truhe f.
Fundstelle: Lfg. 9 (1940), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1321, Z. 14
seit dem 10. jh. belegt, ahd. truha (daneben trucha, s. unten), mhd. truhe (daneben truche und trucke, s. unten).
herkunft und form.
1)
in truhe sind möglicherweise zwei ursprünglich verschiedene wörter zusammengefallen: ein ahd. truha, im grammatischen wechsel mit trog (s. d.), zu dereu̯o-, dru- 'holz, baum', und ein ahd. druha (drûha?), das mit an. þró, f., 'ausgehöhlter stock oder stein', norw. tro, f., 'längliches ausgehöhltes gefäsz, ausgehöhlter block', aschwed. stenthro, f., 'steinkiste, steingrab' (= an. steinþró), ags. þrúh, f., m., n., 'röhre, trog, kasten, sarg', nengl. dial. through 'flacher grabstein', ahd. drûh, f., 'cippus, compes, pedica, decipula' (s.drauch), lit. traukai 'gefäsze', lett. traũks 'geschirr, gefäsz' zur wurzel ter-, erweitert treuq- 'reiben, durchbohren, aushöhlen' (Walde-Pokorny 1, 731) gehört. diese scheidung wird bes. dadurch empfohlen, dasz auszerhalb des deutschen die bedeutung 'sarg' niemals bei germ. *truga- (vgl.trog 4 f in der bedeutung 'sarg' für das 15. u. 16. jh.), wohl aber bei *þrūh- auftritt, und dasz ahd. in der bedeutung 'sarg' nur druha belegt ist (steininer drúho sacrofago ahd. gll. 2, 743, 26, druchun tumbe vel sepulcra 2, 14, 63; drûch bacapolus, vas in quo mortui efferuntur 4, 167, 70). nichts zu geben ist auf thruhin ahd. gl. 1, 398, 42; thruha 4, 105, 9, da die schreiber ein im worte vorkommendes h gerne auch an das t anschlieszen. im mhd. wären dann beide wörter völlig zusammengefallen. sollten diese verhältnisse auf zufall beruhen, so bleibt schwerlich etwas anderes übrig, als truhe zu trog zu stellen und in den gelegentlich auftretenden d im anlaut (durch drûh 'fessel' hervorgerufene?) störungen zu sehen. dafür spräche auch, dasz trühel und trügel, d. h. das deminutiv zu truhe und trog, überhaupt nicht zu scheiden sind, s.trühel. vgl. Rohr gefäsze i. d. ahd. gll. (1909) 108; Falk-Torp 1289; Walde-Pokorny 1, 806; Holthausen aengl. etym. wb. 354; anders Kluge¹¹ 632f., Hellquist 1016, Torp 807, die verbindung mit ags. þrūh u. s. w. vorziehen und wenig überzeugend 'unregelmäszige' lautverschiebung annehmen.entlehnt ist truha ins afrz. als troe, s. Meyer-Lübke 8948, Gamillscheg Romania germanica 1, 202, sowie ins tschech. als truhla, s. A. Mayer dtsche lehnw. im tschech. 1927, 15.
2)
neben die in den frühesten glossen erscheinende und auch mhd. vorherrschende form mit -h- (ahd. truha, mhd. truhe; vereinzelt auch trua ahd. gll. 4, 172, 40) treten ahd. trucha ahd. gll. 3, 284, 48; 4, 105, 10; druchun 2, 14, 63; drûch 4, 167, 70, mhd. truche (vgl. Lexer 2, 1541) und seit dem 15. jh. bezeugtes truge (s. unten) und im schweizer. trucke; auch ahd. trucha kann truccha ˂ trucka mit gemination bedeuten und wäre wie trucke zu bewerten (vgl. Kluge a. a. o.), zu dem sich mlat. truca, vgl. du Cange 8 (1887) 197, als latinisierte form stellen läszt, s. auch mlat. trucca ahd. gll. 4, 105, 10; 163, 60; 172, 40 St.-S. trucke, truck, trucken u. ähnl. ist die schweizer. geläufige form: der secundari seit, es sy ein truck divenal, darin vir ein halben guldin und ein bar Seflinger hendschuch (1483) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 2, 87; schickt ich brieff gon Basel an mein vatter, wie auch ein drucken, dorin meine biecher und allerley von sceletis, meerfischen etc. und was ich ingesamelt Platter 271 Boos; in einer trucken Tschudi chron. Helv. 1, 327; vgl.trucke Frisius (1556) 866ᵇ, Schmidt idiot. Bernense 67, Stalder 1, 311; trucka Tobler appenz. 