treffen n.
Fundstelle: Lfg. 10 (1935), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1654, Z. 1

Unterbegriffe in diesem Artikel

'bewaffneter zusammenstosz, kampf mit dem feinde; militärischer formationsteil'. substantivierung von treffen, vb., IV C, s. u. 1. nicht mundartlich; plural selten, s. u. A 2 d (sp. 1657); Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 324. — im nd. vereinzelt treffend: conflictus die schlacht, das treffend Joh. Orsaeus nomencl. method. (1623) 123; conflictus ein treffent nomencl. lat. germ. in usum schol. (1634) 542; de grave, effte he sick schone wegen des geringen volkes erfruchtede, gedachte dennoch ein drepent tho doen, ... alsz dat he scholde ... darvon flegen Neocorus chron. d. landes Dithmarschen 1, 332 Dahlmann.nach deutschem muster gebildet: schwed. drabbning (seit dem 17. jh.), dän. draebning; aus dem deutschen entlehnt: schwed. träffning, dän. traefning; s. Hellquist svensk. et. ordb. 1018.
A.
kampf. seit dem 15. jh., reichste entfaltung im 17. jh., im 19. jh. noch häufig bezeugt, heute nicht mehr in der sprache des militärs und damit auch literarisch schwindend; s. aber die übertragenen und uneigentlichen anwendungen u. 4 (sp. 1661), 6 und auch 5.
1)
über die substantivierung des inf. von treffen bis zum rein ausgeprägten substantiv vgl. Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 317 ff.; da das vb. in gleicher bedeutung noch jahrhunderte nach entstehung des subst. weiterlebte, erfolgt häufig einzelner neuanschlusz des subst. ans vb.; zweideutig nur dann, wenn das vb. absolut, auszerhalb der üblichen präpositionalverbindungen, steht (vgl. o. sp. 1650): wiewol auf irem tail fast vil, auch ettlich auf unserm tail in demselben treffen und streyten nider lagen, die abgestochen und von den pferden komen, volget mein herr von Plawen und ich als haubtlewt mit unserm raysigen zeug in strengelich nach städtechron. 2, 491; und findet in allbereit verbunden und auf dem andern pferde, das er wider zum treffen eilet E. Menius chron. Carionis (1560) 1, 218ᵇ, rein substantivisch wäre ins treffen; als beide hör begundend ermüden, da kam in allem treffen der gwaltig graf Cuno mit einem geruweten frischen volck künig Heinrichen ze hilff Tschudi chron. Helvet. 1, 31 Iselin; denn der ... wald war zum treffen des feindlichen fuszvolcks vorteilhaftiger, als seiner reiterey Lohenstein Arminius (1689) 1, 55ᵇ; vgl. noch u. A 2 b und das älteste zeugnis des ganzen wortgebrauches o. treffen, vb. IV C 1.
2)
eigentliche bedeutung. in den ersten jahrhunderten enthält das substantiv keinerlei angabe über grösze und wichtigkeit des jeweiligen kampfes.
a)
der meinung, das subst. sei aus dem bedürfnis gebildet, einen ausdruck für eine der grösze nach zwischen gefecht und schlacht die mitte haltende kampfhandlung zu erhalten (so Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 324 ff.), widerspricht die lexikographische überlieferung vom 16. bis ins 18. jh. nicht proelium wird, gegen Götze, durch treffen glossiert (vgl. u. g α, sp. 1659), sondern vor allem conflictus und auszerdem andere ganz allgemeine ausdrücke für ein bewaffnetes aneinandergeraten; (übrigens ist auch proelium im klassischen latein von pugna nicht durch das ausmasz des kampfes verschieden; diese scheidung scheint erst später deutscher interpretation zu entspringen, eben von der erzwungenen definition für treffen, s. u.g β, ausgehend); in zeitlicher abfolge: conflictus scharmützel, treffen, schlacht Schöpper syn. (1550) h 3ᶜ; pugna, combattimento eine schlacht, streit, treffen Hulsius (1618) 2, 315ᵃ; battaglia, fatto d'arme treffen ebda 55ᵇ; incontro das treffen oder entgegenkommen der feinde ebda 199ᵇ; conflictu durante in wehrendem treffen Comenius sprachenthür (1638) § 715; dimicatio, conflictus ein treffen Zehner nomencl. (1645) 128; in conflictu interfici im treffen umbkommen Reyher thes. (1686) 513; treffen vide schlacht Stieler 2298; treffen battaglia, fatto di armi, conflitto Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; treffen 'heisset, wenn zwo feindliche partheyen, oder gantze armeen, mit einander schlagen' Fäsch kriegslex. (1716) 256ᵃ; treffen wagen belli fortunam experiri Apinus gl. nov. (1728) 537.
b)
vielmehr bezeichnet treffen ganz unabhängig von den gröszenverhältnissen das aneinandergeraten, den zusammenprall mit dem feinde, den angriff auf den feind; oft mit noch starkem hervortreten des verbalen gehaltes (s. o. 1): diese eisenbeisser alle sangen und erzehleten einander von ihren schlachten ... von ihren gefährlichen treffen und ausreiszen Moscherosch gesichte (1650) 2, 360; inn welcher (stadt) nachmals, zwischen disen zweien kriegsherren, vil ernstlicher angriff und treffen geschahen J. B. Grass schöne historie (1570) 130ᵇ; do sie aber zu beider seitten in die nehe kamen, dasz es gleich jetz an dem treffen war, do ruckt der untrew Metius mit seinem volck auff eyn seitten, verzog und nam sich an, die seinen auch zu verordnen und eyn sonder treffen zu haben Carbach Livius 11ᵃ; wir machten ungeseumt alles zum treffen fertig, das geschütz wurde angelegt, die soldaten gewafnet Schultze ostind. reise (1676) 4ᵃ. besonders in dem ausdruck erstes treffen 'erster zusammenstosz' ist alle beziehung auf gröszenverhältnisse ausgeschlossen: zumal der graf von Solms das glücke hatte, im ersten treffen den römischen obersten Pansa zu tödten Lohenstein Arminius (1689) 1, 42ᵇ; das erste treffen geschieht unter einem dache von feuer Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 343; übertragen: der liebe gott seie gelobt, der unserem alten frommen churf. den seligen sig im ersten treffen mit den widerchristen gegeben (d. i. in den verhandlungen auf dem landtag) (1543) briefw. landgr. Philipps 2, 132 Lenz. der sinn des zusammenprallens, anprallens ist besonders deutlich beim zweikampf (s. auch u. 3): ich gewan im von meinem treffen ein solchen ranck ab, das rosz und man zur erden fielen D. Custos itineriarium (1600) d 2ᵇ; wo ... ich ihn in einem und stracks erstem treffen zu boden würffe Bastel v. d. Sohle don Kichote (1648) 22; in dem ersten treffen gerieht dem Frantzosen ein streich, dasz er Manlium einen solchen schlag gab, darvon er sich ... strauchlens nit enthalten kondt Kirchhof wendunmuth 1, 32 Österley; das treffen geschach zum offternmal wider einander buch d. liebe (1587) 351ᶜ; und dieweyl er mir tzu enbewt, es soll auff disen plan gewunnen oder verloren heissen, wil ich das orst anrennen oder treffen mit ym thon, ausz gemeltem spruch Petri Emser in Luther und Emser 2, 138 ndr. ebenfalls vom zweikampf: dann dieweil er im grösten ernst und treffen mit dem frembden gauch gewesen grillenvertreiber (1670) 142; es muͦst zuvor einer von den vettern von Frankreich mit im (dem ritter) ein treffens thun Fierrabras (1539) a 3; Reynhardt thet den tag, als er seinen bruder hinder im het, vier treffens und rannt vier seines vatters diener ... zu todt Aymont (1535) g 1ᵇ.
c)
ähnlich wird treffen ganz allgemein, ohne terminologischen charakter gebraucht, wenn vom beginn, eröffnen des kampfes, vom rüsten und aufbrechen zu einem kampf die rede ist, bis über die wende des 18. jh. hinaus:
die kinder Amon ziehen an.
wir müssen mit in ein treffen than.
ir ist ein onzal grosses heer
H. Sachs 10, 178 K.;
als beide zum treffen fertig wahren, sties man an beiden seiten in die trometen A. H. Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 24; eine vermannung zur dapfferkeit, ... welche der Lacedaemonier feldobersten ihren bürgern und soldaten, ehe sie ins treffen giengen, vorzulesen pflegten Zinkgref auserl. ged. 62 ndr.; den jungen Spartanern war es verboten, sich zu schmücken, ausgenommen wenn sie in das treffen oder in sonst eine grosze gefahr gingen Schiller 9, 151 G.;
ist zum treffen immer letzter, erster in der flucht gewesen
Logau 559 Eitner;
wann er in ein treffen komme, so wolle er nicht mehr ausreissen Schupp freund in d. not 32 ndr.;
prinz, wer zum treffen geht, der musz beherzter sprechen
Gottsched deutsche schaubühne 4, 35;
ein junger krieger, der verzagt
und zitternd sich ins treffen wagt
J. A. Ebert episteln (1789) 28;
der esel soll zum treffen blasen,
den feind mit seiner stimm erschrecken,
und unsern kriegern muth erwecken
Ramler fabellese 2, 323;
so erinnerten sie sich auch ihrer ehmaligen streitigkeiten wieder; und auf einmahl wurde wieder von allen seiten zum treffen geblasen Wieland (1794) 6, 246;
dort ruft die trompete die brausenden rosse ins treffen: sie riechen
den streit von fern, und stampfen den grund
Dusch verm. w. (1754) 4ᵃ;
der ritter wirft die schwere lanze nieder
und mit dem schwerdt kehrt er ins treffen wieder
Ariosto rasender Roland (1804) 1, 250 Gries;
ein munteres pferd ... mit dem fusz die erde schlagend, als wenn es zum treffen sollte Göthe 49, 118 W. auch vom seekampf (s. auch u. ff.): nun war auf unsern und dem admiralschiff, so bald man gewahr wurde dasz es Türcken waren, alle anstalt zum treffen gemacht J. W. Vogel ostind. reiseb. (1716) 32; wenn sich ein schif zum treffen bereitet neue schauspiele (1771) 2, 61. in militärtechnischen anwendungen bezeichnet treffen im 18. und 19. jh. die kampfhandlung im allgemeinsten sinn; den feind zwingen, sich zu stellen: den feind zum treffen zwingen Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; unterdessen manövrirte der junge, unbeugsame stratege keineswegs gleich einem, der seine retirade decken ... will, sondern er zeigte die entschiedenste absicht, den feind zu umgehen, ... ihn zum treffen zu zwingen Holtei erz. schr. 6, 17; weil diese (flotte) aber allzu favorablen wind hatte und sich also nach ihrem hafen retiriren konte, so konten sie es nicht dahin bringen, sie zu einem treffen zu nöthigen Zucchelli reisebeschr. nach Congo (1715) 588; anstatt durch verzögerung die immer bald verrauchende hitze der erstern zu brechen, liess er sich unbesonnener weise in ein treffen ein M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 87;
wenn binnen dieser zeit kein heer im feld
erschien, zahlreich genug ein treffen anzubieten
Schiller 13, 195 G.;
der ägyptische feldherr hatte auf keine weise glauben wollen, dasz die Christen gegen seine übermacht ein offenes treffen wagen würden Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1 (1823) 224; die Florentiner ... befahlen den ihrigen, sorgfältig ein treffen zu vermeiden Göthe 44, 307 W.
d)
mehr auf den kampf in seinem verlaufe als auf seine eröffnung (c) gerichtet, doch wie o. den kampf auf die allgemeinste weise bezeichnend:
sunst hat sein fan ain yeder hauff,
das niemandt an dem treffen zauff
Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 152ᵈ;
im treffen soll niemand macht haben, es sey schiffknecht oder soldat, von dem platz zu weichen, dahin er geordnet ist Decker Diurnal (1629) 38;
als die spartische mutter den sohn, entflohen dem treffen,
waffenberaubet sah, stiesz sie das schwerd ihm ins herz
Herder 26, 39 S.;
da seht die wunden hier, und hier und hier —
und ich wich doch nicht aus dem treffen
Kotzebue sämtl. dram. w. (1827) 3, 119;
der könig Guiderus ... wurde endlich in einem treffen erschlagen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 328; die Engländer opferten im ... kriege 135 000 matrosen und schiffsoldaten auf, wovon etwa 1700 im treffen oder an ihren wunden fielen Möser s. w. (1842) 2, 16; nebst dem major hilfft er das regiment in bataille stellen, bleibet bey ihm allezeit zu pferde im marsche und treffen v. Fleming soldat (1726) 176;
weil kühn voran er stets im treffen focht
Bürger 1, 164 Bohtz;
lange zeit war das treffen unentschieden Fr. v. Schlegel s. w. (1846) 4, 144; ein schiff aber war mit jenen ausgeloffen köstlich geladen und meinte unter wehrenden treffen durch unser flotte nach Portugal zu segeln Saar ostindian. kriegsdienst (1662) 134; der admiral musz sich nicht ohne ursache selbsten zu starck ins treffen wagen, denn es ist viel daran gelegen, dasz sein schiff mit ihm erhalten wird allg. haushaltlex. (1749) 1, 53ᵇ. das treffen wieder herstellen die schlachtordnung herstellen, den kampf wieder zu seinen gunsten lenken, an B erinnernd: zwar eilten ihm der zweite und dritte heerhaufe ... zu hülfe, und stellte das treffen wieder her Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 81. im treffen bleiben häufig für 'im kampfe fallen': im treffen bleiben cadere in acie Stieler 2298; in einem treffen bleiben, umkommen Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; auff diese weise ist Stuhl-Weiszenburg gewonnen, Rodis erobert, und der könig von Ungarn selbst im treffen geblieben schauplatz barbar. sclaverey (1694) 279; endlich bekam Isabella die nachricht, dasz ihr Diego schon vor fünfzehen jahren in einem unglücklichen treffen geblieben sey G. W. Rabener sämmtl. satyr. schr. (1755) 4, 107; nach der schlacht bey Leuctra, deren ausgang für Sparta so unglücklich gewesen war, giengen die mütter, deren söhne im treffen geblieben waren, ... in den tempel Thom. Abbt verm. w. 2, 8; es kam wohl die nachricht, ... dass er sich bei einem freicorps habe anwerben lassen, nachher gar, dass er in einem treffen geblieben sei Eichendorf s. w. (1864) 2, 54. ein treffen gegen jemand: dasz tapffere soldaten ein solch hartes treffen wider so mächtige könige solten antreten Prätorius blockesberges verricht. (1668) 446; auf einem zuge gegen die feinde, ... in einem treffen gegen den widerpart Thom. Abbt verm. w. 1, 28; Morrisson hat ... dem glorreichen treffen wider den la Grasse beygewohnt Lichtenberg briefe (1901) 2, 72 L.-Sch. auch im plur.: dieser ist der herzog Arminius oder Herman, welcher in unterschiedlichen treffen mich, dem der Julius Caesar einsmals im kriege obgelegen, redlich an den Römern hat gerochen Rist friedewünsch. Deutschland 17 Gödeke;
in vierzehn treffen hat dem feind vor mir gegraust,
der meinen zepter must mit siegeszeichen ziren
S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 106;
er hätte sich dafür bey mancher beschreibung von kriegsanstalten und mörderischen treffen kürzer fassen können Ulr. Hegner ges. schr. 281; es geht in unsrer gesellschaft zu, wie in den invalidenhäusern, wo die alten soldaten von nicht als von feldzügen ..., von treffen reden G. W. Rabener sämtl. w. 1, 205.
e)
häufig mit adjectiven, die die heftigkeit des schlachtgetümmels charakterisieren. schon alt blutiges treffen: also ward ein blutiges ... treffen ... beym Runenberg ... gehalten J. Micraelius altes Pommerland (1640) 2, 149; nach einem sehr harten und blutigen treffen, nunmehr zum drittenmal, auffs haubt geschlagen und erlegt Welsch reisz-beschr. (1658) 396;
manch blutig treffen wird um nichts gefochten,
weil einen sieg der junge feldherr braucht
Schiller 12, 117 G.;
ist im ganzen bäurischen krieg kein so hartes treffen gewest als um Ingolstadt G. Hauptmann Florian Geyer⁶ 197. — besonders in der dichtung des 18. und 19. jh. ist das wort in verbindung mit entsprechenden ausdrücken beliebt, um den heftigen zusammenprall der kämpfenden heere zu bezeichnen, hier also dem ausgangspunkt treffen 'zusammengelangen' wieder näher, s. auch o. b:
Drusus sah, wie unverdrossen ich an seiner seite stritt;
in dem allerschärfsten treffen folgt ich ihm auf jeden tritt
v. Schönaich Hermann (1751) 36;
Mars selbst getrauet sich nicht, sich in das fürchterliche treffen zu mischen Dusch verm. krit. u. satyr. schr. 11;
... ihr helden! was eilt ihr ins ungewitter des treffens,
wo blitze blitze bekämpfen, und stürme stürme zerschellen?
Ew. Chr. v. Kleist s. w. 1, 149 Ramler;
seid löwen in des treffens grauen;
doch schweb ein bild euch vor
von braut und schwester ...
grafen zu Stolberg ges. w. 2, 277;
darauf und dran! die schäfte splittern,
dumpf durch das treffen kracht der schusz
graf Strachwitz ged. (1850) 201;
ich schreit umher
durchs dunkle treffen, such mir tüchtgen feind
Fouqué held des nordens (1810) 1, 117;
in des stahles treffen werd ich gehen
Bettine Günderode (1840) 1, 431.
f)
zuweilen wird treffen unmittelbar neben schlacht gebraucht, ohne irgendwelche unterscheidung des ausmaszes: deshalben ward beschlossen, dasz man ein treffen thet, aber die feinde wolten keine schlacht thun G. Forberger Jovius (1570) 1, 31;
hier bringt man einen ritter aus der schlacht,
jetzt werden wir des treffens ausschlag hören
Schiller 13, 6 G.;
disz veranlaszte Broglio ... zu dem entschlusz, die alliirten zu einer schlacht zu zwingen ... das treffen aber wurde am folgenden morgen mit anbruch des tages von Broglio erneuert Archenholz gesch. d. siebenj. krieges (1790) 273; Mardonius ... verlohr ... eine entscheidende schlacht ... Pausanius ... hatte dieses treffen mit seltener kenntnis der kriegskunst geordnet J. v. Müller s. w. (1810) 1, 138; mit ... jubel gab Ferdinand seinem bruder von ... der schlacht bei Cappel nachricht ... als hierauf aber auch die nachricht von dem zweiten glücklichen treffen einlief Ranke 3, 263; wie viel man nämlich städte gewonnen, was vor grosse schlachten oder treffen geschehen, wie viel völker in denselben geblieben Rist friedewünsch. Teutschland 61 Gödeke; auch ware alle anstalt gemacht zu einer schlacht und blutigen treffen Abr. a s. Clara gemisch gemasch (1704) 451;
treffen und blutige schlachten und niederlagen und morde
Voss Odyssee 214 Bernays.
g)
treffen als 'kampfhandlung geringeren ausmaszes' gegenüber anderen ausdrücken unterschieden.
α)
seit dem 17. jh. zeigen sich vielleicht spuren spezieller anwendung auf eine kleinere kampfhandlung: sie (die Hessen) wagen sich nicht leicht in von ungefehr sich zugetragenen scharmützeln und treffen Prätorius ber. v. katzenveite (1665) a 7ᵇ; es wird, sprach ich, ein duell zu pferd seyn? ja, antwortete er, wie es die wahlen nenen, auff teutsch aber ein kampff. dann was von vielen geschicht, das sind treffen, scharmützel und schlachten Moscherosch gesichte (1650) 272. aus dem zusammenhang scheint zuweilen hervorzugehen, dasz das treffen nur eine teilweise kriegsentscheidung herbeiführt, also nur geringeren ausmaszes ist: und were die sache nicht mit einem oder zwey treffen aussgerichtet, sondern wer es mit gedachtem feinde anfangen wolte, müste es durch einen langwierigen krieg mit ihm aussfechten v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 19; es wäre ein grosser unterschied in einem treffen meister seyn, und den feind überwinden Lohenstein Arminius (1689) 2, 1005ᵃ; sind alle pläne mit einem verlornen treffen untergegangen? Körner w. 3, 260 Hempel; der erstarkenden macht des königs Philipp halt gebieten zu können, der selbst wenn man ihm ein treffen abgewönne, mit doppelter macht zurückgekehrt wäre Droysen Alexander (1880) 23; lieber hätte der weise sein volk zuerst durch kleine treffen geübt A. v. Haller Alfred (1773) 16; es wäre unvorsichtig gewesen, den erfolg eines unternehmens, das schon gewagt genug war, dem ungewissen glück eines treffens zu überlassen Schiller 2, 128 G.; so begannen denn treffen auf treffen, zunächst darauf gerichtet, lebensmittel und munition nach Breisach hineinzuwerfen. endlich kams auch zu einer vollen schlacht. bei Mittenweiler wurde sie geschlagen H. Laube ges. schr. 15, 453. — unsicher bleibt auch, ob immer eine teilentscheidung, eine kleinere schlacht gemeint ist, wenn treffen durch eine ortsangabe bestimmt ist (vgl. Götzes interpretation von Grimmelshausen, zs. f. deutsche wortf. 8, 325): wie heroisch sich Springinsfeld im Nördlinger treffen gehalten Grimmelshausen 3, 7 Keller; nach dem unseligen treffen bey Moschaz hat sie Solimannus ... erobert S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 65; der wilde mann, der so gern ... von dem lustigen treffen bey Roszbach sprach Nicolai Seb. Nothanker 1 (1773) 36; freytag um 9 uhr früh das treffen zwischen Saalfeld und Rudolstadt Göthe III 3, 173 W.; nachdem erst die nachricht von dem gewonnenen treffen bei Raffia eingelaufen war, meinte alles, in wenig tagen würde der krieg zu ende seyn J. v. Voss gesch. m. milit. laufb. (1808) 302; die folgen des treffens bei Kyme Mommsen röm. gesch. 1, 298; den kaiserlichen aufs neue an macht überlegen, bietet ihnen Banner bey Saalfeld ein treffen an Schiller 8, 387 G.; acht tage drauf war das heisse treffen bey Prag ebda 2, 69. die ganz vereinzelt in wörterbüchern vorkommende entsprechung von treffen und proelium (s. o. 2 a) weist dagegen nicht auf die bedeutung eines nur kleineren kampfes hin: praelium equestre treffen der reuter Frischlin nom. (1591) 472; ad proelium eductae copiae wenn das heer zum treffen auszgeführet ist Comenius sprachenthür (1643) 278; kleines, geringes treffen praelium tumultuarium Stieler 2298; praelium, pugna, conflictus eine feldschlacht, treffen Pomey (1720) 240.
β)
seit der mitte des 18. jh. unternehmen die synonymiken eine genaue begriffsscheidung zwischen treffen und schlacht, die vielleicht in einigen der oben (α) angeführten literarischen zeugnisse ihren niederschlag gefunden hat, im allgemeinen aber auf die theorie beschränkt scheint: treffen, combat, ist, wenn zwo feindliche armeen ganz oder zum theil auf einander stoszen und ihr heil versuchen ... unvermuthete zufälle und vielfältige absichten geben oft den im kriege gegeneinander begriffenen theilen anlasz zu blutigen treffen Eggers kriegslex. (1757) 1161ᵃ; die schlacht ist allgemeiner, und wird von dem ganzen versammleten heere geliefert: wenn nur ein teil desselben zum schlagen kommt, so nennet man es ein treffen. zu einer schlacht kann man sich gemeiniglich vorbereiten: zu einem treffen wird man bisweilen ganz unvermutet gebracht. die schlacht ist auch mehrensteils entscheidender als ein treffen Stosch versuch richt. best. (1780) 2, 60; ähnlich Eberhard vers. allgem. synonymik (1802) 6, 46; treffen. man unterscheidet es von einer schlacht, ... da nicht beyde heere in einer förmlichen schlachtordnung gegen einander gestanden, und sich recht vorbedächtlich zu einem gefechte geschickt gemacht haben, ... dabey auch nichts ganz entscheidendes gewonnen; ... man pfleget dergleichen treffen, zum unterschiede einer schlacht und eines kleinen scharmützels, öfters auch eine affäre zu nennen Jacobsson technol. wb. 4, 428ᵇ; treffen unterscheidet sich von schlacht dadurch, dasz es zwischen groszen teilen der feindlichen heere vorfällt, gefecht dadurch, wenn es zwischen kleinen teilen der heere vorfällt Campe 4 (1810) 148ᵇ; treffen ein bedeutenderes gefecht als die scharmützel in kriegen, aber nicht so wichtig als schlachten Hübner zeitungs- u. conversationslex. (1828) 616ᵃ. zu den etwas abweichenden speculationen Adelungs vgl. Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 326.
h)
ganz vereinzelt wird treffen ausdrücklich als gröszere kampfhandlung gegen kleinere, z. b. das gefecht (s. schon o. g β) abgegrenzt: bey kleinen scharmützeln etwas wagen und in einem ernstlichen treffen davon fliehen Lessing 5, 294 L.-M.; zwischen den gefechten an der Etsch und dem entscheidenden treffen Mommsen röm. gesch. 2, 186; brachte den krieg so schnell zu ende, dass Timocrates keine gelegenheit bekam, durch ein entscheidendes treffen ... ehre einzulegen Wieland Agathon (1766) 2, 211.
3)
verbalverbindungen mit dem sinne des stattfindens und ausführens einer schlacht sind charakteristisch. ein treffen geschieht: auf samstag nach sant Marx tag ... geschach ein ritterlich treffen hinder Bergtzabern städtechron. 4, 322; wie auch ein hart treffen, nicht weit von der Trawen, ... geschehen ist A. Angelus holst. chron. (1597) 1, 14; als nun ... mit den Gothen ein starckes treffen geschah, behielt Aurelianus das feld H. Megiser ann. Carinthiae (1612) 215;
die erde, darauff jetzt das treffen gleich geschiehet,
von rothem blute man gantz ubermahlet siehet
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) s 1ᵃ;
da geschahe unterdessen zwischen könig Ludwigen in Frankreich ... und Liviano ... ein sehr blutiges treffen
Brandis tirol. adlers immergr. ehrenkräntzel (1678) 185.
— ein treffen mit jem. tun, vgl. o. mit jem. treffen (sp. 1650): thut ein glückselig treffen mit den entgegenkommenden Sarazenen Seb. Franck chron. Germ. (1538) 139; hat er ... mit den feinden ein treffen gethon Xylander Polybius (1574) 6;
und in deme beyde heer nun
mit einander ein treffen thun:
da wird des volks gar viel erschlagen
W. Spangenberg ausgew. dicht. 132 Martin;
confligere cum hoste mit dem feinde ein treffen thun nomencl. lat.-germ. in usum schol (1634) 542; es wird mancher potentat gelobt, dasz er ein treffen gethan, und seinem feind obgesiegt Lehman flor. polit. (1662) 1, 470; haben wir ... ein gesellenstechen gehabt. und ... haben unser swager und wir das erst treffen miteinander gethan und wir in herabgestochen (1481) Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 239; und bald darauff die vier Berner, darunter der könig selbst gewesen, mit einem ieden, so wider sie auffgezogen, fünf treffen gethan Kirchhof wendunmuth 2, 82 Österley. ein treffen halten: als wenn man das gehalten treffen vor augen sehe reisbuch d. heil. landes (1584) 49; gleichwol ist es keinem novellenverkauffer gewehret, wenn ihm eine ... relation von einem gehaltenen treffen ... zu handen kommen, ... es ... drucken zu lassen Stieler zeitungs lust u. nutz (1697) 106; ein treffen halten, far una battaglia Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; ein treffen halten acie confligere Frisch teutsch-lat. (1740) 2, 383. ganz jung ein treffen liefern: graf Ludwig von Nassau hatte dem grafen von Arenberg bei dem kloster Heiligerlee in Gröningen ein treffen geliefert Schiller 9, 21 G.; lieferten die Karthager und Numider sich ein groszes treffen Mommsen röm. gesch. 2, 24; am 8. märz lieferte er das siegreiche treffen von Veile v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 3. vereinzelt treffen stellen 'sich zur schlacht stellen':
rüst dich allenthalben darzu,
das du morgen vor tag ganz fru
seist mit deinem volk in dem halt.
so will ich mich lan sehen bald.
und als ich wolt treffen stellen
Teurdank 227 Gödeke.
4)
im sinne des feindlichen zusammenstoszes und kampfes wird treffen aus dem militärischen in allgemeinere und weitere bereiche übertragen: den spruch Pauli, das der buchstab toedt, und der geist lebendig mach, wolchen ich doch nicht ym treffen, sonder ym vortrab wider dich verordnet hab Emser in Luther und Emser 2, 132 ndr.; dasz man die von dem wein verwundte vielmahls als todkrancke besuchen musz. in dergleichen treffen muss ich mich wider meinen willen auch gebrauchen lassen und zu weilen an der spitze stehen Harsdörfer d. teutsche secret. (1656) 1, 319; welche sich seit acht jahren hero in diesen drey haupttreffen, 1. jhren eigenen könig zu bestehlen, 2. das unschuldige land auszzusaugen, 3. jungfrawen zu nothzüchtigen, riterlichen verhalten Moscherosch gesichte (1642) 1, 423;
das treffen war sehr grosz. dan ihrer augen blick
nicht nur wie pfeil und plitz, sondern wie grosse stück
zerschmetterten mein hertz, vorhin voll tausend wunden
Weckherlin gedichte 1, 472 lit. ver.;
wir wollen uns auch so wappnen und ... auf unsere liebste losgehen ... wir tragen daher keinen zweifel, das wir oben und sie unten zu liegen kommen wird, wie süsz wird alsdann unser treffen seyn ganze ästhetik in e. nuhs (1754) 174; womit also die bisher unter der aschen glimmende, und je länger je mehr zunehmende diffidentz in eine offenbare hostilität und hartes treffen zugleich ausgeschlagen v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 164; weytter wollen wyr noch eyn treffen mit yhn thun, das wyr sehen, wie gantz vorwyrrett, bodenloss ding das geystlich wessen ist Luther 10, 1, 1, 700 W.; musz mich demnach vor ihnen (den weibern) in keller verkrichen, aber da ich jetzt gleich die treppe hinunter schleiche, erinnere ich mich noch eines streichs, der mich wieder behertzt macht, mit ihnen noch ein klein treffen zu wagen J. G. Schmidt rockenphil. (1706) 1, 40; als der schildbürger mit dem fremden kukuk im hitzigsten treffen lag, nahm ein wolf, der gar nicht patrotisch gesinnt war, die gute gelegenheit in acht, und frasz das pferd des müllers auf Tieck schr. (1828) 9, 76;
wie den könig im schach die stolze gemahlin beherrschet,
listig auf unternehmungen sinnt, und ins treffen sich waget;
Zachariä poet. schr. 1, 325;
den thurm, der mehr stärke hat, als gewandtheit, darf man anfangs nicht ins treffen bringen, wo er von den laufern, springern und bauern leicht genommen, oder eingeschlossen werden könnte Heinse s. w. 6, 396 Schüdd.; dasz ich unsere emigration von 1848 und 49 auf vaterländischem boden wieder in die täglichen treffen der publicistik einreihen würde Gutzkow ges. w. 10, 347; doch erst rücke mit deiner zweiten auflage (punsch) ins treffen Holtei erz. schr. 13, 140; etwas ins treffen führen s. u. 6. in jüngster zeit von sportlichen wettkämpfen. nachdem das wort in seinem militärischen sinn (o. 2) nicht mehr vorkommt, ist dieses sein einziger eigentlicher anwendungsbereich in der modernen umgangssprache geworden: das schlachtenglück, das uns bisher in den Davispokalkämpfen so treu zur seite stand, ... stand nicht das treffen zwischen Henkel und Budge mehrmals auf des messers schneide? deutsche allgem. zeitung v. 26. 7. 1935; die bilanz nach insgesamt 120 länderkämpfen (im fuszball) weist 53 siege gegen 45 niederlagen auf, während 22 treffen unentschieden endeten ebda am 18. 9. 1935; vgl. auch: nun entstand eine art von hitzigem treffen zwischen den spielern Vieth encyclop. d. leibesüb. 1, 75.
5)
zu am reichsten ausgebildeten übertragungen gelangen verbalverbindungen, die bezeichnen, dasz ein kampf oder eine entscheidung bevorsteht.
a)
es ist am treffen der kampf steht unmittelbar bevor: und da es schier an dem treffen was, kam ein solch ungewitter und regen mit stein vermischt, das beid theil abziehen und mit not in ir wagenburg getriben wurden Carbach Livius 142ᵇ; und da es am treffen war, schickten wir und unsere haubtleuth zu marggraf Casimirus, ihro fürstliche gnaden solten uns nachrücken Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 20 Bieling. übertragen 'es ist gerade soweit, vor der entscheidung': nun ists aber erst jetzunden am treffen, das nemlich der reformation halber mit der landtschaft solle beschlossen werden (1543) briefw. landgr. Philipps 2, 153 Lenz; 'wenn es ernst wird': wann es eben an dem treffen sein wurdet, werden sie zucken Christoph v. Württemberg briefe 2, 113 Ernst. es gilt treffens, zum treffen: da es nu gelten solt zum treffen, und die feinde sich vorsamlet und ire ordnung gemacht 2. Marc. 15, 20;
in warheit wenn es treffens gilt,
so siht man nit auf helm und schild,
sondern auf den, der mit dem schwert
sich in der schlacht fein manlich wert
Ringwaldt lauter wahrheit 526 nat. lit.
übertragen 'wenn es ernst wird': nicht allein beschützt und beschirmpt mich mein lieber gott am tage des bösen, das ist, wenn es treffens gilt, sondern schaffet mir auch den sieg, dasz ich hoch her reite, und meine feind unter mich trete Witzel annotaten der psalmen (1552) 94ᵇ; im sinne von 'ernst, entscheidung': heyst aber das christlich dem volck ratten vnd recht leren, nur auff vil wort pochen, die sach auff vortzug richten, auff den plan vmherschweyffen, vnd nit zum treffen gedencken, damit das arm volck auffhalten und das maull vorgebens auffsperren? Luther überchristl. buch Bocks Emsers 119 ndr. wie b und c: so ersuchen wir die gehorsamen fürsten und stände gnädigst, ... do es je zum rechten ernst und treffen gelangen solte, uns ... beyzuspringen nicht unterlassen wolten verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 262 Palm.
b)
es geht zum, an ein treffen 'kommt zum kampf', meist alt (vgl. schon treffen, vb., IV C 1): diss zeichen alweg für alle ordnung und glid gestelt ward, ... wo es ans treffen gieng C. Hedio chron. Germ. (1530) 107ᵇ; das er (der landsknecht) einen mut und hertz habe, wenn es an ein treffen gehen sol Pape bettel- u. garteteuffel (1586) n 7;
wenn es jetzt wird zum treffen gan,
auf dich (gott) allein ich baue
P. Heusler bei N. Selneccer christl. psalmen (1587) 49;
die übrigen (soldaten) fielen auch heraus, und gieng an ein hart treffen Olearius orient. reisebeschr. (1696) 72. ins allgemeinere gewandt: als man leut findet, wenn die in ainen streit faren, so stellen sy sich vast künlich, aber wenn es an das treffen geet, so nemen sy die flucht Keisersberg has im pfeffer (1510) A a 8ᵃ; was solten diese tun, wann es zuͦm treffen gehet und mit der schärpf zuͦ fechten ist Seb. Franck moriae 42 Götzinger; ein andrer hingegen, der weder gott noch himmel und hölle glaubt und sich zu hause als der ärgste eisenfresser aufführet, erzeiget sich gar öffters, wenn es zum treffen geht, als ein elender poltron v. Fleming soldat (1726) 11; vom gerichtlichen streit: conflictio causarum der underhaspel in den rechtshendlen oder der gspan oder gfätz da es an ein träffen gadt Frisius dict. (1556) 293ᵇ. — ähnlich das treffen geht an:
das treffen zumal hart angieng,
das mancher feind den tod empfieng
Tewrdank 194 Gödeke;
und wann dann geht das treffen an,
so felt ein büchs gar manchen man
J. H. Grob lobspruch der schützen 260.
anders:
was ist das für ein feind, der seinem feinde fleht?
ist einer so gesinnt, wenn er zum treffen geht,
so bleib er lieber da!
P. Fleming deutsche ged. 1, 112 lit. ver.
übertragen 'wenn es ernst wird, wenn es darauf ankommt': und da es an ein treffen gieng für dem bischoff zu Trier, und sollte nu doktor Rotzleffel seine kunst beweisen Luther (Jena 1561) 6, 30ᵇ; im synne hats mancher, er wolle gross ding thun, aber es felet darnach weyt wens zur that kompt und zum treffen gehen sol J. Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) d 4ᵇ;
aber wie es zum treffen gieng,
vom rath zur that endlich anfieng,
da wolt es niemand ins werck stellen,
der katzen anhengen die schellen
Rollenhagen froschmeuseler (1595) r 7ᵇ;
sie hatten wol eynen glauben, aber wenns ans treffen gieng, liessen sie den faren und hielten nicht
Luther 10, 3, 421 W.;
nun aber so es an ein treffen geht und an ein ernst, darinnen der leib soll entlediget werden
Paracelsus op. 2, 141 Huser;
wenn es zum treffen geht, dasz du must alles lassen,
und alles dich verläszt, was deine augen sehn,
so will dich dieser herr in seine augen fassen
und wider alle feind auf deiner seiten stehn
M. Franck bei Fischer-Tümpel d. deutsche kirchenl. 4, 232;
kein falscher freund nimmer besteht
in noth, wenns an ein treffen geht
B. Waldis Esopus 1, 248 Kurz;
er het ir die ehr genommen und ir verheyssen, er wolt sie zu der ehe nemen, aber yetzundt, da es an ein treffen gieng, so wolt er sie nicht haben M. Lindener rastbüchl. 35 lit. ver.; die philosophi wolten für weise leute gehalten seyn, aber wann es zum treffen gieng, waren sie grosse narren J. B. Schupp schr. (1663) 811;
er wars, der säumend manchen tag verlor,
so sehr ihn autor und acteur beschwor;
und dann zuletzt, wenn es zum treffen ging,
des stückes glück an schwache fäden hing
Göthe 16, 135 W.;
wenns aber an a treffe goht, derno hanget se hindersche G. F. Wagner schulmeister zu Blindheim (1888) 34.
c)
im gleichen sinn es kommt zum treffen, bis in die neuzeit erhalten. im eigentlichen militärischen sinn: woselbst es zu einem ziemlichen starcken treffen kam v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 44; endlich ist es auch zu einem blutigen treffen kommen Abr. a. s. Clara weinkeller (1710) 162; hier kam es zu einem treffen, wo die heroen einen vollständigen sieg erhielten Wieland Lucian v. Samosata 4, 205; kam es zu einem sehr ernsthaften treffen Mommsen röm. gesch. 2, 5; ins allgemeinere gewandt: da Marcus Crassus gegen die Parther in unglücklicher zeit in den streit zog, und es nun zum treffen kommen solte, ... kamen zweene lebendige adler Prätorius glückstopf (1669) 311; und wunder freudig müssen sie (die narren) sein mit dem mundt, aber wann es zum treffen und schlagen kompt, sollen sie sich waidlich wöhren mit den füssen Albertinus zeitkürtzer (1603) 56ᵇ; ein eselmann ... so gemeiniglich, wann es zum treffen kommen thet, den hasenpfad inritt Zinkgref teutscher nation weish. (1653) 3, 51. wenn es zum treffen kommt 'wenn es ernst wird, wenn es zur entscheidung kommt, am ende', schon älter bezeugt als die eigentliche anwendung: wenn es nun zum treffen kumpt, das der todt her dringt Luther 12, 415 W.; darbey der Satan seine gelegenheit auch in acht nimmet, sonderlich wann es zum letzten treffen kompt Joh. Saubert Currus Simeonis (1627) 587; ich mercke nicht, das die grossen heiligen, da es zum rechten treffen kompt, die krafft des freien willens rümen Luther 18, 644 W.; die welt verspricht viel, wenns aber zum treffen kömpt, ist niemand daheim ebda 32, 192; si sagen erst: ich bin dein ganz und gar; aber, wenn es zum treffen kömt, da ist niemand zu hause Butschky hochd. kanzelei (1659) 355;
und wenns zum treffen kommt, so ist kein wörtgen wahr
Stoppe Parnass (1735) 181;
und ehe Christus antwort, so ist Petrus fertig, wie es aber zum treffen und bekennen kompt, da lesset er sich ein arme magd schrecken Mathesius Sarepta (1571) 94ᵇ; einander der pralet von seinen künsten und von seinen streichen, aber wenn es zum treffen und zur that kommet, so ist niemand zu hause Reinicke fuchs (1650) 352;
der künste muss durch sie (die frauen) offt hertz und muth
wenn es zum treffen kömmt verliehren,
Lohenstein Agrippina (1685) 36;
so leset ihr schriftgelehrten, ihr bachanten, die heilige schrift, und rühmet grosze kunst; wenns aber zum treffen kompt, so verstehet ihr garnichts Luther 6, 20 Erlangen; wenns zum treffen kompt, so verlassen braut und hochzeiter alle freund, und suchen ihre freud allein Lehman flor. polit. (1662) 1, 161; wann es zum treffen kömt, quando si vienne all effetto, alla pratica Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; ich hatt mers su schmuck eigefadelt, nu dos zum traffa kimmt, wehs ich mich weder uffs hingerste, noch uffs vörderste ze besinn Stoppe Parnass (1735) 507; die (erzstufen waren) alle nicht von geringer, sondern fast solcher erstaunlicher grösze, so dasz wir zu zweifeln begunten, ob es auch würde möglich seyn, dieselben in die boote zu bringen, allein es gieng durch saure bemühung endlich, da es zum treffen kam, doch an Schnabel insel felsenburg (1746) 4, 404; sei auszer sorgen, dasz ich dich, wenn es zum treffen kommen sollte, mit meinen (literarischen) beiträgen stecken lassen werde Schiller br. 6, 427 Jonas; wenns zum treffen kommt Spiess henneberg. id. 258. vereinzelt jemand kommt zum treffen, übertragen und eigentlich: mancher ist kühn, ehe er zum treffen kompt, wenns aber dahin gelangt, so läst man sich wol ein weib erschrecken, wie st. Peter Lehman flor. polit. (1662) 1, 481 (vgl. aber o. Mathesius); die preuszische armee, die wirklich zum treffen kam, war 68 000 und die österreichische 76 000 mann stark Archenholz gesch. d. siebenj. kr. (1790) 36; kommen aber die schulfüchse und pedanten zum treffen (gegeneinander), so solte man sagen, die mauren der statt Hiericho würden zum erstenmale gefallen seyn Lindenborn Diogenes (1742) 2, 4; das wir nu auch zum treffen komen, nemen wir fur uns den spruch Christi Luther 23, 86 W.
