stammhaus n.
Fundstelle: Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 662, Z. 32
welchem ein geschlecht entstammt und dem es häufig seinen namen verdankt: stammhaus, aedes avitae Stieler 800; stammhausz, casa, casato cioè castello, luogo dove nacque il primo che fece illustre i suoi discendenti, e da cui portano il titolo. Kramer dict. 2 (1702), 905ᵇ; stammhaus, sedes avita familiae alicujus nobilis, a qua plerumque nomen gerit, domus natalis. Frisch 2, 317ᵇ; stammhaus Adelung. und ordnen wir, dasz in obgehörtem fall, allemal der stand, so das stammhausz besitzlich jnn hat, zu erlegung desz reichs stewren mit recht von unserm fiscal angelanget, und gegen denselben verfahren werden sol. reichstagsabsch. 669; endlich traffe ich nach meinem begehren einen an, welcher durch langwierige übung dieser kunst, nächst der erfahrung seiner voreltern, so ausz dem stammhausz desz printzen Prigqus herstammeten, sehr arglistig und durchtrieben gewesen, und mich in allem, was zu der offenherzigen bettelkunst gehörte, unterrichtete. Jan Perus 58; ein vornehmer von adel bist du, mensch, scilicet, dann dein stammenhausz ist die laimbgruben, dein gnädige frau mutter ist die erd. Abraham a S. Clara reimb dich oder ich lisz dich (1693) 167 (zu der bildung s. oben stamm I, 2, sp. 635); aber es ist mir recht leydt, dasz Churpfaltz dasz arme liebe schlosz von Heydelberg nicht wider zu recht lest machen; dasz ist heszlich, indem es ja dasz stammhausz ist. Elisabeth Charlotte 3, 55 (25. october 1708); die geistlichen kanzleyen verschenken so wenig, als die weltlichen. lassen sie es (das decret) aber auch ein paar hundert pistolen kosten, so ist das lustre, das hierdurch auf mein stammhaus übergeht — Gotter 3, 227; das geschlecht derer von Logau, oder Logaw, ist eines von den ältesten adlichen geschlechtern Schlesiens. ihr stammhaus, Altendorf, liegt in dem fürstenthum Schweidnitz. Lessing 5, 105; Alektryo und Gallina, ihr stehet im begriffe wie wir, in das stammhaus unsrer voreltern einzuziehen. Brentano 5, 31; an einem berge in Franken quillet ein brunnen, wobei ein vornehmes adliges geschlecht sein stammhaus hat. brüder Grimm deutsche sagen 104; wachsen jetzt auf dem Schloszberg die schönsten tannen; war daselbst das stammenhaus der Thaininger desselben geschlechts wie die von Schondorf, deren beider adel schon im sechzenten jahrhundert mit schild und helm erloschen ist. Leoprechting aus dem Lechrain 132;
gott schenkt zu diesem jahr das stammhausz zu besitzen.
Schottel 977;
der seegen krön euch aus der höhe,
damit die frucht in eurer ehe
ein stammhausz vieler väter sey!
Picander 2, 426;
Oesterreichs gewalt,
dessen stammhausz kayser gebe, bisz die letzte stimme schallt!
Günther 841;
und Danzig, wie bisher geschehen,
dein stammhaus stets in flor mag sehen.
Gottsched ged. 2, 164;
er hat den grund zum blutigen gerüste
von seines enkels tod gelegt;
jetzt ist sein stammhaus eine leere wüste,
die kaum noch seinen namen trägt.
v. Gemmingen im Göttinger musenalmanach von 1772. 51 neudr.;
du, Ferdinand, dem schon aus weichen haaren
der lorbeer keimt, — der du dein stammhaus zierst.
Schubart ged. 2, 127;
ich wuste gar wol, dasz Augspurg nicht so gar uneben auff gewisse masse von vielen genant würde das stammhausz unserer ewangelischen religion. Schupp 686; er hatte den abendstern, auf den er heute eingeladen, in ein treib- und stammhaus lustiger einfälle und anspielungen umgebauet. J. Paul 23, 14 (Titan 3).
Zitationshilfe
„stammhaus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/stammhaus>, abgerufen am 20.05.2019.

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