sucher m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1936), Bd. X,IV (1942), Sp. 855, Z. 63
der suchende, ahd. sohhari questor ahd. gl. 1, 235, 34; suochari, ursuochari, duengil exactor (auri et sanguinis) 2, 431, 32; mit anderer bildung exactor soͮcneri 2, 585, 60; in compositis auch suocho der sucher; die frühen lexikalischen aufzeichnungen sind nicht eindeutig: visitator sucher (15. jh.) Diefenbach 623ᵇ; requisitor 494ᵃ.
a)
persönlich, ausgehend von suchen als 'sich bemühen zu finden' und 'streben, trachten nach':
ain vient aller schulde,
ain stæter sucher gottes hulde
Schweizer Wernher marienleben 1660;
us dem kumpt, das der sucher nit waist wie wit der im von dem brunnen si H. Österreicher Columella 2, 177 lit. ver.; dasz wasser Darrus fleust durch Granat ... gibt auch gold den fleissigen suchern G. Braun beschr. u. contrafactur (1572) 1, 5ᵃ;
der reich ...
nuer stätz seins aignen nutzs suecher
J. Rasch fastenlob (1588) e 4ᵇ;
ir sucher der metallischen tinktur
J. Böhme schr. (1620) 4, 27;
sucher der wahren liebe
Weckherlin ged. 1, 54 lit. ver.;
ein scrupolosischer sucher der gerechtigkeit
B. Schupp schr. (1663) 692;
ein sucher dieses weges
persianischer baumgarten bei Olearius verm. reisebeschr. (1696) vorr. 2;
einen rechten sucher der wahrheit
Leibniz deutsche schr. 2, 320;
kennst du das spiel, wo man, im lustgen kreis,
das pfeifchen sucht und niemals findet,
weil mans dem sucher, ohn dasz ers weisz,
in seines rockes hintre falten bindet
Göthe 3, 239 W.;
die sucher dieses (wertvollen) steines Ritter erdk. 4, 14; vom forsthause an bis zur reichsmühle schwenkten, wenn das wort fiel, immer neue paare von suchern ab H. Grimm volk ohne raum 1, 63. als 'wucherer', s. gesucher:
van den vierden smueder wokere
mach vroet zyn elk sokere
dats als een rike syn ghelt leent
eenen armen
spegel der sonden 35ᵇ nach Schiller-Lübben 6, 266;
er war ein grübelnder sucher P. Ernst tagebuch eines dichters (1914) 30; als 'gegner, feind', zu suchen angreifen, s. sp. 843:
die suochære die daz sâhen
den prîs sim alle jâhen
Wolfram Parz. 208, 13;
si nâmen lange boume
und stiezen starke stecken drîn
(daz gap den suochæren pîn)
mit seilen si die hiengen
205, 22;
als 'häscher, verfolger':
vil balde hiez er gâhen
sîne suocher in daz lant
die den gotes wîgant
suochen solden
Rudolf v. Ems Barlaam 194, 33 Pfeiffer;
do kamen in vil kurzem zil
nach in die sucher aldar
Rudolf v. Ems weltchron. 15900;
her was ein sucher der ketzer unde eyn beschirmer des glouben J. Rothe thüring. chron. 365 Liliencron; wer nicht wil lassen haussuchen, den mag der sucher ansprechen für einen dieb Schottel haubtspr. (1663) 747; indem hören die sucher, dasz sich jemand in (dem) hausz rege, ... klopfen derowegen an Prätorius anthropodemus Plutonicus (1666) 2, 126; um sich ... vor den händen seiner sucher zu verstecken Heinse s. w. 2, 177 Schüddekopf. wie such, suche (s. o.) bezeichnung des jagdhundes: ein sucher can seguggio, veltro Kramer dict. 2 (1702) 1033ᵃ; ein guter sucher oder spürhund a good venting-dog Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1922: es haben die hünd nach ihren empteren her achterlei arten ...: sucher und erforscher, welche aus dem geruch der thieren und voglen wohnungen ... erkundigen H. Frölich offenb. der natur (1591) 197. sucher bezeichnung des wasserhuhnes Chomel 8, 1790; pluralisch (sökers) 'spürbienen, die honig oder auch eine anlegestelle auskundschaften sollen' Mensing schlesw.-holstein. wb. 4, 707; 'ungeladener hochzeitsgast, der zeitweilig beim hochzeitsmale einen geladenen gast vertritt und schmarotzt' Unger-Khull steir. 599ᵇ; in sondersprachen sucher kaufmann (rotwelsch) nach Fischer schwäb. 5, 1947; sucher hengst Train chochemer loschen 123ᶜ.