6)
etwas ins treffen führen, meist gegen etwas, erst in junger zeit und, anders wie 5, nur im übertragenen sinne bezeugt: oh dasz ich durch die ganze natur das horn des aufruhrs blasen könnte, luft, erde und meer wider das hyänengezücht ins treffen zu führen! Schiller 2, 47 G.; jetzt ist keine zeit zu verlieren, wenn nicht noch mehrere eichen stürzen sollen ... alle einwohner will ich aufbiethen, und sie selbst gegen diese tiegerbrut ins treffen führen Meisl theatr. quodlibet (1820) 4, 146; hatte er einst als promovirender doctor utriusque juris gerade die schwierigsten sätze der altrömischen lehre von der väterlichen gewalt ins treffen geführt und gegen alle scheinangriffe der scharlachroten togaträger den doctorhut siegreich erobert Redwitz Hermann Stark (1879) 1, 22; sie führte ihr ganzes weibliches rüstzeug ... in das treffen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 361; er hatte furchtbares gelitten seit gestern. die ganze nacht hatte er sich gegen sich selber ins treffen geführt, diese beweise, die er nicht hatte H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 129.
B.
das aus mehreren hinter einander stehenden reihen zusammengesetzte glied einer heeresformation, besonders wenn im gefecht die lineartaktik angewandt wird. aus A entwickelt; aus 'gefecht in lineartaktik, in geschlossener aufstellung der reihen hintereinander' entwickelte sich die bedeutung 'im gefecht stehende linie, glied, gefechtseinheit'; vgl. auch Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 327. für den übergang des verbalen 'kampf' in das locale 'kämpfendes glied' sind wendungen wie im treffen sein, aus dem treffen eilen (o. A 2 d) bedeutsam; wahrscheinlich hat das lat. acies 'schlachtlinie; feldschlacht' als vorbild mitgewirkt, vgl.: treffen praelium, acies, pugna. sich aus dem treffen machen acie excedere; ein treffen mit dem feinde halten acie confligere cum hoste Steinbach (1734) 2, 863; treffen, schlacht acies, praelium J. R. Fäsch kriegslex. (1735) 923ᵃ. den übergang charakterisieren auch: nun stürzte das ganze treffen der Preuszen auf die Österreicher, die sich in groszer unordnung befanden Archenholz gesch. d. siebenj. kr. (1790) 38; vielleicht schon weit früher: wenn der soldat an der spitze des treffens stehet J. B. Schupp schr. (1663) 850; dagegen bedeutet vordertreffen Aymon (1535) n 4ᵃ nicht 'vordere linie' (teil 12, 2, 975) sondern 'erstes zusammengeraten mit dem feind', also wie A. die neue bedeutung ist seit anfang des 18. jh. eindeutig bezeugt, heute mit dem abkommen der lineartaktik nicht mehr lebendig: colonne ist ein zug, linie oder treffen einer armee, wenn sie an den feind marchiret. es heisset auch der reihen oder zug, wenn die armee hinter einander marchiert J. B. Fäsch kriegslex. (1726) 60; ligne de l'armee linie oder das treffen ebda 145; man braucht auch das wort treffen von der stellung der soldaten in einer schlachtordnung, man sagt: das erste und das zweite, oder das vorderste und das hinterste treffen Stosch versuch richt. bestimmung (1780) 2, 61; sie zogen sich zu den zwey treffen, die sie bey dem gerät gelassen, zurück Heilmann gesch. d. peloponn. kriegs (1760) 274; aber hinter den reutern stund ein treffen zu fusz A. v. Haller Usong (1771) 82; und von den ehrliebenden ... siehst du es doch auch, dasz wenn sie nicht können das heer anführen, nehmen sie mit einem treffen vorlieb Schleiermacher Platons werke 6, 306;
wer weisz, was hinterm treffen dir Hannibal
für listen stellte?
Herder 27, 147 S.
eine aufstellung, besonders in der schlacht, besteht in der regel aus drei gliedern, daher erstes, zweites, drittes, vorderes, mittleres, hinteres treffen: das mittlere treffen bestunde auss einigen herzensfreunden Lindenborn Diogenes (1742) 1, 764; ich hatte auch das glück, schon nach kurzem ritt auf die linien der hauptarmee zu stoszen, die in dem vielfach bewaldeten gelände ... vorwärts gingen, und zwar in zwei treffen und einer reserve, die ebenfalls in linie vorrückte, aufmarschirt Scheibert mit schwert u. feder (1902) 86; als wir aber vollends in die plaine hinunterkamen und zur grossen armee stiessen, rückten wir in drey treffen weiter vor U. Bräker s. schr. 1 (1789) 151; meine aufforderung, so rasch als möglich ein zweites und drittes treffen vorrücken zu lassen fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 208. die ganze division stand in mehreren treffen aufgestellt, alles blitzblank zur besichtigung durch den kommandierenden general Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 347; allgemeine grundsätze über das manövrieren mit mehreren in einem oder zwei treffen vereinigten bataillonen exercier-reglement f. d. badische infant. (1831) 3, 1; wie auf verabredung hatten sich die leute um die drei männer ... in treffen geschart v. Ebner- Eschenbach ges. schr. 2, 127. meistens in der gefechtshandlung: ein erstes treffen ist durchritten, die geschützlinie durchbrochen, bedienungsmannschaften und bespannung werden niedergehauen Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 40; eben das thaten die triarii bey den Römern. solange die fordern treffen stritten und standen, lagen sie auf ihrem rechten knie ... und deckten sich mit den schildern Lessing 10, 352 L.-M.;
entscheiden (sollt) ihr der ganzen schlacht gestalt!
ich weiche scheinbar mit dem ersten treffen,
zieh weichend immer weiter rückwärts
Fouqué altsächs. bildersaal 1, 175;
heute nachmittag 4 uhr rückten wir hier ein, und gegen 5 uhr brachte ein courier uns die ordre, augenblicklich aufzubrechen, und ins erste treffen zu rücken (1806) brief e. preusz. officiers in deutsche rundschau 33, 1, 65; im ersten treffen steht der edle — wann weicht er der tapfre? Fr. M. Klinger neues theater 1, 81;
als Alexandros, der schöne, den Menelaos erblickte,
schimmernd im vordersten treffen, da klopfte sein herz geschwinder
grafen zu Stolberg ges. w. 11, 91.
das zweite treffen im sinne der gefechtsreserve: bis die divisionen zweiten treffens ... herankommen Hindenburg a. m. leben (1920) 349; die ... dicht hinter ihnen unter dem wirbel der trommel vorbeimarschierende lange front des zweiten treffens Rud. Stratz dienst (1895) 97; die weiber bilden unbewaffnet ein zweites treffen Chamisso (1836) 2, 233; abstracter bei der einteilung der wehrpflichtigen: indem man ... den mittelstand, die eigentliche linieninfanterie ..., nach dem dienstalter in die drei treffen der hastaten, principes und triarier ordnete Mommsen röm. gesch. 2, 192/3. im zusammenhang ausgedehnterer operationen von den verschiedenen heeresteilen: nunmehr ist das zweite treffen näher an Marienborn herangezogen. des herzogs regiment steht rechts Marienborn Göthe IV 10, 68 W.; das erste treffen stand mit dem rechten flügel an Reichstädt allg. deutsche bibliothek 37/52 anh. 945. die einander gegenüberstehenden feindlichen linien: immer näher rückten einander die beiden treffen Fouqué zauberring (1812) 2, 64; Mietz und Tieck waren zwischen zwei feindliche treffen gezwängt und ergaben sich Holtei erz. schr. 24, 162;
bei den rüstigen schiffen begann die wütende feldschlacht,
und von treffen zu treffen entschwirrten die ehernen lanzen
Voss Odyssee 152 Bernays.
selten in übertragungen: es war keine andachtsübung, kein in drey treffen getheilter angriff an die verstockten sünder, ... auch war es keine kalte heidnische sittenlehre H. P. Sturz schr. (1779) 2, 332; die hauptarmee rückt langsam vor, und das erste treffen ist meine neue hypothese über die evangelisten Lessing 18, 265 L.-M.; weil sie bei allen neuen aufführungen sorglich ins zweite treffen oder auf plätze geschoben wurde, die sie nicht ausfüllte, so sagten die leute ...: die Holtei hat sich in Darmstadt verschlechtert Holtei 40 jahre 5 (1845) 223; an die kluge geschicklichkeit der andern (kammerdiener) kommt dann (beim kontrollieren) auch die reihe im dritten treffen Görres ges. briefe 1, 131.
C.
composita.
1)
zu 'schlacht' (A), im 19. jh., meist poetisch. treffenbeschreibung, f., schlachtschilderung: noch musz ich bemerken, dasz die treffenbeschreibungen immer dunkler werden A. H. v. Bülow d. feldzug von 1800 (1801) 157. —
treffenerfahren adj.
kampferfahren:
und fand Peteus sohn, den rossetummler Menestheus,
stehn, umringt von der schaar der treffenerfahrnen Athener
Bürger 216ᵇ Bohtz;
ach er ward durch die hände des schnellen Achilleus getödtet
im Skamander, ihm raubte sein gold der treffen-erfahrne
grafen zu Stolberg ges. w. 11, 88.
treffengedränge n.
schlachtgetümmel:
so flutete jetzt, den mächtigen Belel
hoch an der spitze, die heerschaar mitten ins treffengedräng ein
F. v. Sonnenberg Donatoa (1807) 2, 1, 96.
treffenkunst f.
heerfahrtkunst (strategie) waltet vor, treffenkunst (taktik) leitet die menge Fr. L. Jahn w. 2, 448 Euler.
treffenscheu adj.
kampfscheu:
weg war für dieses jahr
die treffenscheue räuberschaar!
v. Ayrenhoff 1, 260.
2)
zu 'linie, glied' (B), häufige bildungen der kriegswissenschaft. treffenabstand, m., zwischenraum der glieder von einander: der treffenabstand von 500 schritt wird genau beobachtet Wilhelm i. milit. schr. 1, 34. — -distanz, f., ds.: die kürassierdivision ... würde ... auf treffendistanz ... hinter dem ... ungedeckten flügel der vorderen beiden treffen aufzustellen sein ebda 1, 23. — -formation, f., aufstellung in gliedern: sie (kavalleriekörper) attackieren in ... treffenformation v. Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 607. — -front, f.: die lineartaktik ... mit ihren ... starren treffenfronten war ganz auf die freie ... ebene zugeschnitten ebda 3, 273. — -führer, m., führer eines gliedes: durch die aufmarschlinie des ersten treffens wird die direktion des zweiten bestimmt, welches der treffenführer auf die ... kürzeste art in sein treffenverhältnisz dirigirt Wilhelm i. milit. schr. 1, 12; s. auch Stenzel seemänn. wörterb. (1904) 427ᵃ. — -gliederung, f., aufstellung in linien, gliedern: die Celtiberer wurden von Scipios fussvolk dank der neuen treffengliederung ... völlig aufgerieben v. Alten hdb. f. heer u. flotte 9, 82. — -kommandant, m., 'führer eines gliedes': die bataillone des ersten treffens stehen unmittelbar unter den befehlen des commandierenden chefs, wenn dieser es nicht für zweckmäszig erachtet, auch für das erste treffen einen eigenen treffencommandanten zu ernennen exercierreglement f. d. badische infanterie (1831) 3, 10. — -linie, f., geschlossene, geordnete linie der truppen im gefecht: die taktik hebt an mit entwickelung der treffenlinie oder schlachtordnung Heinr. v. Bülow geist des neuen kriegssystems (1799) 90; ebenso 'vordere gefechtslinie': ist der angriff gelungen, so rückt sie (die artillerie) in die treffenlinie vor Wilhelm i. milit. schr. 1, 232. — -stellung, f.: die unbehilflichkeit dieser schweren schlachtmassen führte ... zu einem zerlegen der schlachtordnung in kleinere taktische körper, welche in zwei oder drei treffen standen. aber nur langsam bildete sich die treffenstellung und die planmäszige anwendung der reserven aus G. Freytag ges. w. 20, 31. — -system, n., linienweises hineinführen des heeres in die schlacht: das treffensystem in der schlacht wendete Moritz von Oranien nach dem vorbilde der alten zuerst wieder an Meyers konversationslex. (1919) 19, 686ᵇ. — -taktik, f., ds. v. Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 264. — -weise, f., gefechtstaktik: viele schriftsteller kennen dies treffen gar nicht, ... und doch war dies ein vorspiel von Leipzig, denn gegen Savelli erprobte Gustav zuerst seine treffenweise Fr. L. Jahn briefe (1913) 240 Meyer. — -weise, adv. und adj., in gliedern hintereinander: die franzosen marschirten treffenweise allg. deutsche bibliothek 9, 114; um aus dieser aufstellung treffenweise zu deployiren, erfolgt zuerst das kommando: teten vorgezogen Wilhelm i. milit. schr. 1, 12; dementsprechend bewegte sich also das heer flügelweise oder treffenweise zur schlacht M. Jähns gesch. d. wissensch. in Deutschland (1891) 21, 3, 1916; man nennt die aufstellung treffenweise, wenn die truppen nebeneinander ... stehen v. Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 653.
treffen vb.
Fundstelle: Lfg. 10 (1935), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1586, Z. 53
nur sich treffen sich tüchtig satt essen; herkunft dunkel; heute im rheinfränk., s. Crecelius oberhess. wb. 292; Kehrein herzogthum Nassau 1, 409: an dem kuche hawich mich emol orntlich getroffe Reuting Höchster ma. 45;
o wi, der gabsz genung o sat,
mer dranken en be born,
ich draf mich ewwer ordentlich,
ich dacht: hiet es net morn
H. v. Pfister chattische stammeskunde (1880) 101.
treffen n.
Fundstelle: Lfg. 10 (1935), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1666, Z. 62
versammlung, begegnung der angehörigen einer gemeinschaft, substantivierung von treffen, vb. IV, besonders A 2 c. ein junges wort, wohl erst aus der zeit der groszen kundgebungen: das grosze persönliche und geistige treffen der alten streiter und kampfgenossen, die wiedersehensfeier all jener, die schon in den zeiten der unterdrückung und verfolgung glaubensträger einer idee gewesen sind Adolf Hitler schluszrede auf dem Nürnberger parteitag 1934; meine kameraden! wenn sich heute über 20 jahre nach kriegsausbruch frontkameraden treffen, so soll ein solches treffen in erster linie unser volk daran erinnern, dasz diese männer in der ernstesten stunde der nation die beste manneskraft ihres volkes darstellten reichskriegsopferführer Oberlindober auf dem reichskriegertag in Kassel 1935; am 11. und 12. mai fand in Marburg das erste treffen des grünen korps statt nachrichtenblatt d. res.-inf.-reg. 234 juli 1935, 17; (der brief) ist gerichtet an das Lemgoer reichstreffen der auf der insel Man während des krieges internierten und lautet (in übersetzung): ... hörte von ihrem treffen und sendet allen denen, die er von der insel Man her kennt, seine besten grüsze Berliner tageblatt v. 2. 6. 1935, 1. beibl. 1ᵃ. häufiger in zusammensetzungen wie reichstreffen, landestreffen, welttreffen, kameradentreffen, frontkämpfertreffen, fliegertreffen, ehemaligentreffen. — in gleicher bedeutung älter trefftag, das sich nicht durchsetzte: der erste trefftag hat gestern in den industriefestsälen stattgefunden. diese einrichtung hat der verband deutscher waren- und kaufhäuser ins leben gerufen, um eine nähere bekanntschaft zwischen käufern und verkäufern herbeizuführen tägl. rundschau (1904) 31, 1. beil. 3, 3ᵃ.
treffen vb.
Fundstelle: Lfg. 10 (1935), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 1586, Z. 63
'berühren, erreichen, begegnen'. ahd. treffan, mhd. treffen, altsächs. in overdrepan (s.übertreffen), mnd. drepen, drapen, mnl. drepen; fries. nur in der ableitung für 'schlag' erhalten: afries. drop, nordfries. dreep, s. ¹treff; ags. drepan 'treffen, erschlagen', altnord. drepa 'mit einem körperteil gegen etwas fahren, erschlagen', altschwed. dräpa 'schlagen, erschlagen', altdän. dräpä ds.; die bed. 'erschlagen' wird für secundär gehalten, s. Hellquist etym. svensk. ordb. 103. zu dän. draebe, älter drabe, altschwed. drabba vgl. Wissmann nom. postverb. 20. — während diese auf *dhreb beruhen, beruhen got. gadraban 'aushauen', altnord. draf, ags. draef 'abfall' auf *dhrebh; dazu auch altbulgar. droblja̜, drobiti 'zerreiben, zerbrechen' und die andern slav. entsprechungen; s. Walde-Pokorny 1, 875. — aus dem deutschen entlehnt: schwed. träffa, norw. traeffe, nl. treffen; poln. trafić, tschech. trefiti, sorb. trjechić. — mundartlich im ganzen sprachgebiet: nd. drepen, drapen, hd. treffen, traffen. vb. der 4. classe: treffe; traf; trafen, älter auch troffen (s. Paul deutsche gramm. 2, 224); getroffen, älter häufig troffen. verschieden davon das part. troffen, getroffen zu ²triefen, das bisher fälschlich zu treffen gestellt wurde; die zeugnisse s. u. IV A 2 f.
bedeutung.
I.
etwas durch schlag, stosz, stich, wurf oder schusz richtig berühren.
A.
die älteste bed. des germ. (s. o.) 'schlagen', auch 'verwunden, töten' ist vielleicht auch im deutschen in den ältesten zeugnissen noch erhalten. im ahd. als entsprechung lat. wörter, die eher das schlagen selbst als das richtige erreichen des zieles durch den schlag bezeichnen: traf (hic [percussor] quanto interius vitalia condita pulsat) ahd. gl. 2, 446, 62, vgl. pulsat durahsluoc 444, 25; (rara reos iusta percellit paena securi) triphit vel haramscarot (miszhandeln) 470, 36; percussit traf 1, 690, 58 (zu Maccab. 3, 11 et percussit et occidit illum; Luther: erschlug ihn); percussis getroffen 3, 412, 14; percutit triffit 1, 40, 30 (aber GlK percutit triffit edho cazilet, 41, 30); in den glossaren des 15. und 16. jh. entspricht percutere schlagen, s. Diefenbach gloss. 425ᵃ; concussus (aether) gitrophaniu 2, 637, 43. — zweifelhafter ist, ob auch die mhd. dichtung noch spuren der alten bedeutung hat (s. u. 2):
der heiden vêlde, der furste traf,
hinderz ors stach ern af
kreuzf. Ludwigs d. fr. 2741 Hanmann; auch 3494;
daz sie (die ritter) durch daʒ gewæfen
einander beide træfen
und sich verserten under in
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 3908 Keller;
und traf den heiligen man
mit sinem phile scharf genuc
passional 456 Köpke;
die zeugnisse einiger moderner mundarten beruhen wahrscheinlich auf entwicklung: 'schlagen' Schröer beitr. z. e. wb. d. ma. d. ungr. bergl. 45; gaunerspr.: 'schlagen, prügeln' zs. f. dt. wortf. 2, 54; mit me prügele abar treffen herunter schlagen Schmeller cimbr. 178; kummt er nur z haus, den wiar i treffn durchprügeln Hügel Wiener ma. 166.
B.
die speziell deutsche bedeutung, in der treffen nicht das schlagen, stoszen u. s. w. überhaupt, sondern das auf die richtige, meist gewünschte stelle treffen bezeichnet, ist schon seit ahd. zeit bezeugt. da auf der jagd und im kampf (u. 1) mit dem 'auf die richtige stelle schlagen, schieszen u. s. w.' stillschweigend der sinn von 'verwunden, töten' verbunden ist, so erscheint der unterschied gegen das altgermanische (o. 1) nicht immer gleich grosz.charakteristisch ist, dasz treffen in den wbb. des 15. und 16. jh. als entsprechung von tangere, contingere, obtingere, pertingere, im gegensatz zu percutere, percellere, pulsare im ahd., gilt, s. u. 4 (sp. 1597).
1)
in dem concreten sinn des schädlichen verwundens oder tötens, meist im kampfe und auf der jagd.
a)
in der form jemand trifft jemanden oder etwas: inan traf mit stralu appetiit sagitta ahd. gl. 2, 760, 20;
swaz er (Ulices) mit dem swerte traf
daz fur allez enzwei
Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 4420;
wen er mit dem schwerte traf,
dem liesz er ausz das rote saff
Heinr. v. Neustadt Apollonius 9413;
im neben hinrennen vermeinet der riesz yn mit seiner stangen zu treffen Amadis 126 Keller; siben hundert man ... warend ... auserläsen, die ... kundtend mit der schlingen ein haar treffen, das sy nit fältend Züricher bibel (1531) 20ᶜ;
und das si trafen alfur war
mit slingin wurfin ein har,
der ez in ze rame uf bot
R. v. Ems weltchronik 21324 Ehrismann;
sie konnten mit der schleuder ein haar treffen Dannhawer catechismusmilch 1, 51; der könig und die königin streiten, wer in einer dunkeln stube ein silbernes becken mit dem pfeil dreimal treffen könne Wilh. Grimm an Jacob br. (1881) 158;
duldet es Here doch, als Amphitryons mächtiger stiefsohn
ihre rechte brust mit dreigezacktem geschosz traf
Bürger s. w. 225 Bohtz;
meistens ohne nennung der waffe:
und do er nach dem lewen sluoc,
do entweich im der lewe dan,
und entraf den lewen noch den man
Hartman v. Aue Iwein 5062;
und hett er mich dess streichs getroffen,
do hett er mir den kopff zerspalten
H. Sachs 17, 25 K.-G.;
si schluͦg her ungewisz und traff den einen buren, daz im daz ein aug geschwalt Eulenspiegel 19 ndr.; die am besten den theil des leibes, auf den sie zielten, treffen oder einen streich aushalten konten, hatten den vortheil v. Fleming soldat (1726) 195; gehauen muszt du mir werden! ... er ... befiehlt ihr, sich herum zu drehen, damit er sie rechtschaffen treffe maler Müller 1, 146;
die tjost sô nîtlîch sich getruoc,
daz islîch ors des andern buoc
traf sô rechte krefteclich,
daz die helde beide sich
mit valle ergâben ûf den plân
Heinrich v. Freiberg Tristan 1751 Bechstein;
und in dem springen traff dess ritters pferdt den affen an seine lenden also hart, dasz der aff nider zur erden fiel buch der liebe (1587) 4ᵇ; wie die kammermädchen ohrfeigen kriegen, wie wir mit heftigen fusztritten die zufälligen theile zu treffen wissen, die sich einigermaszen vom schuldigen respekt entfernen Göthe 45, 78 W.; mit einem schlag zwei mucken (fliegen) treffen Fischer schwäb. 2, 349;
mit stecken und mit steinen warf er dem kleinen nach.
er hiete in gerne troffen
Ortnit 379 Amelung;
wurffe ... ein groszen stein auff den bescheidten narren, truffe aber denselben nit Abele künstl. unordnung (1669) 3, 115; mit einem steinchen eine bezeichnete stelle an einer mauer treffen G. Keller (1889) 1, 144. vom kegeln meist nur bildhaft: sie woltens viel besser machen, wollen eilf kegel treffen ... auf einen worff, da irer nur neune auf dem bosseleich stehen Luther 16, 359 W.; wer mit gedancken kegelt, der mag wol sechs treffen, ob schon drey aufm platz stehen Lehman floril. polit. 1 (1662) 262;
trifft mancher grobian nicht kegel, und fällt nicht gleich ein holdes ja
Günther ged. (1735) 429;
vgl.: o, bei mir trifft a verwahr nich kägel bei Karl Rother schles. sprichw. 394; der kegelplatz war schon errichtet; er prangte vor dem wirtshause, allerdings auf einer etwas geneigten ebene, was indesz nur zur folge hatte, dasz das treffen darauf um so ehrenvoller war Melchior Meyr erz. a. d. Ries 1 (1868) 309. — in der neuzeit besonders beim gebrauch von schuszwaffen:
thet nach der tauben einen schusz,
und sah gen himmel auf darmit,
jedoch kundt er sie treffen nit
Spreng Äneis (1610) 95ᵇ;
diser hat auf einmahl einen hasen, ein fisch und ein vogel geschossen, ... ist also vil solche drey in einem schusz zu treffen Abr. a s. Clara Judas 1, 44; vergeben sie mir; ich habe gefehlt. sie haben, antwortete ich, nur gar zu gut getroffen; aber den hund und nicht die wachtel v. Petrasch s. lustsp. (1765) 2, 568; ich schosz, und das vögelchen fiel herunter, ich dacht gar nicht dasz ichs treffen würde Bettine Günderode 1 (1840) 29; auszreden und fürwort der loblichen gesellschafft der büchsenschützen, wenn sie nit vil träffen, wie sich das zutragen mag Joh. Heinr. Grob in: zs. f. dtsches altert. 3, 242; thun sie ... das schieszgewehr von sich; denn sie treffen doch nichts und richten, weisz gott, noch einmal ein unglück an Immermann 1, 146 Boxb.; ein büchsenmeister ... vermasz sich, er wolle alles treffen, was ihm nur innerhalb schusses wäre W. Grimm dtsche sagen (1891) 1, 176;
du must disem kinde din, ...
einen öpffel ab synem houpt thun schieszen ...
triffst du jn aber nit desz ersten schutz
fürwar, es bringt dir wenig nutz
schweiz. schausp. des 16. jhs. 3, 27 Bächt.;
nun Tell! weil du den apfel trifst vom baume
auf hundert schritte, so wirst du deine kunst
vor mir bewähren müssen
Schiller 14, 357 G.;
man traf uns Kanneberg, viel schoss man uns auch todt,
wir schwebten offtermahls schon in der letzten noth
v. Besser schr. 1, 37 König;
ik (ein geschütz) bin geheten de drake
wat ik drepe, dat mut sik schaken
H. Ziegler geschützinschr. 15;
wie kan mich ein geschütz treffen, das in Ost- oder West-Indien losz gebrannt wird? Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 295ᵃ; hat er nicht anders vermutet, dan es wer ein wild darhinder (dem busch) verborgen, schiesset darauf hinein und triffet unwissend seine liebe frau Fischart ehzuchtbüchlin 196 Hauffen.
b)
selten mit ortsbestimmung durch präpositionen:
zuvor das feldtgeschütz ordne an ...
den feind ists ärger dann gifft,
zuvor wo man recht in sie trifft
Reutter v. Speir kriegsordn. (1598) a iᵇ;
da er gewar, dasz die pauren also ob dem geschütz entsassen, traf er (mit dem geschütz) auf der seiten in die pauren
Baumann bauernkrieg in Oberschwaben 1, 584;
... ein rauchender keil, vom sohn des Saturnus geworfen,
traf unter sie
Dusch verm. krit. u. satyr. schr. 11.
anders, f. nahestehend:
wer sich des kindes haupt zum ziele setzte,
der kann auch treffen in das herz des feindes
Schiller 14, 389 G.;
sie schlagen an, die kugel trifft ins herz,
und deine freie seele fliegt von dannen
Körner 1, 107 Hempel;
mit dem fusze schwer
trifft er an des gerüstes stützen
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 44 Schücking;
treffen auf, auch sonst in vielen bereichen des vb. häufig (s. z. b. IV A 2 e):
zuerst warf Paris aus den langen speer,
und traf auf des Atriden glatten schild
Bürger 1, 155 Bohtz;
und so trafen denn die kugeln gerade auf das grosze eisenbeschlagene thor Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 61; der stosz traf auf die höhe der linken schulter Göthe 43, 147 W.
c)
als subject steht häufig die waffe, das geschosz u. ä.: daz der phil daz zil triffit, daz inist fon siner craft nicht paradisus anime intell. 89 Strauch;
ein adlersjüngling hob die flügel
nach raub aus;
ihn traf des jägers pfeil und schnitt
der rechten schwinge sennkraft ab
Göthe 2, 74 W.;
in kleiner weil wird jn der pfeil des bittern todes treffen Ringwald handbüchlin b 7ᵇ;
ich sag dir, welchen mein geschosz
hatt troffen und berühret blosz,
derselb ist bliben zu der fahrt
Spreng Ilias (1610) 146ᵃ;
eine kugel hat dich getroffen A. v. Arnim 13, 84 Grimm;
nun endlich pfeift musketenblei
und trifft, wills gott, das bein
Göthe 1, 135 W.;
das hohle hussah tönt, die lanze hallt
und trifft das ferne wild mit sicherm morde
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 216 Schücking;
das eisen führe vom stiel und träfe seinen nächsten 5. Mos. 19, 5;
die palmen blühn aus Erichs tochter blutte,
wenn schon ihr haupt des Machmets sebel trift
Lohenstein Ibrahim sult. (1680) 1, 50;
wenn ... Tancredens schwert den baum trifft Göthe 21, 34 W.; er droht, schon sei das zweischneidige schwert erhoben, das die pfaffen treffen werde Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 6;
wenn deine hand, die alles trägt,
mich nur ein wenig trift und schlecht,
so weisz ich nicht zu bleiben
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 444ᵃ;
doch sein geschwungner arm traf ihre brust
Göthe 10, 53 W.;
zwar that er auch oft mit treffender faust
der herrlichsten thaten genug
Denis lieder Sineds 112;
die faust des nationalsozialistischen staates wird sie treffen, wer immer sie auch sein mögen proklamation des führers v. 6. 9. 1934; als ihre procession eines tages bey dem rathhause vorbeygieng, und jemand einen stein herabwarf, der den hussitischen priester traf M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 128; bis wieder ein steinchen ihn traf O. Ludwig ges. schr. 2, 332; hett der schutzgatter den gaul fornen troffen und im den halsz abgeschlagen, so hette er nit mehr sehen künnen Frey gartenges. 138 Bolte.auch die abstracten stosz, wurf, schlag u. s. w. stehen als subject:
wa hat diu helmsnuor ir stric?
des turkoyten tjost in traf alda
Wolfram v. Eschenbach Parzival 597;
uz der stat ein wurf geschach, ...
ûzen traf er daz bret
dâ gegen und sich geleinet het
dar an der tugende rîche man
kreuzfahrt Ludw. d. Frommen 7595 Hanmann;
das ist der rechte kamp, do treffen die streyche Luther 34, 1, 159 W.; den sollen tausend peitschenhiebe treffen v. Scheffel ges. w. (1907) 1, 158;
schaut die striemen! schaut die beulen,
die ihn treffen, uns zu heilen
B. Neukirch ged. (1744) 64;
meistens der schusz: ein ... schusz, der leer auszgeht und nichts trifft Guarinonius grewel d. verw. (1610) 438; der schusz ... traff ein knecht G. v. Berlichingen lebensbeschr. 16 Bieling; der schusz hat getroffen Kramer 2 (1702) 1121ᵃ;
wie wenn, vom schusse
schmerzlich in der luft getroffen,
laut der stolze adler kreischet
Müllner dram. w. 2, 12.
d)
in passivischer wendung getroffen sein u. s. w.:
dâ kâmen ûz getroffen
an der stat, dâ er was troffen,
vier trophen heilbære
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 3769 Weinhold;
der beste Griech nun ist getroffen,
und tödtlich wund von meinem pfeil
Spreng Ilias (1610) 53ᵇ;
kannst du das bild der hingemordeten,
wie sie an jenem schreckenvollen tage
von mörderhand getroffen vor dir lag,
zurück in deine seele rufen
Grillparzer (1892) 10, 59 Sauer;
ach, warum liesz das verhängnusz in meinen vatergefilden
mich nicht sinken! warum nicht meinen geist mich verhauchen
tödtlich getroffen
Schiller 1, 122 G.;
auch der brigadekommandeur general v. Döring fiel tödtlich getroffen Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 36; dornach die bilder hin und wieder, beide steinern und hultzern, zum theil abgeworffen, auch etzliche pfaffenköchinnen, wie ich bericht, mit den bildern getroffen städtechron. 27, 170; auch mag man geschutte korb setzen, ... doch hab man acht, das solche ding nit umb sich schlahen, so sy getroffen werden Dürer etl. underr. z. bef. d. stett (1527) b 2ᵇ; alles, so von feindlichen geschosz bestrichen und getroffen werden kann v. Fleming soldat (1726) 53; ich hob die getroffenen und herabfallenden vögel auf Leipziger avanturieur 1 (1756) 31; indem ich eine getroffene ente aus dem graben holen wollte Göthe 43, 257 W.;
bei diesem namen stöhnte auf Abdullah
wie ein zu tod getroffnes wildes tier
Heine 2, 279 Elster.
die redensart vom hunde, den man mit einem steine trifft, gelangt schnell zu übertragenem sinne und gehört dann eher in die gruppe II D: wenn einer mit eintzigem stein under funffzig hund würfft: so schryet und gellet allein der getroffen lötsch Riederer spiegel d. waren rhetor. (1493) m 1ᵃ;
der hund der schreit allein,
welcher getroffen wirdt
H. Sachs 6, 24 Keller;
ein getroffen hund, sagt man, bellt am ärgsten maler Müller 1, 138; das sprichwort 'der getroffene hund bellt' bewährt mal wieder seine wahrheit. und wir müssen gestehen, dasz wir dieser schimpfkanonade nichts gleichwertiges entgegenzusetzen haben Meinshausen in: nat. soz. lehrerzeitg. ausg. Groszberlin nr. 39 (1934) 455; ich habe den knüttel unter die hund geworffen, und am geschrey merck ich, welchen ich troffen habe Luther 26, 304 W.;
wurff ich dich mit eim schelmenbein,
und du woltest schnurren drab,
so weisz ich, das ich troffen hab
Murner narrenbeschw. 2, 112 ndr.;
es woll sichs keiner annehmen, der unschuldig ist, schreyet einer, so musz man dencken er sey getroffen J. B. Schupp schr. 835; wenn man nie schreyt, ist man nie troffen worden maler Müller 2, 47.
e)
ohne nennung eines objectes: ich halt aber mer darfan, das man frey beleyb (von schutzvorrichtungen), das die schützen wol treffen, oder ee ungeschossen bleyben Dürer etl. underr. z. bef. d. stett. (1527) c 2ᵇ; mit der büchse trifft er erst, wie keiner in der welt Göthe 8, 174 W.;
jezt schütze triff, und fehle nicht das ziel!
Schiller 14, 358 G.;
das burgundisch geschütz traff wol, also das arm, häupter, ... in den lüfften umbflogen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 215; rettet einen schlieszlich nur das bewusztsein, dasz keine kugel treffen kann, die nicht für einen bestimmt ist Bernh. v. d. Marwitz stirb u. werde (1931) 53;
nu trif nu traf! der stoc sich wert
Heinr. v. Meissen 125 Ettmüller;
frävelt aber ainer mit der hant und schlegt ainem nach unter das tripfstall, er dreff oder fäl, umb dieselbig hant soll er gestraft werden österreich. weisth. 2, 168;
trifft so das deutsche schwerdt?
E. M. Arndt 5, 185 R. M.;
ihrer rache tiefschneidend schwert,
und schwäng ers nicht so treffend, so schmölzen
vor seinem anzug eure haufen nicht
Mastalier ged. (1774) 71;
so ist es schon ein verdienst nach dem ziele zu werfen, wenn man gleich nicht trift v. Hippel über die ehe (1774) 218; substantiviert: das fünffte ware eine ... scheibe, in diese traf sie ... mit einem steine in den andern kreisz, also, dasz ihr kein einiges treffen miszlang Lohenstein Armin. 1 (1689) 254ᵇ; unserer sighafften lantzen treffen und widerstosz theatrum amoris (1626) 390; darum führen wilde ... das treffen mit dem pfeil ... mit einer sicherheit ... aus Schopenhauer 1, 98 Grisebach.besonders häufig in redensarten und sprichwörtern über das treffen und verfehlen des zieles:
entreffen sie niht alle zît,
si treffent aber zuo dem mâle,
swenne in got daz glücke gît,
daz in eben gêt ir strâle
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 3727 Weinhold;
wer schyessen will, der luͦg und triff
Seb. Brant narrenschiff 73 Zarncke;
ein schütz, der da gar offt musz ein auge zuthun, wann er treffen will Abr. a s. Clara etw. f. alle 1, 135; wer ein guter schütze werden will musz versuchen zu treffen! Bettine d. buch geh. d. könig 2 (1843) 398; offt schieszen trifft ein mahl Lehman flor. polit. 1 (1662) 29; nahe schiessen hilfft nit, es gilt treffen sprichw. schöne weise klugr. (1548) 85ᵇ; sicher zielen ist gut, abers treffen gilt Fischer schwäb. 2, 349; treffen ist trumpf ebda.
f)
wenn auszer dem hauptobject, das die getroffene person u. s. w. bestimmt, ein zweites object zum vb. tritt, das den ort des treffens noch näher bestimmt, so wird dieses zweite object durch präpositionen mit dem vb. verbunden; vgl. auch o. b.
α)
das hauptobject verbleibt dabei meistens im accusativ, vgl. zs. f. dtsche phil. 17, 94 ff.:
si sluoc mich uf die lende ...
si traf mich hinden uf den pürel
v. d. übeln wibe 375 Schröder;
damit ... der boltz also desto schleimiger, wann man den vogel entweders auf die flügelbög oder auf den kopff troffen hat, durchgehen möge Sebiz feldbau (1579) 612;
wer ober sich wirfft einen stein,
der musz wol selbst gewertig sein,
das, so derselbe felt herab,
ihn erstlich treff auf seinen kopff
B. Krüger Clawerts werckl. hist. 45 ndr.;
eine kleine eichel traf
derb unsern bauer auf den schlaf
Joh. Benj. Michaelis bei Eschenburg beispielsamml. 1, 62;
Festus aber ohn einigen wank vorbey trabete, wiewol er recht auf die brust getroffen wahr, dasz das speer in stücken zersprang A. H. Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 9;
er het in an daz houbet
troffen also swinde
Gottfr. v. Straszburg 5215 v. d. Hagen;
der gefangene traf mit seiner lantzen den deutschen an die rechte hüfte Lohenstein Armin. 1 (1689) 33ᵃ; griffen sie nach steinen, trafen meinen armen bruder an den kopf Göthe 43, 27 W. der ergriff ein stein, ... wirfft zu herr Burckhardten und trifft ine ins angesicht Tschudi chron. Helvet. 2, 425 Iselin; und holte aus, ihn ins gesicht zu treffen Göthe 43, 193 W.; weil er aber in wein berauscht und seiner sinne nicht recht mächtig war, fehlte er den vogel und traf seinen herrn in den nacken W. Grimm sagen 2, 15; in bauch getroffen liesz er das süsse leben Scheffel Ekkehard (1855) 378;
der ich das riesenhaupt der Philistäer
traf in die stirn
Rückert 1, 18;
es hat ihn ein schiefer von stein ins aug getroffen Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; jemanden ins herz treffen:
und traf den bock, als er vom felsen sprang,
ins herz
Bürger 1, 157 Bohtz;
in der kritik Lykurgs ging er diesem ideale selber ans leben und die hellenische staatsromantik hatte er damit ins herz getroffen W. Oncken staatslehre des Aristoteles (1870) 1, 299;
acht kugeln haben vorbei gefegt, ...
ich aber, ich traf ihn mitten ins herz
Chamisso w. 3, 186 Hitzig;
der förster lag tot am boden, mitten ins herz getroffen gartenlaube 45 (1876) 725ᵇ. die alte warf sich auf die leiche ihres sohnes, der, mitten durch den kopf getroffen, ohne einen seufzer verschieden war Moritz Hartmann die letzten tage eines königs (1867) 217; da schwirte der eschenspeer aus Theodulfs faust und traf den könig von der seite unter den arm G. Freytag 8, 203;
doch, ohne nur in seinem sitz zu schwanken
trifft Hüon ihn so kräftig vor die brust
und wirft mit solcher macht ihn seitwärts an die planken,
dasz alle rippen ihm von seinem fall erkranken
Wieland s. w. (1794) 23, 304.
das näher bestimmende object steht zuweilen, besonders in alter zeit, im dat.:
den phîl si von dem bogen lie,
daz er ze râme fluges gie
slehtes gegen dem künige hin
und traf in zuo dem herzen in
Lamprecht v. Regensburg 3614 Weinhold;
ir waffen vil mit lüst vergyfft,
wee dem den man zum hertzen trifft
J. v. Schwarzenberg (1535) Cicero 152;
zu rehter tjost traf er in
nach rames geluste
under den helm zu der bruste
kreuzf. Ludwigs d. Frommen 6170 Hanmann;
er traff den hirsch zum hindern klawen hinein sprichw. schöne weise klugr. (1548) 149ᵇ; Ulysses liesz nit nach mit schiessen, traff in näben dem tütlen auf der rechten seiten Schaidenreiszer Odyssea (1537) 92ᵃ; er fehlte, und ich traf ihn am halse ziemlich gefährlich fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 259;
ein kranich, den
des jägers pfeil am fusz getroffen, sasz
allein, betrübt und stumm
E. Chr. v. Kleist s. w. (1760) 1, 104.
anders:
er traf ihn da man hæht den schilt
Wolfram v. Eschenbach Parzival 444 Lachm.
β)
nur vereinzelt tritt das eigentliche hauptobject in den dativ, vgl. zs. d. sprachver. (1915) 224 ff., womit eine richtungsveränderung des vb. verbunden ist: (er) schieszt und trifft Läuffern in den arm, der vom stuhl fällt Lenz ges. schr. 1, 50 Tieck;
Here auch trugs, als einst Amphitryons mächtiger sohn ihr
mit dreischneidigem pfeil an der rechten seit in den busen
traf
Voss Ilias (1821) 126;
diesem traf der Telamonide unter dem ohre,
zog dann seine lanze zurück; er fiel wie ein eichbaum
grafen zu Stolberg ges. w. 12, 12.
meistens vertritt das dativobject dabei lediglich ein possessivpronomen:
schosz auf jhn dar, traff ihm das hertz,
das er fiel eylend niderwertz
Spreng Ilias (1610) 41ᵇ;
einem das hertz treffen Kramer 2 (1702) 1120ᵇ; Diomed verfolgt Aphroditen, trifft ihr die hand Göthe 41, 1, 275 W.;
der Teukrische, trifft er dem Peleiden
mit einem tückschen schlag die rüstung prasselnd
H. v. Kleist 2, 27 E. Schm.
2)
schon früh aus den eigentlichen bereichen des kampfes und der jagd bildhaft übertragen; besonders in der darstellung der liebe wird das bild angewandt:
dârumbe rief er sêre:
wer hât mich aber troffen nû?
swester unde gemahel, du
hast mich verwunt mit der minne
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 3741 Weinhold;
chomm, aller liebsts lieb so guͦt,
besitz mein hertz, das statt dir offen,
du hast geschossen und getroffen,
du tuͦst mich hart verwunden
liederbuch der Hätzlerin 148;
Cupido treit syn bogen blosz ...
do mit trifft er narren vil,
die (pfeile) sint scharpff, gulden, hockecht, spitz
wer troffen würt, der kumbt von witz
Seb. Brant narrensch. 15 Zarncke;
trifft mit der liebe gewalt nun Philomele das herz
Göthe 2, 128 W.;
manch edelwild wohl streckt ich (der jäger) hin;
getroffen hast mich du (die geliebte)
Max Schneckenburger deutsche lieder (1870) 78;
besonders der treffende pfeil erscheint im bilde: was ist die liebe? ... ein pfeil der leichtlich trifft Harsdörfer d. teutsche secret. (1656) 1;
dich treffe nur der sanfte pfeil
vom kleinen liebesgott
Geszner schr. 1, 120;
wen der pfeil des schönen je getroffen,
ewig währt für ihn der schmerz der liebe!
