tüpfe n.
Fundstelle: Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1818, Z. 1
s.topf.
töpfen, tüpfen n., mitunter auch m. und f.,
Fundstelle: Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 846, Z. 44
der eigentlich ursprüngliche gefäszname, der mit dem īn-suffix in ahd. zeit auf mittelfr. boden als doppīn und duppīn zu dopp und duppa in der bedeutung 'deckel' gebildet worden ist. er hat sich vom mittelfr. aus über das rheinfr., westthür., westfäl. verbreitet und ist auch in das elsäsz. und westschweiz. eingedrungen; im ostthür. und ostmd. aber ist die īn-ableitung mit dem stammsilbenvocal o in ein demin. zu dem dann selbst als gefäszbez. verwendeten grundwort umgedeutet und daher auch später durch chen- und lein-bildungen ersetzt worden; vgl. über die herkunft der bildung und die verbreitung der formen in den lebenden maa. ¹topf III, sp. 823 ff. in schriftlicher überlieferung ist die bildung seit dem 12. jh. nachweisbar. die unverschobenen lautungen finden sich in mittelfr., rheinfr. und westfäl. denkmälern von ausgeprägt mundartlicher färbung; sie begegnen z. b. in documenten aus dem 16. jh. über die ersten Kölner und Westerwälder töpferzunftverordnungen; toppen steht in der hess. chronik des Wigand Gerstenberg 192 Diemar; döppen bei Schöpper synon. d 5 a; auch in ungedruckten Büdinger hexenacten; duppen in einer Erfurter freizinsordnung des 15. jhs. 312 Michelsen; in der hess. reisebeschreibung des Hans Staden nach Vilmars hurhess. wb. 413; der tuppen auch in der prosa des Ulr. Füeterer nach Schmellers bair. wb. 1², 614; duppen in mnd. prosa s. bei Schiller-Lübben 1, 600. doppen und duppen erscheinen in spät mittelalterlichen vocabularen als übersetzungen von lat. 'olla' gloss. 395 b Diefenbach; von 'lebes' 321 c; von 'fictile' 233 b; auch von 'mulctrale' (milchpot) 370 a und 'oxigalus' (essigpot) 404 b. auch in mittelfränk. gedichten stehen die unverschobenen formen: in den wechselreden des Salomon und Morolf doppen im reim, duppen im versinnern (vgl. im folg.); ebenso im Karlmeinet:
si deden as der hund deyt,
dye syne pote in das duppen sleyt
6, 2 Keller.
das westmd. neutrum mit dem stammvokal o in verschobener lautung hat offenbar schon die überlieferung von Eilharts Tristan festgehalten in dem dat. plur. topfen; denn das neutr. und nicht das masc. wird der dichter gebraucht haben, der auch sonst den westmd. und nicht den ostmd. wortschatz verwendete; vgl. Prager deutsche studien 4, 134. das töpfen ist dann vorübergehend zu weiter reichender literarischer geltung gebracht worden durch Luther, der diese form aus seiner westthür. heimatma. gekannt und auch bei der bibelübersetzung, besonders zu beginn, nicht verschmäht hat. es erscheint hier rund 30 mal; vgl. ¹topf III sp. 828 und th. 2, 1567. auch in den übrigen schriften des reformators ist es nicht selten. aber schon bei Luther erweist sich das masc. als erfolgreicher concurrent, neben dem sich nach ihm das neutrum in der schriftsprache nicht behaupten konnte. zwar wird es von lexicographen wie Alberus (1540) 956, Frischlin (1591) 287, Kramer teutsch-ital. 2, 1100 noch verzeichnet, aber schon im 16. und 17. jh. nur selten gebraucht. im 18. jh. ist das biblische subst. irrthümlich als masc. aufgefaszt worden von Adelung 4, 629; Campe 4, 850; auch sonst gelegentlich, z. b.:
(sie) rührt keinen töpfen an, kocht weder grütz noch kraut
Rachel sat. ged. 35 neudr.
das neutrum mit dem stammsilbenvocal u findet sich in verschobener lautung zuerst in den fränk. Hildegardsgll. aus dem 12. jh. als dupfen 'olla' 3, 400, 70 Steinmeyer-Sievers; dieselbe form auf fränk. boden begegnet auch z. b. in des meisters Bartholomäus arzneibuch 44 Jos. Haupt; mehrfach auch in Marburger hexenproceszacten nach Vilmars kurhess. wb. 413. das düpfen auf elsäsz. boden erscheint z. b. in einem Straszburger hausratsgedicht um 1514: (vgl. Hampes drucke und holzschn. II 37); in der Züricher bibel (1534) steht die form düpffe 3. Esra 1, 12; tupffe 2, 14.