153; truke Hunziker Aarg. wb. 61, drucke Seiler Basl. ma. 86, s. teil 11, 1, 1, 520 tischtrucke; mit anlautendem d: Stalder a. a. o., Friedli Bärndütsch 1, 312, druke Seiler a. a. o., Pestalozzi 9, 125 krit. ausg., s. teil 2, 1441 drucke; mit umlaut trücken Dentzler clavis (Basel 1716) 291ᵇ, trücka Bühler Davos 1, 166. truche mit velarer spirans ist noch für das schwäb. bezeugt, vgl. Fischer 2, 410; ältere belege s. Lexer a. a. o., truchen Schiltberger reiseb. 89 lit. ver.; mit umlaut trüchen (dat. pl.) bei Lori baier. bergr. 486ᵃ (v. j. 1616). truge, trug u. ähnl. (vermischung mit trog, s. unten 2, oder alte variante?) treten vereinzelt im 13. jh. (ahd. gll. 3, 251, 41), häufiger erst im spätmhd. auf, vgl.trog und drugen Lexer a. a. o., und sind ebenfalls mundartlich zu belegen, vgl. trug Hulsius (1618) 251ᵃ, truge Duez nomencl. (1652) 841, trugen H. v. Cronberg schr. 75 ndr., trogen Heyden Plinius (1584) 40, trughen Calepinus XI ling. (1598) 1463; mundartlich truga Sartorius Würzburg 127, trug'n Ruckert unterfrk. 185 und besonders im südlichsten zipfel des dtsch. sprachgebiets, s. Bacher Lusern 408, Schmeller cimbr. wb. 179. verkürzte formen, vgl.druch ahd. gll. 4, 167, 70; truch (v. j. 1276) stadtbuch v. Augsburg 264 Meyer; archa truch (voc. v. 1516, Hagenau) Diefenbach gl. 45ᶜ; Weismann lex. bipart. 2, 415ᵇ; Kramer Bistritz 135; Schöpf tirol. 759; capsula truck Diefenbach nov. gl. 74ᵃ; truck (v. j. 1483) bei Steinhausen s. oben, trog bei Lexer a. a. o.
3)
im ostmd., wo das wort erst später aufnahme fand, hat sich auf grund der flektierten form truh(e)n der neue nom. truhn(e) gebildet, vgl. trwne (v. j. 1523) urkb. d. st. Freiberg i. S. 1, 360; throne ebda 3, 340; thrune H. Rätel beschr. d. krieges (1590) o 1ᵃ; trune Butschky hd. kanzell. (1659) 332; er ist noch in Posen (Bernd 323), Schlesien (thrun [v. j. 1657] cod. dipl. Siles. 21, 220, vgl. K. G. Anton Oberlaus. wörter 5, 8 u. 13, 20, so auch bei dem Schlesier Steinbach im dtsch. wb. 2, 868 u. ö.), Sachsen (drune Albrecht Lpz. ma. 27 u. truhne 225, trone Bruns volksw. 69), auch im siebenbürg. siedlungsgebiet (thrune qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 1, 421, trun Haltrich 94, trohn Schröer ungr. bergland 239) eigentümlich. — truhen als nom. sing. ist auf obd. boden häufig, z. b. truhen Zingerle invent. a. Tirol u. Vorarlberg 91, nr. 5; Abr. a s. Clara merks Wien (1680) 97; truchen Jakob Wiener dial. 196; s. auch oben trucken u. trugen. — der stammvokal erscheint auch sonst zuweilen als o, vgl.trohe Frischlin nomencl. (1591) 333, Hulsius-Ravellus (1616) 329ᵇ, troge bei Steinhausen privatbr. 1, 289, troche Diefenbach-Wülcker 878, trogen Heyden s. oben.
4)
das geschlecht ist ausnahmslos f.; die flexion, wie die belege ergeben, bis über die mitte des 17. jhs. fast ausschlieszlich schwach (die ahd. gl. trúa truccas 4, 172, 40 [12. jh.] kann den nom. sg. meinen; steininer druho sacrofago 2, 743, 26 [10. jh.] enthält eher einen st. dat. fem. als einen schw. nom. masc.), so auf obd. gebiet heute noch; bei manchen autoren kommen schw. und st. flexion nebeneinander vor.
bedeutung und gebrauch. truhe bezeichnet hauptsächlich und schon in den ältesten zeugnissen einen mit deckel versehenen, meist hölzernen behälter von länglicher form, vgl. auchschrein; das erweist die ahd. glossierung von capsella (1. regum 6, 8) durch truha (ahd. gll. 1, 398 St.-S.) ebenso wie die bereits ahd. mhd. bezeugte anwendung von truhe auf den sarg (sieh oben u. unten 1 b); doch ist wahrscheinlich, dasz truhe schon früh im besonderen den für die aufbewahrung wertvoller gegenstände bestimmten kastenartigen, verschlieszbaren behälter meint, vgl.:
(man trug aus dem berge)
... auch manck edler steyne
und kleider kostentlich,
die lorden, trühen, schreyne.
