uns
Fundstelle: Lfg. 9 (1923), Bd. XI,III (1936), Sp. 1297, Z. 9
dat. und acc. plur. des ungeschlechtigen pronomens der 1. person. idg. *n̥s; germ. *uns; g. uns, unsis für beide casus; an. oss, dän. os, schwed. oss; ags. afries. ûs, engl. us; as. ûs, mnd. us, usik, ösk, nd. us, ösek, sek, ösch, unsch; mnl. ons, us, uns, nl. ons; ahd. dat. uns, acc. unsih; mhd. dat. uns, unsis, unses, acc. uns, unsih; nhd. uns. Fick-Torp 4, 29; Falk-Torp 803; Wilmanns gramm. 3, 409, 7. vgl. ich I a, wir, unser. im hd. veraltet unsih schon im 13. jh., erhält sich aber theilweise im nd. bis heute; Höfer (unsich im nd.) Pfeiffers Germania 15, 73; Henneke knecht 14, 1 (Uhland 1, 450); zeitschr. f. d. phil. 2, 506; Schambach 148ᵇ; man betrachtet den mundartlich oberdeutschen umlaut (üns) als unter einwirkung von unsich entstanden. auf reichere formentwicklung und differenzierung betonter und unbetonter formen, wie mundarten sie bieten (Staub-Tobler 1, 346 f.; Fischer schwäb. wb. 3, 2; els. wb. 1, 55ᵇ; 933ᵇ; Schöpf 783; Lexer Kärnten 247 f.; Crecelius 848; De Bo 657ᵇ), hat die nhd. schriftspr. verzichtet. vom gebrauch kommt lexikalisch in betracht:
1)
uns = unser: Bech bischöfl. satzungen über d. eidgeschosz in Zeitz anm. zu II 4; Crecelius 848; J. Grimm gramm. 1, 780; Lexer handwb. 2, 1936; mnd. wb. 5, 76ᵇ; mnl. wb. 5, 891; nl. wb. 10, 1780; als gen. plur. nostrum:
er legt uns ein gwaltigen haufen ins felt
volkslieder nr. 191, 1, 5 Uhland;
Hildebrand zu Soltaus hist. volksl. 2, 42. veraltet.
2)
mundartlich uns = wir: 'in einem geschlossenen gebiete des schwäbischen lautet zwar der unbetonte nom. plur. mr, betont aber tritt dafür uns ein' Fischer 3, 3.
3)
uns im wechsel mit sich. s. sich 4, 5 (th. 10¹, 710); Erdmann-Mensing syntax 2, 143; Paul gramm. 3, 130; für die mundarten Weise 226; Staub-Tobler 7, 151, 4; sich 4 ist wohl weder slavismus (J. Grimm), noch rest von unsich (Gebhardt Nürnberg 271), sondern durch formübertragung zu erklären. die meisten schriftsprachlichen belege, im 14. jh. beginnend, bei J. Grimm gramm. 4 (1898) 379, bes. aus Grimmelshausen; noch Heynatz rügt im antibarb. 2, 414 sich bes. für uns als schlesische unart: wir nähern sich dir, herr Jesu, mit einem von aller verstellung freiem herzen Gerstel leiden Jesu Christi 55. schriftsprachlich veraltet.
4)
uns vertritt als sog. pluralis modestiae, autoris, societatis, majestatis (J. Grimm gramm. 4, 299; Ehrismann zeitschr. f. d. wortf. 1, 117; 2, 118; 4, 210, 249; 5, 127) den sing.; s. wir, unser. uns in der dienstbotenspr. zeitschr. f. d. wortf. 11, 233; in der sprache des gemeinen lebens Adelung 5, 250.
5)
substantivierung: das wörtlein uns Luther 19, 149 W.; Sanders 2, 1413ᵃ; herr Uns erg. wb. 585ᶜ.
Zitationshilfe
„uns“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/uns>, abgerufen am 16.09.2019.

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