1)
man hat die īn-ableitung ursprünglich gebildet zur bezeichnung des mit deckelverschlusz versehenen irdenen gefäszes, das besonders in der küche und auf der tafel benötigt wird; ihr gebrauch ist aber schon früh verallgemeinert und auf die benennung von gefäszen verschiedenster beschaffenheit und verwendung erstreckt worden. gerad als 'dreibeiniges kochgerät' erscheint noch das elsäsz. und westschweiz. tüpfi Martin-Lienhart 2, 703; Seiler 91; Hunziker 55; Stalder 1, 328; als 'pfanne ohne stil', 'patella' wird das düpffe auch von Maaler 93 b verzeichnet. als 'deckel-' und 'henkelgefäsz' ist besonders das westmd, döppen, däppen sprüchwörtlich: jeder döppe hat singe decksel Weitz Aachen 36; 't ass kên döppen esoᵘ klĕng, et fönt sein deckel 'jedes frauenzimmer findet seinen mann' luxemb. wb. 67; klän deppen hun och oᵘhren 'kleine kinder horchen gern' Follmann 90. bod dess töpffens 'ollœ fundus' Frischlin nomencl. 287; wans döppen an boden dächt, was solt's gelten, es wer nit überlauffen Crecelius oberhess. 1, 281. en âlt dippen nennt man auch 'ein altes weib' luxemb. wb.; du bøs ən døpən fam joŋən du bist ein dummer junge Leihener Cronenb. 22; dummes töpfe schilt man einen 'einfältigen menschen' Spiess henneb. 256; su ä dummes tippen ist 'ein törichtes frauenzimmer' Jecht mansf. 112 a; auch in Basel ist düpfi ein 'einfältiges mädchen' Seiler 91; in der Schweiz ist glückstüpfi auch ein 'glückskind' Gotthelf schriften 7, 166. nach dem material, aus dem es hergestellt ist, unterscheidet man z. b. ein irden, käfferen, eiseren däppen siebenb.-sächs. wb. 2, 93. die herstellung feinerer thonwaaren durch zunftmäszig organisierte handwerker ist auf mittelfränk. boden im 16. jh. nachweisbar; z. b. in einer bittschrift der Kölner duppenbäcker an den stadtrat um eine zunftordnung: wie das men vurmails dat werk als duppen, kachellen und kannen backen mit groissen swaren costen uislendsch ... zo holen plach nach O. v. Falke, das rhein. steinzeug 118; in der ersten Westerwälder zunftordnung: ... sollen die Sieberter krossenbecker kein krog noch düppen auf die Horner weis und gattung ... machen ebenda. das gebrechliche thongefäsz wird leicht zerschlagen: yhr seyt ein yrdisch und gebrechlich gefesse wie ein topffen Luther 23, 475 Weim.; nach psalmen 2, 9 (vgl. sp. 830) heiszt es:
du sollst, wie töpfen, die zerschmeiszen,
die dein so sanftes joch zerreiszen
J. A. Cramer in Gottscheds neuestem aus der anm. gel. 5, 632;
(er ward) zornig und schlug die töpffen beim feuwer aller entzwey Kirchhof wendunmuth 2, 315; dem kinde, das gelangweilt fragt wat sal ich dān? antwortet man neckend mer sellen de däppen zeschlōn siebenb.-sächs. wb. 2, 93;
ach frächen, gebt uns ein fastnachtsei,
sonst schlien mer euch euer düppen entzwei
Schmitz Eifel 1, 14;
mer soll de alte dippe nit verschlōn, bets mer e noᵘe hat Follmann lothr. 90; das zerschlagen von ą̂lden däppen ist hochzeitsbrauch nach dem siebenb.-sächs. wb. 94. am dritten ostertag wird mit verbundenen augen däppe schlôn gespielt; vgl. siebenb.-sächs. wb. u. s.topfschlagen sp. 831. das gefäsz ist koch- und eszgeschirr:
dô quâmen geloufin die koche
mit pfannen und mit topfen
Eilhart Tristan 6408 Liechtenstein;
troszbuͦb, der die töpffen wescht Alberus f. 1ᵇ; wie ein topfen ubir dem fewr fur hitz schewmt und ubirgeht, alszo ausz groszer lieb prediget er das wort gottis Luther 8, 204 Weim.; die töpfen, kessel, pfannen sieden ... bei dem feuer kunst über alle künste 158, 15; en döppen, dāt kacht, läft līcht iwer luxemb. wb.; kleng döppen lâfe gⁱer iwer ebenda; in einem töpfen, kochen, sieden, braten, prägeln, stoven Kramer teutsch-ital. 2, 1100; in em alte dippe kocht mer de bescht rindfläschsupp Follmann lothr.; und zerlegts wie im töpffen Dannhawer catechismusmilch 3, 139; so wirt das topffen sein wie die suppen Luther 6, 584 Weim., das töpffen ist zubrochen und die suppen verschüt 30 ii 196; wie stro ym sacke odder wie brod ym korbe und fleisch im topffen 26, 340 Weim.; so ein herrlich töpffen ist es, dasz meine altmutter ihre beste sauermilch allwegen darinnen gezeuget hat Agyrtas grillenvertreiber 199; ein muͦsz im düpffe gekochet Maaler 93ᵇ; nach 2 könige 4, 40 (vgl. sp. 833) heiszt es:
der teuffel danck ihm der wolthat,
die nichts denn tod im topffen hat
Rollenhagen froschmeuseler H ⅠⅠⅠᵃ.