b)
als werkzeug.
α)
wie suchel (s. sp. 834) bezeichnung der sonde des wundarztes, früher allgemein üblich, s. Staub-Tobler 7, 232; Schiller-Lübben 4, 286; Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 707 und vgl. die näheren angaben bei Blancard medic. wb. (1710) 511: 'specillum, sucher, une sonde, ist ein dünnes, spannenlanges stablein von silber oder eisen, das an beiden enden stumpf ist und oftmahls an dem unten ein rundes knöpflein hat. man stösset es in tiefe wunden und geschwär zu erforschen, wo sie durchgehen' Blancard med. wb. (1710) 5, 11: dorumb so merck, ist einer geschoszen mit einer büchsen und blibt der klotz in im, so nim ein langen sucher, wie seine figur hie vor stot, und grif do mit hinin Gersdorff wundarznei (1517) 40ᵃ; auch wurd sich kein steinschneider underwinden, seine hand an krancken zu legen, er habe dann vorhin mit seinem sucher und sputtel wol und mit allem fleisz ersucht und erforscht, an welchem ort der reiszend stein ligt M. Sebiz de partu Caesario (1583) 65ᵃ; melosis ist diejenige chirurgische arbeit, die sie mit einem sucher verrichten J. J. Woyt thesaurus (1696) 236; (der feldscher musz) durch das loch, wo die kugel hineingegangen, einen sucher hineingehen lassen v. Fleming vollk. soldat (1726) 324. dazu als deminutiv: specillum ... sücherle oder wundeysele wies die wundartzet brauchend Frisius dict. (1556) 1231; specillum vulnerarium wundtmeiszel, ein sucherle, wundteisen dict. lat.-germ. (1610) 211; mit dem kleinen eisernen instrumentlein, so vom suchen her das sucherlein genennet F. Würtz wundartznei (1612) 30.
β)
arapex grondiser in den puth v. d. Schueren Teuthonista 363 Verdam; lupus, ἅρπαξ, instrumentum, quo ex puteis, quae inciderunt, extrahuntur ein sücher oder bornhacke B. Faber thesaurus (1587) 466ᵃ, für heutigen gebrauch, s. Stürenburg ostfries. 248. in der fischersprache: sucher und leine (söker un lien) leine mit haken, um die angeln oder netze aufzusuchen oder aufzustreichen Mensing schlesw.-holst. wb. 4, 707; Schumann Lübeck 38; hatte einen rächen oder sucher machen lassen, damit man ... alle moscheln auf dem grundt leicht zusammenkratzen ... konte A. Scherdiger novae historiae (1591) 85; als gerät, um die bodenart, den grund und die tiefe des wassers zu untersuchen, bei Fäsch kriegslex. (1735) 2449; Eggers 2, 1063; als 'fleischgaffel': 1 söker, dar man fleisch inhengt (1596) Schiller-Lübben 4, 286. — vorrichtungen technischer art: an fernrohren das kleinere hilfsfernrohr für die erste einstellung Gehler physikal. wb. IV 1, 193; ebenso der spiegel an der photographischen kamera.
Zitationshilfe
„sucher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/sucher>, abgerufen am 24.07.2019.

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