Platen w. 1, 55 Hempel;
er doch nicht ... die musas ... angreiffe und mit liebspfeilen treffe und verwunde Barth weibersp. (1565) n 2ᵃ;
Amor, ein gott bist du, wenn du mit doppeltem pfeile
zwei verwundet; ein schalk, wenn du mit einem nur trifst
Herder 26, 52 S.
auch in anderen bildhaften übertragungen:
so wie die pest mit gleichen pfeilen
den weisen und den thoren trift
Kretschmann s. w. 1 (1784) 78;
und sie (die lüge) kehrt,
ein losgedruckter pfeil, von einem gotte
gewendet und versagend, sich zurück
und trifft den schützen
Göthe 10, 60 W.;
doch trift von nie versagendem bogen doch,
in Bonapartens ferse der rache pfeil
v. Stägemann kriegsgesänge (1813) 9;
glühend trifft mich der sonne pfeil, still liegen die weste
Schiller 11, 83 G.;
ein jeder hat seine gebrechen: ist er nit geschossen, so ist er doch ein wenig getroffen Albertinus hirnschleiffer (1664) 70;
so bald mich dein gesetz mit seinem hammer troffen,
so bald sey auch mein hertz zermalmet und zerknirscht
Schmolck trost- u. geistr. schr. 1, 276;
triff, bitt ich dich, der dritten frage,
die du vergönnt mir, besser auf die stirn
H. v. Kleist 2, 419 E. Schm.
3)
wird der sinn des schädlichen verwundens völlig aufgegeben, so herrscht die bedeutung 'das ziel richtig erreichen' allein (s. auch schon o. 1, besonders e). hiermit ist die für die weitere entwicklung des wortes (vgl. besonders III) bedeutsamste wendung zu abstractem gebrauch verbunden. die entwicklung vom concreten zum übertragenen und abstracten gebrauch geschieht zunächst an gleichen beziehungswörtern, so dasz das bild, besonders des scheibenschieszens, auch in den abstractesten gebräuchen lange festgehalten wird.
a)
das ziel treffen: so ain schytze ain zyle wil treffen, so thut er ain aug zu Tauler sermones (1508) a 2ᵃ; ain schütz laszt offt hundert pfeile von dem armprust, ee er mag treffen das zile; so fleuget zu zeiten her ain gelück, das der pfeil des ersten schusses kommpt in das plat A. v. Eyb deutsche schr. 2, 122; oder ist es nicht viel leichter, tausendmal das ziel, auf welches du den pfeil richtest, nicht zu treffen: als es ist, das ziel einmal zu treffen? Lavater physiogn. fragm. 1, 40;
jezo wähl ich ein ziel, das noch kein schütze getroffen,
ob ichs treffen kann, und Apollon mir ehre verleihet
Voss Odyssee (1881) 399;
einer (hat) ... nach dem vorgestelten ziel ... troffen H. W. Kirchhof milit. discipl. (1602) 80; glücksschüsz treffen offt am ehisten zum ziel Lehman flor. polit. (1662) 2, 35;
und ein schusz so gut geladen
muszte treffen so ans ziel
Rückert 1, 61 S.;
gut ding musz haben gute weil,
ehe wiegs, dann wags, so triffst das ziel
grillenvertreiber (1670) 20;
vil ist zuo vil und wurdt zuo vil:
bruch das myttel, tryff das zyl!
Murner mülle 40;
er (der vorsichtige) treibe wenig pracht, und traue keinem viel,
wer diese stücke hält, der trift das rechte ziel
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 35;
völlig übertragen und abstract, 'das richtige tun; das rechte masz halten':
bitt, wolst mir verargen nicht,
dasz ich das ziel nicht hab getroffen,
die feder weiter ist geloffen,
als ich vermeint
W. Spangenberg anbindbriefe 5ᵇ;
und würde dann die frage sein, welches unter diesen allen am nähesten zum ziel treffe Morhof unterricht v. d. dtsch. sprache (1682) 1, 8; andere kunstrichter haben noch weniger zum ziele getroffen Lessing 4, 260 L.-M.; ich vermeyne, dasz ich nicht weit vom ziel treffen werde, wenn ich glaube, dasz I. G. Schmidt rockenphil. (1718) 1, 119; ich bin gewisz, dasz sie auch in ihren muthmaszungen nicht weit vom ziele treffen wird Lessing 2, 71 L.-M.; höre, gesell, antwortete ich dem spötter, du bist ein elender schütz, trifst mit deinen pfeilen nicht ans ziel Musäus volksmärchen 2, 190 Wieland; mehr im sinne von 'hingelangen':
doch spricht gott, es sol nimmermehr
mein wort mir wider kommen lehr,
es sol ja treffen noch das ziel
und richten aus als was es wil
Dedekind christl. ritter (1590) c 5ᵇ;
das sich die sach kan nymmer enden,
die allein durch dyn muͦtwil
nymmer treffen kan das zil
Murner narrenbeschwörung 78 ndr.;
ein böser mensch ...
der alles übel thut, zu treffen auf sein ziel,
und wann es troffen ist, schafft was er kann und will
Opitz opera (1690) 1, 56;
wie III A 1 f: eine unverhoffte ausbeute von zuverlässigen und zum ziele treffenden materialien boten sie (die sammlungen) mir dar Ranke s. w. 37, 10.
b)
im bereich des scheibenschieszens. die scheibe, das blatt treffen: so kumpt offt ein geluͦcke, das im ersten schusz der schuͦtze triffet das plat A. v. Eyb deutsche schr. 1, 12; fit etiam ym lauffen, schiessen, spielen, sit quis putet se das blat treffen, murum, vel avem yn das auge Luther 34, 1, 155 W.;
es kam einer, klagt sich vast,
wie er nit vor der sonnen glast
die scheib könt treffen wen sy gläntz
Joh. Heinr. Grob in: zs. f. dtsches altert. 3, 254;
als ihm etliche hoffdiener vorbrachten, dasz man ihm ubels nachrede, sagt er zu ihnen: wisset ihr nicht, dasz grosse herren die zielstatt oder scheibe seyn, dahin jede böse zung zielet und treffen will Zinkgref apopthegmata (1653) 1, 51. die gröszte rolle spielt naturgemäsz das treffen des zentrums, in älterer sprache pflöckchen, zweck, nagel. — den zweck treffen eigentlich 'den mittelpunkt, den nagel der scheibe treffen' (s. teil 16, 956): druckt losz und trifft mitten im schwartzen den nagel oder zweck, daran die scheiben auffgehenckt war Kirchhof wendunmuth 1, 1190;
wenn sie nur recht wol abdrücken,
und das weisz am zweg werd troffen
B. Waldis Esopus 2, 28 K.;
gleich wie aber der schütz, welcher mit seiner hand zu zittern pfleget, niemals den zweck treffen wird, also hat die unterständigkeit kein gewisses absehen Harsdörfer schauplatz lust- u. lehrr. gesch. (1653) 1, 263; bildlich: man kan nicht alle mal den zweck treffen, wenn man nur des ziels oder pletlein nicht gar feilet Mathesius Sarepta (1571) 21ᵃ; es wäre rühmlicher nicht einmal fehlen, als hundertmal den zweck treffen Lohenstein Arminius (1689) 2, 605ᵃ; welche mit ihrer meinung wol ein wenig näher zum zil schieszen, träffen doch den zwäck auch nit Stumpf Schweizerchron. (1606) 699ᵇ; nach bedeutungsentwicklung von zweck (teil 16, 957 ff.) 'das innere ziel erreichen', dem sinne nach wie III A, doch unter wahrung des eigentlichen bildes, bis ins 18. jh.: haben gar manigerley von diser sachen, wohar das kumen möcht, berhatschlaget, aber den rechten zweck nicht treffen künden Wickram 2, 159 Bolte; die comödianten treffen oft mit ihren erdichteten dingen den zweck der wahrheit schausp. d. engl. com. 164 Creizenach;
doch wilt du deinen zweck zu treffen artlich zihlen,
so kom her, sing ein lied, sing und dan kisz und spihl
Weckherlin ged. 2, 383 lit. ver.;
durch feuer und durch eisz, durch fürchten und durch hoffen
hat liebe ziel und zweck zum meisten glücklich troffen
Logau sinngetichte (1654) 2, 11;
stille seyn und hoffen
hat den zweck getroffen
J. G. Neukirch anfangsgr. z. teutsch. poesie (1724) 65;
zum zweck treffen zum ziel treffen: die Spartanisch art zu reden ... das sie doch zum allernechsten zum zweck treffe und dem zuhörer recht empfindlich ins hertz schneide Zinkgref apophthegmata (1628) a 5;
sie (Maria Magdalena) sucht im grab das leben,
zum zweck beseiten trifft
Spee trutznachtigal 41 Balke;
allein wie verschieden sind die urtheile beyder gelehrten. herr Harenberg trift viel näher zum zwecke Lessing s. schr. 4, 86 L.-M.auf der gleichen concreten grundlage beruhend und ebenso nach III A gewandt das pflöckchen treffen (s. auch teil 7, 1770) 'das ziel, den entscheidenden punkt erreichen': es kan nit fehlen, wir müssen mit unserer nachahmung das rechte pflöckgen nicht getroffen haben, und ist dannenhero hoch nöthig ... dasz wir der sachen ein wenig reifer nachdencken, ob wir den wahren hauptzweck erreichen können Chr. Thomasius nachahmung der franzosen 7 Sauer; das wissen alle allzukluge weiber, darum sind sie besorget ... und treffen auch damit das pflöckgen ganz genau I. G. Schmidt rockenphil. (1705) 1, 50.
c)
auch die redensart den nagel auf den kopf treffen scheint aus dem scheibenschieszen zu stammen (s. teil 7, 260 ff.). in älterer sprache den nagel treffen das zentrum der scheibe treffen: denn es nicht not, das ein guter schütze allewege den pflock odder nagel treffe Luther 30, 3, 223 W.; das ziel, den nagel treffen im schiessen Kramer 2 (1702) 1120ᵇ; er hat die scheibe, den nagel getroffen ebda 1121ᵃ;
den dritten schusz ich do schissen wil,
ich hoff, das ich nit feel das zil;
ich triff den nagel pey dem punckt
pfarrer v. Kalenberg 28 ndr.
übertragen 'es recht treffen': auf einen nagel treffen rem acu tangere Stieler 2297; es auf ein nagel treffen, es recht treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ. — jedoch ist die redensart in ihrer heutigen form erst spät bezeugt und zeigt keinen deutlichen zusammenhang mit jener älteren tradition; dasz die redensart heute auf das treffen des nagels mit dem hammer bezogen wird, könnte freilich auf nachträglicher unterschiebung beruhen: ich will nur sogleich den nagel auf den kopf zu treffen suchen, und rund heraus erklären Lessing 13, 371 L.-M.; und es sei dabei vorgekommen, dasz ich im widerspruche mit der majorität den nagel auf den kopf getroffen hätte Bismarck ged. u. erinn. 2, 117 volksausg.; hier wenigstens hat sie, wie man sagt, den nagel auf den kopf getroffen Klinger (1809) 6, 75; dasz er bei der tragödie das hauptgewicht in die verknüpfung der begebenheiten legt, heiszt recht den nagel auf den kopf getroffen Schiller briefe 5, 190 Jonas; sprichwörter, die ... statt vieles hin- und herfackelns, den nagel gleich auf den kopf treffen Göthe 27, 59 W.; wegen dieser stets den nagel auf den kopf treffenden intuition gegenwart 21 (1875) 326ᵇ; hier ist ein blatt (eine zeichnung), welches ... den nagel auf den kopf getroffen hat und mit anmutigem naivem gelingen gekrönt ist G. Keller ges. w. 3, 158; ich traf mindestens zwanzig nägel auf zwanzig köpfe H. Seidel Leber. Hühnchen (1899) 57; jeder glaubte ... den kopf des nagels getroffen zu haben Matthison schr. 3, 230.
d)
die redensart ins schwarze treffen bezieht sich auf das scheibenschieszen; zu grunde liegt die eigentliche anwendung: und wenn er mit bolzen nach der scheibe schoss, so traf er immer ins schwarze Pfeffel pros. vers. 2, 78. die übertragung ist etwas früher bezeugt: das selbst ist das ziel wornach wir alle schieszen, mancher trift ins schwarze v. Hippel lebensläufe 1 (1778) 398; ich wette zehn gegen eins: Shakespeare; ... der herr graf treffen immer ins schwarze Fontane I 5, 25;
worum du wider hoffen
noch niemals ins schwarze getroffen?
weil dus nicht lassen konntest, beim zielen
immer ins publikum zu schielen
Geibel ges. w. 3, 64;
gelegentlich ist mit späterer rückwendung aus der uneigentlichen in die eigentliche anwendung zu rechnen:
o wackrer schütz,
der jedesmal das schwarze trifft und immer
von neuem wieder höher zielt
Eichendorff s. w. 4, 540 Kosch-Sauer;
4)
in anwendungsbereichen, die über die fest ausgebildeten des kampfes, der jagd und des scheibenschieszens hinausgehen, erscheint neben der bedeutung 'an der richtigen, gewünschten stelle treffen' auch die blassere bedeutung des berührens, das lediglich zufällig sein kann: wan trift si (d. i. vergift) den menschen an den fusz, so kreucht si von stunt ze stunden in der andern glider stuck Konr. v. Megenberg b. d. natur 275 Pfeiffer; wenn die schlangen mit der speychel des menschen troffen seind H. v. Eppendorf Plinius (1543) 7, 6;
da waz auch inne verdorret
vil manig baum verstorret,
biz daz fruhtriche saf
der dorren baume wortzel traf
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 4144 Singer;
das kürtzer (gerinne) bringt das wasser, welches die schauffeln schlahet, die das rad gegen der wasserkunst umbtreibendt, das lenger dises wasser welchs die schauffel triffet, die das rad das widerspill umbtreibend Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 162;
nun fällt ein flöckchen, unbemerkt,
nun wieder auf des greises hand,
trifft hier und dort des hutes rand
A. v. Droste-Hülshoff 2, 50 Schücking;
es hängt da freilich nur eine junge und helle glocke ohne eigene feierlichkeit, der viertelstundenhammer der turmuhr trifft ihren rand Hans Grimm volk ohne raum (1933) 1, 9;
ich war in einem dunstigen gemach,
aufrecht gestellt träf ich der wölbung dach
A. v. Droste-Hülshoff 2, 101 Schücking;
— 'richtig treffen', ohne den beisinn schädlichen verletzens, wie o. 3: lug, wo die adern hergehen, dasz du sie treffest mit dem pulver, so verstehet es gleich Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 241; als er den (wein) getruncken, traff er die ader recht (beim aderlassen) Zinkgref deutscher nation weisheit (1653) 3, 28; die rechte ader treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; der chirurgus hat die ader nicht getroffen Schwan nouv. dict. (1784) 781; die (trüesz) solt du mit den fingern greiffen und mit einem messer darvon schneiden, aber wol zusehen, das du die adern nicht treffest Seutter roszartzney (1588) 75; die glieder treffen im zerlegen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; es meynt einer offt, er wolle das nadelloch treffen, und sticht neben ausz Lehman flor. polit. (1662) 2, 778; endlich mochte er zufälliger weise die rechte stelle getroffen haben, denn eine rostige feder drückte ... das holzviereck empor Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 322; die ruͦt, darmit vor zeyten der richter die traff oder berurt, die er von leybeigenschafft zuͦ freyheit erkennt hatt Frisius (1556) 1384ᵃ. — dem entspricht die glossierung von tangere, pertingere u. a. durch treffen in den alten wbb.: drepen, raken, treffen, passen, ramen, rueren, tangere, contingere, metas contingere teuth. 86 Verdam; treffen oder ruren, tangere oder greyffen voc. teut.-lat. (1482) gg 8ᵃ Zeninger; pertingere treffen md. voc. a. d. 15. jh. bei Diefenbach gloss. 430ᶜ.
5)
'geschlechtlich gebrauchen', obscöne übertragung aus dem bereich der waffen (o. 1); nicht übersetzung von lat. tangere (vgl. tangere virginem), die durch die sonst weitgehende entsprechung von lat. tangere und deutsch treffen hervorgerufen sein könnte: dann nachdem ... alle diese hengste sich müde gerammelt hatten ... muste ich auch vor der herren angesicht mich von den knechten treffen lassen Grimmelshausen simpl. schr. 3, 59 Kurz; (zur frau, die ihren mann betrogen hat):
wilt du dich nit eerlicher tragen,
dann du dich iez bisher hast gflissen,
so lasz mich grad vor unbeschissen!
dann söltest du wider umbhin gan
und dich aber treffen zwicken lan,
wie vor, in allen winklen und enden
und mich so treffenlich wöltest schenden
fastnachtspiele 882 Keller;
das weibgen, so (von dem pfarrer) getroffen werden sollen, gieng aus dem pfarrhof Grimmelshausen 2, 380 Keller; die frau mit dem knechte eine wettung umb dreissig gülden traff, ob er sie in einer nacht neun mal könte herumbrücken ... man zog auff den scharmützel, der knecht traff sie die achtmal redlich B. Hertzog schiltwache e 1ᵇ.
II.
übertragung auf nicht oder weniger materielle vorgänge. die subjecte des treffens sind unpersönlich.
A.
'jemanden oder etwas schädigend erreichen, berühren'.
1)
in engem anschlusz an I, das schädliche wirken geht von concreten subjecten aus, die auch dem sinne nach die tätigen träger der haundlung sind.
a)
von blitz und donner:
reht als der wilde donnerslac
hat troffen mich der sorgen schur
Konr. v. Würzburg Engelhard 5401 Haupt-Joseph;
auch sagt man, das alleyn den adler kein donderstreych troffen H. v. Eppendorf Plinius (1543) 140; möge das den nicht treffen wie der donnerschlag Schiller 1, 57 G.;
nach dem er sich mit ungemach
an dir gerochen grausamlich,
mit plitz und donner troffen dich
Hayneccius Hans Pfriem 65 ndr.;
die höchsten berge trifft der donner am ersten Gottschedin br. (1771) 1, 186 Runkel; da stand ich, wie von tausend donnern getroffen Schiller 2, 125 G.; was der plitz trift, so er schlechte, es sey baum oder thier oder mensche Tauler sermones (1508) 17ᵃ; auf dem köstlichen wiesenteppich stehen tausendjährige, knorrige eichen. eine war vor kurzem vom blitz getroffen Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 339;
des sichern blitzes wetterschlag
aus leuchtenden donnerwolken,
er traf von Scylla zum Tanais
Göthe 3, 205 W.;
kein spott, kein hohn dem jammer dieses weibes!
sie ist, dem blitzgetroffnen felsen gleich,
ein von dem waltenden gezeichnet wesen
Chamisso w. 15, 17 Hitzig;
mit seinem nahmen redest du ihn an,
er soll beschämt, vom blitz getroffen stehen
Schiller 13, 444 G.;
er stand wie vom blitz getroffen Göthe 24, 92 W.;
des jungen gärtners schrecken,
der von der unversehnen kecken
beschuldigung wie blitzgetroffen stand
Wieland I 23, 265 akad.;
vom blitz, wetter getroffen Kramer 2 (1702) 1121ᵃ;
der steig auf kein hohe spitzen, ...
sondern bleibe bey der erd,
auf dasz jhm nicht treff ein wetter
und der strahl jhm nicht zerschmetter
Voigtländer oden u. lieder (1642) 98;
(das gewitter) hat seine richtung genommen, es wird kommen und treffen Göthe 25, 249 W.;
diss wetter (der krieg) starck genug den Atlas zu zertheilen
traf auf den chur pallast und seine sieben seulen
v. Besser schr. 1, 27 König;
lache nicht dieszmal, Zeus, der frechgebrochenen schwüre!
donnere schrecklicher! triff!
Göthe 1, 271 W.
b)
vom schlaganfall: als sie auf ein zeit in Asia die Parther zuͦ bestreitten auf einem wagen mit einander fuͦren, traff Lucium der schlag Seb. Franck Germ. chron. (1538) 26; apoplectici die der schlag getroffen hat Calepinus dict. undec. ling (1598) 104ᵃ; denen, welche der schlag einmal getroffen hat Paracelsus op. (1616) 2, 547 Huser; so sind ihm auch schon alle zornesadern auf seinem kopf so angeschwollen, dasz man meinte, es werde ihn alle augenblick der schlag treffen Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 132; so offt sie sich mit tranck ubernommen und gefült haben, fallen sie hernider, als ob sie der schlag troffen het Ambach v. zusauffen e iᵃ; der castellan meinte, der schlag müsse ihn treffen — es war die weiszrothe fahne v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 129; allmächtiger! mein gold ist fort! der schlag wollte mich treffen Mörike ges. schr. (1905) 2, 10; mit dem schlag getroffen oder gerührt werden Kramer 2 (1702) 545ᵃ; es verhüt auch vor dem schlag, und heilt die so getroffen seind worden Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 11; das (pflaster) schlag uber disz getroffen und erlamet glied Wirsung arzneibuch (1584) 152ᵃ; er erkrankte, von einem schlaganfall getroffen, im vorzimmer des königs Fontane I, 7, 100; bringet wider zu rechte die lahmen glieder, so der schlag oder tropffen getroffen hat Bapst v. Rochlitz wacholdergarten (1605) 198; dasz er jhnen under den händen starb; man meint der tropff, wie mans nent, oder schelm hab jhn troffen W. Spangenberg eselkönig 375; zuͦ dem ersten, so machet das perli einen, den es trifft, zittern oder schlottern mit den henden oder mit dem haubt. du sihest wol, wie sie schlottern, die der tropff trifft Keisersberg brösamlin (1517) 2, 41ᶜ; da bracht man im ein den daz parliss troffen het summerteil (1472) 143ᵇ; es war ein gar frommer mann, den die gwalt gottes des allmächtigen, wie man sie nennet, getroffen het und im ein seytten verlämbdt und todt geschlagen Lindener rastbüchl. u. katzipori 121 lit. ver.; hierher auch:
ich han vil mangen tœten
den kummer sehen oder braht von sinnen,
ih wæne daz dich daz rehte treffen rüere
Hadamar v. Laber jagd 285 Grimm.
c)
jemand trifft jemanden, im allgemeinsten sinn 'schädigen, wehtun, strafen, züchtigen':
als nun der wirt vermercket, dasz
der gast dem hund zuwerffen was,
verdrosz es ihn, und schwieg doch still,
dacht: ich dich gar wol treffen will,
dasz er mir für den hund zu busz
auch wol das nachtmal zalen musz
H. Sachs 17, 366 K.-G.;
es hat mir kein feindt, wie wol sie mir vil leyds haben gethan, also getroffen, als ir mich getroffen habt Luther 10, 3, 42 W.; seins ganges halben ist nicht zu achten: dann wie ein oberkeit langsam und weit umbgeht, biss sie den trifft, den sie treffen will, schleicht hinzu, also schleicht dieser comet auch Paracelsus op. (1610) 2, 663 Huser;
ich weisz im lant kein edelmann,
der mir ein solchs het dürffen than.
kan ich, ich wil in wider treffen,
den lausing pfaffn närrn und äffen
H. Sachs 17, 81 K.-G.;
er sei recht meinster, der mich eff,
und ich in nit hinwider dreff
fastnachtspiele 791 Keller;
under der weil waren desz abbts bauren ... wider auf und wolten abermals dasz closter ... beschedigen, dem wurd von Ulm aus ... hilf zugeben, dasz noch ain mal die meüler geschlagen wurden. dasz gleichen die Algauer bauren wurden auch zu dem andern mal getroffen Baumann bauernkrieg 268 lit. ver.; anders:
man musz euch so die nasen treffen,
dieweil jr heut die leut wolt effen
Fischart sämtl. dicht. 1, 124 Kurz;
dann ihne (den falschmeldern) hierinn ein gefangener würtzburgischer provisaner und befehlshaber, welcher mit andern captivis ... über sechs tag nit uffgehalten, sondern ohn einiges entgelt widerumb dimittirt worden, selb wirdt aufs maul treffen können Joh. Phil. Reinhard wohlgegründeter gegenber. (1618) 1, 264. — in junger zeit: den spitz von Gibichenstein müssen wir nun eine weile bellen lassen bis wir ihn einmal wieder tüchtig treffen Göthe IV, 11, 237 W.; die zahl der schurken ist nicht grosz; wir haben nur wenige köpfe zu treffen und das vaterland ist gerettet G. Büchner nachgel. schr. (1850) 106; nicht mit einfachem siege sondern mit vernichtung müssen wir Samsonoff treffen Hindenburg a. m. leben (1920) 81; aber noch hatten sie das meer; ihre flotte sicherte ihnen ... den Hellespont ... dort muszte Philipp sie zu treffen suchen Droysen Alexander (1880) 25; siegen die sklavenhalter, dann ist die sache der freiheit ins mark getroffen Auerbach landhaus am Rhein (1871) 4, 175; die ... opposition gegen Rom (wurde) in der wurzel getroffen Mommsen röm. gesch. 2, 18; der streich hatte sein ganzes dasein an der wurzel getroffen Göthe 21, 119 W.
d)
wie c, von personifizierten kräften u. s. w.:
sus ent sich mit clage die schrift
der jamer in ir hertzen trift
daz lait do umm slutzt
Johann v. Würzburg Wilh. v. Österreich 10078;
es nimmt dem unglück alle gift,
dasz, obs uns gleich verfolgt und trifft,
es dennoch unser hertze nie
in allzugroszes trauren zieh
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 370ᵇ;
der dieses lied zum ersten macht,
den traf der krieg gar eben,
dadurch verloren fast all sein gut
Soltau volkslieder (1836) 1, 389;
da die rothe ruhr allethalben grassierte, kehrte sie auch bey mir ein, und traf zuerst meinen lieben erstgebohrenen U. Bräker s. schr. (1789) 1, 200; und schlägt er also, der tod? und trifft er dich, Adam, und mich? maler Müller w. 1, 105; so zwei rasende narren sind der neid und die schmähsucht, wenn sie gewaltig ausholen, um mich zu treffen Schubart br. 1, 46 Strausz;
es (das gesetz) ladet schand und tod
auf jeden, der mit unsern feinden sich,
der sich mit freunden insgeheim verbunden.
o gott! dir drohet es, und trifft vielleicht!
Göthe 9, 387 W.
2)
subject sind abstracte in der bedeutung schädlicher, feindlicher kräfte. diese können, in einer art personifizierung, active träger der handlung sein, so dasz für treffen die bedeutung 'schädigen' erhalten bleibt. meistens aber ist der sinn weniger activ, die bedeutung 'schädigen' verschwindet und es entsteht durch immer weitere verblassung die bedeutung 'auf, über einen kommen, jemanden befallen'.
a)
bei feindlichen menschlichen äuszerungen ist die bedeutung einer von einem subject gewollten handlung des schädigens oft noch klar vorhanden; auch stehen wendungen wie die kugel trifft jemanden nicht fern:
wan uch driffet der fluch,
ich wel dar an unschuldigk sin
Alsfelder passionssp. 4476 Grein;
es trifft dich mein gewünschter fluch
Stieler geharnschte Venus 38 ndr.;
fluch soll ihn treffen bis ins zehnte glied
Schiller 13, 232 G.;
ähnlich: Deutschland aber, das der fluch dieser revolution nicht getroffen hatte Savigny beruf unserer zeit (1814) 57; da kommen und treffen endlich nacheinander die flüche, welche Moses ... erzehlet J. B. Schupp schr. (1663) 39; ein unverdienter fluch trifft nicht spr. 26, 2;
so in der pann hat gar getrofen
volksld. 2, 207 Liliencron;
auf ewig hab ich sie vertrieben,
vielköpfige götter trifft mein bann
Göthe 3, 257 W.;
du kannst die würdigen, wenn dirs beliebt vergöttern,
und die unwürdigen trif mit dem dichterbann
Triller wurmsaamen (1751) 2, 13;
wer aber hinfort noch mit den feinden steht, den treffe schande und fluch und acht E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 265;
doch ihr schlangengift
verwandelt bald das lob ...
in tadel, welcher tödlich trifft
Hölderlin 1, 35 Litzmann;
schon blasser, im sinne von 'auf einen kommen': mancher tadel schon hat diejenigen getroffen, die über unsere bürgerlichen einrichtungen öffentlich sprachen Börne ges. schr. 3, 133;
wagt es dennoch
ein rasender, so ists auf seine eigne gefahr,
und meinen vater trift kein tadel
Schiller 13, 352 G.;
ich, ich allein bin schuldig!
mich treff allein dein zorn!
Wieland I 23, 38 akad.;
das urtheil trift den gerechten.
der könig fällt von seinen eignen knechten
B. Neukirch ged. (1744) 69;
glückliches land, wo die satyre nur verdorbene sitten trifft Lenz ges. schr. 2, 323 Tieck;
unsre gedichte nur trift dein spott? o schätzet euch glücklich
Schiller 11, 115 G.;
wenn das schwert ... ihn nicht erreichen kann, so treff ihn das gebet meiner seele in der todesstunde Gerstenberg Ugolino 260 nat. lit.
b)
auch andere abstracta können personifiziert sein, so dasz der vollere sinn 'schädigen' mehr oder weniger stark mitklingt: die plag gots wird si treffen und überfallen Füetrer bayerische chron. 81; trifft ihn plage und schande spr. 6, 33; daher auff den engeländischen und holländischen schiffen jährlich viel völcker sterben, dasz sie offt von 100 personen nicht 50 behalten, und trifft solches ubel zwar den Engelländern, welche weichlicher natur sind, mehr als den Holländern Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 19ᵇ; vom schlage des schicksals, vgl. dagegen o. 1 b:
dasz hier keinen nicht der schlag
des verderbens treffen mag
v. Canitz ged. (1727) 11;
wenn schon am morgen unsres neuen bundes
mich solch ein schlag aus blauer luft getroffen
Platen ges. w. (1843) 2, 116;
nach den trefflichen gesinnungen des schicksals für das wohl derer, die von seinen schlägen ... sollen getroffen werden Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 329. vom unglück in besonderem schwanken zwischen 'schädigen' und blaszerem 'befallen':
weil das unglück hat almal troffen
die gottlosen, die got verachten
H. Sachs 18, 148 K.-G.;
stracks nach Wirtemberg traff das unglücke die stadt Ulm v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 182; unglück trifft seinen eigenen herrn Ortelius blut-angst-thränengeld (1639) 19; mit sölichem unglück troffen und geschlagen Frisius dict. (1556) 133; in jüngerer zeit mehr im sinne von 'befallen': dasz es einige seltene fälle eines groszen unglückes giebt, da ein mensch, welchen es trifft, ein wenig zeitiger denken musz Reimarus wahrh. d. nat. religion (1766) 688; und das unglück, das ihn betrifft, hätte ... seinen gegner ... treffen können Möser s. w. 5, 86; an dem ganzen unglück, das Flandern trifft, ist er doch nur allein schuld Göthe 8, 192 W.; und zum drittenmal trift ihn das unglück, seinem wachsamen feind in die hände zu fallen Schiller 4, 67 G. indem er die ursachen des falls der Karthagenienser sucht und findet, sagt er vor, wann und wie das gleiche schicksal die sieger treffen werde J. v. Müller s. w. 1 (1810) 176;
er reitet dem schicksal entgegen keck,
trifts heute nicht, trift es doch morgen,
und trift es morgen, so lasset uns heute
noch schlürfen die neige der köstlichen zeit
Schiller 11, 212 G.;
der wechsel des schicksals traf ... die eingewanderten Niebuhr röm. gesch. 1, 52; so kam ich nicht einmal dazu, den anzug zu wechseln, und wenn mich das geschick getroffen hätte, so wäre ich in der gestalt eines erstochenen narren weggetragen worden G. Keller ges. w. 2, 246; das ich gefurcht habe, ist uber mich komen, und das ich sorgete, hat mich troffen Hiob 3, 25;
es trifft sie schwer genug zu zahlen gottes schuld
Logau sinnged. 196 Eitner;
was ist das härtste das mich treffen kann,
verweigr ich dem Demetrius die hand?
Shakespeare 1 (1797) 180;
so falle denn alle strafe auf mich allein! was kann auf sie fallen, das mich nicht treffen sollte Lessing 2, 275 L.-M.
c)
ist das subject nicht die personifizierung einer tätigen, handelnden kraft, so erleidet das vb. eine starke entsinnlichung und die bedeutung 'befallen, auf jem. kommen' herrscht fast allein; doch wird durch den inhalt der subjecte die bedeutung 'schädigen' noch mit festgehalten:
euch ist bewuszt die grosze gefahr,
so uns getroffen hat vil jahr
Spreng Äneis (1610) 6ᵇ;
weil mir bey einer gefahr, die dich treffen könte, noch ein mittel übrig ist, ihr und mein ansehen für dich aufzubieten Ramler einl. in d. sch. wissensch. (1758) 2, 235; alsdan wann ein sterben under die gäuch kompt, so sperret fenster und laden zu, es möcht sobald einen unschuldigen treffen Fischart praktik 28 ndr.; dann hatte die feder in der hand des vom tod getroffenen einen strich über das blatt gemacht W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 147; angst und not haben mich troffen, ich hab aber lust an deinen geboten psalm 119, 143; ich stecke in grossen nöthen, die mich troffen haben Robinson Crusoe 1 (1720) 130; sollten wir nicht gern die gefährten Jesu sein wollen, wenn die noth uns trifft? Bettine Günderode (1840) 1, 58;
dieser unfall, der mich troffen,
komt von deinem (gottes) willen her
Joh. Rist dichtungen 235 Gödecke;
incidi in calamitatem unfall hat mich troffen Alberus (1540) y 2ᵇ;
wo mag ihr Hüon säumen?
wenn ihn ein unfall traf?
Wieland s. w. (1794) 23, 34;
ich weisz dabey, kein fall mich trifft,
wie grosz der immer were,
das creutz sey noch so schwere
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 20;
uns hat aber die armut troffen
und uns so gar zu boden geschlagen
H. Sachs 10, 430 K.;
allerley widerwertigkeyt,
die sie wirt treffen frü und spat
ebda 1, 50;
... dasz, weil der sonnen strahlen
erwärmen diese welt, euch treff kein übelstand!
P. Fleming deutsche ged. 1, 122 lit. ver.;
vor jahren lebte ... ein mann ..., den niemals ein miszgeschick traf v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 114;
und völker auch
ergreift die todeslust und kühne
städte, nachdem sie versucht das beste,
von jahr zu jahr forttreibend das werk;
sie hat
ein heilig ende troffen
Hölderlin ges. dicht. 1, 246 Litzmann;
es traf alle theilnehmer des schändlichen verraths schwere strafe Ritter erdkunde 2, 273;
den bürger trifft es (das gesetz) auch und den nicht oft;
doch weisz ein ritter, was die seinigen
verletzen könnte, mächtig abzulenken,
und keine strafe trifft ein hohes haupt
Göthe 9, 387 W.;
alda in draff
gottes erschröcklich rach und straff
H. Sachs 1, 221 K.;
euch sol nicht treffen weder angst noch leiden
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 265;
jetzt traf sie herber gram,
weil ihr der tod ihr eignes löwchen nahm
Ramler fabellese 3, 264;
da traf den könig schrecken und verwirrung, dasz er und seine umstehenden leute keinen rath wuszten W. Grimm sagen (1891) 2, 25;
Adam wollte seyn wie du;
schmach hat ihn getroffen;
B. Neukirch ged. (1744) 61;
d)
besonders in der neuzeit wird das 'eintreten' des unliebsamen ereignisses immer stärker betont als das damit verbundene 'schädigen': von Ehrenfried hatte ich gehört, dasz auch unsern herrn senator schwere verluste getroffen hatten Storm w. (1899) 1, 216; die wirkung einer englischen blockade, welche unsre küste hätte treffen können, würde nicht gefährlicher gewesen sein, als die wenige jahre früher mehrmals ausgestandene Bismarck ged. u. erinn. 1, 119 volksausg.; und so beunruhigt mich wieder die wirkung dieser meteore, die von dort herüber schallt und trifft Göthe IV 29, 29 W.; traf inzwischen eine grosse calamität, ... so ward der ... steuerpflichtige stand ... in tiefes elend gestürzt Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 399; wenn eine solche nächtliche arretierung einen fremden trifft, dann ist er wie verschwunden von der erde Börne ges. schr. 11, 116; strengere behandlung ... traf ... Theben Mommsen röm. gesch. 2, 49;
den verräther heilger pflicht
trift unbarmherziges gericht
R. Z. Becker Mildh. liederb. (1799) 72;
wer nicht gehorcht, den trifft alsbald der tod graf Pocci lust. komödienbüchl. (1859) 234; die allgemeine verfinsterung ... traf vorzüglich auch das gebiete des geschmacks Eschenburg theorie (1783) 12; auch schon alt: die Achaier ... jhm widerstandt theten, dessgleichen auch die aus der statt welche der rewkauf troffen hatt, das sie sich jm zuvor ergeben hetten Xylander Polybius (1574) 104. zuweilen dem blaszeren sinne von 'betreffen, anlangen' näher als dem stärkeren von 'schädigen', vgl.C undD: der ursprung der mauten ist aus dem gemeinen nutzen ... hergeflossen, ... weil dardurch mehr fremde ... als die innwohner, mehr die reichen kauffleute, weinhändler, ... als die armen bawren ... getroffen sind v. Hohberg georg. cur. aucta (1682) 1, 51; eine grundsteuer, welche in einigen steuerbezirken des südens blosz das gemeine grundeigenthum traf Dahlmann gesch. d. franz. revol. 43; denn die verpflichtung des contingents traf die stadt unerlässlich Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 303; die erschütterungen, welche der jetzige kronprinz hervorrufen kann, treffen die fundamente des gebäudes, in welchem er selbst künftig als könig zu wohnen hat Bismarck ged. u. erinn. 1, 356 volksausg.; mir die schwierigkeiten der sache vorzustellen, welche meinen versuch, den ich dir eben mitteilen will, selbst nur allzusehr treffen Solger Erwin (1815) 1, 5.
e)
bilden angenehme ereignisse das subject, so ist der sinn des schädlichen treffens völlig verloren; doch kann z. b. das glück trifft unmittelbar übertragen sein aus das unglück trifft:
mich hat gelück und unglück troffen
H. Sachs 9, 319 K.;
und soltz sich min glück umher wencken,
ich welt im min lebdag dran dencken.
ich wet im nit sin geloffen,
doch so het mis glücks eis droffen
schauspiele d. mittelalt. 2, 390 Mone;
seyt alle wolgemuht, denn fürwar trifft uns das glück, dass wir in des königs aus Frankreich besoldung kommen buch der liebe (1587) 28ᵇ;
und (dasz wir) uns bey seinem glück, als träf es uns, ergötzen
Giseke poet. w. (1767) 46 Gärtner;
der vortheil trifft die stadt, die zwar schon itzo blüht
Gottsched ged. 1 (1751) 397;
der segen trifft, wenn fluch uns nie erreicht
... der böse selbst er wirkt zu unserm heile
Göthe 16, 336 W.
f)
am stärksten tritt die bedeutung 'auf jemanden kommen' hervor, wenn hinter den ereignissen keine absicht und wille steht, sondern diese durch zufall und fügung eintreten:
wol auf, eyl bald ausz dieser stat,
das dich (Loth) nit treff ihr missethat!
H. Sachs 1, 183 K.;
ich, den doch die schandthat getroffen, der sie nicht begangen Börne ges. schr. 11, 230. in dem sprichwort von der untreue, die auf ihren urheber selbst zurückfällt: doch zulest draf untreu iren herren Knebel chron. v. Kaisheim 385 lit. ver.; also drap untruwe oren eigenen heren Magdebg. schöppenchron. 1, 325; denn endlich findt sichs, das untrew sein eigen herrn trifft Mathesius Sarepta (1571) 38ᵃ; untreu trifft ihren eigen herren J. B. Schupp schr. (1663) 833. jung die schuld trifft jemanden, soviel wie kommt, fällt auf jem. (s. teil 9, 1887): es sei denn, dasz den schiffer oder eine person, für die der verfrachter verantwortlich ist, ein verschulden trifft handelsgesetzbuch v. 1861 § 657;
hat das volk ursache zu gerechten klagen, so trift
den Usong die schuld
A. v. Haller Usong (1771) 323;
meine mutter, welcher ich alles verhehlte, konnte keine schuld treffen, als diejenige aller frauen, welche aus sorge für ihre angehörigen engherzig und rücksichtslos gegen alle welt werden G. Keller ges. w. 2, 60. — verdacht trifft jemanden, soviel wie fällt auf jem.: man musz der lady den verdacht vergeben, weil sie den mann noch nicht kennt, den er trifft Lessing 2, 312 L.-M.; trifft einen unter ihnen der verdacht der hohlen hand? Hebbel w. 4, 60 Werner; hierher auch: der bursche ... war schier verwirrt geworden über die ihn plötzlich treffende selbstverantwortlichkeit Storm w. (1899) 6, 33.
g)
von sonnenglut, hagel, frost u. ä.; obwohl das subject nicht sehr activ ist, gibt doch sein inhalt der ganzen handlung stärker den charakter des schädlichen wirkens, a-c nahestehend:
wenn mich der sonnen hitze trifft,
so kan mirs schatten geben
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 308;
ebenen, in welchen die sonnenstrahlen sie auf dem schattenlosen quellenlosen boden ... mit fürchterlicher gewalt trafen Ritter erdkunde 1, 198; dasz sie (die jungen gänse) vom regen oder hagel nicht zu sehr getroffen werden viehbüchlein (1667) 107;
wann nichts vom hagel wird getroffen,
auch alles sonst bleibt unversehrt,
ist uns ein gutes jahr beschert;
Stranitzky ollapatrida 126 Wiener ndr.;
und des winters kalte schauer
treffen auch des menschen brust
Hoffmann von Fallersleben ges. schr. 1 (1890) 93;
es ist ein ander ding um ein natürlich schönes und ein geschminktes gesicht. lass jenes tausendmal von platzregen getroffen werden; es bleibt Meiszner skizzen 1 (1778) 46;
wenn nicht die sonne scheint, und wann uns trifft der regen,
fleucht alle fröligkeit
Opitz teutsche poemata 37 ndr.;
hat dich so sehr ein frost getroffen,
dasz du dich nimmer richtest auf?
J. Kerner dichtungen (1834) 235;
auch offt den lufft dardurch (faulende beute) vergifft,
dass der (luft) etwann die jeger trifft
H. Sachs 16, 480 K.-G.;
vielleicht ist selbst die luft, die unsre kinder trifft, ...
ein gift in ihren ersten jahren
Gellert w. 1, 270 Klee.
