snîdic intercise, -versenen, -vüeʒen suppeditare, supplantare. vereinzelt blieb auch Konrads v. Megenberg versuch, subamarus u. dgl. durch underbitter, -bleich, -gel, -rôt, -swarz wiederzugeben, ebenso von Diefenbach in seinem gl. verzeichnete nachbildungen wie underhôren subaudire (ags. underhlystan), -schînen subfulgere, -gên subintrare, -lûchten sublustrare, -stinken subolere, -netzen subrigare, -vallen subruere, oder underruofen succlamare (erste d. bibel 1, 320, 13), engl. undercry, mnd. underlesen sublegere, ne audiantur (zs. f. d. wortf. 15, 302). dem engl. entlehnt ist im 17. jahrh. unterhaus (lower house), im 18. jahrh. unterbalanz (allg. d. bibl. 50, 142; unterbilanz handelsgesetzb. 329, 1; engl. underbalance, dän. underskud, underbalance, schwed. underbalans; s. ¹unter III B 1 a ε), im 19. jahrh. unterernährung, -schätzen, -werten, untergrundbahn (underground railway), unterwasserboot (under-water vessel), unterseeboot, gekürzt uboot (undersea vessel, submarine). einer dem afranz. typus s'entreaimer, -baiser, -garder nachgeformten gruppe (mhd. sich underminnen, -küssen, -sehen; -bâgen, -dringen, -kennen, -nemen, -vâhen u. s. w. 'vicissicim, mutuo' J. Grimm gramm. 2, 878; 885; 3, 83; W. Wackernagel afr. lieder u. leiche 198; zeitschr. f. d. wortf. 3, 236; s. unten A 2 b ε) entsprechen nhd. sich unterhalten, sich unterreden. in der schreibung ist für die n. spr. worteinheit das ziel, während die ä. spr. lässiger verfährt. im 17. jahrh. ist schreibung mit trennungszeichen (z. b. unter-bediente) die regel. für die sog. unvollendete composition im sinne J. Grimms oder für fälle, in denen falsche verbindung abgewehrt werden soll (z. b. unter-holzgraf, nicht unterholz-graf) oder unter einem ober entgegengestellt wird (z. b. Unter-Aichen, Unter-Hausen, Unter-Türkheim Fischer schwäb. wb. 6, 226), verwendet man wohl das trennungszeichen, aber ohne verbindliche geltung. in der betonung ordnet sich das präfix in verbalcompositis, wenn untrennbares unter sich präpositional auf das object beziehen läszt, dem ton des verbums unter; liegt adverbiales trennbares unter vor, so pflegt es haupttonig zu sein (Wilmanns gramm, 3, 513); z. b. unterbreíten, aber únterbreiten. part. prät. können sich der einen wie der andern gruppe anschlieszen (z. b. untersétzt, úntertan), je nachdem sinnliche oder abstracte, verbale oder nominale vorstellung obwaltet. unterscheide unterbaúer machinator und únterbauer valet im kartenspiele. bei der betonung únterernährt, -nähren, únterordnen ist der stark gefühlte gs. ǘberernährt, ǘberordnen entscheidend gewesen. die nominalcomposita betonen i. a. das präfix, auch die zu verben gehörigen, wie únterhalt zu unterhalten; doch mit ableitungssilben verlängert, folgen sie der betonung der verba: unterháltung, -háltsam; Wilmanns gramm. 1³, 436. schwankungen treten bei längeren wörtern ein wie unterróllnerv, unterstaátssekretär, unterbórnmeister, unterhéimbürge, unterhólzgraf, unterstállmeister, unterfèldháuptmann. Adelung betont unterhä́ndler, Paul únterhändler. unterdés, unterdém, -wéilen u. ä. behalten die betonung der syntactischen verbindung, aus der sie entstanden sind; doch betont man wieder únterhalb, únterwärts, úntereinst. es kann sich bei den folgenden übersichten immer nur um die grundzüge der allgemeinen bildungsweise handeln; die einzelbehandlung eines wortes ergiebt fast stets eine menge von hier nicht berücksichtigten besonderheiten.
A.
verbalcomposita. sie sind entweder trennbar (unfest) oder untrennbar (fest); im ersten falle folgt die partikel im hauptsatze dem verbum finitum und tritt im inf. zu, im part. prät. ge zwischen partikel und verbum. abweichungen sind theils wortgeographisch (z. b. für unterstehen: welchem gericht steht er unter? als österreichisch bei Heynatz antibarb. 2, 536), theils wortgeschichtlich (zs. f. d. wortf. 1, 314 f.; vgl.über III A 1 h), theils individuell (Paul gramm. 5, 35 f.) zu erklären. bei nachbildung fremder wörter herrscht unsicherheit; z. b. bildet das aus unterabtheilung subdivisio gewonnene v. unterabtheilen subdividere, franz. subdiviser, engl. subdivide zwar nach art der trennbaren zus.-s. das part. prät. unterabgetheilt, vermeidet aber den ind. präs.; ähnlich wird bei unterabordnen subdelegare verfahren. zahlreiche zus.-s. sind trennbar und untrennbar; schwankungen sind dabei nicht ausgeschlossen. im ahd. zeigen sich nur wenige spuren trennbarer zusammensetzung (untarfolgen, untarbringen Graff 3, 511, 197), im as. fehlen sie ganz, im mnd. sind sie selten (z. b. underbreken, -holden, -stutten mnd. wb. 5, 27ᵃ, 28ᵇ, 37ᵇ), im mnl. scheinbar zahlreich (in wirklichkeit dürfte onder oft adv. sein); Lexer verzeichnet 28 trennbare mhd. neben 186 untrennbaren, Campe fürs nhd. 330 trennbare zus.-s. die vermischung von unter A und B (sub und inter) geht in den verbalcompositis am weitesten; raumanschauung und sprachgefühl haben sich oft geschichtlich geändert. in der uns geläufigsten bed. des verb. untergehen verstehen wir heute unter meist als 'nach unten, zu grunde, unter den horizont' u. dgl., ebenso wie das nl. (wb. 10, 1218, 49 a); doch lehren die idg. entsprechungen (Delbrück vergleichende syntax 1, 671), dasz hier die bed. 'zwischen etwas hineingehen und darin verschwinden' der ausgangspunkt ist. im mlat. wird mhd. underkoufer ebensowohl durch subemptor wie durch interemptor wiedergegeben; vgl. nl. wb. 10, 1222, 51; Wilmanns gramm. 3, 519. bei wörtern wie unterrichten, -weisen versagt das neuere sprachgefühl ganz. viele verba haben beide bedd., A und B, entwickelt.
1)
zusammensetzungen mit unter A (sub).
a)
trennbare. vgl. die bedd. des adv. oben I.
α)
in räumlich-örtlichem sinne 'unten, von unten, hinunter, darunter, in die tiefe, zu grunde', unter II A 1 a, 2 a entsprechend. 'unten': mhd. undergeligen, -legen Lexer 2, 1778; im nhd. ist in diesem falle meist adverbiales unten an die stelle getreten. 'von unten': understutten von unten stützen mnd. wb. 5, 37ᵇ; nd. understôten mit dem kopfe von unten her an etwas stoszen Schambach 242ᵇ; undergucken Staub-Tobler 2, 183; nhd. nicht schriftsprachlich. am häufigsten in der bed. 'nach unten, darunter, hinunter, nieder, zu boden, zu grunde' u. dgl.: mhd. transitiv undergedrücken, -graben, -schieben, -schürn, -senken, -setzen, -spreiten, -stôʒen, -treten, -tûchen, intransitiv underbocken, -ligen, -sîgen, -tûchen; nhd. transitiv unterackern, -arbeiten, -ären, -binden, -breiten, -drücken, -eggen, -fassen, -feuern, -flechten, -flicken, -fügen, -hacken, -haken, -halten, -hämmern, -harken, -heften, -kämmen, -kleben, -klecksen, -kleistern, -klemmen, -kneten, -knöpfen, -legen, -leimen, -löten, -nageln, -pflügen, -pinseln, -prägen, -rammeln, -rechen, -scharren, -schichten, -schieben, -schlagen, -schlingen, -schlucken, -setzen, -spannen, -spreiten, -stampfen, -stellen, -stemmen, -stempeln, -steppen, -sticheln, -sticken, -streuen, -stülpen, -tauchen, -trampeln, -walzen, -wickeln; intransitiv unterhuschen, -kauern, -schlüpfen, -sinken, -tauchen.
β)
mit der vorstellung des stützens, unter II A 1 b, 2 b entsprechend: mhd. undervarn; nhd. unterbreiten, -fassen, -stützen.
γ)
wie bei II A 1 d, 2 d sind die vorstellungen der deckung, des schutzes, der obhut, sicherung, versorgung, aber auch die der verheimlichung ausgebildet: mhd. undertuon; nhd. unterbringen, -kommen, -kriechen, -legen (der osterhase legt unter Fischer schwäb. wb. 6, 238), -stehen, -stellen, -schlüpfen; unterknöpfen, -stecken, -wickeln. II A 2 d (ende) entspricht die vorstellung des ersatzes in unterlegen, -schieben. vgl. b δ.
δ)
II A 1 e, 2 e entsprechend, mit dem ziel der unterwerfung, besiegung, erniedrigung, demüthigung: mhd. underbrechen, -bringen, -slahen, -tuon; underwesen; nhd. unterbeiszen, -halten, -kriegen, -zwingen; untersaufen, unterbrüllen, -schreien; unterducken, -füttern.
ε)
nach II A 1 f, 2 f: mhd. underlegen, nhd. unterordnen, -ziehen (beim gesange; vgl. untersingen mit halber stimme singen th. 5, 1089).
ζ)
wenige von diesen verben werden mit dem dativ verbunden (Wilmanns gramm. 3, 640, 643); z. b. mhd. einem underwesen, -ligen, sich einem undertuon, einem etw. underbringen, -legen; nhd. einem (sich) etw. unterbinden, -breiten, -halten, -legen, -schieben, -ordnen, -setzen, -spannen, -spreiten. die übrigen sind entweder intransitiv oder mit accus. verbunden.
