troubadour m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1939), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1163, Z. 40
provençalischer dichter des 11. bis 13. jhs. frz. troubadour, im 16. jh. prov. trobador nachgebildet (vgl. Gamillscheg 870ᵃ), seit dem späten 18. jh. in zunächst schwankender form ins deutsche übernommen, zufrühest als troubador 1767 in Herders fragmenten 1, 266 S. (s. u.), 1796 als trobador ebda 18, 90, als trouvadour (vgl. it. trovatore) bei Gotter ged. (1787) 1, 197 (s. u.), in der form troubadour Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 151 und so im ganzen 19. jh.; erst jüngster wissenschaftlicher gebrauch greift wieder auf die prov. urform zurück: bei den trobadors zs. f. frz. spr. u. lit. 60, 257. neben dem französierendén plural troubadours nur gelegentlich ein plural auf -en, bei Herder (s. u.) und (wohl aus reimzwang) bei Immermann (s. u.), selten in starker flexion auf -e: an die troubadoure Jac. Grimm kl. schr. 1, 75; der troubadoure (gen. pl.) Grabbe 2, 267 Bl.im eigentlichen gebrauch, südfranzösischer minnesänger: würde man ... sorgsam seyn, sich nach alten nationalliedern zu erkundigen, so würde man ... stücke bekommen, die ... den chansons der troubadoren, den romanzen der Spanier ... beikämen Herder 1, 266 S.;
zu nah ist poesie mit der musik verwandt,
zu heilig mir das alte freundschaftsband,
das einst, in beyder künste goldnem alter,
die trouvadours und die jongleurs verband
Gotter ged. (1787) 1, 197;
in der Provence geben die troubadours den ton des minnegesanges für die romanischen und germanischen völker an Scherer literaturgesch. 143. gern mit anspielung auf das schwärmerisch-weiche ihrer kunst:
nun folgt ich wol den spuren
der oft von mir verlachten troubadouren
und spräche schwärmend
und ab mich härmend,
zu sternen, felsen, kugeln, blumen, quellen
Immermann 15, 119 B.;
Isolde: o herr, ihr redet wie ein troubadour.
Roger: wär es ein wunder? hoher frauen güte
erweckt ja lieder, wie die morgenröthe.
mit süszem licht des waldes stimmen weckt
Geibel (1883) 7, 196.
gelegentlich erweitert, in gutmütigem spott von herumziehenden oder dilettierenden sängern: er ... äuszerte die zuversichtliche hoffnung, der reisende troubadour (ein liedersänger) werde ihm sein bischen ruhe gönnen, ohne ihn durch wildes gebrüll aufzuschrecken Holtei erz. schr. 2, 161; auch Kanngieszer ... pflegte bei guter laune mich (wegen meiner gesangs- und guitarreübungen) seinen troubadour zu nennen Holtei vierzig jahre (1843) 1, 190. —
Zitationshilfe
„troubadour“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/troubadour>, abgerufen am 13.11.2019.

Weitere Informationen …