dummeln
Fundstelle: Lfg. 7 (1858), Bd. II (1860), Sp. 1516, Z. 72
ahd. tûmilôn und tûmôn tiumôn rotari Graff 5, 424, mhd. tûmeln und tûmen, sich im kreise drehen Ben. 3, 128. taumeln ist dasselbe wort, nur hat durch die gemination mm der vocal seine länge verloren, niederd. tümelen tummeln sich wälzen Brem. wörterb. 5, 128, gleiche bedeutung hat das niederländ. tuimelen, ags. tumbian tanzen, engl. tumble in vielfacher bedeutung, fallen, hinstürzen, fallen machen, taumeln, sich wälzen, tanzen, springen, herumtreiben, umrühren, durchsuchen, zerknittern, in unordnung bringen, isl. tumba fallen, schwed. tumla mit dem kopf vorwärts hinstürzen, sich umwälzen, dän. dumpe plötzlich fallen, und tumle umstürzen, schwanken, mittellat. tombare tanzen, wie ein gaukler springen, ital. tombolare mit dem kopf voran fallen, ebenso span. und provenz. tumbar, portug. tombar, altfranz. tumber, franz. tomber; auch die zweite form ital. tomare, altfranz. tumer Diez 346. 347, welches letztere nach Ducange (6, 603ᵇ Henschel), wie das englische tumble, zugleich fallen machen bedeutet. auch das lat. domare zähmen gehört hierher. man sieht wie das wort, dessen wurzel noch bedeckt ist, sich ausgebreitet und in verschiedenartige bedeutungen getheilt hat. ursprünglich heiszt es mit heftigkeit sich bewegen, daher sprünge machen, tanzen wie ein possenmacher, wobei das mhd. tûmerschin tänzerin (Herbort 9303 musz spranc und trat gelesen werden) und dummeler 4 zu bemerken ist. ferner, im kreis sich drehen, im schwindel, in der betäubung hin und her wanken, niederstürzen, auf den boden sich wälzen, dann das active fallen machen, pferde bändigen und zureiten. s.durchdummeln.
1.
intransitiv.
a.
taumeln,
dasz die welt sich verwundert,
wan Bacchus dumlend dundert.
Weckherlin 778.
b.
unruhig sich hin und her bewegen.
warum, meine sele, tümmelest in mir?
Melissus S 5ᵇ.
unt warüm tümelstuͦ in mir?
S 7ᵇ.
wies tummelt auf der ehrenbahn!
Göthe 13, 4.
2.
transitiv, forttreiben, fortdrängen. einen dumlen Schönsleder L 4. vexare, exagitare aliquem Stieler 2361. ich aber dummelt ihn höflich fort Tieck 15, 339. im dänischen sagt man som stormen tumler havets bölger wie der sturm die meereswellen treibt; vergl. dumpeln.
wie wenn Zefyros oft die gewölk auseinander getummelt.
Voss Ilias 11, 305.
da erhuben sich jene
mit graunvollem getös und tummelten rege gewölk her
23, 213.
gewöhnlich wird es von dem starken reiten, spornen, zureiten und zähmen eines pferdes gebraucht: dumlen domare, condocefacere equos Schönsleder L 4. dummeln equum hac illac circumducere Henisch 765. Rädlein 204ᵇ. ein pferd tummeln, herumtummeln in gyrum agere equum calcaribus Stieler 2361. Frisch 2, 394ᶜ. Steinbach 2, 881. du findest (in dem wunderbuch) dasz einer auf eim halben pferd, welches ein fallender schuszgatter entzwei getheilet, noch etlich meilen sei geritten, unvermerkt bisz ers gedummelt Fischart Garg. 105ᵃ. da muszt sie (die pferde) der jung reutersknab anführen und üben mit sprengen, dummeln, umbwerfen, springen, denzelen, hupfelen, stutzen, luftspringen, alles zugleich 132ᵃ. sein pferd wol dummeln können Amadis 114. 425. seinen gaul nach aller notturft dummeln und mustern Galmy 120. gaul in den schranken dummeln 136. mein pferdchen das lernte ich nach aller herzenslust tummeln Chr. Weise Erznarren 75. da dummelte ich meinen bock (auf dem ich ritt) Simpliciss. 2, 1033 Keller.
er hat sein pferd gewaltig gedummelt und dem
frawenzimmer hofiert.
Henisch 765. Rädlein 204ᵇ.
wohl zu hemmen die ross und nicht durcheinander zu tummeln.
Voss Ilias 4, 302.
reiter die ihre pferde tummelten.
Arnim 1, 69.
3.
reflexiv.
a.
sich hin und her werfen, heftig bewegen, auch im kampf, eilen. denn sie wolt die thorheit nit von im leiden, das er sich dumelte also auf dem seil Eulensp. 5. gienge aber unden, da der (schwebend aufgehängte) sack am schwersten war, eine kugel darwider, uberwarf und dummelt sich herumb und hieng wider wie vor Kirchhof Milit. discipl. 172. wenn ich mich denn zur Liegnitz aus sonderer freude sehr tummelte und den rappen aus Dänemark unter mir hatte Schweinichen 1, 292. dummel dich, gut pärchen Fischart Garg. 88ᵃ. dummel dich, mutz 93ᵇ. dummel dich eia age, rumpe moras Schönsleder L 4. da nun dem ritter auch der preis zugetheilt ward und er sich so ritterlich dummelt (auf dem pferd), war keiner mehr so des ritters begeret Galmy 138.
ich mein der diltap dumlet sich,
fuhr über sich, als wenn er flüg,
ja wie ein bolze von armbrust.
Fuchs Mückenkr. 2, 163.
und wann du nun in deinem stand (als soldat)
dich dummelst in der feinde land.
Philander 2, 748.
er dummelt sich tapfer impiger ad labores belli Schönsleder L 4. sich tummeln sich fortmachen Rädlein 204ᵇ. sich herum tummelen circumvolitare Steinbach 2, 881. wir zohen fast zu gleicher zeit vom leder und tummelten uns vor der hütte weidlich mit einander herum Felsenburg 1, 47. Warbrecht war mit nicht wenigen reitern schon da. er tummelte sich hinter den Marsen so lebhaft dasz sie sich oft umsehn muszten Klopstock 10, 211. gleichwohl währte es lang, dasz du dich im strome tummeltest, und du kamst sehr froh an das ufer 10, 221.
und ihre borstge majestät sah zur belohnung
mich hausfrau für einen arkadischen schwan,
mein ehebett für einen rasen an
sich drauf zu tummeln.
Göthe 13, 99.
dort tummle dich auf rosenbetten
mit deinen grazien.
Wieland 10, 135.
b.
uneigentlich, mit eifer, fleisz sich zu etwas anstrengen. dummelen, sich uben, brauchen, studere, vires vel nervos in aliqua re adhibere, conari manibus, pedibus, noctesque et dies, conferre sua omnia studia Henisch 765. tummelt und befleist sich manniglich etwas im lager zu holen Kirchhof Milit. discip. 130.
krumbschnabel frech, krumbschnabel frech,
dummelt sich dapfer bei der zech.
Uhland Volkslieder 40.
mit spielen solt du dich auch dapfer dummeln, nicht acht ob dir an gut oder gelt zerrinnen will Galmy 227. dummel dich, mein sohn, dasz du deine grammatik verstehst Henisch 765. sich dummeln fleiszig sein Rädlein 204ᵇ. sich tummeln festinanter agere Frisch 2, 394ᶜ. sich in einer sache tummeln in re aliqua multum esse das. er tummelt sich darinnen omnem diligentiam in hanc rem confert das. er tummelt sich damit herum enixe elaborat in hac re das. so musz ich mich nur kurz und eilig tummeln Möser Vermischte schr. 2, 141.
tummeln vb.
Fundstelle: Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1724, Z. 35
lärmen, dröhnen, poltern, rasseln, knallen, pochen.
herkunft und form. onomatopoet. wort wie tummern, dammern, dampern Schmeller-Fr. 1, 605. vgl. ¹tummel und tummler (1 c). im kompositum (pitumilonti adtonitus ahd. gl. 1, 190, 31 St.-S.) schon im 8. jh., als simplex in glossenhss. d. 11. jhs., dann erst wieder seit dem 14. jh. bezeugt. in der schriftsprache bleibt das wort nur bis zum ersten drittel des 17. jhs. lebendig; heute auf mundartlichen gebrauch im obd. und westmd. raum beschränkt; bair.-österr. überwiegend als 'knallen, pochen', westd. als 'donnern'. die umlautlose form tummeln, dummeln findet sich sowohl auf obd. wie auf md. boden, vgl. die belege unten; dazu für den heutigen mundartlichen gebrauch im md. Weinhold schles. 101ᵇ; rhein. wb. 1, 1558. —auch die umgelautete form tüm(m)eln, düm(m)eln begegnet in obd. und md. belegen (s. u.), heute jedoch vor allem im bair.-österr. und im anschlieszenden gebiet, vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull steir. 182; Schöpf tirol. 775; Bacher Lusern 411; Schmeller cimbr. 179; bad. wb. 1, 590 neben umlautlosen formen, vgl. Martin-Lienhart els. 2, 684. — timmeln, dimmeln, mit entrundung, finden sich im westmd., vgl. unten und Follmann lothr. 89; Autenrieth pfälz. id. 33; Scholl Ottweiler 96; neben gerundeten formen auch im bair. und steir., vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull 182. — im md. raum schon früh domilot (glossenbeleg s. u.), dommelen Kehrein Nassau 114; dõmlə Fischer schwäb. 2, 454. — anlautende media erscheint sowohl obd. wie auch md.: d(ü)mm(e)l(e)n, dommeln, dimmeln (vgl. belege unten), heute mundartlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 452 und im md., vgl. rhein. wb. 1, 1558; Follmann lothr. 89; Scholl Ottweiler 96; Kehrein Nassau 114; bair. u. steir. auch media neben tenuis dam(m)eln, demmeln, dimmeln, dümmeln Schmeller-Fr. 1, 506; 605; Unger-Khull 155. besondere varianten, mit eingeschobenem labial: tumpeln Weinhold schles. 101ᵇ; tümbln Bacher Lusern 411; vgl. Schmeller-Fr. 1, 605 und Weinhold bair. gr. 131, dazu einfaches thumben Ambraser liederbuch 148 Bergmann; dompen Jensen nordfries. spr. d. Wiedingharde 73; timpe klingen, timp klang Müller-Weitz Aachen 245; mit sproszvokal tumullen Albanus päpstliche anatomia (1636) 193.
bedeutung und gebrauch. tummeln, intransitiv und unpersönlich gebraucht, bezeichnet ein allgemeines dröhnen oder lärmen, das durch verschiedenartige, oft mehrfache ursachen bewirkt werden kann.
1)
ein entferntes, unbestimmtes geräusch oft unbekannter ursache; gern als subst. inf. oder mit unpersönl. subjekt, vgl. ¹tummel; aestuat tumilot (11. jh.) ahd. gl. 2, 644, 14 St.-S., wohl nicht als wortgetreue übersetzung von aestuare, sondern in freier wiedergabe des von Virgil georg. 4, 263 gebrauchten akustischen vergleichs (tum sonus auditur gravior ... aestuat ut clausis rapidus fornacibus ignis):
(gefangene sitzen in einem turm)
do das her cham zue gerantt ...
und sy das tumeln hortten,
sy ruefften mit chleglichen wartten
(1352) Seifrit Alexander 3531 Gereke;
do hort er eines tags in der kamer nahent bey seiner kamer ein tumeln (clamores) und ein freylich geschray ... der chnecht ... sagt dem herren mit grosser forchtte also ... ewrer swester suͦn hat ein frauenpild notgezogt zu seinem willen und hat darumb mit ir gerungen, das ist die sach (ursache) des tummelns und schreyens (clamoris) Hartlieb dial. miraculorum 239 Drescher; was bedeutet sich das geschrei der tumelnden stat Wenzelbibel 3. kön. 1, 41 (insonuit terra a clamore eorum ... et Joab ait: quid sibi vult clamor civitatis tumultuantis), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; was gehen in diesen nonnenklöstern vor greuliche sachen für, wie tumullen und ramblen darin die verfluchten incubi Franciscus Albanus päbstische anatomia (1636) 193; und aus dem brausenden wogen des arabischen lärmens und tümmelns kochte von zeit zu zeit das wuth- und angstgeschrei eines gelangweilten eselhengstes ... hervor B. Goltz kleinstädter in Ägypten (1877) 62;
wieda freili herst tümmeln
und welteln und knerrn,
als warns urichti worn
Stelzhamer ausgew. dichtungen 3, 141 Rosegger.
