stämpfen verb.
Fundstelle: Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 680, Z. 42
s. unten stempfen.
stampfen verb.
Fundstelle: Lfg. 4 (1907), Bd. X,II,I (1919), Sp. 677, Z. 28
ahd. stamfôn nur einmal (bei Notker) belegt. Graff 6, 684; mhd. stampfen, mnd. (md.) stampen (welches für eine bedeutungsentwicklung des wortes sich ausschlieszlich durchzusetzen vermochte. s. unten 6), nhd. stampfen. vgl. noch an. stappa (aus *stampa) und engl. to stamp. lehnwörter sind ital. stampare (auch 'bücher drucken') und franz. étamper. über die etymologische verwandtschaft s.stampf.
1)
einen gegenstand mit einem stampf bearbeiten:
a)
um ihn zu zerkleinern, stampfen, pilare Dief. 434ᵇ; stampffen, zerstossen, zuͦ pulver machen, tundere, contundere. Maaler 384ᵃ; stampffen, das ist, die hültschen abstossen, als hirsz oder gersten stampffen, pisere. ebenda; stampffen, stossen, piler, pistare. Hulsius (1616) 306ᵃ; stampffen, zerstossen, pistare. (1618) 237ᵇ; stampffen, tundere, stossen, piler. Schottel 1421; mit dem stempfel stampfen, pistillo conterere. Stieler 2120; im mörsel stampfen, pestare nel mortaio. Kramer dict. 2 (1702), 906ᵇ; stampfen, im mörser stossen, tundere in mortario. Frisch 2, 317ᵇ; stampfen, mit der mörserkeule zerreiben, terere. ebenda; stampfen, mit füszen treten, als trauben, calcare. ebenda; stampfen, in der mühle, contundere, als gewürz, tudiculare. ebenda; im mörser stampfen, in mortario tundere, terere. Steinbach 2, 667; mit eisernen stämpeln stampfen, ferreis pilis contundere. ebenda; stampfen 'im oberdeutschen ... von dem stoszen im mörser, wofür im hochdeutschen stoszen üblicher ist'. Adelung. gersten stampfen, hordea pinsere. Maaler 384ᵃ; die trauben stampfen, calcare uvas. ebenda; weinbeer tretten oder stampffen, ehe man sie auf die kälter trägt, calcare uvas. Corvinus 108ᵃ; gewürtz, als pfeffer, imber u. s. w. in der müle stampfen, stampare cioè pestare, infrangere speciarie, come pepe, zenzebre etc. cella mola. Kramer dict. 2 (1702), 906ᵃ; er stampft den samen, semina pistillo conterit. Steinbach 2, 667; das getreide mit dem stöszel stampfen, far pilo pinsere. ebenda; er stampft den hirse, milium tudiculat. ebenda; graupen, hirse stampfen. Adelung; kraut stampfen, es im stampftroge mit der krautstampfe stoszend zerschneiden. vgl. ebenda; ha! wenn ich doch die schwarzröcke auf einmal zu pulver stampfen und in die luft schieszen könnte. Lessing 1, 423 (freigeist 3, 4); (der umstand,) dasz gerade das subject und der provisor giftige bilsensamen in mörsern stampften. J. Paul 51, 60 (Katzenbergers bader.).
b)
um ihn zu ebnen und fest zu machen. lehm stampfen, erde stampfen u. s. w. pass.: über das ganze (wird) eine schicht lehm und kies ... gestampft. Moltke 2, 292; die decke des weiten zimmers war mit dichten fichtenstämmen gedeckt, auf welche erde gestampft wird. 8, 220.
c)
mit finalem object:
α)
olivenöl (samen) stampfen, stampare etc. olive per cavarne l'oglio. Kramer dict. 2 (1702), 906ᵃ; das pulver in der büchse stampfen, calcare, stampare la carica. 906ᵇ; futter stampfen für die schweine. pass.:
geh, Margarete!
und butter, frisch gestampft, käs auch aus Limburg,
und von der fetten pommerschen räuchergans.
Kleist 1, 398 (zerbr. krug 10) Schmidt.
β)
einen lehmboden stampfen (vgl. oben 1, b). pass.: über dem gestampften lehmboden des weiten hausflurs stand ein gedeckter tisch mit den holzstühlen. Freytag 8, 112 (ahnen 1).
d)
absolut: wellicher müllner zu Burgeisz melt oder stampft nach feirabent, ist die mult von ainem jeden rad söchs kreizer. tirol. weisth. 3, 64, 8.
e)
in mehr rein technischer sprache:
α)
'prägen, stempeln', doch gewöhnlicher mit umlaut stempfen (s. unten), bildlich:
lieb und gerechtigkeit die streiten vor gericht,
und eine stampt ihr bild der andern ins gesicht.
Wernike überschriften (1763) 119.
β)
die goldschmiede stampfen einen löffel, wenn sie ihm mit dem stampfeisen in der löffelstampfe die nötige vertiefung geben. Adelung; die nadler stampfen, wenn sie den stecknadeln mittels stempel in der wippe den kopf ansetzen. ebenda.