η)
vereinzelt steht unteräschern incinerare, vielleicht aus präpos. verbindung (unter asche) hervorgegangen.
θ)
über synonymes nieder- s. Sanders syn. (1882) 575 ff.; Weigand 2, 474.
b)
untrennbare. J. Grimm gramm. 2, 877, 844; Wilmanns 3, 520.
α)
ursprünglich örtlich. 'unten, unterwärts, untenhin': ahd. untargraban, -chresan, -lîdan, -sliufan, -ziuhan; ags. underdelfan, -flôwan, -irnan, -stregdan; afries. understeta; mhd. undergraben, -telben, -houwen, -künten, -neigen, -stôʒen; mnd. undersegeln zu nahe heransegeln; nhd. unterbluten, -eitern, -faulen, -feilen, -fressen, -laufen, -rinnen, -schwären, -wachsen; unterschreiben, -hauen, -klauen, -klecksen, -kreuzen, -kritzeln, -schmieren, -siegeln, -stempeln, -zeichnen; unterfassen, -malen, -streichen. 'von unten' (vgl. Murray 10, 1, 125ᵃ, 4 c): ahd. untarstân surrigere, underskînan Notker 2, 790, 7 P. (gs. obenân anaskînan); mhd. underswingen beim ringen von unten fassen, underrouchen subfumigare, mnl. nl. onderroken; mnl. underholen (ags. underholung); nhd. unterhöhlen, unternebeln (von undernebel nebel aus der tiefe Staub-Tobler 4, 632). 'nach unten, zu boden': mhd. underdrumen in stücken niederwerfen; nhd. unterschnappen ('ab, hinab' Fischer schwäb. wb. 6, 249), schriftsprachlich nur in dem worttypus untersuchen 'bis auf den grund suchen' erhalten, der durch ags. undersêcan, as. undarsuocan, -sôkian, undarfindan, -grîpan, mnd. undersoken, -tasten, -vinden, mnl. ondergronden, -haspen, -polsen, -proeven, -roeren, -sacken, -vinden, -vragen, afries. underfinda, schweiz. undersäcklen, -näusen (Staub-Tobler 1, 326; 7, 675; 4, 803) gesichert ist; daran schlieszen sich ags. underþencan, ahd. untarwiʒʒan (Otfried 2, 14, 92), mnl. onderkennen, -denken, -pensen, as. undarhuggian, -tellian (ahd. untarzellan). -thenkian, -witan, mnd. underdenken, die nach 2 b γ hinüberführen (zum typus internosco, intelligo).
β)
mit der vorstellung des stützens, der hilfe, sicherung und einer allgemeinen einwirkung (vgl. II A 1 b β, 2 b): ahd. untarfâhan suscipere, -chnuphen, -leggen, -queman; mhd. underbulzen, -bûwen, -dringen, -leinen, -machen, -mûren, -phælen, -rüsten, -schieben, -spriuzen, -stân, -stellen, -stiuren, -stivelen, -stôʒen, -stützen, -vâhen, -vlicken, -vüeren, -vüeteren, -ziehen; mnd. underbuwen, -setten; mnl. onderdragen, -gorden, -lichten, -schoren, -schorsen, -schragen, -setten, -spannen, -stellen, -stippen, -stiven, -stutten, -welven; nhd. intransitiv unterstehen; transitiv unterbauen, -fahren, -futtern, -füttern, -hacken, -halten, -hauen, -höhlen, -mauern, -minieren, -nagen, -pfählen, -setzen (in untersetzt), -sperren, -spreizen, -spülen, -steinen, -stemmen, -stiefeln, -stöcken, -stützen, -waschen, -wölben, -wühlen. nur die allgemeine vorstellung des bewirkens bleibt übrig in mhd. underrihten einrichten, zustande bringen. übertragen: mit eiden underhouwen bekräftigen; mnd. understêdigen bestätigen; nhd. untergraben. an ε reicht mnl. onderpanden, nhd. einem etwas unterbreiten.
γ)
II A 1 c, 2 c entsprechend: ahd. untarjauhhan, -leggan (collum jugo), -ligen (subjacere poenae), sich untarwintan; as. underbadôn (Falk-Torp 41); mhd. einen under etw. underdrücken, underkomen, -ligen, -stân, sich undernemen, -vâhen, -winden, -ziehen; ags. undergân perdere (vgl.δ); mnd. undergan, -maten; mnl. onderbevelen, -nemen; nhd. unterliegen, sich unterfangen, -stehen, -winden, -ziehen; unternehmen. nach analogie von sich unterfangen, -stehen u. s. w. ist sich unterkühnen für erkühnen gebildet.
δ)
wie II A 1 d, 2 d, 'verdeckt, von unten, heimlich, allmählich, mit absicht der schädigung, widerrechtlich' u. dgl.: ags. undergân decipere; ahd. untarfaran subire, -dringan (as. undarthringan), -graban, -chresan, -chriphan, -scuphan, -sliufan, -ziohan; afries. underwinna; mnl. onderwinnen; mnd. underhuren, mnl. onderhuren, -gripen, -copen; mnd. underrucken, -schicken, -slân, -tên; sich undermachten, -maten, -weldigen sich unberechtigterweise anmaszen; understeken (understekinge durchstecherei); dän. underkjøbe bestechen (mnd. underkôpen); mhd. underdringen, -grîfen, -nemen, -schupfen, -sliefen, -ziehen, -zücken; nhd. unterschlagen (mnd. underslân), -stechen (mit jem.), untertuschen (= vertuschen), unterschleifen im geheimen mit fortschleppen; frühnhd. untertreten hintergehen (1. Mos. 27, 36); rotwälsch untermackenen betrügen; mit der vorstellung des auswechselns, ersetzens, an die stelle tretens: mnd. understeken, dän. understikke, -skyde; engl. understudy; nhd. unterlegen, -schieben, ὑποτιθέναι, supponere.
ε)
wie bei II A 1 d, 2 d mit der vorstellung der unterordnung: ahd. untardaubôn, -geban, -mahhôn, -sizzan, thiutan, -tuon, -werfan; ags. underbîgan, -bûgan, -dôn, -hnîgan, -îcan, -licgan, -sittan, -þeódan; as. undarwerpan; mnd. underbogen, -breken, -bringen, -danigen, -don, -drucken, -dwingen, -geven, -holden, -krigen, -liggen; mnl. onderdringen, -driven, -drucken, -duwen, -dwingen, -horen, -vallen (den procesz verlieren); mhd. underbiegen, -geben, -machen, -neigen, -smücken, -strîten, -swingen, -tænigen, -treten, -walten; nhd. unterdrücken, -geben, -haben (die unterhabende sache passiv), -liegen, -stehen, -stellen, -tun (untertan), -werfen. nach subdelegare: unterabordnen. an β reichend: mnl. onderpanden; afries. undersetta; mnd. underbeholden, -hebben, mnl. onderbehouden, -hebben.
ζ)
II A 1 f entsprechen wenige im 19. jahrh. wahrscheinlich dem engl. nachgebildete verba: unterschätzen (vgl. dän. underkjende Falk-Torp 1333, nl. onderachten, -schatten), -werten, -ernähren. im engl. sind underbuy, -charge, -prize, -rate, -reckon, -sell, -value seit dem 16. jahrh. entwickelt (Murray 10, 1, 126, 10). ein mhd. underprîsen (wb. 2, 534ᵇ) ist nicht gesichert; mnl. onderbliven ist trennbar. ganz neu ist unterschreiten als gs. zu überschreiten.
η)
hauptsächlich im part. praet. üblich sind: unterblutet, -eitert, -fault, -fressen, -laufen, -ronnen, -schworen, -wachsen; untersetzt; untergeben, -legen, -tan; unterbevölkert, -ernährt; im part. präs.: eine unterhabende sache, die unterhabenden (untergebenen Fischer schwäb. wb. 6, 233), beides veraltet. nur in der zus.-s. erscheinen mhd. underversenen, -vüeʒen (zur bildung Wilmanns gramm. 3, 530 anm.); unüblich bleiben nhd. höhlen neben unterhöhlen, aushöhlen, jochen neben unterjochen, mhd. stivelen neben understivelen. aus subst. gewonnen sind mhd. undertiefen abteufen, schweiz. undernebeln, nhd. unterabtheilen. neben ein intrans. mhd. strîten, walten tritt transitives understrîten, -walten; neben actives mhd. underkomen ein passives underkomen 'erschrecken'. manche verba erfahren in der zus.-s. mit unter keine constructionsänderung; z. b. unterdrücken, -stützen, -stempeln, -suchen; unterschätzen. die mehrzahl wird mit dem acc. verbunden (Wilmanns gramm. 3, 521), auch wenn das einfache verbum intransitiv oder dessen accusativverbindung nicht ganz derselben art ist; z. b. unterfahren, -laufen, -wühlen; unterschreiben, -kritzeln, -streichen, -zeichnen, -graben, -pfählen, -spülen. dativische verbindungen gehen ein: unterliegen, -stehen, zugleich mit einem acc.: unterbreiten, -geben, -stellen, -werfen; vgl.untertan. mit gen. und dat. stehen: sich unterfangen, -stehen, -winden.
2)
zusammensetzungen mit unter B (inter, dis).
a)
trennbare. vgl.I 5, 6, 7. α) ein völlig verdunkelter rest räumlicher bed. liegt im umgedeuteten nhd. untergehen vor; Delbrück vgl. syntax 1, 671. β) mit der bed. der trennung (vgl.B 1 a, 2 a): mhd. underslîchen, -vallen. γ) B 1 b c, 2 b c entsprechend, mischung oder gemeinschaft bezeichnend: intransitiv mhd. undergehœren; nhd. unterlaufen; trans. unterkauen (ich fürcht, sie käu mir ein spinnen unter H. Sachs [1558] 1, 476 a); Campe verzeichnet: únterbacken, -brocken, -gieszen, -hacken, -kneten, -krämpeln, -krümeln, -mahlen, -mähren, -manschen, -mengen, -mischen, -panschen, -pflanzen, -querlen, -reiben, -säen, -schaben, -sieben, -spinnen, -stecken. nach B 1 b δ reciprok: unterschlagen (mit untergeschlagenen armen; er schlug die arme unter), sich unterfassen.
b)
untrennbare.