2)
'donnern'; domilot et circumtonat ahd. gl. 2, 42, 34 St.-S. (Trierer hs. 11. jh.); vgl. adtonitus pitumilonti ebda 1, 190, 31. heute nur mundartlich tummleⁿ donnern Martin-Lienhart elsäss. 2, 684; dimmeleⁿ donnern, gewittern Follmann lothr. 89; für Heidelberg Ochs bad. 1, 591; Autenrieth pfälz. 33; Scholl Ottweiler 96; dommelen Kehrein volksspr. i. Nassau 114; tümmeln donnern (für Saarwerden) Klein prov. wb. (1792) 2, 201; tümmeln donnern und blitzen (für Passeier) Frommann zs. f. dt. maa. 4, 457.
3)
ein durch instrumente hervorgerufenes geräusch. mundartlich timmeln und dümmeln klopfen, lärmen Unger-Khull steir. 155; tümbln lärm machen durch schlagen, klopfen, schieszen usw. Bacher Lusern 411.
a)
'krachen' von feuerwaffen: die bichsen ... machten überaus ain grosz knellen und dumlen, darvon die hertzogin und ire kind fast erschracken (Augsb. um 1551) städtechron. 23, 105; vgl.dumeren ebda 273; inmittelst ist darinnen in der statt auff ein neues ein grosz schiesen und tummeln und werden auff desz Türcken seiten ... alle erschlagen J. Ayrer dr. 1811 lit. ver.; flux hörät i timmeln und schoissen bei Schmeller-Fr. 1, 506; tümeln wil i drein, als wenn dä feind da wär ebda.
b)
klopfen, rasseln, schallen: (auf die heerpauken) schlecht man mit klüpfeln, das es ser laut und helle tummelt (1511) Virdung musica getutscht (1882) 24; auch haben es andere oft von ferne angesehen, wie der berg, darauff gemelter Antonius endlichen wegen der verfolgung der christen geflohen war, ganz und gar mit teuffeln umbgeben gewesen sei, welche geprüllet und mit rüstung getümmelt haben Sal. Gessner christl. betrachtung des psalters (1599) G 7ᵇ; fern, fernher dröhnte dumpf das tümmeln der schmiedehämmer von Vogelsang. tag und nach ttümmelten sie E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 45; jetzt tümmelten schläge ans geschlossene tor, weithin hörbar durch die mittagsstille gegend ebda 2, 285; vgl. ebda 3, 503; 507; 1, 270; der hahnenkamp ... tümmelte mit der heugabel an der oberstube, dasz die hühner kreischend von ihren sitzstangen flatterten Rosegger schr. (1895) I 11, 124. lärm machen, poltern Unger-Khull steir. 182; stampfts mit die füesz, tummelts an d'wänd, dasz uns do hören! E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 270; hast du so getümmelt? Paula Grogger Grimmingtor (1926) 174. mundartlich: schlagen, klopfen Zingerle Lusern 56; Bacher Lusern 411; hämmern, schlagen, lärmen Schmeller-Fr. 1, 506; vgl. dammern, dampern, dämmern ebda; dumrn klopfen, anklopfen Gerbet Vogtland § 186, 1; 147, 1; døymərn 'mit einem schweren hammer zuschlagen' rhein. wb. 1, 1558. die akustische vorstellung kann zurücktreten, 'schlagen': tümmeln battere Schmeller cimbrisch 179; ön Passawern auf d' sturmhaubn tümmeln, hörst Rudl, dös triff i aa Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 2, 31.
4)
das geräusch ist mit ungestümer bewegung verbunden oder von ihr verursacht; vgl. 'tummeln ist ein getümmel mit schreyen und lauffen machen oder anrichten; tumultuare, far romore, romoreggiare' Güntzel teutsch-italiän. (1648) 792; reflexiv, in analogie zu ³tummeln: sich tummeln einen lärm, ein getümmel verursachen ('veraltet') Voigtel wb. 3 (1795) 432; mundartlich 'lärmen, tumult machen' Schöpf Tirol 775. so schon früh literarisch bezeugt: vor dem eingange des slafgadems tumelten sie und kunstlichen ein gereicze machten sie in sachen der erweknüsse, so das nicht von den weckenden, sunder von den schimpfenden Holofernes erwachte Wenzelbibel Judith 14, 9 (ante ingressum cubiculi perstrepentes excitandi gratia inquietudinem arte moliebantur, ut non ab excitantibus, sed a sonantibus Holofernes evigilaret), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; und er (Jesus) kam in das haus des obersten der schule, und sahe das getümel, und die da seer weineten und heuleten, und er gieng hinein, und sprach zu jnen: was tummelt und weinet jr? (quid turbamini et ploratis?) Marc. 5, 39; ebenso Zürcher bibel (1531); da ward ein ernstlich und grosz geschrey, sausen unnd tümmeln desz volcks, unnd kam das volck zu beyden seiten alles an einander und geschahe da ein groszes morden unnd blutvergieszen (in der schlacht) buch der liebe (1587) 332ᵇ. vielleicht hierher:
dann narren hören doch gern schellen.
laszt die centauros lust auch haben,
wann die pferd schreien, dumlen, traben,
die bauren, wann die hüner gachsen,
so sie die eyer hören wachsen.
oder wann villeicht muͦwt die kuͦh,
der ochs brelt und bläht geysz darzuͦ
Fischart w. 1, 374 Hauffen.
5)
lärmende zusammenrottung einer erregten, widersetzlichen menge, vielleicht unter einwirkung von tumult (s. d., doch vgl. die entsprechende entwicklung bei geschälle 3, teil 4, 1, 2, sp. 3832). der bedeutungsschwerpunkt liegt auch hier im lärmen, nicht in der bewegung: warumb dumlen die leutt also (quare fremuerunt gentes) ... warumb tretten die kunige der erden also zusamen, und die fursten werden einisz widder gott und widder seynen Christum? Luther 10, 1, 1, 399 W. (dagegen in der bibelübersetzung: warumb toben die heiden? ps. 2, 1); die ungestümmigkeit des gepöfels, wölichs also tobt und tuͦmmelt und dröet Melanchthon kurtzer begriff (1524) 9; da dümelt das folck, nimpt waffen und laufft in die alt statt Joh. Cochlaeus historia Alberti Krantz v. d. alten Hussen zu Böhmen (1523) C 2ᵇ;
noch nie ist ghort wordn in der helln
ein solch geschwürm von allen seln,
auch gedenkt solchs auflaufs nicht mer
der schwerlicher zu stilln gwest wer ...
sie tummeln, schreien, schnurn daher,
sie grimgranen ie lenger mer
(1542) bei Schade satiren u. pasquille 1, 127.
auf geistiges übertragen: gotliche warheyt will haben stille hertzen, die da zuhoren und lassen sagen, die aber polltern und tumlen, wollen selbs recht haben oder zuvor tzeychen und ursach wissen, die fahen sie nymmermehr Luther 10, 1, 1, 441 W.
6)
dimmeln mundartlich 'fluchen, böse werden' bei Schmeller-Fr. 1, 605; dimmeln und tummelitzen 'fluchen' ebda; Schöpf Tirol 775.
tummeln vb.
Fundstelle: Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1724, Z. 15
schwindlig werden, nd. dummel(e)n, dummern Doornkaat-Koolman 1, 359; nl. dommelen 'half slapen, in een toestand tusschen slapen en waken verkeeren' woordenboek d. nederl. taal 3, 2, sp. 2790; ein wort unbekannter herkunft, s. Frank-v. Wijk 124; persönlich und unpersönlich gebraucht: der knecht saumet sich nit lang, nam sein bogen, warff die baͤrin damit so hart auff den kopff, das ir davon getummelt Wickram w. 2, 83, 2 Bolte; höre da er wils nicht so gar sanfft, leise und heimlich, mit so suͤssen freundtlichen worten gesagt haben (die buszpredigt), sondern es sol jhn dermassen auffgepfiffen werden, dasz jhn die ohren und hertzen schallet, ob jhn schon die koͤpffe sausen, dasz sie tummeln, toll und toͤricht drob werden J. Westphalus hoffartsteuffel in: theatrum diabolorum (1569) 427ᵃ; und so diese composition und vermischung mit ein wenig schwefel geleget wirdt in einen weier, da fisch inn sein, die macht es tummlend Albertus Magnus geheimnusz u. gebrechen d. weibl. geschlechts (1589) 50. vgl.betumbelt 'betäubt' Vintler pluemen der tugent 2064 Zingerle.
tummeln vb.
Fundstelle: Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1724, Z. 35
lärmen, dröhnen, poltern, rasseln, knallen, pochen.
herkunft und form. onomatopoet. wort wie tummern, dammern, dampern Schmeller-Fr. 1, 605. vgl. ¹tummel und tummler (1 c). im kompositum (pitumilonti adtonitus ahd. gl. 1, 190, 31 St.-S.) schon im 8. jh., als simplex in glossenhss. d. 11. jhs., dann erst wieder seit dem 14. jh. bezeugt. in der schriftsprache bleibt das wort nur bis zum ersten drittel des 17. jhs. lebendig; heute auf mundartlichen gebrauch im obd. und westmd. raum beschränkt; bair.-österr. überwiegend als 'knallen, pochen', westd. als 'donnern'. die umlautlose form tummeln, dummeln findet sich sowohl auf obd. wie auf md. boden, vgl. die belege unten; dazu für den heutigen mundartlichen gebrauch im md. Weinhold schles. 101ᵇ; rhein. wb. 1, 1558. —auch die umgelautete form tüm(m)eln, düm(m)eln begegnet in obd. und md. belegen (s. u.), heute jedoch vor allem im bair.-österr. und im anschlieszenden gebiet, vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull steir. 182; Schöpf tirol. 775; Bacher Lusern 411; Schmeller cimbr. 179; bad. wb. 1, 590 neben umlautlosen formen, vgl. Martin-Lienhart els. 2, 684. — timmeln, dimmeln, mit entrundung, finden sich im westmd., vgl. unten und Follmann lothr. 89; Autenrieth pfälz. id. 33; Scholl Ottweiler 96; neben gerundeten formen auch im bair. und steir., vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull 182. — im md. raum schon früh domilot (glossenbeleg s. u.), dommelen Kehrein Nassau 114; dõmlə Fischer schwäb. 2, 454. — anlautende media erscheint sowohl obd. wie auch md.: d(ü)mm(e)l(e)n, dommeln, dimmeln (vgl. belege unten), heute mundartlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 452 und im md., vgl. rhein. wb. 1, 1558; Follmann lothr. 89; Scholl Ottweiler 96; Kehrein Nassau 114; bair. u. steir. auch media neben tenuis dam(m)eln, demmeln, dimmeln, dümmeln Schmeller-Fr. 1, 506; 605; Unger-Khull 155. besondere varianten, mit eingeschobenem labial: tumpeln Weinhold schles. 101ᵇ; tümbln Bacher Lusern 411; vgl. Schmeller-Fr. 1, 605 und Weinhold bair. gr. 131, dazu einfaches thumben Ambraser liederbuch 148 Bergmann; dompen Jensen nordfries. spr. d. Wiedingharde 73; timpe klingen, timp klang Müller-Weitz Aachen 245; mit sproszvokal tumullen Albanus päpstliche anatomia (1636) 193.
bedeutung und gebrauch. tummeln, intransitiv und unpersönlich gebraucht, bezeichnet ein allgemeines dröhnen oder lärmen, das durch verschiedenartige, oft mehrfache ursachen bewirkt werden kann.