Laurein sach jemerlich
zwerg Laurin 319 in: d. helden buch 2, 186 v. d. Hagen-Prim.
im obd., wo das wort ursprünglich heimisch ist, findet eine überschneidung mit trog in der weise statt, dasz trog alle bedeutungen der truhe als eines verschlieszbaren kastens, truhe jedoch nur vereinzelt die von trog als einem offenen kasten besitzt (s. u. 2 a, b). diese z. t. wohl schon auf alter wortmischung beruhenden gemeinsamkeiten werden auch später begünstigt durch die ähnlichkeit der formen von truhe und trog; so steht troche, trog(e) 'truhe' neben trog und trauche (Diefenbach-Wülcker 878) neben traug; beim deminutiv gehen trüglein und tröglein durcheinander, trügel kann von beiden wörtern abgeleitet sein. das wort ist erst spät in Norddeutschland eingedrungen und in die schriftsprache aufgenommen worden, daher wurde es noch ende des 18. jhs. von Norddeutschen als provinzialismus angesehen, vgl.truhe (mot de province) nouv. dict. (1762) 1, 919; 'noch andere (provinzialismen) sind unglücklich erfunden ... und haben zugleich etwas niedriges, z. b. ... truhe für lade' Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. (1795) 39.
1)
truhe als verschlieszbarer kasten.
a)
der (oft verzierte) kasten mit flachem oder gewölbtem deckel (vgl. ¹trog 4 a), in dem alle dinge von wert verschlossen werden, früher allgemein und noch jetzt in einfachen verhältnissen eines der wichtigsten möbelstücke im haushalt, vgl. dazu z. b. Kramer Bistritzer dial. 135, Lexer kärnt. 73, Anton Oberlaus. wörter 13, 20, Bernd Posen 323, Friedli Bärndütsch 1, 312; zuweilen wie eine kommode mit schubfächern versehen, vgl. Weinhold schles. 100ᵇ: (sie) zog bald darauf etwas aus dem wammes hervor, das sie flugs in die schublade einer truhe verbarg, die sie sogleich verschlosz Musäus volksm. 4, 253; wegen ihres wertvollen inhalts früher meist in der schlafkammer stehend und zu deren einrichtung gehörend: und ist ze wiszen, dasz sie (die ehefrau) mir nichts zupracht dann 2 pett on ziech und ain truchen on fuesz und ain füchsin deck städtechron. 5, 139 (Augsburg, 15. jh.); Agripina ... gieng gemachsam über die truhen, so dann bey ir bettstat stuͦnd Fortunatus 129 ndr.; als er in des Porogratz seine cammer kame, fande er die hure gantz ausgezogen auf der truhen sitzen Zendorius a Zendoriis t. winternächte (1682) 698;
wohl hab ich auch in kammern und in zellen
erforscht schon jeden schrank und jede truhe
Rückert w. (1867) 1, 301.
je nach dem verwendungszweck verschieden in form und grösze gestaltet, doch in der regel für einige besondere zwecke gebraucht.
α)
als groszer hölzerner kasten für kleider oder stoffe (vgl. ¹trog 4 d), vgl. 'ein kasten oder lade, ... meistenteils wäsche aufzubewahren bestimmt' Anton Oberlaus. wörter 5, 8, vestiarium kleydertrohe Frischlin nomencl. (1591) 333, klädertrug'n Ruckert unterfrk. 185:
truhen, kisten, dar ein man dut
hemd, wames, kitel, peltz und schauben
fastnachtsp. 1217 K.;
die kleider sind der truͦgen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 135ᵃ; weinrauthen in die trugen und kleyderschrenck zwischen die kleyder und das getüch gelegt, verhütet, dasz sie nicht von den motten gefressen werden Tabernämontanus kräuterb. (1588) 497; er eröffnet alsobald eine truhen, mit zartestem haar und schönster leinwand angefüllet ollapatrida 362 Wiener ndr.;
sie ist nicht alt und reich dazu
und hat manch leinen in der truh
O. Ludwig ges. schr. 3, 643;
die kurhessischen und preuszischen uniformstücke aus den schränken und truhen wurden hervorgezogen Hans Grimm volk ohne raum (1926) 1, 92; sprichwörtlich: in der truhe wärmen weder pelze noch (hand-)schuhe Wander 4, 1341.