α)
II B 1 a, 2 a entsprechend, mit örtlicher grundbed. 'dazwischen, zwischen hin': ahd. untarweban intertexere, mhd. underweben, mnl. nl. onderweven, nhd. unterweben; mhd. underbrîden, -snîden, -vlehten, mnl. ondervlechten, nhd. unterflechten; mhd. undersitzen sich wo zwischen setzen, -stechen dazwischen stoszen; underspicken mit dazwischen vertheilten stücken speck besetzen Staub-Tobler 1, 326; undersâtelen eine undersatele, unbesäte lücke, lassen 7, 1424; untergehen dem säemann vorangehen zwischen dem zu bestreuenden und dem bereits bestreuten gebiete, um ihn vom übersäen abzuhalten 2, 23; vom viehhüter, an gefährlichen stellen unter- oder auszerhalb des viehes, zwischen diesem und dem abgrund schreiten, um ihm vertrauen einzuflöszen, es vom umkehren abzuhalten, ebda; auch bei mhd. underdigen fürbitten, intercedere, undersagen (mnl. onderseggen, -talen) mittheilen, mhd. underrihten, -wîsen, -zeigen ist von der vorstellung ausgegangen, dasz zwischen zweien eine vermittlung oder ein austausch stattfindet (für unterrichten, -weisen wird im nl. wb. 10, 1223, mnl. wb. 5, 468 an ὑποδιδάσκειν, submonere angeknüpft). besonders ist die vorstellung der abgrenzung herausgebildet: ahd. untarhegan, -markôn, -rîʒan, -tailen intersaepire u. s. w.; mhd. undermarken, -steinen, -stocken, -ziunen; mnd. underschêten; underlachen mit grenzzeichen versehen, abtheilen Fischer schwäb. wb. 6, 237, -machen, -marken, -pfählen, -schlagen, -stecken, -steinen, -stocken, -zeichen ebda 239 ff. alt und weitverbreitet ist untergehen (s. d.) 'dazwischen schreitend gehen zum zweck der grenzbesichtigung'. das dazwischen (mitten in, mitten hinein, dazwischensein, dazwischen treten) kann sowohl zur trennung (β, γ) als zur verbindung (δ, ε) führen, wie beides z. b. im mhd. underbinden entwickelt ist.
β)
mit der hauptvorstellung der trennung, verhinderung, des wegfallens, der verhütung; Delbrück vergl. syntax 1, 672; Wilmanns gramm. 3, 519 f. wie lat. intercidere, in der mitte durchschneiden, zertheilen, mhd. underschicken auseinandertheilen; schweiz. underrichten disturbare. trennung, hemmung, hinderung bezeichnend: ahd. untarfâhan intercipere, intercludere; untargân intercedere, intercidere; untarsehan intercedendo impedire; as. undarneman interrumpere; mhd. underdringen, -grîfen, -houwen, -komen, -loufen, -nemen, -rîten, -sâʒen, -schrôten, -sehen, -slahen, -snîden, -springen, -stân, -swingen, -tuon, -vâhen, -varn; mnd. undergân, -gripen, -komen, -lopen, -nemen, -riden, -stân, -vân; mnl. onderhalen abschneidend einholen, -comen, -lopen, -riden, -roeyen, -scheppen, -sniden, -stellen (den wech; vgl. sich unter den weg stellen); frühnhd. unterkommen; nhd. unterlaufen. privativem ent-, weg-, ab- entsprechend: wie lat. interbibere ags. underetan to eat away; ahd. untarfallan wegfallen; mhd. underænen = entænen; underbrechen beseitigen, -lâʒen intermittere; mnd. underhalen wegholen, -rucken wegrücken, -sluten abschlieszen, -tên entziehen; mnl. ondervaen, -scheppen abfangen, -sperren abschlieszen, -vlien entfliehen (vgl. aber auch subterfugere); frühnhd. unterziehen entziehen, -lassen bei seite lassen, nicht berücksichtigen, verlassen. verhütung, verbot bezeichnend, wie lat. interdicere: ahd. untarquedan, -rachon; mhd. undersagen, mnd. underseggen, nhd. untersagen; mhd. underschaffen. undeutlich bleibt dem heutigen sprachgefühl unterschlagen, das z. b. von Paul zu unter B gestellt wird (trennung von der richtigen stelle, dazwischen schlagend verschwinden lassen), aber auch durch unter A 2 d erklärung findet. die trennung ist bisweilen nur eine unvollkommene oder zeitweilige, nur eine unterbrechung. so bedeutet schwäb. und schweiz. unterziehen, -lassen 'beim läuten einhalten' Fischer 6, 260; Staub-Tobler 3, 1406; mhd. underlâʒ das innehalten, intervallum, pausa, mora, dazu mhd. underlâʒen, nhd. unterlassen und als passivum unterbleiben (mhd. underblîbunge, mnl. onderbliven); vgl. lat. intermittere 'dazwischen legen, dazwischen leer lassen, offen lassen'; ahd. untarfâhan, mhd. undervâhen, nhd. unterfangen intereipere, 'durch dazwischengreifen zwischen ausgangs- und endpunkt der bewegung zeitweilig die erreichung des zieles hindern'; ahd. untarstandan resistere, 'zwischen dem endpunkt der bewegung und dem verfolger stehen bleiben, um sich zu vertheidigen' (vgl. mnd. sik understân sich widersetzen) subsistere, 'zwischen zielpunkt und dem standpunkt des beobachters stehen bleiben'; mnd. underspreken durch widerspruch unterbrechen; mhd. sich undernemen, -schîben dazwischen abbrechen, understôʒen, -tragen unterbrechen; underreden, -sprechen in die rede fallen, wie noch im ä. nhd. unterfahren, -reden, -sprechen, allgemein unterbrechen; nhd. unterschleichen schleichend unterbrechen Kramer Moerbeek; t. t. unterbüszen aufhören zu arbeiten. oft ergiebt sich der begriff der abwechslung, einer trennung durch zwischenräume u. dgl.: mnd. onderwisselen abwechseln; mhd. underscheiden in zwischenräumen schmücken; underhouwen verschiedentlich auszieren; undermeʒʒen in abständen mit zinnen versehen; undersnîden, -strîchen mit verschiedenen stoffen bunt zusammensetzen, in abwechselnden farben malen; underwieren, -würken; mnl. onderschieten; ein rest dieser bed. bleibt in den unter a erwähnten unterflechten, -spicken, -weben, -wachsen (vgl.durchwachsen). s. auch unterschneiden.
γ)
das dazwischensein und -treten, die trennung dient der unterscheidung, bes. zum zweck der erkenntnis und deren vermittlung: unterscheiden in der mitte trennen; mhd. underlesen, mnl. onderlesen, -slaen auseinander scheiden, auslesen (die wahren ein wenig unterlesen assortire un poco le robbe Kramer [1700] 1, 945ᵇ); vgl.untersuchen oben III A 1 b α, untergründen, -finden (Hoffmann v. Fallersleben findlinge 163); von geistiger unterscheidung (vgl. internosco, intelligo) mhd. underscheiden belehren, mnd. underschêden, mnl. onderscheiden beurtheilen; ahd. untarsagên disserere, auseinanderreihen; ähnlich übertragenes mhd. underschrôten; mnl. ondernamen, -noemen verdeutlichend durch namen bestimmen; mnl. onderkennen unterscheiden; mhd. underordinieren zweckmäszig ordnen; underdenken erdenken; undervarn dazwischen fahrend kennen lernen, erfahren; mnd. understan (engl. understand) dazwischen tretend in die kenntnis des gegenstandes hineinkommen, mitten darin weilend erfassen, verstehen (s. th. 12, 1, 1665). vielleicht steckt auch in unterrichten, -weisen etwas von dieser bedeutungsentwicklung, die im nhd. verdunkelt ist.
δ)
mit der vorstellung des verbindens, mischens: mhd. underbinden, -stricken, mnl. onderketenen, -cnopen verbinden; ahd. untarmisken, mhd. undermischen, nhd. untermischen; mhd. undermengen, -parrieren, -schieʒen, -swingen, -tuon in der gleichen bed.; underwerfen in die erbschaftsmasse werfen; sich underteilen under sich dazwischen vertheilen; mnd. undermengen; mnl. onderbinden, -doen, -gieten, -mengelen, -mengen, -saeyen, -stellen, -vlechten, -wassen; nhd. unterflechten, -gieszen, -mengen, -wirken, undermieten unter dem futter darreichen Staub-Tobler 4, 567.
ε)
verkehr, vermittlung, austausch, gegenseitiges verhältnis bezeichnend, (vgl. oben mhd. undersagen, -vrâgen, -digen, -zeigen, -wîsen, nhd. unterrichten, -weisen unter α): mnd. undergân von einem zum andern, hin und her gehen, vermitteln; mhd. sich mit einem undergân schiedsrichterlich vergleichen; ähnlich undertegedingen, -tragen, -treten; nhd. unterhandeln (mnd. underhandelinge) eigentlich 'verhandeln zwischen zwei parteien'; nhd. unterkaufen, mnd. underkôpen, mnl. ondercopen, nl. onderkoopen zwischen erzeuger und verbraucher vermitteln; auch bei mnl. onderpanden kann 'inter' gefühlt sein, die sicherung geschieht zwischen zwei contrahenten (vgl.unterpfand); ähnlich mnd. undermanen, mnl. ondermanen, wo allerdings auch als vorbild submonere, ὑπομιμνήσκειν in frage kommt; im schwäb. heiszt unterschwätzen einem zu gefallen reden (Fischer 6, 250), vgl. einem schwätzen, einem gut schwätzen schmeicheln, mit einer schwätzen lieben (5, 1253, 1252, 1251). die sp. 1481 angeführten, dem afranz. nachgebildeten verba reciproca sind im mhd. und mnl. am häufigsten: mhd. underbâgen, -bîʒen, -grâʒen, -grüeʒen, -houwen, -küssen, -lachen, -loufen, -minnen, -nemen, -reden, -reiʒen, -rennen, -schieʒen, -sehen, -sprechen, -stechen, -vâhen, -werren; mnd. sik undergeven sich gegenseitig etwas geben, -hiliken, -kussen, -licken, -minnen, -riden, -sên, -spreken, -truwen; mnl. ondergramen, -groeten, -haten, -helsen, -horten, -houwen, -huwen (-hiliken, -huweliken), -kennen, -cussen, -lachen, -lecken, -lopen, -minnen, -moeten, -nemen, -platten, -quetsen, -riden, -schelden, -schouwen, -schriven, -sekeren, -senden, -sien, -slachten, -slaen, -soeken, -soenen, -steken, -stoken, -striden, -trecken, -troosten, -trouwen, -vechten, -vinden, -voegen, -vragen, -wonden, -wriven; nl. wb. 10, 1237; nhd. sich unterhalten, -reden bezeichnen auch gegenseitigkeit; wie weit das nhd. sprachgefühl von der mhd. auffassung entfernt ist, zeigt Campes erläuterung des verb. untersehen: 'unter andern, indem diese gleichsam darüber wegsehen, sehen.'