1)
ein entferntes, unbestimmtes geräusch oft unbekannter ursache; gern als subst. inf. oder mit unpersönl. subjekt, vgl. ¹tummel; aestuat tumilot (11. jh.) ahd. gl. 2, 644, 14 St.-S., wohl nicht als wortgetreue übersetzung von aestuare, sondern in freier wiedergabe des von Virgil georg. 4, 263 gebrauchten akustischen vergleichs (tum sonus auditur gravior ... aestuat ut clausis rapidus fornacibus ignis):
(gefangene sitzen in einem turm)
do das her cham zue gerantt ...
und sy das tumeln hortten,
sy ruefften mit chleglichen wartten
(1352) Seifrit Alexander 3531 Gereke;
do hort er eines tags in der kamer nahent bey seiner kamer ein tumeln (clamores) und ein freylich geschray ... der chnecht ... sagt dem herren mit grosser forchtte also ... ewrer swester suͦn hat ein frauenpild notgezogt zu seinem willen und hat darumb mit ir gerungen, das ist die sach (ursache) des tummelns und schreyens (clamoris) Hartlieb dial. miraculorum 239 Drescher; was bedeutet sich das geschrei der tumelnden stat Wenzelbibel 3. kön. 1, 41 (insonuit terra a clamore eorum ... et Joab ait: quid sibi vult clamor civitatis tumultuantis), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; was gehen in diesen nonnenklöstern vor greuliche sachen für, wie tumullen und ramblen darin die verfluchten incubi Franciscus Albanus päbstische anatomia (1636) 193; und aus dem brausenden wogen des arabischen lärmens und tümmelns kochte von zeit zu zeit das wuth- und angstgeschrei eines gelangweilten eselhengstes ... hervor B. Goltz kleinstädter in Ägypten (1877) 62;
wieda freili herst tümmeln
und welteln und knerrn,
als warns urichti worn
Stelzhamer ausgew. dichtungen 3, 141 Rosegger.
2)
'donnern'; domilot et circumtonat ahd. gl. 2, 42, 34 St.-S. (Trierer hs. 11. jh.); vgl. adtonitus pitumilonti ebda 1, 190, 31. heute nur mundartlich tummleⁿ donnern Martin-Lienhart elsäss. 2, 684; dimmeleⁿ donnern, gewittern Follmann lothr. 89; für Heidelberg Ochs bad. 1, 591; Autenrieth pfälz. 33; Scholl Ottweiler 96; dommelen Kehrein volksspr. i. Nassau 114; tümmeln donnern (für Saarwerden) Klein prov. wb. (1792) 2, 201; tümmeln donnern und blitzen (für Passeier) Frommann zs. f. dt. maa. 4, 457.
3)
ein durch instrumente hervorgerufenes geräusch. mundartlich timmeln und dümmeln klopfen, lärmen Unger-Khull steir. 155; tümbln lärm machen durch schlagen, klopfen, schieszen usw. Bacher Lusern 411.
a)
'krachen' von feuerwaffen: die bichsen ... machten überaus ain grosz knellen und dumlen, darvon die hertzogin und ire kind fast erschracken (Augsb. um 1551) städtechron. 23, 105; vgl.dumeren ebda 273; inmittelst ist darinnen in der statt auff ein neues ein grosz schiesen und tummeln und werden auff desz Türcken seiten ... alle erschlagen J. Ayrer dr. 1811 lit. ver.; flux hörät i timmeln und schoissen bei Schmeller-Fr. 1, 506; tümeln wil i drein, als wenn dä feind da wär ebda.
b)
klopfen, rasseln, schallen: (auf die heerpauken) schlecht man mit klüpfeln, das es ser laut und helle tummelt (1511) Virdung musica getutscht (1882) 24; auch haben es andere oft von ferne angesehen, wie der berg, darauff gemelter Antonius endlichen wegen der verfolgung der christen geflohen war, ganz und gar mit teuffeln umbgeben gewesen sei, welche geprüllet und mit rüstung getümmelt haben Sal. Gessner christl. betrachtung des psalters (1599) G 7ᵇ; fern, fernher dröhnte dumpf das tümmeln der schmiedehämmer von Vogelsang. tag und nach ttümmelten sie E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 45; jetzt tümmelten schläge ans geschlossene tor, weithin hörbar durch die mittagsstille gegend ebda 2, 285; vgl. ebda 3, 503; 507; 1, 270; der hahnenkamp ... tümmelte mit der heugabel an der oberstube, dasz die hühner kreischend von ihren sitzstangen flatterten Rosegger schr. (1895) I 11, 124. lärm machen, poltern Unger-Khull steir. 182; stampfts mit die füesz, tummelts an d'wänd, dasz uns do hören! E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 270; hast du so getümmelt? Paula Grogger Grimmingtor (1926) 174. mundartlich: schlagen, klopfen Zingerle Lusern 56; Bacher Lusern 411; hämmern, schlagen, lärmen Schmeller-Fr. 1, 506; vgl. dammern, dampern, dämmern ebda; dumrn klopfen, anklopfen Gerbet Vogtland § 186, 1; 147, 1; døymərn 'mit einem schweren hammer zuschlagen' rhein. wb. 1, 1558. die akustische vorstellung kann zurücktreten, 'schlagen': tümmeln battere Schmeller cimbrisch 179; ön Passawern auf d' sturmhaubn tümmeln, hörst Rudl, dös triff i aa Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 2, 31.
4)
das geräusch ist mit ungestümer bewegung verbunden oder von ihr verursacht; vgl. 'tummeln ist ein getümmel mit schreyen und lauffen machen oder anrichten; tumultuare, far romore, romoreggiare' Güntzel teutsch-italiän. (1648) 792; reflexiv, in analogie zu ³tummeln: sich tummeln einen lärm, ein getümmel verursachen ('veraltet') Voigtel wb. 3 (1795) 432; mundartlich 'lärmen, tumult machen' Schöpf Tirol 775. so schon früh literarisch bezeugt: vor dem eingange des slafgadems tumelten sie und kunstlichen ein gereicze machten sie in sachen der erweknüsse, so das nicht von den weckenden, sunder von den schimpfenden Holofernes erwachte Wenzelbibel Judith 14, 9 (ante ingressum cubiculi perstrepentes excitandi gratia inquietudinem arte moliebantur, ut non ab excitantibus, sed a sonantibus Holofernes evigilaret), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; und er (Jesus) kam in das haus des obersten der schule, und sahe das getümel, und die da seer weineten und heuleten, und er gieng hinein, und sprach zu jnen: was tummelt und weinet jr? (quid turbamini et ploratis?) Marc. 5, 39; ebenso Zürcher bibel (1531); da ward ein ernstlich und grosz geschrey, sausen unnd tümmeln desz volcks, unnd kam das volck zu beyden seiten alles an einander und geschahe da ein groszes morden unnd blutvergieszen (in der schlacht) buch der liebe (1587) 332ᵇ. vielleicht hierher:
dann narren hören doch gern schellen.
laszt die centauros lust auch haben,
wann die pferd schreien, dumlen, traben,
die bauren, wann die hüner gachsen,
so sie die eyer hören wachsen.
oder wann villeicht muͦwt die kuͦh,
der ochs brelt und bläht geysz darzuͦ
Fischart w. 1, 374 Hauffen.
5)
lärmende zusammenrottung einer erregten, widersetzlichen menge, vielleicht unter einwirkung von tumult (s. d., doch vgl. die entsprechende entwicklung bei geschälle 3, teil 4, 1, 2, sp. 3832). der bedeutungsschwerpunkt liegt auch hier im lärmen, nicht in der bewegung: warumb dumlen die leutt also (quare fremuerunt gentes) ... warumb tretten die kunige der erden also zusamen, und die fursten werden einisz widder gott und widder seynen Christum? Luther 10, 1, 1, 399 W. (dagegen in der bibelübersetzung: warumb toben die heiden? ps. 2, 1); die ungestümmigkeit des gepöfels, wölichs also tobt und tuͦmmelt und dröet Melanchthon kurtzer begriff (1524) 9; da dümelt das folck, nimpt waffen und laufft in die alt statt Joh. Cochlaeus historia Alberti Krantz v. d. alten Hussen zu Böhmen (1523) C 2ᵇ;
noch nie ist ghort wordn in der helln
ein solch geschwürm von allen seln,
auch gedenkt solchs auflaufs nicht mer
der schwerlicher zu stilln gwest wer ...
sie tummeln, schreien, schnurn daher,
sie grimgranen ie lenger mer
(1542) bei Schade satiren u. pasquille 1, 127.
auf geistiges übertragen: gotliche warheyt will haben stille hertzen, die da zuhoren und lassen sagen, die aber polltern und tumlen, wollen selbs recht haben oder zuvor tzeychen und ursach wissen, die fahen sie nymmermehr Luther 10, 1, 1, 441 W.
6)
dimmeln mundartlich 'fluchen, böse werden' bei Schmeller-Fr. 1, 605; dimmeln und tummelitzen 'fluchen' ebda; Schöpf Tirol 775.
tummeln vb.
Fundstelle: Lfg. 11 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1727, Z. 9
'taumeln, springen; (ein pferd) umtreiben; sich beeilen, sich rühren', vgl.dummeln teil 2, sp. 1516.
herkunft und form. verwandt mit taumeln, s. teil 11, 1, sp. 205. doch ist gegen die dort vertretene annahme, dasz das zugrundeliegende ahd. tûmôn 'circumire', 'rotare' aus dem romanischen entlehnt sei, zu bemerken, dasz jetzt die romanisten umgekehrt afrz. tumer 'taumeln, umfallen, hüpfen, springen, tanzen, purzelbäume schlagen' aus ahd. tûmôn herleiten, s. Meyer-Lübke 8979; Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 847; Romania Germanica 1, 219 ('aus dem wortschatz des rundtanzes'). tûmôn steht im ablaut mit tum 'dolus, stropha' (kürze gesichert durch Notker 2, 39, 22 Piper), s. Wissmann nom. postverb. 1, 138; es wird von Walde-Pokorny 1, 835 zu idg. *dhē͏̆u 'stieben, wirbeln' in aind. dhūnṓti 'schüttelt, bewegt hin und her', anord. dýia 'schütteln', idg. *dhūmós 'rauch, dampf' gestellt.da sich für ahd. tumelen (rotari ahd. gl. 4, 29, 29) und mhd. tumelen die kürze des stammvokals nicht sichern läszt, ist nicht zu entscheiden, ob tummeln eine alte ablautsvariante von taumeln darstellt, oder aus diesem erst durch kürzung des û vor mehrfacher konsonanz im bes. häufig gebrauchten imperativ tuml erwachsen ist. auch niederl. ist neben langem stammvokal (tuymelen Kilian [1623] Q q 3ᵇ; tumelen, tuymelen Verwijs-Verdam 8, 765; Frank-van Wijk 712) vereinzelt kürze bezeugt; tommelen, tummelen Kilian (1623) Pp 6ᵇ; vgl. Verwijs - Verdam 8, 768 s. v. *tummen. tummeln tritt in einer reihe besonderer formvarianten der älteren und mundartlichen sprache auf.