dem inhalte nach unterscheidet man z. b. das fleischtöpffen 2 Mos. 16, 8; im elsäsz. das eiertüpfi, bappentüpfi Martin-Lienhart 2, 703; im westmd. das kraut-, schmalz-, milchdöppen; das pâlêdäppen ist im siebenb.-sächs. ein gröszeres, meist kupfernes gefäsz zum branntweinbrennen; nach dem siebenb.-sächs. wb. 2, 94.
sage diner muder, das sie by czijden
mir sende foll milch eyn doppen,
das solle sie schone stoppen
mit eyme fladen von der ku
Salomon und Morolf 683 Hagen-Büsching;
eyn rintz dreg er uff das duppen slug
706.
im lothr. ist der dippe fruchtmasz: en kleiner dibbe = 10 l, en grosser dibbe = 20 l Follmann 90. das mit dem wort bezeichnete gefäsz findet auch sonst vielfach verwendung. es ist z. b. ein unentbehrliches stück im inventar auch der hexenküche: ein döpffen oder hafen ist ein gemein instrument und werckzeug der zäuberin Nigrinus von zäuberern, hexen 70; es wird als nacht- und waschgeschirr (waschtöpfen psalmen 59, 10) gebraucht; ferner z. b. zur förderung von erzen im bergbau: das töpffen so es gefüllet ist, sol mitt einem irdischen treibhut bedeckt ... werden Agricola-Bech bergwerckbuch 370; mit dem gefäsz sammelt der bettler milde gaben: das töpfen anzäunen, mit dem töpfen herumgehen 'imbrigliare la pentola, andare attorno colla pignatta' wird gebraucht in dem übertragenen sinne von 'andar mendicando con una pignatta imbrigliata ò incordata in mano, mendicare- Kramer teutsch-ital. 2, 1100.
2)
die bildung mit dem stammsilbenvocal o ist zur zeit, als īn-ableitungen vorwiegend in demin.-function gebraucht wurden, auch als verkleinerung zu dem entsprechenden grundwort aufgefaszt worden, und darauf beruht der noch fortbestehende gebrauch von westthür. döpfen im sinne von 'deckel', von mittel- und rheinfr. döppen und westthür. döpfen im sinne von 'schädeldecke, kopf'; vgl. ¹topf III sp. 825. man sagt einem aufs töppe hauen, auch einem aufs döppe geben 'auszanken, derb abführen' Schmidt westerw. 257; øməs get op ət døpən gēwən 'jemand hinter die ohren schlagen' Leihener Cronenb. 22. auch die verwendung des wortes in der redensart aus holem topffen reden 'sinnlos schwatzen' hat seinen gebrauch in der bedeutung 'kopf' zur grundlage. die wendung steht in Luthers sprichwortsammlung nr. 137 Thiele. aber schon Luther selbst hat das neutr. auch in diesem zusammenhang als gefäszbezeichnung und das gefäsz an sich als das bild für den 'kopf ohne gedankeninhalt' aufgefaszt, denn er schreibt z. b.: glawb myr alsz dem, der solchs erfarn und vorsucht hat und nit ausz eynem topffen redt 10 i 193 Weim.; gleub sicherlich, S. Peter redet hie ausz keynem topffen 10 ii 129; ferner das heist nicht auss eim ollula geredt 28, 63; non loquor ex olla 27, 119. von den nachahmern Lutherschen sprachgebrauches ist das neutr. durch synonym. gefäszbezeichnung ersetzt worden; so durch das masc. von Dannhawer: der schelm redete als wann er aus einem holen topf redete nach Alemannia 18, 42; andere wie Murner, Fischart, Otho, Grimmelshausen, Albertinus schreiben aus holem hafen reden theil 4 ii 123. Heyne hat im wb. vermutet, dasz damit auf ein altes gauklerkunststück angespielt sei und Pietsch in der Weim. Lutherausgabe 28, 63 erklärt: '(in folge der unnatürlich klingenden stimme) unverständlich, ohne wirkung, vergeblich reden'; aber es liegt offenbar ein sprachliches miszverständnis zu grunde, und die ursprünglich sinngemäsze faszung des wortlautes ist aus holem töpfen ('kopfe') reden.
tupfen vb.
Fundstelle: Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1823, Z. 40
benetzen; sprenkeln; leicht stoszend berühren.
herkunft und form.
