tüpfelchen n.
Fundstelle: Lfg. 12 (1952), Bd. XI,I,II (1952), Sp. 1820, Z. 37
kleiner tüpfel, pünktchen. erweitertes diminutivum durch verbindung des l- und k-suffixes wie in wägelchen, mädelchen u. ähnl. bildungen, doch wie diese mehr umgangs- als schriftsprachlich. die form der diminutivsilben schwankt: düpffelgen Schumacher wapenkunst (1694) 12; düpffelgen, tüpffelgen Rädlein (1711) 205ᵇ; mundartlich: tipᵉlkᵉn Bauer-Collitz Waldeck 104; tippelgen Müller-Fraureuth 2, 765; diplichen ebda 1, 265; dippelche Kehrein Nassau 112; tippelchen Trachsel Berl. wörter 58; többelshen, tibbelshen Christa Trier 78; töppelche Schmid Westerwald 258. — seit dem 17. jh. belegt, tritt es zunächst in einigen bedeutungen für die schriftsprachlich absterbende diminutivform tüpflein ein; 'punkt in der schrift' (vgl. tüpflein 2): literae apex ein tüpfelchen eines buchstabens Steinbach dt. wb. (1734) 2, 882. 'pünktchen, farbfleck an pflanzen, früchten' (vgl. tüpflein 5): die äpfel haben in sich zehen diplichen oder pünctlein umb den gröbs herumb qu. v. 1663 bei Müller-Fraureuth 1, 265; 2, 765;
die frucht ... (des brotbaums) so hier grün ...
mit blassen tüpfelchen an müden ästen hängt
Eschenburg beispielsammlung (1788) 6, 108;
nimm ... diesen gelben, glatten (apfel) mit den zarten tüpfelchen J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 253. als fachausdruck in der gewebelehre (entsprechend tüpfel 5a): ganz nah verwachsene windungen der spiralgefäsze zeigen nur noch tüpfelchen statt der linien Hegel w. (1832) 7, 509. — in neuerer sprache jedoch vorwiegend redensartlich und in übertragenem gebrauch, wobei der diminutive charakter besonders hervortritt: das tüpfelchen auf dem i zur bezeichnung dessen, was einem bestimmten zustand erst die letzte vollkommenheit, zuspitzung verleiht (vgl.tüpfchen): Ludwig Philipp kokettirte mit dem bürgerlichen oberrock und dem ... regenschirme, damit bei seinem 'bürgerkönigthum' auch das tüpfelchen auf dem i nicht fehle Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 2, 198; allein der glühende furchtbare blick machte noch das tüpfelchen auf das i G. Keller ges. w. (1889) 7, 291. 'die geringste kleinigkeit': ehe ein hohes finanzdepartement in der kontrole nur ein tüpfelchen auf dem i nachsieht, flieszt ... die Elbe ins Riesengebirge retour Holtei erz. schr. (1861) 37, 21. 'unwesentliche einzelheit': mag sein, dasz der leicht aufzuregende Böttiger hier und da zuviel ins kleinliche gegangen sei, und, wie man sagt, das tüpfelchen auf dem i bewundert haben mag Costenoble tageb. (1912) 1, 101. — aufs tüpfelchen 'auf das genaueste, bis aufs letzte': der blinde knabe hatte ... alle die vielen sprüche und vorgeschriebenen antworten bis aufs tüpfelchen auswendig gelernt Riehl gesch. a. alter zeit (1863) 2, 258; und leider gottes haben sie (die gemeindeältesten) recht! ... recht bis aufs letzte tüpfelchen Raabe Horacker (1876) 57; ich tue schon, was ich sage, halte aufs tüpfelchen mein versprechen Th. Mann Faustus (1947) 359; Hofmann niederhess. 243; Christa Trier 78; Müller-Fraureuth 1, 265. — allgemein zur verstärkung der verneinung 'nicht das geringste': es mangelt nicht ein tüpfelchen daran il n'y manque pas un jota, un point Schwan nouv. dict. (1784) 796ᵇ; der Berthold macht es um kein tüpfelchen anders Rosegger schr. (1895) I 10, 72.
Zitationshilfe
„tüpfelchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/t%C3%BCpfelchen>, abgerufen am 22.05.2019.

Weitere Informationen …