ζ)
zeitlich: mhd. underruowen interpausare (Diefenbach n. gl. 283ᵇ; Staub-Tobler 6, 1897) zu underruowe, f.
B.
nominalcomposita.
1.
substantivcomposita. das präfix steht regelmäszig an erster stelle; ausnahme bilden laubunter der laubsack, auf dem man liegt, Staub-Tobler 1, 51 und schiedunter, das im scherz (selten in ernster rede) der umgangsspr. und mundart (Schwabe tintenfässl 4; Fischer schwäb. wb. 5, 813; obers. 2, 601ᵇ; Askenasy 48; berlinisch nd. korrespondenzbl. 31, 32; Genthe slang 52; zur bildung vgl. J. Grimm gramm. 2, 547; mangunter und untermang) erscheint. bisweilen concurriert das präfix mit dem adj. (s. ²unter): underschu subtalares ahd. gl. 3, 174, 55; 290, 3 wohl = niederschuh th. 7, 793; dein under drum (penis, zur bed. unten II 2 a ende) Sterzinger spiele 11, 262; hundert streiche auff den undern leib (hintern? mhd. underlîp venter) Moscherosch gesichte 2 (1666), 588; fausse braye der unter wallgang v. Fleming soldat (1726) 50ᵃ; Unterhausen neben unteres Hausen u. dgl. Fischer schwäb. wb. 6, 226; nhd. untertheil, dän. underdelen, der untere theil; bes. in zahlreichen zus.-s. wie unterarzt, -könig (s. a ε) liegt adjectivische auffassung dem neueren sprachgefühl nahe, das aber für die entstehung und beurtheilung der verbindung nicht maszgebend ist; die verbindungen sind schon im ags. und an. zahlreich vertreten, in denen das adj. noch nicht ausgebildet ist. Frisch, Adelung, Heyne, Paul ziehen adjectivische auffassung vor; zur frage s. Wilmanns gramm. 2, 542. vereinzelt bleiben bildungen wie unterziehhosen, strümpfe, hosen zum unterziehen, gs. überziehhosen, und die auf präpositionsverbindungen beruhenden zus.-s.: mhd. underaschen brôt, nhd. unterglasurmalerei, -technik (zs. f. bild. kunst 45, 82), untermondwelt, unterartischocke, -kohlrübe, untersichrübe, unternachtgedanke (inter, zs. f. d. wortf. 10, 25); bisweilen klingt die präpos. verbindung nur an: mhd. underuohse, nhd. unterüchse locus sub bracchiis; vgl.unterjährig, -bewuszt, -schwellig; bisweilen beruht die zus.-s. auf fremdem vorbild: underburgære suburbanus; untererdgeschosz souterrain; unterseeboot under-sea vessel. gelegentliche contaminationen (z. b. unterpflegung = verpflegung und unterhaltung) kommen bildungsgesetzlich nicht in betracht.
a)
mit unter A (sub).
α)
örtlich räumliche vorstellung liegt zu grunde. von kleidungsstücken, die unter andern getragen werden (gs. über III B 1 und ober-): an. undirklæđi, -kyrtill, -stakkr; ags. underhwitel, -syrc; fürs engl. Murray 10, 1, 125, 5 a; mhd. underhemede, -gippe, -joppe, -kleit, -roc, -schurlitz, -tuoch, -wambes; mnd. undermowe, -rock; mnl. ondercleet, -couse, -roc; fürs nl.: wb. 10, 1216, 44 b α 2; nhd. unterbeinkleid, -gewand, -hemd, -hose, -kappe, -kleid, -rock, -strumpf, -tuch, -weste, -zeug, -zug u. a. daran schlieszt sich mhd. underfurrier, -vuoter, -ziuc, -zuc, -zoc, nhd. unterfutter. den unteren von paarweise vorhandenen, übereinander liegenden körpertheilen bezeichnend (gs. ober): unterkiefer, -lefze (Diefenbach gl. 314ᵃ; Höfler 360ᵇ), -lippe (Diefenbach n. gl. 225ᵃ). den unteren oder vorderen theil desselben gliedes oder körpertheils bezeichnend: mhd. underbalc venter; nhd. unterarm, -bauch, -fusz, -gesicht, -kinn (ahd. untarchinni, mhd. underkinne, vgl. an. undirhaka, engl. undercheek), -körper, -leib (mhd. underlîp), -maus, -muskel, -rippe u. dgl.; ganz allgemein den sitz an den schamtheilen bezeichnend: mhd. underdrum, -giel, -hâr; in seltener abstractbildung: underbat bad an den schamtheilen. von unten oder unter andern befindlichen dingen: an. undirdjúp abyssus; schweiz. untergang durchgang unter einer überbrückung Staub-Tobler 2, 344; mnl. ondervoet weg unten am deich, nhd. unterberme; mnl. onderslach, nhd. unterschusz der bäume; an. undirbúđ, -búr, -klefi, -skáli, -skemma cellarium, undirhús, mhd. mnd. underhûs, nhd. unterhaus in verschiedenen bedd.; nhd. untersaal saal im erdgeschosz; nhd. unterluft die unten an oder über der erde befindliche luft; unterbaum ein unterwärts am webstuhl befindlicher baum; unterbeistosz gs. des oberbeistoszes in der tischlerei; mnd. underbarme, mnl. ondergeste, nl. ondergist, nhd. unterhefe die sich an den boden setzende hefe, gs. spundhefe, oberhefe; unterholz, -schiff ein unter wasser befindlicher theil des holzes, schiffes; unterlast ballast im untern schiffsraum verlagert (J. H. Vosz sämtl. ged. 3, 212), die bäume des flosses im gs. zur oberlast, der ladung; unterartischocke, -kohlrübe (unter der erde wachsend); an. undirheimar, nhd. unterreich inferi, untergott gott der unterwelt (Herder), mnd. onderwiver unterirdische weiber; underhûser der fürst der unterwelt, teufel Staub-Tobler 2, 1706; als t. t. bebezeichnet unterton den mitklingenden ton der untertonreihe, woraus die mollconsonanz ihre erklärung findet. den unteren theil eines gegenstandes bezeichnend: an. undiralda, -hlutr, -húfr; mhd. undervege reinigung des unteren theils des mühlgrabens; nhd. unterarche, -beute der untere theil einer leine, beute u. s. w., bes. in kunstwörtern des handwerks und der technik; zur bezeichnung der rückseite eines stoffes in unterkette, gs. vorderkette (weberei). von einer der zwei seiten eines gegenstandes: unterfläche, -seite, gs. oberfläche, -seite; von dem unteren bei paarweise vorhandenen dingen: mnl. onderdrempel, nhd. unterschwelle; mhd. underbet, nhd. unterbett, -mühlstein, -tasse. von dem zweiten theil (einer unteren hälfte) desselben gegenstandes: unterboden (des knopfes), -thür; es kommen bisweilen nur zwei dinge der selben bestimmung in frage wie in untergewehr. unter- bezeichnet auch einen gegenstand, der verglichen mit einem andern, niedriger ist: mhd. underschemel, nhd. unterbank, -herd (bank unter dem herd), -lauf (niedriger wall vor dem hauptwall, fausse braye); mnd. underholt, nhd. unterholz, -wuchs, unterroggen (maipflanzen), unterhaar (vgl. Murray 10, 1, 125, 5 d). bei ags. underburh (mhd. underburge, -gære suburbanus; mnl. onderburch suburbanum, landgut bei einer stadt) hat lat. suburbium als vorbild gedient (sub 'dicht vor, bei'; vgl. mnd. undersegelen). geographisch: an. undirlendi niederland; nhd. unterland (s. d.) in mannigfacher entfaltung; unterdorf, -stadt weisth. 6, 28; Fischer 6, 226; unterernte ernte im unterlande 6, 229; Untarberc Graff 1, 384; Unterharz, -innthal; Unterrhein, unterlauf eines flusses; mnd. underschare das untere ufer. unterluft ist auch west-, ost- und nordwind; in länder- und ortsnamen concurriert unter- stark mit nieder- (Staub-Tobler 4, 671; obers. wb. 2, 285ᵃ): Unter-Baiern Aventin 1, 358, 13; Unter-Baierland hist. volksl. 235, 18, 157 (1504) L.; Ober- und Unter- oder Nider-Bayrland Schönsleder (1647) P p 8ᵇ; Schmeller 1, 222; heute Niederbayern; zum wettbewerb des adj. s. oben; 'in den zus.-s. ist in diesen fällen nieder üblich: Niederungarn, -sachsen, -schlesien, -lausitz, -rhein, -baiern; doch sagt man Unteritalien, -steiermark, die Unterelbe' Adelung. übertragung fand sehr früh statt: an. undirrót causa, origo; undirstađa ὑπόστασις; mnl. onderstant substantia, hypostasis; nhd. unterlage; vgl. β. verbalabstracta (ahd. untargrabanî suffossio; mhd. undergrabunge; nhd. untergrabung; ags. underholung; mhd. underval das niederfallen, -sturz, -schranc, ahd. untarscranc s.δ) sind nhd. theilweise zurückgewichen, theilweise begünstigt: unterschreibung, -zeichnung, -schrift.