β)
ein meist kleinerer, häufig auch aus metall gefertigter kasten für geld und kostbarkeiten (vgl. ¹trog 4 c), vgl.truhe cassa, scrigno Hulsius (1618) 251ᵇ, s. auch Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᵃ, sowie die composita schatztruhe, geldtruhe: do vand er drey pleyen truhen in dem wasser, die waren voller golds Schiltberger reisebuch 27 lit: ver.; (der mörder) stal im (dem pfarrer) was er hett, ausz sein truchen von barschaft und silbergeschier (15. jh.) städtechron. 5, 315; der (Tetzel) erlaubet auch künftige sünd und vergabs, schrier, alsobald der plaphart in der truhen kläng, von stundan füer die sel geen himel Turmair s. w. 5, 1, 517; er hat den schlüssel zur truggen, da das gelt innen ligt, verloren Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 17ᵃ;
dieselben (die wucherer und reichen) können seiner (des geldes)
in eiszre trög und truhen legen pflegen,
Eyering prov. (1601) 1, 304;
ist es nicht wahr, dasz mancher ehrlicher bidersmann lieber seinen vorraht an geld in der truhen oder kasten ruhig liegen und umsonst verligen lässet? Abele v. Lilienberg gerichtshändel (1655) 599;
vor euren klauen und geiersgriffen,
vor euren praktiken und bösen kniffen
ist das geld nicht geborgen in der truh
Schiller 12, 97 G.;
die alten verborgenen truhen versteckter schätze Jung-Stilling s. schr. 2, 220;
ein edler könig sprach: des fürsten schätze ruhen
in seiner bürger, nicht in seinen eignen truhen
Rückert w. (1867) 8, 148;
das edelmetall behielt durch tausend jahre die neigung, in deutschen truhen zu verschwinden G. Freytag ges. w. (1886) 17, 288; als behälter von kostbarkeiten wird auch die truhe selbst aus teurem stoffe gefertigt: in einer truhe von ebenholz bewahrte sie goldene schaumünzen, seltene thalerstücke, filigranarbeiten und andere köstliche spielereien G. Keller ges. w. (1889) 1, 62.
γ)
als behälter für briefe und urkunden oft ein kleiner kasten (vgl. ¹trog 4 b und trühel, trühelchen, trühlein), eine schatulle: pro truha ad sigillum 25 β (kästchen, in dem das stadtsiegel aufbewahrt wurde) v. j. 1325 bei Fischer schwäb. 2, 410; und als solich brief in kainen schrynen, truchen noch kisten funden wurden Wyle translat. 49 lit. ver.; (am 28. oct. 1458 bescheinigen bürgermeister und rat von Donauwörth den rückempfang einer) verschlossen truhen mit sampt brieffen städtechron. 5, 220 anm. 2; als im bey Pharsalia eine trogen mit den heimlichen brieffen desz groszen Pompei ... zu seinen händen gebracht (wurde) Heyden Plinius (1584) 40; Adeline hatte ... die kleine nuszbaumene truhe ergriffen, die in ihrer kammer stand, und darinnen die urkunden der familie und einige kleinodien verwahrt lagen Pfeffel pros. vers. 2, 80; (er besieht das document:) keine aufschrift, bis auf ein kreuz! aber sieben siegel von seiner eignen hand! dazu lags, dreifach verschlossen, in einer ehernen truhe! Hebbel w. 3, 197 Werner; er ... holt aus dem hause eine kleine, alte truhe, trägt sie herauf und erschlieszt sie, und das licht der hängenden ampel fällt auf graue papiere A. Sperl fahrt n. d. alten urkunde (1909) 3.
δ)
eine kiste zur aufbewahrung von frucht, besonders von getreide und mehl (vgl. ¹trog 4 e): darnach zwo truhen mit rogken und in die ain truh gieng xi ster koren Zingerle inventare a. Tirol u. Vorarlberg 24, nr. 47; herr de Serres vermeldet, dasz ein meel in höltzernen groszen truhen am liebsten bleibt v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 200;
wenn ich ihr gegen den winter mit bohnen und erbsen die truhe
füllte, oder im frühling zur mast ein ferkelchen brachte
Hebbel w. 8, 307 Werner;
vgl.mehltruhe wörter u. sachen 1, 125, habertruhe L. Thoma ges. w. (1927) 3, 526; ähnlich: etliche legen die trauben ein weil in gesottnen wein, die andern legen die trauben in verbichte truhen, mit dürren sägspänen von thannen oder fiechthannen oder erlinholtz, auch in hirsen mäl M. Herr feldbau (1551) 71 b.