γ)
papier stampfen bei den papiermachern, das fertige papier glätten. Jacobsson 4, 252ᵇ.
2)
den als stampf gebrauchten gegenstand selbst durch stoszen auf den boden oder sonstwie zerkleinern:
du lächeltest, wenn dann am pult
die stirn mir wie ein schornstein dampfte
und ich den kiel, voll ungeduld
ob einem reim, zu fasen stampfte.
Gökingk 2, 45.
3)
von menschlichen und thierischen wesen, 'mit den füszen fest auf den boden treten'.
a)
von menschen:
α)
mit füssen stampffen, conculcare. Maaler 384ᵃ; mit den füssen stampfen, pedibus deculcare. Stieler 2120; mit dem fusz auf die erde stampfen, stampare il piede ò col piè in terra, dare dalle stampate, stampite, stampanate col piè; calpestare forte. Kramer dict. 2 (1702), 906ᵃ; mit den füssen stampfen, supplodere. Steinbach 2, 667; häufig als zeichen seelischer erregung: man konte ihnen ihren unwillen an den augen ansehen; sie stampten mit den füszen. Olearius persian. baumgarten 52ᵃ; Franz mit den füszen stampfend ... zornig ab. Schiller 2, 55 räuber (schausp.) 1, 3 (scenar. bemerk.); 'ich sage, nein!' sprach das mädchen, in dem sie, mit einem ausdruck von unwillen, mit dem fusz stampfte. Kleist 3, 317 Schmidt;
da sitzt er (der könig) und starrt leblos auf den grund,
den er zuvor gestampft mit stolzen füszen.
Grillparzer⁴ 5, 109.
β)
mit gewandeltem subject, stampfender fusz u. s. w.: wenn er (der schauspieler) nur die allergröbsten äuszerungen des zornes ... getreu nachzumachen weisz — den hastigen gang, den stampfenden fusz, den rauhen, bald kreischenden bald verbissenen ton. Lessing 7, 15; auch: es zerrüttet ein fusztritt die mühseligen gebäude der ameisen, und stampft eine kleine welt in ein schmähliches grab. Göthe 16, 76 (Werther);
ringsum scholl der grosze palast von dem stampfenden fusztritt
tanzender männer zugleich und schöngegürteter weiber.
Voss Odyssee 23, 146.
γ)
mit finalem object: du bist auch unter der rotte? ich will dir das herz aus den rippen stampfen! Schiller 2, 175 (räuber 5, 1 schausp.);
kann ich armeen aus der erde stampfen?
wächst mir ein kornfeld auf der flachen hand?
13, 196 (jungfrau v. Orl. 1, 3),
vgl.: später, als sich die aus dem boden gestampften armeen mit rühmlicher bravour in den tod stürzten. Fontane kriegsgefangen³ 135.
δ)
absolut: wenn wir keine maasz wissen zu halten im zorn, sondern bey uns selbst ergrimmen, unsere geberden verstellen, fluchen, schweren, rumoren, poltern, zähne zerbeissen, stampfen, stürmen, als ob wir halb von sinnen wären. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 286; er fing aufs neue zu stampfen, zu schimpfen und zu schreien an. Göthe 19, 53 (Wilhelm Meisters lehrjahre 4, 8); vgl.: da stampfte der bursche gar grimmig und mit einem fluche auf den boden. Storm 5, 47;
Mephistopheles. dein wesen strebe nieder;
versinke stampfend, stampfend steigst du wieder.
Göthe 11, 77 (Faust 2, 1).
dazu die scenarische bemerkung: Faust stampft und versinkt. ebenda.
b)
von thieren, so von hufthieren, insbesondere vom pferde; auch hier gewöhnlich als zeichen der ungeduld, des mutes u. s. w.
α)
mit instrumentaler angabe: ein herold ... mit einem bündel sachen, und den beiden, von wohlsein glänzenden, die erde mit ihren hufen stampfenden rappen. Kleist 3, 247 (Schmidt). der thätige körpertheil als subject: von goldmetall blitzte die rüstung des rosses und sein huf stampfte auf dem linnengewand, das Irmgard ausgebreitet hatte. Freytag 8, 177 (ahnen 1).
β)
nur mit äuszerem object: es (das rosz) stampfte die erde und knirschte die zähne, seine mähne sträubte sich und seine nüstern schnaubten feuer. Brentano 5, 348;
löwe
fluszpferd und greif erheben sich über die helfte des leibes
aus dem marmor hervor, und stampfen den haltenden marmor.
Bodmer Noah 3, 209,
eine kaum zulässige dichterische freiheit, einen löwen und sogar greifen stampfen zu lassen. ein anderes bedenken hat Schönaich: fluszpferd stampfet den marmor, der es hält; und doch haben wir noch kains von marmor gesehen, das sich gerühret hätte. die ganze ästhetik in einer nusz 131 neudr.
γ)
mit finalem object:
kein wunderlicher volck ist je gesehen worden, ...
theils, wie centauren, seyn gar hurtig und geschwinde,
theils stampen eine spur im wald' als eine hinde.
Dietr. von dem Werder Ariosts rasender Roland 6, 61, 6.