β)
mit der vorstellung der stützung, sicherung, hilfe (A 1 b): ags. underwrædel subfibulum, subligaculum, underfang susceptor; an. undirgörđ kissen unter dem sattel, undirstallr, -stóđ, -stokkr, -stólpi; ahd. untargurtil; mhd. undergurt, -gegürte, -gürtel, -saz, -schoʒ, -stant, -stivel, -ströu, -zepfel; mnd. undergrunt, -lage, -settinge, -slach, -stutte; mnl. onderhaspe, -holdinge, -holt, -sate, -stant, -stipinge, -stal; nhd. unterbau, -blatt hintergrund, folie, -lage, -satz, -stütze, -stützung; übertragen: mhd. underlouf succursus, -schup; mnl. onderstandicheit; nhd. unterbau, -lage, -stützung. der übergang von sinnlicher zu abstracter verwendung ist hier besonders leicht und flieszend geblieben.
γ)
nach A 1 c: an. undirland unterworfenes land, -mađr, undirbrot, -varpning; ags. underþeów ein unterworfener; ahd. untardeo, undirtân; undirtânî subjectio, -worfanî, -wurf; afries. underhava lehen; hier schlieszt sich auch eine auffassung von unterpfand (ags. underwed arrhabo) an, die in dem pfand eine zur sicherung der forderung oder verpflichtung zur verfügung stehende sache sieht; mhd. undersâʒe, -tân, -woner; underdrücker, -treter; undersic; underböugicheit, -drückunge, -tænigunge; mnd. underbreker, -sate; underbrekinge, -druckinge, -danicheit, -horicheit, -sateschup; mnl. ondersate, -boginge, -druckinge, -horicheit, -werpinge, -worpenheit; nhd. untersasz, -tan; unterdrücker, -drückung, -jocher, -jochung; der untergebene, die untergebenheit; unterlegenheit; unterwerfer, -werfung, -worfenheit.
δ)
II A 1 d entsprechend: mnd. underdak, -lât, mnl. onderdac, -laet, frühnhd. unterlasz dach, gelasz, unter das man zum schutze tritt oder etwas bringt, zuflucht, unterkunftsort; nhd. unterstand, -kunft, das unterkommen. heimlichkeit, unmerkliches, allmähliches, betrug, list, hinterlist, gefährlichkeit, unrechtmäszigkeit bezeichnend: ags. underhlystung; an. undirmál geheime abmachung, hintergedanken; undirhyggja 'underthought, cunning, wiles' (nhd. untergedanken: neben vielen schälken, die unter solcher winkung und weisung ihre napoleonischen untergedanken verstecken E. M. Arndt schr. [1845] 3, 327); mnd. underkôp kauf unter der hand (vgl. dän. underkjøbe bestechen, mnd. underkôpen), -list, -stekinge; mnl. ondercruper supplantator, ahd. undarscranc Graff 6, 584, untarscuphâri, -sliufâri; mhd. underlist = trügelist, undersleipf, -slouf, -sluf, -sliufære, -schupfære, -tribel, -vüerer, -vüerunge; nhd. untergedanken s. o., -schleif, -schlupf, -schub, -stecherei. ersatz: unterlegepferd.
ε)
wie II A 1 e minderung an rang, wert, bedeutung, wesen, art, beschaffenheit u. dgl. bezeichnend. vgl. wieder γ (ags. underþeów, ahd. untardeo, nhd. unterlegenheit, -gebenheit). von personen: ags. undercyning, -diácon, -gerêfa, -lâdteów; an. undirbiskup, -byrli, -konungr, -prestr; im ahd. und as. scheinen diese bildungen nicht beliebt; mhd. underackerman, -ambetman, -diener, -enke, -genôʒ (gs. übergenôʒ), -hovemeister, -huober, -kelner, -kemerer, -kirchener, -kneht, -kuchenmeister, -lantvoget, -lesemeister, -leser, -loufer, -maget, -marschal, -meier, -meister, -pharrer, -rentmeister, -rihter, -schenke, -schrîber, -schultheiʒe, -singer, -vierman, -voget; mnd. undermêster, -singer; mnl. onderambetman, -bailliu, -bisschop u. s. w. in ähnlicher fülle wie im mhd.; nhd. (Frisius 638ᵇ; Kinderling reinigkeit 152) verzeichnet Campe etwa 80 wörter derart, worunter aber z. b. uns so geläufige wörter wie unterstaatssecretär noch fehlen. im nhd. ist heute der gs. ober, ein oberlehrer etwas anderes als ein überlehrer. nach lat. und franz. vorbildern: unteragent, -abgeordneter, -aufseher, -einnehmer u. s. w.; in sittlicher bed. engl. underfellow ein schlechter kerl (Lucas). von nichtpersönlichem: ags. underfolgoþ subsequela, underservice; mhd. underâhte niederer grad der acht, -bilde niedere karte, -name beiname; mnl. ondergerichte, -wet, -gilde (gs. hooftgilde); dän. underskud; dän. undermaal zu kleines maasz, mindermasz, nhd. untermasz, -korn geringhaltiges korn (vgl. hinterkorn, -frucht, -getreide), untergewicht mindergewicht, fehlgewicht (underwigt Doornkaat-Koolman 3, 470ᵃ), unterjagd (gs. hohe jagd); untergericht, -herrschaft, -klasse, -meierding, -obrigkeit, -ordnung, -schule, -zweck (gs. hauptzweck); unterpacht, -miete, -versicherung (subconductio, vgl. afterpacht u. s. w.). nach lat. subdistinctio, -divisio u. dgl.: ags. undertôdâl, ahd. untarteilida, nhd. unterabtheilung, -theil; unterabart subspecies, -abordnung subdelegatio, -gattung, -stelle, -stufe, -titel (H. Sachs 23, 5, 10 G.); unterbewusztsein subconscientia. zu unteraufseher u. s. w.: unteraufsicht u. s. w. nach engl. vorbild: unterbilanz, -druck, -ernährung, -völkerung (internat. wochenschr. 5, 297), -preis, -wert. im witz: unterbrettl. individuell: unterseele, -wille (Nietzsche).
b)
zusammensetzungen mit unter B (inter, dis; vgl. II A 2).
α)
wie unter III A 2 a, b α: mhd. underganc, mnd. undergank, mnl. onderganc, nl. ondergang, afries. undergung, isl. undirgangr, dän. undergang, schwed. undergaͦng, nhd. untergang interitus, occasus; ahd. untarganc interceptum, zwischengang; untarstall intervallum, -brawa, mhd. underbrâ, nhd. unterbraue intercilium; mhd. underknebel, -knöufel internodium; underschîn das dazwischenleuchten, -spalt zwischenspalt, -trit vermittlungsstück, nhd. untertritt verbindungsstück zwischen den beiden hosenbeinen (schneiderspr.), mhd. underviz der die einzelnen garnstränge von einander trennende faden; undersatele, -satel streifen, der zwischen zwei saatwürfen unbesät bleibt, wenn der sämann nicht acht giebt (Staub-Tobler 7, 1424; Fischer 6, 245; zum verb. undersatelen); unterhärte, -schulter interscapula Höfler 607ᵃ; mhd. underganc, -genger, nhd. untergang, -gänger grenzbegehung, einer, der die grenze begeht und festsetzt; ahd. untarmerchî finis, mhd. undermarke, -merke, mnl. ondermarke, -merke, nhd. untermark, f., n., -ziel grenzzeichen, grenze. mhd. underbint heiszt trennung und verbindung.
β)
III A 2 b β entsprechend (trennung): ahd. unterbant discriminale (ahd. gl. 3, 151, 31), mhd. underbant, -bende, -gebende, -bint discerniculum; mhd. underslac, mnd. underslach, mnl. onderslach, nhd. unterschlag zwischenwand, abgesonderter raum; mhd. underscheit, nhd. unterscheid, mhd. undertât scheidewand der nase, disipium, interfinium, diaphragma; mhd. undervanc intersignum, -viz zwischenraum. mit privativem unter (III A 2 b β): mhd. underzuc entziehung; frühnhd. unterbunst miszgunst. 'unterlassung, verzug': mhd. underbint, -blîbunge, -lâʒ, -wint; nhd. unterbleiben, -bleibung, -lasz, -lassung. 'wechsel, abwechslung': mhd. underbruch, -schuz, -snit; ahd. untarprust vorago, -swaloht intercapedo; mnl. onderstont vertigo. 'hemmung, hinderung': ahd. untarquemo interventor; mhd. undersprâche einsprache, -swanc, -stant, -wurht; mnd. underbrekinge hinderung, undergripinge intercapedo. 'unterbrechung': as. undarfard interruptio, ahd. untarpruht, -nomanî, mhd. underbrich, -bruch, -grif, -lâʒ, -lîbe, -lîbunge, -setze, -stôʒ, -swanc, -wende, -wint; nhd. unterbrechung, -lasz, -lassung, -zug. mhd. underreit einschub. wortübersetzungen: ahd. untarlâʒ interpositio, -punctio, comma; mhd. underslac, nhd. unterschlag interjectio.
γ)
III A 2 b γ entsprechend: in unterschied (s. d.) und seiner sippe finden sich fast alle bedd. der gruppe b ausgebildet; mhd. underbræche unterscheidung; ahd. untarprievida numeratio; mhd. underschiht bedingung; underdiuter dolmetscher; undername 'unterscheidender name', durch mnl. ondernamen, -noemen erläutert; mnd. underbeschêdinge bestimmung, -kantenisse erkenntnis (vgl. dän. underkjende, schwed. underkänna); mnl. onderkennisse, -schouwinge; nhd. untergang 'untersuchung' (Staub-Tobler 2, 345, 4); unterricht, -suchung, -weisung sind von dieser bedeutungsentwicklung nicht unbeeinfluszt geblieben.
δ)
'verbindung, mischung' (III A 2 b δ): mhd. underbint, -mische, -rit, -trit; mnl. ondercnopinge, -vlechtinge; nhd. untertritt, -mengung, -mischung.