1)
anl. media: Ulenspiegel 5 Lappenberg; ebda 11; Eulenspiegel 6 ndr.; ebda 7; 8; 32; Murner (1512) dt. schr. 2, 140 Spanier; Luther 18, 195, 16 W.; in den lesarten wechselnd mit daumeln ebda 19, 347; 417; 419; (1551) Kaspar Scheit grobianus 3378 ndr.; Fischart 1, 201, v. 2708 Kurz; ders., w. 2, 33, v. 135 Hauffen; ebda 293, v. 8146; Gargantua 74 ndr.; ebda 158; Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 14; Joh. Herold chronik aller erzbischöfen von Mainz (1551) 28ᵇ; B. Faber Saxonia (1563) 201; quelle von 1564 bei Diefenbach-Wülcker 878; Heyden Plinius (1565) 237; (ca. 1565) Zimmerische chronik 1 (²1881) 501 Barack; ebda 3, 356; (1569) Amadis 72 lit. ver.; ebda 93; Felix Platter 289 Boos; N. Budrym kriegsregiment (1594) 212; Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1181; quelle von 1622 in Alemannia 17, 43; (1648) Weckherlin 1, 68 Fischer; ebda 72; 2, 387; Moscherosch gesichte (1650) 1, 194; 2, 749; Zinkgref apophthegmata (1653) 1, 225; 2, 13; Lehman florileg. pol. (1662) 3, 360; ius potandi (1669) E 3ᵇ; D 4ᵇ; Rheinstrom (1685) 1, 503; Göthe IV 2, 247 W.; (1775) Schubart s. ged. (1825) 3, 80; Uhland volksl. (1844) 1, 40. in heutiger mundart: niederösterr. Castelli 118; alemann. u. schwäb. Schmid Straszburg 29; Birlinger volkstüml. aus Schwaben 2, 27 Wörterb.; fränkisch Roedder volksspr. u. wortsch. d. bad. Frankenl. 550; Heilig Taubergrund 97; Hertel Salzungen 48; westmitteldt. Nadler ged. i. Pfälzer ma. 329; Askenasy Frankfurt 216; Follmann lothr. 111; Schön Saarbrücken 53; Wegeler Coblenz 18; in moselfränk. kolonialdialekt, s. Pennsylvaniawb. 46; Christa Trier 68; für Krefeld s. rhein. wb. 1, 1558; Schmid westerwäld. 257; Crecelius oberhess. 1, 309; Vilmar kurhess. 418; Kehrein Nassau 114; Bauer-Collitz Waldeck 24.
2)
media neben tenuis: Wickram w. 1, 37 Bolte; ebda 61; 75; 4, 195, v. 2070 (neben tenuis ebda 2, 44); Grimmelshausen 1, 79 Keller; ebda 363; 390; 2, 5; tenuis 2, 214 Kurz; Kramer 2 (1702) 1161; Seiler Basel 91; tenuis Hunziker Aargau 64; Martin-Lienhart els. 2, 684; Beck Markgräfler ma. 148; Martin Waldeck 243; 278; Fischer schwäb. 2, 452; vgl. Schröer ungr. bergland 47 tummeln sich schnell umdrehen neben bedümmeln ohnmächtig hinfallen.
3)
auffallend ist anl. tenuis im niederdt.: (1480) Hannover in zs. d. hist. ver. f. Nieders. (1867) 177; in dem vom niederländ. beeinfluszten denkmal spegel d. zonden (mitte 15. jh.) b. Schiller-Lübben 6, 285, vgl. nd. jahrb. 4, 56; 17, 97; Münster um 1535, s. münst. chron. d. mittelalt. 2 (1853) 144 Cornelius; in heutiger mundart Mi Mecklenb. 95; Danneil altmärk. 229; Woeste westfäl. 276; brem.-nieders. 5, 128. westmitteldt.: Rovenhagen Aachen 148; Waldbrühl rhingscher klaaf 157; Leihener Cronenberg 126; Leithäuser Barmen 161; Elberfeld 166.
4)
eingeschobenes b im bayrischen (vgl. Weinhold bair. gramm. § 126): Heinrich Wittenweiler ring v. 466 Wieszner; Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1181; Aeg. Albertinus Lucifers königreich (1616) 63 Liliencron; vgl. betumbelt 'betäubt' Vintler pluemen der tugend v. 2064 Zingerle und tumbeln ungeschickt gehen Albrecht Leipzig XIV.
5)
veränderungen des stammvokals.
a)
verdumpfung zu o: (1564) bei Diefenbach-Wülcker 878; (ca. 1565) Zimmerische chronik 1 (²1881) 501 Barack; ebda 3, 356; Eulenspiegel 6 ndr.; in heutiger mundart: Schmidt Westerwald 257; Schön Saarbrücken 53; Wegeler Coblenz 18; Christa Trier 68; Kehrein Hessen-Nassau 114; Martin Waldeck 243.
b)
umlaut: erzählungen aus altdt. handschriften 456 Keller; psalm 107, 27 bei Schiller-Lübben 4, 629; (1523) bei Diefenbach-Wülcker 878; Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 14; Murner dt. schr. 2, 140 Spanier; Logau sinnged. 284 lit. ver.; Schede-Melissus 164 Jellinek; ebda 165; 167; mundartlich Böning Oldenburg 119; Mi Mecklenb. 95 (neben u); für Krefeld s. rhein. wb. 1, 1558; vereinzelt bei Schmeller-Fr. 1, 605, vielleicht unter einwirkung umgelauteter formen von ²tummeln (s. d.); ebenso mundartl. (steirisch) bei Paula Grogger Grimmingtor (1926) 564, vgl.tümmeln hinfallen Schmeller cimbrisch 179; Schröer ungr. bergl. 47.
bedeutung und gebrauch. tummeln findet sich seit dem 16. jh. reliktartig spärlich intransitiv (A) in der bedeutung 'taumeln', 'schwanken', 'sich unruhig hin und her bewegen', ferner 'saltare', 'tanzen', 'springen', auch 'balancieren, purzelbaumschlagen'. transitiv (B) erscheint tummeln in breiter verwendung, vor allem in der verbindung ein pferd tummeln (2) 'es in bestimmten gängen schulmäszig übend hin und her bewegen', 'es kunstgerecht reiten', sowie als exercere, vexare (3), selten allgemein als movere (1). im reflexiven gebrauch (C), der, sprachgeschichtlich jünger als B, sich bedeutungsmäszig enger an A anschlieszt, wird gegenüber B die selbsttätige bewegung ausgedrückt: sich tummeln 'sich bewegen', insbesondere in engem anschlusz an B 2 'sich tummeln als ritterlich-reiterliche übung', sich tummeln (zu einem bestimmten zweck) 'sich rühren, fleiszig sein, eilen' (C 1 c u. d); auch in entgegengesetztem sinn: 'sich selbständig bewegen, frei von zwang und zweck' (2).
A.
intransitiv. in dieser verwendung ist der zusammenhang mit taumeln besonders deutlich, s. teil 11, 1, 1, 205.
1)
allgemein von schwankender bewegung; mundartlich nd. und westdt.: tummeln taumeln Mi Mecklenburg 95; dummeln taumeln, schwanken Doornkaat-Koolman 1, 359; Bauer-Collitz Waldeck 24; Leihener Cronenberg 126; Waldbrühl rhingscher klaaf 157; 'im gehen von einer seite zur andern wanken' ('ungewöhnlich') Voigtel wb. (1793) 3, 432ᵇ; vgl.tumbeln 'ungeschickt gehen' Albrecht Leipzig XIV: mir ist, als wenn ich auf schrittschuen zum erstenmal allein liefe und dummelte auf dem pfade des lebens und sollte schon um die wette laufen (1775) Göthe IV 2, 247 W.;
(der durch einen strom an der flucht gehinderte hirsch)
er vom gestelleten truge geschreckt und der höhe des ufers
tummelt dahin in der flucht und daher
(mille fugit refugitque vias)
J. H. Voss Äneis (1799) 432 (12, 751);
vom charakteristischen flug (vgl. Brehm tierleben 6 [²1879] 247): kiebitze tummelten mit rufen hoch und fielen schnappend wieder ein qu. v. j. 1937. ferner:
entblättert bebt der espen haupt.
der liebe laube steht entlaubt.
es tummeln gelb und roth und bunt
die blätter auf dem schwarzen grund
Kosegarten poesieen (1798) 1, 328.
auf die unsichere, schwankende sprechbewegung übertragen:
wann euer strenger mund ...
lallt, stockert, stammelt, tümmelt
Logau sinnged. 284 Eitner.
vereinzelt steht die mehrfache verwendung von tummeln im sinne von 'unruhig sein': warüm wirfestuͦ dich nider, meine sele, uͦnt tümmelest in mir? als übers. von 'quare conturbas me' bei Paul Schede-Melissus psalmenübers. 164; 165; 167 Jellinek, und zwar jeweils in der prosaübertragung, dagegen heiszt es bei ihm im vers: mein sel, was ligst traurig nider, warum fichtest in mir doch? (ps. 42, 6); 'warum zaplest in mir doch?' (ps. 42, 12); 'warum in mir uͦnruͦig bist?' (ps. 43, 5).
2)
im 16. und 17. jh. gern vom schwankenden gang der trunkenen, vgl. das daraus abgeleitete ²tummel 'rausch' sowie den mundartlichen gebrauch: tümeln, tummeln, taumeln wie ein trunkener gehen brem.-nieders. 5, 128; Danneil altmärk. 229; bədyəməlt betrunken (Krefeld) rhein. wb. 1, 1558; scherzhaft sik enen antummeln sich betrinken Böning Oldenburg (1941) 119; tummel op'n misten 'branntwein' Woeste westf. 276; vgl. Fischer schwäb. 2, 454:
und dises ist sein eigne zeit (der herbst),
dasz ihm ietz dienen alle leut
dasz sich die welt verwunderet
wan Bacchus dumlend dunderet
(1648) Weckherlin ged. 2, 387 Fischer;
mit guten räuschen nach hause tummelten, ja etliche sich schleppen lieszen Olearius persian. reisebeschr. (1696) 396. vergleichend: nichts kan er sagen, das man yhm nicht wider auff seynen kopff stosze und treffe, das er nicht alleyne schwartz wird, sondern auch dummelln mus alls eyn trunckenbold Luther 18, 195, 16 W. (vgl. ebda 19, 347; als variante zu daumeln 19, 417; 419); potus inebriativus ein ding das einen toll unnd tummeln machet theatr. diabolorum (1569) 442ᵃ; vereinzelt reflexiv: Peter tummelte sich herum wie ein besoffener kerl Holberg dän. schaubühne (1743) 4, 588.
3)
'stürzen, taumelnd zu boden fallen', in der regel mit näherer bestimmung durch adverbium oder präpositionale verbindung; precipitare tumelen gemma gemmarum (Köln 1507) bei Diefenbach gloss. 452ᵃ; vgl. mundartlich tummeln 'purzeln' Waldbrühl rhingscher klaaf 214; to'r eerden tümeln 'im schwindel zu boden fallen' brem.-niedersächs. 5, 128; hinfallen Schmeller cimbr. 179; ferner bedemmeln 'ohnmächtig hinfallen' (für die Zips) Schröer ungr. bergl. 47; alst deyet (wenn es taut), so smelt de morter (mörtel, der gefroren vermauert ist) weder, dan tumelt twerc liecht dar neder (mitte 15. jhs.) bei Schiller-Lübben 6, 285; da ward er ... zornig ... und schlug dem hindersten finsterling mit den feusten nach dem kopf. der hinderst ... fiel dem fordern in das har, also das sie uber einander dumleten Ulenspiegel 11 Lappenberg; die andern (totenköpfe) tummelten uber die velsen, das sie in die höhe sprangen Matthis Quad teutscher nation herligkeit (1609) 75; rasch drehte sich mein Eduard; und zu Wilhelm: „du lügner!“ mit einem so kräftigen stosze, dasz dieser vier schritte weit rücklings in einen sandtrog tummelte Fr. H. Jacobi w. (1812) 1, 31;
sinnlos fällt und zuckend zur erd hin tummelt der stier dumpf
(sternitur, exanimisque tremens procumbit humi bos)
J. H. Voss antisymbolik (1824) 1, 157;
er warf sich mit gereckten Fäusten nieder und tummelte ins leere nichts Paula Grogger Grimmingter (1926) 564. dagegen: Ulenspiegel ... warff die schuͦh all von dem seil uff die erden, das ie ein schuͦh uber den andern bürtzelt, da dumleten die jungen und alten hinzuͦ, und erwust einer hie ein schuͦh, der ander dort Till Eulenspiegel 8 ndr.