δ)
absolut: das pferd stampfet, equus fodicat. Stieler 2120; das pferd stampfet, il cavallo zappa in terra, egli stampa, fodica, pesta, calpesta. Kramer dict. 2 (1702), 906ᵃ; ich nem des goszlarischen jungherrn gaul Ramel darfür, der kont am berg angebunden, also rammeln und stampffen, dasz er mit den wolgescherfften hufeisennegeln ein goldader entblöset. Garg. 204 neudr.; ich steige kaum aus dem wagen, so werden die hengste scheu, stampfen und schlagen aus, dasz mir der gassenkoth über und über an die beinkleider sprüzt. Schiller 3, 378 (kab. u. liebe 1, 6); aber lange harrte die schaar und ungeduldig stampften die rosse, bevor das schwere thor sich knarrend öffnete. Freytag 8, 116 (ahnen 1); auf dem freien raum vor der königshalle stampften die rosse. 120;
wie pferd im notstall stampften sie,
wan wir in sasen unterm knie.
Fischart 2, 36 Kurz (flöhhaz 1299);
dort trampeln die stampenden klepper, hier klappen die tappen der rappen.
Joh. Franke ird. Helicon 54;
sieh, ländliche muse, den anger voll finsterer rosse. sie werfen
den nacken empor, und stampfen mit freudig wiehernder stimme.
E. v. Kleist werke 2 (1771), 8;
das wilde streitrosz stampft und bebt
und riecht im pulverdampf
die schlacht.
Gleim 4 (1811), 98;
auf der gewässerten
aue brüllet der stier, stampft das gesättigte
rosz.
Stolberg 1, 6;
die rosse brausen schon und stampfen —
rückwärts sich wende der rachewagen!
2, 122;
und dann eröffneten die schranken sich;
da stampften pferde, glänzten helm und schilde.
Göthe 9, 136 (Tasso 2, 1);
jedoch von diesen rossen
kein einziges wiehert, kein einziges stampft,
sind still, wie aus eisen gegossen.
Heine 2, 459 Elster;
wild stampfte der hengst und tanzte keck.
Strachwitz 102 Weinhold;
zu Rostems lager hin lief Rachs,
scharrte die erd' und stampfte stracks.
Rückert Firdosi 1, 333.
4)
intrans. als mittel oder begleiterscheinung beim gehen, schreiten, tanzen, laufen u. s. w. an stelle von stampfend schreiten u. s. w.: als wann ein galgen voll gestiffelter bauern bei nacht durch das kot ins dorff stampfften und postierten. Garg. 80 neudr.; seh ich solch ein schlankes kind, wie es ... neben dem stampfenden papa und der schleichenden mama daher trippelt. Ludwig 2, 399; auch von einem pferde:
zu fusze schreitet sie heran,
doch ihr zur seite stampft der Perser schon.
H. v. Kleist 2, 48 Schmidt (Penthesilea 4).
beim tanzen zugleich um den takt anzugeben. vgl. oben die geschichte von stampenei: stampfen als tanzende, supplodere. Frisch 2, 317ᵇ; über uns weg von ihren tonnen bliesen und fiedelten die musikanten; und um uns her stampfeten und schrieen die jungen knechte und dirnen. Storm 5, 22;
tanze mit uns in die rund'! ...
stampfst zuweilen nur ein wenig,
dasz man nicht den takt verfehlt.
Uhland ged. (1864) 308.
5)
von einer bewegung des schiffes (wol übertragung von 3, b) intrans.: ein schiff stampft, wenn es um seine querachse heftig hin und her schwankt. niederd. jahrb. 5, 18; auch hier die form stampen belegt. Jacobsson 7, 425ᵃ; fallen die schiffe mit dem hindertheil hierbei tiefer ins wasser als mit ihrem vordertheil, so heiszt es: sie stampfen auf das gat. ebenda; die entsprechende bewegung um die längsachse bezeichnet schlenkern (theil 9, sp. 638 unter 3) und schlingern (sp. 741 unter 1). das fahrzeug stampfte hinein und setzte mit schwerem schlag durch die brausenden wogen. weserzeit. 1853 nr. 3033; das schiff hatte schwere fahrt, stampfend und schlenkernd und ächzend arbeitete es sich durch den tumult. Th. Mann Tristan 239.
6)
aus dem gebrauch unter 4 ergeben sich wendungen wie einen stampen machen oder lassen, ihn fortschicken, wegjagen, in denen die mitteldeutsch - niederdeutsche form unseres wortes ausschlieszlich gebraucht zu werden scheint: man könne solche murmelthier nicht besser abfertigen, dann man werff jhnen den sack für die thür, unnd lasz sie stampen. Garg. 227 neudr.;
ihr wollt die pfaffen all stampen machen,
dasz ihnen die rippen und lenden krachen,
darzu die köpf thun bluten.
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 233, 84,
woraus sich ein neues trans. entwickelt:
denn ich bin wieder an dem ampt
so ist der beck an galgen gestampt.
Thieb. Gart Joseph (Straszburg 1540) E viii.
Zitationshilfe
„stämpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/st%C3%A4mpfen>, abgerufen am 17.07.2019.

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