töpfer m.
Fundstelle: Lfg. 5 (1923), Bd. XI,I,I (1935), Sp. 850, Z. 18
bezeichnet in der nhd. schrift- und umgangssprache den handwerker, der thongefäsze und andere thonwaaren verfertigt, auch den kachelofensetzer. die persönliche ableitung ist in denselben mundarten gebräuchlich, die das grundwort selbst als gefäszname verwenden, und zugleich mit diesem hat sie sich auch in der schriftsprache durchgesetzt. depper, tepper gilt im ostthür. Jecht mansfeld. 111; im sächs. erzgeb. Müller-Fraureuth 1, 230, im lausitzisch-schles. und im ostpreusz. Frischbier 2, 406; in den südlich angrenzenden dialecten des südwestthür., vogtl., westböhm. depfer, tepfer. nur auf diesem gebiet ist vor dem erscheinen der Lutherbibel die bildung in schriftlichen aufzeichnungen seit dem 14. jh. nachweisbar; z. b. topper in dem ostmd. schachbuch des pfarrers zu dem Hechte, töpfer in den rechtsdenkm. aus Thür. 390 Michelsen. die schriftsprachliche geltung der verschobenen lautung beruht aber auf ihrer verwendung in der böhm. literatur- und umgangssprache bereits am ausgange des mittelalters. in der Prager Wenzelbibel findet sich töpfer regelmäszig als wiedergabe von lat. 'figulus' und 'lutifigulus' der vulgata, etwa 20 mal; als übersetzung beider ausdrücke steht dann auch in spätmittelalterlichen vocab. dopper, topper, töpfer gloss. 234ᵇ; 340ᶜ; nov. gloss. 173ᵇ; 242ᵃ Diefenbach. auf nicht ostmd. sprachgebiet war aber damals noch der ausdruck unbekannt: in dem niederd. bibeldruck von Halberstadt des jahres 1522 wird groppener, in der ersten gedruckten hochd. bibel hafner verwendet. Luther aber hat gelegentlich die obersächs. dialectform depper 17 i 450 Weim. verwendet und regelmäszig die böhm. normallautung töpffer in der bibelübersetzung, etwa 25 mal. nach ihm ist zwar in den Wormser propheten, in der Zür. bibel und von Eck wieder der bodenständige hafner zur geltung gebracht worden, aber die Lutherbibel hat den ostmd. töpfer doch schon im 16. jh. auch im übrigen Deutschland bekannt gemacht; das bibelwort wird neben dem einheimischen ausdruck in den wbb. verzeichnet, z. b. von den Alemannen Maaler 91; Frischlin (1591) 321; von den Franken Alberus (1540) 95; Hulsius (1605) 32. im 17. und 18. jh. hat die vorherrschende literatursprache Schlesiens und Obersachsens die bezeichnung allgemein durchgesetzt; töpfer gilt als regelmäszige norm in den wbb. von Henisch 729; Schottel haubtspr. 1432; Stieler stammb. 2295; Kramer teutschital. 2, 1101; Aler 2, 1906; Ludwig 1992; Steinbach 2, 823; Frisch 2, 377; Adelung 4, 629; Campe 4, 850. in der modernen schriftsprache ist töpfer durchaus als die bevorzugte benennung gebräuchlich, und auch in der umgangssprache der gebildeten hat der ausdruck auf niederd. boden den volksthümlichen pottbäcker vollständig, auf hochd. gebiet den hafner, wenn auch nur theilweise und nicht im gleichen umfang wie der topf den hafen, verdrängt; vgl. die genauen angaben bei Kretschmer wortgeogr. 535 f.
1)
die persönliche ableitung bezeichnet regelmäszig den handwerker.