4)
besondere anwendungen; 'tanzen, springen', dazu vgl. unten tummler 'tänzer, akrobat': item 6 β Henselin, do he vor dem rade tumelt hadde (1480) zs. d. hist. ver. f. Niedersachsen (1867) 177; vielleicht hierhin: wer auf den brücken tantzt und tummelt, der ist zu nechst beym abstürtzen Lehman florileg. polit. (1662) 1, 225; ähnlich als 'purzelbaum schlagen' (s. u.tummelöt, tummelskopp), vgl. sich über und über tummelen, tummeläut schlagen ... cernuare corpus in caput et vertere Aler (1727) 2, 1928ᵇ: darnegst heft Knipperdollinck up dat hoevet gain stan und is so tho den wiveren ingefallen over die bencke heer, over die eine banck fur und over die ander na, und heft so umb und umb getummelt glich wie ein tummeler ofte ein kocheler (gaukler), und heft anders nicht gelevet, ofte hei unsinnigh were. folgentz hat sich Knipperdollingk widder up gericht und heft widder up sein voete gegain (um 1535) Münsterische chron. d. mittelalters 2 (1853) 144 Cornelius.
B.
transitiv. 'movere, rundum bewegen, jagen, treiben'.
1)
allgemein; spärlich bezeugt, in älterer sprache gern mit adverbialen bestimmungen der richtung. die grundbedeutung 'kreisend bewegen' wird durch fügung mit herum zuweilen noch deutlich (vgl.herumtummeln teil 4, 2, 1184): denen, welcher nach jm (dem löwen) geschossen unnd jn doch nicht verwundet, ergreifft er, tummelt jn herumb und reist jn zu boden, verwundet jn aber nit (conreptum rotatumque sternit nec volnerat) Heyden Plinius (1584) 105; (Simplicius als lagerwache will einen seltsamen besucher nicht vorbeilassen) er antwortet sehr ernsthafftig: solcher tractation ist meines gleichen nit gewohnt. ich aber dummelt ihn höflich fort Grimmelshausen 1, 390, 23 Keller;
ein mädchen gehascht, ihr brüder!
juchhei! dalderal!
lobsingt in den schall!
und tummelt es auf und nieder
J. H. Voss gedichte (1802) 5, 137.
gern von elementaren bewegungen in der natur: sondern als er (der segel) nasz ward, tummelten jhn die wind so lang, bisz er auch zerrisz H. Megiser nortwelt (1613) 196;
schau den menschen, der zun wolcken
hoch aufführet dämpff und meer,
der auch alle wind und wolcken
tummlet in den lüfften lär
(1649) Spee trutznachtigall 252 ndr.;
da tummelte Rübezahl seinen wirbelwind um den holzstock herum Musäus volksmärchen 1, 51 Hempel; die wellen tummelten das schiff wie im kreise herum G. Forster s. schr. (1843) 2, 187;
graunvoll tummelt er nachtgewölk (der winter)
J. H. Voss gedichte (1802) 3, 6; vgl. Ilias (1821) 268 (23, 213); 272 (11, 305).
selten vom raschen hantieren mit gerätschaften: die köchin tummelte dafür die bohnenpfanne Arist schilderungen (1764) 10. jung, wohl in anlehnung an tummler (s. d.), wein oder becher tummeln ihn zum zutrinken und anstoszen emporheben:
der herzog riefs, den becher schwingend;
da tummelt Cäsar seinen wein
und ruft, mit ihm zusammenklingend,
'von hinnen!' und eilt fort, allein
Lenau s. w. ²527 Barthel;
im wortspiel: zu taumeln und den tummler zu tummeln Rückert ges. poet. w. (1867) 11, 541.
2)
das pferd, das rosz tummeln.
a)
allgemein; 'sich auf die fertigkeit, die kunst des reitens verstehen': da (er) den Galaor ... etwan lang zum streit vnnd kempffen, auch die pferdt zu regieren vnd dummeln, abrichten liesz Amadis 1, 72 lit. ver.; disem stärckisten alter (der jünglinge) derhalben gebuͤrt unter der ritterschaft das starcke turnieren im gantzen kuͤrisz, das fechten, das kuͤnstliche ringen, das rosz dumblen, rosz sprengen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1181; ja, damit du witzig werdest, solt du nicht allein die fürnehmsten gelehrten, sondern in anderen künsten erfahrne einladen, als einer der die pferd zu tummlen, einer zu mahlen, und ein anderer sol in der singkunst fürtrefflich seyn Schupp schr. (1663) 716;
wir
sind friedliche landleute, wissen nicht
das schwert zu führen, noch das kriegerische rosz
zu tummeln
Schiller 13, 186 G.;
da sagten ... die für die waffenlast kaum reifen jünglinge beim abschied aus den gymnasien, als sie das rosz tummeln und die büchse laden lernen wollten, übersetzte stücke aus den hymnen des Tyrtäus, lyrische stücke aus der Klopstockischen Hermannsschlacht her Arndt ausgew. w. (1892) 1, 168 R.-M.;
doch kann er nicht das rosz mehr tummeln, kann
die lanze nicht, die blinkende, mehr schwingen
Zach. Werner söhne des Thales (1803) 1, 308;
galts ein rosz zu tummeln,
galts ein lied zu dichten für die laute ...
kam dem fremdling keiner gleich
Platen ges. w. (1843) 4, 323;
zwar führen sie das schwert und tummeln das rosz wie wahre edelleute Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 74; satirisch:
einer der gelernet hat pferde tummeln, fahnen schwingen,
fechten aus gewisser kunst, lauten schlagen, zierlich springen,
alle speisen recht zerschneiden, und ein jede höflingspflicht
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 55.
b)
tummeln geht vor allem auf die fertigkeit des kunstvollen schulmäszigen reitens im kreise, auch in wendungen und kehren, meist auf beschränktem, übersehbarem raum, und schlieszt die vorstellung einer gleichmäszigen bewegung in gerader linie auf ein ziel, die sich mit reiten zunächst verbindet, aus. die lexikalischen buchungen lassen diesen grundzug der bedeutung deutlich hervortreten: in gyros torquere dummlen Golius onomasticon (1579) 285; ebenso Chytraeus nomencl. (1585) 356; dummeln, bückieren tirer une passade à un cheval et le faire cabrer; tirare una passata ad un cavallo e farlo far cavriole Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. (1616) 87ᵇ; dummeln, buckieren equum hac illac circumducere Henisch (1616) 765; in gyros torquere tummeln Joh. Orsaeus nomenclator method. (1623) 199; circumagere equum ein pferd tummeln A. Corvinus fons. lat. (1646) 32; tummeln ... circumagere, in gyrum citare ut: ein pferd tummeln torquere, agitare equum in gyrum variosque circumflexus Stieler 2361; literarisch: als nun der tag sich yetzund naͤheren thet, Galmy der ritter sich zum offtern mal mit seinem pferdt probieret und seinen gaul nach aller notdurfft dummeln und mustern thet Wickram w. 1, 61, 36 Bolte; der weite plaz, darauf man die rosz abricht und tummlet Ernstinger raisbuch (1570—1610) 218 lit. ver.
(Turnus) regiert ein tracisch pferd subtil
mit apffelgrawen flecken vil,
das tumullt er lang hin und wider
Spreng Äneis (1610) 172ᵃ;
im achten jahre kauffte mir der vater ein pferdgen, etwan so grosz als ein windhund, das lernte ich nach aller hertzens-lust tummeln Chr. Weise erznarren 43 ndr.;
(Hüon) tummelt drauf im kreise
den muthgen hengst herum
Wieland s. w. (1794) 23, 302;
jetzt setze dich darauf und tumml es in die runde Grabbe w. 3, 153 Blumenthal. als schaustellung: einer ausz (sein) zweien zwergen der bertige uf dem blaz ein hohes braunes pferdt uf dem sattel stehend und sitzend gerieden, und es auch also ohne stegreif getumlet, daz es hohe lufftspring (oder straich) mit allen vieren gethan und er doch steths sitzend geblieben (1612/13) Aschhausen gesandtschaftsreise 62 lit. ver.; ähnlich als höfische geste: er hat sein pferd gewaltig gedummelt unnd dem frawenzimmer hofiert Henisch (1616) 765; Hulsius-Ravellus (1616) 87ᵇ; do war ainer under des bischofs diener, der hett ain flucken gaul und wolt auch vorm frawenzimmer sehen lassen, was er konte. der sprangt und domlet im vorhoff das pferdt nach vortheil (ca. 1565) Zimmerische chronik (²1881) 1, 501 Barack; könnte ich für meine liebste einen faustkampf halten, oder mein pferd für ihre gunst tummeln Shakespeare (1797) 7, 179; man sah ihn in der entscheidenden stunde sein pferd vor den fenstern der dame tummeln, der er huldigte Ranke s. w. (1867) 31/32, 264. vom geschickten voltigieren vor dem feind: so viel halt ich vor einen jungen cavalier, der einen officier abgeben will, genung zu seyn, um sein pferd nach soldaten manier mit den schenckel und der faust vor dem feind oder in einer rencontre rechts und lincks herum zu tummeln, und sich mit den degen und der pistohl darauf zu defendiren Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 26; eine flankeurlinie ... darf nicht zu stark sein, weil sie sonst dem flankeur seine eigenthümlichkeit nimmt, welche im beständigen tummeln seines pferdes auf einem gewissen raum bestehet, damit er niemals zum sicheren zielpunkt des feindlichen feuers wird Wilhelm I. militär. schr. (1897) 1, 21; noch immer tummelte der tapfere könig ... sein streitrosz auf dem rechten flügel, als er ... seine leute in voller flucht erblickte Ranke s. w. (1867) 2, 222.
c)
wesentlich ist dem wort tummeln sodann die vorstellung einer schnellen bewegung; daher die lexikalischen gleichsetzungen mit agitare 'in lauf setzen': spumantemque agitabat equum er dummelte den gaul B. Faber thes. (1665) 35ᵃ; equum agitare ein pferd tummeln Pomey (1720) 418; die sporen geben: 'tummeln agitare equum calcaribus' Frisch (1741) 2, 394ᶜ; ein pferd tummeln auf der reitbahn d. h. stark laufen machen Braun dt. wb. (1793) 260: jetzt war dem gaul der wein im kopff, wie seinem herren, in der lufft gestiegen, warde von dem sporenhauwen und tummelen ie lenger ie töller, nimmet dem pfaffen den zaum, schlecht den kopff zwischen die bein Kirchhof wendunmuth 1, 529 Oesterley; dieweil ir mit aim sporen den gaul so wol künden domlen (ca. 1565) Zimmerische chronik 3 (²1881) 356 Barack; hierher wohl: lisz das wunderbuch ... du findest ... dasz einer auff eim halben pferd ... noch etlich meilen sey geritten, unvermerckt bisz ers gedummelt Fischart Gargantua 158 ndr.; er hat sich zu seinem gelusten mit dhommelnn dergestalt, das kinder, leuth unnd viehe seiner importunitet unnd ungestimmigkeit wegen verunsichert, uff der gassen erzaigt (1564) bei Diefenbach-Wülcker 878;
er tummelte das rosz, dasz es begann zu schäumen,
zu schnauben mit gebraus, doch durft es ihm nicht bäumen
Rückert Rostem (1838) 14ᵇ.
d)
nur gelegentlich gewinnt tummeln noch festere umrisse und nähert sich einem fachausdruck der reitkunst, so in der bedeutung 'zureiten', der früh lexikalisch belegt ist: dumlen domare, condocefacere equos Schönsleder promptuarium (1618) L 7 b; tummeln ist die pferde im reuͤten abrichten, bereuͤten, versuchen und uben Güntzel haubtschlüssel (1648) 792. bei gegenüberstellung mit verben für andere gangarten: sonderlich die soldaten-pferd, oder die man zum schertz und ernst terra à terra gebrauchen will, die müssen nothwendig alle diejenigen schulrecht und lectionen, so sie hernach im tummeln thun müssen, vorher in dem trab lernen und begreiffen Hohberg georgica curiosa 2 (1682) 164ᵃ; also ist so wol im tummlen als auch im spasseggiren (spazieren reiten) und trottiren (traben) in acht zu nehmen, dasz ein pferd allezeit den äuszern fusz in der volta über dem innersten schlage ebda 165ᵇ. mit näherer bestimmung: (die pferde) weren wol auff das welsch thumlen abzurichten, wann man sie jnn jhren landen nit also erstarcken, erwilden und verderben liesz H. F. Hörwart von Hohenburg v. d. ritterlichen kunst d. reiterei (1581) 7ᵇ.