ε)
wie III A 2 b ε: ahd. untarboto, mhd. underbote, mnd. underbode, mnl. onderbode, nhd. unterbote mediator, internuntius; mhd. underbot vermittlung; underganc vermittelnde dazwischenkunft, schiedsgericht, schiedsrichterlicher vergleich; mnd. undergenger, mnl. ondergaenre vermittler, onderwinder bevollmächtigter von zwei parteien; ahd. untarchunft, mhd. underkunft vermittlung; mhd. underteidinger, frühnhd. undertedinger, mhd. undertreter unterhändler; mnd. underdegedink verhandlung; undermanebrêf erinnerungsschreiben; mhd. underkouf, mnd. underkôp, mnl. ondercoop, nhd. unterkauf (s. d. und seine sippe) kaufvermittlung, zwischenhandel. reciprok: mhd. underdinge gegenseitige abmachung, -ganc gegenseitiger vergleich, -kîp gegenseitige gehässigkeit, streit, -kündel gegenseitiges zündemittel, -rede gegens. unterredung, -rahtunge gegens. übereinkommen, -vrâge, -zweiunge gegens. übereinkommen. mnd. underhevenisse, -standenisse vicissitudo, -trouwe, ostfries. undertrau feierliche verlobung. nhd. unterhandlung (mnd. underhandelinge), -händler; unterredung (mhd. mnd. underrede mnd. undersprake), -redner, -weiser, -weisung. von franz. beeinfluszt: unterhaltung.
ζ)
zeitlich (III A 2 b ζ): ahd. untarhwîla intervallum, -frist intercapedo; mhd. undertwâle zwischenaufenthalt. -mâne interlunium, -lâʒ, -schiet, -val mora, pausa, -valle intervallum, -stic interstitium, schwäb. unterstizium schulpause Fischer 6, 254; mhd. underlîbe zeitweise schonung, nhd. unternächte die zwölften zwischen weihnachten und epiphanie; ahd. underimbiz (ahd. gl. 3, 153, 3), mhd. undereʒʒen zwischenmahlzeit, -imbiʒ, -mâl, -trahte; mnd. undermâl; nhd. unteressen, -mahl, -suppe, -zeche, -zeit, -zerung u. s. w.; s.untern.
2)
adjectivcomposita.
a)
mit der bedeutung sub.
α)
örtlich-sinnlich: nhd. untereiterig, -kötig unter der haut von innen heraus eiternd; unterschlächtig den druck des wassers von unten erhaltend; unterständig als fehlerhafte eigenschaft beim pferde und in botanischer terminologie. geographisch: nhd. unterländisch, -harzisch, -rheinisch, -bayerisch u. dgl.
β)
mit der vorstellung des heimlichen, betrügerischen: an. undirdráttul, -förull; mnd. undervundich = dän. underfundig hinterlistig; nhd. unterschleiflich Campe.
γ)
zurückbleiben hinter einer norm, minderung an rang, wert, wesen, eigenschaften, beschaffenheit bezeichnend: dän. undermaalig unter der für die aushebung erforderlichen normalgrösze; nhd. untergültig minderwerthig, engl. underhonest von geringer ehrlichkeit. die n. spr. bildet: unteranschaulich nicht vollanschaulich, -betont minderbetont, -bewuszt nicht völlig bewuszt (aber auch 'unter der schwelle des bewusztseins' verstanden; vgl. ζ), -christlich (d. literaturzeitung 1924, 1820), -deutsch, -literarisch, -menschlich, -normal, -persönlich. unter mittlere typen Nietzsche 15, 346; untermittelgrosz. dasz hier wortbildungen wie lat. subamarus eingewirkt haben, ist nicht ersichtlich; eine unmittelbare fortsetzung der bildungen Konrads von Megenberg (underbitter, -bleich, -gel, -rôt, -swarz) liegt nicht vor; vielmehr scheinen sie in anlehnung an die t. t. der fachsprachen mit ὑπό, sub, infra (unterbromig, -chlorig, -phosphorig, -schweflich, -weibig u. dgl.; s. sp. 1480) als gs. zu den entsprechenden zss. mit über und als ergänzung zu den un-composita gedacht.
δ)
unter- in unterdienstbar, -dienstlich, -dienstwillig stammt wohl aus lat. sub (in subministrare und seiner sippe; vgl. ags. undergeoc, ahd. untarzâmi subjugalis); unterhilfig (Fischer schwäb. wb. 6, 234) scheint aus sub sidiarius übersetzt; unterwertig gehört zu unterwert engl. undervalue.
ε)
die ableitungen aus verbalcompositis bilden eine alte und verbreitete gruppe: an. undirgefinn, -orpinn, mhd. underworfen, nhd. untergeben, -worfen; ags. underlæded, -þeód subjectus; underfôndlîc suscipiendus; nhd. unternehmend; mhd. undertân, -tænic, nhd. untertan (s. d. und seine sippe), -würfig; undergänd unterschlächtig Staub-Tobler 2, 22; schwäb. unterfällig baufällig. nhd. untereitert, -fressen, -höhlt, -wachsen u. dgl.; unter bevölkert, -entwickelt, -ernährt hinter dem normalen bevölkerungs-, entwicklungs-, ernährungsstand zurückbleibend. weniger gebräuchlich sind bildungen wie unterdrückbar, -jochbar u. s. f.; häufiger ununterdrückbar u. s. f.
ζ)
einige adj. sind aus präpositionalen verbindungen hervorgegangen oder werden vom sprachgefühl mit ihnen in zusammenhang gebracht: ahd untarmuari Otfried 1, 19, 7; mnl. onderjarich, nhd. unterjährig noch nicht volljährig, unter seinen jahren; mnd. undererdisch, mnl. ondererdsch, nhd. unterirdisch; nl. ondermanig untermondig; nhd. unterseeisch; unterschwellig Fleischers d. revue 34, 2, 316; untergehörig. auch bei untermäszig, -menschlich, -mittelgrosz u. a. wird oft an die entsprechende präpos. verb. gedacht. zum unterschied s. J. Grimm gramm. 2, 438 f.
b)
mit unter 'inter'. örtlich nhd. untergänglich zu untergang grenzbegehung; ahd. untarmarclih (adv. untarmarclîho) distinctus. mhd. undermittel giebt intermedius wieder, nhd. unterredlich interlocutorius. unterlässig dilatorius. trennung, hemmung, hinderung, unterbrechung bezeichnend: nhd. unterbindbar, -brechbar, -bunden, -brochen (häufig mit un-); mnl. onderstondich turbinosus; schwäb. untergrün theilweise grün Fischer schwäb. wb. 6, 233 wie 1 b γ: ahd. untarsceidlih, mhd. underscheidelîche, -scheidic, -schidelîchen u. s. w., nhd. unterschiedlich, -scheidbar; mhd. undertân 'verschieden'; undersnîdic intercise. 1 b ε entsprechend: mhd. underwîsic informativus; frühnhd. underwisiglich lehrreich; unterhaltbar, -haltend, -haltlich; unterrichtlich, -richtend, richtet. untermäszig 'im verhältnis etwas kleiner'. zeitlich: unterdeszlich.
3)
partikelcomposita: unteraus, -durch (¹unter formen 1), her, -hin (s.unten l 1). vgl. noch unterdes, -eins(t), -halb, -handen, -stunden, -wärts, -weg, -wegen -wegens, -wegs, -zwischen.
unter adj
Fundstelle: Lfg. 10 (1926), Bd. XI,III (1936), Sp. 1492, Z. 25
zu ¹unter II A, seitenstück zu nieder, adj. (th. 7, 745), gs. zu ober, adj. (th. 7, 1073). zur bildung Wilmanns gramm. 2, 428 ff. idg. *n̥dhero s; ai. ádhara-s; lat. inferus; ahd. untaro; mhd. mnd. under; nhd. unter; engl under. mundartliche weiterbildung untrig Schmeller 1, 115; Schöpf 783. individuelle verstärkung tiefunter (eine tiefuntere religion) Sanders erg. wb. 586ᵃ.
A.
I.
attributiv. neben den meisten verbindungen sind in n. spr. entsprechende nominalcomposita vorhanden; vgl. ¹unter III B 1.
1)
in räumlich örtlicher bed.: der under stein (mühlstein), gadem, die undere speiche, die untre thür th. 7, 1073 f., tasse Schmeller 1, 115, lini A. Dürer bef. d. stett (1527) A 4ᵇ; der untere schiffsboden, das untere zimmer, die untere schwelle Kramer (1702) 2, 1202ᵇ; rand des papiers, theil der ruinen, ende der tafel Göthe II 2, 29 W.; IV 8, 161 W.; 24, 72 W.; stock des hauses Storm (1899) 1, 69; stufen Pfeffel poet. versuche 7, 174; t t. untere rollen im flaschenzuge Jacobsson 4, 488ᵇ; Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 381; flasche Krünitz 199, 363; die unteren zähne th 15, 130; Frisius 165ᵇ; kinnlade Göthe IV 8, 37; augenlied 23, 40 W.; Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 89; mundloch im magen Kinderling reinigkeit 204; obere und untere extremitäten Göthe II 8, 11 W.; witzig: grosze stiefeln ... schlieszen den mann nach seinen unteren beziehungen ab Scheffel 3, 113; der under lîp mhd. wb. 3, 189ᵃ; unterer leib Höfler 362ᵇ; die untere kehle podex zs. f. d. wortforschung 10, 166, mhd. undergiel, das under parliment Staub Tobler 1, 327, die undere apothecke Fischart practik 22 ndr.; die untere luft Kramer (1702) 2, 1202ᵇ; wolken Göthe 30, 5 W.; die berghöhen des unteren (tiefer gelegenen) landes 24, 18 W.; meinen untern garten (an der Ilm) IV 42, 189 W.; in der untern allee (am ende d. a.) Kerner bilderb. (1849) 27; am untern abhang (am fusze des abhangs) Göthe 10, 255, 174 W.; die unteren ka toffeln im hafen Auerbach 4, 156. geographisch: der unter see Ernstinger 106; unterer see Fischer schwäb. wb. 6, 226; meer Niebuhr röm. gesch. 1, 33; lauf der ströme Ritter erdk. 1, XIX; Tiber Niebuhr röm. gesch. 3, 197; gebirgszone H. v. Barth Kalkalpen 324; landtafel des underen Ungerland Stumpf chron. 5ᵃ; des untern Italien Göthe II 3, 194 W.; das untere Deutschland Niederdeutschland Adelung; sambt dem ober und untern Ynthal J. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 23; die Oberpfaltz und die untere, so viel deren herwarts Rheins gelegen Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 33ᵃ; die unteren gegenden des linken Rheinufers Eichhorn staats- u. rechtsgesch. (1821³) 1, 74; von der sphera Parac. (1616) 2, 338 H. selten: das under (letzte, äuszerste) theil des ertrichs S. Münster cosmogr. vorr. 3.