1)
im ahd. als j-bildung in einer Prudentiusglosse tupfta lavit (doch vgl. 2). im engl., nl. und nd. in der bedeutung 'etwas eintauchen': ags. dyppan; engl. dip; nl. dippen; nd. dippen, düppen, daraus entlehnt dän. dyppe, s. Falk-Torp 172; im nord. als deverb. ō-verb: norw. duppa, aschw. schw. doppa 'tauchen, untertauchen'. diese wortgruppe gehört zur germ. sippe *deup-, *daup-, *dup- und stellt sich somit zu tief und taufen, vgl. teil 11, 1, 188; 479. die ō-formen weisen auf eine vorstufe mit intensivierender verdoppelung des wurzelschluszkonsonanten, vgl. Wissmann nom. postverb. 186. die bedeutung 'eintauchen' kommt dem hd. tupfen in der schriftsprache nicht mehr zu; sie ist lexikalisch bis zum beginn des 18. jhs. verzeichnet und hält sich im obd. noch mundartlich (s. u. 1). im hd. hat sich vielmehr tupfen in seiner bedeutung durch stupfen beeinflussen lassen, vielleicht gefördert durch das alte nebeneinander von topho und stopho 'punctum', vgl. den synon. gebrauch von tupfen und stupfen in der rechtssprache (s. u. 3 b u. stupfen teil 10, 4, 562), bei Kramer hd.-nd. (1719) 216, und die zwillingsformel tupfen und stupfen bei Stelzhamer dicht. (1884) 4, 124. von topho ist abgeleitet getophot 'gepunktet' (s. u. 2 und tupf sp. 1814), das im Wallis als gitupfud fortlebt (s. PBB 64, 284). durch das fehlen von belegen im mhd. wird ein einblick in die bedeutungsentwicklung im hd. erschwert. im nd. steht neben dippen 'eintauchen' das lautlich anklingende tippen 'berühren' mit dem synon. stippen 'stechen, leicht stoszend berühren, tunken', dem hd. tupfen-stupfen entsprechend. im md. sind dippen und tippen bedeutungsmäszig nicht mehr scharf geschieden: dibbe tupfen Autenrieth pfälz. id. 33; dippen, tippen leise anrühren Albrecht Leipzig 102; spezielle bedeutungen des hd. tupfen werden auf tippen übertragen, vgl. u. Happel hist. mod. Europae (1692) 301ᵇ; Müller Aachen 245.
2)
in der schriftsprache hat sich wie bei anderen intensiva die umlautlose form durchgesetzt, die möglicherweise auf ein im ahd. nicht nachweisbares, aber durch die nord. formen nahegelegtes ō-verb zurückgeht, vgl. Wissmann nom. postverb. 172. in den wörterbüchern hält sich tüpfen neben tupfen bis in das 19. jh., s. Adelung (1793) 4, 723; Campe (1807) 4, 912; Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; literarisch zuletzt bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141; zu einer begriffsscheidung beider formen im schweiz. vgl. Stalder 2, 415. der umgelautete stammvokal begegnet im hd. auch in der entrundeten form: dipfe bad. wb. 1, 598; tipfen Adelung (1793) 4, 723; Schnabel insel Felsenb. (1731) 4, 449.
3)
formen mit anlautendem d sind im md., vor allem aber im alem. bezeugt: Crecelius 311; Schmitz Eifler volk 1, 223ᵇ; Martin-Lienhart 2, 704; Fischer 2, 473; Schmidt Straszb. 30; Halter Hagenau 148; Mone bruhrain. id. 134; bad. wb. 1, 598; Alemannia 19, 76; Seiler Basel 91; Friedli Bärndütsch 4, 394; 416. im md. und angrenzenden nd. und obd. gebieten sind danebenwohl mit tippen vermischtformen mit anl. t häufig; am Mittelrhein überwiegt tuppen: wb. d. Elberf. ma. 166; wb. d. lux. ma. 445; Leithäuser Barmen 161; Müller Aachen 245; Rovenhagen Aachen 149; Kisch Nösner ma. 227; Follmann Lothr. 112; tupən Leihener Cronenberg 127, im thür. tüppen: Stieler (1691) 2258; Reinwald Henneberg 175; Keller thür. waldgeb. 46. literarisch und lexikalisch haben sich mit d anlautende formen bis an das ende des 18. jhs. gehalten: Kessler sabbata 107 hist. ver. v. St. Gallen; Frisius (1556) 383ᵃ; Maaler (1561) 93ᵈ; Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 155; 2, 97; Schönsleder prompt. (1618) L 8ᵇ; Würtz wundartzney (1624) 56; Duez (1664) 2, 108ᵃ; Weismann (1698) 92ᵃ; Rädlein (1711) 205ᵇ; Frisch (1741) 395ᵃ; Miller Siegwart (1777) 1, 153. Adelung scheidet dupfen von tupfen: dupfen mit einem stumpfen oder weichen körper leicht anstoszen oder berühren ...; ist der körper, womit solches geschieht, härter, oder der stosz stärker, so heiszt es tupfen und tüpfen (1793) 1, 1580.
4)
eine nasalierte form tumpf ist im schweizerischen (Brienz) bezeugt, vgl. PBB 18, 323.
bedeutung und gebrauch. die vorgeschichte des wortes weist auf zwei verschiedene bedeutungslinien, von denen die eine auf ursprüngliches tupfen 'eintauchen' (ags. dyppan), die andere auf (s)tupfen 'stoszen, berühren' zurückgeht (s. o.). beide haben sich früh beeinfluszt und können in den historischen belegen begrifflich nicht immer getrennt werden. als neuer gemeinsamer kern läszt sich die mit der hand wiederholt und leicht ausgeführte bewegung erkennen, die im gegensatz zu dem kontinuierlichen auftragen, streichen den gegenstand nur kurz trifft.