ε)
ein kasten, den man auf der reise mit sich führt, eine reisetruhe oder koffer von kleinerem ausmasz, öfter in zusammensetzung, vgl. reisztruhe Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᵃ, reisetruhe G. Keller ges. w. (1889) 4, 293, un coffre ... eine truge Duez nomencl. (1652) 84: pro ain truhen in die rais 3 β d. (1445) städtechron. 4, 258 (Augsburg); andenken ..., das er überall in seiner truhe mit sich führt A. v. Arnim s. w. 9, 50.
ζ)
allgemein eine kiste, in die man etwas packt: ain nûwe trog mit pfîln stadtbuch v. S. Gallen (14./15. jh.) bei Lexer 2, 1541; von einer drugen mit glasschîben Frankf. baumeisterbuch v. j. 1495 ebda; ain truhen mit glasscheyben Zingerle inventare aus Tirol u. Vorarlberg 91, nr. 5 und viele ähnliche angaben ebda reg. 295; ich hab 12 stüber vor eine truhen geben, darein zu schlagen (d. h. packen) Dürer tagebuch 88 L.; etliche truhen, darein die ladschauffeln, setzkolben ... innen geführt, die sollen 18 werckschuch lang ... sein Fronsperger kriegsb. (1573) 2, 150ᵃ; da wier ... ine fragten, wasz er thun welle bey uns, gab er uns zu verstehen, er wolte truhen voll meszer, angel ... und derogleichen hallen (holen) (1622) Josua Ulsheimer rayszbuch in: Alemannia 6, 99; vgl. für eine kiste mit kriegsgerät: capsa armamentaria wehrtrohen Frischlin nomencl. (1591) 333.
b)
'sarg'; in dieser schon ahd. bezeugten bedeutung (s. oben unter herkunft und form 1) heute noch im obd. lebendig, vgl. drûch bacapolus, vas in quo mortui efferuntur ahd. gll. 4, 167, 70 St.-S.; tumbe druchun vel sepulcra ebda 2, 14, 63; sacrofago (= sarcophago) steininer drúho ebda 743, 26; todtentruhe Kirsch cornucopia (1718) 175ᵃ, Kramer t.-ital. 2 (1702) 1157ᵃ; trohn sarg Schröer ungr. bergl. 141; truchen, truhe sarg Jakob Wiener dial. 196:
zehant liez der stolze
ûz lignô âloê dem holze
im ein truhe machen
von kostbæren sachen
und hiez in dar în bereiten dâ
mit balsmen und arômatâ
und mit andern wurzen tiure
Ulrich v. Eschenbach Alexander 16855 Toischer;
sy nun die truhen auff teten, darinnen sein heiliger leichnam lag der heiligen leben in d. winterteil (1471) 136ᵇ; als aber ... der schelmen cörpel sampt der seel anfieng zu stincken, liessen sie ein gantz eisene sarg oder truchen machen, und legten ihn darein J. B. Grass schöne historie (1570) 55ᵃ; später namentlich noch poetisch (im reim auf ruhe) und in dialektisch gefärbter sprache:
wollan, es müsse nun eur leib in seiner truhen
ohn einige gefahr fein sanft und lieblich ruhen
Rist Parnasz (1652) 832;
da hatt ich keine ruhe
und muszte auferstehn,
und ging aus meiner truhe
das kränzlein einzusehn
Brentano ges. schr. (1852) 2, 372;
in der truhe
finde ruhe,
die dein leben nicht genosz
Grillparzer 4, 115 Sauer;
löscht ihr (augen) aus, dann hat die seele ruh;
tastend streift sie ab die wanderschuh,
legt sich auch in ihre finstre truh
G. Keller ges. w. (1889) 9, 43;
die truhe mit dem todten wurde in den haustennen getragen M. Meyr erz. a. d. Ries 3, 200; wer diese schreckliche krankheit einmal habe, der müsse mit ihr in die truhe steigen Rosegger wildlinge (1906) 321; es (ein kreuz) hatte meinen eltern auf der brust gelegen, als sie in der schwarzen truhe geruht H. Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 13.