2)
unterirdisch: in die undern welt faren sterben Stainhöwel ber. frauen 221, 27 Dr.; vgl. der grund der untern erde J. A. Schlegel verm. ged. 1, 189 und E. v. Kleist bei Köster zu Schönaich 110, 18, wo auf einflusz des latein. aufmerksam gemacht wird; die undtern götter H. Sachs 2, 81, 15 K., mächte Gotter 1, 126, dämonen Göthe IV 27, 118 W. irdisch (gs. himmlisch): wi di undern ding von den öberen regiert werden Schwarzenberg Cicero (1535) 16; Parac. (1616) 2, 508 H.; natur J. Prätorius saturnalia 28; welt Forberger Guicc. (1584) 363ᵇ; A. Silesius wandersm. 147 ndr.; Hoffmannswaldau-Neukirch 7, 278; Klopstock oden 1, 50, 85 P.-M.; Göthe 7, 249 W.
3)
musikalisch: untere saiten, tasten, orgelpfeifen; töne, stimmlage; wenn aus der oberstimme die untere ... gemacht wird Mattheson capellmeister (1739) 354.
4)
von reihenfolge, rang, würde, bedeutung: in undern (niederen) schulen J. B. Schupp 729; als gs. zur hohen schuel, universität, lyzeum Schmeller 2, 404; da ich noch kein seewesen kenne und also auch hier gleichsam die untre (elementarsch.) schule besucht habe Göthe III 1, 265 W.; den unteren (anfangs-) elementen seiner kunst Gutzkow ritter vom geiste 3, 428; klassen Holtei 40 jahre 1, 86; rollen untergeordnete Krünitz 199, 370; planet nebenplanet 374; kräfte th. 5, 1936; Keisersberg baum d. seligkeit (1518) 23ᵈ; seelenkräfte Herder 3, 158; Schiller briefe 3, 205; sinne Herder 22, 27; fähigkeiten O. Jahn Mozart 3, 233; erkenntnisvermögen Windelband gesch. d. n. phil. (1907⁴) 1, 537; von den untern gepoten Luther 34, 2, 320 W.; weihen Ranke 1, 161; so wird ain gemainer nutz geordnet ausz obersten. ausz mitteln und ausz undern personen A. v. Eybe sp. d. sitten (1511) P 2ᵃ; ain undterer engel Nas eins und hundert 1, 13ᵃ; soldat Chemnitz schwed. krieg 2, 202; hausbedienter Göthe 25, 285 W.; geistlichkeit E. Th. A. Hoffmann 2, 15 Gr.; in undern stendern H. Sachs 1, 190, 17 K.; unteren ständen Bismarck polit. reden 4, 116; schichten Treitschke aufs. (1886) 1, 103; volk G. Keller 5, 19; das unter gericht H. Sachs 8, 356, 10 K.; gerichtshöfe Ranke 14, 97; instanz Göthe IV 42, 263 W.; der unteren obrigkeiten Steub drei sommer in Tirol 1, 13.
5)
der undern ambechtung erste d bibel 2, 166, 54 übersetzt subministrationis, das untere hausz Kramer (1702) 2, 1202ᵇ lower house.
II.
substantivierung. abweichungen der flexion nur in ä. spr.: sol ein regiment bestehn, müssen obern, untern seyn Treuer Dädalus 1, 766; seine untere zu plagen A. Olearius pers. baumgarten 60. der unter (im kartenspiel) st. m. mit abwerfung der flexion; Adelung kannte noch dafür der untere. der untrige bayerisch und tirol. wie bei I.
1)
örtlich: ein unterer einer von unten Schmeller 1, 115; wer mitten im hausz wohnet, der wird von dem obern begossen, von den untern beräuchert Lehmann florileg. 2, 540; die unteren am unteren ende der tafel sitzenden Göthe 25, 75 W.; die underen bewohner des unterlandes Staub-Tobler 1, 327; haar am untern Höfler 211ᵃ (penis 764ᵃ: aber grundlage dieser ansetzung ist die oben sp. 1081 erwähnte Rosenplüt-stelle, die auf unke, unker basiliscus weist; schlange als phallus: H. Werner ursprünge der metapher 120); das under gen berge ... hat die meist menig volkes gekeret ackerm. a. Böhmen 32, 7 B.; fastnachtsp. 383, 11 K.; der mann wird in das ober und under ... abgetheilet Sutorius fechtbuch (1612) 3; das unter, das under das vordere unterdeck Campe 5, 493ᵃ; 519ᵃ; das vorunter halbverdeck = vorpflicht, s. pflicht 7; das under unterbett, unterkleid, boden im becher Fischer schwäb. wb. 6, 225; 5, 7; das under is em ufe cho er hat sich erbrochen Staub-Tobler 1, 327.
2)
von unterirdischem und irdischem: die untern, zwerge E. H. Meyer d. volksk. 254; vgl. die unterirdischen; Göthe th. 7, 1075, 2; Brentano 3, 141; der under, der mensch Fischer schwäb. wb. 6, 225.
3)
musikalisch: das untere und obere ... des klanges Mattheson generalbaszschule (1735) 69.
4)
von stufenfolge, rang, stand, würde. a) ober II 4 a entsprechend, im kartenspiel der unter Keisersberg th. 7, 1075, 4 a; ein unter oder knecht Harsdörfer gesprechspiele 1, F 8ᵇ; W. Scherffer bei Drechsler 101; Amaranthes frauenz.-lex. 1504; unter das vierte bild in der deutschen spielkarte, dem valet oder buben der französischen entsprechend Bucher kunstgewerbe (1884) 418ᵇ; Staub-Tobler 1, 327; Fischer 6, 225; 5, 7; Unger-Khull 608ᵃ; obers. wb. 2, 601ᵃ; Jecht Mansfeld. 38ᵃ (inger). vgl. eichel-, grün (der grüne unter obers. wb. 1, 447ᵇ; grüner unter Hentrich Eichsfeld 60)-, rot-, schellen-, trumpfunter; unterbild, -bube, -mann. kein ober und kein unter J. H. Voss ged. 4, 232; vgl. bc. b) gth. von ober II 4 b: wann mit den gewaltigen mag sich der under und ainfältig lycht in geschäfft vermischen Steinhöwel Äsop. 185 Ö.; H. Sachs 14, 107, 7 th. 7, 1075. c) ober II 4 c entsprechend. sing.: ein unsiniger mensch (Luther), der bapst, keiser, bischoff, under, ober, sampt der gantzen karten ... stot zuͦ vermischen Murner adel 5 ndr.; kein uber noch unter Jesus u. die seele (1701) 46; deinen untern J. Böhme 4, 153; ein frommer underer Garzoni piazza (1641) 87ᵃ; wenn der obere dem untern blos seines gröszeren verdienstes halber vorgesetzet worden J. Möser 2, 188; Ranke 39, 204 anh. plur.: die undern Murner adel 35 ndr.; myn undern narrenbeschw. 19, 21 ndr.; H. Sachs 1, 122, 25 K.; hart gegen die untern seyn Adelung. ohne artikel: mit groszem verdrusz obern und undern Eberlin v. Günzburg 1, 14 ndr.; bey öbern noch undern H. Sachs 4, 185, 12 K.; weder gegen obere noch untere fehlen Göthe 24, 194 W.
5)
daʒ undera subjectum, species Graff 1, 384; Notker 1, 372, 11 ff. P.; vgl.das unterwürfige, -worfene ding Leser zs. f. d. wortf. 15, 85.
B.
comparativ. der ahd. vorhandene comp. (untarôro) ist mhd. verschwunden (Wilmanns gramm. 2, § 323, 3); J. Grimm gramm. 3, 623 hielt ihn mhd. für möglich; frühnhd. ist er (ebenso wie überer, vgl.oberer th. 7, 1076; Fischer schwäb. wb. 5, 7) vorhanden: es ist wol war, das weltlich gewalt yhren unterern nit sol unterthan seyn Luther 7, 168, 19 W.; der uberer (so auch 85, 9 W.) soll des untereren erleuchtung weychen 7, 175, 14 W.; undterer Hulsius (1618) 264ᵇ; unterer kommt selten vor H. Braun orth. gramm. wb. (1793) 271ᵇ. comparativ und positiv sind heute nicht mehr geschieden.
C.
superlativ. ahd. untarôsto; mhd. underste, underiste, undreste; mnd. dän. schwed. underste; mnl. nl. onderste. undergest, -gist, -gost Fischer schwäb. wb. 6, 255; mundarten geben dem umlaut weiten raum (vgl.überst Frisch 2, 26ᵇ): indrist Schöpf 738; inderst, innerst Fischer a. a. o.; ünterst obers. wb. 2, 601ᵃ; önnerst Spiesz henneberg. 264; önnescht luxemb. 318ᵇ; ündersch Hönig Köln. 157ᵇ; ünderste Schambach 242ᵃ; ünnelst, ündelst Fr. Reuter bei Müller wb. 144ᵃ. mhd. formen noch frünhd.: underist (1529) Lori bergrecht 189; undrist B. v. Chiemsee 163; Äg. Albertinus zeitkürzer (1603) 32; unterist Frz. A. v. Brandis des tirol. adlers ehrenkränzel (1678) widmung. verstärkung: tiefunterst th. 11, 1, 494; Schiller taucher 22, 6; allerunterst, mhd. zu aller undrest, von allen zu unterst J. H. Voss Odyssee (1781) 15, 107 u. dgl. superlativ für comp. oder positiv: lagophthalmia, wann die öberst palpebra mit der understen zusamen gehet Alberus (1540) T 4ᵃ; den kopf zu unterst (kopfunter) Wieland 4, 216; vgl. I; önneschtrock, -steen, Önneschtpietres unterrock, bodenstein, Unterpetrusz Gangler (1847) 318; lux. (1906) 318ᵇ.