e)
redensartliches: steckenpferd, pegasus u. ä. tummeln, vgl. teil 10, 2, 1, 1352: dieselben (steckenpferde) tummelten sie unnd richteten sie auffs meisterlichste ab schiltbürger (1598) 114; kinder, die noch die hülzenen pferd tummeln Abraham a s. Clara w. 1, 141 Strigl;
wann, als husar, der knab ein steckenpferdchen tummelt,
den kleinen Tiras schlägt und auf der trommel rummelt
J. H. Voss gedichte (1802) 6, 170;
dann durchschlüpf ich als kind wieder die frühlingsflur,
trage blumen im hut, tummle mein steckenrosz
Hölty gedichte 103 Halm;
bildlich, eine liebhaberei allzu eifrig pflegen, vgl.steckenpferd teil 10, 2, 1, 1354: dort war also das terrain, auf welchem der oheim seine steckenpferde tummelte. er hatte eine auszerordentliche freude daran, allerhand anlagen und bauwerke zu machen Immermann w. 18, 129 Boxb.; ich darf daher ohne bedenken das ... steckenpferd der stiftsmäszigkeit nach herzenslust tummeln und meine hand nach der lieblichste nblüthe eines altadligen stammbaums ausstrecken Gaudy s. w. (1844) 12, 116. ähnlich, übertragen: der hauptmann ... liesz den jungen offizier ... seine laune weidlich tummeln C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 134. den pegasus, das musenrosz u. ä. tummeln 'dichten', (vgl.steckenpegasus teil 10, 2, 1, 1351):
könt ich noch wie vorhin den musen-schimmel tummeln
Morhof teutsche ged. (1682) 375;
Wieland und meinem sohn würde ich es ewig nicht verzeihen, wenn sie bey dieser frohen begebenheit (geburt des erbprinzen) ihren pegasus nicht ... tummelten (1783) frau rat Göthe an Anna Amalia, s. schr. d. Göthegesellsch. (1885) 1, 99; beide hatten schon den pegasus getummelt und ihm das schwere odengeschirr angelegt Weinhold Boie (1868) 51.
3)
jemanden tummeln. die bedeutungen entwickeln sich in anlehnung an die verbindung das pferd tummeln und lassen den sinnlichen ausgangspunkt noch deutlich erkennen.
a)
jemanden in übung, in dressur nehmen, ihn exerzieren lassen; vgl. die lexikalischen bezeugungen: ich tummel exerceo Er. Alberus dict. (1540) A a 2ᵃ; einen jungen kerl tummeln maneggiare cioè scozzonare ... disrozzare un giovane Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1161ᵇ; to exercise (a young man) at several work Ludwig teutsch-engl. (1716) 2039: derhalben ob sie (die füchse von den alten studenten) ein wenig gedummelt und discipliniret würden jus potandi (1669) D 4ᵇ; potz wetter! wenn der recht getummelt wird, das gäb ein kerl U. Bräker s. schr. (1789) 1, 79; vgl. 1, 40. konkret: auf einem groszen blachfelde gegen Söflingen hin pflegte Frondsberg sein fuszvolk zu tummeln W. Hauff s. w. (1890) 1, 64; übertragen: die unerschrockene gymnastik des geistes, in welcher die jugend ihre ersten überschwellenden kräfte zu tummeln liebt Immermann w. 1, 196 Boxberger. auch sonst: (die neue art zu schreiben) ist am geschicktesten, den geist eines gelehrten schriftstellers sowohl, als seines lesers, zu tummeln, das heiszt ohne gleichnisz seine kräfte auf die probe zu stellen (1754) Chr. O. v. Schönaich aesthetik in einer nusz 93 Köster. (zu gröszerer eile) antreiben: einen tumeln extimulare, incitare aliquem Dentzler (1686) 289; mundartlich: wan mə' no ̃əso tümmelt (drängt, treibt) und no ̃əso benzt bei Schmeller-Fr. 1, 605. 'bezähmen', 'sich gefügig machen': (Karl V.) welcher doch sonsten den konig in Franckreich, den Türcken und andere ... seines gefallens (nach gefallen) gewaltigklich bezwingen unnd tummeln können postreuter (1620) 120;
Alexander war ein solcher held,
der tummeln kunte eine ganze welt
P. Procopius bei Schmeller-Fr. 1, 605;
sprichwörtlich: er kan das glück dümmlen Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 14ᵃ; W. Körte sprichw. (1837) 166. übertragen: wie das nach auszen thätige leben uns von den studien zerstreut und ablenkt ... ebenso andrerseits die anhaltende geistesbeschäftigung zum treiben und tummeln des wirklichen lebens ... untüchtig macht Schopenhauer w. 4, 468 Grisebach.
b)
jemanden umtreiben, in atem halten, ihm hart zusetzen. das gewicht hat sich auf die nebenvorstellungen verschoben, vgl. die lexikalischen umschreibungen: dummeln ... trillen, vexieren, herumbtreiben, tourmenter Duez (1664) 107; einen tummeln etiam est vexare, exagitare aliquem Stieler (1691) 2361; auch: einen dumlen superbe invehi Schönsleder prompt. (1618) L 7ᵇ. auf religiösem gebiet 'auf die probe stellen, heimsuchen':
auff herbstes zeit in aller graͤntz
wirdt wider entstehen pestilentz,
thue ich mit warheit jehen,
gott wird uns anderst dumeln thun,
als vor zehn jahren ist geschehen
(1622) Alemannia 17, 43;
(Christus sagt) mein kind, es gelüstet mich, dasz ich dich umbtreibe unnd tummele. schneide ab deine haar, oder lasz sie ungebunden hangen: nim dieses bettelkleid ... und bettele einen gantzen monat lang Fr. Spee güldenes tugendbuch (1649) 363. kriegerisch zu schaffen machen: sein (Philipps II. von Spanien) vatter hatte auff einmahl den gewaltigen könig Franciscum in Franckreich, den mechtigen könig Heinrich in Engelland, den Türcken zu auffgang, in Teutschland die fürsten, die jhne dermaszen getummelt, dasz, wo er sich hinwendete, zu schaffen genung war J. Fischart discours (1589) F 3ᵇ. dann allgemein als 'hart zusetzen, bedrängen, plagen' in mannigfacher schattierung: der Fahrenbach ... hat den churländischen adell weitlich getummelt und gedrillet Bodecker chronik livländ. u. rigaischer ereignisse 1593 -1638 (1890) 60 Napiersky;
(die frau vom ehemann, dem sie die haare gerauft hat)
ich hör myn schelmen aber brumlen;
ich musz jhn worlich anderst tumlen
schweiz. schauspiele d. 16. jhs. 2, 280 Bächtold;
so nun die ehrliche weiber jre männer also beherrschen, tummeln und putzen, was thun dann die gaile, schnöde und unkeusche weiber? (1616) Aeg. Albertinus Lucifer 224 Liliencron; nichts kan ... ungereimbter seyn, weder wann der mann sich vom weib regiern und beherrschen, tumlen und stumpfieren läst ders. hirnschleiffer (1664) 152; ihr lieben dorffleute ... ich meyne ja, dasz euch die caballiere dermaszen tummeln, dasz euch die seele auszm marse gehet Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 1, 35;
bestraft den feigen gauch nach fug!
ihr poltergeister mögt ihn tummeln,
und wenn er müd ist, laszt ihn bummeln (hängen)
Boie (1868) 356 Weinhold.
'in die enge treiben, widerlegen': da der author (Jac. Böhme) hat gesetzt: gott hätte von Lucifers fall nicht zuvor gewust, da hat er (der verfasser eines pasquills gegen J. B. s morgenröte) ihn gewiszlich ertappet; wie wollen wir ihn nun tummeln Jac. Böhme apologia (1682) 243. anders in studentischem sprachgebrauch: dasz man nicht von andern dazu vexiret oder getummelt werde jus potandi (1616) cap. 60; und also müssen die armen unschuldigen mägdlein ihre vexation haben und wohl von ihnen gedummelt seyn ebda (1669) E 3ᵇ; hebt er einen aus der gesellschaft heraus, ihn zu beleidigen, oder, wie er es nennt, ihn zu tummeln, so giebt er 4 schillinge Rabener samml. sat. schr. (1755) 4, 351; vgl. ebda 141;
zeit ists endlich, zu gehn: dasz nicht, so du über die schnur trankst,
lachend mit hohn dich tummle die schicklicher schwärmende jugend
(tempus abire tibi est, ne potum largius aequo
rideat et pulset lasciva decentius aetas ep. II, 2, 216)
Voss Horaz (1820) 2, 350.
C.
reflexiver gebrauch. er betont (im gegensatz zu A u. B) die selbständigkeit der bewegung.
1)
zu einem bestimmten zweck.
a)
im anschlusz an B 2 b von den selbständig ausgeführten dressuren des reitpferdes; vgl. equus ex domiturae formula se circumagit, se in gyros agit das pferd tummelt sich Pomey indiculus (1720) 419: und wann es (das pferd) umwenden solle, musz der bey dem pilier stehet, sich etwas heraus in die volta begeben, und dem pferd gleichsam begegnend mit der peitschen drohend, zum umkehren bewegen, welches zwar besser und allweg nöthig ist, dasz es im schritt und trab vorher also geschehe, doch alles ohne poldern, ungestümm und streiche, ... so wird sich ein pferd in wenig wochen so artig ... für sich selber tummlen Hohberg georgica curiosa 2 (1682) 162ᵃ; sprichwörtlich, im sinn von 'freiwillig seine pflicht tun': gut pferd tummelt sich selbst herum bei Düringsfeld (1875) 1, 343ᵃ. als ritterlich-reiterliche übung. im frühesten zeugnis dieser gruppe in unpersönlicher konstruktion:
daz sper so nam er in die hant ...
und traff in pei dem sattelpogen ...
daz in die riemen liessen ...
vallen muost er in die erde ...
'nit so!' sprach her Eisengrein,
'es muoss noch bas getumbelt sein
(vor 1453) Heinrich Wittenweiler ring 466 Wieszner;
Galmy sich erst fast dummeln ward: wölcher im der nächst zu gesicht kam, der ward von im zu der erden gerant Wickram w. 1, 37 Bolte; ebda 1, 75; Gombax tummelte sich kecklich auf den plan, unnd kein ritter wolt mehr an jn setzen buch der liebe (1587) 376ᵇ; ebda 360ᵈ; hierher (nicht mit Fischer schwäb. 2, 452 zu C 1 d 'eilen'):
mar dumalt as reacht
asz däpfere kneacht
mit diena graussa haira, ja hairo
(wir tummeln uns recht
als tapfere knappen
mit den hohen herren)
Weckherlin ged. 1, 72 Fischer;
ich von einem ritter werde
itzt stimmen an;
der, als ein edler held zu pferde
sich tummlen kan
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 373;
mit angabe des zwecks:
und dem zuge voran ...
tummeln sich reiter
zu spiel und zu wehr
Eichendorff s. w. (1864) 3, 488;
um was sonst schäfer laufen,
um die wett im blumengefild,
drum sah man die ritterhaufen
sich tummeln mit lanz und schild
Uhland ged. (1898) 1, 171.
vereinzelt ohne ausdrückliche bezeichnung des reflexivverhältnisses:
(an Mars) hier hatt die jugendt dir,
o vater, sich geübt, hier sonn und staub erlitten,
geschwummen und gekämpfft, getummelt und geritten,
geschleudert, ballgespielt, gesprungen hoch und weit
Opitz teutsche poemata (1629) 2, 251;
(ein bevorstehender kriegszug wird verkündet)
gottlob! dann tumml ich bald auf kampfesfluren
Immermann w. 15, 109 Boxb.
gern bildlich: deutsche urkunden und übungen kommen in denen geschlossenen schranken eben nicht vor, darinnen sich diese ritter tummeln anmuth. gelehrsamk. (1751) 4, 791 Gottsched; weil es nach dem geiste der satyre ... ganz glaublich war, dasz ich mich im gebiet des Hippokrates als ritter tummeln wollte Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 4, 223; unser lehrer Tamastus tummelte sich im wissen der alten nicht so sattelfest, dasz allzuviel von ihm zu lernen stand Scheffel ges. w. (1907) 3, 24.
b)
allgemein.