c)
für eine schachtel, vgl. auch buhsa, trucha pix (11. jh. u. später) u. ä. ahd. gll. 3, 158, 43; 251, 40; 284, 48; 306, 7; 342, 2; so im schweizer., vgl. trucka Tobler appenz.; truke Hunziker Aarg. wb. 61; truke, s drükli Seiler Basler ma. 86; 'drucke, trucke ... auch versteht man bisweilen eine tabaksdose darunter, doch üblicher in der zusammensetzung schnupftrucke, schnupftruckli' Stalder 1, 311: (es) sey da ... eines todten kinds genesen, und habe selbiges in einer druken (schachtel) daselbst vergraben ... hat nüd lang mit ihm gewahrt — ist bald todt gsy — han das kind nit in truken knütscht, sie ist grosz gnug gsy Pestalozzi 9, 125 krit. ausg.; wie schachtel auch als verächtliche bezeichnung für etwas minderwertiges, unzulängliches: 'bei Widmer heiszt drucke ein invalides uhrwerk' Friedli Bärndütsch 1, 311; mehr als gröszenvergleich: trücka für ein sehr kleines zimmer, s. Bühler Davos 1, 166; häufiger für ein altes weib: 'das heruntersetzende der benennung (liegt) in übertragungen wie wunderlehi trucka, wie auch das truckli auf die ,alte schachtel' führt' Friedli ebda 3, 396; truche altes, korpulentes weib Fischer schwäb. 2, 411; e olti druke alte frau, die druke! schelte Seiler Basler ma. 86.
d)
als maszbegriff; in der wendung eine truhe voll im sinne von 'eine grosze menge'; hierzu auch:
nimb den beutel, zel darausz wol
ducaten zwo eysern thruhen vol!
Hans Sachs 12, 204 Keller;
...
ich wirt ein reicher knabe.
hett ein köstlichen zoll,
ich wolte gar bald haben
ein gantze truhen voll
Fischart flöhaz 64 ndr.;
und ist uns bey gott dienlicher gewest ein hand voll gute werk als ein ganze truhen voll wissenschaft Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 97. als masz für verschiedene materialien, wobei es sich z. t. auch um einen offenen kasten handeln kann (s. unten 2): item von striken von aim zenttner 1 dn., item von glas ain truch 1 dn., es sy schybenglas oder ander gleser ..., item von stahel ain zenttner 1 dn. (stadtrecht von 1276) stadtb. v. Augsburg 264 Meyer, vgl. städtechron. 5, 146; jedoch aber ir jedem an ainem fuͦder brätter sechs pfening, item an ainem hundert ziegel, ober und under tach, auch sechs pfening, item an ainer truͦchen voll kalch sechs pfening ... zuͦ guͦt nachgelassen werden (Überlingen 1560) oberrhein. stadtrechte 2, 2, 518; eine ganze thrun durchsichtige spiegelscheiben (1657) codex dipl. Silesiae 21, 220; und verkauften die leut stain und sand bei ainer truchen (15. jh., Augsburg) städtechron. 5, 146; 'so wie in den böhmischen bergwerken die truhe ein kohlenmasz ist, welches 20 füllfasz hält' Adelung (1793) 4, 708.
e)
in bildlichem und redensartlichem gebrauch.
α)
von a β ausgehend in verbindungen wie geheime, gemeine, öffentliche truhe als bezeichnung für die gemeinsame kasse eines standes oder landes, vgl. 'die anstalt der geheimen truche war es, welche alle diese nebenausgaben deckte' Fischer schwäb. 2, 411: so soll fürohin über der landtschaft usschutz habende sondere und gehaime truchen ein ordenliche rechnung ... gehalten ... werden (v. j. 1608) ebda; es hilft nichts, dasz die führer der stände für den ausschusz, ... nicht auf den ganzen und das recht der vormaligen geheimen truhe anspruch machten Hegel w. (1832) 16, 307; wie oft hatte der ständische ausschusz tiefe griffe gethan in die geheime truhe der stände Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 205, vgl. ferner Paulus haupturk. d. württemb. landesgrundverfass. (1815) 87; so ist verordnet eyn gemeine trugen H. v. Cronberg schr. 75 ndr.; absolut: welcher aber mehr zu lohn von einer urn gebe, oder neme, denn gesetzt wird, der ist der landschafft in ihr truhen zu reichen, unnachlässiger pein, zehen hungerische gülden verfallen Megiser annales Carinthiae (1612) 1241; so brachte er einen verdacht gegen beide in umlauf, als ob sie die öffentlichen truhen möchten heimlich geöffnet haben A. v. Arnim s. w. 15 (1857) 79; vgl. rittertruhe Scheffel ges. w. 3, 68, kreistruhe (kraysztrauchen, v. j. 1542) bei Diefenbach-Wülcker 878. auch sonst für 'kasse' verwendet:
dasz ich mehrern könte nüzen,
wünsch ich mehr zwar zu besizen
als ich hab in meiner thrun
M. Kongehl sausewind (1675) 19;
wenn kaiser und reich aus ihren truhen beisteuerten Alexis Roland v. Berlin 1, 206; (eine) stelle wurde ... frei, die truhen steuerten zusammen Fontane ges. w. I 1, 84; formelhaft die truhe füllen den besitz vermehren: auch der ritter verschmähte nicht, seine truhen damit zu füllen, dasz er mit einer reichen bauerstochter in den ring der zeugen trat und sie zu rechter ehe empfing G. Freytag ges. w. (1886) 18, 69;
sie (die ferne) fülle freundlich euch die truh
G. Keller ges. w. (1889) 9, 169;
ähnlich: die ... in der mitte des fünfzehnten jahrhunderts nach Tirol gekommen waren, um von dem bergsegen, der damals so reichlich sprudelte, auch einige adern in die eigenen truhen zu leiten L. Steub drei sommer in Tirol 1, 160; den inhalt mit einbegreifend:
ihr legt den todten zur ruhe, —
und im sinne liegt euch die truhe
Rückert w. (1867) 11, 285.