B.
'auf jemanden fallen'. in einigen anwendungsgebieten hat die verblaszung und entsinnlichung (s.A 2) zu dieser festen neuen bedeutung geführt; seit dem frühnhd.
1)
von dem loos, der reihenfolge u. s. w., das auf einen fällt, an einen kommt.
a)
die wendung das los trifft jemanden zeigt entsprechend den verschiedenen bedeutungen von los öfter noch zusammenhang mit wendungen von A 2. im technischen sinne des gezogenen loses:
nun lasset gehn das losz zumal,
wen es wird treffen under euch,
derselbig streit ohn alle scheuch
Spreng Ilias (1610) 86ᵇ;
und wen denn traff solch losz geleich,
derselb must ziehen ausz dem land
H. Sachs 16, 208 K.-G.;
das erste zettelein vom loss getroffen (wurde) eim herold eingehändigt theatrum amoris (1626) 18; das loosz traf Görgen Lichtwer äsop. fabeln (1748) 157;
und es traf gerade das loos, die (gefährten) ich heimlich mir wünschte
Voss Odyssee 162 Bernays;
vereinzelt mit dem dativ des betroffenen, 'das los fiel für ihn, auf ihn': wird das los über sie geworfen ... und als ihm (!) das los traff, die andern aber darwider redeten, ist das los wiederholet Olearius pers. reisebeschr. (1696) 159. übertragen im sinne von 'schicksal':
zwar trift sie ein gewünschtes loos
B. Neukirch ged. (1744) 8;
errichtete (aberglaube) seinen tron auf den trümmern der gewissensfreiheit. dieses traurige loos traf alle spanische reiche Schiller 4, 90 G.; ists nicht rührender, wenn ein blühender junger mensch stirbt, als wenn dies loos einen greis trifft? v. Hippel lebensläufe (1778) 2, 512; so trifft dieses land das loos nicht selten, ... vorsezlich verkannt zu werden Archenholz England u. Italien (1785) I 1, 6; stadt und amt Weinsberg hatte das loos getroffen, das oberamteygebäude daselbst bauen zu müssen J. Kerner bilderbuch (1849) 31; damals traf meinen gemahl das loos, den feind jenseit des meers zu bändigen Göthe 2, 17 W.
b)
ausschlieszlich abstract im sinne von 'an einen kommen'. die ordnung, die reihe trifft jem.: es sol uber tisch under dem essen, ... durch die closterstudiosos, einen nach dem andern, wie die ordnung einen jeden treffen wird, ... gelesen werden kirchenordnung f. Braunschweig (1569) 386; nach solchem beschehnen fürtrag liesz die röm. kay. mt. ainen zetl etlicher vertzaichneter namen offentlich verlesen und dabei anzaigen, welchs namen nach der ordnung getroffen wurd städtechron. 32, 81; hinfüran aber haben solche gewalthaberei diejenigen zu verrichten, welche die ordnung trifft ... ausgenommen es treffete die ordnung in ein solche behausung oder feurstatt, allwo kein mannspersohn verhanden, welche alsdann so lang von solchen ambt befreit sein sollen, bis daselbs ein taugliche mannspersohn verhanden und es widerumben die ordnung trifft österreich. weisth. 3, 85; welchen die ordnung zu reden trifft Rabener s. w. 1, 160. jünger die reihe: die reie traf nun Polussen, welcher sprach P. Fleming deutsche ged. 1, 92 lit. ver.; den römischen obersten Pansa zu tödten, welchen damalige zwey monate die reye traf, über diese legion ... zu gebieten Lohenstein Arminius 1 (1689) 42ᵇ; mich traf die reihe einer gewissen sehr verständigen dame aufzuwarten die vernünft. tadlerinnen (1785) 1, 41; weil aber meine vormänner gesprochen haben und die reihe mich trifft, so sage ich folgendes Stifter Witiko (inselverl.) 104; bis die reyhe des looses der sterblichkeit auch uns ... trifft! Laroche frl. v. Sternheim 1 (1771) 171; diesen traf die reihe, dasz er zu einer kirchenversammlung ... sollte verschickt werden W. Grimm deutsche sagen (1891) 1, 53;
auf dich trifft nun die reih! erwecke dich selber
Klopstock Messias (1780) 185.
c)
im gleichen sinn mannigfaltig:
wer hat das hofamt bei der königin?
wen traf der rang, sie heute zu bedienen?
Schiller 5, 2, 184 G.;
einmahl traf mich diese ehre v. Ayrenhoff w. 1, 25; im zweiten quartal des jahres 1522, wo die pflicht persönlicher anwesenheit auf die churfürsten von Mainz traf Ranke s. w. 2, 80; die den erben als solchen treffenden verbindlichkeiten, insbesondere die verbindlichkeiten aus pflichtteilsrechten, vermächtnissen und auflagen bürgerl. gesetzbuch § 1967; trift dich oft das auswandern, ... wenn ihr aufs allmosensammeln ausgeht? J. M. Miller Siegwart (1777) 1, 21; eine erkenntnisz der art gut zu accompagniren ist ihm hauptsächlich nöthig, nicht allein weil ihn selbst diese verrichtung öfter treffen kann Quantz anweis. d. flöte zu spiel. (1789) 1ᵛ; wenn es einen kampf geben sollte, so wäre wohl ich der mann, den er träfe, da ich die worte gegen jenen trotzigen gerichtet habe Stifter Witiko (inselverl.) 62; die armee rückte ... in cantonirungsquartier, mich traf mit dem regimente die stadt Teschen v. Ayrenhoff w. 1, 31; es trifft jem.: und da sie losseten, traffs Jonam Jona 1, 7; eine von euch wird heute meine braut seyn; welche es trifft, die ist glücklich v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 260; als es nun auch ihn traf, vorgelassen zu werden v. Ayrenhoff w. 1, 28; etwas anders die wahl trifft jem.:
wie mancher erbet chur und reich:
wie manchen hat die wahl getroffen?
Gottsched ged. (1751) 30;
trifft einen entfernbaren beamten die wahl, so musz er eines von beiden verhältnissen aufgeben Dahlmann gesch. d. franz. revol. 399.
2)
concreter im sinne von 'entfallen, auf jemand kommen', von beträgen u. ä.; in älterer zeit treffen mit präp. verbunden, meist mit auf: und da man alle heubter der frembden und einheymischen gegen den brodten, welche sie allenthalben in der stat gefunden, angeschlagen hatte, hatt alle zeyt das vierdte und fünffte heubt auf eyn pfenning brot getroffen J. Agricola sprichw. (1534) 6ᵃ; unde wilkoreden under uns, dat wy vromen, koste, schaden unde vorlust, de uppe dat orleghe (krieg) drepen, unter uns na mantale like dreghen schullen urk. v. 1366 bei Schiller-Lübben 1, 573; er hatte sich um das vermögen seines vaters nie bekümmert und wuszt also nicht, wieviel ihm auf seinen antheil treffen ... werde J. M. Miller Siegwart (1777) 792. treffen an: der erbe mûz wol varen zû der witewen in daz gût ê denne dîzigesten, durch daz he beware, daz des icht vorlorn werde, des an in trift Sachsenspiegel⁵ 15 Weiske; stirbt ouch der herre, der man gibt sînen zins, den her deme herren gelobet hatte, jeneme an den daz gût getrift ebda 70; ich streck dirs indes vor. es trifft ohnehin auf das bürgel einmal um etliche gulden mehr Pichler allerlei gesch. (1901) 1, 219; und selbst sein dritteil an der beute, das ihn von rechtswegen trifft, verschenkt er an waysenkinder Schiller 2, 86 G.; von den vier übrigen siebentheilen trifft ... die hälfte die ... fürsten, die ander hälfte die städte Ranke dtsche gesch. 1, 111. ähnlich auch, im sinne von 'fallen': szo sehen wir nu, wie diss fallen und auffstehen an Christo gantz geystlich ist, und das fallen eyn ander volck trifft, denn das auffstehen. das fallen trifft nitt denn eyttell grosse, hochgelerte, mechtige und heylige leut ... darumb, wie das fallen alleyn denen bekompt, die da schon stehen, also bekompt das aufstehen nur denen, die da ligen Luther 10, 1, 1, 398 W. im sinne von 'an jem. kommen':
sondern bedenck, das ein gut mann
des andern nicht entraten kan,
und dich so wol ein gleiche stundt
leut zubesuchen treffen kundt
Ringwald die lauter warheit (1598) 42.
3)
in junger zeit in bestimmten anwendungskreisen in stärkerer betonung des treffens als einer von einem subject getragenen handlung; jedoch, wie in 1 und 2, ohne den beisinn einer wirkung auf das object.
a)
vom licht, das auf einen gegenstand fällt:
endlich, als die ganz verhaszte sonne
meine fenster traf und meine wände
Göthe 2, 100 W.;
denn vor dem walde sieht er auf einmal
in grüner au ein schön gebäude liegen,
so eben triffts der letzte sonnenstrahl
ebda 16, 173;
die zigeunerin, ihre larve am gürtel und vom streiflicht der fenster getroffen Eichendorff s. w. (1864) 354;
welch ein schimmer traf mich vom südlichen meer?
Stefan George das neue reich 8;
besonders auch kommt die energie in betracht, womit eine lichtwirkung das auge trifft Göthe II 1, 9 W.; sonnenstrahlen, die scharf und rein durch dichtes gewölk auf mich trafen Bettine Brentanos frühlingskr. (1844) 227; läszt der verfasser durch ... prismen zwei spektra in die dunkle kammer fallen. auf einen horizontalen schmalen streifen papier trifft nun die rothe farbe des einen spectrums Göthe II 2, 83 W.; ähnlich: lasz uns diesen tisch nehmen ... hier trifft dich kein wind Fontane I 5, 193. schon älter: der wind ging sehr kalt ... doch war es noch gut, dasz der wind uns hinten nach ging, so kunte er mich nicht so treffen Chr. Reuter schelmuffsky (1696) 14 ndr.; von dessen (brunnen) staubregen sich treffen zu lassen ein ... vergnügen für sie war Fontane I 6, 16.
b)
der blick, das auge u. s. w. trifft seinen gegenstand 'fällt darauf', doch auch 'begegnet ihm', daher manchmal IV nahe: ein unvergeszlicher blick trifft den wunderthäter v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 333; Doleschal legte sich ... als ihn ihr lächeln traf, diese selbe frage vor Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 41; er schlägt den blick auf und trifft das gemälde Tieck schr. (1828) 2, 302; dazu gesellt sich der sinn von D, wenn mit dem ansehen wirkungen verbunden sind:
doch hat uns erst der muse blick getroffen,
die dem gefährlichsten sich zugesellt,
dann stehet uns ein andrer himmel offen,
Göthe 16, 210 W.;
unsre augen ... zuckten zurück, wie auf dem kirchenraub ergriffen, wenn sein wetterleuchtender blick sie traf Schiller 3, 11 G.besonders häufig treffen auf, vgl. IV A 2 e: Rosas erster blick traf gerade auf Friedrich Eichendorff s. w. (1864) 2, 149; ostwärts fällt der blick in die tiefe des Wimbachthales, und seinem laufe folgend trifft er aufs grüne thal der Achen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 101;
doch da wuchs nichts als theurung, worauf sein auge traf
Dusch verm. w. (1754) 14;
seine augen lachten nur, wenn sie auf ihr grobes angesicht trafen Storm w. (1899) 5, 177.
c)
ähnlich die stimme u. s. w. trifft das ohr: die stimme seines vaters traf sein ohr Chamisso (1836) 4, 116; sowie das wort vorstellungsvermögen sein ohr trifft Fichte 1, 11;
er geht — welch eine rede traf mein ohr!
Schiller 5, 2, 410 G.;
D 2 a nahe:
doch mächtig, wie allvater schuf,
traf meine seel ein andrer ruf
Kretschmann s. w. (1784) 1, 40.
C.
'etwas erreichen, zu etwas hingelangen', in den bedeutungen des nhd. betreffen und lat. pertinere. das 'etwas materiell berühren, richtig treffen' (o. I B) wird nun ins geistige und abstracte gewandt. seit ahd. zeit reich bezeugt, nach dem 16. jh. nur noch trümmerhaft und ausnahmsweise.
1)
inneren bezug zu etwas haben, dazu gehören.
a)
das vb. ist im allgemeinen mit richtungspräpositionen verbunden. mit dem lat. ad, entsprechend pertinere ad: taz sint fier behefteda des muotes ... dero zwo ad presens trefent, zwo ad futurum Notker 1, 50 Piper; daz er erstarb, daz traf ad humanitatem, daz er toton erquikta, ... daz traf ad divinitatem Williram hohes lied 93, 10; im ahd. und mhd. meistens treffen zu: quoniam omnia serviant tibi. wanda dir dienont alliu diu ze demo tage treffent. nals diu dero naht Notker 2, 593 Piper; laszen unrehta frewi sin, diu ze werlte triffet. uobet dia, diu ze Gote triffet ebda 2, 399;
swelh wort zur werlde trafen,
die hort nieman reden in
väterbuch 21030 Reissenberger;
neyne andere rede, wen de tho der eere unde to deme love godes drapen qu. v. 1484 bei Schiller-Lübben 5, 572;
vil luzel er verdagete
von unserem herren
swaz traf ze sinen eren
Ava leben Jesu 2222 Piper zs. f. d. ph. 19;
mit dem huse sint bemeinet die in dem huse sint, die gehorent unde treffent ze einem hiwiski (geschlecht), ze einem chunne Windberger interlinearversion der psalmen 539 Graff;
ouch darzu wol ebin trift,
daz ich herin (in die dichtung) vlichte
ein teil der geschichte
durch hovelichiz sagin,
di bi irin tagin
in der werlde sin irgan
Nic. v. Jeroschin 1203 Strehlke;
'jemanden angehen':
waz drifit sulih zi uns zwein? (quid mihi et tibi est mulier Joh. 2, 4)
Otfrid 2, 60 Piper;
im frühnhd. und spätmhd. treffen an, in den wendungen es trifft etwas an und es trifft an etwas, vgl. nhd. anbetreffen im gleichen sinne (teil 1, 504): agitur de capite aut fama es trifft leyb und eer an Frisius dict. (1556) 66ᵃ; nicht allein dasz es ein irrthum sey, sondern es trifft an leib und leben Paracelsus op. (1616) 1, 281; im gleichen sinn (kaum wie D 1 a), in der construction jedoch wie b: es sei dann gegenwärtig deuf (diebstahl) oder scheltwort, die ainen an seinem leib oder ehr treffen, oder peil oder flieszend wunden österreich. weisth. 2, 124; underwiszen oder leren von allen dingen, es treff an den glouben ... oder andere stuck, die uns not seind zu ewiger seligkeit Keisersberg postilla 2, 72ᵃ; sunderlich in den dingen, die wir meinen, sie treffen an got und gottes dienst Eberlin v. Günzburg 1, 80 ndr.;
wan diu rede wirt vil guot,
ez triffet an die misse ettiwaz,
ir scult ez vernemen deste baz
speculum ecclesiae 146 Keller;
propriora huius causae dienend mer zu der sach, trifft den handel näher an Frisius dict. (1556) 37ᵃ; item margraf Albrecht sol kumen mit dem von Bamberg zu recht seiner vorderung halben, es treff an wilpan, zoll, glait oder anders städtechron. 10, 253; im sinne von 'einer sache gelten, darauf zielen':
der lauff traff an kein ochsenhaut
kein ander kleinot auch forthin,
das man offt auffwirfft zu gewin,
sonder es galt dem Hector eben
auff dise stund seel, leib und leben
Spreng Ilias (1610) 307ᵃ.
öfter auf personen bezogen 'jemanden angehen': wann got erzeyget sein macht mit grossem volck, so trifft die sach an die ganzen cristenheyt von unserm gelauben Pontus und Sidonia (1498) c 2ᵇ, vgl.das recht und das land antreffend d 1ᵇ; solche gleichnusz trifft an die oberherren und gewaltigen Höniger narrenschiff (1574) 182ᵃ; sehend ir, das trifft an die lerer und prediger Keisersberg postilla 3, 52ᵃ; also gab der papst Carolo was er wolt, es trefe gleych an wen es wolt Stumpf Schwytzerchron. (1606) 226ᵇ; und das trifft uns und unsere perkleute gar sere an (tangit) bei Jellinek mhd. wb. 722. — in lexicographischer tradition: interest es trifft an, oder es ist nutz Calepinus undec. ling (1598) 750ᵇ; es trifft viel an importazza Hulsius (1618) 249ᵇ; vereinzelt die sache trifft sich an etwas bezieht sich darauf: dey raet enwere nycht schuldich, noch enmochte ok myt rechte neymande den plass vriien vorder dan hey dar myt rechte wynnen und werven kunde, sint dem male dat dey sake sich dreppet an eyn lyff urkundenbuch d. stadt Hildesheim 590; wat so ghewillekord unde ghehord were, so vorgescreven is, des enmochten noch enmoget sek de jene mit erer unschuld nicht entslaen noch utgaen, woldan dat sek de sake an uns eder an unse stad selven dreppende weren ebda 523.
b)
doch auch, besonders in späterer zeit, in direkter verbindung mit dem object; in dieser form den allgemeineren anwendungen des vb. näher, daher zuweilen vielleicht mit solchen vermischt. 'angehen, anlangen': das trifft das dritt an, da er vor sprach, und was ich thun well trifft dich in der sach Terenz (1499) 13ᵇ;
auf das erfüllet würd die schrifft,
die auch den herren Jesum trifft,
ich hab mein son mit starcker hand
gerufen aus Egyptenland
Ringwald evangelia (1581) E aᵃ;
ainer sprach zu dem andern do,
die jungen und die alten,
wir sullent die recht behalten
als das closter ist gestift,
wan ez alle unser ere trift
Laszberg liedersaal 2, 227;
bapst Helbrant rhümet sich, er hett ein vision gehabt, der vurecht keyser solt disz jar sterben, und traff Rudolfum seinen keyser, dem er die krone wider Henricum hett aufgesetzt Seb. Franck Germ. chron. (1538) 128; ich schicke dieselbigen artigkel e. w. widder, mit antzeygung meyner handt uber etliche, denn viel gantz weltlichen handel treffend, daryn mir nicht gebürt zu richten noch zu rathen Luther 18, 540 W.; wyr wollen hie von misbrauch und sunden des kauffhandels reden, so viel es das gewissen betrifft. wie es des beuttels schaden trifft, lassen wyr fursten und herrn fur sorgen ebda 15, 294; der glaub trifft gott, die lieb den nehesten Petri d. Teutschen weish. 1, a 8ᵇ;
der ander reichthumb trifft die seelen,
wie der apostel geschickt thut melden ...
der dritt reichthumb trifft gelt und gut
Eyering prov. copia 1 (1601) 113;
nach diesem mahl sprach sie mit dem pastor über verschiedene die gemeine treffende dinge v. Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 105; mit dem genit. des objects:
der meynheit dat al drepe,
were nodt dat malk (jeder) nicht slepe
städtechron. 16, 94;
mit dem dat.:
der gotteslästrer flucht und schilt,
wenn man was singet dasz ihm trifft und gilt
Voigtländer oden u. lieder (1642) 2;
ähnlich: es stehet dir zu treffen tua res agitur Dentzler (1716) 289ᵇ. im sinne von 'meinen, bezeichnen':
ein wesen in lufte schiffet,
drî wirte im lockent naht unt tac:
der eine wirt hât gallen
der ander einen vedersac
der dritte süezer spîse vil
unt guot gemach: er ist ein rîcher wirt.
daz wesen dich, mensche, triffet
frauenlob 242, 7 Ettmüller.
etwa im sinne von 'in seiner darstellung darauf bezug nehmen, sich darauf erstrecken, es berühren' (kaum zu III):
er (Josephus) trift vil kurzlîche
die scheidunge der rîche ...
und wie diu welt verenden sol,
daz hât sîn mære gendet wol
Rudolf v. Ems Alexander 16987 Junk.
durch andere bedeutungen, z. b. A 2, gestützt: man ist gut, wann es umb den finger gehet, wann es aber einen seine haut trifft, so krümbt sich auch ein wurmb Lehman flor. polit. (1662) 1, 381;
es treff den vatter oder gelt,
so bleibt die boszheit in der welt.
boszheit und gelt bleibt in der welt,
die frombheit aber behält das feld
Lehman flor. polit. (1662) 1, 119.
hierher vielleicht fälschlich für treffende ursachen, etwa im sinne von 'ursachen, die zur sache treffen', also dringlich sind, wie treffliche ursachen (sp. 1679): die mutter aber hat ihr zu gemüte geführet, dasz sie ihrer dienste bedürfftig; ... so triefende ursachen machten Floriam bey ihrer alten mutter verbleiben Harsdörfer Heraclitus (1661) 279. hierher das vereinzelte moderne treffend 'betreffend', also was zur sache gehört, vielleicht aus betreffend willkürlich zurückgebildet: Grimms randbemerkungen sind an den treffenden stellen ... dem text eingefügt Fromman in: Schmeller-Fr. bayer. wb. vorrede xiv; in beiden formen ist das suffix ein und dasselbe ...; das nähere unter dem treffenden suffix im wörterbuche Christ. Wurm wb. d. deutschen spr. 1 (1858) xvii; die treffende stelle lautet Joach. Meyer neue beiträge (1858) 95.
c)
die räumliche vorstellung wird öfter durch besondere präpositionen und adverbien noch stärker betont als in a; 'hingehören': bi thiu ni drâfun tharasun (in den tempel) thiu thiarna noh ther ira sun Otfrid 1, 14, 16, vgl. Kelle glossar 76; 'zielen, sich beziehen':
uns begnüeget wol da mite,
wirt hie bewæret uf ein ort
daz sich der propheten wort
uf Jesum betiuten gar
und niergen teffen anderswar
Konr. v. Würzburg Silvester 3318 Grimm;
'sich erstrecken, reichen': mir ist aber bisher auf mein underthenig ansuchen kain billichait gevolgt, one zweifel aus der ainigen ursach, dasz etlich wissend, wann mein sach zü red und verhor komen solt, wie weit dieselb treffen und vielleicht dahin raichen wurde städtechron. 32, 291. treffen in im sinne von 'fallen, gehören in': wann die ding die unser herre gott der uberwinder hat behabt, die treffent in unser besitzunge erste deutsche bibel 4, 385 (in nostram cedent possessionem, richter 11, 24), lesart gefallen; ob du lisest deinen weingarten, nichten lisz die herling die do beleybent, wann sy treffent in den nutz des frembden, des waisen und der witwen erste deutsche bibel 4, 209. 'betreffen': ist herkomen, das man kain gesessen man in dem gericht auf Schennan nicht vahen sol, es sei dann, das die sach in malefici treff österreich. weisth. 5, 105. 'bezug haben': und wann aber das plechwerck in disen handel des eysenwercks trifft, dorumb sich wol zympt und billich ist, dasz ein ordnung in dem plechwerck fürgenommen bei Lori bair. bergrecht 82. — hierher vielleicht auch im sinne von 'sich beziehen', statt betreffen, jedoch in junger zeit völlig isoliert: die wahrheit, die jedes kunstwerk haben musz, kann demnach nur eine solche sein, welche sich auf alle, bei der zustandebringung desselben thätigen kräfte gleichmäszig trifft Grillparzer s. w. (1892) 15, 20 Sauer.
2)
zuweilen tritt die vorstellung einer bewegung so stark hervor, dasz die bedeutung in der richtung eines mehr äuszeren 'darauf hinauslaufen' verändert wird, immer in verbindung mit präpositionen (s. 1 c), 'auslaufen':
sie haben zwen bischof usz erwelt,
das in zu schaden trift
Liliencron volkslieder 112;
worumb habt ir ubergangen das wort des herren, das euch nichten trifft zu dem gelucke? erste deutsche bibel 4, 57 (quod vobis non cedet in prosperum 4. Mose 14, 41; es wird euch nicht gelingen Luther); 'auslaufen, führen, zielen': unser junckherren ... volgen der newen verfüeerischen lere. darin sy doch nichts gruntlichs versteen noch etwas guots daraus lernen, noch wissen wohin es treffe, allain zuo hass der geistlichen und zuo arg der weltlichen Berthold v. Chiemsee theol. 110 Reithm.; syre, wa hin trift die red (quid volt sibi, syre, haec oratio?) Terenz deutsch (1499) 77ᵇ; von einer tür etwa 'wohin gehen, führen', wenn nicht einfach: 'gehören' wie 1 a:
sus hat er dich
behalten zeiner porte,
diu nimer me
noch sit noch e
ze nieman traf noch horte
Rudolf v. Rotenburg bei Benecke beitr. 112.
'gleichkommen':
und riten uz vil wol bereit
mit sogetaner gewisheit
und mit sulcher gereitschaft
dez da nicht zu entraft (d. i. entraf)
Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 560;
sô ne liuhte nie sô schône
der sunne noch der mâne ...
der neheines licht
triffet her zuo niht
hochzeit 454 Waag.
vereinzelt auch concret 'reichen', vgl. u. 3, vom steigen des wassers:
ind hatten groys hoffen
dat wassdom (des wassers) suld hayn getroffen
œver dat Ham ind ouch dye Wayt
Christian Wierstrait hist. des beleegs von Nuys 1450 Meisen.
3)
einen betrag, eine summe erreichen, ausmachen, sich belaufen auf; seit dem 15. jh.
a)
meistens in der form etwas trifft einen betrag; ebenso antreffen, s. teil 1, 504, und betreffen:
unser hab und gut
ein kleine summ beträffen thut
Jac. Funkelin geistl. spiel v. d. empfängnis (1553) b 2ᵃ.
treffen: zu behalten meiner scheden, die da treffen mer wann 94 ducaten, die mir dar auf gegangen sein (1431) Zingerle mittelalt. inventare 45;
der frauen schatz der ist wol wert,
dasz sie unser tochter auszsteur.
dann wenn man in schon schetzt nicht teur,
trifft er mehr dann vier tonnen golt
J. Ayrer dramen 200 Keller;
es sol dhein bote gelten an weltlichem gericht in einer sachen, die so triffet über fünf schillinge, er sü dann ein schöffel (1462) Eheberg gesch. d. stadt Straszburg 1, 197; und wann die phant nicht so vil treffen, so mag er mer phenten und die phant aber schätzen als lang, das in ein benügen beschicht österreich. weisth. 5, 485;
forder das gelt! so vil es trifft,
würdt er dirs geben sonder last
Wickram 6, 136 Bolte;
die selb prandschatzung traff ein gros gelt städtechron. 25, 439. auch auszerhalb der geldwirtschaft: thue darzu so schwer als obgemeldte stuck mit einander wegen gar schönen weissen zucker, trifft ungefahrlich 7 pf. Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 249; ist auch nit not als vil schrit zu geen (auf dem kreuzweg), als im yetzliche weyten (im heil. lande) trifft, vil besser ist vil und weyt gangen mit dem hertzen und gebet, dann mit den füssen geystliche strasz (1521) a 3ᵃ;
pfrüend und jarzit hat er (der tote) gestift,
das ein grosse nutzung trifft
N. Manuel 33 Bächtold.
ein zweites object nennt den, der den betrag zu zahlen hat: erbottend sich aber mit denen nidt dem wald nach lib und gut zu stüren, und ir anzal was es inen treffen möcht ze geben Tschudi chron. Helvet. 1, 73 Iselin; mit ainem idern in sonderhait abrechnen ader besichtigen, wie vil es nacht an wihe hat, was es einen idern an geldt zu geben trifft (1314) acten der ständetage Preuszens 5, 561. noch mundartlich, doch wohl gestützt durch das los trifft einen u. s. w. (B 1): bei einer gemeinsamen unternehmung triffts einen (einem) 10 mark Fischer schwäb. 2, 350. — auch in der wendung treffen auf: wurden ... beyde mit rossz und zehrung auf ein grosse summa träffende abgefertiget und heim geschickt Stumpf Schwytzerchron. 591ᵃ; eine Schwytzer meyl haltet achttausend italienischer passus oder schritt, treffendt auf zwo stunden rosswegs und dritthalben stunden richtiges fuszganges ebda 522ᵃ; so auch: quod tempus exit in urbis nostrae CCXLIX annum welches zeyt trifft auf Frisius dict. (1556) 501ᵇ; in besonders stark räumlicher vorstellung (vgl. o. 1 c, 2): trugen mit uns ainen schlauch ... weins, welchen mir Maro ... in zwölf krügen, das trift biss in 24 urn, ... geschenkt hette Schaidenreisser Odyssea (1537) 37ᵃ.
b)
in reflexiver wendung: solich obgemelt goben und obentüren treffen sich allzuͦsammen ahthundert güldin privatbr. d. mittelalters 2, 172 Steinhausen; sie machten die rechnung, das traff sich aber ein ziemlichs, und sunderlich dem schumacher Wickram 2, 39 Bolte; in der gantzen zal alls volcks, die sich trifft 368 000 häupter Stumpf Schwytzerchron. 300ᵇ; das die armen lüte zu Groszengarttach alle jare öwiglichen ... (zahlen müssen) viertzig pfundt heller ..., sechtzig pfundt heller Garttacher wehrung, das ist sechtzig pfenning für ein pfundt heller. das trifft sich an der summa siebentzig pfundt heller, zehen schilling pfenning für ein pfundt (1413) Reyscher altwürttemb. statuarrechte 519;
ich will im geben laut der schrifft
als mein halb gut, wie das sich trifft,
an silber, goldt und auch geret
Wickram 6, 149 Bolte.
auch sich treffen auf: wann man es zusammen rechnet, trifft es sich auf hundert tausent S. Münster cosmogr. (1550) 598; was er im schuldig wär, das traf sich auf ain marck silbers Keisersberg schiff der penitenz 105; die summ traff sich auf 23 zentner, die der künig bezalt H. Boner Justinus (1537) 47ᵃ; aber von Valentiniano dem letzten occidentischen keyser bis auf Caroli Magni bekrönung trifft sichs auf 346 jar Stumpf Schwytzerchron. 193ᵃ; noch nieman nützit selber lossen nemen an dem ungelt ... so sü das gelt empfohent. wann gröplich unzhar wider geben ist, das sich iores umb ein erbar somme getroffen hat (1446) Eheberg gesch. d. stadt Straszburg 1, 143.
c)
in der form es trifft an vereinzelt noch über den anfang des 17. jh. hinaus erhalten, wohl durch andere anwendungen von treffen an und antreffen gestützt; etwa im sinne des heutigen betreffen: worauf ich zur antwort gab, er fordert eine alte schuld, die ich ihme ... wäre schuldig worden, treffe nicht mehr als zehn lausige goldgulden an betrüglicher courtoisiespiegel (1714) 162; auch: was triffts an? quantum debeo Stieler stammb. 2298.
D.
'den menschen innerlich berühren, auf sein inneres wirken'.
1)
jemanden, meist übelwollend, mit etwas meinen, ihn innerlich verletzen.
a)
zuweilen mit geringster beteiligung des 'beeinflussen, wirkungen ausüben', dann dem rein sachlichen 'sich auf jem. beziehen, erstrecken' (besonders C 1 b) sehr nahe, etwa 'jemanden angehen, meinen':
geistlicher vater, ich hort
niulich von dir ein wort
reden uz der schrift,
daz mich vil sere trift
Ottokar v. Steier österreich. chron. 45748 Seemüller;
zu dem wil ich dis mein schreiben nicht allein von den baurn verstanden haben, gerade alse weren die alleine die unterperson und der adel nicht. nicht also. sondern was ich von der unterperson sage, das sol treffen beyde, baur, bürger, eddel, herrn, graven und fürsten. denn diese alle haben auch oberherrn und sind unterperson eines andern Luther 19, 643 W.; dan es ist keyn unterscheyd ym gepot gottis, es trift gleych yderman ebda 6, 69 W.; o weh, das trift mich, denn also hab ich auch meinen unschuldigen ehemann ums leben gebracht schausp. d. engl. com. 165 Creizenach; dies lob schien andere zu treffen Voss antisymb. 2, 28; ein übles zeichen ist ... die autorität der Engländer in sachen des geschmacks. doch trifft dies vielleicht mehr die gelehrten, als den sinn der gesammten nation Europa (1803) 2, 27;
man lauert, flüstert, gleich als wär ein plan,
vorlängst gehegt, zerstört mit einemmal.
wie weit das mich trifft, musz sich endlich zeigen
Grillparzer 8, 239 Sauer;
nein! meine bemerkung trifft personen, die wahrlich allen guten willen ... mit mannigfaltigen ... eigenschaften verbinden Knigge umgang mit menschen (1796) 1, 7; vieles ist erlaubt, nur nicht das, was die seele trifft, nur nicht herzen hineinziehen und wenns auch blosz das eigne wär Fontane I 5, 298; all diese ausrufungen sind unwiderleglich wahr, doch trift keine einzge die bühne Schiller 3, 512 G.; doch gab es auch solche (beweggründe), welche das wesen der sache trafen Ranke s. w. (1875) 14, 13; vor und hinter demselben, was L. gegen W. habe, sind entweder nichts als parerga, für die beide sie ansehen werden, oder wenigstens trifft nichts auf Winkelmanns hauptzweck, die kunst Herder 3, 9 S.
b)
meistens ist 'verwunden, verletzen' mit 'meinen, betreffen, anlangen' fest verbunden; auch ist 'richtig treffen, auffinden', fast schon im sinne von III, beteiligt. häufig in causaler verknüpfung: jemanden meinend an der richtigen stelle anlangen und ihm dadurch eins versetzen, ihn verletzen:
als der spotter daz vernimt,
daz er (der prediger) alle sine missetat
mit worten rechte troffen hat,
daz stichet in denne als ein gart
cod. pal. germ. 341 Rosenhagen;
besonders im literarischen betrieb: desz sol mir niemand für ungut halten, welchen ich triff, der melde sich, ich schreib die warheit Fronsperger kriegsb. 1, z 4ʳ; für meine person wolt ich gern, das niemand mit dieser schrifft getroffen were Pape bettel- u. garteteuffel (1586) e 4ᵇ; eben er ist in diesem buche getroffen Rist friedewünsch. Teutschl. (1648) 23;
da ursacht mich auch zu
vieler hasz und ungunst
von wegen dieser kunst,
der ich etlich in stillen
hett troffen ohn mein willen,
daran ich gantz und gar
rein und unschuldig war
H. Sachs 6, 20 Keller;
die selben solten wol gedencken
das sie vor sässen in dem schiff (narrenschiff)
dar in ich sie und ander triff
Seb. Brant narrenschiff 1, 12 Zarncke;
ich habe andern die ihrige (laster) ... auch rechtschaffen durchgehechelt. vertreust es die jenige, so ich getroffen, warum haben sie dann nicht tugendlicher gelebt Grimmelshausen 3, 30 Keller; darum bin ich in der erzählung aufrichtig. wer mich kennt, der schweige, wen ich treffe, der mucke nicht Holston u. Augusta (1780) 3. mehr im sinne von 'betreffen' als 'verletzen': meistens mit redeäuszerungen treffen: die criticken in den beyträgen zur critischen historie sind so gründlich und so bescheiden, dasz auch diejenigen, die sie treffen, sehr zufrieden seyn können, auf eine so glimpfliche art beurtheilet zu werden Gottschedin br. (1771) 1, 34;
der Eulenspiegel merckt die redt
und dasz er in getroffen hett,
und sprach: ja, juncker, es ist recht,
die dieb, die sind ein grosz geschlecht
Fischart Eulenspiegel 66 Hauffen;
so glaybstu wenig Christi wort.
damit er auch di hat troffen,
di in ir selbst reichtumb hoffen
Schwarzenberg Cicero (1535) 145;
weil sich dabei ein kurzweiliger rath in einem narrenhabit präsentiert und so resolut gewesen, dasz er ... die diener einen und den andern also treffen und manchem die wahrheit sagen können Zach. Allert tageb. a. d. j. 1627 39 Krebs; eine wahrheit sagen, die jemanden treffen kann J. E. Schlegel w. (1761) 5, 446; vergesse sie nicht, mit wem sie spricht. — verzeihen sie, weisz ich dann, wo man sie trift, und bin ich schuldig, wenn es geschieht? Fr. M. Klinger neues theater (1790) 2, 275; (sie) soll geäuszert haben, es sei erstaunlich dasz ein so bedeutender künstler ein so unbedeutendes äuszeres habe, worauf Mozart an seiner schwachen seite getroffen seine neigung von ihr abgewendet ... habe O. Jahn Mozart 4, 298; da jener ihn, ohne es zu ahnen, an der verwundbarsten stelle traf W. v. Polenz büttnerbauer 1, 62; das traf seinen stolz H. Laube ges. schr. 14, 150. in besonders reinem sinn von 'meinen': weiln aber bey vielen menschen dergleichen laster gefunden werden, so nimt der fürwitz und neide leichtlich ursache zu verleumbden und zu sagen: hie ist der und der gemeinet: hie ist dieser, dort jener getroffen Rachel satyr. ged. 3 ndr. weniger 'verletzen' als 'richtig auffinden': das macht, weil dein schatz ein soldat ist, erwiderte ihr die nachbarin; da lachten die mädchen und die getroffene erröthete J. Kerner dichtungen (1834) 376. bezeichnet das subject etwas für den betroffenen unangenehmes, so tritt eindeutiger der sinn 'sich auf jem. feindlich richten, ihn feindlich berühren' hervor: hätte seine wolgemeinte erinnerung wie glüendes eisen das kühlwasser ... angenommen, welches das gewisseste zeichen getroffener boszheit wäre Lohenstein Arminius (1689) 2, 540ᵃ; die allgemeine klage über hannövrischen adelstolz trifft wohl zumeist die liebe jugend gewisser familien Heine 3, 108 Elster; aber man sollte bedenken, dasz diese anklage mehr meinen gönner trift, als mich selbst Schiller 14, 214 G.; unzweifelhaft trifft der vorliegende fall, soweit er diese natur hat, mehr mich als meine collegen. die letzteren sind ... nicht in dem masze wie ich öffentlich verletzt worden Bismarck ged. u. erinn. 2, 230 volksausg.; nie aber trift dieser (der untergang des einzelnen) das innere der natur, die über allen ruin erhaben, immer als Phönix aus ihrer asche ersteht und mit jungen kräften blühet Herder 13, 24 S.; und doch trifft dieser fehler unter den uns erhaltenen büchern ... nur die zehn ersten Niebuhr röm. gesch. 2, 274. gelegentlich überragt das 'verletzen' so sehr das nur 'anlangen', dasz die grenzen gegen andere bedeutungen des vb. verloren gehen; besonders in concretisierend bildhaften wendungen: die jenigen, so da entpfinden möchten, das ich sie mit der lautern warheit etwa unversehens an die böse zeh ... eben hart getroffen hette Ringwald lauter warheit (1597) a 6ᵇ;
der thor, wann ihn ein stich zu scharf, zu beiszend trifft,
schimpft den verfasser nur, und liest kaum seine schrift
v. Cronegk schr. (1766) 2, 95;
triffst eben die alten wunden, die ich neulich aus Straszburg getragen schausp. d. engl. com. 122 Creizenach;
alle schmertzen, die wir tragen,
treffen nur den leib allein
v. Besser schr. 2, 750 König;
wer andre leute schmeht,
hat oftmals über hoffen ...
sich selber recht getroffen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 169;
einen mit eim versz träffen, stumpffieren oder schmützen Frisius (1556) 193ᵃ; einen mit spitzigen worten, mit strafworten treffen Kamerr 2 (1702) 1120ᵇ.
c)
etwas trifft mich nicht 'trifft nicht zu recht, kann mich nicht treffen, tangiert mich nicht'. von tadelnden meinungsäuszerungen, ähnlich wie A 2; während jedoch dort ein unbedingtes eintreten bezeichnet wird, ist hier das treffen abhängig vom charakter dessen, auf den es gerichtet ist; den unschuldigen treffen beschuldigungen usw. nicht, obwohl sie objectiv doch eintreten. seit der wende des 17. jh.: mich treffen alle ihre vehemente beschuldigungen gar nicht Göthe IV 1, 206 W.; über den begriff von ehelichem glück erläszt er ... eine beichtväterliche zurechtweisung, die mich nicht trifft Bismarck br. a. s. braut 50; sprach über mich ein greuliches anathema, das mich aber, gottlob! in ewigkeit nicht treffen kann Chr. F. D. Schubart leben u. gesinn. 2, 2; deine spöttereyen treffen uns also, wie du siehest, im geringsten nicht Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 335; denn was sophistische, partheyische und feindselige verdrehungen thun können, ... trifft keinen redlichen scribenten G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) vorw. 17; wie sich denn der herzog von Braunschweig in absicht dieser briefe genommen? hoffentlich, wie ein fürst, welchen ihr inhalt ... nicht trifft K. Fr. Cramer Neseggab 2, 60; bildhaft concretisiert: die streiche seiner kritik treffen nicht die 'gedanken' Justi Winckelmann 1, 442; in verschiedenen wendungen vom vorwurf: der vorwurf trifft mich nicht Iffland frauenstand (1792) 198; die zwey oder drey (philosophen) von unsrer nazion, welche dieser vorwurf nicht treffen würde, sind grade solche, die nur streifzüge in das gebiet der philosophie gethan haben Athenäum 2, 29; du quälst dich freund, wo dich kein vorwurf trifft A. v. Arnim 20, 4 Grimm; mich kann kein vorwurf treffen O. Ludwig 3, 43; sind schon im Virgil und Milton die reden nicht gespart, und oft von einer beträchtlichen länge, so trifft der gleiche vorwurf die Messiade in noch ungleich höherm maasze Fr. Schlegel 2, 189.
d)
sich getroffen fühlen 'merken, dasz man gemeint ist', einen vorwurf auf sich beziehen, seit dem 17. jh.: diesen auszwischer reibet der gute man gedultig ein, denn er fület sich getroffen, sein eigen gewissen uberzeuget ihn, das ihm der herr die lauter wahrheit gesaget hab S. Artomedes christl. auszlegung (1607) 1, 770; es müsse denn mancher sich in conscientia malae causae in einer historie getroffen fühlen J. Riemer polit. maulaffe (1679) vorrede; dieser scherz gelang zur ergetzung der höchsten gönnerin, nicht ohne kleinen verdrusz einiger gegenwärtigen, die sich getroffen fühlen mochten Göthe 16, 44 W.; der herr vorredner scheint sich durch das, was ich gestern über die siegreiche gewalt der beredsamkeit gesagt habe, vorzugsweise persönlich getroffen zu fühlen Bismarck pol. reden 4, 254 Kohl; ich meine ihn nicht damit, und ich hoffe, er fühlt sich nicht getroffen Fr. M. Klinger w. 6, 159; ich habe manchmal gewissen leuten nicht zugetrauet, dasz sie Herrnhutische meinungen hegeten, noch weniger, dasz sie solche defendiren wollten: dennoch haben sie sich oft getroffen befunden, auch mündlich und schriftlich es nicht verschmerzen wollen J. G. Schütze Herrnhutianismus 1, 117ᵃ; wer sich getroffen befindet, der schweige still Kramer 2 (1702) 1121ᵇ; Lisette bey seite: st! sie findet sich getroffen v. Cronegk schr. (1771) 1, 59; es ist niemand anders, als der, welcher sich getroffen merkt Rabener s. w. 2, 27; man verzeihe mir auch, wenn jemand unschuldig sich getroffen glaubt J. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 15.