I.
adjectivisch.
1)
räumlich-örtlich: der underiste stein th. 7, 1076 C I 1; dy arme luthe in der understen temmelitczen Stolle thür. chron. 188; gemach Züricher bibel (1531) 1. Mos. VI c; an dem undrosten tail des münsters Öheim Reichen. chron. 26, 15 Barack; rinde Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 3; höll Lehmann florileg. 1, 396; lux. (1906) 318ᵇ; treppe Lehmann 1, 102; die zwo unterste zeilen Kramer (1702) 2, 1202ᵇ; stockwerk Herder 23, 110; wurzel Stolberg 2, 140; bezirk Göthe Faust 4987; ende der tafel Gaudy 4, 91; vom untersten grund auf (übertragen) Niebuhr röm. gesch. 1, 42; ähnlich bis in die unterste tiefe Herder 12, 34; am untersten kinne ganz unten am k. Bürger 224, 293 B.; den untersten bart Lohenstein Arm. 1, 750ᵃ; dem understen harigen fasz vulva Montanus 403 lit. ver.; dem untersten leib J. Ruoff hebammenb. (1580) 50; von den brüchen des understen arms Braunschweig chirurgia (1539) 95ᵃ; astronomisch u. geographisch: antarcticus de underste cirkel des firmamentes Diefenbach n. gl. 25; le nadir das underste pünctlein des himmels unter uns Duez nomencl. (1652) 11; die understen Teutschen am meer Stumpf chron. 60ᵃ; an dem understen ort des meer Carbach Livius 360ᵇ; nach dem lat. der unterste berg Bodmer bei Schönaich neolog. wb. 183, 3 K.
2)
letzte, äuszerste: mhd. ûf den undirsten phenninc bis zum letzten heller; in dem untersten gebäude des hofes Gellert 4, 200; vorunderst penultimus, obervorunderst antepenultimus Stieler 1387.
3)
wie B II 2: in dieser understen welt (erde) Nigrinus v. zäuberern (1592) 78; der untersten der welten Klopstock oden 1, 127, 124 M.-P.; hölle Bodmer crit. poet. schr. (1741) 1, 16; Klopstock bei Schönaich neolog. wb. 110, 8, dazu Köster 450 (einflusz des latein.); den öbersten und understen göttern, allen miteinander Carbach Livius 229ᵇ.
4)
musikalisch: wie werden sie (mus. voces) geteylet? in die obersten la, sol, fa, die untersten mi, re, ut Wilphlingseder musika (1561) A 6ᵃ; der generalbasz der unterste sonus Königsberg. dichterkr. 34 ndr.; die untersten stimmen der rechten hand Heinichen generalbasz 144.
5)
B II 4 entsprechend: die unterste klasse der gelehrtenschule Storm (1899) 16, 201; Lessing 8, 24, 12 M.; auff den understen stul Lehmann florileg. 3, 348; auf der understen stuffe der weisheit Liscow 227; plätze Göthe 28, 135 W.; accessistenstelle W. H. Riehl d. d. arbeit 28; volksklassen Göthe IV 30, 206 W.; kreise Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 66; stände Ranke 2, 4; gattung Nestroy 1, 8; gerichte Haltaus 665; der unterste priester Luther Hans Worst 42 ndr.; reiter Schiller 12, 27; pöbel Gerstenberg schlesw. literaturbr. 128 lit. denkm.; die unterste reinickeit Luther 17, 1 111 W.; das unterste gesetz 34, 1, 147, 11 W.; gescheffte S. Franck weltb. 134ᵇ; empfindung Leisewitz Julius v. Tarent 50; die untersten und mittleren bestellungen Göthe IV 9, 99 W. fast nur begriffsteigernd (vgl. 2): vom untersten schmuze der arbeit Gutzkow ritter v. geiste 3, 307; die unterste handwerks- und fabrikware W. H. Riehl d. d. arbeit 38.
II.
adverbiales unterst ist wohl aus zu unterst entstanden, wie oberst (Fischer schwäb. wb. 5, 8): lieszen ... ainen tempel bawen aller underst an dem berg Capitolini Stainhöwel ber. frauen 97 Dr.;
nicht unterst liegt hier stets der unterlieger
E. M. Arndt 5, 242 Rösch-Meiszner.
III.
substantiviert.
1)
I 1 entsprechend: die fuͦsse hat got gemacht das unterst in die lenge A. v. Eyb d. schr. 1, 44, 25; in dem untersten desz fasz J. B. Schupp 747; wie 't önderste üt de kann drinkt, den fellt de deckel op de nöos Wander 4, 1481; nl. wb. 10, 1468; het underste ein leibchen Molema groning. 303ᵃ; untergöller, unterst, neerstick Kramer (1719) 2, 231ᵇ; der unterst musz leiden, dasz der oberst ihm auff den kopff schmeist oder hoffiert Lehmann florileg. 1, 93; das unterste zu oberst ist J. Böhme 5, 82; das unterste oben setzen Zimmermann einsamkeit 1, 77; das unterste oben kehren Kramer (1702) 2, 1202ᵇ; häufiger das unterste zu oberst (oberste zu unterst) kehren u. ä. th. 7, 1077; 5, 424; Fischer schwäb. wb. 6, 225; vgl. unten 2; eigentlich: kehret das gläszlein je zu weilen hin und her ... das unterst zu oberst Hohberg georg. 3, 201ᵃ; müszten ... paläste und pyramiden das unterst zu oberst kehren (sich auf den kopf stellen) ... so will ich doch antwort haben H. L. Wagner theaterstücke (1779) 100; das eyn ieglicher ... seines willens lebe, das unterst zu oberst und alles umbkeret Luther 18, 539 W.; aus dem sihestu nu, das d. C. ... das unterst zu öberst, das geringst fur das beste, das letzte fur das erste setzt Luther wider d. himml. propheten A 4ᵃ; A. Wichgrevius Cornelius relegatus (1600) F 5ᵃ; ... diener, welche mit gewaltigem lärmen das unterste zu oberst kehrten Gaudy 4, 79.
2)
ober C II 2 a entsprechend, adverbial (vgl. th. 16, 208 und 4, 2, 1496). selten zum untersten (Luther 34, 1, 544 W.), zu unterste (Lohenstein Arm. 1, 53ᵃ): ze underst ganz unten Hätzlerin 270, 486; zuͤ underst in der höll reform. flugschr. 1, 15 Clemen; dadurch er (Luzifer) von seiner obristen stat ... zuͦ undrist abgefallen ist B. v. Chiemsee 163; tief unten im wellental:
etlich zu underst fuhren tieff
Spreng Äneis 4ᵇ;
ruthen, die sie (windhunde) zu unterst meistens aufgerollet tragen Heppe lehrprinz 14; es liegt ein dicker brief zu unterst in dem bette Henrici (1727) 1, 494; Rückert 3, 182; geographisch: zuͦ underst am Rodden Stumpf chron. 141ᵃ; von reihenfolge (s. unten 4): zu unterst (sasz) S. Fontane I 5, 23; durcheinander: so gehet das oberst zu underst Lehmann florileg. 2, 592; dasz ... das oberste (des düngers) zu unterst gebracht werde haushalt. lex. (1749) 1, f 1ᵃ. das oberste zu unterst kehren u. ä.; vgl. oben 1: und keret sie (die zelte) umb, das öberst zu unterst richter 7, 13; ich rede nicht von jenen verfehlten tragödien, die, um erhaben zu sein, das oberste im menschen zu unterst kehren Tieck 4, 287; dasz sich in mir das oberste zu unterst kehrt Hebbel 9, 33; das höchste zu unterst kehren Geibel 1, 205; selten alles zu oberst und unterst drehen E. Th. A. Hoffmann 6, 89 Gr. zu unterst zu oberst: dasz ich die welt kan zu unterst zu oberst kehren Moscherosch gesichte 1 (1650), 656; dasz er alles zu u. zu o. kehren könnte Auerbach dorfgesch. 2, 33; und gehet alles zu u. zu o. Moscherosch a. a. o. 1, 229; 524. nicht mehr schriftsprachlich, ebensowenig: unterst zu oberst Göthe 39, 96 W.; unterst zu oberst stürzt ihn mein herr vom pferd 8, 95 W.; andern kehrte er karrn und wagen unterst zu oberst br. Grimm d. sagen 1, 66; unnerscht der ewerscht Niebergall 109; Askenasy 48; einige der herrlichsten sachen stehn unterst der oberst F. H. Jacobi an Göthe (briefe hg. v. M. Jacobi 1846) 49. von underst bisz zuͦ oberst a capite usque ad calcem Frisius 177ᵃ; von oben här bisz zum understen 1ᵃ; wo auch also ein wald mit arbeit angriffen, so soll der von underisten bis zum obristen verhackt ... werden (1529) Lori bergr. 189. ober 2 b entsprechend, präpositional: zu unterst desz ruckgrads Wirsung artzneyb. (1588) 546ᵃ.
3)
den aufferstener von den understen (übersetzt: ab inferis) erste d. bibel 3, 29, 21.
4)
der unterste nimmt mit löffeln, der oberste mit scheffeln Fischer schwäb. wb. 5, 8; der unterste inhaber des untersten platzes in der schule Göthe Herm. u. Dorothea 2, 253; Danneil 231ᵇ; der vorschneider (bei tisch) nahm es auch in acht, dasz der unterste sein stück zuerst kriegte Chr. Weise erznarren 119 ndr.
5)
diu underosten subjecta Notker bei Graff 1, 384; vgl.A 5.
unter m.
Fundstelle: Lfg. 10 (1926), Bd. XI,III (1936), Sp. 1496, Z. 52
zwischenmahlzeit, s.untern.
Zitationshilfe
„unter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/unter>, abgerufen am 22.10.2019.

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