β)
bildlich für einen menschen, der etwas in sich verschlieszt: vor der Sannel, die sie kannte, von der sie wuszte, die war wie eine verschloszne truhe, zu der sie den schlüssel hatte, versteckte sie ihre meinung nicht O. Ludwig ges. schr. 2, 357; sie sahen es ihrem gesicht an, dasz sie alles wuszte — wie eine volle, geschlossene truhe war sie Peter Dörfler um d. kommende geschlecht (1933) 158.
γ)
redensartliches; in formelhafter verbindung etwas in die lange truhe legen, spielen, schlieszen, bringen u. ähnl., die bis anfang des 18. jhs. lebendig ist und dasselbe bedeutet wie etwas auf die lange bank schieben (s.bank teil 1, 1108) 'etwas aufschieben, verzögern', hat ihren ursprung im rechtsleben und weist auf den gebrauch der truhe (1 a γ) als aktenbehälter, in den bei gericht die noch nicht entschiedenen sachen gelegt wurden, vgl. dazu auch Borchardt-Wustmann (1925) 40: kombt ir herausz, so underwindt sich der vater, euer sach zu treiben, damit sie zu einem end kombt ... suszt wurdt es dortinnen in die langen truhen gespilt, als es uns ansihet (1481) bei Steinhausen privatbriefe 1, 233; laszt der armen leut hendel nit jar und tag in der langen truchen ligen zu irem mercklichen verderben Urbanus Regius von leibaygenschaft oder knechthait (1525) 103ᵃ; wär ich nit darbei gewesen, so lege diser handel noch fein sauber in einer langen truhen A. Agricola gutes aug (1629) 375; so wäre meiner einfalt nach verhöfflich, es möcht e. g. ihren handel in die lange truhen bringen Joh. Nas antipap. eins 1, 84ᵇ; s. ferner Äg. Albertinus Lucifers königreich 18, F. Alber Ignatius Loiola (1591) 120; sie (die richter) ziehns (das urteil) offt in die lang truhn A. Pape Jonas rhythmicus (1605) B g 1ᵇ; wann inen brieff geben werden, das sie dieselbigen von stund an uberlesen unnd nicht in die langen truhen schlieszen, wie schier bey allen breuchlich Montanus schwankb. 426 lit. ver.dann allgemein in bezug auf ein vorhaben, eine tätigkeit, meist in die lange truhen legen, z. b. sprichwörter, schöne weise klugreden (1570) 36ᵇ, Schönsleder prompt. (1647) Kkk 3ᵃ, Körte sprichw. (1837) 438: aber wir legen die sach inn die langen truhen, schertzen mit gottes wort Seb. Franck trunckenhayt (1531) b 3ᵃ; damit die schulden ... nicht gar in vergesz kommen, oder in die lange truhen gelegt werden v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 1, 48ᵃ; ob es nit heis, die sachen in die lange truchen gespilet unnd die warheit geflohen J. Kepler opera omnia 8, 376; denn er liesz hängen und schlafen, was er nur mochte in die lange thrun bringen H. v. Schweinichen 232 Österley, desgl. Weinhold schles. wb. 100ᵇ; schiebet ein ding nicht in die lange thrune V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 424; wo es also yns recht keme, hoffet ich, es solt yn die lange truhe komen Luther briefe 4, 360 W.; wenn ein ding in die lange truhen kompt, ... wird nicht leichtlich mehr etwas drausz Lehman floril. polit. (1662) 4, 97. den wind in eine truhe sperren etwas vergebliches tun, vgl. Eyering prov. (1601) 1, 422:
wer einen raben will baden weisz
und darauf legt sein ganzen fleisz,
und an der sonne schnee will dörrn,
und allen wind in ein truchen sperrn,
... der thut auch unnütz arbeit gern
priamel a. d. 15. jh. in: Wackernagel leseb. (1839) 1028.
mundartlich im alem. findet sich die redensart fort mit der truhe! fertig gemacht! Fischer schwäb. 2, 411; furt mit der truke, scherzhaft: macht, dasz mir die sache ab den augen kommt Hunziker Aarg. wb. 61; Tobler appenz. 153.