1)
das erste zeugnis im sinne von 'benetzen, anfeuchten' zeigt das moment des eintauchens nur noch insofern, als es die berührung mit einer flüssigkeit meint: tupfta, nazta (arvina posthinc igneum inpressa cauterem) lavit (11. jh.) ahd. gl. 2, 429, 1 St.-S. (glosse zu Prudentius perist. 5, 230).
a)
flüchtig einsenken, dabei einen gegenstand oder den finger benetzen; die feder in die dinte dupffen Duez dict. (1664) 2, 108ᵃ; immergere digitum Stieler (1691) 2258; tuncken, eintuncken Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371ᶜ; in's dintefass dupfe Martin-Lienhart 2, 704; ins wasser tupfen (mit dem finger) Fischer schwäb. 2, 473; eintauchen Lessiak ma. v. Pernegg, s. PBB 28, 112: also tüpffte er mit seinem mittelfinger in die milch grillenvertreiber (1670) 1, 242;
Cynthia tüpfte nunmehr, die dampfende quelle versuchend
kek ihr lilienfüszchen hinein
Baggesen Parthenais (o. j.) 13;
wenn du dir wieder ein hündchen ziehen willst, so tupfe mit dem finger in den roten schaum, der auf dem hute (des pilzes) liegt und netze das mit deinen lippen! Storm s. w. 5, 167 Köster.den finger oder einen gegenstand kurz einsenken (in ein gefäsz, salz oder dgl.), ohne dasz die bedeutung 'benetzen' im wortsinn enthalten sein musz: auch haben die auf der stein galera selten warme speiss, ohn bisweilen schnecken in der asch gebraten, die auss den häusslein gezogen, in salz getupft, und so verschluckt (1573) Lubenau beschr. d. reisen 217 Sahm; der hat ins handbecken tupfet Kirchhofer schweiz. sprichw. (1824) 257; il ne faut pas dépendre de ses sujets! sagte der hofmarschall, in sein spanioldöschen mit dem finger tupfend Alexis Isegrim (1854) 1, 270; sie schob die papiere zur seite, tupfte mit dem finger in die kleine goldene spanioldose, die neben dem briefe lag, und führte den tabak mit einer gewissen zierlichkeit zur nase Höfer auf deutscher erde 2 (1860) 69. — aus einer geste bei gemeinsamer verabredung entstand die redewendung in der rechtssprache: 'in den huet tupfen sich zusammen verschwören' qu. bei Schmeller 1, 615; vgl.zusammendupfen obligare se dextris, seu, sacramento dexterarum obstringere fidem suam punctis digitorum Schönsleder prompt. (1618) L 8ᵇ; dupften zusammen (zeigt der amtsknecht an) und bedienten sich mithin der fisch im herrenbach — sie wurden bestraft — solte jeder für das kartengeld 3 fl. bezahlen qu. in Alemannia 10, 176; zesamentupfen einen anschlag miteinander machen Schmeller a. a. o.; weitere belege ebda; Lexer Kärnten 77 (vgl.stupfen teil 10, 4, 562).
b)
ein trinkgefäsz, ein getränk leicht mit den lippen berühren, um zu kosten, nippen: delibare blosz an ein ding dupffen, ein wenig mit den läfftzen versuchen Frisius dict. (1556) 383ᵃ; Maaler 93ᵇ; glich so ainen durstigen ain becher mit kuͦlem wasser dargeraicht und fürgstelt und, sobald er daran dupft und versucht, behend widerumb entzogen wirt J. Kessler Sabbata 107 hist. ver. St. Gallen; den wein antüpffen oder nur blosz ein wenig versuchen pitissare, parum vini paulatim, et quasi tentandi gratia Calepinus (1598) 1097ᵃ. in neuerer zeit halten sich reste dieses früher weiter verbreiteten gebrauchs nur noch mundartlich, vgl. ein glas austupfen austrinken Schöpf Tirol 776.
c)
einen gegenstand durch leichtes berühren anfeuchten, benetzen: benetzend berühren Lenz Handschuhsheim 72ᵇ; mach ein pulver, binds in ein tüchlein, lasz's in wein stehen übernacht, darnach dupff die bläterlin wol mit dem büschelin Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 97; 1, 155;
Wilibald! tupfe nunmehr mit fressendem scheidewasser
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 189;
aus der erde kocht, unsichtbar,
die empfangene nässe,
die stirn mir tupfend
Liliencron s. w. (1896) 8, 73;
verschiedenartig geflecktes ... papier wird erhalten, wenn man mit einem ... schwamme ... das papier tupft Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 2, 173. vereinzelt auch für 'auftragen': auch tupft man wohl ...mit gummiwasser angemachten porzellanschlicker mittelst eines spitzen hölzchens ... auf die gewünschten stellen der gewandung der figur Muspratt chemie 8 (1905) 465; den firnisz (mit der hand oder dem tupfbällchen) tupfen Mozin dt.-frz. (³1856) 4, 877.