α)
sich mit, gegen jemand (im einzelkampf) tummeln, 'streiten'. in älteren zeugnissen ist die grundbedeutung 'sich kreisend bewegen' noch deutlich. sich miteinander herumtummeln vom kampf zweier eng ineinander verklammerten tiere: ich habe sie (die ochsen) ettwan umb die herrschung gesehen streidten, da dummelten sie sich erstes anlauffs auff ettliche mal geschwinde herumb (vidimus ex imperio dimicantis et ideo monstratos rotari) Heyden Plinius (1565) 237;
insonderheit schosz der feurwurm
auf den erdman mit einem sturm,
macht mit den flügeln ein grosz gebrum,
tummelt sich mit ihm um und um,
als wenn ein unerfahrnes kind
mit seiner mül leuft widern wind
Rollenhagen froschmeuseler 286 Goed.;
der löwe ... ergriffe den tyger beym halse, ... und tummelten sich bey einer guten halben stunde mit einander nicht ohne jegliches beschädigung herumb, bisz sie endlich beyde ermüdet bei A. Olearius verm. reisebeschr. (1669) 2, 29. von menschlichem nah- und einzelkampf: der graff ylt den feinden nach und dumleten sich miteinander (1515) Eulenspiegel 32 ndr.; (Plutus, der geldteufel, streitet gegen drei andere teufel) dieweil sich Plutus seiner haut so ritterlichen wehret und herumer dummlet Moscherosch gesichte (1650) 1, 194;
wir haben uns bestellt, im ringkampf uns zu tummeln
Rückert Rostem (1838) nr. 98.
obscön: doch war der mann listiger dann sein weib, der tummelt sich waydlich, hieb umb sich wie Gundter, verwarf noch schlug nichts ausz, dann er het ain mawl, das saget es nit Lindener katzipori 156 lit. ver.
β)
von reiterei und fuszvolk: da hette man können sehen den reysigen zeug sich dummeln Amadis 93 lit. ver.; also möcht jhr nun zusehen, wie sich die büchsenmeister zu beiden seitten dumlen N. Budrym kriegsregiment (1594) 212;
und wenn er (der soldat) so in seinem stand
sich tummelt in der feinde land,
derselben etlich niderlegt,
oder sie aus dem lager schlegt
Ringwaldt lauter warheit (1588) 22.
γ)
von kriegerischen verwicklungen: die drei curfursten und fursten, Trier, Pfalcz und Hessen zihen mit iren heren ... thumlen sich, als ich hore, flux; gott gebe, das sie es gutt machen und nimancz unrecht thun (1523) H. v. d. Planitz berichte 441 Wülcker; sahe eine weile zu, wie sich die Italianer durch einander dummelten, lachete des, und zog widerumb zurück in sein Deutschland B. Faber Saxonia (1563) 201ᵇ; (da) haben sich die auff der Hartzburg wider getummelt, und haben offt auff dem lande herumb gestreiffet und mit brand und name trefflichen schaden gethan C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 195ᵃ; im übrigen haben die keyserliche, diesen sommer durch, indessen der könig zu Schweden in Pommern sich so weitlich getummelt ... in ihrem feltlager ... sich gantz stille und eingezogen gehalten Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 79; 2 (1653) 54; feldmarschalck Pappenheim, welcher sich bishero in Westpfalen und Nieder Sachssen weitlich getumlet ebda 2, 5; vgl. 158;
Italien mag indesz im bürgerkriege
sich tummeln und verwirren
E. Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 5, 314;
in gelehrtem gebrauch: ob es ihm (einem lande) die geschichte vergönnt und geboten hat sich mit fremden mächten in der arena zu tummeln O. Peschel völkerkunde (1874) 399.
c)
sich rühren zu einem bestimmten zweck.
α)
fleiszig sein, sich bemühen. den übergang von b zeigt: könig Fridrich war selbs der öbrist velthaubtman auf seiner seiten, tumlet sich redlich, tet alles was einem gueten haubtman und redlichen kriegsman zuestet Aventin bair. chron. 2, 450 Lexer. der gebrauch von adverbien wie wacker, tapfer u. ä. weist häufig auf das zugrundeliegende kriegerische bild, vgl.er dummelt sich tapfer est agilis industria hominis, impiger ad labores belli Schönsleder prompt. (1647) L 7ᵇ: tummelt und befleist sich männiglich, etwas ins lager zu holen Kirchhof militaris disciplina (1602) 130;
dem tagelöhner schmeckt die speise
auf eine gantz besondre weise,
wenn er sich starck getummelt hat
Ch. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 278;
wenn wir dann beide (mann und frau) uns tapfer getummelt hatten und uns am abend einander erzählen konnten, was er auf dem felde und ich im hause oder im garten gemacht hatte Möser s. w. (1842) 4, 52; die turnübungen ... gestalteten sich von turntag zu turntag vielfacher und wurden unter freudigem tummeln im jugendlichen wettstreben ... ausgebildet Jahn w. 2, 4 Euler; der bedeutung 'eilen' (s. u.C 1 d) nahekommend:
tummle dich und sei nicht faul!
reiten will ich heute.
bist du fleiszig, lieber gaul,
freun sich alle leute
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 135.
von geistigen bemühungen: viel feiner junger knaben und gesellen ... die sich ... jnn den andern musicis activis, als in plana und mensurata, weidlich tummeln und geschickt werden (1545) M. Agricola musica instrumentalis 124 ndr.; andere verhalten sich in jhrem priesterlichen unnd münchischen standt trefflich wol, lehren, predigen unnd thumblen sich wacker (1616) Aeg. Albertinus Lucifer 63 Liliencron.
β)
im umfassenderen sinne von zielgerichteter rührigkeit überhaupt, vgl. lexikalisch 'ede nasturtium' werd kluͦg, fürsichtig, dummel dich Alberus (1540) V 3ᵃ; dummelen sich vben, brauchen, studere, vires vel neruos in aliqua re adhibere, conari manibus pedibus, noctesque et dies, conferre sua omnia studia Henisch (1616) 765; diligentiam summam adhibere, summa vi contendere, manibus pedibusque conari Stieler (1691) 2361; acriter urgere negbtium Weismann lex. bip. (1725) 2, 417. mundartlich 'fleiszig seine arbeit fördern' Liesenberg Stieger ma. 91: er tummelt sich auch erstlichen so wol, das ihm sein herr anfieng gar nach alle seine geschefft zu vertrüwen Wickram w. 2, 44 Bolte; vgl. ebda 4, 195; jm reichstag dummelt er sich, das er auch Maximiliano selbs bekandt, am hove auffgenohmen sich brauchen liesz Joh. Herold chronick aller ertzbischoven zu Maintz (1551) 28ᵇ;
tumle dich, o junges blut, wilt du nicht verachtet ligen,
niemand ist durch müssiggang in der welt empor gestiegen
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 20;
du hast das ziel erreicht, um das ich mich noch seufzend tummle (die ehe) F. M. Klinger neues theater (1790) 2, 183. neben sinnverwandten verben: rühren und tummeln musz man sich und die welt für kein schlaraffenland halten Gutzkow ritter vom geiste (1850) 6, 253; o wie will ich mich tummeln und rühren Storm gedichte (1852) 104; auf jede art ist es mir gegangen; doch habe ich mich gewehrt und getummelt und wenig geschlafen ... und endlich mich von dem schlag erholt, der mich damals so schmählich getroffen hat G. Keller ges. w. (1889) 8, 16. vereinzelt als partizipialadjektiv 'emsig', 'eifrig':
des flammenreichs meister
sind rastlose geister ...
ihr tummelndes wirken
in Amors bezirken ...
ist leider bekannt
Matthisson schr. (1825) 1, 145.
abgeschwächt, wenig mehr besagend als 'sich beschäftigen', 'sich abgeben mit', 'sich interessieren', doch stets mit dem moment der bewegung: ein junger mann, ... der sich in campagnen, reisen, missionen, botschaften von früh herauf getummelt hatte Göthe IV 36, 102 W.; weite plane, theuerster Sickingen, hab ich euch immer zugetraut und vermuthet; jetzt, da ihr sie aussprecht, erschreck ich davor ... mir genügt es, mich in der nähe zu tummeln und das was recht und billig ist, zu fördern ders. I 13, 2, 314. vereinzelt von abstrakten und dingen, der bedeutung 'eilen' nahekommend: grad am sonntag tummelt sich die natur so, dasz, wer das gras will wachsen hören, der kann sich nur ... mit dem ohr auf den grasplatz ... hinlegen, so wird ers knistern und krachen hören und als drauf los arbeiten mit seim wachstum Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 183. mit besonderer sinnesfärbung, satirisch: da sicht man, das sich Luther weydlich getummelt hat. dann sunst ists ein sprichwort, das, wer gen Rom ziehe, der saͤhe die ersten raysz ein schalck, die andern lerne ern kennen, die dritten bring ern mit jhm. aber als ich von dir hoͤr, so ist Luter fleiszig gewest, hats alls auff einmal verricht, hat die schalckheit der Römer gesehen, gelernet, unnd mitbracht Joh. Nas eins und hundert 5 (1570) 287ᵃ; Leo der erste ... bischoff zu Rom, ein mann von vielen gemüths-gaben, aber auch von nicht geringem hochmuth, der sich in den verworrenen händeln seiner zeiten ziemlich getummelt hat und sonderlich wider die kaͤtzer sehr eiffrig erwiesen G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 234ᵇ. scherzhaft ironisch: oder es thut solches ein müssiger, welcher des abends sich wacker tummeln und fleiszig erzeigen solte beym musztopffe J. Prätorius philosophia colus (1662) 167; ähnlich: darum kann auch der dieb, mag er sich gleich noch so rührig tummeln in seinem gewerb, niemals fleiszig sein W. Riehl dtsche arbeit (1861) 6. mit dem beiklang selbstgerechten bemühens um erfolg und geltung: wie hat das volk (d. Juden) gepranget und sich getummelt, mit jrem gottszdienst, und auch sonst, als wolten sie alleine die liebsten, die besten und nechsten bey gott seyn J. Westphal hoffartsteuffel in: theatr. diabolorum (1569) 425ᵇ; darumb ein jeder, so wenig oder viel besitzet, stoltzire nicht deszhalben, und lasse sich bedüncken, er sey es allein, der etwas habe, und jederman müsse jhn darob hoch achten und gleich anbeten, ... denn er habe sich in der welt versucht, getummelt und sey zur rechten thür eingangen A. Pape bettel- und garteteuffel (1586) H 2ᵇ.