2)
ein offener kasten (vgl. ¹trog 1). seltener wird truhe als bezeichnung für einen kasten ohne deckel gebraucht; vgl. 'die truhen, truhel ... ein auf seiner länge ruhendes behältnis, gemeiniglich aus brettern zusammengesetzt, entweder ohne deckel oder mit deckel und schlosz versehen' Schmeller-Fr. 1, 659; 'trucka eine schachtel, doch auch ein ähnliches behältnis ohne deckel' Tobler appenz. 153; speziell: 'trucke, misttrucke mit handhaben versehener kasten, mist darin auszutragen' (kanton Appenzell) Martiny wb. d. milchwirtschaft 130; 'trog behälter mit, truche ohne deckel' Fischer schwäb. nachtr. 1778.
a)
ein fischbehälter (vgl. ¹trog 1 a, sp. 784 unten): und der her sol dem pfarrer ein essen visch geben aus der trühen, darfür gibt man den knechten ein supen und ein trünck (ende d. 15. jhs.) österr. weist. 7, 356; es soll auch ain jede obrigkait nit allain auff dem marckt, sunder auch bei der vischer heüsern und truchen, darauff acht und vorsch haben bair. landsordnung (1553) 149ᵃ; vgl.truckeⁿbēr (handnetz) zu truckeⁿ fischkasten schweiz. id. 4, 1458.
b)
ein hölzernes gerinne (vgl. ¹trog 1 a, sp. 784 unten): sunderlich, wenn eisschellen im pach geen, das sich die vorausz an den gittern über den eusseren statgraben icht anlegen oder swellen, dardurch der pach über die truhen in (den) statgraben fellt E. Tucher baumeisterbuch 229 lit. ver.
c)
ein kastenwagen.
α)
'ein fördergefäsz in gestalt eines länglich viereckigen, auf vier rädern ruhenden kastens' Veith bergwb. 503 (vgl. ¹trog 1 f, sp. 786 unten), Minerophilus bergw.-lex. 671, G. Körner böhm. bergw. (1758) 28: grubenarbeiter, so ... trecken oder zu seyl lauffen, anschlagen, an tag herausz mit hunden oder truhen lauffen Mathesius Sarepta (1571) 126ᵃ; andere (bergleute) ..., die füren mit truggen hinweg, was herauff gezogen ist Seb. Münster cosm. (1578) 11; er umgeher zu Lauffen solle auch sein fleiszig aufmerken haben, damit kein salz oder salzstein ganz oder zerschlagen in fässern, steigen, trüchen, schäfern, oder stöcken heimlicher weis verführt werde (v. j. 1616) bei Lori baier. bergr. (1764) 486ᵃ; (der hüttenreuter soll) der ertzfuhrleute hölen und truhen alle halbe jahre ... eichten lassen v. Schönberg berginform. (1693) 1, 92; 'die ... fördergefäsze beim alpinen salzbergbau ... heiszen truhen, die förderleute truhenlaufer' Lueger (1894) 7, 559; 'trüchen, nennt man in Steyermark die karren, auf welchen die eisensteine ... geführt werden. eine einspännige trüche faszt 5-6, und eine zweyspännige 10-12 centner eisenstein' Blumhof eisenhüttenkde 4, 376.
β)
wagen mit offenem kasten auf einem gestell für verschiedene zwecke = truhenwagen, vgl.'truhe truhenwagen, wagen, auf dessen gestell einzelne behälter angebracht sind, um steine, kies, kehricht u. a. darein zu laden' Fischer schwäb. 2, 411; vogtl. truhe 'kastenwagen, düngerwagen' Müller-Fraureuth 1, 255: von karren und truͦchen. item wölcher burger oder einsäsz ald ainröszler seine karren oder truͦchen tags oder nachts an den gassen, uf den almen oder andern orthen verhinderlich stöllt (Überlingen 1564) oberrhein. stadtrechte 2, 2, 579; jede neuankommende 'truhe', die in den markt hereinfährt, wird mit sensation begrüszt Karl Stieler natur- u. lebensbilder a. d. Alpen (1886) 190, vgl. 193.
Zitationshilfe
„truhe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/truhe>, abgerufen am 22.09.2019.

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