2)
frühzeitig bildet sich die verwendung des wortes für 'punktieren, sprenkeln, farbflecke machen' heraus; der häufige gebrauch des part. perf. läszt erkennen, dasz sich hier der wortsinn bald von dem vorgang in das ergebnis der tätigkeit verlagert; vgl.tupf 2. 3 sp. 1815/6 u. ahd. getopfôt: (helina) tiedir getopfote mit sternahten ougon manige skimen durhskinen (stellantibus oculis interstinctos) Notker 1, 2, 741 Piper; fone demo lozta in manega uuîs ketopfotiu ioh kefehtiu fareuua, also in lenzen diu erda getan ist (coloribus notulis variata pictura) ebda.
a)
einen oder mehrere punkte machen, farbflecke oder kleckschen machen: ich redt hie von solchen puncten und linien die mit der nadel oder spitzigen federn getupfet vnd gerissen werden an eim richtscheit Dürer menschl. proportion (1520) O 3ᵃ; maculare Stieler (1691) 2258; puntare, puntecchiare, puntigliare, punzecchiare, dipignere di miniatura ò miniare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162ᵇ; getupftes gemäl, getupfte arbeit pittura miniata, fatta di miniatura ebda 1162ᶜ; linea puntata eine getupffte lini ders., it.-teutsch (1693) 908ᶜ; far un punto Rädlein (1711) 205ᵇ; mit tüpflein sprengen oder besprengen Kramer hochniderdt. (1719) 1, 371ᶜ.
b)
losgelöst von der vorstellung der manuellen tätigkeit (a) hat das part. perf. getupft die bedeutung 'mit farbflecken versehen sein, gesprenkelt, punktiert'; von stoffen: man müsse sich nur sommerkleider dazu denken, getupfte oder geblümte Waggerl Wagrainer tageb. (1936) 79; in einem hellen rohleinenjackett mit einer blauseidenen, weiszgetupften krawatte Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 87. vgl. hierzu eine bedeutungsübertragung auf das lautlich anklingende tippen (s. o. sp. 1823): darauf (kam) ihre maj. die königin, mit scepter, kron, reichs-apffel, in einem violblau-sammeten rock, mit güldenen frantzen bordiret, mit weissem futter und schwartz getippt Happel hist. mod. Europae (1692) 301ᵇ. von der färbung der haut, insbesondere von sommersprossen, vgl. tupf 3a, tüpfel 5, tüpfeln 2: vollkommen runden, gedupften angesichts qu. v. 1799 in: Alemannia 19, 76; schwarz gedupften angesichts, solcher augen und haare ... weisslechten, etwas gedupften a ... qu. bei Fischer schwäb. 2, 473;
(Blondine:)
da sprossen hundert bräunlich rothe flecken,
die zum verdrusz die weisze haut bedecken.
ein mittel!
(Mephistopheles:) schade! so ein leuchtend schätzchen,
im mai getupft wie eure pantherkätzchen
Göthe I 15, 1, 76 W. (Faust II);
jetzt dachte er an sein rundes, von sommersprossen getupftes gesicht, wie an eine liebe, für immer versperrte landschaft A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 74. von der gesprenkelten färbung des tier- und pflanzenkleides: ain dupffeter hund Fischer schwäb. 2, 474;
wie wunderbar sind sie (die tulpen) gemenget!
getüpft, gestrichelt und gesprenget!
Triller poet. betracht. (1750) 1, 226.
lustig herbei nun ihr freunde!
hier dampfen getupfte forellen
Matthisson ged. 2, 15 lit. ver.;
schwein mit niederen höckern als beinen; getupft Furtwängler vasenbeschreib. (1885) 155.
c)
in impressionistischer darstellungsweise zur wiedergabe von fleckenartigen licht- und schattenwirkungen: wenn der herbst die ersten farben in das satte sommergrün tupft Timm Kröger wohnung d. glücks (1906) 121; ein sonnenfinger griff durchs zerlöcherte dach ... und tupfte scharf auf seine (des bauern) brille qu. a. d. j. 1923; aber die kippel (alte nomadengrabhügel) tupften die steppe — wie von der hand stummer geschichte ausgesäte riesenkörner fanden sich die kurgane im lande qu. a. d. j. 1933; unter der mittagssonne funkelte die nasse stadt ... fahnen, kleider, hüte und blumen tupften farben in die straszenzüge Carossa winterl. Rom (1947) 31.