2)
auf jemanden seelischen, geistigen eindruck, wirkung ausüben. während die anwendungen von 1 vor allen beziehungen zu 'anlangen, betreffen' (C) zeigen, wird hier mehr ein erfassen, beeindrucken des ganzen inneren menschen bezeichnet, so dasz öfter A, zuweilen sogar I B nahe stehen.
a)
in älterer zeit am reichsten bezeugt mit beziehung auf das herz, gewissen usw. des menschen:
unde wolde (sie) ir herze bringen
an den des groze gute
mit einer suzen glute
hete ir herze troffen,
ir gloube unde ir hoffen
passional 373 Hahn;
wenn ein mensch etwan troffen wirt in seinem herzen, es sei durch das wort gottes aus dem munde des predigers oder durch innerliches einsprechen gottes des herren, das im in sein hertz kompt Keisersberg predigen teutsch (1508) 43ᵇ; denn sie was getroffen und gerürt worden in irem hertzen Keisersberg postilla (1522) 4, 11ᵃ; jetzendan was im sein hertz getroffen worden von den worten des herren und was gantz umbgewendet ebda 3, 76ᵇ; das redende wort trifft das hertz Petri d. Teutschen weish. 2, m 5ᵇ; wenn man das hertz trifft, so guckts herfür, trifft man die augen, so gehets wasser herausz Lehman flor. polit. (1662) 1, 335ᵃ;
soll ich dir sagen, mein sohn, so hast du, ich glaube, gewählt,
denn dein herz ist getroffen, und mehr als gewöhnlich empfindlich
Göthe 50, 220 W.;
sie wird den könig nach und nach besänftigen, nach und nach das edle, gute seines herzens zu treffen suchen Fr. M. Klinger w. 1, 238; er wuszte das herz des hörers so sicher zu treffen, dasz er niemals sang, ohne mit den süszesten thränen belohnt zu werden Chr. F. D. Schubart ästhetik d. tonkunst 55;
gewisz, der umgang giebt die beste wissenschaft,
die mehr die herzen trifft, als schriften ohne kraft
J. E. Schlegel 4, 16;
die worte hatten mich gerade ins herz getroffen Storm w. (1899) 1, 154; einfacher und mehr zum augenschein war das leben des andern, und seine tugenden und verdienste auch also treffender an das herz, denn ein held ... konnte doch eher eine menschliche thräne hervorlocken Herder 3, 36 S.; er war ins herz getroffen, und seine bemühung, dies zu verbergen, machte die thränen, die ihm entschlüpften, nur um so schrecklicher Varnhagen v. Ense galerie von bildnissen (1836) 1, 88; sie hat dich und mich bis ins innerste herz treffen wollen gartenlaube 38 (1874) 605ᵃ; (Satan) traff auch die heimlichen ort meiner gewissene und conscientz mit disen nydigen, hinderlistigen und gefarlichen scrupelen Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 106 ndr.;
treff ich mit einem wort wem das gewissen
Voigtländer oden u. lieder (1642) 1, 4;
wart alter! dich will ich fangen, ins auge will ich dich fassen, so starr, dasz dein getroffenes gewissen durch die larwe erblassen soll Schiller 2, 134 G.; kein carthaun ist so starck, kein donnerstreich so mächtig, als das gesetz, wann es das gewissen recht rührt und trifft Dannhawer catechismusmilch 1, 35; in jüngerer zeit besonders die seele:
die böse lust, der jugend gift,
hat deinen wandel nicht beflecket;
auch nie den schnöden trieb erwecket,
der nur gemeine seelen trifft
Gottsched gedichte (1751) 125;
keine kunst trift doch so unmittelbar die seele, wie die musik Heinse s. w. 10, 74 Schüdd.;
sie reden durch die that, die in die seele trifft,
denn aus der seel ist sie entsprungen
Seume ged. 36;
jetzt trafen die worte des vaters den menschen mächtig in ihre seele maler Müller w. 1, 31; so würde unser geist durch diese werke weniger getroffen, weniger verführt werden Göthe 40, 214 W.;
diess alles traf jetzt blizschnell meinen geist,
und vor mir stands mit leuchtender gewissheit
Schiller 15, 2, 447 G.
b)
in direkter beziehung auf die person, in älterer zeit besonders bei Luther: weil er (der mensch) sündiget, ist er nicht verzagt. aber hernach, wenn jn das gewissen trifft, und gott kömpt zu laden, werden die augen auffgethan Luther 4 (Jena 1574) 27ᵃ; ir gewissen traff sie selbst buch der liebe (1587) 215ᵃ; wenn sie sich am ende vom gewissen getroffen zeigt, weiss man nicht, warum O. Ludwig ges. schr. 5, 394; ob ich Hansen nicht, so treff ich Petrum, si ille non convertitur, alius convertetur Luther 34, 1, 393 W.; hierher vielleicht auch, im sinne von 'beeinfluszen, für sich gewinnen':
er gab im grozen prisant (geschenk)
und hoften daran treffen,
der munch gedachte in effen
und mit valscheit wisen ab
passional 449 Köpke.
am besten bezeugt von den wirkungen der liebe; wie weit die eigentliche bedeutung des seelischen wirkens, und nicht nur bildhafte übertragung im sinne des bewaffneten liebesgottes (wie I B 2) vorliegt, bleibt im einzelnen unklar:
swen minne ie herzeliche traf,
den vervie nie krut noch würze saf
Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 4391 Hahn;
die lieb hat mich getroffen, mein hertz ist vor lieb gantz bewegt Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) d d 6ᵃ; fande ich mich gleich das erste mal getroffen, als mich ihre (der dame schönheit) wunderstrahle nur anschienen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 232; Enrique wird von der schönheit des mädchens getroffen, die von ihrem balkon dem einzuge zuschaut Grillparzer s. w. 17, 155 Sauer;
da ward der starre kaiser,
getroffen von dem strahl
der anmuth, zum lobpreiser
der schönheit auch einmal
Rückert 1, 147;
wie o. a: sy (die liebe) ... trift und wundet ouch mit unerkantlichem füre die hertzen der jungfrowen Niklas v. Wyle translat. 32 Keller;
o lebte der noch, welchem so tief das herz
der liebe macht traf!
Klopstock oden 1, 67 Muncker-Pawel;
allein gelassen gesteht sie zwar ein, dasz ihr herz getroffen sei, aber ihr vorsatz steht fest ... dem verlobten die treue zu halten O. Jahn Mozart 4, 493.
c)
erst in junger zeit entfaltet sich die bedeutung des geistigen seelischen wirkens in ganzer fülle und vollständigkeit, ohne die bildhafte anlehnung an I B.
α)
die wirkungen auf den menschen sind wohltuender oder schmerzlicher art: das hat mir gefallen. ich fühle, sie haben ein stück von mir getroffen Bauernfeld ges. schr. (1871) 4, 9; sage meiner ... freundinn, dasz ihr brief und Klingers mich gar schön getroffen und gerührt hat Göthe IV 39, 52 W.; nur die handlungslosen lustspiele, welche meine genossen reichlich anfertigten, trafen und erregten mich garnicht H. Laube ges. schr. 1, 104; die worte waren nicht so merkwürdig, sondern wie sie jeden von uns zu treffen schienen; mich zum wenigsten bis in den grund W. Schäfer erz. schr. (1918) 3, 76;
ich hab gehört, dass schuldige geschöpfe,
bey einem schauspiel sitzend, durch die kunst
der bühne so getroffen worden sind
im innersten gemüth, dass sie sogleich
zu ihren missethaten sich bekannt
Shakespeare 3, 227 Schlegel;
so tief getroffen, starr erstaunt
die erde steht der botschafft
Göthe 3, 204 W.;
ich hatte ihre stimme seit vielen jahren nicht gehört; um so tiefer traf mich der eigenthümliche accent Storm w. (1899) 1, 253; diese unvermuthete nachricht traf Wilhelmen im innersten Göthe 22, 138 W.; zudem hatte er vor ein paar stunden eine nachricht erhalten, die ihn schwer getroffen W. v. Polenz Grabenhäger 2, 310; wenn er in unholden augenblicken eine gute, theilnehmende, liebevolle empfindung wegstöszt — es trifft mich! Göthe 9, 131 W.; es scheint ihn schmerzlich getroffen zu haben, dass meine berufung nach Leipzig ... in so ganz vager aussicht dasteht Dahlmann in briefw. zw. J. u. W. Grimm Dahlm. u. Gerv. 1, 206 Ippel; vernehmen sie aber, dasz mein sohn, schmerzlich getroffen von ihrem verlust, zu antworten nicht getraute Göthe IV 31, 2 W.;
wie schmerzlich, wie erschütternd ihr bericht
mich traf, mich treffen muszte, sehn sie selbst ein
Immermann 17, 76 Boxberger;
aber das treffliche mädchen, von solchen spöttischen worten,
wie sie ihr schienen, verletzt und tief in der seele getroffen
Göthe 50, 259 W.;
ich musz mir seinen scherz gefallen lassen,
er trifft mich zwar, doch trifft er mich nicht tief
ebda 10, 111;
er war bis ins tiefste getroffen. aber seine vertrauensseelige natur überwand es wieder Fontane I, 4, 207; geld, zeit und arbeitskraft war vergeudet, und was ihn noch tiefer traf, er hatte sich bloszgegeben O. Ludwig ges. schr. 1, 163.
β)
zuweilen ist neben der inneren wirkung auf den menschen ihr äuszeres eintreten in der bedeutung enthalten, dann 'befallen' (A 2, B) sehr nahe: die rede, sein ton, sein händedruck, seine miene, sein blick, das alles traf, wie eines gottes macht, mein wesen, das von manchem leiden jetzt gerad entzündbarer als je war Hölderlin Hyperion (1797) 2, 86; die herrliche wirkung der säulen traf dich, du wolltest auch ihrer brauchen und mauertest sie ein Göthe 37, 141 W.;
mir traf freudig ein schauer das herz
Mörike 1, 119 Göschen;
traf dich nie ein verlangen nach jemand, der entfernt war?
Voss Theokritos (1808) 98;
da nichts den menschen so angeht, und wenigstens so sprachartig ihn trift, als was er erzählen soll, thaten, handlungen, begebenheiten Herder 5, 83 S.; so schon, auf B 3 a ruhend:
kleine lichter, welche schwimmen
auf dem laub und auf der flut, ...
treffen mit gefärbtem schertz
durch die augen unser hertz
Brockes ird. vergn. 4 (1745) 9.
γ)
in der stellung ohne object, in der ganzen gruppe D sehr selten, zeigt das vb. eine besondere nuance: die wirkung (des Epimenides) war bedeutend grosz und trotz der verwöhnung unsres publicums ... hat es (das stück) getroffen; ja, es erschien wie eine vision Zelter an Göthe 2, 150 Riemer; im blonden Ekbert werden ebenfalls schauer erregt, an denen keine häszlichkeit der erscheinungen theil hat und die um so überraschender treffen, weil sie nicht mit grossen zurüstungen herbeygeführt werden Athenäum 1, 174; aber auch im ernst sprach Mozart manches scharfe urtheil über künstler grade und offen aus, das um so unangenehmer traf, je entschiedener sich die überlegenheit seiner künstlerischen natur darin kundgab O. Jahn Mozart 3, 299;
nun hast du mir den ersten schmerz gethan,
der aber traf
Chamisso (1836) 3, 16;
don Ramiro! don Ramiro!
deine worte treffen bitter
Heine 1, 42 Elster.
III.
etwas mit den geistigen kräften erreichen, erzielen, lösen, bewirken. im gegensatz zu I B und weiten bereichen von II (besonders A und D) fehlt jede beeinfluszung und veränderung des objectes durch das treffen, insbesondere kann hier das treffen nie auf den menschen gerichtet sein (vgl. dagegen II D). vor dem 16. jh. nur vereinzelt (s. u.A 1 a; b β; c).
A.
rein geistiges erreichen eines bestimmten zielpunktes.
1)
in den allgemeinen geistigen bezirken, meist im sinne von 'finden'.
a)
mancherlei zeugnisse zeigen besonders deutlich, doch wohl meist in secundärer verbildlichung, dasz das 'geistig erreichen' aus dem 'mit waffen, besonders schuszwaffen, richtig treffen' erwachsen ist (vgl. I B 3):
nie wîp wart sô guot noch man,
daz er alle zît daran
treffe des er wil râmen (zielen)
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 3720 Weinhold;
wers trift, dem klappt es, besser schäl dan fähl, sagt ein mahl ein schielender schütz Fischart groszm. (1572) b 3; wer im neuen mond sein geld zehlet, der hat hernach immer geld; ... ist zwar gut gezielet, aber blutübel getroffen J. G. Schmidt rockenphil. (1706) 2, 98; gedancken sind wie kugeln aufm kegelplatz, sie lauffen und fehlen, sie lauffen und treffen Lehman flor. polit. (1662) 1, 262; welcher (verfasser) selbst denkt und in manche blöszen unsrer systematiker glücklich trift Lessing 7, 51 L.-M.; auch höre ich von auswärts, dasz die ersten abschnitte sehr gut aufgenommen sind. es kommt nur jetzt darauf an, immer dieselbe stelle zu treffen, und die wirkung wird wohl nicht ausbleiben Göthe IV, 11, 26 W.; einer wirfft einmal auf ein wurff und triffts, ein ander wirfft zehen mal und fehlt Lehman flor. polit. (1662) 2, 31. in bildhaften wendungen: drümb wöllen wirs ... einfeltig auslegen und wöllen sehen, das wir mügen treffen den kern Luther 24, 19, 14 W.; wenn er sich erst durch das fremde durcharbeiten musz, ehe er den kern recht treffen kann Solger nachgel. schr. (1826) 1, 161; die juristen, die am seltensten den rechten punkt treffen, waren der ... meinung v. Hippel kreuz- u. querzüge 1 (1793) 16; flüchtige betrachtungen, die selten den rechten punkt treffen Gerstenberg recens. 85 lit. denkm.; liesz ... stellen, bei denen er etwas zu erinnern hatte, wiederholen, vermehrte dadurch die einsicht der schauspieler, und verstärkte ihre sicherheit, den rechten punct ... treffen Göthe 22, 121 W.; dasz Lessing, welcher der richtigen erklärung so nahe kam, dennoch den eigentlichen punkt keineswegs getroffen hat Schopenhauer 1, 303 Grisebach; es ist vielmehr im höchsten grade zu bewundern, wie er immer den punkt zu treffen weisz, von wo aus ein ganzes sich organisiert O. Jahn Mozart 4, 254; wenn ihr überall so den fleck zu treffen wisst J. M. Babo schausp. (1793) 36; auf einmal dringt seine bessere natur, sein groszer geist wieder durch und er trifft, schlag auf schlag, wieder den rechten fleck Göthe IV 11, 150 W.; kan das Meyern ein beweis seyn, der gewisz schon der fälle mehr erlebt hat, wo sie den rechten fleck traf Caroline (1871) 1, 97 Waitz; ich glaube, dasz sie auf den rechten fleck getroffen haben, wenn sie behaupten Wieland 15 (1795) 339 Göschen.
b)
auf concreta gerichtet, in realen bereichen, in starker nähe zu I B, besonders 3 und 4.
α)
im reinen sinne des geistigen erreichens eines zielpunktes: und zeigt an, das Marinus von den Canarieninseln bis zu dem wasser Eufrates nit übel gerechnet hat, aber darnach weiter bis in Indiam hat er die intervall nit wol troffen S. Münster cosmogr. (1550) 35; des hanen stundmeldung, welcher den gewissen minut und punct trifft L. Thurneisser magna alchym. (1583) vorrede 2; dann wo einer deren underscheid nit wüste, wie wolt er die tag oder nachtreisen mögen treffen Xylander Polybius (1574) 387; (dasz ich) also den rechten calculum darauf nach den tabulis magini gleich anzustellen wüszte ... also wann sie einmal nicht getroffen und verfehlet haben, werden sie verdrossen und müde H. Röslin prodromus (1612) 28; gleichwie die mönche und nonnen den psalter lesen und auswendig treffen Luther 33, 665 W.; doch wohl schon mit dem nebensinn 'veranstalten' (B): will nun einer die rechte prob treffen und den rechten halt wissen anzugeben, der musz sich nicht verdrieszen lassen und ... mehr als ein prob machen Ercker beschr. aller mineralertzt 99ᵇ; dagegen ganz concret vom richtigen zuschneiden des tuches:
drumb bleibt es wol eyn meysterstück,
und wird stäts heysen, der hab glück,
der recht kan treffen den quadrangel,
dasz er auf all eck hab keyn mangel
Fischart jesuiterhütlein 745 Hauffen;
es gehört aber hierzu ein gar zahmer gaul, der ein gleichen pasz oder schritt gehet, damit man auf ihm schreiben, und die abgemessene werte gerade treffen kan L. Hulsius vierdter tractat (1615) 9; hierher wohl auch, wenn nicht direkt vom richtigen werfen der würfel (also I B):
hie sint dri wirffel gut
und ich wel heben an.
sehet er da min augen stan? ...
so hon ich dri sess droffen
Alsfelder passionsspiel 6955 Grein.
in jüngerer zeit nur vereinzelt: (ob) auch alle, so wol tauf- als geschlechtnahmen, in dem unterschiedliche ausländische und gar unbekandte darunter, recht getroffen seyn werden, und mag leicht geschehen seyn, dasz ein vocal oder mitlautender buchstab vor den andern gesetzet und abgedrucket worden Neumark neuspr. teutsche palmb. (1668) 40; sind sie noch jung? — bey den pferden treff ichs alter genau Meisl theatral. quodlibet 2, 206. besonders vom 'abpassen' des richtigen zeitpunktes: man kan sogar eigentlich die leichzeiten der fische nicht treffen, dann darnach es wittert oder warm ist, darnach streichet oder leichet auch eine jedere species fischbüchlein 61;
allein zu diesem zweck, dasz ich den rechten tag
zum pfropfen und zur saat im monat treffen mag?
Caniz gedichte (1727) 104;
o das ich ein guͦte stund treff! würdest du das stündlin treffen, so bist du genesen, wo nit, so helff dir got Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 97ᵇ; aber er traff ein böse stund, dann jhm wurden verwundet bey 60 mann Stumpf Schweizerchron. 370ᵇ; wer die stund trifft, die gott bestimpt hat, so gehet alles von statten, trifft man sie nicht, so wird nichts drausz Lehman flor. polit. (1662) 2, 938;
es ist vor augen schein,
die menschen nicht fürsichtig sein,
nicht treffen können d rechte zeit,
wenn sie solln gehn zu rath oder streit
B. Waldis Esopus 1, 144 Kurz;
die rechte zeit etc. treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ;
ich weisz wol, dasz diese schrifft
die gesolte zeit nicht trifft
P. Fleming teutsche poemata (1642) 386;
also ist eyn zeit zu reden und eyn zeit zu schweigen, wie Salomon sagt, selig ist der, der sie treffen kan J. Agricola sprichw. (1534) c 4ᵃ;
sie hatten recht getroffen
das glück, die zeit, den ort
Rist poet. lustgarte (1638) j 7ᵃ;
wer aber einen klaren tag trifft, hat seine mühe gewisz nicht zu bereuen
Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 37;
einen augenblick zu benutzen, den mich die nachlässigkeit der wirthschafterinnen manchmal treffen liesz
Göthe 21, 21 W.
β)
anwendungsbereiche, in denen zuweilen auch das ausführen einer sich länger erstreckenden handlung mit bezeichnet wird (s. B). einen weg treffen, zunächst concret 'finden':
alsô, daz brûdir Hartmann
und mit im wol sechzic man
solden in daz land sich kêrn,
und ein teil da dorfir hern;
doch vortarb in dî geschicht,
want si der wegge trâfin nicht
Nicolaus v. Jeroschin chron. 24829 Strehlke.
vielleicht schon mit dem nebensinn 'den weg begehen':
also liesz ich zur lincken handt
ligen dasselbig ketzer landt,
und eilt, und traff den nebenpfadt,
und kam gen Franckfurdt in die stadt
Erasmus Alberus fabeln 177 ndr.;
die augen sein die strasz ...
dadurch in unser hertz Cupido trifft den weg
Opitz teutsche poemata 74 ndr.
meist in mehr oder weniger abstracten und übertragenen anwendungen, entsprechend den bedeutungen von weg: streben frei hie wider den strom und legen sich uberzwerch in weg, den sie nicht treffen können, nur andere auch am gange zu hindern Nigrinus anticalvinismus (1595) 19; der soll die seel widder kriegen, eee der leyb anfahe zu verweszen ... er soll den weg zum leben treffen Luther 32, 61 W.; wir ... den weg des worts on irthung treffen Hedio chron. Germ. (1530) a 1ᵇ; ein nüchtern seel hat viel zu schaffen, dasz sie den engen weg zum himmel treffen kan Lehman flor. polit. (1662) 2, 780;
der, ganz mit Friedrichs geist, den einzgen weg getroffen,
den Friedrichs fuss noch unbetreten liess!
Kretschmann s. w. 5, 10;
etwa 'in der rechten weise vorgehen':
es steht nicht fein, wann einer will
ein andern underweisen vill,
und trifft selbs nicht den rechten wegk,
und ligt bisz uber die ohrn im dreck
Erasmus Alberus fabeln 85 ndr.;
(da) in allem aber der gemeine nutz in acht genommen werden musz, ... ists nicht ein geringes stück der weiszheit, in diesem allen den rechten weg zu treffen Eyering proverb. 1, x 2ᵇ; auch in junger sprache, doch jetzt antiquiert: dasz allein die Griechen den rechten weg getroffen haben, weil sie die schönheit der natur suchten und bei der edlen einfalt blieben Justi Winckelmann 1, 265; wie vielerley wege sucht sich der mensch aus, zu seinem glücke zu kommen, und wie selten trift er die rechten wege! G. W. Rabener s. w. 5, 112; allein man darf nicht denken, dasz es ihr (der mathematik) so leicht geworden, wie der logik, wo die vernunft es nur mit sich selbst zu thun hat, jenen königlichen weg zu treffen, oder vielmehr sich selbst zu bahnen Kant 3, 9 akad.; immer geneigt den zu entschuldigen, der nicht ganz den rechten weg und die rechte weise trifft Göthe IV 11, 36 W. das mittel, masz u. s. w. treffen 'das rechte mittelmasz in etwas erreichen'; neben dem eigentlichen 'finden' spielt schon die bedeutung 'masz halten', also ein sich erstreckendes tun, mit: das ain andechtiger mensch, der das mittel nit treffen kan, seinen leib vil ee etwas zärtlicher ziech, weder daz er im zuͦvil entziehe Keisersberg schiff der penitenz 64; er (gott) weis das mittel wol zu treffen, das er nicht zu bald noch zu lange hilfft Luther 19, 426 W.; wellent wir das mittel treffen und den bapst seinen gewalt behalten, und die gemeine christenheit ires rechten nit entsetzen Murner an den adel 30 Voss;
ein masz zu allem ding ist gut,
wol dem ders mittel treffen thut
Sandrub hist. u. poet. kurzweil 72 ndr.;
das mittel halten oder treffen ist schwer und nicht einem jeden gegeben Petri d. Teutschen weish. 2, m 5ᵇ;
(Cato) hielt und traff
die mittel weisz
in tranck und speisz
Voigtländer oden u. lieder (1642) 109;
diese letztere begierde zu herrschen eben so wohl kein mittel in ihrer bezeugung zu treffen weisz, als das gelücke zwischen gebot und fuszfall selbtes zu beobachten pflegt Lohenstein Arminius 1 (1689) 27ᵇ. ähnlich wie den weg treffen (s. o.): damit nun aber der sache nicht zu viel, auch nicht zu wenig gethan, besondern die mittelstrasze getroffen werde Prätorius winterquartier (1678) 416; dass wir die mittelstrasse treffen wollen zwischen dem hasse gegen das predigamt und der schmeichelung gegen selbiges Chr. Thomasius kl. deutsche schr. 194 Opel; das masz treffen, bis in jüngere zeit bezeugt: ich wil aber hie das gewissen nicht so ferlich gefangen noch so enge gespannen haben, als must man das mas so eben treffen, das nicht umb eynen heller solt feylen Luther 15, 297 W.; (schweigen ist gut) so man darin die rechte maasz trifft Lehman flor. polit. (1662) 2, 732; mas in etwas halten, treffen, beobachten Kramer 2 (1702) 52ᵇ; gott sey dank, dasz ich in meiner jugend gleich das rechte maasz zu treffen wuszte Lessing 1, 298 L.-M.; Sophokles, ein so weiser dichter des theaters, der zuerst auf demselben gleichsam sittlichkeit und anstand vestsetzte, der hierinn vielleicht einzig und allein das rechte maas traf Herder 3, 73 S.;
und ach ich fühle, nah und fern
ist mir noch manches zubereitet.
o wäre doch das rechte masz getroffen!
Göthe 1, 102 W.;
die mittelmasz ist recht und gut, aber schwer zu treffen Petri d. Teutschen weish. 2, q 8ᵇ; hierher auch 'finden': in dem einen falle würde die halbe entschädigung zu viel, in dem anderen würde sie zu wenig sein, und es ist unmöglich, den rechten maszstab zu treffen Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 73; man erkundige seine phantasie und fühlbarkeit, um jene mit gehörigen bildern zu füllen, und für diese das rechte caliber zu treffen Bürger w. 1, 320 Bohtz. etwa 'einhalten': jene doppelten zarten grenzen richtig zu treffen und treu zu bewahren Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 21 Minor; dasz er (der dichter) diese schranken der veredelung so genau zu treffen gewuszt literaturbriefe 5, 136 Nicolai. die tür, das loch treffen die flucht ergreifen, fortgehen, meist schleunigst, heimlich oder notgedrungen; eigentlich 'den ausgang finden': du fehlest der thür ... die thür treffen, glück und heyl haben sprichw. schöne weise klugreden (1548) 86ᵃ;
in dim schweisz nüsz din brot hinfür,
bis du wider triffst dins usgangs thür!
Hans Salat drama v. verl. sohn (1476) Bächthold;
so hat er vielleicht ein tausendt gülden oder etliche den wippern enttragen, und hat die thür getroffen discursz etzlicher pers. (1621) c 1ᵇ;
die jnn den chor alleyn duͦnt gucken
und zeygen sich mitt presentieren
treffen doch bald wyder die türen
S. Brant narrenschiff 87 Zarncke;
(sie) hatten die hinterthür getroffen, und wolten dieser gäste nicht erwarten Grimmelshausen Simpl. 14 Kögel; und ist ihnen die weile lang gewesen, bisz sie das loch getroffen haben und zur thür hinaus trollen Luther 33, 502 W.; unser herr gott traff ein loch und warffs über ein hauffen ... quia deus fuit Hierusalem captivus, er wuste keyn loch zuo finden ebda 34, 2, 220;
der Eulenspiegel merckt es recht,
und dacht hie bleibstu nit mehr knecht,
und traff gleich auf dem fusz das loch,
dann er hett da gar auszgekocht
Fischart Eulenspiegel 1228 Hauffen;
do der wirt wolt haben gelt,
do draff ichs loch weyt ubers feldt,
mit meynen ferssen bzalt ich das,
was an der kerben zeichnet was
Murner schelmenzunft 16 ndr.;
im sinne von 'fliehen' auch: damalen hat Paulus ... sich verstecken und endlich das küchenfenster treffen, ja über die stadtmauren entrinnen müssen bei Fischer schwäb. 2, 349; anders: das kuhfenster treffen irren (beim fensterln) Schmeller-Fr. 1, 734.
c)
auf abstractes, geistiges gerichtet, daher immer im ausschlieszlichen sinn von 'herausfinden, erkennen': ewer scharpffer verstand ... hat auch ... diss ... glücklich ... getroffen theatrum amoris (1626) 20;
disz sey gesagt nun von dem weiden,
wie solchs der nachtrab kan bescheiden
ey dasz nur keiner doch nit lach!
wie trifft der rab so fein die sach!
Fischart nachtrab 31 Kurz;
ist offenbar, das welcher diese stuck treffen wirt, demselben auch sein fürnemmen gelingen wirt Xylander Polybius (1574) 386;
zu iungest trafen si den sin
und sprachen: so wir wollen uns tot
selber slahen in der not
passional 271 Hahn;
wir treffen das kaum, so auf erden ist, und erfinden schwerlich, das unter handen ist. wer will denn erforschen, das im himel ist? weish. Sal. 9, 16 Bindseil;
ihr, deren dünkel alles misst,
trefft das kaum, was auf erden ist
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 13;
als sie denn auch vorbringen thon
der erbsünd definition,
so sie von einander geteilt
eins troffen, des andern gefehlt
G. Stör geistlich schimpf u. ernst (1612) 25;
ja wenn man öfters auch gantz neue diener wehlet,
triffst du, so schwer es ist, gleich, was ein ieder kan
v. Besser schr. (1732) 1, 70 König.
die wahrheit treffen: wenn die vorsitzenden propheten ... die warheit nit troffen habind Zwingli deutsche schr. 1 (1828) 81; wenn Crispin in der comödie die wahrheit besser trifft, so kömmt es daher, weil seine erdichtete rolle seinem wahren stande näher kömmt Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 85; du triffst die wahrheit A. v. Arnim 18, 5 Grimm; wenn ... jene kartenlegerin das wahre getroffen ... hätte Holtei erz. schr. 1, 32. ein rätsel treffen 'es lösen': ich wil euch ein retzel aufgeben, wenn ir mir das errattet und trefft richter 14, 12; wenn ir nit hättend mit meinem kalb gepflügt, ir hattet mein rädtersch nit troffen Züricher bibel (1531) 124ᵇ;
het ir nit heimlich allenthalben
gepfluget selle mit meiner kalben,
so het ir diss retzel nit troffen
H. Sachs 10, 199 Keller;
ein räthsel, aufgab treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; sie kleiden mir die sache zwar noch in eine art von räthsel, und ich bin nicht glücklich, räthsel zu errathen. aber nie habe ich mehr gewünscht, es getroffen zu haben Lessing 18, 231 L.-M.; darumb so sagt mir den traum, so kan ich mercken, das ir auch die deutung trefft Daniel 2, 9; ich habe mich schon einmal an diese räthselsprüche gewagt, und wie ich befürchtete, ihre auflösung damals nicht getroffen Herder 12, 187 S. geistige gebilde richtig erkennen, einschätzen, verstehen: darinnen ihr mugt mercken, ob ich euren gleuben recht treffe odder wie fern wir von einander sind Luther 11, 431 W.; den inhalt dieses achten gebots recht zu treffen, soll uns lieben christen bekant sein der spruch des heiligen apostels Jacobi H. Roth catechismi predigt (1573) 1, 86ᵇ; darumb ichs auch widder verdeutschen noch drucken habe lassen, wie ich verhiess, besorget, ich mocht die tunckel wort nicht recht treffen und alsso euer meynunge feylen Luther 11, 431 W.; und sind seer heimliche und versiegelte rede, die misslich sind zu treffen, ehe denn sie erfüllet werden Luther bibel 7, 384 Bindseil; ich hofe aber, des propheten meinunge sey getroffen. des sey gott gelobt Luther 19, 435 W.; eines meinung, eines gedancken etc. treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; freute sich sehr, die meinung des theologen getroffen zu haben W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 131; sollten ... fortarbeiten und sich bestreben, seine idee immer besser zu treffen. sie sollten ja nur die zeit zur ausführung hergeben, die ihm mangelte Fichte s. w. (1846) 3, 3, 18. den geschmack anderer richtig einschätzen und, meist in der literarischen produktion, danach handeln: er ist zwar der liebling des volkes, und trift meistentheils den geschmack dieser strengen obrigkeit H. P. Sturz schr. (1779) 1, 16; ich verspreche mir in meinem stücke den geschmack aller nationen getroffen zu haben Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 89; trafen stück, musik und darsteller den geschmack des publikums vollkommen O. Jahn Mozart 4, 602; der wirth brachte ihm da eine sorte gänsewein nach der andern, konnte aber des guten bruders geschmack nicht treffen Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 454; ebenso:
du trifft des andern neigung schlecht,
der ihn mit dem zu reitzen meynet,
was seinen gaumen schmackhaft scheinet
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 24;
er traf damit den sinn der gemeine: man wagte ihm nicht zu widersprechen Ranke s. w. 2, 13; hierher auch: dasz die wissenschaft deutsch redete und die bedürfnisse des lebens traf ebda 31, 88. beim übersetzen sinn und absicht des originals erreichen: ich heisze aber dieses nicht übersetzet, wenn man die worte nach einander verdolmetschet, ungeacht, wie gut oder wie schlimm der verstand an sich selbsten getroffen wird Chr. Weise polit. redner (1677) 17; ich habe mich bemüht in der übersetzung den sinn des verfassers genau zu treffen samml. v. schauspielen (Wien 1764-69) 6 verwechslung, vorw. 4; ich weisz nicht, ob ich in dieser stelle den sinn meines autors getroffen habe Schiller 6, 236 G.; dass hin und wieder mir (ohne vergleichung des originals) der eigentliche ausdruck nicht ganz getroffen scheint J. v. Müller s. w. 5, 362; ähnlich: dieser dänische dichter, der seine stücke selbst in ein leidliches deutsch übertrug und nur bei entscheidenden wendungen das richtige deutsch nicht treffen konnte H. Laube ges. schr. 1, 272.
d)
am reichsten entfaltet in der allgemeinen wendung es treffen, auch es recht, wohl, schlecht treffen, das rechte treffen.
α)
im reinen sinn von 'richtig bemerken, meinen, denken' u. s. w.: du hast es recht troffen, du hast die recht meinung gesagt Frisius dict. (1556) 1095ᵇ; und habens die warsäger nit recht getroffen, so gemeynet haben, es seye ... ein böszes zeychen H. v. Eppendorf Plinius (1543) 11, 184; doch bedüncket mich, die treffen es viel basz, die da sagen, ehr sei aus dem geschlechte der hertzogen im Elsass Johan Herold chron. aller ertzbisch. zu Mayntz (1551) 32ᵃ; (sie sagen) das welcher ... beychtet nicht ... sey unverhofft seiner seligkeit. hie haben sie es wol getroffen und lerent die menschen, allein ungeteylt ire vertrawen und zuflucht zu gott haben Jacob Strausz beychtpüchlin (1523) a 3ᵃ; so kummet mancher zuͦ eim ratszherren und sprichet: ir haben uf meinen eyd hüt ein guͦt urteil geben, ir haben es gerad troffen Keisersberg brösamlin 2, 51ᵇ; daher hats Joh. Carion getropffen, da er etliche jar vor dem schmalkaldischen kriege geschrieben hat, das haus zu Sachsen werden seine eigene balcken drucken A. Lercheimer christl. bedencken u. erinn. v. zauberei (1627) 35;
hat Leo, der nunmehr auch keiner freunde schont,
mit ungunst, wie er pflegt, den langen dienst belohnt?
er schweigt! er kehrt sich um! was gilts, ich hab es troffen!
A. Gryphius freuden u. trauersp. (1663) 8;
du muszt ein erschrecklicher bösewicht entweder gewesen seyn, oder noch seyn, dass du mich so errathen kannst. weil du es getroffen hast, so will ich es nicht leugnen Lessing 2, 320 L.-M.; ich schätzte sie auf 800 scudi; sie sagte, ich habe es getroffen Göthe 43, 53 W.;
ihr möchtet ihn wohl lieber ganz behalten?
ihr habts getroffen. das ist meine meynung
Schiller 12, 147 G.;
die mutter sagt es bloss, weil sie den ewigen streit nicht will ... treff ichs? sage selbst Fontane I 6, 57; ich möchte behaupten, sie hätten es deswegen in diesem punkte besser getroffen, als manche spätere A. W. Schlegel 9, 132;
ich bin erstaunt — ihr trefft es auf ein haar!
wie kommt euch diese kunde?
Zach. Werner die söhne des thales (1803) 1, 304;
ei wie triffst dus bei ainem har,
ja mit der nasen in den mist
Fischart glückh. schiff 46 ndr.
das rechte, richtige treffen:
was er sagt und setzt, das mus gelten,
wie wol er das recht triefft gar seltn
Tetzelocramia (1618) a 8ᵃ;
krumm ist schön, wie Hoghart spricht;
und der traf das rechte
Chr. Ad. Overbeck verm. ged. (1794) 71;
du bist ihm nicht praktisch und lebensklug genug, worin er wohl ebenfalls das richtige treffen wird Fontane I 5, 220; er hatte einen klaren, sicheren verstand, der mit schärfe das richtige traf A. Stifter s. w. 5, 1, 348 Sauer; es treffen den rechten zeitpunkt abpassen, wie o. b α (sp. 1618):
so kummend har, frisch tapfer dran! ...
jr köndtens nimmer träffen basz,
wir hand grad yetz die erste masz
H. R. Manuel weinspiel 279 ndr.;
mancher ist wie ein maulberbaum, der triffts immer mit der blüth und frucht, es schlägt nicht aus, die kält sey dan vorüber Lehman flor. polit. (1662) 2, 777; zufällig trafen es die Berliner freunde, sie kamen gerade in eine pause meiner sämmtlichen thätigkeit Göthe IV 33, 240 W.in jüngerer zeit häufig elliptisch getroffen im sinne von 'richtig':
'so kanst du anders doch nicht als ein hirte seyn'
'getroffen! ja ich bins!'
Gryphius lustsp. 352 Palm;
sie ... glaubten, er müszte mich für meine schwester ansehen ... getroffen! dafür sieht er mich auch wirklich ... nicht selten an Lessing 2, 15 L.-M.;
was nicht ich ist, sagst du, ist nur ein nicht-ich. getroffen,
freund, so dachte die welt längst, und so handelte sie
Göthe 5, 291 W.;
'wie wenn du ein pietist würdest und wöchentlich deine erbauungsstunden hieltest?' 'getroffen! und wenn das nicht geht, ein atheist!' Schiller 2, 41 G.; ich denke mir sie sehr besorgt um das glück ihrer kinder. — getroffen Fontane I 5, 149.
β)
häufig ist mit dem 'richtig erkennen' schon das daraus erwachsene tun, das 'richtig zu wege bringen' mitbezeichnet, und dieses kann sogar zur alleinigen bedeutung werden (vgl. auch b β): schwar zu thun, schwere zu treffen voc. a. d. 15. jh. bei Diefenbach gloss. 624ᶜ; was offt einer bessern wil, das trifft (facit) er ärger Bas. Faber thesaurus (1587) 240ᵇ; mancher samelt ein narung, die kompt nit wyther dan uf den ersten erben, so meint derselbig er habs gantz wol troffen Hartm. v. Cronberg schr. 29 ndr.; das ist wider die scharffen klügling geredt, welche alles was man richtet, urtheylt und entscheidet in den emptern der oberkeit, das tadlen sie, und ist alles unrecht, sie woltens wol anders (geyfern sie) troffen und auszgefürt haben Huberinus spiegel d. hauszucht (1554) l 4ᵇ;
doch fandt er baldt ein feinen ranck,
wie er sich gegen dem gestanck
wolt halten, und traffs dannoch eben,
also, das er erhielt sein leben,
Erasmus Alberus fabeln 157 ndr.;
das die, so mit solchem handlungen umbgehn, nicht wol allzeit es recht treffen mögen, auch nicht immerdar fehlen Xylander Polybius (1574) 9; die dritt verordnet all ihr haab ihren nächstanbornen freunden und erben, die hat es auch nit ubel troffen Stumpf Schweizerchron. 648ᵇ;
kommst du (künstler) aber auf die spur
dasz dus nicht getroffen,
zu der wahren kunstnatur
steht der pfad schon offen
Göthe 3, 120 W.;
'das mittel ist einfach; es heisst: selbst vornehm sein.' 'ja, wenns einer trifft!' A. Schnitzler freiwild (1898) 45; jetzt hat jeder sich eine riesenmühe gegeben, den zucker von seiner nasenspitze abzulecken ... wers zuerst getroffen hat, der hat gewonnen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 384; sie mochten es machen, wie sie wollten, so trafen sie doch nie das rechte G. Keller 4, 286; es pfeiffe uns gott oder heule, er singe süsz oder sauer, so kan ers uns doch nicht treffen Petri d. Teutschen weish. 2, C c 5ʳ; wie es (das mädchen) allenthalben wohl an gewesen, es allen habe treffen können, nur ihr (der frau) allein nicht! J. Gotthelf Uli der pächter (1850) 120;
(wir habens) nie recht treffen können
den leuten nach ihren sinnen
A. v. Arnim 21, 32 Grimm;
hierher auch, etwa im sinne von 'das trifft sich gut' (IV B 1):
der eine winkel, der nach auszen zu,
ist, wie du siehst, ein wenig offen
das hat der zufall gut getroffen
Göthe 14, 70 W.
völlig isoliert der wein ist gut getroffen, etwa 'gut gediehen', also vielleicht 'gut bereitet worden':
de win was redelik gedrapen,
to Dortmunde mocht ein jederman tappen,
des in tein jaren nicht en geschach,
dat makede mannig vrolik gelag
Kerkhoerde Dortmunder reimchron. 130 in: zeitschr. des berg. gesch. ver. 10, 6.
die bedeutung 'richtig machen, bewerkstelligen' geht oft neben der 'richtig meinen, denken, erkennen' (α) nur schwach einher:
wa sie in solchen sachen fehlen,
wer will sie dann für glaubhafft zehlen ...
wa sie nicht sagen war dem bauren,
wann er soll pflantzen oder mauren,
wie wolten sies dann treffen gleich
mit herrn und irem königreich?