a)
der handwerker wird als der berufsmäszige vertreter seiner kunst genannt:
min vatir was ein topper
des kungis von Siciljen
md. schachbuch, zs. f. d. a. 17, 264;
und Agathokles eines töpfers sohn
bestieg den sicilianischen thron
Kortum Jobsiade 2, 159;
sie waren töpffer und woneten unter pflantzen (ditz sint die topfer wonende in den pflanzungen Wenzelbibel) und zeunen bey dem könige zu seinem gescheffte 1 chron. 4, 23; ich darffs sagen, das ein topffer mehr kunst hat von naturlichen dingen, den in denen bucher geschrieben stet Luther 6, 458 Weim.; ein töpfer hasst den andern Wander 4, 1275; unter den töpfern hat er nicht seinesgleichen 'nur in niedriger gesellschaft zeichnet er sich aus' ebenda 1276; es solte auch ihnen kein handwercker, es sey zimmermann, schloszer, tischler, glaser, töpfer nichts arbeitten verhandl. der schles. fürsten und stände 2, 237 Palm; (es sind) in dem königlichen stamm Juda ... zimmerleute, leinenweber und töpffer gewesen Schupp schriften 923; offenbar war der geist griechischer kunst selbst dem handwerker, dem tischler, gieszer, zimmermann, dem töpfer sogar nicht ganz fremde Herder 24, 340; auch habe ich noch nicht gehöret, das ein drechsler gewünschet hätte, dasz er möge mit einem töpffer tauschen können Schmidt rocken-philosophie 1, 75; wenn sie ihn recht ärgern wolte, nandte sie ihn tonkünstler ... indem er sich hiedurch zu einem töpfer erniedrigt zu seyn dünkte Hippel lebensläufe 1, 84; so will jedes wirthshaus hotel, ... der töpfer thonkünstler heiszen Schopenhauer 2, 119 Grisebach. der tepper, dessen name an täppisch und tappen anklingt, gilt beim volk oft als 'ungeschickter, alberner mensch' su ä tepper! Jecht mansf. 111; i du täpper! bis doch kee täpper! Müller-Fraureuth i, 230; sich freuen, lachen wie e tepper, der umgeworfen hat un nischt derbei zerbrochen 'sich ausgelassen freuen über einen unerwarteten glücksfall, albern lachen'; reden wie e täpper 'töricht reden' ebenda.
b)
der handwerker ist an der arbeit, indem er mit dem fusz die scheibe bewegt und gleichzeitig mit der hand aus der thonmasse die form bildet. also ein töpffer, der mus bey seiner arbeit sein und die scheiben mit seinen füszen umbtreiben Sirach 38, 32;
als wann ein töpffer thut umbtreiben
ohn underlasz die hültzin scheiben
Spreng Ilias 266 b
und ein töpffer, der den weichen thon mit mühe erbeitet (sunder auch der topfer die weiche erde druckende arbeitende Wenzelbibel), machet allerley gefesz zu unserm brauch weisheit 15, 7; hat nicht ein töpffer macht, aus einem klumpen zu machen ein fas zu ehren und das ander zu unehren? Römer 9, 21; gleichwie der töpfer ausz einem thon allerley töpfen und scherben machet Prätorius anthropodemus 1, 56; die seele wird nicht gemacht wie ein töpffer einen topff machet J. Böhme 6, 241; die erdinen geschirr ..., welche zwar ohn werckzeug von den töpfferen nicht können geformiert werden Agricola - Bech bergwerckbuch (1621) 10; (ich finde) dasz es mir ergangen ist wie jenem töpfer, der einen topf zu machen vornahm und dem der thon unter den händen zur schüssel wurde Göthe IV 10, 23 Weim.; schon sind die töpfer beschäftiget grosze glasirte häfen zu drehen 23, 13. die gebildeten lehmformen werden gebrannt in den glühenden öfen der töpfer Pückler briefw. u. tageb. 1, 124;
so läszt man sie ins töpfers ofen schwitzen
Stoppe Parnasz 172.
zum handwerk gehört dann auch das ofensetzen: (den) ofen, den die kunst des töpfers ... hergestellt hatte G. Freytag 11, 238.