3)
in anderer richtung verläuft die entwicklung in einer bedeutungsgruppe, die auf das blosze berühren einer oberfläche zielt, ohne dasz das hinterlassen einer farbspur zum vorstellungsgehalt gehört.
a)
leicht, flüchtig berühren, besonders mit der spitze eines gegenstandes oder mit dem finger: libare digitis Schönsleder prompt. (1618) L 8ᵇ; mit dem finger dupffen toucher ou picotter du doigt Duez dict. (1664) 2, 108ᵃ; summo digito attingere Stieler (1691) 2258; toccare leggiermente colla punta di qualche cosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1162ᵇ; tupfen, stupfen mit dem finger ders., hochniderdt. (1719) 216ᶜ; toccar col dito Rädlein (1711) 205ᵇ; mit der spitze eines dinges stoszen oder berühren Adelung (1774) 4, 1104; es belaydigen gott all die jenige, welche seynd wie ein orgl, die man kaum darff ein wenig tupffen, so schreyts gleich Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 47; tipfte jeden hund mit ihrem weissen stabe auf den kopf Schnabel Felsenburg (1731) 4, 449; ich meine da — wo ich itzt mit dem zeigefinger hin tupfe Bode Tristram Schandi (1776) 8, 11;
auf dasz kein armer erdensohn
sich seines glückes überhebe ...,
lauscht immer eine böse fey
am nest der brütenden, und tüpft auf jedes ey
Gotter ged. (1787) 1, 332;
der offizier fühlte sich auf die schulter getupft und sah seinen gefährten vom kreuze (grabstein) herabsteigen Goldammer Litthauen (1858) 96; Rothköpfchen muszte erst das vögelchen noch etliche male mit dem finger der andern hand tupfen und stupfen, dasz es bisz und krabbelte Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 4, 124; eine weidengerte berührte mit mahnendem tupfen seine schulter Cl. Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 321; es gibt viele berühmte und lustige seiltänze in unsern vaterländischen bergen, wo einem der tod mit dem kleinen finger kalt in den rücken tupft Federer berge u. menschen (1911) 160; Klaus leckte in gedanken seinen zeigefinger an und tupfte auf die plätte Kluge Kortüm (1938) 72. mit dem finger die stirn berühren: aber Cynthia, rief Toni und tupfte sich an die stirn — ein mensch musz doch hundertmal schwerer zu zeichnen sein als so ein kleines ding (schmetterling) Carossa d. arzt Gion (1931) 156.
b)
die nase, die augen, die stirn u. dgl. mit einem taschentuche trocknen: sie tupfte ... mit ihrem taschentuch über die stirn hin Fontane ges. w. (1905) I 4, 157; dann plötzlich ein ruck, ein kerzengerader sprung, ein tupfen mit dem mundtuch über stirn und hand qu. a. d. j. 1927; der wanderer, der ... den hut in der einen hand, mit dem tuche in der andern einen leichten schweisz von der stirne tupfte Ponten rhein. zwischensp. (1937) 72; man war ergriffen ... eine dame tupfte sich mit dem gestickten ausgeh-tüchlein ein auge Th. Mann Faustus (1948) 654; eine wunde tupfen nettoyer une plaie en la touchant légèrement avec du linge Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; eine wunde mit charpie dupfe Schmidt Straszburg 30; schaffet den zorn aus eurer seele, bat sie, mit dem schwamm auf seine wunde tupfend G. Freytag ges. w. 12 (1887) 25; Kurt, dem Sanna die wunde tupfte, murrte ein geständnis qu. a. d. j. 1937; vgl. hierzu folgende präfigierte formen: auftupfen: indem er (Göthe) einige brösel und kügelchen einzeln mit dem ringfinger auftupfte Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 455. austupfen: einen tintenklecks mit dem finger austupfen Crecelius 311. forttupfen: damit erhob er sich zum weitergehen, und Mathilde tupfte ihr tränlein fort und folgte ihm qu. a. d. j. 1938. wegtupfen: und sie (die weiber) tupften mit dem zackigen wischtüchlein die zähren weg qu. a. d. j. 1923.
c)
speziell pulver mit brennender kohle oder der lunte berühren und dadurch zur entzündung bringen; mettre le feu au canon Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; tupfen, tüpfen mit der brennenden lunte eine kanone losbrennen Stalder schweiz. id. 1, 328: leg aber solches (pulver) auff ein rein weisz breit thuch oder papyr vnd tupffe dann mit einem gelinden kol dareyn Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 152ᵇ. vgl. hierzu den ausruf:
vorn auf dem hügelchen steht so ein bocksfusz bei der kanone,
sein stets rauchender schwanz dient ihm als lunte dabei.