Fischart sämtl. dicht. 3, 38 Kurz;
mancher ist weise durch eigen erfarung, der schafft mit seinem rat nutz und triffts Jes. Sirach 37, 25; nun komme ich auf ihre fragen: ich weisz nicht, ob ich es treffen werde; an gutem willen fehlt es nicht Zinzendorf neueste theol. bedencken (1741) 47; wann aber einer seinem fürnemen mit vernunft nachkommet, der mag in allen dingen das recht treffen Xylander Polybius (1574) 386; wo er es ja nicht in allem wol getroffen, doch wol gemeinet ... hat Lohenstein Arminius 1 (1689) d 2; die braune magd waltete und wirthschaftete nun, als ob zwei gekommen wären, ... der bauer dachte, er habe es getroffen A. Stifter s. w. 5, 1, 269 Sauer; dieszmal hab ichs getroffen, und wenn es dir doch nicht gefällt, darfst dus nur umtauschen! Seidel vorstadtgesch. 99; darumb, ob ichs (die zusammenstellung der sprüche) nicht nach dem besten troffen hab, schaff ich doch etwas, nemlich das du öfter solche sprüch lisest C. Huber trost aus der schrifft (1525) a 2ᵇ; fliessen die reime nicht wohl, so bin ich vor eins kein poete, und vors andere sehe ich viel, die es schlimmer machen, wenig die es besser treffen Chr. Weise grünend. jugend 8 ndr.;
ihr habt uns sehn agirn zur stätt;
wolt gott, dasz wir es troffen hetten
Gilhusius gramm. (1597) 157;
auch hing da der letzte herzog von Weisenfels, Einsiedel musste mir seinen charackter machen und trafs, gradheit, güte, vorschwebende schwäche, untätigkeit Göthe IV 3, 11 W.; dasz ers (beim übersetzen) in allem getroffen, glaubet er selbst nicht Herder 12, 338 S.
e)
steht das vb. ohne objectausdruck, so erscheinen zuweilen bedeutungsnuancen. der hauptmasse noch am nächsten, wenn das subject der mensch bleibt: darüber haben schon über 3000 jahr die weisesten männer gegrübelt aber nicht getroffen M. J. C. Männling eroticus curiosus (1717) 64. substantiviert: dasz kein fehlen noch irren ist, sondern eitel treffen Luther 5, 227ᵇ Erl.; etwa 'gelingen': als wann ein koch ein pfeffer kocht: dann da ligt das trefflichst und das letzt treffen in dieser bereytung Paracelsus op. (1616) 1, 219 Huser. auch modern: er (Aristoteles) trifft bewunderungswürdig, obgleich er nicht die inneren gründe zum bewusztsein bringt Solger ästhetik (1829) 15; das kind hatte wiederum richtig getroffen. die zeit war plötzlich erschienen, wo vater und sohn mit bewusztsein beieinander sind Hans Grimm volk ohne raum (1926) 29; fehl treffen: wir sagen diese begriffe mit desto mehrerer kühnheit, je weniger uns unsre kenntnis zuläszt, daran zu zweifeln, dasz sie richtig sind. es ist wahr, wir treffen fehl J. E. Schlegel 5, 417; einige (zeichner) glauben nicht fehl treffen zu können, wenn sie nur eine edle handlung wählen Athenäum 2, 199. etwas jemandem zu treffen geben 'beurteilen lassen': aliorum sit iudicium darüber lasz ich ander urteilen, ich gib es anderen ze träffen Frisius dict. (1556) 72ᵇ; ob er solches mehrmahlen wiederholt, ... das gib ich euch selbs zu treffen, wan jhr euch dessen erinnern wöllen J. B. B. v. Borstel v. d. liebe Astreae u. Celadonis (1619) 1, 37;
nun sind d juden unwillig drab
sagend der keyser nit gwalt hab,
sy von ir alten fryheit z tryben,
drumb wöllends mit gwalt daby blyben,
das gib ich inen nun zuͦ treffen,
dann gwüsz wenn sy sich ab wend werffen
so werdends übel müssen lyden
Jac. Funckelin geistl. spiel v. d. empfängnis (1553) b 1ᵇ.
vielleicht auch im weiteren sinn von 'erledigen' (wie B): du bist mein gewesen, das verleügnest, gib dirs zuͦ treffen und vor got zuͦ verantworten Stainhöwel berühmte frauen (anh.) 317 Drescher. abstracta und sachbezeichnungen als subject; personifizierungen:
jener kriegserfahrne graf,
dessen muth sich nie verirrte; dessen urtheil allzeit traf
v. Schönaich Heinr. d. vogler (1757) 21;
eine sehr leichtfertige klugheit, die öffter fehlt als trifft Lichtenberg br. 2, 53 L.-Sch. der bedeutung von 'zutreffen' sich nähernd, wenn das subject weniger als handelndes vorgestellt werden kann:
noch ist kein bild, das besser trifft,
welchs man gleich kennt ohn dise schrifft,
als der meszesel mit seim kelch
Fischart werke 1, 427 Hauffen;
wenn man sie an der amme brust sah schlafen,
und sie für einen strausz von blumen hielt,
erkannte man, wie sehr die namen trafen
Rückert 3, 170 S.;
träfen beide mutmaszungen über Gotfried und Hermann, so würden beide schon in Willams quelle gestanden haben Jac. Grimm Reinh. fuchs vorr. 159;
doch weissagt sie, und was sie weissagt, trifft
Cl. Brentano ges. schr. 6, 127;
'zutreffen' verbunden mit 'eintreffen' (vgl. IV B 2):
indesz das ferne kommt auch nah;
dann treffen die prognostica
Herder 27, 376 S.
im aktiveren sinn des vb., zuweilen mit spätem nachklingen von 'die sache anlangen' (II C 1): die ehe soll die gatten sich ähnlich machen. hier traf die bemerkung. das zusammen leben hatte hier zwei gesichter sich ähnlich gemacht O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 2, 171; es ergibt sich also, dasz keiner der erhobenen einwürfe wirklich trifft Theutonista 10, 144. ähnlich auch mit objectsausdruck, nun mit fast völligem verlust des sinnes der geistigen leistung (sp. 1617), auch 'erreichen' (IV A) nahe: sein gespräch, wenn es diese punkte trifft, erweckt es (das dunkle in meiner natur) zum klarsten innigsten leben Tieck schr. 4 (1828) 22. fast wie 'betreffen': jene äuszerungen gingen mehr nur auf das formelle, und beziehen sich keineswegs auf das ganze gesetzbuch. in jener hinsicht sind sie freylich wahr, treffen aber auch insofern nicht das vorhin gesagte Thibaut üb. d. notwend. e. allg. bürg. rechts f. D. 416. — besonders stark passivisch, von reinem 'übereinstimmen' (IV B, besonders 3 a) nur dadurch verschieden, dasz ein tätiges geistiges erreichen der wahrheit durch ein subject noch vorgestellt ist; im sinne von 'stimmen, passen, zutreffen': da er denn nothwendig hätte finden müssen, dasz in keinem von beiden fällen die Newtonischen masze treffen Göthe II 4, 132 W.; 'zutreffen': es war gegen halb fünfe an der bekannten thüre, trift das? Fr. Creuzer an Karoline v. Günderode (1806) 248; bis jetzt redet sie wahr, das trifft vollkommen Göthe 13, 154 W.;
war sie eine Spanierin?
von kastilischem geblüte.
wirklich? seht, das träfe schon
Müllner dram. werke (1828) 2, 105;
wie die wahrheit für uns menschen selten tröstlich ist, so trifft es auch hier Göthe IV 10, 296 W.
f)
in verbindungen des vb. mit dem object durch präpositionen tritt der sinn des einfachen 'hinlangen, anlangen' (II C 1) oft stärker hervor als der der geistigen leistung (vgl. auch o. e): wie die gesandten in den ersten zeiten bemerken, dasz auch die unberatenen antworten des jungen königs zur sache treffen, und seinen verständigen sinn in den geschäften rühmen Ranke s. w. 8, 94; seinen ... zur sache treffenden guten rath ebda 14, 112; und glaube, dasz dadurch mehr zur sache treffendes bezwekkt wird Schleiermacher s. w. (1834) I 5, 11; unandächtige! ihr spott trifft näher an die wahrheit als sie glauben A. W. Schlegel 9, 3. im sinne von 'rühren': Goethe trifft immer an dies tragische grundwesen, obgleich er seiner nie dramatisch mächtig wird O. Ludwig ges. schr. 5, 179. treffen auf 'geistig erreichen' und 'hingelangen' (IV A): haben uns schon lange ausgewundert, dasz er auf ein richtiges urtheil so selten trifft: wir wundern uns nur noch cum risu, wenn er wirklich einmal darauf hintappt Gerstenberg recens. 299 lit. denkm.; wenn diese willkür aus einsicht und vernünftigen gründen auf das beste trifft, so wird sie eine freie wahl genannt Mendelssohn morgenstunden (1786) 197. bildhaft, vgl. auchden nagel auf den kopf treffen (I B f α): so zweifle ich keinen augenblick, dasz Torrentius mit der spitze einer nadel darauf getroffen hat, wenn er vermuthet, dasz Wieland Horazens briefe (1787) 1, 189.
2)
in der kunst, fast terminologisch, meist im sinne von 'richtig wiedergeben, schildern'. seit dem 17. jh.
a)
in den bildenden künsten im engsten sinne.
α)
in der malerei 'grösztmögliche ähnlichkeit der natur erzielen', vor allem beim porträtieren: es hat der weitberühmte künstler und mahler Michael Angelus ... auch einen cardinal, so dermalen noch im leben ... darein gemahlt und denselben so natürlich getroffen, dasz jedweder ... gar leichtlich die person ... habe erkennen und darauf mit fingern zeigen können Abele v. Lilienberg gerichtshändel (1654) 1;
fürstin, ihr habt zwar gefunden einen mahler, der euch trifft
Logau 622 Eitner;
da wise Simplicissimus uf den narren und sagte: sihe da, er hat dich in deinem conterfaith nicht recht troffen und dir die schellen an die ohren gemahlt, welche billiger an der zunge stehen solten Grimmelshausen simpl. schr. 4, 234 Kurz; da er ime sein nach der besten kunst gemaltes schönes bild tadelte, als hätte er nicht allein die schuhe, sondern auch die beine nicht recht getroffen Bellin hochd. rechtschr. (1657) vorbericht 18; so würde ich nie in einen kupferstich gewilliget haben; denn mich selbst zu sehen, auch wenn ich völlig getroffen wäre, ist meine eitelkeit nicht Gellert s. schr. (1783) 8, 193; ich finde (in einer stelle aus dem Plautus) darinnen das contrefait des herrn Polyhistors so vollkommen, dasz ihn wohl kein mahler netter treffen sollte Günther ged. (1735) 492; und wenn ich wieder das portrait ansah, so schwand mein bischen hoffnung hinweg, denn entweder sie müssen sich in der zeit recht sehr verändert haben ... oder, sie sind nicht getroffen v. Gökingk br. an Bürger 1, 224 Strodtmann; dasz ich mich hier so wohl abgemalt finde, da mich doch sonst niemals kein maler recht hat treffen können J. E. Schlegel 3, 515; hat ... angefangen mich miniatur zu mahlen. er hat mich in der anlage recht hübsch getroffen Göthe IV 1, 124 W.; dass sie von dem jungen maler ausserordentlich getroffen wurde, erzählt auch ganz Wien A. Stifter 1, 77 Sauer; recht viel hübsche gemälde habe ich gelegenheit gehabt zu kopieren, ... es macht mir viel freude, dass ich die gräfin selbst sehr ähnlich traf Moltke ges. schr. u. denkw. 4, 27; Hebel selbst ist neulich von einem hiesigen geschickten maler Agricola zum sprechen ähnlich getroffen und in stein gestochen worden Jac. Grimm an Wilhelm br. 218 H. Grimm; deshalb mal ich in wasserfarben; frisch, bunt, keck, aber rasch, ... dabei treff ich wie aus dem spiegel gestohlen Holtei erz. schr. 12, 170; viele schattenbilder und auch andere gesichter im profil macht er, trifft öfters recht gut die gleichheit Göthe gespr. 1, 34 Biedermann. nur selten auszerhalb des porträtierens: das mittelstück (des bildes) mit seinem selten so wahr getroffenen, gegen das weiss der wolken sich reizend zeichnenden grün der bäume A. Stifter 14, 100 Sauer. übertragen: ein mensch von ausnehmendem kopf — seine (englische) nation war in ihm getroffen, wie aus dem auge gerissen v. Hippel lebensläufe (1778) 1, 440. — häufig mit vertauschung des grammatischen objects:
ein bild, von Pallas hand viel schöner ausgezieret,
als hier mein pinsel trifft, den kein Apelles führet
Weichmann poesie d. Niedersachsen 2, 90;
ich hoffe ihr portrait besser zu treffen, gnädige frau Fr. M. Klinger 1, 411; besonders bei anwendung des part. getroffen: Spaldings portrait ist nicht getroffen Lavater verm. schr. 1, 173;
ihr bildniss, zum sprechen getroffen, mit allen nebenumständen
Wieland s. w. (1794) 4, 29;
ein wol getroffenes gemäl Kramer 2 (1702) 1121ᵇ; als wenn es ihm zu groszem vergnügen gereichen würde, wenn er ihr wohl getroffenes bildnisz mit auf seine insel nehmen könnte Göthe IV 31, 166 W.; dasz herr professor Hufeland von hier ein sehr wohl getroffenes bildnisz von Kant besitzt Schiller br. 7, 260 Jonas. zuweilen mit noch anderen objecten: weil eine kunstmessige volkommene abbildung eines nakten menschenleichnams unter den formen die allerswäreste ist, die der maler treffen mag Schottel teutsche haubtspr. (1663) 21;
auch sehen wir ...
schon manchen zug des bildes tief getroffen
Hebbel werke (1891) 7, 179;
übertragen: alle züge dieses gemäldes sind so wohlgetroffen, dasz sie ein jeder leser mit vergnügen entdecken wird Ramler einl. in d. sch. wiss. (1758) 1, 304. ohne objectsausdruck erscheint der terminologische charakter besonders stark: seine wissenschaft bestehet allein im treffen ... ein historisches heldengedichte gleichet einem künstlichen conterfey, wo treffen und erfinden zugleich statthaben Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 25; Lottens porträt habe ich dreimal angefangen und habe mich dreimal prostituirt, das mich um so mehr verdrieszt, weil ich vor einiger zeit sehr glücklich im treffen war Göthe 19, 57 W.; weil ich im zeichnen sehr geübt, und im treffen sehr glücklich bin, so war es mir ein leichtes, dem bilde diese flüchtige ähnlichkeit zu geben Schiller 4, 228 G.;
dasz meine sichre hand den pinsel und den stift
mit gleichem glücke führt und nach dem leben trifft
Müllner dram. werke (1832) 180ᵇ;
sie (die malerin) soll trefflich treffen Holtei erz. schr. 2, 22; im wortspiel mit I B: eine malerin schrieb mir (dem siegreichen duellanten) in heiterer laune: sie können ja besser treffen als ich? Friedr. Oetker lebenserinn. (1878) 2, 41; in der wendung wie 1 d: ist ihnen aber ergangen wie ungeschickten mahlern, die, ie länger sie controfähen, ie weniger sie es treffen Dannhawer catechismusmilch 1, 83.
β)
in der musik 'einen bestimmten ton angeben, finden': ein lied treffen cantilenae modum tenere Stieler stammb. 2297; ein lied, id est dessen thon oder melodey treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; wenn sie ... eine ihnen vorgelegte ripienstimme ohne hauptfehler vom blatt weg zu treffen im stande sind Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 103; wo die künstlerische intention es erfordert, muthet er ... den choristen im treffen der intervalle ... nicht geringes zu O. Jahn Mozart 1, 528; die noten ... genau und richtig anzustimmen oder, wie man sonst sagt, zu treffen J. A. Hiller anweis. z. gesang (1774) 3; das treffen und lesen der noten ist ihr wie das singen angeboren Zelter an Göthe br. 6, 401 Riemer; wenn er nur die richtigen noten trifft O. Ludwig ges. schr. 5, 131; die du (elster) selbst keinen ton treffen kannst Kästner verm. schr. 2, 153; so wie in der musik das richtige genaue und reine treffen jedes einzelnen tones der grund alles weiteren künstlerischen vortrages ist Göthe 40, 140 W.; ohne objectsausdruck, wie o. α (sp. 1627): zu einem geschickten practischen musikanten gehöret ... eine kenntnisz der tonarten, ... eine fertigkeit im treffen Scheibe crit. musicus (1745) 11; treffen heiszt in der musikalischen sprache soviel, als: beim ersten anblick etwas vom blatt wegspielen Chr. F. D. Schubart ges. schr. 6, 204; der sänger singt ja falsch, und wenn er noch so rein trifft, er trifft (II D 2) ja die seele ... nicht Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 461. in der wendung wie 1 d:
der (gegenklang am quell) ist geheimere kunst, der trifts
zur weise, wie Orpheus der zelt' es traf
Klopstock oden 2, 55 Muncker-Pawel.
b)
in weiteren anwendungen aus a übertragen.
α)
aus der malerei auf die literarische schilderung übertragen:
so künstlich trifft jetzund kein dichter die natur
Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 15;
bei einem groszen dichterischen werke geht das aber nicht, da läszt sich nicht ausweichen; alles, was zur verknüpfung des ganzen gehört und in den plan hinein mit verflochten ist, musz dargestellt werden und zwar mit getroffener wahrheit Göthe gespräche 4, 267 Biedermann; es fehlt uns an wörten, ... die verschiedenen farben des lächerlichen zu treffen Gerstenberg recensionen 36 lit. denkm.; besonders vom schildern menschlicher charaktere: sei Heinrichs oder Richards charakter (von Shakespeare) getroffen oder verfehlt Herder 5, 243 S.; der könig, der königliche bruder, ... die hochländer, sie sind (von Scott) alle mit gleich sicherer hand gezeichnet und mit gleicher wahrheit getroffen Göthe gespr. 6, 333 Biedermann; ich habe versucht, von einem miszmenschen dieser art ein treffendes lebendiges konterfey hinzuwerffen ... ich denke, ich habe die natur getroffen Schiller 2, 9 G.; damit war er gut getroffen und hätte nach diesem signalement überall erkannt werden müssen Fontane I 5, 124; durch diese fabel haben die klugen alten das unbesonnene verfahren der misvergnügten abgeschildert; und in der that vollkommen getroffen die vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 221; und lasse die leute nach belieben urtheilen. werd ich getroffen, so wil ich mich schämen, wo nicht, so wil ich lachen Chr. Weise grünend. jugend 9 ndr. mit beteiligung von II D 1: dieser tage las ich ein ... tagebuch eines jungen ehemannes. oft hab ich mich selbst tüchtig bey der nase gezupft, wenn ich mich so aufs haar getroffen fand U. Bräker s. schr. 2, 189. — ähnlich vom wirken des schauspielers: herr Meyer spielte den Herrmann unverbesserlich, auch Kosinsky und Spiegelberg wurden sehr gut getroffen Schiller 2, 375 G.; rollen ... die kein anderer so treffen könnte, eben weil sie für meine persönlichkeit berechnet wären Holtei 40 jahre 5 (1845) 294.
β)
von der musik hergenommen scheint den ton treffen, in verschiedenen anwendungsbereichen, meist im literarischen; stellt sich manchen o. 1 c aufgeführten gebräuchen an die seite: da ihr ... viel mit solchen kuttenmännern in berührung gekommen seid, so werdet ihr gewisz den ton treffen, der zu einem solchen feldpfaffen gehört Göthe gespr. 1, 194 Biedermann; weil ich so ziemlich gut an jedem ort augenblicklich den für dasselbe schicklichsten ton zu treffen wuszte U. Bräker s. schr. 1, 240; eine übersetzung, die den ton des originals glücklich getroffen hat Wieland (1794) 4, 23; oft weniger 'einen vorhandenen ton richtig wiedergeben', sondern mehr 'einen gewünschten, gehörigen ton durchführen, ausführen', auf B weisend (vgl. auch 1 b β und d β): hier schicke ich das manuskript und wünsche dasz ich das rechte maas (s. sp. 1619) und den gehörigen ton möge getroffen haben Göthe IV 10, 207 W.; der leichte, natürliche, und ungezwungene ton der memoiren ist ... von ihm sehr wohl getroffen allg. deutsche bibliothek 2, 2, 204; das hauptverdienst dieses stücks ist der alte ton, der garnicht besser getroffen werden kann Solger nachgel. schr. (1826) 1, 8; (man) gewinnt das bild einer persönlichkeit ... welche den ton zärtlicher neigung und verlangens ... mit immer gleicher sicherheit trifft O. Jahn Mozart 4, 410. — im gleichen sinn wie den ton treffen: wegen der groszen schwierigkeit in der architektur den charakter zu treffen, ... wird der dilettant ... entweder ins magere und überladene oder ins plumpe und leere verfallen Göthe 47, 306 W.; dasz es ... in der glücklich getroffenen plastischen diction steckte Struwwelpeter vorrede; ob ich den rechten geschmack in der geschichte der menschen und der menschheit getroffen habe Zimmermann über d. einsamkeit 1, 18.
B.
handlungen und masznahmen vollziehen, mit denen geistige bemühungen, wie beratungen und überlegungen, verbunden oder ihnen vorausgegangen sind. seit ende des 15. jh.
1)
mit dem 'tun' ist das geistige erreichen der tat oder ihres ausgangspunktes noch besonders stark verbunden. das erwachsen aus A erhellt auch aus den dort schon vorhandenen ansätzen der bedeutung 'tun', s. besonders A 1 b β; d β.
a)
die entwicklung von 'mit den geistigen kräften finden, erkennen' zu 'ausführen, vollziehen' ist in der wendung einen weg treffen besonders deutlich. aus der alten bedeutung 'den weg finden' (sp. 1619) wird nun 'den weg begehen', modernem masznahmen treffen u. (sp. 1637) gleichwertig: so wolle man die sachen in bedencken nemen, und die wege treffen, das weitleuffigkeit verbleiben möchte C. Spangenberg mansfeld. chronica (1572) 175ᵃ; die neue reformation hat andere wege troffen zur erhebung des bergkwercks Mathesius Sarepta (1571) 65ᵃ; man kunde aber keinen weg vinden und treffen, daz sie eins möchten werden E. Windeck denkwürdigkeiten Altmann 87. in der wendung wege mit jemandem treffen ist die entwicklung zu 'begehen' besonders eindeutig vollzogen, auch ist der sinn von 'verabreden' (u. 2 a) schon enthalten: letzlich ward mit dem heubtman darinnen auch der weg troffen, das er die gefangenen heraus geben, und das schlosz g. Adolphen von Gleichen auf 14 tage lang einreumen solte C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 380ᵇ; hat ein rath wege und mittel getroffen mit Henning von Bortfelde, dasz er sich verpflicht und verschrieben städtechron. 27, 97; ebenso, in dem sinne 'sie haben sich entfernt, haben ein schlechtes verhältnis hervorgerufen': zum dritten, so haben sie mit der lateinischen kirchen ... ein solchn krebssgang troffen, dass sie weyter von ihr, dann vom türckenthumb sein Joh. Nas antipap. eins u. hundert 4, 95ᵃ; dagegen der bedeutung 'finden' (A) wohl näher: welicher in mittlern styl zewandlen fürnimpt und darin den rechten weg nit treffen kan, sunder irrt, der kumpt in ein lastersam styl, genant zerstört oder wanckelbar Riederer spiegel d. waren rhetorik (1493) g 6ᵃ; der h. geyst wirth ein weg treffen, der ubirausz ist incomprehensibilis et ultra captum et modum naturae Luther 9, 632 W.modernes einen ausweg treffen 'begehen' stellt sich scheinbar hierher, gehört aber seiner wirklichen tradition nach wohl zu anstalten, auskunft treffen (u. sp. 1636): jedermann klatschte dem antrag des Nomofylax seinen beyfall zu, als dem klügsten und billigsten auswege, den man nach gestalt der sachen treffen könne Wieland s. w. (1794) 20, 165; es bezeichnet ganz die art ... des ... politikers, welchen ausweg er traf Ranke s. w.² 14, 104.
b)
ein mittel treffen verharrt im doppelsinn von 'mittel finden' und 'mittel anwenden'; (von dem gleichen ausdruck im sinne 'das mittelmasz treffen', o. sp. 1619, zu scheiden): zum andern bin ich hoffend, dasz gott ein mittel werde treffen, dasz umb dieser sachen willen kein blutvergieszen soll geschehen Luther briefwechsel 8, 295 Enders; und were von noeten darin zu sehen, damit etliche mittel troffen wurden, auf dasz nit grosser onrath daraus entstunde (1525) aufruhrbuch der reichsstadt Frankfurt 17 Steitz; ob nicht ein mittel zu treffen, dasz der cron Dännemarck ihre länder restituirt würden J. B. Schupp schr. (1663) 388; die zeit, als der bäste arzt, würde hierin ein mittel treffen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 961; so traff der liebreiche gott dieses mittel und zog ihn durch einen sanften tod in das seel. freudenland Chr. Weise polit. redner (1677) 442; baron von Kreuzen soll mir einen wechsel auf sechs monat über meine forderung ausstellen; so bin ich zufrieden. bis dahin können sie ja mittel treffen G. Stephanie s. lustsp. (1771) 151; mit dem gen. des objectes, vgl.des friedens treffen (u. sp. 1633): in welcher zit die aidgnoszen ... lieszend groszen kosten daruf gon, ob si etwas mittels treffen möchtend, da durch man witerer unruw und kostens überhaben were J. v. Watt deutsche schr. 2, 63. — in junger zeit, jedoch wohl in anderer tradition, wieder im reineren sinn von 'finden, erreichen' (A): unser freund ... sprang verdrieszlich auf und rief: du hast das mittel getroffen, mich fortzutreiben A. v. Arnim 15, 278 Grimm; Reinhard traf das rechte mittel, um den freund zu erlösen Auerbach dorfgesch. 3, 37; hiemit hatten die städte nun eben die mittel getroffen, durch die man am kaiserlichen hof etwas ausrichtete Ranke s. w. 2, 89.
c)
verschiedene anwendungen, in denen der sinn des 'findens' neben dem 'tätigen' ebenfalls meistens noch erhalten ist. besonders von stark geistigen leistungen: summa lieben fürsten und herren ... ist euch solcher mein raht nicht eben, so trefft einen bessern Luther 8 (Jena 1568) 95ᵃ; sie (die beiden ziegen) kondten sich auch nicht wenden oder umbkeren, da trifft die eine den guten rath und knocket nider Mathesius Sarepta (1571) 237ᵃ; rectum consilium capere den besten raht treffen nomencl. lat.-germ. in usum schol. (1643) 227. 'entscheidung fällen': indem niemand sagen konte, welches denn eben in der grossen und weitläufftigen narrenschule der welt die drei grösten und vornehmsten narren seyn müsten, und ob nicht auf allen fall, wenn ein schlusz solte getroffen werden, man einen praecedentzstreit um die narrenkappe ... bekommen (möchte) Chr. Weise erznarren 7 ndr.; in ähnlichem sinn: sihe ... ich habe aufgemerkt auf euren verstand, bis ir treffet die rechte rede donec discepteremini sermonibus Hiob 32, 11; 'eine änderung bewerkstelligen': aber mein lieber Ecolampad trifft hie blintzling eine rechte Zwingelische alleosin und wechselt daher im finstern und macht ex figura rei figuram sermonis Luther 26, 411 W.; lieber, willtu ketzerey vertreyben, so mustu den griff treffen, das du sie fur allen dingen aus dem hertzen reyssest ebda 11, 269. — auch in concreten bereichen: dasz er den rechten stollen, der dahin getrieben wird, erlange, und gewisz, dasz er einer jeden gruben vorausz in die tieffe marscheidung treffe und setze Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 2; deutlicher im sinne von 'machen': der früntschafft halb wöllen ein andere rechnung träffen Frisius dict. (1556) 174ᵇ. — hierher vielleicht die flucht treffen 'fliehen', vgl. das gleichbedeutende das loch, die tür treffen (o. sp. 1620):
hand wir die flucht all troffen, ...
warumb sind ir denn nit nahen gloffen?
N. Manuel 17 Bächtold;
ebenfalls ganz vereinzelt, in sinnverbindung von 'finden' und 'ausführen': zeucht die erfahrenheit ihre beste nahrung von fremden speisen und trifft ihren wachsthum nirgends grösser, denn unter einer ungewohnten sonne Butschky Pathmos (1677) 3. — anders, in verbindung von 'finden', 'antreffen' (etwa wie IV A) und 'ausführen':
und (ihr solt) weil sie hie nicht wird getroffn
die bessrung in dem himel hoffn
Ringwald christl. warnung H 5ᵇ;
es würde noch durch etwas hoffen
die lindrung meiner quaal getroffen
Stieler geharnschte Venus 49 ndr.
2)
im reinsten sinn von 'veranstalten'; die eigentliche bedeutung 'finden' (A) ist dadurch erhalten, dasz es sich um ein 'erzielen' von beabsichtigten verträgen, masznahmen u. s. w. handelt. nur von abstracten objecten.
a)
von veranstaltungen, zu deren ausführung zwei partner nötig sind, im sinne des modernen schlieszen: verträge, bündnisse, vergleiche, frieden schlieszen, einen kauf abschlieszen, vgl. teil 9, 702. entsprechend dem sinn der zweiseitigkeit ist die wendung etwas mit jemandem treffen anfangs häufig, ähnlich auch pluralisches subject; doch beginnt der grammatische ausdruck der zweiseitigkeit, auch auszerhalb passiver wendungen, schon früh zu fehlen.die seit dem 16. jh. lebendigen anwendungen beginnen um die wende des 17. jh. zu erlöschen; im 18. jh. sind sie, häufig mit aufgabe des ausdrucks der zweiseitigkeit, besonders von autoren bezeugt, die sich mit älterem schrifttum beschäftigen, auch von lexicographen; nach 1800 fehlen sie ganz.
α)
einen pact, vertrag, vergleich, ausgleich u. s. w. treffen: do fiengen sie an mit den bättelörden ein packt treffen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 82 ndr.; dieses stücklein ein theil des pacts sey, den er mit dem teufel getroffen Grimmelshausen Simpl. (1880) 391 Kögel; auf eine gereumpte zeit auch die fraw mit dem knechte, der auch jung und starck war, eine wettung umb dreissig gülden traff, ob er sie in einer nacht neun mal könnte herumb rücken B. Hertzog die schildwache e 1ᵇ, vgl. ein wettung gethan ebda e 2ᵃ, sie geriethen in eine wettung d 8ᵇ; so wöllen wir ain solchen pact oder wet treffen, so dein herr in diese behausung kumpt, soltu mir ainen mantel und rock geben Schaidenreiszer Odyssea (1537) 61ᵃ; und brach die geschworen richtung die er mit abt Cunraten umb alten Toggenburg und die statt Wyl getroffen Tschudi chron. Helvet. 1, 124; blieb (der könig) ein tag oder etliche zu Halle still liegen, woselbst er mit der stadt zu allererst richtigkeit traff und sie in seine protection nam v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 215; und ist ein richtunge da selbst zwischen den von Leyningen troffen, das sie und etlich ir slosze nimer wider die pfaltze tun sollent städtechron. 10, 323; noch: richtigkeit, vergleich treffen Heymen jurist. lex. (1738) 1229; das soviel müglich, eine gleicheit in ceremonien mit den benachbarten reformierten kirchen getroffen und gehalten möge werden kirchenordn. f. Braunschweig (1569) 5; traffen ein uberkommnuss mit herren Hansen von Sehem Stumpf Schweizer chron. 385ᵇ; do ward zwischen in und den Römern eyn theyding troffen, das die Römer inen tausent pfundt golds geben, dasz sie die statt reumen Carbach Livius 57; dar arbeydeden de sulven stede so ernstaftigen, dat se ene gude eendracht unde stede vruntschop dropen Lüb. chron. bei Schiller-Lübben 1, 572; mit welchen könig und käyser selbst heyrath und freundschafft zu treffen nicht zweifflen J. B. Schupp schr. (1663) 719; so ir ... irrige leüt seyt, die weder frid noch einigkeit ... treffen kündt Joh. Nas antipap. eins u. hundert 3, 21ᵃ; der hunger trieb die belagerten endlich zur aufgabe, und dieselbe sind mehrentheils in polnische bestallung genommen, die übrigen trafen solch einen accord, dasz sie wieder die cron nicht dienen solten Joh. Micrälius altes Pommerland 2 (1639) 178; noch: einen ehrlichen accord treffen Apinus gloss. nov. (1728) 11; besonders deutlich im sinne von 'erzielen': ist zu besorgen, man treffe auch in der wortschreibung keine durchgehende vereinigung Harsdörfer d. teutsche secret. 1 (1656) 1, 467; dasz man für die tätigkeit der reichsversammlung sorgen, die obersten reichsgerichte in ... ordnung halten, und einen verein aller fürsten und stände ohne unterschied der religion zu diesem zweck treffen wolle Ranke s. w. 31, 158; dagegen ohne tradition bei Ranke, der in diesem bereich auch sonst eigene wege geht (s. u.b und c): sie (formeln) beruhen auf ... einem zwischen denselben (parteien) getroffenen austrag ebda 30. seit dem 17. jh. einen vertrag treffen: doch ward endlich dieser vertrag getroffen Joh. Micrälius altes Pommerland (1640) 2, 153; die ... Deutschen schützten den getroffenen vertrag für Lohenstein Arminius 1 (1689) 751ᵃ; noch in junger zeit, doch antiquiert wie alles andere: einen vertrag mit Spanien zu treffen Ranke s. w.² 15, 31; nur kraft des vertrags, welcher zwischen den stiftern der republik getroffen wurde Wieland s. w. 13 (1795) 126; als ... der von den groszen mächten getroffene friedensvertrag ... zur bestätigung vorgelegt wurde Ranke s. w. 31, 26; einen vergleich treffen: nach dem fast alle mit den Römern bindnüsz und vergleich getroffen, wäre es so wenig rühmlich als sicher, alsofort treu und glauben zu brechen Lohenstein Arminius 1 (1689) 22ᵃ; er war gantz klein von person, und hatte der rücken mit dem schenkel einen vergleich getroffen, sie wolten einander in der krümme nichts nachgeben Ziegler asiat. Banise (1689) 82; nachdem ... um und von wegen des bergwerks am Rauschenberg mit und zwischen den bergwerksbeständnern ... unterm gestrigen dato ein ordentlicher vergleich getroffen (1681) bei Lori baier. bergrecht 511; einen accord, vergleich mit einem treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ; so trafen sie einen algemeinen vergleich mit dem Paches und seinem heer Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 341;
secht, wie ir ein vergleichung trefft!
dann es ist nicht alle zeit gut,
dasz man regirens wünschen thut
J. Ayrer dramen 23 Keller;
ich meynte die herren (gläubiger) thäten besser, wann sie einen vergleich träffen, ehe es zum weitläufftigen procesz kommet Stranitzky ollapatrida 346 Wiener ndr.; so ist ... ein vergleychung getroffen worden Stumpf Schwytzerchron. 50ᵃ; wann also über eine klare und offenbare sache ... ein vergleich getroffen wird v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 29ᵃ. etwas mit jemandem treffen 'vereinbaren': das man doch alles also mit dem churfürsten troffen und beredt hatte, das man es nicht thun sollte städtechron. 27, 69; welches ich und er, so jetzt erschlagen, mit einander vereinbart und getroffen Amadis 224 Keller; da wurde diss und das und jenes gerathen und doch nirgends nichts getroffen Grimmelshausen 2, 425 Keller. 'verabreden, beschlieszen', modernen anwendungen (b und c) näher: beschicket sie in heimlich und traffen mit einander den obgedachten mördlichen anschlag C. Spangenberg jagteuffel (1560) v 4ᵇ; weder mit dem keyser, noch römisch-catholischen liga ... einige tractatus zuschliessen, oder pacificationen und transactionen zu treffen, noch die waffen niederzulegen v. Chemnitz schwed. kr. 1 (1648) 194. bündnis, bund, alliance treffen: will mit uch einen ewigen bund treffen Zwingli deutsche schr. 1 (1828) 95; das ist der bund, verstand und pflicht, den gott mit den alten väteren getroffen hat ebda 1, 244;
wir wissen, wasz für einen bund
der tod mit uns getroffen,
er meldet weder zeit noch stund
Joh. Rist himl. lieder (1651) 214;
got erstlich hat den bund mit Abraham getroffen,
und mit Isaac hernach schwur er ihn wieder neu
Weckherlin ged. 2, 156 Fischer;
Hermengild ... hat mit Miron dem könig zu Gallicien ... ein pündtnusz getroffen Chr. Wurstisen Pauli Ämilii histor. (1572) 1, 39; er traf ein bündniss zu schutz und trutz mit den Venezianern und dem kaiser gegen die Osmanen Ranke s. w. 4, 83; (hatten sich) diese colonien vermehrt, ihre eigene stärke kennen gelernt, bündnisse unter einander getroffen K. Fr. Cramer Neseggab 1 (1791) 123; bündnusz treffen foedus sancire, pacisci, facere Stieler stammb. 2297;
die ihres geistes hoch zusammen hat gesellet,
zu treffen einen bund, zu würcken tapffre frucht
Logau sinnged. 273 Eitner;
ruft Priam auch heraus, damit er selbst
den bund bekräftige ...
... schlägt ein greis mit ein,
dann trifft sich am ersprieszlichsten ein bund
Bürger 1, 152 Bohtz;
das der könig zu Frankreich bey der getroffenen alliance verbleiben ... wolte v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 34; eine alliantz treffen Kramer 2 (1702) 1120ᶜ.
β)
einen, den frieden treffen (vgl. auch teil 4, 1, 185): des jars wurden die von Nürmberg einen frid treffen mit marchgraf Albrechten städtechron. 10, 199; welche (deputierte) dann einen guten gewünschten frieden mit ihnen treffen und anstellen würden Th. Gramineus relation (1580) c 2ᵇ; als der könig vorherberührten frieden zu Regensburg mit dem keyser getroffen v. Chemnitz schwed. krieg 3, 1, 48ᵃ; sie bekamen hieruf nachricht, von unserem mit dem Pätus getroffenen frieden A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 168. auch einen frieden treffen zwischen, unter den partnern: dasz ein frieden zwischen den Dähern und Pommern getroffen werd Joh. Micraelius altes Pommerland (1640) 2, 223; des zu Aachen zwischen Frankreich und Spanien ... getroffenen friedens Leibniz deutsche schr. 1, 338 Guhrauer; über dem friede und dessen condicionen tractiren: auf das unter denen, so zusammengekrieget, der friede getroffen ... würde v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 774; der frid ward getroffen und by hohen aiden von baiden parthyen geschworen Stainhöwel Äsop 159 lit. ver.; nach der Nördlinger schlacht und dem getroffenen Prager frieden Gustav Horn ... gefangen war J. B. Schupp schr. (1663) 375; dat dede he, wol doch he des vredes nicht drepen konde, wente de koning hadde rede eine herevart geboden Magdeb. schöppenchron. 1, 83; do men keinen frede drepen konde, hebben de forsten van Holstenn Flenszborch inne genahmen (15. jh.) E. Joach. de Westphalen monum. inedita 3, 179; in unterhandlungen treten, um womöglich einen frieden zu treffen Heilmann peloponn. krieg (1760) 528; friede treffen Stieler stammb. 2297. — jünger im gleichen sinn auch einen stillstand treffen waffenstillstand schlieszen, die zweiseitigkeit verblaszt dann mehr: welches mich auch endlich mit meiner widerlust einen stillstand treffen ... machete S. v. Birken forts. d. Pegnitz-schäf. (1645) 18; nach getroffenen stillstande mit Frankreich Leibniz deutsche schr. 1, 349 Guhrauer; es ward zwischen ihm und dem kaiser durch Ferdinands vermittelung ein stillstand getroffen v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 5 (1773) 315; es wurde zu dem ende ... von beyden seiten ein stillstand getroffen, damit sie zeit und musze haben möchten, ihre todten zu beerdigen v. Fleming soldat (1726) 371; sonst wurde ein stillstand auf zehen jahre getroffen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 2;
und ob vorteil kaum zu hoffen
in dem ungleich schweren krieg,
sei kein stillstand doch getroffen,
wo nicht weichen schon ein sieg
Grillparzer s. w. 2, 119 Sauer;
ebenso: die ... fürsten (haben) auch ... nach dem zu Münster ... getroffenen allgemeinen friedenschluss ... mit ... kriegspressuren geprest Harsdörfer d. teutsche secret. (1656) 2, 297; dasz er ... notwendig dem hundertäugigen Argo ein fünf dutzend fenster auf gute rechnung abborgen und mit dem Mercurio ein anstand treffen müste Fischart Garg. 93 ndr.
γ)
einen kauf treffen abschlieszen: er well ... mit mier den kouf träffen Thomas Platter selbstbiogr. 94 Boos; und denselben (kauf) allermassen, wie der mit ime dem frembden getroffen und beschlossen ist, annemen bair. lanndsortung (1553) 51; als ein edelman mit gedachtem baurn ein holtzkauf treffen wolte Guarinonius grewel d. verw. (1610) 260; mit unserm gethroffnen kauf stehet es noch, wie verlassen hast Paumgartner briefw. 267 Steinhausen; anders: dahero die stätt von wegen desz gerreffs, so sie ihnen mit essen, trincken, läger etc. beweisen musten, auszgemergelt wurden: oder musten mit ihm und seinem sohn einen abkauff treffen, wo sie ihrer entschlagen sein wolten E. v. Meteren hist. beschr. d. niederl. krieges (1614) 239ᵃ; auch wolt ich nicht gern, das er sein käuf vil bei notariis wolt treffen und verzaichnen, oder sonst schrifftliche instrument darüber aufrichten lassen, dann hiemit beraubt er sich seiner freiheit Sebiz feldbau (1579) 36; hieraus: seinen kauffcontract und verträge viel bey notariis wollte treffen und verzeichnen v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 82ᵇ; weiter hat abt von Kaiszham in kurzverschiner zeit mit dem d. f. h. Friderichen um die steur ain kauf troffen Knebel chron. v. Kaisheim 406 lit. ver.; ob er vielleicht überhaubt einen guten kauff treffen könte Joh. Riemer polit. maulaffe (1679) 49; faire marché ein kauf machen und treffen Duez nomencl. (1652) 58; so auch einen handel treffen: unde rücket ylich mit na Habsch, den handel dar tho drepen mit den Rüssen van wegen des huses script. rer. Livonic. 2, 146; hatt ertzbischoff Hartwig zu Bremen mit graffen Adolffen einen handel troffen, dasz ihm derselbe Dithmarschen zu seinem stifft uberlassen C. Spangenberg chron. (1614) 51. in junger zeit noch besonders gut bezeugt: dasz ich (verkäuferin) längst gewünscht habe, einen gefälligen handel mit ihnen treffen zu können v. Petrasch lustsp. (1765) 2, 32;
der handel war also nun getroffen
Kortum Jobsiade (1799) 1, 100;
der wachtmeister nahm sehr höflichen abschied, herzlich zufrieden mit seinem getroffenen handel J. J. Chr. Bode Thomas Jones 3, 202; wenn man ... die ganze kraft der besten neigungen für nichts rechnen (will) ... so befürchte ich, wir werden wirklich einen gefährlichen handel treffen, und das sichere weggeben, ohne das bessere ... zu erhalten Möser verm. schr. (1797) 1, 7.