d)
eilen, sich sputen. festinanter agere Maaler (1561) 411; spedirsi, spacciarsi, spedirla Kramer teutsch-italiän. 2 (1702) 1161ᵇ; celeritatem adhibere Weismann lex. bip. (1725) 2, 417ᵃ. ende des 18. jhs. als nicht hochsprachlich empfunden: man sagt ein pferd tummeln auf der reitbahn, d. h. stark laufen machen; aber sich tummeln für eilen ist nur im gemeinen leben üblich Braun gramm. wb. (1793) 260; sich tummeln, dasz man fertig wird mit einer arbeit, ist nicht so rein gesprochen, als eilen, dasz man ... Moritz gramm. wb. (1793) 4, 168. weit verbreitet im hessischen und in obd. mundarten, die eilen nicht kennen, vgl. die karte 'sich beeilen' im dt. wortatlas, auf der sich zwei scharf umrissene tummel-gebiete abzeichnen: im westen zwischen Rhein und sprachgrenze vom Rheinknie bis zur Mosel sowie im luxemburgischen, im osten im böhmischbayrischen wald und östlich einer linie Passau-Berchtesgaden als einzige bezeichnung im bayrischen, als bei weitem dominierende im österreichischen. literarisch im älteren nhd., sowie in moderner, mundartlich gefärbter sprache durchaus geläufig:
(der zu gast geladene reiter, der zu spät zu tisch kommt)
dummelt sich so fast er mocht,
dasz er der sporen nicht gedocht,
dasz er sie vor hett abgethon
(1551) Kasp. Scheit Grobianus 3378 ndr.;
maszen wir mehr stehen lassen, als wir darvon brachten, weil wir mit dem was wir fort bringen konten, sich in schnellster eyl dumlen musten Grimmelshausen Simplicissimus 195 ndr.; aber liebe marquisin, wie kommen sie mir vor? sie tummeln sich ja über hals und kopf zu dem beichtstuhl? Schiller 3, 550 G.; vgl. ebda 1, 201;
der sturm ein wackrer rosseknecht,
sein muntres liedel singend,
dasz sich die heerde tummle recht,
des blitzes geiszel schwingend
Lenau s. w. 50 Barthel;
wenn sie schwarze kitze haben wolle, so möge sie sich tummeln, da er nächstens den bock absteche Stelzhamer ausgew. dichtungen 4, 125 Rosegger. sehr häufig imperativisch: thummel dich naschmaul (1551) Kasp. Scheit Grobianus, s. 32 ndr.;
auf knecht steh auf und tummle dich,
sattle unser beider pferd
deutsche volkslieder 231 Mittler;
horch, liebchen, horch! — was rührte sich? —
um gotteswillen! tummle dich!
komm, komm! die nacht hat ohren,
sonst sind wir ganz verloren
Bürger s. w. 53 Bohtz; vgl. ebda 15ᵃ; 52ᵇ; 80ᵇ; 194ᵃ;
(Norfolk) auf, auf, mein fürst! der feind stolzirt im feld. —
(Richard) kommt, tummelt, tummelt euch! mein pferd gezäumt!
Shakespeare (1797) 9, 205;
hurtig, tummle dich, Francesco Gaudy s. w. (1844) 4, 96; sprichwörtlich: tummle dich fuchs, der tag ist kurz bei Kirchhofer schweizer. sprüchwörter (1824) 276; tummeldich hat den hals gebrochen, langsam läuft noch bei Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 172ᵇ; Schön Saarbrücken 53; Schmitz sitten u. sagen d. Eifler volkes 1 (1856) 194; Christa Trier 68. das part. prät. vereinzelt adjektivisch als 'unruhig': was siehst du alle tage, wann etwas in bewegung, besonders in geschwinder und getummelter bewegung ist? du siehst bald alles auf den beinen, alles aufrührisch und wild und gedankenlos durch einander hinfahren Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 332. mundartlich tumlî unruhig Jensen nordfries. 646.
2)
sich zwang- und zweckfrei bewegen.
a)
gern von tieren, auch im sinne von 'sich widerspenstig gebärden, sich ungebärdig auflehnen gegen den willen des menschen':
so ichs (die esel) yetz reytten will mit sporen,
lecken sie auff hinden und vorren.
so sie mir yetz nutz sollen sein,
faren sie zu und spotten mein,
tummeln sich auff dem kugel-platz
und pieten mir auch drutz und dratz
Hans Sachs 5, 92 lit. ver.;
da streiffte das an der kirchthür stehende pferd den zaum ab und tummelte sich hefftig auf dem kirchhofe herumb Riemer polit. maulaffe (1679) 103;
das pferd ...
schlägt mit dem eisern huff das feuer aus den steinen
und tummelt sich verwirrt bald hier, bald wieder dort
König gedichte (1745) 47;
gelegentlich auch im sinne von 'sich unruhig hin und her werfen' (vgl.A 1): wann ein rosz ... mit solcher kranckheit behaftet, fällt es ... nieder, und ... tummelt sich im liegen hin und wieder Martin Böhme rosz-artzney (1618) 57. neutral, 'sich in gelöster bewegung der entspannung hingeben':
der reiter hat den harnisch losgeschnallet
und mit gesang das maulthier abgezäumt ...
so tummeln rosz und mann sich frisch im grase
und jeden helm verziert ein frisches grün
Göthe I 13, 2, 95 W.;
das zuchtpferd mit den jungen tummelte sich nämlich auf groszen eingefriedeten weiden Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 444. in ähnlicher weise bezeichnet tummeln bei andern tieren die ihrer lebensart entsprechende natürliche bewegung: ward ... auff seinem ... rock eine dicke ... kleiderlausz gesehen, die tummelt sich oben gegen den schuldern weidlich Kirchhof wendunmuth 2, 78 lit. ver.; dann ruhen sie (die tiere), schlafen und tummeln sich, vermeiden übermäszige bewegung sowohl als ruhe in heiszer sonne oder kaltem schatten Dieterici streit zwischen mensch und thier (1858) 146; dieses wäldchen behagt ihnen (den igeln) gar sehr, und neben ihnen tummeln sich drosseln, rotkehlchen, zaunkönige, goldammern und grasmücken lustig herum Brehm tierleben 2, 362 P.-L.; zwischen dem ahorn und dem sauerdorn quer durch fiel ein sonnenstrahl und in demselben tummelte sich kreisrund ein mückenschwarm Rosegger schr. (1895) I 1, 377; die thiere des waldes und feldes hatten sich angesiedelt und tummelten sich laut und lustig, wo zuvor todesschweigen geherrscht hatte Allmers marschenbuch (³1900) 3. in typischem vergleich: sich tummeln wie ein fisch im wasser Claudius Asmus omnia sua secum portans (1775) 6, 78.
b)
von schiffen: da kamen sechs kleine lust-schiflein ... und tummelten sich anfangs auf der Amstel heruͤm Ph. Zesen rosenmând (1651) 3:
auf ihrer rhede tummelt sich hochmastger schiffe stolze reih
Freiligrath ges. dichtungen (1870) 1, 165;
bildlich: (eine flotte) tummelt sich in den vorhöfen ihrer bestimmung, kreuzt furchtsam längs dem ufer, proviant zu holen und das tackelwerck zu flicken und steuert ewig nie auf die höhe des meeres Schiller 2, 352 G.
c)
vom menschen.
α)
vom fröhlich-ausgelassenen treiben der kinder, besonders vom spiel im freien: alsbald nun Ulenspiegel so alt ward daz er gon und ston kunt, da macht er vil spils mit den iungen kinden, wan er waz nötlich wie ein aff domlet er sich uff den küsin und im grasz so lang bisz er 3 iar alt ward Till Eulenspiegel 6 ndr.; vgl. ebda 7; er rief alle baurenkinder, die sein haus vorbeygiengen zu sich und tummelte sich mit ihnen auf dem saal herum Miller Siegwart (1777) 1, 7;
wie ständ es wohl mit mir,
könnt ich wie andre kinder
mich tummeln voll begier
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 117; vgl. ebda 505; 2, 360;
dabei lieszen die wenigen stunden, welche der schulunterricht wegnahm, der bewegung im freien, dem harmlosen spiel, der leiblichen kräftigung volle zeit. man tummelte sich im hof und auf den wiesen, an der Enz und am Erlenbach D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 1, 86; fröhlich vergnügungslustig tummelt sich das junge volk in den dorfgassen und auf dem anger G. Freytag ges. w. (1886) 18, 51; ich ... rannte in das thor, hinter welchem die kameraden sich ... tummelten L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 32; bildlich: (im gehirn) tummeln sich die besten gedanken wie lose buben umher Mich. Beer s. w. (1835) 700; wesen, die sich im kornfelde tummeln, steige darein treten, kindern auflauern und sie zu tode kitzeln Laistner nebelsagen (1879) 12; vgl. ebda 204.
β)
von einer sich in frohsinn und ungebundener freude bewegenden menschenmenge: wie man aber sich nu thummelt, spielet und springet, kömpt ein feuerfuncke, zündet den einen an Lucas Pallio vom ewigen leben (1583) 144ᵇ;
ein ieder tumlet sich, nachdem des Bacchi safft
ihm geben zu dem sprung und freud ein sonder krafft
(1625) Tobias Hübner in Euphorion 5, 674;
als sie darauf in den saal treten, wo sich eben noch alles in geräuschvoller lustigkeit tummelte O. Jahn Mozart (1856) 4, 425;
dort tummelt sich der knecht und bauern schaar.
welch froher lärm! welch durcheinanderrennen!
Geibel ges. w. (1883) 2, 244;
(auf der bühne) sind solche massenwirkungen, wobei die menge in lebhafter bewegung sich tummelt, volksscenen, grosze rathsversammlungen, lagerbilder, gefechte, zuweilen wünschenswerth G. Freytag ges. w. (1886) 14, 211; bildlich: eine breite heerstrasze, da tummeln sich alle herum und jauchzen und schreien E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 14 Grisebach.
γ)
von einer ungebundenen, frei vom zwang sich vollziehenden lebensform, häufig als ausdruck des ungebrochenen lebenswillens und der lebensbejahenden freude. die konkrete anschaulichkeit der obigen belege verblaszt hier: dieser cardinal Mazarin faszte allerdings ... die aufgabe weicher, nachgiebiger als Richelieu gethan. aber was hilft das, wenn ein beweglich volk fühlt, dasz eine zeit zum tummeln gekommen sei, was hilfts, wenn eine phase sich durchsetzen will. diese sanftmuth machte nur dreister H. Laube ges. schr. (1875) 5, 154; oft hatte ihn der harte dienst und das knappe leben bedrückt, jetzt, wo er sich in gröszerem wohlstand bei seinen angehörigen zwanglos tummeln wollte, kam ihm vor, als trenne er sich von glück und hoffnung G. Freytag ges. w. (1886) 12, 231; sonne und frühling lachen mich so freundlich an. ich fühle mich noch jung und möchte mich tummeln. da stehen aber zwei gespenster, einschränkung, armuth, und grinsen mich an, und weisen mich in nacht und winter zurück Pückler briefwechsel u. tageb. (1873) 5, 407; auch allgemeiner: sie die himmlische erde — auf der frohlockend sich alles leben tummelt Bettine Günderode (1840) 1, 308. in diesem anwendungsbereich bezeichnet tummeln oft die lebensform, die sich im gegensatz zu sitte und herkommen bewegt: wenn wir uns wol in der welt getummelt und alle sünd und schand getriben Pape bettel- und garteteuffel B b 6ᵇ;
du tummelst dich in dem gewühle
der welt, die stets dich mit sich reiszt
und sprichst im peinlichen gefühle
der reue: morgen sagt mein geist
dem wein, der buhlschaft und dem spiele
auf ewig ab
Pfeffel poet. vers. (1802) 5, 143;
ganz konkret-anschaulich; wie unter β: bis an den frühen morgen auf karten, violinen und pandecten sich so herum zu tummeln, madam, das war ... nicht schön Lichtenberg Hogarthische kupferst. (1794) 4, 67;
dort wacht ein lustiges gelage ...
sie tummeln sich die nacht zum tage
Lenau s. w. ²512 Barthel.
vgl. tummelieren 'ein wildes, liederliches leben führen' bei Schmeller-Fr. 1, 605; tumulieren allerlei mutwillen treiben Unger-Khull steir. 182.
δ)
von unbehinderter freizügigkeit: wie hätte es nicht, namentlich unter den Tartarenstämmen empfunden werden sollen, dasz ein theil der gebiete, in denen sie sich ... in alter ungebundenheit getummelt hatten, ihnen jetzt entrissen worden war Ranke s. w. (1867) 31/32, 292; von dort übertragen: (die pest,) nachdem sie vorhero sich lang in Asia herum gedummelt, endlich auch in Europa kame Rheinstrom (1685) 1, 503. eigenartig ein absoluter gebrauch, der nur die vorstellung der ungebrochenen, naturhaften lebenskraft festhält: solcher art war die frömmigkeit des wilden und gewaltthätigen geschlechts, welches sich damals tummelte G. Freytag ges. w. (1886) 17, 246.
Zitationshilfe
„tummeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/tummeln>, abgerufen am 17.09.2019.

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