...
aber der kerl ist feige; denn während langsam der schweif sich
nach dem zündloch bewegt, hält er die ohren sich zu ...
krümmt sich, und — tupf! folgt der entsetzliche knall
Mörike ges. schr. 1, 130 Göschen.
d)
beim vogelfang die vögel mit der leimrute berühren: dupfen heiszt der fang mit einer langen dünnen stange, an die eine leimrute gebunden ist, vermittelst derer man harmlose vögel ... verfolgt, bis man einen nach dem andern mit dem leim berührt Meyer lex. ⁶20, 210.
e)
übertragen im sinne von 'zeigen, hinweisen, deuten, nahekommen', wobei die vorstellung des berührens vom gegenständlichen auf das optische und gedankliche übergreift: tüppen mit der spitze des fingers oder griffels drauf deuten Reinwald Henneberg 1, 175; halt, wenn du mit dem finger dort vom Wettingerhause, das am wasser steht, über das gewirre der dächer aufwärts fährst, so tupfst du auf das sogenannte grüne schlosz G. Keller ges. w. (1889) 6, 23; wie du nun die offenbarung gottes in Christo und in der natur nach deiner weise, und ich möchte sagen und du selbst tüpfest darauf, nach Friedrich Schlegels weise in dem weiland heiligen römischen reiche deutscher nation am vollkommensten und in den mannigfaltigsten bildern abgeprägt findest, ... darüber liesze sich viel hübsches und viel trauriges sagen E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 141.
4)
in den mundarten findet sich das wort in weiterer bedeutungsentfaltung, wobei der ausgangspunkt der bezeichnung jedoch vorwiegend in der unter 3 entwickelten bedeutung 'leicht stoszend berühren' liegt.
a)
im gegenständlichen bereich:
α)
verschiedene arten einer stärkeren berührung bezeichnend: pochen, klopfen Müller Aachen 250; Rosenhagen Aachen 149; Follmann Lothr. 112; klopfen, hauen, schlagen wb. d. lux. ma. 445; schlagen, stoszen, prügeln Martin-Lienhart 2, 704; einen durch schlagen oder sonstige gewalt bändigen Crecelius 311; einem auf die finger tupfen Fischer schwäb. 2, 473; schlagen, durch schläge demütigen Lenz Handschuhsheim 72ᵇ; es ist ein student von Dillingen, und vermuthlich hat er einen gedupft oder umgebracht Miller Siegwart 1 (1777) 153. nahestehend, doch wohl fachsprachlich: ein stein tupfen (mit der spitze des hammers) rustiquer une pierre, la tailler rustiquement Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877.
β)
von kinderspielen, insbesondere von dem aneinanderschlagen der ostereier (vgl. atlas d. dt. volkskunde, karte 30): dies (eier-)spiel ist in unserem ganzen gebiete verbreitet und führt die verschiedensten namen: tippen, antippen (im Egerland) stutzen, anstutzen, tupfen (Plauer bezirk) John sitte, brauch u. volksglaube (1905) 60; im eierspiel die eier, bes. die gefärbten ostereier, prüfend auf einander schlagen Martin-Lienhart elsäss. 2, 704; Fischer schwäb. 2, 473; dübfe bad. wb. 1, 598; düpfe, dupfe Seiler Basel 91; tüpfe Hunziker Aargau 65; düpfeⁿ, düpseⁿ Friedli Bärndütsch 4, 416; tupfen, tüpfen Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877. mit bedeutungsübertragung auf das nd. tippen (s. o.): man gebraucht ... tippen von dem aneinanderstoszen der ostereier Müller Aachen 245. ball werfen: im ballspiel wird der fehler des gegners festgestellt durch den ruf: 1-2-3 gedupft, wobei der ball auf den boden getatscht wird bad. wb. 1, 598; düpfeⁿ Meisinger Wiesental 17. 'steine über eine wasserfläche hüpfen lassen' bad. wb. a. a. o.
γ)
ausgehend von der bedeutung 'mit der spitze eines gegenstandes berühren' (s. 3 a), wird das wort im bair.-österr. für das impfen der kinder verwendet: ein kind tupfen ihm die kuhpocken einimpfen Schmeller 1, 615; ein kind tupfen es impfen Schöpf Tirol 776. vgl.: mit einem spitzen werkzeuge etwas berühren, daher intupf·n die schutzpocken einimpfen Lexer Kärnten 77.
δ)
coire: Lexer Kärnten 77; Jakob Wien 198; bad. wb. 1, 598.
b)
übertragen; in verschiedener hinsicht in der bedeutung 'im gespräch eine empfindliche seite des gesprächspartners berühren': auf etwas anspielen, sticheln Stalder Schweiz 328; picoter, pointiller. Mozin dt.-frz. (1856) 4, 877; zur ruhe bringen, zurechtweisen Crecelius 311; durch eine schlagfertige antwort abführen Martin-Lienhart 2, 704; gehörig die meinung sagen Follmann Lothr. 112; schimpfen, durch anzüglichkeiten reizen, beleidigen Fischer schwäb. 2, 473; jemandes schwache seite berühren, ihm einen treff geben bad. wb. 1, 598; einen bloszstellen, abfahren lassen ebda; auch umgangssprachlich: denn wer sich ärgerte (über die xenien), freute sich auch, dasz ein anderer getupft war Zelter in: briefw. zw. Göthe u. Zelter 5, 238 Riemer.betrügen: Fischer schwäb. 2, 473; antupfeⁿ Martin-Lienhart 2, 704; vgl.tuppe, betuppe Rovenhagen Aachen 149; betuppen Woeste westf. 30.
Zitationshilfe
„tupfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/tupfen>, abgerufen am 25.05.2019.

Weitere Informationen …