δ)
einen wechsel, tausch treffen 'mit jem. tauschen': Goldach ertauschet. abt Ulrich traff ein wächsel mit dem bischoff und gestift zu Constentz, gab inen die vogtey zu Horn am Bodensee umb die gericht zu Goldach Stumpf Schweizer chron. 376ᶜ; sie sich mehr als seelig schätzten, diesen wechsel mit vatter und sohn getroffen zu haben A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 47. anders, im sinne des wechselvertrages: auch hat unser her keiser mit dem Jennesern ainen wechsel troffen umb zwaymal hundert tausendt kronnen, all monat ainen viertel zu zallen, und steet noch in handlung umb 150 000 Chr. Scheurl briefbuch 2, 155 Soden-Kn. in junger zeit noch als 'tauschen, wechseln': nun traf zu meinem äuszersten leidwesen der winter seinen wechsel mit der angenehmen zeit, worin das dichte laub so öfters meine geliebte umschlossen hatte J. Möser s. w. 5, 91;
ach gönne mir, mein schatz, den wechsel, den ich troffen,
dasz ich aus meinem bett in himmel steigen kan
Mühlpforth leichenged. (1687) 199;
noch bei Adelung (1801) 4, 1420. — ebenso einen tausch treffen: daselbst wir mit dem sennen ein tausch traffen Guarinonius grewel d. verw. (1610) 1205; einen tausch mit einem treffen, thun Kramer 2 (1702) 1058ᵇ; wann sie also iren tausch getroffen, so ziehen sie wieder zurück H. Megiser newe nortwelt (1613) 239; dasz der könig ... von herzen gern einen tausch treffen ... würde Leibniz deutsche schr. 1, 174 Guhrauer. in junger zeit besonders häufig: um aber einen, dem ersten anscheine nach so miszlichen tausch zu treffen Schiller br. 3, 373 Jonas; du hast artliche lieder, magst du mir einige davon ablassen, so mögen wir einen tausch treffen, denn ich kann dir dafür andre geben Tieck schr. (1828) 2, 160; o, was für einen glücklichen tausch hab ich getroffen dorfprediger v. Wakefield (1777) 450; sie würden mich ihnen verbinden, wenn sie einen tausch treffen wollten J. J. Engel schr. 3, 118.
ε)
besonders lange lebt eine heirat treffen 'ehe schlieszen', oft 'eine gute partie machen': alsdann könt ihr ... irgends mit einem aus euren auffwartern einen ehrlichen heyrath treffen Grimmelshausen 4, 578 Keller; darnach hat unser hayler Jhesus mit menschlichem geslaecht williklich ain newe heyrat getroffen. desshalb zuo seiner prawt erwelt und aufgericht christenliche kirch Berthold v. Chiemsee teutsche theol. (1852) 680; allwo er mit Rosinen ... bekannt ward, und vielleicht eine heyrath würde mit ihr getroffen haben Chr. Weise polit. redner (1677) 293; ob zwischen ihme und offtgedachter jungfer ein heyrath getroffen werden könte Grimmelshausen 2, 403 Keller; nachdem unser mutter ... geschrieben, dass sie unsern troffenen heirat uns nimmer vergeben konnte (1541) polit. korrespond. Moritz v. Sachsen 1, 3;
es leyd am tag gar offen,
das christ und jud durch wuchers blut
ein heyrat haben troffen
G. Forster frische teutsche liedlein 179 ndr.;
als ich gesehen hab (solche), die durch treum schätz gefunden hand, heyrath troffen, zu grossen emptern kommen Paracelsus op. (1616) 2, 499 Huser; wer eine gute heyrath getroffen, hat den himmel auf erden gefunden P. Winckler 2000 gutte gedancken (1685) c 1ᵃ; zu welchem ende ich ein schönes gut kauffen und eine vortheilhafte heyrath treffen solte Schnabel felsenburg 62 Ullrich; so lange meine tochter lebt, wird keine andre heurath, die er treffen kann, in meinen augen rechtmäszig sein dorfprediger v. Wakefield (1777) 372. — im gleichen sinne noch im 19. jh., doch wohl mit neuer unterschiebung der bedeutung 'finden, erreichen', jedenfalls c näher: gewisz ist es indesz, dasz mamsell Julie eine sehr glückliche verbindung trifft Ayrenhoff 3, 253; da ihnen kapitän von Horsten kein mann für mich schien, so hoff ich schon in diesem bad auf bad ab ziehn eine partie zu treffen, die ihnen besser gefalle als mir Fr. M. Klinger (1809) 1, 94; vgl.: eine gute, vortheilhafte, reiche parthey treffen trovar, rincontrar un partito buono Kramer 2 (1702) 182ᵃ;
immer indesz — wie väter hoffen —
hoffte des mädchens vater, Amynt,
jenen scherz (eines verlöbnisses) noch erfüllt, den sehnlichen
bund getroffen
J. B. Michaelis poet. w. (1783) 32.
b)
die bis heute lebendigen anwendungen gleichen sinnes wie a kommen erst im 18. jh. auf, als die alten anwendungen erlöschen; vorher nur je einmal bei Chemnitz und Lohenstein bezeugt. neben der zweiseitigkeit der handlung tritt gegenüber a in völliger ausschlieszlichkeit ihr vorbereitender, einleitender charakter hervor. verabredungen treffen, älter abrede: mit beyderseits cronen daselbst befindlichen gesandten vom ort und zeit der tractaten abrede zu treffen v. Chemnitz schwed. krieg 4, 1, 4ᵃ; nachdem ich mit einem vetturino, auf den folgenden tag, für die fahrt nach Florenz abrede getroffen Börne ges. schr. 4, 9; triff nur abrede deshalb mit ihm Chamisso (1836) 5, 326; aber das kann ich nicht loben, dasz er Herrmann und Dorothea als den ersten band einer neuen sammlung verkauft, worüber zwischen uns keine abrede getroffen worden Göthe IV 14, 144 W.;
ganz wie wirs eingeleitet — äuszerst gnädig
empfing er mich — die abred ist getroffen
Zach. Werner d. kreuz an d. Ostsee (1806) 119;
kam Dr. Weller. wurde auf morgen mit ihm verabredung getroffen Göthe III 7, 7 W.; bei dem frieden seien ... verabredungen zur unterdrückung der reformirten zwischen Spanien, Frankreich und Savoyen getroffen worden Ranke s. w. 8, 138; weil in dem folgenden jahr diese bundesgenossen zu Mergentheim eine neue verabredung wegen derselben (verbindung) getroffen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 27; aber die verabredungen, die man traf, deuten doch darauf hin Ranke s. w. 30, 181. abkommen treffen: wer wuͦste, was der schlaue Tiberius mit ihm zu ihrem nachtheil für abkommen getroffen Lohenstein Arminius 1 (1689) 23ᵃ; mit Termantia musz ein definitives abkommen getroffen sein Mommsen röm. gesch. 2, 14; was ich für ein abkommen mit dem obrist getroffen habe A. Stifter 2, 266 Sauer; alle die summen, die ihm vermöge des getroffenen abkommens zuflossen, auch vollständig an die truppen zu verausgaben Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 68. übereinkunft treffen: professor Lenzen, mit dem sie wohl schon eine übereinkunft getroffen haben, wenigstens zum theil zu befriedigen Göthe IV 11, 239 W.; ich werde daher mit Cotta aus Tübingen die übereinkunft treffen, dasz er die liebe mutter mit dem nöthigen gelde versorgt Schiller br. 6, 374 Jonas; es wäre daher gut, wenn der verleger auch mit den postämtern übereinkunft träfe Görres ges. br. 3, 150; forderten die fürsten den kaiser auf ... für die ... ausführung der mit Eugen getroffenen übereinkunft zu sorgen Ranke s. w. 1, 39; was das honorar betrifft, so wird sich deshalb schon eine übereinkunft treffen lassen Göthe IV 16, 113 W.; das vorliegende durchgegangen und übereinkunft getroffen ebda III 6, 185; ähnlich, doch heute ungebräuchlich: unterzeichnet er die vollmacht für seine abgeordneten, ... in seinem namen zu unterhandeln und abkunft zu treffen mit derselben gültigkeit, als thue er es selbst Ranke s. w. 1, 258; ebenfalls vereinzelt: Demetrius trifft unterhandlungen; Demetrius giebt uns frieden. Demetrius ist unser gott und will es seyn Dusch verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 141. heute besonders, auch in zeitungen, abmachungen treffen: dasz im geheimen bereits irgend eine abmachung getroffen sei H. Prutz preusz. geschichte (1900) 3, 183; so auch vereinbarungen treffen.
c)
entscheidungen, anordnungen und vorsorgemasznahmen unternehmen oder veranlassen; im gegensatz zu a und b einseitige handlungen, die verbindung treffen mit kommt daher nie vor; mit ähnlichem charakter der vorbereitenden handlung wie o. b.; seit dem 18. jh.; die neuen anwendungen sind aus den alten (a und b) erwachsen, in dem der charakter der zweiseitigkeit, zunächst grammatisch, aufgegeben wurde, vgl. in a die jung erhaltenen handel, tausch (δ), heirat (ε) treffen, und in b die häufigen zeugnisse ohne ausdruck der zweiseitigkeit. die neuen anwendungen schlieszen sich wieder enger an die eigentliche bedeutung des geistigen findens und erreichens an, in dem die absicht hervortritt, richtige entscheidungen u. s. w. zu treffen; eine direkte fortsetzung altbezeugter anwendungen wie eine änderung treffen, einen schlusz (entscheidung) treffen (o. 1 c) liegt dennoch nicht vor.
α)
von mehr oder weniger einleitenden handlungen. anstalten treffen 'veranstalten': die mir von ewr. königlichen majestät committirte anstallten zu der belagerung von Schweidnitz habe so getroffen, dass ich ohne verzug auf die ordre dahin hier abgehen könnte Lessing 18, 420 L.-M.; es würden noch anstalten getroffen werden, dasz er zu der höheren schule auf der altstadt hinlänglich vorbereitet würde K. Ph. Moritz Anton Reiser 115 Geiger; es hat deshalb der herr professor Meyer die nöthigen anstalten zu treffen Göthe IV 19, 235 W.; die treflichen anstalten, die Colbert im innern traf, machten seine regierung zur glänzendsten in Europa Herder 23, 40 S.; aus übel angebrachter sparsamkeit sind schlechte anstalten gegen das gedränge getroffen Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 14;
noch diese nacht
musz er Madrid verlassen ...
anstalten sind getroffen
Schiller 5, 2, 384 G.;
endlich hatten die getroffenen anstalten dem feuer einhalt gethan Göthe 22, 218 W.; auch anstalt treffen: auch von seiten der stadt und regierung schien man geneigt, anstalt zu treffen, diese heiszen quellen besser als bisher zu ehren ebda 36, 18;
doch rasch zur sache jetzt. es soll das heer
zur rückkehr schleunig jede anstalt treffen
H. v. Kleist 2, 100 E. Schmidt;
weil sich immer noch regenwolken am himmel drängen, hat Dortchen noch keine anstalt getroffen, aufs land zu ziehen Jac. Grimm an Dahlmann in: briefw. 1, 394 Ippel; ebenso: die veranstaltung treffen, dass ihnen dergleichen regeln eben so geläufig als beliebt seyn Thomas Abbt verm. werke 1, 192; es ist veranstaltung getroffen ... den herrn hauptmann zu empfangen Iffland theatr. w. 1, 45; für die veranstaltungen, die mit hinsicht auf die eheschlieszung in guten treuen getroffen worden sind schweiz. ziv.-ges.-buch (1907) art. 92; weislich und klüglich die besten voranstalten getroffen Göthe 33, 124 W.; man traf verschiedene vertheidigungsanstalten ebda 33, 282; die eben so schnell als zweckmäszig getroffenen rettungsanstalten Matthison schr. (1825) 3, 293; dasz der kaiser jede bewegung der Russen und Türken, seiner erbfeinde, zeitig vernehmen und gegenanstalten treffen konnte Göthe 7, 196 W. einrichtungen treffen 'einrichten': eine vollständige ... ausgabe meiner werke ... vorzubereiten und eine einrichtung zu treffen, dasz die ausführung nicht gestört werden könne ebda IV 36, 58; so glaube ich, dasz wir keine bessere einrichtung treffen können, als dasz wir die blumen in den städten ... ziehen J. Möser s. w. 4, 43; (sie hatte) über ihre begleiter und einige austheilungen an die armen der gegend einrichtungen getroffen v. Hippel lebensläufe 2, 118; für die künftige organisation der landschaft die einrichtungen zu treffen Mommsen röm. gesch. 2, 38; da es manchem lieb sein wird, seine einrichtungen danach treffen zu können Bismarck polit. reden 4, 56 Kohl; bis ihr die nöthigsten einrichtungen in eurem neuen hauswesen getroffen habt Pfeffel pros. vers. 5, 123; ähnlich: wir haben ein arrangement getroffen Rhode handb. d. handelscorresp. (1861) 716. ähnlich vorkehrungen, vorbereitungen, vorsorge treffen: dass die grosse kunst eines gesetzgebers ... darin bestehe, ... von weitem solche vorkehrungen zu treffen, dass sie von selbsten thun, was er haben will M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 496; dagegen musz ich vorkehrungen treffen Tieck schr. (1828) 6, 287; wir können nicht fehlen, wenn wir dem architect Steiner auftragen, nunmehr die nöthigen vorkehrungen zu treffen Göthe IV 27, 71 W.; die Meline hat auch schon alle vorkehrung getroffen Bettine Günderode (1840) 2, 65; der wirt ging nun, ... um die nötigen vorbereitungen zu treffen Fontane I 5, 188; sobald diese verständigung erreicht war, konnten die weiteren vorbereitungen getroffen werden Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 6;
jedwede vorbereitung ist getroffen
Hebbel w. (1891) 6, 56;
ich selbst nahm keine notiz von den verteidigungsvorbereitungen, die ringsum getroffen wurden Ernst Jünger d. abent. herz (1929) 117; auch werde ich wo möglich vorsorge treffen, dasz mir alle briefe allein zugestellt werden A. v. Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking 118;
dasz deine weisheit fürsorg hat getroffen
graf Pocci lust. komödienb. (1859) 249.
auch von mehr abschlieszenden handlungen: weil sich alsdann vielleicht einige remedur hätte treffen lassen Göthe IV 19, 211 W.; mit beibehaltung der reformen, die sie mit gutem grunde getroffen haben Ranke s. w. 4, 6; dasz wir uns anzustrengen und zu quälen hatten, um eine anwendung der überlieferten grundsätze zu treffen Göthe 27, 158 W.; die in der that zufällige verbindung der getroffenen nutzanwendung mit der fabel Jac. Grimm Reinhart Fuchs (1834) vorrede 14; hierher auch, dem entscheidungen treffen u. ä. (u. β) näher, auskunft treffen einen ausweg finden, gehen: sie haben auskünfte getroffen, vor denen wir uns fürchten und lieber unsre sprache verderben Herder 15, 12 S.; so liesze sich vielleicht eine auskunft treffen, dasz herr von Bormeuil keinen vergeblichen weg gemacht hätte Schiller 14, 187 G.; man traf die auskunft, dass er zur befriedigung des römischen hofes 30 000 g. bei dem hause der Fugger aufnahm Ranke s. w. 1, 206.
β)
verfügungen erlassen, entscheidungen fällen, maszregeln ergreifen u. ä.; verfügungen:
dasz ihn der mann in osten darum nie
vom finger liesz; und die verfügung traf,
auf ewig ihn bey seinem hause zu
erhalten?
Lessing 3, 91 L.-M.;
ich habe auch in Paris die verfügung getroffen, dasz mir allezeit eine heraus geschickt werden soll J. E. Schlegel 3, 551;
ich will mein testament aufsetzen, will
verfügung treffen über das, was mein ist
Schiller 12, 408 G.;
wegen der beiden andern termine ist auch vorläufig verfügung getroffen Göthe IV 42, 254 W. bestimmungen: die bitte, derartige bestimmungen (testamente) öffentlich zu treffen, setzt also ... einen gewissen muth voraus Jhering geist d. röm. rechts 2, 1, 13; die bestimmungen, die man traf, gereichten hauptsächlich zum vortheil des fürstenthums Ranke s. w. 1, 321; die Genfer abkommen ... regeln auch die sogenannten kollisionsnormen, d. h. sie treffen bestimmungen darüber, welches länderrecht gelten soll d. neue wechsel- und scheckges. in d. praxis, hg. v. d. deutschen bank u. disc.-ges. (1934) vorw. 1. entscheidungen: dasz ziemlich um eben diese zeit bereits entschlüsse gefaszt und entscheidungen getroffen worden waren Fontane I 5, 92; wie wenn er die folgen der widerwillig getroffenen entscheidung noch erwöge Bismarck ged. u. erinn. 1, 67 volksausg.; wo das gesetz den richter auf sein ermessen ... verweist, hat er seine entscheidung nach recht und billigkeit zu treffen schweiz. ziv.-ges.-buch art. 4. änderungen: ohne ihn zu verbinden, um ihretwillen die geringste änderung in seinen gesetzen zu treffen Ramler einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 59; sollte mir vielleicht gar ein schreibfehler entwischt seyn? schreibe mir doch ein wort davon, dasz ich, wenn es noch zeit ist, eine änderung darin treffe Schiller br. 6, 376 Jonas; so können sie mir ihn (den aufsatz) zurücksenden, weil Fichte vielleicht noch änderungen damit trifft ebda 4, 82; ja, ich würde eine grosze veränderung treffen an deiner stelle fürst Pückler briefw. u. tageb. 1 (1873) 129; dass der pabst eine abänderung zu treffen gesonnen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 109. heute häufig feststellungen treffen: eine nähere feststellung der befugnisse der zweiten kammer ... wird erst dann mit allseitigem verständnisse getroffen werden können Bismarck polit. reden 2, 47 Kohl. anordnungen: in andern ländern müszte man vielleicht andere anordnungen trefen v. Hippel über d. ehe (1774) 147; hier hat ... Dr. Giskra, bürgermeister der stadt, die verständigsten anordnungen für 45 000 mann einquartierung ... getroffen Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 453; es war die anordnung getroffen, dass das regiment in dringenden fällen eine reichsversammlung berufen könne Ranke s. w. 1, 98; um so mehr als wegen desselben (nachlasses) in einem testamente ... verordnungen getroffen und ein executor ernannt ist Göthe IV 12, 201 W.; wenn man eine von ihm getroffene ordnung nicht geachtet hätte Tieck schr. (1828) 19, 19; anders: wenn nun ja unter künsten und wissenschaften eine rangordnung getroffen werden soll und muss Kretschmann sämtl. w. (1784) 2, 12; concreter: als allgemeine regel (für münzsammlungen) gilt die zweckmäszigkeit, d. h. es soll die anordnung so getroffen werden, dasz sie die ... erreichung ... der zwecke ... gestattet Luschin v. Ebengreuth münzkunde 97; die schicksale der bibliothek unter ihren verschiednen aufsehern; die neuliche einrichtung und ordnung derselben, die Lambeck getroffen Herder 5, 272 S. maszregeln treffen, mehr wie anstalten treffen (o. sp. 1636): er wird wohl massregel treffen, dass ihm seine briefe nachgesendet werden Chamisso (1836) 5, 228; der consul ... traf seine maszregeln, um den aufstand ... zu unterdrücken Mommsen röm. gesch. 2, 122; dasz man nach den getroffenen maszregeln voraussetzen musz, dasz eine kriegerische oder nur militärische lösung ... nicht in erwägung gezogen wurde Bismarck ged. u. erinn. 1, 87 volksausg.; sie ... schickten sich an, grosse vorsichtsmassregeln zu treffen A. Stifter 5, 1, 357 Sauer.
γ)
ähnlich eine wahl treffen, seit anfang des 18. jh.: er lobte nicht jeden, der ihm vorkam, sondern wuste eine kluge wahl zu treffen d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 5, 403; unter den vielen schriften ... weisz ich kaum eine wahl zu treffen Gellert w. 9, 279; auch wenn mir die wahl frei stünde, ich wüsste sie nicht zu treffen Börne ges. schr. 1, 152; aber wär es auch möglich, dass der, welcher die reize einer Marwood zu schätzen wuszte, eine schlechte wahl treffen könnte? Lessing 2, 322 L.-M.;
zum ersten male heut verweisest du
mich an mich selbst und zwingst mich, eine wahl
zu treffen zwischen dir und meinem herzen
Schiller 12, 239 G.;
sie ... trafen ... unter dem, was ihnen zur hand war, ihre wahl Fontane I 4, 4; (da) vorher aber die wahl des papiers und der lettern getroffen werden musz Schiller br. 4, 41 Jonas; wobei wir eine glücklich getroffene wahl gehörig in anschlag bringen werden Göthe 48, 49 W.; man bemerkte, dasz die getroffenen wahlen ... häufig auf unwürdige ... leute fielen Ranke s. w. 40, 221. — ebenso auswahl treffen: bitte mir es anzuzeigen, dasz ich schickliche auswahl treffe Göthe IV 41, 92 W.; sein unermüdeter fleisz hat uns eine menge stücke geliefert, worunter man aber eine auswahl treffen musz Chr. F. D. Schubart ästhetik d. tonkunst 231; von den verschiedenen blättern ... wollen wir eine kleine auswahl treffen Seb. Brunner erz. u. schr. 1 (1864) 240; hierbei erhalten sie die muster davon, treffen sie hiernach ihre auswahl Rhode prakt. hdb. d. handelscorresp. (1861) 162.
IV.
wohin gelangen; antreffen, begegnen. aus der bedeutung des geistigen erreichens (III) erwächst die des materiellen hingelangens; das subject des treffens bewegt sich jetzt selbst zu seinem object hin. darüber hinaus zuweilen in direktem anschlusz an die grundbedeutung 'ein ziel richtig erreichen' (I B, besonders 3), auf der auch III beruht. im allgemeinen seit dem 16. jh. bezeugt, in den unentwickelten ansätzen gelegentlich schon früher (u. A 1).
A.
hingelangen zu jemandem oder etwas.
1)
zunächst ist mit der neuen bedeutung 'antreffen' die des bewuszten geistigen findens, erreichens, gelingens noch stark verbunden. das hinkommen ist mehr geistiger als äuszerer art.
a)
zu abstractem, geistigem gelangen, es erreichen; III am nächsten:
ûzriu werch muoz er tougen,
swer mit den inren ougen
erblicken wil daz wâre lieht,
anders triffet er sîn nicht
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 3713 Weinhold;
hêiligen sêla, ir da treffet ad supernam Hierusalem, dâ der ist visio aeternae pacis Williram hohelied 45, 13 Hoffmann; gott ... zeiget an, das niemand gott treffe, denn allein durch sein wort, und dasz man das wort nicht fassen konne, denn durch den glauben Luther 16, 53 W.; wer hinfurt gott suchet und treffen odder finden wil ebda 28, 119; wer gott sucht in Christo, der trifft ihn eben recht an allerwegen Petri d. Teutschen weish. (1604) 1 g 4ᵃ;
und lest den menschen sich mit schmertzen
teglich engsten in seinem hertzen
in allen stücken obgemelt,
wie es fort gehn soll in der welt ...
(er) kan durch sein weiszheit gar nit treffen
die heimlichen werck der gotteshend
H. Sachs 19, 382 G.;
ich wolt auch wol scharf speculiren, aber wenn ich mich solt zu tod dencken, so kan ich doch nichts mehr treffen, denn das ich da höre Luther (Jena 1561) 6, 66ᵃ;
durch stille sein und hoffen,
wirt aller wunsch getroffen
Chr. G. Rose homilet. studierstube (1723) 490;
zel ein wochen für siben jar!
driffst du nicht gar lang von der zeyt,
darinn Christus sein marter leyd
H. Sachs 1, 171 K.
b)
auf concrete gerichtet, so dasz neben dem 'finden' ein leibhaftes hinkommen stärker mitspricht als in a; im bergbau, in näherem anschlusz an I B 4:
so trüwe ich (der bergmann) ze gote wol
daz wir den rechten ganc treffen
cod. pal. germ. 341, 40 Rosenhagen;
wo aber die gewercken, so auf dem fletz belehend, den gang treffen, und entblössen, so sollen sye als die ersten aufnehmer zugelassen werden (1548) bei Lori bair. bergrecht 252; wo die ... schürffen und einschlagen, werden sie eisenstein und kupfferertz treffen Mathesius Sarepta (1571) 2ᵃ; zu wellicher zeitt in einer zech oder stollen ertzt troffen wirt, das söll man dem haubtmann und berckmeister unverzüglich ansagen (1515) bei Lori bair. bergrecht 168; in anderen anwendungen, auch in junger zeit: nu man aber wil gute prediger haben, kan man kaum einen rechtschaffenen treffen Joh. Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) m 1; wo sind denn aber so vollkommene lehrer zu finden? — die triffst du sehr leicht, versetzte Montan Göthe 24, 49 W.; hoher wahrten feuer, darnach sich die schiffleut auff dem meer richten, die hafen zutreffen Hulsius (1618) 2, 166ᵇ;
der weltumsegler freudig trifft
den hafen, wo er ausgeschifft
Göthe 3, 365 W.;
der himmel ist gar weit, ...
die höll ist aber nah; es treffen sie die blinden
Logau 540 Eitner;
er sucht ein tugendsam gemüthe ...
das trifft er nun bey seiner braut
Stoppe Parnass (1735) 407;
Philinen, ... deren schlafzimmer er ausgekundschaftet gehabt und es auch gewisz würde getroffen haben, wenn er nicht unterwegs aufgefangen worden wäre Göthe 21, 300 W.;
und vor allem sei ein kluger,
wählst du in den religionen,
unter heiden, christen, juden,
dass du triffst die rechte pforte
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 143.
c)
es gut oder schlecht treffen auf dem lebenswege ist gemischt aus 'durch fortschreiten antreffen' und 'richtig finden' (dann mehr wie III, besonders A 1 d). den modernen anwendungen (u. 2) dadurch nahe, dasz weniger ein absichtsvolles handeln des subjects, als ein eintreten der fügung vorliegt:
und kam an desz landsfürsten hof,
da er es dann nit ubel troff,
dann weil der herr liebt künstler sehr
Fischart Eulenspiegel 135 Hauffen;
er hats nicht übel getroffen, egli non l'hà rincontrata, incontrata male Kramer 2 (1702) 1121ᵇ; vgl. ein gutes glück treffen, incontrare, appuntare buona fortuna ebda 1120ᶜ; mein bruder Jakob hatte ein jahr vor mir, und meine älteste schwester ein jahr nach mir sich verheurathet; und keins von beyden trafs noch so gut wie ich U. Bräker s. schr. 1 (1789) 183; das erbfräulein ist hübsch, wohlerzogen ... sie treffen es gut — beinah so gut wie ihre braut v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 98; diese person! aber recht tüchtig ist sie doch deshalb. ich freu mich, Kätchen, dasz dus so gut getroffen hast G. Hauptmann einsame menschen (1891) 4; ihr habt es recht übel getroffen, keinen solchen tag hier erlebt zu haben A. v. Droste-Hülshoff br. an Levin Schücking (1893) 308; stärker im sinne von 'finden':
ei du hast es (mit dem heiraten) wol getroffen, weil dir jetzt kein geld gebricht
J. Grob dichter. versuch. (1678) 72;
beide waren mit glauben und neigung zu mir gekommen, der eine den militär- der andere den kaufmannstand verlassend, und beyde haben es nicht übel getroffen Göthe IV 27, 4 W.
2)
vorfinden, antreffen, darauf stoszen. das subject ist in weit geringerem masze als in III und oben 1 geistig tätig; die dinge treten mehr dem subject entgegen, als dasz es sie absichtlich aufsucht und erreicht. die reinste ausprägung findet diese bedeutung erst seit dem 18. jh.; modern dafür in vielen anwendungen auch antreffen, s. teil 1, 504.
a)
auf sachen gerichtet:
dieselb (hindin) vor den hunden hinlief.
traff ein fort durch den see tieff
und kam an das ander gestadt
H. Sachs 8, 584 Keller;
in kurtzer zeit sichs begab, daz er in ein schiff kam, welchs in gen Lunden in Engelland füret, daselbs er ein ander schiff traff on all gefor, das in inn Schottland ... tragen thet Wickram w. 1, 147 Bolte; welcher ... den adel von Noe här rechnen wil, der wirdt das widerspil träffen und befinden Stumpf Schweizerchron. 311ᵃ;
dieweil er (der freier) immerdar den werthen brautmarkt sucht,
und doch den korbmarkt trift, dem jeder freier flucht?
J. Grob dichter. versuch. (1678) 56;
schlug ich die bibel nochmals auf, und traf ohnverhofft die worte prov. 10 J. G. Schnabel insel Felsenburg (1731) 6 Ullrich. etwas in einem zustand 'vorfinden, antreffen': hier nun traf ich die ganze blecherne dose mit spaniol ... angefüllet d. Leipziger aventurier (1756) 1, 42;
es war (der wein) so zu sagen eine wahre arzney,
doch wie man ihn jetzt hier und dort manchmal trifft,
so ist es, mich schüttelts, ein ordentliches gift
Meisl theatral. quodlibet 1, 54;
hatte die avantgarde der 17. division Gidy verschanzt und stark besetzt getroffen Moltke ges. schr. u. denkw. 3, 229;
im antlitz lag so tiefer seelenschlaf,
wie nie bei kranken ich noch irren traf
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 100 Schücking.
modern besonders in geistiger sphäre, im auszerordentlich blassen sinn von 'ich finde vor' oder gar 'es begegnet mir': man trifft spuren einer herrlichkeit und einer zerstörung, die beyde über unsre begriffe gehn Göthe IV 8, 46 W.; griechische aufschriften trifft man ferner auf einigen süditalischen münzen Luschin v. Ebengreuth münzkunde u. geldgesch. 53; weitläuftigere und vollständigere nachrichten trifft man in der vortrefflichen sammlung der reisen J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 15; da ist dir keine zeitung, wo du nicht ein artikelchen von dem schlaukopf Spiegelberg wirst getroffen haben Schiller 2, 78 G.; wie man denn überhaupt, wenn man auch nur selten in die tagesblätter hineinsieht, manches ganz vernünftige trifft Göthe IV 40, 249 W.; in München triffst du briefe, die dir sagen, wo du mich findest A. Stifter s. w. 1, 132 Sauer; ein offizier ... hat in Verona vier grad kälte getroffen, und das bei unheizbaren zimmern Moltke ges. schr. u. denkw. 4, 175; Schillers Wallenstein hat doch ein eignes unglück, insipide recensenten zu treffen Solger nachgel. schr. 1 (1826) 16; alle diese herren und ihr gefühl hab ich rein vergessen, denn ich traf in der welt auch nicht einen schatten ihrer träume Fr. M. Klinger 1, 160; ich habe in keiner familie eine solche ungleichheit der gemüther getroffen wie in dieser Mozart bei O. Jahn 3, 140; schreibe mir alles, was du auf diesem wege triffst. mich interessirts sehr und ich lerne immer Göthe IV 8, 313 W.;
so wirst du ohne zweifel wissen wollen,
was ich auf meinem wege von dem feinde, ...
bemerkt, getroffen?
Lessing 3, 87 L.-M.;
und man traf bey ihm, was man gewöhnlich zu treffen pflegt; dasz man das vaterland der geburt dem andern, oder die mutter dem vater vorzieht v. Hippel lebensläufe 1 (1778) 13; dann müszt er aber auch an vaterland so weit über mich erhaben seyn, wie ich über meine schulknaben, und das trifft man selten, glaub ich wol Lenz ges. schr. 1, 43 Tieck; diesen schnöden gebrauch treffen wir in Nordamerika noch bei den Aleuten O. Peschel völkerkunde (1874) 229; aber freilich, welch einen gebrauch treffen wir hier allgemein geworden! Gervinus hist. schr. (1838) 7, 269. soviel wie antreffen: wurde das material zusammengetragen in einer reichhaltigkeit, wie sie kaum in einer anderen Alexandreis zu treffen ist Zingerle quellen zum Alexander 8. — vereinzelt im stärkeren sinn von 'auf etwas stoszen', sowie treffen auf (u. e): sie trafen endlich die grenze des holzes und gingen in demselben weiter A. Stifter 5, 1, 221 Sauer; sieben uhr fünf minuten (sind wir) in Trautenau. hier treffen wir den zug und sind um mitternacht in Prag Fontane I 6, 52; ähnlich:
traf ihr verlangen widerstand,
so zwang sies bald mit zähren
Kretschmann s. w. (1784) 6, 318.
concreter, wohl in engerem anschlusz an I B 4:
ich streckte meine hand begierig aus,
ein blümchen abzupflücken
die finger traffen nichts, was fühlbar war
Brockes irdisches vergnügen (1721) 4, 93;
und suchte nach des nächsten schemels halt, ...
da traf ich eine hand, so feucht und kalt
A. v. Droste-Hülshoff 2, 99 Schücking.
b)
auf personen gerichtet; jemanden antreffen, zu ihm gelangen: darumb so gond hinauff, dann yetz werdend ir in (den seher) eben treffen (quia hodie reperietis eum) Züricher bibel (1531) r 7ᵃ, dafür Luther (1. Sam. 9, 13) antreffen; sobald wir mit gots hilf widerkomen. dann die trumeter haben uns nit doheimen troffen, sunder in dem Mentzischen land Steinhausen privatbriefe 1, 126; andere zeugnisse alter zeit sind abstracter und daher dem sinn des geistigen findens (o. 1) näher:
der sünden büsser ist nun hier,
den schlangentreter haben wir;
der höllen pest, des todes gifft,
des lebens fürsten man hier trifft
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 438ᵇ;
er ist ein mal uf seinen man komen. er hat ein mal seinen meister troffen Tappius adag. cent. septem. (1545) j 5ᵇ. in junger sprache dagegen in reicher entfaltung: sowohl in Neapel als nachher in Rom ... bin ich zu ihm geeilt, wenn ich ihn nicht traf, hab ich mir einen zweyten weg nicht reuen lassen Göthe IV 8, 335 W.; meine frau war bey ihnen, hat sie aber nicht getroffen Schiller br. 3, 429 Jonas; die übrigen hiesigen gelehrten konnte ich nicht treffen Nicolai reise 1, 170; aber eben hat der graf die Blanca gesucht, und sie in ihrem zimmer nicht getroffen Lessing 10, 59 L.-M.;
den Terzky trefft ihr hier, den Tiefenbach
Schiller 12, 64 G.;
wenn man von osten nach westen ging, so waren die ersten Belgen, die man traf, die Trevirer E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 13; hat er sie am brunnen getroffen, wenn sie wasser schöpfte, und gesagt: lieb mädel, wer bist du? H. v. Kleist 2, 184 E. Schmidt; besonders jemanden zu hause treffen: Knobeln in München traf ich nicht zu hause Göthe IV 8, 59 W.; sie werden mich immer zu hause treffen Lessing 2, 148 L.-M.; einer meiner ersten gänge war zu John, den ich aber nicht zu hause traf Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 4; bis die zeit verstrichen war, um den Schinkel zu hause zu treffen fürst Pückler briefw. u. tageb. 1 (1873) 133. — von dem unabsichtlichen zufälligen antreffen nur in der anwendung verschieden 'planmäszig, wunschgemäsz, verabredungsgemäsz antreffen': als er diese kunde von Isabellen erhalten, wäre er ihr gern nachgezogen, aber wo sollte er sie treffen? A. v. Arnim s. w. 1, 176 Grimm; da erfuhr ich dasz die madame gestern nach Dresden abgereist seye! dort werde ich sie also treffen Mozart bei O. Jahn 3, 476; herr Rehberg trifft mich noch hier Göthe IV 8, 275 W.; da ich ... nach Carlsbad gehe, so hab ich das vergnügen, sie in Franzensbrunn zu treffen ebda IV 28, 148; ich glaube dich in Cassel zu treffen, werde folglich in Marburg gar nicht verweilen Jac. Grimm an Wilhelm br. 70 H. Grimm; Delescluze pflegte ich bei Karcher zu treffen A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 361 Nerrlich; dieser art war die versammlung, welche an vielen abenden zumal im winter, bei frau Margret zu treffen war G. Keller ges. w. 1, 69;
ihr habt euch sehr verweilt, mein vater. er
wird kaum noch mehr zu treffen seyn
Lessing 3, 55 L.-M.;
gerade das ist die stunde, wo wir immer ganz sicher zu treffen sind! Gutzkow ritter v. geist (1850) 1, 67. von dem 'jemanden an einem ort antreffen' hebt sich gelegentlich ab 'jemandem begegnen', z. b. unterwegs, im allgemeinen sind aber beide anwendungen nicht voneinander getrennt: den etwas kürzeren herrn Jakobus, welchen die losen kinder so oft auf dem schulwege als ernsthaften pedantischen groszschüler trafen, schwere bücher unter dem arm G. Keller ges. w. 6, 19; Otto von Wittelsbach ... blieb vogelfrei für jeden, und erlag demjenigen, der ihn auf der heerstrasze traf und erschlug Bismarck polit. reden 4, 379 Kohl; ach, mein herr philosoph, treff ich euch auch einmal! was macht ihr denn hier unter den taugenichtsen? Göthe 45, 8 W.; ich reiste von Algier über Toulon und jene hauptstadt, und traf ihn auf der bibliothek Immermann 1, 16 Boxb.; ja, wenn ich gewusst hätte, dass ich dich einmal treffe A. Schnitzler Anatol (1901) 29;
aber treff ich dich drauszen im freien,
da mag der blutige kampf sich erneuen
Schiller 14, 22 G.
besonders häufig mit adverbiellen bestimmungen 'jemanden in einem zustande vorfinden, antreffen', auch 'ihm so begegnen' (vgl. auch o. a), schon alt:
solt er nun nicht uͦben straf?
wenn nachläszig
und vergeszlig
er ihn in dem lernen traf?
Reinicke fuchs (1650) 35;
im wortspiel mit I B: het ein guͦtter schütz sein müszen, der in daheim ob der arbeyt het treffen wöllen Montanus schwankb. 18 Bolte; vielleicht II A 2 nahe: der tod hat grosse leute bey büchern getroffen. man wollte vielleicht des todes bitterkeit mit papierner unsterblichkeit verjagen v. Hippel lebensläufe (1778) 1, 241; in junger zeit in reiner ausprägung: so traf ihn sein gastfreund Hauff s. w. 1, 41;
... und (Thetis) fuhr ums morgenroth
gen himmel auf, und traf den weitumschauenden
Kroniden sitzend auf dem höchsten haupt
des vielbewipfelten Olymps allein
Bürger 148 Bohtz;
da reitet er nach Stuttgart: er hat nicht sehr geeilt.
er trifft den alten vater allein beim mittagsmahl
Uhland ged. (1863) 366;
ich treffe dich gelassen, wie ich wünschte,
Göthe 10, 208 W.;
von jenem schmerz, in welchem du mich trafst,
und der mich zu zerstören schien, hast du
mich halb und halb befreit
Deinhardstein ges. dram. w. 1, 117;
dein brief ... traf mich in sehr ernsten betrachtungen über das leben Göthe IV 23, 185 W.; in welchen traurigen umständen treff ich dich vielleicht, wenn du mir einst begegnest! ebda 23, 85; das hübsche kind, das er im garten mit einer stickerei beschäftigt traf v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 17; Hans selbst muszte ... das gesindlein züchtigen, das er über verbotenem holzschlage traf G. Freytag ges. w. 11, 242; wenn ich zeige, dasz er sich hier auf einer kleinen tücke treffen läszt Lessing 5, 398 L.-M.; ebenso in anderen constructionen:
einstens, als auf stillem wege
er im tale einsam hinschritt,
traf Tannhäuser unvermutet
unter schattender kastanie
Otto sitzen, ganz versunken
Jul. Wolff Tannhäuser 191 List;
kränklich, wie er war, traf man ihn nur zuweilen morgens im weinhause, einen halben schoppen zu trinken, und abends hin und wieder im gasthofe Edm. Höfer bewegtes leben (1856) 236;
wen treff ich schon, wen treff ich noch den wachenden?
Göthe 50, 301 W.
c)
sich treffen 'einander begegnen', erst seit dem 18. jh.: gehab dich wohl, nicht bis aufs wiedersehen, denn es ist eher möglich, dasz wir uns nicht mehr trefen v. Hippel über d. ehe (1774) 228;
ei! da sind wir alte bekannte!
und treffen uns hier im böhmischen lande
Schiller 12, 20 G.;
wer weisz wo wir uns sehen und treffen Göthe IV 8, 288 W.;
kaum trafen wir uns auf derselben station, ...
da bläst schon zur abfahrt der postillon
Heine 1, 54 Elster;
übertragen: zwey personen ..., wenn sie sich auf ihren wegen treffen Göthe IV 41, 53 W. in Norddeutschland, nach einer unangenehmen angelegenheit drohend: wir treffen uns mal wieder! wir werden noch gelegenheit zur abrechnung haben; wi draapt uns wull mal wedder 'das will ich dir gedenken' Mensing schlesw. holst. 1, 837; ähnlich: das ist nicht die Lamsenspitze! das ist ein neuer gegner, der dort mir erwächst, und ich weisz, wie er sich nennt. die loose sind gefallen, ... wir werden uns treffen, unhold! H. v. Barth Kalkalpen (1874) 445. auf unpersönliches übertragen: unsere letzten briefe müssen sich unterwegs getroffen haben Lessing 18, 327 L.-M. anders:
jezo stieg der gedank in meine zürnende seele: ...
näher zu gehn, das geschliffene schwert von der hüfte zu reiszen
und ihm die brust zu durchgraben, wo zwerchfell und leber sich treffen
H. Voss Odyssee 161 Bernays.
in der wendung sich mit jemandem treffen: vielleicht habe ich das glück, mich mit ihnen irgendwo, abgeredet oder unabgeredet, zu treffen Göthe IV 20, 369 W.; (die frau) von der er doch annahm, sie treffe sich mit Apollonius O. Ludwig ges. schr. 1, 250; ich habe mich mit ihm bei der prinzesz Radziwil zusamengetroffen lebensnachr. über B. G. Niebuhr (1838) 1, 537; übertragen: da ich immer fortfahre die erscheinungen zu studieren, ... und wie erwünscht würde mir es sein, mich mit ew. wohlgeb. bald auf einerlei weg zu treffen Göthe IV 10, 155 W. vereinzelt im sinne von sich treffen ohne das pronomen:
schlimm treffen wir bey mondenlicht, du stolze
Titania
Shakespeare 1, 197;
ich bitt dich, freund, lasz mich nach hause gehn,
der tag ist heisz, die Capulets sind drauszen,
und treffen wir, so gibt es sicher zank
Göthe 9, 210 W.
häufig von einem verabredeten sich mit einander versammeln, miteinander zusammenkommen: da hielten wir unsern kriegsrath: was wir machen, wo hinaus, welchen weg wir nehmen, wo wir uns wieder treffen sollten U. Bräker s. schr. 1 (1789) 148; wenn ihr nicht ins seebad geht, so komme ich nach Itzehoe, oder besser wäre es, wir träfen uns in Cuxhaven Moltke ges. schr. u. denkw. 6, 6; wir blieben bis tief in die nacht alle drei beieinander und verabredeten, uns öfter zu treffen G. Keller ges. w. 2, 160; deutsche volksgenossen und -genossinnen! deutsche bauern! zum zweiten male treffen wir uns heute hier auf diesem gewaltigen berghang. 700 000 männer und frauen sind zusammengekommen Adolf Hitler am 30. 9. 1934; bis dahin lasz uns einander treffen in ihrem tempel Bettine Günderode (1840) 1, 45; um vier uhr traf man sich unter der groszen parkplatane Fontane I 4, 252.
d)
in beschränktem bereiche von sachlichen subjecten. besonders von briefen, die uns 'erreichen, antreffen': eben wird sie dieser brief noch in Hamburg treffen können, um ihnen glückliche reise zu wünschen Lessing 18, 16 L.-M.; ihr brief ... hat mich noch in Jena getroffen Göthe IV 19, 147 W.; bis den ersten juli treffen briefe mich noch hier Levin Schücking bei A. v. Droste-Hülshoff br. 345; Gotthard, den mein brief nicht getroffen, hatte durch viel mühe erfahren, dass ich in ... wäre v. Hippel lebensläufe (1778) 2, 499; wahrscheinlich trifft sie dieser brief nicht mehr in Rom Göthe IV 11, 87 W.; ebenso: hier trifft mich ihr liebes blat, und nun gleich mit vorstehendem ... auf die post! Göthe IV 38, 138 W.; geben sie mir nachricht, dasz sie gegenwärtiges und wo? getroffen hat ebda IV 41, 133; gegenwärtiges wird sie hoffentlich zu Havre treffen Rhode prakt. handb. d. handelscorresp. (1861) 716 Lehmann; eine antwort auf diesen brief wird mich schwerlich mehr in Rom treffen Göthe IV 8, 227 W.; wo du auch seiest und dich diese zeilen treffen Chamisso w. (1836) 5, 185; mitten in einem behaglichen sommeraufenthalt ... traf mich plötzlich die nachricht, dasz meine tante ... gestorben sei H. Seidel vorstadtgesch. 101;
glücklich, dasz nach langem sommer
noch dich frohe zeitung traf
Schenkendorf gedichte (1815) 15.
in vereinzelten anwendungen 'ein ereignis begegnet jemandem in einer gewissen lage, erreicht ihn', von 'jemanden befallen' (II B 3) verschieden:
trifft dich der ersten stunde nächtger schlag
am rasensitz der dichtbemoosten eiche?