c)
in der bibelsprache wird das verhältnis des schöpfers zu seinem aus erde geschaffenen geschöpf mit dem des töpfers zu seinem aus thon geschaffenen topf verglichen: er ... wird über die gewaltigen gehen wie über leimen und wird den kot tretten, wie ein töpffer (als ein topfer czu trettende di erde Wenzelbibel) Jes. 41, 25;
ihr schöpfer
tritt in den koth sie, wie ein töpfer
auf ton tritt, und die erd ist rein
J. A. Cramer ged. 3, 312;
weh dem, der mit seinem schepffer haddert, nemlich der scherben mit den töpffern des thons, spricht auch der thon zu seinem töpffer, was machstu? du beweisest deine hende nicht an deinem wercke (sprichet nu got czu seinem topfer: was machest du und dein werk ist ane hende Wenzelbibel) Jesaias 45, 9; gleich als wenn des töpffers thon gedechte (sam der tan wider den topfer gedenke Wenzelbibel) 29, 16;
ich darff, als schlechter thon, nicht mit dem töpfer streiten
Canitz ged. 16;
und der kaum geformte thon
trotzet seinem töpfer schon
Schubart ged. 1, 278;
ich byn schwecher denn eyn dopff gegen eym depper Luther 17 i 450 Weim.; der töpfer ist schon gerechtfertigt, wenn der topf mit ihm rechten kann Schiller 2, 353;
grübeln über gottes gründe,
kritisieren unsern schöpfer,
ach, das ist, als ob der topf
klüger sein wollt' als der töpfer!
Heine 2, 77;
ich bin ein weib, ein sterblich weib,
wie kann vor seinem topf der töpfer liegen
Schiller 1, 335 (Semele zu Zeus);
Eva im paradeise,
welche verachtet iren schöpffer,
der da ist unser aller töpffer
Nicol. Schmidt von den 10 teufeln 63ᵃ.
den leutchen, die des töpfers kunst geboren
Seume ged. 42.
d)
durch die bibelsprache sind auch in gebrauch gekommen wendungen wie des töpfers hand, gefäsz, haus, acker: sihe, wie der thon ist in des töpffers hand, also seid auch ihr vom hause Israel in meiner hand (secht als das kot in des topfers hant, also seit ir in meiner hant, haus Israhel Wenzelbibel) Jer. 18, 6;
ach herr, herr, dessen hand allein nur wunder zeiget,
und, wie des töpfers hand, mit uns, als ton, verfährt
poesie der Niedersachsen 6, 193 Weichmann;
eben wie man eins töpffers gefes zubricht (als czuslagen wirt das vas des topfers Wenzelbibel), das nicht mag wider gantz werden, so wil ich dis volck und diese stad auch zubrechen Jeremias 19, 11; und wie eines töpffers gefes, sol er sie zuschmeissen offenb. Johannis 2, 27;
mit einem eisern zepter zwar
wird er eur köpff zuschmeissen,
wie man zuschlecht des töpfers wahr,
wird seine macht beweisen
kirchenl. 3, 1032 Wackernagel;
wie sind sie jetzt geachtet gleich den scherben,
wie töpfers werk!
Herder 12, 347;
mach dich auff, und gehe hinab in des töpffers haus, daselbst wil ich dich meine wort hören lassen. und ich gieng hin ab in des töpffers haus (ste uf und geh ap in des topfers haus und also wirst du horen mein wort. und apgink ich in das haus des topfers Wenzelbibel) Jeremias 18, 2-3; ins töpfers hausz gehen, zum töpfer gehen 'entrar in profonda specolazione della sua fragilità, bassezza e mortalità, della sua dipendenza totale da dio suo creatore' M. Kramer das herrlich grosze teutschital. dict. 2, 1101. (die hohenpriester) kaufften einen töpffers acker darumb (um die 30 silberlinge des Judas) zum begrebnise der pilger. daher ist derselbige acker genennet der blutacker bis auf den heutigen tag Matthäus 27, 7;
doch als sie sich vergleichen,
lässt man die summe reichen
vor eines töpffers grund,
die frembden zu begraben
A. Gryphius lyr. ged. 313 lit. ver
e)
in der naturgesch. wird ein brasilianischer sperlingsvogel 'furnarius rufus' töpfer genannt nach seinem aus lehm gebauten backofenförmigen nest Brehm thierleben 4³, 540. auch eine exotische wespe 'trypoxylon fugax' heiszt nach ihrem gefäszartigen lehmbau töpfer ebenda 9³, 307.
2)
die persönliche ableitung bezeichnet mitunter den besitzer eines los- oder glückstopfes: der glückstopf oder wuchertopf, welche die töpffer herum führen und sich darmit bereichern Harsdörfer schauplatz lust- und lehrreicher gesch. 2, 361. vgl. glückstöpffer ollapatrida 158 neudr.; Steinbach 2, 823 und s.töpfler.
Zitationshilfe
„töpfer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/t%C3%B6pfer>, abgerufen am 22.10.2019.

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