A. v. Droste-Hülshoff 2, 242 Schücking;
nie hat sie der regen ohne regenschirm getroffen Cl. Brentano ges. schr. 5, 419; an stelle von ebenfalls gebräuchlichem sehen: jeder sonntag traf mich nun der kanzel des geliebten predigers gegenüber H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 144; die morgensonne traf unsre reisenden schon wieder draussen zu pferde Eichendorff s. w. (1864) 2, 76; nicht fern von II B 1 c: in seinem lustigen leben traf ihn um die mitte märz der befehl des erzbischofs, zu ihm nach Wien zu kommen O. Jahn Mozart 2, 496. — anders, doch ebenfalls 'erreichen': wo der vorgebaute fenstergiebel ... nach dem eigentlichen zimmer zu die dachschrägung traf Fontane I 5, 200.
e)
eine leichte veränderung erfährt der sinn in der wendung treffen auf jemanden oder etwas, etwa 'auf etwas stoszen, geraten'; die unabsichtlichkeit und daher die passivität des subjectes ist stärker betont, gelegentlich auch das plötzliche, unerwartete des geschehens.auf personen gerichtet:
natürlich stutzt die schöne königin,
in ihrem wege hier auf einen mann zu treffen
Wieland s. w. (1794) 23, 212;
ein paar junge Schweizer ... trafen in Jena, in dem gasthof zum schwarzen bären, auf einen reitersmann, der am tische sass Ranke s. w. 2, 22; Leontine sucht schnell hinauszukommen, trifft aber in der thür auf ihren vater G. Hauptmann biberpelz (1893) 9; unter der tür traf er abermals ... auf jene unheimliche maske Mörike ges. w. (1905) 3, 43; sie trift, da sie durch das volk kommt, gerade auf Virginiens leichnam v. Ayrenhoff w. (1814) 2, 305; es liesz sich vermuthen, dasz er bei seiner heimkehr nachts auf seinen mörder getroffen, oder dasz dieser ihm aufgelauert gartenlaube (1863), 372ᵇ; auch im inneren, abstracteren sinn von begegnen: es ist umheimlich, wenn man auf so eine menschenkennerin trifft A. Schnitzler Anatol (1901) 46; man trifft häufig auf buchhändler, welche ein manuscript ... wie ein stück vieh betrachten Müllner dram. w. (1828) 8, 94;
der mahler
trifft auf bewundrer oft, doch selten auf bezahler
ebda 6, 202;
wir treffen in der neuen kunstgeschichte hie und da auf dichter, welche ... fremdlinge aus einer höheren welt zu sein scheinen Fr. Schlegel pros. jugendschr. (1882) 1, 88 Minor; wenigen ward es gegeben, einen Babelgedanken in der seele zu erzeugen ... wenigern, auf tausend bietende hände zu treffen, felsengrund zu graben Göthe 37, 140 W. wenn man unvermuthet auf einen solchen schatz trifft, weisz man ihn nicht gleich zu schätzen ebda IV 33, 89; etwa zwei lachtern täufe vom tage herab traf man auf den feinsten weiszen glimmersand ebda II 9, 96; wahrscheinlich triffst du hier auf anwendbare stellen ebda IV 27, 236; selbst von Schleiermacher glaube ich, er würde zucken und glauben auf falsche spuren zu treffen fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 263; nach diesen nicht eigentlich philosophischen vorbereitungen treffen wir auf ein speculatives system, nämlich das Kantische Solger ästhetik (1829) 31; traf aber auch bei ihm auf eine bedauerliche unwissenheit H. v. Barth Kalkalpen (1874) 188; der doctor nickte, als treffe er nur auf die bestätigung eines eigenen gedankens gartenlaube (1863) 372ᵇ; es ist ganz etwas anders, aus unwissenheit auf das laster treffen; und ganz etwas anders, es kennen und dem ungeachtet mit ihm vertraulich werden Lessing 2, 335 L.-M.;
nie wird dem seher dank — er trifft auf hohn
und steine, ruft er unheil — wut und steine,
wenn es hereinbrach
Stefan George das neue reich 29.
auf einen ort stoszen, gelangen: als sie dem schalle nachgingen, ... trafen sie auf eine waldblösze Göthe 24, 41 W.; und (werde) auf unsre vorigen pfade, wo wir vorm jahre vergnügt reisten, wieder treffen ebda IV 5, 330; jetzt brach auch ich auf, traf auf einen der goldnen ausgänge maler Müller w. 1, 80; dann traf ich auf den fuszsteig, der an den Mitterwegfeldern geht. dort eilte ich eine weile fort A. Stifter s. w. 2, 152 Sauer; bald traf ich auf den getretenen schafsteig H. v. Barth Kalkalpen (1874) 292;
einst traf der weg, der eben vor ihm lag,
auf einen wald
Wieland s. w. (1794) 22, 10;
ähnlich:
entfernt von dir, entfremdet von den meinen,
führ ich stets die gedanken in die runde,
und immer treffen sie auf jene stunde
Göthe 2, 10 W.
häufig in dem intensiveren sinn 'feindlich auf jemanden stoszen, mit ihm zusammenstoszen', vgl. u. C 2 a:
wie sich der leu in seinem hunger freut,
wenn er einmal auf vollbeleibten raub —
entweder einen hochgekrönten hirsch,
oder eine gemse trifft
Bürger w. 1, 151 Bohtz;
nicht der, welcher zuerst, sondern welcher zum sichersten auf den feind trift, hat sich dem siege genähert Lessing 2, 360 L.-M.;
auf Solamir zu treffen ist mein wunsch.
wir wünschen die erfüllung! nun erlaube
das heer zu ordnen, vor die stadt zu führen
Göthe 9, 421 W.;
wir konnten auf feinde treffen, die anders gewesen wären A. Stifter Witiko 765 inselvolksausg.; die feldherren waren getroffen auf einen an talent weit überlegenen gegner, auf einen ... zähen widerstand Mommsen röm. gesch. (1856) 3, 28; da indessen der könig von Aragonien ins land gefallen ist, ficht sie die schlacht mit, trifft einzeln auf den könig Grillparzer s. w. 17, 164 Sauer; auch auszerhalb des waffenkampfes 'hart auf jemanden stoszen, geraten': seine künste waren verloren, sobald er auf männer von einiger einsicht traf Moltke ges. schr. u. denkw. 2, 50; sie setzten ein inquisitionsgericht gegen ihn nieder. da trafen die beiden parteien zuerst ernstlich auf einander Ranke s. w. 1, 185; seit ... 1791 trafen die männer, die sich liebten, ernstlicher aufeinander Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 427; ebenso mit unpersönlichem object: darum wirkten die hindernisse auf welche er traf, doppelt heftig auf ihn Schiller 1, 110 G.; aber ich traf auf den unbeugsamsten widerstand v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 110. — anders, I B 1 c näher:
schwert traf auf schwert, zum schlachtfeld ward die stadt,
ja diese hallen selbst besprüzte blut
Schiller 14, 17 G.;
ähnlich: wenn ... eine kugel auf eine andere kugel in freier luft trift Leibniz deutsche schr. (1838) 2, 48.
f)
präpositional- und adverbialverbindungen, meist vereinzelt, im sinne von 'gelangen', zuweilen 'zufällig hingelangen' (vgl.B 1), zuweilen (III nahe) 'richtig hingelangen'. ähnlich wie treffen auf: und erwartete jeden augenblick an die wand oder doch an ein steilgehänge zu treffen H. v. Barth Kalkalpen (1874) 223; bis ich wieder in die nähe der mir bereits mehrfach unvorteilhaft bekannt gewordenen schlucht ... traf ebda 226; häufiger treffen zu 'zu jem. stoszen': nach der Karlsbrücke, wo Dr. Schubert mit herrn von Raumer ... zu uns trafen Göthe III 3, 249 W.; ähnlich:
denn das ist gottes wahre gift
wenn die blüthe zur blüthe trifft
ebda 4, 170;
träfe aber das häszliche zum schrecklichen, so könnte es blos als nebenidee zutreffen; es gehörte nicht in die empfindung des schauders Herder 3, 178 S.; wo das häszliche zum lächerlichen zutrift ebda. reflexiv, ganz isoliert:
doch seit jenem augenblicke,
da du zu uns dich trafest, nahmst du ganz
den willen mir
Zach. Werner d. kreuz an d. Ostsee (1806) 107.
mit ortsadverbien, im südosten, wohl eigentlich auf ²triefen (s. u. die mhd. zeugnisse) beruhend, doch mit treffen verwechselt und als dieses verstanden: als es friede wurde, traf mein vatter bey einer durchreise dahin, und nahm die älteste schwester zur ehe v. Petrasch s. lustsp. (1765) 2, 671; von Anzengruber in starker abweichung von der schriftsprache gepflogen, 'den weg richtig finden, richtig hinkommen': niemal hätt ich die andern kennen gelernt, und nach der Rodensteiner mühl hätt ich vielleicht doch hingetroffen und es wär alles gut geworden ges. w. (1890) 3, 109; bin ich ihnen heimlich abgfahrn und hab glücklich bis daher getroffen 2, 283; bin gegangen, fort und fort, bis ich heimgetroffen habe 3, 116. unmittelbar zu ²triefen gehört eine gruppe mhd. zeugnisse, die fälschlich zu treffen gestellt wurden, indem man die bedeutung mehr als 'eintreffen, anlangen', denn als 'laufen' faszte; getroffen kommen 'herbeigelaufen kommen':
und hiez mich kumen bei der nacht,
sie wolt mir hinten lassen offen,
also kam ich dar getroffen,
ich wolt do zu der tur einjahen
fastnachtspiele 115 Keller;
e si von des stritis graus
komen getroffin uf das haus
Dalimil 34, 64 Jiriček;
an den (die aus dem kampfe flohen) diu zagheit was
daz si vor her komen getroffen, ergangen,
die heten sich versloffen
in die stelle ab den wegen
Ottokar v. Steier österreich. reimchron. 62468 Seemüller;
umtriefen 'umher treiben, laufen, vagabondieren':
man findet mangen öden gauch
der also lang ist umb getroffen
und alle winkel hat auszgesloffen
welcher sein leben also fürt,
bis ain alter greis aus im wirt
fastnachtspiele 316 Keller.
B.
zusammentreffen, entsprechen, passen. aus dem äuszeren hingelangen eines zum andern (A) wird ein inneres sich begegnen, einander gleich sein. dem intransitiven sinn entspricht das fehlen von objectsausdrücken.
1)
es trifft sich 'geschieht durch fügung; fügt sich'. schon seit dem 15. und 16. jh. bezeugt, doch reich bezeugt erst weit jünger:
offtermahls hat sich getroffen,
was man niemahls können hoffen
Reinicke fuchs (1650) 270;
die heitzeler, so die an den Meyn faren kommen, sollen inne irer ordenung iglicher nach dem andern, alsz sichs in der ordenung triffet, faren (1493) Frankfurter amtsurkunden 319, vgl. wie die ordnung jemanden trifft (II B 1 b); meistens in der wendung es trifft sich, dasz: da kame auch des alten bawren weib zu beichten; und traff sich eben, das sie kam zu einem schönen jungen münch nachtbüchlein (1559) 63 Bolte; und kame auff ein hierschen gespör, dem eylet der könig geschwind nach, und traff sich eben, das der hirsch durch ein thal lieffe einen berg hinnab ebda 320; es traff sich aber, dasz der reichsstab unversehens vermiszt ward Lohenstein Arminius 1 (1689) 111ᵇ; es kan sich treffen, dasz das zeichen just ein wunder ist Zinzendorf vom mutteramte des heil. geistes (1748) 15; einmal traf es sich nun, dasz wir eben mitten aus einem ihm für junge mädchen unpassend erscheinenden kapitel des buches Esther laut vorlesen muszten Göthe gespräche 1, 12 Biedermann; oft traf es sich, dasz die ganze tischgesellschaft still ward v. Hippel lebensläufe 1 (1778) 24; unglücklicher weise trift sichs nun, dasz mein herr gefangen wird G. Stephanie s. lustsp. (1771) 135; wenn der abnehmende mond bey tage sichtbar ist, so trifft es sich oft, dasz bey hellem sonnenschein der himmel hin und wieder mit kleinen weiszen wolken bedeckt ist F. Th. v. Schubert verm. schr. 2, 133; oft trifft es sich, dass einer dieser elenden seinen vater ... an den spiess stecken ... muss Fr. M. Klinger w. 3, 18; es kann sich treffen, dasz institutionen, welche wir für die unantastbarsten und nothwendigsten halten, die verderblichsten und veränderungsbedürftigsten sind Lassalle ausgew. reden 1, 270; auch mag sichs wohl treffen, dasz man noch manch wunder aus der alten zeit da oben fände Tieck schr. (1828) 4, 221;
es traf sich an einm sommertag,
zwei liebende sassen draussen
Herder 25, 192 S.;
es traf sich also in der reihe, dasz es just an einen der reichsten bauern kam maler Müller w. 1, 304. auch in anderen wendungen: auf den kupfern, welche die musen vorstellen sollten, bestehe ich nicht weiter ... es traf sich mit diesen blättchen gar zu sonderbar, dasz sie gerade vorstellungen enthalten, die mir äuszerst verhaszt sind Göthe IV 12, 122 W.;
nun so müssen wir sorgen, ihn (den entschlusz) rasch in die
und es trifft sich besonders that zu verwandeln.
Hebbel w. (1891) 8, 224;
nun es geht ja zu ende! wenn nur nicht heute gerade
alles so übel sich träfe!
ebda 8, 215;
denn weder vernünftig noch unvernünftig können sie machen; sondern sie machen nur was sich eben trifft Schleiermacher Platon 2, 240; bald waren die alliirten obenauf, bald die Franzosen — wie sichs grade traf v. Gaudy s. w. 2, 59. — oft im sinne der günstigen fügung, 'es paszt': vielleicht trifft sichs, dasz ich bey ihm noch ein wort anbringen kann Thümmel reise in d. mitt. prov. 2, 270; es traf sich, dasz gerade ein jahr vor Winckelmanns ankunft ... zwei von den ersten alterthumsforschern ... dort eingetroffen waren Justi Winckelmann 2, 1, 133; es traf sich, dasz sie um eben diese zeit einen gesandten nach Frankfurth zur römischen königswahl schicken muszte Schiller 7, 123 G.; das trifft sich als eine schöne gelegenheit E. M. Arndt 1, 119 R.-M.; 'die sich ungezwungen ergibt': ich verbiete damit noch immer keine sich treffende erläuterung! sie ist angenehm, sie macht anschauend und sinnlich. aber solch zeug zur hauptsache machen! Herder 5, 450 S.; mit entsprechenden adverbiellen zusätzen: ah, da bist du ja auch, rief ihm dieser entgegen; das trifft sich gut Tieck schr. (1828) 4, 260;
das träfe sich ja gut
Hebbel w. (1891) 6, 109;
ein fläschchen schnaps ergreif ich da,
das trifft sich doch geschickt
Göthe 4, 337 W.;
wo eine
entscheidung soll geschehen, da musz vieles
sich glücklich treffen und zusammenfinden
Schiller 12, 111 G.;
wie glücklich es sich für ihn getroffen, dasz er den amtmann nach der residenz begleitet habe Tieck schr. (1828) 20, 130; ah, ich sehe schon ..., nichts im hause. trifft sich alles vorzüglich Fontane I 5, 290; es trifft sich wunderbar. man sieht nicht alle tage einen ... herzog ... ermorden A. Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 175. — in seltener neuanknüpfung 'sich finden, begegnen': ich suchte nach einem viergespaltenen kleeblatt. Philipp half; aber es traf sich nichts. Gutzkow ges. w. 2, 404; ähnlich: das kind ist schwarz und hat bloss weisse pfoten, sonst kein weisses haar am ganzen leib, das trifft sich alle paar jahre nur einmal kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 7.
2)
verschiedene adverbielle und präpositionale verbindungen im sinne von 'übereinstimmen, auf das gleiche hinauslaufen', dem sinne nach immer von mehreren subjecten. zusammen treffen (s. teil 16, 775): in sitten und pärden einem geleych seyn und wol zesamen träffen congruere cum moribus alterius Maaler 405ᵃ; tamen in hoc verbo treffens zusamen Luther 34, 324, 8 W.; seine reime ... treffen in glücklichem wohllaut zusammen Ranke s. w. 1, 174. gleich treffen, aufs gleiche hinauslaufen, vielleicht auch II C nahe: inn allen diesen reden sihestu, wie das wörtlin 'das' zeiget auff das gefesse, und doch, weil das getrencke und gefesse etlicher massen ein ding ist, so triffts zugleich, ia wol furnemlich das getrencke Luther 26, 444 W.; II C 3 nahe: mit der summ gleych träffen, oder das der summ grad gleych ist Frisius dict. (1556) 283ᵃ. treffen mit:
was er bereit vollführet,
zeugt unser teutsch Athen; und nun auch diese schrift
beweiset, dasz die hand mit dem gemühte trifft
Neumark neuspr. teutsch palmb. (1668) 20;
eine gleichsam eingeschaltete beschreibung des politischen zustands in Jerusalem und Judäa, die mit der geschichte genau trift Herder s. w. 9, 203 S.; sieh nach, dies trifft schön mit den worten auf der tafel, die dort an der eiche hängt, ... darauf steht Jean Paul I 10, 445 akad. einander treffen dem sinne von 'erreichen, finden' (vgl.A 1) nahe: dein rächnung laut anders dann meine, dein handel ist meinem ungleych, unsere rächnungen wöllend einanderen nit träffen Frisius dict. (1556) 426ᵃ; sie treffen enander net ihre aussage weicht von einander ab Fischer schwäb. 2, 349. in einander treffen: ideo hoc simile und trifft ynneinander, quia, quando dicit deus: 'non occides' etc. felt beide gebot ynn eins Luther 34, 2, 324 W.;
einst wollte die natur ein fest erschaffen,
ein fest, wo tugenden mit grazien
harmonisch in einander treffen
Schiller 1, 46 G.;
im gleichen sinn: so unrecht hat der Spiegelberg eben nicht. ich hab auch meine plane schon zusammengemacht, aber sie treffen endlich auf eins Schiller 2, 41 G. überein treffen 'übereinstimmen' (s. auch teil 11, 2, 191): das die weysz und form, welche man itzt ynn der messe hellt, mit dem evangelio gar nicht ubereyn trifft Luther 8, 513 W.; ein hebreische schrift ... welche fast mit der überschrift des kirchensekels übereintrifft Mathesius Sarepta (1578) 163ᵇ;
doch was man kann und was man können sollte
trifft, wie ihr wiszt, nicht immer überein
Wieland s. w. (1794) 5, 196;
ebenso ein treffen (s. teil 3, 327):
denn so würd ich fähig seyn, deinen preis, du theurer wächter,
durch mein singen zu erhöhn, ...
aber so trifft das vermögen nicht mit meinem willen ein
Chr. Gryphius poet. wälder (1707) 372;
das glück ist ungerecht und blind; ...
wie oft hat es mit deinem hoffen,
wie oft mit meinem eingetroffen?
Lessing s. schr. 1, 112 L.-M.;
entzwei treffen einander widersprechen: desse (vorgenannte) borghetucht drepet myt dessen nycht entwe gl. z. Sachsenspiegel bei Schiller-Lübben 1, 573.
3)
ungewöhnliche vereinzelte anwendungen meist junger zeit, im sinne eines zufälligen eintretens innerer art, häufig eintreffen gleichkommend.
a)
ohne ausdrücke einer richtungsangabe. es trifft statt des gewöhnlichen es trifft sich (o. 1): es trifft gerade, dasz serenissimus auch für die Schöndorfer warte eine neue tabelle beabsichtigen Göthe IV 34, 249 W.; es trifft im öffentlichen leben wohl, dasz ein fehler den anderen ausgleicht Mommsen röm. gesch. 2, 238; auch wird man sie (die elegien) hintereinander wegdrucken müssen, wie es eben trifft: denn jede auf einer andern seite anzufangen scheint ... nicht thunlich Göthe in: briefw. zw. Schiller u. Göthe (1828) 1, 142; wie triffts, dasz du heut kommst, just da er fern ist Grabbe s. w. 2, 181 Gottschall; ähnlich, im sinne von 'passen': der herzog schreibt mir, dasz er mich vor weihnachten nicht erwartet. da könnte ich noch ostern nach Sicilien gehn und dann würde es just treffen Göthe IV 8, 183 W.; etwa wie eintreffen: es ist so gefährlich, in die ferne sittlich zu würken. spricht man mit einem freund, so fühlt man seine lage und mildert die worte nach dem augenblick. entfernt spricht man nicht recht oder es trifft nicht zur rechten zeit ebda IV 9, 45; anders, etwa 'es war eben, gerade': es traf bald nach ostern, der wald stand noch nicht im laube, aber war voll leuchtender sonne Hans Grimm volk ohne raum (1926) 1, 43. — 'zufällig sein', auch 'fallen' (II B) nahe: Alvarez aber, da heute eben ein sonntag traf, beschlosz auf dem gesegneten eilande einige tage zu rasten Eichendorff s. w. 3 (1864) 264; bald darauf traf der namenstag der priorin, ein fest, worauf sich alle hausbewohner das ganze jahr hindurch freuten ebda 3, 305. — 'einem zufällig begegnen, aufstoszen': Hassenkamp, ein oft treffender name, eben weil er selten erscheint Herder 5, 267 S.hierher, obwohl so alt sonst nie bezeugt, im sinne von eintreffen, 'wenn es nötig wird': quando die not trifft, ut deseras vel artificium vel Christum. et quando da hinkompt Luther 34, 2, 41 W.; factor nihil aliud habet quam horam suam. haec cum non venit, nihil potest efficere, trifft aber das stundlin, so trifft ers auch ebda 20, 62.
b)
mit richtungsangabe, meist im sinne von 'fallen', doch von II B 2 verschieden; von zufälligem zeitlichen eintreten und zusammenfallen: da meine ankunft noch vor den ablauf ihres geburtstages trifft, so säume ich nicht, ihnen noch meinen besten glückwunsch ... zu überschicken Göthe (an Schiller) IV 15, 277 W; heute mein geburtstag trifft in diesem jahr auf einen sonntag, neben häufigerem fällt. der letzte zug Spartas gegen die zwingherren trifft nach dem perserkriege ... oder wenig später K. O. Müller Dorier (1824) 1, 171; die oper war also damals in zwei aufzüge getheilt, wo dann N. 13 in die gartenscene nach Figaros arie trifft O. Jahn Mozart 4, 485; ähnlich, etwa 'rangieren': sie (die Griechen), die im plane des schicksals der völker zunächst hinter die Ägypter trafen, und cultur, kunst und weisheit ... aus den händen dieses reiches empfangen ... sollten Herder 3, 397 S.; III nahe: seine anschläge wurden immer durch unerwartete mittel ausgeführt, die sich den umständen anschmiegten, immer in die eigene minute trafen, wo sie gelingen muszten H. P. Sturz schr. 1, 121. — vom menschen 'zufällig in eine epoche hineingeraten, zur gleichen zeit leben, wirken': er traf in einen zeitpunkt groszer begebenheiten Herder 23, 221 S.; wir sind jung mit der jungen methode, unsre anfänge treffen in eine neue epoche Göthe II 2, 115 W.; Kleist, Uz und Gleim trafen auf die zeiten der preuszisch-österreichischen kriege Herder 17, 66 S.; ebenso: sie (die neugegründete akademie) traf in den glücklichen zeitraum, in dem sie aus allen ländern erfinder und forscher sich aneignen konnte ebda 23, 52; trifft er (der aberglaube) aber gar in ein dunkles jahrhundert, so strebt des armen menschen umwölkter sinn alsbald nach dem unmöglichen Göthe 41, 2, 55 W.
C.
'einander zum kampfe begegnen, eine schlacht, ein gefecht liefern'. aus der bedeutung 'gelangen (an den feind), begegnen' (s.A) erwachsen; vgl. im gleichen sinne zusammentreffen (a. d. j. 1587), teil 16, 775; begegnung mit dem feind; lat. congredi, das vielleicht vorbild für das deutsche treffen war. seit dem 13. jh. bezeugt (s. u. 1), in gröszter verbreitung ende des 15. und in der ersten hälfte des 16. jh.; seit der wende des 17. jh. erlöschend, dagegen in der substantivierung (s. u. ¹treffen, n.) länger gebräuchlich geblieben.
1)
vorherrschend intransitiv, ohne object und richtungsangaben; perfect mit haben gebildet. das älteste, vereinzelte zeugnis für den gebrauch überhaupt zeigt das wort im substantivierten infinitiv (s. u. ¹treffen, n., sp. 1654):
wan ez nû an daz treffen gie, ...
nu hête sich der tac erhaben. das her reget sich mitalle
an allen sîten hie und da
Lohengrin 2024 Rückert.
a)
der gewöhnliche ausdruck ist treffen mit jemandem, der sinn des zusammentreffens, begegnens bleibt so am klarsten: und gab inen ein zeichen, das inen gott helffen würde, und zog also forn an der spitzen fur den andern her und traff mit dem Nicanor 2. Maccab. 8, 23; allda hat man mit dem Türcken wöllen treffen ..., aber zu keyner feldschlacht mitt ihm mögen kommen Seb. Franck chron. zeytb. (1543) 1, 290ᵃ; treffen sie dann mit ihnen, so wolt ich nit weit von ihnen seyn, treffen sie dann mit mir, so solten sie desselbigen gleichen auch tun Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 82 Bieling;
Tewrdannck sich des hoch verwundert,
das sy nicht beliben weren
bey irem her. er het geren
von stundan getroffen mit in
Teuerdank 219 Gödecke;
durch tapfer faust, siegreiche waffen
hab ich mit starkem feind getroffen
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 350;
schickte kegenst ihn einen hauptman ... mit hundert kahnen und böten, die folgten dem compter, ... da kamen sie mit seinen schiffen zu treffen, da es dann am meisten umb das grosse schiff zu thun war M. C. Schütz hist. rer. Prussic. 66ᵇ. — der eigentliche sinn von treffen, das unbeabsichtigte, zufällige begegnen, geht aber von vornherein verloren, und es wird ebenso sehr die kampfhandlung selbst wie das aufeinanderstoszen der heere bezeichnet:
desglich ir haubtleut und ir besoldten
die theten manlich, was sie solten,
und habent ser mit den fynden troffen,
des habent sie er, als ich verhoffen
Liliencron volkslieder 2, 548;
also ain ordnung, als wolt man mit den feinden treffen oder fechten zuͦ rosz und zuͦ fusz städtechron. 23, 415; wiewol nun der truchsäsz herr Froben bevolchen, mit den feinden nit zue treffen, sondern der andern haufen zu erwarten bauernkr. in Oberschwaben 583 Baumann. so besonders deutlich, wenn neben treffen ausdrücke des begegnens, an den feind kommen u. s. w. stehen: und von stundan wurfen sie ain tor auf und ranten iren feinden nach und entgegen, und traffen mit in und erstachen ir mer dann 50 städtechron. 5, 190; do chomen die unsern an sie und traffen mit in und slugen und stachen an einander gar fast, daz ir vil wunt wurden (1450) ebda 2, 197; bey Freysing in den engeren engegnet in herzog Kristof und traf gar mändlich mit in auf di 5. stund nach mittag. da wurden erstochen ... qu. u. erört. z. bair. gesch., n. f. 3, 700; so solt dann her Rewsz von Plawen und der gancz gereisig hawff auff dy feint eylen und solt mit den feinten treffen städtechron. 2, 203; so bald si der gewahr wurden, griffen sie di an, und traffen mit in Carbach Livius 139ᵇ. ebenso vom zweikampf, wobei dann weniger der kampf in seinem weiteren verlauf, als vielmehr das begehen, unternehmen bezeichnet wird: dieweil es (das turnier) am ende was, ersahe er den graven von Montgomery, hauptmann seiner leibsgvardi, und gibt ihme den spiesz selber in die hand, und nach entschuldigung ihn gezwungen, dann er noch ein lust gehabt, mit ihme zutreffen A. Henricpeter generalhistorie (1577) 361; ehe ich mich wapnet, mit diesem heiden zu treffen Fierrabras (1531) a 3ᵇ. — im 17. jh. noch geläufig: die bürger ... troffen mit ihnen beym dorfe Drevelow, verlohren aber das feld J. Micrälius altes Pommerland (1640) 1, 431; und brachten ihn als einen jungen ehr- und ruhmsbegierigen herrn, ehe seines vatters andere armee ihme zu hülff kommen, dahin, dasz er mit ihnen getroffen, da dann sein volck geschlagen ... worden J. G. Harant christl. Ulysses (1678) 48; mit Usuncassan ... hat er zweymal, erstens unglücklich, hernach sieghafft getroffen S. v. Birken d. verm. Donaustrand (1684) 157. nach 1700 in lexikographischer tradition: mit dem feind treffen, venir à battaglia Kramer 2 (1702) 1120ᵇ; mit dem feind treffen confliegere cum hoste Frisch deutsch-lat. (1741) 2, 383; spät altertümelnd:
mit rotten aus Wälschland trafen
die preuszischen reisigen dort,
da holte der himmel den grafen,
da risz eine kugel ihn fort
E. M. Arndt 4, 124 R.-M.
treffen miteinander, besonders bei md. autoren: do wanten sich die graven zu den von Erfforte unde trafen mit eynandir unde quamen hertlichen zu streite Joh. Rothe düringische chron. 577; und sie sich auch versamelten starck und traffen mit einander und schlugen sich den halben tag S. Grunau preusz. chron. 2, 249; so dat beide parthie mit ein (einander) traifen ind quamen zo eime strit, ind entstonde ein gross bloidich kriech ind wurden vil erslagen van beiden siden Koelhoffsche chron. in städtechron. 14, 647; derhalben sie zu beiden seiten ihr kriegsvolck auff das ort, so zwischen der läger gelegen, aussgefürt, und mit einander getroffen haben Xylander Polybius (1574) 12; do si nun in der schlachtordnung stuenden, wolten treffen miteinander, urbarig aus besundern genaden gottes wendten sich bed tail, zogen wider ab, wolten sich miteinander nit schlahen Turmair bayer. chron. 2, 439; da sie (die Juden u. Philister) nu mit einander traffen, wurden sie (die Juden) dennocht abermal geschlagen Luther 12, 482 W.; die thun eine schlacht, und treffen mit einander Luther 8, 186ᵇ Jena; und traffen mit ainander also hart, bis das es als finster was städtechron. 22, 469; mit einanderen treffen im krieg Dentzler clavis ling. lat. (1716) 289ᵇ. vom zweikampf: jetz haben Petreius und Juba mit einander troffen, und ligend da, ye einer von dem andern erwürgt Mich. Herr sittl. zuchtb. (1536) 142ᵃ; seynd mitlerfrist von adel 8 stecher ... auff dem platzst erschienen ... und mit einander gestochen, troffen, und fast viel lediger fall gemacht Harsdörfer teutsche secret. (1656) 1, Z z 1ᵇ.
b)
zuweilen sich treffen, einander treffen, auch hier bleibt der charakter der begegnung von zwei seiten her gewahrt: unde hatten di figende, mit namen di von Haitzfelt, den greben geschediget, unde waren di von Limpurg mit ime jagende, unde worden sich mit den figenden treffende bi Lauberg Limburger chron. 35 Wyss; unde do se sik dropen, do vechteden de buntgenoten so menliken Lübecker chron. 2, 376 Grauhoff; inter se armis conflixere sie haben hart einander getroffen Alberus (1540) 116ᵃ; als nun die zwen mannlichen helden eynander des ersten ritts so mannlich und ritterlichen troffen haten, beyde ... mit anderen speren ... versehen wurden, von newem zusamen ritten Wickram w. 1, 34 Bolte. vielleicht mit 'stoszen, verletzen' u. s. w. (I B) vermischt: es hat kurfürst Augustus im Neinzug mit meinem herrn vatern ... ein treffen miteinander gethan ... wie sie nun zusammenrennen, treffen sie beide einander als gute renner wohl Schweinichen denkw. 20 Österley.
c)
in absoluter stellung länger lebendig. der abstracte und terminologische charakter, die bedeutung 'kämpfen', wird in dieser stellung stärker, doch bleibt in alter zeit häufig der sinn des zweiseitigen begegnens vorausgesetzt: do nun zu peiden teilen ritterlich getroffen ward, und der streit ein weil weret, wurden die Ungern auff des königs teil fast muͦd, und liessen nach Hans Haug Hungern chron. (1534) 26ᵃ; so sie zusammen kommen, haben sie zu beiden theilen ritterlich getroffen und gestritten H. Lewenklau newe chron. Türck. nation (1590) 3; do se beyde drapen scholden, do vruchte sik dat grote schip vor deme clenen Lübecker chron. 2, 555 Grauhoff;
von worten kamen sie zum zanken und zum kläffen,
zum schmähen, zum geschrey, zum drewen und zum treffen
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 26. ges., 27. str.
oft ohne erwähnung des anderen partners: zuͦ morgens zohe Maximilian selbs im fürlasz, het sein volck in der halt versteckt, liesz sich im streyff sehen und stellt sich, als wolt er treffen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 271; ich ward wohl befehlicht, denen Pannoniern ... möglichsten abbruch zu thun! und ich traff auch etliche mahl mit ziemlichem vortheil Lohenstein Arminius (1689) 1, 490ᵇ; Rhemetalies trifft mit seinen Thraciern im linken fllügel ebda 1, 3; di kö. mt., nach dem die in kriegshändel vor andern geschickt ist, ornet den raisigen zeug, ... verpot nit zu treffen, pis er es schüef U. Füetrer bair. chron. 241;
aber in warheit, solcher man
kein gut gewissen haben kan,
noch hertzlich beten, wenn er wol
schermützeln oder treffen sol
Barth. Ringwald lauter wahrheit 518 nat. lit.;
auff dem schlupfferigen eisz und in dem schnee, da man offtermal pflege zutreffen und zuschlagen Albertinus der kriegsleuth weckuhr (1601) 39ᵃ; ein wahrsager muste ... für denen treffenden heeren hergehen Lohenstein Arminius (1689) 2, 322ᵃ; die treffenden regimenter, reggimenti combattenti Kramer 2 (1702) 1121ᵃ; vom zweikampf: do huͦben an die freundt des konigischen zuͦ sagen, herr Heinrich were redlich gefallen. des her Heinrichen sehr thet verdrieszen und wolt also nicht mehr treffen Warbeck die schöne Magelone 8 Bolte; (sie) den andern ritt zuͦsamen thetten, ire beiden sper zuͦ stucken ranten, zuͦhand in andre sper verordnet wurden, uff ein newes treffen theten Wickram 1, 37 Bolte. übertragen, 'sich zum kampfe stellen': eben so thut dieser geist auch, mit grosser pracht gibt er fur, er wolle antworten und treffen und vergisset ymer die pfeile, das er nicht ein mal recht antwortet Luther 26, 305 W. im substantivierten infinitiv (s. u.treffen, n., sp. 1654): aber gut anschläg schaffen viel guts in kriegen! warlich ja, ich beken es im heerfüerer und haubtleuten. aber das treffen und zusammentretten ist nit philosophisch Seb. Franck moria 40 Götzinger; in allem schlahen oder träffen einen umbbringen Maaler teutsch sprach (1561) 404ᵈ. lexicographisch: treffen, schlagen combatre, batailler Hulsius (1616) 327ᵇ; die reuter treffen Schottel haubtspr. 1434; die regimenter haben getroffen li reggimenti hanno combattuto Kramer 2 (1702) 1121ᵃ. bis in junge zeit erhalten, zum teil vielleicht in anlehnung an andere bedeutungen des vb., mehr aber an das gleichbedeutende substantiv treffen (u. sp. 1654): wie ein feind zu verführen, als wenn man mit demselben eine schlacht wagen und treffen wolte, zeiget Polyaenus an unterschiedenen kriegsfürsten an v. Fleming teutsche sold. (1726) 275, ebenso Gruber kriegspolitica (1699) 405, kaum eine schlacht treffen (s. u. 2 c);
ein ausgeruhtes heer, stoltz von der alten zeit,
das zweymahl stärker war, im vortheil anzugreiffen? ...
der kriegsrath widerrieth die allzukühne that;
er aber blieb darauf: nur treffen sey der rath
v. Besser schr. 1, 46 König;
es gehet und wehet die kunde durchs land,
es trafen die heere am Moldaustrand,
sie haben ein treffen geschlagen
Alfr. Meiszner Ziška (1846) 119.
unter einflusz alter quellen (s. Götze zs. f. deutsche wortf. 8, 316), vgl. o. zu treffen und zu schlagen: die (fähnlein) ich mir hab im kriegshandwerk geschulet, geschickt gemacht zu schlagen und treffen trotz allen Schweizern? Gerh. Hauptmann Florian Geyer⁶ 141. hierher wohl auch, im sinne von 'kriegerisch tätig sein':
Mars, trifft er nicht, so dräut euch seine kraft
Göthe 15, 11 W.
2)
seltener transitiv, mit accusativobject. in dieser formsind anlehnungen an andere bedeutungen des vb. leichter möglich und kommen öfter vor. über die wende des 17. jh. hinaus.
a)
mit dem object, das den anderen partner des kampfes bezeichnet, durch präpositionen verbunden, dem sinn von 'gelangen' (A) näher: da wird er erstlich verzagt, fast aber hurtig einen muth und erkünet, wird frech und trotzig wider alle der heiligen seelen, so ihn hinaus zuweisen an ihn traffen Hayneccius Hans Pfriem 4 ndr.; (er ist) mit etlikem veldtgeschütte in Rüszland getagen, unde also balde an 40 000 Rüssen gedrapen, van welkeren he vele erschlagen, und de anderen in de flucht gebracht script. rer. Livonic. 2, 33; namen sie ire wehre und zogen einen guten weg fur die stad hin aus bis sie zu den feinden kamen. und als bald die sonne auffgieng, traffen sie an einander, wiewol es ein ungleicher zeug war 2. Macc. 10, 28. in reicherer ausbildung auf den feind treffen. die militärische bedeutung kann aus 'gelangen' nicht über den weg dieser wendung entstanden sein, da diese meist erst jünger bezeugt ist. andererseits von dem modernen treffen auf jemanden ihm begegnen, auf ihn 'stoszen' (A 2 e) zeitlich klar geschieden; auch hat die bedeutung stärker terminologischen charakter, treffen auf den feind ebenso sehr 'mit ihm kämpfen' als nur 'auf ihn stoszen': und der streyt ward hart wider Saul, und die schützen traffen auff inn mit bogen, und ward seer verwundt von den schützen (consecuti sunt eum viri sagittari) Züricher bibel (1531) t 3ᵇ (1. Sam. 31, 3), so auch Luther; worauff die andere brigade ... folgte, welche schnell uber den graben kam, und auf des feindes vierten bataillon ... mannlich traff v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 465; fechten im rechten flügel tapffer. Ingniomer trifft auf sie mit grosser hertzhafftigkeit Lohenstein Arminius 1, 3; auf den feind treffen attaquer Hulsius (1616) 327ᵇ; Kramer 2 (1702) 1120ᵇ. — auf einander treffen ähnlich wie miteinander treffen (s. o. sp. 1651): darzu haben sie auffeinander troffen und greulich durch einander gewütet B. Faber Saxonia (1563) 15ᵇ (dagegen o. A 2 e heute: ich bin auf ihn getroffen); die kürisser ... und schwartze reytter ... auff einander treffen Reutter v. Speir kriegsordnung 81; wo (beim turnier) zween auff einander getroffen, die speer gebrochen, und sie doch beyde sitzen blieben, hat man einem jeden ein silbern blat gegeben Binhardus thür. chr. (1613) 205.
b)
vereinzelt in direkter verbindung von vb. und accusativobject, einfachem 'begegnen' (o. A 2 b) sehr ähnlich: do nu ider sin vordel gesocht, droppen des marckgraven ruthers der fursten van Brunswick hovetvenlin, dar up dem velde, genomet dat Peyner Broick, ist geschotten voreirst hertoch Mauritz van Sassen Osnabrücker gesch.-qu. 2, 306. in junger zeit nur durch anlehnung an 'begegnen' möglich:
sie haben ein treffen geschlagen,
auf hölzerner brücke, hoch über dem flusz
da trafen die Deutschen die kinder des Hus
Alfr. Meiszner Ziška (1846) 119;
nur scheinbar gleichlautend, der tradition nach aber zu A 2 b: bei Chaironaeia traf sie (die verbündeten) Philipp zur schlacht Droysen Alexander (1880) 27.
c)
vereinzelt den streit, kampf mit dem feinde treffen, gebildet nach dem gleichzeitigen einen vertrag, bund u. s. w. treffen 'tätigen' (o. III B 2 a): as der vernam, dat die vursz lantschaft vergadert mit irme volk quamen, he is rechtevort zo gemoete komen ind traf den strit mit in, ind geschiede ein groisse bloitstortzung zo beide siden städtechron. 13, 308; und wehre am neheren montag den 5. augusti bey der musterung ein ziemblich scharmüczel und scharffer conflictus mit dem feinde getroffen worden verhandl. d. schles. fürsten u. stände 2, 342 Palm.
Zitationshilfe
„treffen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/treffen>, abgerufen am 17.07.2019.

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